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  • PODCAST: FOLGE 23

    Die Kulturtafel Oldenburg ermöglicht allen Menschen an Kulturveranstaltungen und dem kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen, auch wenn ihnen hierzu eigentlich die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Wie dies durch die Hilfe starker Partnerschaften möglich wurde und warum die Arbeit des Vereins so wichtig ist, das erfahrt in dieser neuen Episode vom Kulturschnack Podcast. Denn eine Kulturveranstaltung besuchen zu können, das dient nicht einfach nur der bloßen Unterhaltung - nein, bei weitem nicht! Man ist unter und trifft auf Menschen, lernt vielleicht sogar neue Freunde kennen und tauscht sich über das Gesehene oder Bevorstehende aus. Automatisch entsteht das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein. Wem also im Umkehrschluss die finanziellen Möglichkeiten fehlen, an solchen Veranstaltungen teilnehmen zu können, dem fehlt nicht bloß einfach nur ein wenig Unterhaltung. Es fehlt ganz entscheidend an gesellschaftlicher Teilhabe. Deshalb ist diese Podcastepisode für uns eine besondere und längst überfällig. Denn mit Mareike Urfels dürfen wir diesmal die Geschäftsführerin des Kulturtafel Oldenburg e.V. bei uns begrüßen. Ihr Anliegen? Genau diesen eben beschriebenen Missstand beseitigen und gesellschaftliche Teilhabe für Alle ermöglichen, unabhängig davon ob man sich diese finanziell leisten kann. Wir finden schon lange: das kann man schlichtweg einfach nur toll finden, weshalb wir als Kulturschnack auch bereits seit über einem Jahr, neben Poetry Slammerin und Autorin Annika Blanke, offiziell Botschafter für die Kulturtafel sein dürfen - eine große Ehre! Diese Botschaft haben wir natürlich auch bereits mehrfach nach außen tragen dürfen, beispielsweise in schriftlicher Form, wie hier in diesem Artikel: Nun wurde es jedoch dringend Zeit, der Kulturtafel auch in unserem Podcast den nötigen Platz einzuräumen. Entstanden ist dabei ein Gespräch, in dem ihr mit uns und Mareike die Entstehung der Kulturtafel Oldenburg nachverfolgen könnt, wie die Idee von einer einzelnen Person nach Oldenburg getragen wurde und erfahrt wie sowohl kulturelle, als auch soziale Partnerschaften, die letztliche Arbeit des Vereins überhaupt erst ermöglichen. Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Hören der Folge und wenn ihr jetzt oder im Anschluss an die Folge denkt: "Hey, die Kulturtafel, die würde ich gerne unterstützen.", dann findet ihr unter nachfolgendem Link alle Informationen um genau das zu tun: www.kulturtafel-oldenburg.de/spende-foerderkreis

  • PODCAST: FOLGE 25

    Seit fast 10 Jahren ist Christian Firmbach leitender Generalintendant unseres Oldenburgischen Staatstheaters. Doch dieses Kapitel wird nun im kommenden Jahr ein Ende finden, wenn Firmbach Richtung Karlsruhe an das Badische Staatstheater wechselt. Doch bevor es soweit ist, hatten wir die große Freude ihn bei uns im Studio begrüßen zu dürfen und mit ihm ein wenig auf die vergangene Zeit zurückzublicken. Gemeinsam gehen wir in dieser Episode anhand seines bisherigen Weges der Frage auf den Grund, was es eigentlich braucht, um Intendant eines Theaters zu werden. Wie sieht ein solcher Weg aus? Über welche Stationen führt er, lässt er sich irgendwie definieren und welche Fähigkeiten braucht es dafür? Unweigerlich landet man bei dieser Erzählung dann bei uns - hier in Oldenburg. Was man dabei dann ganz schnell merkt: hier spricht jemand über eine Stadt, die ihm wirklich am Herzen liegt! Wie war das damals, als er das Staatstheater übernahm und warum überhaupt Oldenburg? Wie geht man einen solchen Neubeginn, an einem so großen Haus, überhaupt an? Anhand zahlreicher innovativer Projekte, die das Theater immer wieder erfolgreich umsetzt, wie beispielsweise dem Technical Ballroom oder dem damaligen Theaterhafen, erzählt uns Firmbach mit Begeisterung davon, wie er die Arbeit eines Theaters versteht und wie Sie in seinen Augen den Sprung in die Zukunft schaffen kann. An Ideen mangelt es definitiv nicht! Wir können euch jedenfalls fest versprechen, dass keine unserer Fragen in dieser neuen Folge unbeantwortet bleibt und euch eine spannende Stunde voller Einblicke in die Welt hinter dem großen Vorhang erwartet. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören! Das aktuelle Programm, weitere Informationen oder Tickets für euren nächsten Besuch im Staatstheater findet ihr unter: ⁠www.staatstheater.de

  • NICHTS WIE HIN (1)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • FLAUSEN+ IM KOPF

    Theater entsteht durch Ideen, doch nicht aus jeder Idee entsteht Theater. Um das zu ermöglichen, muss man vor allem für junge Akteur:innen Perspektiven eröffnen und Wege ebnen. Nur so wird Interesse zur Leidenschaft - und junge Kreative zu Theatermenschen. Genau das hat sich das Bundesnetzwerk flausen+ zum Ziel gemacht. Entstanden ist es in Oldenburg - und hat hier auch weiterhin sein Hauptquartier. Höchste Zeit für einen Besuch. Kein Zweifel: Das Image der Flause könnte besser sein. Mehrheitlich wird sie als etwas interpretiert, das weitgehend sinnfrei ist und das man deswegen besser zu lassen hat. Doch damit tut man ihr Unrecht. Auch wenn die Flause tatsächlich etwas Irrationales ist, das keinen messbaren Gegenwert erzeugt, ist gerade das ihre herausragende Qualität. Die Flause ist ein Spiel- und Experimentierfeld. Und gerade deshalb wertvoll. Im Oldenburger theater wrede+ begann diese Erkenntnis bereits in den „Nuller Jahren“ zu reifen. In dem kleinen Haus in der Klävemannstraße verfolgte man stets große theatralische Ziele und Visionen, erkannte aber auch die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin. Die Frage war: Wie kann mutiges, ambitioniertes Theater gelingen - wenn es für junge Theaterleute nirgendwo die Gelegenheit gibt, mutig und ambitioniert zu werden? Und die Antwort darauf - ihr ahnt es - hat mit Flausen zum tun. Flausen im Kaffee Ortstermin bei Käthe Kaffee in der Oldenburger Kaiserstraße, der Einflugschneise vom Hauptbahnhof in die Innenstadt, aber auch Dreh-und Angelpunkt für die benachbarte Kulturszene. Es herrscht reger Betrieb, die Kaffeemühle läuft auf Hochtouren, die Aufschäumdüse zischt heiße Luft in die Milch. An einem Tisch wartet Julika Wagner auf uns. Sie ist Pressesprecherin der flausen+ gGmbH und damit die ideale Ansprechpartnerin für alle, die der Flause etwas abgewinnen können - also auch für uns! Früh dran sind wir mit unserem Gespräch allerdings nicht. Gegründet wurde flausen+ bereits im Jahre 2010, hat die ersten Gehversuche also längst hinter sich und ist in der Szene fest etabliert. Dennoch gibt es ausgerechnet in der Heimatstadt Oldenburg nach wie vor viel Unwissenheit, was die Arbeit des Netzwerks angeht, Manchmal erinnert es an den Propheten im eigenen Lande: Im Rest der Republik geschätzt und anerkannt, in der Heimatstadt oft noch mit Skepsis betrachtet. Vielleicht liegt es daran, dass die Flause erstmal schwer greifbar ist: Was will sie, was haben wir von ihr? Und warum nur gründet man ein Netzwerk mit diesem Namen? Julika lacht: Sie hört diese Frage nicht zum ersten Mal. „Die Idee basiert auf einer Erkenntnis: Künstler:innen müssen forschen können, um ihren Weg zu finden“, erklärt sie. „Und zwar ohne den Druck, dass es am Ende ein festes Ergebnis in Form einer Produktion geben muss.“ Das würde nämlich bedeuten, sich am Massengeschmack auszurichten. Forschen meint hier also: ausprobieren, versuchen, die Flause im Kopf einfach mal rauslassen - und womöglich scheitern. Das allerdings, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen; erst das verleiht die nötige Freiheit. Plädoyer fürs Probieren Das erklärte Ziel ist also die Förderung des Theaternachwuchses - und damit der Theaterlandschaft insgesamt. Untrennbar damit verbunden ist das Prinzip „Trial & Error“: Es ist nicht nur geduldet, Risiken einzugehen und Experimente zu wagen, es ist explizit erwünscht. Das sei in dieser Form einzigartig, weiß Julika: "Wir wollen, dass die Gruppen Wagnisse eingehen mit ihrer Recherche. Dadurch kommen ganz andere Themen auf den Tisch als sonst." Ecken und Kanten seien hier kein Kassengift, sondern notwendige Elemente des Schaffensprozesses. Was funktioniert, wird fortgeführt und findet vielleicht den Weg in ein Theaterprojekt. Was nicht klappt, wird verbessert oder aufgegeben. Sicher ist nur eines: Der Lerneffekt bei den Teilnehmenden. Und genau darum geht es. Diesen Ansatz kann man natürlich für eine Flause im Sinne des Dudens halten: Für Unsinn, für Spinnerei. Aber gerade das ist er nicht, schließlich entstehen ohne Freiräume wie diese keine neuen Wege - und ohne sie kein Forschritt. Wenn wir für immer das etablierte Theater der Vergangenheit sehen wollen, dann wäre flausen+ tatsächlich unnötig. Wollen wir das nicht, wünschen wir uns Entwicklung und Veränderung, dann ist flausen+ das genaue Gegenteil: unverzichtbar. Alles nur Flausen? Titel und Bilder der Stipendien machen jedenfalls neugierig. Für mehr Informationen einfach auf das Foto klicken. (Bilder: flausen+) Groß denken, mutig handeln Initiiert wurde das Projekt maßgeblich von Winfried Wrede, seinerzeit Leiter des gleichnamigen Theaters. Er ist jemand, der Schauspiel gern in großen Kontexten denkt, der ihm eine gesellschaftliche und politische Dimension zuschreibt. Um diese Rolle auszufüllen, reicht es aber nicht aus, klassische Stoffe zu repetieren, zumindet nicht für Winfried Wrede. Sein Ziel war und ist, den Nachwuchsleuten im Theater neue Möglichkeiten zu eröffnen. „Möglichkeiten, die er selbst nicht hatte, die er sich aber gewünscht hätte“, ergänzt Julika. Aus diesem gedanklichen Ansatz entstanden zunächst flausen+ und das Stipdendien-Programm Young artists in residence. „Dafür sind wir nach wie vor am bekanntesten“, weiß die Pressesprecherin. Kein Wunder: Bis Ende 2023 wurden bereits 85 dieser Stipendien abgeschlossen, weitere sind für 2024 bereits geplant. Damit wurde vielleicht nicht die gesamte deutsche Theaterlandschaft komplett umgekrempelt, aber durchaus Akzente gesetzt, die eine dauerhafte Wirkung haben. Die Residenzen sehen vor, dass man sich über einen mehrwöchigen Zeitraum intensiv mit einer theatralischen Fragestellung beschäftigt. Wer mit seiner Bewerbung erfolgreich ist, kann diese Zeit nutzen, um ohne Produktionsstress Ideen zu verwirklichen, deren Umsetzbarkeit sich erst im Prozess zeigt. Es ginge zu weit, die Stipendien deshalb als Spielwiese zu bezeichnen. Sie sind ernsthafter. Jedoch haben sie ähnliche Freiheiten; und das macht sie sehr wertvoll. Drei verschiedene Varianten gibt es: Der Klassiker ist dabei das 4er-Stipendium: Vier Wochen lang bekommen Gruppen aus vier Personen die Chance, auf einer beteligten Bühne praktisch zu forschen. Insgesamt zehn Theater aus fünf Bundesländern beteiligen sich hier; nicht weniger als 88 Stipendien wurden bereits vergeben - ein wahres Erfolgsmodell! Recht neu sind hingegen die 2er-Stipendien, die für zwei Personen und drei Wochen ausgelegt sind, bei denen aber ebenso die Forschung im Mittelpunkt steht. Das kleinere Setting verhindert bestimmte Dinge, macht andere aber erst möglich - eine sinnvolle Erweiterung des Portfolios. Auch das Stipendium global ist noch nicht lang dabei. Hier lautet das Prinzip „Global meets local“: Internationale Gruppen aus fünf Personen treffen in Deutschland auf den ländlichen Raum. Ziele: Grenzen überwinden, voneinander lernen. Die Zeitspanne beträgt hier zwei Wochen. Partnerschaft mit Publikum Direkt an die Stipendien angedockt ist ein weiteres Förderformat, die sogenannten Kopros. Da hinter verbergen sich - ihr ahnt es - Ko-Produktionen. Sie sollen ermöglichen, dass die entwickelten Stoffe aus den Stipendien möglichst auf die Bühne kommen - unabhängig davon, wie weit sie schon ausgereift waren. Dafür tun sich zwei Theater mit einer Gruppe zusammen. Das hat den Vorteil, dass die Betreuung engmaschiger sein kann - und dass die Stücke in gleich zwei Häusern laufen können. Wie alle flausen+ Formate setzt auch dieses auf eine frühe Interaktion mit dem Publikum. Ein bewusster Schwerpunkt, wie Julika verrät: "Das Material soll die Menschen bewegen und Reaktionen auslösen. Das ist gewünscht und das soll mit dem Wagnis einhergehen." Während bei den Stipendien jeweils ein „makingOFF“ stattfindet, bei dem die Stipendiaten mit der Öffentlichkeit über ihre Arbeit ins Gespräch kommen, sind es bei den Kopros die „Sneekpeeks“. Sie befinden sich an einer weiter fortgeschrittenen Stelle des Produktionsprozesses und zeigen die Stücke als eine Art Trailer. Sie folgen also ein Stück weit den Gesetzmäßigkeiten der Streaming-Ära. Kein Wunder, schließlich bewegt sich flausen+ stilistisch und inhaltlich voll auf der Höhe der Zeit - und ist ihr manchmal sogar voraus. Alles nur Flausen? Auch die Kopros machen neugierig auf spannendes, innovatives Theater. (Bilder: flausen+) Diese bewusste, geradezu offensive Einbindung des Publikums ist ein roter Faden von flausen+. Auch hier ist ein doppelter Effekt zu registrieren: Einerseits können die Besucher:innen spannende Projekte sehen und durch ihren Input sogar ein wenig mitgestalten - andererseits erkennen die Künstler:innen, ob ihre Ideen funktionieren, oder ob an mancher Stelle noch nachgeschärft werden muss. Wie kommentiert der innere Ökonom diese Konstellation? Genau: Win-Win! Gemeinsam gegen den Strom Die Wurzel von flausen+ ist also genau dies: Die Förderung junger Künstler:innen. Was im Jahre 2010 als Experiment begann, hat diesen ungewissen Status längst hinter sich gelassen. Heute erstreckt sich das Bundesnetzwerk über 14 Bundesländer. Warum nur 14? Fragen wir uns auch! Denn die Vorteile eines Formats wie flausen+ liegen auf der Hand: Es fördert Mut und Experimentierfreude, es ermöglicht Entwicklung und Veränderung. Damit formt es die nächste Theatergeneration. Und das Publikum hat ebenfalls etwas davon - in Form von ambitionierten, relevanten Produktionen. "Es ist sehr wichtig, nicht immer mit dem Strom zu schwimmen, sondern auch mal auszubrechen und wirklich neue Impulse zu schaffen und auch gesellschaftskritisch zu agieren." Ein Faktor sei dabei, dass flausen+ sich auch auf ländliche Gebiete abseits der Ballungsräume konzentriere. "Für uns ist es ganz wichtig, dass wir kleine und mittlere Häuser in der Fläche unterstützen, wo eben die öffentlich Förderung oft weniger strak ausgeprägt ist", präzisiert Julika. Das sei von großer Bedeutung für Demokratie und Gesellschaft, die auch im ländlichen Raum verhandelt werden müssten. "Viele Akteuer:innen zieht es in die großen Metropolen, weil dort die Bedingungen besser sind. Deshalb zeigen, dass auch die vermeintliche Provinz Potenzial hat." Nicht zuletzt wegen dieser Qualitäten gab es für flausen+ im März 2021 gute Nachrichten. Inmitten der Corona-Pandemie, dem wahrgewordenen Worst Case der Kulturlandschaft, erhielt das Netzwerk aus dem Programm "Verbindungen fördern" Bundes-Zuschüsse in Höhe von 1,5 Millionen Euro. "Dadurch sind natürlich nochmal ganz neue Möglichkeiten entstanden", blickt Julika auf die Entscheidung zurück. Im Anschluss hätten sich dann immer mehr Modelle entwickelt, die nicht nur für Künstler:innen attraktiv seien, sondern auch für die beteiligten Häuser. "Uns ist es sehr wichtig, Künstler:innen und Häuser zu vernetzen, damit sie auch langfristig die Möglichkeit haben, zusammenzuarbeiten und eine bundesweite Sichtbarkeit zu erlangen." Letztlich komme man nur mit Netzwerkarbeit und Kooperationsprojekten weiter, weil man allein viel weniger Aufmerksamkeit erzielt. Deswegen sei die Bundesförderung so wertvoll. "Es wird auch super angenommen", ergänzt die Pressesprecherin. Die politische Dimension Zur Arbeit von flausen+ gehören neben vielen konkreten Maßnahmen aber auch Netzwerkarbeit in einem strategischen Sinne. Das heißt: Das Bundesnetzwerk bietet einerseits Formate für die Bündnistheater, nämlich Labs, AGS, Fachtage und die Arena. Hier geht es darum, die Häuser inhaltlich breiter und tiefer aufzustellen, ihre Stimme zu hören, ihren gegenseitigen Austausch zu fördern und in einen produktiven Diskurs mit der Öffentlichkeit zu treten. Andererseits richtet flausen+ Kongresse aus, auf denen Themen der Theaterentwicklung engagiert und bisweilen kontrovers diskutiert werden. Neben diesem wichtigen Austausch unter den Akteuer:innen werden aber auch Gäste aus der Politik eingeladen und das direkte Gespräch gesucht. So sind wertvolle Plattformen des Austauschs entstanden, die sehr zum gegenseitigen Verständnis beigetragen haben. Anders konnotiert sind die flausen+ Festivals, von denen bisher vier stattgefunden haben. Sie rücken die Programme der Stipendiat:innen in den Mittelpunkt, also die Ergebnisse der praktischen Arbeit. Die mitreißenden Performances sorgen dafür, dass dieses Format seinen Namen nicht zu Unrecht trägt. Es ist ein Kristallisationspunkt für zeitgemäßes Theater: mutig, kreativ, selbstbewusst, eindringlich, provokativ. Hier zeigen sich die Qualitäten der Flause, hier werden Unsinn und Spinnerei zu mitreißenden Kulturformaten. Wundertüte Zukunft Schaut man sich die Arbeit von flausen+ an, die Zielrichtung und die Resonanz, dann kann man ihre Relevanz kaum in Frage stellen. Und so findet Julika auch eine klare Antwort, als wir sie danach Fragen, ob man Spuren von flausen+ dauerhaft in der Theaterlandschaft erkennen wird: „Ja, auf jeden Fall", sagt sie voller Überzeugung - und lässt ein Lächeln folgen, das die Freude darüber ausdrückt, dass dieser Optimismus tatsächlich berechtigt ist. Ein Teil davon könnte sich sogar außerhalb Deutschlands abspielen. Aus verschiedenen Ländern - unter ihnen sogar Kanada - gibt es Interesse, den flausen+ Ansatz zu adaptieren. „Das freut uns natürlich sehr“, verrät Julika und betont, diese Kooperationen im Rahmen der Möglichkeiten auch eingehen zu wollen. "Das bedeutet allerdings immensen zeitlichen und planerischen Aufwand." Und damit wären wir bereits beim Haken an der Sache: das liebe Geld. „Die Förderung wurde gerade verlängert und läuft noch bis 2025“, freut sich die Sprecherin zwar, blickt aber bereits auf folgende Unsicherheiten: „Danach wäre die Unterstützung Aufgabe der Länder - und die fassen Kulturförderung doch sehr unterschiedlich auf." Das heißt: Die Arbeit von flausen+ wird weiterhin gefragt sein - in naher Zukunft allerdings auch in eigener Sache. Ein Erfolg dabei ist Voraussetzung für vieles weitere: "Wir sind mittlerweile bei 31 Mitgliedshäusern, und wir haben immer wieder neue Anfragen", berichtet Julika vom aktuellen Stand der Dinge. "Wir wollen mit unserer erfolgreichen Arbeit natürlich weitermachen, aber wir brauchen die entsprechenden Mittel - am besten eine fundierte Finanzierung, damit wir eben auch langfristig besser planen können." Die Flause neu erfinden An der Kulisse bei Käthe Kaffee hat sich während unseres Gesprächs wenig geändert: Die Mühle mahlt unverdrossen, die Düse zischt im Akkord, Menschen gehen ein und aus. Was sich dagegen sehr wohl verändert hat, ist unsere Wahrnehmung von flausen+. Die Wünsche und Hoffnungen des Bundesnetzwerks auf ein solides finanzielles Fundament sind nachvollziehbar - sie scheinen aber auch sinnvoll zu sein. flausen+ nimmt in Blick, was für die Entwicklung der freien Theaterszene essentiell sein dürfte, was bei vielen anderen Formaten aber durchs Raster fällt: Die freie Entwicklung von Inhalten, Ansätzen und Formaten Den Austausch und die Vernetzuung von Akteuer:innen und Häusern Die besondere Förderung des ländlichen Raumes und internationaler Zusammenarbeit Die inhaltlich-strategische Weiterentwicklung der freien Szene Den Diskurs mit Politik und Publikum Jede einzelne dieser Facetten ist relevant für die Zukunftsfähigkeit des Theaters als gesellschaftliches, politisches, inspirierendes und unterhaltendes Element unseres Lebens. Das mag zwar am Image der Flause wenig ändern. Doch hier zeigt sie, dass sie trotz - bzw. gerade wegen - ihrer Irrationalität sehr wohl in der Lage ist, wichtige Effekte zu erzielen. Unsinn? Spinnerei? Nein, es geht weit darüber hinaus. Und deswegen hoffen wir noch auf möglichst viele: flausen+ im Kopf!

  • ZUSAMMEN DIE TAFEL DECKEN

    Hier kommt er, der ultimative Kulturschnack-Tippp zu Weihnachten. Wir können zwar Karten und Gutscheine aller Art aus dem Kulturbereich grundsätzlich absolut befürworten. Davon haben die Beschenkten meist deutlich mehr als von den üblichen Produkten der Konsumwarenindustrie. Aber eine Sache wollen wir trotzdem hervorheben. Es gibt ein Grundprinzip in unserer Gesellschaft, das gleichzeitig total einfach und wunderbar empathisch ist: die Solidarität. Es gibt dabei nur zwei Mechanismen: Wer es sich leisten kann, gibt anderen etwas ab. Wer in eine Notlage geraten ist, darf auf Hilfe hoffen. Beides ist wertvoll, denn beides betont unsere Gemeinschaft. Und das kann gar nicht oft genug passieren. Obwohl dieses Prinzip so simpel und wirkungsvoll ist und wir uns dabei auch alle einig sind, kommt es - im Großen wie im Kleinen - häufig zu kurz. Das hat auch damit zu tun, dass die Bedürftigen oft aus dem Blickfeld verdrängt werden, an den berühmten Rand der Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, wenn sich jemand um deren Anliegen kümmert, Ihnen Sichtbarkeit und Gehör verschafft oder sie - wiederum: ganz einfach - am gesellschaftlichen Leben teilhaben lässt. Ein Geschenk, viele Beschenkte Das klingt gut? Finden wir auch. Und es wird noch besser: Ihr könnt jetzt dabei helfen, dass genau das passiert. Und zwar, indem ihr einen kleinen Beitrag - oder ein Ticket, das ihr nicht einlösen könnt - an die KulturTafel Oldenburg spendet. „Kultur zu schenken ist tatsächlich ganz leicht: Wer Karten selbst nicht nutzen kann, kann diese einfach an uns geben und so anderen Oldenburger:innen eine besondere Freude machen“, erklärt Geschäftsführerin Mareike Urfels. Und dieses Prinzip gelte für das ganze Jahr. Bei den Karten- oder Geldspenden für die KulturTafel gibt es nicht nur ein, sondern zwei..., nein drei... nein, sogar vier Gewinner! Natürlich sind da die annähernd 1.000 Menschen (zum Vergleich: Ende 2022 waren es etwa 700), die aktuell bei der KulturTafel angemeldet sind und stets darauf hoffen, bei einer Veranstaltung dabei sein zu können. Stellt euch ihre Freude vor, wenn zu Weihnachten ein Ticket kommt! Ihr beschenkt aber auch die Tafel, deren Bedeutung ihr mit eurer Spende unterstreicht. Wenn man so will, beschenkt ihr aber auch die Künstler*innen, und zwar mit einem äußerst dankbaren Publikum. Und nicht zuletzt beschenkt ihr euch auch selbst - mit dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Und das ist tatsächlich eine nicht zu verachtende Erfahrung: den inneren Kompass endlich mal vollkommen richtig ausgerichtet zu haben. Darum geht's: Unsere Normalität ist für andere außergewöhnlich. Lass uns dieses Missverhältnis etwas ausgleichen. (Screenshots KulturTafel Oldenburg) (Keine) Qual der Wahl Uns ist bewusst, dass sich in diesen Wochen vor Weihnachten sehr viele absolut vorbildlichen und unverzichtbare Institutionen, Vereinigungen und Organisationen bei euch melden, weil sie sich für weihnachtliche Spenden in Erinnerung bringen möchten. Wir kennen das selbst und versuchen unsere Spendenaktivitäten halbwegs zu ordnen. Und dabei steht fest: Neben sozialen, ökologischen und humanitären Schwerpunkten gehört auch eine kulturelle Komponente ins Portfolio - erst Recht, wenn sie so viele positive Effekte hat. Zu Weihnachten kann man natürlich auch weiterhin die bekannten Großorganisationen mit Spenden bedenken. Das ist vollkommen okay, das machen wir auch. Aber wer tatsächlich etwas Wichtiges, Sinnvolles, Solidarisches verschenken möchten, sollte unbedingt an die KulturTafel denken. Leuchtende Augen und tiefe Dankbarkeit sind garantiert - und zwar mehrfach. Also: Lasst uns zusammen die Tafel decken, dann schmeckt es allen am besten!

  • NICHTS WIE HIN (51)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • HEARTACHE TO HEARTACHE

    Nein, an Horst Janssen hat Pat Benatar sicher nicht gedacht, als sie im Jahr 1983 ihren Welthit „Love is a Battlefield“ ins Mikro schmetterte. Und doch ist dies der ideale Titel für eine Ausstellung, die Janssens Werk in einen Kontext zur Erotik stellt. Denn eines wird dabei schnell klar: Liebe ist kompliziert. Auch - oder gerade? - für einen gefeierten Künstler. Horst Janssen und die Frauen: Das ist ein Thema, dass sich geradezu aufdrängt, wenn man sich mit dem berühmten Grafiker beschäftigt. Sie waren sein Lebensmittelpunkt: zwischen Muse und Zumutung, Inspiration und Irritation. Deshalb gab es bereits im Jahre 2002 - nur zwei Jahre nach der Gründung - eine Schau im Horst-Janssen-Museum dazu. Dass es dabei nicht nur um intellektuelle Stimulation ging, zeigte spätestens im Jahr 2014 eine andere Ausstellung mit dem Titel „Geile Sybillchen. Erotische Fantasien von Horst Janssen“. Dennoch ist dieses Thema keineswegs auserzählt - vor allem dann nicht, wenn man es in zeitgeschichtliche Kontexte setzt, sowohl historisch als auch aktuell. Genau das passiert nun im Horst-Janssen-Museum. Ein Anlass für die aktuelle Ausstellung waren nämlich Kommentare im Gästebuch des Hauses die den Namensgeber in ein schlechtes Licht rückten. Die intelligente Reaktion des Museumsteams: Nicht etwa ignorieren, sondern genauer hinsehen. Und dabei seid auch ihr gefragt! HORST-JANSSEN-MUSEUM LOVE IS A BATTLEFIELD: WIE EROTISCH IST DIE KUNST VON HORST JANSSEN? 14. OKTOBER 2023 - 28. JANUAR 2024 DIENSTAG-SONNTAG 10 BIS 18 UHR AM STADTMUSEUM 4-8 26121 OLDENBURG Willkommen im Porno-Zirkus Wenn man in ein Gästebuch schreibt, kann man nie wissen, welche Folgen das hat. In der Regel vermutet man zu Recht: gar keine. Doch manchmal kommt es anders, wie nun im Falle des Horst-Janssen-Museums. Dort habe es über Jahre hinweg zwar kaum auffällige Einträge gegeben, doch das habe sich zuletzt geändert, berichtet Dr. Jutta Moster-Hoos, Leiterin des Hauses und zusammen mit Dr. Sabine Siebel auch Kuratorin der Ausstellung: „In den letzten Monaten gab es Kommentare, Janssen sei 'schwanzgesteuert' und 'übersexualisiert'“, erzählt sie. Ein anderer Gast habe ganz direkt gefragt: „Was soll der Porno-Zirkus?" Eine derartige Entweihung des namensgebenden Künstlers könnte man durchaus als Affront interpretieren. Doch genau das geschah nicht. Stattdessen ging man offensiv mit den Einträgen um und machte sie zur Keimzelle einer neuen Ausstellung. Un das sogar in doppelter Hinsicht: thematisch und systematisch. Denn nicht nur geht es um Janssens Verhältnis zur Erotik - darüber hinaus werden die Eindrücke des Publikums eingebunden. „Ein Experiment“, gibt Jutta zu. Aber eines, auf das wir gespannt sein dürfen. Doppelt ist besser Eine Gästebuch bietet eine gewisse Interaktivität. Dieses Prinzip wurde bei der Konzeption von „Love is a Battlefield“ wieder aufgegriffen. Das Museum habe zwei Strategien zur Ausstellung entwickelt, berichtet Jutta. Bei der ersten - und das ist ungewöhnlich - handele es sich nicht etwa um einen Kniff in der Präsentation, sondern um eine Umfrage; „In den letzten Monaten haben wir die Menschen in den sozialen Medien und bei uns im Haus gebeten, sich sieben ausgewählte Motive anzusehen. Dazu haben wir gefragt: was seht ihr? Haltet ihr das für Realität, Fiktion? Ist es erotisch, ist es total abtörnend oder verstörend? Was seht ihr überhaupt?“ „You're making me go Then making me stay Why do you hurt me so bad? It would help me to know Do I stand in your way Or am I the best thing you've had? Believe me, believe me I can't tell you why But I'm trapped by your love And I'm chained to your side.“ Einige Antworten kann man bereits in der Ausstellung nachlesen und sie deuten an, wie unterschiedlich man die Werke Janssens wahrnehmen kann. Dabei geht es zum einen darum, was man überhaupt sieht - denn das ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Zum anderen geht es um die Frage, was das Gesehene mit den Betrachter:innen macht. Was löst es in uns aus? Und auch hier weisen die Reaktionen eine große Bandbreite auf. Natürlich - denn mit jedem Unterschied in den Persönlichkeiten und den Sehgewohnheiten wächst auch die Zahl der Interpretationsmöglichkeiten. Neue Freiheiten Die zweite Strategie der Ausstellung ist die Einbindung der Werke in den zeitgeschichtlichen Kontext ihrer Entstehung. Dieser Blick zurück ist nicht unwichtig, schließlich verändern aktuelle Strömungen unseren Blick auf die Dinge. Seit „Me Too“ sieht man das Verhalten alter, weißer Männer jedenfalls kritischer als zuvor - und Janssen war zweifellos einer von ihnen. Die Erinnerung an den historischen Kontext dient dabei nicht als Rechtfertigung, sondern hilft bei der Einordnung. „When I'm losing control Will you turn me away Or touch me deep inside? And when all this gets old Will it still feel the same There's no way this will die But if we get much closer I could lose control And if your heart surrenders You'll need me to hold.“ „Was war eigentlich los in den 60er, 70er, 80er Jahren, als Janssen gearbeitet hat? Was konnte er sehen? Was konnten alle sehen?“ nennt Jutta eine ganze Reihe an Fragen, die sich zwangsläufig stellen. Zur Orientierung: In dieser Zeit war die sexuelle Revolution in vollem Gange, nach den maximalkonservativen Wirtschaftswunderjahren entdeckte die bundesdeutsche Bevölkerung neue Freiheiten. Eine Art Höhepunkt dieser Entwicklung war im Januar 1975 die Legalisierung von Pornographie, die zusammen mit der grundgesetzlich garantierten Kunstfreiheit neue Spielfelder eröffnete: „Alles, was künstlerisch durchdrungen wurde, war okay“, erklärt Jutta und erinnert sich: „Es gab da eine interessante Formulierung: Der künstlerische Anspruch steht über den Sitten und dem Gefühl des Normalmenschen.“ Janssen nahm diese Entwicklung offensichtlich auf, in vielen Werken spiegelt sich eine neue Freizügigkeit. Keine Gefälligkeiten Nun fallen die Antworten auf die Fragen, was erotisch ist und was nicht, höchst unterschiedlich aus. Was die einen anregt, lässt die anderen kalt. Das ist bei den Werken von Horst Janssen nicht anders - beziehungsweise gilt dieses Prinzip hier ganz besonders. Denn wenn ihm eines immer fremd war, dann ist es eine Weichzeichnung der Realität im Sinne einer gefälligen Ästhetisierung, Vielmehr hat er gezeichnet, was er mit seinem Auge fühlte - und das war beinahe immer überlagert von Gedanken und Gefühlen, die über das objektiv Sichtbare weit hinausgingen. „We are young Heartache to heartache We stand No promises No demands Love is a battlefield We are strong No one can tell us we're wrong Searching our hearts for so long Both of us knowing Love is a battlefield.“ Wer durch die Ausstellung läuft, wird deshalb zwar durchaus nackte Haut sehen und Motiven begegnen, die prüde Zeitgenossen:innen vor gewisse Herausforderungen stellen. Zweifellos aber haben wir es hier mit Kunstwerken zu tun, denen es nicht um möglichst detailgetreue Darstellungen oder die Abbildung expliziter Handlungen geht, sondern viele Interpretationen zulässt. Wie man sich persönlich dazu verhält? Das weiß man erst, wenn man selbst vor den Bildern steht. Und man bleibt mit seinen Gefühlen letztlich nicht allein, sondern kann sie in Worte fassen und teilen. Wer nun befürchtet, mit der Ausstellung eine Art verkapptes Pornokino zu betreten, kann sich entspannen: Dem ist keineswegs so. Dennoch eigent sich „Love is a Battlefield“ weniger gut für sonntägliche Familienausflüge als andere Janssen-Ausstellungen. „Das eine oder andere Werk könnte durchaus ein Schamgefühl verletzen. Es gibt auch gewaltvolle Handlungen“, ist sich Jutta bewusst, vertraut aber auf das Gespür der Besucher:innen: „Da muss jeder ein bisschen selbst entscheiden, ob man diese Konfrontation will oder nicht.“ Keine Frage: Wir wollten sie - und es hat sich gelohnt. Beide Schwerpunkte der Ausstellung - die Interaktion und die historische Einordnung - bereichern die reine Werkschau ungemein. Insbesondere die Möglichkeit, die Bilder nicht nur im inneren Monolog mit sich selbst zu besprechen, sondern seine Meinung auch kundzutun, erweist sich als Gewinn. Aber auch das Hineinversetzen in die zeitlichen Kontexte der Entstehung sorgt für vollständigere Eindrücke. Blick aus der Zukunft Und was ist Janssen jetzt? Tatsächlich „schwanzgesteuert“, „übersexualisiert“ und Direktor eines „Porno-Zirkus"? Oder von den Kritiker:innen grandios missverstanden und nur ein Opfer übergroßer Emotionen und mangelnder Impulskontrolle? Antworten wird diese Ausstellung nicht liefern, aber sie begibt sich auf die Suche nach ihnen - und das gemeinsam mit den Besucher:innen. Mit dem Blick auf die jeweiligen Kontexte von Gegenwart und Vergangenheit mag zwar kein gestochen scharfes Porträt des Künstlers entstehen, aber immerhin ein Annäherung an eine schillernde Persönlichkeit zwischen Schatten und Licht. Liebe als Kampfzone: Pat Benatar hast sicher nicht Horst Janssen im Kopf, die Lyrics bieten aber einige universelle Erkenntnisse über das Wesen der Liebe. Eines ist sicher: Für Janssen galt der Satz „Love is a Battlefield“, er bewegte sich tatsächlich von „Heartache to Heartache“. Wir sind jetzt in der vergleichsweise günstigen Situation, sein Lieben und Leiden (lassen) mit persönlicher und zeitlicher Distanz zu beobachten und ihn quasi aus seiner Zukunft beurteilen zu können. Ob es etwas an der Rezeption seiner Kunst verändert? Das sei dahingestellt. Eine Interessante Erfahrung ist es allemal - und sie hält wahrscheinlich für alle Betrachter:innen überraschende Erkenntnisse bereit, unabhängig davon, welche Ansichten man vorher dazu hatte.

  • FREI UND GLEICH?

    Es war am 10. Dezember 1948: Eleanor Roosevelt tritt im Pariser Palais de Chaillot ans Rednerpult und verliest die Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen - ein Meilenstein der Menschheitsgeschichte. 75 Jahre später gibt es gute Gründe, diesen historischen Moment zu feiern - aber leider auch Anlass zu kritischen Bestandsaufnahmen. Denn: So selbstverständlich wie es scheint, ist die Einhaltung nicht. Die Menschenrechte gehören zu den großen Widersprüchlichkeiten unserer Zeit. Ihre Existenz ist heute so selbstverständlich, dass wir uns kaum noch Gedanken über sie machen. Das aber hat zur Folgen, dass wir uns mit ihren Inhalten kaum noch auskennen. Um welche Rechte geht es und wie viele sind es? Hat man tatsächlich einen verbindlichen Anspruch daran? Und wer setzt ihn durch? Die Unkenntnis der Details ist ein Dilemma, denn zur Wahrung der Menschenrechte reicht ihre Existenz nicht aus. Wir müssen uns für sie einsetzen und sie mit Leben füllen. Das gilt an jenen Orten der Welt, an denen Oppression und Unrecht auf der Tagesordnung stehen, das gilt aber auch in Oldenburg. Nun nimmt ein breites gesellschaftliches Bündnis das Jubiläum zum Anlass, an die Entstehung der Menschenrechte zu erinnern - und eine Hauptrolle hat die Kultur. 75 JAHRE CHARTA DER MENSCHENRECHTE VERANSTALTUNGEN ANLÄSSLICH DES JUBILÄUMS 8. DEZEMBER, 19 UHR, CINE K 9. DEZEMBER, 18 UHR, ALTER LANDTAG 10. DEZEMBER, 11:15 UHR, PFL 10. DEZEMBER, 16 UHR, UNIVERSITÄT 11. DEZEMBER, 18 UHR, CINE K 12. DEZEMBER, 19:30 UHR, GARNISONKIRCHE PROGRAMM Alles selbstverständlich? Als die Charta der Menschenrechte im Dezember 1948 verabschiedet wurden, waren sie eine direkte Reaktion auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Es war gut, dass die Weltgemeinschaft diesen Moment des Schreckens für etwas Positives zu nutzen wusste. Doch gelingt es ihr auch, die Erinnerung daran wachzuhalten? Die wesentliche Erkenntnis aus Artikel 1 - „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ - genießt noch eine allgemeine Bekanntheit. Aber hättet ihr gewusst, wie viele Artikel noch folgen? Es sind nicht zwei oder drei, sondern weitere 29! Welch enorme Bedeutung jeder einzelne von ihnen hat, zeigt sich am Besten, wenn man sich die kurzen Texte einfach mal durchliest. Wir empfehlen dazu diese Broschüre vom deutschen Institut für Menschenrechte. Einige Beispiele geben wir aber auch hier: Artikel 3: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Artikel 5: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“ Artikel 12: „Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.“ Artikel 14: „Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ Artikel 19: „Jeder Mensch hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung.“ Artikel 26: „Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung.“ Fortdauernde Aufgabe Was waren eure Gedanken, als ihr die Liste überflogen habt? Absolut alltägliche Selbstverständlichkeiten? Hierzulande: Weitgehend ja. Aber man darf die Frage stellen, warum das so ist. Und die Antwort lautet: Weil es seit 1948 jene Menschenrechte gibt, denen wir uns in Deutschland vom Bund über die Länder bis in die Kommunen besonders verpflichtet fühlen - nicht zuletzt, weil wir sie vor ihrer Existenz in nie gekanntem Ausmaß verletzt haben. Und doch ist auch Deutschland kein Musterländle, was die Einhaltung der Menschenrechte angeht. Immer wieder entbrennen öffentliche Debatten, ob das eine oder andere Recht denn nicht etwas enger ausgelegt werden sollte, etwa Artikel 14. Andere Menschenrechte sind zwar anerkannt, werden aber nur unzureichend umgesetzt, wie im Falle von Artikel 26 gerade das Ergebnis der jüngsten PISA-Studie gezeigt hat. In anderen Teilen der Welt - vor allem in Gegenden mit totalitären Regimen oder bewaffneten Konflikten - ist die Lage der Menschenrechte natürlich dramatisch schlechter. Obwohl also die Weltgemeinschaft im Jahr 1948 weitgehend einer Meinung war (Das Ergebnis damals: 48 Ja-Stimmen, 8 Enthaltungen), hapert es auch nach fünfundsiebzig Jahren noch bei der konsequenten Einhaltung der Menschenrechte. Der ideale Anlass Das Jubiläum der Ratifizierung ist eine gute Gelegenheit, uns die Bedeutung der Charta noch einmal zu vergegenwärtigen. Es bleibt schließlich beim eingangs geschilderten Paradoxon: Eben weil uns viele Rechte selbstverständlich erscheinen, geraten sie allzu leicht in Vergessenheit. Vielen von uns ist heute nicht mehr bewusst, was ein Menschenrecht ist - und dass wir tatsächlich einen Anspruch darauf haben. Wo immer eines dieser Rechte missachtet wird, sollten wir unsere Stimme erheben - auch bzw. gerade für andere. Durch die Feierlichkeiten werden wir an die Existenz, Bandbreite und Bedeutung der Menschenrechte erinnert. Das passiert einerseits mit Diskussionen zum Thema - dankenswerterweise nicht abstrakt, sondern anknüpfend ans Weltgeschehen. Das passiert aber auch anhand von Beiträgen der Kultur, die uns anders - nämlich emotional - triggern kann und die Menschenrechte auf andere Weise in uns verankert als das reine Wissen um sie. Man darf zum Beispiel neugierig sein auf: Hum>n Rights Filmprojekt Leer/Papenburg: 13 Kurzfilmszenen zum Orchesterzyklus Hum>n von Helge Burggrabe “Crossing The Line“ Kammerorchester-Komposition zu den Artikeln 14 -18 der UN-Charta der Menschenrechte von Erich A. Radke - Welt-Uraufführung Wanderausstellung 75 Jahre UN-Charta der Menschenrechte von Studierenden des Instituts für Kunst und visuelle Kultur HUM>N Orchester-Komposition mit dem Oldenburger Schlossorchester, Schlagwerk Nordwest und der Pianistin Christiane Abt Interreligiöses Chorkonzert „Hoffnung zum Frieden“ mit dem Chor der jüdischen Gemeinde, dem Projektchor Ohmsteder - Vokalensemble und der Rabbinerin Alina Treiger Einfach drauf einlassen Wir verstehen alle, die durch den Anlass „75 Jahre UN-Charta der Menschenrechte“ nicht sofort maximal motiviert sind, ausnahmslos alle Angebote mitzunehmen. Aber darum geht es nicht. Wichtiger ist viel mehr, dass man die Einladung überhaupt annimmt - und sich eine Veranstaltung aussucht, die am meisten anspricht. Solange selbst Artikel 1 der Menschenrechte nicht als erfüllt angesehen werden kann, müssen wir die Erinnerung an die UN-Charta aufrecht erhalten. Und wer würde aktuell behaupten wollen, dass alle Menschen frei und gleich an Würden und Rechten sind? Dieses Problem wird durch die Veranstaltungen zwischen dem 8. und dem 12. Dezember nicht gelöst - aber sie können dabei helfen, die Widersprüchlichkeit aufzulösen, die auch nach 75 Jahren noch nicht überwunden ist. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch - und alles Gute!

  • SICHTBARE STÄDTE

    Alle reden über KI. Die künstliche Intelligenz ist in aller Munde, denn sie scheint sich auf (fast) alle Lebensbereiche auszuwirken. Besonders früh dran waren Wiebke Heeren und Nicola Bremer. Sie haben sich bereits im Sommer 2022 - lange vor der Veröffentlichung von ChatGPT - mit der Verbindung von Kunst und KI beschäftigt. Die bemerkenswerten Ergebnisse sind nun in einer kleinen Ausstellung zu sehen. Nein, technologisch oder gar futuristisch wirkt zunächst nichts, wenn man den großen, hellen Raum in der Haarenstraße 39 betritt. Er kann seinen funktionalen Ursprung als Geschäftsadresse nicht verhehlen und erzeugt einen eher kühlen Charme. Und dennoch eignet sich dieses umfunktionierte Ladenlokal durchaus als Galerie - weil es sich so sehr zurücknimmt, als wäre es gar nicht da. Nur die Werke wirken. Und genau das tun sie nun ganz besonders. Denn die Bilder, die Wiebke und Nicola mittels einer KI kreieren ließen und anschließend nachbearbeiteten, sind detailreich und farbintensiv. Beinahe möchte man feststellen, das sie gerade in diesem eigenschaftslosen Raum mit seinem kalten Licht besonders gut zur Geltung kommen. Worum es eigentlich geht und was genau sie zeigen? dazu kommen wir jetzt. WIEBKE HEEREN & NICOLA BREMER VISIBLE CITIES 17. OKTOBER - 29. OKTOBER 13 - 19 UHR RAUM AUF ZEIT HAARENSTRAßE 39 26122 OLDENBURG Menschliche Intelligenz Das Projekt der beiden Künstlerinnen hat einen innovativen Ansatz. Damit ist aber nicht etwas der Einsatz künstlicher Intelligenz gemeint. Das wäre im Sommer 2022 noch ein Novum gewesen, jetzt ist es keines mehr, Aber KI allein macht eben noch keine interessante Kunst und keine überzeugende Ausstellung. Der entscheidende Input kommt nach wie vor vom Menschen. Und so war es auch hier. Und das in zweierlei Hinsicht, denn es gibt hier ein Zusammenspiel aus einer spannenden Grundidee und einer gelungenen Umsetzung. Ausgangspunkt für das Projekt ist das Buch „Die unsichtbaren Städte“ der italienischen Schriftsteller-Legende Italo Calvino, das vor philosophisch-poetischen Zeilen nur so strotzt. Es gibt dort keine Handlung im klassischen Sinne, sondern 55 Textfragmente, in denen der Handlungsreisende Marco Polo dem Herrscher Kublai Khan in seinem Pekinger Palast jene Städte beschreibt, durch die er auf seine Reise gekommen ist. Er zeichnet dabei zunächst ein sanftes, freundliches Bild der (fiktiven) Orte, das im Verlauf aber zunehmend dystopischer wird, weil es sich der heutigen Welt annähert. Berühmt geworden sind vor allem folgende Sätze: "Die Hölle der Lebenden ist nicht etwas, das sein wird. Gibt es eine, so ist es die, die schon da ist, die Hölle, in der wir tagtäglich wohnen, die wir durch unser Zusammensein bilden. Zwei Arten gibt es, nicht darunter zu leiden: Di erste fällt vielen recht leicht: die Hölle zu akzeptieren und so sehr Teil davon zu werden, dass man sie nicht erkennt. Die zweite ist riskant und verlangt ständige Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft: zu suchen und erkennen zu lernen, wer und was inmitten der Hölle nicht Hölle ist, und ihm Dauer und Raum zu geben" Im Zusammenspiel mit technischer Assistenz haben Wiebke und Nicola eben jene Städte in ihren Werken zum Leben erweckt. Sie verleihen den Zeilen eine dritte Dimensionen, lassen sie auferstehen aus dem Papier. Damit tun sie letztlich das, was sich viele von uns beim Lesen schon oft gewünscht haben: Die Welt aus den Buchdeckeln zu befreien und sie plastisch vor sich zu sehen. Ästhetisch überzeugend Die großformatigen Bilder sind ästhetisch überzeugend, denn sie spielen einerseits gekonnt mit Stimmungen und Schattierungen, andererseits sind sie sehr filigran strukturiert, sodass sie Raum für Entdeckungen bieten. Darüber hinaus provozieren sie aber auch Gedanken - darüber, ob KI Kunst letztlich fast genauso gut beherrscht wie Menschen oder nur so gut, wie der Mensch sie ihr erklärt. Oder darüber, was eine Stadt überhaupt ist, was sie ausmacht und was sie sein soll. Es macht Spaß, seine Gedanken an dieser Stelle einfach mal laufen zu lassen. Spannende Motive, Farben, Stimmungen: Die Bilder faszinieren - unabhängig von der Art der Entstehung. (Bilder: Heeren/Bremer) Ermöglicht wurde diese Ausstellung übrigens vor allem durch den MACH|WERK-Fonds für innovative Kulturprojekte. Mit ihrem Antrag waren Wiebke und Nicola im Jahr 2022 erfolgreich und konnten ihre Idee nun endlich umsetzen. Die Zeiten mögen sich in Sachen KI inzwischen deutlich verändert haben - dem Reiz der Bilder hat das zum Glück aber keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Die Omnipräsenz des Themas Künstliche Intelligenz mach die Beschäftigung mit den Bildern eher noch interessanter. Und Oldenburg? Einen spannender Nebeneffekt haben die beiden Künstlerinnen in den Mittelpunkt gerückt: Nämlich die konkrete Reflexion der eigenen Stadt. Wie stehe ich zu ihr? Nehme ich sie hin, wie sie ist? Oder will ich sie verändern? Das klingt vielleicht banal und obligatorisch, aber kommt man im Alltag wirklich zu solchen übergeordneten Fragen? Seiten genug - wenn überhaupt. Dabei sollte man sich solche Gedanken grundsätzlich öfter mal machen, denn nur dadurch entstehen Veränderungen - in der Stadt und für sich selbst. Die Ausstellung provoziert dieses Denken, ohne es bemüht darauf anzulegen. Unser Tipp deshalb: Wenn ihr in der City seid, macht unbedingt den Schlenker in die Haarenstraße zum Raum auf Zeit. Lasst euch auf ganz unterschiedliche Art inspirieren von den Bildern, die Wiebke und Nicola generiert/gestaltet haben. Macht euch Gedanken über KI und Kunst, aber auch über die Stadt und ihre Strukturen. Denn sie werden hier auf eindrucksvolle Weise sichtbar.

  • UNSICHTBARE NETZE

    Ein halbes Jahr hat Jonas Meyburg, erster Stipendiat der Oldenburger Kunstschule, in seinem Studio 10 in der Langen Straße gearbeitet. Der Bildhauer und Klangkünstler erschuf ein Kunstwerk, das ganz direkt mit Oldenburg verbunden ist - und das uns zeigt, dass auch Oldenburg selbst über Verbindungen verfügt, die wir bisher übersehen haben. Wir haben „Infraaktif“ für euch ausprobiert. Zugegeben: Wenn man sich eine Weile in Oldenburg aufhält, drängt sich irgendwann der Eindruck auf, man hätte die Stadt voll erfasst. Das liegt unter anderem am Monozentrismus: Mit der Innenstadt gibt es im Grunde nur eine urbane Zone, darüber hinaus wenige Subzentren, die eine ganz eigene Dynamik kreieren würden. Und doch liegt man mit diesem Eindruck falsch, selbst wenn er auf jahrelangen Beobachtungen beruhigt. Denn von unserer Stadt sehen wir immer nur einen Teil, nämlich ihre Oberfläche im Hier und Jetzt. Jenseits davon gibt es aber noch sehr viel mehr zu entdecken. Und manchmal braucht es für so etwas das genaue Gegenteil der genauen Ortskenntnis, nämlich den unverbrauchten Blick von außen - den Jonas Meyburg mit nach Oldenburg gebracht hat. INFRAAKTIF EIN INFRASTRUKTURELLES RADIOFEATURE 12. NOVEMBER 19. NOVEMBER 26. NOVEMBER 14-18 UHR ÖFFENTLICHER SOUNDWALK JEWEILS 15 UHR STUDIO 10 LANGE STRAßE 10 26122 OLDENBURG Akustischer Stadtrundgang Wir besuchen Jonas an einem ruhigen Mittwochvormittag, ausnahmsweise regnet es nicht und man kann durch einen Wolkenschleier sogar die Sonne erkennen. Wie immer wirkt der junge Bildhauer, Produktdesigner und Soundtüftler entspannt, wie immer täuscht dieser Eindruck aber. „Ich bereite gerade meine Ausstellung 'Of not moving at all' vor“, lacht er, als wir ihn darauf ansprechen. „Es ist nicht mehr viel Zeit - und noch viel zu tun!“ Bei seinem anderen Projekt - dem infrastrukturellen Radiofeature „Infraaktiv“ - muss er aber zum Glück selber nicht mehr tätig werden. Fleißig war er dafür in den letzten Monaten: Viele Gespräche hat er für den akustischen Stadtrundgang geführt und aufgenommen, fünfzehn von ihnen haben ihren Weg in den Soundwalk gefunden. Was dort zu hören ist? Und wie das alles funktioniert? Das erfährt man nur, wenn man sich eine Box schnappt und auf den Weg macht. Genau das haben wir getan - Jonas hatte ja eh zu tun. Die Neuentdeckung Oldenburgs Raus geht's, aus dem Studio erstmal nach links, Richtung Kurwickstraße. Sofort geht's los: Mit sonorer Stimme nennt Jonas zunächst allerlei statistische Daten zu Oldenburg, die uns auf unsere Expedition einstimmen. Diese Elemente wirken zunächst etwas random, sie werden im Laufe des Spaziergangs aber immer wieder auftauchen und bilden eine eigene Geschichte, die am Ende in einer wunderbaren Absurdität gipfelt. Ohne zu viel zu verraten, könnten sich einige Hörer:innen am Ende berufen fühlen, Zitronen anzubauen und/oder den Niederlanden einen Teil ihres Staatsgebiets abzuschwatzen. Auch wenn Jonas' Zahlenspiele nicht uninteressant sind, verblassen sie doch im Vergleich zu den Beiträgen seiner fünfzehn Gesprächspartner:innen. Alle, die wir bei unserem Gang hören durften, verfügen über ein mehr oder weniger großes Erzähltalent und wissen ihren Anekdoten und Erzählungen gut zu verbalisieren. Dabei handelt es sich häufig „nur“ um Fachleute, die von ihrem Schaffensgebiet erzählen. Ist das trocken? Nein gar nicht! Der Clou des Soundwalks: Die Beiträge werden nicht einfach hintereinander runtergerattert, sie werden von uns Spaziergänger:innen selbst ausgelöst, indem wir uns durch die Stadt bewegen. Immer wieder kommen es zu „Szenenwechseln, wenn wir uns an einen Ort bewegen, der GPS einen neuen Beitrag startet. Als eine gute Lösung erweist sich dabei, dass der jeweils laufende Beitrag erst zu Ende geführt wird, bevor ein anderer startet. So entsteht auch bei flotterem Tempo kein Durcheinander. Unterirdisch und oberflächlich!? Apropos: Zu welchem Thema hört man denn nun etwas? Über die Geschichte der Stadt weiß man ja fast alles - und die Gegenwart sieht man ja mit eigenen Augen. Außerdem gibt es doch Stadtführungen, die fast dieselbe Aufgabe übernehmen. Oder etwa nicht? Nein, tatsächlich ist es hier etwas anders. Thematisch steht hier nämlich nicht das Offensichtliche im Mittelpunkt, sondern Dinge, die man kaum sieht oder wahrnimmt - nämlich die Netzwerke der Stadt. So geht es um die Wunderwelt der Kanalisation, um Verkehrswege zu Lande und zu Wasser, um Versorgungsleitungen für Gas und Strom, aber auch um Gerüche und Gefahren, um Alltag und Außergewöhnliches. All das ist klingt vielleicht nach Zweckmäßigkeit - und ja, all diese Infrastrukturen sind auch zweckmäßig. Aber das macht die Erzählungen nicht etwa langweiliger, sondern spannender, weil man immer wieder denkt: „Hey, ja, das war mir noch gar nicht bewusst!“ Wenn man so will, dann zeigt den Oldenburgerinnen ausgerechnet ein Auswärtiger, welch spannende Themen sich hier verbergen und wie interessant man sie erzählen kann. Chapeau! Abenteuer Alltag Nein, das Rad erfindet Jonas Meyburg mit „Infraaktif“ nicht neu. Wie bei (fast) jeder anderen Stadtführung geht man zu Fuß durch die City und schaut sich um. Auch gab es hier und da schon GPS-gesteuerte Anwendungen. Um ein neues Rad ging es aber auch nicht, sondern vielmehr um neue Wege, das Altbekannte zu sehen. Und was diese Mission betrifft, ist „Infraaktif“ sehr erfolgreich. Teile des Kulturschnacks haben mehr als eine Dekade im Rathaus gearbeitet, kennen zumindest aus Erzählungen eigentlich jeden Stein der Stadt. Und doch bot das infrastrukturelle Radiofeature viel Neues - weil es sich den unsichtbaren Netzwerken der Stadt widmet und weil es das auf eine interessante Art und Weise tut. Die Holzbox schien zwar im Laufe des Spaziergangs immer schwerer zu werden, aber das mag auch an Trainingsdefiziten im Team Kulturschnack gelegen haben. Was dagegen konstant - und zwar konstant hoch - blieb, war das Interesse an den Beiträgen auf unseren Ohren. Sie wurden trotz ihrer Vielzahl zu keiner Zeit langweilig - vielleicht auch, weil Jonas sie mit seiner kuriosen Parallelgeschichte verknüpft, bei der man sich stets die Frage stellt, wohin sie führen mag. So oder so ist es ein Gewinn, die Stadt einmal anders zu sehen als sonst - mit einem frischen Blick für Details, die man zuvor nie registriert hat. Schließlich halten auch wir uns schon eine Weile in Oldenburg auf und hatten bisweilen den Eindruck, wir hätten die Stadt voll erfasst. Dieser Eindruck täuschte aber auch bei uns. Und bei euch? Findet's raus!

  • DAS KLEINOD

    Viele Ausstellungen definieren sich über ihre Größe. Entweder sind die ausgestellten Werke spektakulär dimensioniert oder aber es sind besonders viele von ihnen zu sehen. Clara Kaiser hat einen vollkommen anderen Ansatz gewählt: Mit „Zur schönen Aussicht“ präsentiert sie die vielleicht kleinste Ausstellung Oldenburgs - obwohl zunächst ebenfalls Größeres geplant war. Wir haben mir ihr gesprochen. Habt ihr Spaß an Entdeckungen? Wunderbar, dann haben wir was für euch. Denn erstens dürfte der Raum, um den es geht - das Obergeschoss der Haarenstraße 39 - kaum jemand kennen. Und zweitens gibt es dort kleine Welten zu sehen, die trotz ihrer Winzigkeit viele kleine Details bieten, die ebenfalls - nun ja - entdeckt werden wollen. Dabei ist sowohl die Zahl der Exponate als auch ihre Größe überschaubar. Ein Nachteil? Überhaupt nicht! Denn in dieser Form ist die kleinste Ausstellung Oldenburgs genau das Richtige für eine Kulturbegegnung on the go. Zumal das alles nicht bedeutet, dass die Kunstwerke selbst nur leichte Kost böten. Das tun sie nämlich nicht. CLARA KAISER ZUR SCHÖNEN AUSSICHT: MODELLE EINER DYSTOPIE 24. NOVEMBER - 22. DEZEMBER MO-FR: 11-17 UHR SA: 11-13 UHR HAARENSTRAßE 39 26122 OLDENBURG EINTRITT FREI! Zwischen zwei Zwiespalten Clara Kaiser ist schwer zu fassen. Denn obwohl wir der 35-Jährigen immer wieder als Künstlerin begegnen, ist sie eigentlich Szenographin und Kostümbildnerin. Lange haben wir uns deshalb gefragt, wie es ihr gelingt, neben ihrer Arbeit am Oldenburgischen Staatstheater auch noch eigene Kunstprojekte umzusetzen - meist zusammen mit Mathilda Kochan als „Die Loge“. Dieser Zwiespalt hat sich zwar aufgelöst, denn Clara hat ihr Engagement am Staatstheater beendet. Dafür hat sich jedoch ein neuer aufgetan: Die gebürtige Essenerin studiert inzwischen Landschaftsarchitektur in Osnabrück - und bereichert Oldenburg trotzdem noch mit Kunstwerken. Und da ist schon wieder diese Frage: Wie macht sie das? Die Angesprochene zuckt mit den Schultern, fast ein wenig abwehrend. Clara neigt nicht unbedingt dazu, ihre Kunst zu Geniestreichen hochzujubeln; auch dann nicht, wenn es welche sind. Stattdessen gibt es norddeutsches Understatement. Nicht unangenehm, aber manchmal dürfte es etwas mehr Eigenlob sein; schließlich kann die Künstlerin auf viele spannende oder sogar spektakuläre Projekte in Oldenburg zurückblicken. Lest euch unbedingt unser Portrait über Die Loge durch oder hört euch unseren Podcast mit Mathilda und Clara an, bessere Einblick gibt es nicht. Diorama als Denkanstoß Auch bei ihrer aktuellen Ausstellung gerät Clara nicht sofort in Schwärmereien. „Eigentlich war das Projekt anders geplant“, berichtet sie stattdessen, „nämlich draußen an realen Orten, die meiner Meinung nach aktuell nicht gut genutzt werden.“ Ein Beispiel dafür sei etwa die Brache des Finanzamtes. Dort wollte die Künstlerin mittels Schaukästen, deren Inhalte nur durch Gucklöcher zu sehen wären, ihre eignen Vorstellungen zugänglich machen. Der Plan scheiterte jedoch am Aufwand. Aber merkt ihr etwas? Kleine Dioramen, die gestalterische Vorschläge für öffentliche Räume machen? Ist diese Projektidee nicht eine genaue Symbiose auch Claras beruflichen Stationen - zwischen Bühnenbild und Landschaftsgestaltung? Sie muss schmunzeln: „Das ist nicht bewusst passiert. Aber ja: Das ist mir auch aufgefallen.“ Zum Glück müssen wir uns nicht allzu sehr grämen, dass wir diese urbanen Interventionen verpassen. Denn auch wenn ihre neue Ausstellungen deutlich kleiner ist als die Oldenburger Innenstadt, hat sie das Prinzip in ihre Werke übertragen. Mit dem Unterschied allerdings, dass sie sich nicht echten, sondern fiktiven Orten widmen - und dass der Blick in die Zukunft weniger optimistisch ausfällt als er es bei konstruktiven Vorschlägen zur Stadtentwicklung gewesen wäre. Düstere Vorahnungen Äußerst filigran hat sie ihre kleinen Dystopien inszeniert. Stets zu spüren ist dabei ihre Herkunft von der Bühne: Die - ebenfalls winzige - Beleuchtung erzeugt ein dichtes Stimmungsbild und lässt zusätzliche Ebenen entstehen. Die Platzierung der Objekte gleicht einer Komposition, nichts ist hier dem Zufall überlassen. Ein Clou: Durch den dreidimensionalen Aufbau sieht man - anders als bei einem herkömmlichen Bild - nicht alles sofort. Nimmt man eine andere Perspektive ein, sind neue Dinge zu entdecken. Dieser kleine Kniff sorgt dafür, dass die Miniaturen länger spannend bleiben als man vielleicht zunächst vermuten würde. In jedem Fall aber erzeugen sie das, was der Titel vorwegnimmt: die Vorahnung einer düsteren Zukunft. Spektakulär unspektakulär Nein, „Zur schönen Aussicht“ ist vermutlich keine Ausstellung, von der Oldenburg in vielen Jahren noch spricht. Ihre geht es eben nicht um Größe und Menge, sie ist bewusst nicht spektakulär. Ein Besuch lohnt sich aber trotzdem - beziehungsweise gerade deswegen. Der intime Ort erlaubt eine ganz bewusste Auseinandersetzung mit den Entwürfen. Man kann sich in sie hineinfühlen - und erweitert die Ausstellung auf kognitiver Ebene. Wer also Spaß am Entdecken hat und in der vorweihnachtlichen Hektik nicht mit sehr viel Zeit gesegnet ist, hat hier die ideale Gelegenheit für einen schlanken Kulturgenuss. Die Ausstellung von Clara Kaiser ist tatsächlich ein Kleinod - überschaubar in den Dimensionen, aber grenzenlos, was die eigenen Assoziationen angeht. Ob das Studium der Landschaftsarchitektur solche kleinen Kunstprojekte in Zukunft unmöglich macht oder - ganz im Gegenteil - zu immer neuen Variationen inspiriert? Davon müssen wir uns wohl überraschen lassen. Und deshalb bleibt es wohl dabei: Clara Kaiser ist schwer zu fassen.

  • KOLUMNE: MAGISCHE MOMENTE

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Spielzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Kultur durch Kinderaugen Ich kann mich noch gut erinnern. Sehr gut sogar, obwohl mittlerweile etwa vierzig Jahre vergangen sind. Ich ging damals in die Grundschule Großenkneten und war natürlich ein glühender Trio-Fan. Kennt die noch jemand? Anfang der Achtziger hatte man jedenfalls kaum eine andere Wahl, schließlich standen Stephan, Kralle und Peter weltweit an der Spitze der Charts. Die Jungs waren aber auch sehr in Ordnung; man traf sie immer wieder im Ort, meist auf dem Weg zur Bank. Sie konnten die Kontostände wahrscheinlich selbst nicht glauben. Aber ich schweife ab. Denn ich will hier gar nicht von Trio erzählen, sondern von einem anderen Erlebnis. Beziehungsweise: von zweien. In seltenen Fällen machten wir seinerzeit nämlich mit unserer Klasse Ausflüge nach Oldenburg. Die gingen im November zur Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM, die damals noch in der Cäcilienschule stattfand. Ich kann die Magie dieser Besuche auch heute noch fühlen. Alles wirkte unglaublich groß und aufregend, voller Eindrücke und Erlebnisse. Es fühlte sich stets so an, als hätten wir eine viel größere Reise gemacht als nur jene in die nächstgelegene Großstadt. Bis heute frage ich mich, wie die Busfahrer vor der Abfahrt auf dem kleinen Parkplatz rangierten konnten, während unsere rauchenden Köpfe langsam wieder abkühlten. Könige der Welt Am Jahresende gab es noch einen zweiten guten Grund für Ausflüge in die Großstadt – und zwar die Kinder- und Familienstücke im Oldenburgischen Staatstheater. Was für eine unglaubliche Erfahrung es war, in das historische Ambiente des Großen Hauses einzutauchen, die weihevolle Atmosphäre aufzusaugen und sich ganz und gar im Geschehen zu verlieren. Bis heute weiß ich noch, dass ich einmal das Glück hatte, mit meinem Kumpel Henning in einer Loge platziert zu werden. Er hatte Mentos Frucht dabei, bei uns zuhause gab es immer nur Pfefferminz. Welches Stück gespielt wurde, weiß ich leider nicht mehr, doch wir fühlten uns wie die Könige der Welt! Man war sich dessen damals nicht bewusst, aber an diesen Tagen, als es vom kleinen Dorf in die große Stadt ging, wo wir auf unterschiedliche Weise der Kultur begegneten, hat sich etwas verändert. Ich habe meine Kindheit im Dorf mit all ihren Möglichkeiten geliebt und finde sie auch aus heutiger Sicht noch wunderbar. Aber diese Magie, die ich hier beschreibe, brauchte einfach die Kulissen und Kreativität einer Stadt. Bleibende Erinnerungen Während ich aufgeregt an Bücherständen entlanglief, mit rastlosen Blicken auf den vielen Titelbildern, immer auf der Suche nach dem nächsten Schatz – oder während ich mit großen Augen von meinem Logenplatz auf die Bühne runterschaute und ein ganz neues Gefühl für Theater bekam - haben meine Synapsen ein kleines Feuerwerk abgebrannt. Egal, ob es gute oder schlechte Bücher waren, für die ich mich entscheid, und egal, ob die Schauspieler:innen mit ihrer Performance zufrieden waren oder nicht: Ich war hin und weg. Sollten Sie also überlegen, ob Sie mit Ihren Kindern oder Enkelkindern in ein vorweihnachtliches Theaterstück gehen, nehme ich Ihnen die Entscheidung gerne ab: Tun Sie’s! Denn damit erzeugen Sie Erfahrungen, die verändern - und Erinnerungen, die bleiben. Wie habe ich diese Ausflüge geliebt und das Gefühl, das sie mir gaben. Es war die große weite Welt, direkt vor der Haustür. Klar habe ich auch Trio geliebt und bin zu „Los, Paul“ durchs Kinderzimmer gesprungen und war irgendwie stolz, wenn sie bei der Hitparade im ZDF auftraten, von Dieter Thomas Heck stets mit einer gewissen Fassungslosigkeit anmoderiert. Aber meine wahren Erweckungsmomente fanden auf der KIBUM und im Staatstheater statt. Deshalb denke ich zu dieser Jahreszeit gern daran zurück – und erinnere mich noch gut daran. Sehr gut sogar. PS: Mein persönlicher Dank geht an alle Lehrer:innen da draußen, die Lust darauf und Freude daran haben, mit ihren Klassen Ausflüge in die Kultur zu machen. Das ist alles andere als einfach, wahrscheinlich sogar anstrengend und stressig, für die Schüler:innen ist es aber unendlich wertvoll. Danke, dass Sie die Mühe auf sich nehmen und viele kleine Köpfe mit bleibenden Erfahrungen füllen. PPS: Ein Dank auch an die vielen Akteurinnen vor und hinter den Kulissen der KIBUM und der Oldenburger Theater, die der Vorweihnachtszeit besonderen Glanz verleihen, an die Busfahrer:innen, die eine Engelsgeduld aufbringen, wenn sie die kleinen Horden sicher von A nach B bringen, an Henning für die Mentos und an Trio für die Musik!

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