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STAATSAKT #12: NEXT TO NORMAL

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Aktualisiert: vor 18 Stunden

Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen!


Szene aus „NEXT TO NORMAL“ mit Femke Soetenga, das am Oldenburgischen Staatstheater inszeniert wird.
Bewegendes Musical: „Next to Normal“ widerlegt eindrucksvoll das Klischee, dass es diesem Genre an Tiefe fehlen könnte. (Bilder: Stephan Walzl, Kulturschnack)

Was macht eigentlich ein Musical aus? Beschwingte Stimmung, ein paar Tanzeinlagen und möglichst viele Songs zum Mitsingen? Dieses Klischee hält sich, greift aber zu kurz. Denn auch wenn viele Stoffe tatsächlich für den breiten Massengeschmack aufbereitet sind und inhaltlich eher seicht daherkommen, gibt es auch andere Beispiele: Musicals mit Haltung, Tiefgang und Botschaft.


Zu ihnen gehört „Next to Normal“, das derzeit am Oldenburgischen Staatstheater zu sehen ist. Das Stück aus der Feder von Brian Yorkey und Tom Kitt war in seinem Ursprungsland USA extrem erfolgreich und erhielt u.a. drei Tony-Awards (bei elf Nominierungen) und den Pulitzer-Preis für das beste Drama. Warum? Das wird schon beim Blick auf die Handlung deutlich. Es geht nämlich um eine Familie, in der die Mutter unter einer bipolaren Störung leidet. Statt leichtfüßigen Tanzeinlagen und munterem Geträller gibt es deswegen große Emotionen - wie uns die deutsch-niederländische Hauptdarstellerin Femke Soetenga im KULTURSCHNACK STAATSAKT NR. 12 erzählt.



OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER

NEXT TO NORMAL



DO 19.02. 19:30 UHR KARTEN SA 21.02. 19.30 UHR KARTEN

FR 13.03. 19.30 UHR KARTEN

DI 24.03. 19.30 UHR KARTEN

SO 29.03. 15 UHR KARTEN

DO 30.04. 19.30 UHR KARTEN

DO 07.05. 19.30 UHR KARTEN

MI 20.05. 19.30 UHR KARTEN

SO 31.05. 18 UHR KARTEN

SA 20.06. 19.30 UHR KARTEN


KLEINES HAUS

26122 OLDENBURG





Z W Ö L F T E R

S T A A T S A K T


E R S T E R A U F T R I T T


Ein üppig verglastes Treppenhaus eines Theaters an einem kalten Wintertag. Durch die großen Fenster sind unten auf der Straße noch Reste von Schnee und Eis zu sehen, das Tauwetter und der bedeckte Himmel tauchen die Szeniere jedoch in ein fahles Grau. Zwei Kulturredakteure haben ein Interviewsetting mit zwei Sesseln und mehreren Kameras aufgebaut. Trotz eines unerwarteten Umweges ist der Gast pünktlich vor Ort - und bring beste Laune mit.



Thorsten Lange vom Kulturschnack Oldenburg im Interview mit Femke Soetenga , die am Oldenburgischen Staatstheater in „Next to Normal“ zu sehen ist.
Entspannte Stimmung: Obwohl Femke direkt nach unserem Gespräch in die Maske für den abendlichen Auftritt musste, nahm sie sich gern die Zeit für ein Gespräch. (Bild: Kulturschnack)

THORSTEN Ich fange mit der schwersten Frage an: Worum geht es bei „Next to Normal“?


FEMKE Oha, worum geht’s? (lacht) Das große Thema ist mentale Gesundheit. Das klingt jetzt erstmal ein bisschen groß für ein Musical, aber es ist natürlich ein sehr heutiges Thema. Wir sehen die Familie Goodman, in der die Mutter Diana – die ich spiele – mit einer bipolaren Störung zu kämpfen hat. Diese wurde durch ein dramatisches Erlebnis ausgelöst. Seitdem ist es sehr schwierig für die Familie. Wir erleben sie dabei, wie die unterschiedlichen Charaktere mit der Situation umgehen: Die Mutter geht anders damit um als der Vater, dann haben wir noch eine Tochter, einen Sohn, den Freund der Tochter und einen Arzt - insgesamt nur sechs Personen. Aber alles dreht sich um die Frage: Wie geht eine Familie damit um, wenn eine Person nicht „ganz normal“ ist – so, wie es im Titel „Next to Normal“ angedeutet wird.


Natürlich lässt sich darüber streiten, was Normalität überhaupt ist, und genau damit setzt sich das Musical auseinander. Ich denke, jede Person kann sich in dem Stück irgendwo wiedererkennen – in einer Rolle oder in einer bestimmten Situation.


THORSTEN Bipolare Störungen sind ja schon extreme Erkrankungen. Bereitest du dich als Schauspielerin besonders auf so eine Rolle vor? Steigst du ganz tief ein?


FEMKE Ich steige immer ganz tief ein. (lacht) Du meinst sicher auch, ob ich mir Situationen ansehe oder mich mit Menschen auseinandersetze, die an einer bipolaren Störung leiden. Ja, das habe ich tatsächlich gemacht. Wir haben aber auch sehr viel Hilfe von unserer Regisseurin Konstanze Kappenstein bekommen, die sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und das sehr gut vermitteln konnte. Trotzdem ist es als Schauspielerin natürlich so: Man muss selbst keine bipolare Störung haben, um eine bipolare Störung spielen zu können.


THORSTEN  Zum Glück! Aber wie ist das auf der Bühne? Stellt diese Rolle für dich besondere Herausforderungen dar, weil du nicht nur auf einer Ebene spielst, sondern auch diese starken Schwankungen abbildest?


FEMKE  Absolut! Es ist ein Geschenk, so eine Rolle spielen zu dürfen, weil sie sehr viele Tiefen hat. Man sieht mich wenig lachen. Privat bin ich eigentlich eine recht heitere Person, aber auf der Bühne ist es viel dramatischer – und vor allem sehr vielschichtig. Das ist für eine Schauspielerin immer etwas Besonderes, wenn man so etwas spielen darf.



Kein Musical wie alle anderen: „Next to Normal“ ist enorm abwechslungsreich und überzeugt durch eine große Tiefe. (Bilder: Stephan Walzl)


THORSTEN  Fließt bei so einem Charakter auch etwas von dir selbst mit ein? Sehen wir in Diana auch ein Stück Femke?


FEMKE  Ja, wir sehen sehr viel von mir. Ich muss wie gesagt selbst keine bipolare Störung haben, um sie spielen zu können, aber ich kann sie in alltägliche Situationen übersetzen, die ich kenne. Die sind natürlich nicht so extrem, aber auch ich kenne Höhen und Tiefen, aus denen ich schöpfen kann. Eine Rolle zu spielen, die zum Nachdenken anregt und berührt, ist immer etwas ganz Tolles.


RÄTSELHAFTE KRANKHEIT

WAS IST EINE BIPOLARE STÖRUNG?


Viele Serienfans denken beim Begriff „Bipolare Störung“ zu allererst an die US-Schauspielerin Clare Danes. Warum? Weil sie im Mega-Erfolg „Homeland“ die CIA-Agentin Carrie Mathison spielte, die - ebenso wie Diana Goodman - unter dieser Krankheit litt. Einige Auswirkungen haben die Zuschauer:innen auf diese Weise kennen gelernt. Unklar blieben hingegen die Hintergründe.

Symbolbild für eine „Bipolare Störung“, wie sie Im Mittelpunkt des Musicals „NEXT TO NORMAL“ steht, das am Oldenburgischen Staatstheater zu sehen ist.
Zwischen den Extremen: Wer unter einer bipolaren Störungen leidet, erlebt sehr gegensätzliche Episoden. (Bild: Taylor Gregory/Unsplash)

Die bipolare Störung, früher manisch-depressiv genannt, ist eine schwere, oft chronische psychische Erkrankung, die durch wechselnde Episoden von extremer Hochstimmung (Manie/Hypomanie) und tiefer Depression gekennzeichnet ist. Betroffene erleben Phasen von Antriebslosigkeit und Euphorie, die unabhängig von der Lebenssituation auftreten. Die Behandlung umfasst meist eine Kombination aus Medikamenten, wie Stimmungsstabilisatoren, und Psychotherapie. Die Erkrankung verläuft in Episoden, wobei depressive Phasen häufig überwiegen: 

Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt, es wird jedoch von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung (erbliche Komponente) und Umweltfaktoren ausgegangen. Auch Hirnstoffwechselstörungen (Neurotransmitter) spielen eine Rolle. Etwa 1-3 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, die Ersterkrankungen treten oft zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. Zwischen den Episoden können Phasen der Stabilität liegen. Ohne Behandlung besteht jedoch ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko.



THORSTEN  Gibt es auch den umgekehrten Weg? Also dass so eine intensive Rolle auf dich als Privatperson abfärbt?


FEMKE  Ja, schon. Vielleicht nicht so, dass ich denke: „Jetzt habe ich wie Diana reagiert.“ Aber während der Probenzeit ging es uns allen so, dass wir emotional sehr gefordert waren. Wir sind nur sechs Personen und bestreiten einen fast dreistündigen Abend. Ich bin an sehr vielen Szenen beteiligt. Am Ende einer Probenwoche war ich emotional richtig erschöpft – mehr als bei jeder anderen Rolle bisher.


Man beschäftigt sich mit Themen, die normalerweise nicht an der Oberfläche liegen, steigt tief ein und fragt sich: Wie fühlt sich das an, wie transportiere ich das? Das führt auch zu körperlicher Müdigkeit. Auch wenn wir eine sehr schöne, entspannte Probenatmosphäre hatten und zwischendurch viel gelacht haben – es macht etwas mit einem.


Außerordentlich vielseitig: Genau wie das Stück „Next to Normal“ zeigt auch Femke Soetenga während unseres Gesprächs vieles Facette ihrer Persönlichkeit - aber vor allem heitere. (Bilder: Kulturschnack)


THORSTEN Bipolare Störungen bedeuten extreme Schwankungen. Erleben wir im Stück eine emotionale Achterbahnfahrt?


FEMKE Wir sehen tatsächlich eher die Tiefen. Dianas Diagnose liegt zum Zeitpunkt der Handlung schon 16 Jahren zurück und seitdem gab es Therapien und Medikamente. Davon sind die manischen Höhen - die Heiterkeit, die Euphorie - unterdrückt. Wir erleben eher Momente von Gefühllosigkeit und Tiefe – bis zu dem Punkt, an dem Diana entscheidet, die Medikamente eigenständig abzusetzen. Dann sehen wir noch einmal eine manische Phase.


THORSTEN  Bringt uns das Stück diese Krankheit näher? Haben wir am Ende ein besseres Verständnis für sie?


FEMKE  Ja, das glaube ich sehr. Die Rückmeldungen, die ich bisher bekommen habe, zeigen das auch. Es geht nicht darum, dem Publikum etwas aufzuzwingen, sondern es mitzunehmen in die Geschichte. Dadurch entsteht Mitgefühl – und vielleicht auch Verständnis. Eine Zuschauerin hat mir nach einer Vorstellung gesagt, sie sei betroffen und sie sie fühle sich verstanden.


Gleichzeitig übt das Musical auch Kritik am medizinischen System: Psychische Erkrankungen lassen sich nicht nach Schema F behandeln. Jeder Mensch braucht einen individuellen Umgang, und genau daran mangelt es oft. Das macht das Thema sehr aktuell – und auch frustrierend.


STARKES THEATERPROGRAMM

DIE GROßE VIELFALT


Mit dem KULTURSCHNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 188 Gründe.

Das Spielzeit-Heft des Oldenburgischen Staatstheaters in Oldenburg
Viel drin: Das Spielzeitheft 25/26 des Oldenburgischen Staatstheaters.

Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 3 Uraufführungen und 31 Premieren, dazu 19 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regelmäßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT. Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. 


THORSTEN Würdest du sagen, es ist eine Aufgabe des Theaters, solche schwierigen, tabuisierten oder häufig übersehenen Themen auf die Bühne zu bringen?


FEMKE Ja, unbedingt. Und trotzdem ist es wichtig zu sagen: Niemand soll sich vom Thema abschrecken lassen! Es ist kein durchgehend schweres Musical. Es berührt, aber es hat auch witzige Momente. Die Musik ist großartig, die Texte sind toll. Das Stück wurde vor etwas mehr als zehn Jahren in den USA uraufgeführt und hat unter anderem den Tony-Award und den Pulitzer-Preis gewonnen.


Es ist nicht mit erhobenem Zeigefinger gemacht. Theater darf sich trauen, solche Themen anzusprechen – besonders, wenn sie in einem so schönen Rahmen erzählt werden.

THORSTEN  Wenn du eine große Stärke der Inszenierung am Oldenburgischen Staatstheater nennen müsstest, welche wäre das?


Szene aus dem Musical „NEXT TO NORMAL“ mit Femke Soetenga, das im Oldenburgischen Staatstheater zu sehen ist.
Achterbahnfahrt: In „Next to Normal“ werden sämtliche Gemütszustände thematisiert. (Bild: Stephan Walzl)

FEMKE Es gibt so viele Stärken im Stück, da will ich mich gar nicht auf eine Sache beschränken! (lacht) Deshalb antworte ich: Das Team. Wir arbeiten unglaublich gut zusammen, die Stimmung ist toll, alle ziehen in die gleiche Richtung. Ich betone das, weil das in dieser Form nicht selbstverständlich ist. Regie, Bühnenbild, Licht, Ton – alle wollen, dass wir das Stück genauso spielen können, wie wir es vorbereitet haben. Diese Gemeinsamkeit spürt man, und sie fließt in die Aufführung ein.


THORSTEN Interessant ist ja auch der Titel des Stücks. Normalität klingt zunächst einmal unspektakulär, viele Menschen verbinden sie mit Alltäglichkeit und Monotonie. Warum ist dieses Ringen der Familie um Normalität so spannend?


FEMKE Weil Normalität für jede Person etwas anderes bedeutet – in der Familie genauso wie in der Gesellschaft. Diana sucht letztlich keine Heilung, sondern einen Umgang mit ihrer Erkrankung. Der Kampf gegen Erwartungen und Systeme macht müde. Irgendwann gibt sie das Streben nach „normal“ auf, sie will das gar nicht mehr sein. Die Tochter sagt schließlich auch: Vielleicht reicht es aus, fast normal zu sein. Daher auch „Next to normal“.






THORSTEN  Ist dieses „fast normal“ vielleicht sogar erstrebenswerter als ständig nach Extremen oder Perfektion zu jagen?


FEMKE  Ja. Wir sind ständig auf der Suche nach dem Nächsten, dem Größeren. Ich darf nicht zu viel zu Hause rumgammeln. Einerseits ist es doch total toll, mal zwei Tage lang zu prokrastininieren, aber gleichzeitig fühlt man sich schuldig, wenn man es macht. FOMO spielt eine große Rolle - kurz für „Fear of Missing Out“, also die Angst etwas zu verpassen. Dabei ist das kleine Glück – zu Hause, mit Familie oder Partner – oft genauso wertvoll, wenn nicht wertvoller.


Bestens aufgelegt: Femke sprach gern und voller Enthusiasmus über „Next to Normal“. (Bild: Kulturschnack)
Bestens aufgelegt: Femke sprach gern und voller Enthusiasmus über „Next to Normal“. (Bild: Kulturschnack)

THORSTEN Nun ist „Next to Normal“ ja ein Musical. Da stellt sich die Frage: Inwiefern hilft die Musik der Geschichte?


FEMKE Die Musik unterstreicht sehr gut die Gefühle, die vermittelt werden sollen. Sie gibt mir als Sängerin die Möglichkeit, Verzweiflung laut oder ganz leise auszudrücken, Hoffnung anders klingen zu lassen. Das hilft enorm, Emotionen zu transportieren.


THORSTEN Ob berechtigt oder nicht: Manche erwarten von Musicals ja eine eher heitere Stimmung. Das ist hier sicher nicht durchgehend so. Aber was überwiegt denn am Ende: Hoffnung oder Frustration?


FEMKE Um für das Stück zu werben, sollte ich jetzt sagen: die Hoffnung! (lacht) Diese Momente gibt es auch! Vor allem ist es aber ein Ringen. Die Familie startet immer wieder Versuche, eine gewisse Normalität in ihr Leben zu bringen, doch alle nutzen sich dabei ab und reiben sich auf. Verzweiflung gehört dazu, aber auch Hoffnung.


Vor allem geht es darum, gesehen und verstanden zu werden – so wie man ist. Das gilt für jede Figur.

THORSTEN Du hast gesagt, Musik berührt anders als Sprache. Macht das auch heute noch etwas mit dir? Bewegt sie dich?


FEMKE Absolut. Vor allem in den sechs Wochen, in denen wir das Stück erarbeiten, spüre ich die Emotionalität der Musik sehr. Sie ist auch der Grund, warum ich Musical mache. Sie ist im Vergleich zum Schauspiel ein zusätzliches Medium, das Emotionen verstärkt und verändert. Ja, sie berührt mich sehr.


Szene aus dem Musical „NEXT TO NORMAL“ mit Femke Soetenga, das im Oldenburgischen Staatstheater zu sehen ist.
Starkes Bühnenbild: Das Publikum kann Dianas Gefühle hautnah miterleben. (Bild: Stephan Walzl)

THORSTEN Viele verbinden Musicals mit Leichtigkeit, mit beschwingter Unterhaltung ohne größere Tiefen. „Next to Normal“ beweist, dass es auch anders geht. Was denkst du: Werden Musicals allgemein ernst genug genommen?


FEMKE Wenn man sie selbst ernst nimmt, merkt das auch das Publikum und dann nimmt es mir auch ab, was ich auf der Bühne transportieren möchte.


Es gibt immer mal wieder Diskussionen, inwiefern Musicals eine ernstzunehmende Kunstform sind. Aber ich stelle mir dieses Frage gar nicht, weil ich weiß, wie viel Arbeit und Herzblut darin steckt und wie viele Menschen wir damit auch erreichen. Für mich ist es die beste Kunstform.

THORSTEN Wer zuvor gezweifelt und dass nun gehört hat, dürfte jetzt endlich überzeugt sein! Laatste vraag: Je spreekt ook Nederlands. Dat is zo'n mooie taal. Kun je Oldenburg een klein complimentje geven?


FEMKE Naturlijk! Ik vind Oldenburg is een erg moie stad. Ik moet zeggen ik find het een beetje verwarrend, ontwikkelte hoe het binnenstad in elkaar zit, ik ben al een paar keer verdwaald. Maar de mensen zaan echt aardig en heel openhartig. Ik voel me hier tohuis - ich fühl mich hier Zuhause!


THORSTEN Leuk! Dank je wel!


FEMKE Dank je wel voor het gesprek! (lacht)



Thorsten Lange vom Kulturschnack Oldenburg im Interview mit Femke Soetenga , die am Oldenburgischen Staatstheater in „Next to Normal“ zu sehen ist.
Talk nach dem Talk: Femke und Thorsten hatten nach dem Drehschluss noch einiges zu besprechen - nicht nur, aber auch über ihr Faible für die Niederlande. (Bild: Kulturschnack)

Ein fast normales Musical


Was macht ein Musical aus? Die Antwort auf diese vermeintlich leichte Frage fällt nach dem Gespräch mit Femke Soetenga deutlich differenzierter aus als zuvor. Denn eines ist deutlich geworden: Musicals lassen sich nicht so leicht in eine Schublade packen. Natürlich gibt es nach wie vor die seichten Vertreter des Genres, die alle Klischees erfüllen, die man mit ihm verbindet. Es gibt aber eben auch Stück wie „Next to Normal“. Bei ihnen zeigt sich: Musicals sind nicht nur in der Lage. auch komplexe oder „schwierige“ Themen aufzugreifen. Durch die Musik haben sie darüber hinaus sogar zusätzliche Möglichkeiten, emotionale Akzente zu setzen.


Kein Wunder also, dass Femke für Musicals brennt. Die erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin, die mit Formaten wie „Sister Act“ in ganze Deutschland unterwegs ist, sieht in ihnen die perfekte Kombination aus Theater und Musik, die sich gegenseitig bereichern: Die Kompositionen geben den Gefühlen noch mehr Raum, die Handlung verleiht den Songs noch mehr Gewicht. Wer bisher einen Bogen um die großen Musicaltheater gemacht hat, sollte nun unbedingt ins Kleine Haus gehen, um ihr volles Potenzial zu erleben - und zu erfahren, warum es manchmal auch okay ist, nur fast normal zu sein.

 
 
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