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  • INCEPTION RELOADED

    Christopher Nolans oscarprämiertes Kino-Meisterwerk „Inception“ spielt mit verschiedenen Ebenen des Bewusstseins. Dieses Prinzip hat nun das Künstler:innenkollektiv Unit 404 mit seinem Projekt „Labor 2“ aufgegriffen, das im Atelier des Kunstschul-Stipendiaten Jonas Meyburg zu sehen ist. Wir haben mit ihm und Johanna Spieker über die ungewöhnlichen Methoden der Gruppe gesprochen - und über das ebenso ungewöhnliche Arbeitsergebnis. Es gibt die großen Kunstausstellungen. Über Jahre hinweg werden sie detailliert erdacht, minutiös geplant, akribisch vorbereitet und dadurch selbst zu einer kunstvollen Komposition der Gegenwartskultur. Häufig werben sie mit großen Namen und erzeugen starke Aufmerksamkeit. Das macht sie an ihren jeweiligen Standorten zu gesellschaftlichen Pflichtterminen. Und dann gibt es kleine, klandestine Kunstprojekte wie das „Labor 2“ der Unit 404. Hier ist der Name Programm: Es handelt sich um ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Zu Beginn stand lediglich ein Ort fest, in diesem Fall das „Studio 10“ der Oldenburger Kunstschule in der Langen Straße. Der gesamte Rest? Die Motive, Mittel und Methoden? Ergeben sich im Prozess - und überraschen dabei manchmal selbst die Beteiligten. UNIT 404: „LABOR 2“ 22. AUGUST - 26. AUGUST 2023 19 UHR - 21 UHR STUDIO 10 LANGE STRAßE 10 26122 OLDENBURG Grenzen überwinden Jonas Meyburg ist Stipendiat der Oldenburger Kunstschule. Als solcher beschäftigt er sich noch bis zum Oktober mit dem Sound der City. Jonas ist darüber hinaus aber auch Mitglied des Künstler:innenkollektivs Unit 404. Kennen gelernt hat sich das Quintett an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig. Inzwischen sind die Mitglieder zwar weit verstreut in Deutschland und Europa. Für ihre Projekte kommen sie aber immer wieder zusammen - dieses Mal in Oldenburg. Habt ihr Zeit? Die improvisierte Soundperformance in der Halle 267 aus dem jähr 2021 dauert fast vier Stunden. „An der Hochschule wird viel getrennt gedacht“, erklärt Jonas die Motivation für die Gründung. „Man agiert oft als Einzelkämpfer.“ Mit der Unit 404 wollen die jungen Künstler:innen diese Trennung überwinden und interdisziplinär an ihre Projekte herangehen. „Wir haben Bildhauer dabei, Foto- und Videokünstler, Sounddesigner, Schriftsteller“, ergänzt Johanna Spieker. Sie alle haben unterschiedliche Blickwinkel auf ein Thema - und unterschiedliche Methoden, es künstlerisch zu verarbeiten. Das Gefühl nach einem gelungenen Projekt bringt Jonas auf den Punkt: „Am Ende entsteht etwas Gemeinsames - und das ist viel größer als alles, was man alleine schafft.“ Fehler im System Für das Oldenburger Projekt begab sich die Unit 404 zunächst in eine künstlerische Extremsituation: Innerhalb nur einer Woche sollte aus dem Nichts eines vollkommen leeren Raumes die Idee entstehen und die Umsetzung passieren. Tatsächlich entwickelte sich schnell eine Vision: Die Suche nach dem Inhalt der Ausstellung sollte selbst zum Inhalt der Ausstellung werden. Man würde im Ergebnis also die Entstehung des Ergebnisses sehen. Der Weg ist hier also tatsächlich das Ziel - was allerhand parallele Gedankenwelten eröffnet. Schöne Grüße an Christopher Nolan, dessen Meisterwerk „Inception“ ebenfalls - wenn auch ungleich aufwändiger - mit solchen unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielte. Zu diesem Zwecke filmten sich die Mitglieder des Kollektivs in ihren Gesprächen - nicht nur vor Ort im Atelier 10, sondern auch später am Abend. Dabei entstanden nicht weniger als 36 Stunden Rohmaterial an Audio- und Videodateien. Doch die Frage war nun: was damit anfangen? Die Antwort darauf fanden die jungen Künstler:innen mithilfe der Technik. Beziehungsweise: mithilfe ihrer Fehlfunktionen. Denn die Verwendung einer vermeintlich hilfreichen KI-Audio-Software machte die aufgezeichneten Stimmen schwerer verständlich und ließ sie zum Teil fremdartig klingen. Die entsprechenden Transkription geriet zum kryptischen Kauderwelsch. Man muss genau hinhören und -sehen, um zu erfassen, worum es geht - und scheitert womöglich dennoch. Fast wie in biblischen Babylon, als Gott die Menschen für ihre Hybris mit der babylonischen Sparchverwirrung strafte. „Der Turmbau zu Babel war für unsere Arbeit tatsächlich ein wichtiges Motiv“, verrät Johanna. Spannend wurde es zum Ende hin dennoch. Ob nach der Entstehung auch der Aufbau für die Präsentation klappen würde? Das war bis wenige Stunden vor dem Start am 22. August unklar, schließlich konnte erst am Ende der Kreationswoche überhaupt mit den Arbeiten begonnen werden. „Viel Freizeit gab es da nicht mehr“, lacht Jonas. Das ist eben die Tücke in diesem System: Es gibt - anders als bei den großen Ausstellungen - keine Garantien, alles geschieht im Moment. Doch wir können Entwarnung geben: Pünktlich zum Soft Opening um 19 Uhr war alles fertig, dem Kunstgenuss stand nichts (mehr) im Wege. Das große Rätsel Es ist tatsächlich ein interessantes Experiment, aus den Gesprächsfragmenten und den dadaistischen Transkriptionen ein Gesamtbild zusammenzusetzen, das für uns Sinn ergibt. Dabei schient man sie tatsächlich zu fühlen: die Verwirrung, die geherrscht haben muss, als niemand mehr den anderen verstand, auch wenn man eigentlich wusste, worum es geht. Und dieses Gefühl taugt auch zur Parabel auf eine Gegenwart, in der es allzu oft darauf ankommt, etwas zu sagen - unanbhängig davon, ob es auch verstanden wird, „Es gibt hier aber keine Botschaft in dem Sinne, dass die Besucher:innen bitte das denken sollen, was wir vorschlagen“, nimmt Jonas etwaige Befürchtungen, man könnte an der Interpretation scheitern. „Es geht um Kommunikation, es geht um Informations-gehalt und Austausch. Versteht man die Dinge oder nicht? Und was passiert, wenn man etwas nicht versteht?“ Das Kollektiv rechnet dabei durchaus auch mit Schulterzucken und Kopfschütteln. „Mit so einer Ausstellung bekommt man in einer Galerie für zeitgenössische Kunst sicher andere Reaktionen als in der Innenstadt“, ist sich Johanna bewusst. Am Lefferseck begegne man der gesamten Bandbreite der Bevölkerung und das sei das Spannende an dem Ort. Dass man möglicherweise polarisiert? Nimmt die Unit 404 in Kauf. „Wenn man Kunst macht, dann nimmt man nicht immer alle mit“, weiß Jonas. Wenn man alle mitnähme, sei es wahrscheinlich auch keine Kunst mehr. Immerhin bevorzuge oder benachteilige das „Labor 2“ niemanden, ergänzt der Bildhauer schmunzelnd, denn: „Alle verstehen es gleich schlecht!“ Viele Fragezeichen Nein, detailliert erdacht, minutiös geplant, akribisch vorbereitet ist im „Labor 2“ der Unit 404 überhaupt nichts. „Das, was wir jetzt gemacht haben, hat nicht viel damit zu tun, was wir uns so vorher gedacht haben“, stimmt auch Jonas zu. Wer daraus ableitet, dass die Qualität nicht stimmen könne, liegt allerdings falsch. Das Kollektiv hat aus dem Nichts ein Kunstprojekt erschaffen, das uns zum Nachdenken anregt - über Stimmen und Sprachen, vor allem aber über die Dynamik einer Entwicklung. Das Spiel mit den Ebenen ist nicht immer einfach zu dechiffrieren und es wird sicher viele Fragezeichen hinterlassen. Aber das ist nicht etwas negativ gemeint - denn es kann durchaus wohltuend sein, gemeinsam mit anderen etwas nicht zu verstehen und stattdessen seine Gedanken frei treiben zu lassen. Viele Kinobesucher:innen kennen dieses Gefühl noch von „Inception“. Doch das ist schon dreizehn Jahre her - höchste Zeit also für einen Reload!

  • KLAPPE, DIE 30.

    Was bei einer Filmproduktion keine gute Nachricht wäre, nämlich der dreißigste Take für eine einzige Szene, ist in der Welt der Filmfeste etwas ganz anderes. Wenn es einem Festival gelingt, über dreißig Jahre nicht nur durchzuhalten, sondern sogar inhaltliche Akzente zu setzen - dann ist das durchaus beachtlich. Man könnte denken: Es ist alles gesagt. Nach dreißig Jahren dürfte kein Gedanke übrig sein, der über das Internationale Filmfest Oldenburg nicht schon mal gedacht oder sogar geäußert wurde. Zumal es sich nicht jedes Jahr vollkommen neu erfindet. Im Gegenteil: Es sind einerseits der Markenkern, auf unangepasste Indie-Filme zu setzten, und andererseits die Wiederkehr beliebter Programmpunkte, die das Festivals ausmachen. Ist das Filmfest also zur Gewohnheit worden? Ja und nein, wie vor allem die alljährliche Pressekonferenz zeigt. Auch deren Ablauf ist zwar bekannt, doch sie bietet immer viele Neuigkeiten: Über Sponsoren, Streaming, Streiks - und natürlich über Filme. 30. INTERNATIONALES FILMFEST OLDENBURG 13. BIS 17. SEPTEMBER 2023 VORAB-TERMINE: 29. AUGUST, 10 UHR: START DES VORVERKAUFS: FESTIVAL OFFICE ONLINE 29. AUGUST, 20 UHR: PRE-SCREENING „FORBIDDEN PLANET“, USA 1956 POLYESTER 30. AUGUST, 18 UHR: TRAILER-SHOW ALTE FLEIWA 5. SEPTEMBER, 20 UHR: PRE-SCREENING „SILENT RUNNING“, USA, 1974 POLYESTER Ruhe vor dem Sturm Wer Festivalchef Torsten Neumann kennt, weiß aus Erfahrung: Mit jedem Tag, den das Festival näherrückt, steigt der Stresspegel ein wenig an - nicht zuletzt deshalb, weil manche Entscheidungen erst kurz vor dem Start fallen. Bei der Pressekonferenz am 15. August, etwas mehr als vier Wochen vor der Eröffnung, ist davon wenig zu spüren. Torsten ist auskunftsfreudig. Um das runde Jubiläum macht er nicht viel Aufhebens. Doch es wirkt, als freue er sich aufrichtig darüber, mit dem Filmfest dieses hohe Alter erreicht zu haben - ohne sich dabei allzu sehr verbiegen zu müssen. Letzteres ist entscheidend. Das Filmfest mag insgesamt ein wenig ruhiger geworden sein, am inhaltlichen Kern wurde im Laufe der Zeit aber wenig verändert. Weiterhin steht das Oldenburger Festival für unangepasste, unabhängige Filme, die etwas ausprobieren. Dass trotzdem Kreditinstitute, Autohäuser und Bäckerein zu den Unterstützer:innen zählen? Zeigt, dass man sich nicht unbedingt dem Mainstream anpassen muss, um erfolgreich zu sein. Oldenburg im Premierenfieber Auch wenn es durchaus Neues rund um das Filmfest zu berichten gab, nahmen zwei Programmpunkte den größten Raum der Pressekonferenz ein. Erstens: die Vorstellung der ersten Programmhöhepunkte. Und zweitens: Die Präsentation des neuen Trailers, der - passend zum Jubiläum - der längste in der Geschichte des Filmfestes ist. Sein oder nicht sein: Die Image-Kampagnen zum Filmfest in Cannes sind sehr beliebt. (Bilder: Filmfest) Ein Blick auf die provisorische Film-Liste lässt manche Augenbrauen zucken: Nicht weniger als acht Mal steht dort das Kürzel „WP“ - für Weltpremiere. Das ist der Goldstandard der Filmfestivals: Eine Weltpremiere ist das Beste weil Exklusivste, was man seinem Publikum bieten kann. Je mehr dabei sind, desto höherrangig ist das Festival einzuschätzen. Torsten ist deshalb auch sehr zufrieden mit der Zwischenbilanz: „Unsere Reputation hat sich sehr gut entwickelt“, stellt er fest. „Etliche Filmemacher:innen haben bewusst Oldenburg für ihre Weltpremiere ausgewählt.“ Natürlich wolle jeder nach Cannes, aber da seien die Chancen nicht so groß, vor allem für unbequeme Filme und Erstlingswerke. Da sei Oldenburg das bessere Pflaster. Lauter Favoriten Wie gewohnt reißt Torsten bei der Pressekonferenz die ausgewählten Filme nur an. Auffällig dieses Mal: Die Zahl seiner Lieblinge und Geheimfavoriten ist fast ebenso groß wie die Zahl der überhaupt genannten Filme. Freuen dürfen wir uns unter anderem auf: UPPERCUT Dabei handelt es sich um ein US-amerikanisches Remake des deutschen Films “Leberhaken“, der vor zwei Jahren das Filmfest eröffnet hat. Das Original war - nicht zuletzt coronabedingt - ein intimes Kammerspiel mit zwei Personen, die Hollywood-Fassung wird dagegen in zwei Varianten laufen: Einmal ganz dicht am Vorbild mit minimaler Besetzung - einmal etwas aufwändiger ausstaffiert, mit zusätzlicher Rahmenhandlung. Für alle, die vor zwei Jahren dabei waren, dürfte es spannend sein, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu beobachten. Torsten geht davon aus, dass neben Regisseur Torsten Rüther auch Hauptdarsteller Ving Rhames nach Oldenburg kommt. Er wird vielen aus „Mission: Impossible“ bekannt sein, wo er an der Seite von Tom Cruise agiert. Der einzige Haken dabei: Der aktuelle Schauspieler-Streik In Hollywood. Große Studios ziehen ihre Blockbuster z.B. vom Internationalen Filmfestival Toronto zurück, weil diese Premieren nur mit den Schauspieler:innen Sinn machen. Oldenburg sei davon aber kaum betroffen, weil die großen Produktionen hier eben nicht liefen, berichtet Torsten. Insofern dürfe man guter Hoffnung sein. PASSENGER C behandelt die wahre Geschichte von Cassian Elwes, dem erfolgreichen Filmproduzenten und Hollywood Agenten, der auf einem Nachtflug von New York nach LA in einen Zwischenfall mit einem aggressiven Passagier gerät. Die Begegnung mit diesem Mann verändert sein Leben, er definiert seinen inneren Kompass neu. Als Produzent hat er einige der großen Independent Filme der vergangenen Jahre ermöglicht, „Dallas Buyers Club“ war einen weltweiter, oscarprämierter Hit, jetzt schafft Cassian Elwes mit seinem Regiedebüt ein spannenden Spagat – einerseits ein emotionales Drama mit intensiven Momenten und tollen Darstellern, anderseits ein aufregender und sehr persönlicher Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik. Als Co-Produzentin beweist Veronica Ferres sehr viel Einfühlungsvermögen für starkes Independentkino. „Es sieht so aus, als käme sie dieses Mal wieder nach Oldenburg“, gewährt Torsten einen Blick hinter die Kulissen - und spielt darauf an, dass es nicht der erste Besuch beim Filmfest wäre. „Von damals schwärmt sie heute noch!“ THE WAIT Nach dem großen Erfolg seines Erstlingsfilms „Before the Fall“ folgte Javier Gutiérrez dem Ruf Hollywoods und drehte den dritten Teil der Horrorsaga „The Ring“, der mit 83 Mio Dollar an den Kinokassen reüssierte. Trotzdem verbuchte man den Film als Desaster, Gutiérrez kehrte enttäuscht von der Gefräßigkeit der Traumfabrik zurück nach Spanien und drehte seine ganz persönliche Abrechnung mit Hollywood. „The Wait“ ist ein Film wie eine Urgewalt, ein hartes Familiendrama, Cinemascope-Bilder zum Niederknien schön und eine Story, die ganz langsam in einem Alptraum landet, aus dem es kein Erwachen gibt. Europa hat eines seiner größten Talente zurück. WHENEVER I'M ALONE WITH YOU Von Guillaume Campanacci und Vedrana Egon kommt eine romantische Komödie, inspiriert von der französischen Nouvelle Vague. Die Hauptdarsteller spielen sich selbst, ergänzt durch Guillaumes gesamte Familie, einschließlich seiner 96-jährigen Großmutter. Im zauberhaften Südfrankreich trifft der suizidale Guillaume auf Vedrana, eine Ballerina aus Sarajevo. Die Mission: Sein Herz neu zu entfachen. Doch seine Ex-Verlobte taucht auf, schwanger mit seinem Kind. Jean-Luc Godard trifft auf Cinéma Vérité und Magischen Realismus - ein kühnes, fesselndes Kinoerlebnis. „Campanacci hat sogar eine Crowd-Fuinding-Kampagne aufgesetzt, damit die ganze Familie zur Premiere kommen kann“, erzählt Torsten und hofft, dass genug Geld zusammenkommt: „Die sind wirklich allesamt ganz fantastisch!“ DAS WUNDERKIND Kein Filmfest ohne Tatort-Premiere, dieses Mal kommt er aus München. Nach einem Häftlingsmord ermitteln Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) hinter Gefängnismauern. Unter Regie und Drehbuch von Thomas Stiller verlegt der Krimi ihr Büro ins Gefängnis. Machtspiele und Korruption erschweren die Aufklärung zwischen verfeindeten Häftlingsgruppen. Musterhäftling Scholz (Carlo Ljubek) gerät ins Visier, und sein begabter Sohn Ferdinand (Phileas Heyblom) in Gefahr. Die neue Tatort-Produktion verspricht eine spannungsgeladene Handlung, in der Gerechtigkeit auf Konflikte trifft und familiäre Bindungen auf die Probe gestellt werden. Und nun das Entscheidende für viele Enthusiasten: „Die beiden Münchener Kommissare werden nach Oldenburg kommen“, verrät Torsten. KING OF ALGIERS Im Debütfilm des französischen Regisseurs Elias Belkeddar spielt Reda Kateb (u.a. bekannt aus dem oscarprämierten „Zero Dark Thirty“) den Gangster Omar, in der Unterwelt ehrfurchtsvoll „die Erdbeere“ genannt. Auf der Flucht in Algier gestrandet, um einer 20-jährigen Haftstrafe in Frankreich zu entkommen, findet er Zuflucht bei seinem Freund Roger (César-Award-Gewinner Benoît Magimel). Die Chemie der beiden Hauptdarsteller auf der Leinwand ist umwerfend. Temperamentvoll, melancholisch und einfach nur herzerwärmend entfachen die beiden eine Liebesgeschichte über Freundschaft und die Schönheit der einfachen Freuden des Lebens. „Ein ganz charmanter Gangster-Film“, findet Torsten. „Und ein echter Geheimtipp!“ ROBOT DREAMS Basierend auf der Graphic Novel der amerikanischen Autorin Sara Varon, erzählt „Robot Dreams“ von Dog and Robot im New York der 80er Jahre. Eine Geschichte über Freundschaft, ihre Bedeutung und ihre Zerbrechlichkeit. Ein Liebesbrief an den Big Apple. Dog lebt in Manhattan und hat es satt, allein zu sein. Eines Tages beschließt er, sich einen Roboter zu bauen, einen Begleiter. Ihre Freundschaft blüht auf, bis sie im Rhythmus des New York der 80er Jahre unzertrennlich werden. Eines Sommerabends muss Dog voller Trauer Robot in Coney Island am Strand zurücklassen. Werden sie sich jemals wiedersehen? Die Filme von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd waren Pflichttermine für die Robot Dreams-Crew, ihr kleines Meisterwerk des Animationsfilms wird schon jetzt als heißer Oscarkandidat gehandelt. „Ein unwiderstehlicher Animationsfilm“, findet auch Torsten. THE BELGIAN WAVE Beim Filmfest 2017 gehörte „Spit’n’Split“ zu den absoluten Highlights: Zum einen handelt es sich um einen der wildesten Bandfilme aller Zeiten, zum anderen trat die Experimental Tropical Blues Band nach dem Screening im Theater Hof/19 nebenan im Marvins auf - und brachte die Wände zum Beben. Es war einer dieser legendären Momente, die aus dem Nichts aufzutauchen scheinen und die bleibenden Eindrucks hinterlassen. Nun erweist sich Belgiens enfant terrible Jerome Vandewattyne erneut als Meister des Paranoiakinos. „The Belgian Wave“ nimmt sich eines der spektakulärsten Phänomene der jüngeren belgischen Geschichte an – eine Reihe an ungeklärten UFO Sichtungen Ende der 80er Jahre, die das Land in Aufregung versetzte. Ein gefundenes Fressen für den letzten echten Punkrocker des Autorenkinos, der aus dem Stoff eine psychedelische Jagd nach der Wahrheit macht, die ja eigentlich ganz einfach zu finden wäre, wenn man denn nur das Unmögliche einfach akzeptieren würde. So wie Torsten: „Ich hab schon mal ein UFO gesehen, ganz sicher.“ Der nächste Marlon Brando In Sachen Filmen bleibt also alles anders. Was in diesem Fall bedeutet, dass sich die Auswahl zwar an den bekannten Mustern orientiert und die gewohnte Mischung aus Mainstream (z.B. Tatort), gefälligem Indie-Kino (King of Algiers, Passenger C) und cineastischen Wagnissen (The Belgian Wave, The Nothingness Club) bietet - dass die Filme selbst aber jeweils so individuell sind, dass man sie mit nichts vergleichen kann und deshalb neue Entdeckungen bieten. Das gilt allerdings nicht für den Kino-Trailer für das Festival, der sich einmal mehr an einem großen Vorbild orientiert. Torsten Neumann ist zu sehen als Marlon Brando in „Apokalypse Now“ - bzw. „Oldenburg Now“. Der kleine Film zieht Parallelen zwischen dem Reich des wahnsinnigen Colonel Kurtz im kambodschanischen Dschungel und dem Treiben um Festivalchef Neumann in der norddeutschen Tiefebene. Der ist angetan vom Ergebnis: „Was wir da an einem Tag mit Null Budget hingekriegt haben, dafür hätte Coppola Millionen und vier Wochen gebraucht!“ Vielleicht liegt das am Modus operandi des Filmfest-Leiters, den er ebenfalls dem berühmten Kurtz-Monolog entlehnt: „30 Years of Unsound Methods“. Kein Weg zurück Die Pressekonferenz zum Internationalen Filmfest ist für das Publikum eine Art „Point of no Return“. Zum ersten Mal seit dem Schlussvorhang des Vorjahres manifestiert sich das Festival vor Ort - und sofort ist jene Anziehungskraft wieder da, der man sich schwer wieder entziehen kann. Die gute Nachricht; Es gibt keinen Grund, das zu wollen. Das Internationale Filmfest macht uns zum dreißigsten Mal das Angebot, für fünf Tage ganz tief in die Filmwelt einzutauchen. Dafür müssen wir nicht nach Venedig oder Cannes, nicht nach Toronto oder Los Angeles. Dafür müssen wir nur ins Casablanca, Cine k, theater hof/19 oder Staatstheater, denn die Filmwelt kommt zu uns! Diese Gelegenheit sollte man nicht verpassen, denn auch nach dreißig Jahren ist keineswegs alles gedacht oder geäußert worden, was man über das Filmfest denken oder sagen könnte. Es hat zwar einen stabilen Kern, ist ansonsten aber in ständiger Bewegung - dank der innovativen Indie-Szene und dank der ureigenen „unsound methods“.

  • NICHTS WIE HIN (39)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • DIE BLAUE ZONE

    Um die Farbe Blau sind viele interessante Redewendungen und Geschichten entstanden - vom Blaumachen über das Blaue vom Himmel bis zum blauen Wunder. Doch mit alledem hat das Kulturfestival „BlueOL“ nichts zu tun. Mit seinem Namen nimmt es Bezug auf bestimmte Regionen der Erde. Wieso und auf welche? Das erklären wir hier. Das Alter ist absolut. Man fühlt sich mal besser und mal schlechter, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Dennoch gibt es global gesehen feine Unterschiede, was das Altern angeht. Nicht überall hat man die gleiche Lebenserwartung - und nicht überall altert man auf dieselbe Weise. Diese Variationen untersuchte der amerikanische Autor Dan Buettner - und benannte im Jahr 2005 fünf Regionen, in denen die Menschen deutlich älter werden als in anderen Teilen der Welt. Zu ihnen gehören die europäischen Inseln Sardinen (Italien) und Ikaria (Griechenland) sowie Loma Linda in Kalifornien, Nicoya in Costa Rica und Okinawa in Japan. Diese sogenannten „Blue Zones“ sind seitdem Gegenstand vieler Studien und Untersuchungen - schließlich würde sich der Rest der Welt nur allzu gern abgucken, wie man besonders alt wird. Aber warum sind sie eigentlich blau? Das ist überraschend einfach erklärt: Bei ihren Untersuchungen umrahmten die Gruppe um Buettner auf den Landkarten diejenigen Bereiche mit besonders vielen Über-Hundertjährigen mit der Farbe Blau. So ergaben sich: blaue Zonen. BLUE OL KULTURFESTIVAL 55+ 1. - 3. SEPTEMBER 2023 PROGRAMM JUGENDHERBERGE OLDENBURG STRAßBURGER STRAßE 6 26123 OLDENBURG EINTRITT FREI! Blau machen Was das alles mit Kultur zu tun hat? So einiges: Denn seit 2019 gibt es in Oldenburg ein Kulturfestival mit dem Namen „BlueOL“ - und es nimmt auf diese blauen Zonen Bezug. Zwar kennt das Team um die Initiatorin Christiane Maaß vom städtischen Kulturbüro keinen Geheimtipp, wie man garantiert eines Tages die „100“ knackt. Dennoch darf man eine Art Jungbrunnen erwarten. Denn es gibt durchaus wichtige Zutaten, die ein hohes Alter wahrscheinlicher machen: Nämlich Inspiration durch Kultur - und das Zusammensein mit anderen. Das Festival richtet sich in erster Linie an jene, die sich mit ihrem eigenen Alter schon tiefergehend auseinandersetzen, in erster Linie an Menschen ab 55 Jahren. Das heißt: Was gerade auf TikTok trended, wird man bei „BlueOL“ nicht sehen. Stattdessen gibt es es ein Programm aus Musik, Comedy und vielen Workshops, das für die Zielgruppe hoch interessant ist, wie vor allem das zweite „BlueOL“ im Jahre 2021 gezeigt hat. Das Blaue vom Himmel Ein deutlicher Schwerpunkt in der Programmplanung liegt bei den Workshops. Sie tragen Namen wie „Bodypercussion-Rhythmusspaß“, „Bewegungstheater kann jeder“ oder „Glückskörper-Körperglück“; sie legen also einen Fokus darauf, selbst aktiv zu werden. Gleiches gilt für das von Peter Maffay (oder Karat) inspirierte Musiktheater „Über sieben Brücken musst du geh'n“. Christiane stimmt zu: “Bei BlueOL geht es um das kreative, mutige Gestalten des eigenen Alters - für diejenigen, die jetzt in den Ruhestand gehen.“ Eine wichtige Rolle nehmen auch die Workshops speziell für Männer ein, etwa die Schreibwerkstatt „Papiertiger“. „Männer haben offensichtlich ein spezielles Kulturbedürfnis“, stellt Christiane fest. Bei der letzten Auflage habe die Frauenquote unter den Teilnehmer:innen bei etwa neunzig Prozent gelegen. Davon habe man sich aber nicht abschrecken, sondern motivieren lassen und neue Angebote gemacht. Mit Erfolg: „Die Nachfrage der Männer ist dieses Mal viel besser!“ Das zeigt nicht zuletzt, dass alle, die Mitmachangeboten eher skeptisch gegenüberstehen, Wege finden können, sich für diese Formate zu begeistern. Zwar wird man an den drei Festivaltagen aus keinem Bewegungsmuffel einen Bühnenstar machen. Es wird also nicht etwa das Blaue vom Himmel versprochen. Immerhin jedoch erhalten alle Menschen aus der Zielgruppe ein interessantes Angebot, dem man zumindest eine Chance geben sollte. Wobei manche Programmpunkte sogar altersunabhängig interessant sind. Der Comedy-Abend von Marcelini & Oskar etwa bringt auch Leute zum Lachen, die das Berufsleben längst noch nicht abgeschlossen haben; er ist allerdings kostenpflichtig. Auch das Konzert von Heart of Gold am 1. September richtet sich zwar an die Silver Ager, klingt für Jüngere deswegen aber nicht schlecht. Zumal die Songauswahl der Cover-Band einfach gut funktioniert: „Heart of Gold haben letztes Mal tolle Stimmung gemacht“, blickt Christiane zurück. Das habe sogar Folgen gehabt: „Aus dem Auftritt ist der 1. Oldenburger Rockchor hervorgegangen. Das sind vierzig bis sechzig Leute bei jeder Probe!“ Sein erstes Konzert gibt er - passenderweise - im Rahmen von BlueOL. Viele andere Angebote richten sich tatsächlich dezidiert an die Zielgruppe 55+, für die Workshops benötigt man zudem Anmeldungen. Wir können also nicht unseren üblichen Tipp geben, einfach mal hinzugehen und sich darauf einzulassen. Theoretisch könnte genau das sich aber lohnen. Denn neben den Programmpunkten lässt sich etwas anderes beobachten: Was mit Menschen passiert, die gemeinsam etwas erleben. Und das ist interessant, selbst wenn man nicht direkt zur Zielgruppe gehört. Das blaue Wunder? Ein Ort, an dem die Menschen auffällig lange leben, ist Oldenburg leider nicht. Aber vielleicht begeben wir uns auf den Weg dorthin? Wenn immer mehr Menschen - unabhängig vom Alter - entdecken, was ihnen wirklich gut tut, dann wird es zunehmend wahrscheinlicher, dass auch die Lebenserwartung steigt. Und neben geographischen und klimatischen Fragen gehören dazu eindeutig auch: Die Inspiration durch Kultur - und das Zusammensein mit anderen. Insofern wird die Stadt Anfang September dann doch: eine Blaue Zone.

  • MEHR LICHT

    Diese zwei Worte soll Johann Wolfgang von Goethe auf dem Totenbett gesprochen haben, womöglich in der Hoffnung, die Menschheit möge die eine oder andere Erleuchtung erhalten. Unabhängig davon, ob die Geschichte stimmt oder nicht, zeigt allein ihre Existenz das besondere Verhältnis der Menschen zum Licht. Umso mehr dürfen wir uns freuen, dass der BBK Oldenburg nun eine Ausstellung zu diesem Thema zeigt - mit einer spektakulären Zahl beteiligter Künstler:innen. Die Bedeutung des Lichts spielte aber nicht nur am Lebensende des Dichterfürsten eine Rolle, sondern auch im Oldenburger Alltag. Als etwa der frühere Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner einst gefragt wurde, was ihm an der Stadt am meisten gefalle, lautete seine Antwort nicht Lappan oder Lamberti, sondern: „Das Licht“. Es sei einzigartig klar, sagte er damals, und verleihe der Stadt vor allem am Morgen eine ganz besondere Atmosphäre. So wie ihm geht es auch vielen Gästen, die unsere Stadt als Tourist:innen besuchen: Sie bemerken eine besondere Strahlkraft. Das Licht und seine Wirkung auf unsere Umgebung scheinen tatsächlich etwas zu ein, das wir registrieren und was uns beschäftigt. Das galt in den letzten Wochen insbesondere für die Künstlerinnen und Künstler des BBK Oldenburg. Für die aktuelle Ausstellung setzten sie sich mit Wesen und Wirkung des Lichts auseinander - und zeigen die Ergebnisse ihrer Arbeit nun in einer Ausstellung BBK-PROJEKT 2023: LICHT SONNTAG, 13. AUGUST - SONNTAG, 17. SEPTEMBER DIENSTAG - DONNERSTAG 14 BIS 17 UHR SONNTAG 11 BIS 14 UHR BBK GALERIE PETERSTRAßE 1 26122 OLDENBURG Große Beteiligung Viele von uns kennen Einzel-, Doppel- oder Gruppenausstellungen. Die Zahl beteiligter Künstler:innen ist also meist sehr klein und niemals sehr groß. Hier jedoch ist es anders. Ganz anders, um genau zu sein - denn in der neuen BBK-Ausstellung sind nicht fünf oder zehn Akteure:innen zu sehen, sondern siebzig! „Die hohe Zahl kommt deshalb zustande, weil sämtliche Mitglieder sich beteiligen konnten“, erklärt Robert Uhde, Pressesprecher des BBK. Das seien zur Zeit etwa 140. Etwa die Hälfte von ihnen ist also mit einem eigenen Werk vertreten. Man bekommt bei „Licht“ also einen guten Überblick über die Vielfalt des Bundes bildender Künstler:innen. Große Abwechslung Wer nun befürchtet, es würde sich bei den ausgestellten Objekten um siebzig nur leicht variierende Gemälde handeln, die sich letztlich alle ähneln, könnte damit falscher nicht liegen. „Im Rahmen der Ausstellung sind die unterschiedlichsten Genres vertreten“, erläutert Robert. Das seien nicht nur Malerei und Zeichnung, sondern auch Installation, Druck, Fotografie, Objekte und Film. Einen roten Faden gibt es aber natürlich doch und das ist eben das Thema Licht. „Sämtliche Arbeiten beschäftigen sich damit“, bestätigt Robert und nennt sogleich ein Beispiel für die große Kreativität bei der Umsetzung: „Ein Werk zeigt, wie das Sonnenlicht im Laufe mehrerer Wochen einen Stoff so ausbleicht, dass die darauf liegenden Buchstaben L, I, C, H und T als Abdruck hervortreten.“ Das universelle Thema Licht sei ganz bewusst gewählt worden, um unterschiedlichste Positionen und Techniken zu ermöglichen - und diese Offenheit spiegelt die Ausstellung eindrucksvoll wider. Renate Ai, Susanne Barelmann, Karin Bison-Unger, Herbert Blazejewicz, Stephan Boehle, Almuth Boekhoff, Gabriele Böger, Anita Buchholz, Bernhard Büsing, Hannes Clauss, Marlis Czycholl-Tantzen, Ute Dingel, Meike Dismer, Gerlinde Domininghaus, Anna Domke-Thiemann, Anne Dück-von Essen, Doris Eickhoff, Andreas Engelmann, Sarah Esslinger-Dahlmann, Renate Fäth, Brigitte Frehsee, Renate Garen, Christian Gloystein, Dmitry Gontarenko, Andrey Gradetchliev, Theo Haasche , Barbara Habermann, Bettina Hauke, Edeltraud Hennemann, Anke Ibe, Petra Jaschinski, Heike Kahmann, Peter Knauer, Petra Knauer, Kerstin Kramer, Marina Krasnitskaya, Susanne Krause, Karl-Heinz Kühnke, Heidemarie Langkau, Dieter Mach, MAMU, Barbara Meichsner-Dobrinski, Gabi Metasch, Stephan Meyer-Bergfeld, Christine Micheel, Christa Müller, Lioba Müller, Siegfried O.Stolle, Gerhard Ohnesorge, Anke H. Otto, Maren Panke, Hertha Poppinga, Dörte Putensen, Brigitte Raché-Böker, Renate Ruck, Werner Schieleit, Eva Schnabel-Schütte, Katrin Schöß, Brigitte Schulten, Birgit Elke Schumacher, Charlotte Sieber, Jens Springhorn, Ingrid Steckelberg, Dr. Helmut Stelljes, Reinald Szepanski, Malu Thören , Petra Timmas, Ernst W. Wargalla, Sevil Weis, Rita Westermann Spektakulär: Die Zahl der beteiligten Künstler:innen ist enorm hoch. Großes Erlebnis Unabhängig davon, wie weit das eigene Kunstverständnis ausgereift ist - ob man also seit Jahrzehnten Ausstellungen besucht, oder einfach mal spontan reinschneit - gibt es bei „Licht“ eine wunderbare Vielfalt an Interpretations- und Herangehensweisen zu sehen. Die enorm große Zahl an Beteiligten sorgt nicht etwa für eine visuelle Unruhe oder Unübersichtlichkeit - ganz im Gegenteil stellt sich die Abwechslung als Bereicherung heraus. Sie macht die Ausstellung zum Erlebnis. Und noch etwas kommt hinzu: „Im Rahmen der Ausstellung gibt es auch die Möglichkeit, mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen“, betont Robert. Das eröffne häufig noch ganz neue Blicke auf die Werke. Und wer sich vor Ort in eines von ihnen schockverliebt, muss nicht verzagen, denn: „Sämtliche Arbeiten können selbstverständlich auch käuflich erworben werden.“ Ungeheure Vielfalt: Diese Auswahl bietet nur einen kleinen Einblick. (Bilder: Kulturschnack) Große Sache Licht gehört zwar zu den selbstverständlichsten Dingen der Welt. In ewiger Dunkelheit würde es schließlich gar kein Leben geben. Aber dennoch - oder gerade deswegen - haben wir Menschen eine tiefe Beziehung zu ihm. In den kommenden Wochen habt ihr die wunderbare Gelegenheit, nicht weniger als siebzig künstlerische Interpretationen dieses Verhältnisses anzusehen - und dabei auch eure eigene Haltung herauszuspüren. Der Besuch der Ausstellung lohnt sich also gleich in mehrfacher Hinsicht. Dadurch erfüllt sich zumindest für Oldenburg und für diesen Zeitpunkt Goethes einstige Hoffnung auf „mehr Licht“!

  • NICHTS WIE HIN (37)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • ZUR LAGE DER KÜNSTE

    Von gesellschaftlichen Krisen ist die Kultur stets in besonderer Weise betroffen. Während der Corona-Pandemie verlor sie plötzlich ihre gesamte Arbeitsgrundlage, die verwaisten Säle und leeren Ränge wurden zum tragischen Symbol der neuen Unmöglichkeiten. Zwar ist die Pandemie vorbei, doch neue Krisen sind an ihre Stelle getreten. Wie geht es den Künsten jetzt? Plötzlich war sie da: die Diskussion über die Systemrelevanz der Kunst. Erst als sie ab März 2020 nahezu vollständig aus unseren Alltagen verschwand, wurde vielen ihr wahrer Wert bewusst. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihre ökonomische und emotionale Relevanz erstmals in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Eine wichtige Reaktion darauf waren die erfolgreichen „Neustart Kultur“-Förderprogramme des Bundes, mit deren Unterstützung es gelang, Publikum und Szene wieder zusammenzuführen. Dennoch sollte es nur zwei weitere Jahre dauern, bis alles wieder infrage stand. Die strengen Coronaregeln waren im Frühjahr 2022 noch nicht aufgehoben, als Putins Angriffskrieg auf die Ukraine begann und in der Folge die Inflation zweistellige Werte erreichte. Das hinderte zwar keine:n Künstler:in an der Berufsausübung. Im Gegenteil, es inspirierte sie sogar zu wichtigen Positionen, womit die Szene einmal mehr ihren Wert unterstrich. Jedoch sahen sich in der Folge viele Bürger:innen zum Sparen gezwungen. Und das tun sie dort, wo es zunächst nicht so wehtut - an den Theater- und Konzertsaalkassen. Die bittere Erkenntnis für die Szene: Nach der Krise ist in der Krise, FILMVORFÜHRUNG & OFFENER AUSTAUSCH DENNOCH! ZUR LAGE DER FREIEN KÜNSTE MIT DENNIS ROHDE (SPD, MITGLIED DES BUNDESTAGS), HOLGER BERGMANN (GESCHÄFTSFÜHRUNG FONDS DARSTELLENDE KÜNSTE), ANDREA HUFELAND (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN OLDENBURG), YLVA JANGSELL (THEATERMACHERIN, SCHAUPSPIELERIN, PERFORMERIN, REGIESSEURIN), WINFRIED WREDE (GESCHÄFTSFÜHRUNG UND KÜNSTLERISCHE LEITUNG FLAUSEN+) MITTWOCH, 23. AUGUST, 19 UHR THEATER WREDE + KLÄVEMANNSTRAßE 16 26122 OLDENBURG EINTRITT FREI! Der Finger am Puls Auf Rosen gebettet war die Kultur nie. Doch die Achterbahnfahrt der letzten drei Jahre - vom Corona-Chaos über die hilfreichen Fördermaßnahmen bis zu den neuen Unsicherheiten - sucht historisch ihresgleichen. Wie fühlt es sich an, wenn man diese Phase nicht von außen betrachtet, sondern von innen miterlebt? Wie geht es den Künsten? „Regisseurin Janina Möbius zeichnet ein lebendiges Bild der Freien Szene und macht deutlich, wie groß die Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens war." (Clemens Claudius, Rheinische Post) Diese Fragen haben sich auch der Fonds Darstellende Künste gestellt und dafür ein Experiment gewagt. Zwischen Mai und August 2022 förderte und unterstützte er rund 25 Labore - von Figuren-und Objekttheater bis Musiktheater, von Tanz über Performance und Schauspiel bis zu Theater im öffentlichen Raum und Zeitgenössischem Zirkus. Was dabei geschah und entstand, hielt Regisseurin Janina Möbius mit der Kamera fest. Ihr Film „Dennoch!“ dokumentiert das künstlerische Arbeiten und Forschen dieser über die Bundesrepublik verteilten (auch digitalen) Labore in Zeiten gesellschaftlicher Transformation Inmitten krisenhafter Jahre Das Ergebnis: ein offener, intimer Einblick in die freien Künste. Ein authentisches Stimmungsbild inmitten krisenhafter Jahre - das einerseits die vielfältigen Schwierigkeiten dokumentiert, andererseits aber auch die unbändige Schaffenskraft der Akteur:innen zeigt. Nicht zuletzt wird auch die Vielfalt der Szene deutlich, bzw. die unendlichen Schattierungen des Theaterbegriffs, die an vielen Stellen große Lust auf den nächsten Besuch machen. „Rasant geschnittene Performance-, Tanz, und Theaterkunst, mit Drohnen-Kameraflügen opulent in Szene gesetzte Spielstätten, bunte Bilder von begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern.“ (Christoph Zwickel, ZEIT Online) „Dennoch!“ ist zweifellos ein gut gewählter Titel, steht er doch zum einen für das eigene Bewusstsein für die allzu oft widrigen Umstände - andererseits für die Haltung, sich davon nicht beirren zu lassen. Der Spirit, für den dieses Wort steht, ist an vielen Stellen des Films zu spüren und weiß die Aufgeschlossenen im Publikum mitzureißen. Mehr als eine Doku Der Film besitzt nicht nur einen hohen dokumentarischen Wert. Er hat ein Anliegen - und bildet deshalb eine gute Basis, um Debatten wieder aufzunehmen, fortzuführen oder neu auszusteuern. Schließlich gilt die freie Szene als Impulsgeber und Agent provocateur der Kultur: schnell, flexibel, intelligent, innovativ, meinungsstark. Als sie vor drei Jahren ihre Stimme verlor, donnerte das Schweigen durch das ganze Land. Die Diagnose Systemrelevanz war damals überraschend schnell und einhellig gestellt, Doch wie geht es jetzt, nach dem Neustart, weiter? „Siebzig Minuten freie Szene, siebzig Minuten pralles Leben und satte Kunst." (Dorion Weickmann, tanz) Dieser Frage soll auch im theater wrede + nachgegangen werden. An jenem Ort also, der als Keimzelle von flausen+ die Unbändigkeit der freien Szene in Oldenburg wahrscheinlich am stärksten repräsentiert. Nach dem etwa siebzigminütigen Film wird es einen offenen Austausch mit Dennis Rohde (SPD MdB), Holger Bergmann (Geschäftsführung Fonds Darstellende Künste), Andrea Hufeland (Bündnis 90/Die Grünen Oldenburg), Ylva Jangsell (Theatermacherin, Schauspielerin, Performerin, Tänzerin, Regisseurin, Theaterpädagogin), Winfried Wrede (Geschäftsführung flausen+) und weiteren über notwendige Schritte für die Zukunft der Freien Szene geben. Besser jetzt Ist die freie Kultur systemrelevant oder nicht? Über diese Frage müssen wir inzwischen nicht mehr diskutieren, sie wurde im Corona-Reallabor deutlich beantwortet. Offen ist dagegen, wie sie dauerhaft ihre Rolle ausfüllen kann, denn es bleibt dabei: Von gesellschaftlichen Krisen ist die Kultur stets besonders betroffen. Setzen sich die allgemeinen Preissteigerungen und hohen Inflationsraten fort, wächst die Gefahr struktureller Verwerfungen. Besser man diskutiert jetzt: offen und fair, konstruktiv und kreativ. Und ihr? Könnt dabei sein! Das würde sich bereits wegen des Films lohnen, das anschließende Gespräch dürfte das Seherlebnis aber nochmals bereichern und dabei auch unsere Oldenburger Szene in den Blickpunkt rücken. Zwar war und ist auch hier eine leidenschaftliche Unbeirrbarkeit festzustellen - „Dennoch!“ sollte die „Lage der Künste“ immer ein Thema sein.

  • NICHTS WIE HIN (38)

    Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:

  • STEINZEIT TRIFFT SMARTPHONE

    Am ersten Augustwochenende finden die 40. Internationalen Keramiktage statt und teilen die Bevölkerung einmal mehr in zwei Bereiche: Die einen lieben den Markt auf dem Schlossplatz über alles - die anderen könnten sich nicht weniger dafür interessieren. Wie findet man die Begeisterung für dieses Thema? Darüber haben wir mit Nicola Heppner gesprochen. Als Geschäftsführerin der Werkschule ist sie für die Durchführung des Großereignisses verantwortlich. Ihre Antworten lest ihr hier! Nein, romantisch verklärt ist unser Verhältnis zur Keramik nicht gerade. Aus unserem Alltag kennen wir sie vor allem als Waschbecken und Kloschüsseln. Tatsächlich überzeugt der Werkstoff durch seine hohe Alltagstauglichkeit: Hitze, Schmutz oder Säure können ihm nichts anhaben. Die Wahrnehmung hat sich zwar verändert, seitdem Keramik in Hightech-Bereichen eingesetzt wird. So bestehen die Hitzeschilde des Space Shuttle aus diesem Material, ebenso Luxus-Uhren und teure Smartphones. Es sind aber auch hier die funktionalen Eigenschaften der Keramik, die sie so nützlich machen. Dabei ist sie ihrem Wesen nach etwas ganz anderes. Das zeigt der Blick zurück in die Vergangenheit, genauer gesagt in die Steinzeit. Obwohl der Cro-Magnon-Mensch vor etwa 30.000 Jahren nomadisch lebte und in erster Linie mit dem Überleben beschäftigt war, gelangen ihm damals bereits eindrucksvolle Kunstwerke. Woraus? Ihr ahnt es: aus Keramik! Das macht sie zu einem der ältesten Kunst-Stoffen der Welt. Zum Vergleich: die berühmten Höhlenmalereien in den spanischen Altamira- oder den französischen Lascaux-Höhlen sind „nur“ 15.000 Jahre alt. Höchste Zeit also, die Keramik von der Profanität des Alltags zu befreien! WERKSCHULE E.V. 40. INTERNATIONALE KERAMIKTAGE OLDENBURG SAMSTAG, 5. AUGUST 10 BIS 18 UHR SONNTAG, 6. AUGUST 11 BIS 18 UHR SCHLOSSPLATZ 26122 OLDENBURG Vielfalt der Farben und Formen Der ideale Ausgangspunkt dafür sind die Internationalen Keramiktage Oldenburg. Hier geht es zwar nicht um spektakuläre Einsatzgebiete wie die Raumfahrt. Dafür kann man aber einen sehr guten Eindruck von künstlerischen Keramiken erhalten. Wer am ersten Augustwochenende über den - hoffentlich sonnigen - Schlossplatz schlendert, taucht ein in eine Welt aus Farben und Formen. Schnell wird dabei deutlich, dass Keramik zwar viele praktische Eigenschaften besitzt, dass sie aber besonders gut für kreative Schöpfungsprozesse geeignet ist. Offenbar erschließt sich der Reiz aber erst auf den zweiten Blick, anders wäre die eingangs erwähnte Zweiteilung des potenziellen Publikums nicht zu erklären. Trotz der enormen Präsenz der Keramik in unseren täglichen Routinen, in besonderen Anwendungsgebieten wie der Raumfahrt und in der internationalen Kunstszene besteht also Bedarf an Aufklärung. Am Montag, den 1. August, sind es nur noch wenige Tage bis zum Start der Keramiktage. Rund um das Planungsteam der Werkschule herrscht reger Trubel: Aussteller:innen benötigen Informationen zum Ablauf, letzte Planungsdetails verlangen nach einer Entscheidung. Trotzdem nimmt Nicola Heppner sich die Zeit, unsere Fragen zu beantworten - und weckt Vorfreude auf das Großereignis! Nicola, die Keramiktage finden bereits zum 40. Mal statt. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass sie hier stattfinden? Hat Oldenburg etwa große historische Traditionen in diesem Bereich? Dass die Internationalen Keramiktage - bzw. das Herzstück Keramikmarkt - in diesem Jahr zum vierzigsten Mal stattfinden, ist schon großartig. Denn die Frage ist berechtigt: Oldenburg hatte keine Tradition im Bereich Keramik. Das bedeutet, dass die Stadt nicht in der Nähe einer großen Tongrube liegt, an der Tagebau betrieben würde. Als 1983 der Töpfermarkt von der Stadt ins Leben gerufen wurde, geschah das auf Betreiben einiger Keramiker. Es herrschte im ganzen Land eine Stimmung, die man Keramiker-Boom nennen könnte. Damals hießen die Keramiktage noch Töpfermarkt. Das klingt deutlich weniger glamourös. Wo ist denn der Unterschied? Gibt es überhaupt einen? Grundsätzlich sind beide Begriffe Synonyme. Der Töpfermarkt wurde mit Augenmerk auf die Weser-Ems-Region und den Norden gegründet. Dementsprechend waren auf dem Markt zahlreiche regionale Werkstätten vertreten und einige wenige Keramiker aus den Niederlanden. Voraussetzung war schon damals, dass die Teilnehmenden ausgebildete oder studierte Keramiker waren. Die Gründung war so erfolgreich, dass man den Töpfermarkt auf jeden Fall weiterführen wollte. Bald wurde parallel zur Veranstaltung eine Ausstellung vom Stadtmuseum gezeigt, die sich der „Keramik aus Norddeutschland“ widmete. Später zog diese Ausstellung in den Pulverturm und entwickelte sich dort aufgrund des beschränkten Platzangebots zu einer Einzelausstellung, die sie auch heute noch ist. Jeder Boom erlebt aber auch Flauten. Um den Töpfermarkt nicht zu einer herzlosen Routine werden zu lassen, hat sich die Stadt Oldenburg im Jahr 1999 dazu entschieden, den Töpfermarkt und seine Organisation an die Werkschule – Werkstatt für Kunst und Kulturarbeit e.V. zu übergeben. Mit viel Mut, Engagement, Ideen und vor allen Dingen keramischem Fachwissen hat sich der Vorstand der Aufgabe gewidmet, dem Töpfermarkt wieder neues Leben einzuhauchen. Eine Art Revitalisierung also. Wie sah das im einzelnen aus? Über die Lebensfähigkeit eines Marktes entscheiden Vielfalt und Niveau. Ersteres wurde durch die internationale Ausschreibung erzielt, letzteres durch strengere Juryentscheide, die auch darauf abzielten, neben der Internationalität alle keramischen Sparten abzubilden. Wichtig dabei, dass die Bewerber eine klare eigene Formensprache haben. Darüber hinaus wurden Sponsoren und Förderer gesucht und gefunden, so dass die Keramiker heute vier jurierte Preise und einen Publikumspreis gewinnen können. Das Landesmuseum wurde zu einem Kooperationspartner und öffnet alljährlich seine Räume wieder für keramische Ausstellungen. Mit den Jahren gelang es so, den Markt zu einem der besten und qualitätsvollsten keramischen Märkte Deutschlands zu machen. In der keramischen Szene spricht sich das rum und zieht weitere bekannte Künstler:innen an. Die Internationalisierung und die neue Konzentration von keramischen Unikaten, künstlerischen Gefäßen und Plastiken waren der Grund für die Umbenennung. Beim Stichwort Keramik denken viele Menschen nach wie vor an Teller, Tassen, Vasen. Wie erkennt man denn, ob es etwas nur Alltagsgegenstand oder Kunstwerk ist? Oder stimmt das Klischee etwa gar nicht? Keramik ist so viel mehr als Teller, Tassen und Vasen! Du wärst überrascht zu erfahren, was in deinem Haushalt alles aus Keramik besteht. Im Lexikon lautet die Definition: „Keramik ist ein aus anorganischen Stoffen bestehender Werkstoff, der unter Zugabe von Wasser geformt, bei Raumtemperatur getrocknet und anschließend durch einen Brennprozess ausgehärtet wird, und so seine charakteristischen Eigenschaften erhält.“ Der Gedanke an das heimische Badezimmer ist naheliegend, aber es gibt noch viel mehr - etwa das Mahlwerk einer Pfeffermühle, Zahnimplatate, künstliche Hüftgelenke. Am Fraunhofer Institut experimentieren die Forscher:innen mit den typischen Eigenschaften der Keramik, bspw. für die Raumfahrt. Aber zurück zum Keramikmarkt. In der Galerie unter freiem Himmel kann man sich einen umfassenden Eindruck über die Vielfalt der künstlerischen Keramik verschaffen. Die Künstler:innen präsentieren aktuelle zeitgenössische Keramik, künstlerische Plastiken, botanische Objekte, Tierskulpturen, Schmuck, Gefäßunikate, und ja, auch Gebrauchskeramik in Form von Tassen und Tellern. Diese allerdings sind in aller Regel Unikate oder in Kleinstserien hergestellt. Weiter findet man Drehkeramik und aufgebaute Keramik, hergestellt aus Steinzeug, aus Porzellan oder Irdenware, bemalt oder bezeichnet mit verschiedenen Techniken und Dekoren, mal ganz grafisch, mal künstlerisch. Es gibt Werkstücke, die im Holzofen, im Gasofen oder im Elektro-Ofen gebrannt wurden. Man kann herausfinden, was der Unterscheid zwischen Salzbrand, Holzbrand und Rakubrand-Technik ist. Ob es sich bei den Keramiken - von Teller über Vasen und Schmuck bis zu Skulpturen - um Alltagsgegenstände oder ein Kunstwerk handelt, das hängt vom individuellen Sinn für Ästhetik und dem eigenen Geschmacksempfinden gegenüber der Kunst ab. Es entscheidet also jeder für sich, was sie oder er als "Kunst" empfindet und was nicht. Was bedeutet hier eigentlich international? Aus welchen Ländern kommen die Aussteller:innen? Und wie viele sind es insgesamt? International bedeutet europaweit. An 110 Ständen sind neben Deutschland die Länder Italien, Spanien, Portugal, Großbritannien, Dänemark, Polen, Tschechien und natürlich unser direkter Nachbar, die Niederlande vertreten. Was genau erwartet mich als Besucher:in auf dem Schlossplatz? Nur die Objekte? Oder sind die Künstler:innen auch anwesend? Kann man sie ansprechen? Und gibt es ein Rahmenprogramm? Die Besucher:innen dürfen sich auf über hundert von einer Fachjury ausgewählte Keramikkünstler:innen, Werkstätten und Designer freuen. Die Aussteller:innen sind an beiden Tagen da und freuen sich immer über interessiertes Publikum. Gerade die Kommunikation mit den Besucher:innen macht den Keramikmarkt so wertvoll. Neben dem Markt auf dem Schlossplatz kann man kostenfrei auch zwei keramische Ausstellungen im Schloss besichtigen. Bei der „brandneu – brandnew“ handelt es sich um eine Präsentation der Aussteller:innen. Jede:r von ihnen darf ein bezeichnendes Werkstück in die Ausstellung einreichen. Damit wird der perfekte Querschnitt des gesamten Marktes abgebildet. Als Besucher:in dürfen Sie am Samstag für Ihr Lieblingsstück votieren und sind damit Teil der Jury für den Publikumspreis, der am Samstagabend bei der Preisverleihung vergeben wird. Im Marmorsaal des Schlosses läuft die Einzelausstellung „Kraft und Lebendigkeit“. Es werden Keramiken von Sebastian Scheid präsentiert, dem Gewinner des „Preis der Fachzeitschrift NEUE KERAMIK“. Außerdem kann man bei einem Gewinnspiel selbst hochwertige Keramik gewinnen und einer jungen Keramikerin bei Ihrer Arbeit an der Drehscheibe zuschauen. Einfach Eintauchen Wer weiß? Vielleicht werden auch in Zukunft noch die meisten Menschen an das heimische Badezimmer denken, wenn das Stichwort Keramik fällt. Wer aber die Gelegenheit nutzt und in die Internationalen Keramiktage eintaucht, wird seine Assoziationskette nachhaltig verändern. Wir können das nur empfehlen, selbst wenn man Teller, Tassen und Vasen in erster Linier nur als Gebrauchsgegenstände interpretiert. Denn eines ist sicher: wenn die Menschheit etwas über Jahrtausende aktiv verwendet, immer neue Einsatzgebiete findet und an weiteren forscht, dann lohnt sich die Beschäftigung damit. Stimmungsvoll: Eindrücke von den 39. Internationalen Keramiktagen (Bilder: Markus Hibbeler) Das gilt insbesondere für die künstlerischen Anwendungen auf höchstem Niveau. Denn hier ist die Keramik tatsächlich von der Profanität des Alltags befreit - und zeigt, dass sie noch viel mehr ist als hitzebeständig und schmutzresistent. Nutzt das aus und schaut euch das auf dem Schlossplatz an - das eigene Badezimmer seht ihr schließlich oft genug.

  • MEHR ALS EIN RAVE

    Du hast Lust auf Tanzen? Zum Sound von bekannten DJs mit Oldenburg-Bezug? An einem Ort, an dem das normalerweise nicht geht? Mit etwas Kunst dazu? Zum einen Werke, die du dir anschauen kannst - zum anderen Workshops, in denen du selbst aktiv wirst? Das Ganze dann offen, fair, freundschaftlich, regional und CO2-neutral? Wunderbar, dann hast du am 16. September etwas vor! Als sich am Freitag, dem 20. August 2018, ein 15-jähriges Mädchen mit dem Schild „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor den schwedischen Reichstag setzte, konnte niemand ahnen, welche Folgen das haben würde. Heute wissen wir: Greta Thunberg wurde zu einer Ikone der Klimaschutzbewegung, die Fridays for Future zu einem globalen Phänomen mit tausenden Demonstrationen und Millionen Teilnehmer:innen, zahlreiche Variationen wie die Parents, Teacher und Scientists for Future folgten. Und Oldenburg? War und ist vorne mit dabei. Hier gibt es eine sehr aktive Fridays for future-Gruppe, die bei der städtischen Umweltpolitik mitreden darf, im September 2019 nahmen über 10.000 Menschen am großen Klimastreik rund um die Innenstadt teil. Seit April 2023 gibt es hier nun etwas Neues: die Ravers for Future, Und die bunte Truppe aus Techno- und Elektro-Enthusiasten fackelte nicht lange: Nur fünf Monate nach der Gründung planen sie ihre erste Großveranstaltung,. Was euch erwartet, was das Besondere daran ist und wieso ihr unbedingt hingehen solltet? Das haben uns die beiden Gründungsmitglieder Isa und Lukas im Interview erzählt. RAVERS FOR FUTURE E.V. RAVE FOR ART FESTIVAL FEATURING: EINFACH UNGEFRAGT, EXI ELLI, AVA, DAS FACHPERSONAL, NEYTIVE, DERK JANSSEN, EMKAY SAMSTAG, 16. SEPTEMBER 2023 12 UHR - 22 UHR INNENHOF DES PRINZENPALAIS DAMM 1 26122 OLDENBURG NUTZT DEN VORVERKAUF: TICKETS GIBT ES HIER! Nein, der Tag unseres Gesprächs wäre kein besonders gutes Omen für den Rave im September. Zwar ist es warm an diesem Juli-Tag und immer wieder bricht die Sonne durch die Wolken. Zwischendurch prasselt der Regeln aber so stark aufs Dach des Appeltje, dass wir kaum unser eigenes Wort verstehen. Dennoch sind Isa (25) und Lukas (29) von Ravers for Future gut gelaunt. Man spürt ihre Neugier und Vorfreude auf die Veranstaltung - aber auch Respekt vor den Dimensionen der Aufgabe. Verständlich - denn sie haben viel vor! Ihr seid die Ravers for Future. Das heißt, ihr verbindet Techno- und Elektro-Sounds mit den inhaltlichen Ansätzen der Fridays for Future-Bewegung. Wie seid ihr darauf gekommen? Isa: Wir sind schon lange in der Szene unterwegs, als „Einfach ungefragt“ legen wir auch zusammen auf. Wir lieben das Gemeinschaftsgefühl, das beim Tanzen entsteht. Es passiert einfach etwas, wenn man sich mit der Crowd zusammen bewegt - das spürt man ganz deutlich. Ein bisschen gestört hat uns aber der Hedonismus, der da auch mitspielt. Das heißt, es geht oft nur um den Spaß an der Sache - andere Aspekte wie Umwelt oder die eigene Umgebung spielen keine große Rolle. Uns sind diese Themen aber wichtig, das haben wir immer stärker gespürt. Lukas: Irgendwann sind wir darauf gekommen, dass wir vielleicht diese beiden Aspekte verbinden können. Wir wollten das Gemeinschaftsgefühl sozusagen mit Bedeutung schwängern. Eine Techno Veranstaltung eignet sich sehr gut als Projektionsfläche, um weitere Gedanken mit einzubringen. Menschen lernen meist am besten, wenn sie nicht merken, dass sie etwas lernen. So wollen wir das auch einbauen: nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit interaktiven Aktionen und mit einer unterbewussten Auseinandersetzung. Daneben soll aber auch der Spaß an der Techno-Veranstaltung im Vordergrund stehen. Die Veranstaltung heißt „Rave for Art“ und wird am 16. September in Oldenburg stattfinden. Geplant wird derzeit mit 400 Besucher:innen. Das wuppt ihr aber nicht allein, oder? Isa: Nein, das wäre eine Nummer zu groß! In unserem Team ist ein Veranstaltungs-Kaufmann, eine Grafikdesignerin, ein IT-Experte sowie mehrere Menschen mit Kenntnissen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Die Zusammensetzung hat sich organisch ergeben, sie war also nicht geplant, aber wir haben alle wichtigen Bereiche abgedeckt. Wir brauchen das Team auch, um unser Netzwerk auf- und auszubauen. Wir wollen zu den Themen Kunst und Nachhaltigkeit nicht einfach vermitteln, was wir irgendwo mal aufgeschnappt haben. Das soll alles sehr fundiert sein, deshalb binden wir Expertinnen mit ein. Ihr wagt ja einen doppelten Spagat: In den Techno-Kontext bettet ihr nicht nur das Thema Klimaschutz ein, sondern auch Kunst. Lukas: Richtig. Bei dieser ersten Veranstaltung arbeiten wir mit dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zusammen, das ja auch das Prinzenpalais verwaltet. Die Kunst rückt hier also neben den Klimaschutz und bei beiden gilt dieselbe hohe Anspruchshaltung. Deshalb sind wir aktiv auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern, die uns fachlich unterstützen oder selbst auf der Veranstaltung präsentieren. Das wird aber kein Frontalunterricht, es wird auch verschiedene Workshops und weitere interaktive Angebote wie eine Open Gallery geben, die alle Besucher:innen gemeinsam gestalten. Diese Elemente sind uns ganz wichtig! Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz mit Blick auf die Menschen, die Umwelt, das Klima, aber auch auf unsere historische Vergangenheit und unsere kulturellen Schätze. Das wollen wir alles miteinander kombinieren. Mit dem Landesmuseum und dem Prinzenpalais können wir Assoziationen zur Kunst schaffen und dann gleichzeitig die Frage stellen, was hat Kunst mit Klimaschutz zu tun? Da haben wir schon mal drei, vier Aspekte, die wir einbringen können. Zudem ist Techno selbst auch Kunst und Kulturgut. So kann man dann die Brücke schlagen von der Musik zur Kunst bzw. Kunsthistorie und dann auch noch - was uns von Anfang an ein Anliegen war und was wir auf jeder Veranstaltung mittransportieren wollen - zum Klima- und Umweltschutz. Es ist ja gar nicht so einfach, die unterschiedlichen Bestandteile zu gewichten. Bei manchen Veranstaltungen dient Kunst nur zur Dekoration, bei anderen ist die Musik nur eine klangliche Untermalung. Wie ist es bei euch? Lukas: Ich würde schon sagen, dass es ein Stück weit gleichberechtigt ist. Der Spaß an der Musik und am Tanzen soll definitiv da sein und ist letztlich das Herzstück. Dieser Bereich könnte auch für sich allein stehen und wäre eine erstklassige Veranstaltung. Isa: Es geht ja immer um die Fragen, wie man die Leute erreicht. Mit fachlichen Formaten holt man jene ab, die sich sowieso schon für das Thema interessieren. Aber wie lockt man diejenigen, bei denen das noch nicht so ist? Es ist ein wichtiger Teil unseres Konzeptes, dass wir auch diese Leute mit ins Boot holen, die sich bis jetzt nicht wirklich damit auseinandergesetzt haben, aus welchen Gründen auch immer. Das funktioniert in unserem Fall gleich mehrfach: Musikfans können sich mit Kunstgeschichte auseinandersetzen, Umweltaktivisten können Techno für sich entdecken oder Kunstexperten in das Thema Nachhaltigkeit eintauchen. Auch Vorurteile lassen sich damit gut abbauen. Und was erwartet die Besucher:innen ganz konkret? Dass es eine Tanzfläche geben wird, dürfte klar sein. Aber wie muss man sich das Festival darüber hinaus vorstellen? Lukas: Genau, es wird eine Bühne und eine Tanzfläche geben, das reicht bei einer Kapazität von 400 Personen aus Daneben haben wir wie schon erwähnt die Open Galerie mit Künstler:innen aus der Region. Da war die Nachfrage so groß, dass wir über eine Erweiterung nachdenken - deshalb können sich weitere Interessent:innen gerne melden. Isa: Die Kunstwerke, die im Rahmen der Veranstaltung entstehen werden, sollen sich mit gesellschaftskritischen und klimarelevanten Dingen auseinandersetzen. Das heißt, sie sind nicht entkoppelt von unserem Konzept. Übrigens werden die Werke eine Woche später im Landesmuseum ausgestellt, sie sind also auf ihre Weise nachhaltig. Man kann dann mit dem Ticket unserer Veranstaltung in die Ausstellung gehen. So können sich Museum und Musikfans nochmal neu entdecken und dabei stellt man vielleicht fest: so blöd, wie es von außen scheint, ist der jeweils andere gar nicht. Lukas: Als ein interaktives Element wird es auch eine Leinwand geben, wo alle Teilnehmer:innen sich verewigen können. Das wird dann vom Landesmuseum archiviert und in zwanzig Jahren nochmal rausgeholt, um zu zeigen, was wir so auf der Veranstaltung gemeinsam gemacht haben. Isa: Ein zentrales Element wird auch unser Workshop-Zelt sein, dort geht es gleich um 12 Uhr los, zum Beispiel mit Zeichnen oder Graffiti. Zu diesem Zeitpunkt läuft noch keine Musik, so dass man die nötige Ruhe hat, um zu reden und sich auszutauschen. Das genaue Programm verraten wir in den kommenden Wochen auf unserem Instagram-Kanal. Kostprobe gefällig? So klingt es, wenn das Fachpersonal aus Oldenburg/Leer auflegt. Und musikalisch? Da gibt es ja einen weiteren Spagat: Echte Technofans haben natürlich gewisse Ansprüche, alle anderen vielleicht Befürchtungen, was den Härtegrad betrifft. In welche Richtung werdet ihr da gehen? Isa: Was uns beim Techno auf jeden Fall auffällt, ist der Trend, dass es immer schneller und immer düsterer wird. Das lässt nicht so viel Raum für weiterführende Gedanken, deshalb möchten wir alles ein bisschen entschleunigen. Das heißt, wir werden nicht den allerschnellsten Hard Techno mit 150 bpm spielen, sondern auch etwas melodische Dinge, etwas zum Eintauchen, wo man sich fallen lassen kann, was inspirierend wirkt. Lukas: Deswegen passt es auch ganz gut, dass es tagsüber stattfindet, bis wir dann am Abend das Dämmerlicht mitnehmen und dabei die Häuserwand illuminieren., Das wird eine richtig schöne Kulisse. Was erwartet - oder erhofft - ihr euch von dem Festival? Wie sollen die Menschen es erleben, was sollen sie mitnehmen? Lukas: Ich persönlich würde zu so einer Veranstaltungen in erster Linie zum Tanzen gehen, und alles andere, was dann noch dazukommt, wäre ein Bonus. Ich würde gar nicht damit rechnen, dass ich noch etwas anderes von dort mitnehme - und das ist vielleicht genau das richtige, offene Mindset. Dann gehe ich einfach mal spontan zu einem Zeichnen-Workshop, obwohl ich gar nicht zeichnen kann. Und vielleicht passiert da etwas, dass ich am Ende feststelle, dass ich auf meine Art eben doch kann und eine kreative Ader habe. Oder ich gehe nach dem Tanzen an einem Kunstwerk vorbei, und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ah, das ist gemeint!! Weil ich in so gelöster Stimmung ganz anders sehe als sonst! Isa: Ich würde mir eine Art Achtsamkeit wünschen. Dass man keine Vorurteile mitbringt, sondern dass man sich öffnet und einfach schaut, was da gerade auf einen zukommt. Dann geht man einfach mal zu einem Workshop oder probiert sich an der Leinwand aus, auch wenn man vorher gesagt hätte „Das ist nichts für mich“. Das eröffnet dann auch ein Tor für Veränderungen Genau das versuchen wir mit der Gestaltung des Geländes zu unterstützen, indem wir eben auch kleine, unverbindliche Momente der Begegnung mit unseren Themen schaffen. Dann schauen die Leute vielleicht im Vorbeigehen drauf und steigen ein bisschen tiefer ein. Um Wissen zu verbreiten muss man nicht immer frontal „unterrichten“, das können sich die Menschen häufig auch selbst aneignen und für sich mitnehmen. Das alles klingt durchaus nach etwas Aufwand. Trotzdem soll „Rave for Art“ nur der Anfang sein. Ihr plant eine Veranstaltungsreihe nach diesem Muster? Isa: Ja, richtig, Wir stehen schon in Kontakt mit der nächsten Location. Dabei handelt es sich um das Gut Sannum, etwa 20 Kilometer südlich von Oldenburg. Es ist eine Unterkunft für Menschen mit Benachteiligungen. Dort kommen viele interessante Faktoren zusammen: Anhand der malerischen Umgebung in der Nähe der Hunte lässt sich das Thema Umwelt gut erzählen. Dort gibt es auch genügend Platz. Und natürlich nehmen wir dann auch den Ort in die Veranstaltung auf und behandeln das Thema Inklusion. Bisher haben nur erste Gespräche stattgefunden, deswegen ist das Projekt eigentlich noch nicht spruchreif. Aber wenn alles klappt, wird im nächsten Jahr bereits die Fortsetzung von „Rave for Art“ stattfinden: „Rave for Inclusion“. Wir sind schon gespannt, drücken euch aber jetzt erstmal für den 16. September die Daumen! Vielen Dank für das Gespräch! Dance for a Change Im Juni 2023 hat Greta Thunberg nach 251 Wochen ihren letzten Schulstreik für das Klima absolviert, denn sie hat die Schule nach dem Abitur verlassen. Protestieren wird sie aber weiterhin, wie sie sagt, weil das Ziel längst noch nicht erreicht ist. Vor diesem Hintergrund ist es weiterhin wichtig, dass sich andere gesellschaftliche Bereiche - wie die Parents, die Teachers und die Scientists - ebenfalls weiterhin engagieren. Dass in Oldenburg nun die Ravers hinzugekommen sind, ist ein starkes Signal. Wieder einmal zeigt sich die Techno-Szene als Aktivposten. Wenn es darum geht, neue Orte zu entdecken und bei den Events auch inhaltliche Akzente zu setzen, dann ist sie in Oldenburg derzeit das Maß der Dinge. Wir können uns nur wünschen, dass die Premierenveranstaltung „Rave for Art“ gelingt und begeistert. Denn das würde dreierlei bedeuten: Dass unsere Stadt offen ist für neue Formate, dass die Klima-Botschaft viele interessierte Menschen erreicht und dass wir in Zukunft weitere Veranstaltungen erleben dürfen, die mehr sind als ein Rav

  • ZURÜCK IM HÖRSAAL

    Nach langer, coronabedingter Abstinenz kehrt der Oldenburger Hörsaal-Slam für seine 9. Ausgabe endlich wieder zurück in das große Audimax der Universität Oldenburg. Ihr habt noch gar nichts davon gehört? Auch kein Problem! Denn Dominik Ehrst, aus dem Team hinter dem Slam, hat sich für uns Zeit genommen um uns den Slam als solchen nochmal genau vorzustellen. 9. OLDENBURG HÖRSAAL-SLAM DONNERSTAG, 20.07.2023 AB 20:00 UHR A14 HÖRSAAL 1+2 CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT UHLHORNSWEG 86 26129 OLDENBURG Dominik, wie würdest du selbst den Hörsaal-Slam beschreiben, wenn dich jemand danach fragt? Als eine Show, für die großartige Künstler*innen eingeladen werden, die im riesigen Audimax eigene humorvolle und/oder ernste Wortbeiträge performen und sich vom Publikum bewerten und bejubeln lassen. Oder alternativ: Als ein Semesterhighlight, das man selbst erlebt haben sollte. Wieso eigentlich gerade im Hörsaal? Inwiefern besteht der Bezug zur Universität? Damals gab es u.a. den Bielefelder Hörsaal-Slam, bei welchem Julia Engelmann durch ihren Auftritt 2013 nicht nur der eigene Durchbruch gelang, sondern sie auch noch einmal dem Format Poetry Slam selbst zu riesiger medialer Aufmerksamkeit verhalf. So kamen auch wir auf die Idee, dass ein Hörsaal-Slam der Universitätsstadt Oldenburg gut zu Gesicht stehen würde, mit den großen Räumlichkeiten und den jungen aufgeschlossenen Studierenden. Wer sind die Acts auf der Bühne? Sind es Studierende, Profis? Bei dem Hörsaal-Slam handelt es sich um einen Best-Of-Poetry Slam, für den Profis deutschlandweit ausgewählt und eingeladen werden, um ein hohes Niveau und größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten. Damit grenzt der Hörsaal-Slam sich sowohl von niedrigschwelligen Slams zum Ausprobieren und von kleineren Slams ab, die sich auf die lokale Szene begrenzen. Somit ist für alle etwas da. Gibt es thematische Vorgaben, ein inhaltliches Motto? Nein, es handelt sich um keinen Themenslam, das Gegenteil ist unsere Intention. Möglichst verschiedene Themen und auch verschiedene Stile, das war bei der Erstellung des Line-Ups wichtig. Dabei wird aber natürlich automatisch sichergestellt, dass neben gern gesehenen humoristischen Beiträgen auch gesellschaftlich relevante Themen/Botschaften ihren Platz auf der Bühne finden. Warum sollte man sich den kommenden Hörsaalslam nicht entgehen lassen? Einerseits ist das hochkarätige Line-Up natürlich der Hauptgrund, zum Hörsaal-Slam zu kommen. Aber auch die bunten Lichter und Spotlights im Audimax, dieses gegenseitige Pushen zwischen Moderation und Publikum...die Stimmung war in vergangenen Ausgaben so euphorisch! Es gibt vermutlich wenige Momente, bei denen es ausgerechnet in einem Hörsaal mal Standing Ovations und ohrenbetäubenden Jubel gibt. Auch Künstler*innen attestierten uns häufig, dass sie selten bis nie solch eine Stimmung bei einem Slam erlebt hätten. Wie ist der Hörsaal-Slam entstanden? Mein damaliger Kommilitone Michael Zogall und ich waren 2017 nicht nur Studenten an der Uni Oldenburg, sondern auch selbst als Poetry Slammer unterwegs und bereits in der Szene gut vernetzt. Als wir auf die Idee mit dem Hörsaal-Slam kamen, hatten wir uns mit David Dohmann getroffen, der beim AStA für Kulturprojekte verantwortlich war. Er war sofort begeistert und ist auch bis heute Teil des Orga-Teams. Ebenfalls von Anfang an unterstützt hat uns das Oldenburger Uni-Theater (Studentenwerk Oldenburg) in Person von Jürgen Boese. Anfangs half er uns mit seiner Expertise und mit dem Verleih von Bühnenelementen, und inzwischen tritt das Oldenburger Uni-Theater gar als Veranstalter des Hörsaal-Slams auf. Das OUT, David und ich sind vermutlich aktuell das Kernteam, aber es gibt noch weitere wichtige Helfer*innen, ohne die diese Show nie zum größten Slam in der Oldenburger Umgebung hätte werden können! Ihr hattet durch Corona eine 3-jährige Pause. Ist der Hörsaal-Slam in dieser Zeit auch tatsächlich vollständig ausgefallen? Was waren die Gründe? Der letzte Hörsaal-Slam im Audimax fand im Februar 2020 statt, danach kam der Lockdown. Ich hatte stets Kontakt mit dem Raumbüro der Uni, aber es war schnell klar, dass es nicht nur unvernünftig, sondern auch unmöglich war, bei dieser unsicheren und stets wechselnden Lage einen weiteren Slam im Audimax zu organisieren. Durch die Veranstaltungsreihe von Einfach Kultur konnten zumindest noch zwei „Hörsaal-Slam goes Open Air“-Shows stattfinden. Aber auch das ist inzwischen 2 Jahre her und ehrlich gesagt, gehört ein Hörsaal-Slam auch in einen Hörsaal. Nun kann der Slam endlich wieder im großen Audimax stattfinden. Habt ihr euch etwas besonderes überlegt oder seid ihr einfach nur happy, endlich wieder in der eigentlichen Form stattfinden zu können? Ein paar Worte zum Comeback würden sich in der Einleitung sicher anbieten, aber grundsätzlich geht es an dem Abend nicht um den Slam als solchen, sondern um die wunderbaren Menschen mit ihrer Kunst und um beste Unterhaltung für das Publikum. Happy sind wir auf alle Fälle, obwohl die Situation für alle Veranstaltenden noch extrem schwierig ist. Gerade an einer Uni ist die Fluktuation über 3 Jahre so groß, dass da kaum noch was von einem Stammpublikum übrig ist. Aber darin liegt auch der Reiz, wieder etwas Neues aufzubauen. Vielen Dank für das Gespräch!

  • PODCAST: FOLGE 21

    In dieser neuen Episode unseres Podcasts sind wir nicht wie gewohnt in unserem Studio oder in einer externen Räumlichkeit. Diesmal verschlägt es uns nach draußen und zwar, um genauer zu sein, an den Stadthafen. Warum genau? Hört selbst! Heute verbinden die meisten von uns mit dem Stadthafen wahrscheinlich Spaziergänge an der Promenade, Besuche in der ansässigen Gastronomie, Wohnen im neuen Quartier „Alter Stadthafen“. Doch vor gar nicht so langer Zeit war das noch ganz anders: Industrieanlagen, Gewerbe, Warenverladung auf Transportschiffe, ein bisschen Rotlichtmilieu… Diesem spannenden Wandel könnt ihr dank der Ausstellung "Ankerplatz" vom Stadtmuseum Oldenburg noch bis zum 10. September 2023 selbst auf den Grund gehen! Wir waren mit Franziska Boegehold-Gude und Luisa Jansen aus dem Team des Stadtmuseums für euch direkt vor Ort, sind bei bestem Wetter die Promenade entlangspaziert und so bekommt ihr schon einen ersten hörbaren Vorgeschmack auf das, was euch aktuell am Hafen erwartet! Viel Spaß beim Hören. Weitere Infos zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm findet ihr unter: www.museum-findet-stadt.de/pop-up

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