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- IM ZEICHEN DER KERAMIK
Der Kultursommer liegt zwar hinter uns, doch trotzdem bleibt der Schlossplatz auch an diesem Wochenende ganz in der Hand der Kunst und Kultur, denn die internationalen Keramiktage finden zum 39. mal statt! Dabei eröffnet sich in dem fußläufigen Kosmos zwischen Oldenburger Schloss und Pulverturm die gesamte Welt der Kunstform in ihrer vollen Breite. Marktzeiten & Veranstaltungsort Sa. 06 August 2022, 10 – 18 Uhr So. 07. August 2022, 11 – 18 Uhr Schlossplatz / Schloss Schlossplatz 1 26122 Oldenburg Das Keramikevent der Spitzenklasse ist zurück und zur Freude aller findet es auch wieder auf dem Schlossplatz statt! Dabei ist das Herzstück der Veranstaltung, der Keramikmarkt selbst, wieder mal mit internationalen Austellerinnen und Ausstellern besetzt. Für zwei Tage verwandelt sich der Oldenburger Schlossplatz zum Erlebnisort hochwertiger angewandter Kunst. 100 juryverlesene Meisterinnen und Meister aller Sparten der keramischen Kunst, aus ganz Deutschland und zwölf weiteren europäischen Ländern, wie beispielsweise aus Portugal, Italien oder Litauen, präsentieren einen erstklassigen Querschnitt durch die zeitgenössische Keramikkunst und das aktuelle keramische Handwerk. „So viele Größen der internationalen Keramikwelt an einem Ort sehen Sie sonst selten in Deutschland – schon gar nicht in so einer einzigartigen, sommerlichen Freiluftgalerie vor barocker Schlosskulisse" - Beate Anneken, Vorständin der Werkschule e.V. Keramik: ein Publikumsmagnet Dieses Aufgebot weiß man in Oldenburg und weiter Umgebung zu schätzen! Jährlich werden der Markt sowie die zugehörigen Ausstellungen und die unterschiedlichen Preisvergaben zu einem Anziehungspunkt für Kunst-, Designbegeisterte sowie Keramikkennerinnen und Kenner aus aller Welt. Denn hier handelt es sich definitiv nicht nur um einen internationalen Szenetreff, bei dem sich Fachleute untereinander austauschen, sondern um eine Veranstaltung, die es immer wieder aufs Neue schafft Menschen aus nah und fern für sich zu begeistern und so jährlich über 60.000 Besucherinnen und Besucher nach Oldenburg lockt. Das macht die internationalen Keramiktage, für die sich die Werkschule - Werkstatt für Kunst und Kulturarbeit e.V. verantwortlich zeichnet, zu einer bedeutenden und in Norddeutschland einzigartigen Plattform der zeitgenössischen Keramikkunst. Vom erlesenen Unikat bis zum nicht alltäglichen Gebrauchsgegenstand ist alles dabei: ob individuelles Geschirr, feinste Unikatobjekte für draußen und drinnen oder Kunstobjekt. Ausstellungen & Preisvergaben Ein Muss für alle Kunstbegeisterten und Keramikfans sind die zwei Sonderpräsentationen in den barocken Sälen des Oldenburger Schlosses: Im Schlosssaal bietet die Ausstellung „brandnew – brandneu", die ausschließlich dieses Wochenende zu sehen sein wird und mit Einzelstücken der Austellerinnen und Aussteller des Marktes einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der zeitgenössischen Keramik möglich macht. Dabei gibt es sogar gleich doppelt etwas für die Präsentierenden zu gewinnen, denn sowohl der juryverlesene „Detlef-Schmidt-Wilkens Preis für Keramik" über 1800 Euro in den Kategorien Innovation, Funktion und Figur/Objekt als auch ein mit 500 Euro dotierter Publikumspreis werden in diesem Zuge vergeben - eure Meinung ist also gefragt! Und auch der diesjährige „Preis der NEUE(n) KERAMIK" für zeitgenössischen Keramik wird am Samstag, den 6. August zum 13. Mal – ebenfalls von einer Fachjury – vergeben. Neben dem Preisgeld von 1.000 Euro gibt es zusätzlich 1.000 Euro als Stipendium für einen Studienaufenthalt an einem der internationalen Studienplätze für Keramik. Vervollständigt wird das Preispaket durch eine 6- wöchige Einzelausstellung in 2023 im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Also ein echtes rundum sorglos Paket. Der aktuelle Träger des Preises, Ricus Sebes, wird im Marmorsaal des Schlosses bis zum 18. September mit der Ausstellung INTRINSIC CONTRADICTIONS – HARMONY BROKEN? zu sehen sein. Selten war Kristallglasur dabei so innovativ: Wie Unterwasserwelten oder ferne Galaxien muten seine Arbeiten an. In ihnen verbinden sich raue Körper mit fein auskristallisierten Glasurschichten, treffen explodierende Formen auf geometrische Körper und korrespondieren Erdtöne mit den strahlenden Farben der Glasuren. Es sind neue Welten, die sich in den Objekten des niederländischen Keramikers entdecken lassen. Alle Ausstellungen können kostenlos besucht werden. Führungen gibt es am Sonntag, den 7. August 2022 um 11.00 Uhr und um 13 Uhr. Sie Führungen dauern ca. eine Stunde. Interessierte melden sich bitte am Infozelt der Werkschule e.V. an.
- PODCAST: FOLGE 10
In unserer brandneuen Episode sprechen wir mit Sebastian von Zeberg und Renke Harms vom Institut für Verknüpfung über das bevorstehende Memur Urban Art Festival vom 12.08.-14.08.2022. Dabei erzählen uns die beiden nicht nur wie das Festival selbst entstanden ist und welche Idee das Ganze besonders herausstechen lässt, wir tauchen auch in die Historie unserer beiden Gäste etwas tiefer ein und erfahren, was Sie überhaupt erst in kreative Gefilde getrieben hat und erhalten eine kleine Nachhilfelektion bezüglich der Unterschiede und einzelnen Bereiche des Graffiti, der Urban- und Streetart. Achso und selbstverständlich klären wir auch, was es mit dem Begriff "Memur" auf sich hat, versprochen! Viel Spaß beim Hören. Weitere Infos und das Programm zum Memur Urban Art Festival findet ihr unter: https://memur-festival.com/
- DREI TAGE METROPOLE
Klare Sache: Urban Art ist ein großes Ding. Wer durch die großen Metropolen dieser Welt schlendert, entdeckt sie beinahe überall - mal winzig klein, mal gigantisch groß, immer spannend und bereichernd, manchmal provozierend. Aber was ist eigentlich mit kleineren Städten? Werden sie zur subkulturellen Diaspora? Oder ist es ganz anders? „Ich mache einfach einen Fashion Blog und laufe dann mit meiner Spiegelreflex durch Friedrichshain und mache Fotos von Street Art und interessanten Leuten, Hauptsache hier in Berlin!“ Vor ein paar Jahren haben Kraftklub die Urban / Street Art noch eindeutig in der Haupstadt verortet, und das vollkommen zurecht. Inzwischen hat sich jedoch einiges verändert: Street Art ist zu einem landesweiten Phänomen geworden. Sie ist auch in der vermeintlichen Provinz angekommen, sogar in „Böblingen bei Stuttgart (uncool!)“. Trotzdem muss man feststellen, dass die Metropolen in Sachen Qualität und Quantität weiterhin die Nase vorn haben. Oder? Keine Frage der Größe Nicht unbedingt. Klar ist dort das Reservoir an talentierten Street Art Künstler:innen in Berlin größer als in Cloppenburg oder Soltau-Fallingsbostel. Das schlägt sich auch in Anzahl und Gestaltung der Werke nieder. Dass man als eine kleinere Großstadt aber durchaus Akzente setzen kann, die auch einer Hauptstadt würdig wären, zeigt sich im August in Oldenburg: mit dem MEMUR Urban Art Festival. 12. BIS 14. AUGUST 10 BIS 20 UHR UMSONST & DRAUSSEN LIVE URBAN ART, WORKSHOPS, VORTRÄGE, STREET PHOTOGRAPHY, STREET FOOD BUNDESBAHNWEG / KULTURHALLE AM PFERDEMARKT 26122 OLDENBURG Dafür haben sich die Veranstalter:innen vom Institut für Verknüpfung e.V. eines der urbansten Areale Oldenburgs ausgesucht - das gleichzeitig vollkommen unbekannt und unbeachtet war, also ein wahrer „Hidden Treasure“. Es handelt sich um den Bundesbahnweg, dessen zweckmäßiger Name seine bisherige Nutzung gut widerspiegelt: Es ist ein funktionaler Weg entlang des Bahndamms vom Pferdemarkt zum Hauptbahnhof - noch dazu auf der rückwärtigen Seite eines großes Bürokomplexes. Man könnte sagen: unschön. Oder: urban. Denn in Sachen Zentralität ist er genauso wenig zu schlagen wir in Sachen Zukunftsperspektive. Denn hier befinden sich 250 Meter Betonwand - eine ideale Grundlage für eine Wall of Fame. Urban Art Allstars Die Idee zu diesem Projekt tragen die Macher:innen - Renke Harms, Pia Wienholt und Sebastian von Zeberg - schon länger mit sich herum. „Bestimmt schon seit 2018“, erinnert sich Renke. Doch wer etwas in so einer Größenordnung realisieren will, braucht neben der nötigen Kreativität auch Willensstärke, Ausdauer - und Geld. So wurde bereits 2020 über den städtischen MACH|WERK-Fonds die Konzeption gefördert. Durch die Pandemie verschob sich die Realisierung jedoch bis in diesen Sommer, Ein Nebenprodukt der Verzögerung: Das Konzert wurde immer ausgefeilter, die Gäste immer internationaler. „Wir haben Leute aus den USA, Brasilien und Australien dabei, auch aus Belgien und Bulgarien“, fasst Sebastian das Line-up zusammen. Und ergänzt: „Daneben sind aber auch Leute aus Berlin dabei und viele regionale Künstler:innen. Das ist die perfekte Mischung!“ Und die Künstlerinnen verewigen sich jetzt alle an der neuen Wall of Fame aka Bundesbahnweg? „Ja, genau. Alle haben sich auf Basis unserer Vorgaben Gedanken zum Motiv gemacht - und das setzen sie dann live hier in Oldenburg um“, erzählt Renke. Die Besucher:innen sind also live dabei, wenn die Expertinnen zur Spraydose - oder zum Mittel der Wahl - greifen. Aber Moment Mal: Vorgaben? Gedanken zum Motiv? Was hat es denn damit auf sich? It's a Festival! Mal ehrlich: Live dabei zu sein, wenn internationale Szenegrößen ihre neusten Werke an eine kolossal große Wand sprühen, und zwar nicht irgendwo auf der Welt, sondern mitten in Oldenburg: Das klingt schon spektakulär gut. Schließlich ist Urban Art längst zu einer kulturellen - aber auch touristischen - Attraktion geworden, die Großstädte auf eine überaus spannende Art ergänzt und bereichert. Aber das ist längt nicht alles. Denn Festival bedeutet: Festival! Und das wiederum bringt ein (Rahmen-)Programm mit sich, das sich sehen lassen kann. Zwar gibt es bei MEMUR keine Bühnen - aber dafür wird der Bundesbahnweg selbst zu einer einzigen großen Bühne. Das kommt Vorfreude auf: Werke der beteiligten Künstler:innen (Bilder: IfV e.V.) „Wir haben natürlich Street Food Stände dabei, man kann also entspannt essen und trinken, während man zuschaut, wie die Werke wachsen“, berichtet Renke. „Außerdem haben wir natürlich Workshops im Angebot. Wer über sechs Jahre alt ist, kann unter Anleitung selbst zur Dose greifen.“ Und sich direkt von den ganz Großen was abgucken. Wer weiß: Vielleicht ist schon jemand dabei, der irgendwann selbst etwas zur Wall of Fame beiträgt? Nahtlos ist der Übergang von der Urban Art zur Street Photography. Sie ist entweder selbst eine urbane Kunst oder sie bildet diese in der ihr eigenen Bildsprache ab. Denn aufgepasst: Street Photography ist sehr viel mehr als Fotografie auf der Straße. Was genau, kann man ebenfalls im Rahmen des MEMUR Festivals erleben, denn es wird dazu eine große Ausstellung geben. Und zwar nicht von irgendwem, sondern von einer Legende. Unbedingt hingehen! Ob Urban Art-Enthusiast oder nicht, ob Experte oder Novize, ob jung oder nicht mehr ganz so jung: spielt alles keine Rolle, am Wochenende vom 12. bis 14. August ist der Bundesbahnweg der Place to be. Taucht ein in die spannende Welt der Straßenkunst und entdeckt, warum sie in aller Welt so angesagt ist. Zwar könnte ihr in Oldenburg auch danach die Kunstwerke bewundern und die neue Open Air Galerie 24/7 durchqueren. Aber glaubt uns: Mit dem Kontext des Entstehens ist die Erfahrung in Zukunft viel mehr wert. Denn nur so wird dass Sehen zum Erleben. Es ist zwar richtig, dass Urban Art nicht mehr nur in den großen Metropolen stattfindet und dass sie angekommen ist in Böblingen bei Stuttgart (uncool!) und in Oldenburg. Und das ist gut so! Aber: Dabei zu sein, wenn ein Kunstwerk dieser Größe entsteht, mit einem so starken Line-up an internationalen Künstler:innen und einem so starken Rahmenprogramm - das gibt es in einer Stadt wie Oldenburg (vorerst) nur einmal! Deshalb: Unbedingt hingehen!
- THAT'S N!CE: DJ- UND CLUBKULTUR
Im öffentlichen Kultursektor gibt es eine alte Frage, die nie eindeutig oder endgültig geklärt wurde: Gehören Clubs eigentlich zur Kultur? Kann man sie in eine Reihe stellen mit Museen und Theatern? Darf man Live-DJ-Sets behandeln wie ein Konzert des Staatsorchesters? Wer sich eingehender mit dieser Frage auseinandersetzen will, sollte an diesem Wochenende auf dem Kulturplatz hinter der Kulturetage vorbeischauen. Das wird nice! Die doppelte Verwendung dieses Anglizismus ist natürlich kein Zufall. „N!CE - Access all areas“ ist der Titel einer Veranstaltungsreihe des kreativ:LABORS, das seit Sommer 2015 an die Kulturetage angedockt ist. Dort ist neben Office-Nutzung und Co-Working viel Raum für Möglichkeiten, Denkanstöße, Empowerment. Jetzt auch umsonst und draußen, über mehrere Wochen im Juni und Juli hinweg. Ziel ist es, möglichst viele bzw. alle Menschen an wichtigsten gesellschaftlichen Themen und Prozessen zu beteiligen und sie idealerweise auch aktiv werden zu lassen. In den kommenden Wochen geht es dabei vor allem um: die Kultur. Im Fokus stehen zeitgemäße bzw. zeitgeistige Kunstformen, neben Clubkultur z.B. auch Slam Poetry und Graffiti. Das Beste daran: in allen Fällen gibt es nicht nur Veranstaltungen, sondern auch Workshops zum jeweiligen Thema. Das heißt: Du kannst direkt von den Profis erfahren, wie DJs die Leute auf die Tanzfläche kriegen, wie Sprayer:innen ihre Bilder an die Wand bringen und wie Wortakrobaten:innen aus Gedanken Geschichten machen. Und wer weiß? Vielleicht fängst du Feuer. Und irgendwann stehst du dann an deren Stelle und bringst anderen was bei. The Platz to be Stattfinden wird das Ganze auf dem Kulturplatz hinter der Kulturetage. Den kennst du noch gar nicht? Kein Wunder. Er ist erst in den letzten (Corona-)Jahren aus einem langen Dornröschen-Schlaf erwacht. Das Potenzial war immer da, ideale Nutzungsformate waren jedoch rar. Das hat sich geändert, seitdem das Cine k den Platz mit einem Open Air Kino bespielt und sich daran weitere Veranstaltungen andockten. Inzwischen ist das versteckte Areal ebenso etabliert wir gleich nebenan das Einfach Kultur-Gelände. Die Idee zu N!CE entstand aus der Plattform fem:POWER heraus. Dabei handelt es sich um eine Gruppe engagierter Frauen* aus unterschiedlichen Professionen, Alters- und Lebensphasen, die sich für Empowerment, Vernetzung und Austausch einsetzen. Die feministische Perspektive ist dabei nicht etwa einschränkend, sondern das genau Gegenteil: sie öffnet unsere Sichtweise und ermöglicht neue, andere Perspektiven, wie uns Susan Mertineit im Gespräch berichtet hat. DREI FRAGEN AN SUSAN MERTINEIT LEITERIN DES KREATIV:LABORS Susan, wer dich ein wenig kennt, weiß sofort, dass „N!CE“ eine Veranstaltung ganz nach deinem Geschmack ist. Wie kam es dazu? Bei unseren Open Air Veranstaltungen auf dem Kulturplatz im letzten Jahr gab es immer wieder spannende Diskussionen unter den Künster*innen und Besucher*innen. Unter anderem darüber, dass Frauen und Flinta* Personen wenig Raum auf Bühnen einnehmen/bekommen und Kultur schaffende Frauen wenig sichtbar sind in unserer Stadt. Es entstand die Idee und Initiative von sechs ganz unterschiedlichen Personen aus den Bereichen Clubkultur, Graffiti, Literatur, Poetry Slam, bürgerschaftliches Engagement und Veranstaltungsorganisation, ein diverses Programm zu entwickeln. Ziel war es, einen offenen und geschützten Space für empowernde Workshops, spannenden Diskussionen und ein genüssliches Bühnenprogramm zu entwickeln. So startete „N!CE – access all areas“: Zugriff auf alle Bereiche, Zugang zu allen Räumen - und zwar für alle. Die Themen sind grundsätzlich interessant und relevant. Ihr betrachtet sie aber aus feministischer Perspektive. Warum ist das nötig? Die Frage müsste eigentlich lauten, warum häufig kein feministischer Ansatz gewählt wird! Wr wollen gemeinsam mit allen darüber nachdenken wie wir unsere Kulturszene zu einem sicheren Ort und Safespace für alle machen können. Ein feministischer Ansatz beinhaltet eine Perspektiv-Erweiterung, will Impulse setzen zum Aufbau nachhaltiger, gerechter, inklusiver Strukturen und setzt sich für Empowerment, Gleichberechtigung und Berücksichtigung sowie Freiheit für alle ein. Das ist so gut wie nötig! Und als Mann? Ist man da außen vor? Nein, überhaupt nicht. Die Veranstaltungen und die Themen gehen alle an. Alle sind alle! Wer sich für die Themen interessiert, kann gerne etwas beitragen und etwas mitnehmen. Nachdenken und Weltverbessern schadet schließlich niemandem. Was dagegen nicht toleriert wird, sind Trans-, Homofeindlichkeit, Sexismus und Rassismus sowie andere Diskriminierungsformen! Schutzraum für Selbstversuche Den Anfang von N!CE macht nun die „DJ- und Clubkultur“. Und das Setting könnte gar nicht besser sein: für das Wochenende ist die erste Hitzeperiode des Jahres angekündigt. Perfekt, um Open Air zu elektronischer Musik zu tanzen. Das hat letztes Jahr schließlich auch schon hervorragend funktioniert. Für alle, die damit auf Anhieb nichts anfangen können, ist es die ideale Einladung zum Selbstexperiment. Einfach mal eintauchen, sich voll drauf einlassen, die Musik im Körper spüren und die Gedanken schweifen lassen. Das ergibt etwas und dabei entsteht etwas, für das man in anderen Kontexten einen bestimmten Begriff benutzen würde: Kultur. Mindestens genauso spannend sind tagsüber die Workshops mit den DJs Frie und Vareli. Mal ehrlich: wer wollte nicht schon mal - irgendwann im Leben - Platten auflegen? Jeder weiß ja, dass der eigene Geschmack der weltbeste ist. Andere damit zu beglücken, ist ein geheimer Wunsch vieler Musikfans. Letztlich waren es allerdings so viele, dass die Workshops bereits im Vorfeld ausgebucht waren. Das ist schade. Aber keine Sorge: Erstens folgen bei „N!CE“ noch weitere Spielarten der Urban Culture wie Slam Poetry und Graffiti inklusive entsprechender Workshops. Und zweitens gibt es ja auch noch eine spannende Diskussion mit dem Titel „Make Clubbing n!ce again“, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es heißt nicht umsonst Clubkultur Für uns ist die Sache klar: Wir können zwar verstehen, weshalb die eingangs erwähnte Frage nicht eindeutig und endgültig geklärt wurde. Für den Kulturschnack gehören DJ- und Clubkultur aber fest zur Kulturszene. Wer mal dabei war, wenn DJ und Publikum verschmelzen und die Musik die Menschen bewegt - körperlich und emotional -, kann daran kaum einen Zweifel haben. Auf dem Kulturplatz könnt ihr an diesem Wochenende gleich drei Dinge tun: Lernen wie man auflegt, über Clubbing diskutieren und - natürlich - hart abfeiern. Ach, und etwas viertes gibt es auch noch: Eure persönliche Antwort auf die Frage finden, ob DJ Sets und Clubbing Kultur sind oder nicht. Nice!
- DER CORONA CHECK - TEIL EINS
Es war einmal eine Pandemie. In den Zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts verbreitete sich das Corona-Virus über die gesamte Welt und führte zu zahlreichen Lockdowns. Erst nachdem durch zahlreiche Verhaltensregeln, Impfungen und günstigen Virus-Mutationen die Gesundheitsgefahr immer weiter sank, kehrte die Normalität zurück. Aber: nicht für alle. Die Kultur hat Long Covid. In diesem ersten Teil unseres Double Features lest ihr, warum die Lage nicht so gut ist, wie man vielleicht denken könnte. Als die Pandemie im Frühjahr 2020 auch in Deutschland das öffentliche Leben lahmlegt, war eines sofort klar: Die Kultur muss schließen. Was nicht explizit gesagt wurde, aber in vielen Wortbeiträgen durchschimmerte: Sie ist verzichtbar. Wir können sie streichen, ohne dass unser Wohlstand gefährdet wird. Ein Irrtum! Unser Wohlstand ist nämlich kein rein materielles Phänomen, sondern auch ein geistiges und emotionales. Als die Theater, Kinos und Konzertbühnen geschlossen hatten, stellten wir schnell fest: All das ist eben nicht verzichtbar! Weil es den nötigen Kontrast zu unserer enggetakteten und von Zweckmäßigkeit definierten Arbeitswelt bildet. Weil es unseren Denk- und Gefühlshorizont erweitert. Weil es Themen aufgreift, mit denen wir uns sonst nicht, zu wenig oder ganz anders beschäftigt hätten. Kurzum: Die Abwesenheit von Kultur stellte ihre Systemrelevanz unter Beweis. Hilfe von ganz oben Zum Glück drang diese Erkenntnis bis an höchste staatliche Stellen durch. Nicht nur Konzerne wie die Lufthansa wurden unterstützt, sondern auch die Kultur, zumindest wenn sie institutionell organisiert war. Völlig zurecht, denn der Kultursektor ist ja nicht jur eine nette Freizeitbeschäftigung, er ist auch ein enormer Wirtschaftsfaktor: 1,2 Millionen Beschäftigte sind ihm zuzurechnen, seine jährliche Bruttowertschöpfung liegt bei über 100 Milliarden Euro. Das ist mehr als die gesamte chemische Industrie. Über das Neustart Kultur-Programm wurde die Unterstützung sogar verstetigt. 1,4 Milliarden Euro hat das Kulturstaatsministerium in den vergangenen zwei Jahren bewilligt, um die Folgen der Coronakrise abzumildern, davon wurden bisher über 900 Millionen ausgezahlt. Dazu sind noch einmal 137 Millionen über den Sonderfonds für Kulturveranstaltungen ausgeschüttet. Beinahe hatte man das Gefühl, dass die staatliche Förderung ausgerechnet in der Notlage so war, wie sie immer sein sollte: bemüht, zugewandt, verständnisvoll, kundenorientiert, gestaltend, bejahend, wertschätzend - und ausreichend. Wenn man so will, war der Neustart also das richtige Instrument zur falschen Zeit. Zurück in die Zukunft? Alles gut also? Mitnichten. Denn eines ist klar: Weder kann der Staat dauerhaft die gesamte Kultur durchfinanzieren, noch will die Kultur das. Sie hat gar nicht das Ziel, möglichst viel Geld aus den öffentlichen Kassen zu bekommen, es gilt das genaue Gegenteil: Es soll möglichst wenig sein. Weil sie für das Publikum spielt. Weil sie sich die Interaktion und die Reaktion wünscht. Weil Zuschüsse ohne Applaus nur Geld sind: anonym und austauschbar. Zwar wird es immer so sein, dass es Unterstützung von staatlicher Seite braucht, um eine vielfältige, hochwertige Kulturszene zu erhalten und zu entwicklen. Jedoch wird es niemals so sein, dass die Szene nur spielt, um den nächsten Zuschuss zu bekommen. Wenn also die Kultur wieder auf eigenen Beinen stehen will (und das will sie!), dann braucht es vor allem eins: Eine Rückkehr zur Normalität. Und zwar in dem Sinne, dass es wieder so normal wird, abends ins Theater, ins Kino oder zum Konzert zu gehen wie vor der Pandemie. Wenn man momentan durch die Innenstadt schlendert, an sonnigen Tagen zum Badesee fährt oder auch ein Fußballstadion besucht, ist man geneigt zu denken: genau das ist bereits eingetreten. Alles ganz normal. Vereinzelt sieht man noch Masken, hier und da hat man vielleicht den Eindruck, es ist weniger los als sonst - aber das früher an manchen Tagen ja auch so. Also: Die Normalität ist zumindest weitgehend zurück. Oder? Alles ganz normal? Andere Lebensbereiche hatten weniger Anlaufschwierigkeiten (Bilder: Peter Duddek, Kulturschnack) Der gerissene Faden Geht man statt in die City, zum See oder ins Stadion in die Einrichtungen der Kultur, ergibt sich leider ein anderes Bild. Immer wieder spielen die Akteure dort vor halbleeren Sälen, manchmal auch nur vor einer Handvoll Hartgesottener. Die Zuschauer kehren deutlich langsamer zur Normalität zurück als in anderen Bereichen des Lebens. „Da ist ein Faden gerissen“ stellte Christian Firmbach, Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters, bei der Vorstellung des Programms für die Spielzeit 22/23 fest. Und man spürte bei diesem Termin, wie sehr zwar die Spartenleiter für ihre Sache brennen - wie aber auch Zweifel an ihnen nagten, ob alles so kommt, wie sie sich erhoffen. Der Unterschied zur prä-pandemischen Zeit ist so groß, dass mittlerweile alle großen Medien ausführlich darüber berichten. Ob Spiegel, Süddeutsche, FAZ, WDR oder NDR: Alle haben festgestellt, dass die Kultur - im Gegensatz zu vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen - weiterhin stark unter den Folgen der Pandemie leidet. Das beliebteste und vielleicht auch treffendste Bild dafür, haben alle Redaktionen im Sortiment: „Die Kultur hat Long Covid.“ Oldenburg ist keine Insel Ist das auch bei uns so? Die kurze Antwortet lautet: Ja. Aber eine kurze Antwort wird der Sache natürlich nicht gerecht, wie geben deshalb eine lange. Dafür haben wir uns stellvertretend umgehört bei den Oldenburger Theatern: Nicht nur bei den Flaggschiffen wie Staatstheater und Laboratorium, sondern auch bei hof/19 und wrede +, beim Theater k und dem Unikum. Und auch wenn die Antworten auf unsere Fragen durchaus unterschiedlich ausfallen, lassen sich zwei rote Fäden klar definieren: Erstens: Nichts ist wie zuvor. Und zweitens.: Nie war die Unsicherheit größer. Letzteres bekommt derzeit zusätzlichen Antrieb. Denn nicht nur ist ungewiss, was der Corona-Herbst bringt. Darüber hinaus steigen über die Inflation und vor allem die galoppierenden Energiekosten die Ausgaben der privaten Haushalte immens. Früher oder später werden die Menschen ihre Sparpotenziale ausloten. Und auf was verzichtet man am ehesten: Das warme Wohnzimmer, das vollwertige Mittagessen - oder den Abend im Theater? Die Einfachheit, mit der sich die Frage für die meisten beantwortet, ist für die Kultur eine brutale Erkenntnis: Trotz der erwiesenen Systemrelevanz (s.o.) steht sie schon wieder vor einer ungewissen Zukunft. Wie die Lage in Oldenburg ganz genau ist? Das haben wir diejenigen gefragt, die es am besten wissen: Die Theatermacher:innen. Wie sie die Lage einschätzen, ob Hoffnung oder Frust überwiegt und was sie von der Zukunft erwarten - das lest ihr im zweiten Teil unseres Double Features!
- DER CORONA-CHECK - TEIL ZWEI
Es war einmal eine Pandemie. In den Zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts verbreitete sich das Corona-Virus über die gesamte Welt und führte zu zahlreichen Lockdowns. Erst nachdem durch zahlreiche Verhaltensregeln, Impfungen und günstigen Virus-Mutationen die Gesundheitsgefahr immer weiter sank, kehrte die Normalität zurück. Aber: nicht für alle. Die Kultur hat Long Covid. In diesem zweiten Teil unseres Double Features lest ihr, was die Theaterakteure selbst zur Situation sagen. WAR DA WAS? Der Corona-Check mit Oldenburgisches Staatstheater, theater hof/19, Theater k, Theater Laboratorium, theater wrede +, Unikum Irgendwann im Frühjahr war Theater wieder so möglich wie früher. Wie fühlte sich der Moment an? Nach Befreiung? Oder überwog etwas anderes? „Für uns Theatermachende war es schon ein Befreiungsschlag“, erinnert sich Christian Firmbach, Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters, zurück. „Es ist ein tolles Gefühl, wieder Publikum im Haus zu haben, sich - immer öfter ohne Maske - begegnen und austauschen zu können! Denn das haben alle gemerkt: Ein Theaterbesuch ohne Gespräche, ohne das Miteinander ist nur das halbe Erlebnis.“ Ähnlich sieht es Frauke Allwardt vom theater hof/19: “Zunächst war es wie eine Befreiung. Unser Publikum war wieder da - und zwar fast genauso zahlreich wie vor Corona! Von Anfang an haben wir konsequent auf 2Gplus und 3G gesetzt, was das Publikum durchweg begrüßt“, erinnert sie sich zurück. „Natürlich schwebt das Damoklesschwert des Besucherrückgangs auch ständig über uns - ein lähmendes und beklemmendes Gefühl. Trotzdem überwog die Dankbarkeit und Freude wieder vor Publikum spielen zu können, denn die Lockdowns waren furchtbar!“ Die Unsicherheit war auch für Pavel Möller-Lück ein Thema, der als Leiter des Theater Laboratorium eigentlich nur ausverkaufte Vorstellungen gewohnt ist. „Das war sicher ein Moment der Befreiung. Gleichzeitig aber wussten wir nicht, ob der wirklich vertrauen konnten auf die neue Situation.“ Für Jürgen Boese, als Kulturreferent des Studenwerks auch für das studentische Theater Unikum zuständig, sind ebenfalls gemischte Erinnerung geblieben: „Die Eröffnung ging mit einer großen Menge an Hygieneauflagen einher. Die Nutzer*innen haben sich aber toll daran gehalten.“ Trotzdem habe es immer wieder Vorstellungen gegeben, die krankheitsbedingt abgesagt werden mussten. „Die Unsicherheit ist also stets geblieben und eine Befreiung wollte sich nicht wirklich einstellen.“ Beim theater wrede + gab es zunächst noch Verunsicherung, wie das Publikum reagieren würde: Akzeptiert es die Lockerungen der Corona-Auflagen? Oder würde es Probleme geben? Doch die Befürchtungen sollten sich nicht bewahrheiten: „Es war sehr schön, die Nähe zu den Zuschauenden wieder intensiver zu spüren und auch Gespräche mit Leuten zu führen, die lange nicht da waren“, erinnert sich Marga Koop zurück. „Die Gespräche und die Stimmung insgesamt wirkten auf uns offener und gelöster, weil die gefühlte Distanz langsam weniger wurde. Das haben wir auch als Rückmeldung von vielen Zuschauenden bekommen.“ Insgesamt überwog also die Freude über die Möglichkeit, wieder spielen zu können. Dennoch war die Situation nicht vollkommen ungetrübt. Firmbach: „Wir haben auch gemerkt, dass viele Abläufe, Regelungen und Gewohnheiten über die Corona-Monate verlernt wurden bzw. neu gelernt werden mussten. Wir waren alle etwas aus der Übung, was den „Normalbetrieb“ angeht.“ Wie reagierte das Publikum? Kam es in Scharen zurück? Oder ist es weiterhin vorsichtig? Die Erinnerung ist für Jürgen Boese eher unangenehm. Das kleine Haus am Campus Haarentor der Carl von Ossietzky Universität war zu Jahresbeginn zwar sehr mutig - ausgezahlt hat sich das aber nur bedingt. „Im Dezember gab es erste Aufführungen unter 2G+ Bedingungen, mit sehr kleinem Publikum. Für die Kabarett Tage im Januar und Februar war es auch sehr schwierig“, blickt der Kulturreferent zurück. Die Corona-Auflagen seien dann ab März nach und nach fallen gelassen worden, das Publikum käme aber leider immer noch zögerlich: „Seit der Wiedereröffnung waren erst drei Veranstaltungen ausverkauft. Der Zuschauer:innendurchschnitt liegt bei unter 50 Prozent.“ Auch das Theater k der Kulturetage hat längst noch nicht wieder an vorpandemische Zeiten angeknüpft: „Wir hatten vor der Pandemie eine Auslastung von 75 Prozent. Das heißt, bei 80 Sitzplätzen waren so immer ca. 60 Besucher:innen da“, weiß Uwe Bergeest. „Während der Pandemie sank diese Zahl auf ca. 25% und hält bis heute an.“ Einen ähnlichen Trend beobachtet Pavel Möller-Lück: „Das Publikum wartet noch ab“, bilanziert er. “Es gab und gibt erfreuliche Momente. Aber wir haben trotzdem nur eine Auslastung von 65 Prozent.“ Das sei für ein Privattheater eine kritische Situation. Der Start verlief im theater wrede + sehr positiv: „Kurz nach dem Lockdown im letzten Jahr und auch im Frühjahr dieses Jahres kamen viele zurück, was uns natürlich sehr gefreut hat“, erinnert sich Marga Koop zurück. „Es war sehr schön zu sehen und zu hören, wie sehr sie die Theateratmosphäre und Inszenierungen vermisst haben. Wir waren sehr zufrieden mit den wieder steigenden Publikumszahlen.“ Leider seien im Mai dann aber deutlich weniger Personen gekommen. Dafür könne es nach Ansicht des Theaters viele Gründe geben: Neben dem guten Wetter auch die vielen Open-Air-Veranstaltungen, die es früher in der Fülle noch nicht gab, und die große Vielfalt an Veranstaltungen, die jetzt nachgeholt werden. In dieser Form blieb das theater hof/19 von einem Einbruch verschont, dafür gab es aber andere Sorgen: „Bei den Veranstaltungen, die tatsächlich stattfanden, hatten wir kaum Publikumsrückgang“, freut sich Frauke Allwardt über die guten Resonanz in schwierigen Zeiten. Nicht vergessen dürfe man aber die abgesagten Termine wegen eigener Corona-Erkrankung und Komplett-Absagen von Zusatzvorführungen als geschlossene Veranstaltungen; „Das war wirtschaftlich schon sehr spürbar.“ Zwischen Optimismus und Pessimismus pendelte auch das Staatstheater. „Teils, teils“, lautet deshalb die Antwort von Christian Firmbach. „Manche Gäste kommen nur, wenn sie die Maske absetzen können, andere fühlen sich mit Maske sicherer. Das spiegelt ganz gut die Unsicherheit in der Bevölkerung wider und natürlich auch beim Publikum.“ Und damit auch: die Stimmung im Theater. Dazu kam das gute Wetter, die Leute wollten draußen sitzen, sich unterhalten, Spaß haben. „Das kann man ihnen natürlich nicht verdenken. Aber da kommt vielleicht nicht sofort der Gedanke an einen Theaterabend. Und wenn, dann eher leichte, unterhaltsame Stoffe. Das merken wir schon! Ernste Themen haben es im Moment schwer, da bietet die Realität leider genügend Stoff...“ Hat es für Ihr Haus einen Mehraufwand bedeutet, die Gäste wieder in die Säle zu locken? Pavel Möller Lück bejaht das: „Problematisch war natürlich die kurze Vorlaufzeit für den Vorverkauf. Wir haben dann alle Kanäle genutzt um das Programm zu präsentieren.“ Das bedeutete natürlich einen erheblichen Aufwand. „Gleichzeitig vermuten aber viele Zuschauer:innen , das es traditionell keine Karten mehr geben würde im Laboratorium“, konstatiert er. Das stellt das Figurentheater vor eine Herausforderung, die andere nicht haben - und macht die Sache nicht einfacher. Die Frage nach dem Mehraufwand beantwortet auch Frauke Allwardt mit einem klaren Ja. Dabei geht es vor allem um kreative Arbeit: „Wir diskutieren viel über neue Formate und Programmatik. Für mehr Werbung haben wir praktisch keinen Etat.“ Für das theater wrede + war es beim traditionell starken Kinder-Programm bis Mai noch relativ einfach, weil die Nachfrage und das Vertrauen des Publikums groß war. „Für das Abendprogramm war die Nachfrage geringer und wir hatten mehr Mühe die Zuschauenden zurück zu gewinnen“, berichtet Marga Koop. Deshalb sei man aktiv geworden: „Wir haben viele Gespräche mit unserem Publikum geführt und wertvolles Feedback erhalten.“ Zusätzliche Hilfe habe man sich von der Hamburger Agentur hyper_real geholt. Gemeinsam sei ein Konzept entwickelt worden, das die Sichtbarkeit erhöhen und den Zugang für neues Publikum erleichtern soll. „An dem Konzept und der Umsetzung arbeiten wir auch dieses Jahr weiter und werden unser Abendprogramm in diesem Rahmen umstellen. Es bleibt also spannend.“ Ein klares Ja kommt auch von Christian Firmbach, nicht zuletzt weil er eine wichtige Beobachtung gemacht hat: „In den letzten zwei Jahren hat auch das Publikum einiges „verlernt“, was früher selbstverständlich war.“ Das dürfe man nicht ignorieren. Mit besondere Aktionen wie die Sommerstart-Woche oder die wöchentlichen Lunch-Konzerte draußen und umsonst versucht das Staatstheater deshalb, auf sich aufmerksam zu machen. Und Hoffnung macht noch etwas: „Darüber hinaus freuen wir uns sehr, in der nächsten Spielzeit unsere Abonnenten nach zwei Jahren Abstinenz wieder begrüßen zu dürfen!“ Die gibt es beim Unikum freilich nicht, aber dennoch ist man für die Zukunft hoffnungsvoll. „Die ersten Monate hatten wir defintiv einen großen Mehraufwand“, erinnert sich Jürgen Boese. „Wir mussten für jede Veranstaltung viel Werbung fahren. Außerdem wurde mehr Personal nötig, um die Kontrollen beim Einlass zu übernehmen.“ Mittlerweile schleife sich die Situation wieder besser ein. Wir hoffen, dass sich mit der Zeit der „Zustand“ wieder normalisiert und die Leute zurückkehren. Wie sieht angesichts all dessen der Blick in die Zukunft aus? Und was überwiegt: Unsicherheit oder Zuversicht? Bei der abschließenden Frage kristallisiert sich schnell und deutlich ein roter Faden heraus. Grundsätzlich blicken alle hoffnungsvoll nach vorn. Doch völlig ungetrübt ist dieser Blick nicht: Zum einen ist er mehr Bauchgefühl als Kopfsache. Zum anderen gäbe es da durchaus noch die eine oder andere Unwägbarkeit. „Die Planungen für die Winterspielzeit sind in vollen Gange. Wir planen ganz normal, jedoch immer mit einem Gefühl von Skepsis“, fasst Jürgen Boese die aktuelle Lage zusammen. Der Winter sei die Hauptsaison von Kulturveranstaltungen, aber auch von Corona. Man wisse sehr wohl, dass die Pandemie nicht vorbei sei: „Also planen wir in der Hoffnung, dass keine neuen Schließungen kommen. Ausfälle von Aufführungen müssen aber wahrscheinlich einkalkuliert werden.“ Generell sei das Theater Laboratorium optimistisch eingestellt, erzählt Pavel Möller-Lück. „Wir glauben auch, das unser Publikum uns wieder entdecken wird“, ist er überzeugt. Allerdings habe man jetzt zwei Spielplaneröffnungen erlebt, die wieder abgebremst werden mussten. „Vielleicht können wir von einer kontrollierten Offensive sprechen. Über einen neuerlichen Lockdown wollen wir hier noch nicht nachdenken.“ Finanziell auf dünnem Eis sieht dagegen Frauke Allwardt das theater hof/19. „Das wird gerade in solchen Zeiten deutlich spürbar", berichtet sie. Die freie Kultur verliere großartige Kolleg*innen, weil Corona ihnen das Genick gebrochen hat und z.B. das Lehrer:innen-Dasein verlässlicher ist. Das mache ihr Sorgen: „Ein Generationswechsel ist unter diesen Bedingungen kaum machbar. Wir Gründer:innen müssen es schaffen, das Haus ökonomisch besser aufzustellen, damit eine kompetente Nachfolge gefunden wird.“ Nicht ganz anders ist die Situation beim theater wrede +: „Bezüglich Corona sind wir grundsätzlich optimistisch“, stellt Marga Koop klar. „Bisher wurden wir in dieser Zeit finanziell gut unterstützt und wir sind auch sehr froh über unsere Zuschauer:innen. Herzlichen Dank an dieser Stelle!“ Jedoch hätten die Publikumszahlen in diesem Jahr noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht; deshalb werde man weiter daran arbeiten, die Sichtbarkeit des Theaters weiter zu erhöhen. „Wir hoffen, dass die Unterstützung so weiter geht, falls es auch im Herbst nochmal schwierige Corona-Situationen geben sollte.“ Allerdings müsse man als ein Freies Theater immer wieder große Anstrengungen betreiben, um überhaupt langfristig planen zu können. „Der Blick in die Zukunft ist also optimistisch, aber immer auch etwas sorgenvoll.“ Kurz aber kraftvoll fällt dagegen die Antwort von Christian Firmbach aus. Er hatte bereits bei der Pressekonferenz zur Spielzeit 22/23 - natürlich mit einem theatralischen Augenzwinkern - die Pandemie für beendet erklärt. Daran hält er sich auch jetzt: “Ich bin optimistisch“, erklärt er voller Überzeugung. „An eine neue Welle im Herbst mag, glaube ich, keiner denken!“ Grundsätzlicher wird Uwe Bergeest vom Theater k. Seine Blick auf die Theaterlandschaft hat sich durch die vergangenen zwei Jahre spürbar verändert: Der Philosoph Ernst Bloch hat mal gesagt: ‘Man muss in das Gelingen verliebt sein, nicht in das Scheitern.‘ Nach diesem Credo habe ich mich für die Theaterarbeit der Kulturetage immer gerichtet. Und jetzt habe ich zum ersten Mal Zweifel. Mit den Hilfen wie Neustart Kultur, Back to stage habe zwar einiges auffangen lassen. Aber: „Wenn die Leute ab September wieder nur spärlich kommen, dann haben wir ein Problem. Dann hilft uns im Sommer ‘Umsonst und draußen‘ nichts und mit der Verliebtheit ist es dahin.“
- GUTE SACHE FÜR DIE GUTE SACHE
„Einfach Kultur“ ist in erster Linie bekannt für die Konzerte. Sie sorgen für das urbane Festivalfeeling im Bahnhofsviertel. Immer wieder gibt es aber auch anderen Formate, wie im letzten Jahr der Hörsaalslam. Und dieses Jahr? Gibt es eins, das eine echte Herzensangelegenheit für uns ist: Der Abend für die KulturTafel Oldenburg - mit der unvergleichlichen Annika Blanke! Wer irgendwas mit Worten und/oder Menschen anfangen kann, sollte bei diesem Poetry Slam Event dabei sein! Klar: Wer an sommerliche Festivals denkt, dem kommen zuerst Musik und Tanzen in den Kopf. Das geht uns gar nichts anders. Trotzdem finden wir es ziemlich großartig, dass sich dass Programm der meisten Festivals diversifiziert hat. Es wird nicht mehr nur frontal von den Stages geballert als gäb's kein Morgen, es gibt zunehmend auch Raum für leise Töne und für Botschaften jenseits von „Seid ihr gut drauf!!??“ Zum festen Sortiment für diese akustischen Verschnaufpausen gehören Poetry Slams. Warum liegt auf der Hand: Sie sind nämlich eng verwandet mit der Musik. Denn Metrik, Rhythmik und Takt findet man auch hier; und sie sind genauso wichtig für den Sound wie bei den Music Acts. Und es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: Wortakrobatik kann in Komposition und Performance nämlich genauso mitreißen wie ein guter Song. Mancher Flow saugt dich förmlich ein, manche Formulierung knallt mehr als der dickste Beat oder das härteste Riff. Und bestimmte Texte sind sogar echte Hits. „EINFACH ANNIKA“ EIN BENEFIZ-ABEND FÜR DIE KULTURTAFEL OLDENBURG DIENSTAG, 9. AUGUST 2022, 20 UHR BAHNHOFSTRASSE 12 (HINTERHOF) 26122 OLDENBURG TICKETS: 15,- EUR / 10,- EUR ERM. All das führ dazu, dass die Poetry Slams zwar akustische Verschnaufpausen sind, kognitiv und emotional aber das genaue Gegenteil. Sie können genauso viel Wirkung haben wie die letzte Zugabe des Headliners vor dem stimmungsvollen Abendhimmel. Man muss sich nur drauf einlassen. Alles weitere zum Thema Poetry Slam haben wir erst kürzlich an dieser Stelle aufgeschrieben. Es wird noch besser Ein ausgezeichneter Slam von einer vielfach ausgezeichneten Könnerin wie Annika Blanke wäre ja schon Grund genug, am 9. August ins Bahnhofsviertel zu kommen. Aber das ist ja nicht alles. Denn mit dem Eintritt tut man sogar etwas Gutes: Es handelt sich bei der Veranstaltung nämlich um einen Benefiz-Abend für die KulturTafel Oldenburg! Sie macht Kulturveranstaltungen für Menschen möglich, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Damit leistet sie einen enorm wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von finanziell schlechter gestellten Bevölkerungskreisen. Denn wenn wir Menschen von Kultur ausschließen, nur weil ihnen das nötige Geld dafür fehlt, wäre das ein schlechtes Zeichen für unsere Gesellschaft. Wir unterstützen die KulturTafel Oldenburg als offizielle Botschafter - und Annika Blanke tut das auch! Leider sind wir in Sachen Slam nicht so versiert wie sie, sonst hätten wir gemeinsam die Bühne geentert und doppelt-dreifach performt. Aber wer weiß, vielleicht passiert das irgendwann mal? Wir üben besser schon mal. So oder so loten wir weiterhin aus, wie wir die wunderbare Mareike Urfels und ihr KulturTafel-Team weiter unterstützen können. Und wir freuen uns, dass wir mit Annika einen so engagierten und talentierten Menschen an der Seite haben. Keine Ausreden It's all set: Eine coole Open Air Location mit Atmo und Gastro, eine große Bühne und Platz für vierhundert Leute sowie eine begnadete Künstlerin und ein sozialer Zweck. Fehlt noch was? Ach ja: prächtigstes Sommerwetter. Und sogar das ist - Stand jetzt - fest eingeplant. Besser geht's nicht. Das Fazit ist klar: Der Benefiz-Abend „Einfach Annika“ ist eine gute Sache für die gute Sache. Also: Hingehen, Haltung zeigen, Szene supporten und den Sound der Sprache genießen. Nie war es einfacher - nie war es atmosphärischer - und nie war es inspirierender!
- VIDEOINTERVIEW: BEI ANRUF SCHNACK
Vier junge Kulturschaffende setzen ab morgen, also vom 11.08. - 12.08.2022 im Gleispark ihr erstes eigenes gemeinsames Projekt um: den Kunstkomplex. Wir haben uns mit Lena und Pia auf einen kurzen Schnack zusammengeschaltet und mehr über das Projekt erfahren. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Performance Art Festival mit Performance, Live Musik, Workshops und Kunstausstellungen von jungen Künstler*innen aus Oldenburg. Das Festival wird ein umfassendes Programm für Kulturinteressierte haben, die einen Blick außerhalb der gewohnten Kulturinstitutionen werfen wollen. Es bietet dem alteingesessenen Theatersessel eine Alternative und bespielt den Gleispark auf kreative Art und Weise. Die Aufregung, Spannung und Leidenschaft sind bei allen Beteiligten spürbar für dieses erste gemeinsame Kulturprojekt, das sie umsetzen und das steckt einen förmlich an. Am Freitag den 12. August finden von 14 bis 17 Uhr verschiedene Workshops mit den Schwerpunkten Theater, Ukulele, Graffiti und DJ statt. An den Workshops können Personen mit und ohne Anmeldung teilnehmen! Diese sind alle kostenlos. [Update: Der DJ Workshop muss leider aus organisatorischen Gründen ausfallen.] Die Anmeldung kann über die Mailadresse kunstkomplex_ol@gmx.de erfolgen. Wir finden: das gehört unterstützt, also ab in den Gleispark!
- FASZINATION LINIE
Es ist wahrscheinlich der Traum einer jeden Künstlerin und eines jeden Künstlers. Man beginnt seine Karriere, steht ganz am Anfang und doch passiert es: man wird von den richtigen Menschen gesehen, entdeckt und gefördert. Denn mit seinem Werk in einer immer schneller werdenden Welt überhaupt noch Gehör zu finden, das wird immer schwieriger. Johanna Raabe ist genau das passiert und gelungen, denn Sie ist die diesjährige Gewinnerin des Förderpreises der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg. JOHANNA RAABE AUSSTELLUNG ZUM FÖRDERPREIS MALEREI 2022 KULTURSTIFTUNG ÖFFENTLICHE OLDENBURG BIS 11. SEPTEMBER DI - SO 10:00 - 18:00 UHR LANDESMUSEUM OLDENBURG OLDENBURGER SCHLOSS SCHLOSSPLATZ 1 26122 OLDENBURG Besser kann es einfach nicht laufen. Da hat man gerade erst seine Karriere als Künstlerin so richtig begonnen, schon existiert sie: die eigene, große Ausstellung. Im wortwörtlichen Sinne hat sie damit direkt die Spitze Oldenburgs erklommen, denn zu finden sind ihre Werke im Dachgeschoss des Oldenburger Schlosses, mit Blick über den Schlossplatz und die Innenstadt, im Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Oldenburg. Schon bei der Gestaltung der Broschüre zur Ausstellung und den Plakaten fällt auf: hier wird mit minimalistischen Mitteln, große Wirkung erzielt. Denn es sind nicht viel mehr als einige, schwarze Farblinien eines größeren Ganzen sowie der Name der Künstlerin: Johanna Raabe. Doch das reicht völlig um den Gedanken auszulösen: Was hat es damit auf sich? Dabei steht die erst 21-jährige Preisträgerin noch ganz am Anfang ihrer künstlerischen Ausbildung und beeindruckte die Jury aber trotzdem schon mit ihrer außergewöhnlich qualitätsvollen Bewerbung. Ihr Kunststudium hat sie gerade erst in Dresden begonnen, kann aber schon jetzt ein beachtliches künstlerisches Portfolio vorlegen. Beste Voraussetzungen für die Zukunft. Viele Wege führen zur Kunst Auch wie unterschiedlich die persönlichen Wege sind, hin zu der Entscheidung sein Leben der Kunst zu widmen, zeigt der Lebenslauf von Johanna ganz gut. Denn entgegen der Vorstellung und den Klischees, die man vielleicht haben mag, dass alle Künstlerinnen und Künstler als solche geboren werden und ihr Leben lang wissen, dass sie zu nichts anderem als der Kunst bestimmt sind, entschied sich Raabe erst recht spontan nach ihrem Abitur für den Weg einer professionellen Künstlerin, auch wenn sie schon seit ihrer frühen Kindheit viel zeichnete. Doch ein professioneller Kurs an einer Kunstschule oder dergleichen? Das hieß es bis dato: Fehlanzeige. Doch nach ihrer gefällten Entscheidung führte sie ihr Weg nach Meersburg an den Bodensee, wo sie ihr Vorstudium in Kunst und Gestaltung absolvierte. Inspiriert von einer ihrer Dozentinnen, entdeckte Johanna Raabe mit der Zeichenkohle eine völlig neue Form des Ausdrucks für sich, die sich jetzt bereits in der Ausstellung wiederfindet. Beim Besuch der Ausstellung ist es absolut beeindruckend, wie routiniert und erfahren die Gestaltung der zu sehenden Portraitzeichnungen wirkt. Denn obwohl die einzelnen Linien, das Grobe der Kohle immer erkennbar bleibt, ist in den Gesichtern die dargestellten Menschen trotzdem eine wahnsinnige Tiefe zu erkennen. Als hätte sie es geschafft, mit jedem Strich auch ein wenig über das Leben jedes einzelnen zu erzählen. Wer war diese Person, was hat sie erlebt? Die Linie Hier zeigt sich auch eines der, wenn nicht sogar das absolut prägende Element der gesamten Ausstellung, das schon wie zu Beginn dieses Artikels erwähnt, selbst beim Plakat und der Broschüre zu erkennen ist: es ist schlichtweg die Linie. Denn die Ausstellung zeigt ganz unterschiedliche Arbeiten, Ansätze und Reihen in den einzelnen Räumen des Dachgeschosses, wie zum Beispiel auch abstrahierte Waldlandschaften und Industriegebiete, die mehr als gelungen eine ästhetische Transformation der Wirklichkeit in künstlerische Kompositionen bewerkstelligen. Für Besucherinnen und Besucher bedeutet das: auch wenn das eigene Auge alles andere als ein klassisches Abbild eines beispielsweise Industriegebietes zu sehen bekommt, bleibt doch faszinierenderweise bleibt das Industriegebiet trotzdem zu erkennen und das was man sieht fühlt sich vor allem auch nach Industriegebiet an. Auch hier schafft sie es also wieder mit Hilfe der Art und Weise ihrer Linienführung eine eigentlich abstrakte Darstellung so wirken so zu lassen, dass man beinahe glauben möchte, ihre Version der Realität sei die authentischere und käme der eigentlichen Sache viel näher. Lasst euch also auch entlang Johanna Raabes ganz persönlicher Linienführung durch die Ausstellung geleiten und entdeckt die künstlerische Welt eines jungen Ausnahmetalents, von dem wir sicherlich noch in Zukunft wieder hören - und hier lesen - werden.
- AUF DER WELTBÜHNE
Selten war sich die Jury bei ihrer Entscheidung so schnell so einig: der diesjährige Kompositionspreis der Stadt Oldenburg, der im Zuge des Carl-von-Ossietzky-Preises zusätzlich verliehen wird, geht an den 30-jährigen Komponisten Étienne Haan! Warum die Entscheidung so leicht und genau auf ihn fiel? Das lest ihr hier! Bei dem Preis, der auf 3.000 Euro dotiert ist, handelt es sich um eine waschechte Institution innerhalb des Kulturbüros der Stadt Oldenburg. Denn bereits seit 1988 wird alle zwei Jahre anlässlich der Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises für Zeitgeschichte und Politik am 4. Mai, dem Todestag Ossietzkys, jeweils eine honorierte Auftragskomposition an eine ausgewählte Komponistin oder einen Komponisten vergeben. Seit 2013 kennt man diesen Kompositionsauftrag ganz offiziell als den Oldenburger Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik, der einen Beitrag zur individuellen Förderung von Komponistinnen und Komponisten leistet. Mit der Uraufführung der jeweiligen Komposition während des Festaktes zur Vergabe des Carl-von-Ossietzky-Preises soll nicht nur die Feierlichkeit musikalisch innovativ ausgestaltet werden, sondern mit dem zu erstellenden Werk ist auch die Würdigung des Namensgebers des Politikpreises und der ausgezeichneten Persönlichkeit verknüpft. In diesem Jahr fiel die Wahl dabei auf Professor Igor Levit, worüber wir natürlich schon berichteten: Trotz Pandemie wurde auch die ausgezeichnete Komposition des Jahres 2020 The Blue Traces von Farzia Fallah zur Uraufführung gebracht – allerdings auf ganz neuem Wege. Da die Preisvergabe 2020 an Dr. Carolin Emcke mit der Aufführung des Werkes von Farzia Fallah um ein Jahr verschoben werden musste und auch 2021 Corona bedingt nur im kleinsten Kreis ohne Live-Aufführung stattfinden konnte, wurde die Uraufführung als Videoclip produziert: Der Preisträger 2022 Natürlich wird die Entscheidung darüber, wer den Preis im jeweiligen Jahr erhält, nicht einfach willkürlich getroffen, sondern basiert auf dem qualitativen Urteil eines fachkundigen musikalischen Beirats, dem der Oldenburger Komponist Eckart Beinke, der Kulturmanager und Musiker des Oldenburgischen Staatsorchesters Michael Hagemeister sowie Christiane Abt, künstlerische Mitarbeiterin für Klavier, Arrangement und Improvisation am Institut für Musik der Universität Oldenburg, angehören. Mit dem 1992 in Strasbourg geborenen und sowohl dort als auch in Berlin ausgebildeten Étienne Haan fiel die Wahl dieses Mal auf einen Komponisten, der mit seinem Stil in der aktuellen Zeit einfach auffällt, heraussticht und mit diesem Stil auch die Jury des Preises umfassend überzeugen konnte. So heißt es in der Begründung des Beirats unter anderem: "Das Beeindruckende seines Stils ist das kompositorisch beherrschte Vorhandensein fast sämtlicher Techniken der Neuen Musik, die aber immer wieder und überraschend von sehr eingängigen rhythmischen Passagen gebrochen werden." Diese ungewöhnlichen Brechungen hochkomplexer Klangfelder gegen sinnlich vertraute Klanggesten ergreifen, so führt die Jury weiter aus, direkt das Publikum und führen zu einer enormen Attraktivität der Musik, die auch Laien anspricht, da sie immer wieder auch einzelne Inseln des Vertrauten biete und trotzdem, mit Hinblick auf das Alter Haans, eine fast ungewöhnliche Reife der fachlichen Konstruktion aufweise. Er hat eine Vielzahl von instrumentalen Kompositionen für Soloinstrumente, für verschiedene kammermusikalische Besetzungen sowie für Orchester geschrieben, die europaweit von professionellen Ensembles und Orchestern aufgeführt werden. Darüber hinaus komponiert er rein elektroakustische Musikstücke und kreiert Videoinstallationen. Im Rahmen von interdisziplinären Projekten, die sich häufig mit gesellschaftspolitischen und sozialen Fragestellungen befassen, arbeitet Haan mit Kunstschaffenden aus den Bereichen Bildende Kunst, Tanz, Choreographie, Film und Regie sowie mit Theatergruppen. Was man sich nun aber konkret unter diesen Beschreibungen vorstellen kann? Das kann man unter anderem auf dem Soundcloud Account des Komponisten selbst herausfinden und sich dort Auszüge seines Schaffens anhören. Wichtig beziehungsweise besonderes Detail: einige der Werke erfordern das Tragen von Kopfhörern um die gesamte Bandbreite der Musik wahrnehmen zu können: Ganz traditionell findet die Uraufführung seiner Auftragskomposition für den Carl-von-Ossietzky-Preis mit dem Titel Auf der Weltbühne nun aber wieder während des Festaktes am 09. Dezember selbst statt. Mitglieder des oh ton-Ensembles werden die Komposition für Flöte, Akkordeon und Kontrabass in Anwesenheit des Komponisten interpretieren. Auch wir vom Kulturschnack sagen: Gratulation!
- ELF FREUNDE MÜSST IHR SEIN
Not macht erfinderisch, Kunst aber auch. Wenn beides zusammenkommt, wird es manchmal richtig genial - wie beim MACH|WERK-Projekt von Jinke Fanselau und UlIrich Bohmann. Die beiden haben einen kreativen Briefwechsel angestoßen - zwischen Künstlerinnen aus Oldenburg und aus unseren Partnerkommunen. Dabei ging es um die Frage, was die Pandemie für die Akteure vor Ort bedeutet hat - und manchmal um noch mehr. Hand aufs Herz: Hättet ihr gewusst, wie viele Partnerkommunen Oldenburg hat - und welche das sind? Der Titel hat es längst verraten: es sind zehn. Von engen Nachbarn wie Groningen in den Niederlanden oder Taastrup in Dänemark bis zu weit entfernten Metropolen wie Machatschkala in Dagestan und Xi'an in China. Die vollständige Liste findet ihr hier. Diese zehn Partnerstädte stehen im Mittelpunkt des künstlerischen Projekts „11 Freunde im kulturellen Austausch“ von Jinke Fanselau und Ullrich Bohmann. Sie haben sich gefragt: Wie gehen Künstler:innen eigentlich mit der Corona-Sitiuation um? Nicht nur mit der Zeit der Lockdowns, sondern auch mit der aktuellen Phase, die ihre eigenen Schwierigkeiten und Unsicherheiten hat. Und sie gehen noch einen Schritt weiter. Oder besser gesagt: sogar zwei. Denn sei möchten nicht nur wissen, wie es den Künstler:innen geht, sondern auch, was von öffentlicher Seite für sie getan wird - und wie das in anderen Ländern gehandhabt wird. 11 FREUNDE IM KULTURELLEN AUSTAUSCH KÜNSTLERBRIEFE AN OLDENBURGS PARTNERSTÄDTE 20. JULI - 17. AUGUST 2022 MONTAG-FREITAG 11 - 18 UHR SAMSTAG 11 - 14 UHR MITTWOCH GESCHLOSSEN FOYER DER KINDERBIBLIOTHEK PETERSTRASSE 1 26121 OLDENBURG Bewusst subjektiver Blick Dafür hätte man nun natürlich einfach ein paar Emails verschicken können. Das Ergebnis wären aber kalte Fakten gewesen, die ein nachempfinden nicht zulassen. Jinke und Ulli schwebte etwas anderes vor: Sie wollten eintauchen in die Lebensrealistäten unserer Freund:innen in den Partnerstädten und so ein authentisches, bewusst subjektives und emotionales Bild zu bekommen. Denn das liefert häufig mehr Wahrheiten als die valideste Statistik. Ihr Ansatz dafür: Brieffreundschaften. Schnell waren zehn Künstlerinnen (ja, ausschließlich Frauen) aus Oldenburg gefunden, die bereit waren, die ausgehenden Briefe zu schreiben und mit einem Kunstwerk zu versehen. Dafür hatte Ulli extra große faltbare Bögen entworfen, die dann tatsächlich in den Postversand gingen. Die Adressaten waren Künstler:innen in den Partnerkommunen, die man zuvor u.a. in Zusammenarbeit mit dem Büro für internationale Zusammenarbeit der Stadt Oldenburg ausfindig gemacht hat. Anfassen statt Ausdrucken Keine Frage: Dieses Projekt gehört zu den kleineren. Wer den Ausstellungsraum in der Kinderbibliothek in der Peterstraße 1 betritt, wird von der optischen Wirkung nicht gleich umgeworfen. Die Exponate sind kleinteilig, die Magie entfaltet sich erst bei der genaueren Betrachtung. Kein Wunder, schließlich ist hier alles echt-einzigartig und nicht beliebig skalierbar. „Alles was hier ausgestellt ist, war tatsächlich in den jeweiligen Ländern und Orten. Es lag in den Ateliers der Künstler:innen und wurde dort bearbeitet. Dieser Gedanke gehört zum Werk“, betont Jinke. Beeindruckend ist auch der Fokus auf analoge Handarbeit. „Wir haben möglichst keine Emails versendet und nichts ausgedruckt“, betont Ulli. „Sämtliche Schriftstücke habe ich handgeschrieben und illustriert.“ Viel Arbeit - aber eine, die sich auszahlt. Denn man spürt eine besondere Atmosphäre, die sich digital nicht in dieser Form reproduzieren lässt. Natürlich ist das Old School. Aber das ist der Zitatgeber für den Titel dieses Artikels auch - und trotzdem verwendet man seine Sätze immer noch. Manches bleibt ewig jung - und dazu gehöret zweifellos das Herzblut, mit dem Jinke und Ulli Ihr Projekt gestaltet haben. Klar: Auf Instagram oder TikTok knallt es rund um die Uhr, alles ist bunt, schnell und laut. Wer auffallen will, kommt nicht dran vorbei. Im Gegensatz dazu wirken aber manchmal die leisen Töne viel stärker. Weil sie sich zurücknehmen. Und die besten Geschichten sind auch nicht diejenigen, die eilig gescripted und gepostet wurden - sondern diejenigen, die das Leben schreibt. Dafür werfe ich gerne fünf Euro ins Phrasenschwein. Auch Xi'an in China war ein besonderes Thema. Es ging ja um die Auswirkungen der Pandmie auf die Kunst. In China aber gab es eine Null-Covid-Strategie, somit - nach staatlicher Lesart - auch gar kein Problem. Zudem wäre es von den Aufpassern nicht gern gesehen worden, wenn man freimütig über die tatsächliche (Gefühls-)Lage in Xi'an berichten würde. Und so braucht es die Mittel der Kunst, um sublime Botschaften zu senden. „Wenn ein Künstler von dort schreibt, es sei 'natürlich' alles gut in China - dann schwingen da gleiche mehrere Ebenen mit, die viel mehr sagen als die Worte selbst“, freut sich Ulli über die Beteiligung aus Fernost. Klein aber fein? Die 11 Freunde sind ein Gegenentwurf zum Zeitgeist. Hier gibt es keine Filter, keine Schnitte, keinen Soundtrack. Hier gibt es offene, ehrliche Kommunikation. Gerade diese Ebene, die Gedanken und Gefühle zulässt, kam in den letzten Monaten bzw. Jahren häufig zu kurz. Wir haben auf Inzidenzen gestarrt, auf Wirkungsgrade und auf Hospitaliserungsquoten. Verloren ging dabei allzu oft das aufrichtige Interesse am Individuum. Was die Kultur angeht, sind Jinke und Ulli nun in die Bresche gesprungen. Sie haben sich umgehört, wie es Künstlerinnen geht - in Oldenburg und in unseren Partnerstädten. Damit haben Sie eine im besten Sinne altmodische Momentaufnahme geschaffen, die uns vieles über diese Zeit verrät - nicht wenig davon auch zwischen den Zeilen. Nein, eine große Ausstellung ist es vielleicht nicht. Aber dennoch eine, die man gesehen haben sollte. Denn es bleibt dabei: Not macht erfinderisch, Kunst aber auch. Und wenn beides zusammenkommt, wird es manchmal richtig genial. ' “11 Freunde im kulturellen Austausch“ wurde von MACH|WERK gefördert - Oldenburgs Fonds für innovative Kulturprojekte. Du hast auch eine gute Idee im Kopf? Dann immer raus damit! Mehr über MACH|WERK erfährst du hier, die FAQs sind hier. Dein Projekt einreichen kannst du bequem online, und zwar hier! Wir haben auch schon über weitere MACH|WERK-Projekte berichtet. Dazu gehört dieses und auch dieses. Bereits diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Ansätze dein können, dürfen und sollen!
- PODCAST: FOLGE 09
Wie ist und bleibt man Stadtmuseum, wenn einem das Gebäude hierzu eigentlich fehlt? Das und noch einiges mehr erfahrt ihr in unserer neuen Folge Kulturschnack! Doch das ist nicht die einzige, ziemlich große Frage, der sich das Team des Stadtmuseums Oldenburg stellen musste. Denn im Zuge eines vollständigen Neubaus des Gebäudes steht man wieder vor ganz grundlegenden Fragestellungen wie: Was ist ein Stadtmuseum und was ist seine Aufgabe? Wie sollte ein Museum idealerweise gestaltet sein, damit es für möglichst die gesamte Bevölkerung, in höchstmöglicher Barrierearmut, also ohne unnötige Hürden, sowohl architektonisch als auch inhaltlich zugänglich ist? Was müssen die neuen Räumlichkeiten hierbei leisten können? Ein Spagat zwischen Offenheit, einladenden Räumlichkeiten und größtmöglichen Gestaltungsspielräumen. In unserem Gespräch mit Steffen Wiegmann (Leiter des Stadtmuseums Oldenburg) und Claudius Mertins (Wissenschaftlicher Volontär) wird klar: auf all' diese unterschiedlichen Fragestellungen fand man die passenden Antworten und möchte dabei so transparent in die Stadt kommunizieren, wie nur irgendwie möglich. Denn was hier neu entstehen soll ist ein Museum für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Das schwingt in allen Aktivitäten mit. Eine dieser Aktivitäten und eines der ganz frischen Highlights innerhalb dieser Transparenzoffensive des Museums ist der brandneue Podcast Museum findet Stadt: Zu finden & natürlich auch zu abonnieren ist er auf allen großen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple, Google etc. Alle weiteren Aktivitäten des Museums und die Fortschritte im Neubauprozess lassen sich über eine gleichnamige Website mitverfolgen: https://www.museum-findet-stadt.de/











