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- DIGITALOG LIVE: DESINFORMATION
2024 ist ein Jahr der Wahlen. National aber auch international. Dabei wird mehr als deutlich: Desinformationen werden immer stärker zu einem bestimmenden Faktor und nehmen zunehmend Einfluss auf die politische Willensbildung und uns als Gesellschaft im Allgemeinen. Deshalb widmeten wir uns dieser Thematik in einer weiteren Ausgabe unseres Digitalog Formats, erneut als Live-Aufzeichnung aus dem Oldenburger Computer-Museum . Wie immer möchten wir uns hierzu mit den zentralen Fragen der Digitalität auseinandersetzen, deren Einfluss auf unsere Gesellschaft abbilden, ohne dabei in Schwarzweißmalerei zu versinken. Auch das Feld der Desinformation ist dabei ein so weit gefächertes, dass wir uns der Thematik anhand der konkreten Beispiele „Deep Fakes“ und „Fake News“ nähern, die prägende Elemente innerhalb des Bereichs darstellen. Denn in einer zunehmend digitalisierten Welt spielen soziale Netzwerke und Online-Plattformen eine zentrale Rolle in der politischen Meinungsbildung. Schnell wird die aktuelle Nachrichtenlage einer immer komplexer werdenden Welt mal eben schnell über ein paar Kacheln oder Clips bei Instagram und TikTok aufgeschnappt. Das bringt zwar gewisse Vorteile mit sich, die jedoch andererseits auch den idealen Nährboden für gezielte Desinformation schaffen. Fake News – also gezielt gestreute Falschinformationen – und Deepfakes, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz manipulierte Medieninhalte, wie gefälschte Videos oder Audiodateien, darstellen, sind dabei zwei der gefährlichsten Instrumente. Diese beiden Phänomene bedrohen nicht nur das Vertrauen in demokratische Prozesse und Institutionen, sondern beeinflussen potenziell auch Wahlergebnisse in erheblichem Maße. DIE PLAYLIST Ein Live-Podcast wäre kein Live-Podcast wenn es nicht auch die Möglichkeit gäbe, dass ihr alle bisherigen Folgen ganz nach eurem Belieben auch nachhören könnt. Hierzu haben wir euch die Digitalog Podcast-Playlist zusammengestellt, die alle bisherigen Folgen des Formats für euch bereithält. Vor dem Hintergrund der diesjährigen Wahlen in Deutschland, Österreich und den USA wurde und wird die Gefahr durch Desinformation besonders evident. Die politische Landschaft dieser Länder ist stark polarisiert, und die Verbreitung von Falschinformationen kann das ohnehin fragile Vertrauen der Wähler in die Politik weiter erschüttern. Das Ziel vieler Akteure hinter Fake News und Deepfakes ist es, Unsicherheit und Misstrauen zu säen, politische Gegner zu diskreditieren oder gezielt bestimmte Gruppen zu beeinflussen, um Wahlergebnisse zu manipulieren. Worum handelt es sich also bei diesen Phänomenen, warum werden sie eingesetzt, wie sind sie überhaupt entstanden und vor allem: wie können wir mit ihnen umgehen? All‘ diese Fragen und Aspekte werden in einer neuen Episode unter die Lupe genommen! Denn Susann Huischen und Sarah Kaltofen, Studierende der Universität Oldenburg, arbeiteten sich unter Anleitung unseres Podcast-Partners Prof. Dr. Martin Butler in den vergangenen Wochen intensiv in die Thematik ein, um ihr Wissen in dieser Folge mit euch zu teilen. Und aufgepasst: wer die ersten Aufzeichnungen im Oldenburger Computer-Museum verpasst hat, hat in diesem Jahr noch eine letzte Gelegenheit! Am 05. Dezember , um 19 Uhr werden wir uns erneut bei freiem Eintritt zusammenfinden und gemeinsam über Digitale Teilhabe sprechen.
- KURZ WAS SNACKEN
Mittagspause: Das war früher flott vertilgter Kantinenmampf, der im Magen unangenehm nachhallte. Heute ist man bewusster geworden, ernährt sich vielfältiger und leichter. In Form der „Lunch Break Talks“ gibt es mittlerweile sogar Nahrung für den Kopf. Und was das angeht, gibt es Neuigkeiten aus der Kultur. Dort heißt es: Don't just talk the talk, walk the walk! Unser Alltag ist eng getaktet. Unzählige Termine, Tabs und To-Dos, volle Kalender, kaum Zeit zum Durchatmen. Und wenn sich doch eine Lücke auftut? Dann wollen wir alles, nur nicht eins: Noch mehr Input. Die Mittagspause ist deshalb für viele ein heiliger Moment , um einfach mal tief durchzuatmen. Das aber kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren. Man muss nicht unbedingt in eine schallisolierte Kammer flüchten, um dem Alltagstrubel zu entfliehen. Man kann sich genauso gut in andere Kontexte versetzen, die uns stimulieren statt zu stressen, inspirieren statt zu irritieren, weil sie eben nichts mit der Arbeit zu tun haben. Genau das bieten nun die „ Kultursnacks “, die gemeinsam von der OTM und einigen Oldenburger Kulturinstitutionen ins Lebens gerufen wurden. KULTURSNACKS: KULTURGENUSS IN DER MITTAGSPAUSE DIE KULTURSNACKS SIND SEIT DEM 28. NOVEMBER IN DER WINTERPAUSE. SOBALD DIE NÄCHSTEN TERMINE FESTSTEHEN, FINDET IHR SIE AN DIESER STELLE. KALORIEN- UND KOSTENFREI Auf den Geschmack kommen Tatsächlich dienen die mittäglichen Touren - passenderweise - als Appetithäppchen. Sie zeigen jeweils einen Ausschnitt des kulturellen Repertoires, aber natürlich längst nicht alles. So machen sie auf eine sehr niedrigschwellige Weise neugierig: Sie sind umsonst und unverbindlich, bieten aber durchaus Interessantes und Unbekanntes, das eine herkömmliche Mittagspause sehr bereichern kann - auch weit über jene 30-45 Minuten hinaus, die man für die Kultursnacks einkalkulieren sollte. Dabei überstrapazieren sie unsere Zeit, Maße und Geduld aber nicht. Stets sind die Formate unterhaltsam aufgebaut, sollen zwar informieren, aber nicht überfordern. So erfahren die Besucher:innen vieles in Form von Anekdoten und Döntjes , die in der großen Geschichtsschreibung kaum einen Platz finden, obwohl sie vieles über das zwischenmenschliche Gefüge und den Ablauf des Alltags erzählen. Viele große Schlachten wurden eben nicht auf den Feldern geschlagen, sondern am Küchentisch, an Straßenecken oder im Schlafgemach. KULTURSCHNACK VS. KULTURSNACK NO WORRIES! Oha, dachten wir uns, als wie erstmals von den Kultursnacks hörten. Ist in dieser Stadt genug Platz für Snack und Schnack? Immerhin wurden in der Wirtschaft schon wegen deutlich geringeren Namensähnlichkeiten Unterlassungsklagen angestrengt. Übrigens auch in Oldenburg: Ein Radiosender untersagte dem Freifeld Festival seinerzeit die Verwendung seines Logos, weil angeblich Verwechslungsgefahr bestünde. Wir sind da entspannter. Klar sehen wir die Ähnlichkeiten - und anders als damals beim Freifeld kann es hier jetzt tatsächlich zu Verwechslungen kommen. Schnack und Snack agieren ja in demselben Umfeld. Das allerdings ist aber glücklicherweise kein Markt, in dem es um Anteile und Profit geht. Wir kämpfen gegen niemanden, schon gar nicht gegen sinn volle Projekte, die unsere lokale Szene stärken. Von unserer Seite heißt es deshalb: No Worries! Wir freuen uns über die Snacks, selbst wenn sie jemand mit dem Schnack verwechselt. Ungenießbares Wetter Zum Start am 10. Oktober 2023 gab es zunächst einmal eine Oldenburger Herbstspezialität, nämlich unkalkulierbares Regenwetter. Trotz unentwegten Regens versammelten sich etwa zwanzig Interessierte vor dem Oldenburger Schloss , um bei einem Rundgang um das alte Gemäuer allerhand Wissenswertes darüber zu erfahren. Genau sieben Minuten dauerte es, bis aus dem konstanten Geniesel ein satter Regenguss wurde, der die kleine Truppe kurz ins Innere verschlug. Doch sobald die Wassermassen nachließen, suchte man wieder den Weg nach draußen - die Mittagspause sollte schließlich bestmöglich genutzt werden. Wurde sie auch. Die Unentwegten erhielten eine erfrischend kurzweilige Einführung in die Geschichte und Eigenarten des Oldenburger Schlosses. Dass sie einst eine Burg war, ist vielen noch bekannt. Dass deswegen der Turm leicht schief - nämlich nicht genau über dem Eingang steht - war vielen dagegen neu, Und so ging es in einem wilden Ritt durch dreihundert Jahre Burg-, Schloss- und Adelsgeschichte, bis sie schließlich mit der Revolution von 1918 ihr Ende fand. Quer durch die Kulturkarte Der Auftakt für die „Kultursnacks“ hätte ungünstiger kaum ausfallen können. Ausgerechnet jener Termin, der vollständig unter freien Himmel stattfindet, wurde mit echtem „Schietwetter“ gesegnet. Ärgerlich - aber auch kein Drama, wie sich zeigte. Rund zwei Dutzend Personen erscheinen nicht viel, sie erwiesen sich aber als gute Gruppengröße, in der es zeitweise zu regem Austausch kam. Mal sehen, in welche Richtung die Reise beim Staatstheater oder Pulverturm geht. Erst dann wird sich rausstellen, ob die Resonanz bei dieser Premiere gut oder schlecht war. Im Mittelpunkt stand beim Auftakt sowieso etwas anderes, nämlich das Konzept - und das scheint aufzugehen. Wichtig war, zu dieser ungewohnten Zeit den richtigen Rhythmus und die richtige Mischung zu finden. Beides war bei der „ Rund ums Schloss “-Führung sehr gelungen. Humorvolle Anekdoten und sachliche Informationen vermischten sich zu einem homogenen, aber gleichzeitig abwechslungsreichen Gesamteindruck vom Leben am Oldenburger Hof. Am Ende hatte man tatsächlich das Gefühl, einen guten Bekannten noch besser kennen gelernt zu haben. Denn selbst, wenn man alles über das Schloss zu wissen glaubt, offenbaren sich bei so einem Rundgang garantiert Wissenslücken. Wohl bekomm's! Alle, die mittags nicht von Bärenhunger geplagt werden und deswegen zur ausführlichen Nahrungsaufnahme gezwungen sind, können wir diese Form des Lunch Breaks nur empfehlen. Das ist Superfood für Kopf und Seele, weil es gleichzeitig „fast“ und „slow“ ist, nämlich kurzweilig und nachhaltig! Vorsicht also, wenn die Kollegin oder der Kollege demnächst „kurz was snacken“ gehen will. Es kann sein, dass es nicht um Burger oder Pizza geht, sondern um Kulturgenuss - kalorien- und kostenfrrei!
- NEUE (SPIEL)ZEITEN
Das Oldenburgische Staatstheater hat das Programm für die neue Spielzeit vorgestellt - die erste unter der Leitung des neuen Generalintendanten Georg Heckel. Eine Stunde lang ging es um viele spannende Neuerungen und Attraktionen, aber auch um so manche erhaltene Tradition. Über das Ritual der alljährlichen Pressekonferenz zur Vorstellung der nächsten Spielzeit des Staatstheaters müssen wir hier nicht mehr viel erwähnen: Thorsten hat in seiner Kolumne ausführlich darüber geschrieben. Der Vollständigkeit halber sei nur so viel erwähnt: Auch mit neuem Personal ändert sich nichts Grundsätzliches an der Veranstaltung. Eine Sache war aber doch anders als sonst: das Tempo. Georg Heckel setzte für alle Wortbeiträge auf dem Podium ein - freilich nicht ganz ernst gemeintes - Zwei-Minuten-Limit. Damit sollte garantiert sein, dass sich keiner der Beteiligten in endlosen Ausführungen verliert, so aufschlussreich und unterhaltsam sie auch sein mögen. Die Botschaft: Wir haben viel zu erzählen, halten wir uns ran. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass zwei Minuten selbst dann knapp bemessen sind, wenn man nur die Vorahnung eines groben Eindrucks davon vermitteln will, was ab September auf den Bühnen des Staatstheaters geschehen wird. Und so entstand ein temporeicher und unterhaltsamer, aber auch hoch verdichteter Parforceritt der neuen Spartenleiter durch die Spielzeit 24/25 des Oldenburgischen Staatstheaters. ERSTE SPIELZEIT UNTER GEORG HECKEL MEHR ALS TITEL UND TERMINE N a klar: Die erste Spielzeit eines neues Intendaten genießt immer eine besonders hohe Aufmerksamkeit. Alle sind neugerig, was in den kommenden Monaten auf den diversen Bühnen gespielt wird. Aber: Das ist noch mehr. Und zwar die persönliche Ebene. Wer ist denn dieser neue Intendant? Wie ist seine Geschichte, welches sind seine Überzeugungen, was treibt ihn an, was macht ihn aus? All das erfährt man auf der Pressekonferenz bestenfalls in Nuancen und Zwischentönen, für ein vollständiges Portrait reicht das aber nicht. Dafür gibt es eine andere Lösung: Unseren neuen Podcast ! In Folge 28 ist nämlich Georg Heckel zu Gast und erzählt über seinen Weg nach Oldenburg und seine Vorstellungen vom Theater der Gegenwart. Da wir dieses Gespräch eine Woche vor der Spielzeit-PK geführt haben, ist das Programm selbst noch kein Thema. Umso mehr Raum gibt es für Persönliches - hört euch das unbedingt an. Der stumme Star Den Auftakt machten an diesem Vormittag aber nicht etwa die Begrüßungsworte von Georg Heckel, sondern der stumme Star dieses Termins: Das Spielzeitheft - das stets mehr ist, als sein Name sagt. Natürlich findet man dort alle relevanten Informationen und Antworten auf die Fragen nach dem Was, Wer, Wann und Wo. Daneben ist dieses Büchlein aber immer auch eine Hommage an das Theater und die Menschen die dort - vor und hinter den Kulissen - arbeiten. Wer es kitschig mag, könnte es deshalb als einen ausschweifenden Liebesbrief an die Theaterkultur verstehen, denn die Leidenschaft eben jener Menschen ist überall zu spüren. Spannende Motive: Über die Bilder werden Menschen vorgestellt, aber letztlich auch kleine Geschichten erzählt. (Bilder: Stephan Walzl) Auffällig ist bei diesem Mal aber noch mehr, denn das Staatstheater hat wieder ein Logo. Auf der Titelseite des strahlend weißen Spielzeitheftes strahlt den Betrachter:innen ein filigranes, dreidimensionales „O“ entgegen. Das steht allerdings für mehr als nur den Anfangsbuchstaben des Theaterstandorts. „Oldenburg bildet den Mittelpunkt und strahlt in alle Richtungen aus“, erklärt Georg Heckel. Und kündigt damit mehr an, als man zunächst denkt. Denn dieses Ausstrahlen lässt sich auch progammatisch wiedererkennen. Volles Programm Zunähst geht es aber um erste Highlights des Spielplans. Ein spürbares Anliegen ist dem neuen Intendanten dabei der Auftakt in die neue Spielzeit: Carl Maria von Webers „ Freischütz “ in einer Neubearbeitung von Susanne Felicitas Wolff. Die romantische Oper ist ab dem 14. September zu sehen, eine Einführungssoiree findet am 9. September statt - ein Tipp für alle jene, die sich (noch) nicht zur den Opern-Expert:innen zählen. Auch auf das hochaktuelle Musical „ Cabaret “ weckt Georg Heckel Vorfreude. Zwar spielt es in den 1920er Jahren, blickt aber auf eine jüdische Geschichte inmitten eines aufkeimenden Antisemitismus - eine Konstellation, die aktuell eine traurige Renaissance erlebt. Diese Parallele macht „Cabaret“ zum Muscial der Stunde. „Theater bleibt immer ein lohnender Versuch, die Dinge hinter den Dingen zu erkennen und die Welt reicher zu machen, mehr zu sehen, sich anregen und verführen zu lassen.“ (Georg Heckel) Man könnte sich in dieser Form durch das gesamte Programmheft arbeiten und würde viele charmante oder sogar spektakuläre Entdeckungen machen. Zum Beispiel den bemerkenswerten Brückenschlag der Schauspiel-Sparte von Sophokles' „ Antigone “ über „ Wald “ bis zur KI-Zukunftsvision „ 2048 “, der zweitausend Jahren Menschheitsgeschichte abdeckt und nach Antworten auf die Frage sucht, was der Mensch überhaupt ist und wie er mit seinesgleichen umgeht. Oder die hohe Klassikerdichte um „ Macbeth “, „ Der Schimmelreiter “ und „ Die Farm der Tiere “. Doch dieses Vorhaben verhindert die Zwei-Minuten-Schallmauer, die wir unweigerlich schon an dieser Stelle durchbrochen hätten. Für einen genaueren Überblick ist ja auch das Programmheft da. Wir werfen den Blick hier lieber auf einige Neuerungen. Ein kleiner Einblick: Das Spielzeitheft ist auch in diesem Jahr prallgefüllt. In ganzer Pracht findet ihr es hier - oder an der Theaterkasse. Jenseits des Theaterwalls Zu diesen Neuerungen gehören zwei Formate, mit denen das Staatstheater seine angestammten Spielstätten bewusst verlässt, um Menschen zu ereichen, die sonst nur selten am Theaterwall zu Gast sind. Das sind zum einen die Kinder und Jugendlichen in den Kitas und Schulen. Für sie gibt es die Oper „ Ritter Odilo und der strenge Herr Winter “ als mobile Produktion. Für die gewissermaßen gegenteilige Zielgruppe - nämlich Senior:innen in Altenheimen - ist das Erzählkonzert „ Lieder von früher “ gedacht. Mit ihm ermöglicht das Staatstheater mobilitätseingeschränkten Personen, „etwas zu tun, was sie vielleicht ihr Leben lang geliebt haben“, betont Georg Heckel die emotionale Dimension. Beides - die Besuche der Kindergärten und Schulen als auch der Seniorenheime - belegen eine Haltung der neuen Intendanz: Auf das Publikum darf man nicht nur warten, man muss es auch aktiv (be-)suchen. Und manchmal muss man einfach für die Menschen da sein. Bühne frei für Politik Ebenfalls neu ist ein Talkformat, das die große Politik auf die Bühne des Staatstheaters holt. Neben bekannten Persönlichkeiten wie Gregor Gysi oder Agnes Strack-Zimmermann wird auch Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann zu Gast sein. „Hier kann man Prominente hautnah erleben“, verspricht Georg Heckel. Welche Akzente die Moderation setzt, wird abzuwarten sein - doch schon jetzt deutet sich an dieser Stelle ein gesamtgesellschaftliches Rollenverständnis des Staatstheaters in der Ära Heckel an. Das zeigt sich auch anhand einer ungleich kleineren Veränderung: Der „Opernball“ wird in Zukunft „ Theaterball “ heißen und damit letztlich treffender betitelt sein: „Es ist ein Abend vom ganzen Theater - für die ganze Stadt“, erklärt der Generalintendant. Das wird nun besser transportiert als zuvor und passt gut ins Gesamtbild. Politisch wird es aber auch zugehen in der Exerzierhalle, wo der Technical Ballroom zwar Geschichte ist, wo mit DigitEX aber ein digitalanaloges Nachfolgerformat an den Start geht, und bei der Sparte 7, die mit vielen Kooperationen die Demokratisierung des Theaters vorantreibt und u.a. mit dem pertizipativen Format „ Rat der 7 “ im Salon 7 in der Baumgartenstraße zu Gast ist. Insofern verspricht die neue Spielzeit nicht nur Unterhaltung - sondern auch Haltung. Lasst die Korken knallen Es gäbe noch sehr viel mehr zu berichten und anzukündigen, von Oper, Konzert, Schauspiel und Ballett, vom Jungen Staatstheater, der Theatervermittlung und der Sparte 7. Doch wer die Pressekonferenz des Staatstheaters nicht besuchen konnte, muss sich nicht zwangsläufig grämen. Denn die frohe Botschaft lautet: Das neue Spielzeitheft ist da. Das muss zwar ohne die spürbare Leidenschaft der Akteur:innen auskommen, weckt aber auf seine Weise große Vorfreude auf die Zeit ab dem 17. August - denn an diesem Tag knallen mit dem Theaterfest und Tag der offenen Tür erstmals so richtig die Korken. Euch erwartet eine Mischung aus Innovation und Tradition, aus Opulenz und Reduktion, aus Klassik und Moderne und aus: wild und leise. Seid gespannt, wir sind es auch!
- DAS LEBEN ALS IMPROVISATION
Es ist erwiesen: Ein Tagebuch zu führen, ist eine sinnvolle Sache. Es aber anderen vorzulesen? Auf einer Bühne? Und damit sein Innerstes nach außen zu kehren? Das ist etwas ganz anderes - das aber auch schon viele Menschen bewegt, berührt, bereichert hat. Nun setzt ein neues Format dem Ganzen noch die Krone auf: Bei „Blast from the Past“ wird das Gelesene spontan auf die Theaterbühne gebracht. Diary Slam meets Improtheater? Das wird ein Fest! Es ist gar nicht leicht, neue Veranstaltungsformate zu erfinden. „Alles schon mal da gewesen“, lamentierten Kraftklub schon auf ihrem Debüt vor zwölf Jahren. Manche entdecken aber dennoch Lücken - und kombinieren bekannte Elemente zu etwas tatsächlich Neuem. Und genau das tat im letzten Jahr das Oldenburger Poetry Slam-Urgestein Florian Filsinger . Das Setting: Menschen lesen auf einer Bühne aus ihren Tagebüchern vor, Dieser paradoxe Ansatz - das Privateste öffentlich zu machen - ist nicht neu und funktionierte in der Vergangenheit bereits sehr gut. Nicht zuletzt, weil viele persönliche Gedanken durchaus Anknüpfungspunkte für andere bieten. Aber damit nicht genug: Bei „Blast from the Past“ setzen jeweils drei Improkünstler:innen von 12 Meter Hase und Wat ihr wollt das Gelesene in spontane Theaterszenen um. Die Tagebücher werden sprichwörtlich lebendig! BLAST FROM THE PAST TAGEBUCHLESUNG TRIFFT IMPROTHEATER SAMSTAG, 21. SEPTEMBER, 20 UHR CORE HEILIGENGEISTSTRAßE 6-8 26122 OLDENBURG TICKETS Das Innere nach außen Es sind häufig die kleinen Genialitäten, die uns die beste Unterhaltung bieten. „Blast from the Past“ macht nichts grundlegend neu. Das Format kombiniert aber genau die richtigen Elemente, um einen Abend zu gestalten, an dem alles möglich ist: bewegende Momente ebenso wie krachend-komischer Slapstick. Er ist auch diese Ungewissheit, die zur Attraktivität beiträgt. Was geben die Tagebuchautor:innen von sich preis? Wie stehe ich selbst dazu? Und was machen die Impro-Leute daraus? Doch wie kommt man eigentlich auf so etwas? Woher nimmt man den Mut, das Experiment auch umzusetzen? Darüber haben wir uns mit Florian unterhalten. Der umtriebige Veranstalter hat schon immer das Prinzip „Einfach mal machen“ vertreten. Hier erzählt er, wie „Blast from the Past“ entstanden ist. Florian, Tagebücher sind ja normalerweise etwas sehr persönliches. Warum sind sie sehr wohl für die Bühne geeignet? Unser Konzept ist es, dass die Lesenden möglichst aus ihrer Teenagerzeit lesen. Die Wahrnehmung, das Gefühlsauf und -ab, die Denke und die Schreibe eines teenagenden Menschen ist – mit Jahren des Abstands von den Ursprungsautor:innen selbst vorgetragen – auf vielen Ebenen sehr unterhaltsam. Gefühle, Erlebtes, erwähnte popkulturelle Dinge etc. sorgen für Wiedererkennung der eigenen Vergangenheit des Publikums. Dazu die eigene Reaktion der Lesenden während des Vortrags, mal emotional, mal überraschend. Manche Leute – so wie ich – waren mit 20 irgendwie noch Tennie und dann wird’s ne Story aus der Uni-Zeit. Auch das ist sehr unterhaltsam Wie weit gehen die Geschichten denn? Wird alles schonungslos preisgegeben? Die Lesenden sollen sich beim Vortragen natürlich gut fühlen. Namen zu ändern oder zu schwärzen oder Ereignisse auszulassen ist völlig okay – so viel zum Thema „persönlich“. Wir als Organisatoren schauen im Vorfeld auch mit den Lesenden in ihre Tagebücher und beraten hier und da. Nach Rücksprache zeigen wir auch die liebevoll/rotzig beklebten/beschrifteten Tagebücher/Einträge und/oder Fotos von der damaligen Zeit auf Leinwand projiziert. BÜHNENREIFE GEDANKEN MACH MIT BEIM DIARY SLAM Eigentlich steht das Line-up für die zweite Auflage von „Blast from the Past“ bereits. Doch die gute Nachricht ist: Ein Platz auf der Bühne ist noch frei. Wenn du also schon lange Tagebuch führst - am besten schon seit deinem Teenie-Alter - und du hast das Gefühl, dass es gar nicht so verkehrt ist, was du in stillen Stunden zu Papier gebracht hast, dann ist dies dein Moment! Lies auf der Bühne des Core und sei dabei, wie deine Vergangenheit live auf der Bühne performt wird. Wie oft hat man schon diese Gelegenheit? Also: Email an tagebuch@entertainment-garantiert.de - und ab zum Diary Slam! Du setzt noch einen drauf: Das Gelesene wird als Improtheater weiter verarbeitet. Wie bist du darauf gekommen, diese beiden Elemente zu kombinieren? Und warum glaubst du, dass es gut funktioniert? Tagebuchlesungen haben mein Kumpel Haina und ich schon sehr viele in Oldenburg und Hamburg gemacht. Das war immer sehr gut besucht. Die Idee der Verknüpfung kam mir viele Jahre nach der letzten „reinen“ Tagebuchlesung - wie so viele Ideen unter der Dusche. Ich behaupte immer, dass Anna (vo n der Improtheatergruppe 12-Meter-Hase) dabei war, da sind sich die Geschichtsbücher uneinig. Aber spätestens als ich ihr und meinem Improtheaterumfeld davon berichtete, gab es regen Zuspr uch. Jürgen Boese vom Kulturbüro des Studentenwerkes, mit dem ich regelmäßig die Musikbingo-Reihe veranstalte, war gleich interessiert, das Format für das SpontanOL -Festival aufzugreifen. Und last but not least: Der erste Teil der „Tagebuchlesung mit Improtheater“ w ar restlos ausverkauft und kam gut an. Ein Indiz für eine funktionierende Veranstaltung! Die Kunst mit dem gesprochenen Wort hat es dir angetan. Was ist das Schöne daran? Gut eingesetzt kann man mit Wörter fast alles erreichen. Ich mag gerne Geschichten erzählen, die unterhalten und gegenseitige Hirnsynergien erzeugen. Provoziere ich ein Schmunzeln bei den Zuhörer:innen, bekomme ich weiterhin Aufmerksamkeit und eventuell wird sogar eine Zugabe gefordert. Und im besten Falle werde ich selbst gut unterhalten. Bühnenreife Tagebücher Kraftklub hatten im Großen und Ganzen schon Recht. Gänzlich neue Veranstaltungs-Formate sind selten, denn das meiste ist tatsächlich schon mal dagewesen. Trotzdem ist „Blast from the Past“ innovativ - und was noch wichtiger ist: attraktiv. Tagebuchlesungen sind für sich selbst genommen schon spannende Erfahrungen, das zeigt ihr großer Erfolg. Die Erweiterung um das Improtheater macht sie jedoch zu einem Ereignis, das geradezu mitreißend sein kann. Und letztendlich sehen wir auf der Bühne unser Leben, wie es wirklich ist. Schließlich ist am Ende doch alles nur improvisiert.
- STAATSAKT #1: FREISCHÜTZ
Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen! Oldenburg 1921. Das Publikum fiebert der Eröffnung der neuen Opernsparte des Oldenburgischen Landestheaters entgegen. Auf dem Spielplan steht: Carl Maria von Webers „Der Freyschütz“, der genau einhundert Jahre zuvor im Königlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt wurde. Altmodisch ist der Stoff allerdings nicht: Die Oper über die Verlockungen des Bösen fesselte das Publikum nach wie vor - inhaltlich und musikalisch. Oldenburg 2024. Das Publikum fiebert der Eröffnungspremiere des neuen Intendanten Georg Heckel am Oldenburgischen Staatstheater entgegen. Auf dem Spielplan steht: Carl Maria von Webers „Freischütz“ in einer Neufassung von Elena Kats-Chernin. Erscheint der Stoff inzwischen doch altmodisch? Oder fesselt er das Publikum noch immer? Darüber haben wir uns in der ersten Folge des KULTURSCHNACK STAATSAKT mit dem Generalintendanten selbst unterhalten. Warum ausgerechnet dieses Stück ausgewählt wurde und warum ihr es nicht verpassen solltet? Das erfahrt ihr hier. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER FREISCHÜTZ EIN TANZ MIT DEM BÖSEN SA 14. SEPTEMBER 19.30 UHR, MI 18. SEPTEMBER 19.30 UHR, FR 27. SEPTEMBER 19.30 UHR, DI 1. OKTOBER 19.30 UHR, DO 3. OKTOBER 18 UHR, SO 6. OKTOBER 15 UHR, SO 20. OKTOBER 18 UHR, FR 8. NOVEMBER 19.30 UHR, SO 10. NOVEMBER 18 UHR, FR 22. NOVEMBER 19.30 UHR, SA 4. JANUAR 19.30 UHR, SO 5. JANUAR 18 UHR, SO 12. JANUAR 19.30 UHR, FR 17. JANUAR 19,30 UHR, SA 18. JANUAR 19.30 UHR KARTEN GROßES HAUS THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG E R S T E R S T A A T S A K T E R S T E R A U F T R I T T Eine Theaterbar zur Mittagszeit, in spätsommerliches Sonnenlicht getaucht. Zwei Kultur-Redakteure warten auf ihren Gesprächspartner, verschiedene Kameras sind auf Stative montiert, ein Stuhl steht für den Protagonisten bereit. GEORG ( vom rechten Bühnenrand auftretend, in Eile ): Da seid ihr ja schon! Habt ihr schon alles aufgebaut? Dann können wir ja gleich loslegen! KEVIN Wir sind ready! THORSTEN Von uns aus jederzeit. Georg setzt sich auf den Stuhl und wird mikrofoniert. An den Kameras werden die Aufnahmen gestartet. Das Gespräch beginnt. THORSTEN Georg, deine erste Spielzeit in Oldenburg hat gerade begonnen. Bist du schon ein bisschen warm geworden mit der Stadt? GEORG ( begeistert ) Total! Ich hab das Gefühl, ich wäre schon ewig hier! THORSTEN Wow! Das sind ja beste Voraussetzungen für die erste große Premiere: „Freischütz“ von Carl Maria von Weber . Für alle, die den Stoff nicht kennen: Kannst du kurz erklären, worum es geht? GEORG Ich sage gleich: Es ist nicht nur der „Freischütz“. Es gibt Ergänzungen der usbekisch-australischen Komponistin Elena Kats-Chernin und der Dramaturgin Susanne Felicitas Wolf , die wir in Oldenburg als Uraufführung zeigen . Es geht in dieser Neufassung um die Frage: Wie ist eigentlich das Böse in die Welt gekommen? Wie entsteht das Böse in uns? Und wie gehen wir mit dem Bösen um? Zur Story: Es ist ein großer Tag für den jungen Jäger Max, der nicht nur eine Erbförsterei versprochen bekommt, sondern auch noch die Tochter des Erbförsters dazu, die er auch liebt. Dafür muss er sich jedoch als würdig erweisen. Er glaubt, mit den teuflischen Kräften seines Freundes Caspar ans Ziel kommen zu können - und scheitert am Ende doch. Die eigentliche Message ist aber das, was durch die Bearbeitung von Kats-Chernin verstärkt und überhaupt erst herauskristallisiert wird: die Frage, wieviel Böses in uns allen schlummert und welche Seelenfarben wir in uns nähren. THORSTEN Warum habt ihr genau dieses Stück ausgewählt? GEORG Das war eine ganz frühe Idee. Als ich erfuhr, dass die Opernsparte in diesem Theater mit dem „ Freischütz “ gegründet wurde, dachte ich mir: Es wäre eine schöne Geste diesem Theater und dieser Stadt gegenüber, mit unserem Neustart eben diese Gründung in Erinnerung zu bringen. Damit verweist man zwar auf die Vergangenheit, durch die Bearbeitung öffnet man den Blick aber gleichzeitig für die Zukunft. Ich fand es als als Kristallisationspunkt sehr passend, einerseits auf die Geschichte zurückzugreifen, sie andererseits aber auch gleich fortzuschreiben. THORSTEN Was ist für dich der tollste Ansatz eurer Inszenierung? Worauf oder worüber freust du dich immer wieder ? GEORG Darauf, dass ich immer etwas Neues entdecke! Wenn ich in die Probe gehe, gibt es immer wieder Neuerungen, die das Ergebnis weiter perfektionieren. Die Möglichkeit, immer wieder entdecken zu dürfen, ist ein sehr schöner Aspekt am Theatermachen überhaupt. STARKES THEATERPROGRAMM DIE GROßE VIELFALT Mit dem KULTURSCNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 164 Gründe. Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 4 Uraufführungen und 32 Premieren, dazu 7 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regeläßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT . Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. THORSTEN Die Uraufführung vom Freischütz fand bereits 1821 statt, die Handlung ist angesiedelt zur Zeit des 30-jährigen Krieges, also in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Warum ist das für uns noch interessant und relevant? GEORG: Musikalisch ist der „Freischütz“ ein Repertoireklassiker und ein großartiges musikalisches Werk, das sich auch als Ensemblestück gut anbietet. Darüber hinaus stellt sich natürlich die Frage, was den Stoff heute noch spielbar macht. Und da haben wir gesagt: Wir konzentrieren uns auf die erwähnten Ergänzungen . Das heißt: Wir beziehen uns auf die Figur des Samiel, die als verspielt-verführerische Schauspielfigur angelegt ist, die aber auch musikalische Sequenzen hat. Das hat uns die Möglichkeit eröffnet, ihn in das Stück hineinzubauen und trotzdem den Weber nicht zu verraten. Das ist eine ganz wichtige Sache: Dass man zwar mit dem Weber umgeht, ihn aber nicht verrät. THORSTEN Der brave Max geht ja einen Pakt mit dem Bösen ein, um zum Ziel zu kommen und seine Agathe zu gewinnen. Für wen oder was würdest du selbst denn einen Pakt mit dem Bösen eingehen? GEORG ( lacht ) Also im Kontext des Stückes gehen wir alle einen Pakt mit dem Bösen ein. Das erläutere ich jetzt aber nicht tiefer, sonst müsste ja keiner mehr reingehen. ( zögert kurz ) Die Frage ist wirklich vielschichtig. Das hat ja auch etwas mit Selbstbetrug oder mit Selbstwahrnehmung zu tun. Tatsächlich eine sehr schwierige Frage. Ich glaube, ich würde keinen Pakt mit dem Bösen eingehen. Ich versuche, so etwas immer zu vermeiden. THORSTEN Auch nicht für fünf Jahre ausverkaufte Häuser? GEORG ( schmunzelnd ) Nee! THORSTEN Stellen wir uns vor, ich hätte noch nie eine Oper gesehen. Wäre der „Freischütz“ ein gutes erstes Mal? GEORG Ich glaube, es ist immer der Moment, der uns in eine Oper reinlenkt oder eben nicht. An meinem vorherigen Theater hatten wir einige Open Air-Veranstaltungen und es waren so viele Menschen dort, die noch nie in der Oper waren. Und der beste Satz, den ich gehört habe, war: „Ich war ja noch nie in der Oper, aber das gefällt mir.“ Ich glaube, man sollte sich einfach mal zufällig reinspülen lassen und dann merkt man: Gefällt es oder gefällt es nicht? Und selbst wenn es einem nicht gefallen hat, kommt man nochmal wieder und denkt sich: „Irgendwas daran war aber schon interessant.“ Oder: „Warum gehen denn all die anderen da rein?“ THORSTEN Was glaubst du, warum spüren manche Menschen eine gedankliche Hemmschwelle, wenn es darum geht, in eine Oper zu gehen? GEORG Ich glaube tatsächlich, dass die Oper der härteste Punkt ist. In Oldenburg gilt das noch am wenigsten, die Stadt ist wirklich sehr, sehr offen. Allgemein gilt die Oper aber oft noch als elitär. Das hat sich leider über die letzten Jahrzehnte noch ein bisschen verstärkt. In der Zeit, als ich Theater kennengelernt habe, gab es ja noch jede Menge Radiosender. Die Leute haben das gehört, sie kannten die Melodien. Das ist einfach schöne Musik. Von welchem Klangkörper sie produziert wird oder mit welchem Bühnenaufwand das assoziiert ist, war weniger wichtig. Es gibt theoretisch also einiges, was die Oper fern erscheinen lässt. Das heißt aber nicht, dass sie einem nicht gefällt. Warum singen Menschen? Das ist ja so eine große Frage. Warum singen Menschen? Das beantwortet die Oper: Weil sie in einem Ausnahmezustand sind. Und in dem Ausnahmezustand hilft unsere normale Sprache nur begrenzt. THORSTEN Die Eröffnungspremiere einer neuen Intendanz ist ja ein sehr besonderer Moment. Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie nervös bist du gerade - kurz bevor sich der Vorhang hebt? GEORG ( lacht auf ) : Zwischen acht und neun? THORSTEN Und wenn du dem Probentrubel mal kurz entkommen willst: Hast du dafür schon einen Lieblingsplatz, an dem du Entspannung findest? GEORG ( kurz abwägend ) Ich habe zwischendrin diverse Orte besucht, zum Beispiel ein wunderschönes Café in der Bergstraße, in einem Hinterhof. Die ganze Ecke ist sehr schön. Ich merke, dass die Straßen der Stadt für mich immer mehr Form annehmen und ich stelle fest, dass es gerade viel Bewegung in der Innenstadt gibt. Das finde ich immer ganz interessant, wenn ich da vorbeifahre - natürlich mit dem Fahrrad. Aber tatsächlich habe ich noch keine absoluten Lieblingsplätze. Ich hab eingangs die Frage zwar mit „ewig“ beantwortet, aber das ist ja die Gefühlsseite und nicht die örtliche Seite. THORSTEN Und wenn du gerade kein Theater machst: Wofür brennst du dann? GEORG ( ohne zu zögern ) Für meine Familie! Wenn gerade kein Theater ist, dann ist die Zeit erstmal reserviert für meine Frau und meine Kinder. Aber das heißt nicht, dass es da nicht auch andere Sachen gibt. THORSTEN Welche das sind, erfahren wir dann irgendwann in Zukunft... GEORG Genau! Alle: ab Fünfzehn Gelegenheiten Der großen Eröffnungspremiere der Intendanz von Georg Heckel gelingt ein doppelter Jahrhundertsprung: Sie schlägt eine Brücke vom Jahr 1821 über 1921 bis in die Gegenwart. Große Opernfans lassen sich die Uraufführung der Neufassung des „Freischütz“ am 14. September um 19. 30 Uhr deshalb keinesfalls entgehen. Alle anderen haben aber vierzehn weitere Gelegenheiten, sich die romantische Oper anzusehen. Genau das sollten sie auch tun. Musikalisch ist „Freischütz“ ein Genuss - erst Recht, wenn Generalmusikdirektor Hendrik Vestmann verantwortlich ist. Die Neufassung bietet aber noch mehr: Sie ergänzt den historischen Stoff mit schauspielerischen Elementen und holt ihn in die Gegenwart. Die Frage nach der Existenz des Bösen und unserem Umgang mit ihm ist angesichts vieler zeitgeschichtlicher Entwicklungen vielleicht aktueller denn je. Ihr könnt also ein intensives Musikerlebnis mit einer aktuellen philosophischen Fragestellung kombinieren. Und anders als Max müsst ihr dafür keinen Pakt mit dem Teufel schließen.
- VERSTÄRKER STATT FIGUREN
Das Theater Laboratorium ist in ganz Deutschland bekannt für sein stimmungsvolles, oftmals philosophisches Figurentheater. Zum Programm gehörten allerdings auch bisher schon Konzerte von Fremdveranstaltern. Nun rückt diese Sparte in der hausinternen Hierarchie noch etwas weiter auf - denn das Laboratorium selbst wird Veranstalter. Was euch erwartet? Das hat uns Susanka Schmitz-Lenders erzählt. Eines kann man dem Theater Laboratorium sicher nicht vorwerfen: Nicht genug Geschmack zu besitzen. Das beginnt bereits bei der detailverliebten Einrichtung des Theaters und der benachbarten Limonadenfabrik . Beide Häuser sind ein absoluter Traum für alle Interieur-Enthusiasten. Das geht aber selbstverständlich weiter bei den wunderbaren Figuren, und dort sowohl bei der Gestaltung als auch bei der Charakterzeichnung. Nicht umsonst hätte man die meisten Gesellen am liebsten im erweiterten Freundeskreis. Geschmack besitzt das Team des Laboratorium aber auch in anderer Hinsicht, nämlich bei der Musik. Kein Wunder: Wer mit so offenen Sinnen durch die Welt geht wie Pavel Möller-Lück, Barbara Schmitz-Lenders und ihr Team, macht eben immer wieder Entdeckungen. Oft visueller Art, nicht selten aber auch akustischer Natur. Und an letzteren können wir nun ebenfalls teilhaben. THEATER LABORATORIUM KONZERTREIHE 12. SEPTEMBER: RANDI TYTINGVAAG TRIO ( TICKETS ) 19. SEPTEMBER: WENZEL ( TICKETS ) 27. NOVEMBER: NIELS FREVERT ( TICKETS ) 12. DEZEMBER: TINA TEUBNER & SVEN SÜVERKRÜP ( TICKETS ) 22. JANUAR: TANGO PARA OCHA ( TICKETS ) BEGINN JEWEILS 20 UHR THEATER LABORATORIUM KLEINE STRAßE 8 26121 OLDENBURG Guter Geschmack als roter Faden Egal, wie überzeugend eine Idee ist: Manchmal braucht es einen Zufall, damit sie in die Tat umgesetzt wird. So war es auch bei der neuen Konzertreihe des Theater Laboratorium. „Die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Konzertveranstalter lief aus“, nennt Susanka Schmitz-Lenders eine entscheidende Entwicklung. „Gleichzeitig haben wir viele Anfragen von Künstler:innen bekommen, die sich wünschten, weiterhin oder erstmalig im Laboratorium aufzutreten.“ Diese Konstellation nahm das Team zum Anlass, die Sparte selbst in die Hand zu nehmen. Entsprechende Erfahrung war bereits vorhanden, denn in der Limonadenfabrik war das Theater von Anfang an selbst Veranstalter. Bekannt für ihre warme, klare Stimme: Die 46-jährige Norwegerin Randi Tytingvaag. Obwohl der Entstehung der Konzertreihe also kein langfristig ausgeklügelter Plan zugrunde liegt, kommt an dieser Stelle sehr wohl der Geschmack wieder ins Spiel. Denn es sind nicht irgendwelche Acts, die schließlich für die Auftritte im Laboratorium ausgewählt wurden. Vereinfacht könnte man sagen: Sie passen einfach dorthin - und das ist ein Kompliment an alle Beteiligte. Die kleinen Eskapaden „Wir veranstalten Konzerte mit Künstler:innen, die sich bereits einen guten Namen bei unserem Publikum gemacht haben“, berichtet Susanka. Dazu gehörten etwa Randi Tytingvaag oder Tina Teubner . Und manchmal steckt sogar noch mehr dahinter: „Mit Wenzel verbindet und mittlerweile sogar eine Freundschaft.“ Es gebe aber auch neue Gäste wie etwa den Singer-Songwriter Niels Frevert : „Er füllt bundesweit auch große Säle. Er hat sich aber bewusst für die besondere Atmosphäre unsere Hauses entschieden“, lässt Susanke berechtigten Stolz durchklingen. Einzigartig: Der Liedermacher Wenzel berührt mit seinen persönlichen Texten - und seinem besondere Charisma - viele Menschen. Bei jedem der bisher fünf geplanten Konzerte erwartet die Gäste einerseits ein hochklassiges Musikerlebnis, andererseits - wie eigentlich immer im Laboratorium - auch das Gebäude selbst. Wie kein anderes Haus erlaubt es kleine Eskapaden aus dem Oldenburger Alltag und bietet mehr als nur einen Rahmen fürs Programm. „Der Saal zeichnet sich durch eine konzentrierte, intime Atmosphäre mit hervorragender Akustik aus“, betont Susanka. Dadurch entstehe eine besondere Nähe zwischen Musiker:innen und Publikum. Sorgfältig ausgewählt, fein abgestimmt Zu den Traditionen der Konzerte im Theater Laboratorium, gehörte es auch, sich im Foyer auf den Abend einzustimmen - oder im Anschluss ausgiebig darüber zu diskutieren. „Oftmals bietet sich dabei auch die Gelegenheit, den Künstler:Innen nochmals zu begegnen“, weiß Susanka. Manchmal kommt man mit ihnen sogar ins Gespräch und erfährt spannende Details aus ihrem Leben und Schaffen. Große Nummer: Der Hamburger Singer-Songwriter Niels Frevert füllt normalwerweise größere Säle. Für das Laboratorium macht er eine Ausnahme. Das Theater Laboratorium bleibt sich also treu. Auch beim Konzertprogramm kann man ihm nicht vorwerfen, dass es nicht genug Geschmack besäße. Ganz im Gegenteil: Ebenso wie die vielen Details des Interieurs wirken auch die musikalischen Gäste wie sorgfältig ausgewählte und fein abgestimmte Entdeckungen, die man mit der Welt teilen möchte. Das macht die Konzerte im Theater Labotaorium zu kleinen Besonderheiten. Oldenburg muss an jenen fünf Abenden zwar auf das überaus beliebte Puppentheater verzichten. Trotzdem ist es keineswegs ein Nachteil, wenn auf der Bühne statt Figuren Verstärker eine wichtige Rolle spielen. Denn sie sorgen dafür, dass die Konzerte - ebenso wie die Aufführungen des Figurentheaters - zu unvergesslichen Erlebnissen werden.
- MEHR ALS FILME
Das Internationale Filmfest Oldenburg hat eine feste Heimat: Die Nische. Mit unentdeckten Indie-Perlen, schroffen Genre-Filme und mutigen Entscheidungen hat es sich in der bunten, schnellen und wilden Filmwelt fest etabliert. Im neuen Festival-Center in der Kaiserlichen Post haben wir Direktor Torsten Neumann getroffen - und dabei einiges erfahren, das nicht im Programmheft steht. Es ist Freitag, der letzte vor Beginn des Filmfestes, kurz nach zwölf Uhr mittags. Wer Festivalchef Torsten Neumann ein wenig kennt, weiß aus Erfahrung: Es ist einer der letzten Momente, bevor es für ihn ab in den Tunnel geht. Denn alle, die den leidenschaftlichen Cineasten während des Festivals ansprechen, machen dieselbe Erfahrung: Torsten außerhalb und während des Festivals - das sind zwei verschiedene. Personen. Umso besser, dass wir ihn rechtzeitig erwischt haben. Entspannt und bestens gelaunt hat er sich den erbarmungslosen Fragen unserer Kulturschnack-Interviewlotterie gestellt - und dabei einiges erzählt, das wir sonst nie erfahren hätten. Aber natürlich gibt's auch substanzielle News zur 31. Auflage des Internationalen Filmfestes Oldenburg . Here we go. 31. INTERNATIONALES FILMFEST OLDENBURG 11. BIS 15. SEPTEMBER 2024 CASABLANCA, CINEMAXX, CINE K, OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER, THEATER HOF/19 TICKETS TIMETABLE Der Blick aufs Besondere Natürlich geht es beim Filmfest immer und in allererster Linie um aktuelle Independent-Filme. Und die gibt es auch in diesem Jahr wieder - und zwar reichlich . Doch daneben gibt es etwas anderes. Etwas, das sich nicht in der Zahl der Welt- oder Deutschland-Premieren widerspiegelt und das man auch sonst nicht messen kann. Nämlich: Haltung. Und die zeigt sich ebenfalls anhand des Programms. Und dort vor allem beim Tribute und bei der Retrospektive . Ersteres widmet sich dem Filmemacherpaar Na Gyi und Paing Phyoe Thu aus Myanmar. Rangun ist nicht Hollywood, deshalb sind die beiden der breiten zentraleuropäischen Öffentlichkeit kein Begriff. Dennoch stehen sie für die Kraft und den Spirit des Independent-Kinos wie kaum jemand sonst. Seit dem Militärputsch im Jahr 2021 kämpft das populäre Paar nämlich für die Freiheit seines Heimatlandes und mobilisierte mit ihren Aktionen Hunderttausende für den Protest gegen die Junta. Nach einem Haftbefehl musste es zwar untertauchen, gründete aber gemeinsam mit anderen den „Artists Shelter“, in dem verfolgte Künstler:innen Schutz finden und weiter arbeiten können. In Oldenburg laufen nun zwei Spiel- und drei Kurzfilme der beiden Filmemacher:innen: Starkes, intensives Kino, das keinen internationalen Vergleich zu scheuen braucht - und das durch die Hintergründe noch an Tiefe gewinnt. Es sind Entdeckungen wie diese, die das Filmfest so wertvoll machen. TYPISCH FILMFEST MITTENDRIN IM FESTIVAL Wenn man ins Kino geht, ist der Ablauf eigentlich klar: Man schaut EINEN Film und geht danach vielleicht noch was Trinken. Beim Internationalen Filmfest Oldenburg ist dieses Prinzip ausgehebelt. An diesen fünf Tagen im September schaut man nicht nur einen Film pro Tag, sondern zwei oder drei - und das Rahmenprogramm steht ebenfalls im Zeichen des Festivals! Wie fühlt sich das an? Die Antwort auf diese Frage haben wir im vorletzten Jahr gegeben. Für euch haben wir uns in einen Filmfest-Tag und eine Filmfest-Nacht gestürzt. Und ob Zufall oder nicht: Beides war ziemlich repräsentativ. Es gab spannende Beiträge aus Ländern, die wir mit Filmindustrie eigentlich nicht in Verbindung bringen. Es gab hochemotionale Filmkunstwerke, die uns beeindruckt und bereichert zurückließen. Es gab knallharte Streifen, die unbequem und in manchen Momenten nur schwer auszuhalten waren, die uns aber trotzdem/deswegen berühren und begeistern. Und es gab eine Secret Party in einer Location, in der die wenigsten Oldenburger:innen bisher mal waren. Mehr dazu? Lest ihr hier! Nach Perlen tauchen Ähnliches gilt für die Retrospektive, die beim breiten Publikum immer wieder mal für Stirmrunzeln sorgt - aber meist nur kurz, Die Namen der Ausgezeichneten sind der Allgemeinheit nicht immer geläufig. Sobald man aber ihre Arbeiten kennen lernt, erschließt sich deren Preiswürdigkeit schnell. Festivalchef Torsten verdingt sich hier als Perlentaucher: Er sucht und findet, was andere nicht sofort als Schatz erkennen. Aber dank seiner Expertise darf man sich beruhigt darauf verlassen, dass seine Entdeckungen immer wertvoll sind. Das ist auch in diesem Jahr so, allerdings mit leicht veränderten Vorzeichen. Den Namen Dominik Graf haben auch etliche Menschen schon gehört, deren normale Tage nicht allabendlich im Kinosaal enden. Kein Wunder: Graf galt vor allem in den Achtziger Jahren als hoffnungsvolles Regietalent, das sich eng an amerikanischen Genre-Filmen orientierte und deren speziellen Vibe nach Deutschland importierte. Seine Charaktere und Inszenierungen waren authentischer, roher und direkter als es damals vielfach üblich war. Damit setzte er Akzente und gab Impulse, die in Kinodeutschland auf viel Aufmerksamkeit stießen. Das schönste Kompliment Später überzeugte Graf mit zahlreichen Tatort- und Polizeiruf-Regiearbeiten, deren Markenzeichen es war, dass sie sich deutlich weniger „deutsch“ anfühlten als die meisten anderen Folgen. Graf blieb seiner Regiesprache treu - was ihr bei insgesamt sieben Filmen nachprüfen könnt, die im Rahmen des Filmfestes laufen. Hier gilt ebenso wie beim Tribute: Nehmt euch die Zeit und schaut euch diese Werke an. Es ist extrem spannend, sich mit Filmen aus anderen Epochen auseinanderzusetzen und Sehgewohnheiten zu vergleichen; vor allem dann, wenn sie von einem Fachmann wie Torsten ausgewählt sind. Übrigens ist Dominik Graf auch für etas anderes verantwortlich. Als in der Interviewlotterie die Frage aufkommt, welches das schönste Kompliment ist, welches er je für das Filmfest bekommen hat, nennt Torsten nicht etwa die euphorischen Zitate aus The Hollywood Reporter . Nein, er nennt: Emails von Dominik Graf. „Über etliche Jahre hinweg hat er unser Programmheft per Post bekommen“, erzählt Torsten. „Schließlich schrieb er in einer Email: 'Das ist ein ganz starkes Festival, das ihr da macht.' Das war natürlich eine wahnsinnig tolle Nachricht.“ Fachleute hören Lob eben am liebsten von: Fachleuten. FILMFEST OLDENBURG WELTSTAR DER NISCHE Viel hat sich verändert seit den Anfängen in den frühen Neunzigern. Das Festival ist professioneller geworden, ein wenig vernünftiger und vielleicht sogar etwas angepasster. Eines ist aber geblieben: Die Fähigkeit, vermeintliche Widersprüche aufzulösen. Zum Beispiel jenen zwischen anspruchsvollem und unterhaltsamem Kino. Oder jenen zwischen der glamourösen Filmwelt und dem norddeutschen Oldenburg. Mit diesen Worten haben wir vor zwei Jahr ein ausführliches Portrait über das Internationale Filmfest Oldenburg eingeleitet. Zwar wurde der Text im Vorfeld der 29. Auflage veröffentlicht, er lässt sich aber auf dieses Jahr übertragen - und auf alle weiteren. Er versucht nämlich, das Wesen des Filmfestes zu ergründen und erkunden. Für alle, die vom Filmfest zwar wissen, es aber noch nicht richtig kennen, ist der Beitrag der ideale Einstieg - für alle eingefleischten Fans eine gute Gelegenheit, sich die vergangenen drei Jahrzehnte noch einmal vor Augen zu führen. Die 99 Prozent Mutig ist auch die Entscheidung, eines der schwierigsten Themen aufzugreifen, mit denen Oldenburg in der jüngeren Geschichte zu tun hatte. Nämlich: Die vielfachen Morde des Krankenpflegers Niels Högel . In „Jenseits der Schuld“ geht es aber um eine andere Perspektive, nämlich jener von Högels Familie. Wie geht sie mit den Taten des „Patientenmörders“ um? Die sensible Reportage gewann beim DOK.fest München den Publikumspreis. In Oldenburg ist man jedoch viel näher am schrecklichen Geschehen. Es wird spannend zu sehen sein, wie das Publikum hier auf den Film reagiert - auch für die beiden Regisseurinnen Katharina Köster und Katrin Nemec , die persönlich in Oldenburg zu Gast sein werden. Die Filme stehen beim Filmfest ganz klar im Mittelpunkt. Torsten legt aber Wert darauf, dass es nicht nur um sie selbst geht, sondern auch um das Drumherum: „Wer sich auf die kleine Reise einlässt, die wir hier für fünf Tage anbieten, kann tolle Filme sehen, kann aber auch spannende Filmermacher:innen treffen“, nennt der Festivalchef eine wichtige Facette. Viele Regisseur:innen, Produzent:innen und Schauspieler:innen kommen nach Oldenburg, um ihre Filme vorzustellen - oftmals auch mit gewisser Aufregung, weil es sich um Premieren handelt. Alle haben gemeinsam, dass sie gern über ihre Arbeit reden und Freude an Input zu ihren Filmen haben. Man ist also herzlich eingeladen, nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu kommunizieren. So last year: Das Video stammt aus dem letzten Jahr, ärgert Torsten aber mit einigen Klischees, die ihn schon seit dreißig Jahren begleiten und weiterhin eines Kommentars bedürfen. Entspannt provokant! Etwas anderes ist Torsten ebenfalls wichtig: „Die Filme sind von Menschen gemacht und ausgewählt - und die kann man hier vor Ort treffen mit ihnen ins Gespräch kommen. Dadurch erhält man viele neue Einblicke und Perpsektiven.“ Das sei nichts, was ein Algorithmus uns vorsetze. „Und ich würde wetten: 99,95 Prozent der Menschen werden nach dem Kinobesuch sagen: 'Das war jetzt aber richtig cool.'“ Ryan Gosling? Oder Woody Harrelson? Und wer ist der geheime Spitzengast in diesem Jahr? Ist es etwa einer dieser beiden? Nein, vermutlich nicht. Gut, wir kennen ihre Kalender nicht und können nicht beurteilen, ob sie das Internationale Filmfest Oldenburg dort längst eingetragen haben. „Five days to blow your mind? Count me in!“, könnten sie sich gedacht haben - passen würde es. Angekündigt haben sie sich bisher aber nicht. Und warum erwähnen wir die beiden trotzdem? Weil es jene Schauspieler sind, die sich Torsten fürs Filmfest wünschen würde, wenn er dürfte. „ Ryan Gosling ist ein großartiger Schauspieler und Musiker. Aber der ist natürlich nicht realistisch“, weiß der Festivalchef. „An Woody Harrelson sind wir aber immer wieder mal dran. Und der würde perfekt hierher passen!“ Dem können wir uns nur anschließen. Schließlich besticht der Schauspieler aus Texas mit einer bunten Rollenwahl, die ihn immer wieder zwischen Hero und Zero pendeln lässt. Und in dieser Grauzone zwischen Underdog und Allstar fühlt sich ja auch Oldenburg wohl. In diesem Jahr wird es aber vermutlich nichts. Das hat allerdings sein Gutes, denn so können vor allem die Filme glänzen - und das werden sie auch. Deshalb unser Rat: Schnappt euch ein Programmheft (am besten im Festivalcenter ), schaut euch die Trailer an, markiert eure Favoriten im Timetable, macht euch einen Kinofahrplan fürs verlängerte Wochenende, taucht ganz tief ein ins Festivalfeeling. Und irgendwann ist plötzlich Montag, der erste nach dem Filmfest, kurz nach zwölf Uhr mittags. Und ihr merkt:; Während des Festvals und außerhalb davon seid auch ihr zwei verschiedene Personen. Aber diese kleine Schizophrenie ist eine, die sich lohnt.
- ZEIT FÜR EIN EREIGNIS
Das Kulturjahr 2023 hatte einen Makel: Neben enigen anderen Veranstaltungen fiel auch das Elektro- und Techno-Festival „Ein außergewöhnliches Ereignis“ aus. Schuld daran war eine gesetzliche Neuregelung: Sie hatte die kulturelle Zwischennutzung auf dem Gelände des Alten Klärwerks nahezu unmöglich gemacht. Doch in diesem Jahr ist wieder alles anders. Höchste Zeit also für das nächste EAE! Boom. Boom. Boom. Wer am zweiten Septemberwochenende irgendwo im Osten Oldenburgs unterwegs ist, wird die dröhnenden Bässe nicht überhören können, die in die Nacht hinausschallen. Einige leidenschaftliche Leserbriefschreiber:innen werden sich womöglich gestört fühlen. Viele andere aber folgen unbeirrt den Klängen, denn sie führen geradewegs zum „ außergewöhnlichen Ereignis “. Das Festival für elektronische Tanzmusik wird seinem Namen einmal mehr alle Ehre machen, denn normal oder alltäglich ist tatsächlich nichts daran. Zurück zu den Bässen: Dass man sie im Oldenburger Osten am besten hört, ist kein Zufall. Ihren Ursprung haben sie nämlich auf dem Gelände des Alten Klärwerks im Osthafen. Im Schatten der allgemeinen Aufmerksamkeit ist dort ein verwunschener Ort entstanden, der seine Eignung als Location für ein Elektro-Festival schon zweimal unter Beweis stellen konnte. Nicht zuletzt deshalb haben sich die lieben Menschen vom Freizeitlärm e.V. von der Zwangspause im letzten Jahr nicht beirren lassen. - und starten nun wieder voll durch! EIN AUßERGEWÖHNLICHES EREIGNIS FESTIVAL FÜR ELEKTRONISCHE TANZMUSIK FR 13. SEPTEMBER 15-5 UHR SA 14. SEPTEMBER 15-5 UHR SO 15. SEPTEMBR 15-22 UHR ALTES KLÄRWERK HOLLER LANDSTRAßE 15 26135 OLDENBURG TICKETS Mehr als nur Lärm Seien wir ehrlich: Mit Techno-Festivals gehen gewisse Vorurteile einher. Die einen finden sie zu monton, die anderen zu laut. Und nicht zuletzt fühlen sich all jene ausgeschlossen, die mit Techno nichts anfangen können. Das Wunderbare am EAE ist allerdings, dass diese Vorurteile weitgehend ins Leere laufen. Zwar ist das Festival tatsächlich laut. Aber das muss es auch sein, wie sonst soll der Rhythmus unsere Körper und Herzen erreichen? Und außerdem hat Oldenburg gerade drei Nächte Stadtfest ausgehalten; wir sind hier also nicht sonderlich dezibelsensibel. Die andere Klischees treffen aber nur bedingt zu. „Wir legen Wert auf das Wort Tanzmusik“, erklärt Gesine, die sich beim Freizeitlärm e.V. um die Pressearbeit kümmert. „Von House über Techno und Trance bis hin zu Disco werden viele Geners und Subgenres elektronischer Musik vertreten sein.“ Die Tracks bewegen sich zwischen 120 und 150 bpm . Das ist zwar kein Kuschelrock -Tempo, theoretisch ginge aber noch sehr viel mehr. Es wird also nicht darum gehen, immer härtere und schnellere Beats aufzulegen, sondern stattdessen im Bereich des Tanzbaren zu bleiben. Monotonie? Kommt beim EAE nicht vor. Und genau deswegen muss sich auch niemand ausgeschlossen fühlen: Selbst wer Techno sonst eher nicht hört, findet hier Zugänge. Glaubt uns: Wir haben das selbst ausprobiert! Geballte Ladung: Täglich bis zu 14 Stunden (!) stehen vorwiegend weibliche Acts hinter den Decks und werden das Klärbecken in einen Tanzkessel verwandeln. In die Sets reinhören könnt ihr weuter unten. (Bilder: Freizeitlärm e.V.) The Place to be Zum Erlebnis gehört ohne Zweifel auch das Setting. Das Alte Klärwerk versprüht einen besonderen, beinahe einzigartigen Charme. Einerseits eher rau und industriell - was ihm im gutbürgerlichen Oldenburg schon einen Sonderstatus verleiht. Andererseits aber auch atmosphärisch und - ja, tatsächlich - gemütlich. Das EAE vereint das scheinbar Unvereinbare: Den urbanen Vibe großer Metropolen mit dem herzlichen Spirit der Kleinstadt. Auch wenn der Sound manchmal dark oder clean ist: Das Herzblut der vielen Menschen, die am EAE mitgearbeitet haben, ist hier immer zu spüren. EINZIARTIGER LOST PLACE VOM KLÄRBECKEN ZUM DANCEFLOOR W er das Gelände des EAE mal bei Tageslicht besucht hat, kann es sich kaum vorstellen. Der verwunschene Ort mit spröder Industrieromantik und üppiger Spontanvegetation drängt sich auf den ersten Blick nicht als angesagte Event-Location auf. Auf den zweiten allerdings schon, wenn man ein Auge für die Dinge hat. Im Vorfeld des zweiten Festivals haben wir uns mit Gesine vom Freitzeitlärm e.V. auf dem Gelände des Alten Klärwerks getroffen . Es befand sich damals im Zwischenstadium: Vom gröbsten Unkraut befreit, aber längst noch nicht ready to roll. Die Bilder von damals geben einen guten Einruck davon, wie sehr sich das Areal für das EAE wandelt - wie viel Wert die Veranstalter:innen aber auch darauf legen, eine einzigartige Atmosphäre zu kreieren. Alles weitere: Hier ! Die Stärke des Bookings Einen eigenen Charakter hat das Festival aber nicht nur, was die Atmosphäre angeht, sondern auch was den Sound betrifft. Hat man bei er Premiere 2021 noch die großen Namen verpflichtet und in der Szene damit für Aufmerksamkeit gesorgt, ging man bereits im Folgejahr dazu über, das Line-up möglichst paritätisch zu besetzen: „Uns ist es wichtig, dass wir möglichst viele weibliche Acts nach Oldenburg holen, weil sie beim Booking oft unterrepräsentiert sind“, erklärt Gesine. Genau das ist eine Stärke des Bookings: Dem Team von Freizeitlärm ist es gelungen, vorwiegend weibliche DJ*s zu verpflichten, die sich schon einen Namen gemacht haben, die häufig sogar (inter-)national bekannt sind, die aber noch nicht an der Spitze der Szene angekommen sind. „Wir freuen uns, DJ*s wie Britta Arnold , Commander Love , Pilocka Krach , Sarah Farina , Gigee und viele überregionale und regionale andere hier in Oldenburg begrüßen zu dürfen“, nennt Gesine Namen, die einigen bekannt vorkommen dürften. Und wer oben durch das Line-up scrollt, wird feststellen: Parität war gestern! Das EAE 2024 dürfte eines der weiblichsten Techno-Festivals überhaupt sein. Qualitativ bedeutet der feministische Ansatz keinerlei Abstriche, gleichzeitig macht er Entdeckungen möglich und bietet den Acts mehr Präsenz. Manche Gäste hätten sicher gern einen absoluten Mega-Star im Line-up, aber das würde nur die üblichen Nebenwirkungen nach sich ziehen: Die Tickets wären schneller vergriffen, Teile des Publikums würden nur auf den Main Act warten, der große Name würde alle anderen überlagern. Die Gefahr besteht nun nicht - und sorgt dafür, dass alle Acts gleichermaßen abgefeiert werden können. Absolut außergewöhnlich Boom. Boom. Boom. Für einige mag dieser Sound eine unverschämte nächtliche Ruhestörung sein. Für hunderte Menschen ist er aber eine Verheißung: Drei Tage Tanzen, Träumen und Feiern, vielleicht auch einfach: Das Leben genießen. Tatsächlich findet im Alten Klärwerk ein außergewöhnliches Ereignis statt, das viel mehr ist als „nur“ Musik - denn das EAE lässt sein Publikum in eine Klang- und Farbwelt abtauchen, die sich extrem von unserem Alltag unterscheidet. Dieses Spektakel hallt nicht nur durch die Oldenburger Nacht, sondern auch lange in den Köpfen nach. Selbst wer mit Techno und Elektro sonst wenig am Hut hat, sollte es deshalb nicht verpassen. Also los, besorgt euch Tickets, denn es ist: Zeit für ein Ereignis!
- DIE WELT, WIE SIE IST
Definition einer Erfolgsgeschichte? Eine besonders positive Entwicklung. Oder: Die World Press Photo Ausstellung in Oldenburg. Von Beginn an erreichte sie Besucher:innenzahlen, von denen manche Metropolen nur träumen konnten. Wie konnte das gelingen? Und: Wie sorgt man dafür, dass dieses Interesse nicht irgendwann einschläft? Darüber - und über noch viel mehr - haben wir mit Initiator Claus Spitzer-Ewersmann gesprochen. Von einer „Institution“ ist in der Regel dann die Rede, wenn sich etwas über viele Jahre - oder sogar Jahrzehnte - hinweg bewährt und die eigene Bedeutung immer wieder neu bestätigt hat. Dazu gehört zum Beispiel der World Press Photo Award, der bereits seit 1955 in Amsterdam verliehen wird. Mit gerade einmal neun Jahren würde die World Press Photo Ausstellung in Oldenburg eher nicht zu dieser Kategorie zählen. Und dennoch wird dieser Begriff in diesem Zusammenhang ganz selbstverständlich verwendet und erntet keinen Widerspruch. Das ist nicht etwa eine Nachlässigkeit, sondern passiert aus gutem Grund. Denn so, wie die Ausstellung in Oldenburg kuratiert und inszeniert wird, war sie vom ersten Moment an genau das: eine Institution. WORLD PRESS PHOTO EXHIBITION 2023 17. FEBRUAR - 10. MÄRZ 2024 DIENSTAG - SONNTAG 10 BIS 18 UHR LANDESMUSEUM KUNST & KULTUR SCHLOSSPLATZ 26122 OLDENBURG PROGRAMMHEFT Authentizität, Relevanz, Ästhetik Um einen solchen Status zur langen, ist zweifelsohne mehr nötig, als einfach nur jene Auswahl zu zeigen, die von der World Press Photo Foundation alljährlich auf eine einjährige Reise um den Globus geschickt wird. Diese „Copycat“-Variante der WPP war nichts, das Claus Spitzer-Ewersmann gereizt hätte. Der frühere Journalist und Blattmacher hatte zwar den Reiz erkannt, den die besten Pressefotos der Welt in sich tragen, weil sie Authentizität, Relevanz und Ästhetik vermischen wie kein anderes Medium. Bewusst war ihm jedoch gleichzeitig, dass man aus dem Thema viel mehr machen könnte als das bloße Aufhängen ausgezeichneter Bilder. Schon mit dem Erscheinen des allerersten Programmhefts wurde deutlich, dass es in Oldenburg nicht „nur“ darum geht, Pressefotos zu zeigen. Das umfangreiche Rahmenprogramm setzte sie in einen Kontext, vertiefte die Themen, bot Hintergrundwissen, stellte Zusammenhänge her, gewährte Einblicke und sorgte für Begegnungen mit Fotograf:innen. Zu letzterem gehörte, dass es dem Mediavanti -Team stets gelang, die Preisträger:innen selbst nach Oldenburg zu holen und sie für einen Vortrag zu ihrem Siegerbild zu gewinnen. Bei den Beiträgen Mads Nissen , Warren Richardson , Francis Perez , Ronaldo Schemidt , John Moore oder Amber Bracken entstanden Momente, die bei den Anwesenden noch Jahre später Gänsehaut erzeugen sollten. Mehr als eine Ausstellung Aber auch die vielen anderen Punkte des Programms sorgten dafür, dass aus der WPP in Oldenburg nicht einfach nur eine weitere Ausstellung im Veranstaltungskalender wurde, sondern ein „Place to be“: Ein Ort, den man gesehen haben muss. Ob es die intime, nahbare Atmosphäre der Sonntags-Matineen in der Buchhandlung Isensee , der genial-kreative Spirit der Fotoslams im Polyester oder die vielen spannenden Vorträge von den talentierten Fotograf:innen aus dem In- und Ausland waren, eins hatten alle Veranstaltungen gemeinsam: Sie feierten das Foto und betonten seine Bedeutung für unsere Gesellschaft. Zwar war der enorme Erfolg irgendwann Fluch und Segen zugleich, denn an Sonntagen musste man sich durch arg volle Gänge im Dachgeschoss des Oldenburger Schlosses schieben. Doch auch das trug letztlich zur Gesamterfahrung bei. Die WPP musste man einfach besucht haben, wenn man mitreden wollte - ganz so, wie es sich für eine Institution gehört. In den nächsten Wochen steht die nächste World Press Photo Ausstellung in Oldenburg an. Sind inzwischen erste Abnutzungserscheinungen zu erkennen? Immerhin eilt die Schau nicht mehr von Rekord zu Rekord, die Zahl von 20.350 Besuchenden aus dem Jahr 2020 konnte in und nach der Corona-Zeit nicht mehr übertroffen werden. Warum das aber gar kein Problem ist, sondern sogar gewünscht, hat uns Claus Spitzer-Ewersmann im Interview verraten. Was er sonst noch zu sagen hatte? Eine Menge! Und weil es so interessant war, könnt ihr es hier ungekürzt nachlesen. Claus, es ist die mittlerweile neunte World Press Photo Ausstellung in Oldenburg. Erzähl mal: Warum könnt ihr nicht genug davon kriegen? Wir werden jedes Jahr gefragt, ob es jetzt vielleicht langweilig wird, oder ob das nicht alles nur noch Routine ist. Und ich sag dann immer: Nein, überhaupt nicht! Weil vieles natürlich davon abhängt, was für Bilder man hat, und welche Stimmung sie transportieren. Dieses Mal war der ganze Foto-Jahrgang sehr vom Krieg geprägt, das Siegerfoto stammt aus der Ukraine. Dann muss man natürlich überlegen: Wie geht man damit um? Denn das ist definitiv kein Bild, das man in der Werbung einsetzen kann. Da fallen uns die Radfahrer vom Rad, wenn sie das Plakat sehen! Aus Respekt vor den Toten und aus Wertschätzung der Angehörigen wird das also nicht passieren. Von Business as usual kann also bereits beim Plakat keine Rede mehr sein? Genau. Wir haben uns dann gesagt: Wenn es schon anders sein soll als sonst, dann auch konsequent. Deshalb gibt es dieses Jahr drei Plakatmotive statt nur eines. Damit wollen wir nicht zuletzt die Vielfalt der Bilder unterstreichen und betonen, dass es trotz allem nicht nur das Kriegsthema gibt, um das sich alles dreht. Ihr hattet in der Regel den Fotograf:innen des Siegermotivs in Oldenburg zu Gast. Deren Auftritte bei der Vernissage und der Eröffnung sind vielen Menschen noch in allerbester Erinnerung. Wie verfahrt ihr dieses Mal? Als Ehrengast wird Lee-Ann Olwage aus Südafrika hier sein, die Fotografin des Bildes auf unserem Programmheft. Das zeigt ein sogenanntes „Hexencamp“, in das Frauen kommen, die an Demenz leiden. Viele Menschen in Afrika können nicht gut damit umgehen, wenn betroffene Familienmitglieder sich plötzlich komisch benehmen und wirres Zeug reden, Dafür sind diese Camps errichtet worden. Das klingt jetzt nach einer Strafkolonie, aber das ist es gar nicht unbedingt. Viele Frauen sagen auch, dass sie dort Schutz und Zuflucht finden und gehen freiwillig rein. Das ist natürlich eine ganz spannende Geschichte, weil es ins Bewusstsein rückt, dass Demenz ein weltweites Thema ist. Dem Foto sieht man die Schwere des Themas aber gar nicht an. Das Bild ist bunt, fast fröhlich - das fanden wir gut. Das klingt nach einer guten Wahl. Und der Fotograf des eigentlichen Siegerbildes - Evgeniy Maloletka - kam tatsächlich gar nicht infrage? Wir haben ihn in Amsterdam getroffen. Er i st kein Entertainer, spricht kein sehr gutes Englisch und sagt auch selber, dass er gar nicht weiß, ob er zu Ausstellungen kommen möchte. Für ihn stellen sich ja viele Fragen: Will ich gerade wirklich raus aus der Ukraine? Und wenn ich wiederkomme, kann ich überhaupt rein? Eigentlich könnte er uns nur zwei Tage vorher Bescheid sagen, ob er kommt oder nicht, Und da haben wir gesagt: Das geht so nicht. Da sind zu viele Punkte, die einfach nicht machbar sind. Eines der drei wichtigsten Motive der Ausstellung hat sogar eine Verbindung nach Oldenburg. Was hat es damit auf sich? Ja, tatsächlich, Das Motiv mit den drei Imkern stammt von Jonas Kakó . Jonas hatten wir im letzten Jahr bei einer Sonntagsmatinee zu Gast. Nur drei Wochen später haben wir erfahren, dass er die Regionalentscheidung für Nord- und Zentralamerika gewonnen hat - mit einem Bild von seinem Projekt über das Austrocknen des Colorado River. Ein 30-jähriger Foto-Student aus Hannover hat also diese ganzen nordamerikanischen Profis ausgestochen mit seiner Arbeit - das war schon ein dickes Ding, Es macht uns natürlich auch ein bisschen stolz, dass wir bei der Auswahl unserer Gäste so ein gutes Händchen haben und wenn du dann merkst ‘Hey, der gewinnt so ein Ding, und wir haben ihn schon ein halbes Jahr vorher eingeladen.‘ Was ist das denn für ein Projekt von dem du sprichst? Es klingt, als wäre das längerfristig angelegt? Jonas Kakó ist den ganzen Colorado River abgefahren, über zweitausend Kilometer. Und dabei hat er festgestellt, dass es wirklich nicht mehr viel Wasser gibt. Auf dem Bild sind drei Imker zu sehen, die Bienenvölker am Fluss immer wieder mit Wasser versorgen müssen - das ist schon verrückt! Bei den diesjährigen Matineen haben wir sogar ein ganz ähnliches Thema. Es sind nämlich die beiden österreichischen Fotografinnen Stella Meyer und Sarah Schneider dabei, die in Chile gelebt haben - in einem Dorf, das kein Trinkwasser hat. Die Trinkwasserversorgung wurde nämlich noch unter Pinochet privatisiert und das ist seitdem nicht reformiert worden. Die Bevölkerung muss jeden Liter kaufen. Grundsätzlich plagen sich ja viele Leute mit der Schwere der Welt herum. Parallel gibt es die Vorstellung, dass bei der WPP eher belastende Bilder zu sehen sind. Kannst du das entkräften? Oder muss man einfach bereit sein, sich dem zu stellen, was gerade passiert in der Welt? Ich glaube, man muss sich dem stellen. Zum einen, weil die Welt eben so ist. Wir können keine andere zeigen als die, die wir haben, Allerdings ist die Auswahl nicht so schwer, wie man befürchten könnte. Es sind zwar Kriegsbilder aus der Ukraine zu sehen, aber aus Südamerika schickt niemand diese Bilder und aus Afrika auch nicht. Das heißt, die Entscheidung der Foundation, den Wettbewerb in Regionalentscheidungen aufzuteilen, hat auch für eine Vielfalt an Themen - auch leichteren - gesorgt. Der Klimawandel spielt zwar logischerweise eine Rolle, aber anders als man erwarten würde. Das Projekt von Jonas ist ein Beispiel, ein anderes ist die Alpaqueros -Geschichte von Alessandro Cinque aus den Anden. Bei ihr würde man erstmal gar nicht darauf kommen, dass sie mit dem Klima zu tun hat, Die Bauern dort müssen ihre Tiere in Zukunft tausend Meter tiefer in Zukunft züchten, weil es weiter oben schlicht nicht mehr möglich ist. Eine große Bandbreite zeichnet nicht nur die Themen der Fotos aus, sondern auch das Programm. Ihr gebt euch stets Mühe, das Thema Fotografieren in unterschiedlichen Kontexten zu zeigen. Die beliebten Matineen hast du schon erwähnt. Auf was dürfen wir uns noch freuen? Die Ausstellung wird wie gewohnt im Schloss zu sehen sein. Als Ergänzung werden wir wieder eine Sonderschau von „ The Everyday Projects “ zeigen, die es nirgendwo anders zu sehen gibt; dieses mal geht es um positive Beispiele im Umgang mit dem Klimawandel. Außerdem wird es ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmen, Workshops geben. Führungen wird es natürlich ebenfalls wieder geben, auch diejenige von Schüler:innen für Schüler:innen. Das ist ein richtiges Erfolgsmodell. Als wir im letzten Jahr beim Treffen der Ausrichterstädte in der Amsterdam waren, haben sich viele andere Städte danach erkundigt, wie das abläuft und wie man das umsetzen könnte - darunter zum Beispiel Barcelona. Das ist schon klasse. Das ist auch etwas, was uns aus Amsterdam immer wieder gespiegelt wird: Dass wir um die Ausstellung herum viel probieren und damit letztlich auch eine Inspiration für andere Orte sind. Theoretisch könnte ja jeder solche Ideen haben wie ihr, die meisten beschränken sich dann aber darauf, einfach die Bilder zu zeigen. Wie kam es eigentlich bei euch dazu, dass ihr gesagt habt: „Nein, das reicht uns nicht“? Wir sind ja eigentlich gar keine Ausstellungsmacher. Das ist ja überhaupt nicht unser Business. Das heißt, wir haben zu dieser Ausstellung über den Inhalt gefunden: Pressefreiheit, Presse, Fotografie und so weiter. Und dann haben wir uns früh die Frage gestellt: Hängen wir jetzt einfach nur die Bilder an die Wand? Oder machen wir mehr zum Thema, um andere Leute dahin locken zu können? Das ist ein ganz entscheidender Punkt, dass wir Lust drauf haben, dieses ganze Themenfeld abzudecken. Du hast lange als Journalist gearbeitet, bist ein leidenschaftlicher Erzähler. Spielt es eine Rolle, dass du eine redaktionelle Sicht auf die Dinge hast? Dass du also weißt, wie man Themen attraktiv aufbereiten kann? Ich glaube ja. Es ist eine unserer Stärken, dass wir ein Gespür für Themen haben und auch Geschichten finden, die nicht so naheliegend sind. Ich habe ein Beispiel: Wir hatten letztes Jahr zum ersten Mal Führungen mit einer Gebärdensprachdolmetscherin, Dieses Jahr werden wir eine Führung mit einem Blinden-Sprachführer anbieten (17. Februar, 11:30 Uhr). Der sitzt sonst im Stadion vom VfL Wolfsburg und von Hannover 96 und macht dort quasi Radioreport für Blinde und erzählt, was da gerade im Spiel passiert Das ist ein super Thema, um auch redaktionell was draus zu machen. Wie erkläre ich einem Blinden ein Bild? Sowas interessiert mich. Und wie ist es bei den Vorträgen? Wir haben da schon ganz tolle Geschichten erlebt, etwa Kriegsreporter Christoph Bangert im Spielraum des Staatstheaters. Muss man sich noch sehr bemühen, das Publikum für so etwas zu begeistern? Oder ist die Nachfrage nach neun Jahren WPP einfach da? Es ist sehr wechselhaft. In manchen Vorträgen saßen wir mit zwanzig Leuten - in anderen mit achtzig, neunzig und hätten sogar noch mehr haben können. Einen Termin habe ich noch genau vor Augen: 24. Februar 2022, Kriegsausbruch in der Ukraine. An dem Abend hatten wir hier mit Ursula Meissner Deutschlands renommierteste Krisen- und Kriegsfotografin zu Gast. Die saß genau an diesem Tag bei uns auf der Bühne. Wir hatten morgens erst 20 Karten verkauft, am Abend waren 125 Leute da. Dieser Zufall hat natürlich dafür gesorgt, dass das Interesse an dem Thema plötzlich viel größer war. Man kann sich vorstellen: Es war ein mulmiges Gespräch. Trotzdem war es eine große Bereicherung für alle. Niemand wusste so richtig Bescheid, was gerade passiert, aber Ursula Meissner konnte natürlich viele Dinge einordnen, weil sie entsprechende Erfahrungen schon gemacht hatte. Kleine Ahnengalerie: Die WPP in Oldenburg kann bereits auf eine eigene Geschichte zurückblicken. (Plakate: Mediavanti) In diesem Jahr haben wir Jonas Kakó noch einmal zu Gast. Sein Colorado River-Projekt stellt er im Schlosssaal vor. Wir haben einen Vortrag mit dem Fotografen Julius Schien , der die Orte rechtsradikaler Verbrechen in Deutschland fotografiert hat, Damit zeigt er nicht zuletzt, wie nah uns das im Grunde ist und wie sehr es jeden betreffen kann, weil das gar keine spektakulären Orte sind, sondern der profane Alltag. Wir glauben, dass dieses Thema großen Zuspruch finden wird. Das klingt tatsächlich so spannend, dass man sich die Tickets besser schnell besorgt. Das gilt so ähnlich aber auch für die fachlichen Veranstaltungen wie die Foto-Workshops. Die sind ja auch sehr beliebt ... Seit dem letztem Jahr bieten wir zusammen mit der Volkshochschule Workshops an. Mit Jan Rikus Hillmann ist zum Beispiel der bekannteste, beste, renommierteste deutsche Fotograf zu Gast, der schon ganz viel mit KI macht. Das ist ein reiner Profiworkshop, der stößt auf großes Interesse. Kein Wunder eigentlich, immerhin könnte diese Entwicklung bedeuten, dass es in Zukunft keine Stock-Fotografie mehr gibt. Was soll ich in Archiven rumsuchen, wenn mir die KI ein Bild erstellen kann? Große Nachfrage gibt es aber auch nach den Workshops mit thematischem Fokus wie die Street Photography mit Dirk Marwede oder Reisefotografie mit Volker Kunkel. WELCHES JAHR HABEN WIR DENN? Immer wieder entsteht leichte Verwirrung, um welchen Jahrgang es sich bei der jeweiligen World-Press-Photo-Ausstellung in Oldenburg handelt. Tatsächlich spielen gleich drei Jahre eine Rolle, obwohl die Fotos alle aus demselben Zeitraum stammen. Wir zeichnen die zeitliche Entwicklung nach. 2022 Fotograf:innen aus aller Welt schießen ihre Fotos an den Orten des Geschehens. Die gelungensten Ergebnisse reichen ihre Redaktionen, Kolleg:innen oder sie selbst bei der World Press Photo Foundation in Amsterdam ein, damit sie in die Auswahl zum Pressephoto des Jahres kommen. Insgesamt waren es diesmal über 60.000 Bilder von 3.752 Fotograf:innen aus 127 Ländern. 2023 Die Jurys verbringen die ersten Wochen des Jahres mit der Sichtung und Beurteilung der Einreichungen. In immer engeren Auswahlrunden werden dann die Pressebilder des Jahres festgelegt - inklusive des Gewinnerbildes. Obwohl die Bilder aus dem Jahr 2022 stammen, ist bei der Benennung das Jahr der Bekanntgabe ausschlaggebend. In diesem Fall also: World Press Photo 23. Im Anschluss daran wird eine Auswahl kuratiert, die dann weltweit auf Ausstellungtour geht. Diese läuft bis kurz vor der Bekanntgabe des Siegerbildes des Folgejahres, also etwa bis März. 2024 Die Tour der World Press Photo 23 kommt zum Ende des Ausstellungszyklus nach Oldenburg. Das ist aber nicht etwa der schlechteste Platz, sondern der beste. Denn alle, die die Ausstellung bis dahin verpasst hatten, kommen nun nach Oldenburg, um sie noch zu sehen. Zudem passt der Besuch perfekt in die noch kalte Jahreszeit. Die Zahlen bestätigen das eindrucksvoll. Und deshalb sieht man also im Jahr 2024 die Bilder, die im Jahr 2023 ausgewählt wurden, aber aus dem Jahr 2022 stammen. Alles klar? Bei der WPP haben wir also die Ausstellung, die Vorträge, die Workshops und noch mehr Rahmenprogramm. Glaubst du, dass man dadurch den Stellenwert der Fotografie und das Bewusstsein für ihre Präsenz im Alltag aufwertet? Ich denke schon, dass unser Bewusstsein für die Bedeutung der Pressefreiheit und der Fotografie durch die Auseinandersetzung größer wird. Bestimmte Themen würden wir ja überhaupt nicht vor Augen kriegen, wenn vor Ort nicht Pressefotograf:innen unterwegs wären. Etwa die Geschichte mit der Umsiedlung der Alpakas in den Anden: Da wäre ich im Leben nicht draufgekommen, dass da ein Problem liegen könnte, Die Bilder sagen nun etwas anderes. Wenn du an die Nachrichten aus aller Welt denkst: Was glaubst du, wie wichtig ist das Foto im Vergleich zu einer Meldung? Bilder emotionalisieren uns. Würden uns Nachrichten ohne sie ganz anders erreichen? Sie würden uns weniger interessieren. Ein schlicht vorgelesener Tagesschau-Text oder eine Radiomeldung saust schon eher an mir vorbei, als wenn ich da plötzlich ein Bild vor Augen habe. Ob das gut oder nicht gut ist, ist vielleicht eine andere Frage. Vielleicht hast du von der Diskussion in Budapest gehört? In der Ausstellung gibt es nämlich Bilder von den Philippinen über ein Seniorenheim für queere Menschen. Völlig harmlose Bilder, einfach nur Porträts. In Budapest war es dann aber so, dass die Ausstellung für Menschen unter 18 Jahren gesperrt wurde und der Direktor des Nationalmuseums entlassen wurde, weil er das genehmigt hatte. Das zeigt dann natürlich schon nochmal, wie wichtig es ist, dass solche Themen angesprochen werden und gezeigt werden. Mit der WPP steigt man zweifellos tief ein ins Weltgeschehen. Man sieht glücklicherweise leichtere Fotos, aber eben auch die schwere Kost. Gibt es eigentlich Besucher:innen, die damit nicht so gut klarkommen? Wie nimmst du Menschen wahr, die aus der Ausstellung kommen? Dazu drei kleine Erlebnisse. Das erste: Es ist immer sehr spannend, Schüler:innen zu beobachten. Wenn die zu Beginn die Treppen hochkommen in ihrer Gruppe, dann ist alles lustig und sie denken: Ach, das wird schon ganz witzig sein, was wir hier zu sehen kriegen. Wenn die gleichen Schüler:innen wieder runtergehen, sind sie mäuschenstill. Da ist dann schon eine Betroffenheit zu spüren. Das zweite kleine Erlebnis: In fast jedem Jahr sind Leute zu uns an den Infotisch gekommen, die Tränen in den Augen hatten. Von bestimmten Bildern wurden sie vorher so sehr bewegt, dass sie damit nicht zurecht kamen. Das Interessante war, dass es sich dabei nicht immer um die ganz harten Kriegsbilder handelte, sondern auch mal um was Schönes. Man fühlt einfach sehr stark in der Ausstellung. Und das dritte Erlebnis war, dass wir vor bestimmten Fotos regelrechte Diskussionen oder sogar Auseinandersetzungen erlebt haben. In einem Jahr wurden Bilder aus dem syrischen Bürgerkrieg gezeigt - und da stand dann ein Anhänger einem absoluten Gegner gegenüber. Sie haben noch nicht aufeinander eingeschlagen, aber es war kurz davor. Und das sind natürlich schon sehr besondere Momente. Das Tolle ist natürlich, dass so ein Haus wie das Landesmuseum tatsächlich als ein Ort des Austausches dienen kann - und zwar von Menschen, die vermutlich sonst überhaupt gar nicht miteinander ins Gespräch kommen. Alt und jung, reich und arm, links und rechts - oder zwei, die so ideologisch weit auseinander liegen wie gerade beschrieben. Du hast vorhin schon erwähnt, dass die Künstliche Intelligenz für die Stockfotografie eine akute Bedrohung darstellt. Gibt es eigentlich eine Positionierung der World Press Photo Foundation dazu? Schließlich könnte man ja auch ein dramatisches Pressebild von der KI erzeugen lassen. Es gab tatsächlich eine Auseinandersetzung darüber. Wir haben jetzt vier Wettbewerbskategorien: Single , Story, Long Term Project und das Open Format . Zu letzterer gab es im Vorfeld zum neuen Wettbewerb, die Information, dass auch KI-modifizierte Bilder eingereicht werden dürfen. Daraufhin gab es einen Sturm der Entrüstung von tausenden Fotograf:innen, unter ihnen auch die Gewinner:innen der letzten Jahre. Die Foundation hat dann eingelenkt und festgestellt: Nein, KI ist bei uns kein Thema, denn es geht um Fotos, nicht um Bilder. Das ist ist ihre Unterscheidung. Sie werden auch in diesem Jahr - wie in allen Jahren vorher auch - die Siegerfotos nochmal untersuchen lassen, ob da irgendwas gemacht wurde oder nicht. Dass sie KI zunächst zugelassen haben, war vielleicht auch ein Akt der Unbeholfenheit: Wie gehen wir jetzt mit diesem Thema um? Wir wollen ja auch nicht von gestern sein. Ihr habt ja immer unfassbar gute Besucherzahlen gehabt. Ist euch das heute noch wichtig? Oder habt ihr jetzt einfach ein Standing erarbeitet, bei dem ihr auf die Zahlen nicht mehr schauen müsst und die qualitativen Rückmeldungen wichtiger sind? Beides. Wir sind ja tatsächlich ein bisschen verwöhnt von den Besucherzahlen. Der Rekord mit 20.350 im Jahr 2020 war natürlich Wahnsinn! Ich bin mir aber sicher, dass ich da nicht wieder hin möchte. Die Bewältigung dieser Massen gab die Räumlichkeit irgendwann einfach nicht mehr her. Das ist schon eine Art von „Overtourism“ gewesen. Es gab Situationen an Sonntagen, da stand man nicht mehr in der zweiten oder dritten, sondern in der fünften oder sechsten Reihe vor einem Bild. Was sieht man dann noch? Ich wäre froh, wenn wir uns wieder bei, 15.000 bis 17.000 einpendeln, das wäre völlig okay, Gibt es nach all den Jahren eigentlich noch etwas, worauf du dich vorab wirklich freust? Sei es ein Ehrengast oder ein bestimmtes Veranstaltungselement? Meine Freude an der Sache hat immer ganz viel mit den Bildern zu tun. Wenn irgendwann die Sieger:innen aus den sechs Regionen feststehen, dann macht bei uns im Team ein kleines „Wettbüro“ auf: Wer gewinnt jetzt wohl? Und dabei spielen natürlich viele Aspekte eine Rolle. Was ist das schönste Bild? Und was ist das politisch relevanteste Bild? Was passt in diese Sieger-Reihe vielleicht rein, weil es eine eigene Bildsprache hat? Ab diesem Punkt wird's schon ein bisschen aufregend - und dann wundert man sich am Ende, wer schließlich gewonnen hat. Dieses Jahr hätten wir zwar erwartet, dass ein Ukrainebild gewinnt, weil es einfach das relevanteste Thema war - aber wir hatten nicht mit dem Bild gerechnet, das letztlich gewonnen hat. Wobei das „relevanteste Thema“ auch so eine Sache ist. Die Australier:innen sagen vielleicht: „Was interessiert uns der Krieg in der Ukraine? Bei uns um die Ecke in Westpapua tobt seit Jahrzehnten ein Bürgerkrieg, das kümmert niemanden!“ Was mir persönlich am meisten Spaß macht, ist die Zeit ab August, wenn wir anfangen, unser Rahmenprogramm zusammenzustellen. Man schaut dann zum Beispiel, wen man für die Matineen einladen könnte: Wer hat sich in den letzten Monaten profiliert mit einem spannenden Thema? Wo finde ich ein Foto-Talent, bei dem man anhand weniger Arbeiten merkt, das es was werden könnte? Zum Abschluss noch eine grundsätzliche Frage: Die World Press Photo Foundation gibt für die Ausstellungen ja die Bildauswahl und die Art der Präsentation vor. Gibt es eigentlich irgendwas, was dich daran stört oder was du gerne mal ganz anders hättest, aber nicht beeinflussen kannst? Also, das wir uns nicht missverstehen: Ich finde die Entscheidung, von diesen alten Kategorien auf den Regionalwettbewerb zu wechseln, vollkommen richtig, weil das die Augen für Regionen öffnet, die sonst eher nicht vorkommen. Ich glaube aber, dass wir von den alten Kategorien ein, zwei, drei mit hätten rüberretten sollen. Also, sagen wir mal, das beste Naturfoto oder das beste Sportfoto aus Asien, Afrika und Australien und so weiter. Das ist leider ein bisschen unter den Tisch gefallen, und das hören wir auch oft von Besuchenden. Aber es ist ja erst das dritte Mal mit der neuen Systematik. Man kann so früh noch gar nicht sagen, ob das geglückt ist oder nicht. Aber irgendwann müsste man mal eine Zwischenbilanz ziehen und gucken, wie sich das entwickelt hat. Und dann gibt es vielleicht eine Mischform aus beidem? Das fände ich auf jeden Fall sympathisch.
- KOLUMNE: ZAUBERHAFTE SCHWERE
Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Warum Anfänge in keine Schublade passen Es gibt eine alte Regel für alle, die sich hin und wieder in Kolumnen äußern dürfen: Wenn es um Anfänge geht, muss man vorsichtig sein. Allzu leicht tappt mit in die Kitsch- & Klischee-Falle und schwärmt von einem Zauber, der zwar da sein mag, der aber längst nicht alles ist. Schließlich gibt es auch den emotionalen Gegenpol, nämlich die sprichwörtliche Schwere. Was denn nun, fragt man sich beinahe – und favorisiert gedanklich schon das neutrale Bild des leeren Blatts, das einfach nur auf Geschichten wartet, wovon auch immer sie handeln mögen. Spätestens hier wird klar, warum es jene Regel gibt: Anfänge passen in keine philosophische Schublade. Zu vielschichtig sind sie in ihren Folgen und Wirkungen. Sie bedeuten zum Beispiel Abschied, weil zuvor etwas geendet ist. Sie bedeuten Unsicherheit, weil etwas Neues sich stets erst bewähren muss. Sie bedeuten Möglichkeiten, weil nichts weitergehen muss wie zuvor. Sie bedeuten Hoffnungen, denn wer etwas Neues entwirft, möchte damit auch Reaktionen hervorrufen. Üppige Angebote und offene Fragen Das neue Team des Staatstheaters durchläuft gerade einen dieser Anfänge. Und es wird mir vielleicht zustimmen, wenn ich feststelle, dass es eine schaurig-schöne Erfahrung ist. Nehmen wir einfach die Entscheidung, mit welchem Stück man in die neue Spielzeit startet. Da gibt es natürlich einen unschuldigen Zauber, wenn es darum geht, aus dem üppigen Angebot einen Stoff auszuwählen, mit dem man sich selbst profilieren kann, der auch dem Haus Respekt zollt, und der vielleicht sogar in die große Theaterwelt hinausstrahlt. Schwer wird es aber in jenem Moment, wenn man anhand unzähliger offener Fragen spürt, welch ungeheuren Aufwand es bedeutet, in einer völlig neuen Konstellation ein solches Projekt zu realisieren. Aber keine Sorge: Mit dem „Freischütz“ ist dem Staatstheater in jeder Hinsicht eine gute Wahl gelungen, auf die sich das Publikum unbedingt vorfreuen sollte. An einem Anfang stehen aktuell übrigens auch die anderen Oldenburger Theater: Nach der Spielpause starten sie in die neue Spielzeit. Das Theater Laboratorium macht bei seinem neuen Stück „Die seltsamen Anwandlungen des Leonard Haslinger“ schon mit dem Titel neugierig. Ab dem 2. Oktober wissen wir, ob es das Zeug zum Klassiker hat. Im theater hof/19 läuft mit „Das letzte Geschenk“ ab dem 4. Oktober ein gesellschaftskritisches Stück, dessen Premiere erst in diesem Februar stattfand und das für viele deshalb noch neu sein dürfte. Und das theater wrede+? Dessen Claim des theater wrede+ lautet „Theater von Anfang an“. Auf die „Kleine Wolke“ freut sich ab dem 22. September deshalb das ganz junge Theaterpublikum ab zwei Jahren. Der Neubeginn als Wesenskern Apropos Publikum: Das steht ebenfalls an einem Anfang, vor allem mit Blick auf das Staatstheater. Anfänge sind nämlich immer zweiseitige Angelegenheiten. Schließlich löst alles, was man beginnt, Reaktionen aus. Beim Theater ist dieses Prinzip sogar der Wesenskern der eigenen Existenz. Nun muss das Publikum das alte Haus neu kennen lernen. Es gibt viel Neugier und Vorfreude, hier und da aber auch leise Zweifel und manche plagt womöglich noch Abschiedsschmerz. Zum Glück muss sich aber niemand entscheiden, ob der Zauber oder die Schwere überwiegt. Als Bild taugt am besten tatsächlich das leere Blatt, das letztlich alle gemeinsam beschreiben: Theater, Publikum, Stadt. Und dieses Teamwork hat in Oldenburg noch immer bestens funktioniert. Wenn es um Anfänge geht, muss man tatsächlich vorsichtig sein. Es ist gut, dass es diese Regel gibt. Sie verhindert, dass Menschen wie ich in Momenten wie diesen ins Schwärmen geraten – oder dass sie sich mit akribischem Eifer auf die verbliebenen Unklarheiten stürzen. Klar ist auf jeden Fall: Anfänge bewegen die Menschen. Und bei einem Intendanzwechsel nach zehn Jahren darf man für alle Beteiligten feststellen: Mehr Bewegung geht kaum. Es gibt all das, was ich oben erwähnt habe: Unsicherheiten, Möglichkeiten, Hoffnungen, Erwartungen. Trotzdem sollte man die neue Spielzeit nicht gleich überfrachten. Natürlich ist sie er Kristallisationspunkt für alles Neue. Letztlich bildet sie aber nur den Auftakt für eine mehrjährige Intendanz, die sich immer weiterentwickeln wird – und die in Zukunft bessere Bedingungen haben wird als in den vergangenen Monaten. Wichtig ist: Oldenburg bekommt viele neue Ideen und Impulse. Davon können wir uns berühren und bewegen, irritieren und inspirieren lassen. Und ich behaupte: Dem wohnt tatsächlich ein Zauber inne! Sorry, aber so viel Kitsch und Klischee muss einfach sein.
- UNGEWOHNT OFFEN
Wie arbeiten eigentlich Künstler:innen? Es gibt dazu einige Klischees: manisch-expressiv, feinsinnig-sorgfältig - oder auch gar nicht. Was genau in den Ateliers passiert, wissen die meisten Außenstehenden jedoch nicht. Ein ewiges Geheimnis? Nein, denn alle zwei Jahre gibt es die Offenen ARTEliers. Sie laden alle Kunstinteressierten ein, sich ein Bild vom künstlerischen Schaffen zu machen - und etwaige Klischees zu bestätigen oder zu widerlegen. Sagen wir ruhig, wie es ist: In fremde Wohnungen und Häuser zu schauen, ist immer spannend. Wie andere Menschen leben, wie sie eingerichtet sind, was ihnen wichtig erscheint und wofür sie ihr Geld ausgeben - das interessiert uns einfach. Das ist die instinktive menschliche Neugier. Noch spannender wird es aber, wenn es um mehr geht als Zimmer, Küche, Bad. Dann, wenn in den Räumlichekiten mehr passiert als profaner Alltag. Zum Beispiel: Kunst. Genau die - bzw. die Orte ihrer Entstehung - gibt es Anfang September bei den Offenen ARTEliers zu sehen. Und der Blick hinter die Kulissen ist längst nicht alles. Genauso wichtig ist der Kontakt zu den Künstler:innen. Von ihnen erfahren die Besucher:innen, was sie inspiriert und motiviert - und manchmal sogar noch einiges mehr, OFFENE ARTELIERS 2024 STADT OLDENBURG: 7. UND 8. SEPTEMBER REGION OLDENBURG: 14. UND 15. SEPTEMBER JEWEILS 11 BIS 18 UHR FLYER Mehr Verständnis für Kunst Die meisten Menschen begegnen Kunst nur im Ergebnis. Sie sehen ein Werk dann, wenn es fertig ist - wenn es also in einer Galerie aufgehängt, auf einer Bühne präsentiert oder in einer Ausstellung gezeigt wird. So ist es prinzipiell auch gedacht, denn dort - sozusagen: in ihrem natürlichen Habitat - kann die Kunst am besten wirken. Sie wird perfekt inszeniert und beleuchtet, die Räumlichkeiten erlauben eine bewusste Annäherung. Und trotzdem ist das längst nicht alles. Denn ähnlich interessant wie jenes Ergebnis ist oft auch dessen Entstehung. Natürlich geht es um das fertige Bild, die vollendete Skulptur, die aufgeführte Performance. Aber der Weg dorthin hat einen eigenen Reiz. Was diente den Künstler:innen als Inspiration? Warum wählten sie die verwendeten Materialien? Was waren die Herausforderungen bei der Produktion? Was stand im Vorfeld fest, was ergab sich im Prozess? Die Antworten auf all diese Fragen liefern neue Einsichten und fördern das Verständnis. Je mehr die Betrachtenden über die Kunst wissen, desto besser können sie sie einordnen, verstehen - und genießen. Mittendrin statt außen vor Die Offenen ARTEliers sorgen auf eine einfache und unverbindliche, letztlich aber sehr effektive Weise dafür, dass die Kunstrezeption über die Werke hinausgeht. Sie machen sich dabei eben jene Neugier zunutze, die uns allen innewohnt und die überhaupt nichts schlechtes ist. Das Atelier einer Künstlerin oder eines Künstlers zu sehen - das ist einfach eine interessante Angelegenheit, eben weil viele Vorstellungen, Erwartungen und Klischees damit einhergehen. Etwa vierzig Künstler:innen aus Oldenburg öffnen ihre Räumlichkeiten am ersten Wochenende, etwa dreißig folgen eine Woche später im Umland. Das sind insgesamt siebzig Möglichkeiten, in die Welt der Kunst einzutauchen, Werkzeuge und Materialien zu sehen, Verfahren und Methoden kennenzulernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Vor allem aber sind es siebzig Gelegenheiten, mit den Künstler:innen ins Gespräch zu kommen. Und darin liegt auch für die Beteiligten ein großer Reiz, wie der Maler, Grafiker und Illustrator Norbert Egdorf bestätigt: „Die Offenen ARTEliers bieten mir eine einzigartige Gelegenheit, meine Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und direktes Feedback zu erhalten.“ Das Schöne sei die Möglichkeit zum Austausch — nicht nur mit anderen Künstler:innen, sondern vor allem mit den Gästen. „Die Offenen ARTEliers sind eine wunderbare Plattform, um die eigene Arbeit zu präsentieren, über den kreativen Prozess zu sprechen und zu erleben, wie Menschen auf die Kunst reagieren. Sie geben mir auch die Chance, mein Netzwerk zu erweitern und neue Verbindungen zu knüpfen.“ Offen für Gespräche Mit dieser Meinung ist Norbert keineswegs allein. Auch die Malerin Anke Ibe weiß die publikumswirksame Aktion sehr zu schätzen. Alle zwei Jahre könne sie bei den Offenen ARTEliers die gesamte Vielfalt ihrer Arbeiten aus 25 Jahren zeigen. Aber auch für Anke zählt insbesondere der persönliche Austausch: „Mich freut die Neugierde, das Interesse der Besucher:innen. Sie sind offen für Gespräche. Manche fragen auch sehr detailliert: Wie ist das Bild entstanden, mit welchem Material? Wie lange malen Sie daran?“ Man spüre, dass es ein großes Interesse gebe, die hier lebenden Künstler:innen in ihrer Arbeitsumgebung zu erleben. Schirin Khorram , ebenfalls Malerin, schließt sich an: „Für die Besucher:innen eröffnet sich durch diese Veranstaltung eine große Bandbreite an künstlerischen Stilrichtungen. Zudem entfällt die Hemmschwelle einer Galerie.“ Bei Schirin lohnt sich der Besuch übrigens auch aus einem anderen Grunde: Sie arbeitet im mittelalterlichen Degode-Haus. „Ich freue mich, dass die Leute bei mir nicht nur meine Kunst, sondern auch das historische Bauwerk einmal von innen erleben können.“ Hinter den Kulissen der Kunst Die Klischees zu den Arbeitsweisen von Künstler:innen existieren nicht ohne Grund. Manche agieren tatsächlich manisch-expressiv, andere wiederum feinsinnig-akribisch. Und es gibt auch jene, die am liebsten auf der faulen Haut liegen. Aber: Wie es wirklich ist und wie es sich anfühlt - das weiß man erst, wenn man die Künstler:innen besucht und mit ihnen gesprochen hat. Dafür bieten die Offenen ARTEliers eine einmalige Gelegenheit: Die Besucher:innen erhalten einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen der Kunst. Was es dort zu sehen und zu erfahren gibt, verändert den Blick auf die Werke. Also keine Scheu: Fahrt hin, schaut euch um, stellt Fragen - und dann wisst ihr, ob ein Klischee tatsächlich stimmt oder nicht. Uns wer weiß? Vielleicht geht es euch ja wie einst Schrin. Die verbindet nämlich eine besondere Geschichte mit diesem Veranstaltungsformat: „Ich habe meinen heutigen Mann bei den Offenen ARTEliers kennengelernt“, erzählt sie lachend - wohl wissend, dass ein solcher Fall die absolute Ausnahme bleiben dürfte. Vielleicht aber entdecken andere ja ihre Liebe zur Kunst? Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn die Atmosphäre ist bei den Arteliers eben: ungewohnt offen.
- PODCAST: FOLGE 30
Es gibt diese wunderbaren Geschichten immer wieder. Menschen, die eine Leidenschaft verfolgen, die mit sich ein Talent umhertragen, es dann eines schönen Tages auch Gott sei Dank zur Schau stellen, öffentlich mit der Welt teilen und dann das Erleben, was man häufig mit einem „raketenhaften Karrierestart“ umschreibt. Tahsim Durgun ist eine dieser Geschichten. Wir freuen uns riesig, dass wir mit dem Oldenburger zu dieser 30. Jubiläumsfolge sprechen durften und ihn euch vorstellen können - wenn ihr ihn nicht ohnehin schon längst kennt. Er kann sich mit vielen Begriffen anfreunden, die die Tätigkeit umschreiben, die ihm in den vergangenen Monaten deutschlandweite Bekanntheit bescherte: von Content Creator, über Satiriker bis hin zum Influencer sei irgendwie am Ende des Tages von allem etwas dabei ... und bald sogar noch die des Autors? Mit seinen humorvollen und authentischen Clips unterhält Lehramtsstudent Tahsim Durgun inzwischen sowohl auf TikTok als auch auf Instagram jeweils fast eine halbe Millionen Menschen. Clevere, satirische Kommentare zu gesellschaftlichen Geschehnissen wie dem Treffen in Potsdam oder den Geschehnissen auf Sylt, führten dazu, dass seine Reichweite explodierte, Politiker seine Sätze im Bundestag zitierten und er auch in der aktuellen Fernsehlandschaft immer wieder als Gast präsent ist. Mit "Tahsims Interview Format" kann er darüber hinaus auch eine eigene funk Show, dem Jugendprogramm von ARD und ZDF, sein eigen nennen, die gezielt im vertikalen 9:16 Format gefilmt und ebenfalls exklusiv auf TikTok ausgespielt wird. In dieser besonderen Folge sprechen wir mit Tahsim unter anderem über sein plötzliches Bekanntwerden und gehen dabei der Frage auf den Grund, inwiefern man das klassische Unterhaltungsfernsehen als Kulturgut sowie die Inhalte auf Social-Media-Plattformen wie TikTok sogar als dessen Weiterentwicklung begreifen kann und sollte! Zudem gibt Tahsim einen kleinen Ausblick, was man von ihm in Zukunft erwarten kann, welche Projekte anstehen und mit welchen er sich noch Träume erfüllen würde - aber das hört ihr euch am besten einfach selbst an... Wer den wunderbaren Content von Tahsim noch nicht kennen sollte, kann das auf seinen Social Media Kanälen jederzeit nachholen: TikTok: www.tiktok.com/@tahdur Instagram: www.instagram.com/tahdurr











