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STAATSAKT #11: DAS ENDE DES WESTENS

  • Thorsten Lange
  • 5. Dez. 2025
  • 9 Min. Lesezeit

Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen!


Szene aus „Ds Ende des Westens“ von Lars Werner, das von Lukasz Lawicki am Oldenburgischen Staatstheater inszeniert wird.
Sucht die Herausforderung: Regisseur Lukasz Lawicki will unterhalten - doch das allein ist ihm nicht genug.. (Bild: Stephan Walzl)

Was will Theater? Was kann Theater? Und was muss es leisten? Fragen wie diese werden gestellt, seitdem der erste Mensch eine Bühne betreten hat - und die Antworten darauf fallen durchaus unterschiedlich aus. Einige der spannendsten gibt Regisseur Lukasz Lawicki, der seit etwa fünf Jahren am Oldenburgischen Staatstheater arbeitet. Er war in den Spielzeiten 22/23 und 23/24 ein Aktivposten des Technical Ballroom, damals die erste feste digital-analoge Bühne Deutschlands. Auch beim Nachfolgeprojekt Digitex ist er eine prägende Figur.


Doch ihn macht nicht nur die Affinität für neue technische Möglichkeiten aus, sondern genauso sehr - bzw. noch viel mehr - sein Gespür für aktuelle Themen und sein Anspruch, sie intelligent, mutig und ambitioniert zu inszenieren. Sein Credo: Die Menschen müssen sich begegnen und bewegt werden, sie sollen Denkanstöße mit nach Hause nehmen. Sein Theater soll genau das wollen, können, leisten. Das zeigt auch sein aktuelles Stück „Das Ende des Westens“. Im KULTURSCHNACK STAATSAKT #11 verrät Lukasz, ob es trotz des Titels Hoffnungsschimmer gibt, warum er sich selbst und das Publikum gerne herausfordert und wie Technik und KI das Theater revolutionieren.



OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER

DAS ENDE DES WESTENS



FR 05.12. 20 UHR ENTFÄLLT SO 7.12. 18 UHR KARTEN

DO 11.12. 20 UHR KARTEN

FR 12.12. 20 UHR KARTEN

DI 16.12. 20 UHR RESTKARTEN

DO 18.12. 20 UHRKARTEN

FR 19.12. 20 UHR KARTEN

MO 29.12. 20 UHR KARTEN

DI 6.1. 20 UHR KARTEN


EXHALLE

26122 OLDENBURG





E L F T E R

S T A A T S A K T


E R S T E R A U F T R I T T


Eine Theaterbühne am späten Vormittag eines milden Wintertages. Die Sonne kämpft sich mühsam durch eine mitteldichte Wolkendecke, einige Strahlen brechen hindurch und tauchen die Stadt in ein fales, aber stimmungsvolles Licht. Davon ist im Saal jedoch nichts zu spüren: Hier versprüht das Bühnenbild eines Theaterstücks eine technokratisch-kühle Atmosphäre. Zwei Kulturredakteure wählen den idealen Ort für ein Gespräch, der Gast notiert auf seinem Notebook schnell noch einige Gedankenblitze.


Thorsten Lange vom Kulturschnack Oldenburg im Interview mit Lukasz Lawicki, Regisseur am Oldenburgischen Staatstheater
Mittendrin statt nur dabei: Zum Gespräch über „Das Ende des Westens“ trafen wir Lukasz auf der Bühne in der Exhalle. (Bild: Kulturschnack)

THORSTEN Der Titel deines neuen Stücks Das Ende des Westens klingt ja sehr apokalyptisch – zumindest für einen Teil der Welt. Was erwartet denn die Zuschauer? Endzeitstimmung pur?


LUKASZ Es ist tatsächlich Endzeitstimmung pur, aber in einem sehr schönen, theatralen Gewand. Und ich sag mal: So wie sich die politische Lage momentan entwickelt, ist Hoffnung nur noch an wenigen Stellen zu finden.


THORSTEN Das klingt tough. Worum geht es denn genau?


LUKASZ In Das Ende des Westens von Lars Werner geht es darum, den Alltag in einer Trollfabrik zu beschreiben. Die dramaturgische Klammer bildet die Figur Sascha, die immer wieder im Stück auftaucht. Insgesamt ist es ein geschichtlicher Abriss über die Dekonstruktion des Westens und unserer demokratischen Verhältnisse. Das beginnt 1980, führt bis heute und gewährt sogar einen Blick in die Zukunft.


THORSTEN Da steckt einiges drin. Was war denn die größte Herausforderung, diesen komplexen Stoff auf die Bühne zu bringen?


LUKASZ Tatsächlich ist das Stück sehr komplex und sehr fordernd. Für uns im Team – und für die Zuschauer erst recht. Man braucht viel Konzentration, um dran zu bleiben. Herausfordernd war vor allem, die wichtigen Kerninformationen so zu vermitteln, dass das Publikum nicht verliert, was wesentlich ist. Durch die tägliche Informationsflut, vor allem über Social Media, fällt es schwerer, komplexe Sachverhalte länger zu verfolgen. Das war vermutlich die größte Herausforderung.


THORSTEN Es gibt dazu aber auch eine Gegenseite: Das Stück ist inzwischen ein paar Mal gelaufen. Was hat deiner Meinung nach besonders gut funktioniert? Was sagt das Publikum?


LUKASZ Besonders gut funktioniert hat die Arbeit des Ensembles – die präzise Art des Spiels, des Sprechens und der sehr konsequente Umgang mit dem Text.



Szene aus „Ds Ende des Westens“ von Lars Werner, das von Lukasz Lawicki am Oldenburgischen Staatstheater inszeniert wird.
Der Titel deutet es an: „Das Ende des Westens“ bietet Endzeitstimmung pur. (Bild: Stephan Walzl)

THORSTEN Du hast es schon angedeutet: Technik spielt inhaltlich eine Rolle, aber auch in der Inszenierung. Sind die neuen Möglichkeiten Fluch oder Segen fürs Theater?


LUKASZ Ganz klar beides – aber mehr Segen als Fluch. Schon als Projektoren und Beamer damals aufkamen, war das eine Revolution im Theater – unfassbar teuer und kaum zu bezahlen. Erst in den letzten Jahren hat sich gezeigt, was man alles damit machen kann. Und die Technik, die uns hier zur Verfügung steht, wird für viele kommende Theaterarbeiten zur Grundlage werden – in den nächsten fünf bis zehn Jahren.


Die Exhalle ist ein riesiges Experimentierfeld. Wir leisten hier Pionierarbeit, geprägt von Erfolgen und Misserfolgen. Aber wir finden immer wieder gute Übersetzungen in den theatralen Raum. Und es lohnt sich, dran zu bleiben, um am Puls der Zeit zu bleiben und vielleicht neue Perspektiven oder neue Theatermagie zu eröffnen.

THORSTEN Heißt das, man sieht hier schon ein bisschen die Zukunft des Theaters?


LUKASZ Ich vermute ja. Ich behaupte: ja.



Ambitioniert: „Das Ende des Westens“ von Lars Werner in der Regie von Lukasz Lawicki ist definitiv mehr als einfache Unterhaltung. (Video: Oldenbugrisches Staatstheater)


THORSTEN Der Begriff KI fällt im Stück ja auch. Was glaubst du: Wird KI die Art verändern, wie man Theater macht? Oder bleibt Theater eine Bastion des Analogen?


LUKASZ Die KI wird die Theaterwelt definitiv verändern. In Zeiten von Sparzwängen und Kürzungen in der Kultur werden Kunstschaffende immer mehr darauf angewiesen sein, auf KI zurückzugreifen – sei es für einfache Content-Erstellung wie Bild, Video oder Musik oder um Konzepte umsetzen zu können. Ich halte das nicht immer für richtig, aber es wird kommen. Gleichzeitig muss das nicht per se negativ sein, wenn KI als ergänzende Ebene genutzt wird und die künstlerische Arbeit bereichert. Kritisch wird’s bei Texten: Gerade bei moderneren Stücken sieht man, wie viel KI schon jetzt zum Einsatz kommt. Ich vermute, dass wir in fünf bis zehn Jahren von KI-generierten Texten überflutet werden – vielleicht noch mit einem Autorennamen dahinter, aber ohne die „Seele“, die das Analoge ausmacht. Weil solche Texte letztlich aus Annahmen und Algorithmen entstehen.


STARKES THEATERPROGRAMM DIE GROßE VIELFALT Mit dem KULTURSCHNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 188 Gründe.

Das Spielzeit-Heft des Oldenburgischen Staatstheaters in Oldenburg
Viel drin: Das Spielzeitheft 25/26 des Oldenburgischen Staatstheaters.

Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 3 Uraufführungen und 31 Premieren, dazu 19 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regelmäßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT. Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. 


THORSTEN Im Stück spielt aber nicht nur die Technik und Digitalität eine Rolle, sondern auch Politik. Und du bist generell ein politischer Regisseur – das hat man zuletzt bei der Piratenrepublik gesehen. Was motiviert dich dazu?


LUKASZ Lange Zeit war es Wut auf gesellschaftliche Zustände. Mittlerweile ist es eher die klare Anerkennung von Realitäten. Wenn wir uns diesen Themen nicht stellen, gehen wir unter – auch als Theater, wenn wir nur Wohlfühltheater machen würden. Deshalb ist es großartig, dass wir hier in Oldenburg die Möglichkeit haben, uns mit politischen Inhalten zu beschäftigen. Es geht nicht immer um eindeutige Stellungnahmen, aber zumindest um Impulse, Debattenanstöße.


Meine größte Motivation ist simpel: die Ungerechtigkeit auf der Welt. Pathetisch, aber wahr. Ich möchte, dass die Leute den Raum verlassen und sich noch am Abend oder am nächsten Tag mit dem Thema beschäftigen. Wir müssen Dinge ansprechen – wir können nicht alles verschweigen oder ignorieren.

The real deal: Für „14 Tgae Krieg“ fuhr Lukasz bis nach Kiew, um authentische Eindrücke der Zustände vor Ort zu bekommen. (Video: Oldenburgisches Staatstheater)


THORSTEN Für „14 Tage Krieg“ bist du kurz nach Kriegsbeginn zwei Wochen in die Ukraine gereist. Für die „Piratenrepublik“ hast du gleich einen eigenen Staat ausgerufen. Bist du jemand, der gerne in Extremen denkt? Ist sie einfache Unterhaltung nicht genug?


LUKASZ Einfache Unterhaltung kann auch sehr schön sein – und sehr wichtig, gerade in Krisenzeiten. Auch in der Ukraine habe ich gesehen, wie wichtig leichte Stücke für Menschen sein können, damit sie mal loslassen können. Zu deiner Frage: Ja, ich bin jemand, der gerne in Extremen denkt. Aber Regie bedeutet für mich drei Dinge: gute Organisation, Flexibilität im Konzept und im Umgang mit Menschen – und eine Prise Wahnsinn. Ohne ein bisschen Wahnsinn bleibt Kunst oft leer.


THORSTEN Sind da zwei widerstreitende Elemente in deinem Kopf – Anspruch und Unterhaltung?


LUKASZ Definitiv. In der Konzeptionsphase denkt man sehr wild, sehr groß. Aber im Probenprozess ist immer präsent, dass ein hoch ambitioniertes Konzept nichts bringt , wenn sich die Leute zwei Stunden langweilen. Unterhaltung sollte nicht an erster Stelle stehen, aber das Publikum darf nicht völlig außen vor bleiben. Nur zu sagen „Ich habe mir etwas gedacht, und wenn ihr es nicht versteht, seid ihr zu dumm“, wäre fatal.



Intensiver Erzähler: Im Gespräch merkt man Lukasz zu jeder Zeit an, dass Theater für ihn Leidenschaft bedeutet. (Bilder: Kulturschnack)


THORSTEN „Das Ende des Westens“ ist Teil der Reihe Gegenüber. Mit ihr will sich das Oldenburgische Staatstheater aktiv an demokratischen Prozessen beteiligen. Denkst du, Theater ist der richtige Ort, um Denkanstöße zu geben?


LUKASZ Definitiv. Theater ist – etwas pathetisch gesagt – genau der Ort, um Menschen zusammenzubringen und zum Nachdenken anzuregen. Würden wir nur klassische Dialogstücke oder schöne Bilder liefern, wäre Theater aus meiner Sicht nicht zukunftsfähig. Gleichzeitig darf man keine Zuschauergruppen ausschließen. Eine gute Mischung ist wichtig: leichte Komödien und politisch anspruchsvolle Stoffe.


Wir haben als Theatermachende das Privileg und die Pflicht, komplexe Themen anzuschneiden und Denkprozesse auszulösen – egal ob Wut, Freude, Angst oder Tränen dabei herauskommen. Ohne diese Dinge wird Theater bedeutungslos.

THORSTEN Versuchst du dabei neutral zu bleiben? Oder hast du Botschaften, die du vermitteln willst – gerade bei Das Ende des Westens?


LUKASZ Ein klares Jein. Der Text lässt vieles offen und positioniert sich gleichzeitig automatisch – allein dadurch, dass er Zustände in Russland thematisiert. Wir haben versucht, möglichst nah am Text zu bleiben. Aber bei anderen Stücken muss ich nicht unbedingt neutral sein. Meine Aufgabe ist es, Räume fürs Denken und für Gespräche zu öffnen. Und ja, ich bin ein politischer Mensch – das fließt in meine Arbeit ein.



Szene aus „Ds Ende des Westens“ von Lars Werner, das von Lukasz Lawicki am Oldenburgischen Staatstheater inszeniert wird.
Faszinierendes Bühnenbild: Die Digitex in der Exhalle bietet viele technische Möglichkeiten., Lukasz Lawicki weiß sie zu nutzen. (Bild: Stephan Walzl)

THORSTEN Du hast ja auch „Im Osten was Neues“ inszeniert. Denkst du viel über diese globalen Lager nach?


LUKASZ Ja, sehr. Ich beschäftige mich viel mit der postsowjetischen Ära, weil ihre Auswirkungen überall spürbar sind – gesellschaftlich wie kulturell. Es gibt viele ungelöste Themen und Vorurteile. Und dieses „ihr gegen uns“ statt „hier liegt die Ungerechtigkeit“ prägt vieles. Das interessiert mich sehr und begleitet mich in vielen Arbeiten.


THORSTEN Du bist auch leidenschaftlicher Fotograf. Hilft dir der Blick durch die Linse bei deiner Regiearbeit?


LUKASZ Total. Momentan fotografiere ich weniger, aber es geht wieder los. Fotografie hilft mir bei Lichtstimmungen, Figurenfindung, beim Schreiben. Wenn ich am Bahnhof sitze und Menschen fotografiere, entstehen automatisch Geschichten. Ein Foto von einem Menschen, dessen Gesicht 50 Jahre Leben zeigt – und vielleicht kein leichtes –, löst Fragen aus und inspiriert mich.



Viel unterwegs: Diese Fotos von Lukasz Lawicki entstanden in Portugal, Griechenland, Frankreich und der Ukraine. Sie sind - wie viele weitere - auf seinem Instagram-Kanal zu sehen. (Bilder: Lukasz Lawicki)


THORSTEN Du wirkst ständig inspiriert. Wie entspannst du eigentlich?


LUKASZ Ein sensibles Thema! (lacht) Fotografie war lange meine Entspannung. Momentan koche ich wieder – das erste Mal seit fünf Wochen. Mein Kartoffelauflauf war mittelmäßig, aber ich war entspannt. Ansonsten: ganz klassisch eine Arte-Doku. Und los.


THORSTEN Du bist jetzt ungefähr fünf Jahre in Oldenburg. Voindeinen Themen und Ambitionenher würdest du aber auch gut in sehr viel größere Städte passen. Warum bleibst du trotzdem für immer hier?


LUKASZ Für immer? Was weißt du, was ich nicht weiß? (lacht) Ich bin sehr gerne hier. Ich mag das Haus, die Strukturen, die Menschen. Mit der neuen Leitung entsteht gerade eine komplett neue Welt, und dieser Prozess ist spannend. Ich war vorher in Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern, bin viel rumgekommen und habe turbulente Zeiten hinter mir. Oldenburg ist angenehm. Die Stadt ist schön, die Menschen engagiert – das hat nicht jede Stadt dieser Größe. Und die norddeutsche Mentalität liegt mir einfach.


THORSTEN Wer weiß, vielleicht bleibst du ja wirklich für immer. Letzte Frage: Ist der Westen am Ende?


LUKASZ Noch nicht ganz. Aber wenn wir nicht aufpassen, werden wir vielleicht früher als gedacht viele Teile unserer Freiheit einbüßen.


THORSTEN Keine schönen, aber starke Schlussworte. Vielen Dank!



Szene aus „Ds Ende des Westens“ von Lars Werner, das von Lukasz Lawicki am Oldenburgischen Staatstheater inszeniert wird.
Keine leichte Kost: „Das Ende des Westens“ bietet nur wenige Hoffnungsschimmer, dafür aber ein intensives Theatererlebnis und viele Denkanstöße. (Bild. Stephan Walzl)


Mehr als Unterhaltung


Es gibt gefälliges Theater, das uns gut unterhält und eine schöne Zeit beschert - und es ist nichts falsch daran. Es gibt aber auch Theater, wie Lukasz Lawicki es versteht und in der Exhalle umsetzt: ambitioniert, vielschichtig, konfrontativ. Hier kann das Oldenburger Publikum Experimente erleben, die durchaus mal Momente der Irritation entstehen lassen, die sich aber immer durch Vorstellungskraft und Wagemut auszeichnen. Das sind wahre Theaterlebnisse, die lange nachhallen - eben weil sie einen Versuchscharakter haben, den man bei einer Shakespeare-Inszenierung in der Regel nicht zu sehen bekommt. Wir durften es selbst erleben: Was Lukasz auf die Digitex-Bühne zaubert, löst tatsächlich jene Denkprozesse aus, die er beabsichtigt - ganz egal, worum es dabei geht.


„Das Ende des Westens“ setzte die Reihe von Lukasz' bisherigen Arbeiten konsequent fort. Thematik und Tenor sind keine leichte Kost - sie sensibilisieren uns aber für einen Teil unserer gesellschaftlichen Gegenwart, dessen unbequemen Komponenten wir gern ausblenden. Dem Stück gelingt das Paradoxon, für die kalte Welt der Trollfabriken und der künstlichen Intelligenz zu emotionalisieren - und das ist der Handschrift Lukasz Lawickis zu verdanken. Nicht alle Regisseur:innen müssen so leidenschaftlich brennen. Aber es ist wertvoll für Oldenburg, dass er es tut.


 
 
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