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  • ERKENNTNISSE AUS DEM KULTURAUSSCHUSS

    Nachdem ihr bereits Montag in unserer Ankündigung vorab erfahren konntet, was es mit dem Kulturausschuss auf sich hat und was dieses Mal auf der Tagesordnung Platz fand, war es gestern dann soweit: Kevin hat sich das Ganze für euch live angeschaut und lässt euch heute an seinen persönlichen Eindrücken teilhaben. 01: Einwohnerfragestunde nutzen! Auch wenn an diesem Tag die Besucherinnen und Besucher keine Fragen stellen, bleibt ganz klar festzuhalten: Die Möglichkeit, in den ersten Minuten einer Ausschusssitzung eben genau das tun zu können bei Bedarf ist Demokratie at it's best. Wem also eine Frage auf dem Herzen liegt zu unserer Stadt, der findet in den jeweils thematisch passenden Ausschusssitzungen, die entsprechende Möglichkeit eben diese Frage zu stellen. Zur Auflistung und den Terminen der einzelnen Ausschüsse findet ihr hier weitere Informationen: Ausschüsse des Rates > Stadt Oldenburg 02: Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gedacht werden! Natürlich beschäftigt uns alle das Thema der Nachhaltigkeit, gerade unter dem Gesichtspunkt des fortscheitenden Klimawandels. So auch die Stadt Oldenburg selbst, da sich unzählige - eigentlich alle - Bereiche einer Stadtverwaltung mit den Fragen, die hierbei entstehen, konfrontiert sehen. Umso erfreulicher, dass aktuell in den Ausschüssen das neue Nachhaltigkeitsleitbild präsentiert wird. Denn anstatt, dass alle einzelnen Bereiche für sich arbeiten, wurde hier für die gesamte Stadtverwaltung ein umfassendes Bild geschaffen, an dessen Umsetzung die einzelnen Bereiche nun gemeinsam arbeiten können. Hier wird also an einem gemeinsamen Strang gezogen, damit sich Kräfte bündeln und der nötige Wandel so effizient wie nur möglich stattfindet! Dass dieses ganzheitliche Denken absolut notwendig ist, wird schnell auch anhand der Rückfragen klar, denn beispielsweise die energetische Sanierung einer kulturellen Spielstätte betrifft direkt mehrere Fachbereiche. 03: Die Kulturförderung erneuert sich! Einige der Punkte auf der Tagesordnung betreffen an diesem Abend auch die Kulturförderung. So wird es auch in diesem Jahr wieder eine Strukturbrücke als Fördermaßnahme geben, bei der auch weiterhin das Motto ganz klar ist: so unbürokratisch wie nur irgendwie möglich die Nachbeben der Coronakrise für die Kulturszene unserer Stadt abzufedern und unkompliziert Hilfe zur Verfügung zu stellen. Abseits der Strukturbrücke als Sondermaßnahme, wurde jedoch auch auf organisatorischer Ebene die Antragsstellung für Förderungen erneuert und findet nun rein digital statt. Das vereinheitlicht und kanalisiert nicht nur das Verfahren für die Verwaltung, sondern soll ebenso den Prozess auch für die Kulturschaffenden übersichtlicher und einfacher gestalten. Alle Infos dazu findet ihr hier: Kulturförderung > Stadt Oldenburg Neben klassischer Projektförderung, gibt es jedoch auch die sogenannte institutionelle Förderung. Dabei handelt es sich, einfach ausgedrückt, um eine anhaltende, vertraglich zugesicherte Fördersumme für Kultureinrichtungen. Auch diese soll in den kommenden Monaten, im engen Austausch mit Politik und Kultur neu aufgestellt werden, um klarere Richtlinien erarbeiten, die zur Stärkung der Transparenz, wann und warum etwas gefördert wird, beitragen. 04: Wird die Kultur gebraucht, ist sie da und hilft wo sie kann! Der Ukrainekrieg hinterlässt uns alle fassungslos, im Angesicht der Schicksale und des Leids, das die Menschen aktuell dort erfahren müssen. Wie wir euch bereits in einem unserer Artikel berichten konnten, leistet jedoch unter anderem auch die Kulturlandschaft unserer Stadt aktuell Hilfe wo immer sie nur irgendwie kann. Das Ausmaß und die unterschiedlichen Facetten all' dieser Hilfeleistungen wurde in dieser Sitzung nochmals geschildert, was einen wirklich überwältigt und freut. Natürlich helfen Spendengelder hierbei riesig, doch es sind auch die kleinen Geschichten drumherum, die einen hierbei berühren. Um nur eine von vielen tollen Geschichten zu benennen, stellte der Verein Jugendkulturarbeit e.V. nicht nur sofort seine Räumlichkeiten für Geflüchtete zur Verfügung, sondern über den engen Kontakt und das gemeinsame Miteinander fand man auch schnell auf künstlerischer Ebene zueinander und arbeitete gemeinsam an kulturellen Projekten. 05: Der Carl-von-Ossietzky-Preis 2022 wird eine richtig große Sache! Zum Abschluss und als letzte Erkenntnis bleibt nur "WOW" zu schreiben. Denn in dieser Sitzung wurde der Preisträger des diesjährigen Carl-von-Ossietzky-Preises 2022, der diesmal am 9. Dezember verliehen wird, bekanntgegeben und der hat es wirklich in sich! Keinem geringeren als Pianist & Aktivist Igor Levit wird in diesem Jahr die Ehre des Preises zu Teil, der Menschen verliehen wird, die sich ganz im Sinne Ossietzkys für Demokratie stark machen und ihre Werte verteidigen! Uns erwartet also zum Ende diesen Jahres ein waschechtes Highlight. Mehr dazu werdet ihr selbstverständlich auch hier bei uns auf dem Kulturschnack erfahren!

  • WÜNSCH DIR WAS!

    Wenn man über die Qualitäten eines Kulturstandorts spricht, dann meistens darüber, was die Kulturakteure selbst schaffen. Die Rolle des Publikums bleibt meist außen vor. Dabei kann es selbst durchaus auch zu Qualität und Vielfalt beitragen. Eindrucksvoll gezeigt hat dies „O - eine Stadt sucht ein Drama“ des Oldenburgischen Staatstheaters. Dabei konnte das Publikum entscheiden, welcher Stoff inszeniert wird. Das Ergebnis? Feiert nun seine Premiere. Für viele Menschen in Führungspositionen ist die Kundenbefragung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits möchte man wissen, was die Zielgruppe sich wünscht. Andererseits hieße dass aber, ihre Vorstellungen berücksichtigen zu müssen. Sprich: nicht mehr das tun zu können, was man selbst will. Ein Dilemma! Allerdings nicht für Christian Firmbach, dem Intendanten des Oldenburgischen Staatstheaters. Gemeinsam mit seinem Team entschied er sich im Jahr 2018 bewusst dafür, das Oldenburger Publikum bei der Gestaltung des Spielplans mit einzubinden. Beim Projekt „O - eine Stadt sucht ein Drama“ durfte es selbst entscheiden, welches von vier zur Auswahl stehenden Stücken tatsächlich inszeniert werden soll. Eine einfache Frage, hinter der letztlich aber Größeres steht. Mitmachen? Mehr davon! „Der Prozess hatte Elemente von Demokratie und Digitalisierung“, erklärt der Leitende Dramaturg Jonas Hennicke, der damals mit auf der Bühne saß, als die Stücke im Spielraum des Staatstheaters vorgestellt wurden. „Man konnte sich vor Ort bei szenischen Lesungen ein Bild machen, auf unserem YouTube-Kanal die Zusammenfassung ansehen oder auf der Website die Skripte lesen. Fundierter kann man die Entscheidung eigentlich nicht treffen.“ So sah das damals aus: eine szenische Lesung im Spielraum. Das Oldenburger Publikum ließ sich nicht lange bitten und stimmte fleißig ab. Die Entscheidung fiel damals auf „Über meine Leiche“ von Stefan Hornbach, für das er im Jahr 2015 mit dem Osnabrücker Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde. Wer sich ein wenig einfühlen will, findet hier eine Leseprobe. Nun endlich, nach zwei Jahren pandemischer Verzögerung, feiert das Stück seine Premiere im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Alle, die damals mitgemacht haben, dürfen nun überprüfen, ob ihre Entscheidung richtig war. Alle anderen können entdecken, was sich damals gegen hochkarätige Konkurrenz durchgesetzt hat. „Mit diesem Format haben wir einerseits natürlich Neuland betreten“, blickt Jonas zurück. „Andererseits glaube ich aber, dass solche Elemente immer wichtiger und selbstverständlicher werden. Überall sehen wir den Wunsch nach Interaktion, im Zeitalter von Social Media gehört das immer mehr dazu.“ Diesen Ansatz wird das Staatstheater in der kommenden Spielzeit noch weiter vertiefen und ein ganz neues, hybrides Format anbieten. Auch dabei wird Jonas eine wichtige Rolle spielen, wie er uns schon verraten hat. Mehr dazu in den kommenden Wochen an dieser Stelle. „ÜBER MEINE LEICHE“ VON STEFAN HORNBACH TERMINE: SA 14.05. 20 UHR (PREMIERE) FR 20.05. 20 UHR SO 12.06. 18 UHR DI 28.06. 20 UHR SA 02.07. 20 UHR FR 08.07. 20 UHR SO 10.07. 18 UHR FR 15.07. 20 UHR OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG Zwischen Leben und Tod Warum sich das Oldenburger Publikum für „Über meine Leiche“ entschieden hat, lässt sich bereits anhand der Storyline erahnen: Im Mittelpunkt steht Friedrich (Manuel Thielen) ein schüchterner, junger Mann ohne besondere Ziele, der wieder bei seinen Eltern eingezogen ist. Er wird jedoch jäh aus seiner Lethargie gerissen, als bei ihm ein Tumor diagnostiziert wird: Krebs. Plötzlich bekommt sein Leben ein Verfallsdatum, Wahrnehmungen und Perspektiven verschieben sich, Dinge bekommen eine neue Wertigkeit. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt tritt Jana (Rebecca Seidel) wieder in sein Leben: intelligent, selbstbewusst, lebensmüde. Sie empfindet wenig Mitleid für Friedrich, schließlich erwartet ihn, was sie sich schon lange wünscht. Jana will Friedrich zeigen, wie man stirbt - Friedrich soll Jana beibringen, wie man lebt. Zwischen diesen gegensätzlichen Polen entzünden sich in Hornbachs vielbeachtetem Debütstück die Funken. Sie ergeben ein kraftvolles, poetisches Plädoyer für den unbedingten Willen zum Leben. Authentisch und lebensnah, feinfühlig und emotional, aber trotzdem erfrischend frech und zugespitzt - diese bunte Mischung kam bereits beim Osnabrücker Publikum hervorragend an. Auch die „Drama-Sucher:innen" in Oldenburg konnte es überzeugen. Aber wie wird es jetzt auf der Bühne im Staatstheater sein? Kann die Inszenierung von Franziska Stuhr überzeugen? Die Erwartungen vielleicht sogar übertreffen? Vieles spricht dafür. Doch warum sollen wir Vermutungen anstellen? Probiert es selbst aus! Seht euch dieses Drama an, das Oldenburg selbst gesucht und gefunden hat. Hört man Dramaturg Jonas zu, scheint klar zu sein: Die Elemente aus Demokratie und Digitalisierung sind gekommen, um zu bleiben. Das heißt: Eine Gelegenheit zur Mitbestimmung dürfte sich in Zukunft wieder ergeben. Egal, ob die Stadt dann wieder ein Drama sucht oder es um etwas ganz anderes geht: Lasst euch die Gelegenheit nicht entgehen. Denn wie gesagt: Dadurch entstehen Bindung, Bereicherung und Begeisterung. „Über meine Leiche“ tritt den Beweis dafür an.

  • IN EINER ANDEREN WELT

    Mit Sentient Picnic, der aktuellen Ausstellung im Edith-Russ-Haus für Medienkunst, schafft der indische Künstler Mochu innerhalb der Wände des Museums mit seinen Videoinstallationen ein ganzes Paralleluniversum, das einen voll und ganz verschlingt, mitnimmt auf einen psychedelischen Trip durch Internetkulturen und dabei immer wieder auch mit völlig neuen Realitäten konfrontiert. Es ist dunkel. Sehr dunkel. „Kino-dunkel“. Plötzlich: Menschen mit Delphinköpfen, die aus dem Nichts erscheinen, an einem Tisch sitzen und tief in die Augen der jeweiligen Betrachter blicken. Dann sind sie wieder verschwunden, so schnell wie sie erschienen sind. Geräusche, unterschwellig, stetig präsent, nicht klar zuzuordnen, die auf direktem Wege einem gekonnten Science-Fiction-, oder sogar Horrorfilm entspringen könnten. Dazu immer wieder Pop-Up-Fenster, die sich mit einzelnen Textnachrichten öffnen, digitale Fragmente, einzelne 3D-Renderings. Hier wird den Besucherinnen und Besuchern eine Geschichte erzählt. Aber: welche? Das Internet zwischen Utopie und Dystopie Bei dieser surreal anmutenden, verbildlichten Welt des Internets handelt sich um das GROTESKKBASILISKK! MINERAL-MIXTAPE, einer Auftragsarbeit des Museums, die das zentrale Werk der Ausstellung bildet und – je länger man sich mit ihr beschäftigt – der eigentlichen Realität doch irgendwie immer ähnlicher wird. „Das Internet ist nicht einfach ein Medium, das Wissen überträgt. Ich denke, dass es seine eigene Agenda mit sich bringt.“ - Mochu Denn wenn wir genau überlegen: sind die ursprünglichen, damaligen Versprechungen des Internets von schönen und großen Idealen wie Freiheit, persönlicher Entfaltung, Kreativität und Demokratie bisher wirklich in Erfüllung gegangen? Oder sind sie inzwischen im Angesicht von einer Flut an Falschinformationen, Deep Fakes und imperialistischen Großkonzernen mit ebenso großen Machtfantasien, die große Teile der Infrastruktur des Internets für sich beanspruchen, bis zur Unkenntlichkeit deformiert? Hier setzt Mochu mit seiner Videoinstallation an. Verfremdete Bollywood-Sounds, Memes, Martial-Arts-Spiele und mythologische Comics vermischen sich zu einer Reflexion eben genau dieser Online-Subkulturen, die in diesem Fall einem Fiebertraum, wenn nicht vielleicht sogar viel eher Albtraum gleichen und so in ihrer symbolischen Sprache und den aufgebauten Gefühlswelten kaum passender sein könnten. MOCHU - "SENTIENT PICNIC" BIS SONNTAG, 12. JUNI 2022 DI - FR 14.00 - 18.00 UHR SA - SO 11.00 - 18.00 UHR EDITH-RUSS-HAUS FÜR MEDIENKUNST KATHARINENSTRASSE 23 26121 OLDENBURG Im Kaninchenbau Steigt man im weiteren Verlauf der Ausstellung die metallischen Treppen des Edith-Russ-Hauses hinab, auf dem Weg zu den weiteren Exponaten, fühlt es sich an, als sei dies erst der Anfang der angetretenen Reise und man falle wie einst Alice im Wunderland höchstpersönlich immer tiefer und tiefer und tiefer hinab in den Kaninchenbau. Denn kaum hat man die Stufen hinter sich gelassen, ist man umgeben von einer Landschaft, einer Videoinstallation mit dem Titel Painted Diagram of a Future Voyage (Who believes the lens?), die immer wieder mit der eigentlichen Welt bricht und den Betrachter oder die Betrachterin umkreist. Es stellt sich die Frage, wer hier am Ende eigentlich wen betrachtet? Die physikalischen Gesetze der Cartoons Innerhalb dieser Landschaft führen die Besucherinnen und Besucher Abzweigungen zu abgedunkelten Räumen, in denen sich weitere Videoinstallationen finden und immer wieder auf neue Art und Weise mit der für Gewiss erachteten Idee der eigenen Realität spielen. So nimmt die mehrkanälige Video-Lecture mit dem Titel Toy Volcano, zu deutsch Spielzeugvulkan, die Anwesenden mit in das Universum eines vergessenen Mangas und verbindet im Rahmen einer Fan-Fiction Outsider-Art und verdächtige Materialien mit der Physik von Cartoons. Die Erzählung folgt einem Beamten des Fremdenverkehrsamtes, der sich mit gefälschten Theorien über Außenseiterkunst, verdächtigen Materialien und mit der Physik von Karikaturen beschäftigt. Man erwischt sich dabei selbst sein eigenes Wissen zu hinterfragen, wenn mit einer völligen Selbstverständlichkeit die Existenz portabler Löcher gerechtfertigt wird und, ganz wie bei einer akademischen Vorlesung an einer Universität, Cartoons der Looney Tunes als wissenschaftliche Basis fungieren oder gezeichnete Versionen der Beatles (ja, wirklich!) die Funktionsweise eben dieser Löcher anschaulich demonstrieren. In Zeiten, in denen Verschwörungserzählungen florieren wie nie zu vor und Menschen Angst davor haben von einer Welt zu Fallen, die einer Scheibe gleicht, karikiert das Projekt diesen gesellschaftlichen Zustand förmlich und es wird erschreckend deutlich wie fragil wahrscheinlich doch das Realitätsempfinden eines jeden von uns letztlich sein kann. Technologische Ernüchterung Cool Memories of Remote Gods (Coole Erinnerungen an ferne Götter) hingegen spielt in den Überresten von Hippie-Pfaden Indiens und fühlt sich an, als werde man Teil einer leicht melancholisch anmutenden, archäologischen Erkundungsreise. Denn über die 1-Kanal Videoinstallation, innerhalb eines Raums, der vollständig mit einer metallischen, spiegelnden Folie verkleidet ist, umgibt die Projektion die Betrachtenden vollständig und man steht inmitten der Überreste der Gegenkultur-Gruppen der 1960er Jahre. Zu einer Zeit, in der Computer den Anspruch erhoben, dass Maschinenaktivität den Verstand ersetzen könnte, dachte die Gegenkultur darüber nach, ob sich religiöse oder mystische Erfahrungen auch mit technischen Hilfsmitteln, mit „inneren Technologien“, nachvollziehen ließen. Dieses erhoffte „Reich des Gleichgewichts“ wurde allerdings sukzessive auf psychedelische Poster, billige Kopien surrealistischer Gemälde und New Age-Fusion-Musik reduziert. Müssen wir also grundlegend erkennen, dass nach dem technologischen „Rausch“, voller Euphorie auf das was uns alle in den kommenden Jahrzehnten erwarten würde, sich nun langsam immer weiter die Phase der Ernüchterung einstellt und die Versprechungen, die damals golden glänzten, heute doch einiges an Rost angesetzt haben? All' diese Fragen trägt man auch im Anschluss an Sentient Picnic mit sich, denkt weiter über sie nach und versucht weiterhin dem in dieser Ausstellung Gesehenen auf den Grunde zu gehen. Denn anspruchsvolle Kunst mag keine leichte Kost und schon gar nicht immer auf den ersten Blick vollends verständlich sein. Doch das muss sie auch nicht und von einem Besuch einer solchen Ausstellung sollte einen das erst recht nicht abhalten. Deshalb lautet das eindeutige Fazit: Sentient Picnic ist wahrlich ein „Trip“ in jeder Hinsicht, der mit den eigenen Wahrnehmungen zu spielen weiß und sich sowohl zu sehen, zu hören als auch zu erleben lohnt!

  • WAS PLANT GRÜN-ROT?

    Die grün-rote Haushaltsmehrheit hat im Dezember ihr Ergebnispapier veröffentlicht. Aber was ist eigentlich mit der Kultur? Keine Sorge: sie kommt auch vor. Was genau geplant ist, lest ihr hier. Kultur für alle "Ein breites und vielfältiges Kulturangebot erhöht die Lebensqualität der Stadt, ermöglicht Austausch und Begegnung und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die kulturelle Vielfalt Oldenburgs wollen wir deshalb erhalten und eine breite kulturelle Teilhabe sicherstellen." Kulturelle Vielfalt und Teilhabe stärken "Wir fördern die Weiterentwicklung von kulturellen Angeboten in ihrer Vielfalt, sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtteilen. Damit verbunden ist auch Kultur im öffentlichen Raum. Die städtische Kulturförderung soll bestehenden Kultureinrichtungen und Initiativen Planungssicherheit geben. Wir fördern Kooperationen und ermöglichen neuen Initiativen und Akteur*innen sich in der Kulturlandschaft zu etablieren. Angebote in den Stadtteilen werden wir stärken. Wir erleichtern dadurch allen Menschen den Zugang zu Kultur und kultureller Bildung. Im Zuge dessen setzen wir uns für mehr Aktivitäten von und für Kinder(n) und Jugendliche(n) ein. Pädagogische Kulturarbeit soll, vor allem in Verbindung mit dem Besuch von kulturellen Einrichtungen, kostenfrei gestaltet sein. Die kulturelle Bildung, insbesondere die musikalische und kreative Früherziehung sowie die Leseförderung müssen gestärkt werden. Damit Jugendliche selbstbestimmt Kultur gestalten und erleben können, wollen wir mehr Proberäume und andere Angebote schaffen. Wir setzen auf eine Kulturpolitik, die mehr interkulturelle Begegnung und Angebote für alle Altersgruppen zum Ziel hat. Die Ausgestaltung soll dabei inklusiv und barrierefrei erfolgen. Insbesondere unterstützen wir Kunst, Kultur und Musik, die nicht am Markt bestehen kann. Kulturschaffende sollen Freiräume haben und unter guten Rahmenbedingungen arbeiten. Wir fördern deshalb die Weiterentwicklung der Oldenburger Kulturszene und unterstützen neue Initiativen. Kultur braucht Raum in der Stadt. Deshalb setzen wir auf die stärkere Öffnung städtischer Liegenschaften, den Ausbau von Zwischennutzungen in der Innenstadt und den Stadtteilen. Wir setzen uns für Kultur im öffentlichen Raum und die Etablierung digitaler Formate und Angebote ein. Der Kultursommer soll auch künftig so weit wie möglich kostenlos sein. Darüber hinaus wollen wir beispielsweise über ermäßigte Eintrittsgelder allen Menschen Kultur zugänglich machen." Stadtmuseum "Die Bündnispartner unterstützen die Planungen für das Stadtmuseum. Mit dem Neubau, der die „Neue Galerie“ ersetzt und der Modernisierung der historischen Villen werden die Angebote und Aufgaben sowie die Ausrichtung des Stadtmuseums erweitert. Die historischen Villen werden dadurch zu einem eigenständigen kulturellen Angebot aufgewertet. Ziel ist, das Museum stärker zu öffnen und zu einem 20 Kooperation der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD im Rat der Stadt Oldenburg 2021 bis 2026 Ort der Begegnung zu machen. Mit der Neugestaltung des Stadtmuseums sollen auch Menschen angesprochen werden, die bislang keinen Zugang zu Museen gefunden haben. Wichtig ist dafür eine bessere konzeptionelle Ausgestaltung der Nutzung, die Einbeziehung digitaler Museumskonzepte und die verstärkte Kooperation mit Kulturschaffenden, Schulen und Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft. Das Stadtmuseum soll ein besonderer Ort werden, an dem Oldenburgs Geschichte, aber auch Gegenwart und Zukunft der Stadt erfahrbar sind." Erinnerungskultur "Erinnerungskultur ist uns wichtig. Wir bauen sensibilisierende Maßnahmen aus und setzen uns für aktives Erinnern an Oldenburger Geschichte im Hinblick auf jüdische Geschichte und die Geschichte von Sinti*zze und Rom*nja ein. Wir fördern die kritische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und unterstützen den Fond „Fonds für Toleranz und gegen Faschismus und Rassismus“." Das gesamte Papier könnte ihr hier runterladen - oder hier! Lohnt sich. #kulturpolitik #stadtoldenburg #bündnis90diegrünen #spd #kulturentwicklung #ergebnispapier #haushaltsmehrheit

  • CLARA JO - MIRROR TOUCH

    Das Edith-Ruß-Haus zeigt immer wieder fantastische Ausstellungen, die unsere Sehgewohnheiten auf die Probe stellen und uns intellektuell bzw. emotional herausfordern. Trotzdem passiert es immer wieder, dass die aktuelle Ausstellung plötzlich vorbei ist, ohne dass man sie gesehen hat. Doch dieses Mal nicht: wir läuten offiziell den Endspurt ein! CLARA JO - „MIRROR TOUCH“ BIS SONNTAG, 27. MÄRZ 2022 DI - FR 14.00 - 18.00 UHR SA - SO 11.00 - 18.00 UHR EDITH-RUSS-HAUS FÜR MEDIENKUNST KATHARINENSTRASSE 23 26121 OLDENBURG Keine Frage: Clara Jo ist mit ihrer aktuellen Ausstellung auf der Höhe der Zeit. In der großen Halle des Edith-Russ-Hauses begegnet den Besucherinnen und Besucher nämlich diese bizarre Szenerie: Buddhistische Statuen in riesigen Höhlen, ein burmesischer Mönch in traditioneller roter Robe und Wissenschaftler in weißen, virensicheren Anzügen. Letztere untersuchen Fledermäuse, die im Verdacht stehen, Coronaviren auf den Menschen zu übertragen. Schon 2018, lange bevor COVID-19 um die Welt ging, beschäftigte sich Jo mit der Zoonose, also der Übertragung eines Virus von Tieren auf Menschen. Ihre aktuelle Ausstellung dreht sich um Erscheinungen, die man nicht sehen kann: die Viren, die Seele, die menschliche Stimme. Der Titel, auf Deutsch Spiegelberührung, ist ein Begriff aus der Psychologie: Er beschreibt den besonderen Moment, wenn jemand eine Berührung zu spüren scheint, während er sieht, wie ein anderer Mensch tatsächlich berührt wird. Zu den drei Elementen der Ausstellung gehört auch Clara Jos jüngste Arbeit „Between Lived Experience and Simulated Presence“. „Sie ist im Auftrag des Edith-Russ-Hauses entstanden“, erklären Edit Molnár und Marcel Schwierin, die Leiter des Hauses. „Die Künstlerin nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine psychologische Reise in den neuesten Technologien.“ Seltsame, leicht bedrohliche Figuren erscheinen auf den Leinwänden, sie wirken wie schlampig programmierte Charaktere aus einem alten Computerspiel und fordern die Betrachtenden zur Interaktion auf. In Wirklichkeit sind sie Produkte einer Forschungsgruppe des Londoner King‘s College, die mit solchen virtuellen Welten Therapien für psychische Erkrankungen entwickeln. Wie so oft spürt man schon anhand der Beschreibungen: Gefällige Kost gibt es hier nicht. Dafür aber visuell eindrucksvolle und emotional herausfordernde Begegnungen mit neuen Kunstformaten. Nutzt die Chance und schaut euch drei Werke der jungen amerikanischen Künstlerin (*1986) in einer Ausstellung an - und erfahrt, was Scarlett Johansson mit alledem zu tun hat! Über mangelnde Abwechslung kann man sich nicht beklagen (Bilder: Clara Jo)

  • PODCAST: FOLGE 05

    Seit 1993, also fast 30 Jahren, vermittelt und fördert das Literaturhaus Oldenburg zeitgenössische Literatur. In dieser brandneuen Folge vom Kulturschnack verraten uns Monika Eden & Sina Lührs, wie sie das anstellen. Denn neben der Entstehungsgeschichte, sprechen wir unter anderem über die vielfältigen Veranstaltungsreihen, die durch die zumeist moderierten Gespräche fernab bloßer Lesungen, eigenständige Erlebnisse werden, die jeder Besucherin und jedem Besucher einen individuellen Zugang zum vorgestellten Buch ermöglichen. Wie die beiden dabei auch immer wieder das junge Publikum in den Blick nehmen und abholen möchten, ist ebenso Thema wie die Bedeutung von Literatur auf die Entwicklung unseres gesellschaftlichen Lebens. Denn die Frage ist: nimmt sie einen effektiven Einfluss auf aktuelle Geschehnisse und übernimmt Verantwortung? Muss Literatur das überhaupt? Auch klären wir, was unter dem Begriff "Luxuslesen" zu verstehen ist. Denn am Ende dieser Folge wird jedem klar sein: wer glaubt, dass sich der Alltag und die Arbeit in einem Literaturhaus auf das vermeintliche Klischee reduzieren ließe, den ganzen Tag nur Bücher lesen zu können und damit sein Geld zu verdienen, der irrt gewaltig! Das aktuelle Programm sowie viele weitere Informationen rund um die Angebote des Literaturhauses Oldenburg findet ihr hier: www.oldenburg.de/startseite/kultur/literaturhaus

  • WIE GEHT'S DENN SO?

    Kaum eine andere Frage hören wir so oft wie diese. Für viele ist sie längst eine Floskel, auf die eine ausführliche Antwort gar nicht erwartet wird. Aber was passiert eigentlich, wenn wir sie wieder ernst nehmen? Wenn wir sie mit aufrichtigem Interesse stellen und umfassend beantworten? Dann erhalten wir spannende Einblicke und neue Perspektiven, wie der Jugendkunstwettbewerb „How are you?“ zeigt. In den letzten beiden Jahren sind zwei Dinge passiert: Zum einen ging es den meisten von uns deutlich weniger gut, weil uns die Corona-Pandemie in unserem üblichen Leben arg eingeschränkt hat. Der Verlust an Möglichkeiten wog für viele am schwersten, vermittelte er doch das ungewohnte - und unbequeme - Gefühl des Eingesperrtseins. Hinzu gesellten sich Zweifel, Sorge, Ängste. Gleichzeitig gab es viel weniger soziale Kontakte und damit auch weniger Interesse, Hinwendung und Empathie. Das begann schon mit der Begrüßung, die von einem herzlichen Ritual zu einer unbeholfenen Geste wurde. Faust, Ellenbogen, Fußgelenk - was gerade galt und was das Gegenüber präferierte, wurde zu einem ungelenken Ratespiel. Wenn es denn überhaupt zu Begegnungen kam. Das heißt: obwohl wir wegen der Ausnahme-Situiation mehr Zuspruch gebraucht hätten, wurde er immer weniger. Was hat das mit uns gemacht? Welche Narben haben wir auf unserer Seele? Das wird vermutlich erst die Zeit zeigen. Aber jetzt ist ein guter Moment für eine Zwischenbilanz. Ein guter Moment, um einmal ganz bewusst zu fragen: Wie geht's denn so? Eine überfällige Frage Das tun nun das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und die Oldenburgische Landschaft. Genauer gesagt: Aurelia Krüger (19) und Rahel Schmöger (18), die dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ Kultur) ableisten. Sie haben den Jugendkunstwettbewerb „How are you“ konzipiert und erhielten dabei die volle Unterstützung ihrer beiden Einsatzstellen. Beim Wettbewerb wurde der Anlass zum Inhalt: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie es den Jugendlichen mit der Pandemie geht. Was hat diese zweijährige Phase mit ihnen gemacht? Wie ging es ihnen währenddessen? Und wie geht es ihnen jetzt, wo das Schlimmste hinter uns zu liegen scheint? Die Bedürfnisse der Jugendlichen wurden während der Lockdowns allzu oft übersehen. Die Frage danach, wie es ihnen geht, war längst überfällig. Gut, dass sie nun endlich gestellt wird. Bei den Antworten darauf dürften Emotionen eine große Rolle spielen. Sie können viele junge Menschen besser künstlerisch/kreativ ausdrücken als mit Worten. Genau das soll bei „How are you?“ passieren - und genau das könnte der richtige Ansatz zum richtigen Zeitpunkt sein. Wir haben uns mit Aurélie und Rahel darüber unterhalten, wie es zu dieser Idee kam und was die beiden FSJ-lerinnen sich davon versprechen. Aurélie und Rahel, ihr habt „How are you“ erdacht und umgesetzt. Was gab den Anstoß für dieses Projekt? Gab es einen bestimmten Moment, in dem ihr festgestellt habt: unsere Generation ist besonders stark betroffen? Und das geht gerade etwas unter? Aurélie: Alle Generationen sind in irgendeiner Weise stark betroffen. Jugendliche sind das Gegenteil von Stillstand. Sie befinden sich in einer Zeit voller ungeklärter Fragen, wie z.B. Wo gehöre ich hin? Wer bin ich? Was wünsche ich mir vom Leben? Welchen Berufsweg schlage ich ein? Solche Fragen lassen sich nicht zu Hause beantworten. Es ist wichtig, Neues zu erleben und sich mit anderen auszutauschen; auch um zu wissen, dass es anderen genauso geht. Rahel: Wir möchten den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich auf andere Art und Weise mit dem Thema Corona auseinanderzusetzen und ihrem kreativen Kopf freien Lauf zulassen. Bei unserer Projektentwicklung stand zuerst fest, dass wir etwas für Jugendliche anbieten möchten, bevor wir uns für ein Thema entschieden haben. Da die Pandemie uns alle betrifft, können alle etwas dazu berichten. Es interessiert uns sehr, wie Gleichaltrige die Zeit wahrnehmen und wahrgenommen haben und ob es vielleicht unterschiedliche Erfahrungen gibt. Wie habt ihr selbst die beiden letzten Jahre erlebt? Was hat euch dabei besonders gefehlt? Rahel: Wenn ich so zurückblicke, fühlen sich die letzten zwei Jahre an, als wäre erst ein Jahr vergangen. Obwohl eigentlich so viel passiert ist und man sich immer wieder auf viele neue Dinge und Regeln einstellen musste, vergingen die beiden letzten Jahre für mich schneller als vorher. Ich weiß gar nicht, ob mir so direkt eigentlich etwas gefehlt hat. Ich habe die Zeit immer gut genutzt und habe das Glück, viele Geschwister zu haben, wodurch es nie langweilig wurde und ich immer soziale Kontakte hatte. Aurélie: Mir hat die Spontanität sehr gefehlt. Ich musste genau überlegen, ob und wann ich mit wem Zeit verbringen kann und möchte. Andererseits habe ich intensiver Zeit mit besonders wichtigen Menschen verbracht und wir haben neue Wege gefunden, uns zu sehen oder zu sprechen, ohne einander zu gefährden. Zum Beispiel auf Spaziergängen und Radtouren oder durch Telefonate. Euer Projekt hat sowohl künstlerische als auch inhaltliche Facetten. Auf was seid ihr am meisten gespannt? Aurélie: Wir freuen uns jedes Mal darauf, die Kunstwerke anzusehen, wenn wir eine neue Einsendung erhalten haben! Mindestens genauso gespannt sind wir aber auch auf die Geschichte dahinter, auf die Gedanken, die sich die Künstler*innen dabei gemacht haben. Rahel: Ich finde es super spannend zu sehen, welche verschiedenen Gefühle in dem Kunstwerk stecken und welche Erinnerungen die Künstler*innen damit verbinden. Mich interessiert, wie andere Menschen auf die Pandemie blicken und wie sie dies auf ihre ganz eigene Art und Weise ausdrücken. Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit? Und wie habt ihr es geschafft, dass dieses Projekt umgesetzt wurde? Rahel: Alle FSJler*innen müssen am Ende ihres FSJ’s ein Projekt auf die Beine gestellt haben. Nach ein paar Überlegungen war für mich klar, dass ich auf jeden Fall gerne etwas machen möchte, wobei ich Menschen, besonders Kinder oder Jugendliche, einbinden kann. Als wir dann auf unserem ersten gemeinsamen Seminar alle zusammen über unsere Projekt-Ideen gesprochen haben, ist mir aufgefallen, dass Aurélie mit Ihrem Ansatz ungefähr in die gleiche Richtung denkt wie ich. Also habe ich sie angesprochen und gefragt, was sie von der Idee hält, gemeinsam ein größeres Projekt zu machen. Aurélie: Während der ersten Seminarwoche haben alle FSJler*innen gemeinsam eine wirklich beeindruckende Kulturshow veranstaltet. Danach wollte ich anderen Jugendlichen unbedingt auch einen kreativen Raum schaffen. Unsere Einsatzstellen und die Sponsoren haben es uns ermöglicht, all unsere Ideen umzusetzen. Hinzu kommt, dass Rahel und ich uns während unserer Zusammenarbeit gut ergänzt und gegenseitig unterstützt haben. Tiefgang statt Floskel „How are you?“: Diese drei Worte sind hier keine Floskel, sie sind eine tiefgehende Frage, mit ehrlichem Interesse gestellt. Das Projekt zeigt, wie alle Beteiligten davon profitieren können, wenn junge Menschen ihre Lebensrealitäten selbst hinterfragen: Aurélie und Rahel hatten die Chance, an diesem Projekt zu wachsen. Ihre Zielgruppe freut sich über ein attraktives Format. Die Institutionen bekommen einen frischen Akzent. Und die Oldenburger Bevölkerung darf sich in der Ausstellung ein Bild davon machen, wie die Jugendlichen die Pandemie sehen. Was diese Zeit mit ihnen gemacht hat? Welche Narben sie auf ihrer Seele haben? Das wird vermutlich erst die Zeit zeigen. Aber jetzt ist ein guter Moment für eine Zwischenbilanz. Ein guter Moment, um einmal ganz bewusst zu fragen: „Wie geht's denn so?“

  • KOLUMNE: ZUVIEL IST GERADE RICHTIG

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die Spielzeitung des Staatstheaters. Digital findet ihr sie unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Entspannt den Überblick verlieren Mir ist etwas aufgefallen. Wenn ich versuche, mich an Dinge zurückzuerinnern, die länger als zwei Tage her sind, dann fällt mir das zunehmend schwerer. Früher konnte ich auf Fragen nach dem Wer, Was, Wann und Wo in Sekundenschnelle antworten. Und heute? Dauert es länger – und bleibt manchmal ergebnislos. Ist es nur das Alter? Oder steckt etwas anderes dahinter? Vielleicht: eine latente Überbeanspruchung des Gehirns? Weil einfach zu viel los ist, sich zu viel verändert, zu viel zu bedenken ist, es zu viel zu tun gibt? Aufmerksame Leser:innen werden die beiden Schlüsselwörter in dieser Aufzählung erkannt haben: zu viel. Ich habe einige Sympathie für diese Erklärung. Nicht nur, weil ich damit vorzeitige Senilität vorerst ausschließen kann. Sondern auch, weil sie meinen Eindrücken entspricht. Da strömt eine Menger auf uns ein. Aber bevor sich ein negativer Vibe in diese Erzählung einschleicht: das muss gar nicht schlecht sein. Denn auch, wenn die Überlastung viel mit der ungeheuren Verdichtung unseres Alltags zu tun hat, gibt es einen großen Vorteil: Es ist immer was los. Auch das, was uns gefällt. Zu viel, um wahr zu sein Aus den oben genannten Gründen ist es Ihnen vielleicht nicht mehr präsent, um was es an dieser Stelle im letzten Monat ging. Corona? Frühling? Nein, ich helfe Ihnen: es ging um den Kulturschnack. Die neue Online-Plattform des Kulturbüros ist seit dem 15. März online und bietet viele Hintergrund-Infos rund um die Oldenburger Kultur in Text und Ton, Film und Bild. Das Motto: Wir setzen die Szene in Szene. Und wir bieten dabei Perspektiven und Hintergründe, die man nicht schon zu genüge kennt. Was das mit der erwähnten nach Überlastung zu tun hat? So einiges. Nein, wir fühlen uns nach sechs Wochen noch nicht reif für eine Auszeit. Ganz im Gegenteil wir haben eine riesige Freude daran, Geschichten über die Oldenburger Kultur zu erzählen. Aber: Wir durften sehr schnell feststellen, dass unsere Szene so enorm viel zu bieten haben, dass wir es kaum schaffen können, alles Interessante abzubilden. Ach, wissen Sie was? Streichen Sie das „kaum“, ersetzten Sie es durch ein „nicht“. Es ist völlig unmöglich, auch wenn wir unser Bestes tun. Das könnte man jetzt natürlich als Manko deuten. Ich empfinde aber das Gegenteil: es ist ganz großartig, dass Oldenburg so viel Kultur bietet, dass man sie nicht vollends abbilden kann. Es gibt in unserer Stadt so viele Personen, Institutionen, Projekte, Formate und Gäste, dass es eigentlich nie ein Problem ist, etwas zu entdecken, dass spannend klingt und das man gern sehe würde. Natürlich birgt diese Fülle die Gefahr, auch mal etwas zu übersehen und zu verpassen. Aber ist das nicht ein kleiner Preis – wenn man im Gegenzug den Luxus der freien Auswahl hat? Jetzt, Anfang Mai, kommt noch etwas hinzu. Zusätzlich zum sowieso schon vielfältigen Programm, beginnt langsam die Open Air-Saison. Sie ging früher viel später los und war oft auf den Kultursommer beschränkt. Aber eine positive Folgewirkung der Pandemie ist ja, dass „Draußen“ viel konsequenter mitgedacht wird. Formate wie die Theaterinsel, der Kulturplatz oder Einfach Kultur gab es 2019 allesamt noch nicht, sie sind jetzt aber schon fest etabliert. Und jetzt lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster: Das Wetter spielt dieses Jahr auch mit! Da es im März und April neben Schnee und Regen schon lange schöne Phasen gab, gehe ich von einem gigantischen Sommer aus, der uns viele wunderbare Kulturerlebnisse und -erinnerungen bieten wird. Gewagt? Ich weiß. Aber ich habe Spaß am Hoffen. Machen Sie ruhig mit, das fühlt sich gut an! Immer gut: Drüber schnacken Ob drinnen oder draußen, etabliert oder experimentell: Unser Ziel wird sein, es auf dem Kulturschnack vorzustellen. Mal ganz ausführlich, mal kurz und knapp als kleiner Snack. Aber immer: mit einem eigenen Blick auf die Dinge, so einfach wie möglich, so fachlich wie nötig. In unserem neuen Podcast sprechen wir übrigens mit Monika Eden und Sina Lührs vom Literaturhaus Oldenburg. Wie man Anspruch und Unterhaltung kombiniert, das Beliebte fortsetzt und gleichzeitig Neues wagt – das können Sie dort erfahren. Was auch immer Sie bei uns lesen oder hören: wir hoffen, dass Sie es lange in Erinnerung behalten. Länger jedenfalls als ich die Dinge, die länger als zwei Tage her sind. Und sollte es anders sein, dann ist bestimmt die riesige Menge an Kulturangeboten schuld, die auf uns einströmt. Auch das ist in manchen Momenten ein „zu viel“. Aber nach den letzten beiden Jahren stelle ich fest, dass zu viel gerade richtig ist. Und wenn Sie den Überblick trotzdem nicht verlieren mögen, gibt es ja eine Abhilfe: den Kulturschnack.

  • AUFS GLEIS GESETZT

    Subkulturelles Kleinod oder Schrottimmobilie? Diese Frage haben wir Anfang März gestellt, als wir uns das Gelände des GleisParks genauer angeschaut haben. Das war natürlich eine bewusste Provokation, denn eigentlich war von Anfang an klar: Das wird was! Nach dem Eröffnungswochende sind auch die letzten Zweifel ausgeräumt. Direkt neben dem Hauptbahnhof befindet sich Oldenburgs neuer „Place to be“. Wer unseren Artikel gelesen hat und nun das Gelände besucht, wird die einstige urbane Steppe nicht wieder erkennen. Es hat sich extrem viel getan. Zum einen wurde die Halle deutlich aufgehübscht, die maroden OSB-Platten sind einen schönen Holzverschalung gewichen. Auch im Inneren macht sich das Potenzial der Halle bemerkbar - wenn man sich nicht gerade von den eindrucksvollen Bildern der Ausstellung "Planet or Plastic?" ablenken lässt. Deren Besuch lohnt sich also doppelt: wegen der Inhalte, aber auch wegen des Drumherum. Deutlich atmosphärischer: Erstes Bild Mitte Februar, zweites Bild 30. April. (Bilder: Mediavanti, Kulturschnack) Draußen ist das neue Drinnen Am auffälligsten und eindrucksvollsten ist aber das Außengelände. Was zuvor einfach nur riesig (und allein dadurch schon inspirierend) war, ist nun durch Schiffscontainer strukturiert. Das Prinzip ist nicht neu, man kennt es von anderswo, aber es funktioniert einfach. Die Stahlriesen sind clever arrangiert, zur Halle hin ist ein atmosphärisches Ensemble entstanden, an dem man einfach gerne chillt, schnackt oder Tischtennis spielt. Dass hin und wieder ein Zug vorbeirollt, ist eher nice als nervig. Eine weitere Perle entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Der hinter Abschnitt - wir haben ihn spontan Weststrand getauft - bietet Platz für eine kleine Bühne und soll zu den Bahngleisen hin sogar eine Tribüne erhalten, die für echte Konzertatmosphäre sorgen wird. Dass hinter der Bühne zudem die Sonne untergeht, ist bei alledem fast schon einen Nebensächlichkeit - aber eine ziemlich feine. Und wenn er nicht gerade mit einer tanzenden Meute gefüllt ist, hat der Platz mit seinen Liegestühlen absolutes Beach-Feeling. Was will das Großstadtherz mehr? „Leichte“ Veränderung: erstes Bild am 8. März, zweites Bild am 2. Mai. (Bilder: Kulturschnack) Erfolg mit Ansage Eins war von Anfang an klar: Das Ding wird funktionieren. Es ist zwar nur Kies unter den Füßen, kein feiner Sand. Auch Palmen wachsen nicht am GleisPark. Aber diese Dinge vermisst man gar nicht, weil das Gelände uns auf andere Weise aus unserem Alltag holt. Wer Oldenburg liebt, weil es so klein ist, und Oldenburg gleichzeitig hasst, weil es so klein ist, findet hier genau das Richtige: coole, urbane Atmosphäre gepaart mit kleinstädtischer Lockerheit. Die beteiligten Akteure um Medivanti, Umbaubar und TENO haben (mit) ihr(em) Projekt aufs Gleis gesetzt - und dieser Mut wird sich bezahlt machen. Schrottimmobile? Von wegen! Das Areal hat zweifellos das Zeug zu einem subkulturellen Kleinod. Wir freuen uns auf das Programm - und bekommen bereits leichte Stresspickel, weil die Qual der Wahl im Sommer noch größer wird. Und wo bitte geht's rein? Weil wir genau das schon vielfach gefragt wurden, kommt hier der ultimative Hack: 1. Klickt auf diesen Link. 2. Folgt der Route und merkt euch das unten stehende Bild. 3. Wenn ihr da seid, geht die Treppe hoch. Mission accomplished.

  • AUF DIE ZUKUNFT!

    Am 28. April war Zukunftstag. Tausende Schülerinnen und Schüler konnten für einen Tag in Berufe hineinschnuppern, die nicht unbedingt typisch sind für das jeweilige Geschlecht. Der Klassiker schlechthin ist das Mädchen bei der Müllabfuhr. Unser Fall lag etwas anders: Mit Juan hat ein Junge den Kulturschnack besucht - aber Klischees gab es bei uns nicht aufzubrechen. Was der Zwölfjährige bei uns erlebt hat, ob wir seine Erwartungen erfüllen konnten oder maßlos enttäuscht haben - das lest ihr hier. Wobei erstmal zu klären wäre, welche Erwartungen Juan überhaupt hatte. „Keine konkreten“, gibt er zu. Gut für uns, so hatten wir nichts zu verlieren. Aber natürlich hat er sich bei der Wahl etwas gedacht: „Ich interessiere mich für Technik und fand das Thema Podcast spannend“, erzählt er. Demnächst stünde in seiner Schule auch eine Projektwoche zu diesem Thema an. Weniger die Kultur gab also den Ausschlag, sondern vielmehr die Berichterstattung über sie. Na klar - wer hat in dem Alter schon ein Theaterabo? Zwischen Klassizismus und Co-Working Zum Glück hatten wir aber einiges zu bieten. Zunächst dreht Juan mit Kevin die obligatorische Runde durch das PFL. Zwar war er früher schon mal wegen der der KIBUM im Gebäude, es wirkt damals aber ganz anders als heute: „Jetzt sah es viel größer aus. Die Flure, die Fenster die Türen, alles war groß“, war er beeindruckt. Zur Tour gehörten natürlich auch einige Besuche, z.B. Bei Gerda Grebe vom Carl-von-Ossietzky-Preis und bei Bernd Hubl von der Begegnungen-Reihe. Greift den folgenden Absätzen etwas vor: die Bildergalerie zu Juans Zukunftstag beim Schnack (Bilder: Juan, Kulturschnack) Danach ging es rüber ins Core, wo Thorsten kurz den wohl trockensten Part übernahm: Homepage vorführen, Arbeitsweise beschreiben, etwas Content zeigen. Aus irgendeinem Grunde sprachen wir aber schnell wieder über iPhone, Gaming oder Fußball. Klar: In der Lebensrealität eines Zwölfjährigen spielt Kultur nur eine Nebenrolle. Zwar ist Juan schon im Theater und auf einem Konzert gewesen, doch es waren Einzelerfahrungen, die bereits allmählich verblassten. Kurze Wege zur Kultur Gar kein Problem, schließlich hat der Schnack zum Ziel, möglichst viele Menschen für Kultur zu begeistern. Challenge accepted. In die Karten spielte uns dabei die Auswahl des nächsten Ziels. Dabei ging es zwar um Kultur im engeren Sinne, aber um eine, die gerade für Kinder und Jugendliche viele Anknüpfungspunkte bot. In der Kulturhalle am Pferdemarkt besuchten wir die Ausstellung „Stadt. Klima. Kunst. - Was macht der Klimawandel mit unser Stadt“ der Oldenburger Kunstschule. Dabei haben mehr als 200 Schüler:innen unter Anleitung von 16 professionellen Künstler:innen den Klimawandel künstlerisch dargestellt. Entstanden sind dabei höchst unterschiedliche Kunstwerke von Malerei über Druckgrafik und Skulpturen bis zu Installationen. Nicht nur für Juan war es zunächst eine überwältigende Erfahrung. Zum Glück erwartete uns Projektleiterin Annekathrin Scheer, die Juan - und uns - einiges mehr über das Projekt erzählte. Sie berichtete, dass die beteiligten Künstler:innen zum Teil aus der Region, zum Teil aber auch aus Leipzig und Berlin stammen und sich für eine Beteiligung zunächst bewerben mussten. Unter ihrer Anleitung setzen sich die Schüler:innen intensiv mit den möglichen oder wahrscheinlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Oldenburg auseinander und suchten gemeinsam nach Wegen, diese Szenarios darzustellen. Die Ergebnisse variierten in Genre, Stil, Material und Dimension sehr. Dadurch boten sie einen sehr vielfältigen Blick auf zwei Dinge: auf das wichtige Thema - aber auch auf die Kunstfertigkeit der beteiligten Schüler:innen. Auch einen pädagogischen Wert hatte das Projekt: „Es gab durchaus Schüler:innen, die mit dem Ausmaß und den Folgen des Klimawandels nicht so vertraut waren“, erzählt Annekathrin. Für sie war die Auseinandersetzung mit der Thematik gleichzeitig ein kreativer Lernprozess. In vielen Fällen fand zudem eine Vernetzung mit dem Schulunterricht statt, so dass der Klimawandel auch didaktisch eine Rolle spielte. Konfrontiert? Inspiriert! So wichtig Faktenwissen auch ist, ersetzen kann es die künstlerische Begegnung und Erfahrung nicht. Durch sie erhalten die Schüler:innen einen anderen - emotionaleren - Zugang zur Materie. Zudem gibt es ein reflexives Element: Was passiert, wenn wir uns nicht ändern? Was verlieren wir dabei? Und was können wir tun, damit es nicht so weit kommt? Mit diesen Fragen sind alle Teilnehmenden direkt konfrontiert - und sie haben die Mittel der Kunst, um sie zu beantworten. Das taten sie sehr eindrucksvoll, wie auch Juan fand. Lange streunte er durch die Gänge und betrachtete die vielen Werke sehr genau. „Das sind richtige Kunstwerke“, beschrieb er mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung. Aber auch er selbst konnte kreativ werden. Wir haben ihn gefragt, wie er die Ausstellung für den Kulturschnack in Szene setzen würde. Er überlegte sich dafür Blickwinkel für Bildmaterial, aber auch Kamerfahrten für Gimble-Videos. Natürlich haben wir den Visionär dann auch selbst an die Technik gelassen. Was er sich vorher überlegt hat, filmte und fotografierte er dann wie ein Profi ab. Respekt! Zum Schluss was auf die Ohren Aber was ist ein Kulturschnack ohne Schnack? Daher ging es zum Schluss zurück ins Core, wo wir unsere Eindrücke vom Tag - und von der Ausstellung - zusammen mit Juan in einem Podcast verarbeitet haben. Und auch hier war er deutlich cooler als wir es bei unseren ersten Aufnahmen waren. Klar gab es hier und da mal einen kleinen nervösen Lacher. Ansonsten aber muss man sagen: He nailed it. Diesen ganz besonderen Podcast mit Stargast Juan könnt ihr natürlich ebenso anhören wie all unsere regulären Folgen und euch von seinem Talent am Mikrofon überzeugen (siehe unten). Ob er sich vorstellen kann, selbst mal einen Podcast zu moderieren? „Ja, auf jeden Fall", ist er sicher. Sein Thema wäre allerdings nicht Kultur. „Fußball würde mich interessieren“. Keine schlechte Wahl, denn eines ist sicher: die Zielgruppe ist noch größer als bei der Kultur. Doch wer weiß? Vielleicht hat der heutige Tag doch nachhaltigen Eindruck hinterlassen und wir haben heute schon einen Kulturschnacker von morgen getroffen? Egal, wohin die Reise geht, ob Juan Stammgast in Theatern wird oder nicht: es hat richtig viel Spaß gemacht mit ihm - und wir hoffen, wir werden irgendwann mal wieder was von ihm hören - gerne auch über Fußball! Hier könnt ihr die Spezialfolge des Kulturschnacks mit Juan in voller Länge anhören:

  • HERZENS-ANGELEGENHEITEN

    Schaut man in diesen Tagen in die Veranstaltungskalender, drängt sich der Eindruck - oder die Hoffnung? - auf, dass Corona kein dominierendes Problem mehr ist. Der Spielbetrieb der Theater scheint sich vielerorts wieder einer Art Normalität anzunähern. Aber der Eindruck täuscht natürlich. Nach wie vor gibt es erhebliche Unsicherheiten in der Szene, vor allem bei den freien Akteuren. Für Sie gibt es #TakeHeart. Ortstermin im theater wrede +: Das kleine Haus mit seinen rund hundert Plätzen liegt etwas verborgen in der Klävemannstraße unweit des Hauptbahnhofs. Anders als die benachbarte Kaiserstraße dient sie nicht als Einflugschneise vom Bahnhof zur Innenstadt und bewegt sich deshalb etwas unterhalb des Radars. Das allerdings ist eine Fahrlässigkeit, denn kulturell ist hier einiges los: Neben dem theater wrede+ haben hier das Blauschimmel Atelier und die interkulturelle Arbeitsstelle IBIS ihren Sitz. Und seit einigen Monaten auch: das Hauptquartier von flausen+, dem bundesweiten Netzwerk für Theaterforschung ohne Produktionszwänge. Die Linkdichte in diesem Absatz symbolisiert die kulturelle Konzentration sehr gut. Die Akzentfarbe des theater wrede+ ist ein leuchtendes Magenta, der Eingang ist deshalb kaum zu verfehlen. Im Foyer treffen wir hier auf Pressesprecherin Katharina Proske, die spürbare Lust hat, etwas über #TakeHeart zu erzählen. Nur wenig später wissen wir auch warum: Die Rechercheförderung ist nicht nur sinnvoll, sondern auch spannend - und könnte am Ende kreative Impulse für Oldenburg bringen. Zeit für Außergewöhnliches Alle Welt ist froh, Corona immerhin ein Stück weit hinter sich zu lassen, bei #TakeHeart steht die Pandemie aber noch einmal voll im Mittelpunkt. Die Rechercheförderung richtet sich an freiberufliche Akteure aus der Theaterszene, die nach wie vor von der Ausnahme-Situation betroffen sind. Denn auch wenn sich die Veranstaltungskalender tatsächlich wieder füllen, kann von einem Alltag im vorpandemischem Sinne noch keine Rede sein. Die Folge: Etliche Engagements wurden noch nicht wieder aufgenommen, es fehlt weiterhin an Beschäftigungsmöglichkeiten. „Der Blick von #TakeHeart richtet sich aber nicht nur auf professionelle Künstler:innen, die schon seit Jahren aktiv sind, sondern auch auf Absolventinnen, die nach dem Abschluss quasi direkt im Lockdown landeten“, erklärt Katharina. Es geht aber nicht einfach nur um eine finanzielle Unterstützung, so wichtig und hilfreich sie auch ist. „Das Programm soll vor allem Zeit und Möglichkeiten für aufwändige Recherchearbeiten bieten, die die Basis für spätere Produktionen und neue Arbeitsweisen sein können“, wie Katharina betont. „Zum Kern des Programms gehört es, dass die Künstler:innen ohne Druck arbeiten können. Der Fokus liegt auf den Inhalten, nicht auf deren Vermarktbarkeit.“ Ob sich eine Produktion entwickelt, oder ob die Recherche-Ergebnisse einfließen in etwas Neues, ist bewusst offen gehalten. In der Regel bilden die Arbeitsergebnisse aber tatsächlich die Grundlage für Bühnenwerke. So war es im letzten Jahr auch bei Drangwerk, deren feministische Produktion „Eine wütende Frau“ schließlich im theater wrede+ aufgeführt wurde. Katharina sieht auch eine Parallele zu flausen+, wo es seit 2011 um die Förderung freier Theaterforschung geht: „flausen+ ermöglicht u.a. ein Stipendium für professionelle Künstler:innen aus dem Darstellenden Bereich. Das Besondere ist dort, dass sie frei szenisch forschen können und genau wie bei #TakeHeart, keinen Produktionsdruck haben.“ Dazu bewerben sich jedes Jahr bis zu 150 Künstler:innengruppen und präsentieren ihre wagemutigen Projektideen vor einer hochkarätigen Jury. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich vom eng getakteten, zielorientierten Alltag. Zeit ist hier die Basis für außergewöhnliche Ergebnisse. #TakeHeart nimmt diesen Faden auf. Relevante Recherche Um am #takeheart-Programm zu partizipieren, konnten die Akteure Konzepte einreichen, die durch die Jury des Fonds Darstellende Künste bewertet wurden. Im Erfolgsfall gab es 5.000,- Euro für zwei Monate Recherchearbeit. „Die Themen haben sich die Künstler:innen dabei komplett selbst gesucht, das war offen und nicht begrenzt“, betont Katharina. „Zudem hatten sie die Möglichkeit, neue Arbeitsweisen zur finden, die auch dann funktionieren, wenn es einen weiteren Lockdown geben sollte.“ Auch den Recherchebegriff darf man dabei weiter fassen: „Es geht nicht nur darum, Stoff zur sammeln, sondern auch darum, Formate zu denken und in den Austausch zu kommen mit Menschen.“ Bei den Projekten gehe es oft um um die kritische Auseinandersetzung mit relevanten Themen, bei der freien Theatermacherin Caro Lutz zum Beispiel um gesellschaftspolitische Aspekte romantischer Beziehungen. In Oldenburg kamen letztlich zwölf Einzelkünstler:innen, ein Zweier-Team und ein Dreier-Team zum Zug. Erfreulich dabei: 13 der 17 geförderten Künstler:innen sind Frauen. Dass sich die Corona-Situation insgesamt deutlich verbessert hat, macht Programme wie diese keineswegs überflüssig. „Gerade in diesen Zeiten ist sowas wichtig“, betont Katharina. „Viele denken vielleicht: es hat schon alles wieder geöffnet. Aber so ist es ja erstmal nur theoretisch. Es gibt nach wie vor viele Unsicherheiten.“ Diese nimmt #TakeHeart zumindest für zwei Monate - und bietet gleichzeitig Raum für inhaltliche Weiterentwicklungen. Das hat man nun davon Und wie profitiert Oldenburg? Katharinas Antwort kommt schnell: „In erster Linie geht es ja darum, regionale Künstler:innen zu unterstützen, die auf diese Weise mit ihrer Arbeit weitermachen können und sich keine Alternativjobs suchen müssen.“ Einige von ihnen seien in der Region aktiv, kämen aber von außerhalb, was ebenfalls sehr wertvoll sei. „Als pulsierendes Haus schauen wir immer, wie wir Künstler:innen von außerhalb nach Oldenburg holen können. Damit wollen wir uns den Blick aus der Metaperspektive bewahren und im lebendigen Austausch bleiben“, erklärt Katharina. Darüber hinaus können sich spannende Produktionen aus den Recherchearbeiten entwickeln. Und sollte es dazu kommen, dann steht Oldenburg mit dem theater wrede+ natürlich ganz vorne in der Reihe möglicher Spielorte. „Interessant ist auch, dass dieses Mal sehr viele Oldenburger:innen eingebunden werden“, fährt Katharina fort. Ihre Meinungen, Haltungen, Gefühle und Vorstellungen gehören fest zu einigen Projektideen. Deshalb ist vorgesehen, die Menschen vor Ort direkt zu befragen oder sogar einzubinden. Wer weiß? Vielleicht gehört ihr dazu, sagt einen alles entscheidenden - oder einfach wunderbaren - Satz, der schließlich einfließt in ein erfolgreiches Stück. Das klingt interessant? Dann nichts wie los: Merle Mühlhausen sucht für ihre Projekt „Nicht alle Wege führen ins theater wrede +“ noch Menschen, die Lust haben, sich in April und Mai mit ihr auszutauschen. Sie untersucht die Bewegung von Oldenburger:innen rund um das Theater. Dabei skizziert sie Routen und analysiert räumliche und soziale Sackgassen. Interessenten können sich per Email bei ihr melden. Katharina gerät beinahe ins Schwärmen, als sie weitere Projekte erwähnt: Lena Düspohl wird untersuchen, ob man spontane Begegnungen - wie sie sonst an einer Bar oder Bushaltestelle stattfinden - auch künstlich herstellen kann, indem man Sitzmöbel in unterschiedlichen räumlichen Konstellation arrangiert. Kristina Feix beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Theaterinszenierung zu einem interaktiven Parcours werden kann. Bei Irene Ebel wird Corona selbst ein Thema sein. Sie wird der Frage nachgehen, wie sich Distanz und Isolation auf unser Körperbild und unsere Eigenwahrnehmung ausgewirkt haben. Auch sie sucht noch nach Menschen, an einem Bewegungsworkshop teilnehmen. Ihr wollt wissen, welche Projekte es noch gibt? Kein Problem: Hier findet ihr alle siebzehn vereint. Mehr Theater! Freie Theaterexperimente sind einfach ein Muss für Menschen, die sich und die Welt gern hinterfragen. Zunächst müssen den Künstler:innen dafür aber die nötigen Freiheiten und Möglichkeiten geboten werden. #TakeHeart übernimmt genau das. Der Rechercheförderung gelingt es, einen ursprünglich sozialen Ansatz mit künstlerischen Akzenten zu verbinden und dadurch sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Werte zu schaffen. Well played. Das flausen+-Netzwerk und das theater wrede + unterstützen diesen Ansatz mit großem Engagement. Deshalb war es auch keine Überraschung, dass sich die Akteure aus der Klävemannstraße an #TakeHeart beteiligen. Zwar werden die meisten Menschen auch weiterhin über die Kaiserstraße Richtung Innenstadt streben. Doch die Neu- und Wissbegierigen, die urbanen Abenteurer:innen und Kulturaficionados gehen eine Straße weiter. Denn Theater ist für sie eben: eine Herzensangelegenheit

  • PODCAST: FOLGE 04

    Welche Auswirkungen hat die Vereinzelung eines Kulturerlebnisses und welche Rolle spielen die jeweiligen Räume? Die LOGE erzählt es uns! Denn genau auf diesen Kernpfeilern basierten die bisher umgesetzten Projekte des im Mai 2020, inmitten der Coronapandemie, gegründeten Theaterkollektivs, bestehend aus Clara Kaiser und Mathilda Kochan. In der neuen Folge Kulturschnack lassen uns die beiden daran teilhaben wie sie, oft gemeinsam mit weiteren projektbezogenen Mitwirkenden, leerstehende Räume im Einklang oder auch als Kontrast zur Umgebung als Orte der Begegnung mit der Kunst entwickeln und sich dabei explizit auf die Ansprache einzelner Zuschauerinnen und Zuschauer fokussieren. Gemeinsam werfen wir außerdem einen Blick auf die Anfänge und die Gründung des Kollektivs, was die beiden abseits ihrer Projekte als die LOGE aktuell beschäftigt aber auch auf zukünftige Projekte wird ein Blick geworfen und die Vorfreude geschürt! Mehr über die Projekte der LOGE findet ihr unter: dieloge.org ... oder auf Instagram & Facebook

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