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MEHR ALS EIN RAVE

Du hast Lust auf Tanzen? Zum Sound von bekannten DJs mit Oldenburg-Bezug? An einem Ort, an dem das normalerweise nicht geht? Mit etwas Kunst dazu? Zum einen Werke, die du dir anschauen kannst - zum anderen Workshops, in denen du selbst aktiv wirst? Das Ganze dann offen, fair, freundschaftlich, regional und CO2-neutral? Wunderbar, dann hast du am 16. September etwas vor!



Als sich am Freitag, dem 20. August 2018, ein 15-jähriges Mädchen mit dem Schild „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor den schwedischen Reichstag setzte, konnte niemand ahnen, welche Folgen das haben würde. Heute wissen wir: Greta Thunberg wurde zu einer Ikone der Klimaschutzbewegung, die Fridays for Future zu einem globalen Phänomen mit tausenden Demonstrationen und Millionen Teilnehmer:innen, zahlreiche Variationen wie die Parents, Teacher und Scientists for Future folgten.


Und Oldenburg? War und ist vorne mit dabei. Hier gibt es eine sehr aktive Fridays for future-Gruppe, die bei der städtischen Umweltpolitik mitreden darf, im September 2019 nahmen über 10.000 Menschen am großen Klimastreik rund um die Innenstadt teil. Seit April 2023 gibt es hier nun etwas Neues: die Ravers for Future, Und die bunte Truppe aus Techno- und Elektro-Enthusiasten fackelte nicht lange: Nur fünf Monate nach der Gründung planen sie ihre erste Großveranstaltung,. Was euch erwartet, was das Besondere daran ist und wieso ihr unbedingt hingehen solltet? Das haben uns die beiden Gründungsmitglieder Isa und Lukas im Interview erzählt.


 

RAVERS FOR FUTURE E.V.


RAVE FOR ART FESTIVAL


FEATURING: EINFACH UNGEFRAGT, EXI ELLI, AVA, DAS FACHPERSONAL, NEYTIVE, DERK JANSSEN, EMKAY


SAMSTAG, 16. SEPTEMBER 2023

12 UHR - 22 UHR


INNENHOF DES PRINZENPALAIS

DAMM 1

26122 OLDENBURG


NUTZT DEN VORVERKAUF:

TICKETS GIBT ES HIER!

 

Nein, der Tag unseres Gesprächs wäre kein besonders gutes Omen für den Rave im September. Zwar ist es warm an diesem Juli-Tag und immer wieder bricht die Sonne durch die Wolken. Zwischendurch prasselt der Regeln aber so stark aufs Dach des Appeltje, dass wir kaum unser eigenes Wort verstehen. Dennoch sind Isa (25) und Lukas (29) von Ravers for Future gut gelaunt. Man spürt ihre Neugier und Vorfreude auf die Veranstaltung - aber auch Respekt vor den Dimensionen der Aufgabe. Verständlich - denn sie haben viel vor!



Ihr seid die Ravers for Future. Das heißt, ihr verbindet Techno- und Elektro-Sounds mit den inhaltlichen Ansätzen der Fridays for Future-Bewegung. Wie seid ihr darauf gekommen?


Isa: Wir sind schon lange in der Szene unterwegs, als „Einfach ungefragt“ legen wir auch zusammen auf. Wir lieben das Gemeinschaftsgefühl, das beim Tanzen entsteht. Es passiert einfach etwas, wenn man sich mit der Crowd zusammen bewegt - das spürt man ganz deutlich. Ein bisschen gestört hat uns aber der Hedonismus, der da auch mitspielt. Das heißt, es geht oft nur um den Spaß an der Sache - andere Aspekte wie Umwelt oder die eigene Umgebung spielen keine große Rolle. Uns sind diese Themen aber wichtig, das haben wir immer stärker gespürt.


Das DJ-Duo Einfach ungefragt
Einfach ungefragt: Lukas und Isa haben viel vor. (Bild: Ravers for Future)

Lukas: Irgendwann sind wir darauf gekommen, dass wir vielleicht diese beiden Aspekte verbinden können. Wir wollten das Gemeinschaftsgefühl sozusagen mit Bedeutung schwängern. Eine Techno Veranstaltung eignet sich sehr gut als Projektionsfläche, um weitere Gedanken mit einzubringen. Menschen lernen meist am besten, wenn sie nicht merken, dass sie etwas lernen. So wollen wir das auch einbauen: nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit interaktiven Aktionen und mit einer unterbewussten Auseinandersetzung. Daneben soll aber auch der Spaß an der Techno-Veranstaltung im Vordergrund stehen.



Die Veranstaltung heißt „Rave for Art“ und wird am 16. September in Oldenburg stattfinden. Geplant wird derzeit mit 400 Besucher:innen. Das wuppt ihr aber nicht allein, oder?


Isa: Nein, das wäre eine Nummer zu groß! In unserem Team ist ein Veranstaltungs-Kaufmann, eine Grafikdesignerin, ein IT-Experte sowie mehrere Menschen mit Kenntnissen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Die Zusammensetzung hat sich organisch ergeben, sie war also nicht geplant, aber wir haben alle wichtigen Bereiche abgedeckt. Wir brauchen das Team auch, um unser Netzwerk auf- und auszubauen. Wir wollen zu den Themen Kunst und Nachhaltigkeit nicht einfach vermitteln, was wir irgendwo mal aufgeschnappt haben. Das soll alles sehr fundiert sein, deshalb binden wir Expertinnen mit ein.


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MEHR ALS NUR RAVEN


Ein Event wie „Rave for Art“ auf die Beine zu stellen, bedeutet einen enormen inhaltlichen, aber auch organisatorischen Aufwand - erst Recht, wenn man noch keine größere Erfahrung hat. Zwar haben Isa und Lukas bereits einige engagierte Menschen um sich geschart, doch bei Veranstaltungen in dieser Größenordnung können es niemals zu viele sein.


Falls du Lust hast, bei etwas Besonderem dabei zu sein und es mit aufzubauen und durchzuführen anstatt nur zu tanzen, dann melde dich bei den Ravers for Future unter info@raversforfuture.de oder über den Insta-Kanal!


Ihr wagt ja einen doppelten Spagat: In den Techno-Kontext bettet ihr nicht nur das Thema Klimaschutz ein, sondern auch Kunst.


Lukas: Richtig. Bei dieser ersten Veranstaltung arbeiten wir mit dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zusammen, das ja auch das Prinzenpalais verwaltet. Die Kunst rückt hier also neben den Klimaschutz und bei beiden gilt dieselbe hohe Anspruchshaltung. Deshalb sind wir aktiv auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern, die uns fachlich unterstützen oder selbst auf der Veranstaltung präsentieren. Das wird aber kein Frontalunterricht, es wird auch verschiedene Workshops und weitere interaktive Angebote wie eine Open Gallery geben, die alle Besucher:innen gemeinsam gestalten. Diese Elemente sind uns ganz wichtig!


Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz mit Blick auf die Menschen, die Umwelt, das Klima, aber auch auf unsere historische Vergangenheit und unsere kulturellen Schätze. Das wollen wir alles miteinander kombinieren. Mit dem Landesmuseum und dem Prinzenpalais können wir Assoziationen zur Kunst schaffen und dann gleichzeitig die Frage stellen, was hat Kunst mit Klimaschutz zu tun? Da haben wir schon mal drei, vier Aspekte, die wir einbringen können. Zudem ist Techno selbst auch Kunst und Kulturgut. So kann man dann die Brücke schlagen von der Musik zur Kunst bzw. Kunsthistorie und dann auch noch - was uns von Anfang an ein Anliegen war und was wir auf jeder Veranstaltung mittransportieren wollen - zum Klima- und Umweltschutz.


Karte von Oldenburg mit Hinweis auf Rave for Art
Da müsst ihr hin: Rave for Art findet auf dem Gelände hinter dem Prinzenpalais am Damm statt (Grafik: Openstreetmap, Kulturschnack)


Es ist ja gar nicht so einfach, die unterschiedlichen Bestandteile zu gewichten. Bei manchen Veranstaltungen dient Kunst nur zur Dekoration, bei anderen ist die Musik nur eine klangliche Untermalung. Wie ist es bei euch?


Lukas: Ich würde schon sagen, dass es ein Stück weit gleichberechtigt ist. Der Spaß an der Musik und am Tanzen soll definitiv da sein und ist letztlich das Herzstück. Dieser Bereich könnte auch für sich allein stehen und wäre eine erstklassige Veranstaltung.


Isa: Es geht ja immer um die Fragen, wie man die Leute erreicht. Mit fachlichen Formaten holt man jene ab, die sich sowieso schon für das Thema interessieren. Aber wie lockt man diejenigen, bei denen das noch nicht so ist? Es ist ein wichtiger Teil unseres Konzeptes, dass wir auch diese Leute mit ins Boot holen, die sich bis jetzt nicht wirklich damit auseinandergesetzt haben, aus welchen Gründen auch immer. Das funktioniert in unserem Fall gleich mehrfach: Musikfans können sich mit Kunstgeschichte auseinandersetzen, Umweltaktivisten können Techno für sich entdecken oder Kunstexperten in das Thema Nachhaltigkeit eintauchen. Auch Vorurteile lassen sich damit gut abbauen.



Innenhof des Prinzenpalais in Oldenburg während des Kultursommers
Gleicher Ort, anderer Zweck: Der Kultursommer fand zeitweise im Innenhof des Prinzenpalais statt und funktioniert auch dort hervorragend. (Bild: Jörg Hemmen)

Und was erwartet die Besucher:innen ganz konkret? Dass es eine Tanzfläche geben wird, dürfte klar sein. Aber wie muss man sich das Festival darüber hinaus vorstellen?


Lukas: Genau, es wird eine Bühne und eine Tanzfläche geben, das reicht bei einer Kapazität von 400 Personen aus Daneben haben wir wie schon erwähnt die Open Galerie mit Künstler:innen aus der Region. Da war die Nachfrage so groß, dass wir über eine Erweiterung nachdenken - deshalb können sich weitere Interessent:innen gerne melden.


Isa: Die Kunstwerke, die im Rahmen der Veranstaltung entstehen werden, sollen sich mit gesellschaftskritischen und klimarelevanten Dingen auseinandersetzen. Das heißt, sie sind nicht entkoppelt von unserem Konzept. Übrigens werden die Werke eine Woche später im Landesmuseum ausgestellt, sie sind also auf ihre Weise nachhaltig. Man kann dann mit dem Ticket unserer Veranstaltung in die Ausstellung gehen. So können sich Museum und Musikfans nochmal neu entdecken und dabei stellt man vielleicht fest: so blöd, wie es von außen scheint, ist der jeweils andere gar nicht.


Lukas: Als ein interaktives Element wird es auch eine Leinwand geben, wo alle Teilnehmer:innen sich verewigen können. Das wird dann vom Landesmuseum archiviert und in zwanzig Jahren nochmal rausgeholt, um zu zeigen, was wir so auf der Veranstaltung gemeinsam gemacht haben.


Isa: Ein zentrales Element wird auch unser Workshop-Zelt sein, dort geht es gleich um 12 Uhr los, zum Beispiel mit Zeichnen oder Graffiti. Zu diesem Zeitpunkt läuft noch keine Musik, so dass man die nötige Ruhe hat, um zu reden und sich auszutauschen. Das genaue Programm verraten wir in den kommenden Wochen auf unserem Instagram-Kanal.


Kostprobe gefällig? So klingt es, wenn das Fachpersonal aus Oldenburg/Leer auflegt.


Und musikalisch? Da gibt es ja einen weiteren Spagat: Echte Technofans haben natürlich gewisse Ansprüche, alle anderen vielleicht Befürchtungen, was den Härtegrad betrifft. In welche Richtung werdet ihr da gehen?


Isa: Was uns beim Techno auf jeden Fall auffällt, ist der Trend, dass es immer schneller und immer düsterer wird. Das lässt nicht so viel Raum für weiterführende Gedanken, deshalb möchten wir alles ein bisschen entschleunigen. Das heißt, wir werden nicht den allerschnellsten Hard Techno mit 150 bpm spielen, sondern auch etwas melodische Dinge, etwas zum Eintauchen, wo man sich fallen lassen kann, was inspirierend wirkt.


Lukas: Deswegen passt es auch ganz gut, dass es tagsüber stattfindet, bis wir dann am Abend das Dämmerlicht mitnehmen und dabei die Häuserwand illuminieren., Das wird eine richtig schöne Kulisse.


KLIMABILANZ EINES FESTIVALS

NATÜRLICH CO2 NEUTRAL


Festivals sind grundsätzliche keine klimaschonenden Veranstaltungen. Für die Logistik wird viel CO2 erzeugt, Infrastruktur und Ausstattung verschlingen Ressourcen, es entsteht auch Müll. Das ist bei „Rave for Art“ nicht vollkommen anders, das Ziel lautet trotzdem Klimaneutralität. Dafür wird an allen verfügbaren Stellschrauben gedreht: Die Künstler:innen kommen größtenteils aus der Region, das Catering durch Pelle, der Späti und Ershan Arabic Street Food ebenfalls. Bei allen verwendeten Produkten wird streng auf die Klimabilanz geachtet - und sollte sie letztlich doch negativ ausfallen, erfolgen Ausgleichszahlungen. Wer zum Festival geht, kann das also mit einem ruhigen Gewissen tun - die Ravers for Future werden ihrem Namen gerecht.


Was erwartet - oder erhofft - ihr euch von dem Festival? Wie sollen die Menschen es erleben, was sollen sie mitnehmen?


Lukas: Ich persönlich würde zu so einer Veranstaltungen in erster Linie zum Tanzen gehen, und alles andere, was dann noch dazukommt, wäre ein Bonus. Ich würde gar nicht damit rechnen, dass ich noch etwas anderes von dort mitnehme - und das ist vielleicht genau das richtige, offene Mindset. Dann gehe ich einfach mal spontan zu einem Zeichnen-Workshop, obwohl ich gar nicht zeichnen kann. Und vielleicht passiert da etwas, dass ich am Ende feststelle, dass ich auf meine Art eben doch kann und eine kreative Ader habe. Oder ich gehe nach dem Tanzen an einem Kunstwerk vorbei, und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ah, das ist gemeint!! Weil ich in so gelöster Stimmung ganz anders sehe als sonst!


Isa: Ich würde mir eine Art Achtsamkeit wünschen. Dass man keine Vorurteile mitbringt, sondern dass man sich öffnet und einfach schaut, was da gerade auf einen zukommt. Dann geht man einfach mal zu einem Workshop oder probiert sich an der Leinwand aus, auch wenn man vorher gesagt hätte „Das ist nichts für mich“. Das eröffnet dann auch ein Tor für Veränderungen Genau das versuchen wir mit der Gestaltung des Geländes zu unterstützen, indem wir eben auch kleine, unverbindliche Momente der Begegnung mit unseren Themen schaffen. Dann schauen die Leute vielleicht im Vorbeigehen drauf und steigen ein bisschen tiefer ein. Um Wissen zu verbreiten muss man nicht immer frontal „unterrichten“, das können sich die Menschen häufig auch selbst aneignen und für sich mitnehmen.


Der DJ Neytive in einer Szene an den DJ-Decks.
Mit dabei: Auch Neytive wird am 16. September bei „Rave for Art“ auflegen. (Bild: Neytive)

Das alles klingt durchaus nach etwas Aufwand. Trotzdem soll „Rave for Art“ nur der Anfang sein. Ihr plant eine Veranstaltungsreihe nach diesem Muster?


Isa: Ja, richtig, Wir stehen schon in Kontakt mit der nächsten Location. Dabei handelt es sich um das Gut Sannum, etwa 20 Kilometer südlich von Oldenburg. Es ist eine Unterkunft für Menschen mit Benachteiligungen. Dort kommen viele interessante Faktoren zusammen: Anhand der malerischen Umgebung in der Nähe der Hunte lässt sich das Thema Umwelt gut erzählen. Dort gibt es auch genügend Platz. Und natürlich nehmen wir dann auch den Ort in die Veranstaltung auf und behandeln das Thema Inklusion. Bisher haben nur erste Gespräche stattgefunden, deswegen ist das Projekt eigentlich noch nicht spruchreif. Aber wenn alles klappt, wird im nächsten Jahr bereits die Fortsetzung von „Rave for Art“ stattfinden: „Rave for Inclusion“.


Wir sind schon gespannt, drücken euch aber jetzt erstmal für den 16. September die Daumen! Vielen Dank für das Gespräch!



 

Dance for a Change


Im Juni 2023 hat Greta Thunberg nach 251 Wochen ihren letzten Schulstreik für das Klima absolviert, denn sie hat die Schule nach dem Abitur verlassen. Protestieren wird sie aber weiterhin, wie sie sagt, weil das Ziel längst noch nicht erreicht ist.


Vor diesem Hintergrund ist es weiterhin wichtig, dass sich andere gesellschaftliche Bereiche - wie die Parents, die Teachers und die Scientists - ebenfalls weiterhin engagieren. Dass in Oldenburg nun die Ravers hinzugekommen sind, ist ein starkes Signal. Wieder einmal zeigt sich die Techno-Szene als Aktivposten. Wenn es darum geht, neue Orte zu entdecken und bei den Events auch inhaltliche Akzente zu setzen, dann ist sie in Oldenburg derzeit das Maß der Dinge.


Wir können uns nur wünschen, dass die Premierenveranstaltung „Rave for Art“ gelingt und begeistert. Denn das würde dreierlei bedeuten: Dass unsere Stadt offen ist für neue Formate, dass die Klima-Botschaft viele interessierte Menschen erreicht und dass wir in Zukunft weitere Veranstaltungen erleben dürfen, die mehr sind als ein Rav

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