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  • KONSTRUKTIV, KONKRET, MINIMAL

    Weniger ist mehr: Kaum eine Redewendung ist so überstrapaziert wie diese. Wer die aktuelle Ausstellung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte anschaut, kommt jedoch unweigerlich zu eben jenem Schluss: Weniger ist mehr. Warum eine inflationär verwendete Floskel durchaus eine präzise Analyse sein kann, könnt ihr derzeit im Augusteum selbst erleben. But hurry up: Nur noch bis zum 1. Mai! KONSTRUKTIV, KONKRET, MINIMAL DIE SAMMLUNG HUPERTZ BIS SONNTAG, 1. MAI 2022 DI - SO 10.00 - 18.00 UHR AUGUSTEUM ELISABETHSTRASSE 1 26135 OLDENBURG Die Frage danach, was Kunst eigentlich ist, wird wohl für alle Zeiten unbeantwortet bleiben. Einer guten Beschreibung am nächsten kam vielleicht Andy Warhol: „Kunst ist alles - solange man damit durchkommt“, soll er gesagt haben. Touché! Letztlich ist es aber kein Dilemma, sondern vielmehr eine große Freude, dass diese Frage offen bleibt. Alle können sich selbst auf die Suche nach der Antwort begeben und ganz eigene Sichtweisen entwickeln. Wo sonst haben wir in unserer genauestens vermessenen und präzise getakteten Realität noch so viel Freiraum? Eine perfektes Experimentierfeld für diese Ausgangsfrage ist die Ausstellung „Konstruktiv, konkret, minimal“ des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte. Sie stellt die These des „Weniger ist mehr“ zunächst auf den Kopf: Zu sehen sind nicht weniger als hundert Werke der insgesamt mehr als vierhundert Objekte umfassenden Kunstsammlung des Hamburger Ehepaars Hupertz. Seit den Sechziger Jahren haben die beiden Kunstliebhaber einen Bestand an moderner Kunst aufgebaut, der seinesgleichen sucht. Die Liste der vertretenen Künstler:innen liest sich wie ein Who-is-who der abstrakten Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Überfordernd oder erschlagend wirkt diese große Menge an Bildern und Objekten aber keineswegs. Im Gegenteil: die Werke haben genügend Raum, um wirken zu können. Und das tun sie in der Tat. Es ist völlig unmöglich, keine Haltung zu ihnen aufzubauen, weil sie die Besucher:innen geradezu auffordern, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Abwesenheit von Opulenz in Dimension oder Detailreichtum führt nicht etwa dazu, dass die Exponate unscheinbarer werden. Sie wirken stärker. Und den Betrachter:innen drängt sich unweigerlich ein Gedanke auf. Ihr ahnt schon, welcher: Weniger ist mehr. Eindrücke als Experiment Dabei ist natürlich klar, dass dieses Prinzip keine Allgemeingültigkeit hat. Rembrandt oder Michelangelo bleiben davon vollkommen unberührt. Deshalb lautet unsere Empfehlung: Lasst euch ein auf dieses Experiment. Ihr müsst nicht wissen, welche Werke dem Konstruktivismus zuzuordnen ist und inwiefern sich Konkrete Kunst von Minimal Art unterscheidet. Es geht auch nicht um die Frage, ob Reduktion besser ist als Realismus. Die Ausstellung ist auch ohne jedes Vorwissen ein Erlebnis. Und vielleicht ist sie gerade dann am spannendsten - weil man am klarsten sieht, wenn der Blick unverstellt ist. Weniger ist mehr: Diese Redewendung bleibt wohl weiterhin stark strapaziert. Denn ob sie passt oder nicht, liegt stets im Auge des Betrachters. Das ist hier nicht anders, doch eine Prognose sei erlaubt: In der Ausstellung „Konstruktiv, konkret, minimal“ wird jede:r Besucher:in einen Moment erleben, in dem sie oder er unweigerlich zu diesem Schluss kommt. Und wer weiß: vielleicht sind es sogar hundert dieser Momente. Starke, klare Farben und Formen (Bilder: Karlheinz Grünke (2), Maria del Pilar Garcia)

  • 3 x 2 TICKETS: MARTIN TINGVALL

    Am nächsten Freitag schon was vor? Falls nicht, dann jetzt! Martin Tingvall gastiert in der Garnisonkirche. Der schwedische Jazzpianist ist bekannt für seine atmosphärischen Live-Auftritte, in den deutschen Jazz-Charts erreicht er regelmäßig die Top Ten. Künstler:innen solchen Kalibers sieht man auch in Kulturmetropolen nicht jeden Tag. Wunderbar, dass er nun nach Oldenburg kommt. Noch besser, dass ihr die Chance habt, ihn gratis zu sehen. Mit Konzerten in Oldenburg ist das so eine Sache. Die üblichen Routen internationaler Stars beschränken sich häufig auf Städte oberhalb der 500.000er-Marke. Und selbst Bremen wird häufig übergangen, weil es zwischen Hamburg und Hannover eine Region bedient, die mit den beiden anderen Städten schon als abgedeckt gilt. Schlechte Karten also für Oldenburg? Nicht unbedingt. Neben der Geographie spielen zum Glück auch andere Dinge eine Rolle. Zum Beispiel die Kontakte und das Engagement der heimischen Veranstalter. Die Kulturetage nutzte beides immer wieder, um Künstler:innen nach Oldenburg zu holen, die wir hier unter normalen Umständen nicht gesehen hätten. Das reicht von etablierten Stars wie Hubert von Goisern oder Tim Fischer bis zu jüngeren Acts wie Antilopen Gang oder Leoniden. Nun also: Martin Tingvall. Der Wahl-Hamburger hat schon mühelos viel größere Säle und viel größeren Städten gefüllt. Er ist Stammgast in den Top Ten der deutschen Jazz-Charts, sein drittes Album "The Rocket" macht seinem Namen alle Ehre und schaffte sogar den Sprung auf Platz 1. In der Garnisonkirche stellt Tingvall nun sein neuestes Werk "When Light Returns" vor, das er während der Corona-Pandemie in seinem Häuschen in Südschweden komponierte. Der Titel deutet es an: nicht etwa Schwermut überwiegt, sondern die Hoffnung auf (wieder) bessere Zeiten. Obwohl Tingvall in der Jazz-Szene zu den hoffnungsvollsten jungen Künstlern gehört, genießt er nicht die große Bekanntheit eines Popstars. Schade eigentlich, denn auch wenn beim Schnack oft andere Musikrichtungen laufen, ist eines schon nach ein paar Anspiel-Minuten völlig klar: der Mann kann einiges. Und live dürften die atmosphärischen Klänge noch um einiges intensiver wirken als ein kurz angeklicktes YouTube-Video, vor allem im sakralen Ambiente der Garnisonkirche. Das Portal „Kulturnews“ brachte das Live-Erlebnis knapp aber präzise auf den Punkt: „Unfassbar schön.“ Wir wollen es euch möglich machen, diesen großartigen Künstler zu entdecken und einfach mal einzutauchen in die Klangwelt des populären Jazz. Dafür bauen wir eine entscheidende Hemmschwelle ab, nämlich den Eintrittspreis. In Kooperation mit der Kulturetage verlosen wir: 3 x 2 TICKETS FÜR MARTIN TINGVALL „WHEN LIGHT RETURNS“ FREITAG, 29. APRIL 2022, 20.00 Uhr GARNISONKIRCHE Was ihr dafür tun müsst? Nicht sehr viel. Nämlich lediglich: Eine E-Mail mit dem Betreff "GEWINNE!!!" an uns schicken. In die Mail schreibt ihr dann einen Satz wie "Ich will zu Martin Tingvall" - und schon steht ihr mit etwas Glück auf der Gästeliste. Wir drücken die Daumen! Einsendeschluss ist Dienstag, der 26. April 2022. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

  • GLOBE AND THE CITY

    Donnerschwee kann man von der Innenstadt aus nicht sehen. Oder etwa doch? Zumindest im Zeitraum vom 21. bis zum 30. April ist es möglich. Der Leerstand in der Staustraße 16 wird zur inoffiziellen Botschaft der Globe Kulturgenossenschaft aus Neu-Donnerschwee und gibt uns eine Vorahnung dessen, was dort in Zukunft passieren wird. Und das ist: so einiges. Stadtteilkultur hat es nicht leicht in Oldenburg. Nicht, dass es in Eversten, Osternburg oder Ofenerdiek grundsätzlich an Ideen mangelt. Doch die Struktur unserer Stadt ist monozentristisch. Die Innenstadt entfaltet eine enorme Sogwirkung, weil sie sie das einzig urbane Element Oldenburgs ist. Und dort - right in the middle - hat sich Kultur schon immer wohl gefühlt. Doch immer wieder gibt es Initiativen in den Stadtteilen, die auch dort Kultur erlebbar machen wollen. Als Beispiele seien das Farbenfroh Festival in Kreyenbrück oder der „Schatz von Bloherfelde“ in - Überraschung! - Bloherfelde genannt. Ein anderes wäre die Globe Kulturgenossenschaft - und sie gehört zu den vielversprechendsten. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens verfügt die Genossenschaft künftig über eine attraktive eigene Spielstätte, nämlich das ehemalige britische Soldatenkino auf dem Kasernengelände in Donnerschwee. Es war früher ein kultureller Bezugspunkt für das Areal und eines scheint klar: Genau das wird es wieder sein. Denn zweitens hat die gemeinsame Arbeit an der Sanierung des Gebäudes viele Menschen aus dem Stadtteil zusammengeschweißt. Die Genossenschaft zählt über 600 Mitglieder. Sie eint die gemeinsame Haltung zu diesem Projekt: Wenn wir uns schon so einen wunderbaren Ort erschaffen - dann wollen wir ihn auch bespielen. Wie das Bespielen aussehen kann, lässt sich in den kommenden Tagen live erleben. Das allerdings doch wieder in der Innenstadt. Dort, genauer gesagt in der Staustraße 16, ist als eine Zwischennutzung eine inoffizielle Botschaft der GLOBE Kulturgenossenschaft entstanden. Sie soll neugierig machen und Vorfreude wecken. Beides dürfte funktionieren: Die Räume sind stilecht hergerichtet, u.a. sorgen Original-Stühle und Bilder aus dem echten Kino für Atmosphäre. Und auch das Programm mit dem Titel „...und demnächst im GLOBE“ bietet einiges: 21. APRIL 2022, 19.30 UHR WALKER & WALKER ZWISCHEN FOLK UND FRAGEZEICHEN 22. APRIL 2022, 19.30 UHR DÁNACHT MODERN IRISH FOLK 23. APRIL 2022, 19.30 UHR SIEMEN RÜHAAK LIEST VERWIRRUNG DER GEFÜHLE VON STEFAN ZWEIG 24. APRIL 2022, 19.30 UHR ANDI STEIL SLAPSTICK, CLOWNERIE, COMEDY 28. APRIL 2022, 19.30 UHR TRIO SONORA KLAVIERTRIO AUF WANDERSCHAFT 29. APRIL 2022, 19.30 UHR JO SCHMITT SOLOSCHAUSPIEL NACH SHAKESPEARE 30. APRIL 2022, 19.30 UHR JO SCHMITT EINER FÜR ALLES, „WAS IHR WOLLT“ Acht Veranstaltungen in zehn Tagen: Das ist eine Hausnummer. Aber das ist eben das Wesen einer Zwischennutzung wie dieser: alles ist komprimiert auf einen knackig-kurzen Zeitraum, in dem entsprechend viel geboten wird. Da brauchen Neugierige und Fans der Künstler:innen eben eine gute Kulturkondition. Die konnten wir in den letzten Jahren zwar kaum trainieren, aber immerhin sind wir gut ausgeruht. Stadtteilkultur mag es nach wie vor schwer haben in Oldenburg. Zu dominant ist das Zentrum, zu sehr ist die Kultur rund um die Innenstadt verankert. Aber wenn sich Menschen zusammentun und gemeinsam die Chancen nutzen, die sich vor Ort ergeben, dann entsteht dabei immer wieder Sehens- und Erlebenswertes. Manchmal sogar: dauerhaft. Das demonstriert die Kulturgenossenschaft zunächst in der Innenstadt „...und demnächst im GLOBE“.

  • JANSSEN FÜR FORTGESCHRITTENE

    Das Leben von Horst Janssen gilt als gut erforscht. Trotzdem gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Zum einen, weil man das manische Genie nicht anhand von Daten, Fakten, Stationen festmachen kann. Und zum anderen, weil man das Kaleidoskop Janssen aus unzähligen Blickwinkeln betrachten kann und stets ein anderes Bild erhält. Nun kommt eine Perspektive hinzu: jene von Aline Helmcke, der neuen Stipendiatin des Horst-Janssen-Museums. Wenn man Horst Janssen etwas genauer kennen lernen will, dann gibt es eigentlich nur einen Ort, an dem man beginnen kann. Und das ist nicht etwa sein Geburtsort Hamburg, sondern das Bürgereschviertel in Oldenburg. Hier, genauer gesagt in der Lerchenstraße 14, verbrachte er große Teile seiner Kindheit. Die beschauliche Nachbarschaft war sein Revier, sie prägte ihn und trug dazu bei, dass er seinen späteren Weg gehen konnte. So erzählen es sich jedenfalls die Oldenburger:innen - und es dürfte etwas Wahres dran sein. Zur Schatzsuche nach Oldenburg Und so beginnt auch der Aufenthalt von Aline Helmcke, der ersten Forschungs-Stipendiatin des Horst-Janssen-Museums, in der hübsch sanierten Hundehütte unweit des Stadtzentrums. Das Haus hat der Künstler übrigens einst in einem seiner Werke verewigt - bis heute sicherlich das Janssen-Bild mit der größten Verbreitung in Oldenburg. Aline wird dort wohnen, arbeiten wird sie jedoch überwiegend im Horst-Janssen-Museum. Dort lagern die vielen kleinen und großen Schätze und Spuren des großen Meisters in den Magazinen. Für Aline Helmcke haben nun neun intensive Monate begonnen, in denen sich (fast) alles um Horst Janssen drehen wird. Was wird dabei im Mittelpunkt stehen? „Janssens Frühwerk interessiert mich besonders, weil es sich durch eine große Vielfalt zeichnerischer Techniken auszeichnet,“ erzählt die gebürtige Berlinerin. „Man kann daran ablesen, wie Janssen das Potenzial grafischer Drucktechniken wie Holzschnitt, Lithographie und Radierung erkundet. Man spürt aber auch, wie er Impulse anderer Künstler aufgegriffen und weiterentwickelt hat.“ In dieser Phase des Experimentierens habe Janssen ein Vokabular an Ausdrucksmöglichkeiten herausgebildet, auf das er in seinen späteren Arbeiten immer wieder zurückgreife. Kein Cartoon: Die bewegte Zeichnung Und Alines eigener künstlerischer Schwerpunkt? Der liegt im Bereich Animation, also bewegter Zeichnung. Das klingt ein wenig nach Cartoon, hebt sich aber sowohl stilistisch als auch inhaltlich vom Populärformat ab. Die Stipendiatin wird ihren Blick auf das Verhältnis von Zeichnung und Bewegung richten: „Vor allem werde ich untersuchen, welchen Einfluss die Anwendung verschiedener grafischer Techniken auf Linienführung und künstlerischen Ausdruck in Janssens Frühwerk hat.“ Und was entgegnet sie jenen, die doch alles ihn einen Topf werfen? Wie grenzt man Animation und Cartoon voneinander ab? Oder können letztere vielleicht sogar auch Kunst sein? „Ein Cartoon kann Kunst sein – und nicht jede Animation muss ein Cartoonfilm sein. Animation lässt sich nicht allein durch einen Zeichenstil definieren, sondern bietet viele Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks“, verrät Aline. „Meine eigenen Animationsfilme kann ich nicht dem Bereich des Cartoonfilms zuordnen. Ich setze durch meine Zeichenbewegungen Zeichnungen in Bewegung. Dabei entstehen Formen und Bewegungsabläufe, die mich immer wieder überraschen.“ Das sei ein ganz anderes Herangehen als beim Cartoonfilm. Dort sei das Aussehen der Figuren meist festgeschrieben. Sie müssten erkennbar bleiben, damit ihre Handlungen nachvollziehbar sind. „Übrigens läuft ab Ende April der Kinofilm ‘Die Odyssee‘ der französischen Regisseurin Florence Miailhe in den deutschen Programmkinos“, verrät die Doktorandin. „Das ist ein Animationsfilm mit künstlerischem Anspruch, an dem ich als Animatorin mitgearbeitet habe und den ich sehr empfahlen kann.“ Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Spannend, wunderschön und garantiert kein Cartoon!“ In Oldenburg ist er übrigens ab dem 28. April in cine k zu sehen. Zur Bewerbung ANIMIERT Eine gänzlich Unbekannte ist Aline Helmcke für das Oldenburger Publikum allerdings nicht: In der 2021er Ausstellung "Janssen ANIMIERT" des Horst-Janssen-Museums war sie mit einem Werk vertreten. Gab diese Partizipation den Ausschlag für den Forschungsaufenthalt? Immerhin ist ihre Vita ansonsten geprägt von Stationen wie Berlin, London und Mexiko City. Dagegen wirkt Oldenburg - nun ja - etwas beschaulich. „Ja, ich habe Glück, dass mich meine Arbeiten bis jetzt an viele interessante Orte geführt haben“, blickt Aline zurück. „Ein interessanter Ort muß aber nicht immer eine große Stadt in einem fernen Land sein.“ Im Rahmen von „Janssen ANIMIERT“ habe sie das Museumsteam kennengelernt und vor Ort im Grafikmagazin recherchiert. „Als ich dann auf die Ausschreibung für das Forschungsstipendium aufmerksam wurde, war das eine Gelegenheit, die Auseinandersetzung mit Janssens Frühwerk weiter zu vertiefen - und die Zusammenarbeit mit dem Horst Janssen-Museum fortzuführen.“ Von einer Sache war sie nämlich besonders begeistert: „Alle, die ich dort kennengelernt habe, sind offen für neue Ideen, das macht Lust auf mehr!“ Ist ein Stipendium womöglich die beste Möglichkeit, sich einem Thema oder einer Person mit der nötigen Akribie aber auch Muße anzunähern? Für Aline Helmcke zählt vor allem der örtliche Bezug: „Das Besondere am Stipendium ist für mich, dass die Originalgrafiken und -zeichnungen aus dem Museumsbestand jederzeit für mich zugänglich sind“, erzählt sie. „Anhand der Originale kann ich sehr viel klarere Schlüsse hinsichtlich der Annäherung Janssens an verschiedene Drucktechniken ziehen, als es mir über Reproduktionen möglich wäre.“ Kein Zweifel: ein mehrmonatiger Aufenthalt setzte einen Kontrastpunkt zur kurzatmigen Projektarbeit. Es eröffnet den nötigen Raum, einen künstlerischen - oder wissenschaftlichen - Ansatz tiefergehend zu erschließen. Berlin, London, Oldenburg Eine Frage bleibt jedoch offen: Hat Oldenburg einer künstlerischen Kosmopolitin auf die Dauer genug zu bieten? Alle leidenschaftlichen Liebhaber dieser Stadt dürfen jedoch erleichtert aufatmen: Aline Helmcke macht sich da keine Sorgen. „Während ich arbeite, bewege ich mich wenig vom Fleck, daher erschließe ich mir Oldenburg gerne durchs Herumflanieren. Am Hafen bin ich genauso gerne unterwegs wie im Stadtzentrum oder auf einem der Wochenmärkte. Und ein Abstecher ins Edith-Russ-Haus oder den Oldenburger Kunstverein lohnt sich immer.“ Lohnt sich immer: Das wäre doch ein schönes Fazit für den Aufenthalt bzw. das Stipendium insgesamt. Wir sind gespannt, wie die Erfahrungen sein werden und neugierig auf die Ergebnisse. Und eins steht ja immerhin jetzt schon fest: Oldenburg darf sich von nun an einreihen in die Stationen Berlin , London, Mexico City. Aber das tut es ganz selbstbewusst, schließlich war es Revier des jugendlichen Horst Janssen. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten?

  • ZAHLTAG: KULTURSOMMER

    Lange her: im Jahr 2005 waren über 10.000 Zuschauer:innen beim bestbesuchten Kultursommer-Konzert aller Zeiten. Der New Yorker Indie-Antifolk-Star Adam Green war damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität, sämtliche Konzerte in Deutschland waren ausverkauft. Auf dem Schlossplatz war er umsonst und draußen zu sehen - und dann spielte auch noch das Wetter mit. Über einen autofreien Schlossplatz diskutierte seinerzeit niemand. Er wurde de facto geschaffen, weil die Menschenmassen bis zur Häuserwand an der Südwestseite standen und selbst für Fahrräder kaum noch Platz ließen. Parkende Autos wurden kurzerhand zu praktischen Sitzerhöhungen - immerhin eine sinnvolle Verwendung für das ungenutzte Blech. Die Polizei riegelte schließlich auch offiziell ab. Ein solcher Andrang ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Zum Vergleich: im letzten Jahr gab es ein Zuschauerlimit bei den Kultursommer-Konzerten von 500 Personen - allerdings auf dem Platz beim Prinzenpalais. Beim Abschlusskonzert der Klappstuhltage waren auf dem Schlossplatz immerhin 1.000 Gäste zugelassen, aber auch sie konnten das riesige Areal nicht annähernd füllen. In diesem Jahr ist vieles anders. Die Corona-Regeln sind deutlich weniger streng und eröffnen neue - bzw. alte - Freiheiten. 10.000 Menschen werden wir auf dem Schlossplatz aber trotzdem so schnell nicht wiedersehen. Selbst wenn Adam Green nochmals spielen würde, seine Anziehungskraft wäre heute nicht mal halb so groß. Zudem fehlt uns aktuell ein wenig die Übung beim Genießen von Gedränge. Aber vielleicht gelingt dem Team der Kulturetage mal wieder so ein Coup. Am 16. Mai wird das Programm vorgestellt - und dann schauen wir mal, ob eine Perle dabei ist. Eine Sache ist schon mal sicher: der Schlossplatz ist in diesem Jahr autofrei. Platz wäre also da.

  • LIFE IS PLASTIC VOL. 1: „TRACED BY PLASTIC“

    Die älteren unter uns haben bei dieser Headline wahrscheinlich für den Rest des Tages einen unsäglichen Ohrwurm* im Kopf. Sorry! Aber der Name passt: wir sind umgeben von Plastik - und das wird immer mehr zum Problem. In diesen Tagen wird der Kunststoff gleich zweimal zum Kunst-Stoff. Wie genau und warum das so wichtig ist, lest ihr hier. Das Kunstkollektiv The Hidden Art Project hat sich durch einige spektakuläre Aktionen in Oldenburg innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht. Die neueste Ausstellung kommt etwas kleiner und dezenter daher. Doch dafür hat sie zwei anderes Clous: Sie ist interaktiv - und informativ. Zugegeben: das Adjektiv „informativ“ wirkt unspektakulär. Es pendelt zwischen „nett“ und und „hilfreich“, ist also positiv besetzt, aber trotzdem etwas fad. Dabei ist informative Kunst ein ganz großes Ding. Denn es geht dabei nicht etwa um einen halbgaren Kompromiss aus zwei verschiedenen Schwerpunkten, sondern um deren Vereinbarkeit. Die Kunst hat zwar ein konkretes Anliegen, sie macht dabei aber keine Abstriche in ihre Qualität. Vielmehr ergibt sich durch das Zusammenwirken von Werk und Botschaft eine weitere kreative Ebene. Und wenn man dann auch noch mitmachen darf, also selbst Teil der Kunstwerks wird - umso besser! „TRACED BY PLASTIC" 26. MÄRZ 2022 - 24. APRIL 2022 AB 19 UHR LAMBERTIHOF MARKT 26122 OLDENBURG Gut versteckt: Hidden Art Genau das passiert bei der aktuellen Ausstellung "Traced by Plastic" des Hidden Art Projects. Sie liegt - das macht der Name des Kollektivs absolut Sinn - etwas verborgen im hinteren Teil des Lambertihofs. Vom Eingang am Rathaus aus gesehen ganz am Ende links, jenseits der Kaffee-Tische der Pagode, befindet sich das Atelier der Hidden Art Truppe. Dort haben wir uns mit Gründer Sven Müller getroffen und einen Blick auf den Stand der Dinge geworfen. Stand der Dinge? Genau, denn das Kunstwerk verändert sich ständig. Jede:r Besucher:in ist eingeladen, es selbst zu erweitern und seine persönlichen Gedanken zum Thema "Plastik" zu verewigen. Dabei ist das Setting der Ausstellung aufs Nötigste reduziert: Es besteht im Grund aus schwarzen Flächen mit weißen und pinken Akzenten, die beschrieben worden sind. Auffällig dabei: Größen, Farben und Stile variieren deutlich, ergeben zusammen aber einen ästhetisch angenehmen Gesamteindruck. Partizipation als Prinzip „Wir haben das Projekt - von der Vernissage an - komplett partizipativ geplant“, erzählt Sven. „Von uns kam die ästhetische Grundlage, also die visuelle Gestaltung der Wandfläche. Sie sollte zum Mitmachen anregen. Und das hat sehr gut funktioniert.“ Tatsächlich: Neben den vorgegebenen Elementen sind viele Einträge zu finden, die individuelle Fragen, Meinungen und Gedanken zum Thema Plastik widergeben. Besucher:innen können das Werk betrachten, sie können es lesen, sie können aber jederzeit auch selbst den Stift in die Hand nehmen und künstlerisch tätig werden. „Klar gibt es da eine kleine Hemmschwelle“, weiß Sven. „Aber die löst sich ganz schnell auf. Und wer erstmal anfängt zu kommentieren, ist meistens gar nicht mehr zu bremsen.“ Das können wir bestätigen, denn Kevin hat den Selbstversuch gewagt und ist tief eingetaucht in das Experiment: Ein Brocken Inspiration Inspiration liefert übrigens ein 360 Kilogramm schwerer Würfel, der aus Plastikflaschen und -Dosen zusammengepresst wurde. Quasi: eine Plastik aus Plastik. Wie viele Objekte das sind? Schwer zu sagen. Aber die komprimierte Darstellung des Plastikwahnsinns funktioniert. Die Gedanken rasen geradezu, wenn man sie diesen Klotz aus gedankenlos benutzten und weggeworfenen Alltags-Gegenständen betrachtet. Dass diese brachiale Visualisierung unseres Konsumverhaltens sogar eine ästhetischen Wert hat, treibt die Widersprüchlichkeit auf die Spitze. Ist das irgendwie schön? Und darf es das sein? Die Antworten müssen wir selber finden. Fortsetzung folgt Das Thema Plastik soll erst der Anfang gewesen sein. „Wir wollen ‘Traced by‘ zu einer Reihe ausbauen“, blickt Sven voraus. „Wir finden das Prinzip total spannend: Wir geben ein Thema und eine Grundlage vor, bieten dazu noch Inspiration - und dann sind die Gäste dran.“ Man spürt geradezu die Vorfreude des hauptberuflichen Glasers auf den nächsten Schwerpunkt. „Es ist doch cool, dass die Gedanken der Leute ungefiltert einfließen können.“ Und ist das Endergebnis dann tatsächlich Kunst? „Ja, klar!“, antwortet der Hidden Art-Gründer voller Überzeugung. Wenngleich ihm die Kategorisierung gar nicht wichtig ist. „Das Spannende ist doch, dass wir ganz unterschiedliche Menschen dazu bringen, miteinander zu interagieren.“ Das Ergebnis habe einen künstlerischen Wert, bilde aber gleichzeitig die Position der Bevölkerung zu einem Thema ab. „Das könnte man sogar für die Stadtentwicklung nutzen“, wagt Sven einen Blick auf die weiteren Möglichkeiten. Eins ist klar, als wir den Lambertihof wieder verlassen: Das Format hat Potenzial. Nicht alles ist bis zum Ende auskonzipiert. Aber das gehört eben zum System, schließlich handelt es sich um Work in Progress. Lust mitzumachen? Dann nichts wie hin. Am 24. April muss Hidden Art das Atelier im Lambertihof schließen. Weiter geht es dann in einem anderen Leerstand in der Oldenburger City. In welchem? Darüber berichten wir bald an dieser Stelle. * Du gehörst nicht zu den älteren Semestern? Du hast keine Ahnung, welchen Ohrwurm wir meinen und wofür wir uns entschuldigen? Und du willst alles darüber wissen? Okay, here we go. Aber auf eigene Verantwortung!

  • LIFE IS PLASTIC VOL. 2: „PLANET OR PLASTIC?“

    Die älteren unter uns haben bei dieser Headline wahrscheinlich für den Rest des Tages einen unsäglichen Ohrwurm* im Kopf. Sorry! Aber der Name passt: Wir sind umgeben von Plastik - und das wird immer mehr zum Problem. In diesen Tagen wird der Kunststoff gleich zweimal zum Kunst-Stoff. Wie genau und warum das wichtig ist, lest ihr hier. Die Agentur Medivanti ist eigentlich spezialisiert auf Kommunikation. Seit einigen Jahren gibt es aber ein zweites Standbein: Mit der World Press Photo Ausstellung zeigt das kleine Team, wie man attraktive Ausstellungskonzepte und Rahmenprogramme entwickelt. Weitere Formate wie die Polarnight und der Oldenburger Plakatherbst folgten. Der roten Faden blieb: aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen, aufbereitet mit den Mitteln von Fotografie oder Gestaltung. Anspruchsvoll und attraktiv Und nun: „Planet or Plastic?“, gemeinsam realisiert mit dem Landesmuseum für Natur und Mensch. Die Ausstellung ist ab dem 30. April erstmals in Deutschland zu sehen. Sie geht hervor aus der mehrjährigen globalen Initiative von National Geographic, die Menge an Einwegplastik zu reduzieren, die in die Ozeane gelangt. Dafür erzählt sie die Geschichte des Kunststoffs seit seiner Erfindung vor etwas mehr als einem Jahrhundert bis zu seinem heutigen Massenkonsum. Dabei lässt sie die Vorteile des Materials - für Haushalt Medizintechnik oder Raumfahrt - nicht außer Acht. Noch eindrucksvoller sind aber die negativen Folgewirkungen und Schäden, die durch Unmengen von Mikro- und Makroplastik verursacht werden. „PLANET OR PLASTIC?“ 30. APRIL 2022 - 28. AUGUST 2022 DIENSTAG 10 - 19 UHR MITTWOCH - SONNTAG 10 - 20 UHR GLEISPARK BUNDESBAHNWEG 26122 OLDENBURG Diese Inhalte klingen fast schon nach einem hilfreichem Ratgeber, nicht nach einer Ausstellung mit künstlerischem Anspruch. Und tatsächlich liegt der Fokus hier deutlich mehr auf dem Informations-Aspekt als bei „Traced by Plastic“. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Die Fotografien sind größtenteils dokumentarisch. Sie bilden ab, was ist. Das ist Kommentar genug, denn die Motive sprechen für sich. Schon bei den Naturfotografien der "WPP" vermischten sich Ästhetik mit Information und Erkenntnis - manchmal auch mit Schrecken. Dieses Prinzip lässt sich hier wiederentdecken. Aber was ist mit der ästhetischen Ebene? Lässt sich das auch genießen? Ja, aber mit Abstrichen. Im Gegensatz zu eher philosophischen Themen trifft uns "Planet or Plastic?" inmitten unserer Lebensrealität. Wir werden gezwungen, eine Position zu beziehen. Das ist nicht immer angenehm, es macht die Ausstellung aber umso effektvoller. Kongenial: Inhalt und Inszenierung Durch siebzig kraftvolle Bilder von renommierten Fotograf:innen aus aller Welt sowie Infografiken und Videos verdeutlicht „Planet or Plastic?“ die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen der Verwendung von Plastik und dem Schutz unserer Umwelt. Zudem stellt die Ausstellung Schritte vor, die Besucher:innen in ihrem Leben unternehmen können, um Produkte mit Einwegkunststoff verantwortungsbewusst zu reduzieren, wiederzuverwenden, zu recyceln und zu entsorgen. „Diese Ausstellung ist nicht nur spektakulär, sondern auch unglaublich wichtig“, sagt Dr. Ursula Warnke, Direktorin des Landesmuseum für Natur und Mensch. „Wir sind sehr stolz, dieses Highlight in Oldenburg präsentieren zu können.“ Sie betont zudem, dass ihr Haus sich seit langem für Umweltfragen einsetze. „So betrachtet ist dies hier sicherlich das I-Tüpfelchen auf unser Engagement.“ Mediavanti-Geschäftsführer Claus Spitzer-Ewersmann verweist zudem auf ein umfangreiches Rahmenprogramm, das die Ausstellung begleiten wird. „Es ist uns wichtig, damit verschiedene Interessengruppen und auch Menschen anzusprechen, die sich mit der Thematik bislang nicht beschäftigt haben.“ Startschuss für den GleisPark Die Eröffnung der Ausstellung markiert gleichzeitig den Start für den GleisPark. Er wird in den kommenden Monaten ein zusätzlicher Spielort für die Oldenburger Kultur (und Artverwandtes) sein. Wir haben vorab schon mal einen ausführlichen Blick auf das Potenzial des Areals geworfen. Es wird spannend zu sehen sein , wie sich die Umgebung der betagten Paketposthalle und der raue Charme des Vorplatzes mit dem Ausstellungsformat ergänzen werden. Im Idealfall entsteht eine Symbiose: Impulse durch die Inhalte im Inneren, danach Raum für Reflexion und Rückkehr in den Alltag bei einem Kaffee oder Bier im Gastro-Bereich. Das klingt gut? Dann haben wir eine gute Nachricht: Man kann es auch mehrfach tun, denn Zeit ist genug. „Die Laufzeit von vier Monaten unterstreicht die Bedeutung der Ausstellung“, betont Museumsdirektorin Warnke und fügt eine Forderung hinzu: „Wir müssen uns den hier sehr deutlich werdenden Problemen endlich stellen und sie gemeinsam aktiv angehen.“ Dem kann man sich nur anschließen - und wenn man auf künstlerische Weise informiert, inspiriert und motiviert wird, dann klappt es sicher umso besser. Spagat gelungen Es ist nicht die Aufgabe der Kultur, unser Konsum-Verhalten kritisch zu hinterfragen. Doch wenn sie es tut, dann ist die Wirkung auf die Betrachter:innen besonders stark. Sie kann leisten, woran die Wissenschaft scheitern muss: Emotionalisieren. Wir fühlen das Thema besser und intensiver, wenn wir Fotografien, Installationen oder Malerei betrachten. Kultur bedeutet immer auch kognitive Stimulation. Mitmachen können wir bei „Planet or Plastic?“ - anders als bei „Traced by Plastic“ - zwar nicht. Aber dafür lässt sich Im Anschluss bei der Gastronomie wunderbar darüber diskutieren. Wir haben vier Monate Zeit. Das sollte zu schaffen sein, oder? * Du gehörst nicht zu den älteren Semestern? Du hast keine Ahnung, welchen Ohrwurm wir meinen und wofür wir uns entschuldigen? Und du willst alles darüber wissen? Okay, here we go. Aber auf eigene Verantwortung!

  • HABT IHR ETWAS ZU VERBERGEN?

    Diese Frage stellt die neue Komödie „Fremde Freunde“ der Theatergruppe Szentral, die am 08. April im Oldenburger Universitätstheater (OUT) Premiere feiert! Das Ausgangsszenario ist dabei jedoch denkbar einfach und schön: sieben Freundinnen und Freunde, die gemeinsam einen gemütlichen Abend mit gutem Essen verbringen. Natürlich gäbe es keinerlei Geheimnisse, ist man sich untereinander einig! „Seid ihr euch sicher?“, fragt die Gastgeberin des Abends und möchte die selbstbewusst formulierte Gewissheit ihres Freundeskreises auf die Probe stellen. Sie schlägt ein Spiel vor: Alle Handys liegen offen auf dem Tisch, alle eingehenden Anrufe werden auf laut gestellt und sämtliche Nachrichten vorgelesen! Niemand ahnt, dass dieses vermeintlich harmlose Spiel die Freundschaften und Beziehungen der Runde auf eine harte Probe stellen wird. Und dabei sind unaufgefordert zugeschickte Nacktfotos und spontane Anrufe des Liebhabers noch das geringste Problem. Wer steckt hinter dem Stück? Seit über 20 Jahren führt die Theatergruppe Szentral auf den Bühnen des Oldenburger Universitätstheaters jährlich ein Theaterstück auf. Neben einigen langjährigen Mitgliedern, bereichern auch regelmäßig neue Schauspielerinnen und Schauspieler die Gruppe, wobei die Genres von klassischen Dramen über Kriminalgeschichten, Kinderbuchadaptationen bis zu experimentellen Stücken reichen und hierbei so vielseitig sind wie die Schauspielerinnen und Schauspieler selbst. Wer das Stück sehen und herausfinden möchte, welche weiteren Geheimnisse gelüftet und Enthüllungen ans Tageslicht kommen werden, findet hier Tickets für die Premiere am 08. April und alle weiteren Aufführungen: www.theater-unikum.de/tickets/

  • DAS IST DOCH DER WAHNSINN!

    Es gibt Stücke, die erschließen sich erst nach einem genauen Studium der Inhaltsangabe. Andere triggern uns schon in der ersten Sekunde, zum Beispiel durch ihren Titel. Dazu gehört „Wie der Wahninn mir dir Welt erklärte“, dem neuen Stück für Jugendliche ab 11 Jahren des Oldenburgischen Staatstheaters. Denn eines ist von Anfang an klar: Nichts. Und das macht natürlich neugierig. Der erste Gedanke, den viele Erwachsene an dieser Stelle haben dürften: „Ab 11 Jahren? Nichts für mich!“ Doch Halt! Es gab schon unzählige Stoffe, die ursprünglich für ein jüngeres Zielpublikum gedacht waren, die schließlich aber alle Altersgruppen erreichten. Das erfolgreichste Beispiel dürften wohl „Harry Potter“ von J.K. Rowling und "Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien sein, der Klassiker schlechthin ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Wärmstens empfehlen können wir auch „Rocket Boys“ von Homer Hickam. Man kann aber auch aus Oldenburger Kontexten ein Beispiel herausgreifen: Am Staatstheater läuft schon seit Jahren „Supergute Tage“ mit der brillanten Franziska Werner in der Rolle des 15-jährigen Christopher Boone. Die Buchvorlage „The curious incident of the dog in the night-time“ von Mark Haddon war - genau, ein Jugendbuch, und zwar ein sehr lesenswertes. Ihr kennt noch weitere? Dann erzählt uns gerne davon, vielleicht machen wir einen eigenen Artikel daraus. „WIE DER WAHNSINN MIR DIE WELT ERKLÄRTE“ PREMIERE: SONNTAG, 17. APRIL 2022, 16 UHR WEITERE VORSTELLUNGEN: 22. APRIL 2022, 18 UHR 15. MAI 2022, 16 UHR EXERZIERHALLE JOHANNISSTRAßE 6 / PFERDEMARKT 26122 OLDENBURG Nun also der „Wahnsinn“. Als solchen empfindet man als Heranwachsende:r wahrscheinlich auch den ganz normalen Alltag - und liegt damit nicht völlig falsch. Zum Irrsinn der Welt kommt in dieser Lebensphase ja noch der Irrsinn des Selbst hinzu. Ohne Frage: eine komplizierte Zeit! Die wird in der Geschichte von Dita Zipfel noch ein ganzes Stück komplizierter: Lucie (Puah Kriener) muss sich daheim mit dem neuen Lover ihrer Mutter rumschlagen, in der Schule wird sie von den coolsten Mädels übersehen oder ignoriert (das weiß man ja nie so genau) und dann gibt es noch den Sehnsuchtsort Berlin, für den aber das Geld fehlt. Die vermeintliche Lösung: Ein gutbezahlter Hundesitter-Job beim verschrobenen Herrn Klinge. Der Haken daran: der Hund ist längst tot. Macht das den Job ganz einfach oder völlig unmöglich? Und was hat ein kurioses Kochbuch mit dem blonden Marvin zu tun? Mehr los als im Insta-Feed Es ist wie so oft: Auf Erwachsene wirkt die Handlung von Stücken für jugendliches Publikum zunächst überdreht und übertrieben. Aber erinnern wir uns zurück: Das Lebenstempo in den Teenager-Jahren ist einfach hoch. Weil man eben nicht gesettled in sich ruht, sondern seine Rolle in der Welt erst finden muss. Für viele Jugendliche gibt es pro Tag mehr innere Konflikte als Reels im Insta-Feed. „Storys of initiation“ sind Klassiker der Literatur und bilden ein eigenes Genre. Immer wieder gelingt es Autor:innen dabei, eine Handlung und Sprache zu finden, die Unterschiede zwischen Generationen aufbricht und überwindet. Beim „Wahnsinn“ gibt es zweifellos das nötige Potenzial dafür. Dita Zipfel erzählt von einer herrlich unerschrockenen Heldin und dem Mut, anders zu sein – und wurde dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 ausgezeichnet. Die Bühnenfassung von Matthias Grön unter der Regie von Ingo Putz nimmt den Stoff einerseits angemessen ernst, setzt ihn andererseits aber auch zeitgemäß-spielerisch um. Er bewegt sich letztlich also zwischen genau denselben Polen wie die Protagonistin selbst - und der Rest der Welt auch. Mit Neugier und Naivität Was ist das Stück nun? Ein harmloser Spaß für die Kids? Oder der generationsübergreifende Klassiker von morgen? Die Antwort liegen irgendwo dazwischen. Doch eines steht schon fest: Es schadet für Erwachsene grundsätzlich nie, hin und wieder den Blickwinkel von Kindern und Jugendlichen einzunehmen. Er eröffnet uns neue Perspektiven und viel mehr Klarheit als unsere verkopften Analysen und Reflektionen. Ein Hauch mehr Neugier und Naivität tut uns immer gut. Probiert es aus - und lasst euch vom Wahnsinn die Welt erklären! Ihr sucht Karten? Die gibt es im Ticketshop oder an der Theaterkasse des Oldenburgischen Staatstheaters.

  • PODCAST: FOLGE 03

    Was hat Kirche eigentlich mit Kultur am Hut? Dieser Frage gehen wir in der neuen Folge unseres Podcasts nach. Wie sich rausstellt: einiges! Denn dieses mal sprechen wir mit Benedikt Feldhaus und stellen euch das Forum St. Peter vor, das er leitet. Das sogenannte City-Pastoral Projekt der katholischen Kirche ist für viele wahrscheinlich nicht der allererste Ort, an den sie denken, wenn es um Kultur geht. Aber ist das überhaupt berechtigt? Dem sind wir auf den Grund gegangen und sprechen unter anderem über das Verhältnis der Kirche zu Kunst und Kultur, sogenannte „Dritte Orte“, darüber welche Bedeutung Stille innerhalb unserer Gesellschaft heute noch einnimmt und welche eigenen Kulturangebote das Forum anbietet. In diesem Zuge stellt sich auch heraus welche Motivation das Team des Forums dabei antreibt. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! Wenn ihr Näheres über das Forum St. Peter und das Kulturangebot erfahren möchtet, werdet ihr unter www.forum-st-peter.de fündig.

  • BILDUNG IN DER NOT

    Zurzeit kommen viele Geflüchtete aus der Ukraine in Oldenburg an. Über 600 Menschen waren in der 12. KW bereits registriert. Zunächst geht es darum, ihnen eine Unterkunft zu stellen und sie in unsere Versorgungsstrukturen aufzunehmen. Doch was kommt dann? Wie gelingt das Ankommen? Eine wichtige Rolle spielt dabei die kulturelle Bildung. Normalerweise findet kulturelle Bildung in Kitas, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen statt. Dort leistet sie unverzichtbare Beiträge für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Im Brennpunkt des Tagesgeschehens befindet sie sich eher selten. Doch nun ist sie ausgerechnet dort angekommen: durch ihre aktive Rolle bei der Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine. Das hat viel zu tun mit Vivien Ritter. Die 34-jährige Abenteuer- und Erlebnispädagogin koordiniert das Engagement des Kulturbüros: „Momentan fahre ich dreigleisig," berichtet sie vom enormen Aufwand, mit dem sie es aktuell zu tun hat. „Vor allem versuche ich, Kontakte zu verschiedenen Kooperationspartnern zu knüpfen und ein gutes Angebot daraus zu stricken.“ Das erste Gleis: Koordination Seit kurzem unterstützt Vivien die städtische Koordinierungsgruppe auf der Arbeitsebene. Für das kleine Kernteam um Stadträtin Dagmar Sachse - zu dem Vivien nicht direkt gehört - gibt es viel zu tun: Unterkünfte müssen vorbereitet, Gastfamilien kontaktiert und Dolmetscher für Ukrainisch gefunden werden. Vivien kümmert sich in der Folge darum, die Angebote von Künstler*innen und Bildungspartner*innen rund um die kulturelle Bildung für Geflüchtete zu koordinieren. Einige Akteure haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich zu engagieren. Weitere dürfen gerne folgen. „Unser Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich ein Angebot zu machen“, beschreibt die 34-jährige die Anspruchshaltung. Es gehe dabei um die Frage, wie man die Menschen gut erreicht und wie man ihnen bedarfsgerechte Angebote zur Verfügung stellt. Dabei spielen auch Begegnungen eine wichtige Rolle: „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen in Oldenburg zusammen bringen. Wir wollen Gemeinschaft fördern und Erlebtes gemeinsam verarbeiten.“ Das zweite Gleis: Kreation Zum einem zentralen Angebot führt auch das zweite Gleis, das Vivien zurzeit befährt. Die Tanzschule „Maniac Dance Center“ ist an sie herangetreten. Die Schule ist bereit, eine Teil ihrer Räumlichkeiten an der Emsstraße für Angebote der kulturellen Bildung zugunsten von Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen. “Wir möchten in Oldenburg kreativ etwas bewegen“ erklärt die Leiterin Natalie Baron ihre Initiative. „Kunst spricht eine universelle Sprache und genau diese soll Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine in der ungewissen und traumatischen Zeit helfen und wieder etwas Licht ins Dunkel bringen.“ Der Clou: im Team der Tanzschule sprechen einige Russisch oder Ukrainisch. Wäre die Lage nicht so ernst, würde man diese Konstellation wahrscheinlich als Idealfall bejubeln. Gemeinsam mit dem Dance Center stellt Vivien einen Projektantrag bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) - und bereits positive Signale erhalten. Dort gibt es ein positives Beispiel bundesdeutscher Bürokratiekultur: Das Förderprogramm „Startklar in die Zukunft“ war ursprünglich als Reaktion auf die Corona-Krise gedacht. Nun dürften die Mittel aber auch für Maßnahmen für Geflüchtete aus der Ukraine eingesetzt werden, solange auch andere Kinder teilnehmen können. „Wir entwickeln gerade einen Wochenplan: Was bieten wir an? Und wann?“, berichtet Vivien aus ihrem Alltag. Für den Antrag brauche es eine Basis, ansonsten sei das Programm aber flexibel: „Die Angebote hängen ja auch vom Alter und Interessen der Kinder ab", weiß sie. Sprachkurse gehörten ebenso dazu wie Theater, Musik oder Tanz. Ein ganz besonderer Programmpunkt stehe aber bereits fest: „Unter den Geflüchteten war eine Yoga-Trainerin und Sprachlehrerin. Sie war sofort bereit, bei unserem Angebot mitzumachen und wird dort Kurse geben", freut sich die Pädagogin. Auch für die Eltern - bisher ausschließlich Mütter - soll das Angebot eine Wirkung entfalten. „Wegen einer Altersbegrenzung können sie leider nicht selber mitmachen“, erklärt Vivien. „Aber wenn sie die Zeit für eine kleine Verschnaufpause nutzen, ist das auch ein wichtiger Effekt.“ Was es bedeute, allein mit zwei oder drei Kindern vor einem Krieg im Heimatland zu flüchten, könne niemand ermessen. An Erholung werde dabei oft nicht gedacht. Doch auch dies gehöre zum Ankommen dazu. Das Programm wird bereits zum Beginn der Osterferien am 11. April starten. Ob der ehrgeizige Zeitplan aufgeht, welche Angebote gemacht werden und wie viele Teilnehmer*innen möglich sind: all das lässt sich bald beantworten. Wie bei fast allen Aufgaben der Koordinierungsstelle handelt es sich auch hier um „Work in Progress“: Die Reaktionen auf bestimmte Aufgaben werden nicht ausführlich geplant, sie ergeben sich beim Handeln selbst. Das dritte Gleis: Kommunikation Neben der Arbeit in der Koordinierungsgruppe und dem Aufbau des Projekts in der Tanzschule spielen für Vivien auch Kontakte zu privaten Initiativen wie „Oldenburg hilft der Ukraine“ eine wichtige Rolle. Angesichts ihres Programms kommt dies aktuell aber noch zu kurz, wie sie zugibt. „Wir sind aber schon in Kontakt“, betont sie und blickt nach vorn: „Wir wollen schauen, ob wir gemeinsam etwas gestalten können. Schließlich wollen alle dasselbe: das Beste für die Menschen aus der Ukraine.“ Bei der Unterstützung der Geflüchteten aus der Ukraine sind Spontanität, Kreativität, und Flexibilität gefragt, vor allem aber: Engagement. Das zeigt sich tagtäglich in der Koordinierungsstelle der Stadt Oldenburg - und bei vielen anderen Akteuren, sie sich für die Geflüchteten aus der Ukraine einsetzen. Auch die Kulturszene lässt keinen Zweifel, wie wichtig ihr dieses Thema ist. Sie gibt sich nicht damit zufrieden, „nur“ Anteil zu nehmen und Mitgefühl zu zeigen. Sie will aktiv sein, etwas bewegen und bewirken. Und das gilt in diesem Fall: für fast die ganze Stadt.

  • KUNST, DIE BALLERT!?

    An diesem Wochenende zeigt das niederländisch-deutsche Künstlerduo BOSMOS seine neue Installation „Arcade“. Der Titel erinnert an die 80er, an Zigarettenqualm in der Spielhalle, an Floppydisk und Datasette. Damals feierte das Gaming seinen Durchbruch – und eine wichtige Rolle spielten dabei die Shoot’em ups bzw. Ballerspiele. Was kann man von einer Ausstellung erwarten, die so einen Titel trägt? Wir haben nachgefragt. Frogger, Pong, Defender: die Urväter der Computerspiele sind heute allesamt Legenden. Das liegt natürlich an nostalgischen Verklärungen und an diversen Retro-Bewegungen, die sie immer wieder zutage fördern. Aber da ist noch mehr. Aufgrund technischer Limitationen waren die Schöpfer der Spiele grundsätzlich dazu gezwungen, das Minimax-Prinzip anzuwenden: aus möglichst wenig möglichst viel herauszuholen. Das führte zu einer eigenen Kunst: nämlich der Reduktion des Spielprinzips auf das Wesentliche. Dadurch gelangten sie zu puristischen Formen, Designs und Mechanismen, die in dieser Einfachheit und Klarheit auch heute noch einen großen Reiz ausüben. Vorhang auf für: BOSMOS. Der Komponist Wilco Alkema und der Oldenburger Szenograph Lars Unger haben nach der Carousel-Installation, die im letzten Winter in der Baumgartenstraße 6 zu sehen war, ein weiteres Kunstprojekt realisiert. Während damals Bezüge zur Schausteller- und Jahrmarkts-Ästhetik im Mittelpunkt standen, ließen sie sich nun von der bunten Pixelwelt der Arcade Games inspirieren. Wobei es nicht nur um Design und Grafik geht, sondern auch um Licht und Sound. Über zwei Mischpulte können die Gäste - mit der intuitiven Steuerung der Automaten-Klassiker - eine computergestützte Licht-Sound-Skulptur selbst bespielen und eigene Kompositionen kreieren. Die Mitwirkung der Besucher:innen ist sogar essentiell, denn erst durch sie wird die Installation überhaupt erst zum Leben erweckt. Ob das nun ein Konzert ohne Musiker:innen ist, Theater ohne Schauspieler:innen oder Bildende Kunst in einer neuen Form? Das können die Gäste selbst entscheiden. Und vielleicht kommen sie dabei zu dem Ergebnis, das alles auf einmal zutrifft - und sie selbst dabei die wichtigste Rolle spielen. BOSMOS – ARCADE FREITAG, 8. APRIL, 16 - 20 UHR SAMSTAG, 9. APRIL, 11 - 20 UHR SONNTAG, 10. APRIL, 11 - 20 UHR TEEPAVILLON IM SCHLOSSGARTEN GARTENSTR. 37 26122 OLDENBURG Und wie sehen es die Künstler selbst? Mitten im Endspurt vor der Ausstellungseröffnung konnten wir Lars Unger noch einige Fragen stellen. Was das Duo inspiriert hat, wie so eine Ausstellung entsteht und warum sie nur ein Wochenende läuft - lest ihr hier! Lars, den Begriff "Arcade" kennen viele aus der Zeit der Ballerspiele in den Spielhallen der 80er. Wieso dieser Titel? Ballert eure Installation? Auf jeden Fall! Aber natürlich anders als ein Ballerspiel. Der Titel „Arcade“ bezieht sich auf die Form der Installation: Bei den Arcade-Spielen der 80er Jahre ging es um kurzweilige, spontane Spiel-Sessions. Durch die damals geringeren technischen Möglichkeiten sind diese Spiele besonders einfach und unkompliziert aufgebaut. Diese einfache Bedienung, der schneller Spaß, die unkomplizierte Kommunikation: damit spielt die Installation. Bei euch geht’s aber in ein Teehaus statt in die Spielothek. Das klingt nach einem großen Kontrast. Wie kam es dazu? Wir lieben Brüche! Die digitale Kunstinstallation im botanischen Frühlings-Flair bringt einen spannenden Kontrast in die Atmosphäre. BOSMOS bespielt schon immer gerne spezielle Theater- und Ausstellungsorte und der Teepavillon ist so einer. Ihr verbindet unterschiedliche Bereiche miteinander: Produktdesign, Klanginstallation, Bühnenbild. Was war zuerst da, was zuletzt? Und spielt der Ort eine Rolle? Als Allererstes war das Theater da. Wir haben uns bei einer Theaterprobe kennengelernt – Wilco als Theatermusiker, Lars als Bühnenbildner – und dort Ideen für ein Theaterstück ohne Darsteller:innen gesponnen. Daraus ist vor 13 Jahren BOSMOS entstanden. Dabei gehören Sound, Licht, Skulptur und Bühnenbild für uns immer zusammen! Genauso wie der Ort, der nicht wegzugucken ist und immer eine Rolle spielt: Das Licht fällt auf die Wände, der Sound hallt im Raum. Eurer Publikum bindet ihr aktiv ein. Wie wichtig ist euch diese elementare Interaktion? Die Interaktion ist für uns zentral: Jedes künstlerische Werk interagiert auf besondere Weise im Zuschauer. Bei „Arcade“ wird das Publikum nun aktiv an der Produktion beteiligt: die Gäste steuern die Installation mit Licht und Sound und stellen so die Aufführung mit her. Das ist eine besondere Art der Interaktivität, die wir so zum ersten Mal ausprobieren. Zwischen euch gibt es eine Landesgrenze. Ist das für eure Zusammenarbeit gut, schlecht oder ganz egal? Am Anfang gab es die Landesgrenze nicht – wir haben beide in Holland studiert und dort BOSMOS gegründet. Wilco ist geblieben, ich bin wieder nach Deutschland gezogen. Manchmal ist es logistisch schwierig an gemeinsamen Werken zu arbeiten. Für die Kommunikation aber spielt das keine Rolle. Übrigens: BOSMOS ist holländisch und heißt so viel wie „Waldmoos“! Der einzige Haken: die "Arcade"-Installation ist nur drei Tage zugänglich. Warum denn so kurz? Wir fragten uns: wird etwas besser, wenn es länger dauert? Wir wollten es diesmal kurz und kompakt halten! Außerdem zieht „Arcade“ danach noch weiter: Am 26.04. sind wir in Hamburg beim „bunkersalon“ des resonanzraums dabei, und im Mai kann man die Installation zusammen mit anderen BOSMOS-Arbeiten im haus6 in Worpswede sehen – in Kooperation mit der KW/Randlage und den Künstler:innenhäusern Worpswede. „Arcade“ goes überregional. Eins steht fest: Bei den Installationen von Bosmos sollte man unbedingt etwas mitbringen: Neben der Neugier auch eine spielerische Lust am Probieren und Perspektivwechsel. Nicht alles ergibt sofort einen Sinn, nicht alles lässt sich klar interpretieren. Die Kunsterfahrung wird selbst zu einem Spiel: Was denke und was fühle ich? Oder lässt mich das vollkommen unberührt? Dann hilft nur eins: einfach mal den Trigger Button drücken. Schließlich ist "Arcade" Kunst, die ballert.

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