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- DIE TIEFE DES RAUMES
Bilder sind normalerweise etwas, das man von außen betrachtet, oft in respektvollem Abstand. In die dargestellten Szenerien darf man sich bestenfalls hindenken. Selbst ein Teil davon sein? Das wäre ein Traum! Doch der lässt sich jetzt erfüllen - in der Ausstellung „Lê and Mohr“ im Oldenburger Raum auf Zeit. Die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht: Im Jahre 1986 erschien ein entsetzlich schlechter Films mit den schauspielerisch weitgehend talentfreien Thomas Gottschalk und Mike Krüger mit dem Titel „Die Einsteiger“. So schlecht die Darstellung auch war, so faszinierend war die Grundidee: Die beiden Protagonisten konnten nämlich mittels einer speziellen Fernbedienung in die Handlungen der Film „einsteigen“, die sie gerade im Fernsehen sahen. Die Faszination dieses Prinzips begegnet uns aber auch in anspruchsvolleren Kontexten. Ein Beispiel dafür: Escher-Museum in Den Haag. Beim weltberühmten Meister der Unmöglichkeit reicht eigentlich die Betrachtung seiner Bilder vollkommen aus - simply mindblowing. Dennoch kann man dort auch selbst Teil optischer Illusionen werden und sich in einer eben solchen fotografieren lassen. Der Andrang: enorm - trotz Extrakosten. Was das alles mit Oldenburg zu tun hat? Das kommt jetzt! TANJA LÊ & CARSTEN MOHR LÊ AND MOHR 17. FEBRUAR BIS 2. MÄRZ MO - DO 13 - 18 UHR FR 13 - 19 Uhr SA 12 - 19 Uhr RAUM AUF ZEIT HAARENSTRAßE 39 26122 OLDENBURG EINTRITT FREI Einfach eintauchen Die junge Theatermalerin Tanja Lê und der etwas ältere Theaterplastiker und Berater für Kunst- und Bühnenprojekte Carsten Mohr werden für zwei Wochen den Raum auf Zeit in der Haarenstraße 39 in einen Ort der immersiven Kunstbegegnung verwandeln. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Ansatz, der zugleich simpel und genial ist. Denn immersiv bedeutet letztlich, dass sich die Kunst und ihre reale Umwelt miteinander verschränken. Beides wird nicht getrennt gedacht - hier das Werk, dort die Betrachtenden - sondern zusammen. Ein Beispiel für dieses Prinzip ist auch das überaus erfolgreiche Format „Inside van Gogh“. Clever: Durch den speziellen Aufbau des Bildes ergibt sich ein unerwarteter räumlicher Effekt. (Bilder: Tanja Lê) Das Prinzip kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Mal verlangt es von den Betrachtenden lediglich Perspektivwechsel: Nur wer die ideale Position einnimmt, sieht das Bild „richtig“ - oder aber das Bild verändert sich ganz bewusst mit jeder Bewegung. Selbst das ist bereits faszinierend, die Ausstellung „Lê and Mohr“ geht aber noch weiter: Man kann nicht nur die Perspektive verändern, man kann selbst Teil des Bildes werden. Das könnte man natürlich als Spielerei abtun, die „echte Kunst“ gar nicht nötig hat. Und in der Tat gibt es ein spielerisches Element: Es macht einfach Spaß, sich plötzlich in einem Kunstwerk aufzuhalten. Wir neigen aber dazu, mehr in diesem Ansatz zu sehen, als nur den Fun. Uns beeindruckt die Komplexität der Aufgabe, also Werk und Wirkung immer gleichzeitig zu denken. Außerdem ist eben jenes Werk mehr als nur der Rahmen für die Selbstinzeninierung: Es ist Kunst für sich selbst. Eigener Stil: Carstens Bilder haben eine individuelle Farb- und Formensprache. (Bilder: Carsten Mohr) Zeitlose Kunst Wer die Instagram-Accounts von Tanja und Carsten anschaut, bekommt ein gutes Gespür vom Vorgehen der beiden. Insbesondere Tanja gewährt über ihre Reels spannende Einblicke in die Entstehung ihrer Arbeiten. Schnell ist klar: Hier beobachtet man nicht etwa jemanden bei seinen ersten künstlerischen Gehversuchen - die Absolventin der Hochschule für Bildende Künste Dresden ist ein großes Talent. Carstens eigenen Werke sind auf seinem Kanal weniger präsent, dafür erhält man einen guten Einblick in seine Arbeit außerhalb des Ateliers. Letzterer ist schon seit über 30 Jahren im Geschäft, Tanja dagegen erst 25 Jahre auf der Welt. In der gemeinsamen Ausstellung treffen nun also unterschiedliche Generationen aufeinander - und doch kann man ihre Ansätze nicht über das Alter unterscheiden, sondern allein über die Herangehensweise. So könnte man argumentieren, dass für das komplexe dreidimensionale Werk große Erfahrung nötig ist, für die fein gestalteten Bilder aber eine junge Hand. Dass es genau umgekehrt ist, überrascht angenehm. „Wir haben uns am Bremer Theater bei der Arbeit am Bühnenbild für die Oper 'Salome' kennengelernt“, erzählt Carsten. „Wir entstammen unterschiedlichen Generationen, aber unsere Herzen schlagen beide für die Kunst und die Bühne“. Echte Handarbeit Keine Frage: Der immersive, interaktive Ansatz der Ausstellung ist voll auf der Höhe der Zeit. Selfies in einem Kunstwerk? Highly instagrammable. Nicht zuletzt deswegen gibt es in der Ausstellungslandschaft sogar einen echten Trend in diese Richtung. Dennoch ist „Lê and Mohr“ mehr als das. Hier reduziert sich die Immersion nicht auf die Projektion eines Kunstwerks, hier gibt es echte Handarbeit. „Es ist etwas Besonderes, Menschen direkt in dein Kunstwerk treten zu lassen, in diesem Fall in eine echte Malerei und keine KI-generierte Visualkunst aus Licht“, stellt auch Carsten fest. „Selbst ich alter Hase war vollkommen geflasht von Tanjas Werk.“ Wie würden nicht behaupten, dass die Kunstwelt im Raum auf Zeit aus den Angeln gehoben wird. Aber das ist weder das Ziel, noch ist es nötig. Der Ausstellung gelingt nämlich etwas anderes: Sie schafft einen innovativen Zugang zur Kunst. Der Besuch wird zu einer Erfahrung für alle Sinne - und nicht zuletzt für das eigene Gehirn. Denn das ist ausreichend damit beschäftigt, diese zutiefst ungewohnte Erfahrung einzuordnen und zu verarbeiten. Klar: In Kunstwerke oder Filme einzutauchen wie die „Einsteiger“ - das bleibt ein Traum. In Oldenburg kommt man dieser Erfahrung dank Tanja Lê, Carsten Mohr und Raum auf Zeit nun aber so nah wie selten zuvor. Und dafür braucht es eben: Die Tiefe des Raums.
- NICHTS WIE HIN (14)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei - und in Ausnahmefällen sogar vier - Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei - und manchmal sogar vier - Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- NICHTS WIE HIN (11)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- KREYENBRÜCK INTAKT
Die Vielfalt eines Stadtteils in einem Song abbilden? Kreyenbrück hat im Rahmen des Farbenfroh Kulturfestivals über das vergangene Jahr hinweg mit insgesamt über 200 Beteiligten bewiesen, dass das geht und dabei auch gleich ein passendes Musikvideo gefilmt - Warnung vorab: Ohrwurmgarantie! Entstanden ist ein partizipatives Großprojekt, bei dem alle gemeinsam "InTakt" waren, samt aller "Ecken und Kanten", wie es der Song so schön beschreibt! Vereine, Schulen, Institutionen und Einzelpersonen unterschiedlichen Alters konnten sich kreativ in den Entstehungsprozess einbringen, sei es bei der Arbeit am Text, der Musik oder auch dem Video. Denn das Ding ist doch: wo kommt man wirklich noch miteinander zusammen? Wo treffen wir noch regelmäßig auf unsere Nachbarn und die Menschen unserer Gegend und tauschen uns mit ihnen aus? In einer Zeit, in der die Technologie unseren Alltag prägt, neigen wir dazu, uns in Nischen oder Bubbles zurückzuziehen und den direkten Austausch mit unseren Mitmenschen zu vernachlässigen. Dieser Rückzug führt letztlich auch bis zu einem gewissen Grad zur Entfremdung. Dieser Mangel an persönlichem Kontakt erschwert nicht nur das Verständnis füreinander, sondern begrenzt auch die Möglichkeit, lokale Gemeinschaften zu stärken. Ohne regelmäßige Interaktion innerhalb der Stadtteile gehen wertvolle soziale Bindungen verloren, und das Gefühl der Solidarität schwindet. Es ist also von entscheidender Bedeutung, dass wir bewusst auf den Austausch mit unseren Nachbarn setzen. Die Brücke zwischen uns Welchen schöneren Weg könnte es da geben als miteinander zu musizieren! Die gemeinsame Erfahrung völlig neue Musik entstehen zu lassen, kann eine kraftvolle Brücke für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bauen. Kollaborativ miteinander an etwas Kreativem zu arbeiten, ermöglicht es Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Erfahrungen und Perspektiven, sich miteinander zu connecten und bereichernd auszutauschen. Es entstehen Verbindungen, die über sprachliche oder kulturelle Unterschiede hinweggehen und nicht nur die individuelle künstlerische Ausdrucksweise, sondern auch das so wichtige Gemeinschaftsgefühl stärken. Das Erlebnis, zusammen an einem musikalischen Werk zu arbeiten und es dann gemeinsam aufzuführen, schafft einen Raum für Empathie, Zusammengehörigkeit und den Austausch von Ideen – wichtige Elemente, die die soziale Bindung innerhalb von Stadtteilen stärken können. Und ob man will oder nicht, am Ende ist er dann da und man erwischt sich dabei, wie man ihn immer wieder vor sich hin pfeift: den Ohrwurm, der einen durch ganz Oldenburg begleitet und über die Grenzen des Stadtteils hinaus wahrlich "auf Tour" geht.
- EINS MIT STERNCHEN
Mit der Gleichberechtigung ist es so eine Sache. Für viele ist sie das normalste der Welt, schließlich sollte sie genau das auch sein. Für andere wiederum - vorwiegend für Männer - ist sie eine unnötige Diskussion, denn aus ihrer Sicht ist alles gut, wie es ist. Dass wir bis auf weiteres noch auf gegenseitige Toleranz angewiesen sind, zeigt sich aber nicht nur beim Aufeinanderprallen unterschiedlicher Lebensrealitäten, sondern manchmal auch... im Cadillac!? Wer auf ein Punk-Konzert geht, rechnet mit vielem: Moshpit, Stagedives, jeder Menge Wut. Dass man bei so einem Anlass aber plötzlich mit dem Thema Gleichberechtigung konfrontiert ist, dürfte noch eine Ausnahme sein. Doch genau so war es an einem Abend im Dezember, als die Local Heroes von Catapults und Loose Lips ihr Jahresabschluss-Konzert spielten, Und nicht nur das. All diese Dinge - Moshpit, Wut, Genderfragen- vermischten sich und machten aus dem Konzert ein kleines Lehrstück in Sachen Gegenwartskultur. Es muss kurz nach 23 Uhr gewesen sein. Catapults waren schon eine Weile auf der Bühne, als Bassist Lars höflich eine Bitte äußerte: Der nächste Moshpit möge doch bitte für FLINTA* reserviert sein, die CIS-Männer sollten ihren wuchtigeren Körpern eine Pause gönnen. „Ich finde es allgemein wichtig, sich in der alternativen Musikszene - und auch überall anders - für FLINTA* einzusetzen und für Sichtbarkeit zu sorgen“, beschreibt Lars seine Haltung. Die Punk- und Hardcore-Szene sei schon immer sehr politisch gewesen und er sei mit dem Mindset aufgewachsen, dass jede Person auf Konzerten willkommen sei. „So fühlt es sich als männlich sozialisierte Person auch an. Doch blickt man tiefer in die Szene, bemerkt man, dass FLINTA* auch hier noch sehr unterrepräsentiert sind.“ So sieht das aus: Ein Track der letzten Catapults-EP mit Live-Bildern der Band. (Video: Connor McBriarty) Schutzraum ohne Furcht An diesem Abend fiel seine Bitte auf fruchtbaren Boden: Es öffnete sich eine Art offener Schutzraum, der endlich möglich machte, was sonst schwierig ist: Als FLINTA* in den Pit zu gehen, ohne Blessuren befürchten zu müssen. Zunächst wirkte es zwar, als könnten die Betroffenen ihr Glück kaum fassen; jedenfalls wurde kurz noch artig getanzt. Bald jedoch nutzen die FLINTA* die neuen Möglichkeiten aus und genossen das neue Gefühl, unter ihresgleichen abzugehen - ganz ohne die Furcht, den Ellbogen eines Zwei-Meter-Hünen ins Gesicht zu kriegen. Durch die ebenso sympathische wie wichtige Bitte der Band hatten erstmals alle die Möglichkeit, die selbstbewusste CIS-Männer immer haben: Zu tun, was man will - ohne mit allzu großen Nachteilen rechnen zu müssen. Wir fanden das Ganze auch als explizit Ausgeschlossene wunderbar mit anzusehen und auch die allermeisten Anwesenden hatten keinerlei Problem damit. Was sind schon drei Minuten Pause im Vergleich zu einer lebenslangen Benachteiligung? Richtig: Gar nichts. Doch: Das sahen nicht alle so. „Wenn man auf der Bühne steht, ist es bei allem Spaß auch Teil des Jobs, das Publikum ein wenig zu lesen und die Show den Umständen entsprechend zu gestalten“, erklärt Sänger Joost. Schon während des Auftritts habe er mitbekommen, dass es in der Menge teilweise ziemlich grob zuging und sich deshalb einige zurückhielten, Das sei für die Band aber nicht Sinn der Sache:, „In einem Pit sollte bei aller Schubserei eine gewisse Umsicht herrschen und alle sollten die Möglichkeit zum Tanzen haben. Entsprechend an Bord war ich dann auch direkt mit der Idee von Lars für einen FLINTA*-Pit.“ Lehrstunde für Respekt Dann aber kam es zu einem jähen Ende des positiven Vibes. Plötzlich sprang nämlich doch ein Mann im Pit umher und dominierte ihn mit seiner körperlichen Präsenz sofort. Wahrscheinlich konnte er seinerseits sein Glück nicht fassen: endlich mal der Größte und Stärkste sein! Nun hat man es bei Catapults aber nicht mit einer Band ohne Haltung zu tun. Das zeigte bereits der Moshpit-Vorstoß, das zeigte dann aber auch die Reaktion von Sänger Joost. Er wurde richtiggehend wütend angesichts des ungebetenen Gasts. Deutlich und lautstark forderte er den Betreffenden auf, den Pit wieder zu verlassen, die Band brach den Song sogar ganz ab. Der Störenfried bekam coram publico eine kurze Lehrstunde ins Sachen Respekt. Anschließend ging es aber weiter mit dem Song und FLINTA*-Pit, wenn auch mit einem kleinen Bruch in der ausgelassenen Stimmung. „Als ich sah, dass sich da jemand gesichert Männliches wiederholt in den Pit hineinzwängen wollte, brauchte ich keine große Bedenkzeit“, erinnert Joost sich zurück. Es sei sogar eine Kurzschlussreaktion gewesen, den Song direkt abzubrechen und das Problem deutlich anzusprechen: „Es war einfach klar ersichtlich, dass da jemand die Situation falsch gelesen hatte. Dann liegt es auch in unserer Pflicht, darauf hinzuweisen und die Situation klar aufzuklären.“ In diesem kurzen Moment, der insgesamt keine fünf Minuten dauerte, steckt sehr viel Gegenwartsbetrachtung. Erst einmal feiern wir an dieser Stelle Catapults! Es war eine starke Idee, zum FLINTA*-Pit aufzurufen. Das wäre es sogar als reine Geste gewesen, aber wer das Resultate beobachtete, würde sich wünschen, es gäbe so einen Pit auf jedem Konzert. Ebenso stark war Joosts Reaktion auf die Störung der Aktion. Hier wurde nicht bequem darüber hinweggesehen, hier wurde Position bezogen - etwas, das wir in Zukunft wahrscheinlich noch viel öfter tun sollten oder sogar müssen. Auftrag an alle Klare Rollenverteilung also? Auf der Bühne die Guten, der CIS-Mann der Böse? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Denn wir dürfen nicht in so einfachen Kategorien denken. Derjenige, der als Mann in den FLINTA*-Mob sprang, könnte auch ein Opfer der Umstände sein. Erstens wäre es möglich, dass er schlicht nicht wusste, wofür FLINTA* steht. Ganz ehrlich: Wären wir nicht ständig im Kultursektor unterwegs, wüssten wir es vielleicht auch nicht. Es kann passieren, dass Menschen mit gutem Musikgeschmack nicht bei jeder gesellschaftlichen Diskussion ganz vorne mit dabei sind. Uninformiertheit ist vielleicht nicht schön, kann themenbezogen aber jeden treffen. Wir alle sollten da tolerant sein, und die Menschen freundlich mitnehmen und von der Masse (vorerst) nicht zu viel erwarten. Zweitens könnte der Störenfried bei der Ansage theoretisch auch einfach auf dem Klo gewesen sein und im Halbdunkel schlicht übersehen haben, dass der Pit nur aus FLINTA* besteht. Vielleicht war es sein Lieblingssong und er war überglücklich zu ihm abgehen zu können und merkte erst, dass er der einzige Mann war, als Joost ihm diese Tatsache ins Gesicht brüllte. In diesem Fall ist dies zwar auszuschließen, da der Betreffende wiederholt in den Pit ging - generell abzuschließen sind solche Miss-Verständnisse aber nicht. Das weiß auch Joost: „Ich habe den Konzertbesucher nach dem Konzert nochmal in Ruhe angesprochen und mich für meine Härte beim Abbruch des Songs entschuldigt. Wir haben die Situation zusammen nochmal aufgearbeitet. Man kann schließlich nicht bei allen Menschen davon ausgehen, mit Begriffen wie FLINTA* vertraut zu sein - so wünschenswert es auch wäre.“ Der Blick geht also nicht kritisch zurück, sondern konstruktiv nach vorn, wie auch Lars bestätigt. „Wir als Musiker*innen, Veranstalter*innen, Labels etc. haben es in der Hand, unser Programm diverser zu gestalten, für mehr Sichtbarkeit zu sorgen und Konzerte zu einem Safespace für jede Person zu machen.“ Toleranz im Gepäck In unserer Gesellschaft gibt es sicherlich Menschen, die einen FLINTA*-Pit für vollkommen überflüssig halten und darauf bestehen würden, ohne Rücksicht auf Verluste ihre massiven Männerkörper in jede Menge zu werfen. Es gibt auch jene, die Begrifflichkeiten wie FLINTA* ablehnen und jede Art von Gleichberechtigung für eine Provokation halten, wenn es bedeutet, dass sie in jenen Freiheiten eingeschränkt werden, die ihnen seit Jahrhunderten ohne jede Begründung zugestanden werden. Deshalb ist es wichtig, immer wieder Zeichen zu setzen und an all diese Vorteile zu erinnern. Dazu gehören Awareness-Konzepte in den Clubs und dazu gehört auch die Haltung von Künstler:innen wie Catapults. Es war genau der richtige Vorstoß, bei ihre Hometown-Show einen FLINTA*-Pit zu starten und wir hoffen, sie setzen diesen Gedanken trotz der unschönen Momente im Cadillac fort. Das Konzert war eins mit Sternchen - und dafür gibt's von uns die Note 1 mit Sternchen! Way to go, Jungs! Bis auf weiteres sollten wir aber noch viel Toleranz im Gepäck haben. Nicht jeder weiß, für was FLINTA* steht, nicht jeder ist sofort bereite, seine Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Das müssen wir nicht gut finden, wir können aber Verständnis aufbringen. Moshpits, Stagedives und viel Wut wird es zwar ganz sicher weiterhin bei Punk-Konzerten geben. Aber letzteres richtet sich dann hoffentlich wieder an die Welt als solche - weil die Pits genau so funktionieren, wie sie gedacht sind.
- NICHTS WIE HIN (10)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei - und in Ausnahmefällen sogar vier - Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei - und manchmal sogar vier - Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- UNGENIERT IMPROVISIERT
Mehr Lockerheit! Auf die Frage, was uns Deutschen im Allgemeinen gut tun würde, hören wir häufig diese Antwort. Tatsächlich tun wir uns mit Spontanität und Flexibilität eher schwer. Wie kann man unter diesen Voraussetzungen nur auf die Idee kommen, ein Improtheater-Festival zu realisieren? Das haben wir den künstlerischen Leiter Jürgen Boese gefragt - und er hatte gute Antworten parat. Nein, man kann nicht behaupten, dass die Oldenburger:innen hierzulande eine absolute Ausnahmeerscheinung wären. Wer genau hinschaut, wird in seinem Freundeskreis sicher einige spontane Menschen entdecken; es ist aber nicht so, dass an der Hunte alles sehr viel leichter, flexibler und entspannter wäre als anderswo. Dass es ausgerechnet hier eine aktive Improtheaterszene gibt und - als deren Kristallisationspunkt - seit 2015 auch eine Festival namens SpontanOL? Das war keine logische Konsequenz, sondern vielmehr eine mutige Entscheidung - oder eher: ein wildes Experiment - einiger Enthusiast:innen. Allerdings eines, das sich immer stärker als gelungen herausstellt, weil das Festival mehr und mehr sein eigenes Versprechen einlöst: „Eine Stadt wird spontan“. SPONTANOL IMPROTHEATER-FESTIVAL SHOWS: 6. - 17. MÄRZ 2024 WORKSHOPS: 15.-17. MÄRZ 2024 UNIVERSITÄT, JADE HOCHSCHULE, THEATER LABORATORIUM, ISENSEE, THEATER WREDE+, KULTURETAGE, IGS FLÖTENTEICH TICKETS Keine Angst vorm Scheitern Sagen wir wie's ist: Für viele Menschen wäre es ein Alptraum, auf einer Bühne spontan auf etwas Unvorhergesehenes reagieren zu müssen. Nicht umsonst spricht man von der „Kunst des Improvisierens“: Wer das beherrscht, muss von einer Muse geküsst sein, die um die meisten anderen Menschen einen großen Bogen macht. Vor der Bühne sieht die Sache aber ganz anders aus: Für das Publikum ist es ein Riesenspaß, anderen dabei zuzuschauen, wie sie mit den Überraschungen umgehen. Wie die Künstler:innen aus einem simplen Zuruf ganze Handlungsstränge erfinden, Konstellationen oder Situationen zuspitzen und richtig gute Gags platzieren - das ist allerbeste Unterhaltung und sorgt immer häufiger für ausverkaufte Häuser - was vor allem für die Kulturetage gilt, in der an den SpontanOL-Samstagen traditionell die Oldenburger Impro-Meisterschaft (OIM) läuft. Man on a Mission Trotzdem gibt es noch Aufklärungsbedarf. „Generell versuchen wir, mit diesem Festival alle Facetten abzubilden, die spontane Kunst bietet“, erklärt der Mitbegründer und künstlerische Leiter des Festivals Jürgen Boese. Er ist selbst kein Unbekannter in der Impro-Szene: Als Mitglied verschiedener Impro-Gruppen besitzt er reichlich Bühnenerfahrung und steht am 9. März beim Improkonzert sogar auf der Bühne. Er weiß also, wovon er spricht - und deutet mit seiner Aussage bereits an, dass es mehr gibt, als man denkt. Die meisten Menschen denken bei Improtheater eher an kurze Lacher, wie sie auch bei der OIM üblich sind - nicht an längere, ernstere Formate“, stellt er fest. Doch beide Varianten existieren und dazu noch einige mehr. Ein Ziel von SpontanOL sei es, diese Bandbreite zu zeigen. „Einerseits möchte ich den Künstler:innenn eine attraktive Plattform bieten“, erklärt Jürgen den Ansatz. „Andererseits will ich aber den Menschen in Oldenburg zeigen, wie facettenreich improvisierte Kunst ist. Und ich sage bewusst: Kunst - weil es eben nicht nur um Theater geht, sondern auch um Musik, Poesie und vieles mehr.“ Jürgen in Aktion: Wenn bei SpontanOL nach den wichtigen Dingen im Leben gefragt wird, lautet die Antwort manchmal eben: Grünkohl. Improtheater hat Jürgen schon immer fasziniert: „Ich finde es toll, mich selbst zu überraschen“, erzählt er. „Es gibt immer die Chance, dass ein Magic Moment entsteht - wenn man bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen.“ Er habe zudem festgestellt, dass es durchaus Vorteile haben könne, wenn man unvorbereitet und unvoreingenommen in Situationen hineingehe: „Wenn man nicht so viele Pläne macht, ist man viel freier - und damit auch kreativer.“ Eine Stärke sei zudem die große Realitätsnähe: „Unser ganzes Leben ist improvisiert. Wir wissen doch auch nie im Voraus, was wir sagen oder wie wir auf etwas reagieren.“ Genauso attraktiv sei das Format aber für das Publikum, schließlich könne es über Zurufe selbst bestimmen, was es sehen wird. Gleichzeitig gehe es um mehr als das, findet Jürgen: „Man kann den Findungsprozess der Spielenden auf der Bühne genau beobachten. Die forschen ja sozusagen live on stage - und manchmal sieht man dann den Moment der Erkenntnis. Daran teilzuhaben - das ist etwas Besonderes.“ Den Alltag neu entdecken Ein Beispiel für die große Vielfalt ist die Kooperation mit der Sparte 7 des Oldenburgischen Staatstheaters zum Auftakt am 6. März. Dort existiert das Slam-Format „It's not the Medium, it's the Slam“, das ganz unterschiedliche Inspirationsquellen wie z.B. Präsentationen oder Tagebücher benutzt. Bei SpontanOL gibt es nun ein Extra: Als weiteren Partner holte man die World Press Photo Ausstellung an Bord, die Slammer:innen müssen auf Bilder reagieren, die derzeit im Schloss zu sehen sind. „Sie können sich aussuchen, ob sie ein Lied singen, ein Gedicht vortragen oder Theater spielen“, erklärt Jürgen. „Alles ist erlaubt, Hauptsache es ist improvisiert!“ Nichts nach Plan: Was für die VWG ein Alptraum wäre, ist für die Impro-Gruppen der Idealfall - wie hier in einem Linienbus. (Bild: SpontanOL) Fest zum Konzept gehört - jeweils am Donnerstag - auch ein ungewöhnlicher Spielort. „Wir waren schon im Linienbus, Möbelhaus oder im Museum“, erinnert sich Jürgen. Dieses Mal gehe es in eine Buchhandlung: „Warum? Weil Bücher viele Inspirationen liefern“, freut sich der Kulturreferent des Studierendenwerks. „Man nimmt sich eins aus dem Regal, schaut auf den Titel - und schon ist es auf der Bühne.“ Von diesem Ansatz ließen sich allerdings schon so viele Neugierige überzeugen, dass die Show bereits ausverkauft ist. Import aus Israel Ein besonderes Highlight ist in diesem Jahr ein Gast aus Nahost: Mit Inbal Lori ist ein richtiger Star der Szene in Oldenburg zu Gast. Sie ist nicht nur in ihrem Heimatland bekannt, sondern durch Touren und Gastspiele auch in Zentraleuropa. „Ich bin ganz begeistert, dass sie zu uns kommt“, kann Jürgen sein Freude kaum verbergen. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin sei erst der dritte Gast aus dem Ausland, das sei für das Festival etwas sehr besonderes - aber auch fürs Publikum: „Inbal ist einfach sensationell, das muss man sich eigentlich anschauen!“ Und es wird sogar noch besser: Nicht nur wird Inbal Lori im theater wrede+ mit einer Show zu sehen sein, sie teilt sich diesen Abend in einem Gemischten Doppel: Mit Roland Trescher und Björn Harras sind zwei echte Könner zu Gast, die Facetten der Improvisationskunst zeigen, die über kurze Situationskomik weit hinausgehen. Die beiden nehmen ganz alltägliche Vorgänge und schauen genauer hin. Sie zerlegen sie und beladen die Teile mit Geschichten, skurrilen Figuren, aberwitzigen Liedern oder tief schwarzem Humor. „Das ist eine klare Empfehlung von mir, der Abend wird richtig gut“, freut sich Jürgen schon auf diesen Termin. Eine andere Empfehlung lautet: City Loop, eine Koproduktion der beiden Oldenburger Gruppen Wat ihr wollt und 12 Meter Hase, die auch die Organisation des Festivals übernehmen. „Das ist ein sehr künstlerisches Stück, eine richtige Collage über das Leben“, erklärt Jürgen den vielleicht ungewöhnlichsten Ansatz dieses Jahres. Es handele über die Herkunft der Menschen, die jetzt in Oldenburg leben. Ungewöhnlich geht es auch weiter, denn Zurufe aus dem Publikum wird es nicht geben: „Die Inspirationen kommen aus der Geschichte der Charaktere und ihrem Weg an den Ort, an dem sie sich nun treffen“, erklärt Jürgen. „Das ist immer noch improvisiert - aber schon nah dran an einer Theatererfahrung.“ Gerade weil sich der Abend so sehr von den anderen unterscheide, solle man ihm unbedingt eine Chance geben, findet der künstlerische Leiter. Wo geht's zum Schotter? Damit SpontanOL sein großes Ziel - „Eine Stadt wird spontan“ - eines Tages auch tatsächlich erreicht, sind acht Shows eine gute Basis, aber noch nicht alles. Fest zu SpontanOL gehören nämlich auch Workshops, in denen man selbst Impro-Skills aufbauen oder sein Know-how bei verwandten Themen vertiefen kann. Die Angebote richten sich auch an Einsteiger, mehrheitlich aber an Fortgeschrittene und echte Exper:tinnen. Praktisch: Der Schwierigkeitsgrad ist gleich mit angegeben Und auch hier zeigen die letzten Jahren ihre Wirkung: Sechs der sieben Workshops waren schon Wochen vor dem Start restlos ausverkauft. Wächst da etwa die nächste Generation Improvisations-Künstler:innen heran? „Noch ist unsere Szene klein“, schätzt Jürgen die Lage ein. „Dafür ist sie aber sehr kooperativ - und sie wächst in der Tat.“ Nicht zuletzt deswegen kämen alle Gäste immer gern nach Oldenburg: „Es ist ein Community-Event. Alle machen was gemeinsam. Das ist in Bremen oder Berlin nicht so.“ Für alle, die keinen Platz mehr ergattern konnten, gibt es aber gute Nachrichten: „Wir werden in Oldenburg eine Impro-Schule gründen“, verkündet der Festivalmacher. Für Studierende und auch Senior:innen gäbe es zwar Angebote, für Menschen zwischen 30 und 60 Jahren sei es aber schwierig. Und da der Bedarf stetig wachse, sei das eine logische Entwicklung. „Stattfinden soll es möglichst in den Räumen der Creative Mass in der Baumgartenstraße", hofft Jürgen. Die seien wegen der Innenstadtlage ideal. Starten soll die Schule, die von der Gruppe Wat ihr wollt gehostet wird, dann sehr bald: im April oder Mai. Aber Halt, nicht so schnell. Wie war das? Sechs Workshops sind ausverkauft. Das heißt: Für einen gibt es noch Tickets? Ja, und zwar genau: zwei. Die lohnen sich insbesondere für Menschen, die bereits in Improtheater aktiv sind, denn der Workshop von Frederik Malsy dreht sich um die Frage, ob und wie man damit Geld verdienen kann. Der Titel deshalb: „Money, Money, Money“. Oder wie Rod Tidwell sagen würde: „Führ mich zum Schotter, Frederik!“ Wäg's nicht, wag's einfach Es war tatsächlich ein wildes Experiment, ausgerechnet in Oldenburg ein Festival des Improvisationstheaters zu starten. Eine Stadt, die „Erst wäg's, dann wag's“ über ihre Rathaustür schreibt, wirkt jedenfalls nicht wie die Hauptstadt des Laisser-faire. Aber das ist ja schon etwas her - und es war ja von Anfang an klar, dass der Ort nicht bereits spontan sein muss, sondern genau das erst werden soll. Und bei dieser Mission ist SpontanOL auf einem guten Weg. Damit es weitergeht? Seid ihr dran! So wie sich damals der Mut der Initiator:innen ausgezahlt hat, so ist es heute der „Mut“, sich die Improshows anzusehen. Egal, welche der acht ihr wählt - ihr werdet ein besonderes Ereignis erleben. Dazu gehört etwa die Erfahrung, dass man tatsächlich vor Publikum scheitern kann - dass dies aber gar nicht schlimm und bei Improvisation schlicht unvermeidbar ist. Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass es solch ein Setting einfach braucht, um besonders geniale Momente zu ermöglichen. Mit Blick darauf kann man sich für uns alle nur eines wünschen: Mehr Lockerheit!
- NICHTS WIE HIN (9)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- NICHTS WIE HIN (8)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- KOLUMNE: DER AKTIVPOSTEN
Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Spielzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Was Kultur mit Politik zu tun hat Ich habe ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass in Deutschland allzu häufig Großes passiert. Jedenfalls nichts, das man mit Freude, vielleicht sogar Begeisterung oder einem diffusen Anflug von Stolz beobachtet. Vor zwei Wochen aber war das eindeutig der Fall: Hunderttausende gingen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Das war – ja, tatsächlich - ein starker Ausdruck leidenschaftlicher Demokratie mit klarem Signal: Kein Raum für radikal Rechts, auch nicht unter dem Deckmantel einer pseudogemäßigten Bürgerlichkeit. Blicken wir mal kurz zurück: Vor wenigen Jahren, ach was, vor wenigen Monaten noch hätte ich gedacht, dass so etwas hierzulande niemals wieder nötig sein würde. Jetzt bin ich dankbar und glücklich darüber, dass es dieses Zeichen gab. Und ich hoffe sehr darauf, dass es eine Wirkung bei jenem Viertel der Bevölkerung entfaltet, das sich mit dem Gedanken trägt, eine erwiesen rechtsextremistische Partei zu wählen. Ich frage mich: Wie kann auch nur eine Sekunde darüber nachdenken? Oder anders ausgedrückt: Wie kann man so sehr verdrängen, was Rechtsextremismus bedeutet? Bitte erinnert euch! Der Zeit voraus Was das alles mit Kultur zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten viel. Denn unter den 17.000 Teilnehmenden der Oldenburger Demo sah man viele Akteur:innen aus der Szene. Bereits im Vorfeld hatten sie zur Teilnahme aufgerufen, vor Ort in der Menge waren sie spürbar präsent. Die wohltuende Erkenntnis: Die Kultur ist ihrer Rolle als gesellschaftlicher Aktivposten einmal mehr gerecht geworden. Das allerdings – und nun komme ich zum Kern – war nicht erst an jenem 20. Januar der Fall, so wichtig die Teilnahme an diesem Tag auch war. Die Kultur beschäftigte sich mit der schleichenden Rechtsverschiebung unserer Gesellschaft schon weit vor der demaskierenden Correctiv-Recherche, die alles ins Rollen brachte. Das ist alles andere als ein Zufall, denn die Kultur ist ein gesellschaftlicher Seismograph, der sehr früh erkennt, reflektiert und thematisiert, wenn sich etwas tut in unserem Land. Das kann durchaus positive Entwicklungen treffen, etwa wenn es um Gleichberechtigung oder Toleranz geht. Das ist aber besonders wichtig, wenn negative Tendenzen aufgegriffen werden. Dann erzeugt die Kultur nämlich häufig eine erste Sensibilisierung für ein Thema, das erst viel später auf die Tagesordnung rückt. In der Regel bieten die Inszenierungen auch inhaltlichen Kontext und kritische Reflektion, ohne dass Ergebnisse vorgekaut würden. Es ist eine wahre Kunst, gleichzeitig relevant, anspruchsvoll und unterhaltsam zu sein. Unserer Oldenburger Szene gelingt genau das immer wieder. Keine Selbstverständlichkeit Wer junge Menschen für die Gefahren des Rechtsextremismus sensibilisieren möchte, wer ihnen also zeigen will, wie leicht man heutzutage die Masse durch Fake News beeinflusst, wie schnell sich eine Demokratie in ein totalitäres Regime verwandeln kann, wie entsetzlich unfrei sich das Leben in einem solchen anfühlt und wie schnell es für bestimmte Menschen aus unserer Mitte lebensgefährlich würde – schickt sie am besten ins Theater. Dort sieht, hört, riecht und fühlt man, was all das bedeutet. Und wer seine emotionalen Rezeptoren noch nicht vollends stummgeschaltet hat, wird sich davon bewegen lassen. Nichts gegen das Faktenwissen aus dem Politikunterricht an unseren Schulen. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Kultur eine äußerst wirkungsvolle Ergänzung dazu bietet. Haben Sie es bemerkt? Ich habe von der Kultur vorhin als „gesellschaftlicher Aktivposten“ gesprochen - und es klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Weil wir gewohnt sind, dass sie vorangeht und Position bezieht. Dabei ist das gar nicht selbstverständlich. Sie ist dazu nicht verpflichtet. Sie tut das, weil es ihr ein Anliegen ist – und demonstriert genau damit ihren Wert für unser Zusammenleben. Der richtige Nährboden Ich glaube, in Deutschland passiert tatsächlich nicht allzu oft Großes, das für Gänsehaut sorgt. Umso mehr fällt es auf, wenn es – wie vor zwei Wochen - doch der Fall ist. Es war wunderbar, dass 17.000 Oldenburger:innen auf die Straße gegangen sind. Jede einzelne Teilnahme, jeder einzelne Schritt über den Asphalt war wichtig! Danke an alle, die mit dabei waren und dieses Zeichen gesetzt haben! Die Beiträge der Kultur auf den Bühnen mögen im Vergleich dazu optisch weniger imponierend wirken; für mich persönlich sind sie aber ähnlich wichtig. Und wer weiß? Vielleicht existiert in Oldenburger auch deshalb so eine starke demokratische Basis, weil u.a. durch unsere Kulturszene ein Klima geschaffen wird, in dem gesunder Menschenverstand gedeiht.
- KUNST AUF ZEIT
Eigentum ist eine feine Sache. Aber muss man tatsächlich immer alles besitzen? Was Kunst betrifft, lautet die Antwort überraschenderweise: Nein! Kunstsammler:innen mögen widersprechen, doch um ein Werk erfassen und genießen zu können, muss es nicht auf ewig uns gehören - sonst gäbe es ja auch keine Museen. Und genau deshalb ist die Artothek eine geniale Idee! Kunstwerke findet man in beinahe jedem Haushalt: Plakate hängen an der Wand, Platten stehen im Schrank, Bücher im Regal. All das ist Kunst, jedoch ohne die Besonderheit des Einzigartigen - und deshalb allzu häufig auch ohne die gebührende Wertschätzung. Die ändert sich tatsächlich, wenn man sich ein Original ins Haus holt, also ein Werk an dem die/der Künstler:in direkt beteiligt war. Das Wissen um diese Besonderheit lässt uns anders auf das Werk schauen: bewusster, intensiver, ausführlicher. Plötzlich wird die Dekoration zum Raumsubjekt und fordert uns geradezu auf, sich mit ihm auseinanderzusetzen und darüber zu diskutieren. Das macht Kunst mit uns - und es ist ein wunderbarer Effekt. Es gibt jedoch einen Haken: Originale Kunstwerke sind teuer. Wie soll man die nur bezahlen? ARTOTHEK: NEUE WERKE MALEREI, GRAFIK, FOTOGRAFIE, SKULPTUR 8. FEBRUAR - 29 APRIL 2024 FÜHRUNGEN: 15. FEBRUAR, 7. MÄRZ, 4. APRIL, 25. APRIL ARTOTHEK PETERSTRAßE 1 26121 OLDENBURG Einfach drauf einlassen Die Antwort: Gar nicht! Nur wer Eigentum will, kommt zwar nicht darum herum, seine Schatulle zu öffnen. Wer aber damit leben kann, ein Werk nur auf Zeit zu besitzen, kann sich die große Ausgabe sparen. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass es in Oldenburg die größte Artothek Niedersachsens gibt - also eine Einrichtung, in der man Kunstwerke ausleihen und mit nach Hause nehmen kann. Die Wortverwandtschaft zur Bibliothek kommt nicht von ungefähr: Es ist dasselbe System, nur mit anderen Gegenständen. Warum es weniger verbreitet ist, Bilder statt Bücher zu leihen? Vielleicht weil letztere einfacher zu transportieren sind - oder weil man denkt, von bildender Kunst weniger zu verstehen als vom geschriebenen Wort. Aber: Das spielt gar keine Rolle. Auch wenn es hier und da hilft, verlangt Kunst kein Vorwissen - ihr könnt euch einfach drauf einlassen. Und lasst euch auch von einem bildungsbürgerlichen Begriff wie „Artothek“ nicht abschrecken: Sprache kann Hürden auf- oder abbauen. Deshalb gehen mehr Menschen in eine Bücherei als in eine Bibliothek - obwohl beide Begriffe dasselbe meinen. Weltstars an der Wand Man hätte eigentlich genug damit zu tun, den Bestand der Artothek nach potenziellen Lieblingen zu durchforsten. Wollte man jedes der über zweitausend Werke den vollen Leih-Zeitraum von acht Wochen bei sich daheim genießen, bräuchte man rein rechnerisch dafür insgesamt 307 Jahre. Wir wagen die Prophezeiung: Das werden die wenigsten von uns schaffen. Trotzdem ist die alljährliche Präsentation der Neuzugänge ein Ereignis für die Oldenburger Kunstszene, die Mitglieder der Artothek und die interessierte Öffentlichkeit. Noch während der Eröffnungsveranstaltungen werden die Werke reserviert, um sie nach der Ausstellung ins eigene Zuhause zu holen und ganz in Ruhe auf sich wirken zu lassen. „Die Ausstellung ist also gleich zum Start ausverkauft“, erklärt Dr. Steffen Wiegmann, Leiter des Stadtmuseums Oldenburg, mit einem Schmunzeln. Aber keine Sorge: Es gibt kein unwürdiges Wettrennen mit ausgefahrenen Ellenbogen - Wartelisten sorgen dafür, dass früher oder später jeder zu seinem Recht kommt. Farbenfroh und wirkungsstark: Über mangelnde Vielfalt kann man sich bei der Bildauswahl nicht beschweren. In diesem Jahr konnte Dr. Sabine Isensee 21 neue Werke von 16 Künstler:innen in den Bestand aufnehmen - unter ihnen einige echte Raritäten. Denn dieses Mal kommen sieben Werke aus einer Schenkung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung hinzu. Unter ihnen: zwei Radierungen des Oldenburger Weltstars Thomas Schütte. Das klingt vermessen? Ganz und gar nicht: Anlässlich seines 70. Geburtstags wird Schütte nämlich ab September eine Retrospektive gewidmet - und zwar in einem der berühmtesten Kunsttempel der Welt, dem Museum of Modern Art in New York. „Wir sind froh und stolz, die Artotheken in Niedersachsen fördern zu können“, berichtet Dr. Johannes Janssen von der Sparkassenstiftung. Sie beauftrage seit 21 Jahren regionale Künstler:innen, eine Edition für die Stiftung zu kreieren. Ihr gehe es aber nicht darum, Kunst zu sammeln, sondern sie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. „Da bringt es nichts, wenn die Werke in Magazinen liegen. Sie müssen raus ins Land.“ Neben den Museen gebe es dafür keine bessere Methode als die Artotheken. Steffen Wiegmann denkt ebenfalls an die Entleiher:innen: „Die werden sich sehr darüber freuen. Solche Werke hätten wir uns sonst gar nicht leisten können.“ Dr. Sabine Isensee stimmt ihm zu. Die langjährige Leiterin der Artothek freut sich über die sieben Meisterwerke der Gegenwartskunst: „Wir wollen Menschen für die Kunst begeistern. Mit diesen Neuzugängen wird uns das gelingen.“ Expedition in die Nachbarschaft Aber wie entdeckt die Artothek eigentlich geeignete Werke für die stetig wachsende Sammlung, wenn gerade keine Stiftung hilft? „Der kürzeste Weg führt natürlich nach nebenan - zum BBK“, schmunzelt Sabine Isensee. Dort fündig zu werden, stellt den Idealfall dar, denn neben den praktischen Aspekten ist es zugleich lokale Künstler:innenförderung. Mitunter lässt die Kuratorin ihren Blick auch weiter schweifen: sie besucht regionale Ateliers und Künstler:innenvereinigungen. Das Ergebnis? Nicht etwa eine wahllose Sammlung künstlerischer Gehversuche, sondern eine bewusst und sorgfältig zusammengestellte Auswahl mit inhaltlichen Akzenten. Die beiden Schütte-Werke stellen neue Glanzlichter dar, es gibt aber auch etliche ältere Kostbarkeiten. „Im Bestand sind auch Originale von Joseph Beuys“, berichtet die Leiterin der Artothek. Die gingen allerdings nicht mehr in die Ausleihe - zu wertvoll sind sie inzwischen. Dieses Beispiel zeigt jedoch das Potenzial der ganzen Angelegenheit: Denn das überschaubare Budget der Artothek motiviert zu einer Art Schatzsuche - durchaus mit Erfolg, wie die Vergangenheit vielfach zeigt. Kunst mit Kontext Wärmstens zu empfehlen sind indes auch die vier Abendführungen durch die Ausstellung. Die Werke in den Räumen hängen - und in zwei Fällen: stehen - zu sehen, ist zwar auch ohne zusätzlichen Input ein ästhetischer Gewinn. Die Informationen durch die kundigen Führer:innen vergrößern ihn nicht nur, sie potenzieren ihn geradezu. Hinter beinahe allen Bildern verbergen sich spannende Geschichten, die es wert sind, erzählt und gehört zu werden - und die unsere Betrachtung der Bilder nochmals verändern. „Spannend sind auch die Diskussionen, die vor den Bildern enstehen, erzählt Kunstvermittlerin Geraldine Dudek. „Wenn sich jemand zu einem Bild positiv oder negativ äußerst, gibt es in der Gruppe immer auch eine Gegenposition“, schildert sie eine spannende Konstellation. Während die einen von einem Werk begeistert seien, würden andere es sich niemals an die Wand hängen. „Dabei entstehen interessante Diskussionen über das Werk und seine Wirkung“, erzählt Geraldine - ohne dass man jemanden dazu ermuntern müsste. Womit bewiesen wäre, dass Kunst uns Impulse gibt. Platz für Neues Klar: Man kann sich auch großformatige Fotos vom letzten Urlaub an die Wand hängen oder ein altes Tourplakat der absoluten Lieblingsband. Auch Kunstdrucke berühmter Meisterwerke sind eine Option. Alles geht, nichts muss. Aber: Dank der Artothek können wir uns auch für ein originales Kunstwerk entscheiden. Wir müssen es nicht kaufen, sondern können es leihen, eine Weile mit ihm leben - um dann reibungslos Platz für etwas Neues zu schaffen. Genau wie die Bibliotheken sind auch die Artotheken eine genial simple Idee. Der große Bestand in Oldenburg bietet beste Voraussetzungen, auf der Suche nach dem nächsten Lieblingsstück auch erfolgreich zu sein. Ganz nebenbei macht es einfach Spaß, durch die Bilder zu stöbern als wäre man auf einer Plattenbörse. Die aktuelle Ausstellung macht den Besuch der Artothek jetzt noch lohnenswerter. Geld für Bilder mag vielleicht nicht jeder haben - eine Wand aber schon.
- NICHTS WIE HIN (7)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:











