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  • PODCAST: FOLGE 24

    Wir haben tolle Kinos in Oldenburg und eines davon stellen wir euch in dieser neuen Episode unseres Podcasts vor. Denn im Gebäude der Kulturetage gelegen, macht das cine k Kino, das abseits des üblichen Mainstreams stattfindet und die Menschen in den Sesseln des Kinosaals im wahrsten Sinne des Wortes bewegen soll. Wie genau sie das schaffen, das erzählt uns in dieser Ausgabe des Kulturschnacks ein Teil des Teams, da hinter dem Schaffen des cine k steckt. Gemeinsam geben sie uns, unter anderem, einen Überblick darüber, wie das Kino überhaupt in seiner heutigen Form entstanden ist und erklären uns dazu, warum es immer schwieriger wird heutzutage ein kleineres Kino, wie eben das cine k, ins Leben zu rufen. Wir sprechen über die kuratorischen Aspekte ihrer täglichen Arbeit. Wie sie also das Zusammenstellen des letztlichen Programms angehen, sich hierfür oftmals mit anderen gesellschaftlichen Akteuren unserer Stadt vernetzen und dabei für die Besucherinnen und Besucher weit mehr als ein bloßes "Filme schauen" bieten, sondern tief in die Thematiken der gezeigten Werke eintauchen. Neben dem Blick auf die vergangenen Jahre, in denen erst kürzlich sogar ein großes Jubiläum gefeiert werden durfte, richtet sich unser Augenmerk zudem auf das Hier & Jetzt und die Zukunft, die das cine k aktuell vor bisher ungekannte Herausforderungen stellt. Hört euch die Folge also am besten direkt an. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! Mehr zum cine k, dem aktuellen Programm und auch wie ihr die Arbeit des Kinos unterstützen könnt, findet ihr unter: www.cine-k.de

  • DER CARL-VON-OSSIETZKY-PREIS

    Wer nach Oldenburg kommt, erkennt früher oder später, dass es eine besondere Verbindung zu Carl von Ossietzky geben muss. Nicht nur ist die Universität nach ihm benannt, auch die Stadt vergibt einen Preis für Zeitgeschichte und Politik, der seinen Namen trägt. Was hat es damit auf sich? Das erklären wir hier. Nobelpreis, Sacharow-Preis, Karlspreis: Weltbekannte Auszeichnungen wie diese stehen für die Würdigung wichtiger Persönlichkeiten und setzen ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der damit verbundenen Themen. Sie erzielen aber auch enorme Werbeeffekte für Stockholm, Straßburg und Aachen - also jene Städte, in denen sie verliehen werden. Kein Wunder, dass diese Preise aus beinahe jeder Perspektive eine hohe Wertschätzung genießen. Und Oldenburg? Hier gibt es den Carl-von-Ossietzky-Preis. Aber was genau verleiht die Stadt da eigentlich? Worum geht es, was hat das mit Ossietzky zu tun - und was wiederum hat Ossietzky mit Oldenburg zu tun? Und was bringt das Ganze für die Stadt? Berechtigte Fragen, die wir hier zu klären versuchen - in drei übersichtlichen Kapiteln. VERLEIHUNG DES CARL VON OSSIETZKY PREISES FÜR ZEITGESCHICHTE UND POLITIK PREISTRÄGERIN: ANNE APPLEBAUM DONNERSTAG, 6. JUNI, 18 UHR (TICKETS) KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG Kapitel 1 Warum Carl von Ossietzky? Fangen wir mal mit dem auffälligsten an: Dem Namen. Bei Carl von Ossietzky denken die meisten heutzutage automatische an die Universität. Damit geht häufig die Annahme einher, Ossietzky werde schon irgendwas mit der Stadt zu tun gehabt haben. Aber: Das hatte er nicht. Genauer gesagt hat Ossietzky Zeit seines Lebens nie einen Fuß nach Oldenburg gesetzt. Vielmehr war er in den Metropolen Hamburg und vor allem Berlin zuhause. Wie kam es dennoch zur Namensgebung? Das ist leider eine leidvolle, aber deswegen umso wichtigere Geschichte. Ossietzky war als Journalist für die „Weltbühne“ ein leidenschaftlicher Pazifist. Damit stand er im diametralen Gegensatz zur Ideologie der Nationalsozialisten, denen Ossietzky mehr als nur ein Dorn im Auge war. Im Februar 1933 wurde er in „Schutzhaft“ genommen. Als prominentester politischer Häftling jener Zeit wurde ihm im Jahr 1936 der Friedensnobelpreis verliehen, doch das half ihm nicht: Ossietzky wurde in verschiedenen Konzentrationslagern interniert, unter anderem im KZ Esterwegen - das gerade mal 50 Kilometer von Oldenburg entfernt lag. Am 4. Mai 1938 erlag er schließlich in Berlin den Folgen der Misshandlungen. Diesen Umstand hat man in unserer Region als eine historische Verpflichtung interpretiert, anfänglich - in Zusammenhang mit der Namensgebung der Universität - auch gegen Widerstände. Heutzutage aber ist es Konsens, dass es sich bei der Benennung der Hochschule und beim Preis der Stadt Oldenburg um zwei angemessene und aussagekräftige, vielleicht aber auch notwendige Formen der Ehrung handelt. Denn mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik werden Persönlichkeiten geehrt, die sich im Sinne von Ossietzky eingesetzt haben: für Frieden, Versöhnung und Pazifismus, für eine Annäherung zwischen Ost und West, für ein friedvolles Zusammenleben der Nationen und Völker. Diese Persönlichkeiten zeichnen sich durch ein Engagement aus, das über das übliche Maß hinausgeht, für das sie teilweise kritisiert und angefeindet werden und das in manchen Fällen sogar gefährlich ist. Umso wichtiger ist es, dass es diese Menschen gibt. Wir brauchen sie. Kapitel 2  Warum Zeitgeschichte und Politik? Der Untertitel des Preises hat es durchaus in sich. Die Formulierung „Zeitgeschichte und Politik“ mag zwar erstmal nicht aufregend klingen. Zumindest zählen die meisten Menschen diese Themen nicht zu ihren leidenschaftlichsten Interessen. Aber: Das liegt weniger an ihnen als vielmehr an einer Fehlinterpretation. Illustre Runde: Vom Pianisten/Politaktivisten Igor Levit über die spätere Friedennobelpreisträgerin Irina Scherbakova bis zur Holocaustüberlebenden Inge Deutschkron bilden die Preisträger:innen ein breites Spektrum ab. Zeitgeschichte und Politik sind keine abstrakten Fachgebiete, bei denen man idealerweise einschlägig studiert haben sollten, um einen Bezug herstellen zu können. Ganz im Gegenteil: Zeitgeschichte und Politik passieren jetzt, immer und überall. Sie bestimmen unser tagtägliches Leben, definieren unsere Möglichkeiten und Grenzen. Was ihr in Newsportalen anklickt, was ihr in der Zeitung lest, was ihr mit euren Freund:innen besprecht - das ist alles Zeitgeschichte und Politik. Diese Themen haben einen hohen Aktualitätsbezug und außerdem eine enorme Bedeutung. In diesem Licht muss man auch die diesjährige Preisträgerin sehen: die Historikerin, Journalistin und Publizistin Anne Applebaum. Die 59-jährige US-Amerikanerin widmet sich einer „öffentlichen sichtbaren Zeitgeschichtsschreibung“. Damit setzt sie sich „mutig und mahnend im Sinne Carl von Ossietzkys für Demokratie und Menschenrechte in globaler Perspektive“ ein, wie es in der Begründung der Jury heißt. Was das konkret bedeutet? Man könnte sagen: Sie mischt sich ein. Anne Applebaum ist eine Chronistin der Gegenwart mit dem Wissen der Vergangeneit. Die Yale-Absolventin beobachtet und analysiert das Weltgeschehen, sie untersucht und entlarvt die Mittel und Methoden der Mächtigen, sie kommentiert und bewertet auf Basis wissenschaftlicher, journalistischer und persönlicher Expertise. Von syrischen Flüchtlingen bis zu Putins Desinformationsnarrativen, von der EU und den europäischen Finanzkrisen bis zur Reaktion auf den Terrorismus, von Lösungen für Korruption in Übergangsregierungen bis hin zur eskalierenden Wahlkampfsprache politischer Populisten bietet Applebaum sowohl Hintergrundinformationen als auch aktuelle Erkenntnisse, die für das Verständnis der Risiken und Chancen des heutigen politischen und wirtschaftlichen Klimas in der Welt von entscheidender Bedeutung sind. Im ihrem jüngsten Werk „Die Verlockung des Autoritären“ („Twilight of Democracy“, 2020) geht sie der Frage nach, was autoritäre und illiberale Herrschaftsformen für viele Menschen so attraktiv macht und warum die Demokratie als Regierungsform weltweit unter Druck geraten ist. Das Buch wurde sofort zum New York Times-Bestseller - und schaffte es auch in Deutschland auf die Spiegel-Bestsellerliste. Kein Wunder, schließlich machen wir bei diesem Thema leider keine Ausnahme. Kapitel 3 Warum ein Preis? Verliehen wird der Preis seit 1984. Erinnern wir uns kurz zurück an die damalige Zeit: Wir befanden uns inmitten des Kalten Krieges zwischen West und Ost mit dem Brennglas Deutschland, wo beide Systeme eine Grenze teilten. Nach vier flüchtigen Jahrzehnten des Friedens in Europa schien vieles wieder auf dem Spiel zu stehen. Zudem gab es in den Jahren zuvor eine langwierige - auch international beachtete - Auseinandersetzung um die Namensgebung der Oldenburger Universität. Diese Zeit war der ideale Moment, um die pazifistischen Ideale Carl von Ossietzkys wieder aufzunehmen. Er, der im KZ Esterwegen vor den Toren Oldenburgs inhaftiert war, forderte schon sechzig Jahre zuvor "Nie wieder Krieg!". Oldenburg nahm sich zum Ziel, diejenigen Menschen auszuzeichnen, die sich im Geiste Ossietzkys genau dafür engagierten - und die dabei vor allem die Verständigung zwischen West und Ost im Blick hatten. „Geschichte wiederholt sich nicht“, sagen manche. „Tut sie doch, wenn man nicht daraus lernt“, kontern andere. Und sie scheinen in diesem Fall recht zu haben, denn die Konstellation aus dem Jahr 1984 kommt uns heute, weitere vier Jahrzehnte später, seltsam bekannt vor. Fronten zwischen Ost und West, Kriegsgefahr in Zentraleuropa und der große Bedarf an Verständigung zwischen beiden Seiten - das ist heute fast so brennend aktuell wie damals. Der Carl-von-Ossietzky-Preis hat also weiterhin genau die richtige, wichtige Zielrichtung. Denn er hält Erinnerungen wach, vertritt Werte und Ideale und wirkt positiv in die Zukunft - genau wie seine Preisträger:innen auch. Im Ergebnis wurden beim Carl-von-Ossietzky-Preis also die Ideale und die Verdienste einer großen historischen Persönlichkeit in die Gegenwart übertragen. Und genau dort gehören sie auch hin. Frieden ist vielleicht die höchste zivilisatorische Errungenschaft, denn ohne ihn nutzt alles andere nichts. Ihn zu bewahren sollte ein Ziel für uns alle sein. Dass man dafür Zeitgeschichte und Politik beeinflussen oder sogar prägen muss, leuchtet ein. Sie bestimmen unsere Wahrnehmung der Gegenwart, definieren Narrative und Framings. Sie sind also nicht weniger als dasjenige Feld, auf dem sich entscheidet, ob wir den Frieden erhalten oder nicht. Deshalb gebührt ihnen unsere große Aufmerksamkeit. Ihr fragt euch vielleicht: Kann dieser Preis wirklich so wichtig sein, wenn er nicht auf sämtlichen Titelseiten der Nation auftaucht? Wenn er nicht in einer Reihe mit Nobelpreis, Sacharow-Preis oder Karlspreis steht? Berechtigter Einwand. Aber: Bekanntheit und Bedeutung standen noch nie in einem zwingenden Zusammenhang, sonst würde niemand die Kardashians kennen. Außerdem genießt der Preis in Fachkreisen höchste Wertschätzung. Woran es aber tatsächlich noch hakt: Möglichst vielen Menschen plausibel zu machen, warum der Preis kein Nischenthema ist, sondern uns alle betrifft und für uns alle spannend und lehrreich sein kann. Aber dafür gibt es ja uns.

  • PODCAST: FOLGE 28

    Das Oldenburgische Staatstheater bekommt einen neuen Generalintendanten. Sein Name: Georg Heckel. Er wechselt vom Landestheater Detmold zu uns an den hohen Norden und passend zur Bekanntgabe des Programms seiner ersten, bevorstehenden Spielzeit durften wie ihn bereits zu einer neuen Folge Kulturschnack bei uns im Podcast begrüßen. Wer sich hinter der Person verbirgt, die in Zukunft das Theater maßgeblich prägen wird, das erfahrt ihr hier bei uns. Die kommende Spielzeit des Staatstheaters steht bereits in den Startlöchern und es wird ganz sicher eine spannende, so viel steht jetzt bereits fest. Denn ein Intendantenwechsel bringt immer Neuerungen mit sich, neue Einflüsse finden ihren Raum und haben unweigerlich eine Auswirkung auf die Gesamtausrichtung eines so großen Theaters. Deshalb halten wir es für absolut essenziell, auch abseits des vorgestellten Programms, einen Blick auf die Person zu werfen, die hinter all' diesen inhaltlichen Entscheidungen steht, wobei Georg Heckel uns einen tiefen sowie privaten Einblick in seinen persönlichen Werdegang gewährt. Ihr erfahrt also im Detail, wie seine bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse seine Sichtweisen und Entscheidungen geprägt haben erhaltet auf diese Weise womöglich den Schlüssel zum näheren Verständnis seiner künstlerischen Vision, die ihm für Oldenburg vorschwebt. Euch erwartet also eine Folge, die über formelle Ankündigungen hinausgeht, sondern stattdessen nach jeder Menge Enthusiasmus klingt und vor allem Neugierde weckt auf das, was uns alle in der kommenden Zeit erwarten wird. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! Alle weiteren Infos zum Staatstheater und die Möglichkeit euch mit Tickets für kommende Vorstellungen einzudecken habt ihr unter: https://www.staatstheater.de/

  • DIGITALOG LIVE: KI IM ALLTAG

    Egal wohin wir blicken – Künstliche Intelligenz hat sich wahnsinnig schnell entwickelt und durchdringt immer mehr Aspekte unseres täglichen Lebens. Sei es das Zähneputzen mit der elektrischen Zahnbürste am Morgen bis hin zum Streamen auf der Couch am Abend. In allen möglichen Lebenssituationen sind wir inzwischen von künstlicher Intelligenz und Algorithmen umgeben, ohne uns dessen vielleicht wirklich vollends bewusst zu sein. Grund genug, um hierüber etwas genauer zu sprechen! Aus diesem Grund haben wir uns bei einer weiteren Ausgabe unseres Live-Podcasts aus dem Oldenburger Computer-Museum , nachdem wir uns bei der vergangenen Veranstaltung bereits mit der Welt der Gamification beschäftigt haben, einen gewöhnlichen Tagesablauf angeschaut und gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Butler sowie den Studierenden Susann Huischen und Katharina Mitzlaff darüber gesprochen, welche Implikationen mit dieser scheinbaren Omnipräsenz einhergehen könnten im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen. Entlang der drei Mahlzeiten eines Tages, gedacht als thematische Trenner, blicken wir innerhalb des Talks jeweils auf unterschiedliche Bereiche. Angefangen beim Tracking unseres Alltags und den zahlreichen Profilen, die wir ganz freiwillig oder auch nicht von uns anlegen lassen, über ChatGPT und seine Auswirkungen auf Arbeitswelten am Beispiel des Studierendenalltags bis hin zum abendlichen Konsum von Streaminginhalten zur Unterhaltung und der Rolle, die generative KI hierbei auf unsere Wahrnehmung von Kunst und Urheberschaft haben könnte. DIE PLAYLIST Ein Live-Podcast wäre kein Live-Podcast wenn es nicht auch die Möglichkeit gäbe, dass ihr alle bisherigen Folgen ganz nach eurem Belieben auch nachhören könnt. Hierzu haben wir euch die Digitalog Podcast-Playlist zusammengestellt, die alle bisherigen Folgen des Formats für euch bereithält. Dabei wird schnell deutlich, dass nicht alles so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Natürlich bieten diese Neuerungen viele Vorteile, die uns das Leben leichter machen. Doch stellt sich dabei stets die Frage, welchen Preis wir hierfür bereit sind zu zahlen und welche Folgen wir in Kauf nehmen wollen. Es erwartet euch wie immer eine Episode, die den Versuch unternimmt, zwei Seiten einer Medaille näher zu beleuchten, fernab jeglicher Schwarzweißmalerei. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! WICHTIG: Wer die ersten beiden Aufzeichnungen im Oldenburger Computer-Museum verpasst hat, nun aber eigentlich Interesse hätte, für all diejenigen haben wir gute Neuigkeiten! Denn noch zwei weitere Termine folgen in diesem Jahr, am 05. September sowie am 05. Dezember , jeweils um 19 Uhr bei freiem Eintritt.

  • ACOUSTIC SESSION: KITSCHKORSETT

    So schnell kann es gehen. Heute endet bereits die erste Staffel unserer Kulturschnack Sessions! Doch kein Grund zur Traurigkeit, denn erneut steht uns heute eine waschechte Premiere ins Haus: Die Oldenburger Band kitschkorsett beweist mit ihrem Titel "Cabrio größer Fahrrad", wie wichtig es ist, gemeinsam Spaß an der Musik zu haben und welcher besondere Reiz darin liegt, sein eigenes, künstlerisches Schaffen nicht zu ernst zu nehmen, sondern auch immer wieder eine gute Prise Humor einfließen zu lassen. Man vergisst es viel zu schnell in der heutigen Zeit, die geprägt wird von Internet Hypes und Karrieren in Raketengeschwindigkeit, denen immer mehr Menschen hinterher rennen: In erster Linie geht es doch bei Musik zuerst einmal um den puren Spaß an der Freude, wie man so schön sagt. In einer Band zu spielen, das bietet darüber hinaus eine wunderbare soziale Komponente, die weit über Musik hinausgeht. Das gemeinsame Arbeiten an Songs, Proben und Auftritten schweißt die Mitglieder zusammen und schafft ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Jede Musikerin und jeder Musiker bringt individuelle Fähigkeiten und Perspektiven ein, wodurch ein kreativer Austausch und ein Gefühl von Gemeinsamkeit entsteht. So auch hier der Fall: Die Mitglieder der Band kitschkorsett kannten sich aus ihrem Musikstudium und hatten während der Corona-Zeit kaum die Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren. Der Drang, wieder kreativ zusammenzukommen und soziale Kontakte zu pflegen, führte dann letztlich zur Gründung der Band. Dabei ist der soziale Faktor innerhalb der Banddynamik von Beginn an prägend, denn alle legen bis heute viel Wert darauf, ihre Songs in der gemeinsamen Zusammenarbeit entstehen zu lassen, bei der mehrere der Mitglieder als Songwriter zur Geltung kommen. Willst du gelten, mach dich selten Von diesen gemeinsamen Songs gibt es jedoch, zumindest für die Öffentlichkeit, noch nicht allzu viele, was die Band weiterhin zu einem kleinen Geheimtipp hier in Oldenburg macht. Es hat einen gewissen Charme und Understatement, dass man bei kitschkorsett lange nach einer Homepage und Verlinkungen zu den heute ach so gängigen Streaming Services sucht, jedoch keine findet. Schaut man auf dem YouTube Kanal der Band vorbei, findet man dort exakt zwei einzelne Songs: Vanille Eis & Funkomander Wenn man die Band fragt, wie man ihren Sound am ehesten zusammenfassen könnte, bekommt man eine Erklärung zu hören, die Bände über das Selbstverständnis der Jungs spricht: "Wir sind irgendwo zwischen Radiohead und Alexander Marcus" Das ist mal eine Mischung! Da ist Pop, das hört man Rock, da spürt man eine gewisse Punkattitüde und vor allem Humor. "Es macht natürlich Spaß, lustige Texte zu schreiben und es ist auch einfach ein Mittel auf das wir uns alle einigen können, mit dem wir alle super gut klarkommen und das wir auch gerne ausstrahlen wollen". Direkt die große Bühne Und mit eben genau dieser Mischung gelang es der Band auch im vergangenen Jahr die Jury des Bandcontests vom AStA der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg für sich zu begeistern und einen Spot beim alljährlichen Oldenburger Kultursommer zu ergattern, womit kitschkorsett direkt die Luft der großen Bühnen schnuppern durfte. "Der Kultursommer war auf jeden Fall die größte Erfahrung, die wir alle so gemacht haben bis dato. Die Größe des Publikums, das professionelle Drumherum, die ganze mediale Aufmerksamkeit. Dass man Interviews geben durfte, wir zu Gast im Radio waren und einer unserer Songs dort auch lief. Das ist schon was ganz Besonderes gewesen", erinnern sich die Bandmitglieder gerne an das letzte Jahr zurück. Gerade für dieses Live Momentum ist es eine schöne Überraschung und willkommene Abwechslung, eben nicht sofort zu wissen mit welchen Liedern kitschkorsett aufwarten wird. Eine Premiere So ging es auch uns beim Kulturschnack, als wir die Band an unserer Location zur Aufzeichnung erwarteten. Welcher Song würde es wohl werden? Worum wird er sich thematisch drehen? "Cabrio größer Fahrrad" ist dabei genau der richtige, lockere Sound für die aktuelle Jahreszeit, der einen wunderbar begleiten kann, gute Laune verbreitet - egal wofür man sich letztlich als Fortbewegungsmittel entscheidet. ;) "Das war halt nicht nur ein Auftritt, sondern irgendwie nochmal ein bisschen mehr. Man wusste, das wird heute gefilmt, das ist wieder eine ganz neue Situation, die wir zum ersten Mal erleben. Da macht man sich mehr Gedanken um sein Outfit als noch beim Liveauftritt", halten die fünf mit einem Augenzwinkern fest. "Wir haben uns damals total gefreut, dass uns die Möglichkeit gegeben wird, sowas professionell aufzunehmen." Diese Freude lag ganz auf unserer Seite! Wir wünschen euch nun viel Spaß beim Hören und entdecken dieser wunderbaren Band. Ihr möchtet noch mehr von kitschkorsett entdecken? Hier geht es weiter!

  • SELIGKEITEN ERLEBEN

    Nein, der Hinterhof des Landemuseums für Natur und Mensch war lange Zeit nicht gerade ein kultureller Hotspot. Vorwiegend als Parkplatz und Lagerfläche genutzt, erschloss sich sein Reiz bestenfalls auf den zweiten Blick. Erst als dort in kurzer Abfolge die „Polarnights“-Ausstellung eröffnet wurde, die umBAUbar ein Ausweichquartier fand und der Freizeitlärm e.V. das „Sonnendeck“ umsetzte, wurde der Platz zum Place to be. Diese junge Tradition setzt nun schon im dritten Jahr Pelle, der Späti fort. Was das ist? Und was das mit Kultur zu tun hat? Lest ihr hier! Kultur wird häufig mit Institutionen verbunden: mit Museen und Galerien, Theatern oder Konzerthallen. Daran ist nichts falsch, denn überall dort hat sie eine Heimat. Nur darf man eine Bestandsaufnahme an dieser Stelle nicht stoppen, denn da ist noch viel mehr. Kultur findet nämlich auch außerhalb dieser etablierten Orte statt. Abseits konkreter Erwartungen bieten zwanglose Zwischenräume wichtige Gelegenheiten zum Ausprobieren und Experimentieren, für erste Schritte und weitere Gehversuche. Zu diesen Orten zählt seit dem Sommer 2022 auch Pelle, der Späti . Dessen Setup ist zunächst unspektakulär: Ein Hinterhof, eine kleine Bar, einige Sitzgelegenheiten, dazu mal ein Open Turntable, mal eine Bühne. Das ist nichts, was in dieser Form noch nirgendwo gab. Und doch entsteht im Ergebnis mehr als die Summe der einzelnen Teile: eine spezielle Atmosphäre, die zur Interaktion einlädt - miteinander und mit der Kultur. Pelle ist ein unkompliziertes, unverbindliches, urbanes Kulturangebot, das vielleicht nicht die Qualitäten institutioneller Angebote hat, dafür aber ganz andere und ganz eigene - und die braucht eine Großstadt genauso sehr, PELLE, DER SPÄTI 30. MAI BIS 26. SEPTEMBER IMMER DONNERSTAGS 17 BIS 22 UHR ' LANDESMUSEUM FÜR NATUR UND MENSCH DAMM 46 26135 OLDENBURG Treffpunkt mit Turntable Am 30. Mai startete Pelle in seinen dritten Sommer. Obwohl das Projekt theoretisch ungünstige Bedingungen hat - keine Innenstadt-Lage, kein klar definiertes Kulturprodukt, keine Marketing-Maschinerie im Hintergrund - konnte es sich auf Anhieb etablieren. Die Atmosphäre, die Madlene Oepping und Cora Issig am Damm erzeugen konnten, stieß in eine gefühlte Lücke des Oldenburger Kulturlebens: Was manchen fehlte, war ein unverbindlicher Treffpunkt von und für kulturaffine(n) Menschen, der nichts verlangt, aber viel ermöglicht. Jetzt ist er vorhanden. Wie es dazu kam, erzählen die beiden hier. Ihr seid mit Pelle im Jahr 2022 an den Start gegangen. Gefühltermaßen: Einfach mal so! Wie kam es dazu? Wir haben gemeinsam in der Gastronomie und im Kulturbereich gearbeitet und hatten irgendwann die Idee, einen Späti mit Kulturangebot zu eröffnen, einfach weil wir Lust drauf hatten und uns sowas in Oldenburg gefehlt hat. Räumlichkeiten dafür zu finden, war erst enorm schwierig, da wir fast ohne Kapital an den Start gegangen sind. Mit der Hilfe und Unterstützung einiger lieber Menschen kam es dann zum Foodtruck und dem schönen Plätzchen am Landesmuseum . Wie seid ihr eigentlich auf diesen Namen gekommen? Wir haben uns im Café Saltkrokan kennengelernt und während unseres Masterstudiums gemeinsam dort gearbeitet. Das Saltkrokan war unser zweites Wohnzimmer und ohne das Café würde es den Späti nicht geben. „Pelle“ ist eine Figur aus dem Buch „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren . Dieser Text beschreibt ihn ganz gut: „Pelle erlebte das ganze Dasein als eine Reihe von Wundern, und er war ständig damit beschäftigt, sie zu erforschen, geduldig und seiner Arbeit hingegeben, wie es sich für einen Forscher gehörte. Melcher empfand hin und wieder so etwas wie Neid, wenn er seinen Jüngsten beobachtete. Weshalb konnte man nicht das ganze Leben hindurch die Fähigkeit bewahren, Erde und Gras und rauschenden Regen und Sternenhimmel als Seligkeiten zu erleben?“ Der Standort am Landesmuseum war bisher kein Hotspot für Straßenkultur. Warum gerade dort? Der Platz am Landesmuseum kam uns in den Sinn, weil die umBAUbar  dort im Sommer 2021 übergangsweise war. Wir haben dann einfach mal nachgefragt und daraus hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit ergeben. Der Platz passt für uns einfach perfekt, weil er genau die richtige Atmosphäre zum gemütlichen Zusammensitzen hat. Eine Sache ist aber anders als bisher: Ihr müsst auf euren Foodtruck verzichten. Wie schwer fiel der Abschied?   Klar war es erstmal schade, dass dieses optische Highlight wegfällt. Der Truck war jetzt zwei Jahre lang unser treuer Begleiter. Aber wir haben uns dann schnell auf eine neue Herausforderung gefreut und darauf, Neues auszuprobieren! Der Atmosphäre bei uns tut es zum Glück keinen Abbruch, dass der Truck fehlt.  Warum ist es jetzt genauso schön wie vorher?   Weil unser Angebot (fast) das gleiche bleibt, genauso wie die gemütliche und entspannte Atmosphäre. Es ist genauso kreativ, offen, unkonventionell und liebevoll gestaltet wie vorher. Der einzige Unterschied ist, dass wir jetzt noch mehr mit dem Ort verbunden sind. Neben der wunderbaren Atmosphäre hattet ihr in den letzten Jahren u.a. einen Open Turntable . Wird das "Selbermachen" weiter Bestandteil von Pelle bleiben? Und was habt ihr dieses Jahr sonst geplant? Anders als in den letzten Jahren haben wir schon jetzt ein fest stehendes Programm, auch weil viele tolle Leute auf uns zugekommen sind und wir als Kulturort etablierter sind, Das freut uns sehr! Das heißt: Es bleibt bei Snacks und Drinks, dieses Jahr aber mit festem Programm. PELLES DRITTER SOMMER VOLLES PROGRAMM Improvisation war gestern: Das Programm bei Pelle, der Späti in diesem Jahr schon weitgehend durchgeplant. Man könnte auch sagen: Madlene und Cora kommen immer mehr an in der Oldenburger Kulturszene. Der Vorteil daran: Ich dürft euch auf einiges vorfreuen. Nämlich auf Folgendes. 20. JUNI - Sylvie Gühmann, Lesung 27. JUNI - Foxitec, DJ  4. JULI - Kommando Freibier, Konzert  18. JULI - Izzylue, Konzert  25. JULI - Miri Baguley, Konzert  1. AUGUST - Ravers for Future, verschiedene DJs 8. AUGUST - Cantantes del Puerto, Konzert  15. AUGUST - LOLdenburg, Stand Up Comedy  22. AUGUST - Harry, NewNez und Swiftless, DnB Djs 19. SEPTEMBER - Ultraviolett, DJ Im Jahr 2023 hattet ihr eine Förderung von Mach|Werk. Was hatte sich dadurch verändert? Die Förderung von Mach|Werk  hat uns ermöglicht, an einige Dinge professioneller ranzugehen, besser zu planen, Neues auszuprobieren und mehr finanzielle Sicherheit zu haben. Im ersten Sommer haben uns ganz viele Menschen freiwillig und kostenlos unterstützt, was keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir zum Beispiel den DJs, die bei uns aufgelegt haben, dank der Förderung ein Honorar zahlen konnten. Kunst und Kultur sollen zwar niedrigschwellig zugänglich sein, dabei wird aber häufig vergessen, dass die Künstler:innen auch von etwas leben möchten. In diesem Jahr steht ihr finanziell wieder auf eigenen Beinen. Macht es das schwerer?   Ja, die finanzielle Situation ist natürlich etwas angespannter, da wir den Künstler:innen weiterhin Gage zahlen wollen. Auch Investitionen zur Weiterentwicklung des Projekts sind schwerer zu finanzieren. Trotzdem war die Förderung der Stadt eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir immer noch da sind und uns "etablieren" konnten, wofür wir sehr dankbar sind! Pelle ist bisher eine saisonale Sommerattraktion. Darf man darauf hoffen, dass es ihn irgendwann auch ganzjährig gibt, z.B. als feste Museumsgastronomie?   Wir würden uns sehr freuen, wenn Pelle das ganze Jahr über sein kleines Kulturprogramm zeigen könnte. Im Moment gibt es noch keine Möglichkeit, das umzusetzen, Wir freuen uns aber über jede Idee, jeden Raum zum ausprobieren oder, oder, oder. Wir haben uns weder Ziele noch Limits gesetzt, bleiben offen für alles, was uns über den Weg läuft, und für alle Ideen, auf die wir noch so kommen! Ihr macht das alles nebenbei. Wie schafft man sowas? Wir sind ein top Team und gute Freundinnen. Die „Arbeit“ bei Pelle macht uns so viel Spaß und ist für uns ein toller Ausgleich zu unseren Jobs. Wir lernen viel, haben mit tollen Menschen zu tun und gestalten das kulturelle Leben dieser Stadt mit. Wir finden, das ist eine super Feierabendbeschäftigung!

  • ÜBER BRÜCKEN

    Zirkuskunst erlebt ein Revival. Allerdings nicht in Form dressierter Tiere oder roter Clownsnasen. Der zeitgenössische Zirkus beeindruckt mit Artistik und Akrobatik, aber auch mit Story und Atmosphäre - und manchmal sogar mit einer speziellen Message. Bestes Beispiel: Das spektakuläre Projekt „Über_Brücken“, das von Cirque on Edge, Kulturperspektiven e.V. und dem Kulturbüro in den Wallanlagen realisiert wird. Was eine Brücke eigentlich ist, klärt in Deutschland natürlich eine DIN-Norm: DIN 1076 definiert sie im Verkehrsblatt-Dokument Nr. B 5276 Vers. 07/97 folgendermaßen: „Als Brücken gelten alle Überführungen eines Verkehrsweges über einen anderen Verkehrsweg, über ein Gewässer oder über tieferliegendes Gelände, wenn ihre lichte Weite zwischen den Widerlagern 2,00 Meter oder mehr beträgt.“ Alles geklärt? Nicht ganz. Denn neben dieser hochoffiziellen Definition sind Brücken natürlich noch viel mehr. Sie überwinden Hindernisse und Gefahren, sie schaffen Verbindungen zwischen Menschen und Völkern, sie sind Grundlage für Austausch und Verständigung, dienen als Symbol für Annäherung und Frieden, für Zusammenwirken und Zusammenhalt. Der Akt des Brückenbauens gewinnt dadurch erhebliche Bedeutung - insbesondere in Tagen wie diesen, in denen manche lieber Gräben vertiefen als sie zu überwinden. Das Projekt „ über_brücken “ macht all diese Facetten nun auf einzigartige Weise sicht- und spürbar. Denn hier werden Artist:innen zu Baumeister:innen - und die Konstruktion zu einem Kunstwerk! CIRQUE ON EDGE: „ÜBER_BRÜCKEN“ DO, 20. JUNI, 19.30 UHR FR, 21. JUNI, 19.30 UHR SA, 22. JUNI - 19.30 & 22.30 UHR SO, 23. JUNI - 15.00 UHR WALLANLAGEN / HÖHE WALLSCHULE ZWISCHEN HEILIGENGEISTWALL UND PETERSTRAßE 26122 OLDENBURG EINTRITT: GRUNDSÄTZLICH FREI. ES WIRD ABER UM SPENDEN GEBETEN Import aus der Schweiz Wenn sich jemand mit Brücken auskennt, dann sind es die Schweizer:innen. Seit jeher sind sie auf diese Bauwerke angewiesen, um tiefe Täler und Schluchten zu überwinden. Und so war es auch ein Eidgenosse, der den Anstoß zum Projekt gab, nämlich Justinus Portenier . Der junge Zimmermann tauchte nach seinem Umzug gen Bremen schnell in die lokale Akrobatikszene ein und saß eines Abends mit dem Oldenburger Hjalmar Stamatopoulos im Schwarzen Herrmann zusammen. „Justinus fragte mich, ob wir nicht zufällig Verwendung für eine 12 Meter lange Brücke aus Holz-Elementen hätten, die er konzipiert hat“, erinnert sich der Akrobatik-Trainer zurück . Der Schweizer habe damit in seiner Heimat einige Performances durchgeführt, das Projekt aber nicht weiter verfolgt. Hjalmar war von der Idee sofort gefesselt und machte sich an die Umsetzung. Schnell fand er fünf Gleichgesinnte, die ebenso große Lust auf das ungewöhnliche Projekt hatten wie er selbst, und gründete mit ihnen den Cirque on Edge . „Auf der Brücke bewegen wir uns ständig am Abgrund, da drängte sich der Namen fast auf“, erklärt Hjalmar. Die Brücke als Show Zunächst galt es aber erstmal, das Material kennenzulernen und Vertrauen in die Konstruktion zu gewinnen. „Wir machen Akrobatik in drei, vier Metern Höhe. Wir hangeln, und schwingen. Da ist es wichtig zu wissen: Da passiert nichts", nennt Hjalmar eine Grundvoraussetzung. Ein Haken dabei: Die Brücke war für die angestammte Trainingshalle der Gruppe zu hoch. „Auf den obersten Elementen berührte man mit dem Kopf die Decke“, schildert der angehende Referendar das Dilemma. Und so zog man zum Galop de Porc und trainierte im Frühjahr bei Wind und Wetter an der frischen Luft. „Wir haben ständig das Regenradar gecheckt“, erinnert sich Hjalmar schmunzelnd, denn Feuchtigkeit machte die Elemente gefährlich rutschig. Der Begeisterung für das Projekt tat das aber keinen Abbruch: „Die Brücke löste in uns viele Assoziationen aus. Wir haben an unseren Akrobatik-Elementen garbeitet und quasi zeitgleich eine Geschichte entwickelt.“ Doch wie wird aus einer Brücke eine Show? Dafür arbeitete das Ensemble mit Regisseur Marcel Sparmann zusammen. Er lieferte wichtige Impulse für Handlung und Inszenierung, gemeinsam mit den Artist:innen entwickelte er sie weiter. „Zwischen Akrobatik und Geschichte gab es ein Wechselspiel“, beschreibt Hjalmar das Prinzip. So entstand am Ende ein abendfüllendes Programm, das beiden Ebenen gleichermaßen gerecht wird: Der künstlerischen Darbietung, aber auch dem erzählerischen Kontext. Mehr Vertrauen wagen Und worum geht es? Während der Cirque on Edge bei seiner letzten Inszenierung eine eher mystische Geschichte erzählte, wird es bei „über_brücken“ politischer. Aber keine Sorge: Es werden nicht etwa Wahlprogramme rezitiert, das Thema wird auf einer metaphorischen Ebene behandelt. „Es geht um eine Verbindung, die früher einmal existiert hat, die heute aber nicht mehr da ist“, erzählt Hjalmar. Auf beiden Seiten der Haaren fragen sich Menschen: Wie gehen wir damit um? Wie finden wir wieder zueinander? Doch wo tagsüber Neugier ein Antrieb ist, wachsen nachts Widerstände und Ängste. Ob der Brückenbau gelingen wird? „Das will ich vorab nicht verraten“, lacht der leidenschaftliche Akrobat. Fünf Vorstellungen an vier Tagen wird es in Oldenburg geben, mal nachmittags, mal früh- und einmal spätabends. Stimmungsvoll verspricht vor allem letztere zu werden, doch auch die Aufführungen bei Tageslicht haben einen großen Reiz - schließlich führen sie uns an einen besonderen Platz inmitten der Stadt: „Wir haben einen magischen Ort gesucht“, berichtet Hjalmar. „Dafür haben wir uns einiges angeschaut und mit dem Heiligengeistwall eine sehr gute Lösung gefunden.“ Auf Höhe der Wallschule wird der Brückenschlag nun stattfinden und ein Stück Oldenburger Alltag in eine besondere Bühne verwandeln. ZIRKUS-REVIVAL NEUERFINDUNG EINES ALTBEKANNTEN Zirkus? Dabei denken immer noch viele an dressierte Tiere und rote Clownsnasen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, der zeitgenössische Zirkus setzt neue Schwerpunkte und weiß mit ihnen zu begeistern. Uwe Schwettmann muss es wissen. Zusammen mit Lisa Rinne und Andreas Baader war er es, der mit dem „ Neuland-Festiva l“ moderne Zirkuskultur nach Oldenburg brachte - und damit erfolgreich war. „Ich habe gleich gespürt, dass es das Richtige sein könnte“, blickt er heute auf die mutige Entscheidung aus dem Jahr 2021 zurück. Für die ersten Schritte mit dem großen Festzelt an den Weser-Ems-Hallen seien aber die Corona-Hilfen nötig gewesen: „Sie haben letztlich genau das erreicht, was sie sollten: In schwierigen Zeiten Kultur-Events ermöglichen, die danach dauerhaft eine Bereicherung sind.“ Und tatsächlich: Wer in den Folgejahren 2022 und 2023 das „ Winter Variete “ in der Kulturetage oder den „ Sommer-Circus “ im Schlosshof gesehen hat, war vor allem eines: begeistert. „Die Nachfrage ist groß, die Veranstaltungen waren zuletzt oft ausverkauft“, freut sich Uwe über den nachhaltigen Erfolg. Nein, mit dressierten Tieren und roten Clownsnasen hat der Zirkus der Gegenwart nicht mehr viel zu tun - und das ist gut so. Dass er dank des mutigen Vorstoßes von Uwe und seinem Kulturperspektiven-Team in Oldenburg ein neues Zuhause gefunden hat, ist ein Gewinn für die Stadt - und ein Wegbereiter für den Cirque on Edge. Die nächste Generation Doch das ist nicht alles. Wichtig sind für Cirque on Edge auch die begleitenden Workshops für Schulen, die vormittags stattfinden. „Unsere Zirkuspädagog:innen und die Mitglieder des Ensembles bieten hier verschiedene Schwerpunkte an“, berichtet Hjalmar. Die Kinder können sich bei der Akrobatik ausprobieren, sie können sich aber auch mit der handwerklichen Konstruktion der Elemente beschäftigen. Sie verinnerlichen dabei das Prinzip: (Nur) Wenn man etwas anpackt, dann passiert und entsteht etwas. „In allen Fällen geht es um Themen wie Selbstermächtigung, Zusammenhalt und Vertrauen. Diese Dinge sind in der Akrobatik enorm wichtig“, ordnet Hjalmar ein. „Wenn wir uns im Kollektiv nicht vertrauen würden und nicht füreinander da wären, dann könnten wir diese ganzen waghalsigen Sachen gar nicht machen.“ All diese positiven Eigenschaften führten letztlich auch zum Engagement des städtischen Kulturbüros . „Wir fanden das Projekt von Anfang an überaus spannend“, erklärt dessen Leiterin Paula von Sydow. „Dieses Thema zu dieser Zeit - da haben wir sehr viel Potenzial gesehen.“ Und zwar so viel, dass das Kulturbüro nicht nur einen Zuschuss gab, sondern gleich als Mitveranstalter einstieg und das Team des Cirque on Edge auch organisatorisch unterstützte. Vor allem letzteres erwies sich beim Erstellen eines Brückenbauwerks auf öffentlichem Grund als sehr hilfreich. Zu Tränen gerührt Das Engagement des Kulturbüros ermöglichte auch eine besucher:innenfreundliche Kostenstruktur. Eintritt wird das artistische Spektakel nämlich nicht kosten - zumindest nicht grundsätzlich. „Jede:r soll sich das ansehen können. Wir wollten damit ein Zeichen setzen - für Demokratie, für Verbindungen zwischen den Menschen“, erklärt Hjalmar und ergänzt: „Wir möchten dazu motivieren, auch mal Dinge zu tun, die zunächst schwierig erscheinen, die aber trotzdem wichtig sind.“ Die Brücke sei ein deutliches Symbol für Verbindungen, aber auch die Geschichte mache deutlich, dass die Menschen aufeinander zugehen müssten. „Wir haben nur diese eine Welt.“ Wem die Vorstellung gefallen hat, kann sich aber trotzdem nach dem solidarischen Prinzip in Form einer Spende erkenntlich zeigen. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht gering. Beim La Strada -Festival in Bremen waren viele Menschen sehr berührt und suchten im Anschluss an die Aufführung - teils mit Tränen in den Augen - den Austausch mit den Akteur:innen. „Das ist die schönste Rückmeldung, die man bekommen kann“, findet Hjalmar. „Die Menschen nehmen die Message mit und sind wirklich bei uns und dem Bild der Brücke.“ Überbrücken statt untergraben Natürlich ist „über_brücken“ vom Cirque on Edge ein Experiment. Zwar muss man sich über die Mitglieder des Ensembles wenig sorgen machen; die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Aufführung unfallfrei abläuft, liegt nach Hjalmars beruhigender Einschätzung bei etwa 99 Prozent. Doch das Format und der Ort sind zunächst ungewohnt. Unser Rat deshalb: Geht einfach hin und schaut euch das an - der Rest passiert wahrscheinlich von ganz allein. Hjalmar sieht das ähnlich: „Wer vorbeikommt, wird sich fragen: 'Was passiert hier? Was ist hier los?' Und dann sucht man sich einen Platz und schaut zu.“ Zwar habe der Cirque on Edge eine klassische Spielrichtung, doch das Stück erzeuge eine 360 Grad-Wirkung, man könne von überall zusehen. „Die Leute sollen sich gerne eine Picknickdecke mitnehmen, hinsetzen und schauen. Stehen ist auch okay, Hauptsache sie kommen.“ Dem können wir nur zustimmen: Der Cirque on Edge ist eine gute Truppe, sie zeigt ein ebenso begeisterndes wie spannendes und lehrreiches Stück und sie tut dies an einem wunderbaren Ort. Also kommt vorbei, riskiert einen Blick - und setzt ein klares Zeichen für Brücken statt Gräben in unserer Gesellschaft! Das geht auch ganz ohne DIN-Norm!

  • KOLUMNE: GEBALLTE LADUNG MIT VOLLER WUCHT

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Spielzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Geben wir es ruhig zu: Es gibt Pressetermine, die etwas unspektakulär sind. Bei denen sich zum Beispiel der Nachrichtenwert in Grenzen hält oder wo der Informationsgehalt eher dünn ist. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil, nämlich die Spielzeit-Pressekonferenz im Oldenburgischen Staatstheater. Sie ist prallgefüllt mit fantastischen, faszinierenden, fesselnden Neuigkeiten – und weckt die Vorfreude auf ein prallgefülltes Theaterjahr! Mit Liebe und Leidenschaft Dabei geht es nicht etwa um Pathos und Bombast bei der Präsentation. Es sind nicht Setting und Inszenierung, die den Termin besonders machen. Er unterscheidet sich gar nicht so maßgeblich von jenen Terminen, die etwas unspektakulär sind. Im bestem Sinne mindblowing ist etwas anderes: Nämlich die schiere Menge an höchst unterschiedlichen Ideen, die jeweils für sich selbst schon eine PK verdient hätten. Alle zusammen? Sind spektakulär. Denn Quantität und Qualität gehen Hand in Hand. Nehmen wir mal die Oper als Beispiel. Bei den Ausführungen der Verantwortlichen geht es vordergründig um die Ankündigung dessen, was passieren wird. Wer aufmerksam lauscht, hört aber sehr viel mehr heraus: die Liebe zur Musik, eine Leidenschaft für Feinheiten, die Lust am Gestalten, eine Vorfreude auf die Reaktionen des Publikums und der Stolz, etwas auf die Beine gestellt zu haben, das die Stadt bereichern wird. Man kann kaum anders, als sich davon anstecken oder sogar mitreißen zu lassen – selbst wenn man mit Opern sonst nichts anfangen kann. Dieses Prinzip funktioniert ebenso gut beim Schauspiel, das auch bei Menschen ohne ausgeprägte Theateraffinität Widerhall findet, weil Themen verhandelt werden, die uns alle betreffen oder zu denen wir leicht Verbindungen aufbauen können. Aber auch bei der Theatervermittlung, dem Niederdeutschen Theater und der Sparte 7 ist das Herzblut aller Beteiligten deutlich zu spüren – und das führt immer wieder zu begeisternden Produktionen, Projekten, Formaten, Experimenten. Es ist stets aufs Neue faszinierend, dass die aufwändigen Produktionen auf einen Titel und eine Kurzbeschreibung komprimiert werden können und trotzdem Interesse auslösen. Immerhin wirken im Hintergrund – manchmal über Jahre hinweg – unzählige Menschen zusammen, um ein Stück entstehen zu lassen, das die Menschen möglichst intensiv berühren soll. Diese Macht und Kraft des Theaters ist eigentlich schwer zu beschreiben, weil Ambiente und Atmosphäre eine wichtige Rolle spielen. Wie sich der Moment anfühlt, muss man eigentlich selbst erleben. Doch hier wird beides trotzdem spürbar – weil deutlich wird, dass die Beteiligten ihre Imagination und Leidenschaft in die Projekte gesteckt haben. Man spürt die Energie, die Kreativität. Aus Interesse wird Vorfreude Auch wenn vieles auf der PK zwangsläufig nur angerissen wird, ist sie dennoch – und zwar in genau dieser Form – ein wunderbarer Termin. Die geballte Ladung Kultur erwischt uns stets mit voller Wucht. Sie macht spürbar, wie vielfältig, bedeutungsvoll, bewegend und mitreißend ein Theaterprogramm sein kann. Als Gast wünsche ich mir immer wieder, dass alle Oldenburger:innen diesem Moment beiwohnen könnten. Und damit meine ich nicht nur die Kulturinteressierten, sondern tatsächlich: alle. Ich bin überzeugt davon, dass nicht wenige sich anstecken lassen würden. Natürlich müssen Pressetermine nicht spektakulär sein; und deswegen werden es die meisten auch weiterhin nicht sein. Wie gesagt geht es nicht um Pathos und Bombast, um Setting und Inszenierung. Die Spielzeit-PK des Staatstheaters erzeugt ihre enorme Wirkung durch die Substanz. Nachrichtenwert und Informationsgehalt sind maximal hoch. Und obwohl der Vortrag stets sachlich ist, kommt noch etwas hinzu: die Emotionen. Sie sind der Verstärker, der aus Interesse Vorfreude macht – und der diesem besonderen Termin seine Wirkungskraft verleiht.

  • ALLES AUßER FUßBALL

    Am 14. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Das ganze Land befindet sich im kollektiven Sommermärchen-Taumel, wochenlang wird es fast kein anderes Thema geben. Wir verstehen das voll und ganz. Wir wissen aber auch, dass längst nicht jede:r rund um die Uhr aufs runde Leder schauen will. Was man stattdessen tun kann? Erzählen wir hier. Nein, keine Sorge: Wir werden die EM - bzw. die EURO2024 - hier nicht schlecht reden. Warum auch? Wenn man sich die ganzen FIFA-/UEFA-/DFB-Strukturen kurz mal wegdenkt und die gandenlose Hochglanz-Marketingmaschinerie rund um das „Produkt“ Fußball ausblendet, dann ist so eine Fußball-Europameisterschaft ziemlich cool. Deswegen werden wir am Ende vielleicht doch wieder vor dem Fernseher sitzen und angemessen eskalieren, wenn Fülle das Ding ins Netz ballert. Vielleicht aber auch nicht. Denn auch, wenn die genannte Fußballelite einen anderen Eindruck erwecken will, steht der Rest der Welt nicht neunzig Minuten still, wenn irgendwo ein Ball über den grünen Rasen rollt. Zwar wird hier und da auf Veranstaltungen ein Screening des jeweils laufenden Spiels eingebaut oder sogar zum Gegenstand eines Theaterstücks gemacht. Die ganz Mutigen bieten der EM aber die Stirn - und uns eine vollkommen fußballfreie Alternative. Das wollen wir honorieren! Für jedes Spiel der deutschen Nationalmannschaft nennen wir deshalb parallel laufende Kulturangebote, die sich mindestens ebenso lohnen - und bei denen im Hintergrund garantiert keine Geldkoffer übergeben wurden. LARS UNGER BEEN THERE, DONE THAT FREITAG, 14. JUNI, 19 UHR THEATER K Was ist eigentlich Kunst? Auf diese Frage findet der Oldenburger Künstler Lars Unger immer wieder innovative Antworten - aktuell mit „Been there, done that“. Das Theater-Experiment zwischen Kunstausstellung und Tanz-Performance schickt Menschen und Skulpturen in eine gemeinsame Choreografie. Das Ergebnis? Eindeutig Kunst! Und garantiert stimmungsvoller als das gewollt-fröhliche Gehüpfe der Eröffnungsfeier. Wer Lust darauf hat, seine Synapsen komplexer triggern zu lassen als durch vermeintliche Abseitspositionen, ist hier genau richtig. CSD NORDWEST NACHT DER KLEINEN KÜNSTE FREITAG, 14. JUNI, 19.30 UHR KULTURETAGE Muss man lieben! Ebenso wie die große Parade am Folgetag ist auch die Nacht der kleinen Künste im Laufe der Zeit zu einer ebenso angenehmen wie wichtigen Tradition geworden. Hier zeigt sich einmal mehr (und vielleicht besonders deutlich), dass bedeutsame Botschaften durchaus mit Charme, Humor und Feingefühl einhergehen können. Unabhängig von der persönlichen sexuellen Orientierung bietet diese Veranstaltung für ihre Gäste mehr Höhepunkte als jede Pass-Stafette der Tiki-Taka-Meister aus Spanien. COMEDY-NACHWUCHS JUNGE & WILDE KOMISCHE NACHT FREITAG, 14. JUNI, 20 UHR GLEISPARK Mit der Komischen Nacht hat die (ehemals) kleine Veranstaltungs-Agentur Mitunskannman.reden einen bundesweiten Siegeszug angetreten und liefert Oldenburgs bedeutendsten Humorexport in mittlerweile vierzig Städte. In der Heimat ist hin und wieder aber auch Raum für Experimente - wie bei der neuen „Jung & Wild“-Edition. Versprochen wird nicht weniger als ein Abend „voller Überraschungen und unvergesslicher Momente“ - bzw. „die Komischte Nacht ever“. Wird das einglöst, würde man dafür sogar ein WM-Finale sausen lassen! RELEASEKONZERT ORASA - „DIFFERENT WAYS“ FREITAG, 14. JUNI, 20.30 UHR POLYESTER Bold Move! Die fünf Jungs von Orasa entern die Bühne, wenn Fußballdeutschland schon längst erhöhten Puls hat. Die Band ist aber zurecht selbstbewusst: Ihr erwachsener Indie/Alternative-Rock klingt nicht etwa nach wackeligem Debüt, sondern nach bester Stadion-Qualität. Wer sie nicht erst sehen will, wenn sie groß sind, hat jetzt die perfekte Gelegenheit. Bonus: Bei der Aftershowparty legt DJ Manolo Sanchez auf, die heimlichen Fußballfans können also auf der Tanzfläche ihre Dribbelkünste ausleben. Außerdem kostet der ganze Spaß nur 7 Euro, dafür bekommt man in der EM-Arena gerade mal ein Bier. NUR ABENDKASSE JUGENDTHEATERTAGE CREATE IT! FREITAG, 14. JUNI, 20.30 UHR EXHALLE Die Jugendtheatertage sind wie Hidden Champions der Kultur: Sie bieten intensives, mitreißendes Theater auf hohem Niveau - und trotzdem wissen viele Erwachsene überhaupt nicht, was sie da verpassen. Richtig gelesen: Erwachsene. Auch bzw. gerade für sie lohnt sich das, weil sie einen direkten Einblick in die Gefühlswelt jüngerer Menschen bekommen. Die Aufführungen der Jugendtheatertage - in diesem Fall von der leise&laut-Gruppe der Jugendkulturarbeit - kreieren deutlich mehr Emotionen und Erinnerungen als Sicherheitspässe in der Vorrunde. STAATSTHEATER DU FÄLLST MITTWOCH, 19. JUNI, 18 UHR EXHALLE Es geht in die Verlängerung! Die gibt es nicht nur beim Fußball, sondern manchmal auch in der Kultur. Die Jugendtheatertage sind zwar seit dem 16. Juni vorbei, einzelne Stücke kann man sich aber weiterhin ansehen - und das sollte man auch, denn der Jugendclub des Staatstheaters liefert mit „Du fällst“ Großes ab. Es geht nämlich nicht etwa um formvollendete Schwalben in des Gegners Sechzehner, sondern um Nähe, Halt und Sicherheit (und deren Abwesenheit), um das Träumen und Erwachen, um das Fallen und Fliegen. Wie all das zusammenpasst? Erlebt ihr am besten live vor Ort! KAMMERMUSIK NOA WILDSCHUT, PABLO BARRAGÁN & FRANK DUPREE MITTWOCH, 19. JUNI, 19 UHR GUT HOORN Okay, zugegeben: Das Gut Hoorn steht im Abseits, liegt also jenseits der Oldenburger Stadtgrenze. Aber es ist so nah dran, dass die kurze Anfahrt zumutbar ist. Zumal mit dem Pianisten Frank Dupree, dem spanischen Klarinettisten Pablo Barragán und dem niederländischen Violin-Shootingstar Noa Wildschut im Rahmen der Gezeiten-Konzerte ein exzellentes Trio zu Gast ist, das sich jüdischer Musik des 20. Jahrhunderts widmet. Ein stimmungsvoller Abend ist garantiert - auch ohne Choreo und Gesänge aus der Kurve. PUNKKNEIPE SPEZIAL BESUCH IM KLÄRWERK MITTWOCH, 19. JUNI, 20 UHR ALHAMBRA Gut, rein rechnerisch ist das Kollisionspotenzial des Fußballspiels mit einem Termin um 20 Uhr begrenzt. Es müssten schon viele Flitzer unterwegs sein, um die Spielzeit auf 120 Minuten auszudehnen. Aber: ein richtiger Punkabend braucht auch eine Einstimmung und da stünde das Ungarn-Spiel eindeutig im Weg. Wem die Kammermusik beim Gut Hoorn zu kopflastig ist und wer Sounds für Herz und Magengrube sucht, ist beim Konzert von Besuch im Klärwerk genau richtig. Und fünfzig Punks im Alhambra machen genauso viel Stimmung wie 50.000 in der Arena. Wetten? NUR ABENDKASSE STAATSTHEATER DA DRAUßEN MITTWOCH, 19. JUNI 20.30 UHR EXHALLE Das wirklich allerletzte Stück, das in diesem Jahr im Kontext der Jugendtheatertage zu sehen ist, heißt „Da draußen“. Und damit ist nicht etwa das Spielfeld in Stuttgart gemein. Vielmehr geht es um Eindrücke und Gefühle, um Gedanken und Reflexionen, um Kontrolle und deren Verlust. Das kommt euch bekannt vor? Natürlich, wir waren alle mal jung. Und was uns damals bewegt hat, interessiert oft auch später noch; vor allem dann, wenn es von jungen Akteur:innen so nahbar inszeniert und dargestellt wird. Seht euch das an und holt euch ein Stück Jugend zurück in die Gegenwart. KRIEGSMUSIK ENSEMBLE NEW BABYLON & RADIALQUARTETT SONNTAG, 23. JUNI, 18 UHR CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT Ja, richtig: Das Konzert wird vorbei sein, wenn der Ball rollt. Aber geben wir es ruhig zu: Wir schaffen den Weg zur Uni nur, wenn wir uns nicht vorher voll und ganz auf Fußball eingestellt haben. Insofern kann man den Auftritt des Bremer Ensembles durchaus als Alternative verstehen. Aber steht da oben wirklich Kriegsmusik? Ja, richtig gelesen. Gemeint sind damit aber nicht die Schmähgesänge der Ultras, sondern Stücke, die von Kriegen inspiriert wurden. Es verspricht ein nachdenklicher Abend zu werden... FREIER EINTRITT MEHR LIVE AXEL PRAHL UND DAS INSELORCHESTER SONNTAG, 23. JUNI, 18 UHR KULTURETAGE Axel Prahl? Kennt jeder. Die Älteren als Münsteraner Tatort-Kommmissar Thiel, die Jüngeren als Stimme von Käpt'n Sharky, dem Schrecken der Meere. Etwas weniger Menschen wissen, dass er auch Musik macht - und das sogar recht erfolgreich. Aber ähnlich wie den genannten Charakteren geht es ihm nicht darum, seine Kunst zu perfektionieren und/oder die Grenzen des Machbaren auszuloten, sondern stimmungsvolle Musik mit Herz und Haltung zu machen. Als Fußballer wäre er vermutlich eher Antonio Rüdiger als Toni Kroos. Die Kulturetage verspricht übrigens, dass das Konzert rechtzeitig vor Spielbeginn beendet ist. Schade eigentlich. THEATERKOMÖDIE noBODIES SONNTAG, 23. JUNI, 20 UHR THEATER UNIKUM Die Truppe des Oldenburger Uni-Theaters ist wirklich abgezockt. Furchtlos gehen sie direkt in die Todeszone des Veranstaltungskalenders und führen ihr aktuelles Stück noBODIES zeitgleich zum letzten Gruppenspiel auf. Für alle Fußballfans ein Dilemma, schließlich sollte man die absurde Szenencollage rund um das menschliche Sein keinesfalls verpassen. Für alle anderen aber eine ganz starke Entscheidung, denn im Unikum gibt es nun eine richtig gute Alternative zum Alpenderby der EM. GRAFFITI OPEN AIR GALERIE „BRÜCKENKUNST“ DURCHGEHEND GEÖFFNET NIEDERSACHSENDAMM / WESTFALENDAMM Anfang Juni fand zum dritten Mal die Brückenkunst statt. Ihren Namen darf man wörtlich nehmen, denn dabei wurden Graffiti an die Pfeiler und Stützen von Autobahnbrücken gesprüht. Atmosphärisch wirkt das nicht viel anders als die Katakomben eines Fußballstadions. Doch im Gegensatz zu dort darf man hier überall hin - und entdeckt dabei coole Street Art. Die Nagelsmänner schauen in der Frankfurter Arena dagegen nur auf nackten Beton. Punktgwinn für Oldenburg - und für euch, wenn ihr euch für den Spaziergang unter der Autobahn entscheidet. Deutschland ist ja eh schon weiter! Oder? FREIER EINTRITT

  • DAS SINFONISCHE BLASORCHESTER OLDENBURG

    Du spielst ein Blasinstrument und suchst hier in Oldenburg nach einer Möglichkeit, gemeinsam mit vielen Weiteren in einem Orchester zu spielen? Dann könnte das Sinfonische Blasorchester Oldenburg genau das richtige für dich sein! Wie ihr genau Teil des Orchesters werden könnt, was euch erwartet und zu welchem Konzert ihr dieses Wochenende unbedingt gehen solltet, erfahrt ihr hier von Janna-Katharina Nyul - bei diesem Vorstellungsgespräch! EURE KONTAKTMÖGLICHKEITEN: INFO@SBOOL.DE  / MAIL @SBO.OL  / INSTAGRAM Hi Janna-Katharina, was muss ich mir eigentlich unter dem Sinfonischen Blasorchester Oldenburg vorstellen, was ist das und was macht ihr da eigentlich? Also, das Sinfonische Blasorchester wurde 1990 als Verein auf Initiative von Herrn Horst Milde gegründet, der Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg und auch Präsident des Landtages war. Mit dem Orchester wollte er eine Lücke schließen, da zwar das Orchester des Staatstheaters, das Schlossorchester und auch Schulorchester existierten, aber keine Möglichkeit für Laien- bzw. Hobbymusikerinnen und Musiker gemeinsam zu musizieren. Das macht uns zu einer bunt gemischten Gruppe. Unser Dirigent und seine Frau sind schon seit über 30 Jahren dabei, die jüngsten Mitglieder sind noch im Schulalter und das geht dann wirklich bis über 80 Jahre. Denn manche fangen in der Rente erst wieder an zu spielen, weil sie dann die Zeit dafür finden und Lust haben ihr Instrument wieder auszupacken. Durch unser Vororchester haben sie dann die Möglichkeit ganz sanft wieder einzusteigen. Ein Vororchester? Ja, genau. Das wurde dann irgendwann von unserem jetzigen Dirigenten gegründet. Das ist ebenfalls ein eigenständiges Orchester, das aber auf einem etwas niedrigeren Niveau spielt, bei dem alle erstmal willkommen sind. Man muss zwar schon grundsätzlich ein Instrument weitestgehend beherrschen, da wir leider keinen Unterricht geben können, aber uns ist total wichtig, dass man erstmal ganz unverbindlich an einer Probe teilnehmen kann und so eine niedrigere Barriere hat wieder ins Musizieren einzusteigen. Im Hauptorchester haben wir dann ein bisschen anspruchsvollere Musik, die wir spielen, aber ebenfalls ein ganz bunt gemischtes Programm. Eigentlich sind immer alle Instrumentengruppen vertreten, die der Markt der Blasmusik so hergibt. Wie und wann hätten Interessierte dann die Gelegenheit mal bei euch reinzuschnuppern? Schreibt uns gerne eine Nachricht über den Kanal eurer Wahl und wir melden uns dann bei euch und laden euch zu uns ein. Immer Dienstags, ab 18:30 proben zuerst das Vororchester und im Anschluss dann das Hauptorchester. Wenn wir dann sehen, dass jemand Neues dazustößt, wird die Person direkt mit in die Gruppe genommen, bekommt Noten und wird allen vorgestellt. Ich würde sagen, dass wir echt ein herzlicher Verein sind. Nach der Probe gibt es noch einen Stammtisch beim Griechen, dem man sich gerne anschließen kann, da gibt es dann einen Ouzo und ein Bier und man kann sich unterhalten, kennenlernen, auch mal Kritik äußern. Da findet immer ein reger Austausch statt! Darüber hinaus gibt es noch zu bestimmten Zeiten Probenwochenenden, beispielsweise vor großen Konzerten oder Spieleabende und natürlich die Treffen der einzelnen Register, also der jeweiligen Gruppe eines Instruments, die wir möglichst regelmäßig planen und bei denen wir uns versuchen weiterzuentwickeln. Da entstehen echte Freundschaften, bei denen auch manchmal über das Orchester hinaus Musik entsteht. Wie war denn dein persönlicher Weg zum Sinfonischen Blasorchester? Ich hab in meiner Jugend in einem kleinen Verein mit Klarinette begonnen und wurde da auch ausgebildet, aber habe dann von ganz, ganz vielen gehört, die ins Studium gingen und aufgehört haben zu spielen, weil: Keine Zeit. Das war für mich aber eigentlich schon immer kein keine Option, also war das dann auch eine der ersten Sachen, die ich mir hier in Oldenburg dann gesucht habe, als ich hergezogen bin. Durch Zufall bin ich dann auf das Sinfonische Blasorchester gestoßen und da hat man mich direkt mit offenen Armen empfangen, habe gleich mitmachen können und bin da geblieben. Das war vor zehn Jahren. Es ist einfach eine tolle Gemeinschaft. Man trifft sich jede Woche, hat also immer einen Grund auszugehen, man hat immer etwas, woran man arbeiten kann, immer irgendwie ein Ziel vor Augen, sei es das nächste Konzert oder einfach nur den Anspruch an sich selbst, ein bestimmtes Stück hinzukriegen. Man hat immer irgendwas, das einen motiviert an sich selbst zu arbeiten und sich zu verbessern. Und das finde ich irgendwie sehr schön. Kann man euch denn in nächster Zeit auch als Außenstehender Live mal erleben und einen Eindruck von euch bekommen? Ja, absolut! Wir spielen beispielsweise am Sonntag, den 16. Juni ein Picknick Konzert hier im Schlossgarten Oldenburg. Wer dort einen Spaziergang macht, wird uns ab 14 Uhr hören und nicht an uns vorbeikommen. Wir hoffen, dass sich alle bei schönem Wetter einen Snack und ein Getränk mitbringen und die Musik genießen können. Wir spielen da ein ganz buntes Programm aus Repertoirestücken, die wir regelmäßig pflegen, die nicht anstrengend sind, sondern auch direkt ins Ohr gehen und viele kennen werden - beispielsweise Popmusik oder Filmmusiken. Manche kommen dann auch nach den Konzerten auf uns zu und möchten mehr darüber erfahren, was wir machen und wie man sich beteiligen kann. Zum Abschluss noch die Frage: Gibt es auch noch andere Wege euch zu unterstützen und sucht ihr bestimmte Instrumente besonders händeringend? Klar, man kann natürlich auch einfach "nur" Fördermitglied des Vereins werden, das geht auch! Diese Gelder helfen uns dann dabei, unsere Konzerte zu realisieren oder auch um beispielsweise Noten kaufen, Instrumentenversicherungen abschließen und natürlich Instrumente selbst kaufen zu können. Als Fördermitglied hat man dann auch den Vorteil, dass man alle unsere Konzerte, auch wenn sie Eintritt kosten, kostenfrei besuchen kann. Und auch wenn wir natürlich immer für alle Instrumentengruppen offen sind, suchen wir tatsächlich aktuell noch einige bestimmte, über die wir uns im Orchester riesig freuen würden, wie die Oboe, das Fagott, Tuba, Bassklarinette, Horn oder Percussions . Also, wer das liest & Lust hat - direkt melden! Danke dir für deine Zeit & das Gespräch! ​Ihr habt auch eine Idee , ein eigenes Projekt und seid auf der Suche nach  Mitstreiterinnen und Mitstreitern?  Dann meldet euch doch bei uns! Alle Infos zum "Vorstellungsgespräch" und wie ihr uns erreicht, findet ihr HIER .

  • ACOUSTIC SESSION: LETTERBOX SALVATION

    Das Beste aus zwei Welten: Letterbox Salvation sind schon so lange Teil der Oldenburger Szene, dass man sie sich ohne Daniel und Alex kaum noch vorstellen kann. Altmodisch klingen sie deswegen aber längst nicht. Ganz im Gegenteil, Letterbox Salvation haben sich stetig verändert und entwickelt. Heute produzieren sie den gleichzeitig reifsten und frischesten Sound ihrer Karriere - wie sie auch bei den Kulturschnack Acoustic Sessions unter Beweis stellten. Alles begann um die Jahrtausendwende im mittleren Westen der USA. Aus der dortigen Emo-Szene heraus entstand eine neue Singer-/Songwriter-Bewegung um Jonah Matranga von Far und Chris Carabba von Further Seems Forever, die als onelinedrawing bzw. Dashboard .Confessional vielbeachtete akustische Soloalben veröffentlichten. Diese fanden auch in Oldenburg ihre Hörer:innen - unter ihnen der junge Gitarrist Daniel Bremer . Für ihn waren Releases wie „The Swiss Army Romance“ eine Initialzündung: „Sie haben mich inspiriert, selbst Songs zu schreiben“, erzählt er von seinen Anfängen. Folgerichtig gründete er etwas später The Letterbox Project - gewissermaßen ein Vorläufer seiner heutigen Band. Der Name änderte sich jedoch, als der erste Release anstand und aus dem Projekt eine Dauerlösung werden sollte. „Wir haben lange nach dem richtigen Namen gesucht, nach einer 'Lösung' oder 'Erlösung' - und kamen so auf Salvation“, schildert Daniel den Prozess. Die „Letterbox“ aber blieb - und nimmt bis heute Bezug auf Songs wie „Yr Letter“ und „ Living in your letters “ der oben genannten Künstler. Nordwesten statt Midwest Wer jetzt vermutet, im Sound von Letterbox Salvation könne man noch Spuren des typischen Midwest-Emo-Sounds entdecken, liegt damit nicht vollkommen falsch - solange man nur die frühen Veröffentlichungen betrachtet. Die ersten beiden EPs und auch das 2010er Album „ If the heart could think “ waren beinahe konfrontativ emotional, dabei aber deutlich weniger fragil als die großen Vorbilder. Das dürfte auch an Daniels markanter Stimme gelegen haben, die eben nicht für ein zartes Falsett geeignet ist und stattdessen kehliger und rauer klingt. Den Songs stand diese Akzentuierung aber gut - und so erspielte sich Letterbox Salvation mit ihren Auftritten in Oldenburg und umzu schnell eine größere Fanschar. Die Jutebeutel mit dem ikonischen Cover-Design waren jedenfalls allgegenwärtig. FAVOURITE SHIRT TOUR LETTERBOX SALVATION LIVE Leider ist die kleine Tour zum Release der neuen Single „Favourite Shirt“ zu diesem Zeitpunkt schon größtenteils gelaufen, ihr könnt aber einen Termin noch wahrnehmen. Also: Ab nach Emden! 18. APRIL - BREMEN, Litfass 20. APRIL - OL, Computer-Museum 21. APRIL - HAMBURG, Indra Musikclub 26. APRIL - JEVER, LOK Kulturzentrum 4. MAI - OL, House Show 14. MAI - EMDEN, Cafe Einstein Während man Daniel zu jener Zeit häufig noch allein mit seiner Gitarre antraf - mehr brauchte es meist nicht für ein intensives Konzerterlebnis - wuchs in ihm der Wunsch, vielseitiger zu werden. „Ich hatte einfach Lust, neue Sachen auszuprobieren“, blickt er heute zurück. Zu hören war das bereits auf dem zweiten Album „ White Horse Wave “, denn zur Akustikgitarre gesellte sich das Schlagzeug von Alex Schlüter , was den Songs deutlich mehr Dynamik verlieh, aber dennoch erst der Anfang vieler weiterer Entwicklungen sein sollte. Meilensteine: Die drei Alben und die letzte EP sind allesamt noch auf CD, Tape oder Vinyl im Shop erhältlich. Auf den gängigen Streaming-Plattformen sucht man die älteren Klassiker aber leider vergeblich. Keine Lust auf Genre-Grenzen Auf dem dritten Album „ Sink or Survive “ aus dem Jahr 2018 konnte man schon ein deutlich breiteres Spektrum an Einflüssen heraushören. Das liegt nicht zuletzt am Kreationsprozess: „Die Songs enstehen fast immer auf der Akustikgitarre“, gewährt Daniel einen Einblick ins Songwriting. Um den besten Vibe und das beste Sound-Gewand für die Songs zu finden, probieren er und Alex verschiedene Dinge aus. „Der Sound, der dann am besten passt oder auf den wir am meisten Bock haben, wird’s dann.“ Deshalb kämen viele verschiedene Facetten und Genres in den Songs und Alben von Letterbox Salvation vor. „Wir machen halt gerne das, worauf wir gerade Lust haben und finden es auch gut, eben nicht „genre-typisch“ eingeordnet werden zu können.“ Technik und Effekte spielen dabei eine wichtige Rolle. Durch sie könne man viel mehr Dynamik erzeugen und größere Sound-Erlebnisse komponieren und zeigen. Trotzdem schätzen Daniel und Alex auch weiterhin die reduzierte Form ihres Sounds: „Bei rein akustischen Sachen ist wahrscheinlich das Schönste die Intimität. Man kann eine faszinierende Nähe zu den Songs aufbauen und vermitteln.“ Das Beste kommt noch Für die Kulturschnack Acoustic Sessions haben die beiden mit „Fingers Crossed“ einen Song ausgewählt, der symbolisch für die Gratwanderung zwischen den akustischen Anfängen und den soundtechnischen Möglichkeiten den Gegenwart steht. „Fingers Crossed ist mittlerweile einer unserer Lieblings-Songs“, erklärt Alex. „Wir spielen ihn immer wieder gerne, da wir auch ein bisschen Stolz auf diese Nummer sind.“ Nicht zu Unrecht, schließlich kreiert er eine spezielle Atmosphäre, die jenseits aller Genregrenzen und Zeitkontexten eine ganz eigene Qualität besitzt. Dass bei Ihrer Acoustic Sessions-Performance durchaus etwas Technik zum Einsatz kam, war übrigens eine ganz bewusste Entscheidung, wie Daniel erklärt: „Es stellt sich immer die Frage, was ein Song gut vertragen, was er aber auch sein kann. Fingers Crossed lebt einfach von seinem 80er New Wave-/Indie Vibe, daher fiel uns die Entscheidung relativ leicht.“ Der Song stammt übrigens von der letzten EP „ The Best is yet to come “ aus dem Jahre 2021 - und dieses Versprechen lösen Letterbox Salvation aktuell mit ihrer neuen Single „Favourite Shirt“ auch ein: der treibende Uptempo-Rocksong hätte auch von den ganz großen des Genres - von Sam Fender bis Bruce Springsteen - stammen können. Zwischen Leidenschaft und Poesie Wer ihn bei Spotify sucht, dürfte aber enttäuscht werden: Da ist er nicht zu finden - und zwar mit voller Absicht. „Es ist ein klares Statement, da wir die neuen Vergütungsänderungen von Spotify gegenüber Musikschaffenden unfassbar schlimm finden“, lässt Daniel seinen Frust heraus. Die Auszahlungs-Modelle der meisten Streaming- Anbieter seien ohnehin schon unfair gegenüber den Musiker:innen. „Dann noch einen drauf zu setzen und willkürliche Schwellenwerte einzuführen, welche ein Song erreichen muss, um überhaubt Ausschüttungen abzuwerfen, geht gar nicht klar.“ Nicht verderben lassen sich die beiden dadurch aber die Freude an der Musik. „Für uns ist sie Kunst, Emotion, Kultur, Leidenschaft, Philosophie und Poesie“, fasst Alex das Gefühl in Worte und Daniel ergänzt: „Musik ist so vieles und kann so vieles sein. Sie ist einfach nicht mehr weg zu denken.“ Man wird also sicher noch mehr von den beiden hören. Und wer weiß? Vielleicht gehen sie den Weg, den das große Vorbild Chris Carabba mit Dashboard Confessional einst ging - und der führte geradewegs in die Stadien dieser Welt. Keep your fingers crossed!

  • INTERVIEW: ANNE APPLEBAUM

    Die Historikerin, Journalistin und Publizistin Anne Applebaum ist diesjährige Preisträgerin des Carl-von-Ossietzky-Preises für Zeitgeschichte und Politik. Wir hatten das Glück und die Gelegenheit abseits der eigentlichen Veranstaltung mit Applebaum über ihre Arbeit, ihre Motivation und Ihre persönlichen Ansichten zu den Entwicklungen auf unserer Welt zu sprechen. Welche das sind, das lest ihr hier im Interview! Frau Applebaum, Sie haben ursprünglich Geschichte und Literatur sowie Internationale Beziehungen studiert, kurz darauf begannen Sie bereits als Korrespondentin beim Economist. War Ihnen immer klar, dass Sie journalistisch arbeiten möchten oder gab es eine Entwicklung und wie war diese? Ich wusste immer, dass ich Schriftstellerin werden wollte und ich interessierte mich für verschiedene Arten des Schreibens, aber ich begann mit dem Journalismus, als ich an der Universität war. Ursprünglich hatte ich die Idee, dass ich mir mit dem Journalismus, dem Verkauf von Artikeln das Reisen durch Europa finanzieren könnte, was ich zu der Zeit auch versuchte. Ich wusste nicht, ob es das Einzige bleiben würde, was ich tun werde, aber ich hatte das große Glück bereits sehr jung, mit 20 Jahren, 1989 als Stringer für The Economist in Warschau zu arbeiten. Das war das Jahr, in dem es diese enormen Veränderungen gab und ich hatte die Möglichkeit über diese zu berichten und sie zu beschreiben. Das war wie eine Droge, es machte einen süchtig nach Themen rund um den politischen Wandel und auch nach der Welt des Journalismus selbst. Sie beschäftigen sich nun seit vielen Jahren schon intensiv mit der Erforschung autoritärer Regime oder auch der Geschichte des Kommunismus. Was genau hat Sie dazu bewegt, wie kam es, dass Sie sich diesen Themen so intensiv widmen wollten – was ist ihr Antrieb? Meine erste wirkliche Begegnung mit dem Kommunismus war 1985, als Studentin in Leningrad. Damals existierte die Sowjetunion noch und wenn man damals aus den Vereinigten Staaten in die Sowjetunion kam, war es, als würde man sich wie bei Alice im Wunderland hinter den Spiegel begeben. Es war eine ganz andere Gesellschaft mit ganz anderen Regeln. Ich verbrachte ein paar Monate dort und versuchte zu verstehen, wie sie funktioniert. Ein paar Jahre später sah ich dann in Warschau wie die Menschen versuchten, diese zu beenden. Und ich glaube, das hat mich auf die Suche nach der Frage gebracht, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wie ist sie entstanden? Wie ist es dazu gekommen? In meinen drei Geschichtsbüchern geht es darum, was Menschen dazu bewegt, totalitäre Systeme zu schaffen, warum Menschen mit ihnen kollaborieren und warum sie zu so viel Massengewalt fähig sind. Und, wissen Sie, ich weiß noch immer nicht, ob ich es wirklich verstehe. Es ist ein lebenslanger Prozess, das alles zu verstehen und zu begreifen. Wären Sie so lieb und würden für unsere Leserinnen und Leser einmal versuchen zu umreißen, welche Faktoren Ihrer Ansicht nach vorwiegend dafür verantwortlich sind, dass wir länderübergreifend aufkeimende und stärker werdende autoritäre Bewegungen erleben? Es hat immer autoritäre Bewegungen gegeben und die meisten Gesellschaften in unserer Geschichte waren autoritär. Demokratien sind hier die Ausnahmen und nur sehr, sehr wenige haben lange überlebt. Die wahrscheinlich wichtigere Frage ist also: Warum haben unsere Demokratien so lange überlebt wie die, die in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden? Warum haben die Vereinigten Staaten so lange überlebt, wie sie überlebt haben? Denn wann immer es ein Gefühl der Veränderung, des Chaos oder der Unsicherheit gibt, suchen die Menschen fast immer automatisch nach einer einzelnen Führungsfigur oder einem einfacheren System. Und natürlich leben wir gerade in einer Zeit großer, enormer Veränderungen. Wirtschaftlicher, demografischer und sozialer Wandel, die Veränderungen in der Art der Informationen und wie wir diese beziehen, wie wir sie verstehen - all diese Dinge haben sich in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren verändert. Und viele Menschen wollen, dass dieses Gefühl der Geschwindigkeit aufhört. Es ist ihnen zu viel Lärm, zu viel Kakophonie. Sie wollen etwas Einfacheres. Das ist ein menschlicher Instinkt, der schon seit langer Zeit existiert. Hinzu kommt, dass wir mit Russland eine autoritäre Macht haben, die autoritäre politische Parteien in Europa, in Deutschland, Frankreich und anderswo fördert. Russland ist sehr daran interessiert, unsere Demokratien zu untergraben. Sie sind nicht der Hauptfaktor, aber in vielen Fällen gießen sie Öl ins Feuer. Ich komme gerade aus Polen, wo in den letzten Wochen mehrere Personen verhaftet wurden, die an Sabotageversuchen beteiligt waren, am Niederbrennen von Lagerhäusern, die im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine stehen und Chaos stiften sollen. Und ich weiß, dass es auch hier eine Version davon gibt. Ich würde also sagen, dass diese Dinge in ihrer Gesamtheit den Anstieg autokratischen Denkens sowie autokratischer Parteien, die an Macht gewinnen, verursachen. Diese Themen, denen Sie sich widmen, sehr bedrückende, extrem ernste Inhalte, es geht um Gefahren für unsere Gesellschaft, um Krieg, um Hunger. Ist es dabei nicht manchmal eine Herausforderung eben nicht irgendwann in eine negative Gedankenspirale zu geraten, sondern immer weiter konstruktiv und analytisch über diese Thematiken nachzudenken? Ich versuche, positiv zu bleiben und bin tatsächlich sogar der festen Überzeugung, dass Pessimismus unverantwortlich ist. Wissen Sie, wir sind verpflichtet optimistisch zu sein, denn Pessimismus ist Aufgeben und deshalb werde ich, wenn man mich fragt, über Lösungen sprechen. Ich spreche darüber, was wir anders machen könnten. Seien es oppositionelle Bewegungen aus Russland, Venezuela, dem Iran, oder Menschen, die über Veränderungen in den Vereinigten Staaten nachdenken, ich versuche immer, viel Zeit mit denjenigen zu verbringen, die konstruktive Dinge tun und ich denke, das sind die Menschen, die die Zukunft gestalten werden. Begreifen Sie sich und ihre Arbeit selbst also auch ganz bewusst als etwas, mit dem sie etwas bewegen möchten, mit dem Sie klar Position beziehen oder steht für Sie in erster Linie immer die analytisch-journalistische Betrachtung im Vordergrund Ihres Handelns? Oh, ich möchte, dass die Leute wütend sind. [lacht] Ich würde es gerne schaffen, die Menschen aufmerksam zu machen. Die ursprüngliche Idee hinter meinen Geschichtsbüchern war eher, zu erforschen, was passiert ist. Doch jetzt wo sich einige Dinge wiederholen, die ich bereits beschrieben habe, mache ich wieder viel mehr Journalismus und schreibe über die Gegenwart, weil ich möchte, dass die Menschen verstehen, was passiert, damit sie es dann lösen können. Ich interessiere mich sehr dafür, wie man Menschen davon überzeugen kann, zu handeln und wie man sie dazu bringt, aufzupassen. Dieses Jahr steht die Präsidentschaftswahl in Amerika an, die Parlamentswahl für Europa und auch in einigen europäischen Staaten stehen Wahlgänge bevor. Wie blicken Sie aktuell auf diese Wahlen und die zugehörigen Wahlkämpfe? Sehen Sie, unsere Wahlkämpfe, sogar die Art der Politik insgesamt sind ziemlich dramatisch durch die sozialen Medien, das Internet sowie den Niedergang der Fernsehnachrichten, ganz zu schweigen von den Zeitungen, verändert worden. Und so basieren all diese Kampagnen viel mehr auf Emotionen, Spaltung und Wut, als sie es früher taten. Das sind andere Wahlen als die, an die sich die meisten von uns erinnern. Vor zehn, fünfzehn Jahren ging es in den Debatten um Schulen, Krankenhäuser und Straßen. Jetzt geht es oft um Identität und die existenziellen Fragen darüber, was für eine Art von Nation man sein möchte. Doch diese Fragen sind sehr schwer auf zivilisierte und neutrale Weise zu lösen. Deshalb sind diese Wahlkämpfe alle viel wütender als früher und ich persönlich denke, dass dies auch durch die Art der Medien und die Art wie wir heute miteinander kommunizieren geprägt ist, was wiederum stark von Technologie selbst geformt wird. Aber wissen Sie, auch die Europawahlen sind anders als die Europawahlen von vor zehn Jahren. Die Themen und die beteiligten Personen sind andere. Desinformationen, gerade über Social Media Kanäle sowie Themen wir Künstliche Intelligenz und Deepfakes spielen bei diesen Wahlkämpfen eine immer größere Rolle. Wie können wir in Zukunft sicherstellen, dass die Menschen noch Zugang zu verlässlichen Nachrichtenquellen haben – was halten Sie hier für wichtig bei diesen Entwicklungen und wie können wir diesen destabilisierenden Faktoren etwas entgegnen? Wir müssen die sozialen Medien regulieren und damit meine ich nicht zensieren, sondern die Algorithmen regulieren. Wir müssen die Verwendung von Deepfakes verbieten. Niemand sollte in der Lage sein, eine Fälschung von irgendjemandem zu machen. Wir befinden uns bereits in einem Stadium, in dem ich mich als Sie oder Sie sich als mich ausgeben könnten, wir könnten in einem Video oder in den sozialen Medien von jemandem auftauchen, obwohl wir es nicht sind. Ich denke, es ist ziemlich klar, dass das illegal sein muss. Doch ich glaube, unser politisches System ist nicht schnell genug um das zu stoppen. Wenn ich im normalen Leben dieses Gebäude verlassen, mich als jemand anderes ausgeben würde, hätte ich dessen Identität gestohlen - das ist illegal. Also warum sollte man so etwas dann online tun dürfen? Wir müssen schnell handeln, um das zu ändern und nochmal, ich spreche dabei nicht von Zensur. Ich spreche von Transparenz, damit Menschen sich darauf verlassen können, mit wem sie sprechen und Klarnamen verwendet werden, so dass man mit einer echten Person spricht, wenn man eine Unterhaltung führt. Ich denke, das muss alles sehr schnell passieren und vielleicht ist es für dieses Jahr bereits zu spät. Ist das auch für den Berufsstand der Journalistin, des Journalisten und für die Nachrichtenhäuser im Allgemeinen eine zunehmende Herausforderung in der konkreten Arbeit, noch herausfinden zu können, welche Informationen für eine Recherche verlässlich sind? Also um nicht selbst am Ende Falschinformationen aufzugreifen und darüber Teil des Problems zu werden? Gibt es da Mechanismen und Entwicklungen auch innerhalb der Branche für Ihre tägliche Arbeit? Die Leute müssen lernen, wie man echte Quellen erkennt. Man muss direkt an die Orte gehen und mit echten Menschen sprechen. Der beste Journalismus basiert heute immer noch auf Vor-Ort-Berichterstattung. Ich bin nicht immer in der Lage, das selbst zu tun, aber die Personen, die tatsächlich in die Ukraine oder nach Gaza gehen, die Leute treffen und dann beschreiben, was sie gesehen und gehört haben, schaffen Informationen, die nicht im Internet zu finden sind. Man muss offline sein, um wirklich etwas herausfinden zu können, um Dinge wirklich zu verstehen. Denn online lässt man sich am leichtesten täuschen. Carl von Ossietzky war selbst Journalist: Welche Rolle würden Sie dem Berufsstand und aber auch den Medien im Allgemeinen zuschreiben, in ihrer Rolle und Bedeutung zur Sicherung demokratischer Werte und Strukturen? Das, wofür Carl von Ossietzky am berühmtesten ist, sind seine Enthüllungen über die Wiederaufrüstung Deutschlands. Zu seiner Zeit war das eine Form der Transparenz, zu fragen: "Was passiert hier wirklich? Was geht hier eigentlich vor sich, hinter dem Schein des Versailler Vertrags, hinter dem Schein des Friedens?" Und ich denke, dass Journalisten immer eine Rolle spielen werden, die in der Lage dazu sind das politische System und die Kräfte, die über unser Leben bestimmen, offenzulegen. Ich denke nicht, dass Journalisten unbedingt parteiisch sein müssen, auch wenn manche es sind, aber ich halte es für sehr wichtig, dass sie verstehen, dass sie in unserer Gesellschaft immer die demokratischen und liberalen Ideen verteidigen sollten. Ihre Aufgabe ist es, die Geschehnisse zu beleuchten und die Wahrheit zu sagen, soweit Sie sie sehen können. Und das auf der Grundlage, dass Sie dies mit dem Ziel tun, eine gebildete Öffentlichkeit zu informieren, damit diese gute Entscheidungen treffen kann. Wie könnte man ein solches System für Journalistinnen und Journalisten, für Medien schaffen, in dem diese von Ihnen beschriebene Rolle erhalten bleiben kann? Haben Sie Beispiele und Modelle, die Sie nennen würden, die unabhängigen Journalismus möglich machen und vor Angriffen bewahren, denen er sich, wie beispielsweise in Polen durch die PiS Regierung, immer wieder ausgesetzt sieht? Nun, die Regierung [in Polen, Anm. der Red.] war in der Lage, die staatlichen Medien umzugestalten und sie in eine wirklich sehr bösartige und extremistische Form des Rundfunks zu verwandeln. Und das Gegenmittel dazu sind natürlich gute, unabhängige Medien, die alles dafür tun, unabhängig zu bleiben. Das tun zu können, ist jedoch viel schwieriger geworden, weil das alte Geschäftsmodell, das die Medien am Laufen hielt, zusammengebrochen ist. Ich würde sogar sagen, es ist tot, auch wenn es in einigen wenigen Fällen noch funktioniert. Aber eine der großen Aufgaben für den Journalismus in den kommenden Jahren wird es sein, einen Weg zu finden, der sicherstellt, dass unabhängiger Journalismus funktioniert, ohne dass er von einer politischen Partei oder der Regierung kontrolliert wird. Das Magazin, für das ich arbeite, ich werde zwar nicht sagen, dass es total großartig ist, denn diese Dinge sind sehr fragil, aber es versucht ein Magazin zu sein, das die Ansichten von Leuten, so würde ich meinen, der linken Mitte bis zur rechten Mitte abdruckt. Es hat also nicht jeder die gleiche Meinung. Und da sein Geschäftsmodell Abonnements sind, versucht es so viel Wert zu schaffen, dass die Leser bereit sind ein Jahresabonnement abzuschließen, um es lesen zu können, damit es nicht auf Werbung zählen muss, die online sehr unzuverlässig geworden ist. Die Leute sind also auf der Suche und es gibt auch andere Modelle. In den Vereinigten Staaten ist es die Philanthropie, die manchen lokalen Journalismus ermöglicht. Aber ich denke, es ist wirklich wichtig, einen Weg zu finden, eine stabile, unabhängige Stimme zu erhalten. Das war übrigens auch in Polen sehr wichtig. In Polen gab es einen unabhängigen Fernsehsender, der wahrscheinlich deshalb unabhängig blieb, weil er in amerikanischem Besitz war. Die Eigentümer saßen außerhalb Polens und dann waren da auch noch einige Zeitungen, die ihre Unabhängigkeit bewahrten, vor allem durch die höhere Qualität und auch hier durch die Anwerbung von Abonnenten. Solche Wege zu finden und das zu erhalten ist wichtig. Wenn Sie jetzt sofort die theoretische Möglichkeit hätten, Maßnahmen zu ergreifen und diese umsetzen zu können, welche würden Sie wählen, um dem globalen Trend hin zu mehr Autoritarismus entgegenzuwirken? Ich denke, ich würde TikTok verbieten. Ich würde die sozialen Medien transparent machen, so dass jeder seine eigenen Daten besitzt und entscheidet, was sein eigener Algorithmus ist. Das ist bereits technisch möglich. Wissen Sie, diese Frage ist für mich schwer zu beantworten, weil es je nach Land leicht unterschiedliche Antworten gibt. Aber ich würde die Menschen mehr im Bereich des kritischen Denkens schulen und ich würde den Menschen mehr staatsbürgerliches Wissen vermitteln. Ich weiß nicht wie es in Deutschland funktioniert, aber in den Vereinigten Staaten gibt es nicht gerade viele Orte, an denen man lernt, wie das politische System funktionieren sollte. Das war auch in Polen so, die Leute widmeten dem keine Aufmerksamkeit. Ich würde viel mehr Geschichte unterrichten. Ich würde mehr Zeit damit verbringen, Geschichte, Politik und Staatsbürgerkunde zu unterrichten, damit die Menschen ihre Gesellschaft, in der sie leben, besser verstehen. Gibt es auch Entwicklungen auf der Welt, die Sie verfolgen, die Ihnen Hoffnung geben für die Zukunft oder Momente, die sie optimistisch auf die Zukunft blicken lassen? Falls ja, welche wären das und warum genau? Wir hatten in Polen eine großartige Wahl im Oktober. Und was sie so großartig gemacht hat war die riesige Beteiligung, dass mehr Menschen wählten als jemals zuvor! Vor allem viele jüngere Menschen und ich sehe viel in der Generation meiner Kinder, denjenigen, die jetzt in ihren 20ern sind. Ich sehe viel mehr staatsbürgerlichen Aktivismus, viel mehr Bewusstsein. Manchmal suchen sie sich ein Thema aus wie den Klimawandel oder etwas anderes. Aber ich sehe viel mehr Menschen, die sich engagieren und an der Welt teilhaben, als ich es bei uns in Erinnerung habe und das finde ich wirklich ermutigend. Ich glaube, dass die jüngeren Menschen eine wirklich wichtige Rolle bei der Gestaltung der politischen Debatte spielen werden. Das sind die Digital Natives, die diese Welt, mit dieser Art von Informationen verstehen und sie sind diejenigen, die in der Lage sein werden, sie zu verändern und besser zu machen. Wenn Sie sich auf eine reduzieren müssten: Was wäre die eine Botschaft, die Sie gerne als diesjährige Preisträgerin des Carl von Ossietzky Preises für Zeitgeschichte und Politik hier in Oldenburg und darüber hinaus hinterlassen wollen würden? Lesen Sie Geschichte! Vergewissern Sie sich, dass Sie die richtigen Lehren aus ihr ziehen. Bleiben Sie im öffentlichen Leben engagiert. Achten Sie auf das, was um Sie herum geschieht. Erinnern Sie sich daran, welches Glück Sie haben, in einer Demokratie zu leben und wie glücklich Sie sich schätzen können, dass Sie die Art und Weise beeinflussen können, wie Ihre Gesellschaft funktioniert. Die Möglichkeit zu haben die Gesetze beeinflussen zu können, die das Leben um Sie herum bestimmen und wählen zu können, wer Verantwortung trägt. Nutzen Sie dieses Glück und versuchen Sie, die Dinge zu verbessern. Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit!

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