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USA BEGEGNUNGEN: I HAVE A DREAM

  • kulturschnack
  • 2. Okt.
  • 5 Min. Lesezeit

„I have a Dream!“: Diesen einfachen Satz sprach Martin Luther King Jr. bei einer Kundgebung am Lincoln Memorial in Washington am 28, August 1963. Sein Traum handelte von einer Welt ohne Vorurteile und Rassismus, von Freiheit und Gleichheit für alle Menschen. Inhalt und Intonation dieser Rede waren so perfekt auf diesen Moment zugeschnitten, dass sie sich tief ins kollektives Gedächtnis Amerikas einbrannte. Doch auch heute ist sie noch relevant - und zwar auch in Deutschland, wie ihr jetzt in der umBAUbar erleben könnt!


Martin Luther King am Lincoln Memorial. Die Martin Luther King Story  ist jetzt bei den USA Begegnungen in Oldenburg zu sehen.
Epochaler Moment: Martin Luther King spricht zum Abschluss des „March on Washington“ vor dem Lincoln Memorial vor einer Viertelmillion Menschen. (Bild: Wikipedia Commons)

Seien wir ehrlich: Es ist außerordentlich selten, dass die Rede eines Politikers dauerhaft in Erinnerung bleibt. In manchen Fällen ist das schade, in vielen anderen eher nicht. Es muss also etwas bedeuten, wenn ein Wortbeitrag nicht nur über den Tag hinaus, sondern selbst Jahrzehnte später noch hohe Bekanntheit genießt oder sogar Teil der nationalen Identität wird. Man darf dann tatsächlich von einem epochalen Moment sprechen.


Genau das war jener 28. August im Jahre 1963, als der Menschenrechtler Martin Luther King Jr. ans Mikrofon trat und seinen 250.000 Zuhörer:innen zurief: „I have a dream!“ Doch auch, wenn dieser Augenblick geradezu ikonisch war, würde man dem späteren Träger des Friedensnobelpreises Unrecht tun, wenn man ihn darauf reduzieren würde. Das Leben von Martin Luther King Jr. ist voller Eindrücke und Erlebnisse, Erniedrigungen und Erfolge. Es steht für vieles, was die USA zur Mitte des letzten Jahrhunderts ausmachte und was sie gesellschaftlich zu bewältigen bzw. zu überwinden hatte. Wie all das in einen einzigen Theaterabend passen soll? Das zeigt das Wuppertaler Basta Theater nun in der umBAUbar - und hat dabei sogar noch Zeit für Musik!



USA BEGEGNUNGEN


DIE MARTIN LUTHER KING STORY

EIN MUSIK-THEATERSTÜCK GEGEN RASSISMUS


SONNTAG, 5. OKTOBER 2025, 18 UHR UMBAUBAR

26122 OLDENBURG




Vier prall gefüllte Jahrzehnte


864 Seiten. Das ist der Umfang der aktuellsten Biographie über Martin Luther King Jr., geschrieben vom US-Journalisten Jonathan Eig, ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2024. Man darf diese Zahl durchaus als Indiz dafür nehmen, dass im Leben des Portraitierten einiges geschehen sein muss, das wiederum eine gewisse gesellschaftliche Relevanz besaß. Und tatsächlich passt all das, was dem Bürger:innenrechtler zwischen seiner Geburt im Jahre 1929 und seiner Ermordung im April 1968 widerfuhr, nur mühsam zwischen zwei Buchdeckel.



Ort, Person, Inhalt und Intonation: An der berühmten Rede von Martin Luther King Jr. vor dem Lincoln Memorial in Washington stimmte einfach alles. (Video: Framepool)

Umso beachtlicher ist es, dass es dem Basta Theater gelingt, diese vier prall gefüllten Jahrzehnte in etwa einhundert Theaterminuten zu fassen und die szenischen Schlaglichter auf ein Leben mit der passenden Musik zu untermalen. Es ist nämlich keineswegs so, dass sich die Gruppe um Theater-Urgestein Rudi Rhode nur die Geschehnisse um den „March on Washington for Jobs and Freedom“ oder die Entstehung des „Civil Rights Act of 1964“ herausgepickt hätte. Nein, in seinem szenischen Musikprogramm zeichnet das Basta Theater den bewegten und bewegenden Weg des Friedens-Nobelpreisträgers beinahe vollständig nach - „von den Anfängen des gewaltfreien Widerstands der Bürgerrechtsbewegung Mitte der fünfziger Jahre bis hin zu Kings Ermordung im Jahre 1968“, wie Rudi betont.



Querverweise in die Gegenwart

 

Bild eines Kartons mit Black Lives Matter-Beschriftung
Weiterhin aktuell: Martin Luther King Jr. kämpfte für Freiheit und gegen Rassismus. Als erliegt kann man diese Aufgaben bis heute nicht betrachten. (Bild: Unsplash)

Was hier nach einer unterhaltsamen Geschichtsstunde klingt, ist natürlich viel mehr als das. Zwar lernt das Publikum einiges über die Geschehnisse in den USA des letzten Jahrhunderts. Über die Spannungen und Zerreißproben, die oft genug in Gewalt umschlugen - nur um zu erreichen, was uns heute selbstverständlich erscheint. Doch dabei bleibt es nicht. „Immer wieder gibt es Querverweise auf die Situation in Deutschland„ in der rechtsradikale Politiker:innen unverhohlen die Deportation von Migranten propagieren und planen“, ordnet Rudi ein Denn hier hört die Selbstverständlichkeit schon wieder auf. Gleiches Recht für alle? Was mühevoll und schmerzhaft erreicht zu sein schien, bröckelt nun bereits wieder dahin.


Wobei der subkutane und systemische Rassismus zumindest in Teilen der USA niemals überwunden war, wie die Beispiele von Trayvon Martin (2012) oder George Floyd (2020) zeigten, die zur Gründung der Black Lives Matter-Bewegung führten. Zwar bleiben die Erfolge von Martin Luther King Jr. in den 1960er Jahren davon unberührt und behalten ihre Bedeutung. Jedoch zeigt sich, dass bestimmte Haltungen in der DNA der USA verankert zu sein scheinen.


Oder doch nicht? Auch diese Frage streift das Basta Theater in ihrer „Martin Luther King Story“. Dabei arbeitet es mit Originalzitaten, kurzen Szenen, Soundclouds sowie Einspielungen der berühmten Rede „I have a Dream“.  Kommentiert werden die Inhalte durch live gespielte Songs, die von Kings Weggefährt:innen wie Bob Dylan und Joan Baez, aber auch aus der eigenen Feder des Basta-Theaters stammen.


USA BEGEGNUNGEN 2025 FEHLENTSCHEIDUNG ODER VOLLTREFFER? Der intensive Blick auf die Vereinigten Staaten von Amerika finden die einen zu diesme Zeitpunkt völlig falsch, die anderen genau richtig. Wer hat denn nun Recht?

Voller Klischees: Die USA bieten unzählige kulturelle Anknüpfungs- und Bezugspunkte. Nicht alle treffen unseren Geschmack. (Bild: Pexels)
Voller Klischees: Die USA bieten unzählige kulturelle Anknüpfungs- und Bezugspunkte. Nicht alle treffen unseren Geschmack. (Bild: Pexels)

Diese Frage ist natürlich nicht pauschal zu beantworten. Wir haben uns mit Projektleiter Bernd Hubl deshalb ausführlich über das Für und Wider der USA Begegnungen 2025 unterhalten. In unserem Gespräch wurde deutlich, warum Wegsehen und Schweigen niemals eine gute Lösung ist und gerade der Kontakt auf der menschlichen Ebene zu jedem Zeitpunkt ein Gewinn sein kann. Die USA Begegnungen bieten dem Oldenburger Publikum genau diese Gelegenheit. Im Interview verrät Bernd auch einiges über die Planung und Organisation der achtwöchigen Veranstaltungsreihe sowie einige seiner absoluten Lieblings-Events. Lest unseren Artikel hier!


Mehr als eine Geschichtsstunde


Der Tenor des Musik-Theaterabends ist aber trotz der aktuell eher negativen Entwicklungen keineswegs melancholisch. Das Gegenteil ist der Fall, wie Rudi betont: „Die 'Martin Luther King Story' macht Mut, den Traum von einer Welt ohne Rassismus und Ausbeutung weiter zu träumen - und immer wieder für die Freiheitsrechte einzutreten.“


Martin Luther King im Gespräch mit Journalisten. Die Martin Luther King Story  ist jetzt bei den USA Begegnungen in Oldenburg zu sehen.
Charismatische Person: Martin Luther King Jr. konnte die Menschen mit Worten bewegen. (Bild: Wikipedia Commons)

Die „Geschichtsstunde“ ist also sehr viel mehr als dieser Begriff nahelegen würde. Zwar geht es um das Leben von Martin Luther King Jr., es geht aber genauso sehr um seine Haltungen, Überzeugungen und - genau! - Träume, die uns auch in der Gegenwart noch gut täten. Dass es derzeit keine Person gibt, die in ähnlicher Manier wie er die Massen begeistert und für das Entstehen einer Bewegung sorgen könnte, lässt seine Leistungen umso größer erscheinen.

 

Es bleibt dabei: Viele Reden von Politiker:innen müssen wir nicht zwangsläufig in Erinnerung behalten. Jene Worte, die Martin Luther King Jr. am 28. August 1963 sprach, allerdings schon. Und nicht nur sie, sein ganzes Leben sollten wir nicht vergessen. Es steckt nicht nur voller Erlebnisse, sondern ebenso sehr voller Ideen, Gedanken und Äußerungen, die auch heute - fast sechzig Jahre nach seinem Tod - nachhallen. Eine ideale Würdigung der Person wird uns nun auf der Bühne der umBAUbar serviert: Schaut und hört euch die Martin Luther King Story an und begegnet den USA auf ein vollkommen neue Weise. Und wer weiß? Vielleicht sagt ihr euch danach auch: „I have a dream.“

 
 
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