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SELIGKEITEN ERLEBEN

Nein, der Hinterhof des Landemuseums für Natur und Mensch war lange Zeit nicht gerade ein kultureller Hotspot. Vorwiegend als Parkplatz und Lagerfläche genutzt, erschloss sich sein Reiz bestenfalls auf den zweiten Blick. Erst als dort in kurzer Abfolge die „Polarnights“-Ausstellung eröffnet wurde, die umBAUbar ein Ausweichquartier fand und der Freizeitlärm e.V. das „Sonnendeck“ umsetzte, wurde der Platz zum Ort. Diese junge Tradition setzt nun Pelle, der Späti fort. Was das ist? Und was das mit Kultur zu tun hat? Lest ihr hier!


Alles, was man braucht - und noch viel mehr: Pelle, der Späti traf den Nerv des Publikums. (Bild: JNB Media)

Kultur wird häufig mit Institutionen verbunden: mit Museen und Galerien, Theatern oder Konzerthallen. Daran ist nicht falsch, denn überall dort hat sie eine Heimat. Nur darf man eine Bestandsaufnahme an dieser Stelle nicht stoppen, denn da ist noch viel mehr. Kultur findet nämlich auch außerhalb dieser etablierten Orte statt. Abseits konkreter Erwartungen bieten zwanglose Zwischenräume wichtige Gelegenheiten zum Ausprobieren und Experimentieren, für erste Schritte und weitere Gehversuche.


Zu diesen Orten zählt seit dem letzten Sommer auch Pelle, der Späti. Dessen Setup ist zunächst unspektakulär: Ein Hinterhof, ein Foodtruck, einige Sitzgelegenheiten, dazu ein Open Turntable. Das ist nichts, was in dieser Form noch nirgendwo gab. Und doch entsteht im Ergebnis mehr als die Summe der einzelnen Teile: eine spezielle Atmosphäre, die zur Interaktion einlädt - miteinander und mit der Kultur. Pelle ist ein unkompliziertes, unverbindliches, urbanes Kulturangebot, das vielleicht nicht die Qualitäten institutioneller Angebote hat, dafür aber ganz andere und ganz eigene - und die braucht eine Großstadt genauso sehr,


 

PELLE, DER SPÄTI - DER ZWEITE SOMMER

DONNERSTAGS,

8., 15., 22., 29. JUNI 2023


JEWEILS AB 17 UHR ' LANDESMUSEUM FÜR NATUR UND MENSCH

26135 OLDENBURG

 

Am 8. Juni startete Pelle in seinen zweiten Sommer. Obwohl das Projekt theoretisch ungünstige Bedingungen hat - keine Innenstadt-Lage, kein klar definiertes Kulturprodukt, keine Marketing-Maschinerie im Hintergrund - konnte es sich auf Anhieb etablieren. Die Atmosphäre, die Madlene und Cora am Damm erzeugen konnten, stieß in eine gefühlte Lücke des Oldenburger Kulturlebens: Was manchen fehlte, war ein unverbindlicher Treffpunkt von und für kulturaffine(n) Menschen, der nichts verlangt, aber viel ermöglicht. Jetzt ist er vorhanden. Wie es dazu kam, erzählen die beiden hier.


Ein DJ am Turntable
Unbefugt? Nein, bei Pelle, der Späti sind alle willkommen - auch am Open Turntable. (Bild: Kulturschnack)

Ihr seid mit Pelle letztes Jahr an den Start gegangen. Gefühltermaßen: Einfach mal so! Wie kam es dazu?


Wir haben gemeinsam in der Gastronomie und im Kulturbereich gearbeitet und hatten irgendwann die Idee, einen Späti mit Kulturangebot zu eröffnen, einfach weil wir Lust drauf hatten und uns sowas in Oldenburg gefehlt hat. Räumlichkeiten dafür zu finden, war erst enorm schwierig, da wir fast ohne Kapital an den Start gegangen sind. Mit der Hilfe und Unterstützung einiger lieber Menschen kam es dann zum Foodtruck und dem schönen Plätzchen am Landesmuseum.


Wieso eigentlich dieser Name?


Wir haben uns im Café Saltkrokan kennengelernt und während unseres Masterstudiums gemeinsam dort gearbeitet. Das Saltkrokan war unser zweites Wohnzimmer und ohne das Café würde es den Späti nicht geben. „Pelle“ ist eine Figur aus dem Buch „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren. Dieser Text beschreibt ihn ganz gut:


„Pelle erlebte das ganze Dasein als eine Reihe von Wundern, und er war ständig damit beschäftigt, sie zu erforschen, geduldig und seiner Arbeit hingegeben, wie es sich für einen Forscher gehörte. Melcher empfand hin und wieder so etwas wie Neid, wenn er seinen Jüngsten beobachtete. Weshalb konnte man nicht das ganze Leben hindurch die Fähigkeit bewahren, Erde und Gras und rauschenden Regen und Sternenhimmel als Seligkeiten zu erleben?“


Der Standort am Landesmuseum war bisher kein Hotspot für Straßenkultur. Warum gerade dort?


Der Platz am Landesmuseum kam uns in den Sinn, weil die umBAUbar dort im vorletzten Sommer übergangsweise war. Wir haben dann einfach mal nachgefragt und daraus hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit ergeben. Der Platz passt für uns einfach perfekt, weil er genau die richtige Atmosphäre zum gemütlichen Zusammensitzen hat.



​Madlene (27) arbeitet im Bereich der Stadtentwicklung und Cora (28) ist Kulturwissenschaftlerin in Findungsphase. Beide gehen gerne auf (vor allem kleinere) Konzerte und genießen Oldenburgs vielfältiges Kulturangebot von Kneipe bis Museum.


Neben der wunderbaren Atmosphäre hattet ihr einen Open Turntable . Wird das "Selbermachen" weiter Bestandteil von Pelle bleiben? Und was habt ihr dieses Jahr sonst geplant?


Wir bleiben dem Konzept zunächst treu, haben aber auch andere tolle Sachen geplant, wie z.B. Livemusik. Da wir noch in der Planung stecken und noch nicht alles spruchreif ist, können wir nur so viel sagen: Unser kulturelles Angebot soll erweitert werden und wir arbeiten mit ein paar tollen Projekten wie den raversforfuture zusammen. Wir sind aber vor allem auch jederzeit offen für Vorschläge oder Menschen, die bei uns auftreten, Workshops anbieten wollen oder, oder, oder.


Pelle der Späti, ein Kulturangebot in Oldenburg
Angenehme Atmosphäre: Sommerabende mit Pelle entspannen und inspirieren. (Bild: JNB Media)

Ihr habt eine Förderung von Mach|Werk erhalten. Was hat das verändert?


Die Förderung von Mach|Werk ermöglicht es uns, an einige Dinge professioneller ranzugehen, besser zu planen, Neues auszuprobieren und mehr finanzielle Sicherheit zu haben. Letzten Sommer haben uns ganz viele Menschen freiwillig und kostenlos unterstützt, was keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir zum Beispiel den DJs, die bei uns auflegen, jetzt Honorar zahlen können. Kunst und Kultur sollen zwar niedrigschwellig zugänglich sein, dabei wird aber häufig vergessen, dass die Künstler:innen auch von etwas leben möchten.


Ihr macht das alles nebenbei. Wie schafft man sowas?


Wir sind ein top Team und gute Freundinnen. Die „Arbeit“ bei Pelle macht uns so viel Spaß und ist für uns ein toller Ausgleich zu unseren Jobs. Wir lernen viel, haben mit tollen Menschen zu tun und gestalten das kulturelle Leben dieser Stadt mit. Wir finden, das ist eine super Feierabendbeschäftigung!



Das finden wir auch! Danke für das Gespräch!

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