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- USA BEGEGNUNGEN: I HAVE A DREAM
„I have a Dream!“: Diesen einfachen Satz sprach Martin Luther King Jr. bei einer Kundgebung am Lincoln Memorial in Washington am 28, August 1963. Sein Traum handelte von einer Welt ohne Vorurteile und Rassismus, von Freiheit und Gleichheit für alle Menschen. Inhalt und Intonation dieser Rede waren so perfekt auf diesen Moment zugeschnitten, dass sie sich tief ins kollektives Gedächtnis Amerikas einbrannte. Doch auch heute ist sie noch relevant - und zwar auch in Deutschland, wie ihr jetzt in der umBAUbar erleben könnt! Epochaler Moment: Martin Luther King spricht zum Abschluss des „March on Washington“ vor dem Lincoln Memorial vor einer Viertelmillion Menschen. (Bild: Wikipedia Commons) Seien wir ehrlich: Es ist außerordentlich selten, dass die Rede eines Politikers dauerhaft in Erinnerung bleibt. In manchen Fällen ist das schade, in vielen anderen eher nicht. Es muss also etwas bedeuten, wenn ein Wortbeitrag nicht nur über den Tag hinaus, sondern selbst Jahrzehnte später noch hohe Bekanntheit genießt oder sogar Teil der nationalen Identität wird. Man darf dann tatsächlich von einem epochalen Moment sprechen. Genau das war jener 28. August im Jahre 1963, als der Menschenrechtler Martin Luther King Jr. ans Mikrofon trat und seinen 250.000 Zuhörer:innen zurief: „I have a dream!“ Doch auch, wenn dieser Augenblick geradezu ikonisch war, würde man dem späteren Träger des Friedensnobelpreises Unrecht tun, wenn man ihn darauf reduzieren würde. Das Leben von Martin Luther King Jr. ist voller Eindrücke und Erlebnisse, Erniedrigungen und Erfolge. Es steht für vieles, was die USA zur Mitte des letzten Jahrhunderts ausmachte und was sie gesellschaftlich zu bewältigen bzw. zu überwinden hatte. Wie all das in einen einzigen Theaterabend passen soll? Das zeigt das Wuppertaler Basta Theater nun in der umBAUbar - und hat dabei sogar noch Zeit für Musik! USA BEGEGNUNGEN DIE MARTIN LUTHER KING STORY EIN MUSIK-THEATERSTÜCK GEGEN RASSISMUS SONNTAG, 5. OKTOBER 2025, 18 UHR UMBAUBAR STAU 25-27 26122 OLDENBURG TICKETS Vier prall gefüllte Jahrzehnte 864 Seiten. Das ist der Umfang der aktuellsten Biographie über Martin Luther King Jr., geschrieben vom US-Journalisten Jonathan Eig , ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2024. Man darf diese Zahl durchaus als Indiz dafür nehmen, dass im Leben des Portraitierten einiges geschehen sein muss, das wiederum eine gewisse gesellschaftliche Relevanz besaß. Und tatsächlich passt all das, was dem Bürger:innenrechtler zwischen seiner Geburt im Jahre 1929 und seiner Ermordung im April 1968 widerfuhr, nur mühsam zwischen zwei Buchdeckel. Ort, Person, Inhalt und Intonation: An der berühmten Rede von Martin Luther King Jr. vor dem Lincoln Memorial in Washington stimmte einfach alles. (Video: Framepool) Umso beachtlicher ist es, dass es dem Basta Theater gelingt, diese vier prall gefüllten Jahrzehnte in etwa einhundert Theaterminuten zu fassen und die szenischen Schlaglichter auf ein Leben mit der passenden Musik zu untermalen. Es ist nämlich keineswegs so, dass sich die Gruppe um Theater-Urgestein Rudi Rhode nur die Geschehnisse um den „ March on Washington for Jobs and Freedom“ oder die Entstehung des „ Civil Rights Act of 1964“ herausgepickt hätte. Nein, in seinem szenischen Musikprogramm zeichnet das Basta Theater den bewegten und bewegenden Weg des Friedens-Nobelpreisträgers beinahe vollständig nach - „von den Anfängen des gewaltfreien Widerstands der Bürgerrechtsbewegung Mitte der fünfziger Jahre bis hin zu Kings Ermordung im Jahre 1968“, wie Rudi betont. Querverweise in die Gegenwart Weiterhin aktuell: Martin Luther King Jr. kämpfte für Freiheit und gegen Rassismus. Als erliegt kann man diese Aufgaben bis heute nicht betrachten. (Bild: Unsplash) Was hier nach einer unterhaltsamen Geschichtsstunde klingt, ist natürlich viel mehr als das. Zwar lernt das Publikum einiges über die Geschehnisse in den USA des letzten Jahrhunderts. Über die Spannungen und Zerreißproben, die oft genug in Gewalt umschlugen - nur um zu erreichen, was uns heute selbstverständlich erscheint. Doch dabei bleibt es nicht. „Immer wieder gibt es Querverweise auf die Situation in Deutschland„ in der rechtsradikale Politiker:innen unverhohlen die Deportation von Migranten propagieren und planen“, ordnet Rudi ein Denn hier hört die Selbstverständlichkeit schon wieder auf. Gleiches Recht für alle? Was mühevoll und schmerzhaft erreicht zu sein schien, bröckelt nun bereits wieder dahin. Wobei der subkutane und systemische Rassismus zumindest in Teilen der USA niemals überwunden war, wie die Beispiele von Trayvon Martin (2012) oder George Floyd (2020) zeigten, die zur Gründung der Black Lives Matter -Bewegung führten. Zwar bleiben die Erfolge von Martin Luther King Jr. in den 1960er Jahren davon unberührt und behalten ihre Bedeutung. Jedoch zeigt sich, dass bestimmte Haltungen in der DNA der USA verankert zu sein scheinen. Oder doch nicht? Auch diese Frage streift das Basta Theater in ihrer „Martin Luther King Story“. Dabei arbeitet es mit Originalzitaten, kurzen Szenen, Soundclouds sowie Einspielungen der berühmten Rede „I have a Dream“. Kommentiert werden die Inhalte durch live gespielte Songs, die von Kings Weggefährt:innen wie Bob Dylan und Joan Baez , aber auch aus der eigenen Feder des Basta-Theaters stammen. USA BEGEGNUNGEN 2025 FEHLENTSCHEIDUNG ODER VOLLTREFFER? Der intensive Blick auf die Vereinigten Staaten von Amerika finden die einen zu diesme Zeitpunkt völlig falsch, die anderen genau richtig. Wer hat denn nun Recht? Voller Klischees: Die USA bieten unzählige kulturelle Anknüpfungs- und Bezugspunkte. Nicht alle treffen unseren Geschmack. (Bild: Pexels) Diese Frage ist natürlich nicht pauschal zu beantworten. Wir haben uns mit Projektleiter Bernd Hubl deshalb ausführlich über das Für und Wider der USA Begegnungen 2025 unterhalten. In unserem Gespräch wurde deutlich, warum Wegsehen und Schweigen niemals eine gute Lösung ist und gerade der Kontakt auf der menschlichen Ebene zu jedem Zeitpunkt ein Gewinn sein kann. Die USA Begegnungen bieten dem Oldenburger Publikum genau diese Gelegenheit. Im Interview verrät Bernd auch einiges über die Planung und Organisation der achtwöchigen Veranstaltungsreihe sowie einige seiner absoluten Lieblings-Events. Lest unseren Artikel hier ! Mehr als eine Geschichtsstunde Der Tenor des Musik-Theaterabends ist aber trotz der aktuell eher negativen Entwicklungen keineswegs melancholisch. Das Gegenteil ist der Fall, wie Rudi betont: „Die 'Martin Luther King Story' macht Mut, den Traum von einer Welt ohne Rassismus und Ausbeutung weiter zu träumen - und immer wieder für die Freiheitsrechte einzutreten.“ Charismatische Person: Martin Luther King Jr. konnte die Menschen mit Worten bewegen. (Bild: Wikipedia Commons) Die „Geschichtsstunde“ ist also sehr viel mehr als dieser Begriff nahelegen würde. Zwar geht es um das Leben von Martin Luther King Jr., es geht aber genauso sehr um seine Haltungen, Überzeugungen und - genau! - Träume, die uns auch in der Gegenwart noch gut täten. Dass es derzeit keine Person gibt, die in ähnlicher Manier wie er die Massen begeistert und für das Entstehen einer Bewegung sorgen könnte, lässt seine Leistungen umso größer erscheinen. Es bleibt dabei: Viele Reden von Politiker:innen müssen wir nicht zwangsläuf ig in Erinnerung behalten. Jene Worte, die Martin Luther King Jr. am 28. August 1963 sprach, allerdings schon. Und nicht nur sie, sein ganzes Leben sollten wir nicht vergessen. Es steckt nicht nur voller Erlebnisse, sondern ebenso sehr voller Ideen, Gedanken und Äußerungen, die auch heute - fast sechzig Jahre nach seinem Tod - nachhallen. Eine ideale Würdigung der Person wird uns nun auf der Bühne der umBAUbar serviert: Schaut und hört euch die Martin Luther King Story an und begegnet den USA auf ein vollkommen neue Weise. Und wer weiß? Vielleicht sagt ihr euch danach auch: „I have a dream.“
- PINK POWER!
Marianna Martens ist kaum zu bremsen. Als Teil des Permanent Aktiv Kollektivs hat sie in ihrer Heimatstadt Oldenburg einige spektakuläre Veranstaltungen auf die Beine gestellt - wie die Sound- und Lichtinstallation „Lichtung“ oder das „Metropoly Klubfestival“. Ihr Studium verschlug sie zwar nach Leipzig, doch nun besucht sie ihre Heimatstadt - mit einem selbstproduzierten Kinofilm im Gepäck! Wie er entstand, was ihn auszeichnet und warum die Premiere nicht nur in der Berliner Kulturbrauerei, sondern auch im Oldenburger Casablanca gefeiert wird? Das lest ihr hier! Das Ziel im Blick behalten: Was für das Drachenboot-Team der Küstenpinkies galt, war auch für die beiden Filmemacherinnen Marianna Martens und Chiara Kempers wichtig. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Es gibt Filme, die rauschen einfach so an einem vorbei. Sie sind bunt und laut, manchmal auch anrührend und bewegend, aber in erster Linie sind es fiktive Geschichten, die uns gut unterhalten, anschließend aber auch schnell wieder vergessen sind. All diese Filme haben ihre Existenzberechtigung und sind tief und fest in unserer Feierabend- und Freizeitkultur verankert. Es gibt aber auch andere. Und zwar jene, die nicht in fernen Universen spielen oder die eine sorgfältig choreographierte Storyline inklusive dramatischem Höhe- und Wendepunkt samt Happy End haben. Sie entspringen nämlich nicht der Fantasie von Autor:innen oder einer KI, sondern dem krassesten Element, das man in einen Film integrieren könnte: Der Realität. Und mit dieser haben wir es bei „ Pink Power “ zu tun - einem Film über Zusammenhalt, Zuversicht und Lebensmut. Worum es genau geht, was den Film wichtig macht und warum man ihn unbedingt sehen sollte? Das haben wir uns auch gefragt - und deshalb kurzerhand die Produzentin und gebürtige Oldenburgerin Marianna Martens angerufen. Unser Telefonat wurden zu einem aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des unabhängigen Filmemachens. PINK POWER EIN FILM VON CHIARA KEMPERS UND MARIANNA MARTENS PREMIERE MIT DEM FILMTEAM: 30.09.2005, 19.30 UHR TICKETS CASABLANCA KINO JOHANNISSTRAßE 17 26121 OLDENBURG Kontaktpunkt Küstenkanal Alles begann auf einer Brücke. Genauer gesagt: Auf der Behelfsbrücke über den Küstenkanal, die seit fünf Jahren den Stadtteil Osternburg mit der Oldenburger Innenstadt verbindet. Dort traf Marianna Martens im Frühjahr 2021 die Mutter eines ehemaligen Mitbewohners - und die erzählte ihr eine Geschichte, die lange nachhallen sollte. Sie handelte vom Wilhelmshavener Drachenboot-Team der „ Küsten Pinkies “, das ausschließlich aus Frauen besteht, die an Brustkrebs erkrankt sind oder noch unter den Folgen dieser Erkrankung leiden. (Mehr zu dieser therapeutischen Form des Rudersports lest ihr im Kasten weiter unten.) Starkes Team: Regisseurin Chiara Kempers und Produzentin Marianne Martens. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Das Team hatte sich gerade für die 13. Drachenboot-WM in Sarasota, Florida qualifiziert. an der es aus finanziellen Gründen allerdings nicht teilnehmen konnte. „Mein erster Gedanke war: Wie krass ist das denn?“, erinnert sich Marianna. „Von Anfang an haben mich die Energie und der Ehrgeiz der Frauen beeindruckt – aber auch ihr Humor. Wie sie über ihre Krankheit scherzten, wie sie es geschafft hatten, sich aus dem tiefen Loch der Diagnose herauszukämpfen und zur gleichen Zeit Mütter, Ehefrauen und starke Persönlichkeiten zu sein.“ Schnell entstand der Wunsch, die Geschichte der „Küsten Pinkies“ mit einem Dokumentarfilm zu erzählen. Zumal der Zeitpunkt günstig war, denn bei der kommenden Europameisterschaft im italienischen Ravenna wollte das Team unbedingt dabei sein. Was Marianna zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die intuitive Begeisterung sollte sie von diesem Zeitpunkt an über vier Jahre begleiten - und über einige Tiefen tragen. Odyssee mit Happy End Für die Regie konnte Marianna zwar schnell Chiara Kempers begeistern, die hauptberuflich für das „ Aspekte “-Team des ZDF arbeitet. Deutlich komplizierter verliefen aber die Gespräche mit potenziellen Geldgeber:innen: „Das war die reinste Odyssee“, blickt Marianna heute zurück auf eine Zeit voller Rückschläge. Die beiden seien mit dem Stoff anderthalb Jahre durch unzählige Redaktionen Deutschlands getingelt, doch keine habe das Projekt mit ihnen realisieren wollen. „An vielen Stellen hätte das Thema ideal gepasst. Aber wir waren zwei junge Filmemacherinnen, beide gerade 26 Jahre alt. Offenbar hat man uns das nicht zugetraut“, kommentiert Marianna. Ans Aufgeben dachten die beiden trotzdem nicht: „Wenn man sich von einer Absage entmutigen lässt, kann man keine Filme machen. Man muss einen extrem langen Atem haben und manchmal mit dem Kopf durch die Wand wollen, sonst wird das nichts. Diese Denkweise zieht sich durch die gesamte Filmbranche.“ Kleiner Vorgeschmack: Der Trailer ist nur eine Andeutung dessen, was das Publikum im Kino erwartet. (Trailer: Junifilm, Mika Völker) Irgendwann jedoch drohte die Zeit knapp zu werden, weil jene Drachenboot-Europameisterschaft anstand, die den Kern der Erzählung bilden sollte. „Wir hatten Angst, dass uns die Geschichte davonpaddelt“, kann die Filmemacherin heute zumindest etwas über diese schwierige Phase schmunzeln. Deutlich zu spüren ist dabei aber auch der Frust darüber, dass kaum eine Redaktion bereit war, ins Risiko zu gehen. Ein generelles Problem in der Filmindustrie, findet die junge Filmemacherin: „Ein Sequel hiervon, ein Prequel davon und dann noch ein Remake. Das ist nichts Neues und das ist auch nichts, was eine Gesellschaft bewegt. Man muss sich auch mal mit originalen Geschichten auseinandersetzen, damit man im Kopf weiterkommt.“ Für „Pink Power“ sollte sich das Blatt aber schließlich im Frühjahr 2023 wenden: Nach dem Einstieg der Produktionsfirma Junifilm aus Hannover konnte auch die nordmedia für eine Förderung gewonnen werden. Ab diesem Moment war auch klar, dass der Film letztlich nicht im TV, sondern in den Kinos anlaufen würde. Durchaus ein zweischneidiges Schwert, wie Marianna einordnet. „Kino bedeutet mehr Aufwand und mehr Kosten, bietet aber natürlich das ultimative Seherlebnis.“ Doch das Risiko sollte sich lohnen: „Wir haben mit imFilm einen tollen Verleih gefunden und starten nun am 2. Oktober 2025 in 25 deutschen Kinos. Für einen Debüt-Dokumentarfilm ist das eine starke Zahl.“ Nebenbei hat sich die 29-Jährige damit einen Traum erfüllt: Nämlich ihren ersten Langfilm fertigzustellen, bevor sie noch in diesem Jahr 30 Jahre alt wird. Wir gratulieren! PROPHYLAXE UND THERAPIE PINK PADDLING Eine Krebsdiagnose erschüttert die Leben der Betroffenen in ihren Grundfesten. Ed ist schwer, diesen Tiefschlag zu vaerbeiten und neuen Lebensmut zu fassen. Umso wichtiger sind Hilfsangebote, die nachweislich wirken. Volle Kraft voraus: Das gemeinsame Paddeln kostet nicht nur Energie, es gibt sie auch zurück. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Zu ihnen gehört das Pink Paddling. Es geht zurück auf den kanadischen Sportmediziner Dr. Don Mckenzie, der nachweisen konnte, dass Frauen nach einer Brus tkrebs-Erkrankung mit dem Paddlin g mobil bleiben und dabei Lymphabflusswege, Muskulatur und vor allem ihre Seele trainieren, denn das gemeinsame Training bringt Lebensfreude und macht Spaß. Körperliche Veränderungen, wie zum Beispiel schmerzhafte Schonhaltung nach Operation oder Konditionsverlust, können durch gezieltes Training verbessert werden. In der Nachsorge einer Brustkrebs-Erkrankung kann Sport in den allermeisten Fällen bei der Genesung helfen. Es geht dabei immer um die maßvolle Bewegung, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Neben der therapeutischen Wirkung gibt es auch eine prophylaktische: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das persönliche Risiko, an bestimmten Krebsarten wie Brustkrebs zu erkranken, deutlich reduzieren. Wichtiges Thema zur richtigen Zeit Insgesamt viereinhalb Jahre liegen zwischen jener Begegnung auf der Behelfsbrücke über den Küstenkanal und dem bundesweiten Kinostart am 2. Oktober 2025. Allein zwei Jahre hat das kleine Team um Marianna und Chiara konkret am Film gearbeitet, also gedreht, geschnitten und postproduziert. Das Ergebnis hilft nun aber nicht nur die beiden Filmemacherinnen, sondern auch - bzw. vor allem - dem Thema Brustkrebs. „Wir haben in Deutschland jedes Jahr rund 75.000 neue Erkrankungen. 18.000 Frauen versterben daran“, weiß Marianna. Krebs sei eine Gesellschaftskrankheit, von der unzählige Menschen mittelbar oder unmittelbar betroffen seien. Daran ändere der Film zwar nichts, er wirke jedoch auf einer anderen Ebene: „Es ist ein Film, der Mut macht“, findet die Produzentin. Nach einer Krebsdiagnose werde den Betroffenen zwar erst einmal der Boden unter den Füßen weggezogen, aber: „Es gibt aber auch ein Leben nach der Diagnose. Das ist natürlich grundlegend verändert. Aber es muss nicht nur zum Schlechten sein, es kann auch etwas Posiitives entstehen. Dafür steht der Film.“ Gemeinsam stark: Bei Drachenbootrennen kommt es auf den Zusammenhalt an - in vielen anderen Bereichen des Lebens auch. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Wer sich entscheidet, „Pink Power“ im Kino zu sehen, wird ein besonderes Erlebnis haben. Zum einen visueller Art, denn „Pink Power“ bietet wunderschöne Aufnahmen unserer norddeutschen Heimat. Zum anderen ist es aber die Erzählung, die gleichzeitig interessant, lehrreich, spannend, bewegend und motivierend ist. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen nach einem Screening in Gespräche miteinander kommen“, nennt Marianna eine Qualität von „Pink Power“. „Im Film geht es darum, dass man gemeinsam stärker ist und ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft genau jetzt diese Inhalte braucht.“ Dieser feste Glaube an das gemeinschaftliche Handeln sei es gewesen, der sie neben dem persönlichen Interesse auch politisch motiviert habe, an diesem großen Filmprojekt festzuhalten. Verdientes Lob für harte Arbeit Mit dem Ergebnis ist die durchaus selbstkritische Produzentin mehr als zufrieden: „Das Gesamtprodukt ist zehnmal besser geworden, als ich mir das hätte vorstellen können. Ich bin vom ganzen Team wirklich sehr begeistert. Alle haben alles gegeben - und das sieht man auch.“ Mit der Kamera seien sie oft sehr nah an die Protagonistinnen herangekommen. Es habe viele intime Momente gegeben, immer wieder sei aber auch der wunderbar trockene norddeutsche Humor aufgeblitzt. „Ich hab den Film über hundert Mal gesehen. Trotzdem gibt immer noch Momente, in denen ich gespannt bin, die mich berühren oder in denen ich eine Träne verdrücke. Das schafft der Film selbst nach so vielen Wiederholungen und das beeindruckt mich. Ich bin extrem stolz auf unsere Leistung, weil ich nie gedacht habe, dass wir es soweit bringen.“ Außen gold, innen pink: In der September-Ausgabe des Glow-Magazins findet ihr ein Interview mit den Küstenpinkies. (Bild: Glow Magazin) Tatsächlich erzeugt „Pink Power“ bereits im Vorfeld des Kinostarts ein hohes mediales Interesse: Die beiden Protagonistinnen Jasmin und Konni haben dem Glow Magazin und FÜR SIE große Interviews gegeben und sind am 24. Oktober zu Gast in der NDR Talk Show . Auf den Bildschirmen in den Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe leuchtet das Filmplakat auf, immer mehr Redaktionen werden auf das Paddling und das Filmprojekt aufmerksam. Geradezu logisch erscheint in Anbetracht dieser Entwicklungen der nächste Schritt: „Wir haben 'Pink Power' für den deutschen Filmpreis eingereicht“, verkündet Marianna, schätzt ihre Chancen aber realistisch ein: „Das war eine Art Napoleon-Komplex: Wir haben groß gedacht und schauen jetzt einfach mal, was passiert.“ Wobei etwaige Hoffnungen auch nicht völlig unberechtigt sind. Gerade erst wurde „Pink Power“ nämlich auf dem Stavanger International Film Festival als beste Dokumentation und für die beste Filmmusik (von Robin Albering) ausgezeichnet. Und das ist längst nicht alles, wie Marianna ergänzt: „Wir sind auch auf das Kolkata International Film Festival nach Indien eingeladen worden, das ist eines der größten Filmfestivals der Welt. Außerdem wurden wir fürs Toronto International Women Film Festival nominiert.“ Die Küstenpinkies mögen es einst nicht nach Sarasota, Florida geschafft haben, auf der Leinewand erobern sie nun aber die ganze Welt. Typisch norddeutsch? Das gilt nicht nur für das Wetter und die Kleidung, sondern auch für den oft aufblitzenden Humor der Küstenpinkies. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Auch ein Heimatfilm Für all jene, die im Nordwesten zuhause sind, bietet der Film neben seinen inhaltlichen Botschaften und dem sehr gelungenen Spannungsbogen nämlich noch eine weitere Qualität, wie Marianna verrät: „Für mich ist 'Pink Power' ein absoluter Heimat-Film. Wir fahren durch meine Region, wir sind an der Nordseeküste, wir schnacken einen norddeutschen Schnack. Ich fühle mich einfach zuhause, wenn ich den Film sehe. Und das ist eine Sache, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie so intensiv sein kann.“ Zu den positiven Eigenschaften ihrer Heimat gehört für die 29-Jährige auch der Mach|Werk -Fonds für innovative Kulturprojekte, von dem auch „Pink Power“ gefördert wurde. Vom Volumen her macht der Zuschuss zwar nur drei Prozent des Budgets aus, das Signal war jedoch umso wichtiger: „ Dass man aus seiner Heimatstadt den Rückenwind bekommt, den man irgendwo anders nicht bekommen würde, war ein ganz starkes Zeichen - vor allen Dingen nach den ganzen Niederlagen, die wir mit dem Stoff hatten. Dann war da plötzlich dieses Vertrauen aus Oldenburg: Das ist ein gutes Projekt, ihr macht das schon. Das war eine ganz wichtige Bestätigung.“ Sympathische Randnotiz: Mit Finn Fredeweß hat ein Oldenburger das Color Grading (also die Farbkorrektur) für den Film übernommen und dazu beigetragen, dass er so hervorragend aussieht. Los geht's: Kurz vor dem Start ist die 71-jährige Konni durchaus entspannt. Ansonsten steht aber der Spaß an der Bewegung und Gemeinschaft im Vordergrund. (Bild: Junifilm, Mika Völker) Pink Power für alle Keine Frage: Marianna Martens ist nach wie vor „permanent aktiv“ - und „Pink Power“ ist ein überaus sehenswertes Ergebnis ihres stetigen Schaffensdrangs. Die wundervolle Dokumentation widmet sich einem wichtigen gesellschaftlichen Thema, das trotz seiner Verbreitung und Bedeutung viel zu wenig besprochen wird; schon gar nicht auf eine zugängliche, sogar unterhaltsame und humorvolle Art. Dem Film gelingt es, starke Persönlichkeiten vor die Kamera zu holen, die man gerne begleitet und die einem ans Herz wachsen. An ihrer Seite erlebt das Publikum, wie sich Wege aus einem persönlichen Tief finden lassen, wie Aktivität und Gemeinschaft neue Perspektiven erzeugen. Das ist inspirierend und lässt sich gut übertragen auf das eigene Leben. Denn selbst wenn man bisher von erschütternden Diagnosen verschont geblieben sein sollte, versuchen viele von uns doch auch, neue Wege zu finden und/oder sich selbst wiederzuentdecken. Unter erschwerten Bedingungen machen die „Küsten Pinkies“ vor, wie so etwas gelingen kann. Allen, die nicht nur den bunten und lauten Geschichten von Hollywoods Drehbuchautor:innen etwas abgewinnen können, sondern sich gerne auch mit der Realität auseinandersetzen, sei diese Dokumentation wärmstens ans Herz gelegt. Besser kann man etwa 70 Minuten gar nicht verbringen. Zumal über den Filmgenuss hinaus ein großer Mehrwert entstehen könnte: Wenn wir alle uns etwas von der Pink Power abschauen würden, dann wäre das für uns sowohl individuell als auch gesellschaftlich ein großer Gewinn. Also: Let's go pinkl!!
- STAATSAKT #9: DER STURM
Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen! Hausregisseurin: Ebru Tartıcı Borchers inszeniert zwar auch an anderen Theatern, Oldenburg wurde aber zu ihrem Fixpunkt, an den sie immer wieder zurückkehrt. (Bild: Stephan Walzl) „Othello“, „Hamlet“, „Macbeth“: Die Theaterstücke von Willam Shakespeare (1564-1616) gehören zu den berühmtesten aller Zeiten. Seit Jahrhunderten feiern sie auf den kleinen und großen Bühnen dieser Welt große Erfolge, auch wenn (oder gerade weil) das Publikum die Texte inzwischen vielfach mitsprechen kann. Die Stoffe sind sogar so berühmt, dass sie nun schon zum zweiten Mal Thema beim Staatsakt sind - der ultimative Ritterschlag für jede Form von Theater. In den Aufzählungen bekannter Werke taucht eines allerdings nur selten auf; und zwar ausgerechnet jenes, das im Jahre 1611 als letztes entstanden sein soll. Sein Titel: „ Der Sturm “. Mit der Qualität des Materials kann das jedoch nichts zu tun haben: Die Geschichte einer Gruppe von adligen Gestrandeten, die auf einer einsamen Insel sogleich wieder um die Macht kämpfen, überzeugt durch eine ebenso kluge wie kunstvolle Verbindung von Politik und Humor. Regisseurin Ebru Tartici Borchers hat uns im KULTURSCHNACK STAATSAKT NR. 9 verraten, welche Herausforderungen es bei der Inszenierung gab, warum sie die Proben liebt und weshalb Regie mutig sein muss, wenn sie Spaß machen soll. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER DER STURM VON WILLIAM SHAKESPEARE SO 28.9. 18:30 UHR KARTEN MO 29.9. 20:00 UHR KARTEN SO 5.10. 18:30 UHR KARTEN MI 8.10. 20:00 UHR KARTEN MI 15.10. 20:00 UHR KARTEN FR 24.10. 20:00 UHR KARTEN FR 31.10. 18:30 UHR KARTEN FR 7.11. 20:00 UHR KARTEN SO 9.11. 15:30 UHR KARTEN MI 12.11. 20:00 UHR KARTEN FR 14.11. 20:00 UHR KARTEN SA 27.12. 20:00 UHR KARTEN DO 15.1. 20:00 UHR KARTEN SA 17.1. 20:00 UHR KARTEN DO 22.1. 20:00 UHR KARTEN SA 7.2. 20:00 UHR KARTEN SO 22.2. 18:30 UHR KARTEN SO 1.3. 18:30 UHR KARTEN KLEINES HAUS THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG N E U N T E R S T A A T S A K T E R S T E R A U F T R I T T Ein Zimmer im Dachgeschoss eines klassizistischen Gebäudes am Theaterwall in Oldenburg, direkt gegenüber jenem Gebäude, nach dem die Straße benannt wurde. Es ist ein trüber Herbsttag mit starker Bewölkung, draußen weht ein kräftiger Wind. Durch die großen Dachfenster fällt dennoch viel Licht in den Raum. Zwei Kulturredakteure gestalten das funktionale Interieur schnell noch etwas wohnlicher, dann kommt auch schon der Gast. Von Stress keine Spur: Ebru befindet sich in der Endphase der Proben für „Der Sturm“. als wir uns zum Staatsakt Nr. 9 treffen. Anzumerken ist es ihr nicht. (Bild: Kulturschnack) THORSTEN Schön, dass du es einrichten konntest! Das war bestimmt nicht einfach, zwei Tage vor der Premiere? EBRU Es gab schon Fälle, da wäre so etwas tatsächlich schwierig gewesen. Aber wir sind jetzt auf einem Stand, wo man sagen kann: Das passt. ( lächelt ) THORSTEN Super, das freut uns sehr. Sind die Kameras schon an, Kevin? KEVIN Yup, sind alle an! THORSTEN Okay, dann geht's los! (Schnell werden noch einige Details zum Format besprochen und die Sitzpositionen leicht angepasst. Dann startet das Gespräch.) THORSTEN Ebru, Du inszenierst am Oldenburger Staatstheater gerade „Der Sturm“. Kannst du in ein paar Sätzen sagen, worum es geht? EBRU Es geht um eine Gruppe von Menschen, die auf beiner Insel strandet. Alle stammen aus königlichen Familien, mit Abenteuern haben sie aber kaum Erfahrung. Das wird sehr schnell spürbar. Denn selbst wenn es um eine Insel geht, auf der es kein Volk gibt, ist die wichtigste Frage erst mal: Wer wird hier König? „Der Sturm“ zeigt sehr deutlich, dass Macht und Einfluss für Menschen oft zu den größten, wichtigsten Dingen gehören – auch wenn es nur wenige andere Menschen gibt, auf die man Einfluss nehmen kann. Ich habe das Gefühl, Shakespeare hat das extrem humorvoll - halb tragisch, halb lustig - erzählt. Farbenfroh: Bühnenbild und Kostüme entführen in „Der Sturm“ auf eine ferne Insel. (Bild: Stephan Walzl) THORSTEN Das Stück soll ja Shakespeares letztes gewesen sein. Abgesehen davon – was macht es für dich besonders? Warum gehört es auf eine Oldenburger Bühne? EBRU Es gibt Wind, es gibt Party, es gibt Liebe, es gibt Politik – was will man mehr? ( lacht ) Es enthält so viele schöne, lustige, aber auch gesellschaftlich relevante Elemente – und das ohne, dass man sich zu sehr auf eine einzige Story fokussieren muss, wie bei „Hamlet“ oder „Macbeth“. „Der Sturm“ hat eine große Leichtigkeit und bietet viel inhaltliches Potenzial. Selbst im schlimmsten Fall kann man immer noch sagen: Das ist einfach nur eine verrückte Geschichte. Man kann Spaß daran haben – auch wenn Shakespeare darin viele wichtige Sätze sprechen lässt. THORSTEN Da können wir gespannt sein, welche Sätze das sind. Was fandest du bei der Adaption denn besonders schwierig? Gab es eine große Herausforderung? EBRU. Was die Bilder und die Vorstellungskraft angeht, war vieles herausfordernd – aber ich mag das. Ich hatte durchgehend Spaß an Fragen wie: „Wie machen wir das jetzt?“ Eine der größten Aufgaben war, mit neun tollen Schauspieler:innen auf der Bühne zu arbeiten und insgesamt elf Figuren gut in Beziehung zueinander zu setzen. Wann steht wer im Fokus? Mit welchem Satz gehen wir wie um? Das war etwas, das wir auch während der Produktion erst lernen durften. THORSTEN Und wenn du zurückblickst – was ist richtig gut gelungen? Worüber freust du dich jedes Mal? EBRU Ich glaube, dass wir es geschafft haben, diese elf Figuren sehr unterschiedlich, mit eigenen Stärken und emotionalen Farben herauszuarbeiten. Ich habe das Gefühl, dass das Ensemble das richtig gut hinbekommen hat. Darauf bin ich auch ein bisschen stolz. ( lacht ) THORSTEN Man kennt den Begriff „Regisseurin“, aber ich glaube, viele wissen gar nicht so genau, was man da eigentlich macht. Was würdest du sagen, ist deine wichtigste Kompetenz? EBRU (überlegt kurz) Ich glaube, die Fähigkeit, eine Gruppe von sehr kreativen und klugen Menschen – mit eigenen tollen Vorstellungen vom Stück – zusammenzubringen und ihre Stärken nebeneinander zu sortieren. Am Ende sollten wir alle dasselbe Stück erzählen – und im besten Fall sogar ein gemeinsames Ziel haben, was wir damit ausdrücken wollen. Ohne Regie gibt es schon viele tolle Spieler:innen, Ausstatter:innen, Choreograph:innen, Musiker:innen, Dramaturg:innen. Der Job der Regie fühlt sich für mich an wie der einer Orchesterdirigentin: Man hält alle zusammen, stellt sie in die richtige Reihenfolge und entscheidet, wann welche Töne lauter oder leiser sein sollten. THORSTEN Sehr schön beschrieben. Ich habe kürzlich mit einer Filmregisseurin gesprochen, die das ähnlich gesehen und ebenfalls die Bedeutung des Zusammenspiels in einer Gruppe betont hat; da gibt es also durchaus Ähnlichkeiten. Was sind denn die schönsten Momente in deinem Beruf? Die Premiere oder etwas anderes? EBRU Ich genieße die Probenzeit am meisten. Und ich liebe die stressigen Zeiten genauso wie die Momente, in denen man denkt: „Wow, das rockt gerade!“ Am liebsten mag ich es, wenn man nach einer Frage oder nach einem Vorschlag etwas ausprobiert hat und dann diesen besonderen Glanz in den Augen der Spieler:innen sieht – dieses: „Ah, jetzt habe ich’s verstanden!“ Dann spürt man Bestätigung oder sogar Begeisterung und hat das Gefühl, dass alle in einem Boot sind. Solche Momente machen mich sehr glücklich – manchmal die ganze Nacht lang. STARKES THEATERPROGRAMM DIE GROßE VIELFALT Mit dem KULTURSCHNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 188 Gründe. Viel drin: Das Spielzeitheft 25/26 des Oldenburgischen Staatstheaters. Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 3 Uraufführungen und 31 Premieren, dazu 19 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regelmäßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT . Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. THORSTEN Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Genau deswegen arbeitet man: weil man sich diese Momente wünscht. Du bringst ja zusätzlich noch eine Besonderheit mit an deinen Arbeitsplatz: Du bist in der Türkei geboren und dort aufgewachsen. Ist dein Background für dich eigentlich ein Vorteil, ein Nachteil – oder gar nichts davon? EBRU Im Arbeitskontext hat es für mich nur Vorteile. Ich arbeite mit einem großartigen Regieteam, in dem viele Kolleginnen aus anderen Ländern kommen. Dadurch entstehen ganz unterschiedliche Perspektiven, was die Kreativität enorm bereichert. Auch bei der Textarbeit mit Spieler:innen gibt es dadurch mehr Interpretationsmöglichkeiten. Natürlich bleibt Deutsch eine Fremdsprache für mich – auch wenn ich sie mittlerweile ganz gut beherrsche. Aber manchmal kann ich mit Körpersprache mehr ausdrücken als mit Worten. Ich habe oft Heimweh und wünsche mir manchmal, auf Türkisch proben zu können. Ich gehe oft zu Vorstellungen in der Türkei, übersetze deutsche Stücke ins Türkische – und hoffe, irgendwann wieder häufiger dort zu inszenieren. Aber ich bin auch sehr dankbar: Ich hatte bisher immer großes Glück mit Kolleg:innen im deutschsprachigen Raum. Niemand hat mir je das Gefühl gegeben, dass ich hier nicht hingehöre. THORSTEN Vielleicht kannst du ja mal ein Stück in türkischer Sprache in Oldenburg inszenieren – mit Übertiteln. Wäre spannend! EBRU Ja, das wäre wirklich schön. ( lacht ) Ansteckende Theaterleidenschaft: Wer mit Ebru Tartici Borchers über ihren Beruf spricht, möchte am liebsten sofort selbst Regie führen. (Bilder: Kulturschnack) THORSTEN Du hast erst in Ankara Schauspiel und später in Wien Regie studiert. Du kennst also das Leben auf der Bühne und an ihrem Rand. Was gefällt dir denn besser? EBRU Ganz klar: Regie! Das war immer mein größter Wunsch. Seitdem ich Regie machen darf, bin ich sehr glücklich – und ich vermisse das Schauspiel überhaupt nicht. Ich habe diesen Bereich erst spät entdeckt. Ich dachte lange, Schauspiel sei mein Lebensziel. Aber als ich während des Studiums Regisseur:innen kennengelernt habe, dachte ich: „Oh mein Gott, es gibt so einen Job, der mich noch mehr begeistert als das Schauspiel!“ Das hätte ich nie geglaubt. Es ist einfach ein Privileg, die Aufgabe zu haben, sich etwas vorstellen und ausdenken zu dürfen - auch wenn die Umsetzung dann natürliche eine große Herausforderung ist. Regie ist mein Herzensberuf. THORSTEN Ich finde es fast schade, dass man dich nicht mehr auf der Bühne sieht. Aber schön, dass du deine Berufung gefunden hast. Wenn ich richtig gerechnet habe, hast du mit 26 Jahren begonnen, Regie zu führen. Jetzt bist du 35. Bist du noch ein junges Küken oder schon ein alter Hase? EBRU Ich glaube, keins von beidem – und das ist auch gut so. Nach jeder Produktion steht man woanders als davor. Im Theater lernt man ständig dazu. Ich bin froh, dass ich mich noch wie am Anfang fühle – dann bleibt es spannend. Aber ich fühle mich auch nicht mehr wie ein Neuling, der alles zum ersten Mal machen muss. Das gibt mir auch Sicherheit. Starkes Ensemble: Gemeinsam mit den Schauspieler:innen konnte Regisseurin Ebru Tartici Borchers ihre Vorsellungen für „Der Sturm“ umsetzen. (Bilder: Stephan Walzl) THORSTEN Du hast in letzter Zeit nicht nur in Oldenburg gearbeitet, sondern auch an vielen anderen Orten wie Gießen, Mainz, Zürich, Wien. Das ist eine eindrucksvolle Liste. Da fragt man sich: Hat dein Jahr mehr als zwölf Monate? EBRU Das frage ich mich auch manchmal! ( lacht ) Wenn wir im Regieteam über unsere Produktionen sprechen, denken wir oft: „War das alles wirklich nur letztes Jahr?“ Die Zeit ist so intensiv. Innerhalb von zwei Monaten passiert im Theater unglaublich viel. Ich liebe die Probenzeit, und zum Glück geht es meinem ganzen Team genauso – deshalb arbeiten wir so viel. THORSTEN Und das auch noch sehr erfolgreich! Für deine Inszenierung von „ Amsterdam “ hier am Oldenburgischen Staatstheater warst du im Jahr 2023 für den Theaterpreis Faust nominiert. Die Jury lobte ausdrücklich deine mutige Regiearbeit. Muss eine Regisseurin mutig sein? Rasant: Unter den Neuankömmlingen bricht sofort ein Wettkampf um die Macht auf dem unbewohnten Eiland aus. (Stephan Walzl) EBRU Ich weiß nicht, ob sie es muss – aber anders macht es keinen Spaß. Als Zuschauerin will ich überrascht werden. Und um zu überraschen, muss man etwas wagen – auch wenn es schiefgehen kann. Ich hatte großes Glück mit dem Ensemble in Oldenburg, mit allen künstlerischen Abteilungen. Selbst wenn etwas nicht perfekt klappt, war die Qualität da. Und in der Corona-Zeit ( in der das Stück entstand, Anm. d. Red. ), mit halber Probenzeit und ständig wechselnden Konstellationen, war das besonders wertvoll. THORSTEN Für Stücke wie „ Antigone / Schwester von “ oder „ Mascha K. (Tourist Status) “ hast du ebenfalls viel Aufmerksamkeit bekommen. Entsteht durch Erfolg eigentlich auch Druck? Hast du das Gefühl, dass du jetzt immer etwas ganz Besonderes machen musst? EBRU Der Druck entsteht eher dadurch, dass ich niemanden enttäuschen will – vor allem das Team. Sie stecken so viel Herzblut hinein. Ich will nicht, dass jemand mit etwas leben muss, mit dem sie oder er nicht einverstanden ist. Natürlich – alles, was gut oder schlecht läuft, fällt auf die Regisseurin zurück. Aber wenn ich mich vom Druck bremsen lasse, macht der Beruf keinen Spaß mehr. Intensive Theatererlebnisse: Mit „Antigone / Schwester von“ (links) oder „Mascha K. (Tourist Status)“ feierte Ebru in Oldenburg beriets große Erfolge. Wird es mit „Der Sturm“ so weitergehen? (Bilder: Stephan Walzl) THORSTEN Ich habe das Gefühl, du bist eine wirklich leidenschaftliche Theatermacherin. Aber wenn jetzt jemand um die Ecke käme und sagen würde, du sollst den nächsten „Tatort“ inszenieren, was würdest du antworten? „Oh ja“ oder „Bloß nicht“? EBRU ( voller Überzeugung ) Bloß nicht! Ich würde sagen, da hat man mich wahrscheinlich mit einer anderen Ebru verwechselt. Das bin ich auf keinen Fall. Ich bin auch eine sehr bescheidene Film- und Fernsehzuschauerin – ich bin dort leider nur selten unterwegs. Es wäre schön, das etwas öfter zu tun, aber ich gehe stattdessen sehr oft ins Theater. Auch als Zuschauerin sehe ich mir monatlich mindestens vier, fünf Produktionen an. Ich genieße das Theater nicht nur als Macherin, ich liebe es einfach. Ich schaue mir auch unglaublich gerne an, was andere Kolleginnen und Kollegen gemacht haben. Diese Leidenschaft hätte ich nie auch nur ansatzweise für Film oder Fernsehen. THORSTEN Das beruhigt natürlich alle Theaterfans in Oldenburg. Gibt es denn einen Stoff oder ein Stück, das du liebend gern mal inszenieren würdest, wozu es aber bisher noch nicht gekommen ist? EBRU Oh ja, ich weiß nur nicht, ob man so etwas verraten darf. Aber ja, es gibt tatsächlich zwei Stücke. Ich warte nur auf den richtigen Zeitpunkt. THORSTEN Du verrätst sie aber nicht? EBRU Okay, vielleicht verrate ich sie doch. Hoffentlich bereue ich das später nicht. Eins davon ist „ Zement“ , die Theateradaption von Heiner Müller , die auf einem großartigen Roman basiert. Und das andere ist „ Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada . Das sind zwei Herzensprojekte von mir, die irgendwo auf mich warten – wenn ich ein bisschen weiter bin. Voller Ideen: Ebru Tartici Borchers kann trotz ihres jungen Alters schon auf viele gelungene Arbeiten zurückblicken. Sie träumt aber bereits von kommenden Projekten. (Bild: Kulturschnack) THORSTEN Wir warten mal ab und schauen, was passiert. Vielleicht ist es eines Tages so weit! Wo wir gerade schon bei Herzensprojekten sind, würde mich noch etwas anderes interessieren. Wenn du eine berühmte Bühnenfigur sein dürftest – welche wärst du gern? EBRU Ich weiß nicht, ob ich gerne jemand Bestimmtes wäre , aber wenn ich mich noch einmal mit einer Figur beschäftigen dürfte – sei es inszenieren oder spielen – dann gäbe es zwei Charaktere, die ich unglaublich spannend und beeindruckend finde. Einer davon ist auf jeden Fall Kreon . Den hat bei uns Caroline Nagel großartig gespielt – ich bin auch ein großer Fan von Caro. Der andere ist Ismene , die bei uns Tobias Schaumann gespielt hat – ebenfalls großartig. Ich glaube, besser geht es nicht nach meinem Geschmack. Aber diese beiden Figuren lassen mich einfach nicht los. Manchmal führe ich nachts im Kopf Gespräche mit ihnen. Sie begleiten mich gedanklich immer wieder. Tatsächlich war es eine große Überraschung, dass ich mich in der letzten Spielzeit bei „Antigone / Schwester von“ mit genau diesen beiden Figuren an einem Abend beschäftigen durfte. Deshalb wird diese Produktion für mich immer eine meiner Lieblingsproduktionen bleiben. Home Sweet Home: Dass Oldenburg Ebrus Zuhause in Deutschland geworden ist, hat natürlich auch mit dem Staatstheater zu tun. (Bild: Stephan Walzl) THORSTEN Sehr schön. Jetzt kommt schon die letzte Frage – oder eher eine Bitte: Vervollständige folgenden Satz: „Oldenburg ist für mich... EBRU ... mein Zuhause in Deutschland.“ Ja, mein Theater-Zuhause. Absolut. Ich fühle mich hier unglaublich wohl und bin wirklich sehr glücklich. Ich hatte bisher in Deutschland überall Glück – nicht, dass es irgendwo nicht schön gewesen wäre. Aber in Oldenburg ist es besonders: Wenn ich am Bahnhof ankomme, fühlt sich alles sofort vertraut an. Ich bin hier gerne unterwegs, gerne draußen auf den Straßen. Und sobald ich das Theatergebäude betrete, kenne ich alle Gesichter und spreche gerne mit allen Kolleg:innen. Das ist ein wunderbares Gefühl. Ich wohne aktuell in Wien, aber falls ich irgendwann in Deutschland mal länger bleiben sollte, dann stünde Oldenburg auf Platz eins meiner Liste. THORSTEN Das ist ein richtig schönes Kompliment. Ein Zuhause bietet man schließlich besonders gern. Vielen Dank – das waren tolle Antworten, du hast wunderbare Geschichten erzählt. EBRU Ich hoffe, die Vorstellung gefällt euch genau so gut! THORSTEN Die Latte liegt hoch, aber wir prüfen das nach! ( beide lachen ) (Alle: ab) In den Sturm segeln Es kommt nicht allzu häufig vor, dass man Stücke aus der Feder William Shakespeares erleben darf, die man nicht schon von irgendwoher kennt. Im Falle von „Der Sturm“ geht es vielen von euch womöglich nicht anders als uns: Dieses Stück war uns vollkommen unbekannt, bevor es nun auf den Spielplan des Oldenburgisches Staatstheaters rückte. Das allein macht den Gang ins Theater beinahe schon zu einer Pflichtveranstaltung. Aber da ist noch mehr. Zusammen? Oder doch lieber allein? Shakespeare widmet sich in „Der Sturm“ ganz grundsätzlichen Fragen des menschlichen Miteinanders. (Bild: Stephan Walzl) Wer mit Ebru Tartici Borchers über Theater spricht, über Regie und Inszenierung oder die Arbeit mit dem Ensemble, hat keine andere Wahl: man muss sich förmlich mitreißen und begeistern lassen. Die 35-Jährige brennt fürs Theater und sie vermag es, ihre Leidenschaft auf andere zu übertragen. Bei wem also der Name Shakespeare allein noch ausreicht, hat damit ein zusätzliches Argument, sich eine Vorstellung von „Der Sturm“ anzusehen. Was sich Ebru für den vierhundert Jahre alten Stoff ausgedacht hat? Wer unter den Gestrandeten letztlich das Rennen um die Macht gewinnt? Und welche Paralleln zur Gegenwart wie (vielleicht) ziehen können? Das erfahrt ihr erst, wenn ihr im Theatersessel sitzt. Und eines ist bei Ebru Tartici Borchers sicher: ihr werdet überrascht sein - und das ist gut so!
- USA BEGEGNUNGEN: THAT'S AMERICA!?
Wer oder was sind die Vereinigten Staaten von Amerika? Wofür stehen sie, was macht sie aus? Was schon früher nicht einfach in Worte zu fassen war, ist heute schwerer zu beantworten denn je. Die enorme Vielfalt des „Landes der unbegrenzten Möglichkeiten“ hat sich zu teils unversöhnlichen Gegensätzen entwickelt. Wie kann man sich der zersplitterten Nation noch annähern? Wie sie verstehen? Ganz einfach: Indem man sich Zeit für sie nimmt - wie es die USA Begegnungen tun. Acht Wochen lang dreht sich in Oldenburg vieles um „God's Own Country“. Was es für euch zu erleben gibt? Das erzählt Projektleiter Bernd Hubl in unserem Interview. Voller Klischees: Die USA bieten unzählige (pop-)kulturelle Anknüpfungs- und Bezugspunkte. Nicht alle treffen unseren Geschmack. (Bild: Pexels) United States of America. Wir behaupten, dass es niemanden gibt, die oder der bei diesen vier Worten nicht augenblicklich bestimmte Assoziationen im Kopf hat. Nicht wenige dürften sofort ins Schwelgen oder Träumen geraten. Kein Zweifel: Die USA sind ein Sehnsuchtsort. Was einerseits damit zu tun hat, dass dieses unfassbar große Land mit seinen 340 Millionen Einwohner:innen tatsächlich mehr zu bieten hat als man in einem Leben auf- und wahrnehmen könnte. Was andererseits aber auch daran liegt, dass keine andere Nation so tief, breit und fest in der globalen Populärkultur verankert ist wie dieses. Es gibt schlichtweg niemanden, der bisher keine amerikanische Serie gesehen, keine amerikanische Musik gehört oder kein amerikanisches Produkt gekauft hat. Die USA prägen unseren Alltag und damit auch unsere Gedankenwelt. Land der Gegensätze: Manchmal sind diejenigen die größten Patriot:innen, die am stärksten unter dem System leiden. (Bild: Shutterstock) Doch wenn es darum geht, diese United States of America in wenige Worte zu fassen, wird es schwierig. Schnell wird deutlich, dass unter der Dachmarke USA fünfzig verschiedene Staaten versammelt sind, die sich teils extrem voneinander unterscheiden - und dass auch die Bewohner:innen dieser Staaten inzwischen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufweisen. Trotz der enormen Präsenz - oder sogar: Dominanz? - der USA in unserem Alltag sind die Eindrücke also gemischt. Wer oder was sind sie nun, diese Vereinigten Staaten von Amerika? Land of the free, home of the brave? Oder bald ein failed state? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage beginnt nun in Oldenburg. USA BEGEGNUNGEN 20 SEPTEMBER - 26. NOVEMBER 2025 MIT ÜBER ZWANZIG EINRICHTUNGEN UND AKTEUR:INNEN AUS DEN BEREICHEN LITERATUR, THEATER, MUSIK, BILDENDE KUNST, POLITISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE BILDUNG/INFORMATION SOWIE BEITRÄGEN AUS DEN BEREICHEN FILM, SOUND, GESCHICHTE UND GASTRONOMIE. VERSCHIEDENE SPIELORTE 26122 OLDENBURG PROGRAMM Amerikanischer Traum oder Alptraum? Vom 20. September bis zum 26. November - also über zwei Monate lang! - dreht sich in der Huntestadt vieles um die Vereinigten Staaten von Amerika. Ausgerechnet jetzt? , haben wir schon im März gefragt - und vielen von euch wird es nicht anders gehen. Denn die USA bewegen sich spätestens seit der erneuten Wahl Donald Trumps zum Präsidenten in Richtung einer postdemokratischen Autokratie. Vieles, was dort passiert, erinnert uns nicht mehr an den American Dream , sondern an einen American Nightmare. Stand uns Rede und Antwort: Bernd Hubl, Projektleiter der USA Begegnungen. (Bild: privat) Die Begegnungen-Reihe hatte sich eigentlich einen Namen damit gemacht, die vorgestellten Länder in all ihren Facetten und Eigenarten zu beleuchten, dabei aber grundsätzlich positiv zu bleiben und die Vorzüge zu betonen. Politisch wurde es in der Regel nur am Rande. Bleibt es dabei? Oder geht das nicht mehr? Wir haben diese Fragen demjenigen gestellt, der es besser wissen muss als jeder andere. Bernd Hubl organisiert die Begegnungen seit 2010, es ist bereits seine siebte Veranstaltungsreihe. Mit dem 49-jährigen Sozial- und Kulturwissenschaftler durften wir über Planungen und Entscheidungen sprechen, aber auch über Bedenken und Hoffnungen. Trotz allem stand am Ende des Gesprächs vor allem eines: Vorfreude auf über vierzig Veranstaltungen voller Amerika. Bernd, die USA sind ein unglaublich heterogenes, oft widersprüchliches Land. Man könnte sie jahrelang bereisen und wüsste längst nicht alles. Wie schafft man es, bei der Vorbereitung der Begegnungen einen Überblick zu gewinnen? Wie lange dauert das? Heterogen ja. Aber ich denke, eine Sache eint die Menschen der USA, selbst in diesen Tagen: Der Glaube an die Wiedergeburt im Sinne von „sich neu erfinden“ oder „neu anfangen“. Sowohl auf individueller wie auch gesellschaftlicher Ebene. Das sehen wir bei den Pilgern der Mayflower , dem Mythos des American Dreams genauso wie den Visionen des Silicon Valleys , wo an der Verschmelzung von Mensch und Technik gearbeitet wird. Bei der Vorbereitung schaut man also in die Geschichte der USA, in die Gegenwart und betrachtet existierende Zukunftsvisionen und bekommt den Verdacht, dass es in dem Land stets um diese „rebirth“ geht. Und bei zahlreichen Gesprächen mit Amerikaner:innen und Expert:innen, die das Land seit vielen Jahren bereisen und intensiv kennen, erhärtet sich dieser Verdacht und wird bestätigt. Wenn man erst einmal diesen inhaltlichen roten Faden erarbeitet hat, erleichtert dieser doch die Konzeption und Themenfindung für eine Reihe wie die „Begegnungen“ mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ungemein. Wie lange es dauert, einen Überblick zu gewinnen, lässt sich schwer sagen, da natürlich immer auch Vorwissen über das Land mit einfließt. So sind wir sicher alle seit unserer Kindheit mit amerikanischer Kultur hier in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert, das lässt sich ja gar nicht ausblenden bei der Konzeption einer solchen Reihe. Sinnbild für Amerika: Am Times Square in New York gibt es von allem zu viel - und das auch noch zu laut und zu grell. (Bild: Shutterstock) Die Begegnungen sind ja durchaus lang und umfangreich. Ist die Herausforderung eher, das Programm zu füllen - oder sich darauf beschränken zu müssen? Eindeutig die Beschränkung, die sich natürlich insbesondere aufgrund von begrenztem Personal und Finanzen ergibt. Aber hier kommt ja der Kooperationsgedanke der „Begegnungen“ zum Tragen: Wenn Kultur- und Bildungseinrichtungen mit begrenzten Mitteln zu kämpfen haben, dann tut man sich zusammen und schafft gemeinsam etwas Größeres, zu dem jeder einzelne für sich nicht in der Lage gewesen wäre. Und so sind am Ende 40 Projekte und Programmpunkte zusammengekommen, die wir nun gemeinsam dem Oldenburger und regionalen Publikum anbieten können. Besonders spannend wird es zudem dann, wenn es zwischen den Partner:innen Querverweise gibt. So wird – als Beispiel – die Kulturetage ein experimentelles Theaterstück inszenieren und eine Literatur-Wissenschaftlerin wird später in Form eines Vortrags im Schlauen Haus über das Buch sprechen, das die Grundlage der Inszenierung war, so dass die Zuschauer:innen die Möglichkeit haben, tiefer in die Materie einzusteigen, wenn sie denn möchten. ZEITGEMÄßES FORMAT DIE BEGEGNUNGEN-REIHE Alles begann am 1. September 2010. An diesem Tag startete mit den „China Begegnungen“ die Premiere der gleichnamigen Reihe. Das durchaus gewagte Experiment, ein einzelnes Land über einen langen Zeitraum hinweg kulturell intensiv erlebbar zu machen, glückte auf Anhieb. Es war vor allem der damit einhergehende Facettenreichtum, der das Publikum auf unterschiedliche Weise fesselte - und seither für einige Fortsetzungen sorgte. Jenseits der Klischees: Von Anfang an war klar, dass Traditionen zwar eine Rolle spielen, aber vor allem Umbrüche und Veränderungen im Mittelpunkt stehen. (Bild: Kulturbüro) Bewährt hat sich insbesondere der Ansatz, ein unaufgeregtes Portrait der Partnerländer zu zeichnen. Es geht nicht etwa darum, die bekanntesten Künstler:innen zu zeigen oder sich an existierenden Klischees abzuarbeiten. Die Begegnungen-Reihe liest vielmehr zwischen den Zeilen und versucht, Nuancen der jeweiligen Nation zu betonen, die ansonsten oft übersehen werden, die aber viel über ihr Wesen verraten. Das ist in bisher sechs Auflagen in der Regel geglückt : 2010 : CHINA 2012 : SÜDAFRIKA 2014 : TÜRKEI 2017 : POLEN 2019 : GROßBRITANNIEN 2022 : ISLAND 2025 : VEREINIGTE STAATEN Seit 2010 hätten die „Begegnungen“ den Positionen und Ausdrucksweisen von Kulturschaffenden aus sich rasant verändernden Gesellschaften Aufmerksamkeit geschenkt, heißt es auf der Website des Kulturbüros. Es sei vor allem die Kunst, die auf ihre eigene Weise diese Umbrüche zum Ausdruck bringen könne und Position beziehe. Aber auch Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft hätten mögliche Erklärungsmuster und Sichtweisen angeboten. Die vorläufige Bilanz lautet wie folgt: „Somit haben sich die „Begegnungen“ in der Vergangenheit einer großen Aufmerksamkeit seitens der Oldenburger Bürgerinnen und Bürger erfreut – und konnten die Anzahl der Besucher sowie der partizipierenden Kulturinstitutionen stetig erhöhen. “ Sind die ausgewählten Themen und Gäste möglichst repräsentativ für die USA der Gegenwart? Oder sind es Schlaglichter, die ganz bewusst auch nur Facetten und Nischen abbilden? Aufgrund der schon angesprochenen Limitierung der Mittel kann ein Projekt wie die „USA Begegnungen“ natürlich keinen Anspruch auf völlige Repräsentativität haben. Aber uns war es sehr wichtig, viele Sichtweisen zu Wort kommen zu lassen und ein ausgewogenes Programm zu erstellen. Wir haben Beispiele ländlicher amerikanischer Kultur im Programm, wie z.B. Bluegrass - und Countrykonzerte ebenso wie die Fotografien von Nick Zinner, den man überwiegend als Gitarrist der New Yorker Band „ Yeah Yeah Yeahs “ kennt. Weiterhin gibt es Projekte, die man, will man sie im amerikanischen politischen Spektrum verorten, wohl eher der Weltsicht der Demokratischen Partei zuzuordnen sind. Daneben werden wir einen Protagonisten der Republikanischen Partei zu Gast haben, der die wirtschaftlich herausfordernde Lage der amerikanischen Farmer darstellen wird. Ikonische Orte, irkonische Bilder: Die Vereinigten Staaten sind in der globalen Populärkultur verankert wie kein anderes Land. (Bilder: Pexels) Für viele sind die USA ein Sehnsuchtsort. Wird das Land eher gefeiert? Oder auch kritisch beleuchtet? Nicht nur wegen Trump? Ich sehe das auch so, dass die USA für viele Menschen, global gesehen, weiterhin ein Sehnsuchtsland sind. Es gibt aber natürlich auch andere Stimmen. Es ist jedoch nicht die Aufgabe einer Stadtverwaltung oder auch einer Kultureinrichtung, den Leuten zu erzählen, wie sie die USA einzuordnen haben. Das können die Menschen schon selber. Deswegen feiern wir weder das Land ab, noch kritisieren wir es. Wir zeigen die unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Thema auf. Beispielsweise stellen wir das Verhältniswahlsystem, das wir hierzulande haben, dem Mehrheitswahlsystem der USA gegenüber und fragen vergleichend, ob „ The Winner takes it all “ auch für Deutschland denkbar wäre? Insbesondere, wo wir mehr und mehr und auch aktuell sehen, dass bei schwindenden Volksparteien die konstruktive Arbeit einer Regierungskoalition immer schwieriger wird. Unsere eingeladenen Referenten werden also ihre Argumente pro und contra austauschen und am Ende kann sich die/der Zuschauer:in seinen eigenen Standpunkt bilden. Land der Vielfalt: In den USA gibt es nichts, was es nicht gibt - in positivem Sinne genauso wie im negativen. (Bild: Shutterstock) Gab es irgendwann mal den Moment, in dem man dachte, dass man mit der Entscheidung falsch lag? Oder gab es vielmehr ein Gerade jetzt-Gefühl? Definitiv letzteres. Wir erleben ja derzeit eine sich grundlegend ändernde Situation der transatlantischen Beziehung. Und in den USA den möglichen Beginn eines neuen Selbstverständnisses in einer Welt, in der sich die Machtverhältnisse radikal verschieben. Und das ganz unabhängig von der aktuellen Farbe der Regierung. In Zeiten wie diesen ist der Bedarf nach Austausch, Orientierung und Diskussion größer und notwendiger denn je. Und so waren wir stets davon überzeugt, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich intensiv mit den USA auseinanderzusetzen. Und ganz unabhängig von den politischen Fragen ist die amerikanische Kultur so spannend, oft avantgardistisch und facettenreich. Sie hat oft die europäische Kultur stark beeinflusst, so dass es stets lohnend ist, sich mit dem Land auseinanderzusetzen. New York: Kaum eine Stadt übt eine größere Faszination aus. (Bild: Pexels) Es gibt viele Kooperationspartner. Ist da ein richtiger Vibe entstanden, weil die halbe Szene an einem gemeinsamen Projekt arbeitet? Wir haben uns gemeinsam als Projektpartner im März getroffen und jeder hat seine Projektidee bzw. den Stand seiner Vorbereitungen präsentiert. Ich hatte den Eindruck, dass alle Anwesenden sehr dankbar über den gemeinsamen Austausch waren. Es war sechs Wochen nach Trumps zweiter Amtseinführung und zu jener Zeit war die Schlagzahl der Schlagzeilen enorm, täglich gab es neue Berichte aus dem Weißen Haus. So half dieses Treffen, nochmals die Zuversicht zu stärken, dass es genau richtig ist, eine Projektreihe über die USA zu veranstalten und die dort präsentierte Bandbreite an Projekten hinterließ bei allen den Eindruck, Teil eines ausgewogenen, differenzierten und hochwertigen Gemeinschaftsprojekts zu sein. Sehr schön war zudem zu erleben, dass sich diverse Querverbindungen ergaben und Ideen entstanden, Projektansätze zu kombiniert oder gemeinsam zu ergänzen. Einige halfen auch mit dem Angebot aus, ihre Veranstaltungslocation bereitzustellen, wenn für ein Projekt noch keine vorhanden war. Es war sehr erfreulich zu sehen, dass es hier kein Konkurrenzdenken zwischen den Oldenburger Veranstaltern gibt. Im Gegenteil: Die Partner sind vom Mehrwert einer Kooperation unter dem Dach eines zentralen Themas überzeugt, viele taten sich zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Was sind deine Geheimtipps? Was darf man einfach nicht verpassen? Auf diese Frage kann es natürlich nur eine Antwort geben: Alle 40 Projekte lohnen sich selbstverständlich sehr! Sie sind so unterschiedlich und es ist wirklich für jeden Geschmack und jedes Interesse etwas dabei. Shooting Hoops: Am Abend ein paar Bälle zu werfen, gehört für viele zum festen Tagesablauf. (Bild: Pexels) Wollte man einige Projekte besonders hervorheben, dann vielleicht aufgrund ihrer Eigenwilligkeit: Da ist beispielsweise der „ Florida Man “. Wer erleben möchte, was es mit diesem amerikanischen Internetphänomen auf sich hat, sollte sich diesen improvisierten US-Wahnsinn des Impro-Theaters 12-Meter-Hase im Amadeus am 26. November anschauen. Eine sehr lohnenswerte Fotografie-Ausstellung bietet der BBK Oldenburg an, die am 5. Oktober eröffnet wird. Erstmals überhaupt werden die beiden Arbeiten „Slept in Beds“ sowie „Crowds“ des Indie-Rock-Gitarristen Nick Zinner gegenübergestellt unter dem Titel „Crowds and Beds“. Die Bilder erlauben einen Einblick in die Welt eines Musikers – zwischen der Euphorie des Konzertpublikums und der Stille des Hotelzimmers nach dem Auftritt. Übrigens fotografiert Nick Zinner hier ausschließlich analog. Wer sich für Science Fiction und experimentelle Theaterinszenierungen interessiert, für den ist die „ Expedition in die Area X “ der Kulturetage zu empfehlen! Kein klassisches Theaterstück auf einer Bühne, sondern es geht hier mit einem Bus zu einem Lost Place, wo die Kulturetage auf Grundlage des Romans „Auslöschung“ von Jeff VanderMeer der Frage nachgeht, was in der geheimnisvollen Area X vor sich geht, wo Fauna, Tier und Mensch fantastische und zugleich erschreckende Verbindungen eingehen. Es sei aber betont: Wer an der Expedition teilnehmen möchte, benötigt warme Kleidung, Taschenlampe, festes Schuhwerk und etwas Kondition. Und er muss bereit sein, während der Expedition auf sein Handy zu verzichten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Amerika ist ein Land der Kontraste zwischen hochmodernen Städten und Landstrichen, in denen die Zeit stehen geblieben ist. (Bild: Pexels) Ein letzter Tipp wäre Amy Kurzweils Präsentation ihrer Graphic Novel „ Artificial – Mit KI zur Unsterblichkeit? “ im Schlauen Haus am 9. Oktober. Der Name Kurzweil sagt dem einen oder anderen vielleicht etwas. Amy ist die Tochter von Ray Kurzweil: Futurist, Begründer des Konzeptes der Singularität und technisches Mastermind bei Google. Er ist es gewohnt, für jedes irdische Problem eine technische Lösung zu finden und wollte sich nie mit dem frühen Tod seines Vaters, also Amys Großvaters, abfinden. Und so arbeitet man im Silicon Valley daran, mit Hilfe von Nanobots und KI den Menschen über kurz oder lang unsterblich zu machen. Auf dem Weg dahin, und davon handelt Amys autobiografische Graphic Novel, können wir uns mit KI-getriebenen Chatbots eines verstorbenen Angehörigen vertrösten, mit denen wir nun kommunizieren können. Klingt auch nach purer Science Fiction, aber der Chatbot hat bereits Marktreife erlangt und die Unsummen an Gelder, die in den USA von privater wie staatlicher Seite in die Forschung und Entwicklung des Transhumanismus gesteckt werden, sollten uns wachsam sein lassen . Was hättest du gerne noch gemacht, hat aber nicht geklappt? In den USA gibt es traditionell einen Hundewettbewerb zu Thanksgiving , der im TV übertragen wird: die National Dog Show. Die Nation sitzt dann vor dem Fernseher und fiebert mit, welcher Hund mit dem begehrten Titel „Best in Show“ unter den Siegern der verschiedenen reinrassigen Hundegruppen gekürt wird. Die Hunde sind herausgeputzt und machen einen fröhlichen Eindruck, wahrscheinlich weil sie froh sind, keine Truthähne zu sein. Eine solche Thanksgiving-Hundeshow hier in Oldenburg wäre der krönende Abschluss der Reihe geworden, ließ sich aber leider nicht mehr umsetzen. Aber hey, vielleicht kann der Kulturschnack hier unterstützen und einen online-Hundewettbewerb auf Instagram ausrufen . ( lacht ) Give Love a Chance: Momentan scheint das Miteinander in den USA etwas zu kurz zu kommen, bei vielen Themen stehen sich die Gruppen unversöhnlich gegenüber. (Bild: Shutterstock) Wir werden es versuchen! Vorher aber noch was anderes: Was erwartest du als Gesamtergebnis? Eine Bestätigung oder eine Veränderung unseres Bildes von Amerika? Jeder hat ja ein unterschiedliches Bild der USA. Ob dieses Bild durch unsere Projekte bestätigt oder widerlegt wird, hängt von jedem selber ab. Leider möchte man oftmals heute nur noch seine Meinung bestätigt bekommen und selektiert entsprechend seine Informations- und Unterhaltungsquellen. Ich hoffe, dass die „USA Begegnungen“ aufzeigen können, dass sich Weltoffenheit lohnt und man sich auch mit anderen Meinungen und Sichtweisen auseinandersetzt. Denn, und das habe ich bei der Vorbereitung der „Begegnungen“ gelernt, es gibt kein Bild über die USA, das sich nicht lohnt, gesehen zu werden. Mehr Begegnung wagen Es gibt nicht spannenderes und sinnvolleres als anderen Menschen zu begegnen - erst Recht, wenn sie aus anderen Ländern oder Kontinenten stammen. Insofern ist die Veranstaltungsreihe des Kulturbüros ein geniales Format. Das gilt im Falle der USA - und gerade jetzt! - vielleicht mehr denn je. Denn auch wenn man immer häufiger nicht nur mit den Augen rollt, wenn man über den Atlantik schaut, sondern es regelrecht mit der Angst zu tun bekommt, ist das kein Grund wegzuschauen. Im Gegenteil: Wenn es auf der allerhöchsten Ebene große Versäumnisse gibt, dann kann man sie zumindest auf der Graswurzelebene zwischen den „ganz normalen Menschen" ein wenig ausgleichen. Amerika im Film: Yun Xies Film „Under the burning sun“ wurde in den kalifornischen Wüsten rund um Los Angeles gedreht. (Bild: Yun Xie) Welche Kraft Begegnungen mit US-Amerikaner:innen haben können, durften wie gerne erst beim Filmfest erfahren , das seit jeher den Fokus auf US-Independent-Filme legt. Brandon Daley aus Chicago und Yun Xie aus Los Angeles waren jedenfalls kluge und reflektierte Gesprächspartner:innen, mit denen sich jede Interview-Minute lohnte. Also: nutzt die Gelegneheit. Lasst die aktuellen Berichte aus den Medien einen Moment lang in den Hintergrund rücken und begegnet den Vereinigten Staaten von Amerika unvoreingenommen und neugierig. Dabei werden sich manche Eindrücke bestätigen oder sogar verstärken, andere werden sich verflüchtigen und manche unverändert bleiben. Egal, wie es kommt: Dass wir diese Gelegenheit zur Begegnung haben, ist viel wert. Und wer weiß? Vielleicht kommt ja zum Ende noch die große Kulturschnack-Thanksgiving-Hundeshow. Das wäre dann der definitive Moment, um zu sagen: That's America!
- ZU BESUCH IM SPACE LABOR
Felix Weckner und Jonas Struzina sind unheilbar vom Virus befallen. Vom Virus der Kunst, der sie seitdem nicht mehr loslässt. Innerhalb ihrer gemeinsamen vier Wände haben sie sich sprichwörtlich einen Space geschaffen, in dem sie unter ihren persönlichen Laborbedingungen, die Kunst entstehen lassen, die nicht nur schon bald in einer neuen Ausstellung mit weiteren Kunstschaffenden zu sehen sein wird, sondern letztlich auch einen Beitrag dazu leistet, die Kunstszene Oldenburgs mitzugestalten. Wer die beiden sind, was sie motiviert und was uns von den beiden in nächster Zeit erwartet, das lest ihr hier bei uns im Interview. Felix und Jonas blicken aus ihrem persönlichen Safe Space hinunter auf die Stadt. Foto: Kulturschnack AUSSTELLUNG WHAT A GOOD LIFE 12. - 21. SEPTEMBER 2025 HEILIGENGEISTSTRAßE 6 26121 OLDENBURG Zu Beginn würde ich gerne einmal an den Ursprung des Ganzen. Wie habt ihr beide jeweils überhaupt zur Kunst gefunden? Felix: Ich erinnere mich, dass ich bereits in der Grundschule gesagt habe, dass ich gerne Künstler werden würde. Doch da haben alle eher negativ drauf reagiert und gesagt, dass das nicht das richtige und nicht zu schaffen sei. Dadurch rutschte das dann lange in den Hintergrund. Ich habe also immer schon kreativ gearbeitet, kreativ gedacht, aber die Malerei, meine heutige Hauptdisziplin, begegnete mir erst Ende 2019 wieder. Felix sieht sich in stetiger Auseinandersetzung mit sich selbst. Foto: Jonas Struzina Davor hatte ich viel Musik gemacht und lebte zu dem Zeitpunkt bei meiner Ex-Freundin in einem riesigen Haus, in dem jedoch nur die oberste Etage vermietet war. Im Keller konnten wir uns dann ein Tonstudio einrichten und haben uns mit anderen während der Corona-Zeit viel dort eingeschlossen, Mucke gemacht und Beats gebaut. Ende 2020, Anfang 2021 hatte ich dann jedoch eine Art Erweckungserlebnis, das für mich alles änderte und mich wieder zum Malen brachte. Ich hatte ganz unterschiedliche Dinge versucht, wollte Architektur studieren, machte Praktika bei Medienproduktionen, verreiste nach Brasilien, kam hier nach Oldenburg und studierte Philosophie und Chemie, doch nichts fühlte sich richtig an. Mir wurde klar, dass ich eigentlich schon mein ganzes Leben diese eine Sache machen wollte und sagte mir: „Mach’s einfach!“ Ich habe dann auch quasi von heute auf morgen mein ganzes Geld in Kunstmaterialien gesteckt und hatte dann in dem damaligen Haus meiner Ex-Freundin auch mein erstes eigenes Atelier, in dem ich arbeiten konnte. Jonas: Bei mir war das eher weniger die ganz große Eingebung. Ich würde behaupten, jedes Kind hat gerne gemalt und gekritzelt und da würde ich mich auch dazuzählen, aber das Fach Kunst im Schulunterricht war für mich immer eine Vollkatastrophe, weshalb ich es auch seit der 8. Klasse dann gar nicht mehr hatte. Ich kam vom Land, wo es auch entsprechend wenig Angebote gab, für mein Sozialwissenschaftsstudium nach Oldenburg und die Stadt weckte in mir irgendwie eine intrinsische Motivation mich künstlerisch auszuprobieren. Ich war jedoch total überfordert damit, die passenden Materialien auszuwählen und wusste überhaupt nicht wo ich anfangen sollte. Ich bekam zwar BAföG, doch musste natürlich mit meinem Geld haushalten und Kunstmaterialien sind sehr kostspielig. Aber dann fiel mir ein Flyer der Volkshochschule in die Hand, fand einen Kurs für Acrylmalerei und meldete mich einfach an. Jonas, vom Virus der Kunst unheilbar befallen. Foto: Kulturschnack Dort kam ich dann mit meinen zwei, drei Leinwänden an und hab mit meiner Anwesenheit dann erstmal den Altersdurchschnitt komplett runtergezogen, aber alle fanden es irgendwie toll, dass auch junge Menschen wie ich Interesse zeigten. Von dem Moment an habe ich dann nach und nach immer wieder neue „Aha-Momente“ gesammelt. Dort konnte mich zum ersten Mal wirklich ausprobieren und habe dadurch begriffen, dass ich machen kann, was ich möchte und hatte Ideen über Ideen. Danach habe ich mir eigene Materialien besorgt, weil ich nun auch den nötigen Überblick hatte, was ich wirklich brauche, eignete mir das Wohnzimmer meiner damaligen WG so ein bisschen als Atelier an und setzte meine ersten eigenen Projekte um. Das ist alles noch gar nicht so lange her, aber seit dem ist es, als sei man von einem Virus befallen, der einen besetzt, wenn man dafür empfänglich ist und die Motivation selten enden lässt. Felix (mit großer Zustimmung) : Auf jeden Fall! Wie habt ihr beide denn dann aber letztlich zueinander gefunden? Jonas: Das knüpft gut an meine Anfänge an. Ich habe im Zuge meines Sozialwissenschaftsstudiums ein Praktikum gebraucht und überlegte, wo ich ein solches absolvieren könnte. Das Ganze fiel in die Zeit der ersten großen The Hidden Art Project Ausstellung im ehemaligen HEMA Gebäude, die ich mir anschaute, weil ich über meine eigene Auseinandersetzung mit der Kunst wieder mit viel offeneren Augen durch die Welt lief, Menschen kennenlernen und Inspirationen sammeln wollte. Und so schrieb ich, als ich mit der Frage eines Praktikums konfrontiert war, einfach auf gut Glück eine Mail, saß kurz darauf bei Hauke Beck und Sven Müller, den beiden Köpfen hinter The Hidden Art Project, und mein Praktikum dort war beschlossene Sache. Ich habe dann viele coole, offene Leute kennenlernen dürfen und mich bei vielen Projekten mitinvolviert. So kam es dann auch, zu dem Zeitpunkt hatten wir gerade eine Galerie im Lambertihof, dass Hauke bei einem gemeinsamen Meeting von Felix erzählte und ein paar seiner Arbeiten auf Instagram zeigte. Wir haben ihn dann zu uns eingeladen, waren auch bei ihm zu Hause, haben uns noch weitere Sachen angeschaut und dann letztlich beschlossen eine Ausstellung für ihn zu organisieren. Da haben wir dann auch privat immer mehr Zeit miteinander verbracht. THE HIDDEN ART PROJECT Ihr fragt euch, worum es sich dabei dreht? Die beiden Künstler Hauke Beck und Sven Müller, die The Hidden Art Project gemeinsam verantworten, sind keine Unbekannten auf dem Kulturschnack und waren auch im Zuge ihrer Ausstellung RE:CLAIM schon früh als Gäste in unserem Podcast vertreten. Wer die beiden also ein wenig besser kennenlernen möchte, findet hier die vollständige Episode: Felix, hattest du davor denn schon Menschen in deinem Umfeld, mit denen du dich künstlerisch austauschen konntest? Felix: Nein und als sich The Hidden Art Project damals bei mir meldete, dachte ich wirklich: „Ich hab’s geschafft! Ab jetzt Rock’n’Roll, wir ziehen das jetzt durch, es läuft jetzt!“ (lacht) Nach meiner ersten Ausstellung hatte ich dann nichts verkauft, das war schon ein bisschen ernüchternd irgendwie. Aber trotzdem hatte ich jetzt plötzlich Menschen in meinem Leben, die sich mit genau den gleichen Themen auseinandersetzten, wie ich. Zum ersten Mal wurde ich nicht für das, was ich mache, belächelt, sondern wurde ernst genommen. Das hat mir wirklich viel gegeben und dann haben wir immer mehr miteinander rumgehangen bis wir schlussendlich zusammen in eine WG gezogen sind, in der wir mit der Zeit irgendwann eines der Zimmer zu unser beider Atelier umwandeln konnten – das Space Labor. Jonas: Ich würde eher Lebens- statt Wohngemeinschaft dazu sagen. Es ist wirklich Gold wert, dass man sich einfach über alles austauschen kann, die Probleme des anderen versteht und die Meinung des anderen einholen kann, auch wenn einem die Kommentare dann vielleicht manchmal weniger gefallen. Da haben sich über die Zeit „Großer-Bruder-Gefühle“ bei mir entwickelt. Der große Bruder und der Chaos-Kopf. (Beide lachen laut) Wenn ich mir eure jeweiligen Arbeiten anschaue, würde ich schon sagen, dass ich bei jedem von euch einen eigenen Stil zu erkennen glaube. Wie denkt ihr darüber, würdet ihr das unterschreiben? Felix: Ich würde eher sagen, dass man sich persönlich die ganze Zeit auf der Suche befindet und über dieses ewige Suchen manifestiert sich irgendwo etwas in der Kunst. Man schafft und schafft und arbeitet dabei ja zwangsläufig mit gewissen Parametern, aber in erster Linie verarbeite ich, was mich beschäftigt und reflektiere das irgendwie auf ein anderes Medium. Mir persönlich liegt das schnelle Arbeiten deutlich besser. Man checkt oft aber auch selbst nicht, was man da eigentlich tut, bis man Jahre später irgendwann aus der Retro-Perspektive begreift, warum man diese Bilder zu dieser Zeit, auf diese Art und Weise gemalt hat. Am Ende des Tages geht es, glaube ich, immer darum dieses eine perfekte Bild malen zu wollen. Aber dieses eine Bild wird es niemals geben, weil würde man es malen, würde man damit aufhören. Jonas: Ich würde mich dem anschließen. Oft ist es wirklich ein Schritt vor, ein Schritt wieder zurück. Bei mir ist das auch eher eine Momentaufnahme. Als ich angefangen habe zu malen, habe ich total viel mit Texturen gearbeitet, danach war es eine Weile ein bisschen psychedelischer und nun bin ich aber wieder komplett in der Abstraktion gelandet. Ich würde schon sagen, dass bei uns beiden eine gewisse Handschrift vorhanden ist, so würde ich das jetzt mal betiteln, denn auch innerhalb von sich ändernden Stilen kann eine eigene Handschrift bestehen bleiben. Ich finde jedoch gerade die Kategorielosigkeit total spannend, weil unser Gehirn eigentlich über Kategorien funktioniert und die Abstraktion dann verschiedenste Reaktionen bei den Menschen hervorruft. Ein "Space", der ein Arbeiten unter genau den richtigen Bedingungen ermöglicht. Foto: Kulturschnack Ihr habt bereits das „Space Labor“ erwähnt, euer Atelier, in dem wir gerade sitzen und das sich innerhalb eurer Wohnung befindet. Der Begriff Labor suggeriert ja auch etwas Forschendes – ist da was dran? Habt ihr euch bewusst für diesen Namen entschieden? Felix: Also zum einen wurde hier schon die eine oder andere „verspacete“ Nacht drin verbracht, würde ich sagen (lacht), aber es sind vor allem die Laborbedingungen, die ich in den Vordergrund stellen würde. Es ist halt wie eine Werkstatt, nur noch sehr viel spezifischer. Hier können wir uns alles ganz genau so herrichten, wie wir es brauchen. Man ist irgendwie abgekapselt von der Außenwelt und man fühlt sich, als könne einen auch niemand finden und sei abgeschirmt. Hier finden wir die Bedingungen, die wir brauchen um zu arbeiten, kreativ zu sein, aber auch mal ein bisschen durchzudrehen, wenn es nötig ist. Jonas: Wir dachten uns einfach, es wäre cool, mit dem Space Labor einen offenen Ort zu schaffen, an dem auch unsere Freunde ganz ungezwungen vorbeikommen können, wenn sie in der Nähe sind oder einfach bei uns sein möchten. Es ist also nicht nur der Space nach oben, über die Erde hinaus, den wir damit meinen, sondern natürlich auch der Safe Space, den wir für uns mit diesem Raum hier selbst geschaffen haben. Habt ihr also eher ein Atelier in eurer Wohnung oder wohnt ihr in eurem Atelier? Was würdet ihr antworten? Jonas: Ich würde zum Zweiten tendieren. Denn überall findet man Sachen von uns gelagert, die du heute nicht siehst und wir womöglich für dieses Interview ein wenig versteckt haben. (Beide lachen) Aber auch in meinem Zimmer, wir haben noch einen weiteren Raum, da stehen ebenfalls Bilder, überall in der Wohnung findet man auf jeden Fall Sachen von uns. Felix: Der Flur zur Küche wurde immer schmaler und schmaler! (Alle lachen) Bleiben die Arbeiten denn vorerst gut versteckt in eurem Space Labor, oder haben diejenigen, die dieses Interview jetzt lesen, in nächster Zeit denn die Gelegenheit aktuelle Arbeiten von euch zu sehen? Eine neue Ausstellung entsteht. Foto: Jonas Struzina Felix: Ja, tatsächlich werden zum einen wir, also Jonas, Hauke Beck und ich unsere Werke in einer eigenen Ausstellung mit dem Titel „What a good life“ in der Heiligengeiststraße 6, direkt neben dem Core, vom 12. bis zum 21. September zeigen. Zum anderen wird den vierten künstlerischen Beitrag zur Ausstellung neytive beisteuern, der für die passende, musikalische Untermalung sorgt. Das Core hat uns erlaubt, diese Fläche in dieser Zeit zwischennutzen zu können. Der Titel „What a good life“ kann dabei gerne ironisch gelesen werden. Denn wir sitzen hier einfach auf unserer Insel des Westens, irgendwo in der Mitte und checken oftmals überhaupt gar nicht, was abgeht auf der Welt. Wir führen hier ein gutes Leben, während irgendwo anders Menschen dafür sterben, dass wir dieses Leben hier führen können. Jonas: Das Ganze ist auch komplett eigens organisiert, ohne Fördergelder, wir machen alles selber. Zwei WGs plus viele weitere Helferlein. Das sind jetzt noch etwas mehr als vier Wochen, aber unter Druck entstehen Diamanten! (Beide lachen) Zum Schluss würde mich noch interessieren: was wären denn künstlerisch eure Ziele, die ihr im Blick habt? Habt ihr soetwas für euch persönlich? Felix: Also, was ich irgendwie versuche zu manifestieren, was meinen Motor am Laufen hält, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gegen Null geht, dass es jemals passieren wird, ist eine Einzelausstellung im MoMA, dem Museum of Modern Arts. Das ist die große Vision, die mir vorschwebt. Ist mir auch egal, ob ich dann bereits 80 Jahre alt bin, mit einem Sauerstoffgerät und meinem Rollator dort reinmarschiere. Aber ich glaube, wenn man da nicht dran glaubt, dann wird es auch nicht passieren, also ist das meine Antwort. Auf der Suche nach dem eigenen Stil, bleibt doch die Handschrift zu erkennen. Foto Instagram: jonas.struzina Jonas: Für mich ist es vor allem der Wunsch, mit der Kunst genug Geld zu verdienen, um nicht viel anderes machen zu müssen. Unabhängiger mit und durch die Kunst zu sein. Denn manchmal fressen mein Studium und Nebenjob schon ein bisschen meine geistigen Kapazitäten, auch wenn das eigentlich zwei verschiedene Disziplinen sind. Ich würde also gerne auf jeden Fall noch selbstständiger mit meiner Kunst werden wollen. Dass ich im Sommer nach Berlin fahren kann, dort arbeite und abseits dessen woanders meine Zeit verbringe. Verschiedene Standorte oder Gemeinschaften mit anderen Leuten zu haben, mit denen man arbeiten kann. Und darüber dann natürlich mehr auszustellen, auch deutschlandweit. Mein nächster kleiner Meilenstein für dieses Jahr ist es aber, die Bildhauerei zu lernen. Felix: Genau, mein künstlerisches Nonplusultra wäre zwar das MoMA, aber mein Ziel im Leben wäre es, was ich dann gerne durch die Kunst verwirklichen würde, gemeinsam mit meinen Freunden, meiner Crew irgendwo Land kaufen und etwas aufbauen zu können. Einen Ort, an dem man sich selbst versorgt, nachhaltig lebt, es gäbe ein großes Gemeinschaftshaus mit Atelierfläche, Tonstudios, großer Küche, Gemeinschaftsräumen und jeder hat dann sein Tiny House dort stehen und macht seinen Kram. Das klingt fantastisch! Vielen Dank für eure Zeit & das Gespräch! Wer die Arbeiten der beiden nun noch mehr kennenlernen möchte oder sich für den Kauf eines Werkes interessiert, dem seien die Instagram-Profile der beiden und auch der Account des Space Labors ans Herz gelegt: Felix Weckner: @felix.weckner Jonas Struzina: @jonas.struzina Space Labor: @space_labor
- GEILE KISTEN!
Was ist Kultur? So vieles! Es sind die großen, pompösen Theaterabende, es sind die wilden, lauten Konzerte, es sind die beeindruckenden, bewegenden Ausstellungen, es sind die irritierenden, aufregenden Performances, es sind die leisen, persönlichen Lesungen. Und: Es sind Seifenkistenrennen! Wie, bitte? Aber ja doch! Genau das wird Kulturelli Racing am 23. August zeigen. Und ihr? Macht am besten mit! Vollgas voraus! Der Kreativität sind beim Seifenkistenrennen keine Grenzen gesetzt. LEGO hat's vorgemacht - macht ihr es nach? (Bild: Kulturschnack/Canva) Wir geben es ja zu: Es liegt nicht unbedingt nahe, ein Seifenkistenrennen als Kulturgut anzuerkennen. Aber erstens gehören die selbstkonstruierten Gefährte durchaus zum erweiterten Kulturbegriff, denn sie sind etwas, das seit Generationen zum bundesdeutschen Familienleben gehört. Und zweitens ist Kulturelli Racing zwar ein Seifenkistenrennen, aber gleichzeitig viel mehr als das. Was genau? Und welche Rolle ihr selbst dabei spielt? Lest ihr hier! KULTURELLI RACING DAS KULTURELLE SEIFENKISTENRENNEN 9. MAI 2026 INSGESAMT 28 STARTPLÄTZE, 14 SIND BEREITS VERGEBEN. ANMELDUNGEN WEITERHIN MÖGLICH! Das Comeback des Jahres Moment Mal, Kulturelli? Da klingelt doch etwas? Richtig: Es gab im Jahr 2021 ein höchst erfolgreiches Projekt unter diesem Namen. Dahinter steckte das Studio GMA , genauer gesagt Gesine Geppert und Menso von Ehrenstein . Die beiden hatten eine Corona-kompatible Schnitzeljagd zwischen Oldenburger Kulturorten konzipiert, die alle in ihrem persönlichen Lieblingstempo absolvieren konnten. Das Format stieß auf so viel Resonanz, dass es im Jahr darauf Teil des touristischen Angebots der OTM wurde. Die erste Edition: Bei der Kulturelli-Premiere war noch das Fahrrad das Verkehrsmittel der Wahl. (Bild: Kulturelli) Nun ist Kulturelli zurück, das Tempo spielt aber eine viel größere Rolle als damals! Der Namenszusatz „Racing“ deutet es an: Dieses Mal geht es um ein waschechtes Rennen - und zwar mit selbstgebauten Seifenkisten! Als Bauzeit stehen die kommenden Wintermonate zur Verfügung - es gibt also keine Ausreden, dass die Zeit nicht reicht. Bis dahin könnt ihr also tüfteln, schrauben, feilen - und dann im August im ultimativen Race gegen Gleichgesinnte antreten. Näher dran an der Formel 1 war Oldenburg noch nie! Es gibt noch einen weiteren Unterschied zur ersten Kulturelli-Variante: Die Kisten fahren nicht zwischen Kulturorten hin und her. Was also hat dieses Projekt dann mit Kultur zu tun? Ganz einfach: Die Boliden werden selbst zu Kunstwerken. Es geht bei Kulturelli nämlich nicht nur darum, wer am schnellsten im Ziel ist, sondern auch darum, wer am besten aussieht. Die kreativste Karosse wird in einem Voting ermittelt und prämiert! Ihr solltet euch also nicht nur um Aerodynamik kümmern, sondern auch um die Ästhetik. Was die angeht, gilt das Motto: Lasst es krachen! LIEBESERKLÄRUNG AN DIE SEIFENKISTE GEMEINSCHAFTSWERK DER NACHBARSCHAFT Eltern kennen das: Viele Kinderbücher sind beliebig, einige entfalten aber eine ganz besondere Magie. Zu jenen gehört zweifellos „Die schönste Seifenkiste der Welt“ von Doro Göbel und Peter Knauer - die übrigens auch für eine der charmantesten Bilderbuchreihen verantwortlich sind. Der perfekte Einstieg: Doro Göbel und Peter Knorr ist ein wunderbares Kinderbuch gelungen. Warum wir hier über ein Kinderbuch schreiben? Ganz einfach: Weil die erwähnte Magie keine Altersgrenze kennt. Die Geschichte der beiden Kids, die mithilfe ihrer handwerklich begabten Nachbarschaft ihre eigene Seifenkiste bauen, ist so liebevoll erzählt, dass man sich ihrem Reiz nicht entziehen kann. Gleichzeitig ist sie eine Liebeserklärung an Zusammenhalt und Gemeinschaft, an traditionelle Berufe und eine langesamere Taktung des Alltags. Letztlich kann diese Geschichte aber auch ein Vorbild bzw. eine Anleitung für kalle Kulturelli Racing-Teilnehmer:innen sein. Denn man muss nicht alles selber können um eine gute Seifenkiste zu bauen. Man muss nur die richtigen Leuten kennen (lernen). Natürlich sollte man sich bewusst sein, dass dieses Buch nicht ganz vorne dabei ist, wenn es um woke Gesellschaftsentwürfe geht. Dafür ist es auf gewisse Weise gleichzeitig tröstlich und inspirierend, das Entstehen einer Seifenkiste durch viele helfende Hände zu beobachten. Ganz ehrlich: So eine Nachbarschaft wie in diesem Buch wünscht man sich - und so eine Seifenkiste auch. Und das ist natürlich noch nicht alles: Neben dem Rennen selbst wird es ein buntes kulturelles Rahmenprogramm geben. Das ist alles, was man für ein wunderbares Spektakel braucht - und noch etwas mehr. Der städtische Kulturausschuss fand diese verrückte Idee übrigens so klasse (und so kulturell), dass sie vom Mach|Werk -Fonds für innovative Kulturprojekte gefördert wurde. Oldenburg statt Silverstone Eine Rennen kann aber nur erfolgreich sein, wenn es auch Teilnehmer:innen hat! Darum meldet euch an und seid dabei, wenn am 9. Mai 2026 die Startflagge gewedelt wird und in Oldenburg echtes Grand Prix-Feeling herrscht! Niedlich: Das Logo zeigt ganz deutlich, dass Aerodynamik bestenfalls eine Nebenrolle spielt. (Bild: Studio GMA) Bis dahin baut ihr die perfekte Seifenkiste - oder zumindest etwas, das sich dem annähert und euren handwerklichen Fähigkeiten entspricht. Wir sind sicher: Ihr schafft das! Deshalb freuen wir und schon auf viele bunte, kuriose, witzige und völlig durchgedrehte „geile Kisten“ - die selbstverständlich allesamt als Kulturgüter anerkannt werden! Silverstone? Le Mans? Indianapolis? Die können alle einpacken, jetzt kommt Oldenburg! Kulturelli könnte nämlich tatsächlich ein Ereignis werden. Es hat genau die nötige Prise Größenwahnsinn, die es einfach braucht, um etwas Außergewöhnliches entstehen zu lassen. Die bunte und wilde Mischung aus Rennen und Rahmenprogrmm lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Da muss man hin! Unsere Prognose lautet jedenfalls, dass dieses Rennen tagelang Stadtgespräch sein wird. Und wer weiß? Vielleicht wird auch dieses Kulturelli-Event zum neuen Tourist:innenmagneten und findet mehr als einmal statt. Zu wünschen wär's, denn: Viel gewinnt!
- SCREEN TIME #2: YUN XIE
Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg hat begonnen - und der Kulturschnack ist mitten drin! Für unser Format SCREEN TIME treffen wir jeden Tag eine Person aus dem Festivalbetrieb: Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder jemand ganz anderen. Mit ihnen sprechen wir über die Filme, das Kino, die Unabhängigkeit und was uns sonst noch einfällt. Das Ergebnis? Findet ihr als Video auf unserem Insta-Kanal - und als Interview hier! Visuell atemberaubend, inhaltlich auch: Yun Xies erster Feature Film ist ein großer Wurf. (Bilder: Yun Xie, Canva, Kulturschnack) Ganz entspannt kommt sie in den Raum geschlendert: Yun Xie , Regisseurin und Drehbuchautorin aus Los Angeles, Kalifornien. Bevor unser Interview beginnt, hat die gebürtige Chinesin gerade noch Zeit für einen Latte, der - anders als früher - leider nicht mehr von Käthe Kaffee serviert wird, sondern aus dem Automaten kommt. Für einen Koffeinkick reicht's, doch sie lädt uns gleich ein, die Cafés ihrer Heimatstadt zu entdecken: Wann immer wir in L.A. sind, sollen wir uns melden, für einen gemeinsamen Kaffee hat sie immer Zeit. Darauf kommen wir sicher zurück! Vorher geht es aber erst einmal um Oldenburg und Yuns neuen Film „ Under the burning sun “. Auf dem Slamdance Festival wurde er im Frühjahr mit dem Audience Award ausgezeichnet und in der Tat ist die bildgewaltige Parabel ein echter Hingucker: 75 Minuten mit starken Bildkompositionen, intensiven und bedeutsamen Momenten und stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen. In SCREEN TIME #2 verrät uns Yun, wieso ihr Film unbedingt in einer Wüste spielen musste, warum die Dreharbeiten an ein Summer Camp erinnerten und warum sie Torsten Neumann Schauspielunterricht geben will. UNDER THE BURNING SUN BY YUN XIE DO 19.00 UHR CINE K MUVI TICKETS SA 14.30 UHR CINE K STUDIO TICKETS Yun, your first feature film takes place in a dystopian desert, where a pregnant woman tries to reach a town, where she can get an abortion, which is forbidden where she lives, event though she was raped. There's a lot of anxiety and desperation, but there's also some hope in a otherwise hopeless situation, How did you come up with this story ? It came from a very profound and intimate moment between me and my mom. She was at her very last stage of Alzheimer. I was cleaning her up that day. Actually, I do that every day, but that day the long scar on her lower belly kind of spoke to me. It reminded me of the moment twelve years ago when she had the surgery of hysterectomy, the removal of the uterus. And back then, before the surgery, she asked me a question: Am I still a woman if I don't have my uterus? She wanted to have a conversation with me about what it means to be a woman, but I didn't realize it back then. But when I saw that scar, I realized it was too late, beause she wasn't able to talk anymore. I feel like this whole movie is a conversation I owe my mom. Mowanza, the main character of your movie, is pregnant after being raped and desperately looking for an abortion. How does that fit into what you just told me? There is so much pain being a woman. You would be surprised, how many women have experienced a sexual assault. I was talking to my friends and also to the crew surrounding me. Every single woman experienced something similar, either an assault or a harassment or whatever. It happens so often! I guess as long as our body is designed like this it's hard to avoid. But people don't want to mention it. women don't want to talk about it, men don't want to listen to it. So it's almost like a topic we barely touch. But the pain is always there. And because of the pain there's so much anger and you see all that in the movie. I didn't realize I have such an amount of anger in me. Also my friends or other audience were like „You're such a nice and sweet person. I didn't expect there was so much anger in you.“ And I thought: „Yeah, I didn't either“. You chose a desert as the setting for the movie. Can you tell us why you did that? The night I thought about the scar of my mum, I suddenly had a picture in my mind: A woman carrying her uterus in a bucket in a desert. I don't know why, it was just there. I started with that image and built the movie up around it. The more I think about it, the more I'm convinced it's symbolic. It's a metaphor. Even though it's beautiful, the desert is bleak, it's barren, there's a lack of water, there's no life over there. It's a kind of a reflection of her situation. Starke Kameraeinstellungen: „Under the burning sun“ hat eine eigenständige, überzeugende visuelle Ästhetik. (Still: Narval Films) The landscape is really beautiful but as you just said it's also a hostile environment, which makes it even harder for Mowanza. Does the desert maybe have a similar relevance as the other characters? Yeah, definitely. I think the environment is almost another character. The men in the movie could be kind of an opponent for Mowanza, but they aren't really. It's more like a societal problem. a structural problem that put her into that situation, that made her suffer. You don't really know who's your enemy. So that's why I'm using the environment as an opponent of her. If there's an antagonist, that's the antagonist. So yeah, you're right, the environment is such a huge character in the movie. The story also deals with the differences between two places. Since you were born and raised in China, but now live in the United States: Is that journey from one place to another maybe a journey you did yourself? Or would it be too far stretched to see the similarity? Oh, thank your for the question, it's a great question! Actually that is one of the reasons I made this film. I was trying to make it timeless, as if it could happen anywhere. But it's also tied to my background. I am the only child of my mom, because we had this One-child-policy in China when I was younger. Now it changed, but that was how I grew up. So someone made the decision that a you can have only one baby. When we moved to America, we thought it's a country of freedom, liberal, and everything. But like two years ago, the Supreme Court was overturning the right to an abortion. In some states abortion is now forbidden, it's illegal. That means if you are 13 or 14 and you're pregnant, you are not allowed to do abortion. Some girls are too young or too sick to carry the baby. They still have to suffer it. Some even die from it. This two things looks very different and the two countries are so different. But to me they're exactly the same thing and they are kind of echoing each other. A higher power, like the government or religion or whatever, can make a decision over a woman's body, The patriarchy can make a decision over a woman's body while we don't have any voice ourself. So yes, it's very different, but surprisingly, it's the same. Is there some sort of higher moral or some goal you want to achieve with the film? As I said, I feel like I owe a conversation to my mom. She was asking me this question: What does it mean to be a woman? I still don't know. Not at all. And I don't have the answer in the movie. But what is important is the end of the movie, the woman holding the bucket walking to the desert. We don't know where she is going, but she's on the way. I feel like the journey itself is more important than the destination. To keep asking the question is more important than the answer. Probably there's no answer to it. But if there is a goal, I would say I want to keep making voice with my movie. So people can see it and feel that they can also make their voice. I feel it's important to me. At the Slamdance Festival you won the Audience Award. Did you expect such good reactions? No, not at all. That's why I'm so appreciative. I'm proud of it. But I also know that this is not a movie for everyone. I know it's kind of controversial, it's not easy to watch. So I did expect that some people are gonna like this and some people are gonna hate it, but I didn't expect the Audience Award and that so many people resonate with it. That means so much to me! And after the screenings, there were people coming to me to say how much it means to them and most of them were men! One of them told me he was really grateful, because now he can understand his mum better. That's the best result I could have and that's the reason I made this film. Outgoing: Yun Xie erzählt überaus lebendig von sich und ihren Ideen, vor allem aber von der Leidenschaft Filmemachen. (Bilder: Kulturschnack) You have written and directed the movie. Is there any part of the production you like better than the others? Writing is such a love/hate-relationship. I hate it so much, but I also love it on a deeper level. But I really enjoy the pre-production. I think that is maybe one of my favorite parts. In filmmaking you definitely have to improvise on set, but it's all based on how much prep you did. For example, I brought my actors into the desert four or five days ahead of the shooting. They are all big city girls and they are very different from their characters. I wanted them to get into the vibe, and also I wanted them to feel the heaviness of the life in the story. So I had my actors holding rocks and walking that desert to find that right posture, otherwise they would have looked too cute. ( laughs ) We also had a rehearsal in L.A., where we locked us into the rehearsal room and told us our deepest and darkest secrets. So we build a trust between each other, so we could be really on the same page. We had to have that trust, because I really put my actors on edge and made them suffer. If they hadn't trusted me, we would have never made it. So the one part of the process I love most is pre-production. When there is a blank canvas, how do you make people trusting your vision and wanting to paint this with you? I think that's the core of pre-production. For me it's not only about the creative process, but it's also about how you make the team trust each other. Heimlicher Star: Die tatsächliche und metaphorische Wüste, in der die Handlung angesetzt ist, steht gleichberechtigt neben den anderen Charakteren der Geschichte. (Still: Narval Films) I don't know about your movie, but most indie movies have a tight budget. Can that be an advantage, because it pushes your creativity? Or would you love to have a big budget? Okay. that's a great question. So for my next movie, I will definitely want a bigger budget. If there's any investor reading this, contact me . But if I want to be one hundred percent honest with you: With a bigger budget for my first feature film, I wouldn't have had the same experience. Because it's so tight on the budget, everyone's wearing several hats. I'm cooking for the crew because we were in the middle of a desert. We don't have restaurants around some of the days, So after a long day, me and my producer, we cooked for the crew and made sandwiches for the next morning. Also, our cars stuck in the sand every single day, so the makeup artist and the actor started to learn how to fix a car and how to pull it out of the sand. That is such a live experience. It almost felt like a road trip or a summer camp, all because of the limited budget. We still talk about it all the time and we have become partners in crime. And there's a secret language between us when we're talking, And when new people hear about our story, they're like „Wow, I want to be part of that“. So, yeah, I would love to have a bigger budget for my next movie, but I feel like the limited budget was right for my first film, so we could have this special experience with each other. Stimmungsvoll: Obwohl wir Mowanzas Schmerz und Wut fühlen, spüren wir auch ihre Nachdenklichkeit und Reflektion. (Still: Narval Films) When you're going to shoot a movie, you certainly have hundreds of ideas in your head. What would you say: How many percent of them are good and how many percent are bad ? I'm always say there are three movies: One when you write it, one when you shoot it and one when you edit it. They are completely different, those three movies. Of course I have ideas which seem to be brillant and when I walk onto the set I realize they don't work out at all. Or I think I did a money shot, but in the end I don't put anything of it in the movie. So of course it changes all the time, many things are different or have changed in between. Sometimes I even change the storyline when I do editing. Surprisingly, but also of course, when everything pieces together, that is exactly what I wanted at the very beginning. When I talked to Brandon Daley the other day, he told me, that he gets very exhausted when he's finishing up a movie. Do you know this feeling? The editing process for a feature film is super long and you never know when it's ready. So instead of „exhausted“, I would say it's a marriage. One day I woke up and I was like: I fuckin love it! And the other day I hate it, it's so ugly. So, sometimes I hate it, sometimes I love it, sometimes I just don't want to talk to it. I was like, just leave me alone and I see you someday. I will come back to you, but just give me some space. So I walk away for weeks but I'll come back. So I will say the relationship between me and the feature film is like a marriage. Begegnungen: Es gibt nicht viele andere Menschen in der Wüste. Doch die Zusammentreffen sind sets intensiv. (Still: Narval Films) With no divorce ahead, I hope. Another relation that lasts very long is the one between the Oldenburg Film Festival and its director Torsten Neumann. I'm sure one day someone will make a movie about it. But who's gonna play Torsten? Of course, himself. I would definitely like to make a movie about him, and I would invite him to act himself, and try to persuade him. I do have an acting-coaching background. So don't worry about it, Torsten, you will be good at being yourself. Now you have to do it! Yes, I have to do it. I'm pitching for myself ( laughs ) It can't get any better than this, so let's stop right here with one last thing. Please complete this sentence: Oldenburg probably is... ...the best place for me this year! I fell in love with this place already,
- CINE K OPEN AIR SOMMER KINO
Das Cine k lädt vom 01. bis 31. August wieder mit tollem Programm zum Open Air Sommer Kino in den Hinterhof der Kulturetage ein. Neben cineastischen Meisterstücken, die auch in diesem Jahr wieder in voller Breite vorhanden sind, ist es vor allem die pure Sommerromantik und ein Filmerlebnis, wie man es heute nur noch selten erleben kann, das hier auf euch wartet! Euch erwartet, wie immer, ein vielfältiges Programm! Grafik: Cine k CINE K SOMMER KINO 1. - 31. AUGUST 2025 VERSCHIEDENE STARTZEITEN ZWISCHEN 20:45 - 21:45 UHR BAHNHOFSTRAßE 11 KULTURPLATZ HINTER DER KULTURETAGE 26122 OLDENBURG ZUM PROGRAMM & DEN TICKETS Man stelle sich vor, man wäre selbst Drehbuchautor: wie würde sich in diesem Fall ein perfekter Sommertag gestalten? Was müsste für unsere Protagonistin oder unseren Protagonisten alles geschehen und wäre Pflichtprogramm, damit wir diese Aufgabe guten Gewissens als gelungen abhaken könnten? Zeit für einen Snack zum Film. Foto: Izabela Mittwollen Denn wir alle wissen ja: so ein richtig perfekter Sommertag, den man ganz für sich gestalten darf und kann, der bleibt mit ein bisschen Glück ein Leben lang in Erinnerung. Es ist also jede Mühe wert, ein wenig länger über diese Angelegenheit nachzudenken und zu philosophieren. Optionen gibt es da natürlich viele und auch total unterschiedliche, weil wir uns vermutlich alle etwas anderes unter „perfekt“ vorstellen. Aber denken wir die Sache in diesem Fall erstmal etwas klischeehafter: Den Tag direkt mit einem Picknick im Grünen starten lassen, einem morgendlichen Spaziergang, wenn die Luft noch schön kühl ist und sich die Sonne noch gnädig mit ihrer eigentlichen Kraft zurückhält oder einfach richtig gut und lange auszuschlafen. Vielleicht führt einen der Weg dann unweigerlich an den schönsten, nächstgelegen See oder direkt ans Meer - den Luxus haben wir ja, dass das nicht in allzu weiter Ferne liegt oder man bleibt einfach gleich im Park. Mit Freunden macht man sich eine gute Zeit und verlängert das Picknick vom Frühstück noch zum Mittagessen und genießt den Schatten mit einem guten Buch oder wirft sich stundenlang einen Ball oder Frisbee hin und her - wer weiß! Der perfekte Tagesabschluss: Kino unter freiem Himmel Für das Ende eines solchen "perfekten" Tages haben wir aber bereits einen ganz heißen Tipp: Denn der August steht wieder ganz im Zeichen des Open Air Sommer Kinos vom Cine k und bietet damit genau das richtige Highlight, um unseren Drehbuch-Sommertag ganz wunderbar und im wahrsten Sinne des Wortes "filmreif" abzuschließen. Für den perfekten Tagesabschluss. Foto: Izabela Mittwollen Bei untergehender bzw. untergegangener Sonne, unter freiem Himmel einen Film zu genießen, vielleicht mit Freundinnen und Freunden oder der Familie und dabei den Tag in aller Ruhe nochmal Revue passieren lassen zu können oder über den Film nachzudenken, inspiriert zu sein - viel besser kann es, da sind wir uns sicher, nicht wirklich werden. Und dass uns zahlreiche solcher Tage bevorstehen, das manifestieren wir an dieser Stelle jetzt schon mal ganz fleißig. Das ist waschechte Sommernachtromantik, wie sie im Buche steht. Statt stundenlang vom Sofa aus durch die unterschiedlichsten Streamingdienste zu scrollen, hier mal reinzuschauen, dort mal einen Blick reinzuwerfen, nur um am Ende bei einer halbherzigen Entscheidung zu versacken, von der man aber eigentlich gar nicht wirklich etwas mitbekommt, weil man sich selbst die meiste Zeit über immer wieder beim Doomscrolling durch das eigene Smartphone erwischt, kann ein Kinofilm auf großer Leinwand stattdessen zu einem waschechten Erlebnis werden, von dem man noch lange spricht. Nicht bloß Open Air: Ein Programm voller Highlights und Besonderheiten Das beweist das Team vom Cine k nun bereits seit mehreren Jahren mit Bravour. Besonders toll ist dabei zu sehen, wie sich ein Veranstaltungsformat, das ursprünglich aus der Not der damaligen Corona-Auflagen entstand, zu einem Fixpunkt innerhalb des Oldenburger Kulturjahres entwickelte. Wie schon beim regulären "Drinnen"-Programm, wird hier nicht einfach bloß eine Auswahl an Filmen gezeigt, sondern viel Kreativität dahingehend verwendet neue Ansätze in der Präsentation und Kontextualisierung der Abende zu finden. Dabei steht auch immer wieder die Kooperation mit Initiativen und Gruppen der Oldenburger Gesellschaft im Mittelpunkt - ein absolutes Markenzeichen des Kinos. Wir Zuschauende profitieren an einem solchen Abend also nicht bloß vom eigentlichen Unterhaltungsprogramm, sondern erhalten darüber hinaus auch einen echten Mehrwert, von dem wir vom besagten Sofa aus nur träumen könnten. Ein Team, das mehr als bloßes Kino bieten möchte. Foto: Cine K So findet beispielsweise am 16. Ausgust bereits zum fünften Mal in Zusammenarbeit mit der Initiative United Against Racism Oldenburg, dem Medienbüro Oldenburg sowie zahlreichen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern das Solifest "Wir sind die Brandmauer" statt. Mit Livemusik, Workshops, Infoständen, gutem Essen und dem abschließendem Film Die Möllner Briefe wird das Ganze zu einem Tag voller Zusammenhalt und Solidarität mit allen Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Am vorherigen Tag kann hingegen fleißig im wunderbaren und erfüllenden Gefühl der Gemeinsamkeit bei der Maschendämmerung gestrickt, gehäkelt oder gestickt werden bis der Mond scheint und so die Wartezeit bis zum Beginn des Filmes Die leisen und die großen Töne überbrückt werden. In gemütlicher Atmosphäre und unter freiem Himmel kann an Handarbeitsprojekten gewerkelt und sich währenddessen mit anderen Enthusiastinnen und Enthusiasten ausgetauscht werden, egal ob Vollprofi oder ob man sich noch an seinen ersten Schritten probiert. Hier endet das Programm aber noch lange nicht und die Frage stellt sich: hat das Cine k vielleicht auch selbst heimliche Favoriten innerhalb dieses Monats voller Kinoerlebnisse? Die Qual der Wahl "Bei 21 Abenden ein Highlight auszuwählen, ist für mich total schwierig - eventuell greift hier meine FOMO", erzählt Juliane Taggeselle, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Kinos hierbei mit einem Lachen. "Aber ich bin All-in beim Roadmovie-Kultklassiker Thelma & Louise . Diesen auf der großen Leinwand unter Sternen zu schauen - ein Traum! Der FLINTA*-Markt , der den Dokumentarfilm Ein Tag ohne Frauen begleitet, wird auch richtig spannend - es haben sich schon viele ganz unterschiedliche Gruppen und Vereine angemeldet, die aus verschiedensten Perspektiven queerfeministisch aktiv sind und u.a. mit DJing, Kunst, spielerischem Angebot, empowernden Biografien, Protestliedern und Infoständen zu Austausch und Gemeinschaft einladen. Und ich bin ganz vorfreudig auf den krönenden Abschluss Ozean - mit David Attenborough . Denn hier wird uns vorab Dr. Iliana Baums, Professorin für Meeres- und Umweltschutz am Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität an der Universität Oldenburg (HIFMB), besuchen und über ihren Forschungsschwerpunkt, wie sich Korallen im flachen Meer und in der Tiefsee mit Hilfe molekularer Werkzeuge an ein sich veränderndes Klima und Umweltbelastungen anpassen, berichten." Schon zum Auftakt gibt es am 1. August mit "Der Phönizische Meisterstreich" von Wes Anderson einen cineastischen Gaumenschmaus. Credit : Universal Pictures Unsicherheitsfaktor Wetter? Keine Sorge! Natürlich birgt das Wetter, wenn man eine Veranstaltung im Freien plant, ein gewisses Risiko. Aber sollte es, trotz des Manifestierens herrlicher Sommerabende, entgegen aller unserer Erwartungen doch zum ungeliebten „Schietwetter“ kommen und unserem hier beschriebenen „Sommerdrehbuch“ einen Strich durch die Rechnung machen, hat das Cine k natürlich eine Alternativlösung parat. Denn dann werden die Filme einfach kurzerhand nach drinnen verlegt und kein Abend wird oder muss Ausfallen! Auch, dass das akustische Erlebnis des Films unter der Freilichtkulisse leiden könnte und ihr nichts verstehen könntet während der Vorstellungen, ist eine Sorge die ihr euch nicht machen müsst. Denn dank einer cleveren Kopfhörer-Lösung, die für alle zur Verfügung steht, erlebt ihr den letztlichen Film wirklich ganz ungestört, nur für euch. Kann also nix schiefgehen! Alle Infos zum Open Air Sommer Kino 2025 findet ihr auch nochmal hier: www.cine-k.de Und übrigens: wenn ihr euch für die Arbeit des Cine k interessiert und gerne mehr über die Arbeit des Teams erfahren wollen würdet, dann können wir euch auch die passende Podcastepisode dazu sehr ans Herz legen:
- OPEN CALL: DIE ZUKUNFT OLDENBURGS
Vom Erfinder und Philosophen Charles Kettering ist ein kluger Satz überliefert: „Ich denke viel an die Zukunft, schließlich verbringe ich dort den Rest meines Lebens.“ Was er für sich formuliert hat, gilt aber auch in größeren Maßstäben. Nur wer sich rechtzeitig Gedanken macht, kann den Lauf der Dinge beeinflussen. Was Oldenburg betrifft, können wir nun gemeinsam in die Glaskugel schauen. Unter dem Titel „ZUKUNFT_OL+50“ ruft Helene von Oldenburg dazu auf, sich künstlerisch mit unserer Zukunft zu beschäftigen. Bald schon Alltag? Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Einen Einfluss haben wir aber durchaus. (Bild: Canva AI / Kulturschnack) Wir alle denken über die Zukunft nach. Wenn wir uns ein Ziel setzen, dann erreichen wir es nicht hier und heute, sondern bald, demnächst oder hoffentlich zumindest irgendwann. Ganz egal, worum es geht: Wenn wir Ergebnisse wollen, dann müssen wir vorausdenken, entscheiden, anfangen. Und das gilt nicht nur für uns selbst, das gilt auch für unsere Szenen, unsere Städte, unser gesamtes Sozialgefüge. Aber wie genau entwirft man eigentlich Pläne, die über unseren Wirkungsbereich hinausgehen und die auch andere betreffen? Wie findet man heraus, ob sie zustimmen oder nicht? Was nützen all unsere klugen Gedanken, wenn niemand davon erfährt? Und nicht zuletzt: Auf welchem Wege lassen sich unsere Ideen eigentlich am besten formulieren und verständlich machen? Einen Vorschlag dazu macht die Künstlerin Helene von Oldenburg mit ihrem Projekt „ZUKUNFT_OL+50". Ihr seid dazu aufgerufen, eure persönlichen Impulse für das Oldenburg von morgen und übermorgen zu geben. Im Mittelpunkt stehen dabei: eure Kreativität und die Mittel der Kunst! ZUKUNFT_OL+50 OPEN CALL BIS 15. SEPTEMBER 2025 BEWERBUNGEN ( <10MB ) UNTER ANGABE VON NAME, TITEL, TECHNIK UND GRÖßE PER EMAIL AN ZUKUNFT.OL.50@GMX.DE AUSSTELLUNG VOM 16. NOVEMBER 2025 BIS 10. JANUAR 2026 LANDESMUSEM KUNST & KULTUR SCHLOSSPLATZ 1 26122 OLDENBURG Oldenburg: Die Übermorgenstadt Die Älteren erinnern sich: Als Oldenburg sich als deutsche „Stadt der Wissenschaft 2009“ bewarb, tat sie das unter der Überschrift „ Die Übermorgenstadt “. Kritiker:innen monierten damals, dass sich diese Beschreibung wohl kaum mit der Realität decken würde. Das stimmte auch, gemeint war mit dem ambitionierten Begriff jedoch etwas anderes: Nämlich eine Anspruchshaltung, eine Idealvorstellung, eine neue Form visionären Denkens auf Basis von vorhandenen Stärken. Die Jury hat das damals erkannt: Oldenburg war erfolgreich und gewann den Titel. Zukunft aus der Vergangenheit; Im Jahre 1922 wurde diese zum Glück noch nicht eingetretene Zukunftsvision für Oldenburg entworfen. Unten im Bild: die Lambertikirche. (Bild: Stadtarchiv Oldenburg) Tatsächlich hat der weite Blick nach vorn an der Hunte Tradition. Anlässlich der „Oldenburger Woche“ im Mai 1922 etwa wurde eine sechsteilige Reihe von Notgeld-Scheinen entworfen, die allesamt das Oldenburg der Zukunft - genauer gesagt: im Jahr 2000 - darstellen sollten. Die Ergebnisse waren teils zu konservativ und wurden schon Jahrzehnte vor dem Millennium von der Realität überholt. Andere waren beinahe schon dystopisch und werden hoffentlich noch lange nicht eintreten. Was aber aus den Entwürfen spricht, ist der Reiz, sich mit der Zukunft zu beschäftigen und sie dabei visuell und ästhetisch greifbar zu machen. Zukunft als Kunst, Kunst für Zukunft Genau das hat sich Helene von Oldenburg zum Ziel gesetzt. Die in Rastede und Hamburg lebende Künstlerin arbeitet in den Grenzbereichen von Kunst, Wissenschaft und Medien und ruft nun dazu auf, sich künstlerisch-kreativ mit der Zukunft der Stadt auseinanderzusetzen. Das tut sie aber nicht etwa aus dem Blickwinkel einer Soziologin oder Stadtplanerin: „Ich setze 'Zukunft' als künstlerisches Mittel ein“, beschreibt sie ihren Ansatz. In den Neunziger Jahren habe sie Performances und Ausstellungen zur Ausbreitung des digitalen Mediums gemacht; zu einer Zeit also, als das Internet noch über mit unvorstellbar langsamen 28.8 Kbit in unser Zuhause tickerte. „Damals war der Zukunftsaspekt ein Mittel, um das Publikum heranzuholen, gleichzeitig aber auch zurücktreten zu lassen, um einen Überblick über das Zeitgeschehen zu bekommen.“ In einem partizipativen Projekt eröffne die „Zukunft“ einen Freiraum für die Beteiligten und die Besucher:innen. Aufruf an alle: Der „Open Call“ stößt hoffentlich auf große Resonanz, denn nur so entstehtz ein umfassendes Bild der Zukunft Oldenburgs. (Grafiken: Landesmuseum Kunst & Kultur) Diese Erfahrung machte Helene auch im Jahr 2019 als sie ein ähnliches Projekt in Ostholstein durchführte. Dort aber ging der Blick nicht „nur“ fünfzig Jahre in die Zukunft, sondern gleich fünfhundert. Denkt man an der Ostseeküste etwa so viel weiter als an der Hunte? „In den vergangenen sechs Jahren hat sich meine Sicht auf die Welt, die Werte, einfach alles, völlig auf den Kopf gestellt“, stellt sie fest und dürfte dabei unter anderem an die Corona-Pandemie, den Überfall Russlands auf die Ukraine, das Scheitern der Ampel, die Wiederwahl Trumps und den globalen Rechtsruck denken. „Wenn jemand vor sechs Jahren zu mir gesagt hätte, wir werden Angst um die Existenz der Demokratie haben, machtgesteuerte Despoten werden Kriege führen, die bis zu uns reichen, Staaten werden menschenverachtende Strategien fahren, dann hätte ich das nicht wirklich, zumindest nicht in diesem Ausmaß für möglich gehalten.“ Aus vielen Gesprächen wisse sie, dass es anderen auch so gehe. Ein etwas näher liegender Denkhorizont schien deshalb eine guter Ansatz zu sein, um die Gedanken und Visionen näher an die konkreten Lebensrealitäten zu rücken. Dennoch bleiben auch fünfzig Jahre eine sehr lange Zeitspanne für Zukunftsbetrachtungen. Die Stadt Oldenburg etwa schaut bei ihren Planungen lieber bis in das Jahr 2035 oder - schon deutlich skizzenhafter - bis ins Jahr 2050. Weiter voraus plant man in den kommunalen Dezernaten eher nicht, zu unwägbar sind die langfristigen Entwicklungen. Für eine derart mutigen Blick nach vor braucht es eben die Kunst! Visuelle Impulse: Auch bei offiziellen Zukunftsentwürfen der Oldenburger Stadtverwaltung gibt es inzwischen kreative Impulse - wie hier bei den Illustrationen für „zukunft verbindet.2050“ (Bilder: Jennifer van de Sandt) Vielfältige Annäherung Dass Helene nicht etwa selbst Werke zu diesem Thema entwirft und ausstellt, sondern über den Open Call eine möglichst breIte Beteiligung anstoßen will, ist natürlich kein Zufall: „Zukunft ist ein großes Thema“, stellt sie fest. „Wenn ich daraus ein partizipatives Ausstellungsprojekt mache, stehen die Chancen gut, dass es eine vielschichtige, abwechslungsreiche Annäherung gibt.“ Das heißt also: Je mehr von euch mitmachen, desto interessanter und vielleicht sogar präziser wird das Ergebnis sein. Wo anderenorts also Expert:innen-Panels stattfinden und Positionspapiere geschrieben werden, steht bei „Zukunft_OL+50“ eindeutig die Kunst im Mittelpunkt, Für Helene ganz normal: „Ich bin Künstlerin und künstlerisches Handeln ist mein Medium, meine Sprache.“ Damit ersetzt sie natürlich keine sach- und datenorientierte Stadtentwicklung oder die politische Entscheidungsfindung. Sie ergänzt eben diese jedoch durch wertvolle emotionale Aspekte. Da drängt sich die Frage auf: Sollten wir generell aufgeschlossener gegenüber solchen kreativen Formen der Meinungsäußerung sein? „Klar! Das ist noch Luft nach oben“, findet Helene - und wir schließen uns an. Theaterarena: Auch an die Kultur wurde bei den Zukunftsentwürfen im Jahr 1922 gedacht. Auch aus heutiger Sicht:; Ein Interessanter Ansatz. (Bild: Stadtarchiv Oldenburg) Die Konsequenz der Entscheidung Und was verspricht sie sich von alledem? Warum betreibt sie den Aufwand des „Open Call“, sowie der Kuration und Umsetzung der anschließenden Ausstellung? Bei der Antwort wird die Künstlerin pragmatisch: „ Wir leben in einer Zeit, in der wichtige und weitreichende Entscheidungen getroffen werden“, stellt sie fest. Alle sollten die nähere oder weitere Zukunft bzw. die Konsequenzen von kleinen und großen Entscheidungen bedenken. „Ich erwarte, dass "ZUKUNFT_OL+50" dazu anregt. Ich erwarte, dass "ZUKUNFT_OL+50" Fragen aufreisst. Ich erwarte, dass "ZUKUNFT_OL+50" ermutigt, Hoffnungen und Ängste zu äußern. Damit es so kommt, müssten so viele Menschen wie möglich mitmachen. Alte wie Junge, Progressive wie Konservative, Mutige wie Vorsichtige. Mit anderen Worten: Ihr alle solltet dabei sein und euren Vorstellungen, Träumen und Befürchtungen vom Oldenburg im Jahr 2075 Gestalt verleihen. Wie ihr das macht? Entscheidet allein ihr! Hauptsache, ihr reicht eure Impulse bis zum 15. September ein. Und wer weiß, vielleicht seht ihr euer Werk dann im Rahmen der Ausstellung im Landesmuseum Kunst und Kultur wieder - und womöglich werden sie danach Bestandteil der Zukunft Oldenburgs!
- SCREEN TIME #1: BRANDON DALEY
Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg hat begonnen - und der Kulturschnack ist mitten drin! Für unser Format SCREEN TIME treffen jeden Tag eine Person aus dem Festivalbetrieb: Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder jemand ganz anderen. Mit ihnen sprechen wir über die Filme, das Kino, die Unabhängigkeit und was uns sonst noch einfällt. Das Ergebnis? Findet ihr als Video auf unserem Insta-Kanal - und als Interview hier! Erstaunlich ausgereift: Brandon Tales Erstlingswerk „$Positions" wirkt keineswegs amateurhaft, sondern hochprofessionell. (Bilder: Brandon Daley, Canva, Kulturschnack) Wir haben Glück. Brandon Daley hat eine weite Anreise, er kommt direkt aus Los Angeles nach Oldenburg., Sechzehn Stunden hat er dafür gebraucht. Doch sein Flieger landet bereits am Vormittag des Eröffnungstages des 32. Oldenburger Filmfestes in Bremen -und Brandon ist niemand, der nach so einem Trip einen ausgiebigen Schönheitsschlaf braucht. „Ich bleibe einfach wach“, verrät er. „Irgendwann nach der Party heute Abend geht's ins Bett, dann passt es wieder.“ Und tatsächlich wirkt Brandon keineswegs erschöpft und erweist sich als aufgeweckter Gesprächspartner. Im Gepäck hat er seinen Debütfilm „ $Positions ", bei dem er Script und Regie (und noch einiges mehr) übernommen hat. Mit der Tragikomödie rund um Krypto-Spekulationen war er bereits auf fünfzehn Festivals zu Gast. Oldenburg ist jedoch seine erste Station außerhalb Nordamerikas, also der erste Schritt auf den Europäischen Markt. Aber nicht nur deshalb ist Brandon aufgeregt: Er hat auch schon viel Gutes über das Oldenburg Film Festival gehört. In unserem Gespräch erzählt Brandon, warum er am liebsten unabhängig arbeitet, welcher Teil der Produktion ihm am besten gefällt und wie viel von ihm selbst in seinem Film steckt. $POSITIONS BY BRANDON DALEY DO 21.30 UHR CINE K MUVI TICKETS FR 16.30 UHR CINE K STUDIO TICKETS Brandon, let's put something out of the way first. How do I say the name of the movie correctly? What does the Dollar Sign mean? In cryptocurrency and in stocks, a dollar sign will denote the name of a ticker. So if it's „$“, it's a reference to a crypto ticker. I put the dollar sign in there as a nudge to the crypto and stock audiences, that the movie had something to do with that. There is another logic as well: It puts you right at the top of every sort of alphabetical list. But yeah, people do call it „Dollar Sign Positions“ or „Money Sign Positions“, which I did not really expect until the release of the movie. I just called it „Positions“. The movie has a somewhat humorous note, but at the same time it's really dark and it deals with addiction, death and desperation. How did you come up with that combination? Definitely.I love comedy. I grew up watching comedy. I don't think people are making enough comedies right now, especially in the United States. So I miss comedies and I only want to make comedies. That’s what I set out to do. But I also want to talk about these heavier things and the way that they affect me. I was interested in making a movie about crypto and stock investing after I'd gotten really into it back in 2020 and 2021. Iwas making and losing a bunch of money like overnight, you know, and it was just so thrilling. And I was so obsessed with it and that's why I wanted to make this into my next movie. I had been born and raised in Salina, Kansas, and I also wanted to make a movie about my childhood and about my family and about growing up there. And then I just started to think about how, you crypto overlaid on Middle America is such an interesting story because there are so many old manufacturing towns that aren't manufacturing stuff anymore. And crypto represents this kind of lottery ticket or a way to kind of get out of these kinds of holes that we dig ourselves in as just as people. And so, yeah, I pretty much wanted to make a movie about Kansas, and I want to make a movie about crypto. And so I married the two of them, but I wanted it to be as personal as possible. I feel like comedy is not funny unless it's like really vulnerable and personal. Otherwise it just kind of like a sketch comedy or something, Starkes Ensemble: Trevor Dawkins spielt Mikes Cousin Travis glaubhaft als neurotischen Ex-Häftling. (Still: Filmfest Oldenburg) And how much of you is the main character, Mike Alvarado? I think I'm like all of the characters and there's a amalgamation of things, you know? But for sure, I am my main character in a lot of ways. The main impetus for the idea was a dinner with my girlfriend where I was looking at my phone all the time just seeing my money go up and down. I wasn't present, you know? And I just felt so bad about that. And it was just like such a long period in my life where I was like that to everybody who I love and I'm close with. And this is a very interesting basis of a character because it can be so unlikable for doing that. But we also sympathize because we're all so much on our phones and not really listening to the people around us. We want get these endorphin releases through a digital channel versus friends and family like we used to, you know? The audience gets very close to the character of Mike. We see him fail and fail and fail for a whole lot of time. And sometimes it's really a bit hard to observe. Is that intentional? There's lots of great comedies that I love, where you don't get that close to the characters or their problems or anything. And so it is intentional in the sense that any sort of good film is working when you're close with the characters and you're kind of in their shoes and you're not just like an onlooker. You're sympathizing. Is there some sort of higher moral or some goal you want to achieve with the film? A lot of people watch the movie and they're like „Oh, nice, Brandon, you took down cryptocurrency.“ And that's not really what I'm trying to say. I view it more as a chaotic neutral, like it's an agent of chaos in your life if you want to partake in it. But it's also very fun and you also can make or lose a lot of money in it. I think this deep in the game, I have less sympathy for people who lose a bunch of money on crypto because it's so late. I think that was a different story in 2017 to 2021, when people were being promised certain things by all these random companys and getting their money stolen, you know? But now it's been around so long, it's hard for me to feel too bad for people that it still happens to because I think you know what you're getting yourselves into. But ultimately, I view myself as very neutral on crypto. At the end of the day, I don't think the movie is pro or anti crypto. Jet Lag? Keine Spur! Brandon Daley erzählt spannend von seinem Leben als Independent Regisseur. (Bilder: Kulturschnack) But is there some kind of message that you want to get to the audience? The real core of the movie is the fact that being alive is extremely hard, no matter who you are. A lot of movies kind of preach hopefulness, but I wanted to make a movie about finding hope despite there being none. It's like a movie about faith, ultimately. And I view the movie as very optimistic at the end of the day. I think a lot of people would disagree with me on that, but I personally think this is a very hopeful movie. And I just want people to feel like comforted, even if their life circumstances are not the greatest or they don't know how to get themselves out. There's always hope, you know. What do you think or what do you like best about your movie? What do you think is really well? I've played so many festivals at this point and I love just being in the audience. The one thing I like about comedies is, if it's working with the audience in real time. It feels almost like a piece of music where you're conducting the audience. And you're like: „Oh, are they going to laugh here?“ Certain always get a laugh. And then there are lines where I'm like „I don't know if this is going to hit with this group“. And I love just sitting in a packed audience and feeling the energy, you know? I've had some lbad screenings where people didn't know what they were getting themselves into and there were lots of walkouts. But then you also have audiences that are prepped on how crazy this movie is, and they're in there to have a wild time. And those are just so much fun. So you always try to sneak into the audience? I always sit in a random spot in the audience, and I just feel the energy. I've seen the movie a thousand times now, but it's still very rewarding to watch it and hear if it works or not. Heimlicher Star: Vinny Kress spielt Mike Alvarados Bruder Vinny, der - wie auch der Schauspieler - mit dem Down Syndrom geboren wurde. (Still: Filmfest Oldenburg) You just said this ia your 15th festival. What did you think when you first heard that you were selected for Oldenburg? I was so excited. My good buddy Xander Robin had played here with his film „ Are We Not Cats“ a few years ago. And he was like, “Dude, you have to submit to this festival. It's like the best festival I went to. It's crazy.” I had not heard of it until then. But I looked it up after he said that, and I was very hopeful I would get in. So I was so excited when I got the email. Because we’re getting a lot of play in North America, but we hadn't gotten any sort of European traction yet. So I'm like so excited to bring this movie over to Europe and see how you guys connect to the content of the film. You are a writer and director. What do you like most about your job? I think my favorite part of it is the edit, actually. It 's funny because it's like every single thing you do, you're just excited for the next thing. When you're writing, you're really excited to be out shooting it. And when you're shooting it, you can't wait to edit. Right now I'm kind of finishing up this movie, so I'm very excited to get back into writing. But I would say at the beginning of this whole process, the edit was the thing I was most excited about, because you don't have the anxieties like, “Is this movie going to exist or not? Am I going to find the money? Am I going to find the cast?” There you're just problem solving alone with one other person in a room and getting it to work. That's the most fun part to me. Crazy Stuff: Trotz allem bleibt „$Positions" sehr zugänglich. (Bild: Brandon Daley) What are the advantages of being independent? For our movie, there’s a lot of things that we would not have been able to do within a Hollywood system. They're not funding small-budget comedies anymore. You know, it used to be a lot of $1–10 million comedies being released every year. But just with streaming and the way things are, everything needs to be a $100 million Marvel movie or whatever. On top of that, we took a lot of risks with our movie. There's a lot of crazy content in the film that they wouldn't have allowed us to do. And then I'm also really proud of Vinnie Cress. He plays the brother in the film. He's an actor from Chicago with Down syndrome, and I think I really wanted to work with a developmentally disabled actor for that role. And I just think it's fun to work with people of different walks of life. And I think that there's a lot of risks associated with doing that. Indie movies usually have small budgets. Is that a good thing, because it pushes creativity to the max? Or would you love to have a big budget and go all Jerry Bruckheimer? I think this budget was big for my first feature. I never felt like it wasn’t enough. But I do think we stretched it so far. And I think a lot of that came from asking a ton of favors from my crew. People just want to make cool narrative films, and so they’re down to do favors for you, down to come help out. I would like a larger budget next time around because I’d like to help my crew out more, and I’d like to help myself out more. Because I was wearing so many different hats. I’m our music supervisor, I do all of these different things – and I’m very tired from doing that. How many jobs did you actually have? I did one million jobs. Yeah, I wrote and directed it. I was heavily involved in casting, producing, all of the post-production work I oversaw… and then my penis is in the film, too. Place to be: Unser Spot auf der Rooftop Terrace des Filmfestes. Leider nicht wetterfest. (Bild: Kulturschnack) Wait, What? Yes, in the party scene! One of those is mine. Did you miss it? I remember the scene, but it did't recognize your penis, sorry! (both laugh) Those are the kinds of things you just gotta put your money where your mouth is. You're a indie director. But, yeah, I would like to have a bigger budget next time. I think it would be better to use someone else's penis. What would you say is the hardest part about your job? I just think the it's extremely laborious to finish a feature. Like every single percentage completion is way harder than the percentage before. So it's like when you're at the 95% mark and you're almost done, you're exhausted and you've given everything you've got, and you still have to like, see it across the finish line. And, you know, at the end of the day, it is such a collaborative medium. And I had all this help from all these people and I couldn't do it without. But it also is just such a solo venture. When you're an independent filmmaker that like when you're the director and writer or whatever, you're kind of alone at the end of the day to really just get it to the finish line, you know, after it's been you've shot a year and a half ago and you're out of money and, you know, it's like your job to just drag it across. And that was very hard. And I imagine that's true for any film at any budget level. But I think that that took a toll on me and I yeah, I'm still recovering from finishing this movie, to be honest, but I'm ready to do it again. I'm ready to get beat up again.
- STADT FINDET MUSEUM
Die Zielgerade ist in Sichtweite. Die Fassade zeigt sich bereits in ihrer vollen Pracht und man kann nun im Wochentakt dabei zusehen, wie das Haus seine letztliche, finale Form annimmt. Im März 2026 soll das neue, heißersehnte Stadtmuseum Oldenburg seine Pforten öffnen und möchte die Gesellschaft dabei in ihrer ganzen Vielfalt und Breite als einen Ort der Teilhabe, Erinnerung aber vor allem Begegnung und Gestaltung begrüßen. Hier geben wir euch erste Einblicke, was euch erwarten wird. Ein Gebäude auf der Zielgeraden. Foto: Caspar Sessler / Stadtmuseum Oldenburg Der Bau eines neuen Museums, das ist mehr als bloß ein paar aufeinandergesetzte Steine und Glasscheiben, die am Ende des Tages architektonisch etwas ergeben, das man gemeinhin als "Gebäude" bezeichnet. Wer ein Museum entstehen lassen möchte, der baut eine Idee, Verbindungen und Räume für sowohl die Erinnerung an die Vergangenheit als auch für den Blick in die Zukunft. Hier bei uns in Oldenburg, schräg gegenüber vom Lappan konnten wir in den vergangenen Jahren genau diesem Prozess beim Wachsen und Gedeihen zuschauen. Nun also geht das Stadtmuseum Oldenburg in die entscheidende Bauphase. Im Herbst soll das Gebäude selbst fertiggestellt sein, im März 2026 soll die Eröffnung folgen und Stück für Stück lässt es dabei nun durchblicken, wie es sich inhaltlich der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Im Zuge dessen durften wir, gemeinsam mit Steffen Wiegmann, dem Leiter des Museums, die Baustelle begehen und haben bereits vorab Informationen darüber erhalten, was uns alle ab 2026 dort erwarten wird! Schon jetzt ist dabei erkennbar, dass dieses Haus nicht nur eröffnen, sondern aufbrechen und etwas völlig Neues sein möchte. Hier wird sich bewusst abgewandt von der althergebrachten Hoheitsposition eines Museums und dem reinen Abbilden der Geschichte, denn es hinterfragt gezielt, wer diese Geschichten warum erzählt und möchte ein Ort des Dialogs zwischen all diesen unterschiedlichen Erzählperspektiven werden. Dass es sich dabei um keine leeren Phrasen handelt, das machte bereits das Podcastprojekt "STADTGESCHICHTE(N)" deutlich, bei denen ganz unterschiedliche Persönlichkeiten Oldenburgs ihre Sichtweisen auf das was für sie Stadt bedeutet, erzählen konnten. "Mitmachen" ist also das entscheidende Stichwort! Hier entsteht nicht nur ein Museum, sondern eine offene Plattform, die sich nicht als fertiges Gebäude, sondern als ein offenes Angebot an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zur eigenen Gestaltung begreift, von dem auch das Museum selbst noch nicht wisse, was am Ende davon entstehe, wie Steffen Wiegmann selbst erläutert. Das Wohnzimmer der Stadt Schon in der Grundstruktur des neuen Museums findet sich dies als essenzieller Kern wieder. Denn da wäre beispielsweise, als absolutes Herzstück des Hauses, das große, offene Foyer. Hier soll ein Paradeexemplar eines dritten Ortes entstehen mit höchstmöglicher Aufenthaltsqualität, einem großen, einladenden Garten, einem eigenen Café und auch einer Multifunktionsfläche, die sich von der Sitzgelegenheit bis hin zur Bühne ganz individuellen Bedürfnissen anpassen lässt. Steffen Wiegmann, Leiter des Museums, unterstreicht: „Hier wird man sich frei bewegen können – vom Garten bis zur Dachterrasse – ohne überhaupt ein Ticket lösen zu müssen. Nur für die Ausstellungen braucht es dann eine Eintrittskarte. Aber alles drumherum ist frei und das ist natürlich kein Zufall, sondern hier zeigt sich unsere Haltung.“ Das Wohnzimmer der Stadt entsteht hier also sozusagen. Wer will kann vorbeikommen, kein Konsumzwang, keine Schwellenangst. Sei es um zu entspannen, um ganz für sich an etwas zu arbeiten oder um sich an zukünftigen Projekten zu beteiligen oder die entstehenden Ausstellungen zu besichtigen. Um einen solchen Ort jedoch wirklich mit Leben zu füllen und immer wieder die entsprechenden Impulse inhaltlicher Art setzen zu können, plant das Museum für das Foyer ein lebhaftes Community-Management, das sich genau dieser Aufgabe annimmt und im besten Fall die Besucherinnen und Besucher miteinander in den Austausch bringt. Ein Haus entsteht! Video: Stadtmuseum Oldenburg In Schichten durch Oldenburg Wer sich in Zukunft daran macht, das Haus und alles was es bietet, zu entdecken, wird sich beim Durchwandern der einzelnen Etagen (was selbstverständlich auch alles barrierefrei möglich sein wird) immer wieder neuen Ansätzen gegenüber sehen, die Oldenburg und das Leben unserer Stadt auf unterschiedliche Art und Weise aufgreifen, verbildlichen und in Kontext setzen. Als bewege man sich durch unterschiedliche Erdschichten, alle Teil eines Ganzen und essenziell für das, was wir am Ende Stadt nennen, um am Ende, oben angekommen, den Blick auf eben das Ergebnis all dessen - unser Oldenburg - richten zu können. Doch die entscheidende und nicht gerade unbedeutende Frage lautet in diesem Zuge: wie bildet man ein so komplexes und vielfältiges Konstrukt wie unsere Stadtgesellschaft auf drei Etagen ab, ohne am Ende des Gefühl zu haben, etwas wichtiges außen vor zu lassen. Eine absolute Mammutaufgabe, der das Team des Museums in den vergangenen Jahren viel Zeit widmete und die sich auch in ihrer letztlichen Ausgestaltung stetig weiterentwickelte. "Manchmal muss ich selbst ganz kurz überlegen, wie die Etagen heißen werden, weil ich sie über die Jahre in so vielen unterschiedlichen Entwicklungsstadien kannte", erzählt Wiegmann dabei scherzhaft mit einem Schmunzeln. Das zukünftige Wohnzimmer der Stadt. Foto: Caspar Sessler / Stadtmuseum Oldenburg Natürlich werden sich die Dauerausstellungen der Stadtentwicklung widmen, bei der wir live beobachten können werden, wie stark sich das, was wir als unser Oldenburg begreifen, über die Jahrzehnte verändert hat. Hier wird man im wahrsten Sinne des Wortes bildhaft zu Füßen gelegt bekommen, dass die Dinge eben nicht "immer schon so waren" sondern Veränderung unabdingbar ist. Wie Satelliten werden um diese Entwicklung herum wichtige Einflussfaktoren in sogenannten Themenkabinetten inhaltlich aufbereitet werden. Auch der Geschichte wird man sich widmen, diese jedoch immer wieder ansprechend aufbereiten, in Begleitung von spielerischen Momenten wie einer Silent Disco, einem Mini-Kino oder einer Debattierstation, die die Interaktivität des Ganzen gezielt in den Vordergrund stellt. Und auch wir als Bürgerinnen und Bürger der Stadt werden perspektivisch einen aktiven Einfluss darauf haben können, was wir letztlich in den Ausstellungen des Museums erleben werden. Denn ein regelmäßig wechselndes Gremium ist in Planung, das möglichst repräsentativ der Oldenburger Zivilgesellschaft entspricht und zukünftig gemeinsam über, so sind die aktuellen Überlegungen, eine Ausstellung im Jahr selbst entscheiden wird. Initiativen und Gruppen könnten ihre Ideen dann wiederum in einem offenen Bewerbungsverfahren einreichen und würden diese nach der Auswahl dann gemeinsam mit dem Team des Stadtmuseums umsetzen. Mehr "Mitmachen" geht nun wirklich nicht. Neues kommt, Bewährtes bleibt Die Erwartungen an das, was uns bevorsteht, die sind jedenfalls entsprechend hoch, das spürt man schon jetzt. Und das liegt vor allem auch daran, dass sich das Museum in seiner Schließzeit - man möchte fast sagen - selbst übertroffen hat und so manchen gar zu der Aussage trieb, das Museum sei nie so sichtbar und umtriebig gewesen wie in seiner Zeit ohne eigenes Gebäude. Mit der cleveren Kampagne " Museum findet Stadt ", samt eigener Website und Slogans wie "Jetzt in der Stadt, statt im Museum" gelang es dem Haus über mehrere Jahre mit den Bürgerinnen und Bürgern in Verbindung zu bleiben und den Bau des Museum von Beginn integrativ sowie transparent zu gestalten. Von hier aus über die Stadt hinweg blicken! Foto: Caspar Sessler / Stadtmuseum Oldenburg Nicht nur veröffentlichte das Haus über die Jahre hinweg inzwischen vier Ausgaben eines eigenen Magazins (dessen aktuellste Ausgabe übrigens ebenfalls unter dem Motto "Mitmachen" steht) und ist mit seiner Arbeit über kleinere und größere Interventionen sichtbar, die einem Kontext zur Geschichte der Stadt geben, sondern war auch immer wieder mit eigenständigen Konzepten innerhalb Oldenburgs präsent. Von der Ausstellung im ehemaligen Fahrradladen , über die Freilichtausstellung "Ankerplatz" am Hafen, bis hin zu zahlreichen Projekträumen mitten in der Innenstadt - immer mit einem eigenen, relevanten Themenansatz, wie beispielsweise der Thematik "Wohnen" . Auch an zukünftigen Ausstellungsexponaten, wie den "Oldenburger Fensterblicken" konnte man sich mit eigenen Beiträgen beteiligen. Doch nun wird das Museum sehr bald wieder ein eigenes Gebäude, eigene Gestaltungsflächen besitzen und für das Team des Museums wird die große Aufgabe darin liegen, die Menschen, die nun oftmals mitten in der Stadt oder an anderen prominenten Lagen erreicht wurden, auch an den Lappan zu locken. Dabei ist es Steffen Wiegmann besonders wichtig, eben nicht nur diejenigen für den Neubau zu begeistern, die ohnehin bereits einen direkten Draht zur Kunst und Kultur oder zu Museen besitzen. "Wir wollen die breite Bevölkerung erreichen und insgesamt einen Raum schaffen, der Barrieren abbaut und der es leichter macht, Teil von etwas zu werden. [...] Wir planen ein offenes Haus, die Menschen sollen sich das erobern, es als ihr Haus verstehen und vom Erdgeschoss bis zum Dach in Besitz nehmen." Wir sind uns sicher, dass das neue Haus dieser Aufgabe gerecht werden und wie in seiner Zeit ohne Haus, größte Kreativität mit seinen Erzählungen und Geschichten beweisen wird, über die Stadt, die uns so am Herzen liegt. Wir können die bevorstehende Eröffnung und das finale Ergebnis jedenfalls kaum noch erwarten! Und ihr? Auf den Seiten des Stadtmuseums findet ihr alle aktuellen Entwicklungen und Projekte des Hauses: www.stadtmuseum-oldenburg.de www.museum-findet-stadt.de
- DAS GLOW JAZZFESTIVAL
Jazz hat es nicht leicht. Früher als Sound der Jungen und Wilden bekannt, gilt er heute eher als Musik der älteren Gebildeten. Dabei ist es natürlich Unsinn, einen Stil oder ein Genre einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Musik ist für alle da - und Jazz bietet für alle was! Den idealen Einstieg in die Materie bietet jetzt das GLOW Nordwest Jazzfestival der Jazzmusiker Initiative Oldenburg. Warum ihr diese Chance nutzen solltet, hat uns Kontrabassist Michael Hagemeister im Interview verraten. Stimmungsvoll: Jazz ist in amerikanischen Bars und Clubs zuhause, er funktioniert aber auch auf deutschen Bühnen - wie nun das GLOW Nordwest Jazzfestival zeigt. (Bild: Jazzmusiker Initiative) Jazz? Den Bergiff hat jeder schon mal gehört. Viele von uns kennen aber eher die ikonischen Bilder von Miles Davis, Duke Ellington, Charlie Parker oder John Coltrane als deren oft ausufernden Musikstücke. Auf weltberühmten Fotografien sehen wir, wie diese Superhelden der Musikgeschichte an ihren Instrumenten alles geben, eingehüllt von der stimmungsvollen Atmosphäre verrauchter Bars oder Clubs. Diese Ästhetik ist verdammt cool - doch was ist mit der Musik? Da tun sich viele schon deutlich schwerer. Kein Wunder, schließlich verlangen die meisten Jazz -Stücke etwas mehr Aufmerksamkeit als eine 08/15-Popnummer. Aber ist der Sound wirklich so komplex? Sind die Stücke tatsächlich hektisch und chaotisch? Oder muss man sich einfach nur darauf einlassen und stellt dann fest: Die Musik ist genauso cool wie die berühmten Bilder? Darüber haben wir uns mit Michael Hagemeister unterhalten der zusammen mit Raimund Moritz und Stella Bergmann das GLOW Jazzfestival der Jazzmusiker Initiative organisiert - und damit einen Ort schafft, an dem man ganz einfach und trotzdem ganz tief ins Thema Jazz eintauchen kann. GLOW - NORDWEST JAZZFESTIVAL 25 BIS 28. SEPTEMBER 2025 KULTURZENTRUM PFL WILHELM13 CARL-VON-OSSIETZKY-UNIVERSITÄT PROGRAMM (PDF) / TICKETS Jazz: Die schöne Herausforderung Zugegeben: Wir haben für unser Gespräch die völlig falsche Uhrzeit gewählt. An einem Donnerstagmittag um kurz vor Zwölf wirkt das Wilhelm13 jedenfalls nicht wie einer jener verrauchten Clubs, in dem der Jazz zuhause ist. Immerhin aber treffen wir mit Michael Hagemeister einen gutgelaunten Vollblutmusiker, der uns mit seinen Worten an der Faszination des Jazz teilhaben lässt. Noch besser ist es natürlich, Ende September zum GLOW Nordwest Jazzfestival zu gehen, aber dieses Interview ist eine ideale Einstimmung - auf den Jazz selbst. Falsche Tageszeit, richtiger Ort; Michael Hagemeister vor dem Wilhelm13. (Bild: Kulturschnack) Michael, wir fangen mit der schwersten Fragen an: Kannst du beschreiben, was Jazz eigentlich ist? Oh, das ist natürlich eine große Frage! ( lacht ) Jazz ist sehr vielfältig, deswegen gibt es darauf natürlich keine ganz einfache Antwort. Aber vom Grundsatz her ist Jazz immer improvisierte Musik. Es gibt eine Grundlage - einen Song, ein Pattern, eine Melodie, ein kleines Stück Musik eben - worüber man dann improvisiert. Das kann in relativ engen Formen passieren, wo jeder weiß, was der andere macht. Das kann sich bei freier Improvisation aber auch ganz anders anhören. Es gibt allerdings auch alle möglichen Mischformen, wo es dann in Richtung Pop, Funk oder HipHop geht . Das kennen viele aus dem Radio. Du spielst selbst Jazz. Was magst du persönlich daran? Ich bin ja vor allem klassischer Musiker , aber ich spiele auch sehr gerne Jazz. Man könnte sagen: Das ist so eine Art geheime Leidenschaft. Das Tolle daran ist, auf sehr enge Art und Weise mit anderen Musiker:innen zusammenzuspielen. Dieses kleine Stück Musik, das man spielt, kennt man ja auswendig. Dadurch ist man einfach viel freier in dem, was man tut. Und es ist natürlich auch sehr kreativ. Diese Freiheit setzt einen zwar auch mal unter Druck, weil du dir plötzlich etwas ausdenken musst und andere verstehen sollen, was du da tust. Das ist eine Herausforderung - aber eine sehr schöne! Nun gibt es ja durchaus unterschiedliche Meinungen zum Jazz. Die einen lieben ihn abgöttisch, die anderen können so gar nichts damit anfangen. Was würdest du einer Person antworten, die Jazz als „viel zu hektisch und chaotisch“ beschreibt? Ich komme auf die Vielfalt zurück: Es kommt immer darauf an, um welche Form des Jazz es geht. Es gibt ja auch sehr ruhige Musik, die überhaupt nicht hektisch ist. Man sollte einfach mal unterschiedliche Varianten des Jazz ausprobieren. Vielleicht fängt man mit etwas an, das einem schon irgendwie gefällt. Ich hab die Mischformen ja schon erwähnt, da gibt es zum Beispiel die Jazzkantine. Auch bei den Fantastischen Vier findet man in etlichen Songs Jazz-Elemente. Ich selbst bin ganz klassisch über Louis Armtsrong zum Jazz gekommen, von ihm habe ich ein „Best Of“ mit 13, 14 Jahren rauf und runter gehört. Ein guter Einstieg ist sicher auch Nils Landgren , der schon einige Male in Oldenburg gespielt hat. Von da aus kann man sich dann „weiterhören“. Aber wenn einem die Musik dann zu hektisch wird, dann muss man das vielleicht auch nicht hören. Wo du gerade die Mischformen erwähnst: Gibt es da auch kleine Glaubenskriege, was Jazz ist und was nicht? Die gibt es auf jeden Fall. ( lacht ) Das ist in der Kunst ja eigentlich immer so, weil die Leute, die wirklich etwas eigenes erstellen, natürlich sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Müssen sie ja auch, weil ja etwas Einzigartiges entstehen soll. Und wenn man dann auf andere blickt, die andere Schwerpunkte setzen, dann kommt schnell der Gedanke: Was machen die denn da? Das ist doch keine Kunst! Oder eben: kein Jazz!“ Aber das bewegt sich alles im Rahmen, wie überall sonst auch. Young Jazz: Die junge Oldenburger Band Nakamarra verbindet HipHop mit Jazz. (Bild: Jan-Christoph Baedeker) Viele Jazz-Stücke dauern relativ lang, manche durchbrechen die Zehn-Minuten-Marke. Die Hörgewohnheiten der Leute gehen aber dahin, dass die Songs immer kürzer sein müssen und der Refrain am besten nach zehn Sekunden schon kommt. Passt Jazz noch in diese Zeit ? Wir haben eine vielfältige Gesellschaft und ich glaube, es wird immer Leute geben, die sich für längere Musikstücke interessieren und die es mögen, dass sie mal richtig eintauchen können und auf eine musikalische Reise geschickt werden. Gerade das ist ja das Tolle: dass man aus dem Alltag rauskommt und gedanklich ganz woanders hingehen kann. Bei einer Autofahrt würde ich mir vielleicht nicht zwingend ein neues Album anhören, weil ich dann nicht die richtige Aufmerksamkeit dafür habe. Aber wenn ich auf ein Konzert gehe, dann kann es auch gerne mal länger gehen. Ich glaube schon, dass es immer Leute geben wird, die das mögen und ich glaube auch, dass es noch mehr sein würden, wenn die Hemmschwellen weg wären. Gut aufgelegt: Michael erzählt mitreißend von Jazz-Konzerten. Letztlich hilft aber nur eines: Selber erleben - auf dem GLOW Nordwest Jazzfestival. (Bilder: Kulturschnack) Apropos Konzert: Muss man Jazz live gesehen haben, um den richtig zu verstehen? Live ist es schon ein besonderes Erlebnis. Nicht zuletzt, weil die Musik flüchtig ist. Die Stücke sind in dieser Form nur kurz da und es gibt sie wegen der Improvisation nur dieses einzige Mal. Danach sind sie unwiederbringlich vergangen. Eine Aufnahme dagegen kann ich mir ja immer wieder anhören. Zudem ist die Energie auf der Bühne natürlich eine ganz andere als im Studio. Ein starkes Solo reißt die Leute förmlich von den Sitzen. Insofern ist es tatsächlich was Besonderes, Jazz live zu hören. International: Der Namensgeber des Amsterdamer David Urban Quartetts stammt zwar aus Oldenburg, die weiteren Musiker aber aus Venezuela und Spanien. (Bild: Flavia Escartin) Du hast jetzt mehrfach die Improvisation erwähnt. Da fragen sich ja viele: Wie funktioniert das? Spürt man als Musiker untereinander, wer gerade dran ist? Oder gibt es geheime Zeichen? Das hängt ein bisschen von der Art der Musik ab, aber auch davon, wie die Musiker:innen miteinander spielen. In einem klassischen Trio gibt es meist geheime Zeichen vom Bandleader, der siganlisiert: Jetzt bist du dran. In anderen Formationen ist es wirklich so, dass es sich ergibt und dass man das tatsächlich spürt. Aber im Grunde ist es schon so, dass man sich ein bisschen verständigt oder es von vornherein im Arrangement festgelegt wurde, wer wann und wie dran ist. Spielt dabei eigentlich auch das Publikum eine Rolle. Oder agiert man eher in erster Linie für sich? Es macht schon einen großen Unterschied aus, ob da Leute sitzen und vielleicht auch mitgehen. Die Musiker:innen auf der Bühne spüren die Stimmung im Raum und manche brauchen sie vielleicht auch, um außergewöhnlich aufzuspielen. Viele Solos sind wie ein eigenes kleines Stück. Und wenn das vorbei ist, dann wird auch extra applaudiert, während das Stück eigentlich noch läuft. Und das ist schon was, wo das Publikum auch eine wichtige Rolle einnimmt. Man spürt ja, wie die Leute dann mitgehen. Familienangelegenheiten: Lisa Herbolzheimer, bekannt u.a. durch Les Brünettes, singt Lieder ihres Großvaters Peter. (Bild: Ralph Matucci) Für das ultimative Live-Erlebnis gibt es ja jetzt demnächst GLOW. Also erzähl mal ein bisschen. Was genau ist das? GLOW, das Nordwest Jazz Festival, findet dieses Jahr zum ersten Mal in dieser Form und unter diesem Namen statt. Das Line-Up reicht von jungen Musikerinnen und Musikern aus der Region bis zu international bekannten Jazzgrößen aus Deutschland. Die übliche Besetzung besteht aus Schlagzeug, Kontrabass und Klavier als Begleitsektion. Oft kommt dann noch ein Bläser dazu oder ein Sängerin bzw. Sänger. Von der Musik ist es schon viel „Modern Jazz“, also sehr zugängliche Varianten. Vor allem die jungen Bands machen gerne Fusion-Sounds, die stark in Richtung Popklänge gehen. Eine Besonderheit wird es übrigens am Freitag- und Samstagabend im Wilhlem13 geben: Dort wird jeweils ab 22:30 Uhr eine Clubnacht mit einer Live Band stattfinden, wo man dann auch tanzen darf und soll und wahrscheinlich auch muss, weil es gar nicht anders geht. Der Fokus liegt also auf Oldenburg, es gibt aber durchaus auch bekannte Jazzgrößen zu sehen und zu hören? Das kann man so sagen. Und das Besondere daran ist, dass auch diese Jazzgrößen alle eine Verbindung nach Oldenburg haben. Wir haben also nicht einfach irgendwelche Leute „eingekauft“, wir haben auf diese Connections zur Oldenburger Szene geachtet. Wie zum Beispiel bei Bertram Lehmann , der zwar aus den Boston, Massachusetts hierher kommt, aber ursprünglich aus Oldenburg stammt und kurz auch in den Niederlanden studiert hat - wie übrigens viele Musiker:innen von hier. Bertram Lehmann in Action: Der gebürtige Oldenburger lebt zwar in Boston und lehrt am Berklee College of Music, für GLOW kommt er aber in seine alte Heimat. Und wieso der Name GLOW? Was glüht denn da? Da glüht natürlich unser Herz für die Musik. ( lacht ) Es war schon fast eine spontane Eingebung, diesen Titel zu wählen. Und wenn man jetzt das Plakat sieht, dann ist die Wirkung schon sehr stark. Ich hoffe, damit können wir für das Festival eine große Aufmerksamkeit erreichen. Wie ist denn die Idee fürs Festival entstanden? Warum gab es gerade hier in Oldenburg den passenden Nährboden? Ich bin nicht der größte Experte, aber ich würde sagen, die Grundlagen für die Jazz-Szene wurden schon in den späten Siebziger Jahren in der alten Musikschule gelegt. Ein wichtiger Faktor war und ist aber auch die Uni . Da unterrichten viele tolle Musiker:innen - darunter früher auch Klaus Ignatzek , der als Jazzpianist nicht nur in Deutschland eine Größe ist. Einige, die nun auch beim Festival spielen, haben eine ähnliche Vita: Die habe einst hier an der Uni studiert und dann noch ein richtiges Jazzstudium drangehängt. Dafür mussten sie weg, aber nun kommen sie zurück. Andere sind hier geblieben oder - wie ich - hergekommen und haben sich in der Jazzmusiker Initiative Oldenburg zusammengefunden. Alles befruchtet sich gegenseitig und aus dem ständigen Austausch entstand auch die Idee fürs GLOW. Jenseits von Jamiroquai: Nach Anfängen als Cover-Band steht JStyle inzwischen auf eigenen Füßen. Und die wollen tanzen. (Bild: Lars Kämpf) Ist das GLOW Nordwest Jazzfestival vielleicht der perfekte Einstieg für alle, die bis jetzt noch nicht mit Jazz warm geworden sind? Ich denke ja. Jazz ist eine sehr lebendige Musik, wenn man sie live hört. Natürlich sind die Aufnahmen auf ihre Weise faszinierend, aber live bietet Jazz eine ganz besondere Atmosphäre. Zudem ist er sehr vielfältig, da ist für jeden was dabei. Die Clubnächte im Wilhelm13 sind ein guter Einstieg, aber auch das Schuljazz-Meeting in der Uni-Aula. Da kriegt man auch eine ziemliche Bandbreite geboten und zudem ist es immer was Besonderes, wenn Jugendliche zusammen Musik machen. Aber auch die anderen Konzerte sind sehr zugänglich, Man sollte keine Hemmungen haben und einfach mal reinschnuppern, zumal auch die Preise moderat sind. Vielleicht ist GLOW also tatsächlich - wie du sagst - der perfekte Einstieg. Gute Laune beim Schneider Swing Trio: Kein Wunder, denn live ist Jazz auch für die Musiker:innen ein Erlebnis. (Bild: Schneider Swing Trio) Let's GLOW, Oldenburg! Ob perfekt oder nicht: Für alle Oldenburger:innen ist GLOW in jedem Fall ein starkes Angebot direkt vor der Haustür. Die Clubnächte unter dem Titel „Latenight Jazz“ werden garantiert gut, dem Jazz-Feeling kommt man bei den Konzerten aber wohl noch näher. Zwar wird keiner der Veranstaltungsorte in ein qualmvernebeltes Zwielicht getaucht sein. Dafür wird sich aber zeigen, dass Jazz auch jenseits der Foto-Klischess rund um die Ikonen dieser Musikrichting wunderbar funktioniert. Oldenburg ist nicht New York, die Peterstraße nicht die 52nd Street. Trotzdem sollte man das GLOW Nordwest Jazzfestival keinesfalls verpassen. Schließlich ist es niemals zu spät, sich von etwas begeistern zu lassen. Und sollte das bei euch passieren, dann habt ihr in Zukunft nicht mehr nur Bilder im Kopf, wenn ihr den Begriff Jazz hört, sondern coole Sounds und unvergessliche Abende. Let's glow!











