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MELANCHOLIE AM LAND

Euer erster, vermeintlich berechtigter Gedanke könnte sein: "Ist da ein Fehler in der Überschrift?" Aber nein, keine Sorge. Das sagt man so - in Österreich. Und einen kleinen Ausschnitt der Alpenrepublik, aus der Linse des Fotografen Bernhard Fuchs, den gibt es aktuell, bestens kuratiert, im Oldenburger Kunstverein zu sehen.

Zu sehen ist von Bernhard Fuchs Heuhaufen, Neuschlag, 2009 aus der Serie HÖFE (2005-2011) Analoger C-Print 23,5 x 21cm © VG Bildkunst, Bonn das aktuell im Kunstverein Oldenburg zu sehen ist
Wahrscheinlich sah ein Heuhaufen noch nie so ästhetisch aus. Foto: Bernhard Fuchs Heuhaufen, Neuschlag, 2009 aus der Serie HÖFE (2005-2011), © VG Bildkunst, Bonn
 

BERNDHARD FUCHS

AHORN


NOCH BIS 30. APRIL OLDENBURGER KUNSTVEREIN DAMM 2A, 26135 OLDENBURG DI-FR: 14:00 - 18:00 UHR

SA-SO: 11:00 - 18:00 UHR

 

Foto: Bernhard Fuchs Güterweg, Dobring, 2005 aus STRASSEN UND WEGE (2004-2007) Analoger C-Print 28 x 28 cm © VG Bildkunst, Bonn

Es ist ein Problem, das nicht nur in Österreich, sondern auch hier in Deutschland allzu gut bekannt ist. Die Rede ist vom sogenannten Landsterben. Das hat viel weniger mit Todesfällen zu tun, als mit der Tatsache, dass es immer mehr Menschen weg aus den ländlichen Gebieten und in die Metropolen der Länder zieht, in denen sich somit immer mehr das Leben auf einzelnen Punkten ballt.


Die Folgen davon sind in den jeweiligen kleineren Orten und Dörfern nicht zu übersehen, da oftmals ein sehr hohes Maß an Leerstand herrscht, das gelebte kulturelle Miteinander abnimmt. Berufe und etablierte Handwerke gehen verloren, weil es an Menschen fehlt, die diese dort fortführen und somit bricht auch in gewisser Hinsicht Infrastruktur weg, die den Prozess wiederum nur noch verstärkt und in eine Spirale treibt.


Nun zeigt Bernhard Fuchs, 1971 in Haslach an der Mühl/Oberösterreich geboren, noch bis zum 30. April im Oldenburger Kunstverein eine Auswahl von Fotografien aus seinen Serien STRASSEN UND WEGE, HÖFE und WALDUNGEN, die von 2004 bis 2014 in seiner Herkunftsgegend in Oberösterreich entstanden sind und jeweils ihren Abschluss in einer Buchpublikation fanden. Was das mit dem eben beschriebenen Umstand zu tun hat?


Der Blick von Außen


Im Oldenburger Kunstverein werden die Fotografien wunderbar in Szene gesetzt. GIF: Kulturschnack

Nun, AHORN - so der Titel der Ausstellung - liegt im oberen Mühlviertel und ist eine über die Gegend zerstreute Dorfschaft mit kleinstrukturierten Landwirtschaften und steht hierbei sinnbildlich für eine Vielzahl eben genau dieser Orte, die unter diesen beschriebenen Problemen leiden.


Dabei vermittelt Bernhard Fuchs diesen Umstand gar nicht konkret selbst, sondern - wenn überhaupt - auf eine Art und Weise die subtiler und sanfter kaum sein könnte. Hier ist nichts mahnend, hier ist nichts mit dem erhobenen Zeigefinger. Es ließe sich wohl viel eher mit leise, still, weit und leer beschreiben. Man wird nicht unmittelbar mit einem blanken Fakt konfrontiert, sondern man spürt es förmlich beim entlangschreiten der Fotoreihen an den Wänden, nur durch den Kontext und das besondere Zusammenspiel aller drei Fotostrecken miteinander: eine unterschwellige Melancholie.


Bernhard Fuchs Hollerberg, Frühjahr 2013 aus der Serie WALDUNGEN (2010-2014) Analoger C-Print 48 x 37 cm © VG Bildkunst, Bonn gerade zu sehen in der Ausstellung AHORN im Oldenburger Kunstverein
Keine Menschenseele. Foto: Bernhard Fuchs Hollerberg, Frühjahr 2013 aus der Serie WALDUNGEN (2010-2014) Analoger C-Print 48 x 37 cm © VG Bildkunst, Bonn

Wie ist Fuchs das gelungen? Denn er selbst hat inzwischen schon lange seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Doch durch den Abstand zu dieser Gegend entwickelte sich für ihn eine intensive Auseinandersetzung mit der Landschaft und den Menschen seiner Herkunft, wohin er regelmäßig auf Streifzügen einen inneren Dialog mit der Gegend sucht und in eine bildnerische Sprache umsetzt. Erst durch die Entscheidung nur in dem Umfeld seiner Herkunftsgegend zu arbeiten, die diesen drei hier ausgewählten Serien eigen ist, ergibt sich für ihn eine Freiheit und ein Lebensgefühl für ein Gegenüber, das über das Vertraute hinausweist. Sie wird eine Art Geländebeschreibung mit einer inneren Lotung und Abklärung.


Nicht das topografische Detail bleibt den Betrachtenden in Erinnerung, sondern es ist die von der Landschaft im Bild ausgelöste Emotion. Bei uns hat es definitiv Emotionen ausgelöst. Aber: welche wird es bei euch auslösen? Findet es heraus!



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