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  • WE CAN BE SHEROES

    Geschichte basiert auf Fakten. Das gibt ihr den Anschein von Objektivität. Doch über Jahrtausende wurde sie geprägt - und geschrieben - von Männern. Unsere Welt ist bis in die Gegenwart männlich genormt, geformt, geframed. Das queer-feministische Theaterspektakel „Sheroes“ bricht mit dieser Einseitigkeit und wirft einen weiblichen Blick auf die Vergangenheit - mit einer spielerischen Freude an Experimenten und Provokationen. Heldenhaft: Die „Sheroes“ kommen! (Grafik: Canva KI / Kulturschnack - unser Dank geht wie immer an alle Menschen, deren Wissen und Können für dieses Bild gestohlen wurden) Unser Leben bewegt sich in geregelten Bahnen. Das ist nicht vollkommen ungesund, Struktur bietet Orientierung und schützt uns vor Überforderung. Keep calm and carry on. Es gibt aber auch Nachteile an diesen Leitplanken: Sie limitieren uns. Wir folgen Pfaden, die wir selbst - oder andere vor uns - ausgetrampelt haben. Sie geben uns zwar das gute Gefühl von Sicherheit und Vernunft. Sie verhindern aber Experimente, Abenteuer und Entdeckungen. Zudem bleiben etliche Fragen offen: Wer hat diese Leitplanken eigentlich gesetzt? Sind sie richtig, dort wo sie stehen? Führen sie zum richtigen Ziel? Und was befindet sich eigentlich jenseits von ihnen? Freiheiten statt Gewohnheiten Kunst und Kultur haben es schon immer als ihre Aufgabe verstanden, unsere gesellschaftlichen Konstrukte und Strukturen kritisch zu beleuchten. Manches davon wird als Provokation empfunden. Aber ist es das überhaupt, wenn lediglich die aktuellen Gegebenheiten in Frage gestellt werden? Das haben schließlich auch Kopernikus und Galilei getan - und sie hatten Recht. Was, wenn unsere Gesellschaft gar kein unveränderlicher Klotz ist? Was, wenn wir sie als form- und veränderbar begreifen? Das nähme uns einige Gewohnheiten. Vor allem aber würde es uns Freiheiten und Möglichkeiten eröffnen. Insbesondere jenen, die vom bisherigen System nicht profitiert haben. SHEROES - MOBILES QUEER-FEMINISTISCHES THEATERSPEKTAKEL 27. MAI 2025, 16-19 UHR PARKPLATZ VOR DE R EXHALLE 31. MAI 2025, 16 - 19 UHR WAFFENPLATZ 1. JUNI 2025, 15-18 UHR DOBBENWIESE 3. JUNI 2025, 14-17 UHR UNI OLDENBURG 5. JUNI 2025, 14-17 UHR KUKOON IM LEIBNITZPARK BREMEN UMSONST & DRAUßEN Eine Minderheit namens Männer Das mobile quere-feministische Theaterspektakel „ Sheroes “ der Sparte 7 des Oldenburgischen Staatstheaters schreibt nun unsere Geschichte um - und stellt damit auch unsere Gesellschaft infrage, die sich in ihrem Verlauf entwickelt hat. Dabei geht es zum einen um die Frage, welche Folgen es hat, dass unsere Welt vor allem von weißen Männern gestaltet wurde - und dass vor allem weiße Männer darüber berichtet haben. Die Fehler, Gefahren und Ungerechtigkeiten, die bis heute daraus resultieren, sind uns vielfach noch nicht ausreichend bewusst. Für viele männliche Besucher:innen dürften Aha-Momente vorprogrammiert sein. Keine Grund, sich auf irgendwas auszuruhen: Die Liegestühle sind für kurze Pausen da - ansonsten gibt's bei „Sheroes“ aber einiges zu tun. (Bild: Kulturschnack) „Sheroes“ blickt aber auch in die andere Richtung. Das Team möchte gemeinsam mit den Besucher:innen in spannende Frauen-Biografien eintauchen, Wissen spielerisch erweitern und unbekannte Sheroes entdecken. Dabei rückt eine konstruktive, gestalterische Ebene in den Mittelpunkt, die alte Gewiss- und Gewohnheiten hinterfragt und vielleicht sogar ersetzt. Wie sich das anfühlt? Bemühen wir einfach mal einen Vergleich: Stellt euch vor, ihr seid kurzsichtig, ohne es zu wissen. Die Unschärfe gehört zu eurem Alltag und ihr habt kein Problem damit. Erst als ihr eines Tages beim Optiker seid und einen Test macht, merkt ihr, dass ihr zuvor längst nicht alles gesehen habt... Hört sich interessant an, aber queer-feministisch klingt dir zu kämpferisch? Keine Sorge: die „Sheroes“ kommen in Frieden. Das gesamte Programm wird spielerisch angelegt sein - und zwar ganz bewusst, wie Gesine Geppert uns in einem kurzen Gespräch verrät. Gesine, ihr wollt mit "Sheroes" die Geschichte umschreiben. Was stimmt mit der aktuellen Version der Vergangenheit nicht? Die aktuelle Version ist natürlich nicht völlig falsch! Sie beleuchtet aber - wie es Geschichte immer tut - nur eine Perspektiv auf unsere Vergangenheit. Und das ist leider bislang eine fast ausschließlich eurozentristische, weiße und männliche Perspektive. Auf diese Weise will unsere diverser werdende Gesellschaft natürlich nicht mehr auf die eigene Vergangenheit schauen. Wo finden sich weibliche, diverse, migrantische oder klassistische Perspektiven? Danach haben wir gesucht und haben spannende Frauenbiografien und Ereignisse gefunden, die der Anfang sind, um Leerstellen zu füllen. Einzigartige Mischung: Bei „Sheroes“ verbindet sich Unterhaltung mit Botschaft, Information und Haltung zu einem spaßig-lehrreichen Spektakel. (Bild: Kulturschnack) Was erwartet uns konkret bei den drei Vorstellungen? Was werden wir sehen? Und: Hören wir bei euch die Wahrheit über die Welt? Na, die eine Wahrheit gibt es in der Betrachtung auf die Vergangenheit eh nie. Aber wir bieten vielleicht ein paar neue Blickwinkel und Perspektiven. Uns war es wichtig, nicht den Zeigefinger auszupacken und anstrengend-belehrend die eine neue Wahrheit zu proklamieren. Deshalb erwartet unsere Besucher:innen eine Art kleiner Jahrmarkt, mit verschiedenen Stationen, in denen spielerisch Dinge vermittelt werden, an denen sich alle, die Lust haben beteiligen können, ohne Ablaufplan oder Zwang. Alle Besucher:innen bewegen sich frei herum – können Filmbeiträge ansehen, Mitarbeiter:in in unserem Sheroesbüro werden, ein Getränk oder Bücher von unserer Partner:innen-Buchhandlung Isensee am Kiosk kaufen, sexistische Dinge in unserer Müllsammelstation abgeben, Musik lauschen, sich die Zukunft vorhersagen lassen und und und… Anpassung oder Veränderung: Für echte „Sheroes“ stellt sich diese Frage nicht, für alle anderen aber beinahe täglich. (Bild: Kulturschnack) Ich drücke es mal zurückhaltend aus: Das klingt nach sehr viel! Ja, es gibt pro Vorstellungstermin drei Stunden lang viel zu erleben. Und damit jede:r auch physisch etwas mitnehmen kann, kann man sich an all den Stationen Coins erspielen, die man am Kiosk gegen die Biografie einer „unbekannten“ Frau eintauschen kann. Von einem "queer-feministischen Spektakel" fühlen sich aber vielleicht nicht alle angesprochen. Warum sollten auch - oder vor allem - diejenigen kommen, die zunächst denken: 'Das ist nix für mich'? Weil es für jede:n etwas zu Erleben und mitzunehmen gibt. Wir sind uns bewusst, dass dieses Thema manchmal ungemütlich oder anstrengend ist. Das ist es für uns auch manchmal gewesen und genau deshalb haben wir dieses Projekt entwickelt. Weil es Spaß machen kann und soll, mal die Perspektive zu wechseln und auf ein- und dieselben Ereignisse von einem neuen Standpunkt zu blicken. Wir möchten gemeinsam mit und von unseren Besucher:innen lernen und die Diversität unserer Gesellschaft feiern. Und genau dazu sind alle gemeinsam eingeladen und willkommen! ​ KREATIVZELLE DES STAATSTHEATERS WAS IST EIGENTLICH DIE SPARTE 7? „Kunst und Kultur haben es schon immer als ihre Aufgabe verstanden, unsere gesellschaftlichen Konstrukte und Strukturen kritisch zu hinterfragen“ - so steht es in einem Absatz weiter oben. Für dieses Prinzip steht kaum jemand so sehr wie die Sparte 7 des Oldenburgischen Staatstheaters. Was nach einem ganzen Ensemble klingt, ist in Wahrheit nur ein kleiner Kreis mit einer personellen Konstante: Gesine Geppert , agiles Multitalent und kreatives Tausendsassa. Programmgestaltung und Dramaturgie, Bühnenbau und Kostüm, Grafik und Fotografie, Siebdruck und Catering? Alles kein Problem. Und das ist noch nicht alles, Gesine ist nämlich auch eine begnadete Netzwerkerin. Deshalb agiert sie nie allein, sondern realisiert ihre Projekte in ständig neuen Allianzen, Konstellationen und Kollaborationen. Das Besondere an der Sparte 7: Auch wenn der inhaltliche Anspruch stets hoch ist (siehe oben), verliert sie sich nicht in abstrakten Schwurbeleien, sondern bleibt immer zugänglich und interessant: manchmal erklärend und informativ, manchmal mitreißend und spektakulär, und manchmal ganz einfach nur glitzernd und bunt. Klare Botschaften: Die Sparte 7 will mehr als nur unterhalten. (Bild: Kulturschnack) Das Staatstheater wird häufig als eine Art Supertanker der Kultur wahrgenommen: Üppig dimensioniert und ausgestattet, aber tendenziell schwerfällig. Damit liegt man schon beim regulären Programm nicht richtig, ganz und gar nicht aber bei der Sparte 7. Sie ist eine agile, dynamische Kreativzelle, die eine diebische Freude daran hat, zu probieren, zu experimentieren, zu provozieren - und manchmal auch einfach nur Vielfalt und Kultur zu feiern. Wir legen euch alle - ja, wirklich alle! - Veranstaltungen der Sparte 7 ans Herz. Denn eines ist immer garantiert: Dass etwas passiert in eurem Kopf. Entweder findet ihr Denkanstöße und gedankliche Reibungsflächen oder aber ihr erlebt ein emotionales Spektakel, in das man sich voll und ganz reinfallen lassen kann. Wie sich das anfühlt? Könnt ihr bei "Sheroes" ausprobieren, denn dort gibt erst eine Mischung aus beidem! Die Normalität: fragil statt stabil „Sheroes“ ist eine spannende Demonstration all dessen, wozu moderne, experimentelle Theaterformate in der Lage sind. Die weiblichen Heldinnen hinterfragen fast alles, was unsere Gesellschaft aktuell als „Normalität“ definiert hat, und sie lassen uns dabei spüren, wie fragil diese Einordnung ist. Dabei liefert „Sheroes“ - im Gegensatz zur männlichen Geschichtsschreibung - keine vorgefertigten Interpretationsmuster. Im Gegenteil, die Heldinnen laden dazu ein, vermeintliches Feststehendes neu zu denken und die uns bekannte Welt neu zu vermessen. Wo alles anfing: Das „Sheroes“-Projekt startete auf dem Parkplatz vor der Exerzierhalle. Nun kehrt es dorthin zurück. (Bild: Kulturschnack) Unser Tipp: Überwindet die Leitplanken und verlasst die geregelten Bahnen. Wagt Abenteuer, Experimente und Entdeckungen. Riskiert Freiheiten statt Gewohnheiten. Schaut euch die „Sheroes“ an. Vielleicht stellt ihr fest, dass nicht alles so fest steht, wir wir immer glauben. Und in eurem Kopf singt dazu David Bowie : „We can be Sheroes. For more than one day.“

  • PODCAST: KUNSTKOMPLEX

    Vom Gleispark bis hin zum Mars und nun mitten hinein in eine "flirrende" Welt aus Glitzer und dem Kampf um die Ware Aufmerksamkeit. Das vierköpfige Kunstkomplex Kollektiv, bestehend aus Shanice Trninic, Pia Karius, Lena Karius und Carl Wiraeus, hat sich über die vergangenen Jahre mit seinen immer wieder neuen und hochkreativen Ansätzen für Kulturprojekte in unserem schönen Oldenburg einen Namen gemacht. In dieser neuen Podcastepisode erfahren wir, was sie hierbei antreibt und auf was wir uns auch in diesem Jahr wieder freuen dürfen! FLIRREN KULTURFESTIVAL FÜR KUNST UND DEMOKRATIE OLDENBURG Performance, Live Musik, DJ, Bildende Kunst, Installationen, Lesung & mehr 15. August @ Amadeus Oldenburg [Abendkasse] 20. August @ Jugendkulturarbeit e.V. [Abendkasse] 29. August @ theater k [Tickets] 30. August @theater k [Tickets] Weitere Informationen und das genaue Programm findet ihr auf der Instagram-Seite vom Kunstkomplex: @kunstkomplex_ol Credit: Kunstkomplex Oldenburg

  • RAUS AUS DEM RAUM, REIN IN DIE GESCHICHTE

    Was als einzelne Idee im Rahmen des Erinnerungsgangs begann, wurde dank der der Arbeit von Schülerinnen und Schülern des Herbartgymnasiums zu einer Gelegenheit, kulturelle, politische als auch historische Bildung in bester Form zu erleben. Im Computer-Museum Oldenburg treffen spielerische Elemente in Form eines Escape Rooms, auf eine authentische Erzählung, die tiefe Einblicke in die jüdische Geschichte unserer Stadt zur Zeit des Nationalsozialismus ermöglicht. Warum gerade diese spielerische Auseinandersetzung so wertvoll ist und warum ihr sie unbedingt selbst erleben und euch einen der letzten Termine reservieren solltet, das lest ihr bei uns. Wirst du das Rätsel lösen? Finde es im Computer-Museum Oldenburg heraus! Foto: Stefan Harbers Für alle, die bei der Begrifflichkeit des Escape Rooms vielleicht noch etwas stutzig aufhorchen: darunter versteht sich die real umgesetzte Form eines beliebten Gesellschaftsspielgenres, bei dem eine bestimmte Anzahl an Spielerinnen und Spielern einen Raum betreten, der ein bestimmtes Szenario sowie ein Rätsel mit auf den Weg gibt, das es meist über mehrere Schritte hinweg und in gemeinsamer Zusammenarbeit zu lösen gilt. Eine immersive Erfahrung, bei der alle Teilnehmenden im wahrsten Sinne in die erlebte Geschichte hineingezogen werden. Statt Informationen lediglich passiv aufzunehmen, ist man hier mitten im Geschehen. Und plötzlich steht man in einer alten Apotheke. GIF: Kulturschnack So überrascht es kaum, dass dieses Format inzwischen nicht nur auf kommerzieller Ebene immer stärkere Verbreitung findet, sondern sich auch im Rahmen von Bildungsangeboten immer größerer Beliebtheit erfreut! Denn gerade für Jüngere spielen diese Elemente eine tragende Rolle im Prozess des Lernens. Was vorher vielleicht im Abstrakten, nicht wirklich greifbar bleibt, das übersetzt ein solcher Zugang nicht nur in eine haptische Erfahrung, sondern macht es durch das persönliche Erleben anhand dieser spielerischen Situation zu einer eigenen, persönlichen Erfahrung, die in Erinnerung bleibt. Perfekte Lernbedingungen! Für eine Haltung im Heute Dass sich dieses Konzept auch hervorragend für anspruchsvolle Thematiken eignet, die eine sensible Handhabung erfordern, das hat nun eine schulische AG des Herbartgymnasiums in monatelanger Vorbereitung, in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Stadt Oldenburg und mit Unterstützung der Agentur WELT DA DRAUßEN unter Beweis gestellt. Die Spielenden finden sich in der Apotheke Morgenstern wieder und schlüpfen in die Rolle von Apotheken-Lehrlingen im Jahr 1949. Ein ehemaliger KZ-Aufseher steht vor Gericht, doch was noch fehlt sind die entscheidenden Beweise, das Verbrechen zu belegen. Apotheker Morgenstern, selbst politisch verfolgt, hat sie in einem Tagebuch hinterlassen – doch wo sich das befindet, das gilt es herauszufinden! Es bleibt noch Stunde bleibt, um alle Hinweise zu entschlüsseln und den Täter somit zu überführen. Werdet ihr alle Hinweise rechtzeitig finden? Foto: Kulturschnack „ Im Mittelpunkt stehen sowohl reale als auch fiktive Personen, die einen Einblick in den Alltag und das Schicksal jüdischer Menschen in Oldenburg während der Zeit des Nationalsozialismus ermöglichen“, so Lehrer Stefan Harbers, der die AG im Entstehungsprozess begleitete. Es geht jedoch nicht nur um Spiel und Spannung, sondern auch um die Auseinandersetzung mit der Geschichte jüdischen Lebens in Oldenburg während des Nationalsozialismus – und um Fragen nach Zivilcourage und gesellschaftlicher Verantwortung heute. "Der Raum und die Geschichte, die wir damit erzählen bieten gezielt die Möglichkeit zur Reflexion: es gibt Begleitmaterialien und weitere Impulse, die zur Auseinandersetzung mit Zivilcourage, Erinnerungskultur und aktuellen Formen des Antisemitismus anregen. Man erlebt diese Geschichte der Vergangenheit und verlässt den Raum im Idealfall mit einer gestärkten und informierten Haltung für das Jetzt, weshalb der rote Faden stets die Verbindung von Gestern und Heute ist.", ergänzt Vivien Ritter, Projektverantwortliche im Kulturbüro der Stadt Oldenburg hierzu. Das verbindende Element Welche Ideen fließen in die Entstehung eines Escape Rooms? Foto: Kulturschnack Deshalb könnte auch der Ort für dieses Projekt nicht treffender gewählt sein. Denn mit dem Computer-Museum Oldenburg hat man einen Partner gefunden, der durch seine stetige Arbeit ein Bindeglied schafft, das die technologische Geschichte abbildet und gerade dadurch ein besseres Verständnis für heutige Entwicklungen bietet. Zudem findet sich das Genre der Escape Rooms ebenso in zahlreichen Games wieder und auch das notwendige Know-How ist im Museum vorhanden, sodass die Schülerinnen und Schüler sich letztlich nicht nur inhaltlich mit der Gestaltung eines Escape Rooms auseinandersetzen konnten, sondern auch mit den zahlreichen, zugehörigen technologischen Aspekten. Also keine Sorge, niemand bleibt in der Morgenstern Apotheke verschollen. Der Raum verfügt über Sensoren ebenso wie eine Kamera, durch die das Spielgeschehen von der jeweiligen Spielleitung beobachtet wird. Wer also nicht mehr weiter kommt, dem fließt eventuell der eine oder andere hilfreiche Tipp zu. Wer sich ebenfalls für den Blick hinter die Entstehung eines solchen Raums interessiert, der kann zum Abschluss des regulären Zeitraums am 30. Mai sogar nochmal einen besonderen Blick hinter die Kulissen des dann endenden Projektes erhaschen. Denn Matthias Hecking von der Agentur WELT DA DRAUßEN wird mit seinem Vortrag „Von Text-Adventures zur Escape-Raum-Steuerung – Die Highlights der Morgenstern-Apotheke“ von 17:00 - 18:00 Uhr im Computer-Museum Oldenburg eine spielerische Rückschau auf die kreativsten Ideen des Prozesses geben. WICHTIGES UPDATE: Erfreulicherweise wird die Geschichte rund um die Apotheke Morgenstern auch über das eigentliche Enddatum hinaus im Oldenburger Computer-Museum bestehen bleiben und künftig in Kooperation mit dem engagierten Team vom Escape Room „ Zum flinken Frettchen “ . Weitere Informationen hierzu findet ihr unter: www.oldenburg.de/startseite/kultur/kulturprojekte-und-preise/kulturelle-bildung/schoolnart-kulturelle-bildung-an-schulen/schulekultur.html Sichert euch nun am besten direkt einen der allerletzten, kostenfreien Plätze für den Escape Room und kommt dem Rätsel der Morgenstern Apotheke auf die Schliche. Zur Buchung geht es hier: www.computermuseum-oldenburg.de/escape-room-im-ocm-buchung/

  • PODCAST: LANDESMUSEUM NATUR & MENSCH

    Dass ein Museum und Kultur mehr sein können als das Klischee von "Bilder an den Wänden", das zeigt das Landesmuseum Natur & Mensch hier bei uns in Oldenburg mit seiner Arbeit schon seit langem. Wie genau sie das jedoch im Detail anstellen, erfahrt ihr in dieser neuen Episode unseres Podcasts mit Dr. Ursula Warnke, die als Direktorin die Geschicke des Hauses verantwortet! Je nachdem, wen man fragt, wird die Antwort darauf, was unter dem Begriff der "Kultur" zu verstehen sei, jeweils eine andere sein. Ganz grundlegend bildet das Wort zuerst einmal einen Gegensatz zur "Natur" und beschreibt somit all die Dinge, die vom Menschen geschaffen und geprägt wurden. Das ist natürlich ein extrem weit gefasster Ansatz, der einige durchaus verwundern könnte, da viele mit Kultur reflexartig die sogenannten schönen Künste verbinden, Musik oder Literatur. Und so ist es auch beim Begriff des Museums sehr ähnlich. Wie von selbst scheint man sich an langen Fluren voller Gemälde entlangschreiten zu sehen und bedeutungsvoll vor Werken verweilen. Doch unser Landesmuseum Natur & Mensch, bereits 1836 vom Großherzog Paul Friedrich August gegründet und gelegen in einem prachtvollen Bau in unmittelbarer Reichweite zu den drei Häusern des Landesmuseums Kunst & Kultur, ist der beste Beweis dafür, dass das auch anders gehen kann. Zum Beispiel mit einer zeitlosen Dauerausstellung zum Anfassen, die die Besucherinnen und Besucher - egal ob groß oder klein - mitnimmt durch Welten wie u.a. das Moor, die Küste und Marsch oder Geest führt und dabei mit hohem künstlerischem Anspruch konzipiert wurde. Mit Kooperationsprojekten wie den " Klimaoasen Oldenburg ", bei dem man die denkmalgeschützten, grünen Idylle mitten im Stadtzentrum, unser Eversten Holz und den Schlossgarten zu klimaresilienten Orten weiterentwickeln möchte. Zudem erfahrt ihr in dieser Episode, warum sich für Dr. Ursula Warnke mit dem Antritt ihrer Stelle als Direktorin des Hauses ein ganz persönlicher Kreis geschlossen hat, inwiefern sich Museen ihrer Ansicht nach gerade in diesen Zeiten klar positionieren müssen und auch wie ihr selbst über Projekte wie " Citizen Science " die wissenschaftliche Forschung dabei unterstützen könnt, neue Ergebnisse zu erlangen. Wir sind uns sicher: wer diese Episode unseres Podcasts hört, dem wird ganz schnell klar: das Landesmuseum Natur & Mensch ist mehr als ein reines Gebäude, dessen Inhalte man einfach nur besichtigt. Es ist ein Ort zum Verweilen, zum Anfassen und Austauschen, ein Ort zum Mit- und Bewirken. Viel Spaß beim Hören! Wenn ihr nun, völlig zu Recht, direkt euren nächsten Besuch im Natur & Mensch einplanen möchtet, dann findet ihr alle notwendigen Informationen, die ihr hierzu braucht - auch zu den aktuellen Sonderausstellungen - auf der Website des Hauses: www.naturundmensch.de

  • KOLUMNE: DEN BALLAST ÜBER BORD

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Die große Vielfalt: Tanz begegnet uns in unendlich vielen Formen und Variationen - wie hier „Hatched Ensemble“ von Pamela Nyanza aus Südafrika. (Bild: Pedro Rosario Nunes) Lang ist es her. Die Erinnerung ist beinahe vollständig verblasst. Aber noch sind Bruchstücke vorhanden: einzelne Gedankenfetzen, die besser gespeichert sind als andere. Deshalb weiß ich noch, wie es sich anfühlte, als ich vor über dreißig Jahren meinen ersten Tanzkurs machte. Foxtrott, Walzer und Lambada – alles war dabei. Die vielen Tänze wurden allerdings nur so lange einstudiert, bis sie halbwegs koordiniert und weitgehend unfallfrei nachgestolpert werden konnten. Nach dem großen Abtanzball waren sie dann schnell wieder vergessen. Und ich gebe zu: Irgendwie war man froh, als das alles vorbei war.   Heute frage ich mich: Warum eigentlich? Warum hat der Tanz es schwer, seinen Platz im Freizeitverhalten zu behaupten? Beziehungsweise: Ihn erstmal zu erkämpfen? „Ich gehe heute zum Ballett“ ist nach wie vor einer jener Sätze, die beim Gegenüber spezielle Reaktionen erzeugen. Es gibt einige, die intuitiv begeistert sind. Und es gibt die anderen, deren Gesichtsausdruck am ehesten mit „Echt jetzt?" zu umschreiben ist. Tanz scheint als Kunstform für viele Menschen unzugänglicher zu sein als etwa Schauspiel und Konzert. Dabei ist es doch eine der ältesten Ausdrucksformen der Menschheit, tief in unseren Genen verankert. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wer sich bisher noch nicht für die Kunst der Bewegung begeistern konnte, hat in den kommenden Tagen die perfekte Chance, sein Urteil zu revidieren – bei den 16. Internationalen Tanztagen. Let's Dance: Die aktuelle Ausgabe der Theaterzeitung steht im Zeichen der Tanztage. (Screenshot: Kulturschnack) Ereignis für Eingeweihte? Werbung müsste man dafür eigentlich nicht machen. Ganz im Gegenteil: Eigentlich müsste man die Tanztage verheimlichen. Die Kartennachfrage ist immer extrem groß, manche Kontingente sind bereits Monate im Voraus vergriffen. Es gibt also genügend Menschen, die durchaus einschätzen können, was ihnen geboten wird. Und so viel sei verraten: Das ist auch in diesem Jahr eine ganze Menge. Dennoch gibt es sie: Die Werbung für die Tanztage. Warum? Eben weil sich besagte Schere im Publikum auftut. Tanz löst entweder riesige Begeisterung aus - oder gähnendes Desinteresse. Es geht hier um einen Zugang zu etwas, das tatsächlich eine inspirierende, mitreißende Erfahrung sein kann, das man sich aber zunächst erschließen muss. Am besten: Durch einen unvoreingenommenen Selbstversuch. Und den sollten all jene wagen, die nicht schon längst Tanzfans seid - und d afür gibt es keinen besseren Moment als jetzt. Die Tanztage komprimieren die internationale Szene auf zehn prall gefüllte Tage, denen man zweifellos Festivalcharakter attestieren kann. Ensembles aus der ganzen Welt kommen an die Hunte, und zeigen hier die gesamte Bandbreite des zeitgemäßen Tanzes. Da vermischen sich Ansätze, Stile, Themen, aber durchaus auch Ansichten und Überzeugungen zu einem funkelnden Kaleidoskop. Und das alles natürlich: auf höchstem Niveau. Eine Stadt pulsiert   Während der Tanztage fühlt sich Oldenburg ein wenig größer an als es ist. Man hat das Gefühl, bei etwas Einzigartigem dabei zu sein, das in mindestens zweifacher Weise mitreißend ist: Wegen der Performances auf der Bühne - aber auch wegen des internationalen Vibes. Beides sorgt dafür, dass die Stadt merklich pulsiert. Und etwas anderes ist bei den Tanztagen ebenfalls zu spüren: Wie cool das alles ist! Tanz, so viel wird schnell klar, ist keineswegs nur etwas für Eingeweihte. Die Grenzen etwa zur Hip Hop- und TikTok-Kultur sind fließend. Und sowieso handelt es sich bei den Protagonist:innen auf der Bühne um junge, talentierte Menschen, die echte Freude daran haben, das Publikum zu begeistern - und die dankbar sind für den meist tosenden Applaus.   Den hätte ich für meine Darbietungen im Tanzkurs vor über dreißig Jahren sicher nicht bekommen – diese Erinnerung ist keineswegs verblasst, sondern sehr gut gespeichert. Für diese Form der Bewegung war ich leider nur begrenzt talentiert und bin stattdessen lieber vor Konzertbühnen rumgehampelt. Um die Qualität der eigenen Bemühungen geht es aber gar nicht. Man muss nicht ausgezeichnet tanzen können, um Freude daran zu haben, anderen dabei zuzuschauen, wie sie ihren Körper gleichzeitig kraftvoll und poetisch einsetzen. Werfen wir also den ganzen Ballast über Bord, den wir vielleicht noch mit uns herumschleppen, wenn es um das Thema Tanz geht. Einfach mal ausprobieren und einlassen, beobachten und bewundern. Dann ist Tanz das, was er immer war: ein Ausdruck der Freude - auch fürs Publikum!

  • FÄRBERGÄRTEN: FARBE IN DIE STADT

    Wer malen will, braucht Farben. Doch woher kommen die eigentlich? Und woraus bestehen sie? Einfache Frage, komplizierte Antwort - denn so unterschiedlich die Materialien sind, so verschieden sind auch ihre Wege zu uns. Es gibt aber eine einfache Alternative: Die Farben selber herstellen und die Entstehung in das Gesamterlebnis mit einbinden. Genau das ermöglicht das Färbergärten-Netzwerk Oldenburg - seit mittlerweile 10 Jahren! Pflanzliche Farbpracht: Rotkohl und Granatapfel sind bestens geeignet, um natürliche Farben herzustellen (Bild: Stadt Oldenburg) Alles begann mit Peter Reichenbach . Der Essener Künstler beschäftigte sich schon zur Jahrtausendwende mit der Nachhaltigkeit in der Kunst. Dabei stellte er die Frage, wie man statt industrieller und umweltbelastender Farben natürliche Alternativen verwenden könnte. Seiner Überzeugung nach brauchte es dafür Wissen, das durch die Industrialisierung verloren gegangen war und das wieder urbar gemacht werden müsste. Was das mit Oldenburg zu tun hat? Einiges. Denn aus diesen Gedanken heraus entwickelte Reichenbach die sevengardens : ein inzwischen weltweit agierendes Netzwerk, das „die Menschen befähigt, sich selbst und die Gesellschaft zu verändern und einen Wandel für eine nachhaltigere Welt herbeizuführen.“ Dreh- und Angelpunkt sind dabei die sogenannten Färbergärten: Sie werden gemeinsam angelegt, aus den Pflanzen werden Farben gewonnen und mit ihnen anschließend künstlerisch gearbeitet. Seit zehn Jahren gibt es diese Gelegenheit auch in Oldenburg - Zeit für ein e Jubiläumsfeier ! COLOUR IN THE CITY 10 JAHRE FÄRBERGÄRTEN OLDENBURG 10. MAI BIS 17. AUGUST 2025 BAUMGARTENSTRAßE 6 26122 OLDENBURG PROGRAMM Über Berlin nach Oldenburg Auf dem Weg von Essen nach Oldenburg nahm die Idee der Färbergärten einen Umweg über Berlin. In der Bundeshauptstadt - genauer gesagt: auf dem Tempelhofer Feld - veranstaltete das KinderKünsteZentrum in Kooperation mit sevengardens vom Februar bis Mai 2014 die Mitmach-Ausstellung „Färbergärten! Kunst mit Pflanzenfarben“. Über viele Wochen hinweg lernten Kinder, aus welchen Pflanzen man Farben herstellen kann und mit welchen Tricks man sie verändert und variiert - und darüber hinaus, wie von Reichenbach beabsichtigt, auch etwas über ihre Selbstwirksamkeit in der Welt. Ein voller Erfolg! Voller Fingereinsatz: Experimentieren ist ein Fest für alle Sinne. (Bild: Stadt Oldenburg) Etwa 450 Kilometer westlich stieß das Projekt in Oldenburg auf großes Interesse. Kurzerhand wurde das KinderKünsteZentrum vom städtischen Kulturbüro im Herbst 2015 an die Hunte eingeladen, um hier einen Impuls zu geben, der möglichst lange nachhallen sollte. Genau das gelang: Die Resonanz bei den Kitas und Schulen war von Anfang groß - und gleiches galt auch für die Begeisterung der über 300 jungen Teilnehmer:innen der ersten Mitmach-Ausstellung . Tatsächlich konnten die Färbergärten das Bewusstsein für die Umwelt und Nachhaltigkeit erhöhen - und machten abgesehen davon ganz einfach Spaß. Entscheidend sei dabei der niedrigschwellige Ansatz, weiß Sophie Arenhövel , die sich im Kulturbüro um kulturelle Bildung und Teilhabe kümmert: „Schon mit dem Kennenlernen und Sammeln von Färber-Pflanzen und -Früchten beginnt die Auseinandersetzung mit der Natur. Die Herstellung von Farben ist ein lustvoller Prozess, der das Experimentieren in den Mittelpunkt stellt.“ Zum krönenden Abschluss der Auftaktwochen begab sich schließlich auch der Initiator höchstselbst nach Oldenburg: Im Februar 2016 erklärte Peter Reichenbach in zwei Workshops die Philosophie der Färbergärten. Diesem gelungenen Auftakt sollten im Laufe der folgenden Jahre viele weitere Projekte folgen. Welche das waren, könnt ihr auf dieser Seite nachlesen. Inzwischen haben bereits über hundert Akteur:innen aus Krippe, Kita, Schule, Kultur und Umwelt an Färbergärten-Workshops teilgenommen und das Wissen in ihre Arbeitsfelder weitergetragen. Und so lässt sich nicht nur für Berlin, sondern auch für Oldenburg feststellen: ein voller Erfolg! Farbenfroh: Das gilt nicht nur für die Teilnehmenden des Färbergärten-Workshops der Oldenburger Kunstschule, sondern auch für die Experimente mit den Pflanzenfarben. (Bild: Stadt Oldenburg) Die Färbergärten feiern Mathematisch versierten Personen dürfte aufgefallen sein, dass der erwähnte Auftakt der Färbergärten inzwischen genau zehn Jahre zurückliegt. Es ist also höchste Zeit, das erste runde Jubiläum zu feiern! Und das geschieht auf besondere Weise - nämlich indem sich das Netzwerk unter dem Titel „Colour in the City“ an den beliebten Stadtgärten der OTM beteiligt. Projektkoordinatorin Melanie Jauken freut sich über die Neuerung in der Baumgartenstraße: „Der Stadtgarten ‚Colour in the City‘ soll den Besuchenden ein farbenfrohes und niedrigschwelliges Angebot bieten, um sie für die Vielfalt der Pflanzenfarben zu begeistern“, beschreibt sie die besondere Rolle. Gleichzeitig sei der Garten ein Ort des lebendigen Austauschs, der zum Entdecken, Experimentieren und zur aktiven Auseinandersetzung mit der Natur einlade. „Die Verbindung von Kunst, Bildung und Nachhaltigkeit passt perfekt in unser Konzept, und wir freuen uns, dass wir das zehnjährige Bestehen des Färbergärten-Netzwerks nutzen können, um diesen Beitrag zur Wissensvermittlung im Herzen Oldenburgs zu schaffen.“ Doch damit nicht genug: Das Färbergärten-Netzwerk bespielt nicht nur die Hochbeete in der gesamten Baumgartenstraße, dank der Vermittlungsagentur Raum auf Zeit kann es zudem ein leerstehendes Gebäude - das zuvor noch ein spektakuläres Kunstprojekt beherbergt hatte - als Werkstatt und Atelier nutzen. Um diese Möglichkeiten bestens zu nutzen, haben sich für „Colour in the City“ verschiedene Akteure zusammengetan, die vor allem eines eint: Das Bewusstsein für die Bedeutung und Potenziale der Färbergärten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten beschreiben die Vertreter:innen der beteiligten Organisationen ihre Beweggründe jeweils mit ganz eigenen Worten - und lassen dadurch ein Portrait der Färbergärten Oldenburg entstehen. Morgenidylle: Die Baumgartenstraße in Oldenburg. (Bild: Kulturschnack) Netzwerk für Naturfarben Für die Oldenburger Kunstschule ist die Arbeit mit Pflanzenfarben in mehrfacher Hinsicht von großem Interesse: „Färbergärten fördern ökologische Kreisläufe, sensibilisieren für die Rhythmen der Natur und laden zu sinnlichen, traditionellen und handwerklichen Erlebnissen ein“, beschreibt Annekathrin Scheer die vielfältigen Wirkungen. Im Prozess erfahre man, welche Pflanzen und Pflanzenteile sich zum Färben eigneten, wie Farbstoffe extrahiert und welche Färbetechniken können angewendet werden können. „Wir lernen, wie Farben ohne Umweltbelastung entstehen können und entwickeln ein Gespür für natürliche Farbtöne, denn im Unterschied zu synthetischen haben Naturfarben eine unnachahmlich sinnliche, lebendige und leuchtende Wirkung.“ Wie sehr der Oldenburger Kunstschule das Projekt am Herzen liegt, erkennt man auch am Engagement von Annekathrins Kollegen Sebastian Neubert . Als Technischer Leiter der Kunstschule hat er den Stadt-Färbergarten „Colour in the City“ geplant und seine vielfältige Expertise und viel Herzblut in die Realisierung eingebracht. Auch für Petra Eller vom Institut für Materielle Kultur der Carl von Ossietzky Universität haben die Färbergärten eine hohe Bedeutung: „Das Färben mit Pflanzen ist schon allein deshalb Teil der experimentellen Textilpraxis in unserem Labor, weil es kulturgeschichtlich für die Bedeutung von Textilien nicht wegzudenken ist“, ordnet sie ein. Aktuell gewinne das Thema sogar noch an Wichtigkeit, da aus ökologischen Gründen nach umweltfreundlicheren Alternativen zu synthetischen Farbstoffen geforscht werde. „Unsere Studierenden untersuchen das Färbe- und Gestaltungspotenzial von Naturfarbstoffen, die direkt in der Baumgartenstraße geerntet werden können. Die experimentelle Arbeit erstreckt sich vom systematischen Erproben bis hin zum gestalterischen Einsatz von Effekten und Musterungen.“ Das Beste: Interessierte können den Studierenden dabei freitags vom 10 bis 14 Uhr über die Schulter schauen - oder sogar selbst mitmachen. Malkasten der anderen Art: Die natürliche Farben ergeben im Zusammenspiel ein harmonisches Bild. (Bild: Stadt Oldenburg) Die Oldenburger Uni ist aber nicht nur über das Institut für Materielle Kultur mit den Färbergärten verbunden, sondern auch über den Botanischen Garten - seit jeher ein Ort, an dem es nicht nur um das Naturerlebnis, sondern auch um die Wissensvermittlung geht. Das passe gut mit den Färbergärten zusammen, erklärt Kurator Dr. Bernhard von Hagen : „Im Botanischen Garten beleuchten wir die Nützlichkeit, den Wert und die Geschichte von Pflanzen in möglichst vielen Dimensionen. Eine Dimension sind Farben aus Pflanzen und wir zeigen selbst eine wichtige Auswahl von Färbepflanzen in einem permanenten eigenen Beet.“ Zum eigentlichen Färben nutze der Bontanische Garten die Pflanzen aber nur sehr selten. Das Beet erlaube vielmehr, sich über die Biologie, die Chemie und die geschichtliche Bedeutung der Färbepflanzen zu informieren. Um mehr Verständnis geht es auch Sandrine Teuber, allerdings unter anderen Vorzeichen. Sie kümmert sich u.a. im Horst-Janssen-Museum um Wissensvermittlung - und sieht auch dort Verbindungen zu den Färbergärten: „Wir haben beim ersten Workshop mit Peter Reichenbach teilgenommen. Für uns passt das gut zu Horst Janssen, weil er künstlerische Aufmerksamkeiten aus recycelten Materialien herstellte.“ Der Aspekt der Pflanzenfarben erweitere diese Arbeitsweise und bringe den Aspekt der Nachhaltigkeit ins Museum. „Mit der Ausstellung ' Natur schöpfen ' haben wir den Gedanken weitergeführt und sowohl mit Peter Reichenbach als auch mit Matthias Schwethelm tolle Partner für das offene Atelier im Museum im Boot gehabt.“ Zur aktuellen Ausstellung „Janssen tischt auf“ stellen Kinder und Jugendliche Pflanzenfarben aus Gemüse her und colorieren damit ihre Zeichnungen. So bleibt das Herstellen von Tinten und Pflanzenfarben sowie Papier auch weiterhin Teil des Horst-Janssen-Museums. Das Färbergärten-Jubiläum in der Innenstadt habe zudem einen weiteren Pluspunkt, findet Sandrine: „Die Kooperation mit so tollen Partner:innen im Rahmen der Stadtgärten ermöglicht es dem Museum, aktiv auf Menschen im Stadtraum zuzugehen, die den Weg ins Museum sonst vielleicht nicht finden würden.“ Natur als Werkstoff: Man braucht keine chemischen Erzeugnisse, um ausdrucksstarke Farben zu erzeugen. (Bild: Stadt Oldenburg) Zu diesen „tollen Partner:innen“ gehört nicht zuletzt auch die Oldenburger Jugendwerkstatt der Volkshochschule . Für Teamleiterin Frauke Sterwerf hat die Beteiligung verschiedene Vorteile: „Durch die Zusammenarbeit im Projekt der Färbergärten lernen die Teilnehmenden der Oldenburger Jugendwerkstatt nicht nur etwas über die ungeahnten Möglichkeiten der Pflanzenfarben. Sie lernen auch, sich unbekannten Menschen gegenüber zu öffnen und soziale Befangenheit abzubauen.“ Positive Rückmeldungen und Anerkennung ihrer Arbeit würden ihre Selbstwirksamkeit stärken und Mut für neue Herausforderungen machen. „Einer unserer Grundgedanken in der VHS Oldenburg: Bildung ist mehr als die Vermittlung von Inhalten – Menschen wachsen und erweitern ihren Horizont im Kontakt mit anderen, in der Zusammenarbeit, im Miteinander.“ Und genau das wird bei den beliebten Stadtgärten - und bei „Colours in the City“ - auf der Tagesordnung stehen. Die ungeahnten Möglichkeiten In der Augsburger Puppenkiste gab es einst die Figur des Tur Tur: Ein Scheinriese , der nur von weitem groß aussah, aber immer kleiner wurde, wenn man sich annäherte. Bei den Färbergärten ist es genau andersherum. Auf den ersten Blick scheinen sie kaum mehr zu sein als eine nette Idee. Je genauer man sich aber mit ihnen beschäftigt, desto deutlicher werden die vielen Ebenen - und mit ihnen: die vielen Potenziale - dieser wunderbaren Idee. Die Färbergärten vereinen ökologische, handwerkliche, emotionale und künstlerische Facetten zu einem Gesamterlebnis, das vor allem für Kinder und Jugendliche wichtige gedankliche Weichenstellungen ermöglicht. Kindgerecht: Die Färbergärten bieten den Kleinen große Möglichkeiten. Aber auch für Erwachsen gibt es viel Neues zu erfahren. (Bild: Stadt Oldenburg) „Die Kunst mit Pflanzenfarben hat uns seit dem Autakt vor zehn Jahren nicht mehr los gelassen. Die Resonanz von Fachkräften aus Bildung, Kultur und Umwelt auf dieses Thema war einfach zu groß!“, schmunzelt Sophie Arenhövel. Aber auch für sie selbst sind die Färbergärten ein Herzensprojekt geworden: „Die Arbeit macht viel Spaß, weil der Ansatz so sinnlich ist und weil er Sinn macht angesichts der Klimakrise.“ Außerdem setze er als Gegenpol zur Schnelllebigkeit und Digitalisierung eher auf Langsamkeit, Unfertigkeit und Kollaboration. Ihr Dank dafür geht an dejneigen, mit dem einst alles begann: den Essener Künstler Peter Reichenbach, der inzwischen schon mehrfach in Oldenburg war und mit dem das Netzwerk nach wie vor in Kontakt steht. Die Antwort auf seine einstige Frage, ob man Farben nicht auch auf natürliche Weise herstellen könne, hat er längst selbst gegeben. Wie viel Freude es bereiten kann, diese Erfahrung selbst zu machen, könnt ihr nun in der Baumgartenstraße erleben - denn dort bringen die Färbergärten Farbe in die Stadt!

  • MUSEUMSTAG IN OLDENBURG

    Beim Stichwort „Museumsreif“ haben viele von uns zunächst eher abwertende Assoziationen: betagt, altmodisch, out of date. Man kann den Begriff aber auch ganz anders lesen. Denn was ins Museum kommt, ist manchmal vielleicht alt. Aber es ist ganz sicher etwas anderes: spannend, außergewöhnlich, relevant. Glaubt ihr nicht? Dann prüft es nach - am Internationalen Museumstag, dieses Jahr am 18. Mai! Große Vielfalt: am Museumstag herrscht die Qual der Wahl. (Collage: Kulturschnack, Bilder: Museen, Kulturschnack) Kurze Rückblende: Erinnert ihr euch an euren letzten Museumsbesuch? An den Moment, als ihr vor dem Gebäude standet? Vielleicht war es das Landesmuseum für Kunst & Kultur , sprich: das Schloss, vielleicht war es auch der Oldenburger Kunstverein . Welches auch immer es war: Es hatte eine gewisse Aura, oder? Etwas, das man bei den meisten anderen Gebäuden nicht sieht oder spürt. Entweder altehrwürdig und erhaben - oder hochmodern, puristisch, aufs Wesentliche konzentriert. Es scheint eine ungeschriebene Regel zu geben: Museen befinden sich entweder in prächtigen Altbauten mit großem Eingangsbereich, vielleicht sogar einigen Säulen oder Skulpturen entlang der Treppenstufen. Oder Museen befinden sich in architektonisch spektakulären Gebäuden, die mit klaren Linien einen kontrastierenden Rahmen für die Kunstwerke bieten. In jedem Fall sind diese Orte nicht: alltäglich und austauschbar. Egal ob digital oder analog: die Museen sollen "mit Freude" entdeckt werden. (Grafik: Dt. Museumsbund) Erinnerung und Erlebnis Warum? Ganz einfach: Weil die Museen selbst nicht alltäglich und austauschbar sind. Sie sind nicht etwa Abstellkammern für olles Zeug, sie sind nicht hoffnungslos veraltet und unmodern. Selbst auf das simpelste Museum der Welt träfe all das nicht zu. Denn: Sie bewahren die Erinnerungen unserer Gesellschaft. Und mit ihnen ist es genauso wie mit unseren eigenen: sie sind prägend, lehrreich, oft sogar bedeutend. Es ist wichtig, dass wir sie haben. Aber: wenn wir andere daran teilhaben lassen wollen, kommt es darauf, wie man davon erzählt. Wie bei jeder guten Geschichte zählen Blickwinkel, Storyline und Spannungsbögen. Stimmt alles, dann haben wir etwas davon. Bei uns selbst - und im Museum. Der Internationale Museumstag lädt uns alle dazu ein, diese These selbst nachzuprüfen. Denn geben wir zu: Im Alltag gibt es kleinere Hemmschwellen, die verhindern, dass wir den eingangs erwähnten Moment vor dem Museum häufig erleben. Da ist zum einen der Preis, auch wenn er bei den Oldenburger Häusern insgesamt als sehr moderat einzustufen ist. Die großen Kunsthäuser in den Metropolen rufen jedenfalls andere Tarife auf. Zum anderen fehlt häufig der konkrete Anlass. Also der Zeitpunkt, an dem man zu sich sagt: Jetzt aber! Eigentlich sind das schon genug Gründe, um den 18. Mai voll und ganz den Oldenburger Museen zu widmen und dabei einen ereignis- und lehrreichen Tag zu erleben. Aber wir setzen noch einen drauf. Genauer gesagt setzen wir sogar fünf drauf, denn die Oldenburger Museen waren allesamt bereits Gäste in unserem Podcast. Einfach auf das jeweilige Bild klicken - und dann ganz tief eintauchen! Der perfekte Anlass Der Museumstag löst beide Probleme. Zum einen bieten die Oldenburger Häuser allesamt freien Eintritt. Das heißt also: Man kann völlig kostenfrei auf Entdeckungsreise gehen. Und weil eben alle dieses Angebot haben, ist auch ein Anlass da: Man sollte diese Gelegenheit einfach nutzen. Denn wie gesagt bedeutet sie nicht etwa, in altem Krempel nach halbwegs Brauchbarem zu suchen. Sie bedeutet etwas ganz anderes: nämlich Eintauchen in andere Zeiten, Themen, Kontexte. Das Schöne entdecken in Dingen und Informationen, für die man sich im Alltag kaum Zeit nimmt. Dazulernen durch sinnliche Erfahrung statt Online-Schulung oder Frontalunterricht. Auf alle Besucher:innen wartet eine inspirierende, lehrreiche Erfahrung - und das ohne große Kosten und Mühen. 7 FAKTEN ZUM INTERNATIONALEN MUSEUMSTAG BEDEUTEND FÜR DIE GESELLSCHAFT Der Internationale Museumstag wurde im Jahr 1977 vom „International Council of Museums“ (ICOM) eingeführt, um auf die gesellschaftliche Rolle der Museen aufmerksam machen. Der Tag findet einmal jährlich am zweiten oder dritten Sonntag im Mai statt. In Deutschland steht er unter der Schirmherrschaft der Bundesratspräsident:innen . Aktuell ist das die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anke Rehlinger (SPD). Das Motto des Museumstages wechselt immer wieder, in diesem Jahr etwa „The Future of Museums in Rapidly Changing Communities“. In Deutschland war es in den letzten Jahren aber stets dasselbe: "Museen mit Freude entdecken". Ziel ist es, die attraktive Museumslandschaft in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken und auf das breite thematische Spektrum der mehr als 6.000 Museen in Deutschland aufmerksam machen. Die Museen sollten die Möglichkeit haben, in einer gemeinsamen Aktion auf die Bedeutung ihrer Arbeit hinzuweisen und einen Museumsbesuch anregen. In diesem Jahr nehmen in Deutschland über 1.400 Museen mit mehr als 3.500 Aktionen zum Entdecken in ihre Häuser ein. In Oldenburg ist die gesamte Museumslandschaft mit dabei. Ohne Mühen? Ja, richtig. Denn wir fassen hier zusammen, welche Museen am Internationalen Museumstag teilnehmen und ob es spezielle Angebote gibt Das klingt gut? Na, dann los. AUGUSTEUM Siehe Landesmuseum für Kunst & Kultur. HAUS FÜR MEDIENKUNST Öffnungszeit: 12 bis 18 Uhr Das ehemalige Edith-Russ-Haus für Medienkunst zeigt die aktuelle Ausstellung „ Die Oldenburger Gesellschaft der Ährenleser*innen “. Anders als der Titel vermuten ließe, handelt es sich dabei um eine Internationale Gruppenausstellung . Aktionen: 10 bis 11.30 Uhr: Meditationsworkshop mit Vanessa Reis (Beginn vor der Öffnungszeit!) Starten Sie entschleunigt in den Internationalen Museumstag. Yoga- und Meditationslehrerin Vanessa Reis lädt Sie zu einer meditativen Begegnung mit einem Kunstwerk ein. Es sind keine Meditationserfahrungen notwendig. Bitte eine weiche Unterlage, bequeme Kleidung und warme Socken mitbringen. 15 bis 18 Uhr: gemeinsames Karaokesingen 15 und 16.30 Uhr: Ausstellungsrundgang mit der Künstlerin Clara Brinkmann HORST-JANSSEN-MUSEUM Öffnungszeit: 10 bis 18 Uhr Das Horst-Janssen-Museum zeigt am Internationalen Museumstag die Sonderausste llung   „Ich war ein Allesschmecker – Horst Janssen tischt auf“  in der zweiten Ausstellungsebene. Die Kulinarik in Janssens Werk ist Thema dieser Ausstellung. Zu sehen sind Meisterwerke, aber auch alltägliche Kunst und biografische Objekte, eingebettet in Janssens Tagesablauf. Begleiten Sie den norddeutschen Künstler vom Frühstück im Bademantel über das Mittagessen mit Pfannkuchen bis zum nächtlichen Absacker in der Kneipe. In der ersten Ausstellungsebene können Sie in der Ausstellung „Horst Janssen – Neu entdeckt“ mehr über das Leben, Werk und die Arbeitsweise Janssens erfahren. Aktuell gibt es in der Ausstellung eine KI-Station , die Janssens Werke analysiert und interpretiert. Probiert es selbst aus!  F ührungen: 11 bis 12.30 Uhr: Rundgang durch beide Ausstellungen mit Geraldine Dudek 16 bis 17.30 Uhr: Rundgang durch beide Ausstellungen mit Geraldine Dudek Mitmachstation/Aktionen: 10 bis 18 Uhr: Papierblumen aus Eierkartons und buntem Papier mittels Collagetechnik gestalten 10 bis 18 Uhr: Ein Käfer auf der Wurstpappe – Gestaltet nach Janssens Vorbild mit Papier und Stiften einen Käfer LANDESMUSEUM KUNST & KULTUR Öffnungszeit: 10 bis 18 Uhr Am 18. Mai 2025, dem Internationalen Museumstag, lädt das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg bei freiem Eintritt zum Besuch aller drei Häuser - Schloss, Augusteum und Prinzenpalais - ein. Das Programm im Überblick: 14.30 bis 17 Uhr Offene Kreativ-Werkstatt: Sag's durch die Blume! Farbenfrohe Papierblumensträuße gestalten Treffpunkt: Schlossatelier Mit Yasmin Maaß und Julia Ortmeyer 15 bis 16.30 Uhr Von Haus zu Haus - Drei Gebäude, ein Museum: Schloss, Augusteum und Prinzenpalais Treffpunkt: Kasse im Schloss Mit Irmtraud Eilers 15 bis 16 Uhr Mensch und Landschaft - ein nicht immer harmonisches Verhältnis Treffpunkt: Kasse im Prinzenpalais Mit Dirk Meyer Die Teilnahme an der Kreativ-Werkstatt und den Führungen ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. LANDESMUSEUM NATUR & MENSCH Öffnungszeit: 10 bis 18 Uhr 11:00 - 16:00, "Die Welt der Bienen" Zu jeder vollen Stunde gibt Imker und Hautflügelexperte Franz Winzinger in der Moor Ausstellung kurze Einblicke in die Welt der Bienen. 11:00 - 17:00 Uhr, "Insekten ganz groß" Mikroskopstation zum Untersuchen und Fotografieren von Insekten in der Moor Ausstellung. 10:30 - 15:30 Uhr, "Einblicke in Forschungsprojekte" Zu jeder halben Stunde geben Forscher*innen des Museums Einblicke in unterschiedliche Forschungsprojekte. Treffpunkt ist immer der Open Space. 11:00 - 17:00 Uhr, "Wir filzen Katzen aus Wolle" Kreatives Mitmachangebot für Groß und Klein im Werkraum. 11:00 - 17:00 Uhr, "Malaktion" Groß und Klein können gemeinsam mit dem Künstler Said Tiraei im Museumshof zum Thema Vielfalt kreativ werden. 11:00 - 17:00 Uhr, "Dein Name in persischer Kalligraphie" Kalligraphievorführung des Künstlers Adel Dadvar im Open Space. "Pelle - der Späti": Getränke, Snacks und Musik im Museumshof. OLDENBURGER COMPUTERMUSEUM Öffnungszeit: 12 bis 18 Uhr Das Oldenburger Computer-Museum öffnet anlässlich des Museumstages von 12 bis 18 Uhr die Türen. In den Dauerausstellungen kann gespielt und programmiert werden und ein paar Überraschungen sind auch vorbereitet. Für Interessierte werden um 14 und um 16 Uhr Führungen angeboten, alternativ kann mit der Quiz-Rallye die Ausstellung eigenständig erschlossen werden. OLDENBURGER KUNSTVEREIN Der Oldenburger Kunstverein befindet sich aktuell in einer Umbaupause und öffnet seine Pforten erst am 23. Mai wieder. PRINZENPALAIS Siehe Landesmuseum für Kunst & Kultur. STADTMUSEUM Öffnungszeit: 10 bis 18 Uhr Das Stadtmuseum ist nach wie vor eine Baustelle (die aber schon stark Gestalt annimmt). Dennoch lädt es euch ein, den Projektraum_5 und das Stadtteilprojekt Eversten zu entdecken. Ihr könnt die Projektleiterinnen Sandrine Teuber und Lisa Bellmann im Projektraum zu einem gemütlichen Austausch über die Ausstellung treffen. Bei Kaffee und Kuchen könnt ihr Fragen stellen und mehr über das Stadtteilprojekt in Eversten erfahren. Welche Erfahrungen hat das Museum in diesem Projekt gemacht? Welche spannenden Anekdoten, Details und Geschichten haben sich während der Laufzeit ergeben? Das erfahrt ihr am Museumstag zwischen 15 und 18 Uhr. Der Projektraum selbst ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ihr findet ihn in der Staustraße 5.

  • PAVEL MÖLLER-LÜCK: DER PUPPENSPIELER

    Die Kleine Straße macht ihrem Namen alle Ehre. Nur eine Handvoll Häuser steht hier. Und doch gehört sie zu den bekanntesten Adressen Oldenburgs. Genauer gesagt: die Hausnummer 8. Hier – in der 1869 erbauten ehemaligen Turnhalle des Oldenburger Turnerbundes – residiert eines der bedeutendsten Figurentheater Deutschlands: das Theater Laboratorium von Barbara Schmitz-Lenders und Pavel Möller-Lück. Puppenspieler mit Leib und Seele: Pavel Möller-Lück hat in Oldenburg ein Kleinod des Figurentheaters geschaffen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf genießt. (Bild: Bodo Nussdorfer, K+W Verlag) Es ist ein ungemütlicher Vormittag in Oldenburg, nass und kalt. Betritt man dann jedoch das Gebäude, lässt man mehr als nur das Wetter hinter sich. Wir finden uns wieder in einem opulenten Café, das sehr viel erhabener wirkt, als man es vom Vorraum eines Theatersaals erwarten dürfte. Die detailverliebte Einrichtung gleicht einem „Best Of“ europäischer Kaffeehauskultur. Man spürt sofort: Das Theatererlebnis beginnt hier nicht mit dem Heben des Vorhangs – es beginnt mit Überschreiten der Türschwelle.   An einem der Tische sitzt der Spiritus Rector dieses Kleinods im Oldenburger Ziegelhofviertel: Pavel Möller-Lück. Geboren 1959 in Eutin, romantischer Abenteurer, verträumter Anarchist und begnadeter Erzähler. Anders ausgedrückt: Theatermacher mit Leib und Seele. Mit dem Laboratorium hat er – gemeinsam mit seiner Frau Barbara Schmitz-Lenders – einen „Seelenort“ geschaffen, dessen Ruf weit über die Grenzen der Region hinausreicht. Rund 60.000 Gäste verzeichnet das Haus pro Jahr, beinahe alle Vorstellungen sind ausverkauft. Wer eine davon besucht hat, weiß sofort warum – kann es aber meist nicht in Worte fassen. Die Stücke sind fantasievoll, poetisch, emotional, atmosphärisch, nachdenklich, krachend komisch. Doch kein Attribut scheint ausreichend zu beschreiben, was das Besondere ist. Alle treffen zu; aber selbst ihre Summe wird dem Erlebnis kaum gerecht. Seelenort: Der Theaterabend beginnt im Laboratorium nicht mit dem Heben des Vorhangs, sondern mit dem Überschreiten der Türschwelle. (Bild: Theater Loboratorium) Gedankliche Dehnübungen Wie lernt man, so etwas zu kreieren? Seit 1983 gibt es in Stuttgart einen Studiengang für Figurentheater. Doch Pavel hat ihn nicht etwa besucht. „Ich habe ihn mit aufgebaut“, erklärt er schmunzelnd. Wie bitte? Zu dieser Zeit müsste er vierundzwanzig Jahre alt gewesen sein. „Ja, genau. Und erst wollte ich auch nicht. Mir war das nämlich nicht genug, um dafür nach Stuttgart gehen. Ich wollte auch die Leitung des Figurentheaters.“ Reichlich selbstbewusst für jemanden, der als junger Puppenspieler zwar eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte, auf dem Papier aber nur ein Schauspielschüler war. Doch Pavel bekam, was er wollte und konnte Studium und Praxis perfekt miteinander verzahnen. Gleichzeitig stellte er sich gegen die Traditionalist:innen und definierte das Figurentheater neu: als ernstzunehmende Sparte für jedes Alter. „Nötige Dehnübungen“ nennt er das heute.   Diese Episode verrät viel über den Menschen und Macher Pavel Möller-Lück. Über sein Selbstbewusstsein, über seine Anspruchshaltung und über seine Vorstellungskraft. Eingerahmt von kreisrunden Brillengläsern funkeln seine Augen, wenn er davon erzählt. Das tun sie eigentlich durchgehend, als wäre er ständig aufs Neue inspiriert. Immer wieder rutscht er auf dem Stuhl nach vorn, stützt die Arme auf den Tisch und erzählt eindringlich. Kein Zweifel: Hier hat jemand Freude an dem, was er tut. In seinem Element: Auf der Bühne fühlt sich Pavel Möller-Lück besonders wohl - wie hier beim Stück „ Hänsel & Gretel“ . Er liebt aber auch den Entstehungsprozess. (Bild: Theater Laboratorium) Das Argument für Oldenburg Nach Oldenburg wollte Pavel eigentlich nicht. Zumindest nicht ursprünglich. „Aber dann war ich mal hier. Und ich wurde gefragt, ob ich nicht bleiben wollte.“ Das entscheidende Lockmittel war die erste Spielstätte, eine ehemalige Isolierbaracke hinter dem Kulturzentrum PFL. „Für die Stadt war das ein Abrissob jekt, für uns ein Traum“, erinnert er sich. Und so wurde der Vagabund nach unzähligen Theatertouren durch Europa schließlich sesshaft. So sehr, dass nach dreizehn Jahren der Umzug in die Kleine Straße erfolgte – und später sogar die Erweiterung um die benachbarte Limonadenfabrik.   Bereut hat er die Entscheidung nie. Und das, obwohl er mit seinem Theater – nach Ansicht von Expert:innen – in jeder Metropole der Welt bestehen könnte? „Mag sein. Aber die Menschen hier haben einen großen Vorsprung gegenüber allen anderen. Sie haben uns vom ersten Tag an die Bude eingerannt. Das vergesse ich nie.“ Und nach einem kurzen Moment ergänzt er: „Ich liebe Frankreich, ich liebe Schweden – und Oldenburg liegt doch in vieler Hinsicht genau dazwischen.“ Ernstzunehmende Kunstform: Pavel Möller-Lück kämpfte für eine Anerkennung des Figurentheaters. (Bild: Gerlinde Domininghaus) Mittlerweile ist er länger hier als an irgendeinem anderen Ort: über ein Vierteljahrhundert. Das liegt auch daran, dass sich Oldenburg in dieser Zeit verändert hat. „Man erkennt immer mehr, wie wichtig die sogenannten ‚weichen Faktoren‘ sind. Städte müssen leben. Und dafür braucht es Kultur.“ Pavel ist nicht so vermessen, einen Anteil daran auf sich zurückzuführen. Abstreiten würde er es aber auch nicht. Der Wettbewerb um Fachkräfte und Zukunftsfähigkeit entscheidet sich eben nicht nur in Büros, sondern auch auf Bühnen. Da schadet es nicht, wenn man ein Laboratorium zu bieten hat. Freier Lauf für die Fantasie   Für Pavel geht es aber um mehr. Die Menschen, die das Laboratorium besuchen, sollen nicht nur in eine andere Welt eintauchen. Sie sollen von dort auch etwas mitnehmen. „Wir wollen verstehen lernen – und ein Stück heiler werden in dieser Welt“, beschreibt er den Effekt. Aber wie erreicht man das? Wie entstehen die Geschichten? „Immer im Team“, erzählt er. „Wir sind etwa zehn Leute, setzen uns gemeinsam an einen großen Tisch und dann geht’s los!“ Man spürt selbst bei dieser schlichten Beschreibung, wie viel Spaß ihm das macht – und dass er diese Runde am liebsten augenblicklich wieder einberufen würde. Die Mitglieder des Teams haben ihre Expertise beim Film, in der Fotografie oder im Schauspiel. Jeder hat eine andere Perspektive auf den Stoff. Durch das gemeinsame „Laborieren“ bekommt das Stück seine Konturen. Pavel nennt einen entscheidenden Vorteil: „Im Figuren- und Objekttheater haben wir den großen Vorteil, dass wir unserer Fantasie freien Lauf lassen können. Wir schaffen eine Form des fantastischen Realismus.“ DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR PAVEL MÖLLER-LÜCK UND BARBARA SCHMITZ-LENDERS IM PODCAST Das Theater Laboratorium genießt in Oldenburg - und darüber hinaus - Legendenstatus. Es gibt kaum jemanden, der sich der Magie des „Seelenortes“ entziehen kann. Doch wie ist es iegentlich dazu gekommen? Und wie sieht der Alltag eines Figurentheaters aus? Starkes Team: Pavel Möller-Lük steht beim Theater Labroratorium stärker in der Öffentlichkeit. Barbara Schmitz-Lenders ist für den gemeinsamen Erfolg aber nicht weniger wichtig. (Bild: Kulturschnack) Darüber haben wir uns ausführlich mit Pavel Möller-Lück und Barbara Schmitz-Lenders unterhalten. Die beiden erzählen in unserem Podcast von Anfängen, Entwicklungen und Glücksfällen, von Entscheidungen, Irrtümern und Überraschungen. Vor allem aber berichten sie, wie sich das Leben mit einem erfolgreichen Figirentheater anfühlt, wie all die wunderbaren Geschichten entstehen und wie man sie auf die Bühne bringt. Dabei zeigt sich: Die Leitung eines solchen Theaters ist kein Job, sie ist eine Lebensaufgabe - und für Pavel und Barbara ist es genau die richtige. Es scheint diese Offenheit zu sein, die es ermöglicht, auch sensible Themen wie Krankheit und Sterblichkeit gefühlvoll zu thematisieren – wie zum Beispiel in „Die Bremer Stadtmusikanten“, mit insgesamt 180.000 Gästen das erfolgreichste Stück. Wie kommt es zum Entschluss, diese Stoffe aufzugreifen? „Das liegt oft an persönlicher Betroffenheit. Manchmal denke ich: Die Themen suchen uns, nicht wir sie.“ Das ist auch einer der Gründe, warum die schwierige Gratwanderung zwischen Emotionalität und Leichtigkeit so gut gelingt. „Man darf Angst zulassen, aber sich ihr nicht ergeben. Wir spielen mit ihr.“ Für Pavel sind Melancholie und Humor Geschwister, immer nah beisammen. „Nach der Vorstellung sind die Gäste oft in guter Stimmung, sie haben viel gelacht. Aber wir geben ihnen die Nachdenklichkeit trotzdem mit; wie eine große Tüte, in die noch was reingepackt wird. Zum Mitnehmen. Melancholie to go.“ Theater, das sich einmischt Pavel Möller-Lück versteht das Theater aber nicht nur als emotionalen, sondern auch als politischen Ort. „Figurentheater hatte immer eine politische DNA“, erklärt er. „Der Kasper zum Beispiel war ein Kabarettist. Er konnte sagen, was andere nicht sagen durften. Er war das geduldete Enfant Terrible.“ Pavel sieht sich in dieser Tradition. „Ich spiele niemals das gleiche Stück. Wenn tagespolitisch was passiert ist, wenn die Leute sich über was aufregen – dann gehört das mit rein. Dann will ich das mit ihnen besprechen.“ Dabei hält er seine eigene Meinung nicht zurück. „Theater muss sich einmischen“, ist er überzeugt.  Einer, der sich nicht das Maul stopfen lässt: Für Pavel Möller-Lück muss Theater politisch sein und Position beziehen. (Bild: Izabella Mittwollen) Wenn man Pavel Möller-Lück so hört, wünscht man sich beinahe, etwas von seiner Strahlungswärme würde abfärben und man dürfte sie mitnehmen nach Hause. Aber letztlich ist es genau das, was im Theater Laboratorium passiert. Pavel und sein Team haben eine Sprache gefunden, die ihre vielen Gäste berührt; von der sie sich gern berühren lassen; und die widerhallt in ihren Köpfen, wenn sie das Theater längst verlassen haben.   Ein Blick durch die großen Fenster verrät: Immer noch prasseln Regentropfen nieder. Bevor es wieder hinausgeht in die Kälte, drängt sich noch eine Frage auf: Wie geht’s weiter? Mit Anfang sechzig zählen manche schon die Tage bis zur Rente. „Ich sicher nicht! Ich habe noch genug Energie“, wehrt Pavel ab. Dennoch schwebt ihm eine Art Altersteilzeit vor: „Jedes Jahr drei Monate Frankreich, drei Monate Schweden – und dazwischen Oldenburg. Das fände ich gut!“ Der Puppenspieler bleibt der Stadt also erhalten – und mit ihm eines der bedeutendsten Figurentheater Deutschlands.

  • NEUE MACHWERKE

    Zwischen Gehversuch und Geniestreich: MACH|WERK ist der Fonds für innovative Kulturprojekte. Hier bekommen (vor allem, aber nicht ausschließlich) junge Kulturschaffende die Chance, Projekte umzusetzen, die wagemutig, waghalsig oder wunderbar wild sind. Das Ergebnis: Jedes Jahr spannende Kulturinnovationen zwischen Sinn und Spektakel. Nun wurde die Auswahl für 2024 bekanntgegeben. Macht die Stadt bunt: Oldenburg braucht Innovationen, die Kultur liefert sie - auch in Form der Mach|Werke. (Bild: Kulturschnack) In den vergangenen Jahren sind in Oldenburg Dinge passiert, die in dieser Form für eine Stadt dieser Größe nicht zu erwarten waren. Es gab spektakuläre kreative Zwischennutzungen , es gab kulturelle Fahrradrallyes  und individuelle Theaterformate  für jeweils eine einzige Person. Es gab innovative Filmprojekte , internationale Austauschformate , gigantische Graffiti-Events  und sogar ein mehrtägiges Indoor-Festival . Was das alles miteinander zu tun hat? Erstmal nichts. Über die Jahre verstreut fanden diese Ereignisse statt, ohne dass sich eine Verbindung herstellen ließe. Dennoch gibt es eine: All das wurde nämlich möglich gemacht durch MACH|WERK, dem städtischen Fonds für innovative Kulturprojekte. Er war mal der Impuls, der Steine ins Rollen brachte, mal der entscheidende Anstoß, eine lang durchdachte Idee endlich umzusetzen und mal das fehlende Puzzlestück in der Finanzierung. Unter dem Strich also: ein Möglichmacher. Und Oldenburg profitiert davon. MACH|WERK OLDENBURGS FONDS FÜR INNOVATIVE KULTURPROJEKTE DURCHGÄNGE: 7 BUDGET: AKTUELL 50.000 EURO GEFÖRDERTE PROJEKTE: 53 FÖRDERSUMME: 380.000 EURO WERT: UNBEZAHLBAR Neue Kulturimpulse Nein, großes Tamtam und Trara gibt es nicht. Die Entscheidung darüber, welche Projekte mit dem MACH|WERK-Fonds realisiert werden können, fällt vergleichsweise unspektakulär: Im nichtöffentlichen Teil der September-Sitzung des Kulturausschusses wird über die Anträge abgestimmt. Dabei entwickeln sich immer mal wieder lebhafte Diskussionen über die Projekte - genauso aber über das Umfeld, das sie brauchen, um zu gelingen. Made with Mach|Werk: Das MEMUR Urban Art Festival hatte eine Anschubfinanzierung aus dem Fonds für innovative Kulturprojekte. (Bild: Kulturschnack) Wie es um dieses Umfeld bestellt ist, beantwortet nicht zuletzt die Resonanz auf die MACH|WERK-Ausschreibung, Insgesamt 13 Projektanträge mit einem Gesamtvolumen von ca. 104.000,- Euro wurden eingereicht. Das ist eine gute Quote, zumal nur 50.000,- Euro zur Verfügung stehen. Jedoch liegt die Zahl deutlich unter dem Rekordjahr 2021 mit 27 Anträgen. Zudem gehören auch ältere Semester zu den Begünstigten. Man also könnte sagen: Die junge Szene atmet - aber sie braucht vielleicht noch mehr Luft. Was aber freilich nichts daran ändert, dass dieser Jahrgang die junge Mach|werk-Tradition nahtlos fortführt und wieder einmal für neue Kulturimpulse sorgen wird. Für welche genau? Das lest ihr hier. ASTA DER CVO-UNIVERSITÄT WAS ICH ANHATTE Der Titel klingt harmlos, gewinnt durch die Unterzeile aber eine ganz neue - und sehr wichtige - Ebene: „ Eine Ausstellung zu sexualisierter Gewalt und falscher Opferschuld“. Tatsächlich wollen die Einwände der Täter, die meist weiblichen Opfer hätten zu einem sexuellen Übergriff durch aufreizende Kleidung selbst beigetragen, kein Ende nehmen. Noch immer glauben manche Männer, bestimmte Outfits als Einladung interpretieren zu dürfen, sich zu nehmen, was sie wollen. Alles echt: Die Ausstellung zeigt authentische Kleidung von realen Personen - und wirkt damit umso stärker. (Bild: Asta) Mithilfe ihrer getragenen Kleidung als Anschauungsmaterial teilen zwölf Frauen ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und erzählen in ihren Texten, was ihnen geholfen hat, ihr Trauma zu bewältigen. Mit der Ausstellung soll nicht nur aufgeklärt, sondern auch anderen Betroffenen Mut gemacht werden und die Scham und Selbstzweifel genommen werden. Als Rahmenprogramm sind Führungen und Workshops geplant. Das Thema hat hohe gesellschaftliche Bedeutung und wurde im Frühjahr auch durch das Staatstheater hervorragend umgesetzt . Der Allgemeine Studierendenausschuss ( AStA ) der Carl von Ossietzky Universität verknüpft hier das Kompetenzfeld Materielle Kultur mit nötiger Sensibilisierung und einer eigenen Haltung. Das Ergebnis ist keine schöngeistige Erbauungskultur, sondern eine Ausstellung mit hoher Relevanz - die genau deshalb sehenswert ist. DIE LOGE KÜNSTLERISCHE NEUGESTALTUNG DER FRIEDENSSÄULE Die Loge ist gerwissermaßen ein Stammgast bei Mach|Werk. Mit Unterstützung des Fonds konnte das Duo Clara Kaiser und Mathilda Kochan bereits mehrere spektakuläre Projekte realisieren, mit denen sie vor allem Leerstände in der Oldenburger Innenstadt belebt. Dazu gehörten Ladenlokale („Killing Loneliness“) und abbruchreife Häuser („Fürchtet euch nicht“) ebenso wie ausgediente Tankstellen („Die Tanzstelle“) und nutzlos gewordene Brückenbauwerke („ Die vier Weisen “). So sah es früher aus: Und was wird Die Loge in Zukunft aus dem Friedensplatz machen? Wir dürfen gespannt sein. (Bild: Stadtmuseum Oldenburg) Dass die Loge schon mehrfach unter den ausgewählten Projekten war, hat sie aber keineswegs einer Routine zu verdanken. Ihre Ideen sind manchmal noch nicht im Detail ausformuliert, erkennbar ist aber stets das Potenzial, große Aufmerksamkeit zu erzeugen und wichtige Denkanstöße zu geben. Nicht zuletzt geht es dabei um die Frage, wer wir sind, was für uns zählt und welche Rolle die Stadt dabei spielt. Das ist in diesem Jahr nicht anders - und vielleicht gilt es sogar mehr denn je. Denn Die Loge hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit der Bevölkerung die Friedenssäule und den Friedensplatz künstlerisch neu zu gestalten. Seit mittlerweile 82 Jahren ist der Sockel der 1878 errichteten Säule leer. Seither gab es immer mal wieder Initiativen, die das ändern wollten, doch sie waren bestenfalls von temporärer Dauer . Ob Die Loge erfolgreich sein wird? Zuzutrauen wäre es ihr. Lest unbedingt auch unser höchst ausführliches Portrait IMMER ERSTE REIHE  über Clara Kaiser und Mathilda Kochan aka Die Loge - oder hört unsere Podcast-Folge mit den beiden an. Dort schildern sie, was sie bewegt, woher ihre Inspirationen stammen und was sie erreichen möchten. Wir versprechen hoch und heilig: Das lohnt sich! (Bild: Felix Wenzel) EIKE WEINREICH BACCHUS - EIN MULTIMEDIALER ABEND Was für DIE LOGE gilt, das gilt auch für Eike Weinreich. Er hat sich schon mehrfach mit Filmprojekten bei MACH|WERK beworben, zweimal war er schon erfolgreich - zuletzt vor zwei Jahren mit „Im Schatten der Stadt“. Eikes Ansatzpunkt ist dabei nicht etwa, romantische Komödien zu inszenieren, sondern ganz nah an unsere gesellschaftliche Realität heranzurücken. Zusammen mit marginalisierten Gruppen wie Obdachlosen oder Menschen mit Behinderungen entwickelte der Regisseur fiktionale Stoffe, die sich thematisch um diese Gruppen drehen. Damit ist er sehr erfolgreich: Bei einer Zusammenarbeit mit Frauenhäusern übernimmt Anke Engelke die Hauptrolle, ein Projekt mit Mitarbeitenden der Fleischindustrie wird vom ZDF produziert. Und „Im Schatten der Stadt“? Wird von Eike in einer Weiterentwicklung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszeniert. „Bacchus“ richtet sich nun an Menschen mit Suchterkrankungen. Der Titel passt, schließlich war Bacchus in der griechischen Mythologie der Gott des Weines, des Rausches, des Wahnsinns und der Ekstase . Und diese Aufzählung deutet bereits an, wie schmal der Grat zwischen Spaß und Sucht ist. Zusammen mit seinem Kooperationspartner Anonyme Alkoholiker wird Eike ein Film- oder Theaterprojekt entwickeln, in dem die Geschichte der Betroffenen bzw. von Suchterkrankungen erzählt wird. Wichtig ist dabei, dass die Betroffenen selbst - häufig erstmals - zu Wort kommen und ihre Perspektive schildern können. Mach|Werk ermöglicht Eike die Erarbeitung der Story hier in Oldenburg. BEKANNTE NAMEN MACH|WERK HALL OF FAME Wie eingangs angedeutet, passieren in Oldenburg viele Dinge, ohne dass man sie miteinander verbinden könnte. Wie viele Veranstaltungen aber die Förderung durch MACH|WERK gemeinsam haben, zeigt die folgende Liste. Sie ist längst nicht vollständig, bietet aber einen guten Eindruck davon, wie viel der Fonds möglich macht. ANNIKA LISA RICHTER - FRAUENSACHE  (2021) DIE LOGE - KILLING LONELINESS  (2020) EIKE WEINREICH - IM SCHATTEN DER STADT (2021) FELIX FREITAG - LUCA (2022) GESINE GEPPERT - ALTERNATIVE KUNST-KULTUR-KARTE (2021) HIDDEN ART PROJEKT - POPUP GALLERIES (2019) HIDDEN ART PROJEKT - KUNST.STADT.KOMMERZ (2020) JANUSZ KENDEL - PARKLATERNE L20 (2023) JUGENDKULTURARBEIT  - CLARA S. (2019) JUGENDKULTURARBEIT - FREISCHÜTZ (2020) KUNSTKOMPLEX - MISSION MARS (2023) LARS UNGER - I N TOKIO IST ES STILL  (2021) MADLENE OEPPING - PELLE, DER SPÄTI  (2022) MARIANNA MARTENS - METROPOLY FESTIVAL  (2021) MENSO VON EHRENSTEIN - KULTURELLI (2020) METRO CLUB - 40 JAHRE METRO (2023) MORITZ GRENZ - AUDIO POESY - MOVES (2019) OLDENBURGER KUNSTSCHULE - STADT-UTOPIST*INNEN (2019) PERMANENT AKTIV - LICHTUNG (2020) RENKE HARMS - MEMUR  (2020) SCHWARZSEHER - STADT GESTALTEN (2018) TAKE OLDENBURG - TAKE THE SCREEN FILMFESTIVAL (2022) THE WHITE RABBIT - DRESS:CODE  (2022) TIM PFÖRTNER - KLEISTER-KONZERTE (2018, 2019) ULRIKE LISSNER - LOLDENBURG OPEN MIC COMEDY (2023) VASUDEVA - DER OLDENBURG FILM (2018) WIEBKE HEEREN -   VISIBLE CITIES (2022) LUTZ MENKENS ELEKTRONISCHE TANZVERANSTALTUNG IM GLEISPARK Oldenburg ist ein gutes Pflaster für elektronische Tanzmusik - was besonders deutlich Ein außergewöhnliches Ereignis zeigt, dass immer wieder Tausende auf das Gelände des Alten Klärwerks lockt. Die Ravers4Future haben im letzten Jahr mit Rave for Art aber gezeigt, dass durchaus noch mehr geht - von den zahlreichen kleineren Techno-Formaten in den Clubs mal ganz zu schweigen. Where the magic happens: Lutz will sein Tagesrave am Himmelfahrtsdonnerstag 2025 im GleisPark umsetzen. (Bild: Kulturschnack) Nun kommt noch etwas dazu: Lutz Menkens plant am Himmelfahrtswochenende 2025 ein Festivals im GleisPark . Der DJ ist musikalisch vom Fach, besitzt durch seine Mitarbeit auf dem legendären Fusion -Festival aber auch Erfahrungen im Bereich der Organisation. Unterstützt wird er zudem vom Bremer Label Friendly Connections , die fester Bestandteil des Zugvögel -Festivals sind und auch das Irgendwo in unser Nachbarstadt mit aufgebaut haben. Mit ihrem Tagesrave wollen sie aber nicht etwa neue BPM-Rekorde aufstellen, sondern den Fuß vom Gas nehmen: Langsame, organischere Formen der Musik sollen im Vordergrund stehen. Daneben soll es Kunst- und Lichtinstallationen geben, außerdem auch Workshops und Ausstellungen. Ziel ist außerdem eine bessere Vernetzung des Nordwestens, insbesondere zwischen Oldenburg und Bremen. Hört sich gut an? Finden wir auch. MENSO VON EHRENSTEIN KULTURELLI RACING - OLDENBURGS KULTURELLES SEIFENKISTENRENNEN Und noch ein Rückkehrer im Mach|Werk-Kosmos. Menso hatte im Jahr 2020 mit der ersten Variante seiner „Kulturelli“ für große Aufmerksamkeit gesorgt. Man erinnere sich: Damals war Corona gerade in seiner Hochphase, es war die Zeit der Abstandsregeln und Impfnachweise. Alter Schwede: was in Stockholm geht, funktioniert sicher auch in Oldenburg! (Bild: Shutterstock) Mit seiner kulturellen Fahrradrallye sorgte Menso dafür, dass man draußen und unabhängig Kultur begegnen konnte. Die geniale Idee wurde zeitweise sogar Teil der städtischen Tourismus-Angebote . Nun setzt Menso aber noch einen drauf. Während man damals individuell die Spots abradeln musste, holt er die Menschen nun zusammen - und zwar zu Oldenburgs kulturellem Seifenkistenrennen. Eine herrlich verrückte Idee, die voll und ganz zum MACH|WERK-Spirit passt. Wichtig ist dabei, dass es nicht nur um Tempo und Aerodynamik geht, sondern vor allem um Kreativität und Gestaltung. Das Rennen soll möglich viele Menschen ansprechen, die Lust haben, Seifenkisten zu entwerfen, zusammenzubasteln und anzupinseln. Wenn sie dann auch noch fahren, ist alles erreicht. Eines scheint sicher zu sein: Im Juli nächsten jahres wartet ein großes Spektakel auf Oldenburg. Und das setzt immerhin eine Tradition fort: Das älteste bekannte Bild eines Seifenkistenrennens in Oldenburg ist schon von 1953. Höchste Zeit für eine Wiederbelebung! OLIVER GODOW ART BOAT OLDENBURG Oliver Godow? Den Namen hat man doch schon mal gehört? Richtig: Der Fotograf war im Jahr 2023 Stipendiat des Horst-Janssen-Museums und durfte im Zuge dessen dort auch eine große Ausstellung realisieren - die den etwas merkwürdigen Titel „I think the power of photography did hit Mr. Janssen “ trug. Auch im Rahmen der 1. Oldenburger Fototage war Oliver im Stadtraum präsent - ein alter Bekannter also. Mit seinem Metier Fotografie hat sein Projekt aber nur am Rande zu tun. Oliver möchte zeitgenössische Kunst stärker in den Alltag holen und zu diesem Zweck ein Tretboot des Verleihs an der Alten Mühlenhunte künstlerisch umgestalten - wofür aber ein Foto von ihm als Grundlage dient. Mit der Aktion will er nicht zuletzt auch eine Brücke zu den dort ansässigen Kultureinrichtungen - wie Augusteum , Prinzenpalais und Oldenburger Kunstverein - schlagen. Kunst soll Spaß machen, findet Oliver. Und damit man nicht nur das Ergebnis betrachten, sondern auch tiefer einsteigen kann, soll es im Schloss einen Workshop und im Garten des Bootshauses einen After Artwork Abend geben. Wir sind gespannt! SONKA HINDERS & REBECCA KÄPERNICK READING PARTY Einen Trend aus den USA greifen Sonka Hinders und Rebecca Käpernick mit ihrer Reading Party auf. Dort sind die gemeinsamen Lesungen ein Riesenerfolg. Kein Wunder: Die Teilnehmenden treffen sich an einem Ort mit gemütlicher Leseatmosphäre, z. B. in einem Café, bringen ihr eigenes Buch mit und verbringen etwa 90 Minuten stille Lesezeit miteinander, optional mit Snacks und (Heiß-)getränken. Beim Ausklang im Anschluss können die Teilnehmenden sich gegenseitig kennenlernen und sich so mit anderen Lesefans über dieses Hobby austauschen. Dass Sonka und Rebecca das Format kennen, ist übrigens kein Zufall: Die beiden sind Doktorandinnen der American Studies an der Carl von Ossietzky Universität. Sie beschäftigen sich dabei viel mit der Gegenwartskultur in den USA. Dazu gehören seit einiger Zeit die Reading Partys als eine unaufgeregte und - vielleicht gerade deshalb - angenehme Form der Leseförderung mit sozialem Austausch. Dieses Beispiel zeigt: Man muss nicht immer ein Feuerwerk abbrennen und man muss auch das Rad nicht immer neu erfinden. Wenn man sich aufmerksam umschaut in der Welt und gute Ideen nach Oldenburg holt - dann ist das keine lahme Abguckerei, sondern ein Stück Welt vor der eigenen Haustür. Wir supporten diesen Ansatz sehr, denn eine gute Idee wird nicht schlecht, nur weil sie jemand anderes zuerst hatte. Fun Fact: In unserer Nachbarstadt Osnabrück gab es Silent Reading Partys schon 2017 .  SVEN-JANNIK GRÖNE  KÜNSTLERISCHE NEUGESTALTUNG UNTERFÜHRUNG ZIEGELHOFVIERTEL Dieses MACH|WERK-Jahr will Spuren hinterlassen. Nicht nur setzt sich Die Loge mit dem Friedensplatz auseinander, auch Sven-Jannik Gröne will die Stadt umgestalten. Zumindest einen kleinen Teil von ihr, nämlich die Bahnunterführung in der Ziegelhofstraße. Alles neu: Im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven wurde die Brücke über die Ziegelhofstraße erneuert. Schöner ist es unten drunter deshalb aber nicht unbedingt geworden. (Bild: Deutsche Bahn AG/Julian Festerling) Dabei will er aber nicht etwa ein vorgefertiges Motiv nutzen, sondernn in einem partizipativen Gemeinschaftsprojekt mit den Anwohner:innen des Ziegelhofviertels die Gestaltung der Brückenunterführung erst entwicklen. Umgesetzt werden soll dieses Vorhaben mit einer Ideenwerkstatt und einer Konzeptentwicklung mit lokalen Künstler:innen. Die Einweihung soll schließlich mit einem großen Abschlussfest stattfinden. Und das Ziel des Ganzen? Die Stärkung der Identifikation mit dem Viertel - und mehr Kunst im grauen Alltag. Sven-Janniks Idee gehört zur Kategorie „Einfach, aber effektiv“. Jeder Stadtteil kennt diese unwirtlichen Betontunnel, viele Anwohner:innen haben den Wunsch, sie optisch aufzuhübschen. Sven-Jannik hat es dabei nicht belassen und setzt seine Ideen jetzt um. Gut fürs Ziegelhofviertel - und eines gutes Vorbild für alle anderen Quartiere. Schließlich gibt es auch nächstes Jahr Mach|Werk - Oldenburgs Fonds für innovative Kulturprojekte.

  • ACOUSTIC SESSIONS - STAFFEL 2

    Ständig hören wir Songs von Stars aus aller Welt. Doch was ist mit unseren Local Heroes direkt hier aus Oldenburg? Manchmal weiß man leider diesbezüglich über die Heimat irgendwie weniger als über den Rest der Welt. Genau das wollten wir gerne ändern, weshalb wir die Kulturschnack Acoustic Sessions ins Leben gerufen haben. Und aufgepasst, denn nun steht die zweite Staffel des Formats in den Startlöchern und ihr könnt euch ab jetzt für einen der sechs Slots bewerben! Wir suchen euch für die nächste Staffel! Grafik: Kulturschnack Egal ob Soloartist oder Band, ob Rock oder Rap, ob alt oder jung, wir wollen die volle Breite unserer Szene abbilden! Ihr habt am 14. Juni 2025  Zeit? Ihr habt einen  eigenen  Song, den ihr in einer Unplugged Version, also unverstärkt, mit minimalem  Set-Up performen könnt? Ihr seid mobil  und könnt mit euren Instrumenten an einen Ort innerhalb Oldenburgs anreisen? Dann bewerbt euch mit einem kurzen Text zu euch, einem Link zu dem Song, den ihr performen würdet samt Kontaktdaten (inkl. Telefonnummer) bis zum 31. Mai 2025 unter: Betreff “Acoustic Session” kulturschnack@stadt-oldenburg.de Die sechs ausgewählten Acts werden im Anschluss an die Bewerbungsfrist zeitnah kontaktiert! Auf wen wird sich das Spotlight wohl als nächstes richten? Foto: Kulturschnack Wir kennen das alle: Von unseren absoluten Lieblingsstars wissen wir manchmal sogar die Schuhgröße, doch die Band von nebenan? Kennen wir irgendwie, sind aber leider noch nicht dazu gekommen, mal reinzuhören. Diese Bands sind die Propheten im eigenen Lande: Manchmal ähnlich gut wie die Szenegrößen, aber eben ohne den Glamour des Fames. Wir wollten das Sichtfeld der Oldenburgerinnen und Oldenburger diesbezüglich etwas erweitern. Zur guten und völlig berechtigten Fernsicht sollte auch die Nahaufnahme hinzukommen. Nämlich diejenigen, die hier direkt bei uns in Eversten oder Donnerschwee proben und die im Cadillac oder der Umbaubar auftreten. Denn wer weiß? Vielleicht kommen die nächsten Stars aus eurer Nachbarschaft und ihr wäret es, die den berühmten Satz sagen könnten: „Ich kannte die schon damals!" Mainact: Local Hero Für das Kennenlernen der lokalen Szene wollten wir aber nicht einfach nur eine Linkliste aufsetzen und euch im Anschluss das Klicken überlassen. Wir wollten mehr. Deshalb haben wir auf eine persönlichere Variante gesetzt und sechs Acts zu uns eingeladen. Dabei ging es jedoch nicht einfach nur ums Quatschen, sondern auch ums Spielen - und zwar etwas Neues, das ihr nirgendwo sonst so hören und sehen könnt. Es entstand die erste Staffel der Kulturschnack Acoustic Sessions , die wir bereits als vollen Erfolg verbuchen konnten . Das Rezept dabei: eine coole Location, entspannte Atmosphäre, reduzierter Sound und ganz viel Authentizität. Hier findet ihr die vollständige Playlist mit allen Performances der ersten Staffel. Diese Geschichte möchten wir nun weitererzählen und suchen deshalb erneut sechs ausgewählte Oldenburger Musikacts, mit denen wir an einem besonderen Ort innerhalb der Stadt unplugged Versionen ihrer Songs aufzeichnen werden. Denn wir hören uns das natürlich nicht einfachen nur an, wir lassen die Performances professionell filmen und aufnehmen. Und die Ergebnisse? Die teilen wir dann hier natürlich wieder mit euch! Wichtig ist uns dabei vor allem, über die Zeit hinweg mit diesem Format ein möglichst umfassendes Porträt der lokalen Musikszene unserer Stadt zu zeichnen und sie so in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Denn für uns weiterhin ganz klar: Man muss nicht New York sein, um eine fantastische Musikszene zu haben. Hunte statt Hudson, Bümmerstede statt Brooklyn – das funktioniert! Wir freuen uns auf eure Bewerbungen!

  • ROCK GEGEN RECHTS 2025

    Der letzte Abend im April hat einen großen Vorteil: Man hat am Tag danach frei. Deshalb eröffnen sich allerhand Möglichkeiten, etwas Feines mit seiner Zeit anzufangen. Und während die einen ziellos durch den Abend schweifen, haben die anderen ein ganz klares Ziel: Den Schlossplatz. Denn dort - und nicht auf dem ursprünglich angestammten Rathausmarkt - heißt es zum 24. Mal: Rock gegen Rechts. Kämpferisch: Trotz der klaren Symbolik geht es (mindestens) genau so sehr um Musik (Grafik: Rock gegen Rechts) Eigentlich ist der Titel dieser Veranstaltung eine klare Sache: Rock gegen Rechts - da weiß man, was man kriegt. Und dennoch wirft er Fragen auf. Was ist das nun: Konzert? Demo? Was überwiegt und was ist nur Beiwerk? Die klare Antwort lautet: Nichts von beidem. So richtig voneinander trennen kann man das nämlich nicht. Keineswegs handelt es sich um eine reine Demonstration, auf der die Musik nur als akustische Untermalung läuft. Auch sollen die Bands keine knallharten Statements zum Motto des Abends abgeben (tun sie aber manchmal doch ganz gern). Vollkommen unpolitisch ist die Bühne bei „Rock gegen Rechts“ aber auch nicht. Die Bands müssen zwar über keine explizite politische Agenda verfügen, aber sie sollten einen klaren moralischen Kompass haben. Deshalb: keine Chance für solche Jungs! Zum Glück findet man in der Region genügend Bands, die alle Kriterien erfüllen. Und das heißt: Sie passen (A) inhaltlich ins Konzept, weil sie eine Haltung haben und zeigen - und sie haben B) musikalisch einiges drauf, machen live richtig viel Spaß oder beides gleichzeitig. ROCK GEGEN RECHTS MIT: ANCHOR & HEARTS | GRAND HOTEL ABGRUND | VON GRAMBUSCH | OLDENBURGER KNEIPENCHOR DIENSTAG, 30. APRIL, 19 UHR SCHLOSSPLATZ OLDENBURG EINTRITT FREI! Bedenken über Bord Im Grunde müsste man all das eigentlich gar nicht mehr erklären. In diesem Jahr findet Rock gegen Rechts bereits zum 24. Mal statt, wie immer exzellent organisiert von der DGB-Jugend Oldenburg-Ostfriesland, wahrscheinlich wieder mit etwa zweitausend Besucher:innen. Das heißt: seit einem Vierteljahrhundert läuft das Spektakel schon - da müssten es ja mittlerweile alle 175.000 Oldenburger:innen kennen. Oder? Eins ist sicher: Artig und leise wird's nicht bei Rock gegen Rechts 2025. (Bilder: Bands) Nein, leider nicht, zumindest nicht aus eigener Anschauung. Womöglich liegt es am Titel der Veranstaltung: Der ist zwar genau richtig, weil er exakt beschreibt, was man bekommt. Er schreckt jedoch bestimmte Bevölkerungsgruppen ab. Nämlich jene, die mit Rock nichts am Hut haben - und jene, die nicht unbedingt politisch Position beziehen wollen. Deswegen an dieser Stelle unser Appell: Schmeißt alle Bedenken über Bord und kommt am 30. April auf den Schlossplatz, Der Abend zeichnet sich nämlich durch eine besondere Stimmung aus, weil er sehr viel richtig macht. Denn obwohl er bereits im Titel eine klare Aussage trifft, ist die Atmosphäre freundlich, integrativ, angenehm. Dass mit Anchors & Hearts (Post-Hardcore aus Bremervörde), Grand Hotel Abgrund (Nihilist-Synthipunk aus Emden) und Von Grambusch (Pop-Punk mit Akkustikgitarren aus Bremen) gleich drei richtig gute Bands aus dem Norden auf der Bühne stehen, macht den Abend richtig rund. Neugierig? Kein Problem: weiter unten gibt's eine Playlist! ROCKEN GEGEN RECHTS ​ VON DER BÜHNE AUS GESEHEN Viele von uns kennen Rock gegen Rechts aus der Zuschauer:innenperspektive. Aber wir haben uns gefragt: Wie fühlt sich das eigentlich für die Bands an? Darüber haben wir uns mit Gitarrist Maurice und Sänger Joost von Catapults unterhalten, die schon zweimal bei Rock gegen Rechts in Oldenburg auf der Bühne standen - sogar bei ihrem allerersten Konzert! Als bei euch vor ein einigen Jahren die erste Anfrage kam, war euch Rock gegen Rechts schon ein Begriff? Wusstet ihr, worauf ihr euch „einlasst“? Maurice: Das generelle Veranstaltungsmotto „Rock gegen Rechts“ war mir bekannt, die Veranstaltung spezifisch in Oldenburg nicht. Allerdings lebe ich auch erst seit 2017 in Oldenburg und 2018 haben wir das erste Konzert dort und überhaupt in unserer Geschichte gespielt. Bei dem Veranstaltungstitel und -Motto kann es unsererseits keine andere Reaktion als Unterstützung geben, deshalb war ganz klar, dass wir die Einladung annehmen. Wie war es dort aufzutreten, wie war die Stimmung, die Reaktionen? Maurice: Das erste Mal (2018) war etwas ganz besonderes für uns. Ein Konzert mitten auf dem Marktplatz in Oldenburg als „Feuerprobe“ der neugegründeten Band, damals als Opener. Es war aufregend, beängstigend, aber auch eine vorsichtige Bestätigung dafür, dass das was wir machen, in die richtige Richtung geht. Das zweite Mal (2022) sah dann etwas anders aus – nicht mehr Opener, sondern Headliner und keine Feuerprobe, sondern vier Jahre und zahlreiche Auftritte später die deutliche Bestätigung, dass die Richtung stimmt. Es war ganz großartig und ein besonderes Gefühl, nach einigen Jahren zum Startpunkt zurückzukehren und so empfangen zu werden. Der Platz war prall gefüllt, so auch unsere Herzen nach dem Konzert. Die Veranstaltung ist mit sehr viel Liebe organisiert! Ist einer Band irgendwie wichtig, dass es auch eine politische Ebene gibt? Joost : Nicht zwangsläufig. Natürlich kann man die Reichweite nutzen, um politische Inhalte in den Texten zu behandeln, aber ein Muss ist es für uns nicht. Unsere Songs sind nicht politisch, trotzdem haben wir uns auf andere Art und Weise politisch klar positioniert, beispielsweise durch Auftritte bei Rock gegen Rechts und ähnlichen Veranstaltungsreihen. Musik muss authentisch sein – und das kann sie mit oder ohne politischer Ebene. Niemand ist unrockbar Ach, du magst gar keinen Rock? Das ist okay. Dann appellieren wir einfach - wie immer an solch einer Stelle - an deine Neugier. Uns geht es jedenfalls immer wieder so, dass wir Veranstaltungen ganz großartig finden, wenn wir uns voll darauf einlassen - auch wenn sie nicht unseren persönlichen Geschmack widerspiegeln. Mit diesem einfachen Experiment verlässt man seine eigene kleine Blase bzw. seine musikalische Komfortzone und wird mit einer neuen Erfahrung belohnt - ganz egal, wie man sie im Nachhinein beurteilt. Letztlich kann sowieso nichts passieren, schließlich gibt es einen Act ganz ohne Gitarre: Der Oldenburger Kneipenchor ist in diesem Jahr zum dritten Mal als Special Guest mit dabei! Der hat zwar durchaus Rocksongs von Acts wie blink-182 und The Offspring im Sortiment - aber bei einem Chor klingt eben doch alles ganz anders. Wer die vielköpfige Gruppe bisher noch nicht gehört hat, kann - und sollte - das nun endlich nachholen. Bei Musik gilt: Hören ist besser als lesen. Deshalb gibt's hier die Kostproben der diesjährigen Acts! Folgt euren Ohren Letztlich darf man sowieso fragen: Was soll schiefgehen? Rock gegen Rechts ist ein Open Air Live-Konzert im wunderbaren Ambiente des Schlossplatzes, mit tollen lokalen Bands, erstklassiger kulinarischer Versorgung und einer positiven politischen Botschaft. Mehr kann man an einem einzigen Abend gar nicht erwarten. Ihr braucht also nicht ziellos umherzuschwirren, auf der Suche nach dem ultimativen Ziel. Ihr findet es ganz einfach, im Herzen der Stadt. Ihr braucht nur euren Ohren zu folgen. Dort ist alles bereitet für einen großartigen Abend. Schließlich sind zwei Dinge frei: Der Eintritt - und der Tag danach!

  • DIE PIRATENREPUBLIK

    Mit Piraten verbinden wir säbelschwingende Schurken, die Handelsschiffe ausrauben, Küstenstädte überfallen und bei jeder Gelegenheit ihre Beute in Rum investieren. Regeln und Gesetze? Fallen und in diesem Zusammenhang eher nicht ein. Warum das falsch ist, zeigt jetzt die „Piratenrepublik“ am Oldenburgischen Staatstheater. Sie krempelt unser Bild von Piraten um, versetzt es in die Gegenwart - und zeigt nebenbei, zu welch großen Experimenten Theater in der Lage ist. Die ultimative Freiheit? Mit dem Piratenleben gehen einige Klischees einher. Es dürfte aber etwas anders gewesen, als Burt Lancaster uns in „ Der rote Korsar “ vermittelt hat. (Bild: Warner Brothers) Nein, die berühmte Totenkopf-Flagge „Jolly Roger“ - seit jeher das Erkennungssymbol der Piraten - wird an der Exerzierhalle nicht gehisst. Hier ist niemand auf Kaperfahrt oder Schatzsuche, es gibt kein Säbelrasseln oder Kanonendonner. Stattdessen sind andere Dinge zu entdecken: Wahlplakate, Spitzenkandidatinnen, Parteilogos. Alles wirkt, als wäre man in einer Wahlarena gelandet. Und doch steht da „Piratenrepublik“ auf dem Spielplan. Rätselhaft. Was nur, fragt man sich, haben Pirat:innen mit Politik zu tun? Warum gibt es in der Exhalle keine kostümierten Taugenichtse? Ganz einfach: Weil es nicht um die Klischees der Geschichte geht, sondern um die Realität der Gegenwart. Im Hier und Jetzt spielen Freibeuter:innen eben keine große Rolle mehr - was aber nicht bedeutet, das sie nicht trotzdem als Vorbild dienen könnten. Ganz im Gegenteil - wie der Anthropologe David Graeber herausgefunden hat und wie nun im Oldenburgischen Staatstheater zu sehen sein wird. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER PIRATENREPUBLIK FREI NACH DAVID GRAEBERS „PIRATEN - DIE SUCHE NACH DER WAHREN FREIHEIT“ DO 17. APRIL 20 UHR ( TICKETS ) MI 23. APRIL 20 UHR ( TICKETS ) FR 25. APRIL 20 UHR ( TICKETS ) DO 22. MAI 20 UHR ( TICKETS ) MO 26. MAI 20 UHR ( TICKETS ) MI 28. MAI 20 UHR ( TICKETS ) DO 29. MAI 20 UHR ( TICKETS ) MO 02. JUNI 20 UHR ( TICKETS ) MI 04. JUNI 20 UHR ( TICKETS ) FR 06. JUNI 20 UHR ( TICKETS ) EXHALLE JOHANNISSTRAßE 6 26121 OLDENBURG Rebellen mit Kultur Eine eigene Republik ausrufen? Ausgerechnet mit Piraten als Vorbild? Und das auf bundesdeutschem Grund und Boden? Wo es bestimmt eine Verordnung gibt, die solche Umtriebe strengstens untersagt? Darauf muss man erstmal kommen! Gedanklicher Ausgangspunkt: Das Buch von David Graeber. (Bild: Klett-Cotta Verlag) Genau das war aber bei Lukasz Lawicki und Reinar Ortmann der Fall. Der Regisseur und der Leitende Schauspieldramaturg des Oldenburgischen Staatstheaters waren gleichermaßen fasziniert vom Buch „Piraten - Die Suche nach der wahren Freiheit“ des amerikanischen Anthropologen David Graeber . Darin beschäftigt sich der inzwischen verstorbene Autor mit historischen Berichten über eine basisdemokratische, egalitäre Piratenrepublik auf Madagaskar im 18. Jahrhunderts. Zur Erinnerung: Im vermeintlich aufgeklärten, fortschrittlichen Europa waren Freiheit und Mitbestimmung damals noch ein exklusives Luxusgut für die Reichen. Graebers Gedanken verändern den Blick auf die Geschichte. Plötzlich erscheinen Piraten nicht mehr als Haufen wilder, ungebildeter Vagabunden, die sich um nichts anderes scheren als sich selbst. Sie erscheinen als progressive Vorreiter, als Rebellen mit eigener Kultur. Sollte stimmen, was Graeber zusammentrug, dann wären die raubeinigen Seefahrer:innen plötzlich nicht mehr nur gesetzlose Halunken, sondern beinahe schon eine Art Helden. Was für eine Geschichte! Machtspiele und Memes Trotzdem gibt es in der Exhalle keine Holzbeine und Augenklappen zu entdecken. Dem Staatstheater gehe es bei dem Stück nicht um eine Reproduktion der historischen Piratenrepublik, erklärt Lukasz. „Sie ist eher der gedankliche Ausgangspunkt. Wir interessieren uns für den Moment, in dem Menschen sich zusammentun, um eine andere Form von Gesellschaft zu erproben – jenseits von Monarchie und Machtkonzentration.“ Die Protagonist:innen im Stück seien keine Seeräuber:innen, sondern Suchende. „Sie haben eine Idee von Freiheit, aber sie geraten schnell in Machtspiele und Selbstinszenierung. Es geht um die Frage: Was passiert, wenn Utopie auf Realität trifft?“ Grenzen sprengen, Erwartungen brechen: Regisseur Lukasz Lawicki hat Spaß an ungewöhnlichen Theaterformaten. (Bild: ***) Aus dem Stoff wurde aber nicht etwa ein klassisches Schauspiel, sondern ein spektakuläres Theaterevent, das die zeitlichen und räumlichen Grenzen eines üblichen Theaterabends sprengt. Die „ Piratenrepublik “ begnügt sich nämlich nicht damit, auf der Bühne eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen entwarfen Lukasz und sein Team die - vorläufig fiktive - „Freie Piratenrepublik Oldenburg“, die vor einer Stichwahl um die Präsidentschaft und damit einer Richtungsentscheidung zwischen libertär und liberal steht. Die Konzeption schließt den Wahlkampf und die Meinungsbildung mit ein, bevor am Theaterabend die Entscheidung fällt - und so gab es in den letzten Wochen schon Vorab-Events wie eine Bürger:innenversammlung im Foyer des Staatstheaters und Wahlspots auf Instagram. Das Publikum übernimmt auf diese Weise die Rolle des Wahlvolks - von der Meinungsbildung bis zur Stimmabgabe. „Wir wollten, dass das Theater nicht erst um 20 Uhr beginnt – sondern früher. Dass sich etwas entwickelt, das man mitverfolgen kann, das Gesprächsstoff bietet“, begründet Lukasz die aufwändige Konzeption. „In einer Zeit, in der politische Debatten oft über Memes und Clips geführt werden, wollten wir sehen: Was passiert, wenn wir das Mittel der Inszenierung bewusst nutzen, um Fiktion und Wirklichkeit zu verschränken?“ Und wie lautet seine Bilanz nach den ersten Veranstaltungen? Ging dieser Ansatz auf? „Ja, auf jeden Fall. Wir haben viele Reaktionen bekommen, gerade auch von Menschen, die sonst nicht ins Theater gehen. Das war das Ziel!“ Protagonist:innen der Piratenrepublik: Kandidatin Frauke Stein ( Esther Berkel ), Republikgründer Jürgen Wolf ( Darios Vaysi ) und Kandidatin Liselotte Meyer ( Anna Seeberger ). (Bild: Lukasz Lawicki) Die Verantwortung des Theaters Unter die Lupe nimmt die Piratenrepublik dabei nicht nur das Verhalten der Charaktere, sondern insbesondere die Rolle der Medien. Ist das noch Unterhaltung, fragt man sich, oder will das Stück noch sehr viel mehr? „Beides“, antwortet Lukasz entschlossen. „Wir glauben an die Kraft der Unterhaltung, aber auch an die Verantwortung des Theaters, Fragen zu stellen.“ Die Piratenrepublik sei ein Spiel – ein Spiel mit Erwartungen, Rollenbildern und Meinungen. Aber: Ein Spiel mit echten Konsequenzen, zumindest im Denken der Zuschauer:innen. „Wir werfen einen kritischen Blick auf den 'Wahlzirkus', auf Meinungsbildung und Manipulation, aber wir tun das auch mit Spaß an der Übertreibung, am Spektakel. Die Politische Komponente ist hier nicht der Feind des Vergnügens, sondern seine Partnerin.   Wer Lukasz aufmerksam zuhört, spürt schnell, dass ihm das Stück wichtig ist. Schon bei seinem Debüt „ 14 Tage Krieg “ über den russischen Angriff auf die Ukraine war ihm anzumerken, dass er sich mit seinen Themen in positiver Weise identifizieren kann. Kein Wunder, schließlich reiste er seinerzeit eigens bis nach Kiew, wo wir ihn damals per Videocall interviewten . Lukasz ist einer, von dem man sagen würde, dass er „für seine Sache brennt“. Und wahrscheinlich ist dieses Feuer auch nötig, um ein so ambitioniertes Projekt wie die „Piratenrepublik“ zu realisieren. Mehr Gerechtigkeit riskieren? Liselotte Meyer steht für eine Politik der Gemeinsamkeit. (Bild: Lukasz Lawicki) Wilder Ritt mit Struktur Aber keine Sorge: Ein Lehrstück mit erhobenem Zeigefinger müssen wir trotz des Engagements nicht befürchten. „Nein – höchstens ein Lehrstück mit schmutzigen Fingern“ lacht der Regisseur. „Wir zeigen keine eindeutigen Lösungen, sondern laden dazu ein, sich selbst zu positionieren.“ Es gebe keine moralische Überlegenheit. Alle Figuren hätten Stärken, Schwächen und Widersprüche. „Vielleicht ist das unser einziger Zeigefinger: die Einladung, genauer hinzuschauen.“ Fragt sich nur, was das Publikum letztlich in den Vorstellungen auf der Bühne erwartet. Wird es entgegen aller Beteuerungen letztlich doch ein klassisches Schauspiel? Oder eher ein wildes Theaterexperiment? Auch hier lautet Lukasz klare Antwort: „Beides! Ein wilder Ritt – aber mit Struktur.“ Es gebe Figuren, Szenen, Konflikte, Musik – aber das Ganze bewege sich stets in einer Atmosphäre, in der jederzeit etwas kippen kann. „Wir spielen mit der Form, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern um ein Thema greifbar zu machen, das sich klassischen Erzählmustern oft entzieht: die chaotische Gleichzeitigkeit der Gegenwart.“ Von brennender Aktualität Bei der „Piratenrepublik“ geht es also um Piraten, aber nicht um all die Klischees, die mit ihnen normalerweise einhergehen. Dafür gibt es eine große Portion Realitätsbezug. Wie passt das zusammen? „Sehr gut – vielleicht sogar besser, als uns lieb ist“, ordnet Lukasz ein. Die Konflikte, um die es gehe – Macht, Mitbestimmung, Identität, Demokratisierungsprozesse – seien keine Probleme aus der Vergangenheit, sondern brennend aktuell. „Indem wir das Setting in die nahe Zukunft holen, zeigen wir, dass es diese Dynamiken überall gibt: In politischen Bewegungen, auf Social Media, in Parteien, in uns selbst. Die Piratenrepublik ist letztlich ein Spiegel unserer Gegenwart – nur ein bisschen bunter.“ Was ist Freiheit? Frauke Stein ist konsequent libertär und glaubt an die Stärke des einzelnen. (Bild: Lukasz Lawicki) Blickt man sich um in der Welt und schaut man auf all die Krisenherde und Konfliktpotenziale , könnte man den Eindruck gewinnen, dass die theatralische Verknüpfung von Realität und Fiktion wichtiger denn je ist. Schließlich besitzt das Theater eine hohe Wirkungsmacht, was die Offenlegung von Missständen und den Hinweis auf nötige Veränderungen angeht. Lukasz stimmt zu: „Theater darf nicht so tun, als sei es unberührt von dem, was draußen passiert.“ Gerade in Zeiten von Fake News, Algorithmusblasen, despotischen Wahlsieger:innen auf der Welt und eskalierenden Debatten brauche es Räume, in denen man Komplexität aushalten kann – ohne gleich eine Meinung serviert zu bekommen. Wenn wir es gelinge, das Publikum nicht nur emotional, sondern auch gedanklich zu fordern, dann mache Theater seinen Job. „Als Autor und Regisseur des Stücks berührt es mich, wenn das Publikum den Abend als gelungen empfindet. Aber wirklich bedeutsam wird es für mich, wenn die Fragen, die wir stellen, weiterwirken – wenn der Theaterbesuch nicht mit dem Applaus endet, sondern Gedanken in Bewegung bringt.“   Wer angesichts dieser Langzeitwirkung befürchtet, der Spaß bliebe auf der Strecke, müsse sich keine Sorgen machen, versichert Lukasz. „Gerade weil wir so viel Ernsthaftigkeit in der Welt erleben, brauchen wir Bühnen, auf denen gelacht, gestritten, getanzt und gezweifelt werden darf. Spaß ist kein Widerspruch zum Denken – im Gegenteil: Er öffnet Türen. Und wir klopfen ziemlich laut!“ Aufregendes Theaterexperiment Es bleibt ein gedanklicher Spagat: Auf dem Spielplan steht die „Piratenrepublik“, doch all die Bilder, die mit diesem Begriff einhergehen, müssen wir - nun ja - über Bord werfen. Was uns in der Exhalle - und im Vorfeld zur Premiere auch an anderen Orten - geboten wird, entschädigt aber für diese kleine Denksportaufgabe. Lukasz Lawicki und seinem Team ist thematisch, inhaltlich und konzeptionell ein großer Wurf gelungen. Theater wie es hier zu erleben ist - also: Theater, das sich einmischt, das Haltung und Verantwortung zeigt, das neue Wege geht und das bei alledem auch noch gnadenlos gut unterhält - sehen wir nicht alle Tage. Dabei ist es gerade diese Form, die wir heute dringend brauchen. Viele von uns lieben zwar auch die säbelschwingenden Schurken und manche würden auch gern „Jolly Roger“ im Wind über der Exhalle sehen. Doch die Piratenrepublik bietet so viel mehr, dass man das Vermissen schon vergessen hat, bevor sich der Vorhang überhaupt hebt. Die Freie Piratenrepublik Oldenburg mag zwar den Klischees und Erwartungen nicht entsprechen - aber sie ist eines der aufregendsten Theaterexperimente der jüngeren Vergangenheit. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, eine Republik ausrufen? Mit Piraten als Vorbild? Auf bundesdeutschem Grund und Boden? Also: Geht zu einer der zehn Wahlabende in der Exhalle, erfüllt eure republikanische Pflicht - und lasst uns alle mehr Pirat wagen!

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