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- EINFACH MAL UPDREIHN
Weitgehend unbemerkt von der breiten Masse der Bevölkerung hat sich in Oldenburg ein Musikfestival etabliert, das seit dem Start im Jahr 2017 immer wieder durch starke Line-Ups überzeugt und folgerichtig immer ausverkauft ist. Woran es liegt, dass die große Mehrheit keine Notiz davon nimmt? Vielleicht weil es um Punk, Ska und Rock'n'Roll geht? Doch was die einen abschreckt, lieben die anderen heiß und innig - und so wurde das Festival zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen Musikszene. Wir haben uns die Sache mal genauer angeschaut. Sold out ohne Sellout: Das Updreihn Festival ist jedes Jahr ausverkauft, doch es ist sich selbst stets treu geblieben. Das soll auch so bleiben. (Bild: Matthias Probst/Kulturschnack) Wie entsteht eigentlich ein Festival? Und wie wird es erfolgreich? Auf diese Fragen gibt es höchst unterschiedliche Antworten. Zwar werben fast alle Veranstaltungen unabhängig von ihrer Größe mit Authentizität, Unverfälschtheit und Einmaligkeit. Nicht wenige Festivals sind aber in erster Linie deshalb entstanden bzw. wurden von großen Entertainment-Firmen initiiert, weil es mit Live-Erlebnissen und Emotionen viel Geld zu verdienen gibt. So ehrlich muss man sein. Doch es gibt auch andere Beispiele. Nämlich jene Festivals, bei denen sich anfangs nur einige Freund:innen zusammenfanden, um etwas eigenes auf die Beine zu stellen - vielleicht, weil es nichts Vergleichbares in Reichweite gab. Das bekannteste Beispiel für dieses Prinzip dürfte das Wacken Open Air , das im Jahre 1990 für 22 Mark fünf Bands bot und 800 Leute anlocken konnte - gerade einmal ein Hundertstel der heutigen Resonanz. Ein anderes Beispiel ist das Updreihn Festival in Oldenburg-Bürgerfelde , das jedes Jahr am ersten Samstag im November stattfindet. Es ist zwar einige Nummern kleiner als der große Bruder aus Schleswig Holstein, doch hier wie dort steht am Ende immer: Ausverkauft. Wie hat es das Updreihn geschafft, seine Nische zu besetzen? Wie erklärt sich der Erfolg? Und wohin geht die Reise? Das haben wir Cathrin Winkler und Sven Blendermann gefragt. Die beiden sind seit 2017 bzw. 2021 Teil des Updreihn-Teams - und ihre Antworten zeigen, warum es auch Festivals abseits des Mainstreams geben muss. 7. UPDREIHN FESTIVAL MIT THE DROWNS, THE GUILT, POMMESPANZER, DAMAGED LIFE, ZEMENTKRAETZE SAMSTAG, 8. NOVEMBER 2025 JFS BÜRGERFELDE ALEXANDERSTRAßE 207 26127 OLDENBURG AUSVERKAUFT Schöner Abend, nette Menschen Viele Menschen gehen gerne auf Konzerte oder Festivals. Die wenigsten nehmen das aber zum Anlass, selbst so etwas zu organisieren. Wie kam es dazu, dass ihr eines Tages euer eigenes Festival auf die Beine stellen wolltet? Cathrin Das Updreihn Festival ist aus einem Freundeskreis heraus entstanden, in dem einige in der Gastroszene, andere in der Musik tätig sind. Größtenteils haben wir Verbindungen zum VfB Oldenburg und der Fanszene. Bei der Jugendfreizeitstätte wurde 2017 das VfB Sommerfest veranstaltet. Einige Personen, die in die Planung involviert waren, kamen auf die Idee, anschließend ein Abendprogramm mit Livemusik anzubieten. Wir gaben dem ganzen einen Namen und das erste „Updreihn an de Utfahrt“ fand dann abends in der JFS Bürgerfelde statt. Dadurch, dass viele von uns Expertise in Bereichen der Veranstaltungsdurchführung haben, war es uns möglich, ein Festival in Eigenregie zu planen und durchzuführen. Eingeschworene Gemeinschaft: Die vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden fallen leichter, wenn man sich gut versteht - wie das Team des Updreihn Festivals. (Bild: Valentin Oeckinghaus ) Ihr habt damit definitiv einen Nerv getroffen: Die Resonanz auf die Premiere war positiv, die Nachfrage in den Folgejahre sehr groß. Habt ihr damit gerechnet? Cathrin Aus eigener Erfahrung wussten wir, dass die Musikrichtung, die wir anbieten, in Oldenburg unterrepräsentiert ist und eine Nachfrage besteht. Trotzdem sind wir nicht von dem Erfolg ausgegangen. Für uns ist es jedes Mal aufs Neue aufregend zu sehen, ob wir wieder ausverkauft sind. Bei der Entstehung des Festivals stand ein schöner Abend mit netten Menschen definitiv im Vordergrund der Planung. Genau das soll bei jeder Veranstaltung auch vermittelt werden. Die Leute sollen sich einfach wohl fühlen und einen tollen Abend haben. Vermutlich macht das für viele Besuchende auch den Charme aus. Gewinnmaximierung stand nie im Vordergrund bei diesem Festival. Einfach mal updreihn: Die ultimative Playlist mit fast allen Bands aus sieben Festivals - beginnend mit den Headlinern von 2025 und endend mit 2017. Die meisten Bands, die in der Vergangenheit bei euch gespeilt haben, lassen sich mehr oder weniger eindeutig der Punkszene zuordnen. Was bedeutet Punk für euch persönlich – und wie spiegelt sich das im Festival wider? Sven Auch wenn sich von uns niemand selbst als "klassischen Punk" bezeichnen würde, kommen viele von uns aus der Szene bzw. sind in der Szene auf Konzerten unterwegs. Im Punk dreht sich ja immer viel darum, dass man nicht darauf wartet, dass Dinge passieren, sondern man es selbst in die Hand nimmt. Insofern bedeutet Punk im Bezug auf unser Festival wohl hauptsächlich, dass wir irgendwann feststellten, dass es in Oldenburg schon länger kein Angebot in diese Richtung gab und wir dies einfach ändern wollten. Im Endeffekt also der klassische DIY-Gedanke. Das Line-up schwankt zwischen kleinen Bands und durchaus auch größeren Namen. Wie entdeckt ihr erstere – und wie kommt ihr an letztere? Sven Das ist pauschal gar nicht so einfach zu beantworten. Bei den lokalen Bands sind es natürlich die persönlichen Kontakte von uns, da man sich in Oldenburg und Umgebung aufgrund der überschaubaren Szene einfach zwangsläufig über den Weg läuft. Mittlerweile bewerben sich auch viele Bands bei uns direkt, was wir supercool finden, und auch so sind schon Auftritte beim Updreihn zustande gekommen. Zu guter Letzt sind es natürlich unsere eigenen musikalischen Vorlieben, die bei der Bandauswahl eine große Rolle spielen, ganz egal ob es sich dabei um vermeintlich kleinere oder auch größere Bands handelt. Da entstehen durchaus interessante Diskussionen untereinander, die einfach dazugehören und irgendwie auch Spaß machen. Wir buchen die Bands auch hauptsächlich für uns selbst bzw. weil wir sie cool finden und wenn das andere auch so sehen und deswegen zum Updreihn kommen, freut uns das natürlich umso mehr. Voll im Moment: Viele Bands der Updreihn-Lineups mögen der Masse unbekannt sein, die Fans lieben sie aber heiß und innig. (Bild: Matthias Probst) Wie wichtig ist euch der lokale Bezug – also Bands und Publikum aus Oldenburg und Umgebung? Cathrin Wir möchten etwas für die Kulturszene in Oldenburg tun und dementsprechend ist es uns sehr wichtig, lokalen Bands eine Bühne zu geben. Für uns ist klar, dass mindestens eine lokale Band pro Jahr im Lineup vertreten ist. Auch das Publikum aus Oldenburg und Umgebung ist uns wichtig. Hier wählen wir Veranstaltungsorte, die gut zu erreichen sind, und Preise, die den Zugang für möglichst viele Menschen ermöglichen. Die Geschichte des Updreihn Festivals Kurz, aber bewegt Das Updreihn Festival, startete im Jahr 2017, es feiert im November 2025 aber erst seine 7. Auflage. Ein Rechenfehler? Nein, natürlich nicht. In den Jahren 2020 und 2021 musste es ausfallen, da die Corona Pandemie auch um das damals noch blutjunge Festival keinen Bogen machen wollte. Der Neubeginn in 2022 wurde zu einer Mutprobe: „Die anfängliche Zurückhaltung im Vorverkauf und die extremen Kostensteigerungen in vielen Bereichen war sehr herausfordernd und für einen kleinen gemeinnützigen Verein wie den unseren nicht ohne Risiko“ erinnert sich David Albrecht, der ebenso wie Cathrin und Sven zum Organisationsteam gehört. Beste Stimmung: Beim Updreihn Festival ist seit 2017 auf und vor der Bühne immer einiges los. (Bild: Matthias Probst/Kulturschnack) Was das frühe Ende hätte bedeuten können, war dann aber das genaue Gegenteil: Das Line-Up mit Rantanplan , Marathonmann und The Sensitives war zu stark, um übersehen zu werden. Und noch etwas anderes spielte eine Rolle: „Da wir im Gegensatz zu vielen kommerziellen Festivals rein vom Idealismus und der Lust auf die Sache leben, war es essentiell wichtig, das alle Beteiligten nach wie vor mit Spaß und Begeisterung dabei sind“, betont David. Das war sofort wieder der Fall und der Funke sprang schließlich auch aufs Publikum über. Trotz der Unsicherheiten hieß es am Ende wieder: Ausverkauft! In den Folgejahren 2023 und 2024 wagte das Updreihn Festival dann einige Experimente: Erst fand es in der Umbaubar statt, danach im Cadillac . „Das liegt hauptsächlich daran, dass die Organisation in der Jugendfreizeitstätte immer mit sehr viel Aufwand verbunden ist“, verrät Wenzel, ebenfalls Mitglied im Updreihn-Team. Man habe deshalb einfach mal andere Dinge ausprobieren wollen, da in der Umbaubar und im Cadillac andere räumliche und technische Voraussetzungen gegeben seien. „2025 hatten wir das Gefühl, dass wir lieber wieder alles selbst in der Hand haben wollen und sind deswegen wieder in der JFS gelandet.“ Wohin die Reise für das kleine Festival geht? Das kann niemand genau sagen, auch die Beteilligten nicht. „Wir halten uns immer alle Türen offen“, verrät Wenzel. Und wahrscheinlich ist es genau richtig so. Denn egal, ob die JFS jetzt dauerhaft die Heimat bleibt oder das Updreihn eines Tages doch ein Wacken des Punkrock wird: Hauptsache, alle haben Spaß. Und genau scheint der Fall zu sein - unabhängig von Zeit, Ort und Umständen. Wie erlebt ihr die Oldenburger Punkszene aktuell – wächst sie, verändert sie sich, schrumpft sie? Sven Also „die“ Punkszene an sich ist natürlich ein sehr weit gefächerter Begriff. In Oldenburg findet ja seit jeher nicht so viel statt, wie z.B. in Bremen oder Hamburg. Es gibt immer wieder Bands, welche sich neu gründen, oder auch Veranstaltende, welche sich bemühen, Konzerte aus diesem Bereich zu organisieren. Einen Trend, in welche Richtung auch immer, sehen wir da aktuell nicht. Da das Updreihn auch dieses Jahr wieder ausverkauft ist, gibt es auf jeden Fall genügend Menschen in Oldenburg, die gute Musik mögen. : ) Gute Musik: Dafür stehen in diesem Jahr mit The Drowns erstmals eine Band aus den USA, außerdem The Guilt aus Schweden, die „Dorfpunks“ von Pommespanzer, Damaged Life aus Bischofswerda sowie die Oldenburger Zementkraetze, letztere ohne Bild. (Bilder: Bands) Punk ist ja sehr politisch, manchmal steht die Haltung beinah gleichberechtigt neben der Musik. Spielt das bei euch eine Rolle? Cathrin Das Updreihn Festival findet seit 2017 regelmäßig in Oldenburg statt und richtet seinen Fokus insbesondere auch auf die Aufklärung/Sensibilisierung für sozial-gesellschaftliche Themen wie Inklusion, Integration, Rassismus und Sexismus . Seit 2019 wird das Festival vom gemeinnützigen Updreihn e.V. veranstaltet, der eine klare politische Haltung vertritt und besonders Wert darauf legt, eine Veranstaltung durchzuführen, bei der alle Teilnehmenden in einem sicheren Umfeld feiern können. Ihr wart in den letzten Jahren regelmäßig ausverkauft. Da könnte man denken, so langsam wäre das Updreihn reif für eine größere Location. Wie seht ihr vor diesem Hintergrund die Zukunft des Festivals – soll es größer werden oder lieber im DIY-Geist klein bleiben? Cathrin Das Updreihn Festival wird komplett ehrenamtlich veranstaltet. Daher sind wir mit der Größe, die wir aktuell erreicht haben, zunächst an unserer realistisch zu stemmenden Grenze angekommen. Mit ca. 25 Personen im Verein die am Festivalwochenende sämtliche Tätigkeiten erledigen, sowie einer deutlich kleineren Gruppe, die die unterjährige Planung durchführt, ist eine größere Location aktuell nicht machbar. Was die Zukunft bringt, können wir nicht sagen, aber wir wünschen uns weiter viele kleine DIY-Veranstaltungen, bei denen wir und unsere Gäste eine wunderbare Zeit haben. Beste Stimmung: Die niederländische Band March mit Sängerin Fleur van Zuilen brachte im Jahr 2024 den Saal zum kochen. (Bild: Matthias Probst) Sven Als gemeinnütziger Verein sind wir auf Förderungen angewiesen. Ohne die Stadt Oldenburg, die uns seit Jahren unterstützt, würde das Festival in dem Rahmen nicht funktionieren. Auch unseren kleinen Förderern sind wir sehr dankbar. Ohne diese Unterstützungen wären wir nicht in der Lage, eine schwarze Null zu erreichen und trotzdem ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen. Der Grundgedanke unseres Festivals lässt sich nur durch die Unterstützungsbereitschaft weitertragen und finanzieren. Hier hoffen wir, für zukünftige Veranstaltungen weiter Unterstützung in Oldenburg zu finden. Ansonsten würde es sehr schwer bis unmöglich, das Festival nach unseren Ansprüchen weiterzuführen. Unser Fokus liegt also darauf, dass Festival so wie es aktuell ist zu erhalten. Eine Vergrößerung übersteigt zur jetzigen Zeit unsere Möglichkeiten. Die Nische als Erfolgsgarant Keine Frage: Punk, Ska und Rock'n'Roll sind nicht für jeden etwas - und das wird auch so bleiben. Und das heißt auch, dass in Oldenburg-Bürgerfelde kein zweites Deichbrand entsteht. Dennoch ist dieser Fokus auf eine Nische entscheidend für den Erfolg des Updreihn Festivals. Denn eine Antwort auf die eingangs gestellten Fragen lautet: Indem sich Gleichgesinnte zusammenfinden, eine gemeinsame Idee entwickeln und viel Herzblut in die Umsetzung stecken, weil sie die Musik lieben, um die es geht. So entstehen Festivals, so werden sie erfolgreich - auch wenn es bedeutet, dass sie dauerhaft in kleinen Dimensionen agieren. Der „Erfolg“ definiert sich hier nicht über die Masse, sondern über die Erfahrung vor Ort. Richtig: mit Live-Erlebnissen und Emotionen lässt sich viel Geld verdienen. Am schönsten ist es aber doch, wenn das gar keine Rolle spielt und sich alles um die Musik und einen gute Zeit dreht - wie beim Updreihn Festival. Deshalb sollten vielleicht auch diejenigen ein Ohr riskieren, die mit den genannten Musikrichtungen bisher wenig anfangen konnten oder den Selbstversuch noch gar nicht gewagt haben. Also: Einfach mal updreihn - und im kommenden Herbst aufmerksam sein. Denn sonst heißt es wieder: Ausverkauft.
- LETTERBOX SALVATION: DEMONS
Was geht eigentlich in der Oldenburger Musikszene? Kurze Antwort: Viel zu viel, um es hier abzubilden! Deshalb werden wir niemals jede Band, alle Singles und sämtliche Auftritte erwähnen können. Aber: Es gibt ja noch Longplayer. Sie sind nach wie vor etwas Besonderes, jeder Release markiert einen Meilenstein der Bandgeschichte. Das wollen wir feiern - im KULTURSCHNACK SOUNDCHECK! Hier stellen wir euch Alben made in Oldenburg vor und verraten euch, warum ihr sie unbedingt euren Playlists hinzufügen müsst. Den Anfang machen die beiden Szene-Veteranen von Letterbox Salvation. Von Dämonen besessen? „Demons“ hat auf jeden Fall einen düsteren Touch, überzeugt aber dennoch - oder gerade deswegen? - mit seiner besonderen Stimmung. (Bild: Letterbox Salvation) Atmosphäre. Dieses Wort gehört zu den ersten Assoziationen, wenn man die ersten Klänge der neuen EP „ Demons “ von Letterbox Salvation hört. Schon nach der ersten von insgesamt 24 Minuten ist klar: Hier hören wir nicht den kürzesten Weg von der Idee zum Charterfolg. Der Song ist nicht auf das Nötigste reduziert, der Refrain erklingt nicht schon nach zehn Sekunden, damit die Hookline sich sofort in die Hirnwindungen brennt. Nein, der Opening Track baut sich langsam auf und zieht uns hinein in die akustische Welt von Letterbox Salvation. Und dort darf man sich wohlfühlen. Statt Reduktion jetzt Opulenz Früher einmal - die Älteren werden sich erinnern - standen Daniel Bremer und Alex Schlüter für eine sehr rohe Form des Indie-Pops. Mehr als eine Akustikgitarre und dezente Percussion brauchte es nicht, im Mittelpunkt stand Daniels markante Stimme - irgendwo zwischen Bruce Springsteen und Sam Fender . Mit dieser Reduktion auf das Nötigste feierte das Duo einige Erfolge und veröffentlichte mehrere Platten . Starkes Team: Daniel und Alex haben ihren Sound über Jahre hinweg weiter entwickelt. (Bild: Letterbox Salvation) Doch diese Zeit ist lange her - etwa zehn Jahre, um genau zu sein. Inzwischen haben die beiden eine Vorliebe für synthetische Klänge entdeckt, wie schon ihre 2021er EP „The Best Is Yet To Come“ zeigte. Ihre Songs wurden erwachsener und elaborierter, an die Stelle von Reduktion rückte eine gewisse Opulenz. „ Wir lieben es, neue Sachen zu erfinden oder neue Sounds zu erschaffen“, erklärt Daniel. „Die Fundamente aller Songs sind allerdings auch heute noch im klassischen Singer/Songwriter-Stil und funktionieren auch runter gestrippt.“ Dennoch sind die schroffen Stahlseiten nur noch ein Klang unter vielen, drei der sechs Songs auf „Demons“ überschreiten zudem die 4-Minuten-Marke. Gibt es gar keine Befürchtungen, deswegen von den Algorithmen der Streamingdienste übersehen zu werden? „ Nö“, stellt Daniel klar. „Algorithmen haben unserer Meinung nach rein gar nichts mit guter Kunst und Musik zu tun. Ein Song braucht die Zeit, die er eben braucht.“ Deswegen nimmt sich das Duo den Raum für etliche akustischen Feinheiten, die inzwischen vielfach aus dem Keyboard stammen. Sie sorgen für das, was uns beim Hören als erstes in den Kopf kam: eine unglaublich dichte, charakterstarke Atmosphäre. „ Die neue Platte ist ein bisschen wie die dunkle Seite unserer letzten EP“, ordnet der leidenschaftliche Musiker in. Der Sound ähnele zwar dem Vorgänger, er sei aber weiterentwickelt und verfeinert worden. „Wir haben dieses Mal auch viele weirde Sachen und Sounds ausprobiert und mit reingebracht, dass war schon ein bisschen aufregend.“ NEUES FORMAT „SOUNDCHECK“ OLDENBURGER BANDS AUFGEPASST I hr seid Solo-Musiker:in oder spielt in einer Band aus Oldenburg? Ihr seid so ambitioniert, dass ihr eure Musik schon veröffentlicht habt oder genau das demnächst tun werdet? Und zwar nicht nur als eine Single, sondern in Form einer EP oder eines Albums? Mega, dann seid ihr hier richtig! In Zukunft wollen wir hier regelmäßig über den Output Oldenburger Musiker:innen berichten. Ihr habt Interesse im KULTURSCHNACK SOUNDCHECK aufzutauchen? Super, dann lasst es uns - am besten im Vorfeld der Veröffentlichung - wissen. Tickt uns auf Insta an oder schickt uns eine Email , wir kommen auf euch zurück. Super wäre es, wenn ihr schon ein kleines Presskit in petto hättet: Albumcover, Bandfotos, evtl. Link zu einem Video und einigen Soundfiles, die wir für ein Reel nutzen könnten. Die Oldenburger Szene ist (noch) bunter und besser als viele denken. Höchste Zeit, dass die Welt davon erfährt! Also: Macht mit beim Kulturschnack SOUNDCHECK ! Ohne Umwege ins Ohr Und doch sind sich Letterbox Salvation treu geblieben. Daniels raues, durchaus stadiontaugliches Organ ist nach wie vor unter Tausenden wiederzuerkennen. Ihr einzigartiger Charakter bleibt ein wichtiges Markenzeichen der Band. Und auch die Songs sind in ihrem Kern sehr zugänglich geblieben. Dass Letterbox Salvation instrumentell zugelegt haben, bedeutet nämlich nicht, dass sie sich verkomplizieren. Die Songs transportieren einfach mehr als frühere Kompositionen, bleiben dabei aber eingängig. Das Ergebnis: Stimmungsvolle Musik mit hohem Suchtpotenzial. Alte Bekannte: Letterbox Salvation waren bei der ersten Staffel unserer Acoustic Sessions im Jahr 2024 dabei und performten „Fingers Crossed“ von ihrer EP „The Best is yet to come“. Diese Entwicklungen waren schon auf der letzten EP zu hören - etwa beim Hit „ Fingers Crossed “. Sie zeigen sich aber auch auf dem neuesten Release. „Demons“ enthält sechs poppige, aber keineswegs seichte Nummern, die man grob dem Indie Rock bzw. Singer/Songwriter-Sektor zuordnen kann. Und Letterbox Salvation gelingt dabei ein erstaunlicher Spagat: Obwohl sie ihre Songs immer stärker ausdifferenziert und vielschichtiger aufgebaut haben, gehen die Melodien ohne Umwege ins Ohr. Die Zeile „The Demons are close / so turn the lights down“ aus dem Chorus des Titeltracks wird man jedenfalls nicht so schnell wieder los. Ebenso stark stellt sich dieses Gefühl beim zweiten Track „Lie“ und erst Recht beim vorab als Single veröffentlichten, beinahe hymnischen „HexFF000“ ein. Auffällig sind bei den meisten Songs aber auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit. Das hat seine Gründe .„Einige Songs haben wichtige politische Messages oder behandeln traurige bis ernsthafte Themen“, gewährt Daniel einen Blick in die Lyrics. „Diese Themen liegen uns sehr am Herzen, was man wahrscheinlich auch im Arrangement und Songwriting hört.“ Das gelte aber nicht für alle Tracks auf „Demons“. Andere Songs auf der EP seien leicht und dürften auch genau so empfunden werden. Live in Oldenburg: Im August 2025 stellten Letterbox Salvation - mit Verstärkung an der Gitarre - ihre neue EÜ in ihrer Heimatstadt vor. (Bild: Letterbox Salvation) Das im Vergleich zu früher deutlich variantenreichere Songwriting stellt sich also nicht als Problem dar, sondern als Teil der Lösung. Die erwähnte dichte Atmosphäre der EP verleiht ihr - und auch den einzelnen Songs - hohe Wiedererkennbarkeit. Daniel und Alex haben es also nicht allzu offensichtlich auf kurze Klicks abgesehen, aber trotzdem Songs mit Hit-Potenzial veröffentlicht. Das ist absolut hörenswert! Von Dämonen besessen Wenn man irgendetwas an „Demons“ aussetzen wollte, dann wäre es - paradoxerweise - die Perfektion. Man merkt einigen Songs an, dass viele Ideen und Klang-Experimente eingeflossen sind und dass lange an ihnen gefeilt wurde. „ Wir haben einfach auch oft auf die Songs selbst gehört und geschaut was möglich ist und/oder was den Songs gut tut“, erklärt Daniel. Deshalb sind sie nun zwar perfekt - aber hier und da fehlt vielleicht jene Flüchtigkeit, die aus dem spontanen Ausprobieren entsteht. Doch auch dafür gibt es einen Trost: Die EP endet mit „Favourite Shirt“: Ein gnadenlos guter, treibender Rocksong. Er wurde bereits 2024 veröffentlicht, ist nun aber verdientermaßen auch Teil dieser starken EP. Er ist vielleicht das beste Beispoiel dafür, wie man einen vielschichtigen, charakterstarken Sound absolut playlisttauglich macht. Der Titel ihrer letzten EP „ The Best Is Yet to Come “ hat sich als prophetisch erwiesen: Tatsächlich sollten einige der besten Songs von Letterbox Salvation erst noch kommen und vier Jahre später unter dem Titel „Demons“ veröffentlicht werden. Daniel und Alex mögen von Dämonen besessen sein - sicher keine angenehme Erfahrung. Aber wenn dadurch solche Songs entstehen, werden sie diese Plage hoffentlich noch lange nicht los. LETTERBOX SALVATION DEMONS 6 Songs, 24 Minuten Indie Rock/Pop 14. August 2025 Spotify | Apple | Amazon | Deezer | Tidal | Bandcamp Vinyl/CD/Tape
- KOLUMNE: BÜHNENLUFT IST RÜCKENWIND
Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Doppelt wertvoll: Die Bühne lässt ein Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten entstehen und ist gleichzeitig der richtige Ort, um sie auszuleben - wie hier bei der Oper „Hoffmanns Erzählungen“. (Bild: Stephan Walzl) Ich habe großes Glück. Zu meinem Job gehört es, dass ich viele spannende Gespräche mit Menschen führen darf, die besonders klug und kreativ, engagiert und leidenschaftlich oder ein kleines bisschen verrückt sind – oft genug aber alles gleichzeitig. Wenn mir an manchen Tagen mal wieder alles zu viel wird, weil nichts zusammenpassen will und die Klammer der Routine den Alltag nicht mehr zusammenhält, dann sage ich mir immer wieder: Diese Gespräche sind es wert! Gerade durfte ich wieder zwei von ihnen führen, die theoretisch höchst unterschiedlich hätten ausfallen können, letztlich aber große Schnittmengen aufwiesen. Zunächst habe ich ausführlich mit der wunderbaren Annie Heger gesprochen, die ihre Karriere einst am Staatstheater begann, die aber längst auf allen Bühnen Deutschlands zuhause ist. Die Sängerin, Schauspielerin, Kabarettistin und Moderatorin hat – trotz ihrer erst 42 Lebensjahre - beinahe alles erlebt , was man im Showgeschäft erleben kann. Niemand würde es ihr übelnehmen, wenn sie ein Interview routiniert abspulen würde. Aber das Gegenteil war der Fall: Authentisch enthusiastisch erzählte sie davon, was die Bühne ihr bedeutet und wie sie von ihr geprägt wurde. Das Theater sei für sie Raum zur Entfaltung gewesen, es habe ihr Möglichkeiten eröffnet, die andere Lebensbereiche nicht geboten hatten. Das klang so mitreißend und schön, dass ich die ganze Zeit nur dachte: Wieso nur habe ich es damals nicht zum Theater geschafft? Da habe ich was verpasst. Erstaunliche Überschneidungen Nur einen Tag danach saß mir Svantje Stein gegenüber. Die 18-Jährige ist Teil des Jugendclubs am Oldenburgischen Staatstheater und im November mit „ Erzähl mir keine Märchen “ in der Exhalle zu sehen. Das gesellschaftskritische Stück über das Patriarchat wurde deutschlandweit bekannt, nachdem die Feministin Nicole Zacharias ein kurzes Video davon auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichte. Es wurde über eine Million Mal aufgerufen und bekam fast 200.000 Likes, vor allem aber löste es wichtige Debatten aus. Keine Märchen: In der Kolumne geht es um das reale (Bühnen-)Leben. (Screenshot: Kulturschnack/NWZ) Svantje ist nicht einmal halb so alt wie Annie und hat nur einen Bruchteil ihrer Bühnenerfahrung gesammelt. Theoretisch müsste sie also etwas ganz anderes über das Theater erzählen als die bekannte Entertainerin. Das aber war nicht der Fall. Auch sie hat festgestellt, wie wertvoll ihre Theatererfahrungen sind, wie sehr die Bühne ihr Leben bereichert und wie wichtig ihr es ist, dort ihre Gedanken und Gefühle einzubringen. Das klang so mitreißend und schön, dass ich die ganze Zeit nur dachte: Wieso nur habe ich es damals nicht zum Theater geschafft? Da habe ich was verpasst. Aber jetzt frage ich mich: Stimmt das eigentlich? Und die Antwort lautet: Jein. Verpasst habe ich zwar die Gelegenheit, im jungen Alter Theatererfahrungen zu sammeln. Schade! Aber: Auch für Erwachsene gibt es in Oldenburg viele Möglichkeiten, als Spätberufene die Bühne zu entern. Da sind zum Beispiel die Erwachsenclubs oder das Stadt:Ensemble des Staatstheaters, die unter professioneller Anleitung erstaunlich elaborierte Ergebnisse liefern. Auch die Niederdeutsche Bühne bietet gute Einstiegsmöglichkeiten für Menschen, die noch keine großen Vorkenntnisse im Schauspiel haben. Darüber hinaus bietet auch das Theater k eine Bürger:innenbühne an, bei der die Beteiligten intensiv in die Stückentwicklung eingebunden sind und die in dieser Spielzeit sogar das Theater verlässt und einen Raum am Bahnhof bespielt. Man könnte also sagen: Die Zahl der Angebote ist größer als die Zahl der Ausreden. Keine Garantien, aber eine Sicherheit Wie gesagt: Ich habe großes Glück. Ich darf Theaterluft schnuppern, obwohl ich mein Schauspieltalent seit der 4.Klasse nicht mehr unter Beweis gestellt habe (und vielleicht auch keines besitze). Und immer wieder erlebe ich, was die Bühne mit Menschen macht, wie sie von ihr tief bewegt oder gar verändert werden – manchmal sogar zweimal innerhalb kürzester Zeit. Das wirkt auf mich jedes Mal inspirierend, erst Recht, weil die Theaterliebe vollkommen altersunabhängig ist. Es gibt zwar keine Garantie, dass Bühnenluft das Leben zum Besseren verändert – ganz sicher aber nicht zum Schlechteren. Denn auch wenn Annie oder Svantje durchaus mal Stressmomente erleben, habe ich in den Gesprächen eines nicht von ihnen gehört: etwas Negatives. Wer also Mitreißendes und Schönes erleben möchte, anstatt damit zu hadern, etwas nicht geschafft zu haben, sollte vielleicht einfach Theater spielen und selbst die Freiheit der Bühne spüren. Möglicherweise sitzen wir uns dann eines Tages gegenüber und sprechen über ein neues Stück. Und ich denke wieder einmal: Diese Gespräche sind es wert!
- VOM KINO ZUM KULTURORT
„Gut Ding will Weile haben“: Sollte dieses alte Sprichwort auch nur einen Funken Wahrheit besitzen, darf Oldenburg sich im Fall des GLOBE auf einen Kulturort der Extraklasse freuen. Immerhin sind acht Jahren vergangen, seitdem eine Kulturgenossenschaft das ehemalige britische Militärkino erwarb, um es zu einem Treffpunkt für den neuen Stadtteil umzugestalten. Doch nun verdichten sich die Anzeichen, dass es seiner Bestimmung bald nachkommen darf. Kurz vorm Ziel: Zwar sind die Umbauarbeiten am GLOBE noch nicht abgeschlossen, doch der Flyer ist schon im Präsens formuliert Der Enthusiasmus war enorm. Als sich im Jahr 2017 die Chance abzeichnete, im Zuge der Konversion der Donnerschwee-Kaserne das alte Militärkino aus dem Jahr 1954 mit seinen 408 Sitzplätzen für einen Betrag von 225.000 Euro erwerben und eigenständig sanieren zu können, fanden sich schnell etliche Begeisterte, die bei dem Projekt mitmischen wollten. Kein Wunder: Schließlich ging es darum, einerseits ein Stück Stadtgeschichte zu bewahren, andererseits aber auch einen kulturellen Impuls für den neuen Stadtteil zu geben. Aus den zunächst elf Gründer:innen der GLOBE Kulturgenossenschaft wurden bald 800 tatkräftige Mitglieder. Doch nach dem Kauf folgte der Reality Check: Die Gemeinschaft musste lernen, was es bedeutet, wenn man eine baufällige Immobilie sanieren möchte, dabei auf öffentliche Fördermittel und private Spenden angewiesen ist und das alles auch noch ehrenamtlich passieren soll. Trotz des erwähnten Enthusiasmus erwies sich das Ziel, das Kino schon ab 2019 wieder für Kulturveranstaltungen zu nutzen, als illusorisch. Aus zwei Jahren wurden bisher acht. Doch die eingeschworene Gruppe arbeitet weiterhin unermüdlich daran, den großen Traum zu verwirklichen - und ist nun schon ganz nah dran, wie Ulrike Pietsch vom Aufsichtsrat der Kulturgenossenschaft verrät. GLOBE PREVIEW FESTIVAL „ EIN TRAUM WIRD WAHR– EINE IDEE FINDET IHREN WEG “ 7. NOVEMBER BIS 9. NOVEMBER 2025 GLOBE BEVERBÄKER WIESEN 4 26123 OLDENBURG PROGRAMM / TICKETS Versuche und Vorahnungen Nah dran - das war man gefühlt schon häufiger. Denn immer wieder haben bereits Veranstaltungen im, am und ums Globe herum stattgefunden. So wurde es schon lange vor der Fertigstellung vielleicht nicht zum Mittel-, immerhin aber zum Bezugspunkt für den neuen Stadtteil. Dabei deutete es immer sein großes Potenzial an. Denn auch wenn viele Veranstaltungen einen Versuchscharakter hatten und nur eine Vorahnung dessen boten, was eines Tages möglich sein würden, stimmte doch immer eines: Die Resonanz. Spannende Einblicke: Im Jahr 2024 warb die GLOBE Kulturgenossenschaft um Spenden zur Schließung einer letzten Finanzierungslücke in Höhe von 170.000 Euro. Das dafür produzierte Video ist auch heute noch sehr interessant. (Video: GLOBE eG) Kein Zweifel: Das GLOBE wurde in Neu-Donnerschwee und darüber hinaus schon ins Herz geschlossen, bevor es sein volles Potenzial entfalten konnte. Großzügig sah man darüber hinweg, dass der Spannungsbogen von der Gründung der Genossenschaft bis zur offiziellen Inbetriebnahme immer weiter und weiter gespannt wurde. „Hätte uns 2017 jemand gesagt, dass wir so lange brauchen, hätten wir wahrscheinlich ungläubig gelächelt – und trotzdem gesagt: Ja, wir machen das!“, ist Ulrike überzeugt. Natürlich habe man beim Start nicht gewusst, wie viel Geduld, Ausdauer und Improvisation das Projekt erfordern würde. Aber: „Der Enthusiasmus und die Unterstützung aus der Stadtgesellschaft haben uns immer wieder getragen. Wir haben so viele Menschen erlebt, die an das GLOBE glauben – das gibt Kraft, auch durch die schwierigen Phasen. Klinker statt Kultur Hinter der Genossenschaft liegt tatsächlich eine ereignisreiche und anstrengende Zeit. Die optimistischen Hoffnungen auf eine reibungslose Sanierung zerschlugen sich schnell, stattdessen entdeckte man immer neue Herausforderungen. Imponierend ist, dass es trotz dieser wiederkehrenden Frustrationsmomete zwar zu einer Verlangsamung kam, nicht aber zu einem Stillstand. Der anfängliche Enthusiasmus mag hier und da mal Anzeichen der Ermüdung gezeigt haben, in seinem Kern hat er aber bis heute Bestand. Denn auch wenn es oft genug nicht ums Anpacken ging, sondern ums Ausfüllen von Formularen und auch wenn statt eines Kulturprogramms eher Dämmung und Dachziegel Thema waren, ist das GLOBE in den Jahren seit 2017 kontinuierlich im Gespräch geblieben - und hat stets alle Möglichkeiten genutzt, die sich boten. Sei es ein improvisiertes Fest vor Ort oder ein Schaufenster in der Innenstadt. Geballtes Programm: Das Preview Festival mit seiner MIschung aus Musik, Film, Schauspiel, modernem Zirkus und Lesung deutet die Vielfalt an, die im GLOBE bald regulär zu erleben ist. (Bilder v.o.l.n.u.r.: Dagmar Thieß, Petia Rousseva, Nils Jöhnk, Kai Hebestreit, Wild Bunch, Julia Bogdanova) „Inzwischen beschäftigen wir uns noch zu etwa 70 Prozent mit dem Bau und zu 30 Prozent mit Kulturplanung“, verrät Ulrike, die sich beim GLOBE um Finanzen und Organisation kümmert. Doch dieses Verhältnis verschiebe sich immer wieder. „Baulich stehen wir kurz vor entscheidenden Schritten: Der Innenausbau läuft, die technische Ausstattung – insbesondere Licht, Ton und Bühnentechnik – ist in Vorbereitung, und auch die Außenanlagen werden bald Gestalt annehmen“, nennt sie die nächsten Meilensteine und weckt mit einer Ergänzung augenblicklich Vorfreude: „Parallel dazu planen wir bereits die erste Spielzeit und die Kooperationen, damit das Haus nach der Fertigstellung sofort mit Leben gefüllt ist. Das Ende eines Marathons Nun wäre es vermessen zu sagen, dass die Vorfreude in der Stadt während der letzten acht Jahre stetig wuchs. Das war ganz sicher nicht der Fall. In manchen Teilen von Bloherfelde, Ofenerdiek oder Bümmerstede geriet das GLOBE womöglich gar in Vergessenheit. Aber wer würde es jemandem verübeln, wenn man über beinahe eine Dekade hinweg nicht ständig am Ball bleibt? Und sowieso hat Quartierskultur es in Oldenburg nicht so leicht. Die Stadt ist nicht nur strukturell, sondern auch kulturell weitgehend monozentristisch aufgebaut. Das heißt: Alle Wege führen in den Kern, die einzelnen Stadtteile haben - von Ausnahmen abgesehen - keine eigenen Theater oder Bühnen. Umso beachtlicher ist es, wenn das GLOBE nach all den Jahren immer noch eine hohe Präsenz genießt. Nicht durchgehend an jedem Tag - doch wenn etwas los ist, hören die Menschen hin und kommen gern. Sollte das ein Vorgeschmack auf die Zukunft sein, dürfen wir einiges erwarten. Eigentlich nah dran: Mit dem Rad ist man in weniger als einer Viertelstunde von der Innenstadt beim GLOBE. (Karte: OpenStreetMap/Kulturschnack) Nachdem das GLOBE zu den Tagen des offenen Denkmals in den letzten Jahren beinahe schon traditionell seine Pforten öffnete und im Frühjahr 2025 zum Schaucafé eingeladen hatte, steht mit dem Preview-Festival nun der erste größere Programmpunkt im Inneren des alten Kinos an. Und das hat Symbolkraft: Denn das hat nicht nur mit der unangenehmen Novemberwitterung zu tun, sondern vor allem damit, dass die Sanierungsarbeiten weit fortgeschritten sind und erste Nutzungen zulassen. „Wären der Umbau ein Marathonlauf, dann wären wir jetzt in etwa bei Kilometer 36“, ordnet Ulrike ein. Das heißt: Der größte Teil ist bewältigt, die besonders kraftraubenden letzten Kilometer liegen aber noch vor dem GLOBE. „Die großen Etappen sind geschafft, doch jetzt geht es um Feinarbeit, Abstimmungen und um all die kleinen Details, die am Ende dafür sorgen, dass alles wirklich funktioniert und schön wird.“ Wohnzimmer für den Stadtteil Noch sind nicht alle Handgriffe getan. Man braucht noch etwas Fantasie um sich die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart vorzustellen, die das GLOBE bald auszeichnen wird. Deutlich spürbar ist dagegen eines: Die Fertigstellung des Innenausbaus wird ein Meilenstein für das GLOBE sein - und ihr sind wir nun wieder ein großes Stück näher gekommen. Für die Beteiligten entsteht in diesen Tagen eine Gefühlsmischung aus Erleichterung, Stolz und Vorfreude, verrät Ulrike. „Wir sehen das Haus wachsen, wir hören schon jetzt Stimmen und Musik in Gedanken durch die Halle klingen. Nach Jahren des Planens, Antragschreibens, Bauens und Diskutierens wird der Traum endlich greifbar. Und genau das spürt man auch im Team – diese besondere Energie, die entsteht, wenn Vision Wirklichkeit wird. Baufällig: Der Zustand des GLOBE war zum Zeitpunkt des Kaufs im Jahr 2018 alles andere als gut. Das hat sich inzwischen deutlich verändert. (Bild: Andreas Burmann) Apropos Nutzen: Das Programm des Preview Festivals ist im besten Sinne bunt und bietet sehr viele unterschiedliche Programmpunkte. Da drängt sich die Frage auf, ob es auch im regulären Programm diese Abwechslung geben wird? „Absolut“, betont Ulrike, die einst als direkte Nachbarin Teil des GLOBE Projekts wurde . „Das Preview-Festival ist genau das, was das GLOBE später im Alltag sein soll: ein Ort für Vielfalt, Austausch und kreative Energie.“ Mit dem Programm wolle man zeigen, dass künftig ganz unterschiedliche Formate und Akteur:innen zusammenkommen können – von Theater und Konzerten über Lesungen, Filmabende und Feste bis zu Bildungsprojekten. „Das GLOBE soll ein offenes Wohnzimmer für den Stadtteil werden – ein Ort der Begegnung, an dem sich Kunst, Nachbarschaft und Bildung selbstverständlich mischen. Es wird ein Raum sein, in dem man Neues ausprobieren, voneinander lernen und gemeinsam feiern kann. Wir wollen zeigen, dass Kultur ein verbindendes Element ist – mitten im Leben, nicht abgehoben davon.“ Weiterhin Baustelle: Auch nach acht Jahren ist noch schweres Gerät im Einsatz. Doch die Fertigstellung rückt langsam in greifbare Nähe. (Bild: Kulturschnack) Das GLOBE als Vorbild Was auch immer auf der Bühne geboten wird, eines scheint gewiss: Das Interesse und die Unterstützung der Bevölkerung. Die einen kommen, weil das GLOBE so nah ist - die anderen, weil sie neugierig sind, wie Stadtteilkultur in einem charakterstarken Ambiente aussehen kann. Insofern genießt das alte Kino eine Vorbildfunktion. Zwar wird man nicht überall in Oldenburg historische Gebäude finden, die änliches Potenzial besitzen - das eine oder andere Nachahmerprojekt hätte allerdings Charme. Natürlich wäre zu wünschen, dass eine vergleichbare Sanierung reibungsloser und zügiger abläuft als es bim GLOBE der Fall war. Aber das Ergebnis in Neu-Donnerschwee zeigt, wie wichtig und wertvoll - und vor allem: erfolgreich - der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen war. Trotz der Durststrecken bei der Sanierung empfiehlt Ulrike Gleichgesinnten durchaus die Nachahmung. Allerdings: mit offen Augen. „ Ein Projekt wie dieses braucht langen Atem, viel Teamgeist und die Bereitschaft, immer wieder neu zu denken“, gibt sie zu bedenken. „Es ist kein leichter Weg, aber ein unglaublich lohnender. Wenn man eine gemeinsame Vision hat und eine starke Gemeinschaft hinter sich, kann daraus etwas entstehen, das weit über ein einzelnes Gebäude hinaus wirkt." Kinokultur: Der Eingangsbereich wird nach der Sanierung etwas anders aussehen, aber einiges vom unvergleichlichen Charme der 1950er Jahre konnte erhalten werden. (Bilder: Stadtmuseum Oldenburg) Ungebremste Begeisterung Man muss der Kulturgenossenschaft und ihren Mitgliedern dreifach dankbar sein. Erstens haben sie ein Stück Stadtgeschichte bewahrt, das gerade wegen seiner vermeintlichen Alltäglichkeit stellvertretend steht für eine besondere Phase und Facette der Oldenburger Vergangenheit. Zweitens haben sie die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Kultur in Neu-Donnerschwee eine wundervolle Heimat bekommt und dass der Stadtteil im Nukleus GLOBE noch weiter zusammenwachsen kann. Und drittens haben sie gezeigt, wie weit man mit bürgerschaftlichem Engagement kommen kann. Aus einem kühnen Traum oder einer verrückten Idee wurde tatsächlich Realität. Dass die Umsetzung lange andauert, schmälert die Leistung der Beteiligten nicht etwa, sondern erhöht sie noch. Es ist imponierend, wie sie über einen so langen Zeitraum durchgehalten haben und dabei nicht nur immer fleißig blieben, sondern auch kreativ. Wer selbst nur mal eine Wohnung renoviert oder ein Eigenheim saniert hat, weiß vielleicht, viel schnell die anfängliche Begeisterung verloren gehen kann. Etliche Maßnahmen überstehen den Reality Check nicht. Beim GLOBE aber ist jener enorme Enthusiasmus noch spürbar, der das Projekt von Anfang an ausgezeichnet hat. Dieser Spirit wird ganz besonders auch beim Preview Festival im November 2025 spürbar sein. Also: Seid dabei, wenn aus dem Kino endlich ein Kulturort wird.
- STEUERFREIES VERGNÜGEN
Was haben Grundbesitz, Hunde und Getränke gemeinsam? Ganz einfach: Kommunen können Steuern auf sie erheben - und das tun sie vielerorts auch. Besonders kurios: Seit dem 19. Jahrhundert wird in Deutschland auch Vergnügen mit einer Zwangsabgabe belegt! Die gleichnamige Steuer betrifft nicht nur Glücksspiele, sondern auch Tanzveranstaltungen oder Filmvorführungen, also kulturell geprägte Ereignisse. Viele Jahre galt das auch in Oldenburg, doch es gibt gute Nachrichten: Ab dem 1. Januar 2026 ist es damit vorbei . Schwer zu unterscheiden: Wann ist ein Konzert eine Tanzveranstaltung - und wieso wird beides unterschiedlich besteuert? Diese Fragen stellen sich mit der Veränderung der Vergnügungssteuer-Satzung nicht mehr. (Bild: Kulturschnack) Wie genau es einst dazu kam, dass die öffentliche Hand es für steuerpflichtig hielt, wenn jemand seinem inneren Tanzdrang nicht mehr widerstehen konnte? Das ist heute schwer zu rekonstruieren. Zumindest sollten mit den Einnahmen keine kaiserlichen Schlachtschiffe refinanziert werden, so wie es im Jahre 1902 bei der Schaumweinsteuer der Fall war. Einiges spricht dafür, dass die „Tanzsteuer“ einst als einfache Einnahmequelle ersonnen wurde. Sie galt bei ihrer Einfühung im 19. Jahrhundert nämlich als Luxussteuer, die nur wenige Privilegierte betraf, die es sich leisten konnten. Warum es sie bis heute gibt? Das ist eine gute Frage, schließlich hat sich der gesellschaftliche Blick auf Tanzveranstaltungen aller Art genauso gewandelt wie sie selbst. Aber wie es mit Steuern so ist: Sind die erstmal da, bleiben sie auch. Schließlich gibt es auch die Schaumweinsteuer noch, obwohl Deutschland weder einen Kaiser hat noch Schlachtschiffe baut. Das reinste Vergnügen: Ein außergewöhnliches Ereignis wäre von der Neuregelung betroffen, macht derzeit aber eine unbefristete Pause. (Bild: Kulturschnack) Doch es kommt Bewegung in die Sache. In den letzten Jahren haben sich mehr und mehr Kommunen dazu entschlossen, die Vergnügungssteuer defferenzierter zu betrachten. Während beispielsweise Spielautomaten weiterhin besteuert werden - nicht zuletzt wegen des hohen Suchtrisikos - wurden in manchen Städten einzelne Bereiche von der Vergnügungssteuer ausgenommen. Und das betrifft in erster Linie die kulturnahen Formate wie Tanzveranstaltungen und Filmvorführungen. Und genau das passiert nun auch in Oldenburg. Besteuerung nicht mehr zeitgemäß Bisher hatte die Stadt Vergnügungssteuer auf die im Stadtgebiet veranstalteten „Vergnügungen gewerblicher Art“ erhoben. Neben der Besteuerung von Geldspielgeräten, Schaustellungen von Personen, Filmvorführungen im Sinne des Jugendschutzgesetzes und „Catcher/-Ringkampfveranstaltungen mit berufs-/gewerbsmäßig Ausführenden“ unterlagen bisher auch Tanzveranstaltungen der Vergnügungssteuer. In einer Pressemitteilung teilte die Stadt nun mit, dass sie künftig auf die Erhebung der Vergnügungssteuer für Tanzveranstaltungen verzichtet. Das hatte der Rat in seiner Sitzung am 29. September 2025 einstimmig beschlossen. Die bestehende Vergnügungs-Steuersatzung soll zum 1. Januar 2026 entsprechend geändert werden. Dazu wird der Begriff „Tanzveranstaltungen“ in der Auflistung der als steuerpflichtig definierten „Vergnügungen gewerblicher Art“ gestrichen. Tanzen für die Zukunft: Der Rave der ravers4future wäre ebenfalls unter die Neuregelung gefallen. (Bild: Kulturschnack) Aus Sicht der Verwaltung kann die „Besteuerung von Tanzveranstaltungen und der damit verbundene ordnungspolitische Lenkungszweck nicht mehr als zeitgemäß eingestuft werden“. Darüber hinaus entfallen mit der Abschaffung der Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen Schwierigkeiten in der Abgrenzung zu anderen Kulturveranstaltungen wie etwa Konzerten. Im Text heißt es weiter: „Der Verzicht auf die Besteuerung stärkt zudem die kulturelle Vielfalt und Attraktivität des städtischen Nachtlebens und verbessert die Rahmenbedingungen für Clubs, Veranstalterinnen und Veranstalter sowie Kulturschaffende.“ Nerv des Publikums getroffen Das Echo in der Bevölkerung war eindeutig: 1.500 Likes hagelte es für die Verkündung dieser Nachricht auf den Social Media Kanälen der Stadt und des Kulturschnack. Zwar fragten einige Kommentatoren nach einer Gegenfinanzierung. Angesichts der entfallenden Einnahmen von lediglich 35.000 Euro bei einem Gesamtvolumen des Haushalts von 882 Millionen Euro darf man diese Frage allerdings als eine Marginalie bezeichnen - auch wenn sie grundsätzlich natürlich berechtigt ist. Alles geregelt: Wenn der DJ ans Pult geht, klingelt in Zukunft nicht mehr die Stadtkasse, sondern nur die Ohren der Tanzenden. (Bild: Izabela Mittwollen) Machen wir uns nichts vor: Es wird wohl weiterhin der Normalfall sein, dass uns Steuern dauerhaft erhalten bleiben, wenn sie einmal eingeführt wurden. Deshalb zahlen wir weiterhin einen Obolus, wenn wir Schaumwein trinken, auch wenn sich der Bedarf an Schlachtschiffen heutzutage in Grenzen hält. Es zeichnet eine Demokratie - und die Lokalpolitik - jedoch aus, wenn sie trotzdem genau hinschaut und überprüft, ob alle Einnahmequellen noch so zeitgemäß sind, wie sie vielleicht einst waren. Dass die Parteien in Oldenburg einstimmig für die Veränderung der Vergnügungssteuer zugunsten der Tanzveranstaltungen votierten, macht das Zeichen besonders stark. Denn es ist vor allem eins: Ein positives Signal für die Kultur. Auch wenn die Entlastung nicht sehr hoch erscheint, ist die Botschaft eine wichtige. Denn sie lautet: Kultur - auch im weiteren Sinne - ist wichtig für Oldenburg und soll nicht unnötig belastet werden.
- SCREEN TIME #3: ERKAN ACAR
Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg hat begonnen - und der Kulturschnack ist mitten drin! Für unser Format SCREEN TIME treffen jeden Tag eine Person aus dem Festivalbetrieb: Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder jemand ganz anderen. Mit ihnen sprechen wir über die Filme, das Kino, die Unabhängigkeit und was uns sonst noch einfällt. Das Ergebnis? Findet ihr als Video auf unserem Insta-Kanal - und als Interview hier! Zwischen Leben und Tod: Da muss eine Schlüsselszene geradezu auf einem Friedhof spielen. (Bilder: Mavie Films, Canva, Kulturschnack) Den kenn' ich doch! So oder so ähnlich lautet der erste Gedanke, bei vielen Menschen, wenn sie Erkan Acar begegnen. Bei uns wäre es sicher auch so gewesen, hätten wir nicht schon vorher gewusst, dass wir ihn treffen würden. Wir waren also vorab im Bilde, dass uns ein sehr sympathischer Mensch gegenüber sitzen würde, der in zahlreichen deutschen Komödien und Krimis als Schauspieler mitgewirkt hat und der deshalb vielen Menschen bekannt vorkommt. Hier aber sitzt er uns in anderer Funktion gegenüber. Erkan ist nämlich auch Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ( Mavie Films ) . In Oldenburg feiert sein neuer Film „ Ghost Bastard “ seine feierliche Premiere. In SCREEN TIME #3 konnten wir mit Erkan darüber sprechen, warum er sich für eine Vorhölle zwischen Leben und Tod interessiert, ob man von der Arbeit im Filmbusiness auch mal genervt sein kann und von wem seine Tochter womöglich ihr Schauspieltalent geerbt haben könnte. GHOST BASTARD VON ERKAN ACAR SA 19.00 UHR CASABLANCA TICKETS SO 14.30 UHR THEATER HOF/19 TICKETS Erkan, viele kennen dich als Schauspieler. Bei „Ghost Bastard“ hast du zwar eine Nebenrolle, bist aber auch Drehbuchautor und Regisseur. Ein Film, drei Jobs: Brauchst du so viel Abwechslung? Ja, auf jeden Fall! Ich liebe einfach das Medium Film. Ob ich vor der Kamera stehe, Regie führe oder die Geschichte entwickle, das gehört für mich alles dazu und das hat alles seinen Reiz. Ich brauche die Abwechslung auf jeden Fall. In „Ghost Bastard" befindet sich Phillipe Reinhardt als ein Geist in einer Art Zwischenhölle zwischen Leben und Tod. Warum hast du dir Gedanken zu diesem Thema gemach? Ich habe mir ehrlich gesagt als Kind schon Gedanken darüber gemacht, ob wir wirklich auf der Welt sind oder ob wir nicht in so einer Art Limbus stecken. Mit Religion und Gott habe ich mich sehr oft und sehr intensiv beschäftigt und diesen Gedanken fand ich persönlich sehr interessant. Das ist ja so was wie Unendlichkeit. Dann habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht irgendwann mal langweilig wird, wenn man tatsächlich unendlich leben könnte. Und ich denke, wenn die Liebsten nicht mehr da sind, will man irgendwann auch nicht mehr da sein. Hast du Angst vorm Tod? I ch glaube wie jeder andere auch, klar. Man macht sich halt Gedanken. Ich glaube, wenn ich der Letzte auf der Welt wäre, dann hätte ich gar keine Angst, ohne die Liebsten um mich herum. Aber ich glaube, wie jeder andere auch habe ich Respekt, weil man halt nicht weiß, was danach kommt. Der Film ist trotz des Themas nicht sofort tief philosophisch oder gar gruselig, sondern in erster Linie lustig. Kann Tod auch Spaß machen ? Sollten wir lockerer damit umgehen? Oh, das ist eine sehr gute Frage. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken gemacht. Aber ich denke schon, ja. Wenn man die Dinge mit mehr Humor sieht, fällt es einem halt viel leichter. Trauer und Komik: Dei beiden Pole liegen in Erkan Acars neuem Film nah beinander. (Still: Mavie Films) Die Schwere kommt bei „Ghost Bastard“ im Verlauf aber noch. Die zentralen Themen sind Verarbeitung und Vergebung. Was bedeutet der Film denn für dich persönlich? Warum wolltest du ihn drehen? Ich wollte wirklich sehr gerne übermitteln, dass Vergebung eine große Sache für uns alle ist. Man ist ja oft enttäuscht, wenn man bestimmte Erwartungen hat und dann fällt es wirklich schwer zu vergeben. Aber man vergisst meistens die Tatsache, dass man selbst auch mal in die Position kommen kann, um Vergebung bitten zu müssen. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es einem selber auch viel besser geht, wenn man jemandem vergibt. Was gefällt dir denn am besten am Film? Welche deiner Vorhaben und Ideen sind besonders gut rübergekommen? Mein Ziel war es wirklich, Philippe Reinhardt so authentisch wie möglich zu inszenieren und ich denke, dass es uns auch gut gelungen ist. Ganz wichtig ist mir aber auch die Entwicklung von Elli. Wir fangen ja mit ihr an und zu diesem Zeitpunkt ist sie schon sehr grob und zäh, „böse“ oder unsympathisch. Wir sehen im Film aber eine Entwicklung und das hat die Aliyah ( die Elli spielt, Anm. d. Red. ) auch toll gemacht. Darauf bin ich auf jeden Fall stolz. Gut gelaunt: Erkan Acar spricht gern über seinen neuen Film „Ghost Bastard“ und über die Zusammenarbeit mit seiner Tochter und einem guten Freund. (Bilder: Kulturschnack) Ein gutes Stichwort, weil Elli von niemand anderem gespielt wird als deiner eigenen Tochter Aliyah. Wollte sie oder musste sie? Müssen erst mal gar nicht. Sie wollte das wirklich. Ich war natürlich erstmal zurückhaltend und hab meine Partner efragt, aber die fanden die Idee auch super. Wir haben dann auch wirklich ein Casting gemacht und haben festgestellt, dass sie es echt draufhat. Es ist natürlich ein komisches Gefühl, wenn der Papa seine eigene Tochter mitbringt oder vorschlägt. Das kann ja nicht gut gehen, denkt man da. Aber sie hat das wirklich super hinbekommen und das macht mich natürlich unendlich stolz. Und alle meine Partner und alle, die den Film gesehen haben, können das bestätigen und das freut mich umso mehr. Auf jeden Fall war das ihre eigene Entscheidung. Sie hat gesagt, sie hätte schon Lust darauf. Glaubst du, man kann Talent vererben? Oh, super, gute Frage. Aber ich denke ja. Hattest du Angst, dass es zu Spannungen zwischen euch kommt, wenn am Set etwas nicht so funktioniert wie gewünscht? Natürlich hatten wir am Set paar kleine Auseinandersetzungen, aber nichts Außergewöhnliches. Ich war wirklich sehr davon überzeugt. dass es klappt, Schließlich hatten wir zuvor schon Probeaufnahmen gemacht, die Feuerprobe war also schon bestanden. Nervig: tatsächlich versteht es Philippe Reinhardt sehr gut, den Geist von seiner penetranten Seite zu spielen. (Plakat: Mavie Films) Wenn man einen neuen Film beginnt, hat man ja sicher hunderte Gedanken, Vorstellungen und Ideen, Wie viele davon sind im Nachhinein gut und wie viele schlecht? Im Vorfeld kann man es tatsächlich nicht zu hundert Prozent einschätzen. Es ist oft mir persönlich schon passiert, dass ich dachte „Okay, die Idee ist wirklich genial!“ und in der Umsetzung habe ich festgestellt, dass sie es doch nicht war! ( lacht ) Aber im Umkehrschluss denkst du dir auch, dass manche Ideen nicht so geil sind und in der Umsetzung sind die dann viel schöner. Da ist man selbst auch überrascht. Man hat eben nie ausgelernt, man lernt immer was dazu. Unabhängige Produktionen haben ja oft ein relativ begrenztes Budget. Ist das zwangsläufig was Negatives oder kann das auch was Positives sein, weil man dann kreativer sein muss und etwas aus einem herausgekitzelt wird? Man wird da definitiv kreativer, weil man mit den Umständen klarkommen und aus ihnen das Beste machen muss. D as bringt aber auch eine Magie mit sich, denn man weiß ja nicht, was auf einen zukommt, weil man dadurch dann auch experimentiert. Du hast jetzt Ghost Bastard jetzt wahrscheinlich schon zigmal gesehen, einzelne Szenen wahrscheinlich hunderte Male. Kann man irgendwann in einer bestimmten Phase von seinem eigenen Schaffen auch mal genervt sein? Definitiv. Wenn man unter Zeitdruck steht und man immer wieder reinguckt und feststellt „Okay, da funktioniert etwas noch nicht“, dann kann das passieren. Irgendwann denkt man so: „Jetzt kann ich mir mal eine Pause!“ I ch habe ja schon ein paar Filme gemacht und beim vorletzten war es teilweise wirklich schlimm. Aber ich muss sagen, bei diesem Projekt war das schon was anderes, weil meine Tochter mitspielt. Man will sich ja auch irgendwie beweisen und sagen: Sie mal, ich hab da etwas Gutes erschaffen, auch und gerade mit dir. Deshalb war diese Phase bei Ghost Bastard eigentlich wirklich relativ angenehm. Tatsächlich ein Geist: Irgendwann sieht Elli ein, dass ihr neuer Begleiter eine Art Untoter ist. Doch wie wird man ihn wieder los? Und will sie das überhaupt?. (Still: Mavie Films) Ihr feiert mit „Ghost Bastard“ in Oldenburg eure Weltpremiere. Du hast schon einige davon erlebt. Ist es trotzdem noch etwas Besonderes? Bist du noch nervös? Auf jeden Fall. Nicht zuletzt, weil die Konstellation neu für mich ist. Phillipp ist ein guter Freund von mir, wir kennen uns mittlerweile seit ungefähr 17 Jahren und das ist unsere erste Zusammenarbeit. Und dann ist da noch die Kombination mit meiner Tochter! Natürlich ist das aufregend! Du bist Berliner, im Verhleich dazu ist Oldenburg natürlich Provinz. Wie sind deine Eindrücke von der Stadt? Ich finde sie super charmant. Ich bin zum ersten Mal hier und ehrlich gesagt habe ich jetzt nicht wirklich viel gewusst über Oldenburg. Aber die letzten zwei Tage habe ich viel erfahren, bin viel rumgekommen und finde es super schick und freue mich, dass wir unsere Premiere hier auf dem 32. Filmfest Oldenburg feiern können!
- AMY KURZWEIL: ARTIFICIAL
Die Geschichte der eigenen Familie, ein wiederkehrendes Thema in der Literatur, das bereits viele Menschen beschäftigt hat und so auch schon auf unterschiedlichste Arten verhandelt wurde. Doch sehr wahrscheinlich taten es wenige auf so interessante und spezielle Weise, wie die amerikanische Cartoonistin und Autorin Amy Kurzweil mit ihrer Graphic Novel "Artificial". Im Rahmen der U.S.A. Begegnungen war Kurzweil für einen Vortrag zu Gast im Schlauen Haus Oldenburg . Wir hatten die Gelegenheit, ihr ein paar Fragen stellen zu können. Eines der vielen Highlights bei den Begegnungen 2025. Foto: Zach Ellis Wenn wir uns für gewöhnlich an Menschen erinnern möchten, die nicht mehr in unserem Leben sein können, doch trotzdem eine wichtige Rolle für uns spielten, schauen wir uns beispielsweise alte Fotos von Ihnen an und schwelgen in Erinnerungen oder Erzählungen über eben diese Personen. Amy und ihr Vater Ray Kurzweil , lange Zeit Leiter der technischen Entwicklung bei Google, ein Futurist und Pionier in der Entwicklung von optischer Texterkennung und Synthesizern ( Kurzweil Music Systems ) , haben sich für einen, nennen wir es, ungewöhnlichen und doch am Ende absolut passenden Ansatz entschieden, der das Ganze auf eine völlig neue Ebene hebt. Denn Amys Großvater, Fritz (später: Fred) Kurzweil, den sie nie selbst persönlich kennenlernen durfte, war dort ein angesehener jüdischer Musiker und Komponist in Wien, dem 1938 eine amerikanische Bewunderin seiner Arbeit das Visum für die Vereinigten Staaten und somit die Flucht vor den Folgen des Nationalsozialismus ermöglichte. Vermutlich auf Basis dieser Fluchterfahrung und der steten Angst vor dem Verschwinden der eigenen Existenz, bewahrte Fred Kurzweil in den folgenden Jahrzehnten Unmengen an Dokumenten und persönlichen Schriften auf, die er nach seinem Tod Ray Kurzweil, seinem Sohn, vermachte, der diese ebenfalls viele Jahre wie einen (Daten-)Schatz hütete. MISSION: UNSTERBLICHKEIT Kunst oder künstlich? Das ist hier die Frage! Credit: Verlagshaus Jacoby & Stuart Aus dieser umfassenden Basis an Informationen rund um sein Leben und seine Gedankenwelt, entwickelte sich irgendwann die, in den Ohren der Meisten wohl unglaublich klingende Idee, den eigenen Groß-(Vater) wieder zum Leben zu erwecken, in der Form eines Chatbots - dem "Fredbot". Für Familie Kurzweil war es hingegen wohl eher ein recht logisch anmutender Prozess. Auf der einen Seite Ray Kurzweil, Erfinder und einer der berühmtesten Vertreter des Transhumanismus. Seine Prognose, die er bereits 2005 traf, also lange bevor das Thema KI für die Gemeinheit relevant wurde: im Jahr 2045 wird die maschinelle Intelligenz, die der Menschheit übertreffen. Ein Momentum, das Kurzweil unter dem Begriff der "Singularität" mitgeprägte. Auf der anderen Seite Amy Kurzweil, die schon ihre erste Graphic Novel " Flying Couch " der eigenen und nicht minder spannenden Familiengeschichte mütterlicherseits widmete. Sie machte es sich parallel zur Aufgabe, auch diesen familieninternen Entwicklungsprozess - diesmal jedoch väterlicherseits - künstlerisch festzuhalten. Und so entstand Stück für Stück nicht nur ein Programm, das es sowohl Ray als auch Amy ermöglichte, einem verloren geglaubten Familienmitglied all die Fragen stellen zu können, die nie gestellt werden konnten. Es entstand ebenso das zugehörige Buch "Artificial - Mit KI zur Unsterblichkeit?". Wir wollten diese einmalige Gelegenheit nutzen, die Autorin persönlich zu dieser Zeit zu befragen und herauszufinden, ob sich hinter dieser vermeintlichen Geschichte rund um die technologische Entwicklung unserer Zeit, im Geheimen doch vielleicht viel eher ein Lobgesang auf die Kraft der Kunst und ihre verbindende Kraft verborgen liegt - vielleicht sogar über den Tod hinaus. Kulturschnack: Erinnerst du dich noch an den Moment, als du erkannt hast, dass das Zeichnen deine Leidenschaft ist? Amy Kurzweil: Das war während meiner Collegezeit. Ich war tatsächlich gar nicht als Künstlerin ausgebildet und hielt mich auch selbst nie für eine besonders gute. Ich war jedoch immer schon am Schreiben interessiert. Aber als ich dann zum ersten Mal nach Europa kam - ich studierte im Ausland, in Großbritannien - und von dort ein wenig durch Europa reiste und all diese Museen besuchte, begann ich, das Zeichnen ernster zu nehmen. Ich ging zu Gemälden, suchte mir kleine Ausschnitte, die mir gefielen und zeichnete sie in mein Notizbuch, ging dann zum nächsten Bild, fand wieder ein Detail, das mir gefiel, und zeichnete es ebenfalls hinein. So entstand nach und nach eine Art Collage aus all diesen verschiedenen großen Kunstwerken. Ich begann, über Komposition und Anordnung nachzudenken, darüber, wie sich einzelne Bildelemente zu einem Ganzen verbinden lassen würden. Dieser Prozess gefiel mir sehr, doch für besonders gut hielt ich mich noch immer nicht so wirklich. Eine Geschichte über 3 Generationen. Credit: Verlagshaus Jacoby & Stuart Am College begann ich dann an meinem ersten Buch "Flying Couch" zu arbeiten. Es ist die Geschichte meiner Großmutter, die aus Polen stammt und den Holocaust überlebt hat. Ich wusste ganz genau, dass das eine wichtige Geschichte ist, die erzählt werden musste. Mir war dabei wichtig, ihre Lebensgeschichte auf nachvollziehbare, lineare Art und Weise zu dokumentieren. Gleichzeitig wollte ich aber auch die Geschichte der drei Generationen von Frauen erzählen (Anm. d. Red.: ihrer Großmutter, ihrer Mutter und Amy Kurzweil selbst): Wie es ist, mit einer solchen Familiengeschichte aufzuwachsen, und warum ihre Relevanz bis zu uns in die Gegenwart reicht. Ich wusste, dass ich all diese Themen, wie jüdische Identität erforschen wollte und zunächst tat ich das über das bloße Schreiben, aber etwas fehlte – Emotion, Humor. Es fühlte sich nicht wirklich inspirierend an, einfach nur dazusitzen und diese Geschichten runterzuschreiben. Aber dann las ich " Maus ", eine berühmte Graphic Novel, die sich ebenfalls um den Holocaust dreht und viele kreative Techniken, wie beispielsweise Symboliken für die einzelnen Figuren nutzt. Ich las dieses Buch jedenfalls und war so beeindruckt, wie viel Bedeutung, Humor und literarische Raffinesse in dieser Form möglich waren. Also begann ich selbst, einen Comic zu zeichnen und als ich ihn anderen zeigte, waren sie begeistert und wollten weiterlesen – ganz im Gegensatz zu meinen bloßen Texten, bei denen die Reaktion viel eher war: „Ich les' es mal bei Gelegenheit.“ (lacht) Meine Emotionen, meinen Humor und mein Inneres so authentisch ausdrücken zu können, ohne dabei dieses Erbe zu verharmlosen, hat mich einfach total in meinem Handeln bestärkt. Es funktioniert mit Comics einfach perfekt – und seitdem zeichne ich Comics. Die Verarbeitung deiner Familiengeschichte ist das prägende Element deiner beiden Hauptwerke. Hat dich diese Geschichte immer schon beschäftigt, noch bevor du wusstest, dass du sie in deinen kreativen Arbeiten thematisieren wirst? Ich denke, für die meisten von uns ist unsere Familiengeschichte und unsere kulturelle Herkunft wie die Luft, die wir atmen – oder wie das Wasser für Fische, das ebenfalls sie nicht bemerken, solange sie darin schwimmen. Man lebt damit, aber man denkt nicht ständig darüber nach. Aber ich denke, wenn sich das eigene Leben verändert – zum Beispiel, als ich das erste Mal von zu Hause wegzog - da wurde mir klar, wie besonders diese Geschichte in meinem kulturellen Kontext war. Ich hatte zwar Freunde mit Eltern, die ebenfalls eingewandert waren und auch jüdische Freunde, aber die Erlebnisse meiner Großeltern waren so dramatisch, dass mir bewusst wurde, dass diese Geschichte etwas besonderes ist und wie ein unsichtbarer, aber zentraler Teil meiner Identität war – etwas, das beeinflusste, wie ich die Welt sah. Es war also nicht so, dass ich ständig über diese Geschichte nachdachte. Aber in bestimmten Momenten des Umbruchs wurde mir klar, wie sehr sie meine Reaktionen auf die Welt prägte. Als klar wurde, dass dein Vater den sogenannten „FredBot“ erschaffen wollen würde – also einen Chatbot der deinem Großvater entsprechen sollte: Wusstest du da sofort, dass das der richtige Moment war, dieses Projekt zu dokumentieren und daraus ein neues Werk entstehen zu lassen? Ja, ich glaube schon. [...] Ich denke, ich wusste, dass ich über dieses Thema schreiben wollte, als ich von den Archiven meines Großvaters erfuhr. Du wusstest von diesem Bestand also vorher gar nichts? Nicht wirklich – zumindest war mir der Umfang nicht bewusst und wie spannend es sein würde, Zeit damit zu verbringen. Vielleicht hatte mein Vater irgendwann in meiner Kindheit mal erwähnt, dass er „all diese Sachen“ von meinem Großvater habe, aber das lag alles irgendwo außerhalb unseres Hauses – also schenkte ich dem keine besondere Beachtung. Wird 2045 die Singularität eintreten? Ray Kurzweil ist fest davon überzeugt. Quelle: YouTube Ich erinnere mich, dass ich dann davon in den Büchern meines Vaters las und eine Dokumentation über ihn sah – "Transcendent Man". Diese Filmaufnahmen waren für mich sehr bedeutsam, weil darin Material von ihm in den besagten Lagerräumlichkeiten gezeigt wird und er dort über seinen eigenen Vater spricht. Es ist faszinierend, wie Kunst manchmal der Auslöser einer Erkenntnis sein kann – etwas, das man zwar schon gehört , aber nie wirklich begriffen hat. Wie bedeutsam dieses Archiv, wie prägend der Verlust seines Vaters für ihn war. Und dann ist man plötzlich 21 Jahre alt, sieht diesen Film - gemeinsam mit ihm - sieht ihn auf der Leinwand, wie er all diese Dinge offenbart und versteht es plötzlich - ich glaube, so ist das manchmal mit der Kunst. Als ich also seine Ambitionen durch den Film wirklich erkannte und das Archiv selbst auf dem Bildschirm sah, da wurde mir klar, dass ich eine Geschichte über die Familie meines Vaters durch seine technologischen Vorhaben erzählen wollte. Etwa 2017 begann er dann an der konkreten Technologie zu arbeiten, die schließlich "FredBot" wurde, bei deren Entstehung ich mithalf und mit der ich dann interagieren konnte. Am Anfang war es also nur das abstrakte Vorhaben meines Vaters, mit der Kraft der Technologie meinen Großvater "wiederauferstehen" zu lassen, was sich dann jedoch zu diesem sehr konkreten Anwendungsfall, einer Art frühem " Large Language Model " entwickelte, das ich mithalf aufzubauen. Das war deshalb eine so spannende Geschichte, weil etwas Theoretisches nun zu etwas ganz Praktischem wurde. Und wenn das passiert, kommen die philosophischen Aspekte rund um Transhumanismus und Untersterblichkeit wirklich zum Tragen und im Angesicht der letztlich entstehenden Sache wirken diese philosophischen Ideen plötzlich anders. Also suchte ich nach neuen Ansätzen, um diese Technologie zu verstehen, denn mir war ziemlich klar, dass es sich nicht wirklich um echte Unsterblichkeit, aber womöglich um etwas anderes handelte. Und genau das versuchte ich mit meinem Buch genauer zu erforschen. Der Titel von "Artificial" führt in der deutschen Übersetzung den Zusatz „Mit KI zur Unsterblichkeit“. Das Buch stellt die Frage in den Raum, ob künstliche Intelligenz – in Gestalt eines Chatbots – die Möglichkeit bietet, sich mit verlorenen, geliebten Menschen wiederzuverbinden. Ist es nicht aber vielleicht eher so, dass der Prozess des Erstellens vom "Fredbot", die Recherche, die gemeinsame Zeit mit deinem Vater in genau diesem Kontext, eine viel stärkere Verbindung zu deinem Großvater geschaffen hat, als es vielleicht der letztliche Chatbot tat? Ganz genau. Das ist eine sehr treffende Lesart meines Buches. Es soll die Möglichkeiten der Technologie und ihre zukünftigen Auswirkungen keineswegs kleinreden, aber bei diesem konkreten Projekt war es für mich persönlich vor allem die Unsterblichkeit der Erinnerungen und des Geistes, die ich mir durch meine eigene Auseinandersetzung mit der Thematik erarbeitet habe. Man bekommt im Leben nichts geschenkt – man muss sich einbringen. In meinem Buch ziehe ich eine Parallele zwischen der Technologie des Chatbots und meinem eigenen künstlerischen Prozess. Oft empfand ich mich beim Arbeiten fast selbst wie ein Algorithmus. In den Zeichnungen des Buches sieht man viel Wiederholung, Dichte und Detail. Ich dachte über mich im Verhältnis zu einem Algorithmus nach und inwiefern dieser sehr körperliche Dokumentationsprozess und all die Zeit, die ich in den Archiven und beim Zeichnen verbrachte, letztlich eine Verbindung zu meinem Großvater schufen. Der Algorithmus kann diese Arbeit nicht für mich übernehmen, weil eine Beziehung immer im menschlichen Bewusstsein stattfinden muss. Es ist natürlich möglich, dass zukünftige Technologien eine dynamischere Erfahrung Verstorbener vermitteln. Aber Bedeutung wird es nur dann wirklich haben, wenn wir auch selbst Mühe in den aktiven Austausch mit der Technologie stecken. Das halte ich für wichtig, denn Chatbots sind nicht passiv. Wann man mit einem solchen interagiert, ist es nicht so als würde man bloß einen Film schauen. Hier liegt viel an interessantem Potenzial, Menschen diese dynamischen Erfahrungen zu ermöglichen, wenn sie sich mit solchen Archiven konfrontiert sehen. Aber ich denke, diese Erfahrung muss dann eine kreative, eine künstlerische sein und ich hoffe, dass diejenigen, die sich für diese Technologien interessieren, über genau diese Aspekte nachdenken, wenn sie versuchen, das Erbe verstorbener Menschen am Leben zu erhalten. Als Cartoonistin macht Amy Kurzweil bereits das Unmögliche möglich. Quelle: YouTube Als Cartoonistin, so beschreibst du es selbst, hast du bereits die Fähigkeit durch Raum & Zeit zu reisen und das Unmögliche möglich werden zu lassen. Mit deinem Buch "Artificial" hast du die Geschichte deines Großvaters, deines Vaters und auch von dir verewigt. Ist es nicht also viel eher die Kraft der Kunst, deiner künstlerischen Arbeiten die letztlich – mindestens im metaphorischen Sinne – deine Familiengeschichte unsterblich werden lässt und nicht die künstliche Intelligenz? Ja. Ich glaube, das ist meine Voreingenommenheit als Künstlerin. Denn eine der Missionen des Buches ist es, KI als Erweiterung menschlicher Kunstfertigkeit zu begreifen. Mit dem Titel "Artificial" (dt.: "künstlich") versuchte ich mich auf sowohl "Kunst" als auch "Künstlichkeit" zu beziehen und über eine Definition des Wortes "künstlich" nachzudenken, welches ja letztlich bedeutet, dass etwas durch menschliche Hand erschaffen wurde. Und natürlich ist mein Buch per Hand gezeichnet. Ich selbst als Künstlerin hänge sehr an den haptischen Werkzeugen, aber das ist nur meine persönliche Präferenz. Ich mag Bleistifte, Füller und Tinte, Aquarell und Bücher und auch mein Vater liebt all diese Dinge. Und was in diesem Kontext KI anbelangt, denke ich, täten wir alle gut daran, sie als Erweiterung menschlicher Kunstfertigkeit zu verstehen. Denn so wird sie nicht immer genutzt oder betrachtet. Ich denke, die Welt wäre vielleicht ein besserer Ort, wenn in KI-Kreationen mehr künstlerischer Geist stecken würde. Dieses Buch ist jedenfalls mein Beitrag dazu. Viele Leute sagen: "Auf dem Cover steht, es gehe um künstliche Intelligenz, aber so ist es gar nicht wirklich." Und dann antworte ich: "Genau, es geht darum, wie künstliche Intelligenz in eine viel umfassendere Geschichte passt, eine Geschichte kreativer Innovation." Dein Vater hat Maschinen entwickelt, die das Leben von Menschen extrem bereichert haben - auch in kreativer Hinsicht. Bei Google hat er jedoch intensiv an der Entwicklung künstlicher Intelligenz gearbeitet und gerade in den letzten Jahren hat es rasante Fortschritte, auch in der Erstellung kreativer Inhalte gegeben, die die Existenz ganzer Berufsgruppen bedroht. Davon wärst du unmittelbar betroffen. Beunruhigt dich das und du sprichst darüber mit deinem Vater? Ich rede ständig mit allen darüber, weil es mir solche Sorgen bereitet. Und auch mit meinem Vater habe ich Gespräche über diese Thematik geführt. In mancher Hinsicht haben wir dabei unterschiedliche, aber ebenso auch ähnliche Ansichten. Ich sehe einen echten Mangel an Kreativität, wenn es darum geht KI als mehr als eine Bedrohung für Arbeitsplätze zu begreifen, die alles tut, was Menschen bisher taten, nur schneller. Das ist grundsätzlich kein besonders kreativer, künstlerischer Ansatz. [...] Denn besser bedeutet lediglich schneller auf dem technokapitalistischen Markt und gerade in den USA sind wir förmlich süchtig nach Effizienz und Produktivität. Nach dieser Logik ist viel menschliche, künstlerische Arbeit bereits bedroht und das ist sehr ärgerlich und schlecht für die Künstlerinnen und Künstler, die versuchen Geld zu verdienen. Allerdings ist das keine zwangsläufige Folge, nur weil diese Werkzeuge existieren. Der kreativere Weg, diese Werkzeuge zu nutzen, wäre, etwas Neues mit ihnen zu schaffen - nicht nur das, was ein ohnehin Mensch kann, sondern das, was ein Mensch eben nicht kann. Lassen wir die KI und den Menschen doch zusammenarbeiten und etwas entstehen, das wirklich einem gemeinsamen Miteinander gleicht. Es gibt bereits digitale Künstlerinnen und Künstler, die meiner Meinung nach diese neuen Formen bereits unter Beweis stellen. Sie nutzen KI, sie programmieren, sie arbeiten generativ, aber dann verändern sie auch etwas. Es entsteht ein sehr dynamischer Prozess, der unglaublich interessante neue Dinge hervorbringt, die wir ohne diese neuen Werkzeuge nicht entstehen lassen könnten. So sollte man sich KI nähern. Man sollte sich fragen: "Was wird dadurch möglich?" Plädiert für einen kreativeren Umgang mit künstlicher Intelligenz. Credit: Privat Ich stelle es mir als eine Art Kunstform vor, die menschliche Daten zu ihrer Farbe werden lässt, was ich für total interessant halte. Was könnte man mit diesem Farbeimer voller menschlicher Daten anstellen? Es ist wie ein Werkzeug, aber eines mit Eigenschaften, die wir bei keinem anderen je zuvor gesehen haben. Ich mag diesen Gedankenrahmen, aber halte es für ebenso wichtig zu erkennen, wie grundlegend anders dieses neue Werkzeug doch ist. Es ist eher wie eine Art Zauberstab. Es gibt jedenfalls keinen Grund, warum wir Menschen ersetzen müssten. Wir alle halten es für selbstverständlich, dass ein Computer eine Aufgabe übernehmen sollte, nur weil er es kann. Ich verstehe überhaupt nicht, warum das so sein sollte. Ich vermute, die Antwort lautet: Effizienz und deshalb müssen über dieses Paradigma für unsere Entscheidungen hinauswachsen. Du hast mit deinen beiden Büchern einmal die mütterliche Seite und einmal die väterliche Seite deine Familie beleuchtet. Ist damit ein Kreis für dich geschlossen und du widmest dich nun künstlerisch etwas neuem oder wirst du weiterhin als Memoir-Cartoonistin arbeiten? Das ist eine gute Frage. Ich mache jetzt erstmal eine Pause, was mich selbst anbelangt. Am College habe ich gelernt, dass man immer zwei Geschichten schreibt. Eine über die eigene Mutter, die andere über den Vater und dann schreibt man diese Geschichten einfach immer und immer wieder für den Rest seines Lebens. (lacht) Das habe ich nun jedenfalls hinter mich gebracht. Aber ich schreibe nun Sachbücher über andere Menschen. Ich nutze das, was ich als Autorin von Memoiren gelernt habe, um mich in die Perspektive anderer Menschen hineinzuversetzen. Geschichten, die ich für aktuell in diesen Zeiten halte. Eine wichtige Geschichte, die ich letztes Jahr veröffentlicht habe, handelte von zwei Friedensaktivisten, einem Israeli und einem Palästinenser. [...] Ein weiteres Stück, das ich gerade erst beendet habe, handelt von meinem Cousin, der eine dramatische Erfahrung machte, als er in Myanmar vom Militär inhaftiert wurde, weil er Journalist ist. Er war politischer Gefangener und wurde dann schlussendlich wieder freigelassen. Ähnliche Arbeiten habe ich bereits in Planung. Im Grunde möchte ich also das anwenden, was ich über das Verstehen von Berichten und Dokumentationen aus erster Hand gelernt habe, um mich so auch weiterhin in die Perspektive anderer Menschen hineinzuversetzen. Ich möchte Geschichten erzählen, die sich für mich relevant anfühlen. Für eine Welt, in der so viel Angst vor Politik und Krieg herrscht. Das hilft auch mir, eine Möglichkeit zu haben, mich mit diesen Thematiken auseinanderzusetzen. Und irgendwann werde ich mich dann der Belletristik zuwenden. Das ist mein Weg in die Fantasie. (lacht) Daran hoffe ich, arbeiten zu können. Ich bin auf dem Weg dorthin. Das klingt fantastisch. Vielen Dank für das Gespräch! Wer noch mehr über die Arbeit von Amy Kurzweil erfahren möchte, findet hier den Link zu ihrem Instagram Account, auf dem ihr unter anderem auch zahlreiche der Cartoon findet, die sie im berühmten New Yorker Magazine veröffentlicht: www.instagram.com/amykurzweil
- QUEERE FILME FEIERN
Es gibt Filme, die treffen perfekt den Massengeschmack. Und es gibt andere, die nur für eine bestimmte Nische oder Klientel gemacht zu sein scheinen. Letzteres gilt gemeinhin auch für queere Filme. Doch die Frage ist: Warum eigentlich? Denn im Gegensatz zu Horror-Slashern oder Arthouse-Avantgarde sind diese Werke erzählerisch für alle geeignet. Das große Thema Liebe - und wie man mit ihr umgeht - richtet sich schließlich an alle Menschen. Grund genug, das Queer Film Festival Oldenburg mal genauer anzuschauen. Die Welt ist bunt: Das Queer Film Festival Oldenburg geht in sein 16. Jahr und beweist einmal mehr, dass es starke Filme jenseits des hetero-normativen Mainstreams gibt - wie hier „Drama Queens“. (Bild: Cine k) Es passiert immer wieder. Zwar bleibt es die Ausnahme, aber alle paar Jahre wird ein Film mit queeren* Protagonist:innen zu einem großen Publikumserfolg. „ Brokeback Mountain “ (2005, 3 Oscars), „ Black Swan “ (2010, 1 Oscar) „ Blau ist eine warme Farbe “ (2013), „ Moonlight “ (2016, 3 Oscars), „ Call me by your Name “ (2017, 1 Oscar) sind nur einige Beispiel dafür. Das Publikum spricht dann über diese Filme und ihre zentralen Themen, als wäre das ganz normal. Das ist einerseits erfrischend, andererseits entlarvend. Denn natürlich ist es nichts anderes als das: ganz normal. Und man fragt sich: Warum denn nur dann - und sonst nicht? Was diese Beispiele zeigen: Es ist dem heterosexuellen Publikum durchaus möglich, queere Filme bzw. Filme mit queeren Elementen nicht nur anzusehen, sondern auch zu genießen und wertzuschätzen. Das heißt: Die Besucher:innen lassen sich zwar unterhalten, sie entwickeln aber gleichzeitig ein Verständnis und Mitgefühl für die Situation von queeren Personen. Das sorgt für eine aktive (weil emotionale) Auseinandersetzung mit deren Lebensrealitäten - eine Form der Empathie, die unserer Gesellschaft grundsätzlich gut tut. Warum aber sollte man darauf warten, bis der nächste Blockbuster das Thema aufgreift? Es gibt viel mehr davon - wie das Queer Film Festival Oldenburg zeigt. *Begriffserklärung weiter unten 16. QUEER FILM FESTIVAL OLDENBURG 9. BIS 13. OKTOBER 2025 CINE K BAHNHOFSTRAßE 11 26122 OLDENBURG PROGRAMM Kleines Programm, große Wirkung Beim der Wortkombination „Film Festival“ und „Oldenburg“ denken die meisten Menschen intuitiv an das Internationale Filmfest . Kein Wunder: Mit alljährlich etwa vierzig Langfilmen und zuletzt 13.000 Besucher:innen ist es immerhin ein Mittelgewicht im weltweiten Festivalzirkus - und das bereits seit 32 Jahren. Das Queer Film Festival dagegen ist eher aeine kleinere Nummer. Es ist nur halb so alt, hat lediglich eine Handvoll Filme zu bieten, internationale Stargäste samt Rotemr Teppich und Blitzlichtgewitter sucht man vergeblich. „Natürlich wären wir auch gerne größer, aber das ist mit unserem kleinen Team aus Ehrenamtlichen nicht zu leisten“, erklärt Tommy vom Organisationsteam der Kinogruppe RollenWechsel . Sie ist Teil des Na Und e.V. - seit jeher eine treibende Kraft für die Rechte und Belange von queeren Personen in Oldenburg Völlig normal: Liebende Menschen küssen sich. Nur ist es für die einen komplizierter als für die anderen, wie u.a. „Born for you“ zeigt. (Bild: Cine K) Ein spürbares Manko sind die klieren Dimensionen allerdings nicht. Denn drei wesentliche Dinge haben die ungleichen Geschwister durchaus gemeinsam. Erstens: Den Fokus auf einen bestimmten, oft übersehenen aber überaus spannenden Bereich des Kinos, der viele verborgene Schätz zu bieten hat. Hier Independent-Filme, dort die Queer-Filme .. Zweitens: Ein gutes Gespür, unter den zahllosen Veröffentlichungen eines Jahres jene zu entdecken, die das Publikum in besonderer Weise ansprechen. Und drittens: Gäste und Gesprächsformate, die das Filmerlebnis durch Hintergründe, Kontexte und Einblicke deutlich aufwerten. Letzteres gehört zu den Eckpunkten des Festivals: „Unsere Gäste wie z.B. Regisseur:innen bieten eine andere oder weiterführende Perspektive auf ihren Film“, erläutert Tommy. Außerdem gebe es für die Kinobesucher:innnen die Möglichkeit, im Anschuss an die Vorführung Fragen zu stellen und so vielleicht auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Auch die jeweilige Expertise der Menschen, die an den Filmgesprächen teilnehmen, böte gute Möglichkeiten, die Filme besser einordnen zu können. „Auf jeden Fall bieten die Gespräche sowohl den Besucher:innen als auch dem Team einen unglaublich hohen Mehrwert.“ Dass es diese Programmpunkte beim Queer Film Festival zu erleben gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Die Organisation wird von einem kleinen Team nämlich rein ehrenamtlich organisiert. Der entscheidende Faktor ist also die Filmleidenschaft. Sie ist es, die alle Beteiligten antreibt - und das spürt man auch bei der Auswahl. Das Queer Film Festival mag letztlich ein Freizeitprojekt sein, qualitative Abstriche muss man deshalb aber nicht machen. Im Gegenteil: Das alljährliche Ergebnis ist umso imposanter, wenn man bedenkt, dass hier niemand seine gesamte Arbeitszeit investieren kann. Prinzipiell können sich alle, die nicht eindeutig in die traditionellen Kategorien von Geschlecht und Sexualität passt, als queer bezeichnen. Dazu gehören zum Beispiel: Menschen, die sich als nicht-binär oder genderqueer identifizieren : Diese Personen sehen sich nicht strikt als männlich oder weiblich, sondern haben ein fließenderes oder flexibleres Verständnis von Geschlecht. Lesben, Schwule und Bisexuelle : Personen, deren sexuelle Orientierung nicht heterosexuell ist, können sich ebenfalls als queer verstehen, um ihre Identität über die klassischen Kategorien von „lesbisch“ oder „schwul“ hinaus zu definieren. Transgender-Personen : Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, können sich ebenfalls als queer bezeichnen. Asexuelle oder aromantische Personen : Auch Menschen, die keine sexuelle oder romantische Anziehung verspüren, können sich als queer verstehen, wenn sie sich nicht mit traditionellen Vorstellungen von Sexualität und Romantik identifizieren. Menschen, die sich außerhalb heteronormativer Beziehungen bewegen : Dies umfasst alle Menschen, die sich in gleichgeschlechtliche oder nicht-monogame Beziehungen begeben und dabei keine traditionellen heterosexuellen Normen anstreben. Es gibt keine festen Regeln, wer sich als queer identifizieren kann, und der Begriff ist immer im Wandel. Es ist ein offenes Konzept, das Raum für Vielfalt und unterschiedliche Erfahrungen lässt. Gewinn für Oldenburg Das Festival mag zwar klein sein und vorerst auch klein bleiben, seine Bedeutung könnte aber kaum größer sein. „ Es ist wichtig, in der Öffentlichkeit die Lebensrealitäten von queeren Menschen zu normalisieren und Identifikation mit den Charakteren zu schaffen“, findet Tommy. Durch das Festival enstehe zudem ein wichtiger Bezugspunkt für die Community, an dem man sich treffen, offen sprechen und natürlich auch gemeinsam Filme gucken könne. Das begrüßt auch Wolfgang Bruch, Leiter des Cine k. „ Queeres Kino war von Anfang an wichtiger Bestandteil im Programm des Cine k.“, betont er. Dabei habe es schon immer eine enge Zusammenarbeit mit der queeren Community gegeben - mit dem Na Und e.V., der queeren Kinogruppe RollenWechsel oder dem CSD. Deshalb sei es für das Cine k eine große Freude, das QFF präsentieren zu dürfen, betont Wolfgang: „Diversität, das Sichtbarmachen von Diskriminierung und der Kampf um gesellschaftliche Teilhabe, aber auch das Feiern von alternativen Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Utopien spielen im Programm des Cine k eine zentrale Rolle, weshalb auch das QFF wunderbar in unser Profil passt.“ Zudem freue er sich, dass es seit einigen Jahren auch ein Schulfilmprogramm gebe, indem Schulklassen die Gelegenheit hätten, ausgesuchte Filme zu sehen und mit den Festivalmacher*innen darüber zu diskutieren. Das begrüßt auch die Oldenburger Verwaltung, bei der die Wettschätzung für das kleine Festival ebenfalls groß ist. Das Kulturbüro unterstützt es bereits seit vielen Jahren, auch der Kurzfilmpreis wird von der Stadt finanziert. „ Für Oldenburg ist das diverse Filmprogramm mit Fokus auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ein Gewinn“, bilanziert auch Oberbürgermeister Krogmann in seinem Grußwort. Intime Atmosphäre: Das „Muvi“ ist der perfekte Ort, um tief in die queere Filmwelt einzutauchen. (Bild: Cine k) Die Qual der Wahl Die Aufgabe, die passenden Werke zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn es geht ja nicht darum, wahllos irgendwelche Film zu zeigen, in denen queere Personen auftauchen - oder einfach nur die oben genannten Hollywood-Produktionen noch einmal auf die Leinwand zu bringen. Ihre queeren Elemente sind zwar manchmal ein Zeichen von Haltung, oft genug aber auch nur ein oberflächlicher Tribut an den Zeitgeist. „Es geht um mehr als die Tatsache, dass ein:e queere:r Schauspieler:in in einem FIlm zu sehen ist“, erläutert Tommy. „Es geht auch darum, inwiefern queere Lebensrealitäten im Film überhaupt eine Rolle spielen, in welchem Rahmen diese thematisiert werden und welchen Themenkomplexe noch angesprochen werden.“ Dem Queer Film Festival geht es also um mehr, nämlich um starke Inhalte und Storys, zu denen das Publikum einen Bezug aufbauen kann. Das klappt eben weniger gut, wenn eine Marvel Superheldin mal kurz eine Frau knutscht, umso besser aber, wenn der Junge aus der Nachbarschaft von seinen Gefühlen für den Klassenkameraden irritiert ist. Das erzählerische Feingefühl ist entscheidend - was aber nicht bedeuten muss, dass das Tempo deshalb immer langsam sein müsste. Auch queere Filme bilden die gesamte Bandbreite an Genres, Stilen und Techniken ab. Wie behält man da nur den Überblick? Starkes Programm: Vier Langfilme sind zusehen, dazu die Kurzfilmformate „Best of Shorts“ und „Queerotics“ - letztere mit eplizitem Material. (Bilder: Verleihe) „Wir sind Teil von Queerscope , einem Netzwerk von 29 verschiedenen queeren Filmfestivals“ weiß Tommy. „Da schauen wir natürlich, was andere Festivals im Programm hatten oder welche Filme infrage gekommen sind, es dann aber aus verschiedenen Gründen nicht ins Programm geschafft haben.“ Aber auch das RollenWechsel-Team halte jederzeit die Augen offen und achte auf spannende Neuerscheinungen und entscheide gemeinsam, welche Filme infrage kämen. „Bei der Auswahl spielen viele Faktoren eine Rolle, z.B. das Alter der FIlme oder die Qualität. Wir überlegen aber auch, welche Themen und Geschichten in den Filmen behandelt oder erzählt werden und welchen Mehrwert das für die Kinobesucher*innen bietet.“ Zwischen Lebenslust und Verunsicherung Natürlich ist das Queer Film Festival in erster Linie für Personen gemacht, die sich zu dieser Gruppe zählen. Und es wäre auch völlig in Ordnung, wenn das kleine Filmfest ausschließlich diesem Kreis vorbehalten bliebe. Angesichts der vielen Fronten und Gräben, die sich derzeit in unserer Gesellschaft aufbauen, ist es für alle anderen aber sicher keine schlechte Idee, einmal die eigene Blase zu verlassen und ein Gefühl für die Situation anderer zu bekommen. Wenn wir die Zielgruppe mal ganz einfach in zwei Teile trennen, dann ergäbe sich folgendes Bild: Diejenigen, die sich als queer bezeichnen, finden beim QFFOL Filme, die ihre Lebensrealitäten abbilden - zwischen Selbstbewusstsein und Verunsicherung, Lebenslust und Verlustangst, Liebe und Hass. Durch das intime Festival entsteht eine Art Safe Space, der ein befreites und tiefes Eintauchen in die Geschichten erlaubt. Und das wäre schon genug, Nackte Haut: Beim zweiten Kurzfilmabend „Queerotics“ gibt es auch expliziteres Material - sprich: queere Pornos - zu sehen. (bild: Cine k) Aber es gibt ja noch die zweite Gruppe Das sind all die anderen, die sich wahrscheinlich als „normal“ bezeichnen würden und damit Heterosexualität, Binarität und CIS meinen. Oft werden sie als Gegensatz zu queeren Personen wahrgenommen. Aber diese klare Grenze ist Quatsch, schließlich sind wir alle Menschen. Das Queer Film Festival ist der ideale Moment, den Beweis dafür anzutreten, denn es bietet wunderbare Möglichkeiten, sich den Gedanken und Gefühlen von queeren Personen anzunähern. Damit leistet das QFFOL einen aktives zu mehr gegenseitigen Verständnis und einem besserem Miteinander. Tommy betont: „Das Queer Film Festival Oldenburg läuft zwar unter dem Motto 'Von der Community für die Community', aber natürlich sollen und dürfen auch heterosexuelle Menschen die Filme besuchen.“ Und auch Kinoleiter Wolfgang hat beobachtet, dass das Publikum durchaus gemischt ist. „ Das QFF ist ein offenes Format und wird entsprechend von verschiedensten Menschen besucht“, stellt er fest. „Hier spielen Alter, Sexualität und Herkunft keine Rolle und wir freuen uns auch ein sehr vielfältiges Publikum zu haben. Bestimmte Formate und Diskussionsgäste richten sich hauptsächlich an ein queeres Publikum, sind aber grundsätzlich ebenfalls offen und werden auch entsprechend angenommen.“ Große Gefühle: Viele queere Filme beschäftigen sich mit essentiellen Frragen oder Problemen - ein Erlebnis auch für Menschen, die sich als heterosexuell einordnen würden. (Bild: Cine k) Gemeinsam queere Filme feiern Von 40 Langfilmen und 13.000 Gästen ist das Queer Film Festival Oldenburg noch weit entfernt. Aber es will dort auch gar nicht hin. Das QFFOL ist ein Kleinod, das nicht zuletzt durch seine intime Atmosphäre überzeugt. Eine andere Zahl ist dagegen deutlich realistischer: Eine 32. Auflage, die das Internationale Filmfest im Jahr 2025 feierte, könnte das QFF ebenfalls erleben. Denn alle Beteiligten haben die dafür nötige Haltung, Überzeugung und Freude an ihrem Tun. Und das Publikum? Weiß die stets gelungene Auswahl sehr zu schätzen. Zwar werden Filme mit queeren Hauptfiguren weiterhin die Ausnahme bleiben und nur hin und wieder die Oscarverleihungen dominieren. Aber das ist vergleichsweise unwichtig, wenn weiterhin so viele gute queere Filme produziert werden und das Team der Kinogruppe RollenWechsel im Na Und e.V. sie für uns entdeckt und beim Queer Film Festival präsentiert. Es ist nichts falsch daran, wenn sich das Publikum in erster Linie aus queeren Personen zusammensetzt, die gemeinsam das intime Filmerlebnis feiern. Wir empfehlen aber auch allen anderen, mit der nötigen Offenheit in das Festival hineinzuschnuppern. Dabei stellt man dann vielleicht fest, dass gute Filme grundsätzlich für alle geeignet sind - unabhängig davon, wen die Hauptfigur liebt.
- NEUES AUS DER MACH|WERKSTATT
Zwischen Gehversuch und Geniestreich: MACH|WERK ist der Fonds für innovative Kulturprojekte. Hier bekommen (vor allem, aber nicht ausschließlich) junge Kulturschaffende die Chance, Projekte umzusetzen, die wagemutig, waghalsig oder wunderbar wild sind. Das Ergebnis: Jedes Jahr spannende Kulturinnovationen zwischen Sinn und Spektakel. Nun wurde die Auswahl für 2025 bekanntgegeben. Neue Machwerke: Zwar gab es bei den Bewerbungen im Jahr 2025 einen Minusrekord, dennoch haben die sechs neuen Machwerke wieder einiges zu bieten. (Bild: Canva KI/Kulturschnack) In den vergangenen Jahren sind in Oldenburg Dinge passiert, die in dieser Form für eine Stadt dieser Größe nicht zu erwarten waren. Es gab spektakuläre kreative Zwischennutzungen , es gab kulturelle Fahrradrallyes und individuelle Theaterformate für jeweils eine einzige Person. Es gab innovative Filmprojekte , internationale Austauschformate , gigantische Graffiti-Events und sogar ein mehrtägiges Indoor-Festival . Was das alles miteinander zu tun hat? Erstmal nichts. Über die Jahre verstreut fanden diese Ereignisse statt, ohne dass sich eine Verbindung herstellen ließe. Dennoch gibt es eine: All das wurde nämlich möglich gemacht durch MACH|WERK, dem städtischen Fonds für innovative Kulturprojekte. Er war mal der Impuls, der Steine ins Rollen brachte, mal der entscheidende Anstoß, eine lang durchdachte Idee endlich umzusetzen und mal das fehlende Puzzlestück in der Finanzierung. Unter dem Strich also: ein Möglichmacher. Und Oldenburg profitiert davon. MACH|WERK OLDENBURGS FONDS FÜR INNOVATIVE KULTURPROJEKTE DURCHGÄNGE: 8 BUDGET P.A.: 50.000 EURO GEFÖRDERTE PROJEKTE: 59 FÖRDERSUMME: 430.000 EURO WERT: UNBEZAHLBAR Neue Kulturimpulse Nein, großes Tamtam und Trara gibt es nicht. Die Entscheidung darüber, welche Projekte mit dem MACH|WERK-Fonds realisiert werden können, fällt vergleichsweise unspektakulär: Im nichtöffentlichen Teil der September-Sitzung des Kulturausschusses wird über die Anträge abgestimmt. Dabei entwickeln sich immer mal wieder lebhafte Diskussionen über die Projekte - genauso aber über das Umfeld, das sie brauchen, um zu gelingen. Glanzlicht der Mach|Werk-Historie: Das MEMUR Urban Art Festival im August 2022. (Bild: Kulturschnack) In diesem Jahr betraf dies etwa den Zeitpunkt der Ausschreibung, der erstmals vollständig in den Sommerferien lag. Ein Fehler? Womöglich, denn die Resonanz war mit acht Anträgen so gering wie nie, weit entfernt vom letzten Jahr (13) oder gar vom Rekordjahr 2021 (27). Zudem sind in diesem Jahr zwei Antragsteller dabei gewesen, die auch im letzten Jahr erfolgreich waren. Das Mach|Werk-Biotop könnte aktuell also eine gewisse Auffrischung vertragen. Daran - so viel ist sicher - wird im Kulturbüro gearbeitet werden. Bis dahin darf sich Oldenburg über sechs starke Kulturimpulse freuen, die es ohne Mach|Werk nicht gegeben hätte. Über welche genau? Das lest ihr hier: ANNE KAMMER-EVERSBUSCH SHAKESPEARE OHNE RAUM Obwohl schon fast sechzig Projekte bei Mach|Werk gefördert wurden, hat Theater bisher bestensfalls eine Nebenrolle eingenommen. Umso schöner, dass nun Anne Kammer-Eversbusch, Leiterin der Oldenburger Schauspielwerkstatt , einen Akzente in diesem Bereich setzt. Ohne Raum: Shakespeare sucht in Oldenburg nach einer Bleibe. (Bild: Wikipedia Commons) Und es geht gleich um einen ganz Großen: „Shakespeare ohne Raum“ lautet der Titel des Projekts - und den darf man durchaus wörtlich nehmen. Mit Oldenburger Bürger:innen will die Theaterexpertin nämlich Stoffe des berühmten englischen Dichters (1564-1616) inszenieren - allerdings ohne einen festen Proberaum. Es wird also auch darum gehen, sich auf verändernde Gegebenheiten einzustellen. Doch Anne hatte bei ihrer Idee noch mehr im Sinn. Einerseits sieht sie das Projekt als eine Form des „Empowerments“ und des Mutmachens, sich mit klassischen Stoffen auseinanderzusetzen. Etwaige Hemmschwellen sollen abgebaut werden, zumal Passierende zuschauen oder oder sogar spontan mitmachen dürfen. Einfacher geht es nicht! Es gibt aber eine weitere Deutungsebene: Die diplomierte Schauspielerin möchte mit ihrem Projekt auf die Raumknappheit für künstlerische Projekte aufmerksam machen und gleichzeitig einen kreativen Umgang damit anregen. Durch eine filmische Aufbereitung mitsamt Veröffentlichung auf YouTube dürften auch genügend Menschen davon erfahren. OLIVER GODOW A CHANCE - EINE FOTO-SKULPTUR FÜR DAS 91ER-GELÄNDE „ Die üblichen Verdächtigen “ ist ein ein Thriller von Bryan Singer aus dem Jahr 1995. Ganz so alt ist Mach|Werk nicht, aber gäbe es auch hier einen Kreis an typischen Kandidat:innen, dann könnte man Oliver Godow sicher dazuzählen. Mehrfach war er in den vergangenen Jahren schon dabei - und hat auch dieses Jahr ein Projekt eingereicht. Terra incognita: Die Freizeitfläche an der 91er Straße wurde im August eingeweiht. Der neue Ort will aber erst noch entdeckt werden. (Bild: Sascha Stüber) Sein Metier ist dabei die Fotografie und sie steht auch hier wieder im Mittelpunkt. Entstehen soll eine temporäre Fotoskulptur für die Freizeitfläche an der 91er Straße, wo bis vor einigen Jahren das Finanzamt stand. Der fest auf einen Sockel montierte Quader soll mit einer Höhe von 180 cm und einer Breite von 40 cm in etwa so groß sein wie ein Mensch. An seinen Seiten soll eine Fotocollage zu sehen sein, bei der eigens erstellte Bilder aus den beiden Partnerstädten Kingston upon Thames und Cholet in Dialog mit Motiven aus Oldenburg treten. „ Städtepartnerschaften stehen für ein gemeinsames Europa und damit für Chancen“, findet Oliver. Darüber hinaus will der Fotograf mit seinem Werk aber auch einen Impuls für den neuen Stadtraum geben und eine Schnittstelle für das Zusammenleben schaffen. Denn: „Das 91er-Gelände ist eine Chance für Oldenburg.“ MAIKE JEBENS & MARIE-LOUISE GUNST BROT & LOSE KUNST Einen gänzlich neuen Ansatz verfolgen die beiden Schauspielerinnen Maike Jebens und Marie-Louise Gunst . Im Foyer des Theater Hof/19 plant das Duo ein innovatives Veranstaltungsformat, in dem die Kunst zur Impulsgeberin für persönliche Gespräche wird. Der Bezug zur Nahrung im TItel ist dabei kein Zufall: Neben einer Verbindung aus Konzert, Lesung und szenischer Intervention gibt es nämlich auch ein gemeinsames Mahl. Gereicht wird handwerklich gebackenes Brot von der Orto Bistro Bakery mit Öl, Salz und Wasser - einfache und ehrliche Lebensmittel, die als symbolischer wie realer Auftakt zum gemeinsamen Erleben wirken. Ort des Geschehens: Im Foyer des Theater Hof/19 gibt es jetzt „Brot & lose Kunst“ (Bild: Kulturschnack) Der Ort ist ebenfalls kein Zufall: Viele Oldenburger:innen werden Maike und Marie-Louise von ihren Engagements bzw. Gastspielen am Theater Hof/19 kennen. Nun gibt es die Gelegenheit, sie in einem neuen Rahmen zu erleben. Dabei widmet sich jeder Abend einem akuellen oder zeitlosen Thema, für das es künstlerische Impulse gibt, die gemeinsam weitergedacht werden. Nicht zuletzt sind das Zusammenkommen vor Ort und das Gespräch auf Augenhöhe ein Zeichen gegen Einsamkeit als eines unserer drängendnsten, aber auch am häufigsten übersehenen sozialen Probleme. BEKANNTE NAMEN MACH|WERK HALL OF FAME Wie eingangs angedeutet, passieren in Oldenburg viele Dinge, ohne dass man sie miteinander verbinden könnte. Wie viele Veranstaltungen aber die Förderung durch MACH|WERK gemeinsam haben, zeigt die folgende Liste. Sie ist längst nicht vollständig, bietet aber einen guten Eindruck davon, wie viel der Fonds möglich macht. ANNIKA LISA RICHTER - FRAUENSACHE (2021) DIE LOGE - KILLING LONELINESS (2020) DIE LOGE - NEUGESTALTUNG DER FRIEDENSSÄULE (2024) EIKE WEINREICH - IM SCHATTEN DER STADT (2021) FELIX FREITAG - LUCA (2022) GESINE GEPPERT - ALTERNATIVE KUNST-KULTUR-KARTE (2021) HIDDEN ART PROJEKT - POPUP GALLERIES (2019) HIDDEN ART PROJEKT - KUNST.STADT.KOMMERZ (2020) JANUSZ KENDEL - PARKLATERNE L20 (2023) JUGENDKULTURARBEIT - CLARA S. (2019) JUGENDKULTURARBEIT - FREISCHÜTZ (2020) KUNSTKOMPLEX - MISSION MARS (2023) LARS UNGER - I N TOKIO IST ES STILL (2021) MADLENE OEPPING - PELLE, DER SPÄTI (2022) MARIANNA MARTENS - METROPOLY FESTIVAL (2021) MENSO VON EHRENSTEIN - KULTURELLI (2020) MENSO VON EHRENSTEIN - KULTURELLI RACING (2024) METRO CLUB - 40 JAHRE METRO (2023) MORITZ GRENZ - AUDIO POESY - MOVES (2019) OLDENBOOK KOLLEKTIV - READING PARTY (2024) OLDENBURGER KUNSTSCHULE - STADT-UTOPIST*INNEN (2019) PERMANENT AKTIV - LICHTUNG (2020) RENKE HARMS - MEMUR (2020) SCHWARZSEHER - STADT GESTALTEN (2018) TAKE OLDENBURG - TAKE THE SCREEN FILMFESTIVAL (2022) THE WHITE RABBIT - DRESS:CODE (2022) TIM PFÖRTNER - KLEISTER-KONZERTE (2018, 2019) ULRIKE LISSNER - LOLDENBURG OPEN MIC COMEDY (2023) VASUDEVA - DER OLDENBURG FILM (2018) WIEBKE HEEREN - VISIBLE CITIES (2022) HELENE VON OLDENBURG ZUKUNFT_OL+50 Einen außergewöhnlich großen Zeithorizont deckt das Projekt von Helene von Oldenburg ab. „Was wäre, wenn wir heute fünfzig Jahre in die Zukunft schauen können?“, fragt sie sich - und wird natürlich noch konkreter. Blick in die Kristallkugel: Kunst liefert womöglich präzisere Ergebnisse als datenbasierte Projektionen. (Grafik: Helene von Oldenburg) „Wie wird Oldenburg im Jahr 2075 aussehen? Wie geht es der Demokratie? Wie steht es um die Mobilität, die Wohnsituation, die Freizeitgestaltung, die Bildung, die Nahrungsherstellung, die medizinische Versorgung, die Politik? Wie werden sich die Landschaften verändert haben? Die oldenburgische Stadtlandschaft? Die soziale Landschaft? Die politische Landschaft?“ Und die Antworten darauf - geben wir alle. Dafür hat Helene einen Open Call gestartet, also einen Aufruf bei ihrem Projekt mitzumachen. Ausgehend von der Fragestellung, was in fünfzig Jahren sein wird, lädt Helene alle dazu ein, ihre Vorstellungen, Erfindungen, Hoffnungen, Wünschen und Befürchtungen Ausdruck zu geben und sie mit anderen zu teilen. Auf welchem Weg ihr das tut, bleibt euch überlassen: Bilder, Skizzen, Fotos, Filme, Objekte, Texte, Sounds und Töne - alles ist erlaubt. Präsentiert werden die Ergebnisse dieser spannenden Mischung aus Kunstprojekt und Forschungsvorhaben im Landesmuseum Kunst + Kultur . Also: Im Schloss. Zweifellos ein angemessener Rahmen für Oldenburgs Zukunft. MERLE SMALLA DIE ORAKEL-REVUE Man hat keine Wahl: Wer nur den allerersten Satz von Merle Smallas Projektbeschreibung liest, muss einfach neugierig werden: „Die Orakel-Revue soll eine mobile Spielbühne werden, die Figuren- und Objekttheater, bildende Kunst und Wahrsagerei im öffentlichen Raum miteinander verbindet.“ Noch stärker wird dieser Effekt, wenn man beim letzten Projekt der freischaffenden Künstlerin zu Gast war - nämlich bei „ Mitternacht 24/7 “, das sich in den historischen Gemäuern des Baumgartenstraße irgendwo zwischen begehbarer Installation, szenischer Intervention und Figurentheater bewegte. Filigran: Merles Figuren lassen eine eigene Welt entstehen - bei „Mitternacht 24/7“ ebenso wie bei der „Orakel-Revue“. (Bild: Kulturschnack) Nicht weniger als zehn Figuren, die vom Zirkus inspiriert sind, baut Merle für ihr kleines Theater und das Publikum bringt diese selbst ins Spiel. Pro Vorstellung kann eine Person mittels einer Tarotkarte entscheiden, um welche Figur sich das drei- bis fünf-minütige Stück drehen wird. Dialoge oder eine lineare Handlung im engeren Sinne gibt es zwar nicht, aber dafür Musik und jede Menge Assoziationen und Atmosphäre. Merle besitzt nämlich ein ausgeprägtes Gespür dafür, wie man Stimmungen entstehen lässt. Letztlich ist die „Orakel-Revue“ eine Einladung in einer andere Welt, in der Mensch und Figuren einander ganz nah kommen können. Was man draus macht? Hat man selbst in der Hand - und im Kopf. EIKE WEINREICH DER CLOWN UND DIE ZIRKUSREITERIN Das neue Kurzfilm-Projekt von Regisseur und Drehbuchautor Eike Weinreich , der regelmäßig auch für das lineare Fernsehen arbeitet, klingt zunächst nach fantasievollem Erzählkino. Doch wer Eike kennt, hat sofort eine gewisse Vorahnung, dass es ganz anders sein muss. Und so ist es auch: Hinter dem Titel verbirgt sich die wahre Geschichte der Jüdin Irene Bento , die in Zeiten des Zweiten Weltkriegs Zuflucht im Zirkus Althoff fand und dort als Clownesse auftrat. Literarische Vorlage: Eike Weinreich hat sie die Rechte an der Verfilmung gesichert. (Bild: Malik Verlag) Das passt zur thematischen und sozialen Prägung von Eikes Filmen: Bei früheren Projekten hat er bereits mit Obdachlosen, Bewohnerinnen von Frauenhäusern und Mitgliedern der Anonymen Alkoholiker zusammengearbeitet und sie aktiv am Entstehungsprozess teilhaben lassen. Und so entwickelt er auch dieses Projekt nicht im stillen Kämmerlein, sondern zusammen mit Jugendlichen aus Oldenburg, die von Mobbing oder Ausgrenzung betroffen waren bzw. sind. Denn auch bei Irene Bento waren die Anfänge zunächst nur Sticheleien. Drehort für die Szenen in Oldenburg wird die Freizeitstätte Bürgerfelde sein. Der entstehende Film wird schließlich als ein Teaser fungieren, um daraufhin - in Zusammenarbeit mit u.a. Max Giermann und dem Zirkus Roncalli - auch einen vollständigen Spielfilm zu diesem Thema zu produzieren. Die Premiere des Teasers wird natürlich in Oldenburg stattfinden.
- INSIDE FILMFEST (OR NOT)
Der rote Teppich ist eingerollt, die Limousinen weggeparkt, die VIP-Bändchen entsorgt: Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg ist Geschichte. Während die einen trauern, weil das Ereignis der Jahres nun vorbei ist, zucken andere mit den Schultern. War da was? Wir haben uns gefragt, warum das Festival die Stadt in zwei Lager trennt, wieso die einen es abgöttisch lieben während die anderen vollkommen kalt bleiben. Und wir haben auch Antworten gefunden. Aus und vorbei: Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg hinterlässt nach seinem Ende bei den einen eine große Leere, bei anderen hingegen lässt es gar nichts aus. (Bild: Kulturschnack) Am Abend des 14. September fiel der letzte Vorhang. Preise wurde verliehen, bejubelt und begossen, unzählige Fotos geschossen und Reels gefilmt sowie eine letzte Party gefeiert. Das 32. Internationale Filmfest Oldenburg hat es zum Abschluss nochmal richtig krachen lassen. Und danach? Folgte die große Stille auf den lauten Knall und Oldenburg befand sich wieder im Alltag. So war es zumindest für jene 13.000 Menschen, die nachweislich dabei waren. Der Rest der Bevölkerung - und es ist der größere Teil - hat von alledem entweder nichts erfahren, keine Notiz genommen oder es bewusst ignoriert. Denn was die Wahrnehmung des Filmfestes angeht, läuft eine Schneise durch Oldenburg, die klar zwischen Fans und Desinteressierten trennt. Und die Frage ist: Warum? Schließlich können Orte wie Park City, Utah - Heimat des berühmten Sundance Festivals - ihr Glück kaum fassen und feiern ihr Aushängeschild, wo es nur geht. Ist Oldenburg so anders? Oder täuscht die Wahrnehmung? Red Carpet Moments: Die bewusste Inszenierung gehört zur Grundausstattung von Filmfestivals. (Bild: Kulturschnack Ein Fest für Eingeweihte? Zunächst einmal muss man feststellen, dass diese Schneise gar nicht so ungewöhnlich ist. Am besten kann man es vielleicht anhand eines universellen Prinzips erklärten: Je näher man an eine Sache heranrückt, desto besser erkennt man ihren Reiz. Je tiefer man in eine Materie eintaucht, desto besser versteht man sie und desto mehr kann man wertschätzen, was geboten wird. Dies Prinzip betrifft beinahe alle Spielarten der Festivalkultur wie etwa die Internationalen Tanztage , Ein außergewöhnliches Ereignis oder die Internationalen Keramiktage . Auch sie sind für die Eingeweihten ein Fest, für die Außenstehenden dagegen ein großes Rätsel. Doch eines steht fest: Etwas müssen diese Veranstaltungen haben, das fesselt und begeistert, das aber nicht von allen dechiffriert werden kann. Sonst gäbe es all die Hardcore-Fans nicht, die manchmal über Wochen oder sogar Monate auf das Ereignis hinfiebern und anschließend mit leuchtenden Augen davon erzählen. Wie nur, fragt man sich, schafft man den entscheidenden Schritt - von der/dem irritierten Beobachter:in zum begeisterten Insider? Begegnungen: Beim 32. Internatioanlen Filmfest Oldenburg sprachen wir unter anderem mit Brandon Daley, Yun Xie und Erkan Acar. (Bilder: Kulturschnack) Unsere Erkenntnis: Dabei helfen vor allem Begegnungen. Diese Erfahrungen hat Thorsten bei seinen vielen unterschiedlichen Missionen fürs Filmfest schon vielfach gemacht, sie hat sich aber auch beim 32. Internationalen Filmfest Oldenburg wiederholt. Obwohl bereits klar war, dass wir vom Festival berichten würden, hatte sich bis kurz vor dem Beginn der Puls noch nicht erhöht. Das änderte sich aber schlagartig, als es schließlich losging. Die ersten Momente auf der Dachterrasse des Festivalcenters, die ersten Begegnungen im Blitzlichtgewitter der Eröffnung, die ersten Gespräche mit den Festivalgästen: Sofort spürte man, dass man es mit außerordentlich kreativen, interessierten und freundlichen Menschen zu hat, die liebend gerne von der faszinierenden Arbeit des Filmemachens erzählen. Das erzeugt eine ganz eigene Stimmung und kitschig veranlagte Menschen würden gar von Magie sprechen. Wir bezeichnen es aber lieber als einen Sog, der alle in Reichweite in sich hineinzieht. Erhöhter Puls: Spätestens als man auf der Dachterrasse des Festivascenters die ersten Gäste traf, war man tief drin im Sog des Filmfestes. (Bild: Kulturschnack) Vergleichbar ist all das vielleicht mit einer Urlaubsreise, bei der ihr in eine Local Bar eintaucht und den ganzen Abend mit furchtbar netten Einheimischen quatscht, die euch interessante und inspirierende Geschichten aus ihrem Leben erzählen und euch damit zum Teil ihrer Gemeinschaft machen. Das Filmfest bietet im Prinzip dasselbe wie dieser ewige Reisetraum - mit dem Unterschied, dass ihr nicht einmal die Stadt verlassen müsst. Für die internationalen Gäste ist es aber genau so wie gerade beschrieben, denn die Oldenburger:innen sind ja auch für ihre Freundlichkeit bekannt. TIEFER EINBLICK WIE FÜHLT SICH DAS FILMFEST AN? Vor allem Thorsten begeleitet das Filmfest in unterschiedlichen Rollen schon eine ganz Weile. Sohnemann Arjan war im Alter von vier Wochen (!) der jüngste jemals akkreditierte Pressevertreter. In zwei Beiträgen zum 29. Internationalen Filmfest Oldenburg hat er aufgeschrieben, was die Faszination ausmacht. Mauerblümchen? Nein, das Filmfest ist alles andere als das. (Bild: Shutterstock/Kulturschnack) Im großen Portrait „ Weltstar der Nische “ erfahrt ihr vieles über die Geschichte und Hintergründe, vor allem aber über die Philosophie des Filmfestes Oldenburg. Überschriften wie „Pillen, Mett und Zelluloid“ oder „Besser als Berlin“ deuten an, dass das Image des Filmfestes zwischen Selbstironie und Selbstbewusstsein oszilliert. Psst, it's a secret: Das Filmfest ist längst kein Geheimtipp mehr, einige Partys allerdings schon. (Bild: Kulturschnack) Im Erfahrungsbericht „ Typisch Filmfest! “ beschreibt Thorsten, wie es sich anfühlt, wenn man drei völlig unterschiedliche Filme hintereinander schaut und danach noch auf die legendäre Secret Party am Filmfest-Freitag geht. Auch wenn dieser Abend ein Einzelfall ist, steht er doch repräsentativ für die Erlebnisse und bleibenden Eindrücke beim Filmfest. Anleitung zum Glücklichsein Doch wie gerät man nun in diesen Sog? Wie gelingen Begegnungen und Momente wie wir sie inzwischen vielfach erlebt haben, ohne dass man ein akkreditierter Medienvertreter ist? Die schlechte Nachricht zuerst: Dafür braucht es ein kleines bisschen Mühe. Es gibt aber auch eine gute: Man hart es durchaus selbst in der Hand. Hier kommen fünf einfache Tipps, mit denen der Einstieg gelingen kann. Geht unbedingt zur alljährlichen Trailershow , die etwa zehn Tage vor dem Festival stattfindet ! Den Namen darf man wörtlich nehmen: Es werden Trailer zu den Filmen gezeigt, die beim Festival laufen werden. Dazu gibt es noch etwas Rahmenprogramm, Gewinnspiele und so weiter. Insgesamt: Eine runde Geschichte, die den Einstieg deutlich einfacher macht! Vergesst, dass es beim Filmfest um Independent-Filme geht! Es macht gar nichts, wenn ihr euch damit nicht auskennt. Dass die Filme unabhängig finanziert sind und deswegen kleinere Budgets haben, führt vor allem zu einem: mehr Kreativität. Im Ergebnis sind die Filme hier und da etwas weniger einfach zu schauen und oft nicht so glattgebügelt wie man es von gängigen Blockbustern kennt. Aber gerade diese Ecken und Kanten machen sie zu etwas Besonderem. Das mündet nicht immer im ultimativen Filmgenuss, aber erstaunlich oft. Erste Eindrücke: Die Trailer sind der beste Einstieg in das jeweils kommende Filmfest. (Bild: Kulturschnack) Schaut euch das Programmheft ganz genau an! Es ist - wenn man so will - der Dreh- und Angelpunkt fürs Festival. Dort wird zwar gelegentlich in opulent formulierten Sätzen von den Filmen geschwärmt, die selbst Hobby-Germanistiker:innen vor Herausforderungen stellen. Aber: Man bekommt noch mehr Gespür für sie. Zudem weiß man nun, wann was läuft, denn der Timetable im Mittelteil ist so eine Art Pinup-Poster für Filmfestfans. Wer einmal vom Virus infiziert ist, bekommt beim Anblick feuchte Hände. Denn das ist das Signal: Jetzt geht's los! Stellt euch eure persönliche Festivaltour zusammen! Das meiste Blitzlicht & Brimborium gibt es bei den speziellen Events, also bei der Eröffnung, der Filmfest-Gala im Staatstheater und der Closing Night mit den Preisverleihungen. Aber auch sonst lohnt es sich, an einem Abend gleich in mehrere Kinos einzutauchen, um zwischendurch ein bisschen vom Vibe aufzunehmen. Kleiner Tipp: Wo das Wörtchen „Premiere“ auftaucht, sind höchstwahrscheinlich gleich mehrere Gäste dabei, die viel zum Film und seiner Entstehung erzählen können und den Kinobesuch dadurch zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Bleibt nach dem Screening also sitzen und wartet ab, was passiert. Bleibt neugierig und sucht das Gespräch ! Dafür ist das Q&A nach dem Film ein sehr guter Moment, denn ihr dürft dort alles fragen, was ihr auf dem Herzen habt. Nichts ist zu blöd, alles wird freundlich beantwortet. Die allermeisten Filmemacher:innen lieben es, über ihre Projekte zu sprechen und Geschichten „from behind the scenes“ auszuplaudern. Das gilt in der Regel sogar auch außerhalb des Saals. Ihr habt euch beim Q&A nicht getraut, seht die Regisseurin danach aber vor dem Kino? Sprecht sie ruhig an! Sie freut sich! Kreative Menschen: Es ist etwas Besonderes, mit den Filmemacher:innen ins Gespräch zu kommen. Und dafür braucht ihr keine Akkreditierung, das könnt ihr auch! (Bild: Ghost Bastard Movie) Genießen was geht Natürlich ist all das nur eine Annäherung. Es bedeutet nicht, dass man dadurch in den Inner Circle der geladenen Gäste gelangt (was allerdings durchaus mal passieren kann). Auch wir waren in diesem Jahr nur ganz nah dran, nicht wirklich mittendrin. Schließlich waren wir zum Arbeiten da, mussten an Videos rumschnibbeln und Interviews transkribieren. Zwangsläufig konnten wir deshlab nicht ganz so tief eintauchen wie wir es gern getan hätten. Deshalb fühlen wir den Schmerz der Außenstehenden, auch wenn wir näher am Epizentrum waren. Doch die Frage ist: Sollte man deswegen Frust schieben? Sollte man Jammern angesichts dessen, was man verpasst hat oder was verwehrt blieb? Unsere Antwort lautet: Nein! Wir haben uns gerne in die Kinowelt gestürzt, haben jeden Moment mit den Filmemacher:innen genossen und hätten an liebsten noch mehr Interviews geführt, hätte die Zeit das zugelassen. Klar: Die dicken Limousinen und die VIP-Kultur polarisieren. Auch hat man bei verschiedenen Partys keine Chance reinzukommen, wenn man nicht auf der Gästeliste steht oder gute Connections hat. Diese Dinge signalisieren natürlich, dass es hier um einen kleinen Kreis geht, der priveligiert ist. Volles Verständnis für alle, die sich davon abschrecken lassen, schließlich wird niemand gern ausgeschlossen. Gleichzeitig sollte man sich aber immer die Frge stellen, ob es nicht in allen Bereichen des Lebens ähnlich ist. In bestimmte Kreise dringen eben nur diejenigen vor, die besonders viel beizutragen haben - und das ist beim Filmfest nicht anders. Deshalb sollte man die Befindlichkeiten über Bord werfen und einfach genießen was geht. Das lohnt sich - denn auch am Rande des Sogs ist das Filmfest schon sehr faszinierend. A Love/Love-Relationship Nein, Sorgen muss man sich keineswegs machen. Das Filmfest hat zwar seine Ecken und Kanten und ist insgesamt ein wilder Zirkus, der Oldenburg einige Tage im September kräftig durchwirbelt. Doch viele Menschen lieben das Spektakel und sind gerne Teil des Festivals. 13.000 Besucher:innen sind jedenfalls eine enorme Zahl in einer Stadt mit 175.000 Einwohner:innen. Und doch ist Luft nach oben, eben weil es immer noch diejenigen gibt, die den Zugag nicht finden oder gar nicht erst suchen. Das ist angesichts der bewussten Inszenierung des Filmfestes als ein Promi-Event durchaus verständlich. Doch es beraubt eben jene Menschen, die sich abkehren, einer ziemlich wundervollen Erfahrung. Unser Rat lautet deshalb: Werft die Vorurteile über Bord, seht über das hinweg, was manchmal etwas abgehoben wirkt. Denn letztlich sind dieser bewusst extrovertierten Elemente das Salz in der Suppe und machen das Festival erst zu diesem wilden Wirbelwind, der es seit 32 Jahren ist. Noch nicht für alle. Aber das kann ja noch werden!
- KOLUMNE: BLICK ZURÜCK INS JETZT
Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Preisverdächtig: Die Oldenburger Ballettcompagnie bietet Tanz auf höchstem Niveau - wir gleich fünf Nominierungen für die Spielzeit 24/25 bei der Kritiker:innen-Umfrage der Plattform tanznetz zeigen. (Bild: Stephan Walzl) Erinnert sich noch jemand an den letzten Mai? Eigentlich ist er noch gar nicht lange her, nur etwas mehr als vier Monate sind seitdem vergangen. Trotzdem wirkt er unendlich weit weg, liegt doch der gesamte Sommer zwischen ihm und uns - und damit die Phase des Jahres, die häufig für die intensivsten Erinnerungen des Jahres sorgt. Doch es geht hier nicht um jahreszeitliche Befindlichkeiten. Der Blick zurück lohnt sich aus anderen Gründen. Denn am 23. Mai hat das Oldenburgische Staatstheate r sein Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt. Menschen in meinem Umkreis wissen: Ich habe alles andere als ein gutes Gedächtnis. Statt Erinnerungslücken habe ich Erinnerungsinseln. Doch der Eindruck, der sich beim ersten Durchblättern des druckfrischen Spielzeitheftes einstellt, ist jedes Mal noch lange präsent. Ich mag diese Mischung aus Information und Inspiration, aus Andeutung und Ankündigung, denn sie lässt Spielräume für eigene Gedanken. Letztlich kam mir aber auf fast jeder Seite der gleiche Gedanke: Das will ich sehen! Deshalb fühle ich mich dabei manchmal wie das berühmte Kind im Spielzeugladen: vollkommen begeistert, aber hoffnungslos überfordert mit dem üppigen Angebot. Die Vergangenheit als Gegenwart Und genau so geht es mir auch jetzt. Denn was damals Versprechungen für die Zukunft waren, sind jetzt die Veranstaltungen der Geg enwart. D ie lange währende Vorfreude wird dann zu etwas, das sogar noch besser ist: Zum tatsächlichen Erlebnis dessen, was man sich bis dahin nur ausgemalt hat. Ich finde es immer wieder spannend, die eigenen Vorstellungen mit der Realität abzugleichen und jedes Mal aufs Neue festzustellen: Das ist ja vollkommen anders als gedacht! Von Erwartungen und Erlebnissen: Thorstens Kolumne in der Oktober-Ausgabe der Theater-Zeitung. Das galt auch für die ersten Premieren dieser neuen Spielzeit. Giuseppe Verdis Oper „ La Traviata “ unter der musikalischen Leitung von Carlo Goldstein oder Shakespeares „ Der Sturm “ in der Inszenierung der großartigen Ebru Tahici Borchers bildeten einen starken Auftakt in die Theatersaison 25/26. Die erfolgreiche letzte Spielzeit hat die Latte zwar hoch gelegt, doch momentan scheint es, als könnt das Staatstheater nahtlos anschließen. Noch mehr Theater gibt es übrigens im Rahmen der aktuell laufenden „ USA Begegnungen “ zu sehen. Die Veranstaltungsreihe des Kulturbüros scheint zwar zur Unzeit zu kommen. Immerhin sorgt vieles, was jenseits des Atlantiks passiert, nicht mehr nur für Irritation, sondern für mittelschwere Angstzustände. Aber das ist nicht etwa ein Grund sich abzuwenden, sondern umso genauer hinzusehen. Die Kulturetage etwa hat das mit der „Expedition in die Area X“ getan, die tatsächlich den Theatersaal verlässt und das Publikum in den Stadtraum entführt. Aber auch das Staatstheater beteiligt sich und zeigt mit „ Das Ende des Westens “ ein ambitioniertes Stück unter der Regie von Lukasz Lawicki, der immer für besondere Theatermomente sorgt. Insgesamt zeigen die „USA Begegnungen“, wie eine Kulturszene gemeinsam an einem großen Vorhaben arbeiten kann, das in der Summe mehr ist als die einzelnen Teile. Es lohnt sich, auch jenseits der Theaterprojekte ein Blick auf das Programm zu werfen. Die Zukunft von gestern Apropos: Auch die anderen Häuser sind inzwischen in die neue Spielzeit gestartet. Ob Theater Hof/19, Theater Laboratorium, theater werde+, Theater k oder Unikum: Alle haben im Sommer an ihren Programmen gefeilt und bieten einen attraktiven Mix aus Premieren und Wiederaufnahmen, aus Gastspielen und Sonderformaten. Es lohnt sich sehr, die Augen offen zu halten und die jeweiligen Programme anzusehen – so wie es die Theaterfans schon am 23. Mai getan haben, als das Staatstheater den Blick in eine Zukunft warf, die wir jetzt live erleben. Letztlich ist es aber ganz egal, ob man diesen Termin damals wahrgenommen hat oder ob man tatsächlich die Sommerferien mit Vorfreude auf den Herbst verbracht hat. Wichtig ist vor allem eines: Die Theaterzeit ist da! Das Wetter macht es uns aktuell recht einfach, den Terrassenstuhl gegen den Theatersessel einzutauschen. Und wer weiß? Vielleicht wird ja in diesem Jahr der Herbst die Phase mit den intensivsten Erinnerungen? Die Bühne ist dafür bereitet. In diesem Sinne: Vorhang auf fürs Hier und Jetzt!
- VOM WERDEN DER KUNST
Der kreative Prozess. Das ist die stetige Auseinandersetzung mit einer Vielzahl an Fragestellungen und der Suche nach Antworten auf diese. Wann ist ein Werk wirklich beendet? Welche Abzweigung nehmen Künstlerinnen und Künstler auf dem Weg der Entstehung? Eine Ausstellung ist somit letztlich meist die Bündelung all dieser Antworten, versammelt an einem Ort. Hinterfragen tun wir dies meist nicht. Mit seiner aktuellen, thematischen Sammelausstellung "Notes on Becoming" dreht der Oldenburger Kunstverein nun jedoch den Spieß um! Credit: Anna Vogel, Ignifer XIII , 2020, Pigment Print, 30 x 42 cm, Auflage 3/5 + 2 AP, Courtesy the artist & Sammlung Stadler. NOTES ON BECOMING NOCH BIS 09. NOVEMBER '25 OLDENBURGER KUNSTVEREIN DI. - FR. 14:00 - 18:00 UHR SA., SO., FEIERTAGE 11:00 - 18:00 UHR WEITERE INFORMATIONEN UNTER: WWW.OLDENBURGER-KUNSTVEREIN.DE Das verstehe man bitte nicht falsch. Niemanden erwarten dort bei einem Besuch unvollendete Arbeiten, ganz im Gegenteil. Durch die umfangreiche Unterstützung der Münchner Sammlung Stadler war es dem Kunstverein diesmal jedoch möglich, eine thematische Ausstellung zu kuratieren, die eine Vielzahl an künstlerischen Positionen (15 insgesamt!) gegenüberstellt und hierdurch unterschiedliche Ebenen der Entstehung von Kunst offensichtlich werden lässt. Denn für gewöhnlich bleibt uns - so meint man zumindest - nur die letzte, die finale Schicht eines Kunstwerkes vorbehalten während all die Skizzen, Versuche und Entwürfe eine Existenz im Verborgenen fristen. Wer jedoch genauer hinsieht, der wird letztlich, gerade auch durch die Gegenüberstellung, die Spuren entdecken, die der Akt der Entstehung auf den Arbeiten hinterlassen hat. Für den Oldenburger Kunstverein kristallisierten sich dabei drei konkrete Ansätze heraus, unter denen die Arbeiten eingruppiert wurden. Wie der Verein jedoch selbst festhält, sei diese Einteilung weder als starre Ordnung zu verstehen, noch als zwingender Versuch einer Systematisierung, sondern eine Einladung zum Sehen und den Blick nicht nur auf das fertige Objekt, sondern auf das zu richten, was ihm vorausgehe - das Denken, Formen, Zweifeln, Verwerfen und Beginnen. Prozess als Konzept Credit: Karin Sander, Mailed Painting 61. Berlin – New York – München – Siegen – Berlin – Köln – München - Berlin - Wien - Berlin - Köln - München , 2007, Baumwollgewebe auf Keilrahmen in Standardgröße, weiße Universalgrundierung, 50 x 60 cm, Courtesy the artist & Sammlung Stadler. Foto: Studio Karin Sander © VG Bild-Kunst, 2025. Da wäre die Serie "Mailed Paintings" von Karin Sander, in welchen der Prozess als solcher unumgänglicher Bestandteil der letztlichen Arbeit ist. Alles beginnt mit dem Rohling einer blanken Leinwand, der sich auf einen Weg durch die Hände verschiedenster Transportunternehmen, Zustellerinnen und Zusteller begibt und dabei immer und immer wieder durch Städte und Länder reist und dabei tausende an Kilometers zurücklegt. Was am Ende dieser Reisen steht, lässt sich dann ganz wunderbar an den Leinwänden förmlich als Geschichte ablesen, anhand von Versand- und Hinweisaufklebern, Schmutz, Kratzern und zusätzlichen Verpackungen. Vom Malutensil über das Frachtgut unterlaufen ihre Werke eine Transformation hin zum finalen Zustand eines Kunstwerkes. Mit diesem Vorgehen wirft die Künstlerin gezielt und vor allem gekonnt die Frage danach auf, wer oder was eigentlich eine Leinwand aus dem Kunstbedarfshandel zu einem Kunstwerk höchster Güte werden lässt. Ist es die Idee der Künstlerin? Sind es die Hände all der Menschen, die über den Sendeweg hinweg Kontakt mit der Leinwand hatten und sind sie in letzter Konsequenz nicht dann auch vielleicht mindestens an der Urheberschaft des künstlerischen Werkes mitbeteiligt? Was wäre passiert, wenn die Sendungen verloren gegangen wären? Wäre es eine Leinwand oder ein Kunstwerk gewesen, das sein Ziel nicht mehr erreicht hätte? Fest steht, die Arbeiten Karin Sanders provozieren und regen zur intensiven Diskussion an. Und ist es nicht gerade das, worum es geht, wenn wir uns schon die Zeit nehmen, eine Ausstellung zu besuchen? Statt gelangweilt von einer Arbeit zur nächsten zu schreiten, berühren Sanders Arbeiten etwas tief in uns und sei es auch nur das Gefühl von Empörung. Prozess als Materialität Credit: Installationsansicht, Philipp Modersohn, links: Decor Dance (yellow) , 2020, rechts: Decor Dance (red), 2020. Courtesy the artist & Guido W. Baudach. Oldenburger Kunstverein, Notes on Becoming, 29.08. bis 09.11.2025. Foto: Roman März. Glas umgibt uns. Wir blicken durch die Fenster der Räume in denen wir uns befinden, um den Bezug zu unserer Außenwelt nicht zu verlieren. Blicken durch das Glas in unseren Brillengestellen, um die Welt wieder so wahrnehmen zu können wie sie ist. Oder wir werfen einen Blick in den Spiegel, checken unser Outfit, um im nächsten Moment über die Glas-Displays unserer Smartphone zu tickern. Und trotzdem: wer die zwei Arbeiten mit dem Titel "Decor Dance" von Philipp Modersohn entdeckt, würde auf den ersten Blick wohl kaum vermuten, dass der Ursprung der Stücke in eben diesem Material liegt. Noch viel weniger führt man sich wahrscheinlich im Alltag vor Augen, dass der Weg, um Glas zu erhalten, über Sand führt. Einem Material, das man nun wirklich gar nicht mit Transparenz in Verbindung bringt und sich doch, wie durch Zauberhand, bei enormer Hitze von ca. 1600 Grad Celsius in eine amorphe, flüssig anmutende Substanz verwandelt, ihre Atome neu anordnet und langsam die Gestalt von Glas annimmt, wie wir sie kennen. Modersohn verkehrt diesen Prozess mit seinen Werken nun jedoch wieder ins Gegenteil, wenn er Spiegel einem unkontrollierten Schmelzvorgang aussetzt und dabei mit Steinen verschmilzt. Auch hier steht bei dem Wissen um die Entstehung der Arbeiten unweigerlich die Frage im Raum, inwiefern der Künstler überhaupt in den Prozess der Umwandlung des Materials, das die Kunstwerke entstehen lässt, involviert ist. Entscheidend ist vermutlich wohl eher die völlig bewusste Handlung, sich sehenden Auges der persönlichen Kontrolle zu entziehen. Vor allem bei einem Gegenstand wie dem Spiegel, mit dessen Hilfe wir uns und unseren Zustand für gewöhnlich in steter Regelmäßigkeit kontrollieren. Die Aufmerksamkeit gehört nun nicht mehr der Reflexion, die der Spiegel ermöglichte, sondern wieder ganz dem Objekt selbst. Weg von einer Fokussierung auf das Ich. Prozess als Narration Credit: Jürgen Krause, Bleistifte 3601-3636, 2015, Graphit, Zedernholz, je 17,5 x 0,7 x 0,7 cm. Courtesy the artist & Sammlung Stadler. Foto: Wolfgang Günzel. Muss ein künstlerisches Werk oder sein Wert immer zwangsläufig in dem Objekt verborgen liegen, das sich vor uns als Betrachtenden präsentiert? Kann nicht viel mehr auch die Erzählung oder die Handlung hin zu dem am Ende vor uns liegenden Gegenstand zum eigentlichen Kunstwerk werden und somit als die physische Repräsentation dessen dienen? Dieser Eindruck drängt sich zumindest bei der Arbeit "Bleistifte" von Jürgen Krause auf. Was man im ersten Moment und aus der Distanz in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins als eine Art Harfe oder Xylophon verwechseln könnte, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als eine präzise Anordnung einer besonderen Art von Bleistiften. Während für gewöhnlich das Holz die Mine umhüllt und nur ein kleines Stück dieser freiliegt, wurde in diesem Fall in präzisester Detailarbeit von Krause das Holz mühevoll bis auf einen winzigen Stumpft abgeschabt. Als sei das Konzept des Bleistifts auf den Kopf gestellt worden. Was vorher ein verlässliches und nützliches Utensil für Zeichnung und Notizen war, ist nun vor allem von Unhandlichkeit und Fragilität geprägt. Während die Stifte vielleicht ihrer Stabilität beraubt wurden, mag man sich kaum das unglaubliche Durchhaltevermögen ebenso wie die unzähligen Stunden ausmalen, die es benötigte all diese Stifte, auf exakt die gleiche Art und Weise zu bearbeiten. Mit dem Wissen um die Entstehung seiner Arbeiten, ist es nicht das Ergebnis sondern der Weg und das Handeln selbst, den Krause zum Kunstobjekt erklärt. Die meditative Geduld und Präzision bildet dabei letztlich auch einen ungemeinen Kontrast und lässt sich als klares Statement zu einer Welt wie der unseren verstehen, die von einer steten Reizüberflutung, dem Gefühl immer etwas verpassen zu können und immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen geprägt ist. Der Reiz, eine Ausstellung zu besuchen, liegt also - das wird in "Notes on Becoming" mehr als deutlich - nicht bloß darin, das Ausgestellte zu betrachten, sondern sich ebenso mit seiner Entstehung zu befassen, sie zu hinterfragen und sich ganz persönlich, eigene Gedanken zu machen, inwiefern sich die eigenen Gefühle des Gesehenen gegenüber in den möglichen Intentionen der Künstlerinnen und Künstler in Einklang bringen lassen oder auch eben nicht. Probiert es aus!











