CLARA JO - MIRROR TOUCH

Das Edith-Ruß-Haus zeigt immer wieder fantastische Ausstellungen, die unsere Sehgewohnheiten auf die Probe stellen und uns intellektuell bzw. emotional herausfordern. Trotzdem passiert es immer wieder, dass die aktuelle Ausstellung plötzlich vorbei ist, ohne dass man sie gesehen hat. Doch dieses Mal nicht: wir läuten offiziell den Endspurt ein!


Ein Bild aus Clara Jos neuester Arbeit "Between Lived Experience and Simulated Presence"
Visuell eindrucksvoll: Jos neueste Arbeit "Between Lived Experience and Simulated Presence" (Bild: Clara Jo)
 

CLARA JO - „MIRROR TOUCH“


BIS SONNTAG, 27. MÄRZ 2022 DI - FR 14.00 - 18.00 UHR SA - SO 11.00 - 18.00 UHR

EDITH-RUSS-HAUS FÜR MEDIENKUNST KATHARINENSTRASSE 23 26121 OLDENBURG

 

Keine Frage: Clara Jo ist mit ihrer aktuellen Ausstellung auf der Höhe der Zeit. In der großen Halle des Edith-Russ-Hauses begegnet den Besucherinnen und Besucher nämlich diese bizarre Szenerie: Buddhistische Statuen in riesigen Höhlen, ein burmesischer Mönch in traditioneller roter Robe und Wissenschaftler in weißen, virensicheren Anzügen. Letztere untersuchen Fledermäuse, die im Verdacht stehen, Coronaviren auf den Menschen zu übertragen. Schon 2018, lange bevor COVID-19 um die Welt ging, beschäftigte sich Jo mit der Zoonose, also der Übertragung eines Virus von Tieren auf Menschen. Ihre aktuelle Ausstellung dreht sich um Erscheinungen, die man nicht sehen kann: die Viren, die Seele, die menschliche Stimme.


Der Titel, auf Deutsch Spiegelberührung, ist ein Begriff aus der Psychologie: Er beschreibt den besonderen Moment, wenn jemand eine Berührung zu spüren scheint, während er sieht, wie ein anderer Mensch tatsächlich berührt wird.

Zu den drei Elementen der Ausstellung gehört auch Clara Jos jüngste Arbeit „Between Lived Experience and Simulated Presence“. „Sie ist im Auftrag des Edith-Russ-Hauses entstanden“, erklären Edit Molnár und Marcel Schwierin, die Leiter des Hauses. „Die Künstlerin nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine psychologische Reise in den neuesten Technologien.“ Seltsame, leicht bedrohliche Figuren erscheinen auf den Leinwänden, sie wirken wie schlampig programmierte Charaktere aus einem alten Computerspiel und fordern die Betrachtenden zur Interaktion auf. In Wirklichkeit sind sie Produkte einer Forschungsgruppe des Londoner King‘s College, die mit solchen virtuellen Welten Therapien für psychische Erkrankungen entwickeln.


Wie so oft spürt man schon anhand der Beschreibungen: Gefällige Kost gibt es hier nicht. Dafür aber visuell eindrucksvolle und emotional herausfordernde Begegnungen mit neuen Kunstformaten. Nutzt die Chance und schaut euch drei Werke der jungen amerikanischen Künstlerin (*1986) in einer Ausstellung an - und erfahrt, was Scarlett Johansson mit alledem zu tun hat!


Über mangelnde Abwechslung kann man sich nicht beklagen (Bilder: Clara Jo)