RANDOM CONTENT: THE DEAD LOVE

Es ist Herbst und sie geht wieder los: Die Diskussion über Corona, Fallzahlen, Absagen. Aber wisst ihr noch, wie es damals war, als die Pandemie in unser Leben trat? Als plötzlich nichts mehr ging und selbst das Einfachste kompliziert - oder sogar unmöglich - wurde? Erinnert ihr euch, wie sich das anfühlte? Was das mit euch gemacht habt? Und wie ihr darüber gedacht habt?


Still aus dem Video zu „My Friends“ von The Dead Love. Es zeigt ein Papier, auf dem „I miss my Friends“ steht
Colorful Language: Das böse Wort ist zwar gestrichen, sagt aber vielleicht am meisten darüber aus, wie man sich gefühlt hat. (Bild: The Dead Love)

Ich gebe zu: ich hab da gewisse Schwierigkeiten. Obwohl der März 2020 gerade zweieinhalb Jahre her ist, fühlt es sich an, als seien zweieinhalb Dekaden vergangen. Ich weiß nicht genau, woran das liegt - an einer schleichenden Zersetzung meines Gehirns oder an einem ausgeklügelten Schutzmechanismus meiner Psyche? Oder war mir das alles gar nicht wichtig genug und ich hab's mir einfach nicht gemerkt?


„Feeling one tenth of my brain at capacity. I miss my friends, and I miss how it used to be.“

Nein, ich denke, letzteres können wir streichen. Aber woran auch immer es liegt, es spielt zum Glück keine große Rolle. Recht früh in der Pandemie habe ich nämlich etwas entdeckt habe, das meine Gedanken sehr genau widergespiegelt hat - und jederzeit abrufbar ist. „Nailed it“, hab ich damals gedacht. Und genau das denke ich heute auch.




Der Name ist Programm. Täglich sehen wir unzählige spannende, aufregende, überraschende, bewegende, irritierende oder kuriose News aus dem Kultursektor. Vieles verarbeiten wir beim Kulturschnack, vieles andere aber nicht. Hier ist Platz für kleine Zufälligkeiten, die nicht in unseren Redaktionsplan und/oder unsere Agenda passen, die wir aber trotzdem mit euch teilen wollen. Einfach so.


Dabei wechseln wir uns ab. Mal kommt der Content von Kevin, mal von Thorsten. Das machen wir sichtbar, weil wir hier auch persönliche Gedanken und Meinungen äußern.


Hymne oder Shitty Grunge?


Was das war? Die australische Band The Dead Love hat mitten in der Pandemie einen Song veröffentlicht, an dem einfach alles stimmte. Natürlich die Lyrics, aber die Musik hat die Message eben perfekt transportiert: Ein schleppendes Tempo, symbolisch für die erzwungene Entschleunigung, eine melancholische Grundstimmung, im Chorus aber mit der Energie des Eingesperrten, der den Ausbruch will. “Shitty Grunge“ nennt die Band ihren Stil selbstironisch - wohl wissend, dass er sehr viel mehr ist als das. Für mich ist „My Friends“ jedenfalls die Hymne der Pandemie und die Erinnerung daran, wie sich das anfühlte, was es mit mir gemacht hat und wie ich darüber gedacht habe.

„Feeling like an animal bred in captivity Don't know what day it is, but it's killing me (It's killing me)“


Krise als Katalysator?


Ist es tatsächlich so, dass Krisen die Kreativität triggern? Ist es wahr, dass man einschneidende Momente selbst erleben muss, um sie künstlerisch mitreißend umzusetzen? Ganz ehrlich: Ich hab keine Ahnung. Und wenn dem so ist, dann hätte ich lieber auf diesen Song verzichtet. Aber diese Gedankenspiele sind müßig, denn alles ist, wie es ist. Und deshalb freue ich, dass aus der Pandemie zumindest dieser Song hervorging.


Can we both agree? I miss my friends, and I miss how it used to be (I miss my friends, and I miss how it used to be)

Es stimmt zwar: Es ist Herbst und die Diskussion um Corona geht wieder los. Das war vollkommen unvermeidbar. Schließlich lieben wir Deutschen unsere Krisen und stürzen uns mit Hingabe in sie hinein. Etwas anderes stimmt aber auch: Die Dramatik ist eine andere. Wir sperren uns nicht mehr ein, wir leben mit Corona. Ich halte das für die einzig richtige Entscheidung und freue mich darüber. Sehr.



Und deshalb ist es gut, dass die Gefühle von damals nur noch eine Erinnerung sind - die man auf Wunsch reaktivieren kann, wenn man den passenden Song hört.