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- HERZENS-ANGELEGENHEITEN
Schaut man in diesen Tagen in die Veranstaltungskalender, drängt sich der Eindruck - oder die Hoffnung? - auf, dass Corona kein dominierendes Problem mehr ist. Der Spielbetrieb der Theater scheint sich vielerorts wieder einer Art Normalität anzunähern. Aber der Eindruck täuscht natürlich. Nach wie vor gibt es erhebliche Unsicherheiten in der Szene, vor allem bei den freien Akteuren. Für Sie gibt es #TakeHeart. Ortstermin im theater wrede +: Das kleine Haus mit seinen rund hundert Plätzen liegt etwas verborgen in der Klävemannstraße unweit des Hauptbahnhofs. Anders als die benachbarte Kaiserstraße dient sie nicht als Einflugschneise vom Bahnhof zur Innenstadt und bewegt sich deshalb etwas unterhalb des Radars. Das allerdings ist eine Fahrlässigkeit, denn kulturell ist hier einiges los: Neben dem theater wrede+ haben hier das Blauschimmel Atelier und die interkulturelle Arbeitsstelle IBIS ihren Sitz. Und seit einigen Monaten auch: das Hauptquartier von flausen+, dem bundesweiten Netzwerk für Theaterforschung ohne Produktionszwänge. Die Linkdichte in diesem Absatz symbolisiert die kulturelle Konzentration sehr gut. Die Akzentfarbe des theater wrede+ ist ein leuchtendes Magenta, der Eingang ist deshalb kaum zu verfehlen. Im Foyer treffen wir hier auf Pressesprecherin Katharina Proske, die spürbare Lust hat, etwas über #TakeHeart zu erzählen. Nur wenig später wissen wir auch warum: Die Rechercheförderung ist nicht nur sinnvoll, sondern auch spannend - und könnte am Ende kreative Impulse für Oldenburg bringen. Zeit für Außergewöhnliches Alle Welt ist froh, Corona immerhin ein Stück weit hinter sich zu lassen, bei #TakeHeart steht die Pandemie aber noch einmal voll im Mittelpunkt. Die Rechercheförderung richtet sich an freiberufliche Akteure aus der Theaterszene, die nach wie vor von der Ausnahme-Situation betroffen sind. Denn auch wenn sich die Veranstaltungskalender tatsächlich wieder füllen, kann von einem Alltag im vorpandemischem Sinne noch keine Rede sein. Die Folge: Etliche Engagements wurden noch nicht wieder aufgenommen, es fehlt weiterhin an Beschäftigungsmöglichkeiten. „Der Blick von #TakeHeart richtet sich aber nicht nur auf professionelle Künstler:innen, die schon seit Jahren aktiv sind, sondern auch auf Absolventinnen, die nach dem Abschluss quasi direkt im Lockdown landeten“, erklärt Katharina. Es geht aber nicht einfach nur um eine finanzielle Unterstützung, so wichtig und hilfreich sie auch ist. „Das Programm soll vor allem Zeit und Möglichkeiten für aufwändige Recherchearbeiten bieten, die die Basis für spätere Produktionen und neue Arbeitsweisen sein können“, wie Katharina betont. „Zum Kern des Programms gehört es, dass die Künstler:innen ohne Druck arbeiten können. Der Fokus liegt auf den Inhalten, nicht auf deren Vermarktbarkeit.“ Ob sich eine Produktion entwickelt, oder ob die Recherche-Ergebnisse einfließen in etwas Neues, ist bewusst offen gehalten. In der Regel bilden die Arbeitsergebnisse aber tatsächlich die Grundlage für Bühnenwerke. So war es im letzten Jahr auch bei Drangwerk, deren feministische Produktion „Eine wütende Frau“ schließlich im theater wrede+ aufgeführt wurde. Katharina sieht auch eine Parallele zu flausen+, wo es seit 2011 um die Förderung freier Theaterforschung geht: „flausen+ ermöglicht u.a. ein Stipendium für professionelle Künstler:innen aus dem Darstellenden Bereich. Das Besondere ist dort, dass sie frei szenisch forschen können und genau wie bei #TakeHeart, keinen Produktionsdruck haben.“ Dazu bewerben sich jedes Jahr bis zu 150 Künstler:innengruppen und präsentieren ihre wagemutigen Projektideen vor einer hochkarätigen Jury. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich vom eng getakteten, zielorientierten Alltag. Zeit ist hier die Basis für außergewöhnliche Ergebnisse. #TakeHeart nimmt diesen Faden auf. Relevante Recherche Um am #takeheart-Programm zu partizipieren, konnten die Akteure Konzepte einreichen, die durch die Jury des Fonds Darstellende Künste bewertet wurden. Im Erfolgsfall gab es 5.000,- Euro für zwei Monate Recherchearbeit. „Die Themen haben sich die Künstler:innen dabei komplett selbst gesucht, das war offen und nicht begrenzt“, betont Katharina. „Zudem hatten sie die Möglichkeit, neue Arbeitsweisen zur finden, die auch dann funktionieren, wenn es einen weiteren Lockdown geben sollte.“ Auch den Recherchebegriff darf man dabei weiter fassen: „Es geht nicht nur darum, Stoff zur sammeln, sondern auch darum, Formate zu denken und in den Austausch zu kommen mit Menschen.“ Bei den Projekten gehe es oft um um die kritische Auseinandersetzung mit relevanten Themen, bei der freien Theatermacherin Caro Lutz zum Beispiel um gesellschaftspolitische Aspekte romantischer Beziehungen. In Oldenburg kamen letztlich zwölf Einzelkünstler:innen, ein Zweier-Team und ein Dreier-Team zum Zug. Erfreulich dabei: 13 der 17 geförderten Künstler:innen sind Frauen. Dass sich die Corona-Situation insgesamt deutlich verbessert hat, macht Programme wie diese keineswegs überflüssig. „Gerade in diesen Zeiten ist sowas wichtig“, betont Katharina. „Viele denken vielleicht: es hat schon alles wieder geöffnet. Aber so ist es ja erstmal nur theoretisch. Es gibt nach wie vor viele Unsicherheiten.“ Diese nimmt #TakeHeart zumindest für zwei Monate - und bietet gleichzeitig Raum für inhaltliche Weiterentwicklungen. Das hat man nun davon Und wie profitiert Oldenburg? Katharinas Antwort kommt schnell: „In erster Linie geht es ja darum, regionale Künstler:innen zu unterstützen, die auf diese Weise mit ihrer Arbeit weitermachen können und sich keine Alternativjobs suchen müssen.“ Einige von ihnen seien in der Region aktiv, kämen aber von außerhalb, was ebenfalls sehr wertvoll sei. „Als pulsierendes Haus schauen wir immer, wie wir Künstler:innen von außerhalb nach Oldenburg holen können. Damit wollen wir uns den Blick aus der Metaperspektive bewahren und im lebendigen Austausch bleiben“, erklärt Katharina. Darüber hinaus können sich spannende Produktionen aus den Recherchearbeiten entwickeln. Und sollte es dazu kommen, dann steht Oldenburg mit dem theater wrede+ natürlich ganz vorne in der Reihe möglicher Spielorte. „Interessant ist auch, dass dieses Mal sehr viele Oldenburger:innen eingebunden werden“, fährt Katharina fort. Ihre Meinungen, Haltungen, Gefühle und Vorstellungen gehören fest zu einigen Projektideen. Deshalb ist vorgesehen, die Menschen vor Ort direkt zu befragen oder sogar einzubinden. Wer weiß? Vielleicht gehört ihr dazu, sagt einen alles entscheidenden - oder einfach wunderbaren - Satz, der schließlich einfließt in ein erfolgreiches Stück. Das klingt interessant? Dann nichts wie los: Merle Mühlhausen sucht für ihre Projekt „Nicht alle Wege führen ins theater wrede +“ noch Menschen, die Lust haben, sich in April und Mai mit ihr auszutauschen. Sie untersucht die Bewegung von Oldenburger:innen rund um das Theater. Dabei skizziert sie Routen und analysiert räumliche und soziale Sackgassen. Interessenten können sich per Email bei ihr melden. Katharina gerät beinahe ins Schwärmen, als sie weitere Projekte erwähnt: Lena Düspohl wird untersuchen, ob man spontane Begegnungen - wie sie sonst an einer Bar oder Bushaltestelle stattfinden - auch künstlich herstellen kann, indem man Sitzmöbel in unterschiedlichen räumlichen Konstellation arrangiert. Kristina Feix beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Theaterinszenierung zu einem interaktiven Parcours werden kann. Bei Irene Ebel wird Corona selbst ein Thema sein. Sie wird der Frage nachgehen, wie sich Distanz und Isolation auf unser Körperbild und unsere Eigenwahrnehmung ausgewirkt haben. Auch sie sucht noch nach Menschen, an einem Bewegungsworkshop teilnehmen. Ihr wollt wissen, welche Projekte es noch gibt? Kein Problem: Hier findet ihr alle siebzehn vereint. Mehr Theater! Freie Theaterexperimente sind einfach ein Muss für Menschen, die sich und die Welt gern hinterfragen. Zunächst müssen den Künstler:innen dafür aber die nötigen Freiheiten und Möglichkeiten geboten werden. #TakeHeart übernimmt genau das. Der Rechercheförderung gelingt es, einen ursprünglich sozialen Ansatz mit künstlerischen Akzenten zu verbinden und dadurch sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Werte zu schaffen. Well played. Das flausen+-Netzwerk und das theater wrede + unterstützen diesen Ansatz mit großem Engagement. Deshalb war es auch keine Überraschung, dass sich die Akteure aus der Klävemannstraße an #TakeHeart beteiligen. Zwar werden die meisten Menschen auch weiterhin über die Kaiserstraße Richtung Innenstadt streben. Doch die Neu- und Wissbegierigen, die urbanen Abenteurer:innen und Kulturaficionados gehen eine Straße weiter. Denn Theater ist für sie eben: eine Herzensangelegenheit
- PODCAST: FOLGE 04
Welche Auswirkungen hat die Vereinzelung eines Kulturerlebnisses und welche Rolle spielen die jeweiligen Räume? Die LOGE erzählt es uns! Denn genau auf diesen Kernpfeilern basierten die bisher umgesetzten Projekte des im Mai 2020, inmitten der Coronapandemie, gegründeten Theaterkollektivs, bestehend aus Clara Kaiser und Mathilda Kochan. In der neuen Folge Kulturschnack lassen uns die beiden daran teilhaben wie sie, oft gemeinsam mit weiteren projektbezogenen Mitwirkenden, leerstehende Räume im Einklang oder auch als Kontrast zur Umgebung als Orte der Begegnung mit der Kunst entwickeln und sich dabei explizit auf die Ansprache einzelner Zuschauerinnen und Zuschauer fokussieren. Gemeinsam werfen wir außerdem einen Blick auf die Anfänge und die Gründung des Kollektivs, was die beiden abseits ihrer Projekte als die LOGE aktuell beschäftigt aber auch auf zukünftige Projekte wird ein Blick geworfen und die Vorfreude geschürt! Mehr über die Projekte der LOGE findet ihr unter: dieloge.org ... oder auf Instagram & Facebook
- KONSTRUKTIV, KONKRET, MINIMAL
Weniger ist mehr: Kaum eine Redewendung ist so überstrapaziert wie diese. Wer die aktuelle Ausstellung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte anschaut, kommt jedoch unweigerlich zu eben jenem Schluss: Weniger ist mehr. Warum eine inflationär verwendete Floskel durchaus eine präzise Analyse sein kann, könnt ihr derzeit im Augusteum selbst erleben. But hurry up: Nur noch bis zum 1. Mai! KONSTRUKTIV, KONKRET, MINIMAL DIE SAMMLUNG HUPERTZ BIS SONNTAG, 1. MAI 2022 DI - SO 10.00 - 18.00 UHR AUGUSTEUM ELISABETHSTRASSE 1 26135 OLDENBURG Die Frage danach, was Kunst eigentlich ist, wird wohl für alle Zeiten unbeantwortet bleiben. Einer guten Beschreibung am nächsten kam vielleicht Andy Warhol: „Kunst ist alles - solange man damit durchkommt“, soll er gesagt haben. Touché! Letztlich ist es aber kein Dilemma, sondern vielmehr eine große Freude, dass diese Frage offen bleibt. Alle können sich selbst auf die Suche nach der Antwort begeben und ganz eigene Sichtweisen entwickeln. Wo sonst haben wir in unserer genauestens vermessenen und präzise getakteten Realität noch so viel Freiraum? Eine perfektes Experimentierfeld für diese Ausgangsfrage ist die Ausstellung „Konstruktiv, konkret, minimal“ des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte. Sie stellt die These des „Weniger ist mehr“ zunächst auf den Kopf: Zu sehen sind nicht weniger als hundert Werke der insgesamt mehr als vierhundert Objekte umfassenden Kunstsammlung des Hamburger Ehepaars Hupertz. Seit den Sechziger Jahren haben die beiden Kunstliebhaber einen Bestand an moderner Kunst aufgebaut, der seinesgleichen sucht. Die Liste der vertretenen Künstler:innen liest sich wie ein Who-is-who der abstrakten Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Überfordernd oder erschlagend wirkt diese große Menge an Bildern und Objekten aber keineswegs. Im Gegenteil: die Werke haben genügend Raum, um wirken zu können. Und das tun sie in der Tat. Es ist völlig unmöglich, keine Haltung zu ihnen aufzubauen, weil sie die Besucher:innen geradezu auffordern, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Abwesenheit von Opulenz in Dimension oder Detailreichtum führt nicht etwa dazu, dass die Exponate unscheinbarer werden. Sie wirken stärker. Und den Betrachter:innen drängt sich unweigerlich ein Gedanke auf. Ihr ahnt schon, welcher: Weniger ist mehr. Eindrücke als Experiment Dabei ist natürlich klar, dass dieses Prinzip keine Allgemeingültigkeit hat. Rembrandt oder Michelangelo bleiben davon vollkommen unberührt. Deshalb lautet unsere Empfehlung: Lasst euch ein auf dieses Experiment. Ihr müsst nicht wissen, welche Werke dem Konstruktivismus zuzuordnen ist und inwiefern sich Konkrete Kunst von Minimal Art unterscheidet. Es geht auch nicht um die Frage, ob Reduktion besser ist als Realismus. Die Ausstellung ist auch ohne jedes Vorwissen ein Erlebnis. Und vielleicht ist sie gerade dann am spannendsten - weil man am klarsten sieht, wenn der Blick unverstellt ist. Weniger ist mehr: Diese Redewendung bleibt wohl weiterhin stark strapaziert. Denn ob sie passt oder nicht, liegt stets im Auge des Betrachters. Das ist hier nicht anders, doch eine Prognose sei erlaubt: In der Ausstellung „Konstruktiv, konkret, minimal“ wird jede:r Besucher:in einen Moment erleben, in dem sie oder er unweigerlich zu diesem Schluss kommt. Und wer weiß: vielleicht sind es sogar hundert dieser Momente. Starke, klare Farben und Formen (Bilder: Karlheinz Grünke (2), Maria del Pilar Garcia)
- 3 x 2 TICKETS: MARTIN TINGVALL
Am nächsten Freitag schon was vor? Falls nicht, dann jetzt! Martin Tingvall gastiert in der Garnisonkirche. Der schwedische Jazzpianist ist bekannt für seine atmosphärischen Live-Auftritte, in den deutschen Jazz-Charts erreicht er regelmäßig die Top Ten. Künstler:innen solchen Kalibers sieht man auch in Kulturmetropolen nicht jeden Tag. Wunderbar, dass er nun nach Oldenburg kommt. Noch besser, dass ihr die Chance habt, ihn gratis zu sehen. Mit Konzerten in Oldenburg ist das so eine Sache. Die üblichen Routen internationaler Stars beschränken sich häufig auf Städte oberhalb der 500.000er-Marke. Und selbst Bremen wird häufig übergangen, weil es zwischen Hamburg und Hannover eine Region bedient, die mit den beiden anderen Städten schon als abgedeckt gilt. Schlechte Karten also für Oldenburg? Nicht unbedingt. Neben der Geographie spielen zum Glück auch andere Dinge eine Rolle. Zum Beispiel die Kontakte und das Engagement der heimischen Veranstalter. Die Kulturetage nutzte beides immer wieder, um Künstler:innen nach Oldenburg zu holen, die wir hier unter normalen Umständen nicht gesehen hätten. Das reicht von etablierten Stars wie Hubert von Goisern oder Tim Fischer bis zu jüngeren Acts wie Antilopen Gang oder Leoniden. Nun also: Martin Tingvall. Der Wahl-Hamburger hat schon mühelos viel größere Säle und viel größeren Städten gefüllt. Er ist Stammgast in den Top Ten der deutschen Jazz-Charts, sein drittes Album "The Rocket" macht seinem Namen alle Ehre und schaffte sogar den Sprung auf Platz 1. In der Garnisonkirche stellt Tingvall nun sein neuestes Werk "When Light Returns" vor, das er während der Corona-Pandemie in seinem Häuschen in Südschweden komponierte. Der Titel deutet es an: nicht etwa Schwermut überwiegt, sondern die Hoffnung auf (wieder) bessere Zeiten. Obwohl Tingvall in der Jazz-Szene zu den hoffnungsvollsten jungen Künstlern gehört, genießt er nicht die große Bekanntheit eines Popstars. Schade eigentlich, denn auch wenn beim Schnack oft andere Musikrichtungen laufen, ist eines schon nach ein paar Anspiel-Minuten völlig klar: der Mann kann einiges. Und live dürften die atmosphärischen Klänge noch um einiges intensiver wirken als ein kurz angeklicktes YouTube-Video, vor allem im sakralen Ambiente der Garnisonkirche. Das Portal „Kulturnews“ brachte das Live-Erlebnis knapp aber präzise auf den Punkt: „Unfassbar schön.“ Wir wollen es euch möglich machen, diesen großartigen Künstler zu entdecken und einfach mal einzutauchen in die Klangwelt des populären Jazz. Dafür bauen wir eine entscheidende Hemmschwelle ab, nämlich den Eintrittspreis. In Kooperation mit der Kulturetage verlosen wir: 3 x 2 TICKETS FÜR MARTIN TINGVALL „WHEN LIGHT RETURNS“ FREITAG, 29. APRIL 2022, 20.00 Uhr GARNISONKIRCHE Was ihr dafür tun müsst? Nicht sehr viel. Nämlich lediglich: Eine E-Mail mit dem Betreff "GEWINNE!!!" an uns schicken. In die Mail schreibt ihr dann einen Satz wie "Ich will zu Martin Tingvall" - und schon steht ihr mit etwas Glück auf der Gästeliste. Wir drücken die Daumen! Einsendeschluss ist Dienstag, der 26. April 2022. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
- GLOBE AND THE CITY
Donnerschwee kann man von der Innenstadt aus nicht sehen. Oder etwa doch? Zumindest im Zeitraum vom 21. bis zum 30. April ist es möglich. Der Leerstand in der Staustraße 16 wird zur inoffiziellen Botschaft der Globe Kulturgenossenschaft aus Neu-Donnerschwee und gibt uns eine Vorahnung dessen, was dort in Zukunft passieren wird. Und das ist: so einiges. Stadtteilkultur hat es nicht leicht in Oldenburg. Nicht, dass es in Eversten, Osternburg oder Ofenerdiek grundsätzlich an Ideen mangelt. Doch die Struktur unserer Stadt ist monozentristisch. Die Innenstadt entfaltet eine enorme Sogwirkung, weil sie sie das einzig urbane Element Oldenburgs ist. Und dort - right in the middle - hat sich Kultur schon immer wohl gefühlt. Doch immer wieder gibt es Initiativen in den Stadtteilen, die auch dort Kultur erlebbar machen wollen. Als Beispiele seien das Farbenfroh Festival in Kreyenbrück oder der „Schatz von Bloherfelde“ in - Überraschung! - Bloherfelde genannt. Ein anderes wäre die Globe Kulturgenossenschaft - und sie gehört zu den vielversprechendsten. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens verfügt die Genossenschaft künftig über eine attraktive eigene Spielstätte, nämlich das ehemalige britische Soldatenkino auf dem Kasernengelände in Donnerschwee. Es war früher ein kultureller Bezugspunkt für das Areal und eines scheint klar: Genau das wird es wieder sein. Denn zweitens hat die gemeinsame Arbeit an der Sanierung des Gebäudes viele Menschen aus dem Stadtteil zusammengeschweißt. Die Genossenschaft zählt über 600 Mitglieder. Sie eint die gemeinsame Haltung zu diesem Projekt: Wenn wir uns schon so einen wunderbaren Ort erschaffen - dann wollen wir ihn auch bespielen. Wie das Bespielen aussehen kann, lässt sich in den kommenden Tagen live erleben. Das allerdings doch wieder in der Innenstadt. Dort, genauer gesagt in der Staustraße 16, ist als eine Zwischennutzung eine inoffizielle Botschaft der GLOBE Kulturgenossenschaft entstanden. Sie soll neugierig machen und Vorfreude wecken. Beides dürfte funktionieren: Die Räume sind stilecht hergerichtet, u.a. sorgen Original-Stühle und Bilder aus dem echten Kino für Atmosphäre. Und auch das Programm mit dem Titel „...und demnächst im GLOBE“ bietet einiges: 21. APRIL 2022, 19.30 UHR WALKER & WALKER ZWISCHEN FOLK UND FRAGEZEICHEN 22. APRIL 2022, 19.30 UHR DÁNACHT MODERN IRISH FOLK 23. APRIL 2022, 19.30 UHR SIEMEN RÜHAAK LIEST VERWIRRUNG DER GEFÜHLE VON STEFAN ZWEIG 24. APRIL 2022, 19.30 UHR ANDI STEIL SLAPSTICK, CLOWNERIE, COMEDY 28. APRIL 2022, 19.30 UHR TRIO SONORA KLAVIERTRIO AUF WANDERSCHAFT 29. APRIL 2022, 19.30 UHR JO SCHMITT SOLOSCHAUSPIEL NACH SHAKESPEARE 30. APRIL 2022, 19.30 UHR JO SCHMITT EINER FÜR ALLES, „WAS IHR WOLLT“ Acht Veranstaltungen in zehn Tagen: Das ist eine Hausnummer. Aber das ist eben das Wesen einer Zwischennutzung wie dieser: alles ist komprimiert auf einen knackig-kurzen Zeitraum, in dem entsprechend viel geboten wird. Da brauchen Neugierige und Fans der Künstler:innen eben eine gute Kulturkondition. Die konnten wir in den letzten Jahren zwar kaum trainieren, aber immerhin sind wir gut ausgeruht. Stadtteilkultur mag es nach wie vor schwer haben in Oldenburg. Zu dominant ist das Zentrum, zu sehr ist die Kultur rund um die Innenstadt verankert. Aber wenn sich Menschen zusammentun und gemeinsam die Chancen nutzen, die sich vor Ort ergeben, dann entsteht dabei immer wieder Sehens- und Erlebenswertes. Manchmal sogar: dauerhaft. Das demonstriert die Kulturgenossenschaft zunächst in der Innenstadt „...und demnächst im GLOBE“.
- JANSSEN FÜR FORTGESCHRITTENE
Das Leben von Horst Janssen gilt als gut erforscht. Trotzdem gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Zum einen, weil man das manische Genie nicht anhand von Daten, Fakten, Stationen festmachen kann. Und zum anderen, weil man das Kaleidoskop Janssen aus unzähligen Blickwinkeln betrachten kann und stets ein anderes Bild erhält. Nun kommt eine Perspektive hinzu: jene von Aline Helmcke, der neuen Stipendiatin des Horst-Janssen-Museums. Wenn man Horst Janssen etwas genauer kennen lernen will, dann gibt es eigentlich nur einen Ort, an dem man beginnen kann. Und das ist nicht etwa sein Geburtsort Hamburg, sondern das Bürgereschviertel in Oldenburg. Hier, genauer gesagt in der Lerchenstraße 14, verbrachte er große Teile seiner Kindheit. Die beschauliche Nachbarschaft war sein Revier, sie prägte ihn und trug dazu bei, dass er seinen späteren Weg gehen konnte. So erzählen es sich jedenfalls die Oldenburger:innen - und es dürfte etwas Wahres dran sein. Zur Schatzsuche nach Oldenburg Und so beginnt auch der Aufenthalt von Aline Helmcke, der ersten Forschungs-Stipendiatin des Horst-Janssen-Museums, in der hübsch sanierten Hundehütte unweit des Stadtzentrums. Das Haus hat der Künstler übrigens einst in einem seiner Werke verewigt - bis heute sicherlich das Janssen-Bild mit der größten Verbreitung in Oldenburg. Aline wird dort wohnen, arbeiten wird sie jedoch überwiegend im Horst-Janssen-Museum. Dort lagern die vielen kleinen und großen Schätze und Spuren des großen Meisters in den Magazinen. Für Aline Helmcke haben nun neun intensive Monate begonnen, in denen sich (fast) alles um Horst Janssen drehen wird. Was wird dabei im Mittelpunkt stehen? „Janssens Frühwerk interessiert mich besonders, weil es sich durch eine große Vielfalt zeichnerischer Techniken auszeichnet,“ erzählt die gebürtige Berlinerin. „Man kann daran ablesen, wie Janssen das Potenzial grafischer Drucktechniken wie Holzschnitt, Lithographie und Radierung erkundet. Man spürt aber auch, wie er Impulse anderer Künstler aufgegriffen und weiterentwickelt hat.“ In dieser Phase des Experimentierens habe Janssen ein Vokabular an Ausdrucksmöglichkeiten herausgebildet, auf das er in seinen späteren Arbeiten immer wieder zurückgreife. Kein Cartoon: Die bewegte Zeichnung Und Alines eigener künstlerischer Schwerpunkt? Der liegt im Bereich Animation, also bewegter Zeichnung. Das klingt ein wenig nach Cartoon, hebt sich aber sowohl stilistisch als auch inhaltlich vom Populärformat ab. Die Stipendiatin wird ihren Blick auf das Verhältnis von Zeichnung und Bewegung richten: „Vor allem werde ich untersuchen, welchen Einfluss die Anwendung verschiedener grafischer Techniken auf Linienführung und künstlerischen Ausdruck in Janssens Frühwerk hat.“ Und was entgegnet sie jenen, die doch alles ihn einen Topf werfen? Wie grenzt man Animation und Cartoon voneinander ab? Oder können letztere vielleicht sogar auch Kunst sein? „Ein Cartoon kann Kunst sein – und nicht jede Animation muss ein Cartoonfilm sein. Animation lässt sich nicht allein durch einen Zeichenstil definieren, sondern bietet viele Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks“, verrät Aline. „Meine eigenen Animationsfilme kann ich nicht dem Bereich des Cartoonfilms zuordnen. Ich setze durch meine Zeichenbewegungen Zeichnungen in Bewegung. Dabei entstehen Formen und Bewegungsabläufe, die mich immer wieder überraschen.“ Das sei ein ganz anderes Herangehen als beim Cartoonfilm. Dort sei das Aussehen der Figuren meist festgeschrieben. Sie müssten erkennbar bleiben, damit ihre Handlungen nachvollziehbar sind. „Übrigens läuft ab Ende April der Kinofilm ‘Die Odyssee‘ der französischen Regisseurin Florence Miailhe in den deutschen Programmkinos“, verrät die Doktorandin. „Das ist ein Animationsfilm mit künstlerischem Anspruch, an dem ich als Animatorin mitgearbeitet habe und den ich sehr empfahlen kann.“ Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Spannend, wunderschön und garantiert kein Cartoon!“ In Oldenburg ist er übrigens ab dem 28. April in cine k zu sehen. Zur Bewerbung ANIMIERT Eine gänzlich Unbekannte ist Aline Helmcke für das Oldenburger Publikum allerdings nicht: In der 2021er Ausstellung "Janssen ANIMIERT" des Horst-Janssen-Museums war sie mit einem Werk vertreten. Gab diese Partizipation den Ausschlag für den Forschungsaufenthalt? Immerhin ist ihre Vita ansonsten geprägt von Stationen wie Berlin, London und Mexiko City. Dagegen wirkt Oldenburg - nun ja - etwas beschaulich. „Ja, ich habe Glück, dass mich meine Arbeiten bis jetzt an viele interessante Orte geführt haben“, blickt Aline zurück. „Ein interessanter Ort muß aber nicht immer eine große Stadt in einem fernen Land sein.“ Im Rahmen von „Janssen ANIMIERT“ habe sie das Museumsteam kennengelernt und vor Ort im Grafikmagazin recherchiert. „Als ich dann auf die Ausschreibung für das Forschungsstipendium aufmerksam wurde, war das eine Gelegenheit, die Auseinandersetzung mit Janssens Frühwerk weiter zu vertiefen - und die Zusammenarbeit mit dem Horst Janssen-Museum fortzuführen.“ Von einer Sache war sie nämlich besonders begeistert: „Alle, die ich dort kennengelernt habe, sind offen für neue Ideen, das macht Lust auf mehr!“ Ist ein Stipendium womöglich die beste Möglichkeit, sich einem Thema oder einer Person mit der nötigen Akribie aber auch Muße anzunähern? Für Aline Helmcke zählt vor allem der örtliche Bezug: „Das Besondere am Stipendium ist für mich, dass die Originalgrafiken und -zeichnungen aus dem Museumsbestand jederzeit für mich zugänglich sind“, erzählt sie. „Anhand der Originale kann ich sehr viel klarere Schlüsse hinsichtlich der Annäherung Janssens an verschiedene Drucktechniken ziehen, als es mir über Reproduktionen möglich wäre.“ Kein Zweifel: ein mehrmonatiger Aufenthalt setzte einen Kontrastpunkt zur kurzatmigen Projektarbeit. Es eröffnet den nötigen Raum, einen künstlerischen - oder wissenschaftlichen - Ansatz tiefergehend zu erschließen. Berlin, London, Oldenburg Eine Frage bleibt jedoch offen: Hat Oldenburg einer künstlerischen Kosmopolitin auf die Dauer genug zu bieten? Alle leidenschaftlichen Liebhaber dieser Stadt dürfen jedoch erleichtert aufatmen: Aline Helmcke macht sich da keine Sorgen. „Während ich arbeite, bewege ich mich wenig vom Fleck, daher erschließe ich mir Oldenburg gerne durchs Herumflanieren. Am Hafen bin ich genauso gerne unterwegs wie im Stadtzentrum oder auf einem der Wochenmärkte. Und ein Abstecher ins Edith-Russ-Haus oder den Oldenburger Kunstverein lohnt sich immer.“ Lohnt sich immer: Das wäre doch ein schönes Fazit für den Aufenthalt bzw. das Stipendium insgesamt. Wir sind gespannt, wie die Erfahrungen sein werden und neugierig auf die Ergebnisse. Und eins steht ja immerhin jetzt schon fest: Oldenburg darf sich von nun an einreihen in die Stationen Berlin , London, Mexico City. Aber das tut es ganz selbstbewusst, schließlich war es Revier des jugendlichen Horst Janssen. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten?
- ZAHLTAG: KULTURSOMMER
Lange her: im Jahr 2005 waren über 10.000 Zuschauer:innen beim bestbesuchten Kultursommer-Konzert aller Zeiten. Der New Yorker Indie-Antifolk-Star Adam Green war damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität, sämtliche Konzerte in Deutschland waren ausverkauft. Auf dem Schlossplatz war er umsonst und draußen zu sehen - und dann spielte auch noch das Wetter mit. Über einen autofreien Schlossplatz diskutierte seinerzeit niemand. Er wurde de facto geschaffen, weil die Menschenmassen bis zur Häuserwand an der Südwestseite standen und selbst für Fahrräder kaum noch Platz ließen. Parkende Autos wurden kurzerhand zu praktischen Sitzerhöhungen - immerhin eine sinnvolle Verwendung für das ungenutzte Blech. Die Polizei riegelte schließlich auch offiziell ab. Ein solcher Andrang ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Zum Vergleich: im letzten Jahr gab es ein Zuschauerlimit bei den Kultursommer-Konzerten von 500 Personen - allerdings auf dem Platz beim Prinzenpalais. Beim Abschlusskonzert der Klappstuhltage waren auf dem Schlossplatz immerhin 1.000 Gäste zugelassen, aber auch sie konnten das riesige Areal nicht annähernd füllen. In diesem Jahr ist vieles anders. Die Corona-Regeln sind deutlich weniger streng und eröffnen neue - bzw. alte - Freiheiten. 10.000 Menschen werden wir auf dem Schlossplatz aber trotzdem so schnell nicht wiedersehen. Selbst wenn Adam Green nochmals spielen würde, seine Anziehungskraft wäre heute nicht mal halb so groß. Zudem fehlt uns aktuell ein wenig die Übung beim Genießen von Gedränge. Aber vielleicht gelingt dem Team der Kulturetage mal wieder so ein Coup. Am 16. Mai wird das Programm vorgestellt - und dann schauen wir mal, ob eine Perle dabei ist. Eine Sache ist schon mal sicher: der Schlossplatz ist in diesem Jahr autofrei. Platz wäre also da.
- LIFE IS PLASTIC VOL. 1: „TRACED BY PLASTIC“
Die älteren unter uns haben bei dieser Headline wahrscheinlich für den Rest des Tages einen unsäglichen Ohrwurm* im Kopf. Sorry! Aber der Name passt: wir sind umgeben von Plastik - und das wird immer mehr zum Problem. In diesen Tagen wird der Kunststoff gleich zweimal zum Kunst-Stoff. Wie genau und warum das so wichtig ist, lest ihr hier. Das Kunstkollektiv The Hidden Art Project hat sich durch einige spektakuläre Aktionen in Oldenburg innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht. Die neueste Ausstellung kommt etwas kleiner und dezenter daher. Doch dafür hat sie zwei anderes Clous: Sie ist interaktiv - und informativ. Zugegeben: das Adjektiv „informativ“ wirkt unspektakulär. Es pendelt zwischen „nett“ und und „hilfreich“, ist also positiv besetzt, aber trotzdem etwas fad. Dabei ist informative Kunst ein ganz großes Ding. Denn es geht dabei nicht etwa um einen halbgaren Kompromiss aus zwei verschiedenen Schwerpunkten, sondern um deren Vereinbarkeit. Die Kunst hat zwar ein konkretes Anliegen, sie macht dabei aber keine Abstriche in ihre Qualität. Vielmehr ergibt sich durch das Zusammenwirken von Werk und Botschaft eine weitere kreative Ebene. Und wenn man dann auch noch mitmachen darf, also selbst Teil der Kunstwerks wird - umso besser! „TRACED BY PLASTIC" 26. MÄRZ 2022 - 24. APRIL 2022 AB 19 UHR LAMBERTIHOF MARKT 26122 OLDENBURG Gut versteckt: Hidden Art Genau das passiert bei der aktuellen Ausstellung "Traced by Plastic" des Hidden Art Projects. Sie liegt - das macht der Name des Kollektivs absolut Sinn - etwas verborgen im hinteren Teil des Lambertihofs. Vom Eingang am Rathaus aus gesehen ganz am Ende links, jenseits der Kaffee-Tische der Pagode, befindet sich das Atelier der Hidden Art Truppe. Dort haben wir uns mit Gründer Sven Müller getroffen und einen Blick auf den Stand der Dinge geworfen. Stand der Dinge? Genau, denn das Kunstwerk verändert sich ständig. Jede:r Besucher:in ist eingeladen, es selbst zu erweitern und seine persönlichen Gedanken zum Thema "Plastik" zu verewigen. Dabei ist das Setting der Ausstellung aufs Nötigste reduziert: Es besteht im Grund aus schwarzen Flächen mit weißen und pinken Akzenten, die beschrieben worden sind. Auffällig dabei: Größen, Farben und Stile variieren deutlich, ergeben zusammen aber einen ästhetisch angenehmen Gesamteindruck. Partizipation als Prinzip „Wir haben das Projekt - von der Vernissage an - komplett partizipativ geplant“, erzählt Sven. „Von uns kam die ästhetische Grundlage, also die visuelle Gestaltung der Wandfläche. Sie sollte zum Mitmachen anregen. Und das hat sehr gut funktioniert.“ Tatsächlich: Neben den vorgegebenen Elementen sind viele Einträge zu finden, die individuelle Fragen, Meinungen und Gedanken zum Thema Plastik widergeben. Besucher:innen können das Werk betrachten, sie können es lesen, sie können aber jederzeit auch selbst den Stift in die Hand nehmen und künstlerisch tätig werden. „Klar gibt es da eine kleine Hemmschwelle“, weiß Sven. „Aber die löst sich ganz schnell auf. Und wer erstmal anfängt zu kommentieren, ist meistens gar nicht mehr zu bremsen.“ Das können wir bestätigen, denn Kevin hat den Selbstversuch gewagt und ist tief eingetaucht in das Experiment: Ein Brocken Inspiration Inspiration liefert übrigens ein 360 Kilogramm schwerer Würfel, der aus Plastikflaschen und -Dosen zusammengepresst wurde. Quasi: eine Plastik aus Plastik. Wie viele Objekte das sind? Schwer zu sagen. Aber die komprimierte Darstellung des Plastikwahnsinns funktioniert. Die Gedanken rasen geradezu, wenn man sie diesen Klotz aus gedankenlos benutzten und weggeworfenen Alltags-Gegenständen betrachtet. Dass diese brachiale Visualisierung unseres Konsumverhaltens sogar eine ästhetischen Wert hat, treibt die Widersprüchlichkeit auf die Spitze. Ist das irgendwie schön? Und darf es das sein? Die Antworten müssen wir selber finden. Fortsetzung folgt Das Thema Plastik soll erst der Anfang gewesen sein. „Wir wollen ‘Traced by‘ zu einer Reihe ausbauen“, blickt Sven voraus. „Wir finden das Prinzip total spannend: Wir geben ein Thema und eine Grundlage vor, bieten dazu noch Inspiration - und dann sind die Gäste dran.“ Man spürt geradezu die Vorfreude des hauptberuflichen Glasers auf den nächsten Schwerpunkt. „Es ist doch cool, dass die Gedanken der Leute ungefiltert einfließen können.“ Und ist das Endergebnis dann tatsächlich Kunst? „Ja, klar!“, antwortet der Hidden Art-Gründer voller Überzeugung. Wenngleich ihm die Kategorisierung gar nicht wichtig ist. „Das Spannende ist doch, dass wir ganz unterschiedliche Menschen dazu bringen, miteinander zu interagieren.“ Das Ergebnis habe einen künstlerischen Wert, bilde aber gleichzeitig die Position der Bevölkerung zu einem Thema ab. „Das könnte man sogar für die Stadtentwicklung nutzen“, wagt Sven einen Blick auf die weiteren Möglichkeiten. Eins ist klar, als wir den Lambertihof wieder verlassen: Das Format hat Potenzial. Nicht alles ist bis zum Ende auskonzipiert. Aber das gehört eben zum System, schließlich handelt es sich um Work in Progress. Lust mitzumachen? Dann nichts wie hin. Am 24. April muss Hidden Art das Atelier im Lambertihof schließen. Weiter geht es dann in einem anderen Leerstand in der Oldenburger City. In welchem? Darüber berichten wir bald an dieser Stelle. * Du gehörst nicht zu den älteren Semestern? Du hast keine Ahnung, welchen Ohrwurm wir meinen und wofür wir uns entschuldigen? Und du willst alles darüber wissen? Okay, here we go. Aber auf eigene Verantwortung!
- LIFE IS PLASTIC VOL. 2: „PLANET OR PLASTIC?“
Die älteren unter uns haben bei dieser Headline wahrscheinlich für den Rest des Tages einen unsäglichen Ohrwurm* im Kopf. Sorry! Aber der Name passt: Wir sind umgeben von Plastik - und das wird immer mehr zum Problem. In diesen Tagen wird der Kunststoff gleich zweimal zum Kunst-Stoff. Wie genau und warum das wichtig ist, lest ihr hier. Die Agentur Medivanti ist eigentlich spezialisiert auf Kommunikation. Seit einigen Jahren gibt es aber ein zweites Standbein: Mit der World Press Photo Ausstellung zeigt das kleine Team, wie man attraktive Ausstellungskonzepte und Rahmenprogramme entwickelt. Weitere Formate wie die Polarnight und der Oldenburger Plakatherbst folgten. Der roten Faden blieb: aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen, aufbereitet mit den Mitteln von Fotografie oder Gestaltung. Anspruchsvoll und attraktiv Und nun: „Planet or Plastic?“, gemeinsam realisiert mit dem Landesmuseum für Natur und Mensch. Die Ausstellung ist ab dem 30. April erstmals in Deutschland zu sehen. Sie geht hervor aus der mehrjährigen globalen Initiative von National Geographic, die Menge an Einwegplastik zu reduzieren, die in die Ozeane gelangt. Dafür erzählt sie die Geschichte des Kunststoffs seit seiner Erfindung vor etwas mehr als einem Jahrhundert bis zu seinem heutigen Massenkonsum. Dabei lässt sie die Vorteile des Materials - für Haushalt Medizintechnik oder Raumfahrt - nicht außer Acht. Noch eindrucksvoller sind aber die negativen Folgewirkungen und Schäden, die durch Unmengen von Mikro- und Makroplastik verursacht werden. „PLANET OR PLASTIC?“ 30. APRIL 2022 - 28. AUGUST 2022 DIENSTAG 10 - 19 UHR MITTWOCH - SONNTAG 10 - 20 UHR GLEISPARK BUNDESBAHNWEG 26122 OLDENBURG Diese Inhalte klingen fast schon nach einem hilfreichem Ratgeber, nicht nach einer Ausstellung mit künstlerischem Anspruch. Und tatsächlich liegt der Fokus hier deutlich mehr auf dem Informations-Aspekt als bei „Traced by Plastic“. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Die Fotografien sind größtenteils dokumentarisch. Sie bilden ab, was ist. Das ist Kommentar genug, denn die Motive sprechen für sich. Schon bei den Naturfotografien der "WPP" vermischten sich Ästhetik mit Information und Erkenntnis - manchmal auch mit Schrecken. Dieses Prinzip lässt sich hier wiederentdecken. Aber was ist mit der ästhetischen Ebene? Lässt sich das auch genießen? Ja, aber mit Abstrichen. Im Gegensatz zu eher philosophischen Themen trifft uns "Planet or Plastic?" inmitten unserer Lebensrealität. Wir werden gezwungen, eine Position zu beziehen. Das ist nicht immer angenehm, es macht die Ausstellung aber umso effektvoller. Kongenial: Inhalt und Inszenierung Durch siebzig kraftvolle Bilder von renommierten Fotograf:innen aus aller Welt sowie Infografiken und Videos verdeutlicht „Planet or Plastic?“ die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen der Verwendung von Plastik und dem Schutz unserer Umwelt. Zudem stellt die Ausstellung Schritte vor, die Besucher:innen in ihrem Leben unternehmen können, um Produkte mit Einwegkunststoff verantwortungsbewusst zu reduzieren, wiederzuverwenden, zu recyceln und zu entsorgen. „Diese Ausstellung ist nicht nur spektakulär, sondern auch unglaublich wichtig“, sagt Dr. Ursula Warnke, Direktorin des Landesmuseum für Natur und Mensch. „Wir sind sehr stolz, dieses Highlight in Oldenburg präsentieren zu können.“ Sie betont zudem, dass ihr Haus sich seit langem für Umweltfragen einsetze. „So betrachtet ist dies hier sicherlich das I-Tüpfelchen auf unser Engagement.“ Mediavanti-Geschäftsführer Claus Spitzer-Ewersmann verweist zudem auf ein umfangreiches Rahmenprogramm, das die Ausstellung begleiten wird. „Es ist uns wichtig, damit verschiedene Interessengruppen und auch Menschen anzusprechen, die sich mit der Thematik bislang nicht beschäftigt haben.“ Startschuss für den GleisPark Die Eröffnung der Ausstellung markiert gleichzeitig den Start für den GleisPark. Er wird in den kommenden Monaten ein zusätzlicher Spielort für die Oldenburger Kultur (und Artverwandtes) sein. Wir haben vorab schon mal einen ausführlichen Blick auf das Potenzial des Areals geworfen. Es wird spannend zu sehen sein , wie sich die Umgebung der betagten Paketposthalle und der raue Charme des Vorplatzes mit dem Ausstellungsformat ergänzen werden. Im Idealfall entsteht eine Symbiose: Impulse durch die Inhalte im Inneren, danach Raum für Reflexion und Rückkehr in den Alltag bei einem Kaffee oder Bier im Gastro-Bereich. Das klingt gut? Dann haben wir eine gute Nachricht: Man kann es auch mehrfach tun, denn Zeit ist genug. „Die Laufzeit von vier Monaten unterstreicht die Bedeutung der Ausstellung“, betont Museumsdirektorin Warnke und fügt eine Forderung hinzu: „Wir müssen uns den hier sehr deutlich werdenden Problemen endlich stellen und sie gemeinsam aktiv angehen.“ Dem kann man sich nur anschließen - und wenn man auf künstlerische Weise informiert, inspiriert und motiviert wird, dann klappt es sicher umso besser. Spagat gelungen Es ist nicht die Aufgabe der Kultur, unser Konsum-Verhalten kritisch zu hinterfragen. Doch wenn sie es tut, dann ist die Wirkung auf die Betrachter:innen besonders stark. Sie kann leisten, woran die Wissenschaft scheitern muss: Emotionalisieren. Wir fühlen das Thema besser und intensiver, wenn wir Fotografien, Installationen oder Malerei betrachten. Kultur bedeutet immer auch kognitive Stimulation. Mitmachen können wir bei „Planet or Plastic?“ - anders als bei „Traced by Plastic“ - zwar nicht. Aber dafür lässt sich Im Anschluss bei der Gastronomie wunderbar darüber diskutieren. Wir haben vier Monate Zeit. Das sollte zu schaffen sein, oder? * Du gehörst nicht zu den älteren Semestern? Du hast keine Ahnung, welchen Ohrwurm wir meinen und wofür wir uns entschuldigen? Und du willst alles darüber wissen? Okay, here we go. Aber auf eigene Verantwortung!
- HABT IHR ETWAS ZU VERBERGEN?
Diese Frage stellt die neue Komödie „Fremde Freunde“ der Theatergruppe Szentral, die am 08. April im Oldenburger Universitätstheater (OUT) Premiere feiert! Das Ausgangsszenario ist dabei jedoch denkbar einfach und schön: sieben Freundinnen und Freunde, die gemeinsam einen gemütlichen Abend mit gutem Essen verbringen. Natürlich gäbe es keinerlei Geheimnisse, ist man sich untereinander einig! „Seid ihr euch sicher?“, fragt die Gastgeberin des Abends und möchte die selbstbewusst formulierte Gewissheit ihres Freundeskreises auf die Probe stellen. Sie schlägt ein Spiel vor: Alle Handys liegen offen auf dem Tisch, alle eingehenden Anrufe werden auf laut gestellt und sämtliche Nachrichten vorgelesen! Niemand ahnt, dass dieses vermeintlich harmlose Spiel die Freundschaften und Beziehungen der Runde auf eine harte Probe stellen wird. Und dabei sind unaufgefordert zugeschickte Nacktfotos und spontane Anrufe des Liebhabers noch das geringste Problem. Wer steckt hinter dem Stück? Seit über 20 Jahren führt die Theatergruppe Szentral auf den Bühnen des Oldenburger Universitätstheaters jährlich ein Theaterstück auf. Neben einigen langjährigen Mitgliedern, bereichern auch regelmäßig neue Schauspielerinnen und Schauspieler die Gruppe, wobei die Genres von klassischen Dramen über Kriminalgeschichten, Kinderbuchadaptationen bis zu experimentellen Stücken reichen und hierbei so vielseitig sind wie die Schauspielerinnen und Schauspieler selbst. Wer das Stück sehen und herausfinden möchte, welche weiteren Geheimnisse gelüftet und Enthüllungen ans Tageslicht kommen werden, findet hier Tickets für die Premiere am 08. April und alle weiteren Aufführungen: www.theater-unikum.de/tickets/
- DAS IST DOCH DER WAHNSINN!
Es gibt Stücke, die erschließen sich erst nach einem genauen Studium der Inhaltsangabe. Andere triggern uns schon in der ersten Sekunde, zum Beispiel durch ihren Titel. Dazu gehört „Wie der Wahninn mir dir Welt erklärte“, dem neuen Stück für Jugendliche ab 11 Jahren des Oldenburgischen Staatstheaters. Denn eines ist von Anfang an klar: Nichts. Und das macht natürlich neugierig. Der erste Gedanke, den viele Erwachsene an dieser Stelle haben dürften: „Ab 11 Jahren? Nichts für mich!“ Doch Halt! Es gab schon unzählige Stoffe, die ursprünglich für ein jüngeres Zielpublikum gedacht waren, die schließlich aber alle Altersgruppen erreichten. Das erfolgreichste Beispiel dürften wohl „Harry Potter“ von J.K. Rowling und "Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien sein, der Klassiker schlechthin ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Wärmstens empfehlen können wir auch „Rocket Boys“ von Homer Hickam. Man kann aber auch aus Oldenburger Kontexten ein Beispiel herausgreifen: Am Staatstheater läuft schon seit Jahren „Supergute Tage“ mit der brillanten Franziska Werner in der Rolle des 15-jährigen Christopher Boone. Die Buchvorlage „The curious incident of the dog in the night-time“ von Mark Haddon war - genau, ein Jugendbuch, und zwar ein sehr lesenswertes. Ihr kennt noch weitere? Dann erzählt uns gerne davon, vielleicht machen wir einen eigenen Artikel daraus. „WIE DER WAHNSINN MIR DIE WELT ERKLÄRTE“ PREMIERE: SONNTAG, 17. APRIL 2022, 16 UHR WEITERE VORSTELLUNGEN: 22. APRIL 2022, 18 UHR 15. MAI 2022, 16 UHR EXERZIERHALLE JOHANNISSTRAßE 6 / PFERDEMARKT 26122 OLDENBURG Nun also der „Wahnsinn“. Als solchen empfindet man als Heranwachsende:r wahrscheinlich auch den ganz normalen Alltag - und liegt damit nicht völlig falsch. Zum Irrsinn der Welt kommt in dieser Lebensphase ja noch der Irrsinn des Selbst hinzu. Ohne Frage: eine komplizierte Zeit! Die wird in der Geschichte von Dita Zipfel noch ein ganzes Stück komplizierter: Lucie (Puah Kriener) muss sich daheim mit dem neuen Lover ihrer Mutter rumschlagen, in der Schule wird sie von den coolsten Mädels übersehen oder ignoriert (das weiß man ja nie so genau) und dann gibt es noch den Sehnsuchtsort Berlin, für den aber das Geld fehlt. Die vermeintliche Lösung: Ein gutbezahlter Hundesitter-Job beim verschrobenen Herrn Klinge. Der Haken daran: der Hund ist längst tot. Macht das den Job ganz einfach oder völlig unmöglich? Und was hat ein kurioses Kochbuch mit dem blonden Marvin zu tun? Mehr los als im Insta-Feed Es ist wie so oft: Auf Erwachsene wirkt die Handlung von Stücken für jugendliches Publikum zunächst überdreht und übertrieben. Aber erinnern wir uns zurück: Das Lebenstempo in den Teenager-Jahren ist einfach hoch. Weil man eben nicht gesettled in sich ruht, sondern seine Rolle in der Welt erst finden muss. Für viele Jugendliche gibt es pro Tag mehr innere Konflikte als Reels im Insta-Feed. „Storys of initiation“ sind Klassiker der Literatur und bilden ein eigenes Genre. Immer wieder gelingt es Autor:innen dabei, eine Handlung und Sprache zu finden, die Unterschiede zwischen Generationen aufbricht und überwindet. Beim „Wahnsinn“ gibt es zweifellos das nötige Potenzial dafür. Dita Zipfel erzählt von einer herrlich unerschrockenen Heldin und dem Mut, anders zu sein – und wurde dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 ausgezeichnet. Die Bühnenfassung von Matthias Grön unter der Regie von Ingo Putz nimmt den Stoff einerseits angemessen ernst, setzt ihn andererseits aber auch zeitgemäß-spielerisch um. Er bewegt sich letztlich also zwischen genau denselben Polen wie die Protagonistin selbst - und der Rest der Welt auch. Mit Neugier und Naivität Was ist das Stück nun? Ein harmloser Spaß für die Kids? Oder der generationsübergreifende Klassiker von morgen? Die Antwort liegen irgendwo dazwischen. Doch eines steht schon fest: Es schadet für Erwachsene grundsätzlich nie, hin und wieder den Blickwinkel von Kindern und Jugendlichen einzunehmen. Er eröffnet uns neue Perspektiven und viel mehr Klarheit als unsere verkopften Analysen und Reflektionen. Ein Hauch mehr Neugier und Naivität tut uns immer gut. Probiert es aus - und lasst euch vom Wahnsinn die Welt erklären! Ihr sucht Karten? Die gibt es im Ticketshop oder an der Theaterkasse des Oldenburgischen Staatstheaters.
- PODCAST: FOLGE 03
Was hat Kirche eigentlich mit Kultur am Hut? Dieser Frage gehen wir in der neuen Folge unseres Podcasts nach. Wie sich rausstellt: einiges! Denn dieses mal sprechen wir mit Benedikt Feldhaus und stellen euch das Forum St. Peter vor, das er leitet. Das sogenannte City-Pastoral Projekt der katholischen Kirche ist für viele wahrscheinlich nicht der allererste Ort, an den sie denken, wenn es um Kultur geht. Aber ist das überhaupt berechtigt? Dem sind wir auf den Grund gegangen und sprechen unter anderem über das Verhältnis der Kirche zu Kunst und Kultur, sogenannte „Dritte Orte“, darüber welche Bedeutung Stille innerhalb unserer Gesellschaft heute noch einnimmt und welche eigenen Kulturangebote das Forum anbietet. In diesem Zuge stellt sich auch heraus welche Motivation das Team des Forums dabei antreibt. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! Wenn ihr Näheres über das Forum St. Peter und das Kulturangebot erfahren möchtet, werdet ihr unter www.forum-st-peter.de fündig.











