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66 KULTUR-MOMENTE IN OLDENBURG

  • Thorsten Lange
  • 6. Jan.
  • 24 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Nass, kalt, trübe, dunkel: Herbst und Winter sind schwierige Jahreszeiten. Das schlägt erwiesenermaßen auf die Stimmung uns sorgt bei manchen sogar für ein Gefühl der Ausweglosigkeit. Wie soll man die finsteren vier Monate von November bis Februar nur überstehen? Unser Tipp: Mit einer Mischung aus Erinnern, Ausgehen und Vorfreuen! Denn Oldenburg hat viel zu bieten, das man auch im Herbst und Winter genießen oder auf das man zumindest schon mal hinfiebern kann. Hier sind 66 gute Gründe für große Gefühle!



Bildmontage aus 66 Kultur-Veranstaltungen, Formaten und Ereignissen die in Oldenburg stattfinden
Bunter Trubel: Im Winter kann es schwer fallen, die Dinge positiv zu sehen. Deshalb unser Service für euch: 66 gute Gründe, ausgerechnet jetzt voller Optimismus nach vorne zu schauen. (Montage: Kulturschnack)

Wer sich ein bisschen für die Abläufe in unserem Körper interessiert, weiß Bescheid: Wenn im Winter die Sonne kaum scheint, dann fehlt uns Vitamin D. Dieser Mangel sorgt für Müdigkeit, Schwächegefühl, erhöhte Infektanfälligkeit oder schlechten Schlaf. Um dem entgegenzuwirken, kann man entweder Tabletten einwerfen - oder auf ein anderes Vitamin setzen. Licht in Seelendunkel bringen nämlich nicht nur die Produkte der pharmazeutischen Industrie, sondern auch - und vielleicht viel besser - die Kultur! Was sie in uns bewegt, auslöst und bewirkt, ist auf anderem Wege nur schwer zu erreichen. Sie trifft voll in unserer emotionales Zentrum, löst aber auch kognitive Prozesse aus und sorgt für einen geistigen Ausbruch aus der winterlichen Lethargie.


An welchen Orten das möglich ist, wissen wir alle sehr gut: Ob Staatstheater, Kulturetage oder Landesmuseen - die „places to be“ sind den meisten von uns wohlbekannt. Deshalb weisen wir an dieser Stelle nicht einfach darauf hin, dass es sie gibt und dass man sie besuchen sollte. Stattdessen haben wir euch eine Liste an konkreten Kultur-Veranstaltungen und Formaten zusammengestellt, bei der jeder einzelne Punkt, vor allem aber ihre Gesamtheit für geballte Vorfreude steht. Wer sich angesichts aktueller Mangelerscheinungen für die kleine Extradosis Vitamin D entscheidet, macht nichts falsch. Doch wir verschreiben Vitamin K - die ultimative Frischeerfahrung für Körper, Geist & Seele. Los geht's!




  1. Acoustic Sessions


    Wir fangen standesgemäß mit Eigenlob an: Die erste Staffel der Kulturschnack Acoustic Sessions war ein voller Erfolg: Mit Josy's Boyfriend, Catapults, Julia Klingler, o.k.kuper, Kitschkorsett und Letterbox Salvation. Staffel 2? Ist abgedreht und entführt euch mit sechs neuen Acts an einen faszinerienden Lost Place in Oldenburg. Start: bald. Also: Mitten im Winter. Freude!

  2. Alte Maschinenhalle


    Eine der coolsten Hallen in Oldenburg wurde in den letzten anderthalb Jahren von Grund auf saniert. Befürchtungen, das Ergebnis könnte allzu slick und damit austauschbar werden, haben sich nicht bewahrheitet. Schon im ersten Halbjahr soll die „Hall of Fame“, wie wir sie mal genannt haben, wieder an den Start gehen und neue, bessere Möglichkeiten für die Kultur bieten. Wir freuen uns vor!


  3. Annes Kultursalon


    Als Experiment gestartet, ist Annes Kultursalon längst zu einem Fixpunkt der Szene geworden. Im Theater k spricht Gast- und Namensgeberin Anne-Sophie Zarour mit ihren Gästen über aktuelle, relevante Themen der Kultur und verbindet das Gespräch mit künstlerischen Interventionen. Das ergibt: Immer wieder grandios unterhaltsame, inspirierende und/oder informative Abende. Ein Beispiel: Im Dezember 2025 diskutierten die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten Jascha Rohr (Die Grünen/CDU) und Ulf Prange (SPD) bei ihrem ersten Aufeinandertreffen über Kultur. Das gab es noch nie!


  4. Artist-Researcher


    Wie cool ist das: Oldenburg ist in der Forschung an der Chemie und Biologie des Meeres nicht nur weltweit führend, am Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB) gibt es auch höchst innovative Ansätze - wie den walisischen Artist-Researcher Geraint Rhys-Whittaker. Er lässt Musiker:innen im Core beim Ocean Science Jam zu wissenschaftlichen Erkenntnissen improvisieren oder macht mit den „Polar Sounds“ aus arktischen Meeresgeräuschen echte Musik - und schlägt mit diesen innovativen Projekten manchmal weltweit Wellen. Eines ist sicher: Was auch immer Geraint als nächstes vorhat - wir werden davon hören.


  5. Babybühne


    In Oldenburg beginnt die Kulturkarriere nicht erst, wenn man nach der Schule die Welt entdeckt oder gar wenn man als Rentner:in endlich „Zeit für sowas“ hat. Nee, hier fängt man an, sobald man krabbeln kann. Die Babybühne im theater wrede+ ist ein zauberhafter Ort, der für Erwachsene oft völlig unverständlich bleibt, für die Kleinsten aber eine faszinierende Welt eröffnet, der sie mit weit geöffneten Synapsen begegnen. Das Ergebnis: große Kinderaugen. Was kann's Schöneres geben?

  6. Begegnungen


    Dass Oldenburg ein Format wie die Begegnungen hat, wird unseres Erachtens gar nicht genug gefeiert. Über viele Wochen hinweg ranken sich etliche Veranstaltungen um jeweils ein Land, das wir auf diese Weise genauer kennen lernen. Das betraf - auch in ihrer Widersprüchlichkeit - faszinierende Nationen wie China, Türkei, Südafrika oder USA, aber auch europäische Nachbarn wie Polen, Island und Großbritannien. Die letzten Begegnungen sind leider gerade vorbei - aber zum Glück kommen 2027 schon die nächsten!


  7. blue OL


    Was für die einen die Babybühne ist, das ist für die anderen blue OL: Das städtische Kulturbüro hat ein Veranstaltungsformat geschaffen, das den Nerv der Zielgruppe - 55plus - genau zu treffen scheint. Alle zwei Jahre feiern die „Silver Ager“ bei blueOL Kulturangebote für die etwas Älteren - und ein bisschen auch sich selbst. Zu Recht, denn wer im Alter interessiert und agil bleibt, hat mehr vom Leben. Wie schön, dass man dafür in Oldenburg nur kurz vor die Haustür und nicht erst in eine Blaue Zone muss.


  8. Brückenkunst


    Es gibt keine Stadt ohne Brücken aus Beton. Nicht eine. Und bisher ist kaum jemand auf eine gute Idee gekommen, wie man diese grauen Ungetüme etwas aufhübschen - oder sogar zu Attraktionen machen - könnte. In Oldenburg ist das anders: Dort gibt es die Brückenkunst, ursprünglich ein Kooperationsprojekt zwischen dem Präventionsrat und Mitgliedern der Szene, inzwischen aber auch mit einem Eigenleben. Aus Grau wird bunt - und Oldenburg immer mehr zur Street Art City. Hooray!



  9. Bürgerbühnen


    Theater ist nur etwas für Profis? Ganz und gar nicht. Zwar spielen hauptberufliche Schauspieler:innen in einer eigenen Liga und deswegen lieben wir es, sie in Aktion zu sehen. Die Bühne ist aber auch für alle anderen ein Ort der Entfaltung - denn dort kann man Formen der Entwicklung anstoßen, die wir sonst nirgendwo finden. Umso schöner, dass es am Staatstheater die Erwachsenenclubs und das Stadt:Ensemble gibt und dass auch das Theater k eine Bürger:innenbühne bietet. Und übrigens: All diese Angebote eignen sich nicht nur für diejenigen, die selbst die Bühne entern wollen. Auch für das Publikum lohnt es sich, die Ergebnisse anzusehen!


  10. Carl von Ossietzky-Preis

    Mal ehrlich: Kann es einen zeitgemäßeren Preis geben als einen, der sich Zeitgeschichte und Politik widmet? Und der sich zudem den Idealen Carl von Ossietzkys verbunden fühlt, jenem Kämpfer für Freiheit und Demokratie sowie Friedennobelpreisträger, der von den Nazis drangsaliert wurde und an den Folgen der Misshandlungen starb? Wir nicht! Es ist ein Glücksfall, dass Oldenburg diese Auszeichnung vergeben darf und damit nicht nur engagierte Persönlichkeiten auszeichnet, sondern auch ein starkes Zeichen setzt. Im Mai 2026 ist es wieder soweit. Wir sind jetzt schon gespannt!

  11. CSD Nordwest

    Der Christopher Street Day ist ein Kaleidoskop: Jede:r sieht etwas anderes darin. Die einen den Protestmarsch für ihre Rechte, die anderen eine bunte Konfettiparade fürs Stadtmarketing, wieder andere eine ungeheure Provokationen für das traditionelle Familienbild (und reaktionäre Weltbild). Als Kulturveranstaltung begreifen ihn die wenigsten - doch genau das ist der CSD Nordwest. Vor allem natürlich durch das Rahmenprogramm wie z.B. die Nacht der kleinen Künste. Aber auch der Umzug selbst strotzt nur so vor Kultur im weiteren und engeren Sinne. Schaut ihn euch an, aber überseht auch das Programm nicht.


  12. Death Café


    Wir müssen alle sterben. Der Tod ist der große gemeinsame Nenner zwischen allen Menschen, vollkommen unausweichlich. Trotzdem sprechen wie nicht gerne darüber, vermeiden es so weit es geht. Das Death Café der Sparte 7 und der Stiftung Hospizdienst Oldenburg macht das Gegenteil: Es schafft eine angenehme Atmosphäre, um ganz gelassen über das zu sprechen, was sowieso kommt. Ein genialer Ansatz, den ihr alljährlich im November für euch ausprobieren könnt - und solltet.


  13. Digitex


    Zugegeben: Die digital-analoge Bühne des Staatstheaters bietet nach dem Ende des sensationellen Technical Ballroom nicht mehr ganz so viel Spektakel und Strahlkraft wie zuvor. Inzwischen heißt sie DigitEx - und falls ihr das noch nicht wusstest, ist das der beste Beweis für den letzten Satz. Es ist aber nach wie vor wichtig, dass es diesen Ort gibt. Denn mit Stücken wie „Piratenrepublik“ oder „Das Ende des Westens“ bietet er Theater der Gegenwart, mit Digitalität und Interaktivität, mit Haltung und Botschaft. Immer wieder: Ein Erlebnis!



  14. Ein außergewöhnliches Ereignis


    Es kommt nicht sehr oft vor, dass Oldenburg es mit einer Veranstaltung auf überregionale Landkarten schafft. Das Festival für elektronische Tanzmusik schaffte das locker - dank starker DJ-Line-Ups und eines uniquen Ortes auf dem Gelände der Alten Kläranlage. Eine grandiose Gesamterfahrung. Leider haben die Veranstalter von Freizeitlärm e.V. mit vielen Auflagen zu kämpfen, es gab in der Vergangenheit schon ungeplante Absagen zu beklagen. Deswegen gibt es alljährlich ein Rätselraten: Findet es statt oder nicht? Wie ist euer Tipp für 2026?


  15. Einfach Kultur


    Es begann alles ganz spontan: Weil es im Corona-Jahr 2020 plötzlich viel Fördergeld aus dem Bundeshaushalt gab, fanden sich etliche Initiativen zusammen, um sie auch zu nutzen. In Oldenburg entstand ein Bündnis aus vielen Akteur:innen, das schließlich die Oldenburger Klappstuhltage realisierte: eine wilde Mischung aus unterschiedlichsten Veranstaltungen, die ein Ziel einte: Wieder Leben in die Stadt zu bringen. Die Klappstuhltage sind zwar Geschichte, aber einzelne Elemente blieben - wie Einfach Kultur. Das On-/Off-Musikfestival erstreckt sich über mehrere Wochen und ist mit seinem treffsicheren Mix zu einem Fixpunkt des Oldenburger Sommers geworden. Und die Erinnerungen an Konzertabende im Gleispark helfen erwiesenermaßen bei der Überbrückung langer Kulturwinter.



  16. Erinnerungsgang

    Geschichte erleben: Jedes Jahr am 10. November haben wir die Möglichkeit, ein tragisches Kapitel der Oldenburger Vergangenheit hautnah nachzuempfinden. Dann nämlich findet der Erinnerungsgang statt - ein Marsch durch die Oldenburger Innenstadt, der jener Route folgt, die jüdische Bürger im Jahre 1938 gehen mussten, bevor sie in Konzentrationslager transportiert wurden. Kulturelle Begleitveranstaltungen verstärken die intensive Wirkung noch. Wir finden: Mindestens einmal sollte alle Oldenburger:innen diese Erfahrung gemacht haben.

  17. Festival der Illustration

    Wir wissen nicht, wie es euch geht. Aber für uns steht völlig außer Frage, dass Illustrationen ein fester Bestandteil der Kulturszene sind. Sie begegnen uns tagtäglich in allen möglichen Zusammenhängen und sorgen dafür, dass wir etwas wahrnehmen oder verinnerlichen, was wir sonst übersehen hätten. Das geht häufig sogar einer mit einer besonderen und bewussten Wertschätzung für die lllustration selbst einer. weil sie besonders klug oder kunstvoll ist. Nicht schlecht für etwas, das dem Wortsinn nach eigentlich nur eine „anschauliche Darstellung“ ist! Noch stärker wird der Kulturaspekt aber beim Festival der Illustratoren. Hier wird die Illustration auf ein Podest gestellt und gefeiert. Und wir finden: Vollkommen zurecht!


  18. Filmfest

    Es gibt auch andere Veranstaltungen mit internationaler Ausrichtung in Oldenburg, aber keines wirkt so stark in den Rest der Welt wie das Internationale Filmfest. Das hat einerseits damit zu tun, dass hier immer wieder wahre Perlen des Independent-Kinos zu sehen sind, deren Macher:innen später nicht selten über die roten Teppiche in Cannes oder Los Angeles schreiten. Das liegt neben einem ganz speziellen Festivalchef aber auch an der rauen Einzigartigkeit dieses Festivals, das ganz bewusst auf Glamour, Exklusivität und eine gewisse Extravaganz setzt - ungewohnt für Oldenburg, aber deshalb umso wertvoller.


  19. Films for Future

    Diese Filmreihe des Casablanca Kinos und des Ökumenischen Zentrums Oldenburg ist ein Hidden Gem der Oldenburger Kulturszene. Sie mag deutlich weniger Außenwirkung besitzen als das Filmfest, doch auch sie zeigt die große Wirkungsmacht des Kinos. Denn hier geht es um Dokus, die sich auf kluge und unterhaltsame Weise mit gesellschaftlichen Fragen/Themen auseinandersetzen. Das ist Kino für den Kopf, aber dank gekonnter Erzählungen immer wieder auch fürs Herz. Wer etwas sehen möchte, das sich gleich mehrfach lohnt, ist hier richtig.

  20. flausen+ / flukks+

    Noch ein Hidden Gem der Kulturszene. flausen+ ist ein Theaternetzwerk, das sich als Entwicklungsstufe und Sprungbrett für mutiger Theaterleute versteht. Frei von Produktionsdruck können sie über Residenzen und Stipendien neue Ideen und Formate entwickeln. Und das Publikum? Kann direkt daran teilhaben und sogar auf den Prozess einwirken. Ein genialer Ansatz, der sich inzwischen in der ganzen Bundesrepublik durchgesetzt hat. In Oldenburg kann man flausen+-Produktion übrigens im theater wrede+ sehen, das gleichzeitig die Keimzelle des Netzwerks war. Und wer unseren Podcast hört, weiß bereits: Aus flausen+ wird flukks+, sonst ändert sich nukks... äh, nix.

  21. Gegengerade

    Als wir vor einigen Jahren das erste Mal davon hörten, dass es in Oldenburg ein Filmfestival allein für Fußballfilme geben sollte, hatten wir Zweifel. Gibt es jenseits von „Kick it like Beckham“ überhaupt genug Filme? Interessiert sich das Publikum dafür? Nach einigen erfolgreichen Gegengerade-Auflagen und dem Streaming-Siegeszug von „Ted Lasso“ lautet die Antwort auf beide Fragen: Ja, und ob! Zwar bleiben bei den Screenings zwar meist noch ein paar Plätze frei. Aber der „Kinosaal“ Marschwegstadion ist mit 15.000 Plätzen vermutlich auch der größte Norddeutschlands. Sollte man mal erlebt haben - selbst wenn man um Sport sonst einen Bogen macht.

  22. Glow Jazzfestival

    Jazz hat es nicht leicht. Für die einen ist er das musikalische Nonplusultra, eine immer wieder neue Reise in akustische Klangwelten. Für die anderen ist es nicht nachvollziehbarer Lärm, bei dem man meist nicht mal mitsingen, -springen oder -moshen kann. Für beide Gruppen ist das GLOW Nordwest Jazzfestival genau das Richtige: Es bot bei seiner Premiere ein starkes Line-Up mit renommierten Künstler:innen, war aber gleichzeitig zugänglich und attraktiv für Neulinge. Fortsetzung? Folgt. Und ihr solltet mit dabei sein. Da glüht was.

  23. Herbststurm Festival

    Der Name sagt es: Auf die nächste Auflage des Herbststurm Festivals müsst ihr noch etwas warten. Das lohnt sich aber, denn wenn draußen der Wind auffrischt, tobt in der Freizeitstätte Bürgerfelde seit mittlerweile 15 Jahren ein musikalisches Unwetter der besten Sorte. Der Herbststurm bringt Metal und Hard Rock nach Oldenburg und ist in der Szene längst zur Institution geworden. An zwei Tagen bietet das Festival für Fans alles, was das Herz begehrt - und für alle anderen die ideale Möglichkeit, ins Genre einzusteigen. Schließlich liegt Bürgerfelde deutlich näher als Wacken.

  24. Jugendtheatertage

    Wir betonen es immer wieder und werden überhaupt nicht müde dabei, das weiterhin zu tun: Jugendtheater ist keine B-Variante des normalen Schauspielprogramms mit Erwachsenen. Es ist gewissermaßen ein eigenes Genre, das für sich selbst steht und für das Publikum altersunabhängig hoch attraktiv ist. Was wir bei den Jugendtheatertagen sehen, sind keine unbeholfenen Gehversuche von absoluten Anfänger:innen. Nein, das ist intensives, mitreißendes Theater am Puls der Zeit. Im Juni ist es wieder soweit!


  25. Kabarett-Tage

    Den „Auftakt nach Maß“ ist eine Formulierung aus dem Repertoire von Fußballreporter:innen, die tatsächlich jedes Mal rausgekramt wird, wenn innerhalb der ersten fünf Spielminuten ein Tor fällt. Würden wir den Spruch auf die Kultur übertragen, dann würde er für die Oldenburger Kabarett-Tage gelten. Sie bilden mit ihrem Start Anfang/Mitte Januar ein erstes Highlight im Kalender - und erfüllen die hohen Erwartungen jedes Mal aufs Neue. Studierendenwerk und Kulturetage holen stets acht großartige Künstler.innen nach Oldenburg, die mal absolute Geheimtipps und mal angesagte Szene-Stars sind. So oder so lohnt es sich, Tickets zu kaufen: Lachen ist gesund!

  26. Kein Stadtmuseum

    Natürlich ist es gar nicht schön, dass wir seit einigen Jahren kein Stadtmuseum haben. Aber mal ganz ehrlich: Habt ihr die alte Version davon wirklich vermisst? Oder ist an seine Stelle nicht etwas gerückt, das den Verlust ausgeglichen hat? Wir finden jedenfalls: Was das Team des Stadtmuseums um Dr. Steffen Wiegmann während der jahrelangen Schließzeit auf die Beine gestellt hat, wie präsent das Haus war ohne einen Standort zu haben und wie viel kreative Energie in dieser Zeit freigesetzt wurde, war schlicht der Wahnsinn. Nur noch wenige Monate werden vergehen, bis das neue Stadtmuseum seine Tore öffnet. So langsam stellt sich die Vorfreude ein - aber auch ein bisschen Wehmut, dass die wilde Zeit vorbei ist, in der Stadt und Museum erstmals wirklich eins wurden.

  27. Keramiktage

    Neben dem Filmfest tragen auch die Keramiktage das Wort „International“ im Namen. Auch wenn die Strahlkraft nicht unbedingt bis nach Nordamerika reicht, ist die Bezeichnung auch in diesem Fall korrekt: Der ehemalige Töpfermarkt ist eine Art europäischer Szenetreffpunkt und gleichzeitig ein Publikumsmagnet. Bei einem Besuch wird deutlich: Hier geht es nicht um das hübscheste Kaffeeservice, sondern um Keramik als Kunstform. Wer Muße mitbringt, kann in eine Parallelwelt aus Porzellan (und anderen Werkstoffen) eintauchen. Wir empfehlen das sehr!

  28. KIBUM

    Richtig, die KIBUM richtet sich an Kinder und Jugendliche. Macht es sie deshalb für Erwachsene uninteressant? Ganz und gar nicht - und dabei denken wir keineswegs nur an Eltern. Längst vermischen sich vermeintliche Jugendstoffe mit jenen für Erwachsene, immer wieder werden verfilmte Jugendbücher über alle Altersgrenzen hinaus zum Erfolg. Aber auch, wenn man sich mit den Büchern nicht beschäftigen will, darf man es gut finden, wenn Oldenburg in diesem Bereich ein Zeichen setzt und konkrete Literatur- und Leseförderung betreibt. Und wenn dann auch noch Judith Rakers vorbeikommt, sind alle restlos glücklich.

  29. Knastkultur

    Die Zahl der Ausstellungshäuser und Galerien in Oldenburg ist nicht unendlich groß. Wer sich für Kunst interessiert, dürfte in den meisten bereits gewesen sein. Ein Ort jedoch ziert sich etwas und ist deutlich schwerer zu erkunden als andere: Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg. Sie war schon Kinosaal fürs Filmfest und Konzertbühne für Butch Walker (sic!). Sie zeigt in ihren Gängen aber auch immer wieder spannende Ausstellungen, die nicht nur für die Insassen eine willkommene Abwechslung sind, sondern auch den Besucher:innen von „draußen“. Und wenn man viel Glück hat, wird man vielleicht sogar mal gefragt, ob man zusammen mit einem Inhaftierten ein Bild besprechen will - zweifellos einen spannende Erfahrung!

  30. Kneipenkonzerte

    Es ist eine alte Diskussion: Zählen die Konzerte in Kneipen zum Kulturkanon? Sind Hutkonzerte von Singer-Songwriter:innen oder die ersten Shows der Punkband aus der Nachbarschaft Teil der kulturellen Grundversorgung? Und was ist mit jenen Veranstaltungen, mit denen die Betreiber:innen in erster Linie den Laden füllen und Getränke verkaufen wollen? Aber das ist nicht unsere Frage! Wir finden großartig, was in Oldenburger Kneipen und Clubs passiert. Egal, ob umBAUbar, Polyester oder Buddel Bar: Überall gibt's tolle Konzerte und Veranstaltungen mit ganz eigenem Charakter. Hin da!

  31. Kultursnacks

    Am Anfang stand eine kurze Irritation: Kultursnacks? Das klingt ja fast wie... Kulturschnack! Innerhalb unseres begrenzten Mikokosmos gibt es da durchaus eine Verwechslungsgefahr. But no worries, wir waren überzeugt, dass in Oldenburg Platz genug für beide Angebote ist - und sind es noch. Zumal die Kultursnacks eine tolle Art sind, seine Mittagspause sinnvoll zu verbringen. Kleine Kulturhäppchen für Hirn und Herz - und das auch noch gratis? Eigentlich zu schön um wahr zu sein. Aber in Oldenburg längst gelebte Realität. Wow!

  32. Kultursommer

    Was soll man über ihn noch groß sagen? Den Oldenburger Kultursommer kennen und lieben wir alle! Seit fast fünfzig Jahren verwandelt er die heiße Jahreszeit für alle Daheimgebliebenen in ein Musik-, Theater, Kino- und Literaturspektakel. Zwar füllt er nicht mehr - wie früher - die gesamten Sommerferien. Dafür sind Niveau und Renommee der Künstler:innen enorm angestiegen. Qualität statt Quantität also - genau der richtige Ansatz, wie wir finden. Es gibt nur ein Problem: Alle Urlauber:innen haben an den schönsten Orten der Welt plötzlich FOMO - weil zuhause so viel passiert.


  33. KulturTafel

    Die Idee der Tafeln kennt vermutlich jeder. Dass es auch KulturTafeln gibt, wissen schon deutlich weniger Menschen - aber zum Glück immer mehr. Das Prinzip ist dasselbe: Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten werden in die Lage versetzt, etwas zu konsumieren - bzw. zu erleben - was sie sich sonst nicht leisten könnten. Ein toller zwischenmenschlicher Ansatz, der im Falle der Kultur sehr viel mehr bietet als nur einen Zeitvertreib. Wir sind begeistert, dass die KulturTafel Oldenburg so erfolgreich arbeitet und so vielen Menschen hilft. Es ist eine Ehre und Freude für uns, dass wir seit 2022 zu ihren offiziellen Botschafter:innen gehören.

  34. Kunst im öffentlichen Raum

    Sie sind die kulturellen Farbtupfer im ansonsten arg verkehrslastigen Stadtraum: Die Kunstwerke in der Öffentlichkeit. Damit meinen wir an dieser Stelle nicht die immer hochwertigere Street Art, für die Oldenburg allmählich Bekanntheit genießt. Damit meinen wir konkrete Kunstwerke, häufig Skulpturen, die auf Plätzen oder an Straßen aufgestellt werden, weil an dieser Stelle etwas ausgesagt werden soll, das über reine Funktionalität hinausgeht. Manche dieser Werke nimmt man kaum wahr, andere stoßen immer wieder neue Denkprozesse an. Gemeinsam haben alle, dass sie das Stadtbild bereichern und ein wichtiges Signal dafür senden, dass zur öffentlichen Gemeinschaft nicht nur Straßen und Wege gehören, sondern auch Kunst.

  35. Lange Nacht der Musik

    Wenn man es genau nimmt, dann ist dieser Name ein kleiner Etikettenschwindel. Weder geht die Veranstaltung die ganze Nacht, noch eckt die die Musik in ihrer vollen Genre-Bandbreite ab. Im Gegenteil: Sie widmet sich den Spielarten der Neuen Musik, einer für Neulinge her schwierig zu verstehende Materie. Aber eben jene - die mit Neuer Musik noch nicht viele Begegnungen hatten - sind hier genau richtig. Denn die Darbietungen fransen Richtung Populärmusik aus, sind deshalb durchaus zugänglich und laden zu Entdeckungen ein. Was für die gesamte - übrigens für den Verkehr gesperrte - Peterstraße gilt: Bei der Langen Nacht der Musik entsteht eine besondere Atmosphäre voll sommerlicher Leichtigkeit, die man nicht verpassen sollte.

  36. Literarischer Landgang

    Das Literaturhaus Oldenburg ist überregional bekannt für sein starkes Programm. Ein besonderer Leckerbissen ist dabei der Literarische Landgang: Jedes Jahr reist ein:e vielverpsprechende:r, talentierte:r oder schon erfolgreiche:r Autor:in durch das Oldenburger Land, um sich Eindrücke von der Region zu machen. Daraus entsteht dann ein Text, der sich -in welcher Form auch immer - mit den Entdeckungen und Erlebnissen im Nordwesten beschäftigt. Im zweiten Teil des Landgangs geht die Reise dann von vorne los, dieses Mal aber in Form von Lesungen des entstandenen Textes. Eine tolle Gelegenheit für alle Einheimischen, die eigene Heimat durch fremde Augen noch einmal neu kennen zu lernen.

  37. LOLdenburg

    Weiter oben steht es schon: Lachen ist gesund. Wenn das stimmt (und davon gehen wir aus), wäre LOLdenburg ein absoluter Pflichttermin. Die offene Bühne für junge Comedy-Künstler:innen hat sich inzwischen fest etabliert. Zwar schwankt das Niveau der Darbietungen durchaus ein wenig. Mal trifft es den eigenen Geschmack gut, ein anderes mal eher nicht. Aber das macht auch den Reiz des Formats aus. Es erlaubt Entdeckungen und Überraschungen, vor allem aber herzhaftes Ablachen. Und Humor ist ohne jeden Zweifel auch ein Teil unserer Kultur.


  38. Mach|Werk

    Im Jahre 2018 geschah etwas Unerwartetes: Die Stadt Oldenburg führte ein neues Förderformat für innovative Kulturprojekte ein. Man hatte erkannt, dass man nicht davon ausgehen durfte, dass unentwegt neue Talente ihr Glück in der Kultur suchen. Mit Mach|Werk wollte man einen Nährboden schaffen, der erste Schritte ermöglicht. Mit Erfolg: Inzwischen wurden 59 Projekte in einem Volumen von 430.000 Euro gefördert - darunter viele Formate, die entweder besonders spektakulär waren (z.B. MEMUR) oder die sich mittlerweile fest etabliert haben (z.B. Pelle, Reading Partys). Auf die neue Mach|Werk-Runde im Sommer darf man jetzt schon gespannt sein.

  39. MEMUR


    Eigentlich gehört das MEMUR Urban Art Festival nicht in diese Liste - aber irgendwie doch. Denn bisher hat es nur ein einziges Mal stattgefunden. Dieses Event aber war so erfolgreich und hat das Image Oldenburg so nachhaltig verändert, dass man nur darauf hoffen darf, dass die Veranstalter:innen eines Tages doch ein Follow-up realisieren. Dass Oldenburg heute ohne Schamesröte von sich behaupten darf, eine Street Art City zu sein, hat nicht zuletzt mit jenen Tagen im August 2022 zu tun, die am Bahnhofsweg bis heute imposante Spuren hinterlassen haben. Auch wenn die Farben inzwischen verblassen: Ein Besuch lohnt sich immer!

  40. Nacht der Museen

    Die Nacht der Museen ist theoretisch gar nicht so besonders. Es gibt sie in ähnlicher Form in vielen Städten Deutschlands. Und keines der beteiligten Häuser kuratiert für die sechs Stunden zwischen 18 und 0 Uhr eine eigene Ausstellung. Man sieht also, was es auch sonst zu sehen gäbe. Was ist also dran an der Nacht der Museen? Einiges. Denn erstens ist die Abendstimmung eine völlig andere als jene am Tag. Zweitens hat es eine eigene Magie wenn tausende Menschen von Museum zu Museum strömen und alle geradezu ergriffen sind von der intensiven Kulturbegegnung. Und drittens braucht man einfach Anlässe, um den entscheidenden Schritt vor die Haustür zu tun. All das bietet die Nacht der Museen - und all das macht sie so überaus erfolgreich.

  41. Niederdeutsches Theater

    Immer weniger Menschen sprechen Platt. Manche verstehen das Niederdeutsche nicht einmal mehr. Das mag man als Zeichen der Zeit werten und schulterzuckend hinnehmen. Das darf man aber auch bedauern und versuchen, dem entgegenzuwirken. Genau das tut die Niederdeutsche Bühne - auf höchst attraktive Weise. Was dort auf die Bühne kommt, ist zwar keine bahnbrechende Weiterentwicklung von Theatertraditionen. Es ist aber wunderbares Wohlfühl-Theater, das vielen Menschen eine Heimat bietet, die sich von des Ambitionen manch anderer Stoffe ein Stück weit überfordert fühlen. Und dass Platt keineswegs altmodisch ist, sondern auch hochaktuell sein kann, ist dort auch immer wieder erleben. Checkt das aus!


  42. Open Stage

    Trau dich! Zwei einfach Worte, eine simple Aufforderung - und doch türmen sich dahinter für mache unüberwindbare Hürden auf. Der Grund: Wir erwarten viel zu viel von uns und haben große Angst vor dem Scheitern. Aber was ist denn schon dabei, wenn wir auf einer Bühne stehen und dabei irgendwas nicht klappt? Auch dann wäre man immerhin um eine Erfahrung weiter. Deshalb: Traut euch - zum Beispiel auf die Open Stage der Sparte 7 des Oldenburgischen Staatstheaters. Dort steht ihr im Mittelpunkt. Und wer weiß, vielleicht geht tatsächlich etwas schief. Aber vielleicht auch nicht und ihr werdet zum Star des Abends. Versucht es einfach!

  43. Orange Days

    Die Kultur geht voran. Das tut sie oft und gern, weil sie soziale, ethische und humanitäre Haltungen und Anliegen hat. So ist es auch bei den Orange Days, die sich im November gegen Gewalt an Frauen richten. Dafür werden nicht nur Gebäude orangefarben angestrahlt, dazu gehört seit 2025 auch ein passendes Kulurprogramm. Von der Keimzelle Studierendenwerk ausgehend hat sich zunächst im universitären Kontext ein Bündnis verschiedener Akteur:innen entwickelt. Doch auch das Staatstheater war bereits dabei. Ob 2026 weitere Institutionen mitmachen? Das wird spannend zu beobachten sein. Das Thema jedenfalls hätte jede Aufmerksamkeit verdient.

  44. Pelle der Späti

    Man muss sie lieben, die beiden Mädels von Pelle, der Späti. Madlene und Cora haben das Herz am richtigen Fleck und zeigen, dass Dinge gelingen können, wenn man es einfach mal versucht. Mit ihrem Kulturkiosk haben sie ein Kleinod geschaffen, das sicherlich nicht mit einer großen Bühne mithalten kann, das dafür aber Nischen für kleinere und leisere Kulturformate bietet - und auch für das Grundrauschen im Umfeld solcher Veranstaltungen. Sich treffen, miteinander ins Gespräch kommen und vielleicht sogar Ideen schmiden? Das kommt ansonsten viel zu kurz. Bei Pelle aber gehört das dazu. Kein Wunder, dass Cora und Madlene jetzt den nächsten Schritt gehen.

  45. Pixel-Art

    Eigentlich sind sie längst ein normaler Teil der Stadt die kleinen Kunstwerke des Say Love Kollektivs. Schließlich hat sie jeder schon einmal gesehen, sich kurz daran erfreut, um dann - natürlich - die volle Aufmerksamkeit wieder auf den Verkehr zu lenken. Eigentlich. Aber sie sind es nicht. Die farbenfrohen Irritationen auf den meist grauen Rückseiten des Oldenburger Schilderwaldes sind mehr als nur flüchtige Reize. Sie sind immer wieder: eine Bereicherung für unseren Alltag. Und ganz nebenbei ist die Pixel-Art die vielleicht charmanteste Variante, die Vergangenheit zu feiern anstatt in irgendeine diffuse Wehmut zu verfallen. Wir mögen das sehr. Und ihr?




  46. Punkkneipe

    Wir legen uns fest: Das Alhambra ist ein Kulturort der Extraklasse. Allzu oft fliegt es unter dem Radar, wird argwönisch berachtet oder missverstanden. Das ist ein Fehler, denn hier passiert Kultur, wie man sie sich nur wünschen kann: Aus der Bevölkerung heraus, eigeninitiativ und selbstständig, mit ganz individuellen Motiven und Zielen. Das sorgt einerseits für eine enorme Bandbreite, andererseits aber auch für das nötige Herzblut, das diese Veranstaltungen brauchen. Zum Beispiel die Punkkneipe: ein unverbindliches Angebot, das längst eine Institution geworden ist. An jedem dritten Mittwoch im Monat gilt: Einfach mal hingehen und testen. Vielleicht ist es was für euch, vielleicht auch nicht. Aber: Schön, dass es so etwas gibt.

  47. Queer Film Festival

    Schon wieder Kino? Aber ja! Denn wie der Name schon sagt, unterscheidet sich das Queer Film Festival deutlich von allen anderen. Wobei: so deutlich nun auch wieder nicht. Zwar sind die Protagonist:innen allesamt nicht heterosexuell und zumindest an einem Abend wird es auch explizit, aber die erzählten Geschichten - in denen es häufig um Selbstfindung oder die große Liebe geht - sind für alle Menschen interessant. Den Kern bilden wie beim Internationalen Filmfestival ganz einfach gute Filme. Die lohnen sich immer - und hier vielleicht noch mehr, weil man womöglich eine Welt außerhalb der eigenen Bubble entdeckt.

  48. Raum auf Zeit

    Ea gab mal eine Zeit, das standen viele Kulturschaffende vor demselben Problem: Wollte man etwas auf die Beine stellen, musste man Verbündete suchen, Räume finden, Kontakte knüpfen. All das ist jetzt sehr viel einfacher geworden - durch Raum auf Zeit. Die agile Agentur bietet all das „in one go“ und unterstützt vor allem unerfahrene Kulturakteure oder neue Netzwerke damit substanziell. Raum auf Zeit mag nicht für alle das Passende haben, für viele aber doch. Und deswegen findet vor allem im Ausstellungsbereich schon sehr viel mehr statt als vor der Gründung der Agentur. Ein großer Gewinn für Oldenburg!


  49. Reading Partys

    Ganz ohne Zweifel waren wir nicht, als wir erstmals von dem Plan des Oldenbook Kollektivs hörten, in Oldenburg Reading Partys stattfinden zu lassen. Also: Treffen von Menschen, die gemeinsam lesen. Als wir dann aber mit dem enthusiastischen Team sprachen, war sofort klar, dass die Sache funktionieren könnte. Und genau das tat sie auch! Längst ist aus dem Experiment ein Erfolgsformat geworden, das oft ausgebucht ist. Gemeinsam lesen - das ist nicht mehr länger ungewöhnlich, sondern ein sehr reizvolle Sache geworden, die in Oldenburg ein großes Publikum hat.


  50. Reframed Fototage

    Fotos sind überall. Kaum ein anderes Medium prägt unseren Alltag so sehr wie die Momentaufnahmen mit der Kamera. Trotz (oder wegen?) dieser enormen Präsenz nehmen viele sie nicht als Kunstform wahr, sondern als etwas vollkommen Alltägliches, eine Art visueller Gebrauchsgegenstand. Dass viel mehr in ihnen steckt, zeigen alle zwei Jahre die reframed Fototage, die unter Regie des Kulturbüros jeweils im Herbst stattfinden und von denen Teile immer auch umsonst & draußen zu sehen sind. Also: Raus aus dem Feed, rein in die Fototage.

  51. Rock gegen Rechts

    Der meistgeklickte Artikel auf Kulturschnack.de ist jener über Rock gegen Rechts. Tausende Leute interessiert offenbar brennend, welche Bands beim Festival spielen, das früher auf dem Rathausmarkt zuhause war und inzwischen auf den Schlossplatz gewandert ist. Vom Ortswechsel mag man halten, was man will - die Veranstaltung selbst ist über alle Zweifel erhaben. Punk- und Rockbands aus der Region oder mit Connections hierher überzeugen jeweils am Vorabend des Tags der Arbeit am 1. Mai mit klarer politischer Botschaft und das Publikum feiert all das sehr. Da hilft nur eins: Mitfeiern - und ein Zeichen setzen.

  52. Sheroes

    Es ist eine große Ungerechtigkeit der Weltgeschichte: Die Errungenschaften von Frauen wurden entweder kleingeredet, diskreditiert oder häufig einfach Männern zugeschrieben. Bis heute halten sich verschiedenen Narrative, die Frauen bewusst benachteiligen und sie um ihre großen Verdienste bringen. Das geht gar nicht! Höchste Zeit also, diese weiblichen Heldinnen - sprich: Sheroes - bekannter zu machen. Die Sparte 7 hat dafür ein spielerisches Format entwickelt, bei dem jeder Erkenntnisgewinn nicht nur einen Aha-Effekt erzeugt, sondern sogar Spaß macht. Geniale Idee, tolle Umsetzung!

  53. Slamformate

    Wir alle reden, manche von uns den ganzen Tag. Aber Sprache ist häufig nur ein Vehikel für Sachinformationen. Dabei kann sie viel mehr - wie die Slamformate in Oldenburg zeigen. Sie huldigen dem Wort als Kunstform. Ob „Lesebühne Metrophobia“, „Lecker Lyrik“, der „Hörsaalslam“ oder „It's not the medium, it's the slam“: Alles trägt dazu bei, die Wertschätzung für unsere Sprache und ihre vielen Möglichkeiten sich auszudrücken, zu erhöhen. Das feiern wir sehr, denn der Ton macht die Musik.

  54. Sommerkino

    Kino findet drinnen statt? Von wegen! Zwar lohnt es sich immer, etwa ins Cine k, Casablanca oder Gegenlicht zu gehen. Die Atmosphäre im Saal ist unvergleichllich. Doch das Sommerkino des Cine k bietet eine ebenso einzigartige Alternative: In lauen Sommernächten gibt es kaum etwas Schöneres als gemeinsam mit anderen Film-Highlights unter freiem Himmel zu sehen. Die Stimmung ist bestens, das Programm auch - das ist allemal besser, als auf der heimischen Couch zu vereinsamen.


  55. SpontanOL


    Die Deutschen gehören sicher nicht zu den spontansten Menschen auf diesem Planeten und Oldenburg macht dabei keine rühmliche Ausnahme. Dennoch hat sich hier eine veritable Spontantheater-Szene etabliert, die weit über die Grenzen der Region hinaus Bekanntheit und Beliebtheit genießt. Wer sich den Spaß einmal angeschaut hat, weiß warum: Die plötzlichen Einfälle der Akteur:innen haben den Cjarme des unfertigen, sind mal geradezu genial, mal übrrschend nachdenklich, mal brüllend komisch. Das SpontanOL-Festival ist die perfekte Gelegenheit, um ganz tief einzutauchen und bei einem Workshop selbst spontaner zu werden. Das schadet niemandem - siehe oben.

  56. Stadtteilkultur

    Oldenburg ist monozentristisch. Es war nie groß genug, als dass sich in den Stadtteilen echte Subzentren entwickelt hätten, die eine Fahrt in die City überflüssig machen. Das Prinzip gilt weitgehend auch für die Kultur - allerdings mit Ausnahmen. In den Stadtteilen gibt es zunehmend mehr Akteur:innen, die vor Ort etwas umsetzen wollen. Das Kulturfestival Bloherfel.de ist ein Beispiel dafür, das Farbenfroh Kulturfestival in Kreyenbrück ein anderes, hinzu kommen die sehr aktiven Jugendfreizeitstätten, die oft mehr sind als ihr Name nahelegt. Und rund um das ehemalige Globe-Kino wird auch Donnerschwee immer lebendiger. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis weitere Stadtteile ein kulturelles Doppelleben beginnen. Auch wenn Oldenburg im Kern immer monozentristisch bleiben wird.


  57. Stipendien


    Man könnte kritisieren, dass bei Stipendien Geld an Menschen geht, die nicht aus Oldenburg kommen und vielleicht auch nicht hier bleiben. Das wäre allerdings äußerst kurzsichtig. Wichtiger als der finanzielle Aspekt ist etwas anderes: Es kommen Leute mit unverstelltem Blick und ohne die Hypothek kindlicher Prägungen. Sie haben einen frischen Blick auf die Dinge, bringen ihren Erfahrungen und ihre Expertise ein und lassen Neues entstehen. Das bedeutet für die Kultur in jedem Fall eine Frischzellenkur. Die Stipendien der Oldenburger Kunstschule, des Hauses für Medienkunst oder des Horst-Janssen-Museums sind deshalb ausnahmslos zu begrüßen. Es dürften eher mehr als weniger sein - denn Oldenburg profitiert davon!

  58. Straßenmusik


    Manche gehen achtlos an ihr vorüber, andere bleiben andächtig stehen: Straßenmusik wird ganz unterschiedlich wahrgenommen. In Oldenburg thront über allen natürlich Waldemar, der musikalisch nicht zu bewerten ist und als Gesamtkunstwerk unverzichtbar wurde. Daneben gibt es aber immer wieder Musiker:innen, die eine Zeit lang die Fußgängerzone prägen und dabei hin und wieder enormes Niveau zeigen. Auch wenn mancher Beitrag in der Vorweihnachtszeit verzichtbar erscheint, kann es unserer Ansicht nach kaum genug Straßenmusik sein. Sie ist eine zwanglose Form der Kultur, die oft genug eine Bereicherung in unserem durchgetakteten Alltag darstellt. Inspiration und Genuss to go. Deshalb gehören wir zu den Stehenbleibern.

  59. Street Art Touren

    Wer vor zwanzig Jahren prophezeit hätte, dass es in Oldenburg eines Tages geführte Street Art Touren geben würde, die durchaus eine Daseinsberechtigung haben, wäre wahrscheinlich nicht ernst genommen worden. Das hat sich deutlich geändert: Oldenburg mag mit den ganz großen Szenemekkas nicht mithalten können, doch die Entwicklung der letzten Jahre ist vor allem in Sachen Murals enorm. Bekannte Namen wie Okuda, Victor Ash oder die 1up Crew sind allesamt an der Hunte vertreten und jeweils füreinander eine gute Gesellschaft. Nein, die Street Art Touren sind kein Scherz, sondern ein attraktives Angebot - für Tourist:innen ebenso wie für Einheimische.


  60. Steuerfreies Tanzvergnügen

    Mit Blick auf den Gesamthaushalt der Stadt Oldenburg ist es nur eine Kleinigkeit. Und auch für die betroffenen Veranstaltungen halten sich die finanziellen Auswirkungen in Grenzen. Trotzdem war es ein starkes Signal, als der Rat im Herbst 2025 die Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen gestrichen hat. Das beseitigte einerseits gefühlte Ungerechtigkeiten und das betonte andererseits die gesellschaftliche Relevanz und Wertschätzung der Tanzveranstaltungen, denen man keine weitere Steine in den Weg legen wollte. Im Namen der Szene und des Publikums: Danke!

  61. Studiengang Kunst und Medien

    Manche Oldenburger:innen schauen etwas neidisch nach Bremen oder Braunschweig. Die dortigen Hochschulen für Künste sorgen für eine sehr lebendige Kulturszene und einen steten Nachschub an jungen Künstler:innen. Traumhaft! Dass es in Oldenburg zumindest einen Studiengang gibt, der ganz ähnlich wirkt, wird dabei oft übersehen. Dabei sind die Studierenden aus diesem Bereich in Oldenburg selbst zu einem Aktivposten geworden und schaffen immer wieder spannende Ausstellungsformate. Wer von etablierter Kunst genug hat oder einfach mal Abwechslung sucht, sollte sich die Projekte des Studiengangs Kunst und Medien nicht entgehen lassen.

  62. Tanztage

    Nach Filmfest und Keramiktage sind die Tanztage das dritte Format, das selbstbewusst das Adjektiv „international“ im Namen trägt. Alles andere wäre in diesem Fall auch zu kurz gegriffen, kommen die beteiligten Compagnien doch häufig nicht nur aus vielen verschiedenen Ländern, sonern auch von unterschiedlichen Kontinenten. Oldenburg hat zwar selbst eine spektakulär gute Ballettsparte, doch die Tanztage sind mit ihren Einflüssen aus aller Welt eine echtes Glanzlicht geworden, das sich auch Tanzmuffel nicht entgehen lassen sollten. Man muss dabei gewesen sein, um es vollends zu begreifen - doch dann ist die Suchtgefahr groß.


  63. Updreihn Festival

    Das stets ausverkaufte Updreihn-Festival ist ein Paradebeispiel für Do it yourself-Kultur. Die Beteiligten sind allesamt begeisterte Festivalfans. Doch anstatt nur zu konsumieren oder zu lamentieren, stellten sie sich die Frage: Können wir das auch selbst? Und die Antwort lautet: Sie können! Das „Updreihn“ konkurriert allerdings nicht mit Deichbrand und Hurricane, es ist vielmehr ein kleines, feines Ein-Tages-Festival für alle Freunde von Punk und Rock. Ebenso wie die Veranstalter:innen zeichnen sich auch die Bands durch viel Herzblut aus. Intensive Konzerterlebnisse sind damit garantiert - und sicher heißt es auch in diesem Jahr wieder: Sorry, ausverkauft.

  64. World Press Photo

    Ein Oldenburg ohne World Press Photo Ausstellung ist eigentlich kaum noch vorstellbar - und das ist vielleicht das größte Kompliment, das man einem solchen Event machen kann. Das Mediavanti-Team hat die Standard-Bilderschau der WPP Foundation derart stark mit Kontext und Rahmenprogramm aufgeladen, dass man die Oldenburger Variante der Ausstellung mit Fug und Recht als einzigartig bezeichnen kann. Hier wird geboten, was kaum irgendwo sonst zu sehen bzw. zu erleben ist: Hintergrundwissen aus erster Hand, spannende Vorträge zu relevanten Themen von interessanten Menschen. Dafür lohnt sich die viele Arbeit. Chapeau!

  65. Zeichenfestival


    Man darf ja zu Recht fragen, wie man aus einer stillen Arbeit wie dem Zeichnen ein Festival machen möchte. Und die Antwort lautet auch, dass man den Begriff etwas anders verstehen muss. Aber wenn man Zeichenfestival-Leiter Georg Lisek sprechen hört, weiß man schnell, dass die Bezeichnung korrekt ist. Die intensive Erfahrung, die die Teilnehmer der bisher zehn Festivals gemacht haben, ist anders kaum zu beschreiben. Dank innovativer, kreativer Plakataktionen hat aber auch die Allgemeinheit etwas vom Zeichenfestival. Schade eigentlich, dass es nur alle zwei Jahre stattfindet. Aber so bleibt es etwas Besonderes, wenn plötzlich wieder Kunstwerke statt Konsumpropaganda an den Litfaß-Säulen hängen. Wir freuen uns schon vor!

  66. Zirkuskunst

    Zirkus: Das war lange kaum mehr als eine Erinnerung an die Kindheit. An halbleere Zelte, einigermaßen unglücklich wirkende Tiere und kaum besser gelaunte Clowns. Aber das ist Geschichte, falls es überhaupt jemals so war. Der moderne Zirkus ist ein zeitgemäßes Spektakel mit atemberaubender Artistik und Akrobatik und gekonntem Humor aus der Welt der Varietés. Dass Oldenburg zu einer Hochburg circensischer Attraktionen geworden ist, haben wir dem Mut des Vereins Kultur-Perspektiven zu verdanken - aber auch uns selbst, weil wir uns auf das Abenteuer eingelassen haben. Das sollten wir weiterhin tun.







 
 
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