IRIS WOLFF: EIN LANDGANG

Welchen Einfluss eine Reise auf die Entstehung eines literarischen Werkes haben kann? Das könnt ihr diesen Sonntag um 11 Uhr im Kulturzentrum PFL erfahren, wenn die Autorin Iris Wolff ihren neuen Text „Ankündigung einer Reise“ präsentiert, der im Zuge des Landgang-Reisestipendiums des Literaturhauses Oldenburg entstand.

Portraitfoto der Autorin und Landgang Reisestipendiatin Iris Wolff
Iris Wolff begab sich auf eine Reise, die sie durch die Erinnerungen ihrer eigenen Vergangenheit. Foto: Annette Hauschild / Ostkreuz

Spuren der Vergangenheit


Mit W.G. Sebald, dem „großen Reisenden der Literatur“, teilt Iris Wolff die Überzeugung, dass es „neben der linearen Abfolge der Ereignisse“ eine „vertikale Perspektive in die Tiefe der Zeit“ gebe.


Bei einem Besuch im Museumsdorf Cloppenburg erinnert sich die Schriftstellerin an ihre eigene Kindheit im Banat. Bilder in einer Veröffentlichung zu griechischen Migranten lassen sie in Delmenhorst an die Fotoalben ihrer Familie denken. Und die falsche Aussprache des Stadtnamens Jever, die sie vor Ort als Nichteinheimische verrät, lässt die Autorin generelle Gedanken über Zugehörigkeit und Fremdsein anstellen, die ebenfalls in Erfahrungen ihrer Familie grundiert sind.


So führt die Reise durchs Oldenburger Land die Gedanken der Schriftstellerin in den persönlichsten Passagen ihres Textes in die eigene Vergangenheit zurück. Generelle Überlegungen zum Reisen verbindet sie zudem mit konkreten Erfahrungen der Tour, die sie als Stipendiatin unternahm.

Die Autorin

Iris Wolff, 1977 in Hermannstadt geboren, wuchs im Banat und in Siebenbürgen auf, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland emigrierte. Nach einem Studium der Germanistik, Religionswissenschaft sowie Grafik und Malerei in Marburg an der Lahn arbeitete sie am Deutschen Literaturarchiv Marbach und als Dozentin für Kunst- und Kulturvermittlung. Für ihre literarischen Veröffentlichungen wurde Iris Wolff bereits mehrfach ausgezeichnet. Allein im Jahr 2021 erhielt sie den Marie Luise Kaschnitz-Preis, den Evangelischen Buchpreis, den Solothurner Literaturpreis, den Eichendorff-Literaturpreis und den Preis der LiteraTour Nord.

Das Oldenburger Land als Quelle der Inspiration


Das Landgang-Stipendium wird seit 2015 jährlich an hochkarätige deutschsprachige Schriftsteller vergeben. Deshalb liest sich Liste der bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten auch wie ein waschechtes Who-is-Who: unter anderem fiel die Wahl bereits auf Judith Hermann, Mirko Bonné, Jan Brandt und natürlich auf Iris Wolff.


Die Begrifflichkeit des Landgangs ist hierbei wirklich wörtlich zu verstehen: wie vom Literaturhaus selbst beschrieben, bereisen die Ausgewählten jedes Jahr im Herbst das Oldenburger Land im Nordwesten Niedersachsens. Sie treffen dabei auf Stadtlandschaften verschiedensten Charakters, auf Kultur- und Agrarlandschaften und auf sehr viel Natur. Sie sehen sich um, sie lassen sich ein auf die ganz oben links an der Peripherie gelegene Region zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen, zwischen der Weser und Ostfriesland. Ihre Beobachtungen lassen sie dann jeweils in einen Text einfließen.


Fünf eben dieser Texte fanden inzwischen sogar unter dem Titel 5 Landgänge als Sammelband im Wallstein Verlag eine Veröffentlichung.

 

IRIS WOLFF - ANKÜNDIGUNG EINER REISE SONNTAG, 22. MAI 2022 - 11 UHR

KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3

26121 OLDENBURG

 

Weiter geht's im Podcast


Wer übrigens noch mehr über die Arbeit des Literaturhauses erfahren möchte, dem können wir unsere Podcast Episode mit Monika Eden und Sina Lührs wärmstens empfehlen.


Neben der Entstehungsgeschichte, sprechen wir unter anderem über die vielfältigen Veranstaltungsreihen, die durch die zumeist moderierten Gespräche fernab bloßer Lesungen, eigenständige Erlebnisse werden, die jeder Besucherin und jedem Besucher einen individuellen Zugang zum vorgestellten Buch ermöglichen.

Wie die beiden dabei auch immer wieder das junge Publikum in den Blick nehmen und abholen möchten, ist ebenso Thema wie die Bedeutung von Literatur auf die Entwicklung unseres gesellschaftlichen Lebens.