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  • PODCAST: FOLGE 18

    Mit dieser Folge Kulturschnack nähern wir uns dem Feld des Poetry Slam! Was ist das eigentlich? Woher kommt diese Kunstform? Um diese und viele weitere Fragen klären zu können, haben wir uns höchstqualifizierte Verstärkung eingeladen und zwar: Slammerin, Kabarettistin und Moderatorin Annika Blanke. Nicht nur hilft sie uns bei allen Fragen als absolute Expertin mit ihrem Insider-Wissen weiter, sondern lässt uns darüber hinaus auch an ihrer ganz persönlichen Geschichte teilhaben, die sie mit dem Genre des Poetry Slam bis heute verbindet. Denn wie gerät man überhaupt dazu, mit dem "Slammen" anzufangen? Was waren Annikas frühe Kindheitsprägungen, ist die Kunst ihr Hauptberuf und was haben Jugendliche auf einem Festival damit zu tun, die ihr auf der Bühne entgegenrufen? Das alles könnt ihr in unserer neuen Folge Kulturschnack selbst nachhören und wir wünschen euch wie immer ganz viel Spaß dabei! Weitere Informationen zu Annika Blanke und auch ihren kommenden Live-Terminen findet ihr unter: https://annika-blanke.de/

  • PODCAST: FOLGE 19

    Die Woche beginnt mit einer neuen Folge von unserem Kulturschnack Podcast - herrlich! Diesmal haben wir mit Jessica Leffers die Geschäftsführerin des Oldenburger Blauschimmel Ateliers zu Gast. Denn das Blauschimmel Atelier kann in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern und wird dies auch gebührend im kommenden Juni, über mehrere Tage hinweg, mit einem bunten Programm in die Tat umsetzen! Für uns ist dieser Geburtstag ein wunderbarer Anlass, mehr über das Atelier mit dem blauen Schimmel im Logo zu erfahren, der aber eigentlich in Wirklichkeit ein Esel ist und welche schöne Geschichte sich schon hinter diesem ersten Grundstein in seiner Entstehung verbirgt. Und überhaupt: was hat es eigentlich mit der Farbe blau auf sich? Welche Bedeutung und welches historische Ereignis verbirgt sich dahinter? Das und noch mehr erfahrt ihr alles in dieser Folge Kulturschnack. Wir wünschen euch, wie immer, viel Spaß beim Hören! Alle Informationen zum Angebot des Blauschimmel Ateliers findet ihr unter: www.blauschimmel-atelier.de

  • BETRIFFT: UNS ALLE

    Als im Februar letzten Jahres erste Nachrichten vom Überfall Russlands auf die Ukraine bei uns ankamen, hätten viele nicht damit gerechnet, dass uns dieser Krieg noch mehr als ein Jahr später beschäftigen würde. Und "uns" meint in diesem Fall auch die Kultur. Als Seismograph und Brennglas hat sie sich früh, wiederholt und intensiv mit den Geschehnissen auseinandergesetzt und dabei neue Blickwinkel freigelegt, uns berührt und betroffen gemacht. Was für ein Gewinn! Und da kommt noch mehr. Dieses Mal geht es allerdings nicht um eine theatralische Inszenierung oder eine andere künstlerische Konfrontation mit den Geschehnisse im Osten. Im Rahmen der Reihe "Oldenburg und Europa" veranstaltet das Oldenburger Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) zusammen mit der Stadt Oldenburg und der Carl von Ossietzky Universität ein Podiumsgespräch mit prominenter Besetzung und einer interessanten inhaltlichen Konstellation. Es geht in diesem Fall nämlich nicht nur um eine politisch-diplomatische oder militärisch-strategische Dimension. Es geht also nicht nur um die rein faktische Frage, wie man den Konflikt "technisch" und "organisatorisch" lösen bzw. beenden könnte. Nein, in diesem Fall spielen auch ethisch-moralische Fragen eine Rolle - mitsamt der damit einhergehenden Implikationen. PODIUMSGESPRÄCH KRIEG GEGEN DIE UKRAINE - WEGE ZUM FRIEDEN? MIT NOBELPREISTRÄGERIN DR. IRINA SHERBAKOWA MITTWOCH, 12. APRIL 2023, 19.30 UHR KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG FLYER Die ultimative Lösung? Klar: Die Aussicht auf ein abendliches Podiumsgespräch reißt nicht jeden Kulturfan sofort von den Sitzen. Der Begriff wirkt zunächst etwas träge und unbeweglich, intuitiv könnte man diese Attribute auch auf die Veranstaltung selbst übertragen. Doch weit gefehlt! Ein Gespräch unter Menschen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf ein Thema schauen, die dabei etwas Substanzielles zu sagen haben und ihre Botschaften auch zu formulieren wissen, kann eine Kunst für sich sein. Denn all die Erfahrungen, Einsichten und Erwartungen ergeben letztlich eine Art Kaleidoskop, das auch ohne große Inszenierung sehens- und hörenswert ist. Was also kann man von dieser Veranstaltung erwarten? Eine fesselnde, bewegende Darstellung der Situation im Krisengebiet? Nein, das wird im PFL keine größere Rolle spielen, dafür muss man in die Exhalle. Aber bietet sie vielleicht die ultimative Lösung für den Krieg in der Ukraine? „Nein, das wäre wohl etwas viel verlangt“, antwortet Prof. Dr. Matthias Weber, Direktor des BKGE, etwas nachdenklich. „Nur Putin, der den Krieg begonnen hat, könnte ihn sofort beenden“, Sowieso zerbrächen sich zahllose Fachleute seit vierzehn Monaten den Kopf über diese Frage; ihnen wird man an einem Mittwochabend in Oldenburg kaum zeigen können, wie es wirklich geht. Stimmen der Betroffenen Aber was bringt so ein Format dann? „Oft wurde - auch in Oldenburg – über Wege zum Frieden gesprochen, ohne dass die Perspektive der am meisten Betroffenen, die Menschen in der Ukraine, ausreichend einbezogen wird“, erläutert Weber. Das sei aber wichtig. Schließlich sei es ein großer Unterschied, ob man zum Beispiel über das Thema „Waffenlieferungen“ von hier aus spricht oder ob die russischen Kanonen direkt auf das eigene Haus zielen wo die eigenen Kinder wohnen. „Auch diejenigen Russinnen und Russen, die geflohen sind und aus dem Exil Widerstand leisten, und die Russland von innen aus eigener Erfahrung kennen, haben uns viel zu sagen, was wir nicht wissen“, erinnert der Direktor. Beim Pdiumsgespräch kämen ganz unterschiedliche Stimmen zusammen, auch die unterschiedlichen Meinungen über „Wege zum Frieden“ bei uns. „Auf jeden Fall wollen wir, dass von dieser Veranstaltung auch ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine ausgeht“, betont Weber. Es gilt das gesprochene Wort Es werden also Menschen diskutieren, die aus unterschiedlichen Perspektiven, mit fachlicher Expertise, biographischen Bezügen oder ethischen/religiösen Überzeugungen auf eines der größten Themen unserer Zeit blicken. Sie werden gedanklich und semantisch eine Kunstfertigkeit an den Tag legen, die bei allem Lehr- und Mehrwerten tatsächlich auch eine Art Genuss ist - selbst wenn dies bei diesem Thema natürlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zentral ist die gemeinsame Hoffnung auf Frieden. Aber um sie wird es ja ebenfalls gehen. Natürlich besteht nach vierzehn Monaten Krieg die Gefahr einer Übersättigung. Gibt es tatsächlich noch Gedanken, die nicht bereits gedacht wurden? Lösungsansätze, die nicht schon durchdekliniert wurden? Hoffnungen, die sich nicht längst zerschlagen haben? Wahrscheinlich nur wenige. Was aber auch heißt: die wenigen gibt es doch! Und es braucht einfach eine Unermüdlichkeit, um den Weg zu einem Frieden zu Ende zu gehen. EBENFALLS EMPFEHLENSWERT: 14 TAGE KRIEG - EINE MOMENTAUFNAHME 26. APRIL, 20 UHR (KARTEN) 29. APRIL, 20 UHR (KARTEN) 5. MAI, 20 UHR (KARTEN) EXHALLE AM PFERDEMARKT JOHANNISSTRAßE 6 26122 OLDENBURG MEHR DAZU: HIER UND HIER. Und siehe da: Nicht selten haben solche Veranstaltungen eine eigene Dramaturgie und Choregraphie, eine beinahe kunstvolle Kompositionen, die zu gleichen Teilen aus geplanten Entwürfen und zufälligen Entwicklungen besteht. Und das wiederum klingt doch sehr nach... Kultur! Zwar nicht im Sinne einer performativ-kreativen Aufarbeitung, auf Gänshautmomente wartet man wohl vergeblich. Kultur ist das aber sehr wohl im Sinne der kognitiven Auseinandersetzung mit der Welt, die uns umgibt - und mit einer mal rationalen, mal emotionalen Reaktion darauf. Der gegenseitige Austausch und die gemeinsame Suche nach Lösungen ist durchaus etwas, das uns auch kulturell bereichern kann. Denn letztlich ist all das eine Art Gedankenkunst. Und sie betrifft: uns alle.

  • NICHTS WIE HIN (15)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • GOD IS A DJ?!

    Naja, nicht ganz. Auch wenn viele den Songtitel kennen werden, ist es in diesem Fall jedoch etwas anders und doch besonders. Denn im Forum St. Peter kann an diesem Sonntag zu House und Techno, im Zusammenspiel mit Kirchenorgel, getanzt werden. Ja, wirklich! Hier lest ihr alles Weitere. ORGEL MEETS DJ SONNTAG, 26.02.2023 AB 21:00 UHR FORUMSKIRCHE PETERSTRAßE 22-26 26121 OLDENBURG EINTRITT KOSTENFREI Benedikt Feldhaus, Leiter des Forums, mag die besonderen Ideen. Beispielsweise ist es noch gar nicht allzu lange her, da berichteten wir hier auf dem Kulturschnack von der zweiten Ausgabe des Preacher Slams, einer Art des Poetry Slams. Und das ganze fand nicht irgendwo statt oder wie man vermuten könnte einfach in den Räumlichkeiten des Forums oder der zugehörigen Kirche selbst, sondern: in der Tiefgarage des Gebäudes. Und auch jetzt stammt ein Kulturprojekt, man müsste eigentlich eher schreiben ein Experiment aus seiner Feder, das es in sich hat! Bisher kennt man die gemeinsame, musikalische Improvisation tendenziell eher aus Gefilden wie dem Jazz, bei dem Musikerinnen und Musiker gemeinsam miteinander spielen und konstant, untereinander auf das Gespielte reagieren. Doch am kommenden Sonntag treffen in der Forumskirche wirklich nochmal ganz andere Welten aufeinander. Das historische Instrument der Orgel trifft auf elektronische Beats aus den Bereichen House und Techno. Für Organist Manuel Uhing, der aus der ganz klassischen musikalischen Lehre kommt stellt das alles eine Herausforderung dar auf die er sich jedoch freut und die ihn reizt. Bei solchen Experimenten sei er gerne dabei, sagt er. Er sei gespannt, wie sich die Dynamik des Abends entwickelt und in welche musikalischen Richtungen es die beiden im gemeinsamen Zusammenspiel treiben wird. Morgens Gottesdienst, Abends Dancefloor Auf der anderen Seite erwartet euch DJ Inway, der für die tanzbare Untermalung des Szenarios sorgen wird. Unten, dort wo die klassischen Sitzreihen einer Kirche sind, direkt unter der Orgel, wird ein DJ-Setup eingerichtet sein, das die im wahrsten Sinne "heiligen Hallen" beschallen wird. Aber Moment: wenn in einer Kirche normalerweise überall Bänke stehen - darf denn überhaupt getanzt werden? Die Antwort, kurz und knapp: Ja! Es werden Bänke extra für's Tanzen entfernt werden, sodass sich wirklich voll und ganz auf die Musik eingelassen werden kann. Einem besonderen Abend steht also nichts im Wege! Wenn ihr Sonntag noch nichts vor habt, schaut doch mal vorbei. Zudem ist die Veranstaltung sogar kostenlos!

  • ERKENNTNISSE AUS DEM KULTURAUSSCHUSS

    Heute mal ein Bericht aus neuer Perspektive: Katharina war zum ersten Mal live beim Kulturausschuss dabei und hat sich die Sitzung für den Kulturschnack angeschaut. Hier lest ihr ihre ganz persönlichen und individuellen Erkenntnisse. Erkenntnis 01: Die Menschen hinter den Kulissen Wenn wir darüber sprechen, die Kulturszene am Leben zu halten, sprechen wir häufig über die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen. Doch wir brauchen selbstverständlich auch die Kunstschaffenden, die uns mit ihren Werken zum Nachdenken bringen. Und nicht zu vergessen Freiwillige, damit unsere Kulturorte lebendig bleiben. Aber was ist mit den Menschen, die an diesen Orten arbeiten? Die, die dort die Buchhaltung oder die Verwaltung übernehmen und ihre Arbeit hinter den Kulissen erledigen? Da der Kulturausschuss dieses Mal in der Kulturetage tagte, hatten Bernt Wach, Geschäftsführer der Kulturetage, und Karin Opphard, 1. Vorsitzende der Stiftung Kulturetage Oldenburg e.V., die Gelegenheit, den Veranstaltungsort allen Beteiligten vorzustellen. Und die beiden nutzten ihre Chance unter anderem dafür, Bewusstsein für die teils prekären Arbeitsbedingungen und nicht-konkurrenzfähigen Gehälter in der Kulturszene zu wecken. Erkenntnis 02: Es ist geschafft! Sowohl Kevin als auch Thorsten haben bereits darüber berichtet, wie sehr die Neuausrichtung der institutionellen Kulturförderung die Mitglieder des Kulturausschusses nun schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Hier erklärt euch Kevin übrigens, was unter institutioneller Förderung eigentlich zu verstehen ist. Jetzt war‘s aber endlich soweit: Die Richtlinie ist beschlossene Sache! (*Jubel*) Am kommenden Montag wandert sie vom Kulturausschuss in den Rat. Und bis zum 31. Mai diesen Jahres können die Kultureinrichtungen dann zum ersten Mal entsprechend der neuen Richtlinie ihre Anträge einreichen. Wie Kevin bereits in seinem letzten Bericht über den Kulturausschuss im Januar schrieb, braucht eine gute Sache manchmal einfach eine Weile. Allein deshalb, weil ein riesiges Spektrum an Fragestellungen bedacht muss. Alte Politik-Hasen mag das vielleicht nicht überraschen, aber Ausschuss-Neulinge konnten an diesem Projekt bestens beobachten, wie wichtig es ist, jedes Wort und jede Formulierung sorgfältig zu prüfen. Wie wichtig verschiedene Perspektiven und Meinungen sind, um alle Eventualitäten und Auslegungsmöglichkeiten durchzugehen. Wie wichtig es ist, die Umsetzbarkeit eines solchen Antragssystem im hektischen Arbeitsalltag zu berücksichtigen. Denn Förderung hat reale Auswirkungen auf unsere lokale Kulturszene. Wie wir in der ersten Erkenntnis gelernt haben.

  • MELANCHOLIE AM LAND

    Euer erster, vermeintlich berechtigter Gedanke könnte sein: "Ist da ein Fehler in der Überschrift?" Aber nein, keine Sorge. Das sagt man so - in Österreich. Und einen kleinen Ausschnitt der Alpenrepublik, aus der Linse des Fotografen Bernhard Fuchs, den gibt es aktuell, bestens kuratiert, im Oldenburger Kunstverein zu sehen. BERNDHARD FUCHS AHORN NOCH BIS 30. APRIL OLDENBURGER KUNSTVEREIN DAMM 2A, 26135 OLDENBURG DI-FR: 14:00 - 18:00 UHR SA-SO: 11:00 - 18:00 UHR Es ist ein Problem, das nicht nur in Österreich, sondern auch hier in Deutschland allzu gut bekannt ist. Die Rede ist vom sogenannten Landsterben. Das hat viel weniger mit Todesfällen zu tun, als mit der Tatsache, dass es immer mehr Menschen weg aus den ländlichen Gebieten und in die Metropolen der Länder zieht, in denen sich somit immer mehr das Leben auf einzelnen Punkten ballt. Die Folgen davon sind in den jeweiligen kleineren Orten und Dörfern nicht zu übersehen, da oftmals ein sehr hohes Maß an Leerstand herrscht, das gelebte kulturelle Miteinander abnimmt. Berufe und etablierte Handwerke gehen verloren, weil es an Menschen fehlt, die diese dort fortführen und somit bricht auch in gewisser Hinsicht Infrastruktur weg, die den Prozess wiederum nur noch verstärkt und in eine Spirale treibt. Nun zeigt Bernhard Fuchs, 1971 in Haslach an der Mühl/Oberösterreich geboren, noch bis zum 30. April im Oldenburger Kunstverein eine Auswahl von Fotografien aus seinen Serien STRASSEN UND WEGE, HÖFE und WALDUNGEN, die von 2004 bis 2014 in seiner Herkunftsgegend in Oberösterreich entstanden sind und jeweils ihren Abschluss in einer Buchpublikation fanden. Was das mit dem eben beschriebenen Umstand zu tun hat? Der Blick von Außen Nun, AHORN - so der Titel der Ausstellung - liegt im oberen Mühlviertel und ist eine über die Gegend zerstreute Dorfschaft mit kleinstrukturierten Landwirtschaften und steht hierbei sinnbildlich für eine Vielzahl eben genau dieser Orte, die unter diesen beschriebenen Problemen leiden. Dabei vermittelt Bernhard Fuchs diesen Umstand gar nicht konkret selbst, sondern - wenn überhaupt - auf eine Art und Weise die subtiler und sanfter kaum sein könnte. Hier ist nichts mahnend, hier ist nichts mit dem erhobenen Zeigefinger. Es ließe sich wohl viel eher mit leise, still, weit und leer beschreiben. Man wird nicht unmittelbar mit einem blanken Fakt konfrontiert, sondern man spürt es förmlich beim entlangschreiten der Fotoreihen an den Wänden, nur durch den Kontext und das besondere Zusammenspiel aller drei Fotostrecken miteinander: eine unterschwellige Melancholie. Wie ist Fuchs das gelungen? Denn er selbst hat inzwischen schon lange seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Doch durch den Abstand zu dieser Gegend entwickelte sich für ihn eine intensive Auseinandersetzung mit der Landschaft und den Menschen seiner Herkunft, wohin er regelmäßig auf Streifzügen einen inneren Dialog mit der Gegend sucht und in eine bildnerische Sprache umsetzt. Erst durch die Entscheidung nur in dem Umfeld seiner Herkunftsgegend zu arbeiten, die diesen drei hier ausgewählten Serien eigen ist, ergibt sich für ihn eine Freiheit und ein Lebensgefühl für ein Gegenüber, das über das Vertraute hinausweist. Sie wird eine Art Geländebeschreibung mit einer inneren Lotung und Abklärung. Nicht das topografische Detail bleibt den Betrachtenden in Erinnerung, sondern es ist die von der Landschaft im Bild ausgelöste Emotion. Bei uns hat es definitiv Emotionen ausgelöst. Aber: welche wird es bei euch auslösen? Findet es heraus!

  • HAUTNAH AM WELTGESCHEHEN

    Die World-Press-Photo-Ausstellung 2022 läuft nun bereits seit dem 11. März und ist im Oldenburger Schloss des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. Wir dachten uns, dass wir uns das nicht entgehen lassen sollten und haben uns das Ganze vor Ort angeschaut - mit tatkräftiger Unterstützung. Schon Ende des vergangenen Jahres haben wir euch hier ausführlich das bevorstehende Spektakel angekündigt und dort auch all' das beschrieben, was die Ausstellung gerade hier in Oldenburg so besonders macht: Doch nun wo die Besucher bereits zahlreich in das Dachgeschoss des Oldenburger Schlosses strömen und die Menschen, über die Fotografien, hautnah am Weltgeschehen sein können, wollten wir das natürlich ebenfalls sein und dachten uns, dass wir da unbedingt noch selbst vorbeischauen müssen. Doch wie wird ist die Wahrnehmung für jemanden wohl sein, der die Ausstellung noch gar nicht kannte? Gut, dass wir für diesen Besuch einen Kollegen mit an Bord holen konnten und so ein "erstes Erleben" der Ausstellung für euch in einem kurzen Clip festhalten durften. Noch bis zum 02.04.2023 habt ihr die Gelegenheit die Ausstellung zu sehen. Ebenfalls wärmstens möchten wir euch das zugehörige Rahmenprogramm der World-Press-Photo empfehlen. Alle Infos unter: www.worldpressphotoausstellung-oldenburg.de

  • BÜHNE STATT DUSCHE

    Wo fängt Kultur an, wo hört sie auf? Eine alte Frage, die wohl für immer unbeantwortet bleiben muss. Bei Karaoke schien die Sache dagegen immer klar: Das schiefe Gejaule zum Playback ist bestenfalls ein feuchtfröhliches Afterwork-Späßchen. Aber Kultur? Niemals! ...oder etwa doch? An Karaoke scheiden sich die Geister. Für die einen ist es das Größte, wenn sie voller Inbrunst ins Mikrofon trällern können und dabei zielsicher jeden Ton verfehlen. Für alle anderen ist es die ultimative Bedrohung auf der Firmenfeier mit Fremdscham am Maximum. Wenn man sich die Sache mal genauer anschaut, ist es aber halb so wild. Beim "Singen ohne Orchester" (so könnte man das japanische Wort übersetzen) geht es vor allem um eines: Den Spaß daran. Alles andere, die Schamgefühle und der Cringefaktor, entstehen erst durch Kontexte und Konventionen. Sie sollten wir viel öfter hinter uns lassen, wenn wir eine gute Zeit haben wollen. Und genau darum geht es hier. SING DEINEN SONG LIVE-KARAOKE MIT DER KLEINSTEN KARAOKE-BAND DER WELT DONNERSTAG, 6. APRIL, 20 UHR EXHALLE AM PFERDEMARKT JOHANNISSTRAßE 6 26121 OLDENBURG EINTRITT FREI! Globales Phänomen Das Oldenburgische Staatstheater - bzw. dessen Zukunftslabor Sparte 7 - baut einmal mehr alle Schwellen und Hürden ab, die zwischen Podium und Publikum existieren, und holt euch auf die Bühne. "Ich wollte immer schon mal Karaoke machen", erklärt Leiterin Gesine Geppert. Das aber liegt nicht etwa an einem geheimen Traum von einer steilen Gesangskarriere. Vielmehr sieht sie Karaoke als ein globales Kulturphänomen, das eine ganz eigene Ästhetik entwickelt hat, die stark mit unseren alltäglichen Gewohnheiten kontrastiert. Das macht sie zu einem idealen Spielfeld für die Sparte 7. Dass es nun endlich soweit ist, hat aber ganz wesentlich auch mit einer anderen Person zu tun: Das musikalische Universalgenie Cindy Weinhold, die gemeinsam mit Saskia Kruse die Live-Begleitband für den Abend bildet, war eine treibende Kraft hinter dem Projekt. "Allein unter der Dusche singen, das war gestern. Nun geht's im Rampenlicht", erklärt sie in einer Art, die eigentlich keinen Widerspruch duldet. Oder besser gesagt: die so sehr mitreißt, dass man am liebsten sofort mitmachen möchte. Aber was, wenn man gar nicht singen kann? "Keine Angst vor falschen Tönen", beruhigt die Multi-Instrumentalistin. Zwischen Gummipalmen und Glitzer gibt es kein Misslingen, sondern nur die Magie der Momente, wie auch immer sie sein mögen. Also: Wagt den Schritt von der Dusche auf die Bühne und zeigt dem Rest der Welt, was in euch steckt. Egal, ob ihr gnadenlos gute Performer:innen ohne jedes Gesangstalent seid, opernreife Sänger:innen mit Sozialphobie oder eine Mischung aus allem: am 6. April gehört die Bühne der Exhalle euch! Und das vollkommen gratis. Kulturgut Karaoke Ist das jetzt Kultur? Aber sicher! Vielleicht nicht jene, mit der du bei der nächsten Vernissage dein umfangreiches Kunstverständnis demonstrieren kannst. Aber dafür eine, die für die Sinne viel zu bieten hat, wenn man die gewohnten Kontexte und Konventionen hinter sich lässt. Vor allem das musikalische Live-Element macht aus der üblichen Konserven-Karaoke ein echtes Konzert - das sich sogar lohnt, wenn du nicht selbst singen willst. Letztlich ist Karaoke - und damit dieser Abend - eine Feier des furchtlosen Versuchens und der fröhlichen Unvollkommenheit. Also: Mach dein Ding, sing deinen Song und tausche Dusche gegen Bühne. Aber zieh dir vorher was an!

  • LEERE ALS STILMITTEL

    Eine Ausstellung, in der Film und Realität verschmelzen? Gibt’s aktuell im Edith-Russ-Haus mit „Mechanical Manifestations“ von der niederländischen Künstlerin Silvia Martes. Was dahinter steckt, verraten wir euch hier. SILVIA MARTES - MECHANICAL MANIFESTATIONS NOCH BIS 26. MÄRZ 2023 EDITH-RUSS-HAUS KATHARINENSTRASSE 23 26121 OLDENBURG DI - FR: 14:00 BIS 18:00 UHR SA - SO: 11:00 BIS 18:00 UHR Silvia Martes stellt Fragen. Viele davon. Wie könnte unsere Zukunft aussehen? Welchen Einfluss haben das Internet und Social Media auf uns? Und wie prägt Immigration verschiedene Generationen? In ihrer Ausstellung „Mechanical Manifestations“ im Edith-Russ-Haus können nun auch Besucherinnen und Besucher in ihre überwiegend filmisch aufbereiteten Antworten auf diese Fragen eintauchen. In einem ihrer Werke begleiten wir nicht-weiße Frauen bei dem Wiederaufbau einer infolge von Naturkatastrophen und Kriegen zerstörten Gesellschaft, die allen guten Vorsätzen zum Trotz die Züge eines totalitären Staates nicht abschütteln kann. Eine andere Arbeit zeigt eine Protagonistin, die sich auf der Suche nach Gegenständen, Personen und Erinnerungen immer wieder auf Zeitreisen begeben muss. Doch Martens hat für ihre erste deutsche Einzelausstellung auch neues Material entwickelt. Die Multimedia-Installation Heru Ku Heru pt. 1 wurde extra vom Edith-Russ-Haus in Auftrag gegeben. Mit einem Mix aus fiktiver Geschichte und nicht-fiktionalen Interviews setzt sie sich mit der komplexen Kolonialgeschichte in der Karibik auseinander – und Silvias eigener Biografie. Denn während eines Besuchs bei ihrer Großmutter auf Curaçao sah sie mit eigenen Augen, welche Löcher Immigration in Familien reißen kann. „Ich sagte ihr, ich vermisse dich sehr. Alle vermissen dich. Aber sie sagte: ‚Ja, aber niemand ist hier. Ihr habt mich alle zurückgelassen.‘“, erzählt Silvia. „Das hat mich in meinem Herzen berührt.“ „Ich will mich repräsentiert sehen“ Ihre Erfahrungen als schwarze Frau in den Niederlanden verarbeitet Silvia in weiteren Werken. Für sie steht es außer Frage, weshalb in ihren Filmen Frauen bzw. sich als Frauen identifizierende Personen und nicht-weiße Menschen aller Körpergrößen tragende Rollen spielen. Denn: „Ich will mich selbst repräsentiert sehen“, erklärt Silvia. Dazu bedient sie sich verschiedener Genres, krass stilisierten Bildern und nichtlinearen Erzählweisen. Silvias Arbeit ist generell ziemlich umfangreich. Auch für die Künstlerin selbst. Sie agiert bei vielen Projekten als One Woman-Team und übernimmt vom Design über den Dreh bis hin zum Schnitt alles selbst. Für Martes ist diese Arbeitsweise eine Möglichkeit, sich ein ausreichendes Maß an Spontanität und kreativer Kontrolle beizubehalten. Immerhin geht es in der Branche sonst anders zu. „Wenn man im traditionellen Filmgeschäft arbeitet, muss häufig jede Entscheidung mit einem anderen Beteiligten erörtert werden“, sagt die Künstlerin. Aus Zwei- wird Dreidimensionalität Die Zweidimensionalität ihrer Werke hat das Edith-Russ-Haus nun zurück in die Dreidimensionalität geholt. Und dabei ein Hauptmerkmal von Silvias Filmen gleich mit übernommen. Extra angefertigte Kopien ihres originalen Setdesigns werden in ansonsten leeren Räumen inszeniert. Eine angedeutete Bar, ein Wartezimmer für einen Operationssaal oder Türen ohne Ausgänge lassen die Installationen in neuem Maße auf die Besucherinnen und Besucher wirken. So bleibt Platz für eigene Gedanken zu den Fragestellungen in Silvias Werken. Und wenn ihr euch jetzt schon fragt, bis wann man „Mechanical Manifestations“ noch im Edith-Russ-Haus sehen kann, dann haben wir hier die Antwort für euch: bis zum 26. März. Es lohnt sich sehr! Mehr unter: https://www.edith-russ-haus.de/ausstellungen/ausstellungen/aktuell.html

  • NICHTS WIE HIN (14)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • MUTTERERDE

    Ein Turm, der normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ein dreiteiliges Kunstwerk, das sich mit den letzten Feldpostbriefen vom Großvater des Künstlers auseinandersetzt. Und Technologien, die uns auch auf dem heimischen Sofa einen so realitätsnahen Besuch der Performance ermöglichen, als seien wir live vor Ort. Aus diesen Elementen setzt sich die Kunstperformance "Muttererde" zusammen, die man nun auf YouTube selbst erleben kann und die einen in ihren Bann zieht. Aufmerksame Kulturschnack Leserinnen und Leser können sich vielleicht noch daran erinnern. Vor einigen Monaten, es war im Juni des letzten Jahres, da machten wir euch hier bei uns auf einen Wettbewerb der Kulturellen Bildung und Teilhabe des Kulturbüros der Stadt Oldenburg aufmerksam, der darauf abzielte, dass ihr andere an euren geheimen Orten teilhaben lasst und dabei eine Idee einreicht, wie man diesen Ort künstlerisch beleben könnte. Zu Gewinnen gab es dabei die Verewigung eurer Idee in einer 360-Grad-Videoinszenierung. Nun können wir euch verkünden: nicht nur gibt es inzwischen einen Gewinner des Wettbewerbs, sondern auch die Umsetzung ist bereits abgeschlossen und das Ergebnis lässt sich bereits begutachten. The Winner is... Aber nun mal konkret - wer hat gewonnen und was steckt hinter der eingereichten Idee: Das Triptychon (ein dreigeteiltes Gemälde) mit dem Titel "Muttererde" des Oldenburger Künstlers Helmut Feldmann, der die umgesetzte Idee einreichte, steht im Fokus dieser Kunstperformance der besonderen Art. Das Gemälde entstand 2001 aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit den letzten Feldpostbriefen seines Großvaters Johann Feldhoff aus dem Zweiten Weltkrieg. Es zeigt den Menschen in seiner unverhüllten Gestalt, aus Erde kommend und wieder zu Erde werdend. Dank eines 360 Grad-Videos, umgesetzt vom Team rund um Kammerkultur, bestehend aus Sebastian Netta und Yvonne Franke, ist es euch hierbei möglich, sich eigenständig durch den Südwest-Turm der St. Lamberti-Kirche zu klicken, in dem der Oldenburger Künstler Helmut Feldmann sein Werk inszeniert. So handelt es sich also nicht einfach bloß um ein gewöhnliches YouTube Video aus Vielen, sondern um ein immersives Erlebnis, das man aus der "eigene Augen"-Perspektive erleben kann. Aus welchem Blickwinkel man das Geschehen erleben möchte, das liegt also ganz bei einem selbst. Möchte man sich umschauen, möchte man den Blick durch den gewählten geheimen Raum schweifen lassen oder fokussiert man sich auf das ausgestellte Werk, die schauspielerische Darstellung? Auch auf das realistische Hörerlebnis muss dabei nicht verzichtet werden, denn dank Spatial Audio passt sich das Gehörte immer dem jeweiligen Standort an. Alte Briefe, schockierende Aktualität Gerade vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine gewinnt das Thema eine erschütternde Aktualität. "Die Auswirkungen von Krieg werden durch Kunst ein Stück weit greifbarer und fühlbar gemacht", erzählt Yvonne Franke. "Bei den Briefen handelt es sich um Dokumente der Zeitgeschichte mit lokalem Bezug zu Oldenburg. Hier kann die Kunst erzählen und die Ausnahmesituation und die damit verbundenen Gefühle und Zustände vermitteln." In intensiven Gesprächen mit Helmut Feldmann wurde die Intention des Gesamtkunstwerks von Yvonne Franke und Sebastian Netta als Kunstperformance erarbeitet. Die Idee, die Bilder im Südwest-Turm der St.-Lamberti-Kirche in Oldenburg einmalig in einem "geheimen Raum" auszustellen, konnte dann auch dank der freundlichen Genehmigung der Kirchengemeinde tatsächlich in die Realität umgesetzt werden. Wenn die Präsentation selbst zum Kunstobjekt wird "Den nicht öffentlich zugänglichen Südwest-Turm haben wir so belassen, wie wir ihn vorgefunden haben", erläutert Sebastian Netta. "Lediglich Licht wurde notwendigerweise zur Inszenierung installiert und auf das Triptychon ausgerichtet." Yvonne Franke fügt hinzu: "Die Präsentation des Kunstwerks ist einzigartig, Vernissage und Finissage in einem Prozess und nicht wiederholbar. Das Kunstwerk fügt sich durch die durchdachte Hängung in den Turm ein, was durch die Farbharmonie des Mauerwerks mit den von Feldmann verwendeten Farben in Einklang steht." Für die Lesung der Feldpostbriefe konnte der in Oldenburg lebende Schauspieler Jo Schmitt gewonnen werden. Jo Schmitt als einziger Protagonist im Raum bringt dem Zuschauer die Intimität dieser persönlichen Briefe durch seine Umsetzung berührend nahe. Die Briefe wurden am 7. und 8. September 1942 von Johann Feldhoff nahe Noworossijsk (russische Küstenstadt am Schwarzen Meer) verfasst und per Feldpost an die Familie versendet. Am 9. September 1942 kam Johann Feldhoff ums Leben. Dies wurde der Familie in einem Brief des Kommandanten vom 10. September 1942 mitgeteilt. Dieser Brief wird, ebenfalls eingesprochen von Schmitt, am Ende der Inszenierung als Audioelement abgespielt und hinterlässt einen - nach vollständigem Verlesen der Nachricht - völlig alleine im ausgewählten Raum, mit den eigenen Gefühlen. Das Leid, die Trauer, der Schrecken, die ein Krieg mit sich bringt, all das kann man spüren in jedem der verlesenen Worte.

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