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  • PODCAST: FOLGE 26

    Ein ganzes Museum einer einzelnen Person widmen? Eine mutige, aber großartige Entscheidung, die wir hier in Oldenburg getroffen haben! Denn das Horst-Janssen-Museum setzt sich nicht nur mit seinem Namensgeber seit über 20 Jahren auf kreativste Art und Weise auseinander, sondern war von Beginn an auch ein Anlaufpunkt für die Welt der Zeichenkunst als solche. Wer könnte da besser geeignet sein, uns einen Einblick in eben diese Welt zu geben, als die Leiterin des Museums selbst: Jutta Moster-Hoos. Neben der Bedeutung seines künstlerischen Schaffens, das im Bereich der Zeichnung bis heute als exemplarisch gilt, sprechen wir aber auch über den Menschen Horst Janssen, der sich hinter der Kunst verbarg. Über sein Aufwachsen, sein exzessives Arbeitspensum aber auch darüber, wie es dem Museum immer wieder aufs Neue gelingt, im Kontext der Ausstellungen innovative Ansätze in der Auseinandersetzung ihm zu finden. Wie findet man das eine Thema, diese eine Facette oder noch besser: den einen Schatz, der bisher unentdeckt blieb im gigantischen Fundus, den man den Leuten als nächstes präsentieren möchte? Wie wir dabei lernen durften, ist sein Werk bei weitem noch nicht auserzählt und auch der gesellschaftliche Diskurs über sein Schaffen ändert sich stetig und wird dabei immer wieder in aktuelle Kontexte gesetzt. DIE NEUE AUSSTELLUNG ALLE WEITEREN INFOS: Zudem unterstreichen wir, wie es beispielsweise dem Museum mit Ausstellungen zum Thema Comic und Graphic Novel gelingt, abseits des Namensgebers über das Medium der Zeichnung einen demokratischen Zugang zur Kunst für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Denn das Tolle ist doch schließlich, dass es für eine Zeichnung eigentlich nur einen Stift und ein Blatt Papier braucht, oder? Und manches, kann halt einfach nur die Zeichnung! Wie immer erwartet euch also eine spannende Folge, die wir euch wärmstens empfehlen können und bei der wir euch viel Spaß wünschen!

  • ASTRONAUTEN AUF SEE

    Ein Buch ist nicht ganz unpraktisch. Wir können selbst bestimmen, wann, wo, wie viel und wie schnell wir lesen. Genial! Warum sollten wir also viele dieser Vorteile aufgeben, um dabei zu sein, wenn jemand anderes etwas vorliest? Eine Antwort auf diese Frage gab es nun im Staatstheater - bei der Lesung des Oldenburger Weltumseglers Boris Herrmann. Stimmengewirr. Das ist der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man an diesem Mittwochabend in das ausverkaufte Oldenburgische Staatstheater kommt. Unzählige Worte und Gesprächsfetzen vermischen sich zu einem erwartungsvollen Grundrauschen. Eindeutig rauszuhören: Spannung, Aufregung, Vorfreude - von Menschen aller Altersklassen. Warum sind sie alle hier, könnte man fragen. Denn letztlich werden wenige Minuten später zwei Männer auf der Bühne sitzen, die tun, was wir selber könnten: Lesen. Was veranlasst also hunderte Menschen dazu, ihren Feierabend in roten Theatersesseln zu verbringen statt auf der heimischen Couch - oder wo auch immer der liebste Leseplatz ist. Wir haben nach Gründen gesucht - und sind fündig geworden! NDR KULTUR: DER NORDEN LIEST BORIS HERRMANN UND ANDREAS WOLFERS „ABENTEUER OCEAN RACE“ MITTWOCH, 13. DEZEMBER, 19. 30UHR OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG Willkommen in der Heimat Die heimische Couch hat Extremsegler Boris Herrmann lange nicht gesehen. Er kommt an diesem Abend geradewegs vom Transatlantikrennen Retour a la Base, das er neuneinhalb Tage allein bestritten hat. Kurz stand sogar eine Verschiebung der Lesung im Raum, da nicht sicher war, ob das Rennen rechtzeitig beendet sein würde. Doch schließlich klappte alles: Um genau 12:02 Uhr erreichte Boris Herrmann am 10. Dezember das Ziel - früh genug, um pünktlich in Oldenburg zu sein. Und so kommt der erfahrene Skipper direkt aus der maritimen Einsamkeit in die Fülle des Großen Hauses. Auf dem Tisch ein Ols, willkommen in der alten Heimat! Die schlaflosen Nächte auf dem Atlantik und die insgesamt zwölfstündige Anreise von Lorient in der Bretagne über Nantes, Paris und Hamburg nach Oldenburg ist Boris Herrmann zwar durchaus anzumerken. Eine leichte Müdigkeit umspielt seine Augen. Aber dennoch beantwortet er gut gelaunt die Einstiegsfragen von Moderatorin Julia Westlake. Auch Co-Autor Andreas Wolfers freut sich, dass die Anreise letztlich geklappt hat. Die Einsamkeit war indes das geringste Problem für Boris Herrmann in den letzten Tagen. Mehr zu tun hatte er mit dem Atlantik, der sich von seiner ungezähmten Seite zeigte: „Das Boot hat sich verhalten wie ein wilder Gaul, auf dessen Rücken man zu reiten versucht“, beschreibt er die Erfahrung - und vermittlet so eine ungefähre Vorstellung der Adventszeit eines Extremseglers. Fünf und fünfzig Die Retour de la Base leitet den Abend aber lediglich ein. Hauptthema ist ein anderes Rennen, kein geringeres als das größte der Welt: The Ocean Race. Die berühmte Segelregatta findet nur alle drei jahre statt, macht ihrem Namen aber alle Ehre: Es geht einmal um den Erdball. Je nach Route bedeutet das zwischen 45.000 und 72.000 Kilometer, eine Gesamtdauer von mehreren Monaten, davon über hundert Tage auf See. Den Booten begegnen dabei Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h und Wellenberge von bis zu 30 Metern. An Bord von Herrmanns Boot „Malizia“ waren lediglich fünf Personen, neben dem gebürtigen Oldenburger die Niederländerin Rosalin Kuiper, der britische Co-Skipper Will Harris, der Franzose Nicolas Lunven und nicht zuletzt Onboard Reporter Antoine Auriol, ebenfalls aus Frankreich. Die Crew ist insgesamt aber deutlich größer und umfasst in der Spitze etwa fünfzig Personen. Wo die sind? Nicht etwa in Beibooten, sondern an Land. Tatsächlich sind Segelrennen heuzutage keine romantischen Abenteuer mehr, sondern akribisch vorbereitete, genauestens berechnete, streng durchgetaktete Projekte. Wobei schnell klar wird:: Abenteuer sind es nach wie vor. Wellenritt für Wahnsinnige Journalist Andreas Wolfers ersparte sich die Enge der „Malizia“ und begleitete The Ocean Race auf dem Landweg. In den sieben Etappenstädten war er immer bereits vor Ort, um das Team zu interviewen. „Das Rennen wird auch an Land gewonnen“, berichtet er von seinen Erfahrungen, „Die Schiffe werden bei den Zwischenstopps repariert. Sie müssen danach wieder in Top-Zustand sein, um sie über das Meer zu prügeln.“ Prügeln? Das martialische Verb hat der Autor bewusst gewählt. Herrmann und Wolfers haben für den Abend im Staatstheater nämlich nicht irgendeinen Abschnitt der Ocean Race ausgewählt, sondern die „monströse“ Etappe von Südafrika durchs Südpolarmeer an Australien und Kap Hoorn vorbei nach Brasilien. Mit einer Distanz von etwa 23.000 Kilomtern ist sie die längste in fünfzig Jahren Ocean Race. Mehr als dreißig Tage brauchen die Hightech-Yachten für diesen Wellenritt. „Wahnsinn“, bringt es Hobbysegler Wolfers auf den Punkt. Der Flensburger Journalist ist zuständig für die Textpassagen, während Skipper Herrmann frei von seinen Erfahrungen berichtet. Er liest mit sonorer Stimme, eher sachlich, ohne übertriebenen Hang zu Dramatik. Das entsricht auch seinem unaufgeregten Schreibstil. Allerdings braucht es Zuspitzungen auch nicht, die Faszination entsteht durch die Sache an sich. Das Rennen ist unter den Bedingungen im Polarmeer tatsächlich eine Verrücktheit. Wolfers vergleicht das Wagnis mit der ISS, die ebenso einsam durch den Weltraum schwebt. Es scheint zu passen, denn die äußeren Bedingungen im Südpolarmeer sind nicht viel angenehmer: An 300 Tagen im Jahr regnet es, an 100 Tagen stürmt es, die Temperatur liegt durchgehend bei 5 Grad Celsius. Riders on the Storm Tatsächlich sind die zahlreichen Stürme aber mehr als eine potenzielle Gefahr. Die rivalisierenden Teams der Ocean Race versuchen, sie für sich zu nutzen, indem sie sich vor die Sturmfront setzen, um sich von ihr mit Hochgeschwindigkeit antreiben zu lassen. „Wie ein Surfer auf der Welle“, beschreibt Boris Herrmann das Prinzip. Wem es gelingt, hat gute Chancen auf eine vordere Platzierung. Wer stattdessen in den Sturm gerät? Hat mit anderen Problemen zu kämpfen. Das weiß man an Bord der „Malizia“ aus eigener Erfahrung: Bereits zu Beginn der Etappe zerstört der Wind ein Segel, der Mast erleidet in der Spitze einen Haarriss, der repariert werden muss - in waghalsigen 28 Metern Höhe. Die Anleitung kommt dabei von der Crew an Land: Sie simuliert die Reparatur mit Dingen, die sich an Bord der „Malizia“ befinden - eine Prozedur, die den Astronauten der Apollo 13 einst das Leben rettete. Später wird Rosalin während ihrer kurzen Nachtruhe aus der Koje geworfen und mehrere Meter durchs Boot geschleudert. Sie erleidet eine schwere Gehirnerschütterung und eine große Platzwunde am Kopf. Der Arzt? Bräuchte länger zu ihnen als zur ISS und kommt deshalb per WhatsApp. Das Nähen übernehmen die Teamkollegen. Hiobsbotschaften gab es schon vor dem Start in Kapstadt: Auf der ersten Etappe hatte sich Boris Herrmann bei starkem Seegang seinen Fuß mit kochendem Wasser so stark verbrüht, dass er ins Krankenhaus musste und die zweite Etappe verpasste. Ganz nah dran Den enormen Belastungen und Entbehrungen stehen aber gleichberechtigt positive Erlebnisse gegenüber. Sie berühren das Publikum im Saal auf besondere Weise, weil sie einen Vorteil nutzen, den wir beim Lesen sonst nicht haben: Auf der gigantischen Leinwand im Staatstheater werden kurze Filme von Onboard Reporter Antoine Auriol gezeigt, die uns das Geschehen an Bord sehr nahe bringen - die Lesung wird dadurch zum Multimediaspektakel. Wenn etwa Antoine die „Malizia“ bei voller Fahrt mit einer Drohne filmt und die Crew die Bilder live im Boot ausgelassen bejubelt, hat man beinahe das Gefühl, dabei zu sein. Auf andere Weise berührend ist die Umrundung des Kap Hoorn, bei der die Crew nach dreißig Tagen auf See erstmals wieder Land sieht und die Tränen in die Augen steigen, obwohl alles unwirtlich bleibt und der Anblick von Nebel getrübt wird. In der Kombination aus Lesung, Erzählung und Bildmaterial wirkt das „Abenteuer Ocean Race“ so nah und so dicht, dass man bald den Eindruck hat, auf der Bühne befänden sich mehr als nur drei Personen. Durch die verlesenen Beiträge der Crewmitglieder Rosalin Kuiper und Will Harris bekommen ihre Gedanken zu Recht großes Gewicht, denn zu den Ansichten von Boris Herrmann gibt es neben vielen Gemeinsamkeiten durchaus auch Unterschiede. Faszinierend: Die Bilder der Ocean Race-Königsetappe beeindrucken mal durch Dramatik, mal durch Intimität. (Bilder: Antoine Auriol, Rosalin Kuiper) Zum Glück keine Krücke Geradezu spektakulär ist dabei auch die Stimmung an Bord. Man muss sich das vorstellen: Da pflügt dieses kleine Schiff einen Monat lang durch raue See, so einsam und verloren wie sonst nur Raumkapseln im Weltall, auf engem Raum und fernab jeder Rettung, man erlebt Rückschläge - und trotzdem bleiben die Crewmitglieder ruhig, konzentriert, kameradschaftlich, humorvoll. Vielleicht hilft die Einstellung von Skipper Boris Herrmann, der nach vierzig Jahren Segelerfahrung weiß: „Man ist nie gefeit vor positiven Überraschungen.“ Und die kamen auch im Verlauf des Rennens. Die „Malizia“ holte auf der Königsetappe nicht nur den Rückstand auf die anderen Boote auf, sie gewann am Ende sogar. Das sieht Boris Herrmann vor allem als große Bestätigung für die Konstruktion des Bootes, an der er intensiv beteiligt war. „Wie haben Jahre daran gearbeitet“, blickt er zurück, um dann lachend zu ergänzen: „Wenn es eine lahme Krücke geworden wäre, wär es nicht witzig geworden.“  In der Tat scheint die Konstruktion gelungen zu sein, Denn auf der übernächsten Etappe zwischen dem nordamerikanischen Newport und Aarhus in Dänemark sollte die „Malizia“ sogar einen Weltrekord aufstellen: in 24 Stunden segelte sie 642 Seemeilen - so viel wie nie ein Schiff zuvor. Man on a Mission Dass es Boris Herrmann aber nicht nur um Bestzeiten und Podestplätze geht, ist an diesem Abend ebenfalls zu spüren. Der studierte Ökonom (Schwerpunkt: Nachhaltiges Management) hat eine Botschaft, die er auch auf dem Meer deutlich kommuniziert: „Climate Action Now! - A Race we must win“ steht in großen Lettern auf den Segeln geschrieben. „Ich bin der Überzeugung , dass die gloaben Klimaschutzmaßnahmen schneller und umfangreicher sein müssen“, erklärt der Weltumsegler unter dem Applaus des Publikums. „Es wird viel über Klinaschutz gesprochen, aber man hat das Gefühl, dieses Rennen sei noch gar nicht gestartet.“ Spätestens seit 2019, als er Umweltaktivistin Greta Thunberg nach New York gesegelt hat, ist das Klima ein wichtiges Thema für ihn. Umso mehr, weil er die Effekte des Wandels beim Segeln direkt spürt: „Der Jetstream war in diesem Jahr außergewöhnlich. Es gibt grundsätzlich mehr Tiefdruckgebiete, und deshlab mehr verschobene Rennen.“ Bei den Etappenstopps der großen Segelrennen nutzt Boris Herrmann seine Bekanntheit, um für Umweltthemen zu senibiliseren. Dabei ist er sich des Paradoxons bewusst, dass einige Segel-Sponsoren zu den großen CO2-Emittenten gehören. Auch dort setzt Boris Herrmann an: „Wir nutzen unsere Aufmerksamkeit und unsere Verbindungen zu den Firmen, um unsere Botschaft zu platzieren.“ Nicht zuletzt dank dieses Engagements rüste etwa die Hamburger Reederei Hapag Lloyd nun ein 260 Meter langes Frachtschiff mit acht Masten aus, um den Antrieb mit Segeln zu unterstützen. Aber auch eigene Aktivitäten führt das Team um Herrmann durch. So hat es sich um Ziel gesetzt, einen eigenen Mangrovenpark mit einer Million Pflanzen anzulegen. Auch hier sind die Segler:innen auf Kurs: über 880.000 Mangroven wurden bereits gepflanzt, Der Mensch hinter dem Abenteurer Während Boris Herrmann ohne jegliche Besserwisserei von seinem Engagement für die Umwelt berichtet, blitzen andere Facetten seiner Persönlichkeit auf als bei seinen Erzählungen zu den Abenteuern auf See. Zwar neigt er - ähnlich wie sein Co-Autor - in keinem Fall zu Übertreibungen. Man hat aber das Gefühl, an dieser Stelle einem Menschen zu begegnen, der sehr umfangreich über die Welt nachdenkt und über seine Rolle darin. Auch diese Facette wäre unbemerkt - oder weniger stark sichtbar - gewesen, wenn man nur das Buch gelesen hätte. Dieses Prinzip zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Mit Humor und Ironie, authentisch und nahbar gewährt Boris Herrmann tiefe Einblick ins Leben an Bord, die zwischenmenschlichen Dynamiken, die Herausforderungen von Wetter und See. Man taucht hier tief ein, nicht nur in das Buch, sondern weit darüber hinaus. Was der Skipper über die Routinen an Bord berichtet, ergänzt die verlesenen Passagen um wissenswerte, überraschende, und manchmal sogar urkomische Einblicke. Raus auf See Wieder Stimmengewirr. Als wir das Staatstheater verlassen, bietet sich ein ähnliches Bild wie am Anfang, jedoch mit einem anderen Sound. Bewegt und beeindruckt besprechen die Gäste, was sie in den letzten fast drei Stunden gehört und gesehen haben. Die Vorfreude hat ihre erste Silbe verloren: Es herrscht Freude darüber, dass man diesen Abend miterlebt hat. Ein Buch ist und bleibt eine gute Sache. Und natürlich ist „Abenteuer Ocean Race“ lesenswert. Es führt dicht heran an die unglaubliche Herausforderung Ocean Race. An diesen Abend im Staatstheater kann es jedoch nicht heranreichen. Das spektakuläre Filmmaterial, die faszinierenden Fotos, vor allem aber die authentischen Berichte von Boris Herrmann hieven Wolfers' Text auf ein neues Level. Gleichzeitig liefern sie eine ausgezeichnete Erklärung, warum sich eine Lesung wie diese lohnt und warum sie rasend schnell ausverkauft war: Weil sie ein spektakulären Ereigni fernab des Geschehens erlebbar macht. Dem sind allerdings auch Grenzen gesetzt. „Wie können versuchen zu beschreiben, was wir fühlen“, zitiert Andreas Wolfers die Seglerin Rosalin Kuiper nach dem Rennen. „Aber wer es wirklich wissen will, muss selbst hinausfahren auf die See.“ Oder aber: Ins Staatstheater kommen, wenn Lesungen wie diese anstehen. Näher kann man den Astronauten auf See an Land nicht kommen.

  • NICHTS WIE HIN (6)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • DAS MUSEUM BIST DU

    Lange Zeit waren Museen würdevolle Wissenstempel, in denen man - in gebührendem Abstand - ausgesuchte Artefakte bewundern durfte, bei denen es meist hießt: Bloß nicht anfassen! Diese Art der Präsentation befindet sich im Wandel, immer stärker wird auf interaktive und partizipative Elemente gesetzt. In Oldenburg gehen das Landesmuseum Kunst & Kultur und das Stadtmuseum noch einen Schritt weiter: Ihr dürft mitbestimmen, was sie zeigen! Ein Museum ist für die allermeisten Außenstehenden etwas, auf das sie keinen Einfluss nehmen können. Die grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung steht ebenso schon weit vor der Eröffnung fest wie der Name oder die äußere Gestaltung. Selbst den Ausstellungsaufbau im Inneren bekommen die Besucher:innen nur im Ergebnis mit. Möglichkeiten zur Beteiligung? Fehlanzeige. So war es zumindest bisher. Und in manchen Fällen kann man nicht behaupten, dass den Museen das Schmoren im eigenen Saft besonders gut getan hätte. Fachlich mögen sie ihren Aufgaben gerecht geworden sein - was Zugänglichkeit, Attraktivität und Strahlkraft angeht, gab es hier und dort noch Luft nach oben. In Oldenburg wird man in diese Situation aber vermutlich nicht mehr geraten, denn hier bindet man nun diejenigen Menschen ein, die es am meisten angeht: Euch! STADTMUSEUM OLDENBURG: ERTRÄUMTE STADT FREITAG, 9. FEBRUAR, 15 BIS 17.30 UHR SAMSTAG, 10. FEBRUAR, 10 BIS 12.30 UHR SAMSTAG, 10. FEBRUAR, 15 BIS 17.30 UHR KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG - WEITERE TERMINE FOLGEN - 1. Stadtmuseum: Erträumte Stadt Gleich zwei Häuser - das Stadtmuseum und das Landesmuseum Kunst & Kultur - haben spannende, attraktive Wege gefunden, ihre Häuser genauer auf die Publikumswünsche anzupassen und dabei mehr darüber zu erfahren, wie ihre Zielgruppe eigentlich so "tickt". Anlässlich seines Projekts „Erträumte Stadt“ fragt etwa das Stadtmuseum: „Wovon träumst du, wenn du an Oldenburg denkst? Wie erträumst du dir die Stadt der Zukunft? Was braucht das Oldenburg von übermorgen in Sachen Wohnen, Freizeit, Mobilität, Arbeit und darüber hinaus?“ Es geht also darum, erst einmal herauszufinden, was „Stadt“ für die Bevölkerung überhaupt bedeutet. Was soll sie sein, was soll sie bieten und leisten? Die Suche nach den Antworten dürfte für die eine oder andere Selbsterkenntnis sorgen. Schließlich stellt man sich nur äußerst selten die Frage, was man von seiner Heimatstadt ganz grundsätzlich erwartet und was man sich in Zukunft von ihr wünscht. Gemeinsam mit Euch möchte das Museumsteam Ideen, Wünsche und Zukunftsvisionen für Oldenburg sammeln, diskutieren und visualisieren. Begleitet wird der Workshop von der Hamburger Illustratorin Angela Gerlach, die aus den gesammelten Themen und Ideen ein Zukunftsbild entwickeln wird. Die fertige Zeichnung wird nach der Wiedereröffnung als großformatiges Wandbild in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im neuen Stadtmuseum zu sehen sein. Denn in der neuen Ausstellung wird es nicht nur um die Vergangenheit und die Gegenwart gehen, sondern es wird auch ein Blick in die Zukunft der Stadt geworfen. Das heißt: Hier habt ihr die einmalige Chance, eure Ideen zu Teilen eines Kunstwerks werden zu lassen - und es anschließend im Museum bewundern zu dürfen. 2. Landesmuseum: Neuland Schon etwas länger läuft das Beteiligungsformat des Landesmuseums Kunst & Kultur. Nachdem es im letzten Jahr seinen 100. Geburtstag feiern durfte, betritt es nun „Neuland“. Damit ist aber nicht etwas die Merkelsche Entdeckung des Internets gemeint, sondern eine Neugestaltung der Dauerausstellung im Schloss. Welcher Zeitpunkt könnte dafür besser geeignet sein als der Beginn eines neuen Jahrhunderts? LANDESMUSEUM KUNST & KULTUR: NEULAND SEIT DEM 19. DEZEMBER 2023 BETEILIGUNG ÜBER MITMACHEN@LANDESMUSEUM-OL.DE ODER IM LANDESMUSEUM KUNST & KULTUR SCHLOSSPLATZ 26122 OLDENBURG Mit sogenannten „Interventionen“ leitet das Landesmuseum eine thematische und inhaltliche Neukonzeptionierung sei­ner mittlerweile über 25 Jahre alten Dauerausstellung im Oldenburger Schloss ein. Die drei Kuben sollen den Besucher:innen die Veränderungen nicht nur ankündigen, sondern sie aktiv in die Themenfindung und inhaltliche Ausrichtung einbin­den. Alle, die sich mit „Oldenburg und umzu” identifizieren, sind dazu eingeladen. Museumsleiter Dr. Rainer Stamm erläutert: „Mit den Interventionen im Schloss möchten wir neue, teils spielerische Zugänge zur Kultur schaffen und ein Stück weit auch zur Diskussion stellen, wie es mit der Präsentation unse­rer Landesgeschichte im Oldenburger Schloss weitergehen soll.“ Kontrastierende Interventionen: Die drei Kuben heben sich stark vom historischen Ambiente ab - und laden euch zum Mitmachen ein. (Bilder: Landesmuseum Kunst & Kultur) Falls ihr zu den annähernd 20.000 Menschen gehört, die sich die World Press Photo Ausstellung ansehen werden: Nutzt die Gelegenheit und schaut euch die Interventionen im Schloss an. Vielleicht kommt euch der entscheidende Gedanke, der die neue Ausstellung dauerhaft aufwertet - vielleicht sogar die nächsten hundert Jahre! Und selbst wenn nicht: Es macht Spaß, dieses Museum - das immer so unumstößlich unveränderlich schien - einmal neu zu denken. 3. GESTALTE DEIN MUSEUM Museen sind kein Selbstzweck, sie sind keine reinen Aufbewahrungsorte für die jeweiligen Ausstellungsstücke. Jedes Museum hat das Ziel, sein Angebot mit den Menschen zu teilen; nur dadurch erhalten sie ihren Sinn. Manchmal reicht dafür ein berühmtes Kunstwerk, dass wir das Louvre bestätigen können. In der Regel aber müssen sich die Häuser um ihr Publikum bemühen. Und dieses Publikum - das seid ihr. Die Oldenburger Häuser bieten nun Möglichkeiten an, näher an sie heranzurücken und tiefer in die Ausstellungen einzutauchen. Vieles spricht dafür, das hinter diesen Angeboten eine Haltung steht, die auch in Zukunft vorgeschrieben wird. Wer jetzt einsteigt, ist von Anfang an dabei - und kann „sein“ Museum mitgestalten. Um die Erwartungen nicht ganz unter die Decke schrauben: Nein, ihr dürft nicht bestimmen, was genau im Museum zu sehen sein wird und wie die Präsentation aussieht. Also: Keine Chance, eure Pokemonkarten-Sammlung oder den unverbastelten Opel Kadett C von Onkel Klaus mal einem größeren Publikum vorzustellen. Doch die Möglichkeiten sind umfangreich genug, sie machen einfach Spaß und bieten einen tieferen Sinn. Seid dabei, denn: Das Museum bist du!

  • SZENE IN SZENE

    Seit einer halben Ewigkeit erscheint alljährlich eine neue Ausgabe von „Oldenburg erleben“, einer Publikation aus dem Verlag Kommunikation und Wirtschaft. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus wertvollen Informationen, nützlichen Tipps und interessanten Facts über Oldenburg. Für den Kulturteil der Ausgabe 2024 bat uns die Redaktion zum Gespräch. Das Ergebnis könnt ihr nun hier nachlesen! Sie setzen die Szene in Szene Thorsten Lange und Kevin Altenberger, Mitarbeiter des städtischen Kulturbüros, sind die Köpfe hinter dem „Kulturschnack“. Frage: Bei Wikipedia heißt es, ein „Schnack“ sei eine „Plauderei“, aber auch „leeres Gerede oder Geschwätz“. Wo ordnet ihr euch ein? Thorsten Lange: Puh! Plauderei beschreibt das, was wir machen, zumindest ansatzweise. In unseren Podcasts und in den Gesprächen mit Kulturakteuren tauschen wir uns mit unseren Gästen aus anstatt ein vorbereitetes Interview zu führen. Die Gespräche gehen dann aber durchaus in die Tiefe, sind also weit mehr als eine lose Plauderei und ganz sicher kein Geschwätz. Der Schnack ist locker und entspannt, gerne auch flapsig – aber niemals leer. Kevin Altenberger: Wir wollen uns gern in unseren Artikeln und im Podcast thematisch treiben lassen. Es geht nicht darum, bestimmte Kernbotschaften zu vermitteln, sondern eher ein Gefühl, eine Stimmung, eine Idee. Nach der durchaus provokanten Einstiegsfrage nun der eher chronologische Beginn: Wie kam es dazu, dass ihr den Kulturschnack an den Start gebracht habt? Thorsten Lange: Da gab es zunächst zwei parallele Entwicklungen. Im Kulturbüro gab es den Wunsch, nicht nur Fördertöpfe bereitzustellen, sondern auch auf das kulturelle Geschehen einzugehen, es sichtbarer und verständlicher zu machen. Das hätte für Szene, Publikum und Stadt einen sehr hohen Wert. Als Texter und Redakteur war mein Ansatz ein Online-Magazin, das die Brücke schlägt zwischen Akteuren und Publikum – verbunden mit der Intention, Leute zu begeistern, die sonst keinen Weg zur Kultur finden. Kevin Altenberger: Ich hatte etwa gleichzeitig den Auftrag, eine digital-analoge Kulturstrategie zu entwickeln. Das ist erstmal ein Regenbogenbegriff, den es zu definieren gilt. Mir wurde schnell klar, dass es eine Plattform braucht, auf der sich das abspielen kann, was alles in Oldenburg passiert. Da ich aus dem Audiobereich komme, lag der Gedanke an einen Podcast nahe. Thorsten Lange: Dann haben sich unsere Wege gekreuzt. Wir haben gleich gemerkt, dass es sich geradezu aufdrängt, beide Ansätze miteinander zu verknüpfen und mit dem Kulturschnack einen Ort zu schaffen, an dem man sich mit Kultur aller Facetten beschäftigen und den Reiz daran verstehen kann. Wie kommt ihr an eure Themen? Thorsten Lange: Wir haben eine sehr lange Liste an Themen und Formaten, die wir nach und nach veröffentlichen – wenn wir dazu kommen. (lacht) Tatsächlich holt uns die Aktualität immer wieder ein, weil Kulturschaffende uns ihre neuen Ideen oder Projekte präsentieren. Wir selbst haben vielleicht auch etwas gesehen oder gefühlt, worüber wir spontan schreiben wollen. Das ist ein ständiger Flow, von dem wir uns ganz bewusst treiben lassen. Gibt es von Seiten der Kulturschaffenden eine Erwartungshaltung an euch? Kevin Altenberger: Ich kann mir schon vorstellen, dass es die eventuell gibt, aber das wäre auch okay so. Dennoch wollen wir darauf achten, nicht nur Inhalte am Fließband abzuarbeiten. Wir möchten uns ja immer intensiv mit den Leuten und den Themen beschäftigen. Außerdem brauchen wir Zeit, um uns und die Formate weiterzuentwickeln, schließlich ist das Projekt Kulturschnack auf Langfristigkeit angelegt. Und jetzt nach etwas mehr als anderthalb Jahren sind wir fest davon überzeugt, dass das genau der richtige Weg ist. Gibt es ein Adjektiv, dass eure Berichterstattung beschreibt? Thorsten Lange: Wertschätzend trifft es wohl am besten. Wir schauen immer auf die Qualitäten einer Sache, beschreiben ihren Reiz und variieren dafür unsere Blickwinkel. Warum soll ich mir als Erwachsener Jugendtheater ansehen, warum als Techno-Fan zu einem Rockkonzert gehen? Darauf geben wir Antworten. Was wir machen, ist also nicht „preaching to the converted“, wir wollen die Lust am Entdecken wecken. Kevin Altenberger: Noch etwas: Wenn sich jemand mit Leidenschaft kulturell engagiert, dann finden wir das grundsätzlich gut. Es kann schon passieren, dass ich vielleicht nicht verstehe, worauf etwas genau abzielt. Aber das ist dann mein privates Problem. Als Kevin vom Kulturschnack möchte ich in einem solchen Fall herausfinden, was den Reiz bei der Angelegenheit ausmacht. Nur zu sagen, das finde ich doof, das wäre zu einfach. Wie würdet ihr die Kultur in Oldenburg grundsätzlich charakterisieren? Thorsten Lange: Als extrem vielfältig. Die Bandbreite ist für eine Stadt dieser Größe enorm. Es gibt wirklich hochwertige etablierte Einrichtungen, es gibt aber auch eine wachsende junge Szene mit „Do it yourself“-Spirit. Beides existiert neben-, aber auch miteinander und befruchtet sich gegenseitig. In Oldenburg ist einfach sehr viel möglich, manchmal mit Unterstützung der Stadt, oft aber auch auf eigene Faust – eine tolle Mischung! Kevin Altenberger: Es gibt auch innerhalb der Szene viel Wertschätzung und Respekt füreinander. Zudem glaube ich, dass das gemeinsame Kollaborieren einfach total den aktuellen Zeitgeist trifft, das hat immer etwas Besonderes. Die Ergebnisse fallen dann in der Regel auch entsprechend positiv aus. Zum Abschluss: Falls ihr eurer Tätigkeit eine Überschrift geben müsstet, welche wäre das? Kevin Altenberger: Ich könnte jetzt lange überlegen, aber wir haben uns ja ein Motto gegeben: „Wir setzen die Szene in Szene“. Das trifft es. Es geht uns um Sympathie für die Kulturschaffenden und ihre Arbeit, um das Sichtbarmachen und um ihren Erfolg. (Erschienen in: Oldenburg erleben 2024 / Verlag Kommunikation und Wirtschaft)

  • NICHTS WIE HIN (5)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • KRIMI, KI & NEONLICHT

    Die Theatergruppe Szentral ist zurück und erwartet euch mit "EXITUS - Mord und Lügen" im Oldenburger Universitätstheater! Das brandneue Stück hat es dabei diesmal wirklich in sich. Als Publikum werden wir in die grelle Welt der 80er Jahre entführt, hinein in einen mitreißenden Murder-Mystery-Krimi zwischen Ost und West, der auch heute nicht aktueller und relevanter für uns alle sein könnte. Denn im Zentrum der Handlung steht der renommierte Forscher Friedhelm von Trosttorf, dessen bahnbrechende künstliche Intelligenz die Welt revolutionieren könnte. Doch bevor er seine Entdeckung mit der Welt teilen kann, wird er Opfer eines hinterhältigen Mordanschlags und auch der Programmcode der KI wird gestohlen. Ermittlerin Heloïse Blanchard betritt dabei einen Nebel voller Täuschungen, um die rätselhaften Spuren zu entwirren und das Geheimnis rund um die Tat letztlich zu entschlüsseln. Besonders der Diebstahl des Programmcodes birgt nicht nur persönliche Tragödien, sondern auch das Potenzial für eine globale Katastrophe. Gerade im Anbetracht der aktuellen Entwicklungen und Fortschritte in diesem Bereich, die mit jedem Tag größer, beeindruckender und/oder beängstigender zu werden scheinen, bekommt die Geschichte eine Aktualität, die absolutes Gänsehautfeeling verspricht. Was, wenn diese Technologien in die falschen Hände geraten? Was, wenn die Technologie selbst oder ihre Auswirkungen außer Kontrolle gerät? Alles Fragen, die die Welt und uns als Gesellschaft wie nie zuvor bewegen! Soundtrack der Vergangenheit Doch wir befinden uns nicht im Jahr 2024. Nein, die Zuschauer erleben während der Vorführung eine musikalische Zeitreise zurück in das Deutschland der 80er Jahre. Entsprechend hat die Theatergruppe auch aus den Vollen geschöpft und für das Stück einen waschechten Retro-Soundtrack zusammengestellt, der sich sehen lassen kann. Die Musik einer ganzen Ära treibt dabei die fesselnden Handlungsstränge voran und schafft im Schein der grellen Neonlichter eine filmische Atmosphäre innerhalb des Theatererlebnisses, die die Zuschauer immer wieder im Dunkeln tappen lassen wird - während die Spannung ins Unermessliche steigt! Glaubt ihr nicht? Dann überzeugt euch doch einfach schon mal selber davon! Denn wir haben für euch exklusiv die Musikauswahl für das Stück zugespielt bekommen und daraus eine Playlist erstellt, mit der ihr euch bereits im Vorfeld auf die Vorstellung einstimmen könnt. Sie lässt sich so auf den Punkt bringen: Hits, Hits, Hits! Zwei Jahrzehnte Theaterleidenschaft Aufmerksame Leserinnen und Leser des Kulturschnacks werden zudem wahrscheinlich bereits aufgehorcht haben, denn Szentral ist für uns kein neuer Name und in der Vergangenheit berichteten wir beispielsweise über das Stück "Fremde Freunde" - eine Komödie! In den inzwischen über 20 Jahren, die die Gruppe bereits existiert, konnte sich Szentral nämlich nicht nur als feste Größe am Oldenburger Universitätstheater etablieren, sondern auch mehr als beweisen, dass sie eine reichhaltige Bandbreite an Genres meistern und in ihr Repertoire aufnehmen können. Von klassischen Dramen über Kriminalgeschichten bis hin zu Kinderbuchadaptationen und experimentellen Stücken ist alles dabei! "EXITUS - Mord und Lügen" verspricht jedenfalls nicht nur ein spannendes Drama und einen Fall der gelöst werden will, sondern überzeugt vor allem durch die thematische Symbiose zweier Welten, die beinahe 50 Jahre auseinanderliegen. Es wird spannend, es wird mysteriös und es wird ... Neon! Wer es nun bereits kaum noch aushält, der sollte sich schnellstens ein Ticket für die kommenden Veranstaltungen sichern, die ihr euch unter folgendem Link ergattern könnt: https://www.theater-unikum.de/event/exitus-mord-und-luegen/ Weitere Infos zur Theatergruppe Szentral gibt es beispielsweise auf Instagram: https://www.instagram.com/szentral/

  • NICHTS WIE HIN (4)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • POPSTARS DER KUNST

    Im Museum sieht man immer doppelt. Nicht etwa, weil vorab ein kleiner Umtrunk als Inspiration hilfreich wäre. Sondern weil der Blick stets auf zwei Ebenen fällt: auf die ausgestellten Werke - und auf eine Welt jenseits davon, die sich durch Kontexte und Assoziationen ergibt. Dieses Prinzip gilt ganz besonders für die Ausstellung „Metablau und gestautes Grün“, denn sie bietet Druckgrafik der Weltklasse - inklusive echter Megastars. Andy Warhol, Max Beckmann, Joan Miró: Die Namen der Künstler:innen, die in der neuen Ausstellung des Landesmuseums Kunst und Kultur zu sehen sind, lesen sich tatsächlich wie eine Art „Who is Who“ der internationalen Kunstszene des 20. Jahrhunderts. Selbst absolute Laien dürften sie bereits gehört haben - oder sogar einen Kunstdruck von ihnen besitzen. Nun haben wir in Oldenburg die Gelegenheit, all diese Stars ihrer Zunft im Rahmen einer einzigen Ausstellung sehen zu können. Und das ist nur eine Facette - denn beinahe noch interessanter sind die Werke derjenigen Künstler:innen, deren Namen etwas weniger geläufig sind. Unter ihnen einer, dessen berühmtestes Werk ihr wahrscheinlich schon einmal in den Händen gehalten habt. Das glaubt ihr nicht? Dann wartet mal ab! LANDESMUSEUM KUNST UND KULTUR METABLAU UND GESTAUTES GRÜN: DIE GRAFIKSAMMLUNG BRIGITTE UND HANS ROBERT THOMAS 11. NOVEMBER 2023 BIS 11. FEBRUAR 2024 DIENSTAG-SONNTAG 10-18 UHR AUGUSTEUM ELISABETHSTRAßE 1 26135 OLDENBURG Der zweite Blick Es gibt Ausstellungen, deren Titel glasklar kommunizieren, was die Besucher:innen zu erwarten haben. Und es gibt andere, die wenig von sich preisgeben und deren wahrer Kern erst entdeckt und ergründet werden will. Zu jenen gehört zweifellos "Metablau und gestautes Grün": Obwohl sich der Titel ganz konkret auf zwei Werke der Ausstellung bezieht, gibt er zunächst Rätsel auf. Metablau? Ist das etwa die Farbe des Facebook-Logos? Und wie bitteschön staut man ein Grün? Wer eine Antwort auf diese Fragen möchte, kommt nicht umhin, ins Augusteum zu gehen. Doch dieser Weg lohnt sich - auch aus anderen Gründen. Das beginnt bereits mit der weihevollen Atmosphäre dieses Ortes. Wer bisher daran zweifelte, dass es auch die Umgebung ist, die eine Ausstellung beeinflusst, wird spätestens hier vom Gegenteil überzeugt. Wenn man die historische Treppe ins Obergeschoss hinaufgeht, lässt man das alltägliche Getöse des Wallrings hinter sich und kann sich voll einlassen auf den kommenden Kulturgenuss. Diese Form der Fokussierung hat die aktuelle Ausstellung auch verdient, denn sie schreibt gewissermaßen das Jubliäum des Landesmuseums fort. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens hatte es im letzten Jahr die Schau „Wundern und Staunen“ gezeigt, die weite Bereiche der regionalen Kunstgeschichte abdeckte - um dann mit der Pop-Art Mitte des letzten Jahrhunderts abzubrechen, weil das Museum hier über keine eigenen Bestände verfügt. „Wir haben mit Stolz gezeigt, was wir haben", betont Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm. „Man hat aber auch gesehen, was fehlt.“ Promidichte: Maximum An dieser Stelle setzt "Metablau und gestautes Grün" an. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Sammlung von Brigitte und Hans Robert Thomas. Das Paar aus dem oberpfälzischen Weiden begann Anfang der 1950er Jahre damit, zeitgenössische Druckkunst zu erwerben. Ihre Sammlung vereint Namen, bei denen nicht nur Kunstkenner:innen mit der Zunge schnalzen, sondern die auch vielen Laien geläufig sind. Selbst wer Kultur nur vom gleichnamigen Beutel her kennt, hat die Namen Andy Warhol oder Roy Lichtenstein schon mal gehört, einen Kunstdruck von Joan Miró an der Wand eines Jugendzimmers gesehen oder ein Werk des abstrakten Malers Günther Fruhtrunk in der Hand gehabt. Wie bitte? Ja, tatsächlich: Der Münchener Künstler gestaltete im Jahr 1970 nämlich die ikonische Aldi-Tüte, die erst 2018 nach fünfzig Jahren ersetzt wurde. Aus diesem Ereignis machte Schauspieler Lars Eidinger sogar ein umstrittenes Kunstprojekt. Dass dieses "Who is who" der internationalen Grafikszene hier in Oldenburg zu sehen ist, war allerdings kaum abzusehen. Beziehungsweise bedurfte es eines gewissen Zufalls, um die ausgestellten Werke aus der Oberpfalz über Chemnitz nach Oldenburg zu holen: Rainer Stamm wurde nämlich für einen Beitrag zum Katalog für die erste „Metablau“-Ausstellung der Kunstsammlungen Chemnitz angefragt. Nach dem Tod des Sammlerpaars haben ihre Kunstwerke dort eine dauerhafte Heimat gefunden. „Als ich mir die Sammlung ansah, war ich völlig geflasht“, ist der Fachmann heute noch fasziniert. Für ihn sei sofort klar gewesen: Diese Werke müssen auch einmal in Oldenburg zu sehen sein. Dass sie chronologisch nun nahtlos an das Jubiläum anknüpfen können, sei eine glückliche Fügung gewesen. Maßarbeit für Oldenburg Es ist jedoch nicht so, dass die Ausstellung unverändert nach Oldenburg übernommen wurde: „Wir zeigen hier keine 1:1-Kopie, wir haben eigene Akzente gesetzt“, betont Stamm. Wichtig war für den Museumsleiter zum Beispiel die Haptik: „Man kann hier zwar nichts anfassen, aber man kann den Kunstwerken sehr nahe kommen", erklärt er. In der Tat: Wer genau hinschaut, kann die Details der Druckwerke gut erkennen und bekommt dadurch sogar Hinweise darauf, wie sie entstanden sind - etwa bei Günter Ueckers Reliefgrafiken, die auch Profis noch Entdeckungen erlauben. Vom Gesamtergebnis ist der erklärte Bauhaus-Fan Stamm regelrecht begeistert: „Man spürt hier das Freisein des Sehens“, erklärt er - und benutzt dabei eine Formulierung, die auf Günther Fruhtrunk zurückgeht. Auch die Chemnitzer Kuratorin Katrin Bielmeier ist zufrieden mit der Oldenburger Variante der Thomas-Ausstellung. Sie freue sich, dass sie nun ein zweites Mal zu sehen ist und betont, dass immerhin 90 der insgesamt 120 Werke auch an der Hunte zu sehen seien. „Es war spannend, die Ausstellung hier nochmal neu zu denken“, blickt sie auf einen interessante Tätigkeit zurück. Wie groß diese Aufgabe war, diese Ausstellung überhaupt zu kuratieren, lässt sich dabei nur erahnen. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat das Sammlerpaar Thomas nicht weniger als zweitausend Kunstwerke zusammengetragen. In Oldenburg sieht man also nicht nur ein „Who is who", sondern auch ein „Best of“. Parcours der Kunstgeschichte Wer sich die Ausstellung im Augusteum anschaut, bewegt sich nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. Die Bandbreite der Sammlung ist sowohl inhaltlich als auch historisch enorm, sie reicht von 1909 bis 2005, deckt also trotz des Fokus auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts etwa hundert Jahre ab. So bildet sie nicht nur Momente, sondern auch Entwicklungen ab, die den jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln - oder manchmal sogar vorwegnehmen. Die Anfänge der Sammlung machten Künstler wie Max Beckmann und Marc Chagall, die zu jenem Zeitpunk bereits etabliert waren. Erst später entwickelte sich der Entdeckergeist des Sammlerpaares und es setzte immer wieder auf junge Künstler, von deren Potenzial es überzeugt war, mit denen es langen und intensiven Austausch pflegte und von deren Werken es ganze Sammlungen aufbaute. So ist ein ganzer Raum der Ausstellung dem spanischen Maler, Grafiker und Bildhauer Antoni Tàpies gewidmet. „Mit 820 Blättern befindet sich das halbe Lebenswerk des Multitalents in der Thomas-Sammlung“, erklärt Katrin Bielmeier. Insgesamt seien etwa 1.600 Werke von ihm bekannt. Eine kleine Auswahl sehen wir nun in Oldenburg und erhalten einen guten Eindruck vom enormen Talent des 2012 verstorbenen Kataloniers. Obwohl Tàpies in der Fachwelt selbstverständlich eine Größe darstellt, gehört er zu jenen Künstler:innen, die von Laien erst noch entdeckt werden wollen. Auch dies ist eine Stärke der Ausstellung: Neben den großen Namen bleibt Raum für Entdeckungen - die sich lohnen. Kunstvoll komponiert Entdeckungen ist ein Schlüsselbegriff für „Metablau und gestautes Grün“, denn sie finden hier nicht nur in Bezug auf die Künstler:innen statt, sondern auch mit Blick auf die Werke. Sie funktionieren nämlich auch allein, ohne ein erklärendes Schildchen, auf dem ein möglicherweise bekannter Name steht. Die Auseinandersetzung mit den Werken selbst ist eine deutlich spannendere Angelegenheit als manch einer zunächst vermuten würde. Die Besucher:innen sehen und fühlen hier doppelt: Man betrachtet die kunstvoll komponierten Werke, die ästhetisch unabhängig von allen Zusammenhängen ein Gewinn sind. Gleichzeitig taucht man aber auch ein in die Kontexte, stellt sich fragen nach dem „Wie“, dem „Was“, dem „Warum“. Antworten findet man nicht immer, ein Problem ist das jedoch nicht: Der Weg ist das Ziel, das Herumwandern im Raum und im Kopf ein Genuss. Es gibt also viele gute Gründe, sich „Metablau und gestautes Grün“ noch bis zum 11. Februar im Augusteum anzusehen. Es würde eigentlich vollkommen ausreichen, einfach mal Werke weltberühmter Popstars der Kunst im Original zu sehen. Darüber hinaus lohnt sich die Ausstellung aber auch wegen der weniger bekannten Namen und der Entdeckungen, die sie ermöglichen - sowohl inhaltlicher als auch stilistischer Art. Schließlich kommt man ganz nah ran an die Werke. Und es gibt noch einen dritten Grund für einen Besuch: Seit vielen Jahrzehnten ist Grafik- und Druckkunst in unserer Gesellschaft allgegenwärtig - manchmal so spektakulär, dass sie uns direkt ins Gesicht springt, manchmal so unauffällig, dass man sie durch die Gegend trägt, ohne es zu merken. Grund genug, sich einmal intensiver mit ihr zu beschäftigen - und im besten Sinne doppelt zu sehen.

  • NICHTS WIE HIN (3)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • KOLUMNE: EIN BISSCHEN NEUANFANG

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Spielzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Vorhang auf fürs neue Jahr! Wie eine leere Bühne steht es vor uns und wartet nur darauf, von uns bespielt zu werden... Ach, Sie können diese schiefen Vergleiche nicht mehr hören? Ich kann’s verstehen! Mit einigem Abstand dürfte der Januar derjenige Monat mit der höchsten Floskeldichte sein. Alljährlich gibt es einen informellen Wettbewerb darum, wer seine Hoffnungen am weihevollsten verbalisiert und wer die beste Strategie kennt, um seine guten Vorsätze tatsächlich in die Tat umsetzen. Zwischen #deepthoughts und #newyearnewme habe ich mich gefragt, was dran ist – an all diesen Beteuerungen, dass in diesem Jahr wirklich, ernsthaft, bestimmt, sicher, definitiv alles ganz anders und sehr viel besser wird. Sind sie bloß eine eingeübte Routine und ein Reflex auf den Kalender? Oder ist der 1. Januar tatsächlich die ultimative Gelegenheit, seinem Leben einen neuen Vibe zu geben? Eine seltene Chance Spoiler: Ja, ist er! Aber nicht so, wie man denkt. Interessant ist weniger die Antwort, als vielmehr der Weg dahin. Ich glaube nämlich nicht an irgendeine magische Kraft des Jahreswechsels und dass dieser Moment tatsächlich all die Neustarts ermöglicht, die wir uns von ihm erhoffen. Jeder Tag ist ein 365stel des Jahres, das sind sie alle gleich. Mir gefällt aber der Gedanke, dass man das neue Jahr erstmal als Tabula rasa begreift, wo zumindest theoretisch ein Wechsel der Gewohnheiten möglich ist. Das reicht ja schon! Denn sobald man anfängt, sich und sein Verhalten zu hinterfragen, hat man die seltene Chance, tatsächlich was zu ändern. Das aber wird – so viel Realismus muss sein – eher in überschaubarem Umfang passieren. Und das kann man ausgerechnet anhand einer Floskel erklären: Wohin du auch gehst, du nimmst dich mit. Klar können wir uns ändern, aber wir bleiben gleichzeitig, wer wir waren. Deshalb sollte man eben nicht erwarten, dass man zum 1. Januar der herzensgute, supersmarte, immerfreundliche Topmensch wurde, der man einst ganz sicher war, bevor der Alltag dazwischenkam. Vielleicht ist was anderes besser: Die kleinen Schritte gehen – und sie feiern. Von der Oper ins Alhambra Übertragen wir das mal auf die Kultur: Was heißt das? Ganz einfach: Dass man – wenn man die Theater vorher nur vom Vorbeifahren kannte – mit dem letzten Silvesterböller nicht zum Kultur-Connoisseur par excellence mutiert, nur weil man es sich vornimmt. Sinnvoller wäre es vielleicht, sich einfach mal ein Konzert oder Theaterstück rauszusuchen und hinzugehen. Wirklich nur: eins! Dann sollte man versuchen, sich darauf einzulassen. Auf die Gerüche und Geräusche, auf Stimmung und Szenerie. Aber dabei: Erwartungen nicht unter die Decke schrauben. Nicht denken, dass man alles sofort erfassen, verstehen, einordnen kann. Sondern einfach wirken lassen, eigene Gedanken fassen, mögliches Unverständnis eingeschlossen. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur das eigene Gefühl zum Geschehen. Und wenn man nicht versucht, es gedanklich gnadenlos zu überfrachten, wird man feststellen:E s macht Spaß, sich mit dem zu beschäftigen, was man gerade gesehen hat. Und zwar unabhängig davon, ob es den Erwartungen entsprach oder nicht. Mein Tipp also: Experimente wagen! Wenn Sie Oper mögen, gehen Sie mal zur Punkband ins Alhambra – die Intensität ist manchmal dieselbe. Wenn Sie fanatischer Fußballfan sind, gehen Sie ruhig Mal zum Ballett – einige Bewegungen dürften Ihnen bekannt vorkommen. Wen Sie tendenziell humorlos sind, besuchen Sie die Kabarett-Tage – die Skurrilität des Alltags ist lustiger als Sie denken. Und wenn Sie der Altersklasse 55+ angehören, schauen Sie mal bei „Saal 600“ im Technical Ballroom vorbei – Digital Natives sind auch nur die Silver Surfer von morgen. Und wenn Sie mit Kultur so rein gar nichts am Hut haben, dann gehen Sie erst Recht hin. Neugierig. Vorbehaltlos. Damit kommen Sie #newyearnewme näher als mit jedem Instagram-Post. Einfach mal klein denken Natürlich können Sie sich weiterhin an Floskeln halten. Also: den Wind nicht ändern, aber die Segel richtig setzen. Ihr Ziel kennen, damit Sie den Weg finden. Oder die Zukunft voraussagen, indem Sie sie selbst gestalten. Ich schlage aber was anders vor: Einfach mal klein denken und sich entscheiden. In dieser Spielzeitung gibt es genug Vorschläge für einen Kultur-Kickoff, Tickets finden Sie auf Ihrem Smartphone. In diesem Sinne: Vorhang auf fürs neue Jahr!

  • NICHTS WIE HIN (2)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

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