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  • DER SOMMER IST DA!

    Die (mehr als) sommerlichen Temperaturen haben die Fläche rund um den Schlossplatz in den letzten Tagen auf jeden Fall schon gut eingeheizt, aber ab diesen Freitag übernimmt das der Kultursommer 2022! Wir freuen uns bereits drauf und möchten euch hier nochmal schmackhaft machen, warum der Besuch für euch eigentlich ein Muss sein sollte. Endlich! Das muss man wohl sagen, denn der Kultursommer kehrt in diesem Jahr dort hin zurück, wo er hingehört - auf den Schlossplatz! Und das ohne Einschränkungen und wie immer gilt für die allermeisten der Veranstaltungen: „umsonst & draußen“. Das macht das Ganze zu etwas besonderem, wenn man es ein klein wenig pathetisch formulieren möchte sogar zu etwas ziemlich demokratischen: Kultur für Alle! Denn wo gibt es das noch - besonders in der aktuellen Situation: ein vollgepacktes, hochkarätiges Veranstaltungsprogramm, breit gefächert durch alle Alters- und Interessengruppen, das jede und jeder, der gerne möchte, auch erleben kann. Auch ist der Kultursommer eine Möglichkeit völlig unverbindlich etwas ganz Neues für sich selbst zu entdecken. Dazu wird förmlich eingeladen, denn abseits der eigentlichen Veranstaltungen geht es auch immer um das beieinander sein, das Treffen mit Freundinnen und Freunden oder darum das Wetter in bester Atmosphäre zu genießen. „Wir hatten schon Konzerte, bei denen 60-jährige auf Ska-Punk total abgegangen sind und gemeinsam mit dem 19-jährigen Azubi eine Party gefeiert haben.", erinnert sich auch Bettina Stiller (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kulturetage) in unserer Podcast-Episode an vergangene Kultursommer. Aber schauen wir uns doch einmal kurz an, was die kommenden Tage, ab Freitag so zu bieten haben... Erst das Konzert, dann die Aftershow Auf der großen Konzertbühne mitten auf dem Schlossplatz geben sich internationale wie nationale Acts die Klinke in die Hand. Eröffnen wird mit Colosseum eine echte Legendenband aus Großbritannien, die schon in den 60ern mit Bands wie Led Zeppelin um den Prog-Rock-Thron spielte. Auch die diesjährigen Island-Begegnungen haben hier einen ersten großen Auftakt mit dem Konzert des Isländers Dadi Freyr, den viele durch seine Teilnahme am Eurovision Songcontest kennen werden. Aber auch die regionalen Künstlerinnen und Künstler kommen nicht zu kurz. Neben Local Heroes wie Skalinka, Lack of Limits oder den Catapults, veranstaltete man darüber hinaus auch einen Bandcontest in Zusammenarbeit mit dem AStA und dem Studentenwerk Oldenburg. So konnten sich mit Curly Fries, Psychic Primate und Vault Kid drei weitere Oldenburger Bands ihre Auftrittsmöglichkeit sichern. Wir haben euch hier mal eine Playlist mit den Hits der vertretenen Acts zusammengestellt, damit ihr euch schon mal gebührend einstimmen könnt: Wer nach den Wochenend-Konzerten freitags & samstags noch immer nicht genug und Lust auf mehr hat, für den ist ebenfalls gesorgt: denn in diesem Fall spaziert man nach den Konzerten auf dem Schlossplatz einfach ganz gemütlich rüber zur Lambertikirche und ist zack: bei der After Show in der „Lamberti-Lounge" Von N!CEn Workshops und Real Life Zapping Doch auch abseits der Konzerte auf dem Schlossplatz bietet der Kultursommer wieder kulturelle Angebote in Hülle und Fülle! Da wäre natürlich das allseits beliebte Open-Air-Kino, bei dem 8 Filme im Schlossinnenhof gezeigt werden - von Action-Blockbustern wie „Spiderman“ oder „James Bond“ bis hin zu Art-Kino wie „Monsieur Claude und sein großes Fest“. Aber auch für Liebhaber der Literatur gibt es einige Lesungen und die 16. Oldenburger Krimi-Nacht, die ebenfalls im Zeichen Islands steht! Mit „Stage Zapping: Natan“ gibt es in diesem Jahr ein komplett neues Theaterformat, bei dem sich die Handlung aufteilt und sich die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst entscheiden können, wie es weitergeht. Das nennt man dann wohl: digital goes analog. Wie in bester Fernseh- und Streaming-Manier muss man sowohl zwischen den Spielplätzen zappen und Cliffhanger zwingen einen förmlich dazu (im besten Sinne) weiter dran zu bleiben. Es gibt 4 Episoden, die an 2 verschiedenen Terminen und Locations spielen; dabei erwarten das Publikum insgesamt 8 mögliche Szenarien mit 2 völlig verschiedenen Enden. Zudem beteiligt sich auch „N!CE — access all areas“, das diesjährige Sommerprogramm des kreativ:LABORs auf dem Kulturplatz im Juni, aber auch während des Kultursommers vom 22. - 30. Juli. Im Rahmen der feministischen Plattform fem:POWER gestalten Künstler*innen, Übungsleiter*innen und Initiativen fünf Themenblöcke mit vielfältigen Workshops, Konzerten und Mitmachaktionen. Zum Beispiel findet die „Schnippeldisko“ am 24. Juli auf dem Kulturplatz statt, bei der während der Verkochens geretteter Lebensmittel zu entspannter Hintergrundmusik über das Thema „Engagement für Transformation – zwischen Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung“ gesporochen wird. Der Kultursommer: Für die Großen ... aber auch die Kleinen! Zu guter Letzt gibt es natürlich schon ab dem ersten Tag des Festivals auch ein entsprechendes, riesiges Kinder- und Familienprogramm für Groß und Klein auf dem Cäcilien- und Herbartplatz. Dazu gehören unter anderem das Theater Karussell oder das Aramelo Partnertrampolin, bei dem zwei Akrobaten das Trampolin als ein spielerisches Objekt und die unendlich vielen Möglichkeiten, dieses Gerät auf ihre ganz eigene Art entdecken. Aber auch auf dem Schlossplatz wird es ein tolles Kinderkonzert von den Blindfischen, Herr Jan und seiner Superbänd geben, sowie einen Fahrradparcours und ALL IN BMX Crew. FAZIT: Beim Kultursommer sollten eigentlich keinerlei Wünsche offen bleiben! Viele, weitere Infos rund um das gesamte Programm des Kultursommers ist unter www.kultursommer-oldenburg.de zu finden!

  • ZAHLTAG: IN EIGENER SACHE

    Nicht, dass wir mitgezählt hätten, aber unser Content Management System hat es getan. Und es verrät uns: Dieses ist der 100. Beitrag seit dem Relaunch des Kulturschnack im März diesen Jahres. Wir wissen nicht, was ihr bei dieser Zahl denkt, aber wir waren so: Wow! Woher kam das? Und wieso so schnell? Die Hundert hatte schon immer einen hohen symbolischen Wert. Ob Währung, Tempolimit oder Lebensalter - sie ist im Alltag allgegenwärtig. In der Politik dient sie auch als Messlatte. Nach hundert Tagen im Amt ist die erste Bilanz fällig, sowohl von den Befürworter:innen als auch von deren Gegner:innen. Das können wir gern ganz ähnlich halten, wobei wir inständig hoffen, dass die Zahl unserer Erzrival:innen sich im niedrigen einstelligen Bereich bewegt . Die hundert Tage haben wir zwar geflissentlich ignoriert, aber der hundertste Beitrag ist vielleicht ein guter Moment für uns, um zu sagen, was wir denken. Und noch wichtiger: ein guter Moment für euch, um zu sagen, was ihr denkt. Let's go! Rückenwind von (fast) überall Da wir gerade die Finger an der Tastatur haben, fangen wir an. Die alles entscheidende Frage lautet: Sind wir einigermaßen zufrieden mit unseren Output? Quantitativ und qualitativ? Und die vollkommen klare Antwort lautet: Ja - und Nein! Angesichts unserer Ressourcen, sind wir mit der Zahl der Beiträge total happy. Aber natürlich zählt in erster Linie der Content. Doch auch da sieht das Ergebnis nicht so schlecht aus. Unser langfristiges Ziel ist es ja, die Oldenburger Kultur so zu erzählen, dass noch mehr Menschen ein Interesse an ihr haben. Wir wollen denen, die sich bestens auskennen, neue Einblicke geben - und denen, die Kultur bisher links liegen ließen, Brücken bauen. Dieser Spagat klappt gut, aber noch nicht perfekt. Gleiches gilt für die Ausdefinierung unserer Formate, bei beidem ist noch Luft nach oben. Aber: wir sind dran, promise! DER SCHNACK BIS HIER 122 Tage 100 Beiträge 5 Stunden Lesezeit 9 +1 Podcasts 8 Stunden Spielzeit > 100 Insta Posts, Reels & Storys > 1.400 Follower Das Allerschönste war bisher aber das Feedback. Wir haben so unfassbar viele liebe Rückmeldungen bekommen, dass uns allein beim Gedanken daran schon wieder warm ums Herz wird. An dieser Stelle: ein dickes Dankeschön an alle, denen es wichtig war, uns zu sagen, wie sie uns finden. Das war bisher durchweg nice - egal ob es aus der Szene kam, aus der Politik, aus der Verwaltung oder vom Publikum. Fluch und Segen Das klingt nach einer passablen Bilanz, aber dennoch steht dort oben „Ja - und Nein“. Warum? Weil es eine Sache gibt, die uns richtig nervt: Egal wieviel wir schnacken und schreiben - es ist niemals genug! Die Oldenburger Kulturszene mag mancher Kosmopolit zwar als „klein aber fein“ einordnen. Sie ist aber trotzdem viel zu lebendig, dynamisch und spannend, als dass wir sie vollständig abbilden könnten. Es gibt und passiert so viel, das wir gern erzählen würden, aber nicht mehr in den Redaktionsplan quetschen können. Das gilt erst Recht, wenn man die Blickwinkel verändert, hinter die Kulissen blickt und sich darüber hinaus auch für die Menschen interessiert, die gemeinhin als „Kulturschaffende" bezeichnet werden. Aber: Wir bekommen neuen Schub! Bisher hatten wir nicht einmal ein eigenes Redaktionsbüro. Statt uns Ideen zuzurufen, mussten wir erstmal durch die halbe Stadt pilgern. Wenn wir voraussichtlich ab Oktober endlich einen Raum teilen, dürft ihr noch mehr von uns erwarten. Vermuten wir zumindest. Aber vielleicht machen wir dann den ganzen Tag nur Quatsch. Eins ist aber klar: Auch in Zukunft können wir nicht überall gleichzeitig sein. Glaubt uns, wir haben es probiert. Das heißt: es wird Momente geben, in denen wir die Erwartungen nicht erfüllen können. Das werten wir bis auf weiteres aber als Luxusproblem. Wenn es zu viele gute Geschichten über die Oldenburger Kulturszene gibt, dann ist das allemal besser als zu wenige. Über die könnten wir zwar dann sämtlichst berichten. Aber dieses Flirren und Rauschen, das aktuell unseren Veranstaltungskalender prägt, die freie Auswahl an der kulturellen Losbude, würde uns ziemlich fehlen. Und euch sicher auch. UNSER CREDO Wir sind, weil ihr seid. Danke dafür! Wohin geht die Reise? Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht. The Sky is the Limit. An Ideen für neue Formate mangelt es uns jedenfalls nicht. Ihr könnt euch schon vorfreuen auf XXXXX XXXX, den XXXX, die XXXX XX XXXXXXX, das XXXXX XXXX oder die XXXXXXX. In der Sommerpause werden wir unsere Redaktionsmuskeln flexen, unsere Tippfingerkondition trainieren - und dann geht's an die nächsten hundert Artikel. Eine Sache wird auf jeden Fall bleiben, wie sie gerade ist: Wir haben Bock! Und wir sind täglich aufs Neue geflasht von dem, was in Oldenburg passiert - und was definitiv verdient, von möglichst vielen Menschen gesehen zu werden. Daher bleibt unsere Mission: Wir setzen die Szene in Szene. Da gehört sie hin.

  • BUCHTIPP: JENNY ERPENBECK

    Ein Leben ohne Lesen? Für viele von uns völlig unvorstellbar! Ganz egal, ob ihr Blogs bevorzugt oder Belletristik: Ohne den passenden Lesestoff gingen uns viele spannende Gedanken, Informationen und Emotionen verloren. Gut also, dass so viele Autor:innen uns mit hervorragenden Beiträgen und Büchern beglücken. Und gut auch, dass es Expert:innen gibt, die uns dabei helfen, den Überblick zu bewahren. Hier stellen wir zusammen mit Monika Eden, Leiterin des Literaturhauses Oldenburg, in loser Reihenfolge Werke vor, die ihr lesen solltet. Worum geht's? Im Zentrum des Romans stehen einige Asylsuchende aus Afrika, die zunächst in Zelten auf dem Berliner Oranienplatz leben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Jenny Erpenbeck lässt sie Richard begegnen, einem erimitierten und verwitweten Professor der Klassischen Philologie. Ähnlich wie die zur Untätigkeit gezwungenen Flüchtlinge hat auch er plötzlich und unfreiwillig Zeit. Ihnen begegnet er zufällig. Das heißt, zunächst nimmt er sie, die doch sichtbar werden wollen, gar nicht wahr. Dann aber sucht er ganz gezielt den Kontakt zu ihnen und macht die Flüchtlinge zu seinem „Projekt“. DU HAST LUST, DEN NÄCHSTEN ROMAN-ERFOLG SELBST ZU SCHREIBEN? KEIN PROBLEM! DAS LITERATURHAUS OLDENBURG BIETET JETZT EINE SCHREIB-WERKSTATT MIT DER BEKANNTEN AUTORIN SABRINA JANESCH AN. LEST ALLES WICHTIGE DARÜBER HIER ODER HIER! Richard liest. Er informiert sich. Ganz Wissenschaftler und Forscher, entwickelt er einen Fragenkatalog, über den er mit ihnen ins Gespräch kommt. Und so erfährt er nach und nach ihre Lebens- und Fluchtgeschichten und es entstehen immer engere Kontakte. Er bringt sich als Deutschlehrer ein, er beschäftigt die jungen Geflüchteten privat. Er nutzt das Netzwerk seiner Freundinnen und Freunde, um für möglichst viele von ihnen Beschäftigungen und später sogar ein Quartier zu finden. Richard (und mit ihm wir als Leser:innen) lernt dabei nicht nur viel über die Flüchtlinge, über ihre Herkunftsländer, ihre Sprachen und Religionen. Noch viel mehr lernt er über sich selbst. Denn er macht die Erfahrung, dass vieles von dem, was in seinem Leben bisher als sicher galt, ins Wanken gerät. Was ist besonders? Der Roman von Jenny Erpenbeck überzeugt in vielfacher Hinsicht: Er ist literarisch so anspruchsvoll, wie wir es von dieser Schriftstellerin erwarten dürfen. Er ist politisch, denn er vermittelt detailliertes Wissen über das Asylrecht und den Verwaltungsstaat. Und er provoziert bei den Leser:innen eine Haltung. Er bedient zudem unseren Wunsch nach klassischer Bildung (z.B. in einem großartigen Kapitel über die Tuareg-Philosophie) und er ist ein im hohen Maße menschliches, ja moralisches Buch. Denn aus der anonymen Masse der Flüchtlinge, welche die Informationsmedien vermitteln, löst er Individuen heraus, die uns als Mitmenschen nahegebracht werden. Was sagt Expertin Monika? Wer ist die Autorin? Jenny Erpenbeck (Jahrgang 1967) studierte nach einer Buchbinderlehre in Berlin Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie, u.a. bei Peter Konwitschny, Ruth Berghaus, Werner Herzog und Heiner Müller. Seit 1991 arbeitete sie zunächst als Regieassistentin und inszenierte danach Aufführungen für Oper und Musiktheater in Berlin und Graz. Sie lebt als freie Autorin und Regisseurin in Berlin. Jenny Erpenbeck Gehen, ging, gegangen Roman Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm ISBN: 978-3-328-60249-1 Erschienen am 25. Oktober 2021 Leseprobe:

  • NACH PERLEN TAUCHEN

    Der Oldenburger Kunstverein drängt sich nicht auf. Beinahe wirkt es so, als verstecke sich sein Sitz am Damm hinter dem gelb-leuchtenden Augusteum. Doch das täuscht: Zwar ist der Verein schon 179 Jahre alt, seine Blickrichtung geht aber klar in die Zukunft. Er sucht und fördert junge Künstler:innen vor ihrem Durchbruch. Dabei traut er sich etwas, visuell und inhaltlich. Das zeigt auch die aktuelle Ausstellung „Notes On Radical Love“ von Lea von Wintzigerode. Sie ist nur noch bis zum 31. Juli zu sehen, also: Beeilung! Großstadt. Dieser Gedanke kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man das kleine Ausstellungshaus am Damm betreten hat. Denn obwohl es sich zwischen größeren Gebäuden duckt und von Außen eher klein wirkt, ist hier im Inneren alles anders. Die Architektur kreiert ein Raumgefühl, das man auch in großen Metropolen erwarten würde: großzügig, aufgeräumt, stylisch. Bemerkenswert für ein Gebäude, das selbst eigentlich so langsam museumsreif wird - und in etwa das Gegenteil dessen, was man erwarten würde, wenn man von außen nur die Dimensionen betrachtet. Frühe Chancen Hier, an diesem zunächst unscheinbaren Ort, residiert der Oldenburger Kunstverein. Gegründet wurde er bereits 1843 und zählt damit zu den ältesten Kunstvereinen in Deutschland. Pro Jahr zeigt er zwei große Ausstellungen mit zeitgenössischer - sprich: aktueller - Kunst. Dabei widmet er sich nicht etwa der Vergangenheit, schon gar nicht der eigenen. Nein, der Fokus liegt auf etwas ganz anderem: „Wir möchten vielversprechende, aufstrebende Künstler:innen zeigen, bevor sie bekannt oder gar berühmt werden“, erklärt Geschäftsführerin Marina Krause. Es gehe darum, aktuelle Trends in der Kunstentwicklung aufzuspüren und zu präsentieren. Mit Erfolg: Viele Talente, die zunächst beim okv ausstellten, sind heute etablierte Akteure in der Kunstszene, unter ihnen etwa der gebürtige Oldenburger Michael Beutler. Von dieser mutigen, zukunftsorientierten Positionierung haben alle etwas: das Oldenburger Publikum, denn es hat die Chance, vielversprechende Künstler:innen zu sehen, bevor sie unsere Stadt vielleicht gar nicht mehr in Betracht ziehen würden. „Im Gegenzug profitieren aber natürlich auch die jungen Akteure, die zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere natürlich Ausstellungen brauchen, um sich bekannt zu machen.“ Tiefgreifende Liebe Seit Mitte Mai - und noch bis Ende Juli - ist nun „Notes On Radical Love“ von Lea von Wintzingerode zu sehen. Die 32-jährige Künstlerin ist eine jener hoffnungsvollen Talente, die sich sowohl ästhetisch als auch thematisch klar positionieren. Die gebürtige Bayreutherin beschäftigt sich mit feministischen und queeren Themen sowie mit Fragestellungen rund um zwischenmenschliche Beziehungen. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Konzept, das Liebe als andauernde soziale Beziehung versteht, die von allen Prozessen materiellen Lebens geprägt ist. Die Ausstellung lädt ein zu hinterfragen, was es bedeutet, in einer Gesellschaft zu l(i)eben, die von extremen Individualismus geprägt ist. Die Künstlerin kombiniert dabei Szenen und Ausschnitte, die auf persönlicher Erfahrung oder auf kollektiver Erinnerung basieren, mit Portraits von Personen der Underground-Musik und Pop-Kultur. Ästhetisch ist ihr Ansatz zunächst irritierend, zumindest fordert er uns zu einem zweiten und dritten Blick heraus. Denn der erste Eindruck scheint zu sein, dass die Bilder eiligst dahingemalt seien. Nicht ganz falsch, wie Marina erläutert. „Lea von Wintzigerode setzte bei ihrer Arbeit auf eine direkte Impulsivität. Das heißt, sie überreflektiert nicht, sie malt was sie sieht und fühlt, ohne vorher zu skizzieren.“ Man könnte also sagen: Kunst aus dem Bauch? Oder vielleicht eher: aus dem Herz? „Das könnte man so sagen. Die Künstlerin teilt sich mit ihrem Werken dem Publikum mit“, erläutert Marina weiter. „Es täuscht aber, wenn man denkt, dass hier die Sorgfalt fehlt.“ Das Gegenteil ist der Fall: Die Werke offenbaren immer mehr Feinheiten, je mehr man sich ihnen nähert, sogar einzelne Pinselstriche werden sichtbar. Das liegt nicht zuletzt an der Technik: Lea von Wintzigerode trägt die verschiedenen Farbschichten in flüssigem Zustand auf eine liegende Leinwand auf - und durch das Trocknen verändern sich die Farben. Das Spiel mit dem Positionswechsel - mal ganz nah ran, mal ganz weit weg - ergibt hier tatsächlich immer wieder neue Entdeckungen und Erkenntnisse. Lea von Wintzingerode ist 1990 in Bayreuth geboren. Sie studierte an der Akademie für Bildende Kunst, Wien. Später auch an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. 2016 graduierte sie mit dem Master of Fine Arts. Sie lebt und arbeitet in Berlin Lea von Wintzingerode setzt dabei auf Malerei und Collagen, sie beschränkt sich aber nicht darauf. Als Sounddesignern lässt sie gern auch eine akustische Ebene in ihre Ausstellungen einfließen. So auch im Kunstverein, wo plötzlich Klänge aus dem Nichts erschallen. Über zwei Kopfhörer kann man sich zudem intensiver mit den Klangwelten auseinandersetzen. Und damit nicht genug: Beim Ausstellungsaufbau entwickelte sich zudem ein temporäres Kunstwerk direkt auf einer “White Wall“ im hinteren Teil der Ausstellung. „Notes on Radical Love“ zeigt einen vermeintlichen Widerspruch: die Radikalität steht für Intensität und Emotionalität, die Notizen aber für Beiläufigkeit und Flüchtigkeit. Beides könnte sich gegenseitig ausschließen. Oder aber es eröffnet zwei Ebenen, zwei Blickwinkel. Man wird herausgefordert, genau das zu erforschen - ohne dass diese Aufforderung jemals ausgesprochen würde. Es ist jedoch ein Experiment, dem man nicht mehr entgehen kann, sobald man den Titel kennt - und das ist spätestens in dem Moment der Fall, in dem man den okv betritt (siehe oben). Nach Perlen tauchen Aber wie findet man Künstlerinnen wie Lea von Wintzigerode? Die klingeln ja nicht einfach an der Haustür. „Man bewegt sich ständig in der Szene“, beschreibt Melanie den Prozess. „Wie besuchen Messen und Aussllungen, vor allem aber viele Galerien. Und wenn wir etwas entdecken, das ist unser Konzept passt, dann nehmen wir Kontakt auf.“ Eine besondere Rolle nimmt dabei die Vorstandsvorsitzende Gertrude Wagenfeld-Pleister ein, die sich in der Kunstwelt auskennt wie kaum jemand sonst. Von ihr profitiert der Verein - und damit auch Oldenburg. Mit diesem Ansatz ist der Kunstverein immer wieder sehr erfolgreich, so dass er sich längst auch über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Mehr vielleicht, als innerhalb davon? Die Vermutung wäre übertrieben, schließlich hat er auch in Oldenburg eine hohe Bedeutung und großes Renommee. Richtig ist jedoch, dass die Wahrnehmung nicht so groß ist, wie sie sein könnte. Erst Recht bei jenen Bevölkerungsgruppen, für die der Gang ins Museum nicht alltäglich ist. Das hat nicht nur, damit zu tun, dass der Eingang unauffällig ist. „In Oldenburg gibt es eine starke öffentliche Museumslandschaft. Die Häuser der Stadt und des Landes decken eine große Bandbreite ab“, analysiert Marina. “Da ist es nicht immer leicht, als private Organisation Gehör zu finden.“ Zumal der Name „Kunstverein“ breite Interpretations-Spielräume zulässt. Dass die Alten Meister nicht etwa hier zu finden sind, sondern direkt nebenan. erschließt sich nicht von selbst. Das muss man wissen. Kunst(verein) entdecken Was ist der Kunstverein nun? Die Ausstellung „Notes On Radical Love“ deutet es an: Hier ist Raum für junge Kunst. Und jung heißt auch: mutig, experimentell, provokativ. Das kann bedeuten, dass man spektakuläre Werke zu sehen bekommt, die uns Betrachter:innen visuell mitreißen. Das kann aber auch bedeuten, dass sich die Werke erst auf den zweiten, dritten Blick erschließen und dass man sich deren Wirkungsebenen erst erschließen muss. Lea von Wintzigerodes Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli zu sehen. Nutzt die Zeit aus und schaut sie euch an. Vielleicht ist es nicht das Gefälligste, was ihr in euren Leben bisher gesehen habt. Ganz sicher aber werden die Bilder euch zu Gedanken provozieren. Das ist etwas, das dem Kunstverein seit jeher und immer wieder hervorragend gelingt - und was sich ebenfalls nach Großstadt anfühlt.

  • LE TOUR DE SCHNACK

    Eigentlich sind wir keine Radsport-Aficionados. Aber die Tour de France hat uns trotzdem inspiriert: Zur Tour de Schnack! Wir wollen aber nicht 400 Watt am Berg treten oder uns in halsbrecherische Abfahrten stürzen; schon deshalb, weil beides in Oldenburg gar nicht geht. Unser Rennen hat ein anderes Ziel: Die Kulturinstitutionen. Und dort: ein kurzer Schnack. Denn das Plaudern ohne konkreten Anlass ist längst zu einer aussterbenden Art geworden. Höchste Zeit, das zu ändern. Half hour of power Okay, zugegeben: Die Tour ist jetzt nicht unbedingt das beste aller Vorbilder. Es soll da zu der einen oder anderen Unregelmäßigkeit gekommen sein. Aber egal, das Drama, die Mythen, die Legenden - all das passt eigentlich gut zum Kulturschnack. Beziehungsweise: zum Schnaque Culturelle. Und doch ist der Sinn und Zweck unserer Tour vergleichsweise profan. Rekorde interessieren uns nicht, Titel und Triumphe sind absolut nicht unser Thema. Unser Ziel ist der Schnack selbst. Dabei geht es um kein konkretes Projekt, wir verknüpfen damit kein festes Vorhaben. Wir reden einfach drauflos, kurz und knackig, half hour of power! Tiefe ohne Höhenmeter Was so profan wirkt, hat einen tieferen Sinn. Gerade dadurch, dass man entspannt plaudert, also das Ganze nicht zielgerichtet tut, streift man ganz andere Themen (und auf ganz andere Art), als wenn man eine Agenda hätte. Das Resultat: Spannende Kontexte, interessante Einblicke und vielleicht sogar die eine oder andere Idee für was Neues. Aber das ist Kür, keine Pflicht. Zum Glück hat es die lokale Topographie gut mit uns gemeint. Oldenburgs steile Rampen sind bestenfalls Bodenwellen, unsere Täler höchstens Straßenunterführungen. Deshalb erreichen wir unsere Gesprächspartner:innen nicht am Rande der Erschöpfung, sondern in der richtigen Verfassung. Und das ausschließlich mit natürlichem Kaffeedoping. Wir kommen rum Zur festen Systematik der Tour gehört, dass es keine gibt. Die Etappen finden unregelmäßig statt, wann immer es gerade passt. Wer als nächstes dran ist, ergibt sich aus Zufälligkeiten und anderen unvorhersehbaren Faktoren, zum Beispiel dem Wetter. Schönwetterradler sind wir deswegen noch lange nicht. Wie meinen das Ganze schon ernst. Und natürlich bolzen wir im Idealfall einen 30er-Schnitt auf dem Weg zur nächsten Institution. Aber: Wir bleiben dabei ganz ganz entspannt. Denn nur so retten wir die aussterbende Art des Plaudern ohne Anlass.

  • NEUGIER LOHNT SICH

    Alle sind immer auf der Suche nach ihnen: den besonderen Orten, die eine spezielle Atmosphäre kreieren. In Oldenburg liegt einer von ihnen mitten im Stadtzentrum: Der Gang hinter der Lambertikirche. Jetzt bietet sich eine Gelegenheit, ihn neu zu entdecken. Das bar:rocco Festival findet zum zweiten Mal statt und bietet neben dem besonderen Ort hochklassige Acts aus Jazz, Soul, Blues und Funk mit zeitgemäßer, urbaner Note. Und das ist noch nicht alles. Nein, tagsüber ist der Gang hinter der Lambertikirche kein Aufenthaltsort, sondern nur eine Abkürzung zwischen Kasinoplatz und den Schlosshöfen. Dabei ist er so viel mehr, wenn man ihm nur ein paar Augenblicke schenkt: Das historische Kopfsteinpflaster, die alte Bausubstanz, die hohen Bäume schaffen ein Umfeld, das wie gemacht ist für atmosphärische Veranstaltungen. Das hat sich auch Bernd Feeken gedacht, der Kopf hinter dem bar:rocco Festival für Jazz, Soul, Electro-Jazz, Techno-Jazz, Blues und Funk. Das Format entwickelte sich im letzten Jahr innerhalb der Klappstuhltage und steht nun vom 14. bis 16. Juli 2022 erstmals auf eigenen Füßen. „Ich sehe das aber als Vorteil“, ordnet Bernd die Entwicklung ein. „Letztes Jahr sind wir im Trubel noch etwas untergegangen. Dieses Jahr sind wir besser als eigenes Format erkennbar.“ Warum ausgerechnet diese Genres? Sie stehen meist nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Wäre es nicht einfacher, auf Masse statt Nische zu setzen? „Das hat ein bisschen mit persönlicher Vorliebe zu tun. Viel mehr aber damit, dass ich das Herz unserer Stadt mit seinen Bezugspunkten Lambertikirche und Schloss besser nutzen wollte. Besser im Sinne von: atmosphärischer, stimmungsvoller.“, erklärt der Gastronom und Architekt. Deshalb gibt es auch nicht „nur“ Musik, sondern darüber hinaus eine Art-in-Motion-Ausstellung. Nicht nur die Festivalbesucher:innen, sondern auch alle Besucher des Schlossplatzes können am 16. Juli die Künstler:innen des Projekts „Die 7 Todsünden‘“ live erleben und mit Ihnen agieren. Gute Nachbarschaft Auch die inhaltliche Ausrichtung des Festivals wurde nochmal verändert und optimiert. Um nicht zu sagen: Hochgejazzt. Erkennbar wird das zum einen an einer örtlichen Erweiterung: Anders als im letzten Jahr bespielt bar:rocco dieses Mal nicht nur den „Geheimgang“ neben der Lambertikirche, sondern auch Oldenburgs gute Stube, nämlich den Schlossinnenhof in unmittelbarer Nachbarschaft. Darin steckt auch eine Botschaft. Das Festival ist bereits im zweiten Jahr deutlich größer und selbstbewusster geworden und strahlt stärker nach außen aus. Die Keimzelle neben der Lambertikriche bleibt zwar erhalten, zu groß sind ihre Vorzüge. Aber der Schlosshof macht natürlich viel mehr möglich. Das Prinzip „Nische für die Nische“ mag im vergangenen Jahr noch gegolten haben - doch das ist definitiv vorbei. Das bar:rocco Festival strebt nach Größe. Eins für alle Erkennbar sind die neuen Ansprüche aber auch am Programm. Schon bei der Premiere im letzten Jahr sorgten die Künstler:innen für Gänsehaut-Atmosphäre, dieses Mal hat das Team noch eine Schippe draufgelegt. „Das kann sich wirklich sehen lassen“ ist auch Bernd stolz auf das Line-Up. Das hat sich inhaltlich ausgeweitet, die Grenzen des Programms wurden deutlich weiter gesteckt. Auffällig: Es sind viele Acts dabei, die Genre-Fans begeistern dürften, die aber auch für ein viel breiteres - und jüngeres - Publikum attraktiv sind. Vor allem die Erweiterung um Electro- und Techno-Jazz dürfte ganz neue Zielgruppen erschließen - erst Recht, weil man gerade aus diesem Bereich spannende Namen verpflichten konnte. Attraktiv ist auch das Rahmenprogramm. So gibt es an beiden Abenden nach den Konzerten Kopfhörerpartys, bei der man Musik und Atmosphäre noch weiter genießen kann, nachdem die Lautsprecher längst verstummt sind. Ein Konzept, das schon bei „Beats & Liebe“ - vom gleichen Orga-Team - voll aufgegangen ist. Nicht zuletzt zeigt sich das gestiegene Renommee auch am Support. Neben dem Kulturbüro der Stadt Oldenburg und Oldenburgs Guten Adressen zählt auch der Radiosender Bremen 2 zu den Unterstützern. Diese zusätzliche Reichweite dürfte dem Festival neue Kreise erschließen. „Über diesen Kanal bekommen wir sehr viel positive Resonanz“, freut sich auch Bernd über diesen Coup. Zurecht: Der Anspruch, die eher traditionellen Genres zeitgemäß und cool zu inszenieren, ist absolut lobenswert - und er scheint voll aufzugehen. Well played! Der nächste Level Kein Zweifel: Das bar:rocco Festival hat konzeptionell einen großen Schritt nach vorn getan. Das Line-Up ist der Hammer und schafft den schwierigen Spagat, ganz unterschiedliche Zielgruppen mit einem Genre anzusprechen. Dass dessen Grenzen dafür weit ausgelegt werden, ist legitim: Letztlich zählt, dass dieses Format eine spezielle Atmosphäre kreiert, an die viele Menschen andocken können. Es wäre doch schön, wenn der jugendliche Elektro-Enthusiast und der feinsinnige Jazz-Connoisseur gemeinsam Spaß haben. Noch ist bar:rocco ein Geheimtipp, aber das dürfte nicht mehr lange so sein. Wie erwähnt: Bei Bremen 2 gehört die Veranstaltung schon zu den Kulturtipps im Juli. Und beim Oldenburger Publikum? Hoffentlich auch! Denn was die Kultur betrifft, stimmt der Claim des Radiosenders einfach: „Neugier lohnt sich!“

  • EINE GESCHICHTE ÜBER MUT

    Seit 2020 sind die „Einfach Kultur“-Konzerte aus dem Oldenburger Sommer nicht mehr wegzudenken. Nach der erfolgreichen Premiere zeigte auch der Nachfolger, welche Magie ein Hinterhof im Bahnhofsviertel kreieren kann, wenn man ihn - und das Programm - mit Herzblut gestaltet. Was dürfen wir in diesem Jahr erwarten? Wir haben uns das mal angeschaut - und natürlich die Akteure befragt Wenn man fragen würde, was es braucht, um ein neues Festivalformat erfolgreich zu launchen, könnte man darüber wahrscheinlich stundenlang referieren. Aber bricht man es auf das absolut Nötige herunter, dann sind die Zutaten für den großen Erfolg ganz einfach. Man nehme: Einen ungewöhnlichen Ort mit charakteristischer Atmosphäre Ein Team, das gemeinsam an die Grenzen geht Ein bisschen Ahnung von diesem oder jenem Eine gute Mischung aus Acts zwischen Newcomer, Geheimtipp und persönlichen Lieblingen (der eigene Geschmack ist ja in der Regel ganz gut, sagen Betroffene) Etwas Rückenwind durch Zuschüsse und Sponsoring Talent für Marketing und Social Media Et volia - schon ist da ein neues sommerliches Kulturhighlight. Doch Halt! Was hier so simpel klingt, ist in Wahrheit kein sonntäglicher Spaziergang durch Pfarrers Garten, sondern vor allem harte Arbeit. Vor allem dann, wenn man bis zur Premiere kaum Erfahrung in der Konzeption von Open Air-Veranstaltungen besitzt. Zumindest nicht im Kollektiv. Denn als „Einfach Kultur“ im Sommer 2020 startete, waren zwar Kenner ihrer Materie versammelt. Doch die Akteure bedienten jeweils ihre Nische - sei es Ton und Licht, Gastronomie oder Medien. Ein komplettes Festival hatte die Crew bis dahin noch nicht gestemmt. Und deshalb brauchte es damals, als Corona gerade die ganze Welt lahmlegte, noch etwas anderes: Mut. Und zwar: viel davon. EINFACH KULTUR FESTIVAL 3. BIS 13. AUGUST 2022 HINTERHOF DER BAHNHOFSTRASSE 10 26122 OLDENBURG TICKETS AB 13,20 EUR FESTIVALTICKET FÜR ALLE ABENDE: 120,- EUR Wie sich die Situation für die Truppe anfühlte, mit welchen Fragen und Hindernissen sie sich rumzuschlagen hatten und warum trotzdem alles ganz fantastisch war - das lässt sich heute noch gut nachvollziehen. In Form des Films "Weiß zu Gelb" hat Kolja Zinngrebe die Entstehung des Festivals für die Ewigkeit festgehalten. Gut erkennbar ist dort, mit wie viel Details man bei der Planung und Realisierung konfrontiert ist - vor allem mit solchen, die man vorab niemals bedacht hätte. Zu sehen ist aber auch, wie gut es sich anfühlt, wenn man die Lösung findet und am Ende alles glatt geht. Schaut euch das unbedingt an: Im Zeichen des Klappstuhls Im zweiten Jahr machte man die Not zur Tugend. „Einfach Kultur“ wurde Teil der Klappstuhltage, die substanziell aus dem Neustart Kultur-Programm der Kulturstiftung des Bundes gefördert wurden. Trotz der soliden finanziellen Ausstattung und des dadurch verminderten Risikos brauchte es auch hier Mut - zur Planung bei Unsicherheit. Der Klappstuhl war hier nicht nur Sitzgelegenheit, sondern auch Symbol: für die Flexibilität, die man als Veranstalter haben musste. Ob das Publikum stehen durfte oder sitzen musste - oder mal das eine, mal das andere - war oft erst kurz vor der Veranstaltung klar. Damit einher gingen auch die verfügbaren Plätze. Solche Ungewissheiten muss man aushalten können - umso wichtiger die Förderung durch den Bund. Blutet einem Veranstalter eigentlich das Herz, wenn die Leute auf Stühlen ausharren müssen anstatt zu tanzen und zu springen? „Nein, überraschenderweise nicht“, erinnert sich Jannik Kirchner zurück. Er hat damals zusammen mit anderen - wie Jan Thie (Amadeus), Bernd Feeken (Umbaubar), Mathias Wulf (TENO) und vielen weiteren - den Startschuss für „Einfach Kultur“ gegeben. „Ich hatte nämlich den Eindruck, dass sich die Gäste mehr auf die Musik konzentrieren. Das war auch cool mit anzusehen.“ Jetzt aber richtig Trotzdem ist die Freude groß, nach zwei besonderen Jahren im Zeichen der Pandemie nun zum ersten Mal ein normales "Einfach Kultur"-Festival durchführen zu können. Droht den Akteuren mangels Herausforderungen jetzt gar die große Langeweile? „Nein, sicher nicht“, schmunzelt Jannik. „Es ist zwar richtig, dass hier und da Routine reinkommt. Aber da bleiben noch genug Dinge, die uns auf Trab halten.“ Gemeint sind damit nicht zuletzt Hürden bei der Planung. Viele Acts, die man sich gewünscht hätte und die auch kommen würden, dürfen nicht. Entweder wegen übereifriger Agenturen oder wegen des Gebietsschutzes für Festivals wie dem Hurricane oder dem Deichbrand. Wer dort auftritt, darf in einem bestimmten Zeitraum und Umkreis kein anderes Konzert spielen. Die Veranstalter wollen Exklusivität. Deshalb muss Oldenburg vorerst ohne Kraftklub und Kings of Leon auskommen. „Die ersten fünf, sechs Zeilen aus den Festival-Lineups brauchen wir gar nicht anfragen“, berichtet Jannik. Zum Glück gibt es aber auch unterhalb davon viele spannende Bands, die noch vor dem endgültigen Durchbruch stehen. Daraus hat sich eine Spezialität von Einfach Kultur entwickelt: Dort zu suchen, wo Chancen warten. Mit guten Gespür und Timing kann man die Helden von morgen heute noch günstig buchen. Auch Annemaykantereit haben mal im Cadillac gespielt (und waren eigentlich für die Umbaubar gebucht). Wer weiß? Vielleicht wiederholt sich diese Geschichte mit einem der folgenden Acts nochmal? Size matters Was ebenfalls Einfluss auf die Programmplanung hat, ist die Größe des Geländes. Zwar hat der Hinterhof im Bahnhofsviertel jede Menge Charakter und Atmosphäre. Er erinnert an einen Ort, an dem man mit Freund:innen zusammenkommt, um gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Das schätzen nicht nur die Gäste, sondern auch die Künstler:innen. Außerdem ist der Platz nach Abschied der Klappstühle auf bis zu 400 Plätze angewachsen. Für manche Acts ist er damit aber weiterhin zu klein. „Gut wäre eigentlich einer 800er-Größe. Erst dann kommt Oldenburg für bestimmte Acts in Frage“, kennt Jannik eine Lücke in der hiesigen Veranstaltungslandschaft, die auch andere Akteure beklagen. Und so kommt zwar nicht die allererste Liga nach Oldenburg, dafür aber - um mal im Bild zu bleiben - aufstrebende Zweitligisten und Durchstarter aus der dritten. Jannik freut sich insbesondere auf Audio88 & Yassin und Soeckers, aber auch über etwas anderes: In diesem Jahr sind besonders viele Frauen im Line-Up. „Darauf haben wir bewusst geachtet“, betont er. „Wir wollten weiblichen Acts mehr Raum geben. Das ist gar nicht so leicht, weil es schlicht weniger Bands mit Frauen gibt als mit Männern. Aber ich glaube, wir haben den Anspruch gut erfüllt.“ Dass im letzten Jahr bereits die Abschlussveranstaltung der Klappstuhltage fest in weiblicher Hand war, sei ebenfalls kein Zufall gewesen. Auch hier könnte man sagen: mutig, diesen Akzent zu setzen. Ein anderes Wort passt aber noch besser: richtig. Was macht das Publikum? Ansonsten bleibt die Lage unübersichtlich. Der bange Blick auf die Inzidenzen fällt zwar weg, doch Corona ist nach wie vor ein Thema. Zwar drohen weder Absagen noch Einschränkungen, doch bei Inzidenzen jenseits der Tausender-Marke wird es im Publikum die eine oder andere Krankmeldung geben. Zudem hat das Team von „Einfach Kultur“ erst vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass Mut sich manchmal eben nicht auszahlt. Im Frühjahr mussten sie das Aquanautik Festival zunächst vom Beach Club Nethen in die Oldenburger Innenstadt-Clubs verlegen - und schließlich ganz absagen. Der Grund: Trotz starken Line-Ups mangelte es an Nachfrage. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Einer dürfte aber die allgemeine postendemische Zurückhaltung sein. Sie ist im gesamten Kultursektor spürbar - und die jüngsten Formate trifft es traditionell am heftigsten. „Man kann einfach nicht den Finger drauflegen“, ist auch Jannik ratlos. „Vielleicht liegt es auch am Überangebot in diesem Sommer. Alles, was im Winter ausgefallen ist, findet jetzt statt. Manche Leute sitzen auf zehn, zwölf Konzerttickets.“ In so einer Situation überlegt man natürlich genau, welche weiteren Veranstaltungen man besucht - wenn überhaupt. „Mit dem Wissen von heute würden wir auch einen Termin im Herbst statt im Frühjahr wählen“, erklärt Jannik weiter. „Dann gibt's weniger Probleme mit dem Gebietsschutz.“ In diesem Fall hat sich der Mut leider nicht ausgezahlt - aber vielleicht bilden die Erfahrungen die Basis für einen erfolgreichen nächsten Versuch. Das Kultur-Startup „Einfach Kultur“ scheint dagegen schon gesetzt zu sein im Oldenburger Veranstaltungskalender. Zwar galt es auch dort erstmal eine Nische zu finden - denn der ist inzwischen ja deutlich voller als früher. Aber nach Kultursommer und N!CE, in Abstimmung mit dem Kulturplatz des Cine k und vor Stadtfest, Filmfest und Co. wurde ein guter Spot gefunden. Dass es innerhalb er Sommerferien liegt, stört Jannik nicht. Bleibt die Frage: Warum tut man sich das an? Woher nimmt man den Mut? „Ich würde am ehesten sagen: es ist Leidenschaft“, antwortet Jannik. „Wenn man mit einer Situation nicht zufrieden ist oder etwas anderes möchte - dann hilft es nicht, nur zu meckern. Dann muss man halt was ändern." Das ist beinahe schon ein Startup-Spirit. Aber vielleicht kann man das Team von „Einfach Kultur“ auch so bezeichnen? Als ein Start-Up für Veranstaltungen - das viel Mut und Leidenschaft mitbringt, das aber natürlich auch noch das eine oder andere lernen muss auf dem Weg nach oben. Fest steht: mit der Konzertreihe im Bahnhofsviertel ist der Oldenburger Sommer noch deutlich attraktiver geworden als zuvor. Insbesondere jüngere Menschen finden dort Acts, die sie sonst nicht in Oldenburg sehen würden, schon gar nicht in dieser Dichte. Genaue Beobachter mögen eventuell die fehlende Vielfalt monieren, in diesem Jahr gibt es keine Ausreißer aus Bereichen Metal oder Punk und auch keine externen Formate wie den Hörsaal-Slam. Wer sich aber mit Hip Hop und Indie Pop anfreunden kann - und das sollten einige sein - kommt hier voll auf seine Kosten. Und das Beste: für die Konzerte und den Freudentaumel braucht man nicht einmal Mut, sondern einfach nur Lust!

  • 14 TAGE KRIEG

    Wie geht es den Menschen in der Ukraine? Und wie können die Menschen hierzulande davon erfahren? Für Lukasz Lawicki, Regieassistent am Oldenburgischen Staatstheater, war eines Tages klar: Man muss hinfahren und ihnen eine Stimme geben. Genau das tut er gerade und entwickelt daraus ein Theaterprojekt, das Anfang kommenden Jahres seine Premiere feiern wird. Uns hat er schon jetzt davon erzählt - direkt aus Kiew. Es ist ein Montagmorgen um kurz vor neun. Lukasz Lawicki ist tags zuvor in Kiew angekommen und hat ein straffes Programm vor sich. Für uns nimmt sich er sich dennoch Zeit, um von seinem Sparte 7-Projekt „14 Tage Krieg“ zu erzählen, das am 5. Januar 2023 seine Premiere im Technical Ballroom in der Exerzierhalle feiern wird. Dafür bereist er die Ukraine, spricht mit den Menschen vor Ort über ihre Erlebnisse und ihre Situation und bringt sie über Filmaufnahmen mit zurück nach Oldenburg. Daraus entsteht ein Format, das uns die Menschen – und damit dem Krieg – ganz nahe bringt. Den Fokus richtet Lukasz dabei auf Kulturschaffende in Lwiw und Kiew. Wie ist ihre Situation? Wie wirkt sie sich auf ihre Arbeit aus? Dabei wird schnell klar: Der Krieg ist überall. Lukasz, das Staatstheater steht seit 1893 am Theaterwall in Oldenburg. Während wir sprechen, befindest du dich aber nicht dort, sondern in Kiew in der Ukraine. Kannst du kurz erklären, wie es dazu kam? Das hat eine lange Vorgeschichte. Schon 2014, als der Angriff auf die Krim geschah, habe ich das sehr aufmerksam verfolgt. Ein Angriffskrieg an der europäischen Grenze ist nicht so abstrakt wie Syrien oder Afghanistan, er passierte direkt vor der Tür. Wie viele andere habe ich das Thema zwischendurch aus den Augen verloren. Als aber am 24. Februar 2022 die neue Angriffswelle startete, war alles noch dichter dran. Ich habe mir die Bilder angesehen, ich habe Nachrichten gecheckt und war mit alledem völlig überfordert. Ich habe Geld gespendet, ich habe Projekte unterstützt, die Medikamente in die Ukraine geliefert haben, habe Waren mitgegeben, die gebraucht wurden. Aber ich hatte das Gefühl, dass es nicht reicht. Eine paar Tage später habe ich dann überlegt, wie kann ich sonst helfen? Und die Antwort war: Mit dem, was ich kann. Und was ich kann, ist Geschichten erzählen. Also: sich mit Menschen treffen, deren Situation greifbar machen und nach Deutschland bringen. Ich bin Theatermacher, aber ich habe auch einer Filmer-Hintergrund und kann mit Kameras umgehen. Daher habe ich beschlossen: Ich muss in die Ukraine, ich muss Geld dafür auftreiben und dann die Geschichten der Menschen aufzeichnen und mitnehmen. Das heißt: Du bist in ein Land gereist, in dem Krieg herrscht. Wie plant man so etwas? Wo fängt man an, wie setzt sich das fort? Du hattest ja noch keinen Kontakt vor Ort. Richtig. Ich hab angefangen zu recherchieren und hab auf Basis von Berichten und Artikeln überlegt, welche Route ich nehmen kann. Vorab war klar, dass weder das Staatstheater noch mein privates Umfeld es besonders begrüßen würden, wenn ich sehr weit nach Osten reise. Es ist gefährlich genug, sobald man über die Grenze kommt. Ich werde deswegen nicht sehr weit nach Osten oder Süden fahren.Die Situation in Kiew ist kompliziert, aber es war sehr schnell klar, dass ich dorthin fahren muss. Die Hauptstadt ist das Herz des Landes. Danach habe ich versucht, möglichst viele Kontakte aufzubauen. Ich habe zum Beispiel auf Twitter Leute angeschrieben und vieles alte Connections genutzt. Ich habe mich auch mit einem Kriegsjournalisten ausgetauscht. Dabei habe ich zum Beispiel gelernt, dass man in Kiew keine schusssichere Weste braucht. Die Front ist 500 Kilometer entfernt. Was hier ankommt, sind Raketen - und vor denen schützt eine Weste nicht. Das muss man erstmal verdauen. Ich habe wirklich lange recherchiert, bis ich dann auf der Seite Nachtkritik zwei Artikel gefunden habe – von Lena aus Kiew und von Oleksij aus Lwiw. Die haben dort über das berichtet, was mich interessiert. Da hatte ich einen Anknüpfungspunkt. Die beiden habe ich einfach angeschrieben und ihnen meine schlecht ins Englische übersetzte Projektbeschreibung geschickt. Beide haben sofort geantwortet und gesagt: komm her, wir unterstützen dich! Das waren meine ersten Kontakte - im Grunde erst zwei, drei Wochen bevor es losging, Die zwei haben mir dann weitere Interviewpartner vermittelt – zum Beispiel einen Theaterregisseur, der an der Front verwundet wurde und auf Heimaturlaub ist. Eine Schauspielerin, die aus dem Osten nach Lwiw geflüchtet ist. Eine Drehbuchautorin, die mit ihrem Kleinkind aus Kiew abgehauen ist. Eine Schauspielerin, die jetzt Tarnnetze herstellt. Auch Opernsängerinnen und Drehbuchautorinnen waren dabei. Die Menschen in der Ukraine haben Sorgen, die wir uns gar nicht vorstellen können. Trotzdem scheinen sich die Theaterleute gern Zeit für dich zu nehmen und mit dir zu sprechen. Ist der Eindruck richtig? Ich habe in meinem Leben schon einige Projekte gemacht, auch einige soziale Projekte. In meinem ganzen Leben wurde sich noch nie so oft bei mir bedankt, dass ich etwas mache. Aber ehrlich gesagt fühlt sich das falsch an. Vielmehr danke ich dafür, dass ich die Gespräche führen darf. Ich bin einfach irgendjemand, der wie ein Alien aus einem sicheren Land mit einem Rucksack voller Fragen in ein anderes Land kommt und dankbar ist, dass die Menschen ihre Erfahrungen mit mir teilen. Für sie ist es aber unfassbar wichtig, dass die Geschichten weiter erzählt werden. Es geht ihnen dabei nicht um persönliche Berichte, sondern darum, dass wir in Westeuropa begreifen, wie es ist, so zu leben. Mit jeder Minute, die ich drehe, wird mein Rucksack gefühlt ein Kilo schwerer. Es fühlt sich so an, als würde man auf Zelluloid drehen, weil die Geschichten sehr stark und sehr schwer sind und die Verantwortung steigt, den Menschen und deren Situation gerecht zu werden. Ich komme tatsächlich dicht ran an sie, dichter vielleicht als viele Journalisten. Ich versuche, mir viel Zeit zu nehmen für die Menschen und rede auch eine Stunde ohne Kamera mit ihnen, um eine Beziehung aufzubauen. Diese Möglichkeit hatte ich in Lwiw durch Oleksij, der mich sehr nah an die Menschen gebracht hat. Wie fühlt sich die Situation für dich an? Du hast dich gerade als Alien beschrieben. Aber dich berührt natürlich trotzdem, was du siehst: Wie geht es dir damit? Es ist Unsinn, wenn jemand hierhin fährt und sagt, er habe keine Angst. Du fährst in ein Kriegsland. Du bist plötzlich mittendrin in dieser Situation und genau wie die Menschen hier vor Ort weiß du nicht, was morgen ist oder in der nächsten Stunde passiert. Ich habe ein falsches Gefühl der Sicherheit, das daraus resultiert, dass ich hier eine Aufgabe zu erfüllen habe. Ich blende vieles aus. Aber sicher kannst du dich hier nicht fühlen. Niemand fühlt sich sicher. Als ich in Lwiw angekommen bin, noch ziemlich nah an der polnischen Grenze, gab es gleich in der ersten Nacht einen Luftalarm. Es ging los um 23 Uhr und ich habe Oleksij gefragt: Gehst du in den Keller? Und er hat nur gelacht. Nach vier Monate Terror hat er nur gesagt: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Und das höre ich hier immer wieder: ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. In den ersten drei Tagen Lwiw gab es fünf oder sechsmal Luftalarm. Einmal war ich dabei im Park: Einige sind gegangen, viele sind geblieben, die Kinder haben einfach weitergespeilt, die Band ebenfalls, es war ein ganz merkwürdiges Gefühl. In Lwiw war das Sicherheitsgefühl definitiv größer als in Kiew. Zum Vergleich: Vor einigen Tagen wurde Kiew angegriffen und es wurde ein Wohnhaus getroffen, in dem viele Menschen lebten. Random. Einfach so. In Lwiw ist nur eine Rakete in 50 Kilometer Entfernung eingeschlagen. Ich registriere das, ich fühle das, aber ich blende das aus. Anders wäre das nicht auszuhalten und ich müsste zurückreisen. Gestern im Zug traf ich eine Frau, die gerade drei Tage in den Karpaten wandern war. Sie hatte keinen Handyempfang, kein Internet, keine Nachrichten. Sie sagte, es sei wie ein neues Leben – oder wie das Leben vor 2014. Ansonsten lebst du hier in einem Fluss aus Nachrichten. Die Leute haben Apps, die genau anzeigen, wo Luftangriffe geschehen. Das funktioniert gut, aber Sicherheit gibt es hier gerade für nichts und niemanden. Das Risiko ist also für niemanden zu kalkulieren. Einerseits gibt es einen Art Alltag, und es muss ihn ja auch geben, andererseits ist die ewige Bedrohung kaum auszuhalten. Wie würdest du die Haltung der Leute beschrieben? Gewöhnung? Trotz? Oder wie bei dir: Ausblenden? Es ist ganz viel Trotz dabei. Kiew kann ich noch nicht so gut fühlen, weil ich erst vor Kurzem hier angekommen bin. Aber in Lwiw gab es viel Trotz. Es gibt unheimlich viele Freiwillige, die massenweise Sachen tun und versuchen, sich zu engagieren. Es gibt viel Unterstützung fürs Militär. Da ist ein großer Überlebenswille. Bei vielen Leuten heißt es: Wir müssen den Krieg gewinne. Wir müssen unsere Häuser wiedergewinnen. Wir müssen hier weitermachen. Was ich aber auch viel gehört habe, ist tatsächlich, dass die Leute müde sind. Nach vier Monaten ist die Situation einfach kaum mehr auszuhalten. Am Anfang waren die Luftalarme in Lwiw besonders häufig nachts und frühmorgens. Die Botschaft: Du kannst dich nicht in Sicherheit wiegen. An Schlaf war nicht zu denken. Die Leute sind einfach fertig vom dauerhaften Terror. Wahrscheinlich bekommt dein Alltag hier für dich gerade einen ganz neuen Wert, weil du hier sicher bist? Auf jeden Fall. Ich hab hier eigentlich kaum Gelegenheit, mal runterzukommen und zu reflektieren, weil ich die Zeit maximal nutzen möchte. Aber ich bin mir bewusst, was für ein Privileg es ist, als ein Mann im wehrfähigen Alter einfach wieder ausreisen zu dürfen. Viele andere haben diesen Luxus hier nicht. Ich habe mir vorgenommen, ich ruhe mich aus, wenn ich in Deutschland bin und hol dort meinen Schlaf nach. Diese Reise wird mich verändern, so viel ist klar. Genau wie meine Reise nach Palästina, als ich dort gedreht habe. Jede Reise verändert einen. Aber das hier ist eine besondere Situation. Ich versuche mit dem, was ich hier tue, den Menschen das näher zu bringen, zum Beispiel über mein Tagebuch auf Instagram. Aber ich bringe mir das natürlich auch selbst näher. Um deiner Frage zu beantworten: Ja, ich weiß dass ich privilegiert bin, dass wir in Deutschlands privilegiert sind. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir planen können, dass wir entscheiden können, dass wir wissen, was wir morgen machen – oder die Freiheit haben, es zu lassen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir nicht gezwungen sind, von heute auf morgen zu leben, mit einer Tasche voller Dokumente, etwas Bargeld und den nötigsten Sachen, die du im Falle einer Bombardierung oder Flucht am Dringendsten brauchst. Du triffst dich vor Ort mit Kulturschaffenden, Wie ist denn die Situation vor Ort? Vorstellbar wäre ja zum einen, dass Kultur als allererstes eingestellt wird, weil sie nicht kriegsrelevant ist – oder zum anderen, dass alle an ihr festhalten, weil sie den Menschen so viel gibt. Wie erlebst du das vor Ort? In den ersten Tagen des Krieges hatten die Leute natürlich keinen Kopf dafür. Die Theater wurden oft umfunktioniert in Flüchtlingsunterkünfte oder in Sammelstellen für Material oder zu Treffpunkten für Freiwillige. In der Ostukraine wurden dort Molotow Cocktails und Tarnnetze gebaut. Oleksey hat mit erzählt, dass er nach fünf Tagen erstmals wieder irgendwo Musik gehört hat – und es fühlt sich für ihn illegal an. Viele Künstler:innen sagten: Ich konnte nicht dran denken zu spielen. Und sie dachten, sie spielen nie wieder. Aber dann haben sie wieder angefangen und sie stellten fest: Die Stücke verändern sich, die Schauspielerei verändert sich, die Kunst verändert sich. Krieg ist ein großes Thema. UKRAINE FAKTEN UNABHÄNGIGKEIT: 24.08.1991 HAUPTSTADT: KIEW WÄHRUNG: HRYWNJA FLÄCHE: 603.700 KM2 BEVÖLKERUNG: 44,1 MIO. ENTFERNUNG OL - KIEW: 1.890 KM Ich habe ein Stück gesehen mit der Titel: „Das Imperium muss sterben“, das von sechs Frauen aufgeführt wurde, dass sich teils anhand von improvisierten, teils anhand von geschrieben Texten nur mit diesem Krieg beschäftigt. Das war technisch und gesanglich auf höchstem Niveau. Ich habe nur einen kleinen Teil verstanden, weil ich Polnisch spreche, aber ich habe wirklich jede Sekunde dieses Theaterstücke gefühlt. Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen. Es hat mich wirklich umgehauen, was die hier machen. Die Künstler:innen im Land versuchen, das Thema Krieg aufzugreifen und zu verarbeiten. Historisch ist es so, dass die ukrainische Kultur eher verachtet wurde, sogar im eigenen Land. Das hat post-kolonialistische bzw. post-sowjetische Gründe, russische Kultur war viele Jahre dominant. Jetzt versuchen sie, wieder stärker zur eigenen Kultur und zu eigenen Dichter zurückzufinden, die ukrainisch-sprachig sind. Die Kultur hat insgesamt einen sehr hohen Stellenwert für die Menschen. Nach vier Monaten Krieg brauchen sie das. Für die Künstler:innen ist ein derart dringliches Thema natürlich etwas, mit dem man umgehen will und dass man aufgreifen möchte. Daran kommt man wahrscheinlich gar nicht vorbei, selbst wenn man wollte. Aber was ist denn mit dem Publikum? Nutzt es die vorhandenen Angebote? Oder gibt es noch Zurückhaltung? In Lwiw kann tatsächlich so etwas wie ein regulärer Spielbetrieb stattfinden. Und die Menschen schauen sich das auch an. Als Besucher:in merkst du, was da von der Bühne kommt. Es ist eben nicht einfach nur ein kleines Lustspeil und kein üblicher Theaterbesuch. Von der Bühne kommt Politik, kommt Emotion, kommt die Wahrheit über die Situation der Menschen. Wie es in Kiew aussieht, kann ich erst in einigen Tagen sagen, wenn ich hier länger vor Ort war. Ich weiß aber zum Beispiel aus Charkiw - einer Stadt, die es sehr schwer erwischt hat - dass die Theaterleute gerade gar nichts machen können. Dort schlagen die Raketen im Stundentakt ein und alle haben andere Sorgen als das. Das Stück, das du gesehen hast, war ausschließlich mit Frauen besetzt. Welchen Grund hatte das genau? Müssen die Frauen die Kultur übernehmen, weil die Männer schlicht nicht da sind? Nein, ganz so ist es nicht. Es gibt eine Generalmobilmachung in der Ukraine, das heißt du darfst nicht ausreisen, wenn du im wehrfähigen Alter bist, das müsste zwischen 18 und 62 sein. Zurzeit sind nur Männer an der Front, die eine militärische Vorbildung haben, also noch nicht alle. Die Besetzung bei diesem Stück hatte es den Grund, dass der Regisseur damit gerne auf Tour nach Polen gehen möchte, danach geht es wohl auch noch nach Deutschland. Und nur Frauen dürfen ausreisen. Das war einfach so vorausgedacht. Aber jeder kennt jemanden, der gerade an der Front kämpft oder hat jemanden in der Familie, der dort im Einsatz ist. Lukasz' Gesprächspartner:innen könnt ihr auf seinem Instagram-Kanal @lumpowitz schon jetzt ein wenig kennen lernen. (Bilder: Lukasz Lawicki) Hast du bei deinem Theaterbesuch auch die Reaktion des Publikums wahrgenommen? Bedeutet ihm das auch besonders viel? Ist die Emotionalität vielleicht nicht nur von der Bühne gekommen, sondern wurde auch von den Rängen zurückgespiegelt? Ja, das wird es. Was ich bei den Menschen beobachten konnte, war das, was in mir selbst vorging. Wenn eine Anklage an die Situation und das Leben von der Bühne kommt, und du selber voll involviert bist, dann reagierst du natürlich darauf. Es wird dir einfach dein eigenes Leben, deine eigene Realität vor Augen geführt. Du hast sie schon den ganzen Tag, bekommst sie dann aber durch den Gesang und die inszenatorische Ebene verstärkt präsentiert. Das macht was mit einem, natürlich. Das klingt nach einer sehr intensiven Auseinandersetzung. Vielleicht würden manche doch gerne ein Lustspiel sehen, um auf ganz andere Gedanken zu kommen? In Lwiw hat man das gesehen: Die Stadt ist voll, das Leben geht weiter, die Menschen treffen sich in Restaurants oder in Parks. Die müssen ja auch abschalten. Deshalb auch die Gelassenheit bei Luftalarm. Du kannst ja nicht 24/7 in Angst leben, wenn du nicht gerade an der Front bist. Das macht dich kaputt, das zerfrisst dich. Die Leute versuchen natürlich, sich abzulenken. Ich habe auch ein Kindertheaterstück besucht, und das war ganz wunderbar. Für 45 bis 50 Minuten war ich raus aus dem Alltag und war in einem geschützten künstlerischen Raum. Ich hab mich auf das Stück konzentriert und auf die Reaktionen der Lütten und habe nicht daran gedacht, das jederzeit irgendwo eine Rakete einschlagen könnte. Das ist unglaublich wichtig! Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass es künstlerisch nicht weitergehen kann wie bisher. Die ganz große Frage nach der ukrainischen Identität, nach der künstlerischen Identität des Landes, wird in den nächsten Jahren ein sehr wichtige Rolle spielen. Und dieses Thema wird - bei dem, was hier passiert und noch passieren wird – sicher sehr oft und sehr intensiv behandelt. Bist du mit Kiew eigentlich am östlichsten Punkt der Reise angekommen? Oder geht es noch weiter? Nein, weiter nach Osten geht es tatsächlich nicht. Ich reise noch nach ***, das ist aber ein Vorort von Kiew. Das kann man sich vorstellen wie Hamburg - Pinnberg. Mir wurde oft gesagt, ich müsse nach Charkiw fahren. ich lag nachts im Bett und dachte: Ja, ich muss da hin. Ich muss mit den Menschen vor Ort sprechen und ihnen eine Stimme geben. Ich möchte nicht, dass jemand anderes für mich dort hinfährt, um mir Material zu liefern, damit ich in Deutschland eine Geschichte erzählen kann, die ich nicht verstehe, weil ich sie nicht fühle. Diese Nacht habe ich sehr schlecht geschlagen, aber es war letztlich klar: ich kann da nicht hinfahren. Ich bin kein Kriegsreporter. Ich habe in Palästina zwar Situationen erlebt, die nicht safe waren, aber hier geht es für mich nicht weiter. ich kann das auch gegenüber dem Theater nicht verantworten. Ich würde es am liebsten machen – aber ich sehe auch meine Grenzen. Aber wahrscheinlich spürst du auch schon jetzt – auf dem Weg von Lwiw nach Kiew, dass sich die Atmosphäre verändert. Je weiter nach Osten man fährt, desto näher kommt man dem Krieg. Ja, die Atmosphäre ändert sich. Obwohl Kiew viel größer ist, ist die Stadt viel leerer als Lwiw, weil viele von hier geflohen ist, Ich habe viele Checkpoints passiert, die Brücken sind von Bataillonen gesichert, am Bahnhof gibt es überall Metalldetektoren. Die Stimmung bei den Vorgesprächen ist eine ganz andere. Erst letzte Woche gab es einen Raketenangriff, die Stadt hat viel mehr gelitten. Hier ist der Krieg eine viel präsentere Realität, es sind viele Menschen gestorben. Und du spürst das am eigenen Leib. Ich bin hier sehr viel angespannter und konzentrierter und achte viel stärker auf Signale. Nachts glaubt man aus der Ferne Artilleriegeschosse zu hören, das es wegen der Sperrsunde ansonsten so unglaublich ruhig ist. Man kann bestimmte Dinge nur mit Entfernung ausblenden. Je dichter man rankommt, desto näher kommt man auch der Wahrheit. Ich frage mich: kommst du überhaupt dazu, an den Output für sein Projekt zu denken? Wertest du deine ganzen Erlebnisse auch dahingehend aus? Oder ist noch kein Raum dafür? Du sprichst da einen Punkt an, der mich tatsächlich vom ersten Tag an beschäftigt. Ich mache hier ja eine One-Man-Show, die eigentlich verrückt ist. Ich bin hier mit sehr viel Equipment, u.a. einer 360-Grad-Kamera, die ich vorher nie genutzt hatte. Ich muss zwei Kameras handeln, dazu den Ton, das ist eine technische Herausforderung. Ich bereite mich so gut wie möglich auf die Gespräche vor. Aber manchmal ist es so, dass dafür absolut keine Zeit ist, weil sich alles spontan ergibt oder vielleicht der nächste Luftalarm losgeht. Das Gleiche gilt für die Technik: ich bereite alles vor, aber manchmal muss man Kompromisse machen, um schnell und authentisch zu sein. Dann sind die Bilder vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür kann ich mich auf das Gespräch konzentrieren. Letztlich geht Inhalt vor Aussehen. Ich hoffe aber, dass ich beides vereinbaren kann. Die Bausteine setzen sich also langsam zusammen? Ja, aber es kristallisiert sich heraus, dass es schwierig sein wird, in Oldenburg im Theater zu vermitteln, was ich hier erlebe. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich die 360-Grad-Kamera mit dabeihabe, um einen anderen räumliche Eindruck und Empfinden zu vermitteln. Ich hoffe, dass es funktionieren wird. Nach jedem Interview habe ich neue Gedanken, wie es später umzusetzen ist. Momentan ist alles noch fragmentarisch. Ich weiß noch nicht, wie ich den dramaturgischen Bogen spannen werde. Ich hatte gehofft, ohne Erzählebene auszukommen, also ohne Palaver von mir. Ich denke aber, dass das nicht ganz funktionieren wird. Ich werde Bogen schlagen müssen. Es sollen nicht nur einige Talking Heads sein, dafür bin ich nicht hier, es muss mehr sein. Aber es setzt sich bereist zusammen. Ich habe mit einer Frau aus Luhansk gesprochen, die zwei Monate mit ihren Kindern im Luftschutzkeller saß. Als sie davon erzählt, bricht sie in Tränen aus. Ich will das Gespräch unterbrechen, weil sie offenkundig traumatisiert ist. Doch sie steht auf, wischt sich die Tränen ab und sagt: „Ich brauche zwei Minuten, aber ich will weitermachen. Es ist wichtig, was ich hier erzähle.“ In solchen Momenten überlege ich natürlich: wie kann ich den Menschen das näherbringen? Du wirst mit dem Projekt in den Technical Ballroom gehen, den das Staatstheater ab dem Herbst in der Exerzierhalle aufbaut. Der wird dir immerhin große Möglichkeiten eröffnen. Ja, das ist richtig. Wir nutzen das auch voll aus. Eine Schauspielerin wird durch eine VR-Brille meinen Blickwinkel einnehmen. Dabei kommt die 360-Grad-Technik zum Einsatz: Sie kann sich zum Beispiel beim Interview im Raum umsehen oder bei einem Spaziergang durch die Stadt den Blick schweifen lassen. Das Publikum sieht genau das auf einer großen LED-Wand und ist dadurch ganz nah dran an dem, was ich gesehen habe. Die Leute sehen also durch die Augen der Schauspielerin meine Perspektive. Damit kommen wir den Menschen näher als wenn es nur eine journalistische Betrachtung wäre. Lukas, wir wollen deine Zeit nicht länger beanspruchen, deine nächsten Gesprächstermine warten. Wie sind sehr dankbar, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Es ist zweifellos ein spannendes und wichtiges Projekt. Wir freuen uns darauf! Einen Gedanken möchte ich noch schnell loswerden: Das Staatstheater hat dieses Projekt ganz unkompliziert möglich gemacht. Gesine (Geppert, Leiterin der Sparte 7) und Kevin (Barz, Regisseur und Projektleiter Technical Ballroom) haben mich richtig stark unterstützt. Aber auch sonst gab es viel Support, das hatte sich so nicht erwartet. Die Reaktion war sofort: Hey, das klingt super, mach mal einen Kosten- und Finanzierungsplan. Ich bin wirklich überwältigt von dem Support auf beiden Seiten: Sowohl in Oldenburg als auch in der Ukraine. Ich habe noch nie so viel Unterstützung bekommen. Danke dafür! Wir danken für das das Gespräch!

  • KULTUR IM GEHEIMEN

    Eine tolle Location, die liegt nicht immer direkt auf der Hand, sondern versteckt sich auch manches Mal an völlig geheimen Orten und kann trotzdem so richtig Eindruck hinterlassen oder ist sogar bewusster Teil der Inszenierung. Doch die Frage ist: wo verstecken sich diese besonderen, geheimen Orte und was würde dort stattfinden? Eine Lesung? Musik? Tanz? Graffiti? Das möchte das Kulturbüro der Stadt Oldenburg von euch wissen und veranstaltet deshalb einen Wettbewerb, an dem ihr euch alle beteiligen könnt! Die Gewinneridee findet ihre Umsetzung in Form eines eigenen 360 Grad Videos. Man fühlt sich in der Zeit zurückgeworfen, rein ins Spätmittelalter. Wir befinden uns auf dem Dachboden des ältesten Hauses in Oldenburg, dem Degode Haus. Naja, nicht wirklich. Eine Cellistin übt in einer stillen Kammer. Klassische Streichermusik und wir direkt vor ihr. Naja, auch wieder nicht so wirklich. Ein Mausklick und wir blicken nach oben. Ein Mausklick und wir blicken um uns herum. Holz überall, Kerzen brennen. Nur die moderne Kleidung der Musikerin und das moderne Scheinwerferlicht verraten, dass wir wohl wahrscheinlich nicht wirklich im Mittelalter gelandet sind. Neue Technik, neue Möglichkeiten Stattdessen sind wir auf YouTube unterwegs, sitzen vor einem Bildschirm und können uns trotzdem einen genauen Eindruck davon machen, wo wir stehen. Denn seit einiger Zeit ist es nun schon auf der Videoplattform möglich sogenannte 360 Grad Videos hochzuladen und dem Publikum zur Verfügung zu stellen, die es einem erlauben, den eigenen Stadtpunkt innerhalb des Videos, quasi seinen Blick (Point of View) vollständig kreisen zu lassen. So kann das individuelle Erleben und Erkunden selbst gesteuert werden. Aber nicht nur das! Durch die Spatial Audio Technologie, verändert sich beim Blick durch den Raum auch die Wahrnehmung dessen, was und wie wir es hören. Eben (fast) real, so als stünden wir wirklich dort. Genau diese Technik nutzten auch Yvonne Franke und Sebastian Netta für ihr Projekt KammerKultur, nachdem sie im Dezember 2021 den Auftrag vom Kulturbüro der Stadt Oldenburg erhielten, zwei solcher 360 Grad Videos umzusetzen. Die Technologie steht dabei jedoch nicht im Vordergrund. Sie ist lediglich als das Vehikel beziehungsweise die Möglichkeit zu verstehen, die künstlerische Auseinandersetzung mit Räumen zu suchen, die für gewöhnlich im Verborgenen liegen und die wahrscheinlich niemand im ersten Moment mit Kunst und Kultur in Verbindung bringen würde, was das ganze natürlich unheimlich spannend macht. Die Inszenierungen sind dabei ganz bewusst als Work in Progress gehalten, als ungeschönte Darstellung von Arbeitsvorgängen, da die Zuschauerinnen und Zuschauer auf diese Art und Wiese Künstlerinnen und Künstler in intimer Atmosphäre erleben und ihnen bei ihrer kreativen Arbeit über die Schulter blicken können. Zwischen Dachboden und Gewächshaus So entstanden sowohl das Video mit der Cellistin Gerke Jürgens auf dem Dachboden des Degode Hauses hier in Oldenburg, als auch ein weiteres im nicht frei zugänglichen Teil des botanischen Gartens Oldenburg mit Gitarrist Martin Flindt. Ziel war es, Räume wirklich völlig neu zu entdecken und zu präsentieren, die also bisher dem größten Teil der Öffentlichkeit unbekannt waren. Der Dachboden des Degode Hauses war dabei für Franke und Netta auf ihrer Suche quasi ein Sechser im Lotto als eine solche Räumlichkeit, da sie bis dato noch nie für ein solches Projekt freigegeben und zugänglich gemacht wurde. "Eine Lektion, die wir dabei aber auf jeden Fall für die Zukunft gelernt haben ist, dass man auch die Jahreszeit mitdenken sollte - es war echt kalt bei den Aufnahmen, so mitten im Winter", erzählt Netta mit einem Lachen. Die Umsetzung innerhalb des Gewächshauses sticht nicht nur durch die besondere Aufnahmetechnologie heraus, sondern auch durch die Performance selbst. Denn hier war einer der Hauptacts bereits ohnehin vor Ort: die Pflanzen. Ja, das ist kein Witz und ihr lest ganz richtig. Pflanzen können, auch hier wieder mit der Hilfe der Technik, ebenfalls musizieren. Dabei wird ein Detektor an diese angeschlossen, der die elektrischen Spannungsunterschiede misst, die bei einer Pflanze auf der Oberfläche entstehen und verwandelt die Informationen anschließend in sogenannte MIDI-Daten, die wiederum ein Instrument wie ein Synthesizer oder die entsprechende Musiksoftware verstehen und in Sounds umsetzen kann. So musste sich Gitarrist Martin Flindt, nicht nur mit einer völlig ungewohnten Umgebung vertraut machen und diese musikalisch für sich interpretieren, sondern auch mit seinen floralen Bandmitgliedern arrangieren, deren nächste Note immer unvorhersehbar blieb. Dabei war für alle Anwesenden verblüffend, dass die Pflanzen aus ungeklärten Gründen sogar auf die Anwesenheit der Gärtner zu reagieren schienen und in diesem Fall andere Töne erzeugten als sonst. Gibt es dafür eine logische Erklärung? Bestimmt. War es trotzdem ein besonderer Moment? Absolut! Eure Ideen sind gefragt! Auch auf metaphorischer Ebene wirft das Projekt der Kammerkultur, das ebenfalls in der Pandemie entstand, sein Licht auf den Umstand, dass der Kultur- sowie Veranstaltungssektor massiv unter den Einschränkungen der Pandemie zu leiden hatte. „In Zeiten von Corona, Lockdown und Veranstaltungsverboten hat sich notgedrungen auch das Kulturleben aus der Öffentlichkeit zurückgezogen in private, intime Räume“, schildert Christiane Maaß vom Kulturbüro. So schufen oder suchten sich die Menschen in den vergangenen zwei Jahren ihre eigenen, ganz persönlichen Kammern. Doch „was aus der Not heraus entstanden ist, hat ein bislang unausgeschöpftes Potenzial zutage gebracht.", zeigt sie sich begeistert. Und genau hier setzt der Ideenwettbewerb des Kulturbüros der Stadt Oldenburg an. Zwar haben sich in der Zwischenzeit die damaligen Einschränkungen wieder gelockert, auch ein Lockdown liegt noch schon einige Monate in Entfernung und wir alle können aktuell auch glücklicherweise größtenteils wieder Kultur so erleben, wie es vor der Pandemie möglich war. Doch eins steht fest: es gibt mit ziemlicher Sicherheit noch unzählige weitere Orte zu entdecken und zum Leben zu erwecken. An diesem Punkt kommt ihr ins Spiel! Ihr habt oder kennt einen solchen unentdeckten, privaten oder verborgenen Ort, den nur ihr oder kaum jemand bisher kennt - gerade im kulturellen Kontext? Und ihr wisst genau, was ihr dort inszenieren wollen würdet? Dann wartet gar nicht länger: her mit euren Ideen! Das Kulturbüro freut sich auf eure Einsendungen.

  • COMING OUT IST ...

    das Motto des diesjährigen CSD Nordwest, der diesen Samstag in Oldenburg stattfindet. Nach 2 Jahren Pandemie, in den denen die Veranstaltung leider immer nur unter strengen Auflagen und in kleinerem Format stattfinden konnte, findet der CSD nun zurück zu alter Form und wird dabei doch etwas anders als man ihn die Jahre zuvor kannte. Schließlich ist auch die Welt in den letzten Jahren und besonders den letzten Monaten eine völlig andere geworden. Sie ist politischer als je zuvor und deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich dies auch noch stärker als ohnehin schon beim CSD widerspiegeln wird. Fokus: politisches Statement In gewisser Hinsicht betont man hiermit die eigentlichen Wurzeln der Pride-Bewegung. Denn auch beim CSD hier in Oldenburg handelt es sich in erster Linie immer um eine politische Demonstration, die für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und queeren Menschen kämpft. Für viele, die sich bisher noch nicht näher mit dem CSD beschäftigt haben, mag es vielleicht fälschlicherweise so wirken, dass es sich bei der Veranstaltung einfach „nur“ um eine riesige Feier handelt. Doch selbst das Feiern als solches trägt hier bereits eine klare Bedeutung, weil es das Leben auf positivste Art und Weise in all seiner Vielschichtigkeit aufleben lässt und dabei die Thematik unüberseh- und hörbar in die Stadt und Gesellschaft hineinträgt! „Wir sind total glücklich, dass bereits 28 Gruppen und Initiativen ihre Teilnahme an der Demonstration bestätigt haben. Es ist spürbar, wie groß die Vorfreude ist, wieder gemeinsam für unsere Sache auf die Straße gehen zu können und wir sind zuversichtlich, erfolgreich an das Jahr 2019, vor der Pandemie, anknüpfen zu können.“ - Andreas Gerbrand , CSD Nordwest e.V. Im Zuge dieser leichten Neuausrichtung wurde auch ein wenig am bisherigen Konzept der Demonstration geschraubt. Denn in diesem Jahr sind nur noch Wagen mit einer Höchsttraglast bis 3,5 Tonnen zugelassen, was bedeutet, dass keine Personen mehr auf den Wagen sein werden, außer denjenigen, die für die passende Musik sorgen. Hiermit möchte man ebenfalls den politischen Charakter der Veranstaltung untermauern, aber darüber hinaus auch größer denken und Sicherheits- beziehungsweise Klimaschutzaspekte berücksichtigen. Ein Thema, viele Facetten Beim Motto hat man sich in diesem Jahr mit „Coming Out ist …“ bewusst dazu entschieden ein Thema zu wählen, das extrem individuell für LSBTIQ*-Menschen ist und letztlich auch völlig unterschiedliche Konsequenzen haben kann. In vielen Ländern ist ein Coming Out bis heute eine unüberwindbare, gefährliche Hürde, die bis hin zur Verfolgung führen kann und somit ein eindeutiger Fluchtgrund ist. Und selbst in Deutschland kann auch heute noch ein Coming Out für LSBTIQ*-Menschen negative Folgen haben. Ein prägnantes Beispiel dafür ist beispielsweise die Kampagne „#outinchurch“ von LSBTIQ*-Menschen, deren Arbeitgeberin die katholische Kirche ist und die beim offenen Ausleben ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung massive arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten müssen, die oftmals bis zur Zerstörung der aufgebauten beruflichen Existenz führen können. Auch hier wird die riesige Bedeutung klar, die eine Veranstaltung wie der CSD erfüllt, weil er den Menschen aufzeigt, dass sie sich als Teil einer gemeinsamen Bewegung verstehen können, sich gegenseitig Mut machen und stolz auf das eigene Coming Out sein. Um die Individualität des Coming Outs zu verdeutlichen und allen die Möglichkeit zu geben, ihre ganz eigene, persönliche Botschaft zu senden, können sich Teilnehmende vor Demo-Beginn am Info-Stand des CSD eigene Plakate holen und den Slogan "Coming Out ist ..." ganz für sich ausgestalten. Das Programm: Neues ausprobieren Natürlich gibt es auch diesmal rund um die eigentliche Demo ein vielfältiges Rahmenprogramm, das jedoch ebenfalls (gezwungenermaßen) einzelne Neuerungen bereithält. Hier wurde jedoch, wie sich nun inzwischen rausgestellt hat, aus der blanken Not eine Tugend gemacht. Denn dieses Jahr werden viele die Nacht der kleinen Künste im ersten Moment vielleicht schmerzlich vermissen. Diese musste ausfallen, weil zum eigentlichen Zeitpunkt der Vorbereitungen auf den Event aufgrund der Pandemie keinerlei Planungssicherheit bestand. Doch einfach gar nichts stattfinden zu lassen, kam auch nicht in Frage, weshalb sich nun ein neues Format gefunden hat, dass sich vielleicht sogar lohnt beizubehalten: der CSD Warm Up, der bereits heute am 17.06.2022 ab 19 Uhr auf dem Schlossplatz stattfindet. Hier wird schon am Abend zuvor für die richtige Stimmung gesorgt, denn es erwartet euch, unter anderem, Musik von Esther Filly und auch Poetry Slammerin/Kabarettistin Annika Blanke wird mit von der Partie sein. Am Samstag geht es dann um 11 Uhr mit Redebeiträgen und Musik auf dem Schlossplatz weiter. Mit der Pride Mile gibt es zudem von allen beteiligten Initiativen allerlei Informationen für Interessierte. Um 13 Uhr beginnt dann die Demonstration, die gegen 15 Uhr, wieder zurück am Schlossplatz, in die Kundgebung und das Kulturfest übergeht. Für Menschen, die Unterstützung auf der Demo-Strecke benötigen steht sogar ab 12 Uhr am Prinzenpalais ein Bus mit 54 Sitzplätzen und 3 Plätzen für Rollstuhlfahrende bereit, der die Demo begleiten wird. Doch vorbei ist der CSD dann noch lange nicht: um 22 Uhr beginnt dann in der umBAUbar die Night of the Pride, mit der der Tag dann seinen mehr als gebührenden Abschluss findet! Weitere Informationen zur Demonstration, zum Programm/Ablauf und natürlich auch dem Verein hinter der Veranstaltung findet ihr unter: www.csd-nordwest.de

  • FREIRAUM FÜR FREIRÄUME

    Bei etwas nicht nur dabei zu sein und zuzuschauen, sondern aktiv zu sein und mitzugestalten, macht einen erheblichen Unterschied. Wir werden dadurch Teil eines Ganzen, die Sache wird zur unseren, wir fühlen uns zugehörig. Ganz besonders, wenn es dabei um Veränderung und Entwicklung geht. Klingt gut? Dann solltest du am Sonntag auf dem Platz vor der Kulturhalle am Pferdemarkt vorbeischauen. Aber Achtung: Es wird schmutzig! Die äußerst umtriebige Agentur Raum auf Zeit sorgt normalerweise dafür, dass in leerstehenden Gebäuden wieder etwas passiert. Was das angeht, ist „RAZ“ längst zu einem festen Begriff in Oldenburg geworden und versorgt uns mittlerweile sehr zuverlässig mit spannenden Projekten. Jetzt geht's erstmals raus an die frische Luft! Jedoch nicht in Form einer Zwischennutzung, sondern als ein partizipatives Experiment. Welche Freiräume brauchen wir? Der Kontext ist dabei ein größerer. Es geht um die Eroberung städtischen Freiraums. Beziehungsweise: Um Luft zum Atmen. Wer mal durch die Haarenstraße gegangen ist, als das ehemalige Hema-Gebäude abgerissen war, weiß was wir damit meinen: die Stadt öffnete sich dort plötzlich und lud dazu ein, etwas mit ihr zu unternehmen. Wäre da nicht der Bauzaun gewesen - und würde das Gelände nicht längst schon wieder zugebaut - dann wäre vieles denkbar gewesen, das Menschen zusammengebracht und ihnen Freiräume eröffnet hätte. Doch die Chance ist vertan. Schade! Vor der Exerzierhalle gibt es aber noch einen Freiraum. Bezeichnenderweise: eigentlich ein Parkplatz, also ordentlich zweckbestimmt. Aber wie sieht es denn mit wahrhaft freien Plätzen aus? Die man nutzen, füllen und gestalten kann? Ohne Antragsverfahren, ohne Genehmigungen und Bescheinigungen? Leben wir tatsächlich in einer Welt in der so wenig geht? Das muss doch mehr möglich sein. Dachte sich auch das Team von Raum auf Zeit. Es geht bei dem Projekt freilich nicht darum, öffentlichen Raum zu besetzen und anzueignen. Es geht um etwas anderes: Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass so etwas nötig ist. Und ein Beispiel dafür zu kreieren, welche Ergebnisse so etwas liefern kann. Deshalb wurde zunächst eine Online-Umfrage kreiert, in der man danach fragte, wie der ideale Kulturplatz für Oldenburg aussehen müsse. Am 26. Juni um 13 Uhr folgt der zweite Schritt: Zusammen mit den Graffiti-Künstlern von „Die Jungs“ wurde der Platz vor der Exerzierhalle zu einem ganz bestimmten Zweck vorbereitet: Euren Input aufzunehmen! Ja, richtig! Hier geht es nicht um Likes, Shares und Comments. Hier geht es um ganz reale Taten in der echten, analogen Welt! Du kannst deiner Fantasie freien Lauf lassen - und deine persönlichen Wünsche und Visionen artikulieren. Nutz das aus! Wem gehört die Stadt? Treffpunkt ist zunächst das „Re:claim“-Festival in der Achternstraße 15/16, das einen ganz ähnlichen Ansatz hat. Die Stadt zurückerobern? Das klingt kämpferisch - und ein bisschen ist es auch so gemeint. Geschenkt gibt es nichts in dieser (Geschäfts-)Welt, so viel ist klar. Deshalb braucht es den Willen und die Willensäußerung vieler, um das Thema in den Mittelpunkt zu rücken. Denn zwei Fragen müssen ja erlaubt sein: Wem gehört die Stadt? Und was fangen wir mit ihr an? Was möglich wäre, deutet die Veranstaltung am Sonntag zumindest an. Träumen darf man von noch viel mehr. Erstmal aber solltet ihr dabei sein, wenn ein Parkplatz zu einem Kunstprojekt wird. Und, ganz genau, ihr solltet nicht nur dabeisein, ihr solltet auch mitmachen. Wann hat man schon die Chance, mit echten Profis an einem gemeinsamen Werk zu arbeiten (und sich richtig schön schmutzig zu machen) - und gleichzeitig einen wichtige inhaltliche Debatte anzustoßen? Wir sehen uns dort.

  • AUF DIE FREUNDSCHAFT!

    Wir alle wissen: gute Freundschaften sind einfach unbezahlbar. Das gilt nicht nur für jeden von uns privat, sondern auch für eine kulturelle Einrichtung wie das Horst-Janssen-Museum. So finden viele der Museen in Deutschland Unterstützung durch jeweils eigene Fördervereine und Freundeskreise, die das Programm und Angebot an Ausstellungen in seiner letztlichen Form so erst für die Besucherinnen und Besucher ermöglichen. Im Horst-Janssen-Museum feiert man nun das 25-jährige Bestehen des Fördervereins mit einer eigenen Ausstellung. EINE SACHE DER FREUNDSCHAFT BIS 17. JULI 2022 DI - SO 10:00 - 18:00 UHR HORST-JANSSEN-MUSEUM AM STADTMUSEUM 4-8 26121 OLDENBURG Was bedeutet eigentlich Freundschaft? Wenn man das Wort einmal fix in die Google Suchleiste reintickert, erhält man als erstes Ergebnis den zugehörigen Wikipedia Artikel, der da im ersten Satz als grundlegende Definition angibt: "Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet." Doch während sich diese Definition auf einzelne Menschen begrenzt, lässt sich der Begriff auch mindestens im bildlichen Sinne auf Einrichtungen, Institutionen und vieles weiteres übertragen. Denn für eine große Anzahl an Museen in Deutschland ist Freundschaft vor allem im Sinne der steten Unterstützung zu verstehen, die die sogenannten Fördervereine und Freundeskreise übernehmen. Allein dem Bundesverband der Fördervereine deutscher Museen für bildende Kunst, einer Dachorganisation, die gebündelt auf überregionaler Ebene ihre Interessen vertritt, gehören inzwischen 86 Museen an, der hierdurch über 120.000 Mitglieder vertritt. Wir vom Kulturschnack dachten uns: Zeit, euch das Konzept und die Idee hinter diesen Vereinen einmal vorzustellen. Gerade und vor allem dann, wenn es hierzu einen wunderbaren, aktuellen Anlass gibt: Der Freunde und Förderer des Horst-Janssen-Museums Oldenburg e.V. feiert sein 25-jähriges Bestehen! Von Beginn an essenziell „Das Museum und seinen Verein verbindet eine langjährige Beziehung. Hier geht und ging es nicht nur um flankierende Maßnahmen, sondern eben schon vor 25 Jahren um eine Initialzündung, die ganz wesentlich dazu beigetragen hat, dass es dieses Horst-Janssen-Museum in Oldenburg gibt.“, sagt Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos über die besondere Beziehung. Denn bereits am 3. Juni 1997 wurde der Verein gegründet, mit dem Ziel, den Bau eines Museums für den großen norddeutschen Zeichner, Grafiker, Autor und Ehrenbürger der Stadt Oldenburg zu unterstützen. Drei Jahre später, im November 2000, war es dann soweit: Das Horst-Janssen-Museum wurde eröffnet. „Seitdem unterstützt der Freundeskreis auf vielfältige Weise und mit außerordentlichem Engagement die Arbeit und die Weiterentwicklung des Horst-Janssen-Museums. Mit dieser Ausstellung möchten wir uns bei unserem Förderverein bedanken; gleichzeitig ist sie auch für uns ein schöner Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre“, sagt Christiane Cordes, die Leiterin des Amtes für Kultur, Museen und Sport der Stadt Oldenburg. Ein Vierteljahrhundert tolle Zusammenarbeit Die Ausstellung soll nun zu einer Zeitreise durch die vergangenen 25 Jahre einladen. „Rund 500 Werke von Horst Janssen hat der Verein über die Jahre angekauft oder als Schenkung erhalten und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt“, sagt Antje Tietken, die die Ausstellung kuratiert hat. „Wir zeigen ein Best of von rund 60 Werken, darunter Selbstporträts, die Radierzyklen Nigromontanus und Caspar David Friedrich, Lithografien und Zeichnungen.“ Auch in seiner Forschungs- und Dokumentationsarbeit wird das Museum vom Verein unterstützt, so zum Beispiel beim Projekt „Zeitzeugen“, für das 35 Weggefährten von Horst Janssen interviewt wurden. In den Videos, von denen eine Auswahl in der Ausstellung gezeigt wird, kommen unter anderem der Galerist Hans Brockstedt, Horst Janssens Frau Verena Janssen und der ehemalige Vorsitzende des Oldenburger Kunstvereins Dr. Dr. Ummo Francksen zu Wort. Jüngster Coup der Freunde und Förderer ist ein Forschungsstipendium, das er gemeinsam mit dem Museum ins Leben gerufen hat. Die erste Stipendiatin Aline Helmcke hat im Januar ihre neunmonatige Residenz in Oldenburg angetreten. Sie forscht nicht nur am Horst-Janssen-Museum, sondern ist selbst Künstlerin und bereichert die Jubiläumsausstellung mit einem Einblick in ihre Forschungsaktivitäten sowie eigenen Arbeiten, die während ihrer Beschäftigung mit Janssens Frühwerk entstanden sind. Berechtigterweise mag man sich in diesem Zuge die Frage stellen, wie der Verein das finanziell packt. Die Antwort: Mitgliedsbeiträge, die sich jährlich auf etwa 20.000 Euro belaufen und durch weitere Einzelspenden aufgestockt werden, die durchaus im fünfstelligen Bereich liegen können. Das sind natürlich Summen, die bei der Herausforderung das Werk Janssens Stück für Stück immer weiter innerhalb des Museums zu bündeln, einen substanziellen Unterschied machen. Dieses Engagement der Mitglieder bleibt natürlich nicht ohne gewisse Vorzüge und Vorteile. Wer sich dem Förderverein anschließt hat freien Eintritt ins Horst-Janssen-Museum, das Stadtmuseum Oldenburg und das Edith-Russ-Haus, aber auch ins Groninger Museum und in die Kunsthallen Bremen und Emden. Hinzu kommen Einladungen zu Previews und gemeinsame Ausflüge. „In den letzten 25 Jahren haben wir für und gemeinsam mit dem Horst-Janssen-Museum viel erreicht“, resümiert Vereinsvorsitzende Inge von Danckelman und fährt fort: „Der Förderverein wird das Museum auch weiterhin bei wichtigen Zukunftsfragen in vielerlei Hinsicht unterstützen und die kulturelle Bedeutung des Museums ins öffentliche Bewusstsein rücken. Und dafür hoffen wir auf viele weitere aktive Mitglieder." Wer sich also für Kunst, Kultur und die Arbeit von Museen interessiert, der wird in den Fördervereinen sicher viele Gleichgesinnte und, wer weiß, neue Freunde finden. Da bleibt uns nur noch zu schreiben: auf die Freundschaft und noch viele weitere wunderbare Jubiläen! Wer nun selbst Interesse an einer Mitgliedschaft im Freunde und Förderer des Horst-Janssen-Museums e.V. hat und in den Genuss der Vorteile kommen möchte, die eine solche mit sich bringt, der findet hier weitere Informationen: horst-janssen-freunde.de

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