KULTUR-FÖRDERUNG: GELD FÜR KUNST
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Es klingt erstaunlich banal, aber: Viele besondere Kulturmomente, die uns fesseln, mitreißen oder bewegen, beginnen mit einem Förderantrag. Das Kulturbüro der Stadt Oldenburg springt ein, wenn sich ein Projekt nicht selbst trägt und die verfügbaren Eigenmittel und Sponsorengelder nicht ausreichen, um das auszugleichen. Zum Glück - denn ohne diese Unterstützung würden viele Ideen niemals umgesetzt.

▸ Das wilde Punkfestival im Jugendclub
▸ Die begehbare Installation in einem halb verfallenen Haus
▸ Ausdrucksstarke Bilder an den Wänden eines ehemaligen Kaufhauses
▸ Das Performance-Experiment eines jungen Kunstkollektivs
So unterschiedlich all diese Projekte auch sind, sie haben zwei Dinge gemeinsam. Erstens - und das ist der pathetische Teil: sie erweitern unsere Horizonte, berühren unsere Herzen, verändern unser Lebensgefühl. Zweitens - und jetzt kommt der pragmatische Part: Keines von ihnen würde stattfinden, wenn es nicht Fördergelder gäbe. Denn die allermeisten Kunst- und Kulturveranstaltungen sind defizitär. Sie kosten mehr als sie einbringen - nicht zuletzt weil es gar nicht ihr Ziel ist, eine Rendite abzuwerfen oder einen Gewinn zu erzielen.
Zwar strecken sich viele Künstler:innen finanziell bis zur Schmerzgrenze, um ihr Projekt wahr werden zu lassen. Oft kalkulieren sie für sich selbst nur eine geringe Aufwandsentschädigung ein, als sei ihre kreative Arbeit nicht viel wert. Doch das Gegenteil ist der Fall. Und wer mit seiner Kunst die Stadtgesellschaft bereichert, sollte damit kein unwägbares finanzielles Risiko eingehen müssen. Deshalb steht fest: Kultur braucht Support. Anderenfalls blieben Bühnen leer, Verstärker still, Leinwände weiß.

Kulturförderung: In Oldenburg obligatorisch
An dieser Stelle kommt die öffentliche Kulturförderung ins Spiel. Sie mag ein bürokratisches Instrument sein, das auf strengen Vorschriften und Verfahren basiert. Letztlich ist sie aber etwas anderes: ein Möglichmacher. Schließlich verfügt kaum jemand über einen privaten Geldspeicher, um Projektdefizite auszugleichen. Auch Drittmittel - also Geld von Sponsoren und anderen Unterstützer:innen - sind oft schwierig einzuwerben, weil viele Unternehmen keine ausgeprägte kulturelle DNA besitzen und deswegen keinen ausreichenden Gegenwert in einer Förderung sehen. Und die passenden Stiftungen? Ertrinken geradezu in einer Antragsflut.
Da trifft es sich gut, dass die Stadt Oldenburg nicht nur den Wert der Kultur für die Gesellschaft und das menschliche Miteinander sehr genau kennt. Sie handelt auch entsprechend. In den letzten Jahren wurde bei der Kultur nicht etwa rigide gespart, die Unterstützung wurde in manchen Bereichen sogar gezielt ergänzt. Dabei sind verschiedene Förderkanäle mit unterschiedlichen Zielsetzungen entstanden - wie etwa Budgets für die Szene- oder Stadtteilkultur. Der Nachteil an der neuen Vielfalt: Es ist etas unübersichtlich geworden. Höchste Zeit, einen Überblick zu verschaffen.

Was Ihr wissen müsst: Die wichtigsten Termine der Kulturförderung
1. JANUAR
Allgemeiner Antragsstart:
31. MÄRZ
Erste Antragsfrist Projektförderung (inkl. Szenekultur und Stadtteilkultur):
31. JULI
Antragsfrist MACH|WERK:
30. SEPTEMBER
Zweite Antragsfrist Projektförderung (inkl. Szenekultur und Stadtteilkultur):
GANZJÄHRIG
Antragstellung für die Kultuelle Bildung und Teilhabe,
idealerweise mit Vorlauf von 4-6 Wochen
In Oldenburg gibt es gleich mehrere unterschiedliche Förder-Formate, jedes davon maßgeschneidert für den jeweiligen Zweck. Dabei lässt sich ganz grob zwischen einer einmaligen und einer regelmäßigen Förderung unterscheiden. Erstere ist die klassische Projektförderung, die sich in Oldenburg in bestimmte Teilbereiche ausdifferenziert. Davon unterscheidet sich die institutionelle Förderung, die relative hohe Voraussetzungen verlangt, dann aber für jeweils für fünf Jahre vergeben wird. Hier erklären wir euch die Formate im einzelnen.
Allgemeine Projektförderung: Für alle was dabei
QUICK FACTS
▸ Budget: 100.000,- Euro
▸ Max. Förderhöhe: 10.000,- Euro
▸ Max. Förderquote: 50 Prozent
▸ Keine inhaltlichen Einschränkungen

Sie ist der Klassiker unter den Fördermaßnahmen. Wer im Kultursektor ein Projekt - also eine zeitlich begrenzte Maßnahme oder Aktion - auf die Beine stellt und bei der Kalkulation bemerkt, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht decken, findet hier eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen. Dabei ist wichtig, dass zuvor alle anderen Optionen ausgeschöpft sind - also die zur Verfügung stehenden Eigenmittel sowie Förder- und Sponsorengelder von Stiftungen, Unternehmen oder anderen. Erst wenn das Geld dann immer noch nicht reicht, darf das städtische Kulturbüro unterstützen. Außerdem darf mit dem Projekt zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht begonnen worden sein. Man muss also ein wenig vorausdenken.
Der Adressat:innenkreis ist weit gefasst: Es gibt keine Einschränkungen hinsichtlich des Alters der Antragstellenden, der Zielrichtung des Projekts oder der Erfahrung der Beteiligten. Letztlich ist hier Raum für alle Projektideen, die zu den folgenden spezielleren Kategorien nicht passen. Was aber nicht beduetet, dass hier keine coolen, zeitgemäßen Formate zum Zuge kommen. Denn manchmal stecken die besten Ideen in Veranstaltungen, die auf den ersten Blick gar nicht so innovativ wirken, nur um uns dann mit genialen Einfällen zu überraschen.
Szenekultur: Kunst in Clubs
QUICK FACTS
▸ Budget: 40.000,- Euro
▸ Max. Förderhöhe: 3.500,- Euro
▸ Max. Förderquote: 90 Prozent
▸ Zusammenarbeit von Clubs und Kulturschaffenden
▸ Experimenteller Charakter

Lange wurde in deutschen Verwaltungen diskutiert, ob man Kulturveranstaltungen in Kneipen und Clubs fördern könne. Das Problem: Dabei geht es in der Regel nicht ausschließlich um den künstlerischen Wert, sondern auch um den Getränkeumsatz. Anders ausgedrückt: Viele Konzerte finden vor allem deshalb statt, weil die Gäste etwas konsumieren sollen. Die öffentliche Hand wollte in dieses System nicht eingreifen, musste aber ebenso mit ansehen, dass sich viele Formate nicht mehr allein trugen und eingestellt wurden. Die Vielfalt der Oldenburger Kulturszene litt unter dieser Regel.
Die pragmatische Reaktion der Oldenburger Kulturpolitik: Die Einführung eines Förderansatzes für die Szenekultur. MIt seiner Hilfe ist nun eine Unterstützung von Veranstaltungen in Kneipen und Clubs möglich. Gleichzeitig macht er gewisse Vorgaben, damit es nicht zu reinen Mitnahme-Effekten kommt: So soll eine Zusammenarbeit zwischen Clubs und Kulturschaffenden stattfinden und das jeweilige Projekt experimentellen Charakter besitzen. Es geht also nicht darum, das x-te reguläre Konzert zu sponsern, sondern um Impulse für die Stadtgesellschaft. Ausdrückliches Ziel ist die Förderung von Netzwerken und kollektiven Formaten ohne gesellschafts- oder vereinsrechtliche Strukturen. Bestenfalls wird die Grundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit ermöglicht. Wer bei seinen Ideen für eine Veranstaltungen gedanklich sofort durch die Oldenburger Nächte schweift, wäre hier richtig.
Stadtteilkultur: Größer denken
QUICK FACTS
▸ Budget: 40.000,- Euro
▸ Max. Förderhöhe: 10.000,- Euro
▸ Max. Förderquote: 90 Prozent
▸ Durchführung in einem Stadtteil

Als ehemalige Residenzstadt mit großherzoglichem Schloss ist Oldenburg monozentristisch aufgebaut: Alles strebt zur Mitte - dorthin also, wo früher der Regent seinen Sitz hatte und wo heute das merkantile, aber auch kulturelle Leben pulsiert. Zwar verfügen ehemals selbständige Orte wie Eversten oder Osternburg über Subzentren, doch zumindest für die Kultur gilt das Prinzip, dass fast alle relevanten Institutionen und Schauplätze in der Innenstadt liegen.
Das ist grundsätzlich auch kein Problem, schließlich ist die Mitte von den Rändern in der Regel gut erreichbar. Doch wäre es nicht auch eine Bereicherung, wenn Kultur in der Nachbarschaft - oder zumindest im Viertel stattfände? Wenn man eben nicht ins Zentrum muss, sondern im Stadtteil bleiben kann? und wenn die Kultur womöglich sogar die Eigenarten der Mikrolage berücksichtigt, einbindet, reflektiert?
Ja, unbedingt - und deswegen gibt es den Förderansatz für die Stadtteilkultur. Der Name sagt es: Sie soll eben nicht dort stattfinden, wo schon alles andere passiert. Sie soll die Quartiere beleben - in Bümmerstede und Ofenerdiek, in Etzhorn und Wechloy. Dort stellen sich einmal ganz anderen Fragen und Herausforderungen als in der Mitte. Das kann einen ganz eigenen Reiz entfalten - auf die Akeur:innen genauso wie aufs Publikum.
MACH|WERK: Innovative Kulturprojekte
QUICK FACTS
▸ Budget: 50.000,- Euro
▸ Max. Förderhöhe: ./.
▸ Max. Förderquote: ./.
▸ Außergewöhnlicher Charakter, neue Akzente

Seit 2018 gibt es neben der herkömmlichen Projektförderung mit MACH|WERK einen weiteren Kanal, der insbesondere Innovative Kulturprojekte von vorwiegend jungen Akteur:innen unterstützen soll. Man hört es schon an den Formulierungen: in Stein gemeißelt ist hier nichts - wenn ein Idee mal nicht ganz so revolutionär oder ein Beteiligter bereits etwas älter ist, dann ist das kein Ausschlusskriterium.
Diese Haltung passt zum Format, denn es ist - mit Blick auf die junge Zielgruppe - das unkomplizierteste Förderformat. Wer gerade seine ersten Schritte tut, insgesamt noch unerfahren ist, aber trotzdem etwas Neues wagen will, liegt bei Mach|Werk richtig. Seit dem Start haben - bis einschließlich der 2025er Jahrgangs - schon 59 Projekte davon profitiert und dabei eine Fördersumme von 430.000 Euro eingestrichen. Dazu gehörten legendäre Veranstaltungen wie das MEMUR Urban Art Festival, Kulturelli, LOLdenburg, Metropoly Kubfestival, The Hidden Art Project, Die Loge, Pelle der Späti oder die Oldenbook Reading Party. Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint oder als ein Meilenstein der Stadtkultur in Erinnerung geblieben ist, hat also mit einem Antrag bei MACH|WERK begonnen. Fortsetzung folgt.
Kulturelle Bildung und Teilhabe: Von Jung bis alt
QUICK FACTS
▸ Budget: 15.000,- Euro
▸ Max. Förderhöhe: 1.000,- Euro
▸ Max. Förderquote: 90 Prozent
▸ Mind. ein Projektpartner aus dem Bildungs- und einer aus dem Kulturbereich

Die Kulturelle Bildung und Teilhabe unterschiedet sich recht deutlich von den bereits genannten Formaten. Das fängt schon damit an, dass sie sich weniger über die Akteur:innen, sondern vor allem über die Zielgruppe definiert. Die Kulturelle Bildung und Teilhabe richtet sich nämlich einerseits an die Jüngsten - sprich: Kita- und Schulkinder. Und andererseits hat sich auch die Älteren im Blick, nämlich die Gruppe der Über-55-Jährigen. Dass die Kulturangebote für diese beiden Gruppen andere Anforderungen stellen als jene für die breite Masse, versteht sich beinahe von selbst.
Aus diesem Grunde wird der Antrag von Bildungseinrichtungen und Kultureinrichtungen bzw. Künstler:innen gemeinsam entwickelt und gestellt. Das heißt: Schulen, Kitas, Horte, Jugendfreizeitstätten oder Seniorenheime kooperieren mit Akteur:innen aus dem Kultursektor und vereinen auf diese Weise ihre Stärken, nämlich das Gespür für die Belange der jeweiligen Zielgruppe und die künstlerische Expertise. Projekte der Kulturellen Bildung und Teilhabe mögen vom finanziellen Rahmen her eher zu den kleineren gehören, ihre Wirkung und Bedeutung schmälert das aber in keiner Weise. Egal, ob bei Jung oder Alt - sie leisten wichtige Beiträge zur Vielfalt der Stadtgesellschaft.
Institutionelle Förderung: Dauerhafte Unterstützung

Die institutionelle Förderung kann man als Gegensatz zur Projektförderung verstehen. Sie ist nicht auf ein einmaliges, zeitlich begrenztes Projekt ausgerichtet, sondern auf eine dauerhafte Unterstützung der betreffenden Einrichtung mit einer festen jährlichen Summe. In den Genuss kommen allerdings nur wenige - genauer gesagt: knapp über zwanzig - Einrichtungen. Diese müssen zuvor nämlich ihre Kompetenzen einige Jahre lang unter Beweis gestellt haben. Und selbst dann ist diese weitreichendste Form der Unterstützung längst noch kein Selbstläufer.
Im Fünfjahres-Rhythmus müssen sich die begünstigten Institutionen in einem aufwändigen Antragsverfahren ihr Programm für den nächsten Förderzeitraum bewerben. Dabei spielen auch bestimmte thematische oder strukturelle Vorgaben seitens der Stadt eine Rolle, die im Entwurf berücksichtigt werden müssen. Eine Fachjury bewertet die Einreichungen und schlägt dem Rat vor, welche Institution in welcher Höhe gefördert werden soll. Das heißt also: Ausruhen kann sich niemand, den eigenen Wert müssen alle immer wieder unter Beweis stellen.
Eine Sonderstellung hat das Oldenburgische Staatstheater. Vertraglich wurde bereits im Jahr 1963 mit dem Land Niedersachsen vereinbart, dass die Stadt Oldenburg 25 Prozent der jährlichen Defizits übernehmen muss, in der Regel ein siebenstelliger Betrag. Das lässt sich also nicht frei kalkulieren, sondern hängt von der Kosten und Einnahme-Situation ab. Man mag den jährlich Zuschuss zwar für viel halten, was Oldenburg im Gegenzug jedoch an Theater geboten bekommt, ist sehr viel höher zu bewerten. Trotz allem ist die Regelung also ein klarer Gewinn für die Stadt.
Zuschüsse für die Kultur: Gut angelegtes Geld
QUICK FACTS
▸ Unterhält und inspiriert die Menschen, belebt die Stadtgesellschaft
▸ Budget: so hoch wie vertretbar
▸ Begünstigte: mind. 176.000 Personen
▸ Jeder Förder-Euro verdreifacht sich

Oldenburg war finanziell eine ganze Weile auf Rosen gebettet. Vor allem die Gewerbesteuer fiel viele Jahre lang höher aus als ursprünglich kalkuliert, so dass in etlichen Jahren Haushalts-Überschüsse zu verzeichnen waren. Vielleicht liegt es auch an dieser Phase der wirtschaftlichen Prosperität, dass die Oldenburger Politik der Kultur einen hohen Stellenwert verlieh. Man konnte sich diese Haltung eben leisten.
Ob es so weitergeht? Daran zweifeln derzeit manche. Aber sollten die Zeiten schlechetr werden, spricht immerhin einiges dafür, dass die Kultur nicht sofort als Sparpotenzial Nummer 1 erkannt wird. Zu eindeutig waren die Positionierungen in den letzten Jahren - und zu deutlich hat auch die Kultur ihren Stellenwert bewiesen., Dass die Menschen in Oldenburg insgesamt sehr glücklich sind, dass immer mehr Menschen hierher ziehen und dass sich die wenigsten von ihnen langweilen, sondern - im Gegenteil - die meisten die Vielfalt an Veranstaltungen genießen, hat gute Gründe. Die Kultur ist nicht der einzige, aber ein ganz entscheidender. Und es kommt noch etwas hinzu: Für jeden Euro investierter Fördermittel fließen 3,50 Euro zurück in die Stadt: Diese Zahl weist die Standortfaktor-Studie des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) für Berlin aus.
Machen wir uns nichts vor: Die meisten Kultur-Projekte werden weiterhin defizitär sein. Die wilden Punkkonzerte, die begehbaren Installationen, die bewegenden Ausstellungen und die Performance Experimente - sie alle werden Unterstützung brauchen. Und auch, wenn niemand seriös vorhersagen kann, wie sich die kommunalen Finanzen entwicklen werden, spricht viel dafür, dass sie diese Unterstützung auch bekommen werden. Denn die vielen Förderformate zeigen: Die Stadt Oldenburg kennt den Wert der Kultur für die Gesellschaft nicht nur sehr genau, sie handelt auch entsprechend. Und deshalb beginnen auch in Zukunft viele große Kulturmomente ganz banal - mit einem Förderantrag.


