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- MORGEN MUSEUMSREIF
Die ehemalige Hauptpost am Hauptbahnhof kennen wir alle. Mit Kultur bringen wir den Betonkoloss aber kaum in Verbindung. Vielleicht hat das Oldenburger Computermuseum gerade deshalb hier seine Heimat gefunden - weil es selbst eher ein untypischer Vertreter seiner Zunft ist. Warum? Nicht etwa, weil das Konzept vollkommen ungewöhnlich wäre. Sondern deshalb, weil wir die Exponate noch gar nicht im Museum erwartet hätten. Doch für Computer gilt das Prinzip: Heute State of the art, morgen museumsreif. Keine Frage: Das Computermuseum ist ein Sonderfall der Oldenburger Museumslandschaft. Es ist noch sehr jung, es befindet sich an einem wenig weihevollen Ort und es beschäftigt sich mit Dingen, die wir intuitiv in der Gegenwart verorten. Mehr als alles andere ist es aber: ein positives Beispiel. Nämlich dafür, wie aus einem individuellen Interesse, großem Engagement und viel Gespür für eine latenten Bedarf etwas entstehen kann, das ganz Oldenburg auf Dauer bereichert. Ein Automatismus ist das freilich nicht. Es hat viel mit dem Gründer Thiemo Eddiks zu tun. Er leitet das Museum nicht, er lebt es. Seine Sammlung an historischen Computern bildet den Grundstock der Ausstellung, seine Leidenschaft für das Thema sorgt für ständige Weiterentwicklung und neue Akzente. Gleichzeitig war er sich immer bewusst, das es alleine nicht geht. Im Trägerverein und im wissenschaftlichen Beirat hat er ein agiles Team um sich geschart, dass gemeinsam dafür sorgt, dass das Computermuseum bundesweite Aufmerksamkeit genießt. Alltag als Exponat Diese Konstellation hat auch die überaus positive Entwicklung der letzten Jahre ermöglicht. Nach dem Start im November 2008 in der Neuen Straße zog das Museum im Jahr 2014 an seinen jetzigen Standort. Dort zeigt es auf einer Fläche von über 600 Quadratmetern Computerklassiker aus der Vergangenheit. Zunächst hat man dabei vielleicht ein Störgefühl: Sind Computer nicht viel zu neu und aktuell, um schon museumsreif zu sein? Doch die Antwort lautet: Nein, sind sie nicht. Denn die Zeit läuft in diesem Metier schneller als irgendwo sonst, da das Tempo der Entwicklungen so enorm hoch ist. Was gerade noch Maßstäbe setzt, ist morgen schon hoffnungslos veraltet. Schöne Grüße an Atari, Commodore und Nokia. OLDENBURGER COMPUTERMUSEUM REGULÄRE ÖFFNUNGSZEITEN: DIENSTAGS, 18 - 21 UHR EINTRITT: 2 EURO FÜHRUNGEN NACH ABSPRACHE OLDENBURGER COMPUTERMUSEUM BAHNHOFSPLATZ 1 26122 OLDENBURG Inhaltlich war dieser Schritt sowieso überfällig. Denn was prägt das Leben der letzten fünfzig Jahre mehr als der Computer? In keinem einzigen Gesellschaftsbereich ist er noch wegzudenken. In den zahllosen Büros und Home Offices sowieso nicht, aber auch „analogere“ Arbeitsbereiche kommen ohne ihn nicht aus: Landwirte planen die Bewirtschaftung ihrer Felder am Rechner, Sportler analysieren ihr Training mit Programmen, Handwerker organisieren ihre Bestände softwaregestützt. Und in Form von Mobile Devices sind Computer sowieso immer und überall präsent. Enorme Relevanz Was also, wenn nicht diese dominierende Technologie, sollte in Museen ausgestellt werden? Genau das passiert in Oldenburg nun schon seit vierzehn Jahren und bewegt sich im bundesweiten Vergleich dabei auf einem außerordentlich hohen Niveau; nicht zuletzt deshalb, weil man alle Rechner hier auch tatsächlich ausprobieren kann. Hat man das vorhin erwähnte Störgefühl erst einmal hinter sich gelassen, dann erkennt man schell die Relevanz und die Reize des Themas. Und man erkennt noch mehr: nämlich die persönlichen Wissenslücken, sowohl über die Entwicklung als auch über die Funktionsweise von Computern. Und ganz nebenbei macht das Zocken und Daddeln auf den alten Gaming Konsolen einen Riesenspaß. Ein Besuch lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht. Das wird in Zukunft vielleicht sogar noch mehr gelten. Denn ebenso wie die Computerwelt steht auch das Museum nie still. Zwar steht kein weiterer Umzug an, doch einige Veränderungen kündigen sich an, wie uns Thiemo im Gespräch verraten hat. Spoiler Alert: Alles wird noch ein bisschen größer und besser als zuvor. Tatsächlich Kultur Natürlich wird es nun Menschen geben, die sagen: Das ist doch nur ne Sammlung, kein Museum. Und das sind doch nur Computer, keine Kulturgüter. Aber weit gefehlt. Denn einerseits bietet das Computermuseum über Führungen und Informationen den nötigen Kontext, um einen pädagogischen Effekte zu haben. Und andererseits besitzen die Computer wie vorhin geschildert einen so enormen gesellschaftlichen Stellenwert, dass sie längst den Status eines Werkzeugs hinter sich gelassen haben und in der Kultur im weiteren und engeren Sinne eine Rolle spielen. Sie sind nämlich nicht nur durch ihre enorme Präsenz Teil unserer kulturellen Identität geworden. In Zeiten der Digitalität sind sie auch aus dem regulären Kulturbetrieb kaum noch wegzudenken. Aber dazu bald mehr an dieser Stelle. Wer das Computermuseum mit einer Spende unterstützten möchte - sei es finanzieller Art oder mit einer Sachspende in Form des raren Macintosh-Prototyps, den man auf einer Kalifornien-Rundreise Ende der Siebziger mal Steve Jobs abgeschwatzt hat - sollte einfach eine Email schreiben. Aber ganz egal, auf welchem Gerät du das tust, eines ist sicher: Es ist morgen museumsreif.
- SITZUNG AM 20.09.2022
Es ist mal wieder Zeit für den Kulturausschuss! Doch dieses Mal findet er nicht, wie sonst üblich im PFL Kulturzentrum statt, sondern im Horst-Janssen-Museum. Themenschwerpunkte sind dieses mal vor allem die Vorstellung des neu entstehenden Stadtmuseums sowie die Auswahl der innovativen Kulturprojekte durch den MACH|WERK Fonds. Also einfach mal hin da und vorbeischauen. Es ist ein wiederkehrendes Ritual: Am dritten Dienstag im Monat kommt der Kulturausschuss zusammen, um sich mit aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen im Kultursektor zu beschäftigen. Was auf dem Papier zunächst nicht unbedingt hochgradig spannend klingt, hat es aber häufig in sich. Denn letztlich hat alles, was hier besprochen wird, einen Einfluss auf unsere Kulturlandschaft. Sowohl auf die Akteur:innen als auch auf die Konsumenten:innen. SITZUNG DES KULTURAUSSCHUSSES DIENSTAG, 20. SEPTEMBER 2022, 17 UHR HORST-JANSSEN-MUSEUM (3. EBENE) AM STADTMUSEUM 4 - 8 26121 OLDENBURG WAS IST DRAN? Die ersten drei Tagesordnungspunkte sind mehr oder weniger Formalien, sie werden meistens in wenigen Sekunden abgehakt. Die Einwohnerstunde kann spannend sein, weil sie der Bevölkerung die Gelegenheit bietet, eigene Impulse in die Kulturentwicklung einzubringen. Im Anschluss geht's in die Themen. Wer an dieser Stelle immer noch nicht genug hat und noch tiefer in die Welt des Kulturausschusses eintauchen möchte, hat dazu Gelegenheit im städtischen Ratsinformationssystem. Es erscheint zunächst etwas unübersichtlich, erweist sich nach etwas Ausprobieren aber als hilfreiches Tool, um den Überblick über die politischen Prozesse in Oldenburg zu bewahren. Wir sehen uns morgen!
- SO VIEL MEHR ALS MAN DENKT
In einer Bibliothek, da leiht man Bücher aus und bringt sie anschließend zurück. Dieses Bild gehört definitiv längst der Vergangenheit an! Denn auch unsere Bibliotheken haben weit mehr als das zu bieten und sind dabei, so weit möchten wir gehen: ein Ort, dem die Zukunft gehören kann und der seiner Zeit schon oftmals lange voraus war. Bereits als wir euch in der Vergangenheit Einrichtungen wie die Artothek vorstellten, war es uns wichtig einen besonderen Faktor herauszuheben: nämlich wie toll es doch ist, dass es in einer Welt, in der die Tankfüllung für den Weg zur Arbeit oder ein warmes zu Hause zur finanziellen Belastungsprobe werden, immer noch Einrichtungen und Angebote gibt, die uns als Bürgerinnen und Bürgern völlig oder so gut wie kostenfrei zur Verfügung stehen. Sie sind eine - das muss man so sagen - demokratische Wohltat für die Seele, weil sie uns allen zur Verfügung stehen und jederzeit genutzt werden können, ohne bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllen zu müssen. Eines dieser Angebote, das uns kulturell, intellektuell und auch in sozialer Hinsicht bereichert ist und war schon immer: die Bibliothek. "Wir legen viel Wert darauf, dass wir uns nie als reine Bücherei bezeichnen, sondern achten immer auf den Begriff der Bibliothek." - Hannes Meiners, Stadtbibliothek Oldenburg Doch im Verhältnis dazu, was diese den Einwohnern vieler Städte und auch unserer inzwischen alles anbieten, bleibt doch festzuhalten, dass für viele noch, völlig zu Unrecht, ein altbackenes Klischee in den Köpfen verfestigt ist, das längst nicht mehr der eigentlichen Realität entspricht. Auch hier in Oldenburg möchte und wollte man diesem Image hartnäckig entgegenwirken und überlegte sich in diesem Zuge eine Kampagne, die euch mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn ihr in den letzten Wochen unterwegs gewesen seid, an dem ein oder anderen Laternenmast und in der Innenstadt als Postkarte über den Weg gelaufen sein könnte: Vom reinen Zeit verbringen, bis hin zur Reiseplanung und ein bisschen Gaming. Alles möglich! Plakate: KERN Kreativagentur, Stadtbibliothek Oldenburg Seiner Zeit voraus Ziel dabei war es vor allem die Angebote bekannt zu machen, die eben nichts mit dem verhafteten Bild der reinen Ausleihe von Literatur zu tun haben. Denn während der Begriff der Co-Workingspaces, bei denen man (sehr vereinfacht) für einen Arbeitsplatz bezahlt, den man sich mit vielen weiteren teilt, die kein ganzes Büro für sich benötigen, in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt haben, fragt man sich in Bibliotheken wahrscheinlich völlig zu Recht, was an diesem Konzept so neu sein soll. Denn auch in der Stadtbibliothek Oldenburg - mit ihren Standorten im Kulturzentrum PFL, der Kinderbibliothek am PFL und den Stadtteilbibliotheken in Eversten, Flötenteich, Kreyenbrück und Ofenerdiek – finden sich Arbeitsplätze, an denen man sich zurückziehen sowie kostenfreies WLAN nutzen kann. Wer dabei noch nicht die aktuellen Nachrichten gelesen hat: absolut kein Problem. Die Lokal- aber auch überregionale Presse liegt zur Lektüre bereit so wie zahlreiche andere Magazine. Rückzugsort ohne Zwänge Wichtig ist Hannes Meiners, der in der Stadtbibliothek für die Öffentlichkeitsarbeit und Medienpädagogik zuständig ist, zu betonen, dass dabei keinerlei Konsumzwang herrscht. Der Ort solle wirklich jeder Bürgerin und jedem Bürger frei zugänglich sein, ohne dass man beispielsweise dazu gezwungen ist ein Getränk zu kaufen oder Ähnliches. Und ja: diesen Aufenthalt möchte man auch ganz bewusst denjenigen ermöglichen, die keinen Bibliotheksausweis haben. Der ist also keine Notwendigkeit, sondern nur für den Vorgang der Ausleihe, wenn man etwas mitnehmen möchte. Hier verfolgt man mit dem Konzept der dritten Orte einen Ansatz, der, vor allem bei Bibliotheken, in den letzten Jahren wahnsinnig großen Anklang findet. Der Charakter eines Forums, eines Treffpunktes, Orts der Inspiration und des Austauschs, der zu Verweilen einlädt steht inzwischen deutlich stärker im Fokus. Wenn man also gerade mal eine Pause von seinem eben erwähnten Arbeitsplatz braucht, genug gelernt hat, sind es nur ein paar Schritte bis man es sich vor einer Konsole gemütlich machen und den Kopf erstmal wieder freizocken kann. Und nein, wir reden hier nicht von Retro Vibes, Tetris und Nintendo 64. Wir reden von Playstation 5, Switch, das was das Gaming-Herz begehrt! Wissensquelle & Ort der Teilhabe Und auch, wenn es inzwischen für wahrscheinlich jeden noch so kleinen Sonderfall ein YouTube Tutorial geben mag, braucht es doch manchmal einfach den schnellen Blick in eine - und darauf kommt es an - verlässliche Quelle, um etwas nachzulesen und dabei etwas Neues zu lernen! Auch hier wird man in der Bibliothek mit zahlreichen Ratgebern aus Gesundheit, Psychologie, Wirtschaft, Recht oder Pädagogik fündig. Manche haben vielleicht auch schlichtweg keinen Zugang zu einer Plattform wie YouTube oder wissen (noch) nicht mit ihr umzugehen. Noch nicht sind dabei die richtigen Stichwörter: für viele mag der Umgang mit den technischen Neuerungen unserer Zeit eine Selbstverständlichkeit sein, die komplett ins Blut übergegangen ist. Manche von uns sind schließlich mit unseren Smartphones wie verwachsen und man könnte vermuten es sei eine Erweiterung des eigenen Körpers. Doch für manche ist der Umgang mit Smartphones und anderen technischen Neuerungen schlichtweg eine Herausforderung, in die man sich einarbeiten und die man lernen muss. Diejenigen, die hier nicht mitziehen, werden in der Geschwindigkeit, die unsere Zeit mittlerweile angenommen hat, einfach abgehängt und das hat auch gravierende gesellschaftliche sowieso soziale Folgen, weil es immer wieder ausschließende Effekte hat. Wer nicht weiß, wie Whatsapp funktioniert und man die App installiert, der hat einfach so plötzlich einen riesigen Kommunikationskanal mit Freunden, der Familie vollständig verloren. Hier leistet die Bibliothek einen tollen Beitrag zur Teilhabe indem sie regelmäßig halbstündige Slots zur Techniksprechstunde vergibt. Zu den Terminen können sich Bürgerinnen und Bürger mit jeglichem technischen Anliegen vorbeikommen und ihre Fragen loswerden, die im Anschluss bestmöglich geklärt werden. 98 Prozent der Anliegen ließen sich dann auch schnell klären, erzählt Meiners, der die Sprechstunde anbietet und durchführt. Ein Ort der Zukunft Nachdem die Pandemie lange Zeit Veranstaltungen, Workshops etc. so gut wie unmöglich machte, sieht es aktuell wieder deutlich besser aus! Abseits des großen Highlights, der KIBUM, der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse, die dieses Jahr vom 12. - 22. November stattfindet, gibt es immer wieder tolle Einzelveranstaltungen wie Gaming-Treffs und schon ganz bald, nämlich am 01. Oktober: den Star Wars Reads Day, Lichtschwerter basteln natürlich inklusive! Und falls die Leute nicht zur Bibliothek kommen können oder möchten, dann kommt sie einfach kurzerhand zu einem nach Hause. Selbst wenn man also ein totaler Drinnie sein sollte, eine Person, die am liebsten in seinen eigenen, gemütlichen vier Wänden bleibt, kommt man in den Genuss etwas lesen zu können. Denn mit der Onleihe gibt es ein breitgefächertes Angebot an eBooks, eMagazinen, eAudios und ePapern, direkt über eine Appp auf das jeweilige mobile Endgerät der Wahl, sei es Tablet oder Smartphone. Wenn man also das Angebot unserer Bibliothek und all' der einzelnen Standorte in seiner vollen Gänze auf dem Schirm hat, dann kann man einfach nicht anders als begeistert zu sein. Denn wie wir schon zu Beginn geschrieben hatten: ist es nicht ein beruhigendes und tolles Gefühl, dass es Einrichtungen und Institutionen gibt, die im wahrsten Sinne für uns da sind, ohne daran Geld verdienen zu wollen? Gerade in Zeiten der Nachhaltigkeit, in denen Schlagwörter wie die Sharing Economy immer wichtiger werden, könnten Bibliotheken eine bedeutende Rolle in unserer Zukunft spielen! Schaut also unbedingt in den Bibliotheken eurer Nähe vorbei und verbringt dort ein bisschen Zeit. Man freut sich dort auf euch! Alle Angebote und Informationen der Stadtbibliothek findet ihr natürlich unter: www.oldenburg.de/startseite/kultur/bibliothek
- FÜNF GEWINNT
Eine Bühne für Newcomer aus Oldenburg und umzu. Ein Abend, an dem alle ihre Chance bekommen. Wo die Grenzen zwischen Genres und Gruppierungen verschwimmen. Wo man gemeinsam ne gute Zeit hat und nebenbei im Tanzbein spürt, dass die Region musikalisch einiges zu bieten hat. Klingt gut? Finden wir auch! Aber das Beste kommt noch: Es gibt diese Bühne schon. Sie steht im GleisPark. Und am Samstag geht's mit dem Format "Ecken & Kanten" los. Ecken & Kanten? War da nicht mal was? Richtig: Unter diesem Namen gab's mal einen kurzlebigen Kulturkiosk am Core. Der ist Geschichte, doch der Name war zu schön, um ihn wieder fallen zu lassen. Deshalb feiert er im GleisPark seine Wiederauferstehung. Was erwartet euch? Im Grunde: Ein Festival, das auf einen einzigen Abend komprimiert wurde. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Clubkonzerten, bei denen die Vorband ungefähr so klingt wie eine Demo-Version des Hauptacts, gibt es hier eine ziemlich (!) bunte und breite Mischung. Genau wie bei den meisten Festivals gibt es keine sture Genrebegrenzung (Wacken mal ausgenommen), sondern ein wildes Line-Up, das unbekanntes Terrain auslotet und auf diese Weise Chancen für Entdeckungen bietet. ECKEN & KANTEN BÜHNE FÜR NEWCOMER AUS DER REGION SAMSTAG, 17. SEPTEMBER, 17 UHR (TICKETS) ACHTUNG, NEUE LOCATION!! WEGEN DES SCHLECHTEN WETTERS GEHT'S NICHT IN DEN GLEISPARK, SONDERN IN DIE STUBE: STUBE OLDENBURG AMMERLÄNDER HEERSTRASSE 108 26131 OLDENBURG Du stehst auf hartes Zeug und hörst schon zum Frühstück Stonerrock? Bestens, dann hast du Spaß bei Syk*. Du magst zwar Gitarren, aber lieber etwas seichter, mit viel Melodie? Klasse, Regen ist dein Ding. Oder kann's dir gar nicht progressiv und komplex genug sein? Dann tauch bei Mos Eisley Spaceport in elegische Zehnminüter ein. Ach so, du magst am liebsten Gegenwarts-Hiphop? Perfekt, dann kannst du bei Spynelly x Prilly oder Philrio abgehen. Das Beste ist aber (vielleicht), dass du zwangsläufig auch die jeweils anderen Acts mitbekommst. Und vielleicht spürt dein Gitarrenherz dann, dass die dicken Beats ganz geil sind - und der MC in dir liebt das fette Riff. Kann ja mal vorkommen. Songs von Regen könnt ihr bei Bandcamp hören. Und überhaupt: Ist doch super, dass man so einfach die Gelegenheit hat, sich junge Acts aus der Region anzuschauen, ohne die ganzen Konzerte einzeln abklappern zu müssen. Ganz feiner Service hier. Newcomer bedeuten eben - der Name sagt es - neue Impulse für die Szene und die Stadt. Sowas ist immer gut, auf sowas darf man immer neugierig sein und sowas sollte man sich anschauen, wenn es irgendwie geht. Das ist nicht nur nice für die Acts, das ist garantiert auch nice fürs Publikum. Und während man bei Festivals mittlerweile Tickets auf dem Presiniveau eines Kleinwagens kaufen muss, ist man bei Ecken & Kanten mit nem schlappen Zehner dabei. Für die Mathe-Fans unter euch: Das sind zwei Euro pro Band. Günstiger geht's nicht mehr, denn für so eine geringe Summe bekommt man sonst... tja... eigentlich gar nicht mehr. Schöne Grüße von der Inflation. Also: Nichts wie hin und mitreißen lassen. Fünf gewinnt. * Wer sind Syk? Sachdienliche Hinweise zu dieser klandestinen Kapelle gerne an uns!
- VORHANG AUF: TEIL 5 - THEATER HOF/19
Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut. Kleinode haben es so an sich, dass man sie häufig erst auf den zweiten Blick erkennt. Touristische Aushängeschilder, massenwirksame Events oder große Veranstaltungshäuser findet man meist sehr leicht. Aber die kleineren, stilleren - aber nicht minderwertigen - Vertreter:innen der jeweiligen Zunft muss in der Regel erst entdecken. Das mag aufwändiger sein, hat aber einen Vorteil: Der Lohn für die Mühe fühlt sich umso besser an. Das theater hof/19 gehört ohne Zweifel zu diesen Kleinoden, die man jenseits von Hamburg und Hannover nicht zwangsläufig kennt. Auch ist die Zahl derer, die auf Besuch in Oldenburg sind und als allererstes die Bahnhofstraße ansteuern, vergleichsweise gering. Das heißt: Das kleine Theater muss um jene Aufmerksamkeit kämpfen, die anderen schon allein wegen ihrer Größe zuteil wird. Doch genau das gelingt ihm sehr gut - und genau das ist auch verdient. Schließlich versorgt es ein treues Stammpublikum und einen steten Strom an Neugierigen mit einer wohligen Form von Theater. Wer ins hof/19 geht, darf fest davon ausgehen, einen schönen Abend zu erleben. Und das hat gerade in diesen Zeiten Konjunktur. THEATER HOF/19 START IN DIE NEUE SPIELZEIT „HAFEN DER EHE" KOMÖDIE MIT LIVE-MUSIK FREITAG, 23. SEPTEMBER, 20 UHR (RESERVIERUNG) SAMSTAG, 24. SEPTEMBER, 20 UHR (RESERVIERUNG) „DREI MAL LEBEN“ VON YAMINA REZA FREITAG, 30. SEPTEMBER, 20 UHR (RESERVIERUNG) SAMSTAG, 1. OKTOBER, 20 UHR (RESERVIERUNG) THEATER HOF/19 BAHNHOFSTRASSE 19 26122 OLDENBURG Gutes Gefühl? Nicht schlecht. Das theater Hof/19 startet mit einem Doppelpack in die neue Saison. Den Anfang macht der „Hafen der Ehe“, eine lustvolle Kombination aus Schauspiel und Musik. Und schon mit einem einzigen Satz zum Inhalt lässt sich große Vorfreude auf einen vergnüglichen Theaterabend wecken: „Ausgerechnet während einer Hochzeitsfeier rechnet die frisch geschiedene Standesbeamtin mit den Tücken der Ehe ab“. Intuitiv spürt man, wie reizvoll das Spiel mit den unterschiedlichen Gedanken, Meinungen und Reaktionen der Beteiligten sein kann; erst Recht, wenn man sie wortstark, aber dennoch gefühlvoll zum Ausdruck bringt. Dieses Stück passt perfekt zum Saisonstart des theater Hof/19, vereint es doch alle Stärken des kleinen Hauses auf sich: lebenskluge Dialoge, große Emotionen, bittersüße Momente, gefühlvolle Musik. Und wie der Zufall so will (oder auch nicht): All das sind auch wichtige Zutaten in unserem persönlichen Alltag. Deswegen steht jetzt schon fest: Viele Zuschauer:innen werden am Ende der Vorstellung, während ihr Hände noch den verdienten Applaus spendieren, voller Überzeugung denken: „Endlich wieder Theater!“ Aus der Feder der wunderbaren Yamina Reza stammt das Stück "Drei Mal Leben“. Die französische Dramatikerin ist vielen vor allem durch „Der Gott des Gemetzes“ bekannt. Das Konversationsstück feierte 2011 in der starbesetzten Verfilmung von Roman Polanski große Erfolge an der Kinokasse. „Drei Mal Leben“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, denn auch hier geht es in einem Kammerspiel mit vier Personen um zunächst sublime, im Verlaufe des Stücks aber zunehmend pointierte Provokationen. Das ist eine schleichende verbale Eskalation mit wechselnden Koalitionen und messerscharfen Wortgefechten. Das zu beobachten, macht viel mehr Spaß, als es sich gehört. Drei Mal Leben ist dabei eine „gefühlte Premiere“: Zwar wurde das Stück seit vergangenen November bereits mehrfach aufgeführt. Aber wir wissen ja noch, wie das damals war: Es war keine gute Zeit für Theater und es war eine noch schlechtere Zeit für große Premieren. Noch dazu lag die Zahl der anschließenden Aufführungen deutlich unterhalb der normalen Niveaus. Deshalb fühlt sich „Drei Mal Leben“ im Herbst 2022 noch genauso frisch und unverbraucht an wie zehn Monate zuvor. Groß in der Nische Das theater hof/19 besetzt in mehrfacher Hinsicht eine feine Nische. Es liegt etwas verborgen zwischen höheren Gebäuden und mit seinen knapp hundert Plätzen gehört es eindeutig zu den kleineren Schauspielhäusern. Damit einher geht auch eine szenische Selbstbeschränkung: Regie und Ensemble wählen Stücke aus, die gerade in dieser Nahbarkeit besonders gut funktionieren. Weihevolle Opulenz sucht man in der Bahnhofstraße 19 vergeblich. Stattdessen gibt es dort: Nähe, Wärme, Herz, Gefühl. Und auch, wenn das manchen Kompromiss bedeutet, sind dies doch die Elemente, die vom Publikum immer geschätzt werden. Ganz besonders, wenn es draußen unwirtlich wird - durch Viren, Wetter, Weltlage.
- VORHANG AUF: TEIL 4 - THEATER WREDE +
Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut. Das theater wrede + ist nicht zu fassen. Allerdings in einem absolut positiven Sinne! Denn das kleine Haus in der Klävemannstraße mag von den Dimensionen her überschaubar sein, die Ideen und Ambitionen sind es aber nicht. Es gehört zu Überzeugung der Macher:innen um Winfred Wrede und Marga Koop, dass Theater Realitäten nicht nur abbilden darf, sondern sie hinterfragen oder sogar verändern sollte. Theater ist für das Duo also weit mehr als Unterhaltung. Und genau das spürt man auch am Programm. Manchmal hat man fast den Eindruck, Oldenburg sei eigentlich zu klein für die Sphären, in denen bei wrede + gedacht wird. Jedenfalls hätten viele Ideen auch in den Metropolen dieser Welt ihren Platz gefunden, eben weil sie zeitgemäße, relevante Themen und Fragestellungen kreativ aufbereiten und so Reaktionen und Antworten vom Publikum provozieren. Aber: Gemach! Wegen einer möglichen Abwanderung nach Bremen oder Berlin muss sich Oldenburg derzeit keine Sorgen machen. Denn das theater wrede + ist Initiator der bundesweiten flausen+ Netzwerks, dessen Hauptquartier ebenfalls in der Klävemannstraße beheimatet ist. Und dieses Netzwerk kümmert sich um experimentelles, mutiges und manchmal provokatives Theater. Hier gibt es also eine weitere Spielwiese für die großen Ideen - während es in Oldenburg auch eine Nummer kleiner geht. Und zwar: im wahrsten Sinne des Wortes. THEATER WREDE + START IN DIE NEUE SPIELZEIT „MOND - EINE REISE DURCH DIE NACHT" FÜR KINDER VON 1 BIS 6 UND ERWACHSENE SAMSTAG, 17. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT) SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 11 UHR (KARTEN) SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 14:30 UHR (KARTEN) SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT) „REGEN RIECHEN“ FÜR KINDER VON 2 BIS 6 UND ERWACHSENE SONNTAG, 2. OKTOBER, 16 UHR (KARTEN) „SYNDITALK - SHOW STADT TALK“ GASTSPIEL: SYNDIKAT GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN DONNERSTAG, 6. OKTOBER, 20 UHR (KARTEN) THEATER WREDE + KLÄVEMANNSTRAßE 16 26122 OLDENBURG Theater von Anfang an Nicht zu fassen ist das theater wrede + nämlich auch, weil es neben der progressiven Theaterarbeit ein zweites Standbein aufgebaut hat. Und zwar: Theater für die Kleinsten. Im Programm finden sich sowohl Stoffe für die Erstbegegnung mit der Bühne, sprich: für kleine Menschen, die ihren ersten Geburtstag gerade erst gefeiert haben. Aus Selbstversuchen wissen wir: Das funktioniert ganz wunderbar - und das ist auch für Erwachsene eine interessante Erfahrung. Danach lässt man Kinder und Eltern aber nicht allein. Auch für größere Racker bis sechs Jahre sind regelmäßig Stücke im Programm, die häufig alle Sinne ansprechen, also nicht nur eine szenische, sondern auch eine klangliche und emotionale Erfahrung sind. Eine roter Faden sind aber auch dort große philosophische Fragen - die aber je noch Blickwinkel und Lebenshorizont ganz unterschiedliche Zu- und Ausgänge bieten. Eine Kunst für sich! Doppelt speziell Und so spezialisiert sich das theater werde + doppelt: Sowohl beim experimentellen Theater, das uns als Zuschauer:innen herausfordert und bereichert. Das spiegelt sich übrigens auch bei den Gastspielen von jungen Theatergruppen aus ganz Deutschland wider, die sich vor allem aus den flausen-Kontexten ergeben. Sie bieten immer wieder neue Chancen, anderes und ungewohntes Theater zu entdecken, ohne dass man dafür durch die halbe Republik gondeln muss. Aus unserer Sicht ein echter Gewinn für Oldenburg, denn diese Vielfalt könnte man sonst nicht erreichen. Deshalb der klare Tipp von uns: Habt die Gastspiele auf den Schirm! So auch das erste in dieser Saison: „Show Stadt Talk“ des Syndikats Gefährliche Liebschaften aus Quakenbrück und Leipzig. Die Künstler:innen inszenieren bei dem interaktiven Show-und Talk-Format Begegnungen zwischen Publikum und Freier Theaterszene. Sie sprechen über Stadt, Land und Leute, feiern die Irritation mit Gästen aus Oldenburg und dem Freien Theater sowie einem musikalischen Act aus der Region. „Mit syndiTALK wollen wir auch Publikum erreichen, das sich nicht zu den typischen Theatergänger:innen zählt und für sie einen Zugang schaffen, so Pressesprecherin Katharina Proske. Die Ideen für das neue Format entwickelten die Künstler:innen im Rahmen ihres #TakeHeart-Stipendiums am theater wrede +.Begegnungen mit Menschen und regionale Besonderheiten aus der Recherche sind ebenfalls Teil des Formats. Auf die Größe kommt's nicht an Aber auch die Kinder-Sparte profiliert sich immer klarer heraus, gewinnt zunehmend an Bedeutung und bildet zur Eröffnung der Spülzeit den Schwerpunkt. Hier werden frühzeitig nicht nur Hemmschwellen abgebaut, sondern Theater in allen Lebensphasen als eine selbstverständliche Freizeitgestaltung etabliert. Das ist für die kleinen Zuschauer:innen eine psoitive Entwicklung, aber auch für den Standort und die Gesellschaft insgesamt. Und wer weiß? Vielleicht stehen die kleinen Leute in zwanzig Jahren selbst auf der Bühne - und beglücken die Menschen in anderen Städten mit spannenden Gastspielen aus Oldenburg. Besser könnte sich ein Kreis gar nicht schließen. Doch ganz egal, wie alt man ist oder sich fühlt: Das theater wrede + sollte man besser nicht aus den Augen verlieren. Sonst ist das Risiko groß, etwas ganz Besonderes zu verpassen. Und das wäre nicht zu fassen. Lest auch Teil 5 unserer Serie „Vorhang auf“.
- VORHANG AUF: TEIL 3 - THEATER UNIKUM
Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut. Unter allen, die es nicht leicht hatten in den letzten Jahren, nimmt das Theater Unikum noch eine Sonderstellung ein. Nicht nur, dass es genauso von Corona betroffen gewesen wäre wie alle anderen. Nein, es kamen zwei weitere Faktoren noch dazu: Das Unikum ist Teil der Universität. Und erinnern wir uns zurück: Die staatlichen Bildungseinrichtungen waren bei den Lockerungen nicht unbedingt ganz vorne mit dabei. Im Gegenteil: Sie legten die Vorschriften besonders streng aus - und das auch noch besonders lang. Das hatte zur Folge, dass auf dem Campus die Türen selbst dann noch geschlossen blieben, als alle anderen Bühnen schon wieder bespielt wurden. Das Unikum ist besonders mutig. Denn es versuchte stets, aus den widrigen Bedingungen das Beste zu machen. Was allzu oft bedeutete: Überhaupt etwas zu machen, damit war das Optimum meist schon erreicht. So realisierte man dort digitale und hybride Theatermodelle wie „Zoom Quest“, die zwar gute Reaktionen bekamen, aber letztlich gezwungenermaßen unter dem Radar der großen Öffentlichkeit abliefen. Auch die Durchführung der Kabarett-Tage Anfang 2022 war mutig, zahlte sich aber nur bedingt aus. Zwar kam das Publikum, aber längst nicht so zahlreich wie gewohnt. Mehr dazu auch hier und hier. THEATER UNIKUM START IN DIE NEUE SPIELZEIT „MORITZ NEUMEIER - KOLLAPS“ VORPREMIERE DONNERSTAG, 15. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) „FREMDE FREUNDE“ FREITAG, 23. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) SONNTAG, 25. SEPTEMBER, 18 UHR (KARTEN) FREITAG, 30. SEPTEMBER, 20 UHR (KARTEN) THEATER UNIKUM CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT CAMPUS HAARENTOR UHLHORNSWEG 49-55 26129 OLDENBURG Endlich wieder Alltag Nach den Jahren der vielen Fragezeichen und Frustrationen scheint für das Theater Unikum nun aber eine Zeit der Normalität zu beginnen. Das Wintersemester steht unter keinem offensichtlichem Vorbehalt, die Online-Lehre ist bis auf weiteres nur noch Beiwerk. Entsprechend groß ist die Aufbruchstimmung rund um das Kulturbüro des Studentenwerks, das am Campus Haarentor gleich neben dem Unikum beheimatet ist. Die Theatergruppen der Studierenden, dir sich auf der studentischen Bühne ausprobieren, scharren schon seit einer Weile wieder mit den Hufen. Für sie ist die Pandemie seit dem späten Frühjahr vorbei - nun dürfen sie endliche die theatralische Handbremse lösen. Aus dieser Zeit stammt auch eine Premiere, die nun wieder aufgenommen wird: „Fremde Freunde“, eine Komödie der Theatergruppe Szentral. Bevor wir hier ins Detail gehen, warum ihr euch dieses Stück ansehen solltet, verweisen wir galant auf unseren kurzen Beitrag aus dem Frühjahr, als wir erstmals darüber berichteten. Aber eines nehmen wir an dieser Stelle vorweg: Immer gut, wenn man in diesen Zeiten was zu lachen hat. Das gibt es mit Sicherheit auch bei einem weiteren Programmpunkt zur neuen Spielzeit: Eine Woche vor Szentral wird nämlich bereits Stand Up Comedian Moritz Neumeier die kleine Bühne des Unikums betreten und hoffentlich 130 Gäste im Saal mit seinem Weltuntergangsprogramm „Kollaps“ begeistern. Klingt erstmal nicht so witzig? Ist es aber. Weil Moritz Neumeier in der Lage ist, der dystoprischen Gegenwart viel Positives abzugewinnen - und sei die Erkenntnis, dass man im Anblick des Endes endlich tun kann, was man immer wollte. Deshalb stimmt es, was seine Homepage verspricht : „Das ist lustig und ehrlich und brutal zugleich. Wie gewohnt lacht man hier über all die Dinge, die einen sonst bedrücken, verärgern und verzweifeln lassen.“ Für alle attraktiv Das Theater Unikum war von der Pandemie tatsächlich besonders gebeutelt. Doch das ist vorbei! Auf dem Campus ist in diesen Tagen eine gewisse Vorfreude zu spüren: Es geht wieder los - mit beinahe allem. Diese Aufbruchstimmung sollte man nicht nur mitnehmen, wenn man sich auf dem Campus zuhause fühlt, sondern auch, wenn der persönliche Alltag sich außerhalb davon abspielt. Das Theater Unikum bietet Semester für Semester ein attraktives Programm, das zwar in einem Kontext zum Hochschulleben steht, das aber auch für alle anderen Bevölkerungsgruppen attraktiv ist. Den Beweis dafür tritt das Unikum in diesen Wochen selbst an. Unsere Empfehlung: Schaut euch am besten schon die Vorpremiere von Moritz Neumeier an. Aber geht auch zu Stücken von Gruppen wie dem Oldenburger Uni-Theater (OUT) und Szentral. Sie bieten eine andere Art von Theater als die etablierten Häuser - aber sie lohnt sich ebenso. Lest auch Teil 4 unserer Serie „Vorhang auf“.
- VORHANG AUF: TEIL 1 - THEATER LABORATORIUM
Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut. Es gab mal Zeiten, da hätte man Das Theater Laboratorium gar nicht eigens erwähnen müssen. Sämtliche Veranstaltungen wären eh längst ausverkauft gewesen. Dass es aktuelle nicht mehr (immer) so ist, hat aber nicht etwas was mit dem Programm zu tun. Das liegt vielmehr an der allgemeinen postpandemischen Zurückhaltung in Teilen des Publikums. Das kann man negativ lesen, aber auch positiv! Denn auch wenn es für das erfolgsverwöhnte Figurentheater eine ungewohnte Situation ist, ergeben sich daraus auch Chancen für das Publikum. Denn seien wir ehrlich: So schön die lange Vorfreude auf besondere Events auch ist, etwas Spontanität bewahren wir uns doch ganz gern. Und tatsächlich ist nun eine Zeit, in der wir relativ zeitnah Karten fürs Laboratorium bekommen können. Wer weiß? Vielleicht trauern wir dieser zeit der Leichtigkeit bald schon wieder hinterher. Denn in der Folgezeit prangt im Ticketshop schon recht häufig das Wörtchen „ausverkauft“. THEATER LABORATORIUM START IN DIE NEUE SPIELZEIT „DIE BREMER STADTMUSIKANTEN“ FREITAG, 2. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 18 UHR (KARTEN) THEATER LABORATORIUM KLEINE STRAßE 8 26121 OLDENBURG Klassiker? Gehen immer! Am Eröffnungswochenende greift das Team um Pavel Möller Lück und Barbara Schmitz-Lenders auf einen der größten Erfolge des Theaters zurück: Die Bremer Stadtmusikanten. Das Stück wurde bereits hunderte Mal gespielt und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und Nachfrage. Warum? Das weiß jeder, der es (einfach oder mehrfach) gesehen hat: Die Geschichte um die vier Tiere ist tiefgründig und hochkomisch zugleich, eine wunderbare Mischung aus Poesie und Polemik - deren Anteil sich ja Tagesform der Beteiligten verschieben. Das ist ein Clou beim Laboratorium: Die Stück wachsen. Sie bleiben nicht stehen, schon gar nicht auf irgendeinem Podest, auf dem sie weihevoll bewundert werden können. Nein, sie stehen immer im Kontext zur Zeit, oft sogar zum Tagesgeschehen. Das hält sie jung, das hält sie spannend. Auch nach hunderten Aufführungen noch. Größter Erfolg: Kein Stück wurde im Laboratorium öfter gespielt als "Die Bremer Stadtmusikanten". Kenner:innen wissen warum. (Bilder: Theater Laboratorium) In den folgenden Wochen gibt es dann eine abwechslungsreiche Mischung aus weiteren Klassikern („Dieser Tag im Leben“, „Der Froschkönig“), neueren Stücken („Das Feld“) und Gastspielen (Lyrischer Piano-Jazz von Trioscence). Dass bei all dieser Abwechslung der angenehme Rahmen noch dazukommt - das wunderbare Ambiente des Cafés, der charmante Innenhof und mit etwas Glück auch der muntere Plausch mit Pavel Möller-Lück nach der Vorstellung - macht einen Besuch in der Kleinen Straße im beginnenden Herbst fast schon zu einem Pflichttermin. Noch nicht alles Aber all das ist - genau! - noch nicht alles. Denn seit rund fünf Jahren gibt es direkt neben dem Theater Laboratorium noch eine zweite Bühne: die Limonadenfabrik. Ursprünglich mal als Probebühne geplant, wurde sie schnell zu einer vollwertigen Spielstätte, die ihrer großen Schwester in kaum etwas nachsteht. Atmosphärisch weiß sie ebenfalls durch unzählige liebevolle Details zu begeistern und auch auf der Bühne gibt es eine Mischung aus Figurentheater und menschlichem Schauspiel. Hier jedoch mit einer andere Konnotation: Denn die Limonadenfabrik ist der Ort, an dem sich junge Talente ausprobieren können. Sie setzen eigene Themen und Stoffe auf ihre eigene Art um. Alles ist zwar grundsätzlich angelehnt an das Erfolgsmodell Laboratorium; alles andere wäre ja auch unklug. Jedoch können und sollen die jungen Künstler:innen hier eigene Wege gehen und eine eigene Sprache entwickeln. LIMONADENFABRIK START IN DIE NEUE SPIELZEIT „DIE KLEINE MEHRJUNGFRAU“ FREITAG, 2. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) SAMSTAG, 3. SEPTEMBER, 18 UHR (KARTEN) „DAS PLATTE KANINCHEN“ SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT) LIMONADENFABRIK STEINWEG 20 26121 OLDENBURG Neues wagen Neugierig? Wunderbar! Denn jetzt ist eine gute Zeit, das kleine aber überaus feine Haus neben dem Laboratorium zu besuchen. Zwar sind auch hier in den kommenden Wochen bereits einiges Vorstellungen ausverkauft, für das Eröffnungswochenende sind aber noch Karten zu haben. Gezeigt wird „Die kleine Meerjungfrau“ nach dem Märchen von Hans-Christian Anderen. Wer nun traditionelle Kinderkost erwartet, dürfte überrascht sein. Zwar ist die Interpretation von Regisseur Markus Wulf und Schauspielerin Esther Vorwerk geeignet ab 13 Jahren. Aber wie beim Laboratorium verschwimmen auch hier die Zielgruppen. Auch - oder: vor allem? - Erwachsene haben eine helle Freude an der zeitgemäßen Aufbereitung der klassischen. Stoffs. Hat man so noch nie gesehen: Die kleine Meerjungfrau (Bilder: Limonadenfabrik) Ganz egal ob man mit den Klassikern auf Nummer Sicher gehen oder lieber etwas Neues entdecken will, ob man sich am Laboratorium gar nicht satt sehen kann oder ob man die Limonadenfabrik ins Herz geschlossen hat: Die Überschrift über dieses Wochenende lautet „Endlich“. In einer Welt voller Ungewissheiten tut es gut, die eine oder andere Konstante zu haben. Und einer der angenehmsten ist die durchweg herausragende Qualität aller Produktionen aus dem Doppelhaus Laboratorium/Limonadenfabrik. Am besten: Gleich für das Eröffnungswochenende Tickets kaufen. Dann kann man sich gleich wieder in Theaterform bringen. Und wie gesagt: wer weiß, wie lange das so ist? Das Wort „ausverkauft“ wird uns in Zukunft sicher noch häufiger begegnen. Lest auch Teil 2 unserer Serie „Vorhang auf“.
- VORHANG AUF: TEIL 2 - OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER
Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut. Erinnern wir uns mal kurz zurück: Früher - in präpandemischen Zeiten - gab es im Sommer mal eine Phase, da war in Oldenburg nichts los. Mit dem Kultursommer flammte eine Zeit lang das Kulturleben wieder auf, aber drumherum legte sich ein dicker Mantel aus Stille. Damals sehnte man das Ende der „kulturlosen“ Zeit förmlich herbei. Und heute? Ist vieles anders. Dass die Sommer das Gegenteil von Leere bieten, nämlich eine Fülle von Veranstaltungen und längst zu einer zweiten Hochsaison geworden sind, hat sich längst rumgesprochen. Auch wir haben dazu beigetragen. Und das ist natürlich wunderbar! Aber was macht das eigentlich mit unserer Sehnsucht nach Kultur? Sind wir noch hungrig? Oder schon übersättigt? OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER ZUM START IN DIE NEUE SPIELZEIT ERÖFFNUNGSGALA SAMSTAG, 3. SEPTEMBER 2022, 19.30 UHR (KARTEN) SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 11.30 UHR (KARTEN) OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG ÜBERSICHT DER ERSTEN PREMIEREN: HIER ÜBERSICHT ALLER PREMIEREN UND WIEDERAUFNAHMEN ZUM DOWNLOAD (PDF) : HIER Volle Fahrt voraus Ein idealer Moment, das herauszufinden, ist der Start des Oldenburgischen Staatstheaters in die neue Spielzeit. Zwar hat auch das kulturelle Flaggschiff auf den Trend zu sommerlichen Outdoor-Veranstaltungen reagiert und mit der Theater-Insel eine entsprechendes Angebot gemacht. Außerdem sind Akteure aus den Ensembles in vielen Aktivitäten involviert. Doch erlaubt sich das Haus weiterhin eine Spielpause im Sommer. Ist das noch zeitgemäß? Die Antwort lässt sich mit einem Wort geben: Ja! Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens agieren viele Mitglieder der Ensembles während der Spielzeiten am Limit, erst Recht in Zeiten, in denen man Wagners kompletten „Ring“ aufführt. Zweitens sorgt die temporäre Verknappung des Angebots für eine spürbare Lust an der Wiederentdeckung des Theaters. Da funktioniert die Kultur nicht wesentlich anders als der Gasmarkt. Und drittens bietet das Theater auf diese Weise eine sommerliche Spielfläche für andere Akteure, die sie inzwischen gut zu nutzen wissen. Am Ende gewinnen alle: Theater, Szene, Publikum. Wieder auf Kurs? Diese Spielzeit-Eröffnung ist die erste seit 2019, die unter weitgehend normalen Umständen stattfindet. Das heißt: Corona ist nicht mehr das alles dominierende Thema. Zwar gibt es in Deutschland weiterhin viele mahnende Zeigefinger, die zur Vorsicht aufrufen; und das ist vollkommen in Ordnung. International ist der Trend aber klar: Die meisten Länder wollen lernen, mit dem Virus zu leben. Das hat die allseits bekannte Vor- und Nachteile. Letztlich überwiegt aus kultureller Sicht aber eine neues Gefühl der Leichtigkeit, das sicher nicht die Unschuld von 2019 hat, sich aber deutlich zuversichtlicher als die letzten beiden Jahre. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich das Publikum verhält. Ist es hungrig nach Kultur und bereit, gewisse Restrisiken in Kauf zu nahmen? Werden wir die alten Verkaufszahlen wiedersehen? Oder wird es nur langsam, Schritt für Schritt, zurück zu allen Niveaus gehen? Die Lage war bis zur Sommerpause nicht gut, wie wir in unserem großen Report dokumentiert haben, doch der theatertypische Optimismus ist (wieder) allgegenwärtig. Hoffen wir, dass er gerechtfertigt ist und dass sich das Publikum anstecken lässt. Wettervorhersage: Beifallsstürme Dementsprechend gibt es in der Ankündigung der Eröffnungsgala auch ein Adjektiv, das die Stimmung setzt: „fröhlich“ soll sie sein. Und das dürfte eine Versprechen sein, das voll und ganz eingelöst wird. Die Gala wird in zweieinhalb Stunden nämlich „Best Of“ mit „Behind the Scenes" verbinden. Die Ensembles der Oper und des Schauspiel werden abwechslungsreiche Ausschnitte aus Premieren und Wiederaufnahmen der neuen Spielzeit präsentieren, dazwischen werden neue Mitglieder vorgestellt und allerlei Hintergrund- und Begleitinformationen gegeben. Und wahrscheinlich werden viele Besucher:innen im Laufe des Abends den gleichen Gedanken haben wie wir bei der Ankündigung des Programms: Lauter Blockbuster. Das Konzept ist für eine Eröffnungsgala ideal, denn es holt das Publikum einerseits bei seinen veränderten Sehgewohnheiten aus der Welt des Streaming ab (siehe: Trailer) . Andererseits bietet es eine Gelegenheit, die Qualitäten des neuen Materials mit allen Sinnen erfahrbar zu machen und damit deutlich zu zeigen, welche Bedeutung das Theater für uns Menschen als fühlende Wesen hat. So viel Pathos sei an dieser Stelle mal erlaubt. Nicht zuletzt ist einfach glaubwürdig, was auf der Website des Staatstheaters formuliert wurde: „Voller Vorfreude“ lautet nämlich die Überschrift für die Ankündigung der Eröffnungs-Gala. Und diese Beobachtung gilt vermutlich für beide Seiten: Das Ensemble - und das Publikum. Zieht uns die Bugwelle des Flaggschiffs nun also mit in eine gute Zeit? Sicher ist nichts, doch zu hoffen wär's. Mann über Bord Moderiert wird die Gala übrigens wie gewohnt und gekonnt vom Intendanten Christian Firmbach - das allerdings zum letzten Mal. Während er Sommerpause wurde bekannt, dass er Oldenburg 2023 nach neun Jahren wieder verlassen wird. Sein Ziel ist das Badische Staatstheater in Karlsruhe. Zweifellos: ein schwerer Schlag für die Huntestadt. Schließlich war Firmbach nicht nur ein mutiger, engagierter Theatermacher, der das Haus permanent weiterentwickelte - er blickte stets auch über den Tellerrand hinaus und hatte spannende Gedanken zu vielen städtischen und gesellschaftlichen Themen. Hier geht Oldenburg ein echter Aktivposten verloren, der zudem sein Kerngeschäft auch bzw. gerade zu Corona-Zeiten nie vernachlässigte. Das wird nachhallen. Auf diese, von Firmbach und seinem starken Team konzipierte Spielzeit, sollte der Wechsel aber noch keine größeren Auswirkungen haben. Und wenn, dann wären sie nicht negativ, Oldenburg darf sich nämlich auf sehr viel hochwertiges, unterhaltsames, spannendes und inspirierendes Programm freuen. Genießen wir also die verbleibende gemeinsame Zeit, auch wenn sie von nun an ein Verfallsdatum besitzt. Frischer Wind aus Nordwest Alle Vorzeichen beiseite ist der Auftakt der neuen Spielzeit des Oldenburgischen Staatstheaters aber vor allem eines: Eine Zelebration der Musik- und Theaterkultur. Und zwar nicht nur auf das Haus beschränkt, sondern des Theaters im Allgemeinen. Oldenburg darf sich glücklich schätzen, verschiedene Häuser mit attraktiven Programmen zu beherbergen. Schließlich ist jede Vorstellung einzigartig und vergänglich - ganz im Gegensatz zu Streaming. Dennoch ragt das Staatstheater hinaus. Wegen der Dimensionen - aber auch wegen dem, was es daraus macht. Sicher kostet es viel Geld, aber das tut vieles andere auch, ohne das es emotionale Gegenwerte erzeugt. Davon hat das Staatstheater auch in dieser Spielzeit viele zu bieten, wie unser Vorbericht samt Trailershow zeigt. Viel besser als jeder Bericht kann aber ein Theater selbst für sich begeistern. Nutzt das aus und schaut euch die Gala an. Lasst euch inspirieren, lasst euch triggern. Und dann nehmt diesen kulturellen Spirit mit euren Alltag. Besucht die Theater, schaut euch die Stücke an. Jedes einzelne erweitert unseren gedanklichen Horizont. Und das ist gut für uns. Denn auch wenn Oldenburg eine schöne Stadt ist, darf an ihren Mauern nicht Schluss sein. Lest auch Teil 3 unserer Serie „Vorhang auf“.
- PODCAST: FOLGE 13
Begegnungen - das wissen wir alle - können etwas ganz Besonderes, im absoluten Glücksfall, Magisches sein. Die gleichnamige Reihe des Kulturbüros der Stadt Oldenburg hebt diese Erfahrung auf das nächste Level: Warum nicht einfach mal ein ganzes Land kennenlernen? Hier in Oldenburg, ohne dafür verreisen zu müssen. Von China, der Türkei, über Südafrika bis hin zu Polen und Großbritannien, all' diese Länder waren bereits Teil der Veranstaltungsreihe, die als Biennale alle zwei Jahre stattfindet (wenn keine Pandemie dazwischen kommt). Nun heißt es: Island Begegnungen 2022! Vom 20. September bis zum 24. November kann man innerhalb der kommenden zwei Monate durch diverse Veranstaltungen einen unmittelbaren Einblick in die isländische Welt und ihr Lebensgefühl erhalten, wenn ein kreatives Hoch aus Island direkt nach Oldenburg zieht und so unserer Huntestadt, mindestens bildlich gesprochen, nordatlantisches Klima bescheren wird. 19 Institutionen, zahlreiche Künstlerinnen und Künstler sowie Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowohl aus Oldenburg, der Region als auch aus Island beteiligen sich an den „Island-Begegnungen“, die federführend vom Kulturbüro der Stadt veranstaltet werden. Bernd Hubl, Projektleiter der Begegnungen, war in dieser Episode des Kulturschnacks deshalb unser Gast und erzählte uns nicht nur, was Island auszeichnet und anhand welcher Programmpunkte er versuchte der Herausforderung gerecht zu werden ein adäquates Bild des Landes zu zeichnen, sondern auch von den Ursprüngen der Reihe und gibt vorab bereits einen kleinen Teaser zu einigen der anstehenden Highlights. Wir wünschen viel Spaß beim Hören der Folge und sind gespannt, welche Länder uns ins Zukunft noch alle erwarten werden! Sei es Musik, Theater, über Literatur und Film bis hin zu Ausstellungen, spannenden Vorträgen und Weiterbildungsangeboten - die Vulkaninsel im Nordatlantik lässt sich aus zahlreichen Blickwinkeln betrachten. Dazu gehört sogar ein Wellness-Angebot! All diese unterschiedlichen Veranstaltungen und die notwendigen Informationen findet ihr unter: www.begegnungen2022.de
- PODCAST: FOLGE 11
Kulturschnack goes Großherzogtum - zumindest ein bisschen! Denn im ehemaligen Ballsaal des Prinzenpalais, inklusive meterhoher sowie stuckbestückter Decken, sprachen wir mit Dr. Anna Heinze, Kuratorin und stellvertretende Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte über ihre und die Arbeit des Landesmuseums. Unter anderem sprechen wir dabei über die Herausforderungen, die es mit sich bringt ein Museum zu sein, das aus drei einzelnen Häusern besteht und auch darüber inwiefern sich die Ansprüche, die Besucherinnen und Besucher heute an ein Museum stellen, mit den Gegebenheiten einer so historischen Architektur vereinbaren lassen. Und überhaupt: wie landet man eigentlich in einem Museum? Hat man diesen Wunsch schon von Beginn an? Und wie definiert man seine Position in einer bestehenden Landschaft von Museen und zeigt, was einen besonders und den Besuch wert macht? Für all' diese Fragen und viele weitere hatte Dr. Anna Heinze klärende Antworten für uns parat. Zudem erwartet uns schon sehr bald ein besonderes Jubiliäum! Seid gespannt und hört am besten direkt rein. Viel Spaß! Mehr Informationen zu den einzelnen Häusern und den einzelnen Ausstellungen findet ihr unter: www.landesmuseum-ol.de
- WELTSTAR DER NISCHE
Das Internationale Filmfest Oldenburg findet in diesem Jahr zum 29. Mal statt. Viel hat sich verändert seit den Anfängen in den frühen Neunzigern. Das Festival ist professioneller geworden, ein wenig vernünftiger und vielleicht sogar etwas angepasster. Eines ist aber geblieben: Die einzigartige Fähigkeit, vermeintliche Widersprüche aufzulösen. Zum Beispiel jenen zwischen anspruchsvollem und unterhaltsamem Kino. Oder jenen zwischen der glamourösen Filmwelt und dem norddeutschen Oldenburg. Am Anfang war da eine Idee. Sie wuchs dort, wo sie niemand erwartet hat, in einer Nische ohne günstige Bedingungen, im Schatten des globalen Alltags. Doch trotz dieser schwierigen Ausgangslage gedieh dieses zarte Pflänzchen, bis zunehmend mehr Menschen seinen Reiz entdeckten. Für andere blieb es zwar Unkraut und sie hätten es gern gejätet. Doch inzwischen gilt es als wertvolle heimische Flora, gerade weil es nicht ordentlich neben allen anderen wächst, sondern an seinem ungewöhnlichen Ort verbleibt: trotzig, selbstbewusst, unangepasst. Zugegeben: diese kleine Geschichte klingt nicht nach Hollywood oder ganz großem Kino. Es ist vielmehr die Story eines Außenseiters, der sich gegen Widrigkeiten durchsetzt. Doch damit sind wir schon beim Thema – nämlich bei der wunderbaren Kohärenz des Internationalen Filmfestes Oldenburg. Denn es begann als dieses Pflänzchen, das sich seit mittlerweile 29 Jahren gegen allerlei Ungunst durchzusetzen wusste. Und es hatte dabei genau jene Attitüde und jenes Image, das auch die Filme haben, die dort gezeigt werden: sie sind authentisch und unabhängig, kompromisslos und in-your-face. Kein Wunder: Bei Independent-Filmen ist das Budget immer knapp, deshalb zählen Ideen und Spontanität. Die Ergebnisse sind manchmal gewöhnungsbedürftig, doch wer sich auf sie einlässt, wird meist mit einem Erlebnis belohnt. Und was hier nun für die Filme steht, lässt sich unverändert auf das Fest übertragen. Wie gesagt: wunderbar kohärent. Pillen, Mett und Zelluloid Wie treffen Festivalleiter Torsten Neumann im neuen Filmfest-Büro mitten in der Oldenburger Innenstadt. Nach Ratsapotheke und Edelmetzgerei residiert am Markt 18 nun also das Kino. Nicht gerade eine erwartbare Reihenfolge - aber eine, mit der sich wunderbar spielen lässt, denn alle drei Generationen der Nutzung sind in den Räumlichkeiten noch klar zu erkennen. Quasi: Ein Mashup aus Pillen, Mett und Zelluloid. Das ist ein Umfeld, in dem sich der 56-jährige Festivaldirektor sichtlich wohl wühlt. Er liebt es, mit solchen Gegensätzen zu spielen. Zum Beispiel mit jenem, die internationalen Gäste in luxuriösen Limousinen durch die Stadt zu kutschieren - um sie dann zu einer Party in einem abbruchreifen Haus abzusetzen. Glamour und Abgrund liegen beim Filmfest immer nah beinander, auch hier in der neuen Bleibe. Definiert wird das Festival aber in erster Linie durch sein Programm. Und was das betrifft, besitzt es ein klares Profil: „Wir zeigen hier Filme, die sich ein bisschen was trauen“, erklärt Torsten. „Das Kino, das wir beim Filmfest feiern wollen, ist ein Kino, das es auf dem Markt schwer hat. Und das liegt blöderweise - oder interessanterweise - nicht daran, dass es besser oder schlechter oder nicht so zugänglich ist. Das liegt einfach daran, dass es sich nicht in die üblichen Kategorien oder Schablonen des Films begeben hat.“ Bei den meist amerikanischen Filmemacher:innen handele sich um Menschen, die unbedingt ihre Geschichte erzählen wollten und all ihre Leidenschaft in ihre Projekte investierten. Das Ergebnis sei dabei keineswegs immer sperrig oder schwierig, räumt Torsten ein Vorurteil aus: „Ehrlich gesagt sind das manchmal Filme, die viel mehr Spaß machen und viel unterhaltsamer sind als das, was uns das übliche Blockbuster-Kino oder das Fernsehen bieten können.“ In der Tat liefen beim Filmfest bereits Beiträge wie „Tangerine“ von Sean Baker, die zwar komplett auf einem iPhone gedreht wurden, die aber geradezu mitreißend waren. Solche Limitierungen haben den entscheidenden Vorteil, dass die Regisseur:innen besonders kreativ werden und ihre Geschichten ein wenig anders erzählen als üblich. Als Zuschauer:in muss man vielleicht ein Stück weit mit Sehgewohnheiten brechen, die man von teuren Produktionen gewohnt ist. Aber dafür erfährt man viele andere Reize. Und genau das macht diesen Indie Spirit aus: mit weniger mehr zu erreichen. Torsten:„Es geht um die Menschen, nicht um Special Effects und CGI und irgendwelche Explosionen oder so was. Menschen sind der Kern des Geschichtenerzählens.“ Und dafür braucht man nicht zwangsläufig große Budgets. Ausnahmezustand: Als 2016 Nicolas Cage nach Oldenburg kam, stand die Stadt Kopf. Auch Keira Knightley gehörte schon zu den Gästen. (Bilder: Filmfest Oldenburg) Der Störenfried Nun gibt es Menschen in Oldenburg – und manche sagen, es seien nicht wenige – die soliden Durchschnitt mögen, gewissermaßen das lebensphilosophische Äquivalent zur Mittelspur auf der Autobahn. Dagegen ist nichts einzuwenden, kommt man so doch einigermaßen unbeschadet durchs Leben. Gleichzeitig muss man sich jedoch eingestehen: Außergewöhnliches erreicht man mit dieser Haltung eher selten. Und vielleicht eckt das Filmfest auch deswegen gelegentlich an oder wird missverstanden: Weil es immer auf die Überholspur will - und damit an der norddeutschen Beschaulichkeit rüttelt. Keine Frage: Das Internationale Filmfest Oldenburg polarisiert. Gar nicht so sehr wegen der ambitionierten Filmauswahl, sondern eher wegen seiner Attitüde. Unvergessen sind die politischen Scharmützel um Kürzungen und Erhöhungen der städtischen Zuschüsse, in deren Verlauf eine enorme Bandbreite an Einschätzungen zum Filmfest geäußert wurden – nicht immer mit profundem Sachverstand. Im Gegenzug verkürzte das Team um Torsten Neumann komplexe politische Entscheidungen auf die Frage: Was will Oldenburg, Froschteich oder Filmfest? Für die einen ist der Filmfest-Tross mit Blitzlichtgewitter, VIP-Bändchen und Limousinen befremdlich, für andere faszinierend. Einige stellen sich die Frage: Warum Oldenburg? Wie passt das hierher? Andere fragen zurück: Warum nicht? Denn die richtige Frage ist ja: Muss etwas zum Standort passen, um ein Gewinn zu sein? Dann würden wir heute noch um Jagdhornbläser und Shanty-Chöre kreisen. Kann nicht im Gegenteil etwas eine Bereicherung sein, das eben nicht die bestehende Geschichte weitererzählt, sondern einen neuen Handlungsstrang aufmacht und andere Facetten freilegt? Unsere Antwort ist klar: Ja, und ob. Das Filmfest ist nicht das einzige, aber ein sehr gutes Beispiel dafür. Besser als Berlin Torsten Neumann hat an Oldenburg sowieso nie gezweifelt. Für ihn war die Stadt immer der ideale Standort für das Internationale Filmfest, obwohl er zum Zeitpunkt der Gründung noch in Berlin studierte, das für viele eine näherliegende Wahl gewesen wäre. „Oldenburg ist eine super Stadt für ein Filmfestival“, ist sich der Filmexperte bewusst. „Eigentlich viel besser als Berlin, weil es schon groß genug ist, um international was zu bieten – aber klein genug, um sich nicht aus den Augen zu verlieren.“ Alles sei nah genug zusammen und gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. „Es gibt so einen engen Zusammenhalt in den Hotels, Kinos, Restaurants, Locations für Partys. Das ist in einer Großstadt gar nicht so leicht zu erreichen. Das ist immer ein Vorteil.“ Legendär: Zum Festival de Cannes kreiert das Filmfest alljährlich eine mehrteilige Plakatkampagne, die jedes Mal mit Spannung erwartet wird. (Bilder: Filmfest Oldenburg) Für die bekannteren Gäste ist Oldenburg eine willkommene Abwechslung zu Metropolen wie Los Angeles oder New York. Torsten erinnert sich an die mehrfachen Besuche von Matthew Modine zurück: „Für ihn war Oldenburg komplette Freiheit. Da konnte er durch die Gegend radeln und mit Leuten reden.“ Die Oldenburger:innen seien ja ein höfliches Volk, nordisch zurückhaltend, deshalb habe Modine die Gespräche als sehr angenehm empfunden. „Nur bei Nicolas Cage sind ein paar Dämme gebrochen. Da musste das Team dann etwas besser aufpassen als üblich“, schmunzelt der Festivalleiter. Insgesamt seien die Kontakte zwischen Gästen und Publikum aber sehr erwünscht und durchweg angenehm. “Diejenigen, die das Festival ein paar Mal mitgemacht haben als Zuschauer, die wissen das auch. Das sind ganz niedrige Schwellen hier“, nennt Torsten einen großen Vorzug des Oldenburger Filmfestes. „Selbst Nicolas Cage ist hier durch die Stadt gelaufen und bei der Brückenwirtin eingekehrt. Der hat ne Menge Leute kennengelernt und ist auch bei uns in die Gäste Lounge gekommen und hat sich mit den anderen Filmemacher:innen unterhalten. Für die war das natürlich das allergrößte.“ Schlüsselwort Kontext Fest steht: Das Filmfest lässt sich nicht ad hoc erfassen, es braucht Zeit. Das betrifft einerseits den Schwerpunkt Independent-Kino, das betrifft andererseits aber auch das Festival selbst. Was passiert wann und wo? Darf ich da hin und wie verhalte ich mich dann? All das bedeutet gewisse Unsicherheiten. Doch wer sich die Zeit nimmt, wird auch belohnt. Sowohl mit den Filmen, die manche positive Überraschung bieten, wenn man sich an sie herantraut - aber auch bei den Veranstaltungen, bei denen man mit den internationalen Gästen erstaunlich einfach ins Gespräch kommt. Wann und wo sich Treffpunkte ergeben, kann man auch dem Programmheft entnehmen, das eigentlich überall ausliegt, das man aber auch hier runterladen kann. So sehr Veranstaltungen auch zum Festival gehören, das Rückgrat bilden die Filme selbst. Würde ihre Qualität nicht stimmen, wäre alles andere obsolet. Zwar gehen die Meinungen in den Einzelfällen durchaus auseinander. Was für die einen Kunst ist, werten die anderen als Trash. Wo die einen Referenzen an Kinoklassiker erkennen, sehen andere nur cineastische Irrlichterei. Das aber ist keineswegs ein Manko, sondern Kernprinzip von Filmen, die nicht aus kapitalistischen Kalkül produziert wurden: Sie wollen gar nicht von allen gemocht werden, sondern idealerweise von den einen geliebt, von den anderen gehasst. Eben: alles andere als Mittelmaß. Wichtig ist aber auch die persönliche Präsenz der Filmemacher:innen. Der Schlüsselbegriff ist hierbei: Kontext. Wie in beinahe allen Lebensbereichen helfen auch bei Filmen Informationen und Erzählungen über die Entstehung bei der Einordnung und beim Verständnis. Oft erscheint dadurch das Ergebnis sogar in einem ganz neuen Licht, Aha-Effekte gehören schließlich zu den intensivsten kognitiven Erfahrungen. Und genau das ist ein Kernprinzip des Filmfestes: Nicht nur die Filme müssen hierher, auch die Filmemacher:innen. Sie nehmen uns mit hinter die Kulissen. Durch oft humorvolle, manchmal unglaubliche, aber immer interessante Einblicke sehen und verstehen wir viel mehr als sonst. Einzigartig: Nach wie vor ist das Filmfest das einzige der Welt, das Filme in einem Gefängnis zeigt. Das ist auch für Top-Stars wie Butch Walker (rechts) spannend, der in der JVA sogar ein legendäres Akustik-Set spielte. (Bilder: Filmfest Oldenburg) No risk, no fun Für das Filmfest braucht man also das richtige Mindset aus Offenheit, Neugier und Unerschrockenheit. Bringt man es mit, sitzt man plötzlich in einen kasachischen Film mit englischen Untertiteln, etwas das man sich im linearen Fernsehen niemals anschauen würde, und ist trotzdem hin und weg. Beziehungsweise: gerade deswegen. Denn auch wenn der Zugang manchmal schwieriger wird, erhöht gerade diese nötige Konzentration das Filmerlebnis. „Für Außenstehende ist es wirklich spannend, dass aus allen möglichen Ländern exzellente Filme kommen. Kasachstan, Iran, oder Mongolei: hochwertiges Kino wird überall gemacht", weiß Torsten. Es gehöre zu den spannendsten Entdeckungen, wenn man feststellt, dass einem Kino aus diesen cineastisch eher unbekannten Ländern gefalle. Das verändere in den Köpfen häufig mehr als Weltspiegel und Auslandsjournal. Überhaupt gibt Torsten Entwarnung für fremdsprachige Produktionen: „Wenn ein Film englischsprachig ist, können wir eigentlich alles bis zu einem gewissen Grad verstehen. Und ein guter Film erlaubt es uns auch, dass wir mit 80 Prozent wunderbar durchkommen.“ Wie das? Ganz einfach: Weil gute Filme viele Dinge nicht nur durch die Sprache erzählen, sondern auch visuell. “Man muss nur die Schwelle überwinden, irgendwo reinzugehen, wo man am Anfang vielleicht noch denkt ‘Oh Gott, ich weiß gar nicht, ob ich genug verstehe‘. Tut man am Ende nämlich doch. Das schafft Film, das schafft Kino“, freut sich Torsten über diese Qualitäten. Feste Bestandteile: Die Partys - wie hier im Marvin's - gehören zur Filmfest-DNA. In manche kommt man auch als Zaungast rein, in andere nicht. (Bilder: Filmfest Oldenburg) Das gleiche Prinzip gelte auch für Filme in einer Drittsprache, beispielsweise Kasachisch, die englisch untertitelt werden. „Das ist sogar noch viel einfacher, als Englisch nur in der Sprache zu verstehen. Das darf man durchaus versuchen und das soll man auch versuchen.“ Die Zukunft des Kinos Aber ist es nicht anachronistisch, gerade jetzt - in diesen Zeiten - ins Kino zu gehen? Immerhin wächst die Zahl der Streaming-Anbieter kontinuierlich und mit ihnen die Zahl der produzierten und jederzeit verfügbaren Serien und Filme. Chips und Couch sind harte Konkurrenz für Popcorn und Loge. Ist das Kino also in Gefahr? Nicht unbedingt, Und vielleicht muss man sogar sagen: keineswegs. Denn wir leben nicht nur in Zeiten des Streaming, wie leben auch in Zeiten dessen Grenzen. Erste Anzeichen einer Marktsättigung sind vorhanden, vielleicht liegt es an der Binge-Überdosis während der Pandemie, vielleicht am Überangebot in den Portalen, vielleicht sind wir grundlegend mit dem ständigen Rauschen um uns überfordert. Wie auch immer: Das Filmerlebnis in einem abgedunkelten Raum, ohne Second Screen, ohne Gang zum Kühlschrank, ohne Bügeln nebenher – das ist nicht am Ende, das ist vielleicht sogar an einem Neuanfang. Erst Recht, wenn drumherum eine Geschichte erzählt wird. Schlüsselwort: Kontext. Dann nämlich, wenn Regisseur:innen und Schauspielerr:innen Hintergründe erzählen oder wenn sie uns Einblicke in ihre Arbeit geben - dann wird der Film wieder das, was er ursprünglich immer sein sollte: ein Erlebnis, das uns aus dem Alltag holt und anschließend bereichert wieder in ihn entlässt. Torsten sieht sich und sein Festival letztlich auch in der Pflicht. „Wir Menschen sind ja per se eine träge Masse und man möchte gerne bedudelt werden. Und manchmal möchte ich das auch“, gibt er zu. Man brauche aber hin und wieder Stupser zum Aufwachen. Für die werde er sich immer sein einsetzen. „Manchmal ist ein sperriger Genrefilm, der einen so richtig erschreckt, deswegen wichtig: Eben weil er mich erschreckt und weil ich reagiere und nicht einfach im wohligen Wattebausch-Dämmerzustand bleibe.“ Kino als Erweckungsmoment? Vielleicht ein hoher Anspruch, aber warum nicht? Immerhin provoziert es uns zu neuen Gedanken und Reaktionen auf Themen, die wir sonst vielleicht vermeiden hätten. Keine Midlifecrisis Nun also das 29. Internationale Filmfest Oldenburg. Ist nach so langer Zeit eigentlich alles Routine und läuft vollkommen entspannt ab? Immerhin biegt man mit fast 30 ja auf die Landstraße des Lebens ein, wo alles etwas gesitteter und vernünftiger abläuft. Torsten muss schmunzeln, als er darüber nachdenkt. Denn das Filmfest sitzt immer noch dort, wo es zwar unbequem ist, wo es sich aber am wohlsten fühlt: Zwischen den Stühlen. „Dieses Festival erzeugt eine Atmosphäre in diesen fünf Tagen, die man auf anderen Festivals nicht kennt“, ist sich der Cineast bewusst. Das habe Oldenburg weltweit bekannt, beliebt und bedeutend gemacht. Es wurde gewissermaßen zu einem Weltstar der Nische. „Trotzdem machen wir nach wie vor unser eigenes Ding“, betont Torsten. „Wir sind sind und bleiben unabhängig.“ Im Laufe der Jahre hat sich das Internationale Filmfest Oldenburg also ein Standing erarbeitet, das vieles einfacher macht. Dennoch ist man weit davon entfernt, dass überall rote Teppiche ausgerollt würden, sobald man sich ankündigt: „Wir müssen immer wieder die Leute dafür begeistern, hierher zu kommen oder uns zu unterstützen“, berichtet Torsten. „Anfangs hat man mal gedacht, das wird sich irgendwann mal verfestigen. Aber nach jetzt 29 Jahren kann man sagen: Das ist Träumerei. Man muss sich das immer wieder neu erkämpfen. Alles.“ Ohne dass er es ausspricht, ist in diesem Moment völlig klar: Das ist genau das, was er weiterhin vor hat. Prädikat: Besonders wertvoll Was ist nun das Filmfest? Ein Störenfried für die Oldenburger Gemütlichkeit? Ein Gernegroß, der sich bedeutender fühlt als er ist? Oder tatsächlich ein Zentrum des unabhängigen Kinos, das Filme, Erlebnisse und Menschen in unsere Stadt holt, die wir sonst mit Sicherheit verpasst hätten? Wer es ganz neutral betrachtet und persönliche Sehgewohnheiten beiseite lässt, kann eigentlich nur zu einem Urteil kommen: Es ist eine Bereicherung für die Stadt. Eben weil es nonkonform und unbequem ist und weil dort Dinge geschehen, die nicht jeder sofort versteht oder goutiert. Denn das sind häufig diejenigen, die uns am meisten weiterbringen. Die Stadt Oldenburg fördert das Filmfest pro Jahr mit etwa 100.000 Euro. Das ist nicht übertrieben viel für so ein Festival, aber dennoch ein klares Bekenntnis: Wir wollen das! Politik und Verwaltung haben sich also längst entschieden. Und die Bevölkerung? Etwa 15.000 Besucher:innen kommen Jahr für Jahr, womit das Filmfest auch zu den größten Kulturveranstaltungen in Oldenburg gehört. Beinahe fragt man sich: Warum muss es dann immer noch um Anerkennung kämpfen? Doch dann fällt es einem wieder ein: Es ist und bleibt – ganz bewusst und gewollt – ein Mauerblümchen und ein Schattengewächs. Und das ist für die einen eben ein Kleinod, für die anderen aber Unkraut. Doch eines wissen wir: Das vergeht nicht. Jeder Podcast-Gast darf sich am Ende des Gesprächs einen Song für unsere „Die Mische“-Playlist wünschen. So entsteht nach und nach eine Collage des Musikgeschmacks der Oldenburger Kulturszene. Torsten hat sich den Titelsong des aktuellen Trailers ausgesucht: „Don't fence me in“ von Bing Crosby. Gemünzt war er zunächst auf die Tiere in Andreas Horvaths Dokumentation „Zoo Lock Down“. Er steht aber natürlich auch für den freigeistigen Indie-Spirit, für Kreativität und Unangepasstheit. Echtes Filmfest-Material also.











