DOPPELT DRUCKFRISCH

Die Sommerferien sind vorbei und mit ihnen auch die Sommerpause des Literaturhauses. Ohne lange Aufwärmphase starten Monika Eden und Sina Lührs mit einem attraktiven Programm in den Bücherherbst. Zwei Lesungen stehen in den kommenden Tagen an - ganz unterschiedlich, aber mit einer großen Gemeinsamkeit: Es lohnt sich hinzugehen!



In Oldenburg weltberühmt: Autor Bernd Eilert und seine Mitstreiter Klaus Modick und Detlef Roßmann (Bild: Bernd Eilert/Privat)

 

LESUNG BERND EILERT „MEINE ILE DE RÉ“ MONTAG, 29. AUGUST 2022 19.30 UHR


KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG KARTEN? HIER.

 

Den Auftakt macht bereits am 29. August kein geringerer als Bernd Eilert. Wenn man ihn als „keinen Unbekannten“ vorstellen würde, wäre das vermutlich das Understatement des Jahres. Eilert ist in Oldenburg weltberühmt - und auch darüber hinaus. Er wird im Kulturzentrum PFL sein neuestes Werk „Meine Ile de Ré“ vorstellen. Sein Timing könnte dabei besser nicht sein, denn zu diesen Sommerwochen passen die „Insel-Plauderein eines bekennenden Bohemians“ (O-Ton des MARE Verlags) bzw. Reiseerinnerungen mit französischer Leichtigkeit perfekt. Eilert erzählt dabei vom eher diskreten Charme der Insel, deren Mangel an offensichtlichen Sehenswürdigkeiten sie zum idealen Ort für Müßiggänger macht. Wenn man konzentriert schnuppert, kann man die Druckerschwärze übrigens noch riechen, denn das Buch erschien erst am 26. Juli im Mare Verlag. Es ist also erst wenige Wochen alt.


Weiß auch äußerlich zu gefallen: Das neue Buch von Bernd Eilert (Bilder: MARE Verlag)


Die Lesung im PFL ist eine hervorragende Gelegenheit, Eilerts gewohnt intelligenten, analytischen und häufig amüsierten Blick auf Situationen und Begebenheiten kennenzulernen. Nicht zuletzt deshalb, weil er nicht allein kommt, sondern in prominenter Begleitung. Neben Eilert werden auch sein nicht minder bekannter Kollege Klaus Modick und der ehemalige Kino-Betreiber Detlef Roßmann auf der Bühne sitzen. Kenner:innen ahnen, was das bedeutet: Nicht nur die Lesung eines neues Werks, sondern geistreiche Unterhaltung mit spannenden Ansichten und Einblicken, aber sicher auch mit dem einen oder anderen Bonmots. Schließlich war Eilert Mitbegründer des Titanic-Satiremagazons und hat über viele Jahre hinweg intensiv mit Otto Waalkes zusammengearbeitet.


Die „Oldenburg-Abende“ des Literaturhauses sind also nicht umsonst beim heimischen Publikum überaus beliebt: Auch wenn sie (wie dieses Mal) in die Ferne schweifen, drehen sie sich häufig um unsere gemeinsame Heimatstadt - und setzen sie in neue, immer interessante, manchmal provokante, oftmals humorvolle Kontexte. Sowas lohnt sich immer.


BERND EILERT

MEINE ILE DE RÉ


MARE VERLAG

gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

192 Seiten

ISBN: 978-3-86648-653-9

Erscheinungsdatum: 26.07.22

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Bernd Eilert, geboren 1949 in Oldenburg, lebt seit gut 50 Jahren in Frankfurt a.M., wo er zur Neuen Frankfurter Schule gehört. Er war u.a. Mitbegründer der Zeitschrift Titanic; eine andauernde Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Komiker Otto Waalkes. Für sein Schaffen als Erzähler und Übersetzer wurde Eilert mit dem Preis der LiteraTour Nord und dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet.


 



Mag Kontraste: Miku Sophie Kühmel legt sich auch in ihren Büchern nicht auf eine Stimmungslage fest. (Bild: Olga Blackbird)

 

LESUNG MIKU SOPHIE KÜHMEL „TRISKELE“ MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 2022 19.30 UHR WILHELM 13

LEO-TREPP-STRAßE 13 26121 OLDENBURG


KARTEN? HIER.

 

Nur neun Tage nach dem „Oldenburg-Abend“ findet bereits die nächste Lesung des Literaturhauses statt, allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen. Mit Miku Sophie Kühmel ist eine vielversprechende junge Autorin in Oldenburg zu Gast und wir ihr neuestes Werk „Triskele“ im Wilhelm 13 vorstellen. Er handelt von den drei Schwestern Mercedes (48), Mira (32) und Matea (16), deren Mutter sich das Leben genommen und ihnen nur wenig hinterlassen hat. Als Kinder aus drei Generationen sind die Schwestern mit der gleichen Frau aufgewachsen, aber nicht gemeinsam. Und nun stellt sich ihnen die große Frage: Wer war ihre Mutter?


Die Kritik ist voll des Lobes für das zweite Buch der gebürtigen Gothaerin Kühmel, die heute in Berlin arbeitet und lebt. Der MDR ließ sich von diesem Roman "gefangennehmen", die Vogue attestierte der Autorin „großes Talent“. Monika Eden vom Literaturhaus bezeichnet das Buch als „verträumt und raubeinig“, was in dieser Kombination vielleicht einmalig sein dürfte. Mit der Bildung eures eigenen Urteil könnt ihr sofort beginne, denn eine Leseprobe findet ihr hier.



Am Anfang der Erbschein: das neue Buch von Miku Sophie Kühmel. Ihr Erstling „Kintsugi“ ist ebenfalls lesenswert. (Bilder: S. Fischer Verlag)



Wenn Eilerts Erinnerungen an die Ile de Ré brandneu sind, dann brennt „Triskele“ lichterloh, denn das Buch erschien erst am 10. August, ist also zum Zeitpunkt der Lesung noch keinen Monat auf dem Markt. Ein toller Coup des Literaturhauses, voll auf der Höhe der Zeit aktuelle Literatur zu präsentieren. Und während man bei Eilert im Großen und Ganzen weiß, was man bekommt (was positiv gemeint ist), überwiegt bei Kühmel die Experimentierfreude. Ihr Erstlingswerk „Kintsugi“ dürften nur die wenigsten kennen. Aber das ist kein Manko, denn so kann man sich unvoreingenommen auf eine junge Künstlerin freuen, die spannende neue Akzente in die Szene bringt.


Zum festen Programm der Lesung gehört übrigens auch dass Gespräch mit der Autorin. Das ist eine fantastische Gelegenheit, mehr über sie, das Werk und dessen Entstehung oder die Inhalte zu erfahren. Unsere Empfehlung: Nutzt das unbedingt aus! Zwar gibt es immer eine gewisse Hemmschwelle, seine Gedanken vor dem Publikum preiszugeben - die Belohnung dafür ist aber wertvoller Input für alle Anwesenden; und das gute Gefühl, über den eigenen Schatten gesprungen zu sein.


MIKU SOPHIE KÜHMEL

TRISKELE


S. FISCHER VERLAG

272 Seiten

ISBN: 978-3-10-397111-8

Erscheinungstermin: 10.08.2022


Miku Sophie Kühmel wurde 1992 als jüngste von drei Schwestern in Gotha geboren. Sie hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert – kurz in New York und länger in Berlin, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie ist freie Schriftstellerin und produziert verschiedene Podcast-Formate. Nach Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften erschien 2019 ihr Debütroman »Kintsugi«. Sie erhielt u.a. Stipendien des Alfred Döblin-Hauses der Akademie der Künste, des Künstlerhofes Schreyahn und der Stadt Gotha.