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  • GUTE AKUSTIK

    Ständig hören wir Songs von Stars aus aller Welt. Sie kommen aus London, Seoul oder Nashville, Tennessee. Aber wie sieht's eigentlich mit der eigenen Szene aus? Mit den Local Heroes aus Oldenburg? Geben wir es zu: Manchmal weiß man über die Heimat weniger als über den Rest der Welt . Wir wollen das ändern - und deshalb gibt es jetzt die Kulturschnack Acoustic Sessions! Was das ist? Erklären wir hier! Ruhiger Moment: Verschnaufpausen gab's nur wenige - und die wurden genutzt, um neue Ideen auszuprobieren. (Bild: Kulturschnack) Wir kennen das alle: Von unseren absoluten Lieblingsstars wissen wir manchmal sogar ihre Schuhgröße. Aber die Band von nebenan? Kennen wir irgendwie, sind aber leider noch nicht dazu gekommen, sie mal anzuhören. Diese Bands sind die Propheten im eigenen Lande: Manchmal ähnlich gut wie die Szenegrößen, aber eben ohne den Glamour des Fames. Dabei sind auch AnnenMayKantereit oder Giant Rooks so angefangen: Als Schülerbands, die alle irgendwie kennen, aber kaum jemand hört. Wir möchten das Sichtfeld der Oldenburger:innen etwas verändern. Zur guten Fernsicht sollte auch die Nahaufnahme hinzukommen. Natürlich darf man weiterhin Beyoncé, Drake, Dua Lipa oder David Guetta gut finden. Aber gleichzeitig sollte man auch diejenigen kennen, die in Eversten oder Donnerschwee proben und die im Cadillac oder der Umbaubar auftreten. Denn wer weiß? Vielleicht kommen die nächsten Stars aus eurer Nachbarschaft. Dann wäret ihr es, die den berühmten Satz sagen könnten „Ich kannte die schon, als die noch klein waren.“ Da geht einiges: Oldenburg ist zwar nicht New York, aber trotzdem ein sehr lebendiger Musikstandort mit vielen guten Künstler:innen und Bands. (Grafik: Kulturschnack) Hier spielt die Musik Wir wollten fürs Kennenlernen der lokalen Szene aber nicht einfach nur eine Linkliste aufsetzen und euch das Klicken überlassen. Wir wollten mehr. Deshalb haben wir auf eine persönlichere Variante gesetzt und sechs Bands zu uns eingeladen. Dabei ging es aber nicht einfach nur ums Quatschen, sondern auch ums Spielen - und zwar etwas Neues, das ihr nirgendwo sonst so hören und sehen könnt. Es entstanden die Kulturschnack Acoustic Sessions: Coole Location, entspannte Atmosphäre, reduzierter Sound und ganz viel Authentizität. Mit diesem Setup sind einzigartige Songs entstanden, mit denen ihr eine kleine Expedition in die Oldenburger Musikszene starten könnt. Denn wir haben uns das natürlich nicht einfachen nur angehört, wir haben die Performances professionell filmen und aufnehmen lassen. Und die Ergebnisse? Die teilen wir hier natürlich mit euch! Schärfer als die Realität? Die Auftritte der beteiligten Bands wurden in höchster Qualität abgefilmt - damit ihr den bestmöglichen Eindruck bekommt. (Bild: Kulturschnack) Und es gibt eine weitere gute Nachricht: Die Sessions sollen nicht etwa eine einmalige Sache sein, wir wollen sie fortsetzen. Pro Jahr produzieren wir einen Batch mit fünf bis sechs Acts und releasen die Tracks nach und nach auf unserer Website. Den Ort wollen wir dabei jedes Mal wechseln, er soll aber immer ein uniques Stück Oldenburg sein. So entsteht im Laufe der Zeit ein starkes Porträt der Oldenburger Musikszene - und zudem eine tolle Sammlung akustischer Songs. Wann und wie ihr eventuell sogar Teil der nächsten Staffel werden könnt, erfahrt ihr dabei hier bei uns zu gegebener Zeit! Hier hört ihr sie alle! Die vollständige YouTube-Playlist zur ersten Staffel Main Act: Local Hero Das Ziel der Acoustic Sessions ist es, ein möglichst repräsentatives Bild der Oldenburger Szene entstehen zu lassen. Das kann bedeuten, dass es mehr Rock- als Jazz-Bands sind, dass der Altersdurchschnitt niedriger ist als in der Gesamtbevölkerung oder dass womöglich auch das Geschlechterverhältnis nicht zu jedem Zeitpunkt ausgeglichen ist. Wir haben zwar das Ziel, eine große Bandbreite zu zeigen, aber letztlich wollen wir die Realität nicht verzerren - und können es auch nicht. So oder so wissen wir nach dem ersten Batch, dass unser Experiment wunderbar funktioniert. Wir hatten sechs großartige Bands bzw. Künstler:innen zu Gast, die starke Songs im Gepäck und richtig viel Bock auf das Projekt hatten. Unser Dank geht an alle Beteiligten: Vor allem und ganz besonders an die Musiker:innen, aber auch an unser Team um Jan-Niklas Behrens  ( JNB Media ), Nicolas Domogalla  ( Boxhall Audio ) und Sören Bockhoop  ( Fotografie-OL ) sowie an Ole Oetken für die Location! Atmosphärisch: Der Fazer war im Dauereinsatz, aber auch der Raum sorgte für dien richtigen Session-Spirit. (Bild: Kulturschnack) Ab Dienstag, den 19. März ist es so weit: Dann werden wir alle zwei Wochen eine neue Performance auf dem Kulturschnack veröffentlichen; jeweils auch immer mit einem eigenen Beitrag. So bekommt ihr einen ersten Eindruck davon, was in Oldenburg so geht - und einen Vorgeschmack auf das, was in Zukunft noch kommt. Und ihr werdet sehen: Man muss nicht New York sein, um eine coole Musikszene zu haben. Hunte statt Hudson, Bümmerstede statt Brooklyn - das funktioniert!

  • ACOUSTIC SESSION: O.K.KUPER

    Für die Gründung einer neuen Band ist es nie zu spät und die Welt muss man mit seinen Songs auch nicht immer zwangläufig erobern wollen, um trotzdem musikalische sowie lyrische Schätze auf aller höchstem Niveau zu fabrizieren! Das beweisen Klaus, Olav, Andreas und Hendrik mit ihrer Band o.k.kuper, auch bei dieser neuen Kulturschnack Acoustic Session, meisterhaft! Wir schreiben das Jahr 2012. Hendrik und Olav, Sänger und Schlagzeuger, möchten eine neue Band gründen und suchen Gefährten für ihr Anliegen. Auf der damaligen Plattform der Stunde MySpace (erinnert ihr euch noch daran?) lädt Hendrik als Referenz eine akustische Skizze hoch, die einen Eindruck vermitteln soll, wohin die Reise der zukünftigen Band idealerweise gehen soll. Diese besagte Skizze trägt den Titel "Hamburg". Ein Aushang samt - nach eigener Aussage - albernem Foto an der Pinnwand eines Gitarrenladens und eine eBay Kleinanzeige unter der Rubrik "Gitarristen, gebraucht" später waren Bassist Andreas sowie Gitarrist Klaus gefunden und die Band somit vollständig. Nun musste ein passender Name her! Nach endlosen Listen und Ideen für einen passenden steht dann plötzlich das Wort "Kuper" im Raum. Eine Referenz literarischen Ursprungs, die auf die Romanfigur Daniel Kuper aus dem Buch " Gegen die Welt " von Jan Brandt aus dem Jahr 2013 zurückgeht. Alle hatten es gelesen, alle fanden es toll und konnten sich darin wiederfinden. Stimmungen erzeugen: Diese Kunstform beherrscht die Band nicht nur musikalisch. (Bild: o.k.kuper) Doch etwas fehlte ihnen noch! Also schrieben sie kurzerhand alles klein, fügten noch ein "o" dazu, ein "k" an den Anfang und setzten dazwischen jeweils einen Punkt - o.k.kuper war geboren! „Uns war klar, dass das Ganze etwas sperrig ist, aber genau so wollten wir das, weil es gut zu uns passt.", schmunzelt Bassist Andreas. Weniger ist mehr Jahre zogen ins Land, in denen die Jungs in einer Scheune unweit von Oldenburg an ihren gemeinsamen Werken tüftelten, feilten, bis jeder Ton und jede Nuance an der richtigen Stelle saß. Ihr wisst doch: Gut Ding will Weile haben! Und gute, sogar wirklich tolle Dinge sind in der Tat entstanden! Denn 2018 erschien mit "Midori No Hi" ein 14 Songs starkes Debütalbum, das eben kein billiges Starterpaket war, sondern ein ausgereiftes Alterswerk, glasklar im Sound und mit Texten, die wirklich in die Tiefe gehen und bei denen man besser ein zweites Mal hinhört. Nichts Exaltiertes, nichts Prätentiöses, sondern Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang - that's it und mehr braucht es auch nicht! Zwei Alben, siebenundzwanzig Songs: Die Diskographie von o.k.kuper ist üppiger als es zunächst scheint. Deutlich schneller, schon drei Jahre später im Jahr 2021, veröffentlicht die Band dann mitten in die Corona Zeit hinein ihr bisher letztes und somit aktuelles Album „Allein sein im Chor“. 13 Songs, live eingespielt und über weite Strecken roh und kantig belassen. Die Lieder sind dabei Stationen, an denen manchmal gehalten, durch die manchmal aber auch mit unvermindertem Tempo durchgefahren wird. Und manchmal hebt der Waggon auch einfach ab. Doch halt, stop! Mitten auf der Fahrt durch das Album, quasi genau in der Mitte, ziehen wir die Notbremse. Denn da ist ein Song, den kennen wir doch. Er trägt ein rockiges Gewand und trägt den Titel: „Hamburg“. Ein Kreis schließt sich Denn nun schreiben wir das Jahr 2024 und der Song mit dem irgendwie alles für die Band so richtig begann, findet wieder zu seiner damaligen, akustischen Form zurück und ist Teil der Kulturschnack Acoustic Sessions! Da schließt sich förmlich ein Kreis. "So etwas ist ja immer spannend, denn es gilt die alte Weisheit, dass man einen guten Song auch zur Gitarre am Lagerfeuer spielen können muss – man ist bei so einer 'stripped down'- Version dann plötzlich ohne Netz aus 'fetten Sounds' ganz auf die Essenz aus Text, Melodie und schlichter Akkordbegleitung gestellt, und das lässt einen den Song wieder ganz anders hören.", so die Band. In ihrem Element: o.k.kuper kreieren mir ihrer Musik eine ganz eigene Atmosphäre. (Bild: Kulturschnack) Als waschechte Local Heroes liegt ihnen Oldenburg natürlich besonders am Herzen. "Für uns war – auch wenn wir schon öfter auswärts gespielt haben, sogar einmal in Hamburg – das heimische Publikum immer das wichtigste, so wie wir uns von vornherein als Teil einer lokalen Szene verstanden haben. Was ja, angesichts der in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Qualität hiesiger Acts, für sich genommen bereits eine Ehre darstellt!", betonen alle vier gemeinsam und fügen ergänzend hinzu: "Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es für Bands von entscheidender Bedeutung ist, überhaupt wahrgenommen zu werden – so etwas motiviert zum Weitermachen und so bietet der Kulturschnack hier wirklich eine Bereicherung der Kulturszene." Ihr möchtet noch mehr von o.k.kuper entdecken? Hier geht es weiter!

  • ACOUSTIC SESSION: CATAPULTS

    Die vier Jungs von Catapults gehören definitiv zu den bekannteren Gesichtern der Oldenburger Musikszene. Innerhalb ihres Genres Emo-/Pop-Punk haben sie sich deutschlandweit eine große Fangemeinde erspielt und sie finden inzwischen auch im Ausland bis in die USA immer mehr Hörer:innen. Woran das liegt? Das hört, seht und lest ihr hier! November 2017, draußen ist es kalt, dunkel und trüb. Und zwar so sehr, dass die vier Kumpels Joost Rademacher, Maurice Gärtner, Lars Bannasch und Malte Grätsch beschließen: Kommt, lass uns ne Band gründen. Die Vorbilder waren - und sind zum Teil heute noch - die vielen guten Pop-Punk-Bands mit Emo-Vibe, die sich seinerzeit in der Szene tummelten . Das heißt: Upbeat, Powerchords und Singalongs treffen auf Emotionalität und Tiefgründigkeit. Zu den bekanntesten Vertretern des Genres gehören The Wonder Years , Fall Out Boy, Spanish Love Songs. Diese Entscheidung sollte ihre Leben deutlicher verändern, als ihnen damals bewusst war. Denn wie die meisten Bandgründungen war sie just for fun, also ohne große Pläne und Ambitionen. Die mag es bis heute nicht konkret geben - doch die Entwicklung könnte kaum besser sein. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass die Jungs von Anfang an die berühmten „Hummeln im Mors" hatten. Denn nur wenig Monate nach der Bandengründung lieferten sie mit „Cold Alley" bereits ihre Debüt-EP ab. Aus heutiger Sicht klingt sie holpriger als spätere Releases - in Anbetracht der kurzen Existenz der Band war sie aber geradezu atemberaubend gut. Nette Jungs: Catapults sind entspannt und nahbar, performen live aber wie Vollprofis. {Bild: Connor McBriarty) Respekt und Liebe Fast forward: Nach einer zweiten EP folgte auf dem deutschen Label Uncle M die Veröffentlichung des Debüt-Longplayers „I'll be honest...“. Und wir sind auch ganz ehrlich: Hier ist ein Quantensprung zu hören, den deutschlandweit auch andere registrierten. Für Catapults stellte diese Platte eine Art Durchbruch dar, der ihnen neben dem Respekt der Szene nun auch echte Fanliebe einbrachte. Danach ging es munter weiter, es sollten noch zwei EPs folgen, mit dem kanadischen Durchstarter Youth Fountain veröffentlichte man eine gemeinsame Single. Dass man die Grenzen des Genres gerne auch mal hinter sich lässt, zeugte insbesondere die „Acoustic Adventures", bei denen Catapults ihre softere Seite zeigten - und damit genauso überzeugten. Reduced to the Max Zu den Sessions musste man Gitarrist Maurice und Sänger Joost deshalb gar nicht lange überreden: „Es war nicht die erste akustische Session im Zweiergespann und außerdem spiele ich zuhause recht viel mit der Akustikgitarre“, erklärt Maurice. Oftmals entstünden auch Songideen zunächst unverstärkt. „Natürlich ist die Intensität eine andere, aber auch mit einer Akustikgitarre und einem Gesang kann man viel Dynamik in eine Performance bringen.“ - was die beiden bei den Acoustic Sessions eindrucksvoll belegten. Alles im Kasten: Von der Catapults-Aufnahme entgeht euch nichts. (Bild: Kulturschnack) Insgesamt unterscheiden sich die Tracks aber deutlich vom üblichen Material der Emo-Punks. „Der Reiz besteht darin zu sehen, ob die Songs stark heruntergebrochen immer noch gut funktionieren und Emotionen transportieren können“, erzählt Maurice. Man müsse ein wenig mit verschiedenen performativen Werkzeugen herumprobieren und teils die Songs auch leicht umarrangieren. „Ein Gitarrensolo ist ohne Rhythmusgitarre und mit nur einer Akustikgitarre schwierig umzusetzen. Dann überlegt man, ob man den Part kürzt oder vielleicht etwas anderes spielt, was ebenfalls dazu passt. Und dieser Prozess ist für mich der Reiz daran!“ Home Sweet Home Dass die Sessions in Oldenburg stattfanden, liegt zwar in der Natur der Sache - finden die Catapults aber trotzdem wichtig. „ Die Hometown ist immer noch der wichtigste  Ort für uns“, erklärt Maurice. „Immer wieder kehrt man hierhin zurück, egal wo man letzte Nacht gespielt hat.“ In Oldenburg habe man auch die ersten Fans gewonnen, die ersten Songs geschrieben, das erste Konzert gespielt und die ersten beiden EPs aufgenommen. Mit der Heimatliebe übertreiben will es das Quartett jedoch nicht: „Wir hatten von Anfang an das Kredo, nicht zu oft in Oldenburg und Umgebung zu spielen, damit die Leute immer noch zu unseren Konzerten kommen, wenn wir dann doch mindestens das Jahresabschlusskonzert hier spielen“ verrate der Gitarrist. Und das scheint zu funktionieren: „Von Jahr zu Jahr immer voller!“ Kann sich sehen lassen: Die Diskographie von Catapults wächst kontinuierlich. Auf die Frage, was ihnen an den Acoustic Sessions besonders gefallen hat, gibt Sänger Joost eine zutiefst aufrichtige Antwort: „Die Brezeln!", lobt er lachend unser exquisites Catering. Dann gibt es aber doch noch tiefere Einblicke: „ Spaß beiseite, die ganze Aufmachung der Location war natürlich sehr schick, da haben alle ‘nen super Job gemacht, um die Halle schön heimelig zu machen.“ Generell sei die Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort klasse gewesen, vom Empfang bis zur Produktion selbst. „Es ist immer schön, Leute am Start zu haben, bei denen man merkt, dass man zwischen den Takes ein bisschen Stuss labern kann, aber alle voll am Start sind, wenn es erstmal ans Eingemachte geht.“ Und das ging es - wie ihr oben seht. Ihr möchtet noch mehr von Catapults entdecken? Hier geht es weiter!

  • KOLUMNE: FEIERTAG MIT FUßNOTE

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Theaterarbeit: Auch bei den Proben - wie hier zu „The Turn of the Screw“ - geht es zur Sache. (Bild: Stephan Walzl) Der März ist ein Monat der Feiertage. Für mich geht es schon am ersten Tag los: Meteorologischer Frühlingsanfang, der Winter ist offiziell vorbei! Und nur eine Woche später steht ein weiteres wichtiges Datum an: Der Internationale Tag der Frauenrechte am 8. März. Er ist mir besonders wichtig, weil Frauen meinen persönlichen Erfahrungen nach ziemlich großartig sind. Mir fehlt jedes Verständnis, warum man irgendeine Form von Benachteiligung tolerieren sollte. Wer an jenem Tag also ein entsprechendes Zeichen setzen will, sollte das unbedingt tun – an den folgenden 364 Tagen aber bitte auch.   Von ein em anderen Feiertag habe ich erst vor Kurzem erfahren, obwohl er vom International Theatre Institute ITI scho n seit 1961 initiiert wurde. Wovon ich rede? Vom Welttheatertag am 27. März – und der ist in dieser Kolumne natürlich noch besser aufgehoben als Frühlingsanfang und Weltfrauentag. Er soll an die vielen Qualitäten, vor allem aber an die gesellschaftliche Rolle des Theaters erinnern. Für ihn gilt aber dasselbe wie für den Tag der Frauenrechte: Er ist nicht nur lobenswert, er ist auch nötig. Denn obwohl eigentlich alle wissen, was sie am Bühnengeschehen haben, spiegelt der Alltag diese Wertschätzung nicht immer wieder.     Zwischen Bühne und Bingewatching   Wie bitte, fragen jetzt manche. Die Bedeutung des Theaters ist doch vollkommen unumstritten! Und wahrscheinlich sind wir – die wir eine Theaterzeitung lesen – alle dieser Meinung. Aber weiten wir mal unseren Blick, gehen wir raus aus unserer Kultur-Bubble und schauen wir mal auf die Gesamtgesellschaft. Ist die Bedeutung des Theaters tatsächlich unumstritten? Oder gibt es da nicht vielleicht doch die einen oder anderen, die es nicht so sehr vor die Bühne zieht, weil sie Special Effects und Second Screen vermissen? Und sind diese „einen oder anderen“ in Wahrheit nicht sogar die große Mehrheit der Bevölkerung? Diese Wahrheit tut weh, aber man muss feststellen: So ist es. Der Welttag des Theaters ist deshalb zweierlei. Einerseits: Ein Feiertag! Wir feiern die Bühnen und das, was auf ihnen passiert! Wir feiern Talent und Kreativität, wir feiern Leidenschaft und Energie, wir feiern Inspiration und Provokation. Und wir feiern natürlich auch das, was diese Dinge in uns auslösen. Denn manchmal ändern die Momente im Theatersessel mehr in uns als wir zunächst glauben; jedenfalls häufiger als es auf der heimischen Couch passiert, während wie wieder einmal drei Dinge gleichzeitig tun.   Und andererseits? Ist dieser Welttheatertag auch eine Mahnung. Wir dürfen uns leider nicht darauf verlassen, dass die Theaterlandschaft ein sich selbst erhaltendes System ist, das unaufhörlich Stimulationen in unsere Gesellschaft spült. Damit sie diese Funktion übernehmen und noch breiter wirken kann, muss man für die Theater werben. Und das eben nicht nur in der erwähnten Bubble, sondern auch darüber hinaus. Bei jenen, die statt Bühne lieber Bingewatching wählen. Wer am 27. März also ein entsprechendes Zeichen setzen will, sollte das unbedingt tun – an den folgenden 364 Tagen aber bitte auch.   Von Wegmarken und Visionen   Diese zwei Ebenen – zwischen Feiertag und Mahnung - erinnern uns erneut an was? Genau, an den Weltfrauentag. Und in beiden Fällen ist die Gewichtung genau richtig. Wir dürfen uns durchaus über den Status Quo freuen und alle Fortschritte feiern, die bis hierhin gemacht wurde. Wir sollten das sogar, schließlich brauchen wir „Good Vibes“ im Leben! Aber nur, weil schon etwas erreicht worden ist und Teile der Gesellschaft etwas schätzen oder sogar lieben, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass wir am Ziel sind. Es ist wichtig, bestimmte Wegmarken und Visionen tief zu verinnerlichen, damit sie dauerhaft auf der Agenda bleiben. Und das betrifft viele im Kern absolut positive Themen, die aber Veränderungen von uns verlangen – wie etwa den Klima- und Naturschutz.   Den Theatern dieser Welt wäre jede Aufmerksamkeit zu wünschen. Denn es ist ja nicht so, dass sie nur bloße Unterhaltung böten, die uns zwei Stunden Zerstreuung bescheren und sich danach verflüchtigen wie eine Schallwelle. Es ist so viel mehr! Deshalb sollten wir den Welttag der Theater gebührend begehen und für ihre Bedeutung werben. Dann haben wir einen Grund mehr, auch den 20. März zu genießen. Warum? Es ist der International Day of Happiness der Vereinten Nationen! Ich hab’s ja gesagt: Der März ist ein Monat der Feiertage.

  • OLDENBURG: OSCARREIF

    Viele kennen die Geschichte: Schauspielstar Keira Knightley war einst beim Filmfest in Oldenburg zu Gast, bevor sie kurze Zeit später weltberühmt wurde. Dass diese Anekdote in Erinnerung blieb, wundert nicht: Stars faszinieren uns. Der Markenkern des Oldenburger Festivals sind allerdings die Menschen hinter der Kamera. Und auch von ihnen sind immer wieder welche zu Gast, die Chancen auf den großen Durchbruch haben. Nun ist es einem gelungen. Und wie! Vier gewinnt: Regisseur Sean Baker stellte bei den Oscar-Verleihungen einen neuen Rekord auf - zehn Jahre, nachdem er in Oldenburg zu Gast war. (Bild: OTM/Shutterstock) Es war 2015. Der Kulturschnack lag noch in weiter Ferne, er war zu diesem Zeitpunkt nicht mal eine lose Idee, Warum auch? Ich war seinerzeit Redenschreiber im Rathaus und hatte ziemlich viel Spaß an diesem Job. Und obwohl ich in dieser Rolle bis zu 250 Texte pro Jahr produzierte, reichte mir das nicht. Zusätzlich tobte ich mich im Herbst bei einem Nebenprojekt aus. Es hieß „offblogger“ - und wie der Name schon andeutet, handelte es sich ein Blog, der von den vielen kleinen und großen Geschehnissen rund ums Internationale Filmfest Oldenburg berichtete. Es war mein zweites Jahr bei „offblogger“, als ein junger Regisseur namens Sean Baker in Oldenburg zu Gast war. Ich erinnere mich noch gut daran, dass sein Film „Tangerine“ ( Trailer ) in aller Munde war, denn er zählte zu den ersten, die komplett auf einem iPhone gedreht worden waren. Damals war das spektakulär und viele zweifelten, dass der Streifen die nötige Qualität haben könnte. Doch: Die hatte er - obwohl er nicht einmal 100.000 Dollar gekostet hatte. Wer ihn seinerzeit bei den beiden Filmfest-Screenings erlebte, konnte sich dem authentischen Reiz des Transgender-Prostitution-Dramas nur schwer entziehen. Und wer irgendwo in Oldenburg mit Sean Baker sprach, konnte ebenfalls spüren: That's a man on a mission. Alle waren überzeugt, dass er seinen Weg gehen würde - wenn auch damals noch niemand ahnte, was folgen würde. Gern gesehener Festivalgast: Sean Baker beim Toronto International Film Festival (TIFF) im Jahr 2024. (Bild: Wikipedia / CC BY-SA 4.0 ) Durchgehend herausragend Der große Applaus in Oldenburg blieb kein Einzelfall: „Tangerine“ feierte - später mit dem Zusatz „L.A.“ - weltweit große Erfolge, zumindest in Independent-Maßstäben. Beim Szene-Portal Rotten Tomatoes sind 96% aller Kritiken positiv, die Durchschnittsnote beträgt 7,9/10 - herausragende Werte. Kein Wunder, dass er bei seinem nächste Film „The Florida Project“ ( Trailer ) nicht mehr aus Kostengründen aufs iPhone angewiesen war, mit Willem Dafoe einen echten Star im Cast hatte und 2017 auf den Filmfestspielen in Cannes zu Gast war. Und auch hier: 96% positive Kririken, Dutschnittsnote 8,8. Nachdem auch der nächste Film „Red Rocket“ ( Trailer ) von der Kritik als überaus gelungene Milieustudie im Sexworker-Bereich gefeiert wurde, sollte das nächste Werk „Anora“ ( Trailer ) in eine andere, massentauglichere Richtung gehen. Treu blieb sich Sean Baker zwar insofern, dass er auch hier die Handlung um eine Stripperin strickte und mit einem äußerst schmalen Budget von 6 Mio. Dollar auskam. Jedoch handelt es sich bei „Anora“ um eine „Romantic Dramedy“, die vielerorts bereits als „Pretty Woman 2.0“ bezeichnet wurde. Warum? Das deutet ein Blick auf die Handlung an: Anora, eine Sexarbeiterin aus New York, heiratet spontan einen russischen Oligarchen-Sohn - dessen Eltern sind aber alles andere als einverstanden damit sind. Kleine Filmographie: Zwar hatte Sean Baker auch vor „Tangerine L.A.“ schon vier Filme gedreht, wie zeigen hier aber nur die Entwicklung ab diesem Zeitpunkt. (Bilder: Verleihe) Wer ist schon Walt Disney? Sean Baker traf mit seinem Kompromiss aus seinen bisherigen Filmen und ein wenig mehr Mass Appeal einen Nerv. Bei seiner Weltpremiere in Cannes dauerte der Applaus nach dem Screening nicht weniger als zehn Minuten. Da wunderte es niemanden mehr, dass die Goldene Palme für den besten Film schließlich an „Anora“ ging - und Baker somit zu einem der Favoriten für die Oscar-Verleihungen Anfang März 2025 wurde. Wer ihm einst in Oldenburg begegnet war, konnte sich bestätigt fühlen - wenn auch sich etwas Ungläubigkeit in die Gedanken gemischt haben dürfte. Das Ausmaß des Erfolgs dürfte auch Baker selbst überrascht haben: In sechs Kategorien wurde „Anora“ nominiert und in gleich vier von ihnen sollte die begehrte Statue an ihn gehen: Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Schnitt. Und damit nicht genug: einen weiteren Oscar gewann seine Hauptdarstellerin Mikey Madison . Bakers Trophäenquartett bedeutete einen legendären Rekord: Vier Oscars an einem Abend hatte vor Sean Baker nur ein gewisser Walt Disney gewonnen - und das nicht für einen einzigen Film. In ihrer Dankesrede betonten Sean Baker und sein Produzent Alex Coco die Bedeutung des Kinos in un ruhigen Zeiten, aber auch die Qualitäten und Möglichkeiten des Independent-Films. „Mehr davon!“, forderte Coco gar. Studio-Bosse, die Baker gedanklich bereits für die nächste Marvel-Inszenierung eingeplant hatten, mussten nach diesen Worten noch einmal umdenken. Hahn (im Korb) mit Hund: Sean Baker hatte auch schon 2015 unverkennbar das Potenzial zum Star - auch wenn Festivalchef Torsten Neumann andere Dinge im Blick hat. (Bild: Filmfest Oldenburg) Festival der Chancen Auf globaler Ebene sorgte die Rede für etliche Aha-Momente: Großes Kino ist also nicht abhängig von großen Budgets? Starke Filme entstehen nicht durch kaltes Kalkü l oder teuer eingekaufte Lizenzen ? Das war für manche neu - in Oldenburg aber hat das niemanden überrascht. Durch das Internationale Filmfest ist an der Hunte längst bekannt, was weite Teile der Filmwelt erst nach den Oscar-Verleihungen am 2. März 2025 begriffen: Kino definiert sich nicht über Kosten. Starke Filme sind auch möglich, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen. Und manchmal braucht es nur ein iPhone dafür. Der Beweis: Keira Knightley war tatsächlich in Oldenburg - allerdings schon 2001, vor der ganz großen Karriere. (Bild: Filmfest Oldenburg) Natürlich laufen bei einem Independent-Filmfest wie jenem in Oldenburg auch mal Streifen, die schwer zugänglich sind oder die beim Massenpublikum einfach nicht zünden. Das habe ich seinerzeit als offblogger, aber auch davor und danach immer wieder mal erlebt. Zum Wesen eines Experiments gehört eben auch, dass es schiefgehen kann. Es gibt also keine Garantie, dass man auch den nächsten Oscar-Rekordhalter zuvor in Oldenburg sehen kann. Diese Unvorhersehbarkeit ist im Zeitalter der Algorithmen etwas angenehm unangepasstes. Das Oldenburger Festival bietet aber ganz sicher eines: Chancen. Wir haben hier vor unserer Haustür die Gelegenheit, echte Entdeckungen zu machen. Wer 2015 mit dabei war, hat sofort gespürt, dass mit Sean Baker jemand Besonderes zu Gast war - auch wenn man nicht Teil des offblogger-Teams war. Sein Film „Tangerine“ war bei weitem nicht der einzige, aber einer der besten Beweise dafür, dass es eben nicht nur obskure Machwerke sind, die beim Internationalen Filmfest Oldenburg laufen, sondern in bestem Sinne eigentümliche Werke von charakterstarken Menschen. Mit etwas Glück sind darunter auch vielversprechende Werke von Filmemacher:innen, die zehn Jahre später erfolgreicher sind als Walt Disney. Und die nächste Keira Knightley? Schaut sicher auch mal vorbei.

  • THEATER HOF/19: HÖCHSTE WEIHEN

    Was hat das kleine theater hof/19 mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, den Münchner Kammerspielen und den Staatstheatern aus Karlsruhe, Braunschweig und Gießen gemeinsam? Sie alle gehören zu insgesamt nur 23 Institutionen, die vom Fonds Zero der Kulturstiftung des Bundes gefördert werden. Wie ist es dem Außenseiter aus Oldenburg gelungen, sich im Konzert der Großen zu behaupten? Darüber haben wir mit Theaterleiterin Frauke Allwardt gesprochen. Null Emissionen: Mit einer Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes plant das theater hof/19 ein klimaneutrales Kulturereignis rund ums Fahrrad. (Bild: Kulturschnack) Akteuer:innen in der freien Kulturszene lernen früh und oft, mit Enttäuschungen zu leben. Längst nicht jede gute Idee lässt sich auch umsetzen, denn auch die genialsten Einfälle brauchen vor allem eines: Geld. Deshalb gehört das Schreiben von Förderanträgen ebenso zum Alltagsgeschäft von Kulturschaffenden wie die kreative Arbeit. Allerdings haben längst nicht alle Anträge auch Erfolg. Allzu oft gelingt es nicht, die Mittelgeber:innen von der Qualität der eigenen Idee zu überzeugen. Oder aber: Sie ist eben doch nicht so gut, wie man dachte. Umso schöner ist es, wenn plötzlich eine gute Nachricht eintrifft, die in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten war. Genau das war nun beim theater hof/19 der Fall -und davon hat ganz Oldenburg etwas. THEATER HOF/19 FIETS! - CYCLE & RECYCLE EIN KLIMANEUTRALES THEATERPROJEKT GEFÖRDERT VOM FONDS ZER0 DER KULTURSTIFTUNG DES BUNDES AB HERBST 2025 Im Konzert der Großen Wenn man darüber nachdenkt, welche Bereiche unserer Gesellschaft beim Thema Klimaneutralität besonders in der Verantwortung stehen, dann landet man schnell bei den üblichen Verdächtigen: Industrie und Produktion, Logistik und Transport, Massentierhaltung. Aber die Kultur? Fällt einem nicht so schnell ein. Und doch hat die Kulturstiftung des Bundes im Jahr 2023 den „ Fonds Zer0 “ aufgelegt, der Kulturproduktionen fördert, die klimaneutral realisiert werden. Insgesamt 25 Theater haben bei der Premiere eine Gesamtförderung von 3,04 Mio. Euro erhalten, rechnerisch über 120.000 Euro pro Einrichtung. Eine Entwicklung, die auch Frauke Allwardt vom theater hof/19 registrierte. Zwar waren vor allem große Häuser erfolgreich, zusammen mit Marie-Luise Gunst , die als Schauspielerin und Musikerin seit über zehn Jahren zum „ freien ensemble theater hof 19 “ gehört, entschied sie sich jedoch, ein Zeichen zu setzen: Mit einer Bewerbung wollte sie einerseits beweisen, dass auch kleine Theater Verantwortung übernehmen können. Andererseits ging es ihr aber auch um das Thema selbst: „Nachhaltigkeit brennt uns seit Langem unter den Nägeln. Und zwar nicht ökologisch, sondern auch kulturell und sozial.“ Klare Beweislage: Das Publikum des theater hof/19 kommt größtenteils mit dem Rad. Dennoch bleibt die Mobilität der größte Emissionstreiber. (Bild: theater hof/19) Die Kultur geht voraus An dieser Konstellation zeigt sich einmal mehr, dass die Kulturszene bei gesellschaftspolitischen Themen eine Vorreiterrolle übernimmt und sie früher durchdekliniert als große Teile der Wirtschaft. Es scheint der Szene in den Genen zu stecken, die Gesellschaft der Gegenwart genau zu beobachten und sie in einen Zusammenhang mit der Zukunft zu stellen. Wofür andere Task Forces zusammenstellen und Masterpläne entwerfen, folgt die Kultur einfach ihrem „Bauchgefühl“ - und liegt meist richtig damit. Allerdings sieht Frauke durchaus auch eine Verantwortung: „Die Kultur erzeugt ebenfalls klimaschädliche Emissionen. Vielleicht nicht so sehr durch die Produktionen - aber durch das Publikum, das zu den Veranstaltungen anreist.“ Wenn ein Konzert mit hunderten Besucher:innen stattfindet, zählen zu dessen Klimabilanz nicht nur Strom und Gas, sondern auch die Kraftstoffemissionen der Gäste. „Dafür braucht es Konzepte. Wir als Veranstalter können uns da nicht rauswinden und behaupten, wir hätten darauf keinen Einfluss'. Wir sind Verursacher, weil wir hier Theater anbieten. Das ist etwas, das uns angeht. Da können wir nicht sagen: 'Keine Ahnung, ist nicht mein Problem.'“ Zusammen in die Zukunft: Das Team hinter „FIETS!“ - ganz links Frauke Allwardt, vorne in der Mitte Dieter Hinrichs. (Bild: theater hof/19) Fietsen for Future Das theater hof/19 gehört dabei noch zu den geringen Emittenten: „Wir sind ein kleines Haus mit hundert Plätzen und unser Publikum kommt zur Hälfte mit dem Fahrrad“, blickt sie auf die eigene Bilanz. Dennoch spielt das Thema Klimaneutralität eine Rolle: „Bei unser eigenen Klimabilanzierung hat sich deutlich gezeigt, dass mit einem Anteil von 68 Prozent die Mobilität das entscheidende Problem ist.“ Und da ist es bereits gefallen: Das entscheidende Stichwort. Denn passend zur Klimaneutralität der Produktion beschäftigt sich das theater hof/19 auch inhaltlich mit einem wesentlichen Faktor des zukünftigen Stadtverkehrs: Dem Fahrrad. Das noch zu erarbeitende Stück wird nämlich „FIETS!“ heißen. Und wer jemals einen Fuß über unsere westliche Landesgrenze gesetzt hat, weiß vermutlich schon: Es ist das niederländische Wort für Fahrrad. „Oldenburg rühmt sich ja damit, die Fahrradstadt schlechthin zu sein“, weiß Frauke. Allerdings bedeute das nicht, dass bereits alles perfekt sei. „Für uns steht fest: Das Fahrrad ist das städtische Verkehrsmittel der Zukunft. Und da zeigen Städte wie Utrecht und Kopenhagen , dass noch viel mehr möglich ist.“ Aus diesen Sätzen wird bereits deutlich, dass sich das kleine Theater nicht damit begnügen wird, eine bunte Fahrrad-Show auf die Bühne zu bringen. Vielmehr wird es darum gehen, das Thema mit künstlerischen Mitteln zu betrachten und dabei auch neue Perspektiven zu entdecken. Bedeutungsvoll aber ausbaufähig: Das Thema Rad bewegt die Menschen, die Qualität der Infrastruktur kann mit dieser Wertschätzung aber nicht mithalten. Oldenburg kam beim ADFC-Fahrradranking 2022 übrigens auf Rang 4 bei Großstädten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohner:innen - allerdings mit einer ausbaufähigen Durchschnittsnote von 3,61. (Grafiken: ADFC) Klimaneutral durch Kreativität Dass sich die Produktion des theater hof/19 auch inhaltlich mit der Klimafrage auseinandersetzt, ist übrigens nicht die Regel. „Andere beschäftigen sich ebenfalls mit spannenden Fragen, das Staatstheater Braunschweig etwa mit einem nachhaltigen Werkstoff für den Bühnenbau“, berichtet Frauke. „Uns war aber die inhaltliche Auseinandersetzung wichtig, weil uns das Thema schon so lange bewegt.“ Nun macht es verkehrspolitisch natürlich viel Sinn, sich mit der Radnutzung auseinanderzusetzen. Was hat das aber mit Kultur - und genauer gesagt: Theater - zu tun? Die Antwort ist klar: Mehr als man zunächst denkt. „Wir wollen schauen, wie Kultur positiven Einfluss haben kann auf das Verhalten und auf das Bewusstsein der Menschen, damit diese Stadt eine Chance hat klimaneutral zu werden.“ KULTURSTIFTUNG DES BUNDES DAS ENGAGEMENT FÜRS KLIMA Das theater hof/19 war bei der zweiten Runde des „Fonds Zer0“ erfolgreich. Dieses Format ist aber nicht der einzige Akzent der Kulturstiftung des Bundes in diesem Bereich. Es gibt noch einige mehr. Key Visual des Fonds Zero (Grafik: Kulturstiftung des Bundes) Zunächst einmal bearbeitet der Fonds Zer0 das Thema in drei Schritten: Erstens in der antragsoffenen Projektförderung, zweitens mit  Fortbildungs- und Qualifizierungs-Maßnahmen im Rahmen der „Akademie Zer0“ und drittens mit einem Wissenstransfer in regionalen Netzwerktreffen für das gesamte Bundesgebiet („Netzwerk Zer0“). Das heißt also: Es soll und wird Multiplikatoreneffekte geben, die Erkenntnisse in ein neues Selbstverständnis bei Kulturproduktionen übertragen. Die geförderten Projekte darf man in diesem Zusammenhang auch als Best Practices verstehen, die anderen als Vorbild dienen können. Dazu passen andere Aktivitäten der Kulturstiftung. So veröffentlichte sie im Jahr 2023 den Leitfaden „ Veranstaltungen klimabewusst planen und umsetze n“ ( Download ). Er versetzt Akteur:innen auf sehr einfache Weise - nämlich auf gerade mal 10 Seiten - in die Lage, ihr Projekt möglichst ressourcenschonend und emissionsarm zu realisieren. Key Visual des Leitfadens klimabewusste Veranstaltungen . (Grafik: Kulturstiftung des Bundes) Die hohe Zugänglichkeit ist dabei der Schlüssel. Denn wir kennen keine Kulturakteur:innen, die sich danach sehnen, möglichst noch mehr kryptisch-komplexe Formulare auszufüllen. Einfachheit ist Trumpf - und die wird hier erreicht, ohne Substanz dafür zu opfern. Mit 30 Seiten deutlich komplexer, aber trotzdem mit klarer Hands-on-Mentalität ist eine weitere Publikation: „ Einfach machen - Ein Kompass für ökologisch nachhaltiges Produzieren im Kulturbereich “. ( Download ) In einfachen Schritten („Vorsorgen“, „Besorgen“, „Entsorgen“) gibt der locker aufbereitete Leitfaden viele Anregungen, Tipps und Links, um das eigenen Kulturformat möglichst umweltschonend durchzuführen. Obwohl dabei vieles zu beachten ist, wirkt die Aufgabe dank dieser Orientierung eher spielerisch als anstrengend. Lust auf Veränderung Tatsächlich macht es Sinn, an dieser Stelle keine weitere Tagung mit renommierten Fachleuten durchzuführen, sondern stattdessen mit kreativen Mitteln zu agieren. „Der Kultur gelingt es mehr als anderen - wie etwa der Politik - ein Thema positiv zu betrachten“, weiß Frauke aus Erfahrung. Sie nähere sich dem Thema nämlich über sinnliche Erfahrungen an, biete neue Blickwinkel und appelliere nicht ausschließlich an Intellekt und Vernunft. „In der ästhetischen Praxis geht es auch nicht darum, Antworten zu finden, sondern vielleicht neue Fragen zu stellen, sich neu zu sortieren und Begegnungen mit anderen zu haben.“ Gerade letzteres sei eine Stärke der Kultur und spiele auch bei „FIETS!“ eine große Rolle. Wenn das Stück im Herbst 2025 Premiere feiern wird, dann wird es zwar große Substanz haben, etwas anderes wird man aber vergeblich suchen: einen erhobenen Zeigefinger. „Es wird einerseits eine tiefgründige, andererseits aber auch eine humorvoll-positive Inszenierung“, erklärt Frauke. Es ginge nicht etwa darum, ein bestimmtes Verhalten anzumahnen, sondern bestenfalls Lust darauf zu machen. Halb Saal, halb Labor: Hier werden in den kommenden Monaten die weiteren Produktionsphasen von „FIETS!“ durchlaufen. (Bild: theater hof/19) Nachhaltig nachhaltig An den konkreten Inhalten arbeitet das theater hof/19-Team derzeit noch. Fest steht aber bereits, dass später sechs Künstler:innen auf der Bühne stehen werden. „Es wird viel mit Musik, Bewegung und Tanz passieren. Und wer uns als Theater kennt, weiß dass der Spaß nicht zu kurz kommt und dass wir neue Blickwinkel auf ein altes Problem werfen. “ Dabei werden auch Situationen eine Rolle spielen, die wir alle aus dem Alltag kennen - und die Gefühle, die damit einhergehen: „Im Auto bist du eigentlich immer allein. Jeder sitzt in seiner Blechkiste, fährt vor sich hin, hat keinen Kontakt nach außen.“ Mit dem Fahrrad sei das ganz anders. „Auf dem Rad bist du voll dabei, nimmst Eindrücke direkt auf, kannst besser interagieren.“ Deshalb diene das Rad auch als Symbol und als Startpunkt für viel abstraktere Denkweisen. Auch wenn das Ensemble des theater hof/19 nun mit großer Begeisterung die performativen Elemente von „FIETS!“ entwickelt, wird es dabei nicht bleiben. Die Förderung durch die Kulturstiftung sei ein willkommener Anlass, größer zu denken als sonst - also auch über den Bühnenrand und die Haustür des Theaters hinaus. „Ich kann mir vorstellen, dass es Diskussionsrunden geben wird, dass es vielleicht auch außerhalb dieses Theaters Aktionen gibt, die in die Stadt reinstrahlen und auch wieder zurückkommen können“, gewährt Frauke einen Einblick in aktuelle Überlegungen. Geplant sei auf jeden Fall, ein Netzwerk mit anderen städtischen Akteur:innen entstehen zu lassen, das im Rahmen des Projekts zusammenfindet - und idealerweise danach bestehen bleibt. Eben: nachhaltig. Ampel auf grün: Das Fahrrad ist die Zukunft des städtischen Verkehrs. Auf dem Weg dorthin ist jedoch noch vieles zu tun. (Bild: Shutterstock) Emissionsfrei zum Erfolg Man muss das Ganze loben: Sowohl die Tatsache, dass die Kulturstiftung des Bundes mit „Zer0“ ein Programm aufgelegt hat, das die Klimaneutralität in der Kultur thematisch verankert - als auch den erfolgreichen Antrag des theater hof/19. Es hat durchaus Chuzpe verlangt, sich als kleines freies Theater gegen die Szenegrößen behaupten zu wollen. Doch der Erfolg zeigt: Der Jury war das gerade recht. Schließlich sendet der Erfolg ein starkes Signal aus: Wenn es auch die Kleinen schaffen - welche Ausreden haben dann noch die Großen? Natürlich wird jetzt nicht plötzlich jede Kulturveranstaltung klimaneutral sein. Aber dass die Szene - anders als andere Bereiche der Gesellschaft - gedanklich bereits auf dem Weg dorthin ist, darf man durchaus mit einem gewissen Stolz beobachten. Freuen wir uns darüber, dass Oldenburg mit dem theater hof/19 einen Aktivposten in diesem Bereich hat und dass der Antrag für den „Fonds Zer0“ eben keine Enttäuschung bedeutete, sondern Erfolg hatte. Denn diese Förderung der Kulturstiftung des Bundes bedeutet für das Theater und für die Stadt: höchste Weihen.

  • ZWISCHEN KUNST UND RECHT

    Für gewöhnlich wird ein Gericht von einem ganz bestimmten Kreis an Personen betreten, nämlich Klägern, Beklagten, Zeugen oder Anwältinnen und Anwälten. Umso überraschender, wenn man sich dort in einer völlig anderen Rolle wiederfindet: als kunstbegeisterter Mensch. Denn im Rahmen der Reihe "Kunst trifft Recht" öffnet sich das Sozialgericht Oldenburg bereits seit vielen Jahren auch für die breite Öffentlichkeit. Wir haben uns die aktuelle Ausstellung "Sozialbericht" von Kerstin Kramer vor Ort angeschaut und ein Spannungsgefüge vorgefunden, das uns alle betrifft. Zahlreiche Ebenen zwischen Realität und Fiktion. (Bild: "WorkEatBalance", Kerstin Kramer) - KUNST TRIFFT RECHT - KERSTIN KRAMER "SOZIALBERICHT" - NOCH BIS 21. MAI 2025 - MO-DO: 09:00 - 15:00 UHR Fr: 09:00 - 12:00 UHR SOZIALGERICHT OLDENBURG ELISABETH-ANNA-PALAIS SCHLOSSWALL 16 Schon nach dem Betreten des Sozialgerichts im Elisabeth-Anna-Palais am Oldenburger Schlosswall ist ganz schnell klar: das hier wird eine Ausstellungsbesichtigung der etwas anderen Art. Denn während man ansonsten für gewöhnlich ganz unbefangen den Ort des Geschehens, also eine Galerie oder ein Museum, betritt, schreitet man hier zur Anmeldung an das Fenster der jeweiligen Justizbeamten. Für einen kurzen Moment ist der Zweck des Besuchs für die Person auf der anderen Seite der Scheibe völlig ungewiss. Doch hat sich das Sozialgericht Oldenburg bewusst dafür entschieden, seine Türen nicht nur der eigentlichen Interessengruppe, also für gewöhnlich Klagenden sowie Beklagten, zu öffnen sondern der Allgemeinheit ganz grundsätzlich. Also auch denjenigen, die womöglich noch nie ein Gericht von innen gesehen haben oder unter anderen Umständen nie sehen würden. Szenische, fast filmische Anmutungen. (Bild: "Die Last der Welt", Kerstin Kramer) Das ganze hat etwas Aufregendes. Nachdem der Einlass in die Räumlichkeiten des Gerichts gewährt wurde, ist das erste, was das Auge erblickt, ein Metalldetektor, wobei man mit dem Blick durch diese "Pforte der Sicherheit" bereits die ersten ausgestellten Werke an den Wänden des altehrwürdigen Elisabeth-Anna-Palais erspähen kann. Nichts könnte hierbei ein passenderes Bild abgeben für das Format selbst, diese beiden vermeintlich konträren Welten, die hier im Sozialgericht in Zusammenarbeit mit der AG Kunst der Oldenburgischen Landschaft aufeinandertreffen: "Kunst trifft Recht" Match Made in Heaven Regionalen Künstlerinnen und Künstlern wie Kerstin Kramer bietet sich dabei eine besondere Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Ergänzt werden die Ausstellungen durch ein Rahmenprogramm, bei dem die gezeigten Werke durch andere Kunstgattungen in Form von Crossovern vor Ort nochmal in neue Kontexte gesetzt werden. Zudem wird hier natürlich auch maßgeblich von den örtlichen Rahmenbedingungen profitiert, da auch das Gebäude selbst zur Wirkung der Kunst beiträgt. Das Palais, gelegen direkt am Schlossgarten und errichtet am Ende des 19. Jahrhundert, ist ein Bauwerk voller Geschichte. Ursprünglich als gemeinsame Residenz für den Großherzog Friedrich August und seine Frau Elisabeth Anna von Preußen konzipiert, hebt sich seine Architektur mit den vielen Verzierungen im Mauerwerk und dem einprägsamen "Zwiebeldach" von der Atmosphäre moderner Verwaltungsbauten im besten Sinne deutlich ab. Das Sozialgericht Oldenburg. Ein wirklich besonderer Ort um Kunst zu erleben. ( Foto: AG Kunst der Oldenburgischen Landschaft) Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel "Sozialbericht" gibt einen Einblick in den Schaffensprozess einer Künstlerin, der es - so beschreibt es Kerstin Kramer selbst - immer um die Beziehung zwischen den Menschen gehe. Inge von Danckelman von der AG Kunst der Oldenburgischen Landschaft fügt hierbei hinzu: "Ihre Arbeiten thematisieren das soziale Miteinander in herausfordernden Zeiten: Wie gelingt die Balance zwischen Nähe und Rückzug? Was gibt uns Sicherheit? Mit Farben, Stiften und Stein erkundet sie diese Fragen auf vielschichtige Weise und aus überraschenden Blickwinkeln. Dabei hat sie ein geschärftes Auge für die Beziehungen zwischen Menschen, Dingen und Räumen. [...] Ihre Kunst bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Realität und Traum, zwischen Erinnerung und Vergänglichkeit. Menschen erscheinen darin nicht als feste Individuen, sondern als fragile Fragmente - in einem Schwebezustand zwischen Präsenz und Auflösung." Gerade durch diesen Umstand, dieses auszeichnende Element ihrer Werke, entsteht eine Dynamik, die im Zusammenspiel mit der Szenerie des Ortes ein Abbild unserer Gesellschaft entstehen lässt und so zum "Match Made in Heaven" wird. Der Raum, den wir Leben nennen Denn ein Gericht als solches ist für gewöhnlich ein Ort der Struktur und Klarheit. Menschen betreten angespannt zu ihren festgesetzten Terminen die Säle ihrer Prozesse und erhoffen sich eine eindeutige Aussage, eine Entscheidung, ein Urteil. Die Justiz unternimmt tagtäglich den Versuch, anhand von Beweisen und Indizien den Nebel zu lichten und die letztendliche Bewertung eines geschilderten Sachverhaltes anhand der existierenden Gesetze zu ermöglichen. Es ist ein Ort der Regulationen, der festen Regeln, vorgeschriebenen Abläufen und Zugangskontrollen. Parallele Realitäten, die Freiraum für die eigenen Interpretationen lassen. (Bild: "Die goldenen Zeiten sind vorbei", Kerstin Kramer) Die Arbeiten von Kerstin Kramer, die sich den Menschen präsentieren, bevor sie letztlich eben jene Gerichtssäle betreten, sind dabei oftmals das genaue Gegenteil dessen. Sie setzen auf den Wert der Vieldeutigkeit, symbolisieren die volle Freiheit des Gedankenspiels, möchten sich aus dem Korsett vorgefertigter Annahmen lösen und verweigern eine klare Aussage. Sie fordern eine ganz persönliche Interpretation von den Betrachterinnen und Betrachtern ein, die auch niemand sonst zwangsweise teilen muss. Während der Prozess auf klarer Rationalität basiert, spricht die Kunst ganz bewusst die Sprache der Emotionen. Sie berührt, sie irritiert, sie entzieht sich oft der reinen Logik. So wird ein Ort zur Versinnbildlichung unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Denn auch unser Alltag außerhalb von juristischen Auseinandersetzungen und Gerichtsprozessen ist immer ein Aushandeln und eine ganz persönliche Interpretation dessen, wie wir unser Leben führen möchten. Doch wie auch im Elisabeth-Anna-Palais umringt diese stetige Verhandlungsmasse, die wir mit unseren Mitmenschen teilen, das Recht, das die Rahmenbedingungen für diesen Prozess vorgibt. So bleibt abschließend zu hoffen, dass das Sozialgericht noch viele weitere Jahre seine Türen für diese Begegnungen im stetigen Spannungsverhältnis öffnen wird. Denn genau hier, zwischen Gesetz und Freiheit, zwischen Regelwerk und der kreativen Ungewissheit, entsteht eben jener gesellschaftliche Raum, den wir unser aller Leben nennen. Das macht die Reihe "Kunst trifft Recht" als solche und auch "Sozialbericht" von Kerstin Kramer zu einer Ausstellungserfahrung, die man selbst erlebt haben sollte - auch wenn man keine "Vorladung" erhalten hat. ;-)

  • STAATSAKT #6: HECTOR SIEN REIS

    Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen! Bombastisch: Bei diesem Bild handelt es sich nicht etwa um einen Filmausschnitt, sondern um das Bühnenbild von „Hector sien Reis or de Söök na't Glück“ im Oldenburgischen Staatstheater. (Bild: Stephan Walzl) Weltweit sprechen etwa 2,2 Millionen Menschen Platt. Überraschenderweise tun sie das nicht nur in Ovelgönne und Friesoythe, sondern auch in Kanada und Brasilien. Aber hier, in unserer Region, ist natürlich das Epizentrum des Niederdeutschen. Nicht von ungefähr gibt es einen entsprechenden Bachelor-Studiengang an der Carl von Ossietzky Universität und das Niederdeutsche Bühne am Oldenburgischen Staatstheater. Sie ist die Heimat des Schauspiels auf Platt. Aber was für Stoffe gibt es eigentlich zu sehen? Sind es die typischen Schenkelklopfer-Komödien im Dorfkrug-Setting? Oder steckt sehr viel mehr im Niederdeutschen Theater? Und ob, stellt sich im Kulturschnack Staatsakt Nr. 6 heraus, der das Stück „ Hector sien Reis or de Söök na't Glück “ unter die Lupe nimmt. Hauptdarsteller Florian Pelzer - schon selbst kein typischer Plattschnacker - erzählt, warum der literarische Welterfolg von François Lelord auf Platt nicht nur funktioniert, sondern sogar noch an Reiz gewinnt. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER HECTOR SIEN REIS OR DE SÖÖK NA’T GLÜCK NACH DEM ROMAN VON FRANÇOIS LELORD SA 22. FEBRUAR, 20 UHR ( TICKETS ) SO 2. MÄRZ, 18.30 UHR ( TICKETS ) S0 9. MÄRZ, 18.30 UHR ( TICKETS ) MO 10. MÄRZ, 20 UHR ( TICKETS ) SO 16. MÄRZ, 15.30 UHR ( TICKETS ) SA 29. MÄRZ, 20 UHR ( TICKETS ) KLEINES HAUS THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG S E C H S T E R S T A A T S A K T E R S T E R A U F T R I T T Ein großzügig verglaster Raum mit Blick auf die Villen des Dobbenviertels, eine strahlende Wintersonne erhellt den frostigen Tag. Verschiedene ältere Möbelstücke stehen ungeordnet herum. Zwei Kultur-Redakteure prüfen und justieren die Blickwinkel der aufgestellten Kameras. Der Gesprächspartner erscheint pünktlich und gut gelaunt. Er freut sich auf das anstehende Gepräch. Voll bei der Sache: Für Florian Pelzer ist das Theater nur ein Hobby. Seine Leidenschaft ist jedoch deutlich spürbar. (Bild: Kulturschnack) THORSTEN Hi Florian. Cool, dass du dir die Zeit genommen hast! FLORIAN Voll gerne. Ich freu mich total, dass wir mit dem Niederdeutschen Schauspiel beim „Staatsakt“ dabei sein können. THORSTEN Die Freude liegt ganz bei uns! Kev, startest du die Kameras? KEVIN Die laufen schon längst! (Florian und Thorsten quatschen noch kurz über Alltägliche, etwa seine Anfahrt aus Bremen. Dann beginnt das Gespräch.) THORSTEN   Wir müssen heute mit einem Bekenntnis starten: Der Kulturschnack ist ein Etikettenschwindel! „Schnack“ ist ja ein plattdeutsches Wort. Aber wir sprechen gar kein Platt! Oder, Kevin? KEVIN Nope! THORSTEN Siehste, dachte ich doch. Aber wie war das bei dir, Florian? Wir ist es dazu gekommen, dass du platt schnackst? FLORIAN   Sehr gute Frage. ( überlegt kurz ) Das hat- wie bei vielen wahrscheinlich - über die Familie angefangen. M eine Großeltern haben zuhause immer plattgeschnackt. Wenn ich bei ihnen zu Besuch war und mit am Esstisch saß, dann haben Oma und Opa zusammen immer Platt gesprochen. Und wie das dann eben so ist: Wenn man das verstehen und mitreden will, dann muss man eben die Wortlaute aufgreifen.Ich hab die Sprache als Kind also zunächst über das Hören und danach über das eigene Anwenden gelernt. THORSTEN   Ist das nur passiert, um bei Oma und Opa mitschnacken zu können? Oder hat die Sprache für dich auch einen Reiz? Was gefällt dir daran? FLORIAN Zu Beginn war es wirklich nur, um Teil des Gesprächs sein zu können. Relativ schnell habe ich dann aber gemerkt, dass diese Sprache zur norddeutschen und zur Oldenburger Kultur gehört. Oldenburg ist ja diese schöne Kombination aus Stadt und Land, alles unweit voneinander entfernt. Und gerade wenn man raus aufs Land fährt, dann ist das Platt auch noch eine feste Instanz. Letztlich ist es auch eine Frage der regionalen Identität. Ich bin gebürtiger Norddeutscher und gebürtiger Oldenburger. Für mich war es schnell klar, dass es deshalb auch zu meiner Identität gehört. Alles nach Plan? Auf der Suche nach dem Glück begibt sich Hector alias Florian Pelzer auf eine Reise um die Welt (Bild: Stephan Walzl) THORSTEN   Und wenn du es mit dem Hochdeutschen vergleichst: Macht es dir besonders viel Spaß, Platt zu sprechen, weil es doch etwas anders ist? FLORIAN   Auf jeden Fall! Es macht wahnsinnig viel Spaß. Privat spreche ich es mittlerweile nur selten, was ich ganz schade finde. Deswegen ist das Theaterspielen eine schöne Abwechslung. Und immer, wenn ich anfange, einen Text zu lernen und auf der Bühne zu spielen, merke ich, wie schade es eigentlich ist, dass man das viel zu selten macht . Es gibt fast nichts, was auf Platt unangenehm rüberkommt. Selbst wenn man negative Sachen ausspricht, klingt es doch immer irgendwie schön. Die Sprache hat einen angenehmen Singsang und eine große Wärme. THORSTEN Ja, selbst wenn man auf Platt flucht wie ein Kesselflicker, ist niemand böse Würdest du deshalb sagen, Platt eignet sich gut als Bühnensprache? Macht es bestimmte Dinge möglich, die auf Hochdeutsch vielleicht gar nicht so gut funktionieren würden ? FLORIAN     Das ist für mich schwierig zu vergleichen, weil ich bisher wenig auf Hochdeutsch gespielt habe. Plattdeutsch ist ja oft sehr breit und sehr melodisch. Ich glaube, das macht es für manche Zuschauer:innen angenehmer, dem Stück zu folgen. Du hast es ja gerade gesagt: Selbst wenn man flucht, hat das immer noch etwas Schönes. Ich glaube, dass man im Plattdeutschen viele Theaterstücke positiver rüberbringen kann als im Hochdeutschen, weil die Aussprache dort oft sehr hart ist. THORSTEN   Andersrum gefragt: Würde ein betont düsterer Stoff wie „Macbeth“ auf Platt funktionieren? FLORIAN Schwierig. Ich glaube, es würde funktionieren, aber es hätte einen ganz anderen Charakter. Es würde nicht „Macbeth“ sein, wie es gerade im Staatstheater gespielt wurde. Es wäre einfach ein anderes Stück. Das Prinzip gilt auch für „Hector sien Reis“. Unser Regisseur Nils Braun hat es ja vorher in Freiberg auch auf Hochdeutsch inszeniert und er sagte selber, das es nun einen ganz anderen Charakter bekommen hat. Es sei viel weicher, viel angenehmer, viel herzlicher. Ich glaube, „Macbeth“ würde auf Platt funktionieren, aber es wäre halt nicht „Macbeth“, wie wir es kennen. THORSTEN   Na, das wäre doch mal ein Experiment wert! Vielleicht erleben wir das in einer der kommenden Spielzeiten. FLORIAN  ( lacht ) Super gerne! Ich wär dabei! Vorbilder: Das Buch von François Lelord und die Verfilmung von Peter Chelsom sind weltweitn bekannt. Auf Platt gewinnt der Stoff aber neue Facetten hinzu. (Bilder: Piper Verlag, Eurovideo) THORSTEN     Kommen wir mal zu „Hector sien Reis“. Die Buchvorlage von François Lelord war vor zwanzig Jahre ein Riesenerfolg, es wurde später auch verfilmt . Ich nehme trotzdem an, dass die Handlung nicht jeder kennt. Kannst du kurz beschreiben, worum es geht? FLORIAN    Hector ist ein Psychiater, der gerade mehr oder weniger in einer Midlife-Crisis steckt. Er kriegt immer mehr mit, dass seine Patienten traurig und unglücklich sind. Er hinterfragt daraufhin nicht nur sich selbst, sondern generell dieses Unglück. Wo kommt das her und wie kann man es vielleicht verändern? Auf der Suche nach Antworten begibt er sich dann auf eine Reise um die Welt und lernt dort unterschiedlichste Persönlichkeiten kennen, die alle eine andere Definition von Glück mitbringen. Er versucht, daraus dann Schlüsse für sich selbst und sein eigenes Leben, aber auch für das Glück generell zu ziehen. STARKES THEATERPROGRAMM DIE GROßE VIELFALT Mit dem KULTURSCHNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 164 Gründe. Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 4 Uraufführungen und 32 Premieren, dazu 7 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regeläßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT . Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. THORSTEN   Du spielst diesen Hector. Was bist auf der Bühne für ein Typ? Was macht dich aus? FLORIAN   Ich bin ja noch nicht in dem Alter, in dem man normalerweise eine Midlife-Crisis hat. Ich bin deshalb nicht der klassische Hector, den man sich vielleicht vorstellt, wenn man den Film sieht oder das Buch liest, sondern ein bisschen jünger, ein bisschen neugieriger. Es ist deshalb noch nicht so, dass ich mein eigenes Leben hinterfrage, weil ich mir das Modell einer anderen Person als Spiegel gegenüberstelle. Vielmehr geht es um das Lernen von anderen. Ich versuche meinen Weg frühzeitig zu finden, damit ich gar nicht erst auf diese Unglücksschiene komme. Im Mittelpunkt steht also eine positive Neugierde auf das Leben anderer und erst dadurch entsteht das Hinterfragen von Glück und Unglück. THORSTEN Du bist relativ plötzlich zu dem Glück gekommen, Hector spielen zu können. Durch eine Erkrankung im Ensemble musstest du nur drei Wochen vor der Premiere einspringen. Das Stück ist mit zwei Stunden Spielzeit nicht gerade kurz. Wie schafft man es denn, sich in so kurzer Zeit so viel Stoff anzueignen? FLORIAN    Ein großer Vorteil war, dass ich bei vielen Proben von Anfang an dabei war. Somit wusste ich ungefähr, wohin diese Rolle gehen soll. Der Rest ist aber dann ganz einfache Fleißarbeit: Text lernen, Text lernen, Text lernen. Dafür spreche ich mir alles auf meinem Handy ein - und immer da, wo ich auf der Bühne sprechen würde, lasse ich eine Lücke, in die nich dann reinsprechen kann. Und das läuft dann in allen möglichen Momenten: Beim Spülmaschine ausräumen, beim Staubsaugen, beim Spazierengehen, auf dem Fahrrad - bis es sitzt und ich auf der Bühne alles umsetzen kann. Opulent: „Hector sien Reis or de Söök na't Glück“ bietet das bisher aufwändigste Bühnenbild des Niederdeutschen Schauspiels. (Bilder: Stephan Walzl) THORSTEN Das Stück spielt ja wie erwähnt nicht im Dorfkrug, wie es manchmal bei niederdeutschen Stücken der Fall ist, sondern in der großen beiden Welt. Und es handelt vom ganz großen Thema Glück. Kann man sagen, dass dieser Stoff das ganze Potenzial des niederdeutschen Theaters zeigt, dass es sich deshalb auch ideal für einen Einstieg eignet? FLORIAN   Ich habe sehr viel positives Feedback von Leuten bekommen, die von Haus aus gar kein Plattdeutsch sprechen oder vielleicht sogar das erste Mal bei uns waren. Deshalb glaube ich, dass es ein sehr gutes Einstiegsstück ist. Klar, es ist lang und klar, es hat ein großes Thema, aber genau das macht es so zugänglich. Ich denke, jeder hat sich schon mal die Fragen gestellt: Bin ich glücklich? Wie kann ich glücklicher werden? Und weil man so gut anknüpfen kann, eignet sich das Stück sehr gut für Leute, die kein Platt oder wenig Platt sprechen. THORSTEN   Würdest du sagen, dass sich das Stück durch die plattdeutsche Sprache verändert? Dass es sich in Nuancen anders darstellt als auch hochdeutsch? FLORIAN Die plattdeutsche Sprache gibt dem Stoff tatsächlich eine ganz angenehme Wärme, man hat oft ein kleines Schmunzeln im Gesicht. Selbst bei einer Szene, die auf dem Papier gar nicht so schön klingt, bekommt durch diese Sprache so ein leichtes Schmunzeln und eine gewisse Schwerelosigkeit. Guter Typ: Florian Pelzer bricht mit der Erwartung, dass die Mitglieder des Niederdeutschen Schauspiels eher älteren Semesters sein müssten. (Bilder: Kulturschnack) THORSTEN Kommt man glücklicher aus dem Stück raus, als man reingeht? FLORIAN   Ich hoffe doch! Ich selber habe für mich sehr viele Erkenntnisse aus dem Stück mitnehmen dürfen; für mein persönliches Glück. Und das habe ich auch von vielen anderen gehört. Ich hoffe, dass wir es erreichen können, dass man mit neuen Gedanken aus dem Stück rausgeht. Sicher bin ich mir dagegen, dass man eine gewisse Schwerelosigkeit und ein sehr schönes Gefühl mit nach Hause bringt. THORSTEN     Was will man mehr? Hat man mit dem niederdeutschen Schauspiel eigentlich manchmal das Gefühl, im Schatten vom hochdeutschen klassischen Schauspiel zu stehen? Alles okay? Meist antworten wir auf diese Frage mit einer Floskel. Hector ist das nicht genug. (Bild: Stephan Walzl) FLORIAN Das hochdeutsche Schauspiel spricht natürlich eine wahnsinnig breite Masse an Menschen an, während die niederdeutsche Sparte immer noch ein wenig „nischiger“ ist. Aber: Wir sind dabei, uns immer weiter zu verjüngen und zu öffnen, das sieht man auch an mir. Man könnte deshalb sagen: Ja, wir stehen vielleicht ein bisschen im Schatten. Aber der Schatten ist vielleicht gar nicht schlecht für uns, weil wir so ein bisschen unser eigenes Ding machen können. Wir haben viele Freiheiten hier, die wir absolut genießen, und für die wir sehr dankbar sind. Es gibt immer Luft nach oben, aber wir haben hier schon einen tollen Stand und sehr viele Möglichkeiten. Und ich finde, der Schatten ist schon kleiner geworden. Wir haben mehr Strahlkraft als vielleicht noch vor ein paar Jahren. Und darauf bin ich sehr stolz. THORSTEN Und wenn du die Wahl hättest, „Hector“ auf Platt oder „Hamlet“ auf Hochdeutsch, was würdest du wählen ? FLORIAN Hector! Ganz klar! ( lacht) THORSTEN Und auf einer Skala von 1 bis 10: Wie cool finden es deine Freunde, dass du ein Plattschnacker bist? FLORIAN ( überlegt kurz ) Ich würde schon sagen, dass der Großteil das bei 8 bis 9 sieht. Die finden es total cool. Kaum jemand von denen hat einen Zugang dazu, was ich schade finde. Aber wenn die das hören, dass ich auf der Bühne stehe und dann auch noch auf Platt, dann ist es für die erstmal ein Highlight! Alle: ab. Alles andere als altbacken Über zwei Millionen Plattschnacker gibt es derzeit noch, doch die Tendenz ist fallend - nicht nur in Kanada und Brasilien, sondern auch in Ovelgönne und Friesoythe. Immer weniger Menschen sprechen niederdeutsche Sprachen, vor allem in den jüngeren Generation ist man damit ein Exot. Sachliche Gründe gibt es dafür allerdings nicht. Tatsächlich verleiht das Platt vielen Aussagen einen Charme, den man im Hochdeutschen vergeblich sucht. In den benachbarten Niederlanden wird dieser Effekt geliebt in der norddeutschen Heimat aber zu Unrecht als provinziell abgestempelt Genau das ist die Sprache aber nicht, wie „Hector sien Reis or de Söök na't Glück“ auf beeindruckende Weise zeigt. Die Buchvorlage war nicht zufällig ein Welterfolg: Thema, Geschichte und tiefere Botschaft bieten für das Publikum viele Anknüfungspunkte - auch über die vermeintliche Sprachbarriere hinweg. Die spürbare Spielfreude des großen Ensembles um Florian Pelzer und der Charme des Plattdeutschen tun ihr Übrigens dazu. Das beste Argument ist aber vielleicht sogar das Gefühl nach der Vorstellung. Wenn man in diesen Zeiten mit einer Schwerelosigkeit und einem schönen Gefühl nach Hause gehen kann, dann ist es es genau der Theatereffekt, den sich viele von uns gerade wünschen. Also: Bucht euer Ticket und geht mit Hector auf die Reise!

  • KUNST AUF PILZEN

    Im Edith-Russ-Haus für Medienkunst eröffnet sich aktuell allen Besucherinnen und Besuchern ein künstlerischer Blick unter die Erdoberfläche. Doch von "Kopf in den Sand stecken" ist dabei keine Rede! Stattdessen zeigen Jakrawal Nilthamrong & Kaensan Rattanasomrerk in ihren Arbeiten Netzwerke und Verhaltensweisen der Natur, die womöglich sogar als eine heilsame Brücke hinein in unsere Gesellschaft wirken könnten? Eine Welt, die uns sonst verborgen bleibt. Grafik: Edith-Russ-Haus / Hintergrund: Jakrawal Nilthamrong, Agent of Decay, 2025, courtesy of the artist JAKRAWAL NILTHAMRONG & KAENSAN RATTANASOMRERK SPORE 29. JANUAR - 23. MÄRZ 2025 EDITH-RUSS-HAUS FÜR MEDIENKUNST KATHARINENSTRAßE 23 Die stillen Architekten des Waldes Foto: Kaensan Rattanasomrerk, Windborne, 2025, Film still, Courtesy of the artist Es ist dunkel. Gedämpfte, minimalistische Lichtquellen fallen auf organische Skulpturen, Leinwände hängen mitten im Raum, die flimmernde Filmsequenzen zeigen. Der Raum wird einzig und allein vom lauten Rattern der Filmprojektoren erfüllt. Eigentlich ist es beinahe so als sei man gar nicht an der Erdoberfläche sondern unter der Erde vergraben worden und könne einem sonst völlig Verborgenes nun in aller Seelenruhe erkunden. Bei dieser Erkundungsreise treffen wir auf fragile Strukturen, die wirken, als wären sie gerade erst aus dem feuchten Waldboden gewachsen. Was gemeint ist? Wer die aktuelle Ausstellung „Spore“ im Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg betritt, wird immer wieder einer Sache begegnen: der künstlerischen Auseinandersetzung mit der sogenannten Mykologie. Der Wissenschaft der Pilze. Dabei sind Pilze faszinierenderweise weder Pflanze noch Tier, sondern folgen ihren vermeintlich ganz eigenen Regeln. Ihre Netzwerke, die sich unter der Erde ausbreiten, sind die stillen Architekten des Waldes. Sei es, dass sie Bäume miteinander verbinden, Nährstoffe transportieren, sie recyclen und machen Erde wieder fruchtbar und sind deshalb ein entscheidender Bestandteil vom Kreislauf des Lebens. Ein Denkmodell Ihr fragt euch, wieso sich die beiden Protagonisten der neuen Ausstellung im Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Jakrawal Nilthamrong und Kaensan Rattanasomrerk , ausgerechnet für Arbeiten rund um die Thematik Pilze entschieden haben? Weil Mykologie nicht einfach nur eine wissenschaftliche Disziplin ist, sondern sich ebenso ganz wunderbar als Metapher für das eignet, was unter der Oberfläche unserer Gesellschaften oftmals tief verborgen liegt, nämlich: Erinnerungen, Traumata, Geschichten von Migration und Transformation. So wie auch Pilze unsichtbar unter der Erde vor sich hinwachsen, existieren auch unsere kollektiven Erfahrungen oft im Verborgenen. Zumindest solange, bis sie sich beispielsweise in Form von Erzählungen, im künstlerischen Ausdruck ihren Weg an die Oberfläche bahnen - wie nun in diesem Fall. Es wird surreal! GIF: Filmed from the projection of Jakrawal Nilthamrong, Agent of Decay, 2025 Genau hier setzt „Spore“ an. Die beiden Künstler nutzen die Welt der Pilze als ihr persönliches Vehikel um über die tiefgreifenden Fragen unserer Zeit nachzudenken: Wie erinnern wir uns? Wie können wir die unsichtbaren Verbindungen zwischen Menschen, Orten und Vergangenheiten erkennbar werden lassen? Auf diese Art und Weise wird ihre Arbeit zu einer Art Denkmodell, das uns lehrt die Welt nicht nur an der Oberfläche zu betrachten, sondern auch die unsichtbaren Strukturen zu erkennen, die unser Zusammenleben formen – seien es nun eben Wurzeln im Waldboden oder Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. „Die Pilze“, betonen die beiden Künstler, „können nur auf verrottendem Material wachsen. Das ist eine Metapher dafür, wie Menschen den Raum der Verwundeten wieder bewohnen und ihn zu unserer Existenzgrundlage machen können. Wie ließe sich das Ausgeliefertsein nicht als Manifestation einer Opferrolle, sondern als eine Form von politischer Kritik und politischem Handeln interpretieren? Das sind in diesem historischen Moment entscheidende Fragen der Weltgemeinschaft.“ Die Wurzeln des Lebens Mit diesem Ansatz könnten die beiden kaum aktueller und stärker den Geist der Zeit treffen. Mit Ihren Arbeiten bewegen sich Nilthamrong und Rattanasomrerk sowohl an der Schnittstelle von experimentellem Film, Installation als auch ortsspezifischer Kunst. Während sich Nilthamrong mit seiner Arbeit als Regisseur und Editor durch Filme auszeichnet, die oft auf experimentelle Art und Weise mit verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen spielen und persönliche aber auch politische Geschichten in einer poetischen, surrealen Bildsprache miteinander verbindet, arbeitet Rattanasomrerk mit Installationen und multimedialen Konzepten, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt befassen. In der Dunkelheit, können wir durch ein Loch im Boden einen Blick auf die Dächer der Stadt werfen. Foto: Kulturschnack In ihrer gemeinsamen Ausstellung „Spore“ verschmelzen diese beiden individuellen Ansätze nun zu einer gemeinsamen künstlerischen Sprache. Das gleichnamige, extra für diese Ausstellung entstandene Projekt ist dabei ein recherchebasiertes Werk, das eine mögliche Zukunft untersucht, in der Pilze mit ihrer besonderen Organisationsform womöglich sogar für Gesellschaften als Vorbild fungieren könnten. Als aktuelle Stipendiaten für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen begleiteten die beiden, unter anderem, während ihres Arbeitsaufenthalts in Oldenburg filmisch thailändische Restaurantmitarbeiter bei einer Pilzsuche, die dabei auf einer tiefergehenden Ebene zu einem Bild für Heimatlosigkeit, für Verwurzelung und Entwurzelung zugleich wird. Aber auch die Räumlichkeiten des Ausstellungshauses selbst werden mit filmischen Mitteln gänzlich verändert. So entsteht auf der oberen Etage des Hauses ein großes, projiziertes Loch im Boden, das einem suggeriert weit über den Dächern Oldenburgs zu fliegen, während eine Etage tiefer (quasi an gleicher Stelle) selbiges Loch als Projektion zu finden ist und den Blick in den Himmel von unterschiedlichen Punkten der Stadt aus erlaubt. So wächst im bildlichen Sinne letztlich Kunst auf dem Boden von Pilzen und nach dem Besuch der Ausstellung setzen sich dann, ganz getreu ihrem Titel, die Sporen des Gesehenen in einem selbst nieder und wachsen stetig in uns, im Verborgenen zu immer weiter ausgereifteren Gedanken heran, die sich vernetzen und uns reflektieren lassen. Und ist das nicht das Schönste, was Kultur gelingen kann?

  • KOLUMNE: GELEBTE VIELFALT

    Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. International: Die Französin Garance Vignes (Mitte) mit der Italienerin Nicol Omezzolli und dem US-Amerikaner Ryan Drober in „VIBE(S)-LICH(T)“. (Bild: Stephan Walzl) Beim Kulturschnack gibt es ein Format namens „Staatsakt“. Das Konzept in aller Kürze: Wir sprechen hinter den Kulissen mit Akteur:innen des Staatstheaters – menschlich, verständlich, authentisch. Die kurzen Gespräche werden als dreiminütige Videos auf Instagram sowie als ausführliche Artikel auf unserer Website veröffentlicht. Bisher wurden fünf Folgen produziert – und an dieser Stelle soll es um eine von ihnen gehen.   Mitte November sprachen wir mit der Ballettmeisterin Carolina Francisco Sorg über das Stück „ wild & leise “. Im Gespräch mit der charismatischen Brasilianerin ging es unter anderem um die Besetzung der insgesamt vier Choreographien. Die vierzehn Tänzer:innen tragen klangvolle Namen wie Martina Di Giulio , Garance Vignes oder Lester René González Alvarez . Und sie stammen aus Ländern wie Italien, Estland, Frankreich, Kroatien, Spanien, USA, Kanada, Kuba und Südkorea. Mit Johannes Nolden hat nur ein Akteur einen deutschen Pass – und der ist in Neuseeland geboren. Ich habe Carolina damals gefragt, ob diese globale Konstellation vielleicht ein Zufall sei, aber das ist nicht der Fall. Tatsächlich erhält das Staatstheater nur wenige Bewerbungen von deutschen Tänzer:innen. Ein vollständiges Ensemble ließe sich daraus nicht ansatzweise bilden. Das heißt: Ohne die vielen internationalen Einflüsse gäbe es die hochkarätige Ballettsparte  in Oldenburg gar nicht. Zumal auch deren hochgelobter Leiter Antoine Jully  nicht etwa in Wildeshausen oder Cloppenburg geboren ist, sondern in Paris.   Vielfalt gewinnt: Im Staatstheater wird Plattdeutsch ebenso gesprochen wie Portugiesisch. (Bild: Staatstheater) Geplatzte Träume   Warum erwähne ich all das? Ganz einfach: Aus gegebenem Anlass. Immerhin glauben ja manche, unser Land würde wie gewohnt funktionieren, wenn eine größere Bevölkerungsgruppe plötzlich nicht mehr zur Verfügung stünde. Zum Beispiel, weil Menschen aus dem Ausland aufgrund politischer Beschlüsse dorthin wieder zurückkehren müssten. Ich lasse ungern Träume platzen, aber: Nein, es würde dann nicht weitergehen wie zuvor. Wer sich den Medizinsektor anschaut, erkennt sehr schnell, dass ohne Fachkräfte aus anderen Ländern gar nichts mehr ginge. Und in der Kultur? Ist es ganz ähnlich.   Das ist glücklicherweise selten ein Thema. Es ist schlicht und einfach normal, dass Menschen aus anderen Ländern auf deutschen Bühnen stehen. Das Ballett habe ich schon erwähnt, aber auch in der Opernsparte des Staatstheaters stammen die Ensemblemitglieder aus Ländern wie Schottland, Georgien, Armenien, Irland, USA und Südkorea. Und sogar im Schauspiel – das sich ja stark über Sprache definiert – ist die Haus-Regisse urin Ebru Tartıcı Borchers in der Türkei geboren.   Die große Bandbreite   Eigentlich ist alles gut, wie es ist. Die Frage ist nur, ob es so bleibt. Deshalb sollte man sich in diesen Tagen vielleicht einmal vergegenwärtigen, was man verlöre, wenn es in unseren Theatern ausschließlich „biodeutsche“ Akteur:innen gäbe, um einmal das Unwort des Jahres zu verwenden. Sie besitzen natürlich ebenso wunderbare Fähigkeiten und Talente wie ihre internationalen Kolleg:innen. Dennoch wäre der Verlust nicht in Worte zu fassen. Anders als im Medizinbereich ginge es zwar nicht gleich um Leben und Tod, aber immerhin um Lebensqualität. Und die ist es doch, die wir uns alle sehnlichst wünschen.   Sollte es in diesem Monat also irgendwann einen Moment geben, in denen Sie ein Zeichen dafür setzen können, dass Sie diese Weltoffenheit schätzen und nicht mehr darauf verzichten möchten – dann tun Sie das gern. Die Kultur braucht diese gelebte Vielfalt und ich persönlich denke: Wir als Gesellschaft brauchen sie auch. Erst dadurch entsteht die große, bunte Bandbreite unserer Bevölkerung - von wild bis leise. Und nur deshalb treffen wir beim „Staatsakt“ so spannende Gesprächspartnerinnen wie Carolina Francisco Sorg.

  • HANNA STIRNEMANN: PIONIERIN

    Fortschritt, der unsere Gesellschaft als Ganze nachhaltig und positiv beeinflusst, findet nie von allein statt. Er braucht mutige Menschen und gerade sie sind es, die langfristige Veränderungen zum Guten anstoßen. Eine solche Frau war Johanna ("Hanna") Hofmann-Stirnemann. Der ersten deutschen Museumsdirektorin, die auch ihre Spuren in Oldenburg hinterließ, hat das Landesmuseum nicht nur eine eigene Kabinettschau gewidmet, sondern auch einen Raum für uns alle. Was es damit auf sich hat, lest ihr hier. Bild: Gabriele Münter, Hanna Stirnemann; Gabriele Münter und Johannes Eichner Stiftung, München HANNA STIRNEMANN KABINETTSCHAU NOCH BIS 06. APRIL '25 LANDESMUSEUM KUNST & KULTUR OLDENBURG PRINZENPALAIS Pi·o·nier , Pionierin / Pioniér/ Jemand, der auf einem bestimmten Gebiet bahnbrechend ist; Wegbereiter Setzte sich zu ihrer Zeit vor allem für die Kunst von Frauen ein. Foto: Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg Wir vergessen es nur allzu leicht, gerade in diesen Zeiten und sind uns unserer bisherigen Errungenschaften zu gewiss, halten sie für selbstverständlich. Dabei ist es doch so, dass wir all die Dinge auf die wir uns als demokratische Gesellschaft berufen, dem Mut Einzelner zu Verdanken haben, die einen bestimmten Schritt wagten oder sich mit Missständen nicht zufrieden geben wollten und so dazu beitrugen, dass sich die bisherigen Verhältnisse zum Besseren wendeten. Hanna Stirnemann drang in die Welt der Museen und der Kunst zu einer Zeit voller Umbrüche - gesellschaftlich, politisch als auch kulturell. Dass eine Frau wie Hanna Stirnemann in den 1930er Jahren nicht nur die erste öffentlich bestellte Museumsdirektorin im Stadtmuseum Jena, sondern zusätzlich in Personalunion auch die Geschäftsführerin des Jenaer Kunstvereins wurde war nicht nur ungewöhnlich – es war revolutionär. Dabei war sie keine Museumsleiterin, die einfach nur sammelte und katalogisierte. Sie verstand Museen in ihrer Gänze als lebendige Orte des gesellschaftlichen Austauschs für alle sozialen Bevölkerungsgruppen, als Foren für das Zeitgenössische. Kompromissloser Einsatz Ihr Anliegen war es nicht, die Vergangenheit hinter Glas zu konservieren, sondern sie in Verbindung mit der Gegenwart zu bringen. Hierzu arbeitete sie auch mit Schulen, Volkshochschulen und Vereinen zusammen. Eine Haltung, die sie wahrscheinlich bereits in den Jahren 1927-1929 entwickelte, als sie hier in Oldenburg am Landesmuseum Kunst & Kulturgeschichte als wissenschaftliche Hilfskraft ihre rasante Karriere begann. Zu sehen in der aktuellen Kabinettschau im Prinzenpalais. Bild: Walter Timmling, Am Stau in Oldenburg; Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg; Foto: Sven Adelaide Abseits ihres kompromisslosen Einsatzes für die Kunst und das Kunstgewerbe der Gegenwart, engagierte sie sich vor allem für die Kunst von Frauen. Deshalb ist es nur einleuchtend, dass die Kabinettschau auch entsprechend in einem Raum Werke der Künstlerinnen zeigt, die Stirnemann immer wieder beschäftigten. Einige der Künstlerinnen lernte sie in Oldenburg kennen, andere stellte sie in Ausstellungen und Publikationen vor. Ihre Ausstellung "Gestaltende Arbeit der Frau" von 1932 in Jena regte zudem ihren damaligen Vorgesetzten, Walter Müller-Wulckow, zu Erwerbungen für das Landesmuseum an. Mehr als ein Raum So lassen sich also in der Sammlung des Hauses immer wieder Einflüsse von Stirnemann und Rückbezüge auf ihre Zeit in unserer Huntestadt finden. Doch diese Einflüsse und Bezüge liegen nicht nur in der Vergangenheit, sondern haben darüber hinaus in jüngster Vergangenheit eine fantastische Ergänzung erhalten. Denn nicht nur eine Kabinettschau widmete man Stirnemann anlässlich ihres 125. Geburtstages, sondern gleich eine ganze Räumlichkeit im Schloss des Landesmuseums - nämlich die "Hanna Stirnemann Lounge". Während man mit der klassischen Lounge sonst für gewöhnlich einen Rückzugsraum verbindet, der oft nur einer bestimmten Gruppe zugänglich ist – sei es durch ein bestimmtes Ticket, eine Mitgliedschaft oder einen vorherrschenden Konsumzwang – gehört die Hannah Stirnemann Lounge uns allen. Der Eintritt ist frei, ihr müsst also kein Ticket im Schloss des Landesmuseums kaufen. Ein Ort, der dazu einlädt sich inspirieren zu lassen oder einfach nur zu verweilen. Foto: Juliane Peil Ganz im Geiste Der Begriff der Lounge wurde hier gekonnt aufgegriffen und zu einem größeren, metaphorischen Bild gewandelt. Ja, sie ist weiterhin Aufenthaltsraum. Ja, sie lädt zum Verweilen ein. Doch im Gegensatz zur klassischen Bedeutung ist sie keine exklusive, abgeschottete Komfortzone, sondern ein bewusst offener Raum, der nicht dazu da ist, Menschen herauszufiltern, sondern sie hereinzulassen. Gerade die imposante Architektur, das historische Erbe und die damit verbundene Bedeutung können potenziell ebenso eine einschüchternde Wirkung auf Außenstehende haben, der das Landesmuseum nun mit der Lounge sowohl im ästhetischen als auch symbolischen Sinne genau das richtige Zeichen entgegensetzt und damit diese ohnehin schon vorherrschende Offenheit nochmals deutlich unterstreicht.   Das ist auch deshalb entscheidend, weil es genau dort an die Überzeugungen von Hanna Stirnemann anknüpft und sie zur perfekten Namensgeberin für einen solchen Ort macht. Sie glaubte daran, dass Kunst und Kultur nicht nur einem elitären Kreis vorbehalten sein dürfen, sondern so vielen Menschen wie nur irgendwie möglich zugänglich gemacht werden müssen. Hier können sie nun miteinander ins Gespräch kommen, lesen, arbeiten, diskutieren oder auch gemeinsam Kunst erleben. Wenn sich Hannah Stirnemann also je gefragt haben sollte, was ein Museum mehr sein kann als eine bloße Sammlung, findet sich im Schloss des Landesmuseums nun eine Antwort, die ihr vermutlich sehr gefallen hätte.

  • DIGITALOG LIVE: DIGITALE TEILHABE

    Das digitale Zeitalter ging mit großen Versprechungen einher. Einige davon erfüllten sich, machten unser Leben einfacher und schufen neue Möglichkeiten. Doch trotz positiver Aspekte, entstanden über die Zeit hinweg ebenso gesellschaftliche Gräben, die neue Teilhabeprozesse notwendig werden ließen. Was genau unter diesen Prozessen zu verstehen ist und wie sie ganz praktisch funktionieren, darüber sprechen wir in dieser Folge Digitalog. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat die Digitalisierung unseren Alltag durchdrungen: von Online-Banking über digitale Gesundheitsdienste bis hin zu sozialen Netzwerken, die unsere Kommunikation revolutionieren. Doch nicht alle konnten mit diesen rasend schnellen Entwicklungen mithalten. Was gestern noch als innovativ galt, kann heute bereits überholt sein und wer einmal den Anschluss verpasst, läuft dem Fortschritt hinterher. Die Gründe dafür sind dabei vielschichtig und lassen sich aus unterschiedlichen Ebenen betrachten. Genau das versuchen wir mit dieser neuen Folge unseres Formats. Neben dem bewährten "Digitalog"-Ensemble rund um das Team vom Kulturschnack und Prof. Dr. Martin Butler von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, freuen wir uns über Unterstützung von Katharina Meiners , zuständig für die städtische Bürgerbeteiligungsplattform ⁠ Gemeinsam Oldenburg ⁠ sowie Dr. phil. Maria Wolters vom ⁠ OFFIS e.V. ⁠, dem Institut für Informatik. Dort forscht sie u.a. zum Bereich "Social Computing". In der ersten Hälfte des Gesprächs versuchen wir die theoretischen Hintergründe abzubilden und die einzelnen Gräben aufzeigen, die es bei Teilhabeprozessen in der digitalen Welt zu berücksichtigen gilt. Die zweite Hälfte nutzen wir dazu, anhand eines konkreten Beispiels aus der Praxis verständlich zu machen, wie die Stadt Oldenburg  versucht, Beteiligungsprozesse über eine Plattform wie "Gemeinsam Oldenburg" zu etablieren, welche Herausforderungen und Möglichkeiten damit verbunden sind und welche Aspekte dabei auch aus wissenschaftlicher Sicht eine Rolle spielen. Wir wünschen viel Spaß beim Hören! DIE PLAYLIST Wer das Format bisher noch nicht gekannt haben sollte, der findet hier eine Playlist in der wir euch neben der aktuellen auch alle bisher erschienenen Folgen in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt haben.

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