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  • LEIDER WAHR, TROTZDEM WITZIG

    Das Oldenburger Kulturjahr ist noch keine zwei Wochen alt, wenn der erste große Höhepunkt ansteht: Am 13. Januar beginnen die 31. Oldenburger Kabarett-Tage - und treffen auf Menschen, die kaum noch glauben können, welch Wahnsinn gerade in der Welt passiert. Das Motto lautet deshalb: „Leider wahr". Welche Künstler:innen kommen, was Kabarett von Comedy und Poetry Slam unterscheidet und warum Fans aller Genres voll auf ihre Kosten kommen? Verraten wir hier. Das kann doch nicht...: Für viele Nachrichten gilt das Prinzip: Leider wahr. (Bild: Studierendenwerk Oldenburg) Was ist eigentlich Kabarett? Einfache Frage, komplizierte Antwort. Denn viele Erklärungsansätze ähneln letztlich der Beschreibung von Comedy - und provozieren damit natürlich die Frage, wo überhaupt der Unterschied liegt. Dass beides komisch ist, liegt auf der Hand. Wenn man nach Unterschieden suchen möchte, dann findet man vielleicht jenen, dass Kabarett etwas politischer, inhaltsschwerer, niveauvoller, gesellschaftsrelevanter oder „missionarischer“ ist. Das Kabarett sucht nicht unentwegt nach der nächsten Pointe, sondern geht auch mal den Umweg über eine Erklärung und Einordnung. Klingt umständlich, ist aber ein echtes Plus! Ein Haken an der Sache war allerdings lange, dass Kabarett noch ein wenig Altherrencharme und einen Hauch Besserwisserei mit sich trägt. Das rührte aus früheren Tagen, als sich die ersten Kabarettisten (das Maskulinum ist hier kein Zufall) ihre Nische erst erkämpfen mussten - was in der Regel erst gelang, als sie die Pubertät schon eine Weile hinter sich hatten. Das Kabarett von heute ist aber jung, aktuell, intelligent, ironisch und frech. Genau deswegen grenzt es an die Comedy, ist aber trotzdem nicht deckungsgleich. Das Prinzip heißt: Weglachen mit Niveau - und das ist eine Kunst für sich! 31. OLDENBURGER KABARETT-TAGE: LEIDER WAHR DI 13. JANUAR CHRISTL SITTENAUER ( TICKETS ) DO 22. JANUAR LARA ERMER ( TICKETS ) DO 19. FEBRUAR PHILIPP SCHARRENBERG ( TICKETS ) DI 24. FEBRUAR TERESA REICHL ( TICKETS ) THEATER UNIKUM CAMPUS UHLHORNSWEG   26129 OLDENBURG DO 15. JANUAR ALEX STOLDT ( TICKETS ) DO 5. FEBRUAR ABDELKARIM ( TICKETS ) SA 14. FEBRUAR SIMON & JAN ( TICKETS ) SA 28. FEBRUAR SUCHTPOTENZIAL ( TICKETS ) KULTURETAGE BAHNHOFSTRAßE 11   26122 OLDENBURG VOLLES PROGRAMM ALS PDF: HIER Eine Kunst für sich Die Keimzelle der Kabarett-Tage liegt passenderweise in der Universität. Dort, genauer gesagt: an der studentischen Bühne Unikum , entstanden sie vor drei Jahrzehnten. Sie waren so erfolgreich, dass der kleine Saal für 120 Personen irgendwann nicht mehr ausreichte und das Studierendenwerk als Organisatorin eine Kooperation mit der Kulturetage einging. Heute werden je vier Shows an jedem Standort gespielt - gebucht jeweils von einem Akteur vor Ort. Im Falle der Kulturetage ist das Uwe Schwettmann, für das Studentenwerk übernimmt das Jürgen Boese . Mit ihm haben wir uns unterhalten. Für Jürgen sind es bereits die elften Kabarett-Tage, inzwischen darf man ihn als Kenner der Materie bezeichnen. Das war aber nicht immer so: „Ich hab damals einen echten Cross-Einstieg hingelegt“, erzählt der Kulturreferent. „Vorher war ich nicht in der Szene aktiv, ich hab mich da aber schnell reingearbeitet.“ Wie läuft sowas ab, fragt ihr euch? Heutzutage leider nicht mehr, indem man quer durch die Republik von Bühne zu Bühne fährt, um die Newcomer live zu erleben, sondern per YouTube-Scouting. „Klar, da schaut man sich viel an“, verrät Jürgen. „Im Auge behalten muss man aber auch die vielen Kleinkunst-Preise.“ Sie seien ein guter Seismograph für Qualität. Dass es die Kabarett-Tage bei seinem Amtsantritt schon lange gab, empfand Jürgen als Glücksfall. Das erfolgreiche Format passt einfach in dass Umfeld einer Universität: „Bildung kann auch auf der Bühne passieren“, weiß Jürgen, der selbst oft als Schauspieler, Musiker und Moderator im Rampenlicht steht. „Mit den Kabarett-Tagen können wir politisch und kulturell bilden und Augen öffnen.“ Dass dabei der Spaß alles andere als zu kurz kommt, macht die Erfahrung umso intensiver und - man kann es so salopp sagen - besser. Auch selbst oft am Mikrofon: Jürgen Böse (Bild: Die Farbschmiede) Trotz allem gab es für den Kulturreferenten in den letzten Jahren einiges zu tun. Die Kabarett-Tage waren zwar grundsolide, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Sie lebten von einem treuen Stammpublikum, sprachen die jüngere Generation - sprich: die Studierenden - aber nur noch bedingt an. „Genau das wollten wir ändern. Genau das haben wir auch geschafft“, ist Jürgen stolz auf die Bilanz der letzten Jahre. Und tatsächlich: Den Kabarett-Tagen ist es gelungen, jünger, diversifizierter und weiblicher zu werden. Und genau diese Veränderungen macht auch das Publikum durch. „Es ist alles wieder studentischer - aber ohne die alten Fans zu vergraulen“, betont Jürgen. Im Jahre 2025 ist soigar erstmal eine Parität erreicht: Es sind jeweils vier weibliche und vier Männliche Acts in Oldenburg zu Gast. „Das war kein. ausdrückliches Ziel, das wir unbedingt erreichen wollten. Es hat sich so ergeben - was es fast noch schöner macht!“ ​  EINFACH MAL ANGUCKEN Ihr habt durch das Programm gescrollt und außer Abdelkarim keinen Namen gefunden, den ihr kennt? Macht nichts! Dann wagt einfach das Experiment und entdeckt das Unbekannte. Das kann nämlich ungeahnte Folgen haben. So war es bei Sarah Bosetti. Die  kennt ihr nämlich höchstwahrscheinlich doch, weil sie in den letzten Jahren eine formidable Karriere hingelegt hat. Insbesondere mit ihrem Format „Bosetti will reden!“ auf dem ZDF  hat sie enorme Bekanntheit erlangt und spielt bei ihren Solotouren meist in ausverkauften Hallen. Aber: Vor sechs Jahren war noch alles anders. Am 18. Februar 2020 war Bosetti nämlich zu Gast bei den 25. Oldenburger Kabarett-Tagen. Aus allernächster Nähe konnte man sie damals im Unikum erleben, kurz danach begann der steile Aufstieg. Genau das kann - und wird - auch in Zukunft wieder passieren. Vielleicht sogar mit einem Gast aus diesen Jahr? Darum gilt: Hingehen, ansehen - und die Stars von morgen schon heute sehen.    Leider wahr Ein roter Faden der Kabarett-Tage sind auch die klugen Titel. Oft wirken sie betont plakativ, nur um beim näheren Nachdenken eine große Hintergründigkeit zu offenbaren. So ist es auch dieses Mal: Anfang der 2010er Jahre gab es mal eine Floskel, die damals extrem überstrapaziert wurde, nicht zuletzt weil Deichkind einen geradezu ikonischen Soundtrack zu dem Spruch abgeliefert hatten: Leider geil . Anstelle dieses hedonistisch-ironischen Statements sind inzwischen andere Dinge gerückt. In der Welt passieren viele irritierende, verstörende Dinge, die man besser nicht mit „leider geil“ kommentiert, sondern mit „leider wahr“. Diese beiden Worte drücken einerseits ein Störgefühl aus, das man inzwischen nicht nur täglich, sondern an vielen Tagen auch stündlich in sich spürt. Viele alte Gewisseheiten haben ihre Gültigkeit verloren, wir scheinen geradewegs auf eine Idiocracy zuzusteuern. Was bis vor kurzem noch unvorstellbar war, ist nun die neue Normalität - und das schreit geradezu nach kabarettistischer Aufarbeitung. Gleichzeitig ist der Shift von „geil“ zu „wahr“ auch ein Ausdruck einer atmosphärischen Zeitenwende. Wie leicht wirkt die Phase der frühen 2010er im Vergleich zu heute? Damals gab es noch kein Corona, keinen Ukraine-Krieg, nicht mal einen Trump im Weißen Haus. Aber deswegen resignieren? Nein! Herzhaft drüber lachen ist die deutlich bessere Alternative - und dazu habt ihr jetzt Gelegenheit! Alte Bekannte: Einige Acts der 31. Oldenburger Kabarett-Tage - wie Alex Stoldt, Lara Ermer oder Teresa Reichl - waren beim mega-angesagten Format „Falsch, aber lustig“ zu Gast. Schaut unbedingt mal rein! Traditioneller Ticket-Alarm Die typischen Stärken des Programms zeigen sich in diesem Jahr ausgerechnet anhand zweier bittersüßer Nachrichten, denn zwei der acht Vorstellungen sind bereits im Vorfeld der Ka barett-Tage beinahe ausverkauft. Das betrifft zum einen am 15. Januar einen Shooting Star der Szene: Alex Stoldt . Er ist mit seinem neuen Programm in der Kulturetage zu Gast und der begleitende Pressetext ist so gut auf den Punkt gebracht, dass wir ihn hier vollständig wiedergeben: „Das neue Solo von Alex Stoldt heißt „QUASI NICHTS“ und der Titel verspricht auf jeden Fall nicht zu viel!“ Das war's, mehr Infos gibt es nicht! Zweifellos ein Bold Move für jemanden, der noch gar nicht so lange dabei ist. Aber das zeigt: Hier kommt jemand mit großer Chuzpe - und das hat Alex zu Recht, weil er schlicht und einfach ein starker Künstler ist, den man nicht verpassen sollte. ( TICKETS ) Ebenfalls fast ausverkauft ist die Show von zwei Künstlerinnen, die schon etwas länger dabei sind und die sich in den letzten zwölf Jahren einen legendären Ruf erspielt haben: Julia Gámez Martin und Ariane Müller aka Suchtpotenzial. Die beiden sind genauso sehr Liedermacherinnen wie Comediennes und wissen in beiden Rollen aufzufallen. Einerseits durch charmante Songtitel wie „Genauso scheiße“ oder „Ficken für den Frieden“, andererseits - und vor allem - durch ihre unglaubliche Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass ihre Show bei den 29. Kabarett-Tagen restlos ausverkauft war und ein ebenso restlos begeistertes Publikum hinterließt - ebenso übrigens wie an vielen anderen Orten der Republik. Beeilt euch, damit ihr am 28. Februar bei diesem musikalischen Comedy-Spektakel dabei sein könnt! ( TICKETS ) Der dritte im Bunde jener, die höchstwahrscheinlich vor einer vollen Kulturetage spielen, ist ein alter Bekannter aus unzähligen TV-Formaten und ein Urgestein der deutschen Comedyszene. Keine Frage: Mit Abdelkarim haben die Kabarett-Tage einen der bekanntesten und erfolgreichsten Künstler verpflichtet. So bekannt und erfolgreich, dass wir ihn und sein Programm „Plan Z“ hier gar nicht mehr groß bewerben müssen - zumal er kürzlich mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2026 ausgezeichnet wurde. ( TICKETS ) Große Promotion haben auch zwei weitere Künstler kaum nötig, denn sie sind die Lokalmatadoren im diesjährigen Programm. An Simon & Jan kommt man in Oldenburg kaum vorbei - aber sie sind keineswegs bloß Helden der Heimat und nur wegen des Lokalbonus im Line-up. Nein, im gesamten deutschsprachigen Raum werden sie von vielen Fans verehrt und gefeiert. Umso schöner, dass sie am 14. Februar mal wieder in Oldenburg zu Gast sind und uns zeigen, dass sie nichts verlernt haben. ( TICKETS ) Entdeckungen im Unikum Traditionell etwas unbekannter - und wir behauopten: deswegen besonders aufregend - sind die Künstler:innen, die das Unikum bspielen, also die Keimzelle der Kabarett-Tage. Dort treffen sich die etwas jüngeren, noch etwas unbekannteren Acts - mit der Betonung auf „noch“. Denn gemeinsam haben sie alle eines: Sie sind auf dem Weg nach oben und stehen am Anfang großer Karrieren. Wenn man so will, blickt man im Unikum, in die Zukunft der nationalen Comedy-Szene. Und manchmal ist es sogar so, dass ein Künstler -Grüße gehen raus an Alex Stoldt - zwischen seiner Verpflichtung und dem Auftritt so berühmt wird, dass er in die Kulturetage wechseln muss. Am 13. Januar reicht für Christl Sittenauer hoffentlich noch das Unikum, doch wer weiß, wie lange das noch gilt? Die bayerische Comedy-Urgewalt reist aus München an und erklärt uns bestimmt, was es mit dem Titel ihres Programms „Frauen sind keine Menschen“ auf sich hat. Ist das nur eine billige Provokation? Oder steckt sehr viel mehr dahinter? Das erfahrt ihr nur, wenn ihr euch Christl live anschaut- und garantiert herzlich über die Antwort lacht! ( TICKETS ) Ebenfalls im Süden zuhause ist Teresa Reichl , die übrigens auch mit Christl Sittenauer schon gemeinsame Programme gespielt hat. Woran es wohl liegt, dass so viele aktuelle Acts südlich des Mains zuhause sind? Wahrscheinlich ist der Alltag im ländlichen Bayern so erzkonservativ, dass Kabarett beinahe schon eine natürliche Abwehrhaltung ist. Anyway: Teresa gehört zu jenen Comediennes, die kein Blatt vor den Mund nehmen und bei denen man sicher auch am 24. Februar im Unikum häufig denkt: „Das hat sie doch jetzt nicht gesagt!?“ Ihre Auftritte sind ein wahres Fest für alle, denen wir viel zu viel Small Talk machen oder die das Gefühl haben, dass wir die wichtigsten Dinge gar nicht erst aussprechen - vor allem die intimen und persönlichen. ( TICKETS ) Wagt das Experiment Das Programm komplettieren zwei weitere junge Künstler:innen, die jeweils eine eigene Nische in der Comedy-Welt gefunden haben, die sie mit zunahmenden Erfolg bespielen. Da wäre zum einen die studierte Psychologin Lara Ermer, die am 22. Januar ihr Programm „Leicht entflammbar“ spielen wird. Die Endzwanzigerin hat sich nach ihrem Studium gegen einen Alöltag in der Praxis entschieden und beweist inzwischen auch auf größeren Bühnen, dass sie genau dorthin gehört. Bei den 31. Kabarett-Tagen dürft ih sie nochmal im kleinen Unikum sehen. Wir gehgen aber davon aus, dass ihr nächter Besuch in der Kulturetage stattfinden wird, denn Lara gehört eindeutig zu jenen, deren Weg steil nach oben geht. ( TICKETS ) Die Nische von Newcomer Philipp Sharrenberg ist eine andere als die von Lara. Zwar haben auch die „Mindfucks“ in seinem Programm „Verwirren ist menschlich“ eine psychologische Ebene, bei ihm spielt aber auch Musik eine große Rolle, die man so wie bei ihm sicher noch nirgendwo gehört hat. Sagen wir mal: Ein b egnadeter Sänger ist er eigentlich gar nicht, aber die Songs funktionieren trotzdem. Oder gerade deswegen? Egal, ihr könnt es am 19. Februar live rausfinden. Fest steht: Als Zwangsneurotiker weiß Philipp, wie die Gesellschaft tickt und welche Knöpfe er drücken muss, um sie zappeln zu lassen. Mit viel Witz und Herz und vollem Körpereinsatz erforscht er ihre seelischen Ab- und Beweggründe, um Klarheit zu stiften, wo Wirrnis im Hirn is’. ( TICKETS ) Was wirklich zählt Was ist was? Diese Frage ist entweder für Kinder und Jugendliche auf der Bilderbuch-Entdeckungstour durch unsere Welt - oder ganz egal. Denn darauf kommt es nicht an, solange man intelligent unterhalten wird. Die Unterscheidung „Comedians machen den Job wegen dem Geld, Kabarettisten wegen des Geldes“ bleibt daher eine bewusste Provokation - mit einem Funken Wahrheit. Für das Oldenburger Publikum zählt letztlich aber nur eines: Mit den Kabarett-Tagen bekommt es eine wunderbar vielfältige Mischung aus den Genzbereichen von Comedy, Poetry Slam, Satire und - nun ja - Kabarett. Das ist, wie oben beschrieben, inzwischen ungeheuer vielfältig, hat aber eine große Gemeinsamkeit: Was ihr an den acht Kabarett-Abenden im Unikum und in der Kulturetage zu hören bekommt, ist zwar alles leider wahr - aber trotzdem witzig!

  • ZEICHENFESTIVAL: DENKEN MIT DEM STIFT

    Beim Oldenburger Zeichenfestival wird nicht nur gezeichnet – hier wird gedacht, geforscht, reflektiert. Seit rund 20 Jahren bringt das Festival Jugendliche zusammen, die sich eine Woche lang mit einem gesellschaftlich relevanten Thema künstlerisch auseinandersetzen. Heraus kommen Arbeiten, die berühren, überraschen und manchmal auch provozieren. Anlässlich des 10. Zeichenfestivals im Herbst 2025 haben wir mit Festivalleiter Georg Lisek gesprochen – über künstlerische Freiheit, Vertrauen und die Kraft, sich selbst zu begegnen. Intensive Zeit: Die Teilnehmenden der Oldenburger Zeichenfestivals tauchen tief ein in Thema und Materie und erleben eine stille, konzentrierte, intensive Zeit - wie hier im Prinzenpalais. (Bild: Izabela Mittwollen) Ortstermin in der Oldenburger Kunstschule in der Weskampstraße. Zum Zeitpunkt unseres morgendlichen Besuchs sind die Gänge und Räume im ehemaligen Handwerksbetrieb still und leer. Dennoch verströmen sie eine spezielle Aura, um nicht zu sagen: Magie. Dass hier Kunst gedacht, gelernt und geschaffen wird, ist überall zu sehen und zu spüren - etwa anhand der zahlreichen Staffeleien oder der bunt befleckten Tische in jeder Höhe und Größe. Am liebsten würde man selbst loslegen, so stark ist die Wirkung. Doch wir haben anderes zu tun. Denn inmitten dieses Szenarios wartet Georg Lisek . Der gebürtige Berliner ist selbst Bildender Künstler und kam 2019 zunächst nur für die Leitung des 7. Zeichenfestivals nach Oldenburg. Obwohl er seinerzeit in Dresden zuhause war und Lehrbeauftragter an der dortigen Hochschule für Bildende Künste war, konnte Oldenburg ihn überzeugen. Einige Jahre später zog Gerog von der Elbe an der Hunte und hatte für das Zeichenfestival viele neue Ideen im Gepäck. Welche davon er bereits umsetzen konnte, was er hingegen unangetastet gelassen hat und was das Festivals aus seiner Sicht wichtig macht? Das hat er uns im Interview verraten. In seinem Element: Georg bei der Eröffnung der Ausstellung zum 10. Oldenburger Zeichenfestivals im September 2025. (Bild: Izabela Mittwollen) Georg, du warst nicht von Anfang an beim Projekt dabei, kennst dich aber inzwischen ziemlich gut aus. Kannst du kurz erzählen, worum es in diesem Format geht? Das Zeichenfestival wurde vor rund 20 Jahren gegründet. Es entstand aus dem Wunsch heraus, Jugendliche stärker für die Kunstschule zu begeistern – nicht im klassischen Kursformat, sondern als Festival. Viele Kunst- und Musikschulen haben das Problem, dass Jugendliche sich in der Pubertät zurückziehen. Wir wollten das ändern und sind mit Projekten direkt an Schulen gegangen, haben Workshops entwickelt, die kürzer und thematisch konzentrierter sind. So entstanden über die Jahre Formate wie „ Zeichnen und Bewegung “ oder „ Schwarmzeichnen “. Zuletzt ging es 2023 unter dem Titel “ Zeichnen und Zombies “ ums Anderssein und 2025 bei „ Zeichnung und Sex “ um das Spannungsverhältnis von Körper und Gesellschaft. Wenn man „Festival“ hört, denkt man sofort an Bühnen, Musik, Publikum. Die gibt es bei euch alles nicht. Warum ist die Bezeichnung trotzdem richtig? Ich habe selbst lange gebraucht, um zu verstehen, wie Zeichnen und Festival zusammenpassen. Für mich war ein Festival immer etwas Lautes, Gemeinschaftliches, fast Rauschhaftes. Und tatsächlich hat das Zeichenfestival auch etwas davon – aber eben auf eine stille, konzentrierte Art. Rund 150 bis 200 Jugendliche arbeiten eine Woche lang gemeinsam an einem Thema. Sie tauchen richtig ein, verlieren das Zeitgefühl, merken, dass Kunst machen Arbeit ist, ernsthafte Auseinandersetzung. Und am Ende entsteht etwas, das sie so noch nie erlebt haben. Still und konzentriert: Statt Bands und Bühnen begegnen die Teilnehmenden des Oldenburger Zeichenfestivals vor allem sich selbst. (Bilder: Izabela Mittwollen) Findet das Festival eigentlich an einem festen Ort statt oder wechselt ihr die Locations? Es findet an ganz unterschiedlichen Orten statt. Wir arbeiten in den Räumen der Kunstschule, aber auch an Orten, die wir speziell für die Workshops aussuchen. Einmal haben Jugendliche Animationsfilme gemacht – dafür haben wir eine Tiefgarage genutzt. Da war es stockdunkel, kein Tageslicht, und sie haben sich eine Woche lang komplett in ihre Arbeit vertieft. In diesem Jahr waren wir unter anderem im Prinzenpalais am Damm. Gibt es ein Erlebnis, das für dich besonders typisch für das Festival ist? Ja, viele Jugendliche merken hier, dass Zeichnen nicht einfach nur „ein hübsches Bild malen“ bedeutet. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich selbst, mit dem Thema, mit Kunst überhaupt. Dieses Jahr ging es um „Sex, Körper und Gesellschaft“. Einige 15-Jährige haben am Ende Selbstporträts gemacht, teilweise abstrahiert, teilweise nackt – so, wie sie sich selbst wahrnehmen. Das fand ich unglaublich stark. Ich hätte mich in dem Alter nie so geöffnet. Das Festival schafft es, Jugendliche in eine intensive Arbeit hineinzubringen, in der sie sich selbst neu begegnen. Sich selbst neu begegnen: Im Alltag passiert so etwas ja eher selten. Genau. Beim Festival kommen Dinge zur Sprache – oder zum Ausdruck –, die man sonst nie sehen würde. Ich sage oft: Durch das Zeichnen schauen wir den Jugendlichen in die Köpfe. Die Zeichnungen zeigen Themen, die sprachlich gar nicht so leicht zu fassen wären. Gerade beim Thema Sexualität war das sehr deutlich. Aber egal ob Sex, Bewegung oder Aggression – durch die Zeichnungen werden Diskurse sichtbar. Wir sehen Genderfragen, Körperbilder, gesellschaftliche Haltungen – alles in Linien, Formen, Farben. Du deutest es an: Eure Themen sind also oft gesellschaftlich relevant. Ist das eine bewusste Entscheidung? Anfangs war das gar nicht so geplant, das hat sich ergeben. Früher dachte ich, man müsse vorsichtig sein mit solchen Themen. Heute denke ich das Gegenteil: Wir dürfen nicht vorsichtig sein. Kunst kann Wut, Gewalt, Sexualität, Krieg oder Frieden thematisieren – und sie muss es sogar. Das gibt uns eine Verantwortung. Und es macht Mut, immer wieder neue, schwierige Themen anzupacken. Die Jugendlichen sprechen dabei nie direkt aus persönlicher Erfahrung, sondern über Stellvertreter, über Symbole. Das schafft Distanz und erlaubt trotzdem Tiefe. In einer Kunstschule geht es also nicht nur um Technik, sondern auch ums Denken? Ja, absolut. Es gibt den Satz: „Ich zeichne, also denke ich.“ Man könnte auch sagen: Zeichnen ist Denken mit dem Stift. Man beobachtet nicht nur, was man sieht, sondern auch sich selbst – das eigene Wollen, Sehnen, Denken. Und wenn man die Zeichnung ernst nimmt, fragt man sich: Was will sie von mir? Was fordert sie? So entsteht eine Auseinandersetzung, die weit über das Handwerk hinausgeht. Powerhouse: An der Oldenburger Kunstschule gibt es keinen Stillstand, ständig arbeitet das kleine Team an neuen Ideen und Formaten. (Bilder: Kulturschnack) Können die Jugendlichen eigentlich eigene Ideen einbringen? Das ist sogar unsere Grundhaltung: Wenn ein Kind oder Jugendlicher eine Idee hat, ist es unsere Aufgabe, diese Initiative zu unterstützen. Wir verstehen uns als Begleiter der Projekte der Kinder. Natürlich gibt es thematische Rahmen, aber innerhalb dessen haben sie viele Freiheiten. Erlebst du oft, dass die Kinder und Jugendlichen von sich selbst überrascht sind? Permanent. Das ist eigentlich das Ziel unserer Arbeit. Wenn Kinder merken, dass etwas entstanden ist, das nur sie selbst schaffen konnten – dann ist das eine umwerfende Erfahrung. Diese Erkenntnis, selbst die Ursache zu sein, ist unglaublich kraftvoll. Ihr arbeitet mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die oft auch aus anderen Teilen Deutschlands stammen. Genau. In einer Großstadt gäbe es vielleicht genug lokale Künstler, um so etwas allein zu stemmen, aber in Oldenburg holen wir uns gezielt Leute von außen dazu. Das bereichert enorm. Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel eine Künstlerin dabei, die transidentisch ist. Das war auf mehreren Ebenen spannend – künstlerisch, aber auch menschlich. Solche Begegnungen erweitern den Horizont, auch für die Jugendlichen. Große Vielfalt: Die Herangehensweisen, mit denen die Teilenehmenden das Thema umsetzten, unterschieden sich deutlich voeinander. (Bilder: Izabela Mittwollen) Das klingt insgesamt nach einer sehr inspirierenden Erfahrung. Wie wird man denn Teil des Festivals? Wir arbeiten mit vielen Schulen zusammen und fragen dort gezielt an. Lehrkräfte koordinieren das, und die Jugendlichen entscheiden natürlich selbst, ob sie teilnehmen möchten. Sie werden dafür vom Unterricht befreit – das muss also gut organisiert werden. Wer nicht möchte, muss natürlich nicht teilnehmen. Was erhaltet ihr denn für Rückmeldungen von den Teilnehmenden? Meist sehr positiv. Viele sagen, sie hätten sich Schule immer so gewünscht – lebendig, forschend, intrinsisch motiviert. Natürlich gibt es auch Jugendliche, die danach sagen: „Das war ganz schön intensiv, jetzt reicht’s auch erst mal.“ Aber genau das zeigt ja, wie tief die Erfahrung war. Wie kann die Oldenburger Öffentlichkeit das Festival erleben? Wir versuchen, immer auch Arbeiten im öffentlichen Raum zu zeigen. Dieses Jahr ist uns das wieder gelungen: Die schwäbische Künstlerin Janina Schmid hat eine Installation aus dünnem Stahlgestänge im Schlossgarten geschaffen – die steht immer noch dort. In manchen Jahren haben wir auch Litfaßsäulen beklebt, zum Beispiel 2023 zum Thema „ Anderssein “. Künftig wollen wir sogar eine eigene Litfaßsäule dauerhaft bespielen, um Kunst junger Menschen ständig im Stadtraum sichtbar zu machen. Starke Resonanz: Zur Ausstellungseröffnung des 10. Oldenburger Zeichenfestivals kamen neben Bürgermeisterin Petra Averbeck und Kulturdezernent Holger Denckmann auch viele Interessierte. (Bilder: Izabela Mittwollen) Das alles klingt nach viel Arbeit, aber auch nach viel Begeisterung. Absolut. Es ist intensiv, aber auch beglückend. Wir haben eine solide Förderung, die uns ermöglicht, viele Angebote kostenlos anzubieten. Das ist wichtig – damit Kunst allen offensteht. Und wir merken, wie stark das wirkt. Dann wünschen wir euch weiterhin viel Erfolg – und sind gespannt auf das nächste Festiva l. Danke. Wir freuen uns schon sehr auf das, was kommt. Tatsächlich ein Festival Zugegeben: Wir haben uns ein wenig schwer getan, den Begriff „Festival“ mit der stillen Arbeit des Zeichnens in Einklang zu bringen. Zunähcst scheinen diese beiden Welten nicht zusammenzupassen. Aber wenn man Georg über das Ereignis sprechen hört - darüber, wie frei die Jugendlichen plötzlich agieren, wie sie alles andere um sich herum vergessen und am Ende von ihren eigenen Fähigkeiten überrascht werden - ergibt alles einen Sinn. Denn mir einem „Workshop“, einem „Kurs“ oder einem „Projekt“ wären das spannende Format einfach nicht ausreichend beschrieben. In der Art und Weise, wie es die jungen Teilnehmenden mitnimmt - oder besser gesagt: mitreißt - hat es eindeutig einen Festivalcharakter. Ganz ausführlich: Im November 2022 haben wir uns in unserem Podcast ausführlich mit Annekathrin Scheer, Deliane Rohlfs und Georg Lisek über die Arbeit der Oldenburger Kunstschule unterhalten. Hört unbedingt mal rein! (Bild: Kulturschnack) Aber lassen wir die Begrifflichkeiten mal kurz beseite. Am meisten zählt natürlich, was beim Oldenburger Zeichenfestival tatsächlich passiert. Und auch in dieser Hinsicht hallen Georgs Worte noch lange in unseren Ohren nach. Sebst wenn man das Alter der Zielgruppe längst hinter sich gelassen hat, ertappt man sich bei dem Gedanken: Da wäre ich gern dabei gewesen! Beim Zeichenfestival wird eben nicht nur gezeichnet – es wird gedacht, geforscht, reflektiert. Kein Wunder, dass viele Teilnehmende sich wünschen, dass Schule immer so inspirierend sein könnte. Beim Zeichenfestival lernt man nicht nur Handwerkliches, sondern auch vieles über sich selbst und seine Sicht auf die Dinge. „Denken mit dem Stift“ - das ist mehr als eine knackige Überschrift, das ist eine gute Beschreibung dessen, was beim Festival passiert. Und der Rest der Stadt? Hat dank der öffentlichkeitswirksamen Aktionen im Stadtraum und der Ausstellungen im Core auch etwas davon und kann auf diese Weise selbst einmal den jungen Menschen „in die Köpfe schauen“. Das Oldenburger Zeichenfestival mag sich also von vielen Namensvettern deutlich unterscheiden. Gemeinsam hat es mit ihnen aber die hohe Bedeutung für den Standort, die enorme Attraktivität für die Zielgruppe und: ein wenig Magie.

  • KOLUMNE: KICKSTART INS KULTURJAHR

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Kickstart: Die Ballettsparte des Oldenburgischen Staatstheaters startet mit „Demo-Mode“ schon ab dem 9. Januar ins neue Kulturjahr. (Bild: Stephan Walzl) Frohes Neues! Wie oft haben Sie in den letzten Tagen diese kurze Formel benutzt, die bei aller Knappheit so viel aussagt? Wahrscheinlich unzählige Male. Ich habe über diese beiden Worte nachgedacht und festgestellt: Für mich bilden sie eine der schönsten Kombinationen der deutschen Sprache. „Froh“ verbindet das warme Wohlgefühl der Freude mit einer beinahe beschwingten Leichtigkeit. Und direkt darauf folgt das „Neue“, dieses unverbrauchte, noch vollkommen unverfälschte Jahr, das darauf wartet von uns gestaltet und erlebt zu werden. Mal ehrlich: Was kann’s denn Schöneres geben?   Nun ist es aber gar nicht selbstverständlich, dass wir alle froh sind, auch wenn wir uns das in diesen Tagen so häufig wünschen. Die Zeiten sind komplizierter als ein knackigkurzer Neujahrsgruß. Die immer neuen Verwerfungen in der Welt, die sich in ihrer Gesamtheit umso bedrohlicher anfühlen, machen es uns nicht leicht und der Volkssport Doomscrolling tut sein übrigens dazu. Wie schafft man es, dass das „Frohe Neue“ keine Floskel bleib? Wie können wir selbst dazu beitragen, negative Gedanken-Spiralen durchbrechen und unseren Alltag als etwas Wertvolles zu begreifen?   Das kickt: Thorstens neue Kolumne teilt sich eine Seite mit dem wunderbaren Stadt:Ensemble. (Bild: Oldb. Staatstheater)   Positiv für die Psyche   Wahrscheinlich habe ich an dieser Stelle keine große Spannung aufgebaut. Auf der Suche nach Antworten wandert mein Blick natürlich zur Kultur. Aber keine Sorge, ich werde jetzt nicht eine meiner persönlichen Erfahrungen schildern, die einen positiven Effekt nur subjektiv belegen würden – obwohl es einige davon geben würde. Nein, ich begebe mich lieber auf das solide Feld der empirischen Forschung. Die Auswirkungen von Kunst und Kultur auf unser Gemüt und unsere Psyche sind nämlich mehr als der individuelle Eindruck eines einzelnen, sie sind längst bewiesen! Und gerade erst hat auch unsere Nachbarstadt Bremen Erkenntnisse dazu gewonnen. Am 31. Dezember endete dort ein dreijähriges EU-Pilotprojekt zum Thema „Kunst auf Rezept“. Dabei wurde Mediziner:innen die Möglichkeit für etwas eröffnet, das es in Großbritannien oder den USA schon länger gibt, nämlich Besuche von Kulturveranstaltungen ärztlich zu verschreiben. Das ist nicht etwa eine Kultur-Förderung durch die Hintertür, das ist eine Anerkennung psychologischer Realitäten. Die Begegnung mit den verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst wirkt sich positiv auf unser Befinden aus und kann Denkmuster nachhaltig beeinflussen.   Als ich davon hörte, habe ich in Bremen nachgefragt: Wie sind die Erfahrungen? Und die Antwort lautete: Überaus positiv . „ Das enorme Potenzial als innovativer und kosteneffizienter Weg zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, der Rehabilitation und der Prävention ist durch das Projekt bestätigt worden“, hieß es aus der Behörde für Gesundheit. Eine Frage drängte auf: Wäre das Modell auch etwas für Oldenburg? Um das herauszufinden, habe ich mich in der Kulturszene umgehört – und stieß auf differenzierte Antworten. Sie zeigen, dass es bei diesem Thema nicht darum geht, ein paar leere Stühle zu besetzen oder verwaiste Ausstellungsflure zu füllen. Den Akteur:innen aus Oldenburg ging es nicht um die eigene Bilanz, sondern um das Wohl der Betroffenen. Einig waren sich alle Befragten in der Überzeugung, dass die Kultur für die psychische Gesundheit viel leisten kann. „Sie schenkt neue Perspektiven, verbindet und gibt Kraft“, ist etwa Generalintendant Georg Heckel überzeugt. Insofern würde ein ähnliches Projekt in Oldenburg sehr begrüßt. Viele wiesen aber auch darauf hin, dass die Kunst auf Rezept keine Therapie oder Medikamente ersetze. Sie müsse eingebettet sein in eine Gesamtstrategie - könne dort aber eine wichtige Rolle übernehmen.     Kultur hilft immer   Zum Glück sind viele von uns nicht in der Situation, für „Kunst auf Rezept“ infrage zu kommen. Doch auch in Oldenburg nehmen Fälle von Depressionen und Burn-outs, Stress- und Angstzuständen zu – und hier kann das Angebot präventiv wirken. Es ist erwiesen, dass Kunst und Kultur dabei unterstützen können, den Geist zu öffnen, Empfindungen zuzulassen und Denkprozesse anzustoßen. Was sich in uns aufstaut und manchmal so sehr verkrustet, dass wir nicht mehr vorwärts kommen (weder gedanklich noch tatsächlich), kann durch einen Theaterbesuch, eine Ausstellung, einen Konzertabend ein Stück weit gelockert werden. Und das wäre bereits sehr viel wert.   Und all die anderen? Diejenigen, die von psychischen Problemen nicht betroffen sind? Haben genauso viel davon! Wenn nichts verkrustet ist und gelöst werden muss, können wir die Inspirationen durch die Kultur vollauf genießen. Sie treffen direkt in unsere kognitiven und emotionalen Zentren und können uns hier wie dort tief bewegen. Vielleicht ist das Ergebnis sogar ein Wohlgefühl der Freude, verbunden mit einer beinahe beschwingten Leichtigkeit? Vielleicht wird uns auch bewusst, dass nicht nur Anfang Januar etwas Unverbrauchtes, noch vollkommen Unverfälschtes vor uns liegt, das wir gestalten und erleben können, sondern an jedem neuen Tag? Wenn irgendetwas dazu in der Lage ist, dann die Kultur – per Rezept verschrieben oder nicht. In diesem Sinne: Frohes Neues!

  • DER KLANG DER STRAßE

    Open Air? Bei diesem Stichwort denken wir sofort an große Festivals wie Deichbrand oder Hurricane. Es geht aber auch eine Nummer kleiner: In den Fußgängerzonen können wir unter freiem Himmel immer wieder wunderbare Künstler:innen entdecken, die uns mit ihrer Straßenmusik unvermittelt in ihren Bann ziehen. Eine von ihnen ist Ayla Schofield. Was für sie den Klang der Straße ausmacht, warum sie in der City spielt und wohin die Reise noch gehen soll - das erzählt sie hier. Place to be: Aylas zentraler Spot - hier an der Ecke Haarenstraße/Lange Straße - lohnt sich für sie, aber auch fürs Publikum. (Bild: Monique Ebeler) Straßenmusiker:innen sind freie Geister, haben aber durchaus feste Gewohnheiten. Das betrifft zum Beispiel ihre Spielorte: Oft findet man die Künstler:innen auf größeren Plätzen, wo sie und ihr Publikum Raum zur Entfaltung finden. Ein gute Bühne bilden aber auch innenstädtische Kreuzungen und Weggabelungen, denn dort vermischen sich verschiedene Passant:innenströme und sorgen für hohe Frequenz. In der Oldenburger Innenstadt befindet sich solch ein Ort in der Langen Straße, wo sie zusammen mit Gast-, Haaren- und Schüttingstraße einen kleinen Stadtraum bildet. Dort findet man: Ayla Schofield . Und schon während man ihr langsam näherkommt, fällt etwas auf. Man hört nicht etwa flüchtig eingeübte Klassiker oder unsaubere Gesangslinien. Nein, man hört ausgereiftes Material, eine klare und angenehme Stimme und fehlerfreies Gitarrenspiel. Sofort ist klar: Hier spielt nicht jemand, die sonst nirgendwo erwünscht ist. Es muss mehr dahinterstecken. Und so ist es auch, wie Ayla uns im Gespräch erzählt hat. Die nächste Taylor Swift Dass die Musik von Ayla so ausgereift klingt, ist natürlich kein Zufall. „Ich hab schon als Jugendliche viel Straßenmusik gemacht“, blickt sie zurück. „Vor allem, um Übung für meine Live-Performance zu bekommen.“ Dafür sei die Innenstadt das ideale Umfeld: mit großer Öffentlichkeit, aber ohne hohe Erwartungen. Entspannt aber erwartungsvoll: Country-Musikerin Ayla Schofield vor dem Core in der Oldenburger Heiligengeiststraße. (Bild: Kulturschnack) Schon als Kind reifte in Ayla der Wunsch, die Musik zu ihrem Beruf zu machen. Sie lernte Fiddle und Gitarre, machte Fortschritte bei Gesang und Songwriting und übte, übte, übte. „Früher waren das sieben oder acht Stunden am Tag“, wie sie verrät - und auch heute sind es im Durchschnitt noch vier. Diesen großen Einsatz hört man ihrer Musik an und versteht ihre Ambitionen. Doch auch wenn sie von der großen Karriere träumt, bleibt sie realistisch: „Man kann immer nur sein Bestes geben. Dann wird man sehen, wie weit der Weg führt.“ Auffällig ist an Ayla jedoch nicht nur ihre professionelle Performance, sondern auch ihr Outfit. Karohemd, Bootcut Jeans und Cowboyhut deuten an, wohin die Reise geht: Hier gibt es Country Music - eine Leidenschaft, die Ayla von ihren Eltern geerbt hat. Ihr ist bewusst, dass es dieses Genre in Norddeutschland nicht immer leicht hat, doch sie nimmt die Rolle als Botschafterin an: „Viele denken noch an die Siebziger Jahre-Cowboy-Schlager, aber Country hat sich enorm weiterentwickelt.“ Heute sei er eine zeitgemäße Musikrichtung mit eigener Szene in Deutschland, ganz ohne Stars & Stripes-Patriotismus. „ Man sollte den Begriff nicht einengen“, findet die Sängerin. Country vermische sich zunehmend mit anderen Stilen wie Pop oder Folk und werde damit auch massentauglicher. Zudem mangelt es nicht an großen Vorbildern - schließlich hat auch Taylor Swift mit Country angefangen. Jenseits der Klischees Mit der Straßenmusik gehen bestimmte Klischees einher: Mal eine romantische Verklärung als ein selbstbestimmtes, freies Leben an wechselnden Orten - mal die sorgenvolle Vermutung, dass die Künstler:innen auf jeden Cent angewiesen sind. Sollte etwas Wahres daran sein, wäre Ayla eine Ausnahme. Als reisende Vagabundin muss man sich die 22-Jährige jedenfalls nicht vorstellen. Statt mit einem klapprigen Van über staubige Straßen kam sie früher mit dem Zug nach Oldenburg. Ihre Anreise aus Wüsting war in wenigen Minuten erledigt. Heute kann sie zu Fuß zu ihrem Auftrittsort in der Langen Straße laufen. Von ihren Gastspielen in der Oldenburger Fußgängerzone konnte sie auch deutlich mehr finanzieren als nur die nächste Mahlzeit, nämlich ihre erste EP. „Das hätte ich mir sonst gar nicht leisten können“, ist Ayla sich bewusst. Tatsächlich sei der Verdienst bei der Straßenmusik in Deutschland gar nicht so schlecht: „Wenn man dranbleibt und das regelmäßg macht, hat man ein ordentliches Nebeneinkommen.“ Ungewöhnlich für eine Straßenmusikerin ist auch eine Teilnahme bei The Voice of Germany . Ayla war im Jahr 2019 dabei und blickt heute mit gemischten Gefühlen darauf zurück. Zwar tauche man dort in eine reine Kunstwelt ein, die mit Country nicht viel zu habe, aber „der Druck dort hat mich ordentlich gepusht.“ Schon bevor man auf der Bühne stehe, habe man fünf Casting-Runden hinter sich bringen müssen. Zudem gab es viel Bühnen- und Interviewcoaching. „Das war ein gutes Trainingslager“, lacht Ayla. Im Nachhinein ist sie aber froh, nicht weiter gekommen zu sein: „Man muss dann bereit sein, seine eigenen Vorstellungen aufzugeben. Das wollte ich gar nicht“, gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen. Lehrreich: Mit 17 Jahren nahm Ayla an „The Voice of Germany“ teil. Die Kunstwelt der Castingshow war weit weg vom gängigen Country-Image. Mal umringt, mal unsichtbar 2019 war auch das Jahr, in dem Ayla begann, regelmäßig in der Oldenburger Fußgängerzone zu spielen. Wie fühlt es sich an, auf der Straße zu stehen, während die Passant:innen darüber nachdenken, ob sie noch ein Paar Schuhe anprobieren wollen, wo es einen guten Kaffee gibt oder wie lange das Parkticket noch läuft? „Am Anfang kostete es ein bisschen Überwindung“, denkt Ayla zurück. Zwar hatte sie mit ihren 17 Jahren schon Bühnenerfahrung, die Fußgängerzone habe aber ein ganz anderes Feeling. Letztlich seien die Auftritte inmitten des Einkaufstrubels aber sehr schnell normal geworden. Das Gefühl sei bis heute jeden Tag anders, auch wenn man an der gleichen Ecke stehe, erzählt Ayla weiter. „An manchen Tagen hören viele Menschen zu und es bilden sich richtige Trauben vor mir. Das ist dann eine noch direktere und intimere Erfahrung als auf der Bühne, weil kein Licht blendet und man sich auf Augenhöhe begegnet.“ Es gebe aber auch andere Momente, in denen die Auftritte nicht mehr seien als ein Job. Das betreffe Phasen mit besonders schlechtem Wetter, aber auch Tage, an denen es richtig voll ist: „Dann rennen die Leute nur an einem vorbei, alle haben was zu tun, niemand hört zu.“ Wenn man in der Masse geradezu unsichtbar werde, kratze das durchaus an der Künstlerseele, gibt Ayla zu. Das dürfe man aber nicht persönlich nehmen: „Es ist ja kein Konzert. Die Leute kommen nicht, um Musik zu hören. Aber trotzdem ist es natürlich schöner, wenn die Menschen meine Arbeit honorieren.“ Mal im Zentrum der Aufmerksamkeit, mal weitgehend unbeachtet: Das Schicksal von Straßenmusikerinnen ist wechselhaft. (Video: Monique Ebeler) Das Vorbild Montenegro Der fehlende Graben zwischen Künstlerin und Publikum könnte dabei ein entscheidender Faktor sein: Man kommt durchaus mal ins Gespräch. „Das kommt eigentlich bei den meisten Auftritten vor“, berichtet Ayla. „Das ist super schön, darüber freue ich mich jedes Mal.“ Generell sei es aber gar nicht so einfach, in Deutschland Stimmung zu erzeugen und die Passant:innen zum Stehenbleiben zu motivieren. „Es ist tatsächlich etwas mühsam, eine gute Atmosphäre oder sogar Begeisterung entstehen zu lassen. Das könnte gerade in der wärmeren Jahreszeit noch viel mehr sein.“ Ayla hat den Vergleich. Zwar hat sie in Oldenburg eine feste Heimat, das Leben im Van ist ihr aber dennoch nicht fremd. Mit ihrer Musik war sie schon in Ländern wie Griechenland oder Montenegro unterwegs. Dort gäben die Leute zwar weniger, weil das Einkommens-Niveau niedriger sei. Aber: „Die Menschen strahlen sehr viel mehr Ruhe aus, hetzen nicht immer zum nächsten Termin. Da bleibt man auch mal stehen und hört sich drei Songs an.“ Danach erfolgten sogar häufig noch Einladungen auf ein Getränke und Gespräch. „Das ist einfach eine ganz andere Atmosphäre, die ich mir hierzulande auch noch mehr wünsche.“ Fast schon ein Star Während hierzulande viele Menschen an Ayla vorbeilaufen, kennt man sie im Rest der Welt schon etwas besser. Zu einem Song des jungen Country-/Folk-Stars Oliver Anthony veröffentlichte Ayla im vergangenen Jahr auf ihrem YouTube Channel ein Video, in dem sie den US-Künstler mit Fiddle und Gesang begleitet. Das berührende Lied gewann durch sie nochmal an Tiefe und löste weltweit begeisterte Reaktionen aus. Nicht weniger als 1,8 Millionen Menschen haben sich das Video bereits angeschaut Unter ihnen: Oliver Anthony selbst, der es sehr positiv kommentierte und mit dem sie im Februar 2024 schließlich in Utrecht auf der Bühne stand. Fsst zwei Millionen Views: Ayla sang und spielte die Fiddle zu Oliver Anthonys „I want to home“ - und traf damt den Nerv eines globalen Publikums. Für Ayla sind solche unvorhersehbaren Entwicklungen wichtig: „Ich schaue natürlich schon auf die Szene in den USA und in Kanada, weil da einfach mehr möglich ist.“ Besonders positiv: Die virale Aufmerksamkeit verhallte nicht im Netz, sondern löste einige konkrete Anfragen für Konzerte und Festivals aus. Die neue Generation Solange der endgültige Durchbruch jenseits des Atlantiks noch ausbleibt, konzentriert Ayla Schofield sich aber genauso gern auf den heimischen Markt: „Ich merke, dass Country auch in Deutschland größer wird“, erklärt die Vollblutmusikerin. Und dazu trägt sie auch selber bei: Mit ihren jungen Kolleginnen Alina Sebastian (25) und Lisa-Marie Fischer (33) trat sie im Juni 2024 als „Queens of Country Germany“ nicht etwa auf der Straße auf, sondern im Core . Pop oder Country? Rein äußerlich unterscheiden sich die „Queens of Country“ Alina Sebastian, Lisa-Marie Fischer und Ayla Schofield (vlnr) nicht von ihren Kolleginnen in den Charts. (Bilder: Künstlerinnen, Agenturen) Damit waren in der Heiligengeiststraße drei aufstrebende Vertreterinnen einer neuen Country-Generation zu Gast, die mit den alten Klischees nicht mehr viel am Cowboyhut haben und die ihre Musik stattdessen jung, smart und attraktiv präsentieren - so wie es in den USA längst der Fall ist. „Wir alle mögen es, wenn sich traditionelle Instrumente wie Geige oder Mandoline mit modernen Arrangements verbinden“, erzählt Ayla mit strahlenden Augen und man merkt ihr dabei die authentische Begeisterung für ihre Musik an. Gemeinsam haben die drei Singer-Songwriterinnen aber nicht nur ihr Faible für Country und Folk, sondern auch ihre Herangehensweise: „Wir erzählen Geschichten aus unserem Leben, zu denen hoffentlich jeder einen Bezug findet. Es handelt sich um ehrliche, persönliche Musik. Das ruft niemand 'Yeehaw!' Country-Feeling: Die aktuellen Singles von Ayla Schofield machen schon visuell deutlich, in welche Richtung es geht. Aber: Nicht klassisch, sondern modern. Klickt auf die Bilder, um die Videos zu sehen. Mehr Neugier wagen Straßenmusik wird es in Deutschland vermutlich weiterhin nicht leicht haben. Viele Menschen präferieren offensichtlich eine Art kulturellen Ablasshandel: Lieber reichlich geben als intensiv zuhören. Davon profitieren die Künstler:innen natürlich finanziell. Noch schöner wäre es aber, wenn man sich etwas Zeit nehmen und Aufmerksamkeit schenken würde. Denn das Beispiel Ayla zeigt: Manchmal steht dort vielleicht ein heimlicher Star an der Straßenecke. Bei der jungen Musikerin soll vorerst dennoch alles beim Alten bleiben. „Rund um unser Queens of Country-Konzert waren es wirklich intensive Wochen, in denen ich wenig Straßenmusik gemacht habe“, schränkt sie zwar ein. Das soll sich aber wieder ändern: „In Zukunft will ich eigentlich wieder zweimal pro Woche in der Fußgängerzone spielen. Solange ich hier bin, wird das Teil meines Lebens bleiben.“ Alle, die sie bisher verpasst haben, haben also noch die Chance, es besser machen als manch andere: Einfach mal stehen bleiben, zuhören, genießen. Das ist der Klang der Straße - und eine echte Attraktion!

  • ALLE JAHRE WIEDER

    Wenn man ein Magazin oder Blog betreibt, dann sind herzliche Neujahrgrüße an die werte Leserschaft obligatorisch. Deshalb hier und jetzt: Einen schönen Jahreswechsel euch allen - bzw. viel Freude bei euren Feiern, egal was, wie und wann! Etwas mehr Inhalt darf es bei uns aber schon sein, Und deshalb gibt es noch eine kleine Zugabe. So ähnlich war es auch damals: Vorweihnachtlicher Konsumwahnsinn. Total furchtbar, aber immerhin Anlass für ein paar tiefergehende Gedanken. (Bild: Shutterstock) Dieser Text erschien ursprünglich vor neun Jahren, am 23. Dezember 2016, auf einem kleinen Internet-Portal namens Facebook. Er ist im Kontext der damaligen Zeit zu sehen, hat größtenteils aber nichts von seiner Aktualität verloren. Wenn man dieser Tage also in den Schlangen der Supermärkte verbringt, kommen euch vielleicht auch Gedanken wie die folgenden. Alle Jahre wieder: Schlangestehen im Supermarkt. Jede Minute eine gefühlte Stunde. Und nur ein Gedanke: Wie schön das ist! Weil man nicht für eine Wasserration ansteht und nicht für medizinische Hilfe. Und weil man nicht damit rechnen muss, dass man beim Warten bombardiert wird. Und weil man dabei nicht Spielball irgendwelcher weit entfernten Mächte ist, die sich nicht für unser Schicksal interessieren. Und weil man danach wieder in ein Zuhause zurückkehren kann, das ein Dach und vier Wände hat. Das sogar beheizt ist. Wo Haustiere leben, die keinen praktischen Nutzwert haben und die wir trotzdem füttern. Und wo der Rest der Familie wartet, ohne zwischendurch irgendwelchen Gefahren ausgesetzt gewesen zu sein. Und weil ich dort dauerhaft bleiben kann und keine Flucht in ein anderes Land antreten muss, wo es Menschen gibt, die meine Not nicht akzeptieren und mich wieder loswerden wollen. Weil es nur wenige Meter und Minuten bis hierher waren und kein beschwerlicher Tagesmarsch. Weil ich vor Hunger nicht schon halb wahnsinnig bin, sondern bestenfalls einen Appetit verspüre. Weil in den Regalen nicht nur etwas vorhanden ist, sondern weil ich sogar eine Auswahl habe. Weil nicht nur das reine Überleben, sondern auch Geschmack und Genuss eine Rolle spielen. Und weil wir uns dafür entscheiden können, das Doppelte für ein Produkt auszugeben, weil es ökologisch sinnvoller ist als ein anderes oder weil es die artgerechte Haltung eines Tieres verspricht. Weil ich all diese Waren tatsächlich bezahlen kann. Weil sogar die weniger Wohlhabenden von uns in einem Reichtum leben, der in anderen Teilen der Welt vollkommen unvorstellbar ist. Weil wir nicht nehmen müssen, sondern auch geben dürfen. Weil die Menschen um mich herum vielleicht genervt sind, aber keine Not leiden. Weil sie möglicherweise im Stau standen, aber in einem Gefährt, das luxuriöser ist als die meisten Häuser auf diesem Planeten. Weil sie sich vielleicht ärgern, dass Weihnachten auf ein Wochenende fällt, aber das Glück haben, so etwas wie Weihnachten feiern zu dürfen und so etwas wie ein Wochenende zu kennen. Und weil wir - wenn uns alles zu viel wird - medizinisch versorgt und therapiert werden, anstatt zu siechen, zu sterben und liegengelassen zu werden, weil niemand mehr die Kraft hat, uns zu begraben. Weil bei unseren Festessen kein Stuhl leer bleibt, weil wir in Kämpfen und Kriegen um unsere Heimat einen nahen Angehörigen verloren haben. Weil wir über Gin- und Whiskysorten diskutieren können, deren Flaschenpreis über dem durchschnittlichen Jahreseinkommen in manchen Regionen liegt. Oder über Fußballspieler, deren Einkommen sich auf dem Niveau der Bruttoinlandsprodukte mancher asiatischer oder afrikanischer Staaten bewegen und deren Berufskleidung von Kindern aus diesen Regionen genäht wurde. Weil viele von uns nach dem Fest verreisen können, ohne durch vermintes Gebiet zu müssen oder von Partisanen oder einer Guerillatruppe angegriffen zu werden. Weil wir über Dinge wie Klimawandel und Erderwärmung Bescheid wissen und die Option haben, unser Verhalten zu ändern, ohne unser Leben zu riskieren. Und weil wir trotzdem verreisen können, weil wir uns so einen Luxus wie kognitive Dissonanz erlauben. Und weil wir in der Lage sind zu wissen oder herauszufinden, was eine kognitive Dissonanz eigentlich ist. Weil wir uns bei den guten Vorsätzen für das neue Jahr mit Dingen wie Sport, Gesundheit oder Bildung beschäftigen dürfen. Weil wir überhaupt die Gelegenheit haben, Vorsätze fassen zu können anstatt einfach nur überleben zu wollen. Weil unser größtes Problem die Zeit ist, die uns fehlt - obwohl wir sie doch haben und nur nicht richtig nutzen. Aber zum Glück kann man das beim Schlangestehen im Supermarkt. Wo jede Minute eine gefühlte Stunde dauert. Und wo ich heute denke: Wie schön das ist!

  • DAS BESTE ZUM SCHLUSS: 2025

    Es ist wieder diese Zeit des Jahres: Überall tauchen Listen auf, in denen Menschen ihre Highlights des vergangenen Jahres nennen. Und der Kulturschnack? Macht hemmunsglos mit! Wir haben liebe Menschen aus der Kulturszene sechs kurze Fragen gestellt. Ihre Antworten sind zweierlei: Eine Erinnerung an das Jahr 2025 - und unsere musikalischen, filmischen und literarischen Tipps zum Jahreswechsel. Viel Spaß! Willkommen in der Gegenwart: Wie jedes Jahr prompten wir nur „Das Kalenderjahr 2025“ und schauen, was die Canva KI draus macht. Es bleibt asiatisch-präapokalypitsch. (Bild: Canva KI auf Basis menschlicher Kreativität) Für manche ist es die schwerste Aufgabe des Jahres: Darüber nachzudenken - oder sogar sich darauf festzulegen - was die Highlights der der letzten zwölf Monate waren. Der beste Song, der beste Film, das beste Buch? Schwiiiierig! Wir haben aber trotzdem danach gefragt. Und viele Menschen, mit denen wir in diesem Jahr gesprochen, gearbeitet, oder was ausgeheckt haben, haben uns ihre Favoriten g enannt. Ihr wollt ganz tief eintauchen? Null Problemo! Eine Spotify-Playlist findet ihr ebenfalls im Artikel. Enjoy! HANNA PUKA VERMITTLUNG | STAATSTHEATER Bester Song: Nina Chuba - „Fata Morgana“ - wenn meine 6-jährige Tochter dazu inbrünstig mitschmettert. Nur dann. Bester Film: „ In die Sonne schauen “ von Mascha Schlinski. Im Rennen um den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Bestes Buch: Lea Ypi – ‚Aufrecht, Überleben im Zeitalter der Extreme‘, ein Buch darüber, wie zerbrechlich die Wahrheit ist. Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Dass sich in den Oldenburger Quartieren, wie z.B. in Bloherfelde oder Donnerschwee durch ehrenamtliches Engagement neue Kulturräume geöffnet haben, wie z.B. die ALTE SCHMIEDE oder das GLOBE . Einfach grandios. Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Zu sehen, wie die Jugendlichen des Jugendclubs „ Erzähl mir keine Märchen “ beim Bundestreffen Jugendclubs an Theatern in Nürnberg und die Jugendlichen des Theaterstücks „Flügelschläge“ beim Theatertreffen der Jugend in Berlin auch ein ihnen fremdes, junges Publikum mit ihren Arbeiten begeistern konnten – und wie sie dabei großartige Theaterfestivals mit Hunderten jungen Menschen aus ganz Deutschland erlebten –, war etwas ganz Besonderes. Ein unvergesslicher Kulturmoment für alle. Das Jahr in drei Worten: Erschütterung – Stumpfheit - Rückzug. FELIX WECKNER FREIER KÜNSTLER Bestes Album: Ein Klassiker: „The Final Cut“ von Pink Floyd aus dem Jahre 1983. Beste Serie: „ For All Mankind “, eine alternative Weltgeschichte von Ronald D. Moore, in der das globale Wettrennen ums Weltall nie zu Ende gegangen ist, Zu sehen auf Apple TV. Bestes Buch: „ ADHS ist kein Make l“ - Edward M. Hallowell und John J. Ratey. Die beiden Psychologen mit ADHS richten den Fokus in diesem leicht zugänglichen Ratgeber auf die positiven Seiten der Krankheit. Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Der Kultursommer. Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Kunst gucken in Berlin, Köln und Hamburg. Das Jahr in drei Worten: Lehrreich, turbulent, abgedreht MICHAEL HAGEMEISTER MUSIKER, KULTURMANAGER Bestes Musikalbum: Simon Oslender: „All that matters“. Ein immer noch junge Tastengenie. Beste Serie: „ Die Seenotretter “, eine Doku-Serie der ARD über  die gefährlichen Einsätze der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Bestes Buch: Wolf Haas : „Wackelkontakt“. Das Buch verknüpft auf kunstvolle Weise die Geschichte des Trauerredners Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet, mit der Geschichte des Mafia-Kronzeugen Elio Russo, der im Gefängnis sitzt und seiner Entlassung entgegensieht. Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Wie soll ich da nur einen auswählen? Persönlich habe ich mich besonders über das GLOW - Nordwest Jazzfestival gefreut! Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Abschlusskonzert Musikalischer Sommer Ostfriesland in Emden inkl. Besuch der Kunsthalle (Ausstellung "Dem Himmel so nah.") Das Jahr in einem Satz: In welcher Welt leben wir eigentlich? JULIA WEHNER ONLINE REDAKTION OLDENBURGER KUNSTSCHULE Bestes Album: Donots - „Schwert aus Holz“. Die Punkrocker aus Ibbenbühren verzichten auf Verstärker und klingen euphorisch, leicht und positiv. Beste Serie: „ Stranger Things “ - in mittlerweile fünf Staffeln sorgt die überaus beliebte Netflix-Serie über die rätselhaften Geschehnisse in Hawkins, Indiana für Spannung. Bestes Buch: Caroline Wahl - „Die Assistentin“. Eine junge Frau zwischen Selbstverlust und dem Mut zum eigenen Weg. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Die Lehmbaustelle der Oldenburger Kunstschule natürlich ;) Sommer Sonne Matsch und Bauen mit tonnenweise Lehm - auch für Erwachsene eine tolle Aktion! Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs: Dieses Jahr war mein Donots-Jahr, deshalb: Der erste Grand-Kiddie-Slam der Donots in Münster. Unser erstes Punk-Rock-Konzert als Familie, einfach toll! Das Jahr in einem Satz: Und am Ende wird irgendwie doch alles gut SOPHIE ARENHÖVEL KULTURELLE BILDUNG, FÄRBERGÄRTEN Bestes Album: „ Mikis Theodorakis : Lost Songs“. Der „Jahrhundertmensch“, Komponist und Widerstandskämpfer Mikis Theodorakis wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Darauf wurde ich durch den jungen Oldenburger Verein Eutopia e.V. von Menschen mit griechischen Wurzeln aufmerksam, der Anfang November ein beeindruckendes kulturelles Feuerwerk zum Theodorakis-Jubiläumsjahr im Oldenburger CORE entzündete. Das Album „Lost Songs“ kommt viel leiser daher. Es ist eine der wenigen Musiken, die ich nach einem vollen Tag mit Arbeit und Familie noch hören kann. Bester Serie: „ Auf Fritzis Spuren – wie war das so in der DDR ?“ Dass es eine öffentlich-rechtliche Kinderserie über die DDR bis nach New York zu den International Emmys schafft und sich dort gegen die internationale Konkurrenz durchsetzt, ist selten. Für mich als Menschen mit einer komplexen ostdeutschen Familiengeschichte und einer eigenen Ost-West-Familie ist es wichtig, dass Geschichten über die friedliche Revolution erzählt und gehört werden. Bestes Buch: „Toxische Weiblichkeit“ von Sophia Fritz . Es ist einfach spannend, mitzubekommen, wie zentrale Fragen von „Weiblicher Sozialisation“ von der nachfolgenden Generation – die Autorin ist gut zehn Jahre jünger als ich – kritisch unter die Lupe genommen werden. Manches erschüttert mich (waren wir da nicht schon weiter?!), vieles ermutigt mich, Anpassungs- und Kommunikationsstrategien im Alltag kritisch zu hinterfragen. Ein kontroverses und mutiges Buch, das zum Reden, Nachdenken und Streiten anregt. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Da gab es viele im Rahmen des Färber-Stadtgartens „ Colour in the City “. Ein leerstehendes, denkmalgeschütztes Gebäude für drei Monate aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und die Baumgartenstraße gemeinsam mit engagierten Partner:innen aus Bildung, Kultur und Soziales in eine grüne Oase zu verwandeln, war ein Traum. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Dass ich im Jahr 2025 zwei Mal mit meinen Kindern eine Hundertwasser-Ausstellung besuchen würde, davon eine auf der Süd- und einer auf der Nordhalbkugel, hätte ich zu Beginn des Jahres nicht gedacht. Das Hundertwasser Art Centre in Whangārei (Neuseeland) hatte er noch selbst geplant, eröffnet wurde es erst nach der Corona-Pandemie. Das Museumsquartier Osnabrück zeigte in diesem Jahr eine Hundertwasser-Ausstellung unter dem Motto „Paradiese kann man nur selber machen“ – womit wir wieder bei Punkt 4 wären ;-). Das Jahr in einem Satz: Viel Geschrei nach Dialog – doch Dialog geht nur ohne Geschrei. DIE FAVORITEN DER SZENE DAS JAHR IM OHR Musik kann man nicht erklären, Musik muss man hören. Deshalb gibt's hier nun die persönlichen Hits als praktische Playlist. Genau wie im letzten Jahr ist die musikalische Bandbreite enorm - hört also nicht nur mit offenen Ohren, sondern auch mit offenem Geist! Wer von Playlists mit Kultur- und Lokalbezug nicht genug bekommen kann, sollte unbedingt auch unsere „ Mische “ anhören: Dort sind die Lieblingssongs all unserer Podcast-Gäste vereint. LEON BRANKO PRESSELEITER INT. FILMFEST, FREIER FILMEMACHER Bestes Album: „Ego Death at a Bachelorette Party“ von Hayley Williams , ein packendes und emotionales Indie Album, dass ich passend zum Herbst für mich entdeckt habe (danke an meine Partnerin dafür)  Bester Film: 1670 ist eine polnische Serie auf Netflix, wovon dieses Jahr die zweite Staffel rauskam. Es ist eine Drama-Komödie-Serie im Doku-Stil von Die Discounter oder The Office aber in einem polnischen Dorf der 1670er Jahre.  Bestes Buch: The Great Gatsby von F. Scott Fitzgerald ist zwar vor 100 Jahren rausgekommen, aber wurde anlässlich des Jubiläums in mehreren Ausgaben publiziert. Und ich habe es dieses Jahr erstmal gelesen und war begeistert, über die Zeitlosigkeit der Geschichte und der zugrundeliegenden Kritik. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Die Lost in Transition Ausstellung im Museumsgebäude Damm 46 an der ich beteiligt war und die mir (einmal mehr) gezeigt hat, wie viel kreatives und künstlerisches Potential in Oldenburg steckt.  Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Die Yoshitomo Nara Ausstellung im Frieda Burda in Baden-Baden, weil es eine große, wundervolle Ausstellung war und dann auch noch von einem der bekanntesten, zeitgenössischen Malern.  Das Jahr in drei Worten: Ambivalent, Spannend, Erfahrungsreich  KATRIN SCHÖß ARCHITEKTIN, FREISCHAFFENDE KÜNSTLERIN Bestes Lied: „Lachrimae“ von John Dowland Bester Film:  „ The Mies van der Rohes - A Female Family Saga“ von der Schweizer Regisseurin Sabine Gisiger Bestes Buch: Das war für mich der Katalog zu meiner Ausstellung in der Lambertikirche: „Katrin Schöß zeichnet Ludwig Münstermann “. Bester Kultur-Moment in Oldenburg: Auch der hatt direkt mit meiner Ausstellung „Katrin Schöß zeichnet Ludwig Münstermann“ zu tun. Es war nämlich die Vernissage am 11.09.2025 mit Anna Heinze und Ralph Hennings. Mein schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Schon wieder Münsterman: Das Konzert in der Schloßkirche Varel am 23.11.2025 mit Live-Painting. Das Jahr in einem Satz: Paris - Neuburg an der Donau - Oldenburger Land SVANTJE STEIN SCHAUSPIELERIN IM JUGENDCLUB DES STAATSTHEATERS Bestes Musikalbum: Eine total schwierige Entscheidung- mein Apple Music replay sagt, dass ich „LV Bag“ von Don Toliver am häufigsten gehört habe Beste Filme / beste Serie: Dieses Jahr haben mich nur sehr wenige Filme so richtig überzeugt. Deshalb lasse ich dieses Feld einfach mal leer. Bestes Buch: Im November wurden mit „ Nobody's Girl “ die Memoiren von Virginia Roberts Giuffre veröffentlicht, welche Jahre lang unter Jeffrey Epsteins und Ghislane Maxwells Missbrauchssystem gelitten hat. Das fand ich sehr eindrücklich und es ist sehr interessant, was die amerikanische Regierung daraus macht. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Dass wir „ Erzähl mir keine Märchen “ im Kleinen Haus spielen durften, war eine große Ehre für uns! Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Das Bundestreffen der Jugendclubs in Nürnberg! Wir freuen uns riesig, dass es nächstes Jahr in Oldenburg stattfindet :)) Das Jahr in einem Satz: Das Jahr war sehr, sehr ambivalent- aber das Glas ist am Ende des Tages halb voll 🙂‍↕️ LENA KARIUS KUNSTKOMPLEX KOLLEKTIV Bestes Musikalbum: Die EP „Nachtumschlag“ von Shanisah . Reinhören ist ein Muss. Bester Film: „ Wayward -Unberechenbar “, eine kanadische Mystery-Thriller-Miniserie von Mae Martin für Netflix. Bestes Buch: Der Theatertext „Schönheit“ der georgischen Autorin Nino Haratischwili über die ungarische „Blutgräfin“ Elisabeth Bathory Schönster Kulturmoment in Oldenburg: Das „Flirren“-Festival vom Kunstkomplex, natürlich! Schönster Kulturmoment im Rest der Welt: Der neue Film im Kino von Giorgos Lanthimos - Bugonia - in einem alten Kino in Stuttgart. Das Jahr in drei Worten: Rasant, Aufregend, Lehrreich BERND HUBL PROJEKTLEITER USA BEGEGNUNGEN Bestes Album: Suede: „Antidepressants“ - Bin Fan der ersten Stunde. Britischer Alternative mit Glam-Rock- und Post-Punk-Eiflüssen. Wie gewohnt bei der Band eine Mischung aus Energie und Melancholie mit direkten Texten aus einem London-Kosmos. Bester Film: „ Der Brutalist “. Die fiktive Biografie eines jüdischen Architekten, der seine Prinzipien und seine Visionen von Brutalismus gegen alle Widerstände durchsetzt und gegen zahlreiche Schicksalsschläge ankämpfen muss. Mir gefiel der Film und mich fasziniert der Baustil des Brutalismus. Das Schöne dort zu finden, wo vordergründig „nur“ Beton zu sehen ist. Bestes Buch: Bernd Stegemann: „ In Falschen Händen “. Stegemann zeigt mit soziologischem Sachverstand auf, dass die Hybris und Ich-Bezogenheit des Milieus der Grünen echte Klimapolitik und ökologische Transformation verhindert. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Lizz Wright und Band. Wunderbarerer Konzertabend in der Kulturetage voller Gospel, Spirituals, Jazz und Blues. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: „El Bolero de Ravel – un viaje inmersivo“, Caixa-Forum Barcelona . Großartig gemacht! Man sitzt mit VR-Brille auf einem drehbaren Hocker. Und während man sich nach links und rechts dreht, baut sich um einen herum Stück für Stück das Orchester auf, was im Halbrund angeordnet ist und Ravels Bolero spielt, bis man beim fulminanten Finale nach 15 Minuten glaubt, inmitten der gesamten Musiker zu sitzen. Das Jahr in drei Worten: 500 Milliarden Euro. GERAINT RHYS WHITTAKER ARTIST-RESEARCHER HIFMB OLDENBURG Bester Song: Charlie xcx feat. John Cale - „House“. The collaboration was a nice surprise. She, being a one of the biggest pop stars on the planet right now and him being one of the most relevant musicians and producers of the 20th century it really piqued my interest. I hope a lot of young people now go check out John Cale and his amazing back catalogue after that. Also I’ve been listening to quite a few tracks off of the new Rosalia album („Lux“) which has been a beautiful thing. A great mix of pop and classical music. Beste Serien: I've just finished watching the Netflix short series The Beast in Me . Although in many ways it is quite a simple storyline about the suspicions surrounding a potential murder, what made it stand out for me was the performances of the lead two actors. Matthew Rhys and Claire Danes were excellent and had a great chemistry. I couldn't take my eyes off of them whenever they were on screen. I think, however, the stand out series of the year has to be Adolescence . The one shot drama about knife crime in the UK was exceptionally impactful and emotionally unsettling and I was thinking about it for weeks after. Watching the series felt important and it has had such an impact in the UK that it has now actually influenced education at a political level. So its power transcended the art to actually impact the real world and real policies.  Bestes Buch: Although the book is from 2023, this year I read the novel Prophet Song by Paul Lynch . A harrowing read about how quickly populism can lead into state power, control, oppression and eventually chaos. A modern day version of a 1984 type scenario, told through the eyes of a family in 21st Century Ireland. I feel it is a really powerful warning of what happens when populism and suspicion replaces respect and reciprocity. Particularly poignant in our current era of politics. Bester Kultur-Moment in Oldenburg: In Oldenburg the Christoph Niemann exhibition which is currently on in the Horst Janssen Museum was a lot of fun and I totally recommend it. His work is really playful, imaginative and pokes fun at the curiosities of everyday life. It is colourful too which during these winter months is a great way to get some vibrancy in the darkest of days . Das Jahr in wenigen Sätzen: I have personally had a good year with one of my exhibitions - the Unterwasser Kino -being displayed in Aurich after it was on display in Oldenburg last December. I have also launched another art piece, the Polar Portal, a repurposed phone booth with the sounds of the polar seas, which found a home in the Klimahaus over the summer. I also have lots of more art-science and music projects on the way so I am very much looking forward to 2026. FLORIAN PELZER SCHAUSPIELER NIEDERDEUTSCHE BÜHNE Bester Song / bestes Album: Carlo5 - „Wolken am Abend“ / Linkin Park - „From Zero“ - dass die Band nach dem Tod ihres Sängers Chester Bennington mit so einem Knaller-Album zurückkommt, ist der Hammer! Bester Film: Die Buddy-Komödie „ Jay Kelly “ von Noah Baumbach mit George Clooney und Adam Sandler, zu sehen auf Netflix. Gutes Buch: Ich hab in diesem Jahr leider viel zu wenig (Gutes) gelesen, um hier etwas vorbehaltlos empfehlen zu können. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Es ist zwar nur Kultur im weiteren Sinne, aber „ Kochen am Schloss “ bei bestem Sommer-Wetter war ein tollen Erlebnis. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Als „ Hector “ war ich so viel unterwegs, dass ich mich ansonsten voll und ganz auf Oldenburg konzentriert hab. :-) Das Jahr in einem Satz:   Lektion 2: Glück kummt faken wenn du dor nich mit reken deist. (Glück kommt oft überraschend) ANJA SEEMANN SAGE & SCHREIBE Bester Song: "Bette Davis Eyes" von BOY - eine tolle Coverversion des altes Hits von Kim Carnes aus dem Jahr 1981. Beste Serie: Greys Anatomy - die Serie ist ein echter Klassiker, seit 2005 sind inzwischen 22 Staffeln zusammengekommen. Bestes Buch: "Die schönste Version" der jungen Cottbuser Autorin - und ehemaligen Sozialarbeiterin - Ruth-Maria Thomas . Bester Kulturmoment in Oldenburg: Der Auftritt des „ 2000er-Chors “ mit Popkantorin Sarina Lal und Innovationspfarrerin Nele Schomakers zum „ Einfach Kultu r“-Abschluss im Gleispark  Bester Kulturmoment im Rest der Welt: Mein erstes eigenes Schreib-Retreat, wds ich in Neuharlingersiel organisiert habe.  Das Jahr in einem Satz: Zeit für: Verbundenheit. Kreativität. Selbstverwirklichung.   MARK HÖHLEIN DRUMMER ARTPARK Bester Song: Vielleicht gehört es sich nicht, aber mir geht vor allem einer unserer eigenen Songs nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb: artPARK - „Set the Fire“ ;) Bester Film: „ Weapons - Die Stunde des Verschwindens“, ein nichtlinearer, episodenhaft erzählter US-Horrorfilm von Regisseur Zach Cregger mit Julia Garner und Josh Brolin. Bestes Buch: Zwar 2022 erschienen, aber erst dieses Jahr gelesen: „ Eine Frage der Chemie “, der erfolgreiche tragikomische Familienroman der amerikanischen Autorin Bonnie Garmus. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Weil es ein so besonderer Abend für mich und für uns alle war, muss ich hier so ähnlch antworten wie bei Frage 1: Es war das artPARK Releasekonzert für unsere EP „ Slow Motion Exit “ in der Buddelbar ;) Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Das Kennenlernen der Maya-Kultur sowie das Leben an und Entlang der Cenoten in Mexiko. Das Jahr in wenigen Sätzen: Puh: Die Nachrichten waren dominiert von furchtbaren Dingen wie Kriegen, unerfreulicher rechtspopulistischer Gedanken und Regierungsbildungen, dem Idioten Trump,. Auf der anderen Seite war es schön, viele positive Menschen zu treffen, die sich vernünftige Gedanken um Menschlichkeit, Umwelt- und Naturschutz, Gesellschaftsorganisation, Zusammenleben, das gemeinsame Miteinander, Kultur, Musik und Innovation machen. Abschalten und kreatives Schaffen mit der Band, positiver Stress, berufliche Herausforderungen, sich mit Dingen zu befassen, die Körper und Geist fordern. Eigentlich unmöglich, das abgelaufene Jahr in wenigen Worten/Sätzen zusammen zu fassen. CATHRIN & BLENDI UPDREIHN FESTIVAL Bestes Album: Das neue Album einer Band, die beim diesjährigen Updreihn Festival für die erkra nkten Pommespanzer eingesprungen ist und mehr als nur ein Ersatz war: „ Nirgendwo angekommen“ von Arrested Denial  aus Hamburg. Bester Film: Die Comedy-Horror-Serie „Wednesday “, die an The Addams Family angelehnt ist und die zweite Staffel der postapokalyptischen Game-Adaption „Fallout“. Bester Comic: Ein Klassiker kann wieder überzeugen: Asterix in Lusitanien Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Ganz klar: Das wieder einmal ausverkaufte Updreihn-Festival! Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Das Maifest in Lübeck. Das Jahr in drei Worten: Nazis sind scheiße KEVIN ALTENBERGER JACK OF ALL TRADES | KULTURSCHNACK Beste Musik: Bestes Album: Clipse – „Let God Sort Em Out“ / Beste Songs: Bon Iver – Day One (samt Musikvideo), Olivia Dean – Man I Need, Justin Bieber – Love Song, sombr – back to friends Beste Serien und Filme: Beste Serien: School of Champions – Staffel 2, Pluribus , The Bear – Staffel 4, Chabos / Bester Spielfilm: Der phönizische Meisterstreich / Beste Doku: Babo – Die Haftbefehl Story Bestes Bücher: Aus diesem Jahr: Wolf Haas - „ Wackelkontakt “ / Klassiker: Arthur Schnitzler – „Die Traumnovelle“ und „Fräulein Else“ & „Leutnant Gustl“ im Sammelband Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Vorabshow der Lesung von Tahsim Durgun in der Kulturetage zu „Mama, bitte lern Deutsch“ Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Mein erster Besuch im Burgtheater zur Premiere von „ Der Fall McNeal “ sowie „Dinos gucken“ mit meinem Sohn im Museum für Naturkunde in Berlin. Das Jahr in einem Satz: Das wird sich schon ausgehen!  THORSTEN LANGE MAN ON A MISSION | KULTURSCHNACK Beste Songs: Apple Replay sagt: mit 84 Wiedergaben war „Digging deeper, going nowhere“ von Catapults der meistgehörte Song! Support your local scene! Außerdem überragend: „Vacate“ von Press Club , „N.A.A.“ von den Radium Dolls , „Juliet has a Gun“ von Stateside , „I Believe in Miracles“ von Say She She , „On It“ von Bilk , „Forgetting Yesterday“ von Forever On High , „idgaf“ von Everything's Fine und „Jackknife“ von Sun Room . Bester Film / beste Serie: Bester Film: Gleich zweimal das Filmfest ! Zum einen „ Keep Quiet “ mit Lou Diamond Philips, mit dem ich schon mal einen Kaffee getrunken habe, zum anderen „Under the Burning Sun“ von Yun Xie , die im Interview grandios unterhaltsam war. Serien? „Boots“ war klasse, aber ich mag auch „Slow Horses“. Und weil in diesem Jahr Eskapismus eine wichtige Rolle gespielt hat, habe ich auch harmlose Sports Comedy wie „Stick“ oder „Eastbound & Down“ sehr gefeiert. Beste Bücher: Kein intellektuelles Schwergewicht, aber ein atmosphärisch großartiger Vertreter des Australia Noir-Genres : Chris Hammers ’ „Silver“ hat mich ziemlich gekonnt an die Ostküste zurückversetzt. Der beste Text des Jahres stammte aus der Feder von Pfarrer Dr. Sven Evers: die Trauerrede für meinen im Mai verstorbenen Vater. Ich denk an Dich , Papa!! Beste Kultur-Momente in Oldenburg: Idee, Umsetzung und Live-Erlebnis der „ Piratenrepublik “ von Lukasz Lawicki waren allesamt großartig. Die schauspielerische Leistung von Anna Seeberger und Esther Berkel kann man gar nicht hoch genug bewerten. Alles in allem: Ein starke Erinnerung daran, wie schnell Dinge in die falsche Richtung laufen können. Auf andere Weise schön war das Jahresabschlusskonzert von Catapults im Cadillac, mit der Cover-Version von „Mr. Brightside“ als heimlicher Höhepunkt.  Beste Kultur-Momente im Rest der Welt: Die Street Art in Aalborg und Salamanca hat mich ziemlich beeindruckt. Das Museo de Arte Contemporáneo Helga de Alvear in Cáceres war eine echte Überraschung. Das Tankstation Festival in Zwolle fand die gesamte Familie cool. Und dann war da noch dieser Typ, der in Lissabon vor ner Kneipe spielte und bei dem inklusive Wirt sieben Leute zuhörten, während die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen genau zwischen den Häuserschluchten hindurch auf diesen Spot warf. Kann man nicht beschreiben. It’s Magic. Das Jahr in drei Worten: The worst ever.

  • DAS BESTE ZUM SCHLUSS: 2023

    Es ist wieder diese Zeit des Jahres: Überall tauchen Listen auf, in denen Menschen ihre Highlights des vergangenen Jahres nennen. Und der Kulturschnack? Macht hemmunsglos mit! Wir haben liebe Menschen aus der Kulturszene sechs kurze Fragen gestellt. Ihre Antworten sind zweierlei: Eine Erinnerung an das Jahr 2023 - und unsere musikalischen, kinematographischen und literarischen Tipps zum Jahreswechsel. Viel Spaß! Für manche ist es die schwerste Aufgabe des Jahres: Darüber nachzudenken - oder sogar sich darauf festzulegen - was die Highlights der der letzten zwölf Monate waren. Der beste Song, der beste Film, das beste Buch? Schwiiiierig! Wir haben aber trotzdem danach gefragt. Und viele Menschen, mit denen wir in diesem Jahr gesprochen, gearbeitet, oder was ausgeheckt haben, haben uns ihre Favoriten g enannt. Ihr wollt ganz tief eintauchen? Null Problemo ! Eine Spotify-Paylist findet ihr am Ende des Artikels. For your convenience. JÜRGEN BOESE KULTURREFERENT | STUDENTENWERK Bester Song Sam Fender – Seventeen going under Beste Serie Heartstopper (Netflix) Bestes Buch Mario Müller & Ben Hartwig - Die Kunst des Nichtdurchdrehens Dein Kultur-Moment in Oldenburg Das SpontanOL Festival 😊 Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Die Kulturtagung des Deutschen Studentenwerks in Saarbrücken Das Jahr in einem Satz: Mut sich zu zeigen! PIA WIENHOLT GESCHÄFTSFÜHRUNG | RAUM AUF ZEIT Beste Songs Palace - Live well Leikeli47 - Chitty Bang Talking Heads - This must be the place  Beste Serie Transparent (Prime) Bestes Buch Paulo Coelho - Der Zahir  Deine Kultur-Momente in Oldenburg Das erste Außergewöhnliche Ereignis // Creative Mass Demo 2017 // 1. freifeld Festival  Dein Kultur-Moment im Rest der Welt Museen César Manrique auf Lanzarote. Der Künstler baute u.a. sein Haus in unterirdische Vulkanblasen.  Das Jahr in einem Wort Wild JONAS MEYBURG STIPENDIAT | OLDENBURGER KUNSTSCHULE | UNIT404 Bestes Musikalbum  "The Drought" von Puce Mary . Auf diesem Album schafft Puce Mary es trotz der düsteren und harten Klänge eine delikate Geschichte und komplexe Emotion zu vermitteln. Grade die eingesprochenen Sätze die immer wieder eingestreut sind haben mich sehr berührt. Mein Lieblingsalbum für den Supermarktbesuch. Bestes Buch "Athos 2643" von Nils Westerboer . In einer fernen Zukunft wird die dem Protagonisten als Werkzeug zugeteilte und durch einen holographischen Körper vermenschlichte KI zur Erzählerin. Dieser Perspektivwechsel schafft es gängige Sci-Fi Tropen frisch und neu wirken zu lassen und hat mich in seiner Ausführung überrascht und begeistert. Dein Kultur-Moment in Oldenburg " From above, an island " von James Newitt im Edith-Russ Haus. Ich mochte die Ausstellung wirklich gerne und die gezeigten Videos schleichen sich wieder und wieder in meine Gedanken. Dein Kultur-Moment im Rest der Welt " 54 HOURS PERFORMANCES " im Museum Folkwang Essen, insbesondere die Performancekonzepte von Pau Holtkamp und Sophie Kockler haben sich eingebrannt. Das Jahr in einem Satz oder drei Schlagworten Aufbruch, Bewegung, Weltschmerz MARIANNE HAMM (EX-) PRESSESPRECHERIN | CINE K Bester Song Kae Tempest - No Pressure Bester Film Orlando - meine politische Biografie (von Paul B. Preciado) Bestes Buch Die Zukunft ist nicht binär - Lydia Meyer Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Queer Film Festival Oldenburg  Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs 13 Grad Festival in Bremen Das Jahr in einem Satz Kalt, aber ab und an herzlich PROF. DR. MARTIN BUTLER CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT | DIGITALOG Bestes Musikalbum Jupiter Jones - Die Sonne ist ein Zwergstern Bester Film oder beste Serie Oppenheimer , Christopher Nolan kanns einfach  Bestes Buch oder bester Comic 2023 wieder mal gelesen, auch 2023 immer noch fantastisch: Gloria Anzaldúa , Borderlands/La Frontera   Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Night of the Profs, im November   Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Kings Avenue Tattoo , Long Island, New York, im Frühling  Das Jahr in einem Satz Alles anders, als man denkt  CORA ISSIG PELLE, DER SPÄTI Bester Song "Overdrive" von Post Malone Beste Serie " Pokerface " von Rian Johnson mit Natasha Lyonne Bestes Buch "22 Bahnen" von Caroline Wahl Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Jeder Donnerstag bei Pelle dem Späti Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Live Musik im Cobblestone in Dublin  Das Jahr in einem Satz „Life is a rollercoaster, just gotta ride it!" (Ronan Keating) MAURICE GÄRTNER GITARRIST | CATAPULTS Bestes Musikalbum „In Times New Roman“ von Queens of the Stone Age . Ein wunderbares „Soft-Comeback“ nach sechs Jahren Funkstille! Beste Serie Ich schaue leider kaum noch Serien oder Filme. Ich habe dieses Jahr mal wieder zum 20. Mal „ Scrubs “ durchgeschaut – die Serie ist zwar weit vom Jahre 2023 entfernt, aber geht immer! Bestes Buch Schande über mein Haupt, aber ich habe dieses Jahr weder ein Buch, noch einen Comic gelesen. Bester Kultur-Moment in Oldenburg Das eigene Jahresabschlusskonzert am 22.12. war mein schönster Kultur-Moment des Jahres in Oldenburg - genau wie letzte Jahr! Mein schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Unsere Catapults-Show in Radolfzell am Bodensee. Es war das Wochenende meines Geburtstages und nach der Show wurde sich im Bodensee abgekühlt – der war nämlich unmittelbar hinter dem Konzertsegel, welches wir bespielen durften. Das Jahr in drei Stichworten Sehr schnell vorbei! MARIANNA MARTENS VERANSTALTERIN | METROPOLY FESTIVAL Bestes Musikalbum „Sunrise Bang Ur Head Against The Wall“ EP von Nia Archives   Beste Serie Lange den Hype ignoriert, aber Babylon Berlin Staffel 4 ist super. (ARD) Bestes Buch Nicht aus diesem Jahr, aber: Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens   Schönster Kultur-Moment in Oldenburg OPAK  beim Metropoly Klubfestival ❤️ Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs Die Hochzeit meiner Gastschwester 🌅 Das Jahr in einem Satz oder drei Schlagworten Rastlos, Arbeitsreich, Aufregend LARS UNGER BILDENDER KÜNSTLER Bester Song Psychotzar von Motorpsycho Beste Serie Star Trek - The Next Generation (Netflix) Bestes Buch Offene See von Benjamin Myers Schönster Kulturmoment in Oldenburg Motorpsycho in der Kulturetage Schönster Kulturmoment im Rest der Welt Element of Crime in der Laeiszhalle Hamburg Das Jahr in einem Schlagwort Weitermachen!  TORSTEN NEUMANN DIREKTOR | INTERNATIONALES FILMFEST Vor dem Jahresende sind alle gleich. Das ist bei uns nicht anders! Klar ist aber auch: wenn jemand etwas erzählen mag, dann hören wir gerne zu. So war es auch bei Torsten. Und der leidenschaftliche Cineast kennt sich offensichtlich nicht nur mit Filmen aus, sondern weiß auch in Musik und Literatur gut Bescheid. Das wollen wir euch nicht vorenthalten. BESTE SONGS / ALBEN Yeah, Yeahs, Yeahs – „Cool it Down“: Die Yeah, Yeah, Yeahs sind bei mir mit einem neuen Album immer auf jeder Jahres-Bestenliste bis ein neues Album erscheint. Lana del Rey – „Did you know that there’s a Tunnel under Ocean Blvd“. Schöner Titel, schöne Musik. Muss man mal anerkennen. Dream Wife – „Social Lubrication“. Das ist ein richtig gutes Album und einfach meine Musik. Indie-Punkrock so ungestüm und rebellisch wie unser Kino beim Festival. Cannons – „Heartbeat Highway“. Meine erfreulichste Entdeckung des Jahres. Wie indie kann Pop sein!? Das neue Album ist gerade raus und geht direkt auf die Best-of-Liste. Doja Cat – „Moooi!“: Genial! Ohrwurm Lyrics und Ohrwurm Melodie. BESTE FILME Tar – Todd Field In jeder Hinsicht ein Highlight des Arthouse Kinos, kluges Drehbuch, große Inszenierung und Schauspielerkino par excellence. Manchmal ist Cate Blanchett so gut, dass sie eigentlich den Film zerstört, weil man nicht mehr die Filmfigur sieht, sondern nur noch staunend Blanchett bei ihrer magischen Schauspielkunst zusieht. Und dann gibt es eben auch noch den spektakulären Auftritt „unserer“ Siam Sinfonietta, die Cate Blanchett und dem Film eine unvergessliche Schlussszene bescheren.   Im Toten Winkel – Ayse Polat Nicht nur weil der Film den Hauptpreis in Oldenburg gewonnen hat. So eine behutsame Reflexion über das Vergessen im Gewande eines packenden Paranoia-Politthrillers habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Was da bei der Berlinale schief gegangen ist, den Film in einer Nebensektion zu verstecken, anstatt im Wettbewerb der internationalen Filmwelt zu zeigen, was deutsches Kino kann, bleibt ein Rätsel. Ab dem 4. Januar startet „Im Toten Winkel“ in den deutschen Kinos – wenn das Gedächtnis der Kulturredaktionen genug Langzeitkapazitäten hat, werden wir ihn auf den Best-of-Listen für 2024 am Ende des Jahres wiedersehen! Music for Black Pidgeons - Andreas Koefoed, Jørgen Leth Auch wenn es ein Portrait von Jazzmusikern im weitesten Sinne ist, man muss auf keinen Fall ein Fan dieser Musik sein, um diese kleine Perle des Dokumentarfilms bedingungslos zu lieben. Die beiden dänischen Dokumentarfilmveteranen Koefeld und Leth lassen sich in ihrer Erzählung so liebevoll und emotional auf ihre Figuren und die Musik ein, dass man als Zuschauer die wunderbare Leichtigkeit des Seins wieder entdecken kann.   Robot Dreams – Pablo Berger Alles was animiert ist und nicht von Pixar oder Dreamworks als geschliffenes Produkt für die ganze Familie auf den Markt geworfen wird, hat es schwer im Kino, die Zuschauer zu finden. Robot Dreams steht der Kinostart noch bevor – aber alle, die den Film schon gesehen haben, werden mit einer beherzten word-of-mouth Kampagne dafür sorgen, dass solche Perlen weiterhin ihr Publikum finden. Eine mitreißende, beherzte Story über das Menschsein ohne Worte und ohne Menschen.   Heavier is the Sky – Petrus Cariry Das ist so gutes, großes Kino aus einem Teil der Welt, von dem viel zu wenig zu uns durchdringt. Ist für mich ein Topfilm von 2023, aber der sollte es irgendwie noch ins Jahr 2024 schaffen, denn eine Auswertung, ob im Kino oder im Stream steht dem Film ja noch bevor! Das gilt auch für einige andere Filme, die wir in diesem Jahr 2023 beim Filmfest präsentieren durften und die ich ehrlich zu den besten Filmen des Jahres zähle... Return to Seoul – Davy Chou Eine ganz wundersamer und schöner Reisefilm, traumwandlerisch, wie der Film um seine Figuren kreist. Der wurde nicht umsonst schon in Cannes bei seiner Premiere ganz einstimmig gefeiert.     FILMISCHE STINKER DES JAHRES Cocaine Bear – Elisabeth Banks Was ist denn da mit der Kinowelt passiert, dass man dieses langweilige und so furchtbar uninspirierte Filmchen so abgefeiert hat? „Sharknado“ mag ja manchem auch Freude bereitet haben, aber hat der solche Kritiken bekommen und wurde filmisch so hochgejubelt? T he Fabelmans – Steven Spielberg Wir wissen ja schon längst, dass Spielberg immer dann am besten ist, wenn die Story und das Drehbuch jegliche Möglichkeiten, ins Kitschige abzugleiten, kategorisch ausschließen. Wie sich dieser große Filmemacher aber ein derart kitschiges eigenes Denkmal setzen konnte, ist mir ein kleines Rätsel. Und wer (inkl. Spielberg selbst) hat dieses Projekt überhaupt durchgewunken? Eine Hommage an sich selbst geht nur mit Selbstironie – die habe ich in keiner Sekunde gesehen...   BESTE BÜCHER S.P. Somtow – Dragon‘s Fin Soup –Takashi Miike hat Somtows Sammlung von 8 phantastischen Erzählungen optioniert für eine Verfilmung. Spätestens danach wird es zum Bestseller... Fernando Pessoa – Ein anarchistischer Banker. Unser Festivalgast Edgar Pera hat mir das Buch geschenkt... Pessoa musste ich ja mal kennen lernen. Ein großer Autor! S.P. Somtow – Vampire Junction – weil die Bestenliste nicht aus 2023 gespeist werden kann...was ich 2023 gelesen: Dieses ist ein Klassiker und ein Meisterwerk. Muss man als Genre Fan lesen und danach Anne Rice ein Stückchen weiter unten einordnen! Jörg Fauser – Rohstoff. Lese ich jedes Jahr und schafft es immer auf die Jahresbestenliste... Ein Geniestreich, Fauser ist als Literat immer noch viel zu unterschätzt. Angelo Wemmje   - Venus Chicago – Ein Oldenburg Roman, schräg und wild. Gibt’s denn sowas? Ganz neu auf dem Markt! (Ach ja, Angelo hat auch mal beim Filmfest mitgearbeitet!)     BESTER KULTURMOMENT IN OLDENBURG Die Illumination von Christoph Niemanns „Current Lines“ an der Fassade des Horst-Jansen Museums: In vielerlei Hinsicht ein Geniestreich – für das Museum und für uns Oldenburger:innen. Mit dem farbenprächtigen Okuda-Mural direkt gegenüber ist Oldenburg auf einen Schlag ein funkelnder Stern auf der weltweiten Landkarte für Kunst im öffentlichen Raum.    BESTER KULTURMOMENT IM REST DER WELT Jared Letos Auftritt bei der Met Gala 2023 als Lagerfelds Katze. Lily, (die heimliche Chefin vom Filmfest Oldenburg) wartet jetzt darauf, das der erste Gast verkleidet als Katze über unseren Roten Teppich gehen wird. ANNA SEEBERGER SCHAUSPIELERIN | STAATSTHEATER Bester Song Amaarae  - Reckless & Sweet Beste Serie: The Bear: King in the Kitchen (Disney+) Bestes Buch: Elliot Page   - Page Boy Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Jugendtheatertage Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs: Fuffifufzich   Konzert in Bremen Das Jahr in einem Satz: Meine Freundin Tara sagt immer ‚it‘s a lot‘ aber es ist ja auch einfach a lot FELIX FREITAG VIDEOKÜNSTLER | FREITAG.LIGHTS Bestes Album Salö  - Subjektiv betrachtet Beste Serie This Is England  (Arte) Bestes Buch Colson Whitehead  - Nickel Boys Bester Kultur-Moment in Oldenburg "LUCA" Lichtkunst an der Alten Maschinenhalle   Bester Kultur-Moment im Rest der Welt " Nocturnalis " Lichtkunst im Botanischen Garten der Uni Kiel Das Jahr in einem Satz Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind sein. (Mahatma Gandhi) LISA RINNE ARTISTIN | CIRCUS UNARTIQ Bester Song Live  - Lightning Crashes Guter Film / Gute Serie Film: Pans Labyrinth Serie: Unorthodox  (Netflix) Gutes Buch Hanya Yanagihara : A little life - unfassbar gut geschrieben und schleichend verstörender Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Natürlich der Sommer-Circus  und das Winter-Varité dieses Jahr ;-) Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs Circus Ronaldos  Stück "Sono Io" auf dem Festival in Auch (Frankreich). Beste Show, die ich dieses Jahr gesehen habe. Das Jahr in einem Satz oder drei Schlagworten:   Nach 2023 hab ich immer noch mehr Träume und Hoffnungen, als die Realität zerstören kann LUKASZ LAWICKI REGIEASSISTENT | STAATSTHEATER Bester Song Salo - Bonjour Tristesse Bester Film Cocaine Bear Bestes Buch „Haben oder Sein“ von Erich Fromm (wie jedes Jahr) Bester Kulturmoment in Oldenburg Premiere von „ Vater “ am Oldenburgischen Staatstheater Bester Kulturmoment im Rest der Welt Saló-Konzert in Bremer Tower. Das Jahr in einem Satz Manchmal ist man der Hund, manchmal ist man der Baum.   MATHILDA KOCHAN LEITUNG | THEATER K Bester Song Alles von David Bowie Bester Film Nicht Barbie Bestes Buch Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Sinfoniekonzert am Staatstheater mit „Vier Tondichtungen nach A. Böcklin“ von Max Reger Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt „König Lear“ im Thalia Theater , Hamburg  Das Jahr in einem Satz „Keep the process, trust the vision.“ DANIEL BREMER SÄNGER, GITARRIST | LETTERBOX SALVATION Bestes Song / bestes Album Boygenius - Not Strong Enough / Boygenius - The Record Bester Film / Serie Film: Barbie / Serie: Star Wars Ahsoka (Disney+) Bestes Buch Sophie Passmann - Pick me girls Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Frei.Zeit.Learm - Metropoly Klubfestival Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Bon Iver Konzert in Amsterdam Das Jahr in einem Satz Uii, schon wieder vorbei!? MADLENE OEPPING PELLE, DER SPÄTI Bestes Album "nur liebe, immer" von Casper Bester Film " Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen" Bestes Buch "22 Bahnen" von Carolin Wahl Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Jeder Donnerstag bei Pelle dem Späti Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Die Buchmesse in Leipzig Das Jahr in einem Satz "On and on and on. Life goes on and on and o-on" (Blumengarten) KEVIN ALTENBERGER JACK OF ALL TRADES | KULTURSCHNACK Bester Song Apsilon – Baba Bester Film Asteroid City von Wes Anderson Bestes Buch Dirk Stermann – 6 Österreicher unter den ersten 5 Schönster Kultur-Moment in Oldenburg Staatstheater Oldenburg - Radziwill oder der Riss durch die Zeit Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt Groninger Museum – The Art of Hipgnosis Das Jahr in drei Schlagworten Familie – schön – kreativ    THORSTEN LANGE MAN ON A MISSION | KULTURSCHNACK Beste Songs Viel zu viele. Definitiv Declan McKenna - „Brazil“, auch wenn der Song schon alt ist. Aber auch Dear Seattle - „Nothing's stopping me now“, Dice - „Bad Tattoo“ und Nobro - „Who the hell am I?“. Dann wären da noch Bakers Eddy - „21“, Landon Conrath - „Papercuts“, Bearings - „Go Long“, Press Club - „Glasgow“ und und und. Sucht euch was aus! Bester Film / beste Serie Film: Le Chêne - Die Eiche / Serien: Beef , Archer (Netflix) Bestes Buch Roman: Jan Weiler - „Der Markisenmann“ und „Harlem Shuffle“ von Colson Whitehead / Sachbuch: Tony Rettman - „Straight Edge - A Clear Headed Hardcore Punk History“ Bester Kultur-Moment in Oldenburg Der Technical Ballroom hat mich als Gesamtphänomen total beeindruckt. Auch wegen der Inhalte, z.B. bei „ Die vier neuen Jahreszeiten “. Spannend war auch die Plakatkunst der „ Grands Boulevards “ im Landesmuseum, quasi die Wiege der Werbung, wie wir sie heute kennen. Wie immer mitreißend: die Jugendtheatertage Bester Kultur-Moment im Rest der Welt Nah: The Interrupters & Grade 2 im Melkweg, Amsterdam / Fern: Sorbaes Sundae All Ages Festival, Melbourne Das Jahr in einem Satz Drei Monate Time of my Life, neun Monate Reality Check

  • DAS BESTE ZUM SCHLUSS: 2024

    Es ist wieder diese Zeit des Jahres: Überall tauchen Listen auf, in denen Menschen ihre Highlights des vergangenen Jahres nennen. Und der Kulturschnack? Macht hemmunsglos mit! Wir haben liebe Menschen aus der Kulturszene sechs kurze Fragen gestellt. Ihre Antworten sind zweierlei: Eine Erinnerung an das Jahr 2024 - und unsere musikalischen, kinematographischen und literarischen Tipps zum Jahreswechsel. Viel Spaß! Für manche ist es die schwerste Aufgabe des Jahres: Darüber nachzudenken - oder sogar sich darauf festzulegen - was die Highlights der der letzten zwölf Monate waren. Der beste Song, der beste Film, das beste Buch? Schwiiiierig! Wir haben aber trotzdem danach gefragt. Und viele Menschen, mit denen wir in diesem Jahr gesprochen, gearbeitet, oder was ausgeheckt haben, haben uns ihre Favoriten g enannt. Ihr wollt ganz tief eintauchen? Null Problemo! Eine Spotify-Playlist findet ihr ebenfalls im Artikel. Enjoy! VERENA KATZ SPARTE 7 | STAATSTHEATER Bestes Album: Beyoncé - „Cowboy Carter“ Beste Serie: „ Golda - Israels eiserne Lady “ / Und auch wenn sie alle nicht aus dem Jahr 2024 waren: tausendundeine Variante von „ Stolz und Vorurteil “, die ich in diesem Jahr gesehen habe Bestes Buch: Kristin Höller , „Leute von früher“ Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Premiere von „ Prima Facie “ am 8. März Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Stuttgart-Premiere von Florentina Holzingers „Sancta“ Das Jahr in einem Satz: Ende/Pause/Anfang DR. JUTTA MOSTER-HOOS HORST-JANSSEN-MUSEUM Beste Band: Von wegen Lisbeth habe ich dieses Jahr erst kennen und lieben gelernt. Bester Film: Poor Things . Wahnsinnige Bilder, Kostüme, Setdesigns. Die vielen Sex-Szenen mit der jungen/unschuldigen Filmfigur waren allerdings gewöhnungsbedürftig. Bestes Buch: Freue mich riesig auf den neuen Joachim Meyerhoff „Man kann auch in die Höhe fallen“. Ich hoffe, dass das Buch so gut ist wie sein Erstlling. Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Kratt . Großartige Choreografie. Unser Ballettensemble im Staatstheater ist auf Metropolenniveau. Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: „Ophelia’s got talent“, Kampnagel Hamburg . Packend und verstörend, neu und frech. Mein Mann und ich haben uns wie die Bürstenbinder darüber gestritten. Das Jahr in einem Satz: Es muss (scheinbar) erst schlechter werden, damit es besser wird. GORDON ENDT STIPENDIAT | OLDENBURGER KUNSTSCHULE Bestes Musikalbum: Exit Youth - Soi Boy. Newcomer-Band aus Leipzig, die es in sich hat. Bester Film: Dune II und die damit verbundene Entdeckung der Jodorowsky-Doku der geplanten Adaption. Bester Comic: Hannah Brinkmann - Gegen mein Gewissen , erschienen im Avant-Verlag. Der Comic spielt u.a. in Oldenburg, ich war bei der Lesung. Ihr Zeichenstil und Feingefühl kommen einzigartig rüber und machen den Comic zu einer besonderen Leseerfahrung. Dein Kultur-Moment in Oldenburg: Die Lange Nacht der Musik . Ich fand es toll, wie die Stadt zusammengekommen ist, um sich gemeinsam Kultur anzuschauen. Dein Kultur-Moment im Rest der Welt: Ich war zum ersten Mal im Stedelijk Museum in Amsterdam, sehr empfehlenswert. Das Jahr in einem Satz: Fällt mir schwer, es waren so viele Eindrücke. Ich hoffe, wir lernen aus diesem Jahr für das nächste Jahr ... BETTINA STILLER PRESSESPRECHERIN | KULTURETAGE Bester Song: Ich nenne einen Oldenburger Newcomer, den ich ganz wunderbar finde: die Band NACKT und den Song „ JUPPHEIDI “ Bester Film: RIEFENSTAHL . Sich mit den Mechanismen und Erfolgsstrategien von Faschismus zu beschäftigen, ist dringender denn je, Nur so kann man sie durchschauen und ihnen auch etwas entgegensetzen. Bestes Buch: Ein sehr altes Buch, aber ich bin erst in diesem Jahr dazu gekommen es endlich zu lesen: Thaddeus Golas „Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erlangst“ Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Die Sneak Preview in den neuen Räumlichkeiten des Oldenburger Computer.Museums . Schönster Kultur-Moment außerhalb Oldenburgs: Lichter de City in Bremen. Das Jahr in einem Satz: Es hat hoffnungsvoll angefangen aber es wird immer herausfordender, die Hoffnung nicht zu verlieren. AYLA SCHOFIELD SÄNGERIN | STRAßENMUSIKERIN Beste Songs: “Labour” von Paris Paloma und “How Love W orks” von Allie Sherlock   Bester Film: “ Big Fish ”. Es ist ein alter Film von 2003, den ich dieses Jahr zum ersten mal gesehen habe. Ich sehe sehr gern ältere und kaum neue Filme. Bestes Buch oder bester Comic Ich lese ehrlich gesagt nie, ich höre dafür wohl zu viel Musik :) Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Eigentlich zwei: The Queens Of Country Germany zu organisieren hat sehr viel Spaß gemacht und es war so schön zu sehen, wie viele kamen und wie toll die Atmosphäre beim Konzert tatsächlich war. Außerdem habe ich im November ein Konzert in der Ule gespielt und auch dort die heimatliche Atmosphäre mit den netten Oldenburger:innen sehr genossen.  Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Konzert in einem kleinen Waldschlucht -Cafe ausserhalb von München. Das Jahr in einem Satz: Durch das Wegziehen von Oldenburg habe ich die Stadt und die Menschen hier erst als meine Heimat wiederentdecken können und gelernt, was diese wirklich ausmacht und besonders macht. DIE FAVORITEN DER SZENE DAS JAHR IM OHR Musik kann man nicht erklären, Musik muss man hören. Deshalb gibt's hier nun die persönlichen Hits als praktische Playlist. Genau wie im letzten Jahr ist die musikalische Bandbreite enorm - hört also nicht nur mit offenen Ohren, sondern auch mit offenem Geist! Wer von Playlists mit Kultur- und Lokalbezug nicht genug bekommen kann, sollte unbedingt auch unsere „ Mische “ anhören: Dort sind die Lieblingssongs all unserer Podcast-Gäste vereint. FLORIAN FILSINGER MUSIKER, MODERATOR, MULTITALENT Beste Songs: Mogwai – Lion Rumpus, DJ Koze – Pure Love, Mono – Oath (Album) Bester Film: Ghostbusters – Frozen Empire Bestes Buch: Sven Regener – Zwischen Depression und Witzelsucht / Anne Simon - Gousse & Gigot (Comic), Florian Filsinger – Zoff im Weltall (Comic) Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Zum einen LOLdenburg Mixed Show im November im Core, zum anderen 10 Jahre Musikbingo im November in der Buddeljungsbar. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt WES24 in Dangast  Das Jahr in einem Satz Kapitalismus ist vollkommen töricht, lenkt aber immer noch die Geschicke der Menschheit. Echt blöde! ANN-SOPHIE ZAROUR SCHAUSPIELERIN, SÄNGERIN, MODERATORIN Bestes Musikalbum: Dota Kehr : Die vielgerühmte Einsamkeit Beste Serie: Kleo Bestes Buch: Elke Heidenreich : Altern Bester Kultur-Moment in Oldenburg: Annes Kultursalon am 22.11.2024 Thema : Das Edith Russ Medienhaus- Namensgebung zwischen Schuld und Scham Mein schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Bodo Wartke Konzert im Januar 2024 in Bremen Das Jahr in einem Satz: Erwarte nichts, Bleib zuversichtlich, Glaube an deine Selbstwirksamkeit! HANNAH BRINKMANN COMIC-AUTORIN, GRAPHIC JOURNALIST Bestes Musikalbum: Das Album "Haut wie Pelz" von Apsilon  und seine Single "Köfte"  Beste Filme / beste Serie: Beste Kinoerlebnisse waren " All of us Strangers " von Andrew Haigh und " Perfect Days " von Wim Wenders. All time Serien-Klassiker und Wiederentdeckung dieses Jahr war " Fleabag " von und mit Phoebe Waller-Bridge  Bestes Buch: Bester Comic dieses Jahr war " Monica " von Daniel Clowes. Beste (alte) Romane, die ich zum ersten Mal gelesen habe waren " Never let me go " von Kazuo Ishiguro und "Mephisto" von Klaus Mann Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Meine Lesung von " Gegen mein Gewissen " mit anschließendem Gespräch mit Henriette Dyckerhoff im Jochen-Klepper-Haus Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: "Minus 16" von Sharon Eyal und Ohad Naharin mit dem Berliner Staatsballett in der Deutschen Oper  Das Jahr in drei Schlagworten: Erschöpfend - Ambivalent - Warm  FABIAN SCHULZ MUSIKER Bester Song: „The Fencer“ von Tiflis Transit , mein Lieblingstitel vom Album „A Thought Is Not A Feeling“. Soul zum reinlegen und zudecken. Bester Film: „ Stop Making Sense “, Jonathan Demmes Konzertfilm über die Talking Heads . Streng genommen vor 40 Jahren erschienen, aber 2024 als restaurierte Version noch mal in den Kinos. Einfach DER Konzertfilm! Bestes Buch: Stephen King: You Like It Darker . Ich lese leider zu wenig Bücher, aber Stephen King muss ich. Schönster Kulturmoment in Oldenburg: CATT im Cadillac, April '24 Da stimmte alles: Atmosphäre, Band und CATT. Nächstes Jahr in der Kulturetage zu sehen! Schönster Kulturmoment im Rest der Welt: Die Sterne beim Watt En Schlick Fest, Juli '24 Lebende Legende! Das Jahr in drei Schlagworten: Drei Schlagworte, die dieses Jahr ständig in meinem Kopf waren: Nie wieder CDU CAROLIN BECKLAS DOKTORANDIN AMERICAN STUDIES Bestes Album: Noga Erez - The Vandalist. Die Künstlerin mischt gekonnt verschiedene Stile (HipHop, Soul, Pop, Electro). Das geht in die Beine und ins Herz! Bester Film: The Room Next Door - Ein Film über weibliche Freundschaft und dann auch noch mit Julianne Moore und Tilda Swinton in den Hauptrollen?! Muss man mehr sagen? Bestes Buch: James Nestor -  Breath : The New Science of a Lost Art. Unglaublich, welchen Einfluss unser Atem auf unser mentales und körperliches Wohlbefinden hat. Also: Tief durchatmen und weiter geht's! Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Führung durch die Keramikausstellung "Schlaraffenland" mit der Künstlerin Nora Arrieta im Pulverturm - faszinierende Werke, in denen unsere reizüberflutete Welt spielerisch und üppig in Form gegossen wurde.  Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: OXO - Museo del Videojuego in Málaga  - über drei Etagen wird hier die Geschichte der Videospiele ausgestellt - ausprobieren und selber spielen immer erlaubt! Das Jahr in einem Meme: Carolin hat ein ziemlich passendes Meme mitgeschickt, leider funktioniert es h ier technisch nicht. Sobald ich die Zeit finde, liefere ich es nach. (Anm. v. Thorsten) LISA KNOLL KOORDINATORIN WORLD PRESS PHOTO AUSSTELLUNG Bestes Album: "Sunday Sadness" von Amy Shark . Lieblingstrack daraus: "Our Time Together". Schon beim Intro bin ich verloren Bester Film: Als großer Fan von kuriosen Ideen muss ich hier natürlich " Kinds of Kindness " nennen. Der war absurd, verstörend, chaotisch, lustig, traurig, verwirrend und hing noch ne Weile nach. Typischer Lanthimos eben. Und die perfekte Gelegenheit, wieder mal im Casablanca vorbeizuschauen. Bestes Buch: Keine Neuerscheinung aus diesem Jahr, sondern ein wunderbarer Zufallsfund beim In-der-Kassenschlange-neben-der-Reduziertkiste-warten: " Als wir Waisen waren " von Kazuo Ishiguro . Bester Kultur-Moment in Oldenburg: Meine Kindheitsheldin Cornelia Funke auf der KIBUM zu treffen und plötzlich wieder elf Jahre alt zu sein. "Tintenherz" hat mir damals gezeigt, welche unglaublichen Welten man aus Worten erschaffen kann. Seitdem wollte ich mit dem Schreiben mein Geld verdienen. Hat geklappt. :-) Bester Kultur-Moment im Rest der Welt: Noch ne kleine Zeitreise: diesmal mit Green Day auf der Trabrennbahn in Hamburg – genau 20 Jahre nachdem ich mit "American Idiot" vor meinem CD-Player gesessen und den Punkrock entdeckt hab.  Das Jahr in einem Satz: Ziemlich schön war's! NICOLA HEPPNER GESCHÄFTSFÜHRERIN WERKSCHULE E.V. Bester Song: Da kann ich mich einfach nicht entscheiden! :-) Bester Film: Monsieur Blake zu Diensten Gutes Buch: Juli Zeh & Simon Urban: Zwischen Welten . Und nur Juli Zeh: Unter Menschen . Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Das Konzert von Kennedy Administration beim Kultursommer. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Der Besuch der Biennale in Venedig Das Jahr in einem Satz oder drei Schlagworten:   ereignisreich, erschütternd, trotzdem schön CARL WIRAEUS KUNSTKOMPLEX KOLLEKTIV Bester Song: „Persan“ von Kangding Ray  Bester Film: The Platform   Bestes Buch: 1984 - George Orwell  Bester Kulturmoment in Oldenburg: Jugendtheatertage : Mittwoch in der Exhalle am Pferdemarkt: Jugendliche wachsen auf der Bühne über sich hinaus.  Bester Kulturmoment im Rest der Welt: Sonntag auf der Ovelgönnung : Ein familiäres zusammenkommen im Sonnenschein.  Das Jahr in einem Satz: Was kommt als Nächstes?   ELISABETH KERSCHBAUMER DRAMATURGIN | OLDB. STAATSTHEATER Bestes Album: Zwar aus den 70ern, aber 2024 neu entdeckt: „Hit or Miss“ von Odetta Bester Film / beste Serie: Film „ Challengers “, Serie „ Mr. & Mrs. Smith “ Bestes Buch: „ Miserere “, eine Sammlung von drei kurzen aber sehr feinen Texten übers Leben, von der großartigen und zu früh verstorbenen Autorin Helene Adler Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Als ich Anfang des Jahres im Café Innenleben saß, sprachen zwei ältere Frauen gerade darüber, welche progressiven Bildenden Künstler:innen ihnen besonders gefallen. Kurz darauf ging es dann um klassische Musik. Diese Aufgeschlossenheit und die Eingebundenheit von Kunst und Kultur im Alltag der Oldenburger:innen begeistert mich. Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Der Besuch bei einer Theatergruppe in meiner Tiroler Heimat. Mich nach fast zehn Jahren mit Menschen, deren Spielenergie mich damals enorm geprägt hat, über Theater zu unterhalten, war für mich sehr besonders. / Und Kettenkarussell fahren am Bremer Freimarkt war auch ein toller Kulturmoment. Das Jahr in drei Worten: Ich glaub’s nicht! FRAUKE ALLWARDT LEITUNG | THEATER HOF/19 Bestes Album: Tingvall Trio : „Birds“ Bester Film: „ 2 Freunde " mit Ulrich Matthes und Justus von Dohnányi ) Bestes Buch: Max Richard Leßmann , „Sylter Welle“ Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Auch wenn es leicht jenseits der Stadtgrenzen liegt: Alin Coen im Park der Gärten Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Homers „ Die Odyssee “ im Thalia Theater Hamburg: Das Jahr in einem Satz: Das Jahr war geprägt von großen Sorgen um  das Klima, Demokratie und Frieden, beruflich und privat war es ein gutes, spannendes Jahr . KEVIN ALTENBERGER JACK OF ALL TRADES | KULTURSCHNACK Bestes Album: Zwar bereits Ende 2023 erschienen, war mein Soundtrack in 2024 aber trotzdem das Album „Wir Werden Nur Was Wir Schon Sind“ von fiio . Schon lange hat mich kein Album mehr auf ganzer Strecke so begeistert, wie er das geschafft hat. Das lief auf Dauerschleife. Beste Serien: Trying – Staffel 4, The Bear: King Of The Kitchen – Staffel 3, Kleo – Staffel 2 Bestes Buch: Die Bücher, die zwar nicht dieses Jahr erschienen sind, mir aber in diesem Jahr die größte Freude bereitet haben waren „Flash in the Pan: Life and Death of an American Restaurant“ von David Blum , Veza Canetti mit „Die gelbe Straße“ und, als Papa, „Herr Hase und Frau Bär“ von Christa Kempter und Frauke Weldin. Schönster Kultur-Moment in Oldenburg: Jean Philippe Kindler im Unikum Schönster Kultur-Moment im Rest der Welt: Die Ausstell ung „ Hanna Bekker vom Rath . Eine Aufständische für die Moderne“ im BRÜCKE Museum, Berlin und das Museum als solches insgesamt . Das Jahr in drei Schlagworten: Unvergesslich – Wohnwagen - Aufregend THORSTEN LANGE MAN ON A MISSION | KULTURSCHNACK Beste Songs: Was mir Auftrieb gegeben hat: Dear Seattle - Evergreen, Skegss - High Beaming, Old Mervs - What You've Lost, Teen Jesus & The Jean Teasers - I Used To Be Fun, Rematch - Take It All Back, Rum Jungle - Don't Be a Stranger, WSTR - I Hate It Here. Der meistgehörte Song war aber: Illy - Stubborn. Danke, Arjan! Bester Film / beste Serie: Filme: Der Waldmacher . Einen anderen fantastischen Film hab ich sogar zweimal gesehen: Spies in Disguise . Danke, Arjan! / Serie: Snowfall . Beste Bücher: Schon älter, aber dieses Jahr gelesen: Dennis Lehane „Small Mercies“, Rick Rubin „The Creative Act: A Way Of Being“. Comic des Jahres: Clever & Smart Sonderausgabe zu den Olympischen Spielen 1984! Danke, Arjan! Beste Kultur-Momente in Oldenburg: Es ist lahm, weil so unkonkret, aber ich komme zu keinem anderen Schluss: Es waren die vielen Interviews, die ich in diesem Jahr führen durfte - wie z.B. mit Tuan Andrew Nguyen . In unseren Artikeln steht ja immer nur ein Buchteil all der schönen Momente mit den Menschen, die Kultur entstehen lassen. Danke an alle, mit denen ich diskutieren, abschweifen und philosophieren durfte - you made my year! Beste Kultur-Momente im Rest der Welt: Rum Jungle und Absolutely Anytime in der Molotow Sky Bar in Hamburg. Eines dieser Konzerte, bei denen Schweiß von der Decke tropft. Umgehauen haben mich zudem das Centro de Creación Contemporánea de Andalucía ( C3A ) in Cordoba und das Straat Museum in Amsterdam. Wahnsinn! Das Jahr in drei Worten: Mittelprächtig - Wunderschön - Supermies.

  • ARTPARK: SLOW MOTION EXIT

    Was geht eigentlich in der Oldenburger Musikszene? Kurze Antwort: Viel zu viel, um es hier abzubilden! Deshalb werden wir niemals jede Band, alle Singles und sämtliche Auftritte erwähnen können. Aber: Es gibt ja noch Longplayer. Sie sind nach wie vor etwas Besonderes, jeder Release markiert einen Meilenstein der Bandgeschichte. Das wollen wir feiern - im KULTURSCHNACK SOUNDCHECK! Hier stellen wir euch Alben made in Oldenburg vor und verraten euch, warum ihr sie unbedingt euren Playlists hinzufügen müsst. Die dritte Folge widmet sich den Pop-/Rockern von artPARK. Ganz langsam: artPARK setzen nicht auf Tempo oder Trends, sondern auf handgemachte Musik mit besonderer Atmosphäre. (Bild: artPARK) Kennt ihr das? Man sieht das Cover einer neuen EP oder eines neuen Albums und hat sofort eine Idee im Kopf, wie die Musik wohl klingen könnte. Auch wenn man die Band gar nicht kennt und noch keinen einzigen Ton von ihr gehört hat, formt sich eine Vorstellung davon, was einen erwartet. Genau so ging es uns bei der neuen EP von artPARK . Als wir das äußerst stimmungsvolle Bild auf Cover sahen, formte sich die Vorstellung, dass uns sehr atmosphärische, eher zurückhaltende Rockmusik erwarten könnte. Oft werden wir in solchen Momenten jäh überrascht, weil sich eine LoFi-Garage-Combo einen Scherz erlaubt hat und Tiefe vorgaukelt, die gar nicht da ist. Ganz anders war's aber bei artPARK: In diesem Fall trafen wir mit unserem Gefühl ziemlich ins Schwarze. Tatsächlich bietet „Slow Motion Exit“ ein sehr stimmungsvolles Hörerlebnis mit handgemachter Pop-/Rockmusik. Ob der stimmige Gesamteindruck Absicht war? Warum der Sound so homogen klingt? Und wann das nächste Album kommt? Das haben wir Drummer Mark Höhnlein gefragt. artPARK: Ansgar (Gitarre), Hauke (Bass), Birgit (Keys), Jens (Gesang), Mark (Drums). (Bild: artPARK) Passgenaue Puzzleteile artPARK sind keineswegs Neulinge in der lokalen Musikszene. Im Gegenteil, die Band wurde bereits im Jahr 2005 gegründet. „ Untereinander bestehen teils lange Freundschaften, die Kommunikation ist sehr positiv und offen“, erzählt Mark, der erst 2022 zur Band stieß. „Ich hatte sofort das Gefühl, Teil von etwas Spannendem zu sein, das Potenzial für mehr hat.“ Auf der faulen Haut hat die Band aber auch bisher nicht gelegen: Nachdem in den Jahren 2012 bis 2017 zunächst einige Sessions veröffentlicht wurden, ging es ab 2018 richtig los. Nach den EPs „Quiet“ (2018) und „Next Stop“ (2024) sowie dem Longplayer „On a Friday“ (2020) ist „Slow Motion Exit“ bereits der vierte Release in den letzten sieben Jahren - und vielleicht der bisher ausgereifteste und homogenste von ihnen. Ausgereift und homogen - das sind gleichzeitig gute Stichworte, um den Sound der Band zu beschreiben. artPARK suchen nicht die krassesten Riffs, die härtesten Breaks oder das schrillste Solo. Der Band geht es nicht darum, einzelne Teile stark zu betonen und dann zu Songs zusammenzusetzen. Vielmehr hat man den Eindruck, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: Alles dient dem Gesamtkunstwerk, die einzelne Instrumente und Elemente setzen sich passgenau zusammen, um einen bestimmten Klang zu formen, der sowohl die Songs als auch die EP prägt. NEUES FORMAT „SOUNDCHECK“ OLDENBURGER BANDS AUFGEPASST I hr seid Solo-Musiker:in oder spielt in einer Band aus Oldenburg? Ihr seid so ambitioniert, dass ihr eure Musik schon veröffentlicht habt oder genau das demnächst tun werdet? Und zwar nicht nur als eine Single, sondern in Form einer EP oder eines Albums? Mega, dann seid ihr hier richtig! In Zukunft wollen wir hier regelmäßig über den Output Oldenburger Musiker:innen berichten. Ihr habt Interesse im KULTURSCHNACK SOUNDCHECK aufzutauchen? Super, dann lasst es uns - am besten im Vorfeld der Veröffentlichung - wissen. Tickt uns auf Insta an oder schickt uns eine Email , wir kommen auf euch zurück. Super wäre es, wenn ihr schon ein kleines Presskit in petto hättet: Albumcover, Bandfotos, evtl. Link zu einem Video und einigen Soundfiles, die wir für ein Reel nutzen könnten. Es gibt keine Garantien für einen Artikel - aber wir bemühen uns, möglichst alles zu verarbeiten, was uns erreicht. Die Oldenburger Szene ist (noch) bunter und besser als viele denken. Höchste Zeit, dass die Welt davon erfährt! Also: Macht mit beim Kulturschnack SOUNDCHECK!   Musik als Mannschaftssport Was heißt das konkret? Es gibt keine ungestümen Zweiminuten-Kracher, es gibt auch keine epischen Progrock-Referenzen. Die Wahrheit liegt dazwischen: Kompakte Pop-/Rock-Songs zwischen dreieinhalb und fünf Minuten, instrumentell fein austariert zwischen Gitarre und Keyboard, Bass und Drums. Darüber thront - man muss es so formulieren - der markante Gesang von Frontmann Jens. Man spürt sofort, dass seine Stimme bereits den einen oder anderen Song gesungen hat. Diese Färbung bekommt man nicht, wenn man mit 16 schnell mal zum Mikro greift, sondern nur, wenn man schon ein paar Lebensjahre samt entsprechender Erfahrung auf dem Buckel hat. Hin und wieder wirkt der Gesang vielleicht etwas überakzentuiert, man vermisst ein wenig Lockerheit. Aber das wiederum passt ins Bild einer EP, die sich durch ein intimes Gefühl der Nähe auszeichnet. Vielleicht kann man diese Beschreibung auch für die Musik nutzen. Sie klingt nach Erfahrung. Danach, als hätten die Bandmitglieder ihren Weg bereits gefunden und müssten sich nicht mehr profilieren. Stattdessen spielen sie „mannschaftsdienlich“, im Sinne der Songs. „ Beim Songwriting spielen unsere vielfältigen Einflüsse eine Rolle, jeder trägt etwas zum Gesamtsound bei“, verrät Mark. Oft brächten Sänger Jens und Gitarrist Ansgar erste Ideen mit, anderes entstehe beim Warmup oder bei einem Jam. Entscheidend sei aber, dass am Ende alle Songs den typischen artPARK-Sound hätten. „Der setzt sich aus mehr zusammen als dem individuellen Spiel und der Stimme. Unser Anspruch ist es, dass ein Gesamtwerk entsteht, das sich für uns richtig anfühlt.“ Dazu gehörten neben den Songs auch die Aufnahmen im Auricher Dickfehler-Studio - die übrigens im One-Take -Verfahren entstanden - und das Cover-Artwork. „All das sorgt dafür, dass ‘Slow Motion Exit‘ nicht nach aneinandergereihten Songs klingt, sondern nach einem gemeinsamen Produkt unseres Wirkens - auf das wir durchaus etwas stolz sind.“ Unaufgeregt, aber unwiderstehlich Kritiker:innen mögen bemängeln, dass es „Slow Motion Exit“ ein wenig an Abwechslung fehlt. Tatsächlich ähneln die Songs einander, es gibt insgesamt wenig Brüche, die einen beim Hören aufhorchen lassen. Aber was die einen stören könnte, schätzen die anderen. Das Hörerlebnis bei artPARK ist in einem positiven Sinne reibungslos: Die Band erzeugt eine bestimmte Atmosphäre, die eine große Ernsthaftigkeit und Emotionalität ausstrahlt. Wir schlagen wieder den Bogen zum Cover: Ein bisschen wirkt es so, als würde man an einem regnerischen Nachmittag im Café an der Ecke sitzen. Ein:e gute:r Freund:in erzählt, was sie oder ihn bewegt. Die Sätze wandern zwischen Eindringlichkeit und Zurückhaltung, zwischen Euphorie und Resignation. Aber eines sind sie immer: ganz nah. Es ist eine Kunst, unaufgeregte aber dennoch unwiderstehliche Songs zu schreiben. Dafür braucht es Melodien und Arrangements, die ohne großen Bombast oder technische Tricks funktionieren - und die auch die Hörgänge nicht derart penetrieren, dass man sie nach einigen Durchgängen schon wieder aus dem Gedächtnis löschen möchte. Genau das gelingt artPARK auf „Slow Motion Exit“. Zwar würde man der Produktion hier und da etwas mehr Kraft wünschen, damit die Songs noch etwas stärker wirken können. Doch eines wird auch so deutlich: dass hier Rocksongs entstanden sind, die mehr sind als nur der Versuch, auf eine kuratierte Playlist zu kommen. Sie stehen für sich: emotional, atmosphärisch, zeitlos - und zurecht selbstbewusst. Verwackelt, aber stimmungsvoll: Ein Video von der EP-Realease-Show in der Oldenburger Buddel Jungs Bar. Die ewige Ungeduld Aber wohin wird die Reise noch gehen? Gibt es Träume und Ziele? Mark bleibt realistisch: „Wir würden gerne regelmäßiger Gigs spielen und unsere Musik einer breiteren Masse präsentieren“, gewährt er einen Einblick. „Leider sind wir allesamt keine Marketing-, Social Media-, oder Booking-Experten und außerhalb der Band beruflich allesamt gut eingebunden.“ Dennoch sei die Band viel mehr als nur ein Hobby: „Bei den letzten Aufnahmen und Konzerten haben wir mehr und mehr gespürt, welches Potenzial noch in der Band stecken könnte.“ So dürfte auch zweite Longplayer nur eine Frage der Zeit sein. Das einzige Problem: „Uns fällt es schwer, Songs zu sammeln und zurückzuhalten. Wir sind viel zu gern im Studio! Deshalb haben wir zuletzt jährlich EPs veröffentlicht.“ Diese Ungeduld ist nichts anderes als: Leidenschaft für Musik. Und wenn dabei Veröffentlichungen wie „Slow Motion Exit“ entstehen, dann können die Fans sicher noch eine Weile auf ein neues Album verzichten. Schließlich gibt es jedes Mal: ein neues Gesamtkunstwerk. ARTPARK SLOW MOTION EXIT 4 Songs, 16 Minuten Alternative Pop/Rock 25. Juli 2025 Spotify | Apple | Amazon | Deezer | Tidal

  • PODCAST: HOLGER DENCKMANN

    Wir haben einen neuen Kulturdezernenten! Doch Holger Denckmanns Aufgabengebiet umfasst weit mehr als das. Warum genau hierin auch Vorteile für die Kultur liegen, was ein Dezernent überhaupt den ganzen Tag so treibt und wie seine persönliche Vision für die weitere Entwicklung der Kulturszene unserer Stadt aussieht, das erfahrt ihr in dieser frisch aufgebrühten Episode unseres Podcasts! Dabei handelt es sich um ein absolutes Novum beim Kulturschnack! Denn zum ersten Mal in der Geschichte unseres Podcasts haben wir das große Vergnügen, einen Gast ein zweites Mal bei uns begrüßen zu dürfen. Nun könnte sich aus diesem Grund die Frage aufdrängen: "Beginnt etwa bereits die Zeit der Wiederholungen? Ist die Kultur Oldenburgs etwa auserzählt?" Dem möchten wir direkt mit voller Inbrunst entgegnen: "Niemals!" Doch Holger Denckmann ist diesmal in einer völlig neuen aber für die Kulturszene der Stadt umso bedeutenderen Position bei uns zu Gast. 10 Jahre lang, von 2014 bis 2024, lenkte er bereits die Geschicke der Musikschule der Stadt Oldenburg als Fachdienstleiter und war in dieser damaligen Rolle unter anderem dafür mitverantwortlich, den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" , der 2022 hier bei uns in Oldenburg stattfand, zu dem Erfolg zu machen, der es letztlich war. In einer unseren ersten Podcastepisoden durften wir ihn damals in diesem Rahmen, gemeinsam mit Ulrike Lehmann, der Projektleiterin seitens "Jugend musiziert" bei uns begrüßen. Wer sich zurückerinnern möchte, findet die damalige Aufzeichnung übrigens direkt hier: Doch nun, drei Jahre später, ist die Lage eine andere. Holger Denckmann wechselte 2024 als Bundesgeschäftsführer zum Verband deutscher Musikschulen (VdM), war also der wichtigste Interessenvertreter der Musikschulen im Land und kehrte nun, nur ein Jahr später, zurück um hier in Oldenburg das Amt des Stadtrats für Schule, Sport, Kultur und Gebäudewirtschaft zu übernehmen. Eine große und wichtige Aufgabe, die mit vielen Hoffnungen und auch Erwartungen einhergeht, da sie maßgeblich auf die Entwicklung der kulturellen Landschaft einer Stadt wie Oldenburg Einfluss nimmt. Doch wie gestaltet sich der Arbeitsalltag eines Dezernenten tatsächlich und worin sieht er auch persönlich seine Aufgabe innerhalb des Amtes? Wie gelingt es, den vielfältigen Ressorts (eben nicht nur der Kultur) möglichst in gleicher Weise gerecht zu werden und inwiefern profitieren diese Themenfelder vielleicht sogar voneinander? Diesen Fragen gehen wir gemeinsam mit Holger Denckmann in der neuen Ausgabe unseres Podcasts nach. Zur Sprache kommt dabei auch, welches übergeordnete Bild er in den kommenden Jahren, auch hinsichtlich der Kulturförderung, gerne weiterzeichnen möchte und weshalb es dabei auch unser aller Aufgabe bleibt, die schützende Hand über die Institutionen zu halten, die unseren Alltag mit ihrem Mut zur Kreativität bereichern. Wir sind der Überzeugung: dieses Bild sieht vielversprechend aus! Doch am besten überzeugt ihr euch einfach gleich selbst davon - viel Spaß beim Hören!

  • ORANGE DAYS: MIT DER KRAFT DER KULTUR

    Ob Warnwesten, Verkehrshütchen oder Ampeln: Die Farbe Orange hat seit jeher eine Signalwirkung. Das betrifft aber nicht nur Straße und Baustellen, sondern auch ein bedeutendes gesellschaftliches Thema: sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen. Am 25. November werden einige markante Gebäude in orangefarbenes Licht getaucht, um auf das allgegenwärtige, aber oft unsichtbare Problem aufmerksam zu machen. Bei dieser Symbolik bleibt es aber nicht: Auch die Kultur spielt eine wichtige Rolle. Stop: Sexualisierte Gewalt darf keinen Raum in unserer Gesellschaft haben. Dafür braucht es ein hohes Maß an Aufmerksamkeit - zu dem unter anderem die Orange Days beitragen. (Bild: Shutterstock/Kulturschnack) Es ist ein grausame Wahrheit, aber: Sexualisierte Gewalt ist Teil unseres Alltags. Alle vier Minuten erleidet eine Frau Gewalt durch ihren (Ex-) Partner, allein in Niedersachsen gibt es täglich 250 Fälle. In Deutschland wird fast jeden Tag ein Femizid verübt. Dies führt zu einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit und Unfreiheit. 90 Prozent der jungen Frauen geben an, nachts bei Begegnungen mit unbekannten Männern starke bis extreme Angst zu empfinden. So bedeutsam es auch ist, die meist männlichen Täter zu bestrafen: Noch besser wäre es, wenn es gar nicht erst zu den Taten käme. Wenn übergriffiges Verhalten gesellschaftlich so weit und so konsequent geächtet wäre, dass es allgemeiner Konsens ist, dass es niemals infrage käme - auch nicht in vermeintlich harmlosen Erscheinungsformen. Genau darauf zielen die Orange Days in Oldenburg ab. Sie wollen für Awareness sorgen - also Aufmerksamkeit für die Existenz und die Tragweite des Problems, aber auch für das eigene Verhalten. Dabei nutzen sie nicht nur den Signaleffekt der Farbe, sondern auch die Wirkungsmacht der Kultur. Wie das in Oldenburg im einzelnen aussieht? Darüber haben wir mit Katrin Meilke vom Studierendenwerk Oldenburg gesprochen. ORANGE DAYS OLDENBURG 24. NOVEMBER BIS 10. DEZEMBER 2025 CAMPUS HAARENTOR UHLHORNSWEG 49-55 26129 OLDENBURG PROGRAMM Gegen Gewalt an Frauen Vierunddreißig Jahre. So viel Zeit ist vergangen, seitdem der 25. November von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erklärt wurde. Seither wird alljährlich mit den Orange Days darauf aufmerksam gemacht - und der Plural ist hier kein Tippfehler. Tatsächlich laufen die Aktionen bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte . Ein passender Endpunkt, denn zu ihnen gehört auch: die körperliche Unversehrtheit. Vierunddreißig Jahre sind eine lange Zeit. Und doch hat man den Eindruck, dass manches erst jetzt so langsam in Fahrt kommt - auch in Oldenburg. Zwar gab es auch schon in der Vergangenheit viele Aktionen und jede einzelne von ihnen war wichtig. In diese Jahr jedoch gab es an der Carl von Ossietzky Universität einen neuen Impuls: Ausgehend vom Studierendenwerk schlossen sich viele uninahe Organisationen zusammen, um gemeinsam eine größere Wirkung zu erzielen. Als sich dann auch noch das Staatstheater beteiligte, entstand ein Bündnis, das mit einem starken Programm ein wichtiges Zeichen setzt. „Wir wollten dieses Thema gerne hierher auf den Campus bringen und noch sichtbarer machen als bisher“, berichtet Pressesprecherin Katrin Meilke . Den Anlass dafür hatte ein Theaterstück gegeben, das sie im Vorfeld besucht hatte und das nun auch im Rahmen der Orange Days Oldenburg zu sehen sein wird: „Die Frau, die gegen Türen rannte“ von Booker-Preisträger Roddy Doyle . „Ich war bei der Vorstellung zu Tränen gerührt und dachte nur: Wow!“, erinnert sich Katrin. Bei dem Stück ertränkt die Protagonistin ( Michaela Allendorf ) ihre persönliche Gewalterfahrung in Alkohol - dargestellt in Form eines 60-minütigen Monologs. Eine solch eindringliche Inszenierung hatte auch schon bei Suzie Millers „ Prima Facie “ am Staatstheater überzeugt und bietet auch hier eine intensive Erfahrung: „Meinen größten Respekt! Das hat mich sehr berührt.“ ORANGE DAYS: WEITERE AKTIONEN IN OLDENBURG Den Kern der diesjährigen Aktionen zu den Orange Days bildet zweifellos die Universität. Der Zusammenschluss der dortigen Akteur:innen sorgt für ein abwechslungsreiches, spannendes Programm. Dennoch sind auch andere Kulturinstitutionen aktiv. Hier nennen wir einige weitere Aktionen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. CINE K Film: „In die Sonne schauen“ Weitere Informationen FORUM ST. PETER Kunstausstellung: „Gemeinsam starke Zeichen setzen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen Weitere Informationen KULTURETAGE I n formationsmaterial für Betroffene und Angehörige zu Beratung, Beweissicherung und vielem mehr Weitere Informationen LANDESBIBLIOTHEK Inf ormations- und Lesebereich mit Fach- und Sachliteratur, sowie Romanen zum Thema Gewalt gegen Frauen Weitere Informationen Wichtiges Anliegen, starkes Programm Bewegend: Das monologische Theaterstück mit Schauspielerin Michaela Allendorf ist eine intensive Erfahrung. (Bild: Privat) Mit diesem Impuls ging Katrin zusammen mit Kulturreferent Jürgen Boese auf die Suche nach Kooperationspartner:innen - und die beiden rannten nicht etwa gegen Türen, sondern stieß nur auf weit geöffnete. „Ob Universität, ASta, oder Uni-Kino Gegenlicht - alle haben gefragt: Können wir uns anschließen? Können wir mitmachen?“, ist Katrin immer noch beeindruckt von der Resonanz. Als sich schließlich auch noch die Beteiligung des Staatstheaters ergab, war klar: Das Vorhaben, den Orange Days Oldenburg mehr Sichtbarkeit zu verleihen, würde zweifellos gelingen. Dafür sorgt vor allem das starke Programm. Neben „Die Frau, die gegen Türen rannte“ bietet es mit „ Erzähl mir keine Märchen “ vom Jugendclub des Staatstheaters ein weiteres Theaterformat, das in den Social Media bereits hohe Wellen schlug: Auf Instagram erhielt ein Ausschnitt des Stücks über 200.000 Likes. Warum? Das kann das Oldenburger Publikum nun noch zweimal live nachempfinden. Mit „ Nur eine Frau “ hat auch das Unikino Gegenlicht eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Der preisgekrönte Film von Sherry Hormann mit der großartigen Almila Bagriacik in der Hauptrolle zeichnet den realen Fall der Deutschtürkin Hatun Aynur Sürücü nach, die 2005 von ihrem Bruder erschossen wurde. Hinzu kommt die Austellung „Gemeinsam gegen Sexismus“, die vom 24. November bis zum 1. Dezember im Mensafoyer am Uhlhornsweg zu sehen ist. Starke Filmauswahl: „Nur eine Frau“ greift verschiedene Nuancen und Kontexte des Themas Gewalt gegenüber Frauen auf. (Trailer: NFP Kino) Aber warum setzt das Studierendenwerk eigentlich nicht auf Vorträge, Flyer und Infotafeln, sondern auf Kulturangebote? „Wir wollten auf künstlerisch-kreative Weise auf das Thema aufmerksam machen“, stellt Katrin klar. Ein Grund dafür sei die Wirkunsgkraft von Gefühlen. „Mit Emotionen erreichen wir die Menschen einfach besser, eindringlicher und nachhaltiger, als wenn wir unsere Besucher:innen nur frontal informieren würden.“ Deshalb sei von Anfang an klar gewesen, dass die Kultur eine tragende Rolle spielen solle. „Mit Kultur kann man viel bewegen. Das wird manchmal unterschätzt. Sie ist in der Lage, Prozesse anzustoßen und zu entwickeln. Das ist wichtig und essentiell.“ Noch mehr Aufmerksamkeit Eine Gefahr ist dabei natürlich, dass man - gerade in einer Universität - letztlich nur „Preaching to the Converted“ betreibt, also nur jene erreicht, die sowieso schon eine Offenheit für das Thema haben. „Das kann man nicht ausschließen“, weiß auch Katrin. Sie setze aber darauf, dass es im Kontext zum Programm zu einem fruchtbaren Austausch kommt - etwa bei er Podiumsdiskussion im Anschluss an den Theatermonolog. „Ich kann natürlich nichts verlangen. Aber ich hoffe einfach, dass unser Programm schon durchaus einen Nachklang hat und dass sich da auch etwas entwickeln kann. Ich bleibe optimistisch.“ Engagiert: Katrin Meilke gab zusammen mit Jürgen Boese den Impuls für die diesjährigen Aktivitäten zu den Orange Days im Umfeld der Universität. (Bild: privat) Dass der Impuls für eine Vernetzung ausgerechnet aus dem Umfeld der Universität kam, will Katrin nicht überbewerten. „Als Vorreiter sehe ich uns nicht unbedingt, das ist ja ein großes Wort“, ist sie bescheiden. „Es war uns einfach ein Anliegen. Und glücklicherweise sind wir auf Partneri:innen gestoßen, bei denen es genauso ist.“ Einer Ausweitung des Netzwerks auf andere Teile der Gesellschaft oder die Einbindung weiterer Kulturakteur:innen schließt Katrin ausdrücklich nicht aus. „ I ch würde das Format sehr gerne beibehalten“, stellt sie zwar fest. Aber: „Ich wünsche mir, dass die Aufmerksamkeit noch größer wird, also dass möglichst viele Interessierte und Besucher vorbeikommen, weil das Thema so wichtig ist.“ Die Zukunft ist orange Wer weiß? Vielleicht erwarten uns - vom Nukleus Universität ausgehend - im kommenden Jahr vielleicht schon eine stadtweit organisierte „Orange Days“ mit einer völlig neuen Strahlkraft. Unabhängig davon hoffen wir, dass dabei auch weiterhin die Kultur eine tragende Rolle spielt. Tatsächlich kann sie die Herzen der Menschen besser erreichen als jede Statistik. Und unser Verhalten verändern wir eben am deutlichsten und nachhaltigsten, wenn es nicht allein rational motiviert ist, sondern emotional. Großer Erfolg: „Erzähl mir keine Märchen“ wurde nicht nur bei Instagram mit Liebe überschüttet, auch die Aufführungen in Oldenburg sind stets ausverkauft. (Bild: Stephan Walzl) Die erschreckenden Zahlen werden so schnell nicht rapide sinken. Unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe ist es dennoch (oder gerade deswegen), weiter an uns zu arbeiten und sexualisierte Gewalt zunehmend zurückzudrängen. Jeder Einzelfall ist einer zu viel, selbst wenn es nur eine Bagatelle zu sein schein - das ist sie für die Betroffenen nämlich nie. Lassen wir uns - und das gilt vor allem für die Männer - von diesen kulturgeprägten Orange Days inspirieren und motivieren. Dann verbinden wir die Farbe künftig hoffentlich nicht nur mit Warnwesten und Verkehrshütchen - sondern auch mit der Vision einer Welt ohne Gewalt an Frauen.

  • KOLUMNE: ENDGEGNER SCHWEINEHUND

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Dafür lohnt es sich, den Schweinehund zu überwinden: Das Familienstück zum Jahresende ist ein Klassiker im Spielplan des Staatstheaters. In diesem Jahr ist „Die Schöne und das Biest“ zu sehen. (Bild: Stephan Walzl) Das Wetter ist gut, während ich diese Kolumne schreibe. Naja, zumindest für einen norddeutschen November. Das Thermometer ist auf geradezu subtropische 9 Grad geklettert und statt des tagelang anhaltenden Nieselregens ist die Luft einfach nur nass und neblig. Wie gesagt: Gutes Wetter. Da kann man nicht meckern.   Aber man tut es doch, zumindest innerlich. Wenn sich die Tage nach der Zeitumstellung immer weiter verkürzen und gleichzeitig nur noch wenige Sonnenstrahlen durch den milchig-trüben Himmel dringen, während die allgegenwärtige Feuchtigkeit in jede Fuge unserer Häuser und jede Lücke unserer Kleidung kriecht, möchte man eigentlich nur noch eins: sich einkapseln und erst im Frühjahr wieder rausgehen. Einen schönen Winterschlaf? Warum eigentlich nicht! Duell mit dem Superschurken Erst Schweinehund, dann Slam: Thorsten gibt Tipps für den Kampf gegen sich selbst. (Screenshot: Kulturschnack) Schreibe ich an dieser Stelle tatsächlich über das Wetter? Ja, allerdings! Denn seien wir mal ehrlich: Das Wetter ist durchaus ein Faktor, der beeinflusst, wie wir unsere Tage gestalten und wie viel Lust wir haben, etwas zu unternehmen, das außerhalb der eigenen vier Wände stattfindet. Und genau dort, an der Tür zur Außenwelt, lauert im Winter der ultimative Endgegner, ein waschechter Superschurke der allerfiesesten Sorte: Der innere Schweinehund.   Je kürzer der Tag, je schlechter das Wetter, desto größer ist seine Macht. Was die Sache noch schlimmer macht: Er ist dann am stärksten, wenn wir am schwächsten sind. Sobald wir nach der Arbeit überlegen, wie wir den Abend gestalten, ist er plötzlich da, um allzu ambitionierten Planungen gleich einen Riegel vorzuschieben. Und selbst wenn wir stark bleiben, wird zeitgleich unsere bessere Hälfte vom Schweinehund besiegt und lockt uns zu sich auf die Couch. Ach, es gibt eine neue Staffel von X oder eine Doku über Y? Auch nicht schlecht.   Niemand ist vor dem Schweinehund sicher, auch mich besiegt er immer wieder. Aber: Als unverdrossener Don Quichote nehme den oft aussichtslosen Kampf immer wieder auf. Ich scanne Programme, mache Pläne, kaufe Tickets. Meine Erfahrung: Je konkreter die Vorhaben, desto stärker mein Wille. Klar, den Schweinehund interessiert das nicht, er wartet trotzdem auf einen Moment der Schwäche. Der kommt aber seltener, wenn man sich in seinen Entscheidungen bewusst etwas unfreier macht. Ich kann nur jedem raten, tagsüber an Termine und Tickets zu denken und am besten gleich Nägel mit Köpfen zu machen. Denn wenn man damit bis zum Abend wartet, dann steht man schließlich als tapferer David dem mächtigen Goliath gegenüber – nur dass uns beim besten Willen kein Trick einfallen will, um ihn zu überlisten. Ach, es gibt noch Chips und Schoki? Und einen Drink dazu? Auch nicht schlecht.   Bühnenlicht ins Gemütsdunkel   Ich erwähne all das nicht, weil mir nichts Besseres einfiele. Auch nicht, um möglicherweise verwaiste Plätze vor den Oldenburger Bühnen zu füllen – obwohl das ein netter Nebeneffekt wäre. Ich erwähne das, weil ich überzeugt davon bin, dass man sich gerade in den dunklen Wintermonaten eben nicht an die eigene Couch fesseln sollte. Natürlich kann uns auch ein Streamingdienst unterhalten, und zwar mehrere Leben lang. Aber es geht mir nicht um reines Entertainment. Wenn schon die Sonne und Wärme fehlen und mit ihnen - neben Vitamin D - auch die Leichtigkeit des Sommers, dann sollten wir dafür sorgen, dass etwas Licht ins Gemütsdunkel fällt. Und das strahlt von den Bühnen deutlich stärker und wärmer als von einem LED-Screen.   Wer auf dem Weg ins Theater, Konzert oder Kino durch Nässe, Kälte und Dunkelheit gestiefelt ist, erlebt die Aufführung oft als eine Offenbarung. Die Rezeptoren öffnen sich besonders weit, die Freude ist maximal groß. Vielleicht ist das Bild zu extrem, aber es fühlt sich manchmal an, als stürzt man als emotional Verdurstender in ein Meer voller Gefühle und Eindrücke. Und im Anschluss denkt man tatsächlich jedes Mal: „Mensch, das hat sich jetzt aber gelohnt!“ Doch beim nächsten Mal fällt unser Blick sicher wieder auf diese gemütliche Couch im Wohnzimmer. Ach, ich könnte mich da jetzt einfach hinfläzen und chillen? Auch nicht schlecht.   Seien wir nochmal ehrlich: Gute Vorsätze sind verdammt schwer umzusetzen. Jede Ausgehsituation ist neu, der Schweinehund bleibt unser listiger Endgegner. Aber wir sollten diese stets wiederkehrende Erkenntnis, dass es sich eben doch lohnt, den winterlichen Bedingungen zu trotzen, unbedingt im Kopf behalten. Das könnte nämlich dabei helfen, uns selbst Brücken zu bauen und Teppiche auszurollen. Und wenn wir es schließlich zum Kulturereignis unserer Wahl schaffen, spenden wir uns verdientermaßen inneren Applaus. Schließlich haben wir den Endgegner besiegt.

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