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MISSION: MACHEN

Es ist fünf Jahre her, da entstand in Oldenburg etwas, dessen Auswirkungen man vielleicht erhofft, aber keinesfalls erwartet hat. Damals nämlich ging MACH|WERK an den Start, Oldenburgs Fonds für innovative Kulturprojekte. Er ist eine Starthilfe für junge Kulturakteur:innen, für Ihre Ideen, Versuche und Experimente. Jetzt wurden die Begünstigten der sechsten Förderrunde bekanntgegeben. Wir stellen sie vor.


Symbolbild für den MACH|WERK-Fonds: Ein Blick auf den alten Kiosk am Pferdemarkt in Oldenburg
All over Oldenburg: MACH|WERK hat schon viele Spuren in der Stadt hinterlassen - jetzt kommen weitere dazu. (Bild: Kulturschnack)

In den vergangenen Jahren sind in Oldenburg Dinge passiert, die in dieser Form für eine Stadt dieser Größe nicht zu erwarten waren. Es gab spektakuläre kreative Zwischennutzungen, sowohl vor als auch mitten in der Pandemie. Es gab abstandsunabhängige kulturelle Fahrradrallyes und individuelle Theaterformate für jeweils eine einzige Person. Es gab innovative Filmprojekte, internationale Austauschformate, gigantische Graffiti-Events und sogar ein mehrtägiges Indoor-Festival.


Was das alles miteinander zu tun hat? Erstmal nichts. Über die Jahre verstreut fanden diese Ereignisse statt, ohne dass sich eine Verbindung herstellen ließe. Dennoch gibt es eine: All das wurde nämlich möglich gemacht durch MACH|WERK, dem städtischen Fonds für innovative Kulturprojekte. Er war mal der Impuls, der Steine ins Rollen brachte, mal der entscheidende Anstoß, eine lang durchdachte Idee endlich umzusetzen und mal das fehlende Puzzlestück in der Finanzierung. Unter dem Strich also: ein Möglichmacher. Und Oldenburg profitiert davon.

 

MACH|WERK

OLDENBURGS FONDS FÜR INNOVATIVE KULTURPROJEKTE


DURCHGÄNGE: 6

BUDGET: AKTUELL 40.000 EURO

GEFÖRDERTE PROJEKTE: 46

FÖRDERSUMME: 330.000 EURO

WERT: UNBEZAHLBAR

 

Ambition und Euphorie


In seiner Septembersitzung hat der Kulturausschuss der Stadt Oldenburg einmal mehr die Entscheidung getroffen, welche der eingereichten MACH|WERKe gefördert werden und welche nicht. Das ist eine Besonderheit: Die Auswahl findet wird nicht von städtischen Mitarbeiter:innen getroffen, sondern von der Politik. Sie maß dem Format so hohe Bedeutung bei, dass sie die Entscheidungen selbst treffen wollte. Zu Recht, wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte, denn von dem Leitgedanken des Ansatzes ließen sich viele -vorwiegend junge - Akteur:innen begeistern.


„Die Stadt ist dein Terrain, Probieren ist deine Methode, Neugier ist dein Antrieb? Perfekt! Denn MACH|WERK geht in die fünfte Runde. In diesem Jahr stehen 40.000 Euro für Unbekanntes, Unverbrauchtes, Ungewohntes zur Verfügung. Klingt gut für dich? Dann her mit deiner Projektidee!“

In diesem Jahr standen 40.000 Euro für die innovativen Kulturprojekte zur Verfügung. Von den insgesamt vierzehn eingereichten Anträgen mit einem Gesamtvolumen von rund 100.000 Euro konnten letztlich sieben ausgewählt werden, die in den kommenden zwölf Monaten die MACH|WERK-Story weiterschreiben werden. Wir stellen sie hier kurz vor.



DINA DUKULE

FIKTIONALER KURZFILM


Die im lettischen Riga geborene Dina hat einen Beruf, der einem nicht gerade jeden Tag begegnet, es sei denn man ist Stammgast im Theater: Sie ist nämlich Bühnenplastikerin am Oldenburgischen Staatstheater. In ihrem MACH|WERK-Antrag spielt das aber nur einen Nebenrolle, denn gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Bühnen- und Kostümbildnerin Wiebke Heeren will sie ein Filmprojekt realisieren.


Die beiden beschreiben es folgendermaßen: "Die majestätische “Halle 10“ auf dem Fliegerhorst, einst ein Kreativtresor für Bühnenelemente die auf ihre künstlerische Transformation warteten, steht nun vor ihrem unausweichlichen Schicksal: das Ende der kreativen Schöpfung - der drohende Abriss steht unmittelbar bevor. Bei der Erkundung entfalten sich die faszinierenden Ebenen und Facetten der Lagerhalle mehr und mehr. In einer Reihe traumhafter Sequenzen, erwachen all die Geschichten, Charaktere und Bühnenbilder zum Leben, und der verstaubte Glanz vergangener Tage lebt parallel weiter. Es ist, als ob die Zeit ihre Grenzen verwischt und der Raum selbst eine Bühne wird, auf der die Magie des Theaters ewig weiterlebt."


Der Fliegerhorst in Oldenburg
Viele Möglichkeiten: Der Fliegerhorst bietet Raum und Räume - einige von ihnen müssen allerdings neuen Entwicklungen weichen. (Bild: Stadt Oldenburg)

Der Film sei eine liebevolle Hommage an die unvergessliche “Halle 10“ und gleichzeitig ein Versuch, die Vergänglichkeit der Dinge zu erfassen, den flüchtigen Augenblick festzuhalten, und Abschied zu nehmen. Mit einfühlsamen Bildern möchte dieser Film die einzigartige Atmosphäre dieses Ortes einfangen und uns dazu inspirieren, den gegenwärtigen Moment zu schätzen, bevor er sich in die Vergangenheit verabschiedet.



JARO BIRKIGT

ZIRKUSRUND


Der selbständige Zirkuspädagoge und Artist ist Trainer bei der Zirkusschule Seifenblase. Er bleibt seinem Metier auch bei MACH|WERK treu, will es aber mit seiner Leidenschaft für das Drechseln verbinden, die er während der Corona-Pandemie für sich entdeckt hat. Seine Idee beschreibt er so:


„Ich möchte ein innovatives und kreatives Projekt mit dem Titel "ZirkusRund" initiieren, das die Welten des Zirkus und des Drechselns miteinander verbindet. Dabei steht die Idee im Fokus, eine partizipative Performance zu schaffen, bei der die Teilnehmenden nicht nur Zuschauende, sondern aktive Mitgestalter*innen werden. Das Projekt wird die erstaunliche Kunst des Drechselns auf einer speziellen fahrrad-betriebenen Drechselbank und einer fahrrad-betriebenen Seifenblasenmaschine in den Mittelpunkt stellen und mit Zirkus-Elementen kombinieren, um eine einzigartige Erfahrung zu schaffen."


Mit Lichtinstallationen von Janusz Kendel: Das Konzert der Leipziger Band WELTEN in der Oldenburger Kulturhalle am Pferdemarkt im Rahmen des MACH|WERK-Projekts „Lichtung“


JANUSZ KENDEL

PARKLATERNE L20


Wenn man so will, ist Janusz ein alter Bekannter. Vor drei Jahren war er - seinerzeit noch als Teil des Permanent Aktiv Kollektivs - schon einmal bei MACH|WERK erfolgreich. Corona-bedingt konnte das Projekt „Lichtung“ allerdings erst im Herbst 2021 realisiert werden. Allen, die damals dabei waren, dürfte es aber in bester Erinnerung sein. Umso schöner, dass Janusz wieder mit einem Projekt am Start ist, das lange in seiner Schublade schlummerte, das er nun aber dank der Unterstützung endlich realisieren kann.


Er beschreibt sein kleines Projekt wie folgt: „Entstehen wird eine Lichtinstallation, die im dunklen Dezember den verlassenen Stadtraum aktiviert, belebt und erhellt. Die Wiese bleibt sich selbst überlassen. In den dunklen Stunden ist die Laterne das einsame Überbleibsel. Intensiv wird die öffentliche Parkwiese in den Sommermonaten von den Bürger:innen genutzt. Dynamik, Energie und Leben prägen das Bild. Darüber hinaus soll der Fokus der festlich geschmückten Innenstadt auf die Lebensräume der Bürger:innen in den Stadtteilen gelenkt werden.“

BEKANNTE NAMEN

MACH|WERK HALL OF FAME


Wie eingangs angedeutet, passieren in Oldenburg viele Dinge, ohne dass man sie miteinander verbinden könnte. Wie viele Veranstaltungen aber die Förderung durch MACH|WERK gemeinsam haben, zeigt die folgende List. Sie ist längst nicht vollständig, bietet aber einen guten Eindruck davon, wie viel der Fonds möglich macht.


ANNIKA LISA RICHTER - FRAUENSACHE (2021)

DIE LOGE - KILLING LONELINESS (2020)

EIKE WEINREICH - IM SCHATTEN DER STADT (2021)

FELIX FREITAG - LUCA (2022)

GESINE GEPPERT - ALTERNATIVE KUNST-KULTUR-KARTE (2021)

HIDDEN ART PROJEKT - POPUP GALLERIES (2019)

HIDDEN ART PROJEKT - KUNST.STADT.KOMMERZ (2020)

JUGENDKULTURARBEIT - CLARA S. (2019)

JUGENDKULTURARBEIT - #FREI#SCHÜTZ (2020)

LARS UNGER - IN TOKIO IST ES STILL (2021)

MADLENE OEPPING - PELLE, DER SPÄTI (2022)

MARIANNA MARTENS - METROPOLY FESTIVAL (2021)

MENSO VON EHRENSTEIN - KULTURELLI (2020)

MORITZ GRENZ - AUDIO POESY - MOVES (2019)

OLDENBURGER KUNSTSCHULE - STADT-UTOPIST*INNEN (2019)

PERMANENT AKTIV - LICHTUNG (2020)

RENKE HARMS - MEMUR (2020)

SCHWARZSEHER - STADT GESTALTEN (2018)

TAKE OLDENBURG - TAKE THE SCREEN FILMFESTIVAL (2022)

THE WHITE RABBIT - DRESS:CODE (2022)

TIM PFÖRTNER - KLEISTER-KONZERTE (2018, 2019)

VASUDEVA - DER OLDENBURG FILM (2018)

WIEBKE HEEREN - VISIBLE CITIES (2022)


MARIANNA MARTENS

PINK POWER


Marianna ist ein echter MACH|WERK-Stammgast. Sie war jetzt zum dritten Mal mit einem Antrag erfolgreich. Im Gegensatz zu „Lichtung“ und dem „Metropoly Festival“ steht nun aber keine Veranstaltung im Mittelpunkt, sondern ein ambitioniertes Filmprojekt mit wichtiger Botschaft.


Der Kinodokumentarfilm „PINK POWER“ soll den persönlichen und emotionalen Geschichten, die hinter einer Brustkrebs Diagnose und Erkrankung stehen, Raum geben, aber zugleich eine sportliche Erfolgsgeschichte erzählen. Die Frauen aus dem Paddelteam der Küsten Pinkies werden nahbar und einfühlsam beobachtet, ihr Kampf gegen die Krankheit damals und heute erzählt.

Teamfoto der Küsten Pinkies
Volle Kraft voraus: Die Küsten Pinkies. (Bild: Küsten Pinkies)

Trotzdem ist „PINK POWER“ nicht nur eine für viele Betroffene nachfühlbare Krankheitsgeschichte, sondern auch eine über sportlichen Erfolg und den Zusammenhalt unter Frauen verschiedenen Alters und verschiedenen sozialen Hintergründen. Somit verfolgt der Film auf seine ganz ruhige, nahe und beobachtende Art und Weise einen feministischen Ansatz. Denn Frauen mittleren und älteren Alters finden so gut wie nicht in Filmen statt - noch weniger werden ihre Erfolgsgeschichten erzählt.“


Ziel des Projektes sei es, am Ende der Postproduktionsphase eine fertige Kinodokumentation in Dauer von 55 Minuten hergestellt zu haben, die die Geschichte der „Küsten Pinkies“ auf dem Weg zur Europameisterschaft im Drachenbootsport erzählt. Ein weiteres Ziel des Films ist es, auf den Drachenbootsport allgemein als wissenschaftlich nachgewiesene therapeutische Maßnahme während und nach der Behandlung von Brustkrebspatientinnen aufmerksam zu machen.



PIA KARIUS

KUNSTKOMPLEX KULTURFESTIVAL


Zwar ist Pia hier die Antragstellerin, das Projekt stemmt sie aber nicht allein. An ihrer Seite stehen Lena Karius, Carl Wiraeus und Shanice Albertine Trninic. Alle vier sind zwischen 22 und 25 Jahre alt und zu drei Vierteln Kunststudentinnen. Bereits im letzten Jahr haben sie im in Oldenburg erstmals mit dem Gedanken des Kunstkomplexes experimentiert, nun aber soll der nächste Schritt kommen.


In Ihrem Zuschussantrag heißt es: „Der Kunstkomplex beabsichtigt, unter anderem die Stärkung der jungen freien Szene in Oldenburg. Es soll als ein Ort der Vernetzung junger, noch zum Teil unerfahrener und noch nicht professionalisierter, regionaler Künstler*innen dienen, welche sich in diesem Rahmen ausprobieren und in die Öffentlichkeit treten können. Wir sind uns bewusst, dass dieser Schritt Mut braucht, weshalb wir als Organisationsteam dabei unterstützend fungieren. Wir bieten uns als Performer*innen sowie den Künstler*innen eine Schaufläche, welche eigeninitiativ und selbstbestimmt ist.



In den letzten Jahren beschäftigte sich der Kunstkomplex intensiv mit der Rolle der Zuschauenden. Wir versuchen eine Alternative zu den gewohnten Guckkasten-Formaten zu finden. Im März 2024 wagen wir eine experimentelle Erfahrung, welche Zuschauende und Performende einbezieht. Durch ein geschicktes Raumkonzept, welches Innen- und Außenraum des Leerstandes mit platzierten Bühnenelementen verbindet, werden auch Passant*innen, die am Ort vorbeigehen, dazu angehalten, mit unserem Festival in Kontakt zu treten.“

Pia, Lena, Carl und Shanice planen, insgesamt 16 künstlerische Produktionen einzuladen, die teilweise ihre Werke ausstellen, zeigen oder live performen werden. Dabei wollen sie neben dem eigenen Netzwerk auch durch Ausschreibungen nach lokalen Künstler*innen suchen. Als weiteres Ziel sehen sie den Austausch unter den Künstler*innen sowie auch zwischen den Künstler*innen und Besucher*innen. Somit sehen sie ihr Kulturfestival auch als sozialen und kulturellen Begegnungsort.



STEPHAN LANTOW

40 JAHRE METRO CLUB


Den Metro Club muss man eigentlich nicht vorstellen oder erklären. Er ist eine Institution im Oldenburger Nachtleben. Was das mit Kulturförderung zu tun hat? Zunächst nicht viel, aufgrund der jüngeren Vergangenheit aber doch einiges. Der Club geriet in finanzielle Nöte, die Mitarbeiter:innen gründeten einen Verein, um diesen Ort der Sub- und Soziokultur für Oldenburg zu bewahren.



Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums soll nun ein Festivals stattfinden, das über den normalen Club-Alltag weit hinausgeht und viele weitere Akteure einbindet. Angedacht sind z.B. Workshops, eine Theateraufführung, ein Konzert, eine Kunstausstellung sowie Gesprächs- und Diskussionsveranstaltungen zu verschiedenen Themen.


Stephan hofft auf eine große Bandbreite an Interessierten für den Metro Geburtstag: „Allgemein lässt sich sagen, dass die Veranstaltung für alle Kunst- und Kulturinteressierten relevant ist. Aber auch Kreativschaffende könnten von den Workshops und Ausstellungsmöglichkeiten angezogen werden. Sie könnten den Geburtstag als Chance sehen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, ihre Fähigkeiten zu erweitern und ihre Werke einem breiteren Publikum zu präsentieren. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf jungen Erwachsenen, da Nachwuchsförderung ein wichtiges Anliegen des Metro Clubs ist. Es sollen auch Menschen, die offen für neue Erfahrungen sind und gerne lernen, angesprochen werden."



ULRIKE LISSNER

OPEN MIC STANDUP COMEDY Einigen von uns dürfte Ulrike mit ihrem Format LOLdenburg schon begegnet sein. Bereits seit 2019 ist sie in der Comedy-Szene aktiv und hat sich dort längst als Aktivposten ausgezeichnet. Während die großen Stars längst keine Förderung mehr brauchen, weil sie auch große Hallen ausverkaufen, ist es bei den Nachwuchskünstler:innen ganz anders. Sie brauchen Unterstützung, um die ersten Schritte auf ihrem Weg zu gehen - und dafür sind Open Mic Formate ideal.


Lachende Menschen bei einem Comedy Format in Oldenburg
Testballon: In diesem Sommer war LOLdenburg bei Pelle, der Späti zu Gast. (Bild: Foto_Oldenburg)

„Wir orientieren uns an Konzepten aus anderen Städten wie Hamburg, Berlin oder Hannover“, erklärt Ulrike im Antrag. „Sechs bis acht Comedians werden einen Zeitslot von sieben bis zehn Minuten haben, um neues Material zu testen. Auftreten darf jede:r der/die möchte - vom absoluten Newcomer bis zum ́Profi ́. Mit unserem OpenMic möchten wir einen sicheren und vertrauensvollen Raum schaffen, in welchem Menschen sich ausprobieren können. Scheitern gehört mit dazu - wenn wir wertschätzend und optimistisch damit umgehen, kann es eine unglaublich treibende Kraft werden.“


Die Ziele der Veranstaltung gehen dabei deutlich über das pflegte Anlachen hinaus: „Wir möchten Abwechslung in das kulturelle Angebot von Oldenburg bringen. Des Weiteren möchten wir einen Raum schaffen, in welchem Menschen sich frei austesten und somit entfalten können. Zusätzlich soll unsere Veranstaltung die Gastronomie an eher schwach frequentierten Tagen unterstützen.“


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