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- LITERATUR LIVE
Wir alle lesen. Wir scrollen durch Newsfeeds und Liveticker, wir scannen Mails und Messages, wir überfliegen Content und Captions. Doch Lesen kann noch viel mehr sein. Ein wahres Erlebnis wird es, wenn Autor:innen ihre Werke live vortragen, mit Anekdoten und Hintergründen anreichern und mit dem Publikum in den Austausch gehen, In Oldenburg gibt es eine Institutionen für solche magischen Momente: Das Literaturhaus. Gewohnheiten haben ihre Tücken. Manchmal übersehen wir nämlich das Wichtigste in unserem Leben, weil es schlicht zu normal geworden ist, um es als besonders wahrzunehmen. Ein wenig gilt dieses Prinzip auch für das Literaturhaus Oldenburg. Jahr für Jahr konzipiert Monika Eden mit ihrem kleinen Team ein attraktives Lesungs-Programm, das auch in wesentlich größeren Städten für Furore sorgen würde- das hier in Oldenburg aber als beinahe selbstverständlich begriffen wird. Dabei ist es genau das nicht. Dass wir hier immer wieder eine überaus spannende, stets hochwertige Mischung aus großen Namen und neuen Stars erleben dürfen, ist beileibe kein Automatismus. Dahinter steckt akribische Arbeit, reger Austausch mit Verlagen, Agent:innen und Autor:innen sowie: viele, viele Lesestunden. Für Monika Eden ist nicht entscheidend, wie viele Follower:innen jemand auf Instagram hat, ob ein Buch gerade bei TikTok trendet oder wann sich ein:e Schriftsteller:in öffentlichkeitswirksam zu Themen der Zeitgeschichte äußert. Sie geht nach der literarischen Qualität. Und diese klare Prämisse ist es, die Lesungen des Literaturhauses stets zu einem Erlebnis macht. Starke Mischung Das ist im Herbst 2024 nicht anders als sonst. Erneut hat das Literaturhaus sowohl anerkannte Größen der Literaturszene wie Saša Stanišić oder Iris Wolff , aber auch etwas weniger bekannte Schriftsteller:innen wie Thea Mengeler oder Valerie Fritsch für Oldenburg gewonnen. Alle bringen hochgelobte aktuelle Werke mit - und versprechen spannende, bewegende, unterhaltsame Abende im PFL oder Wilhelm13. Das ist: Literatur live! 27. AUGUST, 19.30 UHR IRIS WOLFF: „LICHTUNGEN“ KULTURZENTRUM PFL MODERATION: SILKE BEHL Zwischen Lev und Kato besteht seit ihren Kindertagen eine besondere Verbindung. Doch die Öffnung der europäischen Grenzen weitet ihre Lebensentwürfe und verändert ihre Beziehung für immer. Voller Schönheit und Hingabe erzählt Iris Wolff in ihrem großen neuen Roman von zeitloser Freundschaft und davon, was es braucht, um sich von den Prägungen der eigenen Herkunft zu lösen. Denis Scheck vom WDR 3 ist begeistert: »Dieser Roman lebt von einer unglaublich zärtlichen Sprache, die einem unter die Haut geht. Das ist ein ganz großes literarisches Kunstwerk. […] Das Literaturjahr 2024 beginnt mit Iris Wolffs ›Lichtungen‹ wirklich mit einem Paukenschlag.« Iris Wolff , geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen, wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Marieluise-Fleißer-Preis und dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2020 der Roman Die Unschärfe der Welt , der unter anderem mit dem Preis der LiteraTour Nord ausgezeichnet wurde. 2021 war sie Landgang -Stipendiatin des Oldenburger Literaturhauses. LESEPROBE 4. SEPTEMBER, 19.30 UHR SASA STANISIC: „MÖCHTE DIE WITWE...“ KULTURZENTRUM PFL MODERATION: MONIKA EDEN Was wäre, wenn man nicht diese eine Entscheidung getroffen hätte, sondern jene andere? Was wäre, hätte man der Erwartung getrotzt? Und dann ist da trotzdem die Furcht, feige gewesen zu sein, zu lange gezögert und etwas verpasst zu haben, ein besseres Ich, ein größeres Glück, die lustigeren Haustiere und Partner. Saša Stanišić führt uns an Orte, an denen das auf einmal möglich ist: den schwierigeren Weg zu gehen, eine unübliche Wahl zu treffen oder die eine gute Lüge auszusprechen. Am besten wäre ja, man könnte ein Leben probeweise erfahren, bevor man es wirklich lebt. Marie Schmidt von der Süddeutschen Zeitung sieht es so: „Experimentell und komisch verbindet Saša Stanišić zwölf Geschichten über Träume und Schicksal zu einem Buch, das sich jeder Festlegung entzieht.“ Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (damals: Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Saša Stanišić erhielt unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse für Vor dem Fest und für Herkunft den Deutschen Buchpreis. Er lebt und arbeitet in Hamburg. LESEPROBE 10. SEPTEMBER, 19.30 UHR DAVID WAGNER: „VERKIN“ WILHELM13 GESPRÄCH: SABINE KYORA Verkin ist um die siebzig, Türkin und Armenierin, Kosmopolitin, Unternehmerin, Politikerin. David ist Mitte vierzig, ein Schriftsteller aus Berlin, aufgewachsen am Rhein. Die beiden spazieren durch Istanbul und reisen quer durch Anatolien, an die lykische Küste, zum Vansee nahe der iranischen Grenze. Verkin erzählt dabei von ihrer Kindheit am Bosporus, von ihren Großmüttern, die 1915 den Genozid überlebten. Vom Vater, der den größten Elektrokonzern der Türkei aufbaute. Von Schweizer Internatsjahren, Paris 1968 und lukrativen DDR-Geschäften im geteilten Berlin. Von berühmten New Yorker Künstlerkreisen in den siebziger Jahren, von ihren Ehemännern, darunter ein Deutscher. Von einem Unfall, der sie auf eine zehn Jahre dauernde Odyssee schickte. Von ihrem Kampf für die armenische Sache und ihrer politischen Arbeit in der AKP. Von einem Land, von einem Leben voller Widersprüche. SPIEGEL-Redakteur Arno Frank fühlte sich bestens unterhalten: „Beim Lesen fühlt man sich angenehm beschwipst und an Filme wie 'Forrest Gump' erinnert, so turbulent purzelt diese Heldin durch die Zeitgeschichte.“ David Wagner , 1971 geboren, wurde 2013 für sein Buch Leben mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, 2014 erhielt er den Kranichsteiner Literaturpreis und war erster Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessor für Weltliteratur an der Universität Bern. Der vergessliche Riese brachte ihm 2019 den Bayerischen Buchpreis. Im Jahr 2022 war er - wie zuvor Iris Wolff - Landgang -Stipendiat des Oldenburger Literaturhauses. LESEPROBE 18. SEPTEMBER, 19.30 UHR RHASA KHAYAT: „ICH KOMME NICHT ZURÜCK“ WILHELM 13 GESPRÄCH: HENRIETTE DYCKERHOFF Hanna, Zeyna und Cem verbindet eine leuchtende Freundschaft, die in einem Sommer in den späten Achtzigerjahren ihren Anfang nimmt. Gemeinsam wachsen sie in einer Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet auf, bilden eine Wahlfamilie, in der Herkunft keine Rolle spielt. Doch je älter die Kinder werden, umso klarer treten die Unterschiede zwischen ihnen hervor. Mit dem 11. September 2001 wird ihre Freundschaft endgültig vor eine Zerreißprobe gestellt, bis sich die Risse zwischen Hanna und Zeyna zum Bruch ausweiten. Jahre später kehrt Hanna zurück in die alte Heimat, in die Wohnung ihrer verstorbenen Großeltern. Cem, ihr Fels, ist immer noch da, aber Zeyna schon seit Jahren aus ihrem Leben verschwunden. Hanna begibt sich auf die Suche nach Zeyna, nach Spuren ihrer Geschichte, nach dem, was damals zwischen sie fiel. Schriftstellerin Daniela Dröscher ist der Meinung: „Dieses Buch ist wie eine ausgestreckte Hand. Ein traurigschöner Protest gegen all das, was Menschen trennt, statt zu verbinden.“ Rasha Khayat , 1978 in Dortmund geboren, wuchs in Jeddah, Saudi-Arabien, auf. Als sie elf war, siedelte ihre Familie nach Deutschland zurück. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Bonn. Seit 2005 arbeitet sie als freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin. 2016 erschien ihr Debüt Weil wir längst woanders sind . Seit 2022 hostet sie den feministischen Literaturpodcast Fempire – der Podcast über Frauen, die schreiben . LESEPROBE 1. OKTOBER, 19.30 UHR THEA MENGELER: „NACH DEN FÄHREN“ WILHELM 13 GESPRÄCH: JOCHEN SCHIMMANG Auf einer vormals beliebten Urlaubsinsel bleiben mit einem Male die Fähren aus und mit ihnen die Urlauber. Das Leben kommt zum Stillstand, die meisten Bewohner verlassen die Insel, nur ein paar wenige harren aus. Hoffend auf eine Rückkehr der Fähren und isoliert voneinander gehen sie den immer gleichen Tätigkeiten nach. Das Leben dieser Übriggebliebenen ändert sich erst, als auf unerklärliche Weise ein Mädchen im Sommerpalast erscheint und die Nähe zu dem ehemaligen Hausmeister sucht. Ihre Fragen nach seiner Vergangenheit und nach der Insel führen zu einem Umbruch, der auch dann nicht mehr aufzuhalten ist, als sie so plötzlich verschwindet, wie sie aufgetaucht ist. Mehr und mehr verweben sich die Geschichten der Figuren, die beginnen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen – und mit der Frage, ob eine Rückkehr der Fähren überhaupt wünschenswert ist. Jürgen Deppe vom NDR ist begeistert: „Wie Thea Mengeler Worte für die Fragen nach dem Sinn des Seins findet, ist atemberaubend: so karg und schön wie die Insel, die aus ihren Worten entsteht. So still, so klug, so kunstvoll. Eine nahezu perfekte Allegorie auf das Leben.“ Thea Mengeler , 1988 geboren und in Krefeld aufgewachsen, studierte Literarisches Schreiben und Kommunikationsdesign in Hildesheim, Kiel und Istanbul. Sie war Finalistin beim 28. open mike sowie Styria Artist in Residence 2022. Aktuell lebt sie als freiberufliche Autorin und Texterin in Hannover. 2022 veröffentlichte sie ihr Debüt connect . LESEPROBE 27. OKTOBER, 11 UHR VALERIE FRITSCH: „ZITRONEN“ WILHELM 13 MODERATION: SABINE KYORA August Drach wächst in einem Haus am Dorfrand auf, das Hölle und Paradies zugleich ist. Der Vater, von sich und dem Leben enttäuscht, misshandelt seinen Sohn, Zärtlichkeit hat er nur für die Hunde übrig. Trost findet August bei seiner Mutter, die ihn liebevoll umsorgt. Doch als der Vater die Familie verlässt, verwandelt sich die Zuwendung der Mutter. Sie mischt August heimlich Medikamente ins Essen. Sie schwächt das Kind und macht es krank; von seiner Pflege verspricht sie sich Aufmerksamkeit und Bewunderung. Erst Jahre später gelingt es August, sich aus den Fängen der Mutter zu befreien, ein unabhängiges Leben zu führen, erste Liebe zu erfahren. Doch wie lernt ein erwachsener Mensch, das Rätsel einer Kindheit zu lösen, in der Grausamkeit und Liebe untrennbar zusammen-gehören? Voll des Lobes für das Buch ist Richard Mayr von der Augsburger Allgemeinen: „Die Schriftstellerin knüpft auf den 180 Seiten ein dichtes, belastbares Gewebe. Sie findet dazu auch eine Sprache, die von starken Bildern lebt, ohne dabei je hier ins Selbstverliebte oder dort ins Kitschige abzurutschen, kurzum: eine Empfehlung.“ Valerie Fritsch , geboren 1989, lebt als freie Autorin in Wien und Graz. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 wurde sie mit dem Kelag-Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2020 erhielt sie den Brüder-Grimm-Preis für Literatur. LESEPROBE
- EWIG BLÜHEND
Was man aktuell im Horst-Janssen-Museum sehen kann, das lässt sich wohl am besten mit dem Wort "wunderschön" betiteln. Die Ausstellung "Perpetuum Florens" des Künstlers Miron Schmückle zeigt großformatige Pflanzengebilde, die zwar einer surrealen Welt entspringen, doch dabei nichtsdestotrotz mit so unfassbarer Liebe zum Detail geschaffen sind, dass man sich fast sicher zu sein scheint: diese Pflanzen müssen existieren. Wie der Künstler das schafft und warum diese Art der Kunst eine Wohltat in der heutigen Zeit ist, das lest ihr hier. - MIRON SCHMÜCKLE - // PERPETUUM FLORENS \\ NOCH BIS 20. OKTOBER HORST-JANSSEN-MUSEUM AM STADTMUSEUM 4-8 26121 OLDENBURG Vom Städel Museum in Frankfurt, einem der bedeutendsten Kunsthäuser des Landes, direkt zu uns nach Oldenburg - eine Reihe, in der man sich sehen lassen kann: Miron Schmückle stellt aktuell noch bis Oktober rund vierzig seiner floralen Werke – von großformatigen Zeichnungen über Skizzen bis hin zu Fotografien – im Horst-Janssen-Museum aus. 1966 geboren, hat Schmückle als Kind und junger Mann unter der Diktatur in Rumänien gelebt und dabei in der Natur seine persönlichen Fluchten gefunden und auch im weiteren Verlauf seines Lebens, haben es ihm vor allem historische Darstellungen von Pflanzen aus fremden Ländern besonders angetan. „Miron Schmückles Arbeiten sind hoch ästhetisch und gleichzeitig so von Konzept und Planung durchdrungen, dass es ein intellektuelles Vergnügen ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen“, schwärmt Museumsleiterin Jutta Moster-Hoos, die den Künstler nach Oldenburg geholt und die Ausstellung kuratiert hat. Seine großformatigen Pflanzen- und Blumenzeichnungen zeigen immerblühende und verführerische Blüten, Stängel und Blätter, die vom Künstler zu scheinbar endlosen Reigen arrangiert sind. Und obwohl diese seiner blanken Vorstellungskraft entspringen, erscheinen sie in ihrer detailgenauen Ausarbeitung aber botanisch durchaus plausibel. Man möchte einfach glauben oder wünscht sich vielmehr ihre Existenz und hofft darauf, dass sie an einem versteckten Fleck auf der Erde vielleicht doch irgendwo zu finden sein könnten! Innere Ruhe Dabei verspürt man, während man seinen Blick über die Arbeiten Schmückles schweifen lässt, unweigerlich auch ein innerliches Durchatmen, ein gewisses "Zur Ruhe kommen". Man blickt auf eine Pforte, die eine natürliche und imaginäre Welt miteinander verbindet, indem sie die perfekte Balance zwischen Vertrautem und Unbekanntem hält. Man möchte verstehen, um was es sich handelt. Wo beginnt die eine Pflanze, wo endet die andere, hat ihre Struktur etwas zu bedeuten, was könnten wohl die Besonderheiten oder womöglich sogar Heilkräfte dieser Pflanze sein? Ein ungemeiner Raum für eigene Vorstellungen tut sich auf. Es ist nur natürlich, dass diese technisch anspruchsvollen und motivisch betörenden Zeichnungen im Mittelpunkt der Schau stehen, doch zeigt das Horst-Janssen-Museum darüber hinaus zum ersten Mal überhaupt auch eine Auswahl vorbereitender Skizzen der imposanten Endergebnisse. Was aus der Not heraus entstand, weil einzelne der Werke einfach zu groß waren, um sie entsprechend platzieren zu können, stellt sich nun als ungeplanter Geniestreich heraus. Denn was vor allem fasziniert und beim Betrachten dieser Skizzen sofort klar wird: hier wird nicht einfach irgendwie drauf losgemalt a la "Go with the Flow", ganz im Gegenteil! Der komplexe Aufbau seiner Werke und die Aquarelltechnik, die ein Korrigieren auf dem Papier praktisch nicht zulässt, erfordern eine sorgfältige Planung. Somit werden in diesen Skizzen die streng durchdachten Konzepte erstmals anschaulich, nachvollziehbar und zeigen mit welchem, fast schon naturarchitektonischen Anspruch hier Kunst geschaffen wurde. Durch diesen kleinen Blick in den Entstehungsprozess und die vorbereitenden Arbeiten, wird die immense, künstlerische Leistung nochmals unterstrichen, die es benötigt um solche Werke entstehen lassen zu können. Schicht über Schicht Doch wie stellt man das genau an, wie gelingen Bilder diesen Ausmaßes letztlich überhaupt aus rein handwerklicher Sicht? Schmückle bedient sich beim Malen einer komplexen Schicht-Technik: Er kombiniert Farben mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften. Und zwar solche, die nach dem Auftragen weiterhin wasserlöslich bleiben, wie Aquarellfarben und Gouachen sowie andererseits Pigmente und Farbtuschen, die auf dem Papier unlösliche Schichten bilden. Das hat zur Folge, dass manche Farbtöne ineinander verlaufen können, andere hingegen aufeinanderliegen. „So entstehen die Leuchtkraft der Farben und der Eindruck von Volumen und Tiefe. Diese Technik habe ich im Laufe der Jahre zunehmend verfeinert, was aber auch zur Folge hat, dass es immer länger dauert, bis ein Bild fertig wird, trotz der dazugewonnenen Routine“, hält Schmückle fest. Und so spürt man die jahrzehntelangen Beschäftigung des Künstlers mit dem Reich der Botanik und der Kunst wirklich in jedem Moment bei seinem Besuch im Horst-Janssen-Museum. Nicht umsonst ist Schmückle auch ein Pictor doctus, ein gelehrter Maler, der über allegorische Miniaturmalerei im 16. Jahrhundert promoviert hat und die kunstgeschichtliche Tradition genau kennt. Bereits in seinen früheren Fotoserien wie „Hortus Conclusus“ von 2003, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, reflektiert er über die Rolle der Pflanzen in der Bildenden Kunst. Wurden sie seit der Antike beispielsweise als schmückendes Beiwerk oder seit dem Mittelalter als Allegorien für abstrakte Tugenden eingesetzt, spielen sie bei Miron Schmückle die Hauptrolle vor der Folie seines eigenen nackten Körpers. Der Mensch rückt vor dem Ablick der wunderbaren natur in den Hintergrund. Eben dieses Nachdenken über und die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Pflanzenreich, das die Grundlage allen Lebens darstellt, sind zentrale Anliegen in Schmückles Werk. Deshalb finden wir, geht es hier auch um mehr als ein bloßes ästhetisches Vergnügen. Diese Kunst ermöglicht es uns, die Natur auf eine Weise zu erleben, die im wirklichen Leben nicht möglich ist. Sie ist ein Fluchtweg aus der hektischen, oft überfordernden Gegenwart. Und in einer Zeit, in der die natürliche Umwelt oft bedroht und geschunden ist, bieten solche Bilder nicht nur Trost, sondern auch eine Vision von einer Welt, die von Harmonie und Schönheit geprägt ist – eine Vision, die sowohl inspirierend als auch absolut notwendig ist. Ihr seid nun auch völlig begeistert von den Arbeiten des Künstlers? Dann findet ihr hier weitere Informationen: www.mironschmueckle.de
- ZIMMER MIT AUSSICHT
Schaut man aus dem Fenster seines Büro-, Lieblings- oder WG-Zimmers sieht man vor allem eines: das Gewohnte. Für uns sind die Blicke nach draußen tagtäglicher Alltag und nicht der Rede wert. Oder doch? Allerdings. Denn addiert man diese abertausenden Perspektiven, dann entsteht ein neuer, bisher unbekannter Blick auf die Stadt. Das Stadtmuseum sammelt nun diese ganz persönlichen Ausblicke - auch aus eurem Fenster! Man kennt sie: die gängigen Bilder der Tourismusgesellschaften deutscher Großstädte. Hier die bekannte Sehenswürdigkeit, dort eine Straßenszene, gerne auch noch ein Kulturevent. Natürlich repäsentieren sie bis zu einem gewissen Grad die Eindrücke einer Stadt. Doch erzählen sie die wahre Geschichte? Nämlich vom echten Leben, wie es die Menschen vor Ort kennen? Nein, natürlich tun sie das nicht. Das ist die Crux des Alltags: Er ist es, der unser Leben definiert, er ist dieses wahre Leben. Doch er ist zu unspektakulärl, als dass ihn jemand dokumentieren würde. Und so bleibt die visuelle Erinnerung einer Stadt eine Ansammlung an Besonderheiten und kein repräsentativer Eindruck. Doch das ändert sich nun mit dem Projekt „Oldenburger Fensterblicke“ des Stadtmuseums Oldenburg. STADTMUSEUM OLDENBURG OLDENBURGER FENSTERBLICKE DAS STADTMUSEUM SUCHT SPANNENDE, TYPISCHE UND UNTYPISCHE VIDEOAUSBLICKE AUS OLDENBURGER FENSTERN. MITMACHEN Oldenburg im Fokus Zum alltäglichen Leben, gehört auch das, was wir - jede:r von uns - ständig sehen, wenn wie flüchtig aus dem Fenster blicken. Nachbars ungepflegter Hintergarten, die Sammelgaragen fürs Quartier, die Einfahrt für das Mehrfamilienhaus, die vielbefahrene Straße: All das ist für sich genommen wenig erwähnenswert. Aber zusammen? Ist es Oldenburg, wie es wirklich ist. Deshalb sind nun alle Oldenburger:innen aufgerufen, ihre persönliche. Fensterblicke als kurzes Video festzuhalten und an das Stadtmuseum zu schicken. Dort werden sie gesammelt und sogar Teil des neuen Stadtmuseums - das sich mehr denn je auch der Oldenburger Normalität wirdmen wird. Denn dort - im Alltag - finden wir die Anwtwort auf die Frage, wer wir eigentlich sind. Großes Vorbild WindowSwap Die Idee geht zurück auf das wunderbare Portal WindowSwap . Hier kann man per Mausklick aus über 100.000 Fenstern irgendwo auf der Welt schauen. Mal auf ein paar Ziegen, mal auf einen gigantischen Kirschbaum, mal aus einem fahrenden Zug. Das Prinzip ist an Einfachheit kaum zu Überbieten, übt aber eine große Anziehunsgskraft aus. Mal sieht man tatsächlich imposante Szenerien, mal etwas vollkommen Belangloses. Und es sind häufig gerade die fehlende Bemühungen um gelungene Ästhetik, die das Projekt ausmachen. Man kann die Gewohnheit geradezu fühlen - und das ist authentischer als die x-te Sehenswürdigkeit oder penibel inszenierte Perfektion. Dieses Prinzip wird in Oldenburg genauso gut funktionieren - und vielleicht sogar noch besser! Denn hier kommt ja der gewisse Neugier-Faktor hinzu. Wir kennen unsere Stadt, aber die meisten Pespektiven auf sie kennen wir nicht. Durch die Fensterblicke haben wir die Chance, Oldenburg zu sehen wie nie zuvor. Werdet Teil des Stadtmuseums Das geht aber nur, wenn möglichst viele von uns mitmachen und ihren ganz persönlichen Ausblick mit anderen teilen. Der Kulturschnack hat schon abgeliefert - und ihr? Nehmt euch die Zeit und reicht eure eigene Ausscht ein. Wie das geht, ist hier ausführlich erklärt! Wenn ihr das zahlreich macht, dann hat das Oldenburger Stadtmuseum in Zukunft nicht nur Artefakte aus der Geschichte zu bieten, sondern auch: Zimmer mit Aussicht!
- REFRAMED - FOTOTAGE OLDENBURG
Bereits im Jahr 2021 machten sie das Flanieren entlang der Oldenburger Hafenpromenade schöner als es ohnehin schon ist und nun sind sie endlich zurück. Vom 07. - 28. August zeigen die reframed - Fototage Oldenburg unter dem Oberthema "Spiel" wieder Arbeiten sowohl lokaler als auch internationaler Fotografinnen und Fotografen und werden durch ein unterhaltsames Rahmenprogramm abgerundet, bei dem - so viel sei schon an dieser Stelle verraten - ebenfalls dem eigenen Spieltrieb nachgegangen werden kann. REFRAMED - FOTOTAGE OLDENBURG 07. - 28. AUGUST 2024 HAFENPROMENADE ERÖFFNUNG: 07. AUGUST - 18:00 UHR AUF HÖHE SECCO Die Vorstellung ist so romantisch wie etwas nur sein kann: Die Sonne scheint, der Tag neigt sich dem Ende zu und man ist vielleicht gerade ohnehin unterwegs, hat sich noch ein Getränk für den Weg geschnappt und möchte nun die Sonne zum Ausklang am Hafen genießen. Wie schön, wenn man dabei auch noch von einer waschechten Open-Air Galerie begleitet wird, oder? Denn hier gibt es keinen Eintritt, kein formelles Setting. Die Werke fügen sich in ihre Umgebung und im Gegensatz zu geschlossenen Galerien ist dieses Szenario wirklich zugänglich für alle, nicht an Öffnungszeiten gebunden und kann von den Besucherinnen und Besuchern im ganz eigenen Tempo und nach eigenem Belieben erkundet werden. Genau das machen sich in diesem Jahr wieder die reframed - Fototage Oldenburg zu eigen. Eine solche Ausstellung im öffentlichen Raum bringt Kunst und Kultur direkt in den Alltag der Menschen. Sie schafft Gelegenheiten für spontane Begegnungen und Gespräche über Kunst, über das, was man auf den Fotografien sieht und das wiederum stärkt am Ende des Tages im besten Fall das kulturelle Bewusstsein und den Gemeinschaftssinn füreinander. Doch was genau gibt es denn eigentlich zu sehen bei dieser Ausgabe der Fototage, zu deren Konzept es gehört, dass in jedem Jahr ein anderes Oberthema die Richtung vorgibt? Lass doch mal wieder Spielen! Die Auswort lautet "Spiel"! Warum? Spielen ist Lebensfreude. Sie ist in der Natur des Menschen angelegt, erst sie macht ihn komplett. Und je unübersichtlicher die moderne Welt wird, desto mehr boomen Spiele, weil sie uns klare Regeln und Grenzen an die Hand geben, an denen wir uns orientieren und auf die wir uns verlassen können. Bernd Hubl, Projektleiter der Fototage, betont: "Auch die Fotografie ist immer ein Spiel. Die Fotografinnen oder Fotografen erschaffen erst durch ihre selbst definierte Regel das Werk“ So haben sich beispielsweise 22 Oldenburger Fotografinnen und Fotografen von den Oldenburger Photo Amateuren , dem Haus der Fotografie Oldenburg sowie dem BBK - Bund Bildender Künstler Oldenburg in der Ausstellung „Der gesprungene Spiegel – Reflexionen(en) über Identität und Fotografie“ dem Spiel mit multiplen Persönlichkeiten angenommen und sich auch mit dem Zufall in der Fotografie auseinandergesetzt. Inspiration und Basis hierfür war der Roman "Der Würfler" von Luke Rhinehart aus dem Jahr 1971, in welchem der Protagonist zunehmend mehr Entscheidungen seines Lebens dem Willen des Würfels überlässt. Und so ließen sich auch die genannten Gruppen auf ein künstlerisches Experiment ein und überließen die fotografisch relevanten Entscheidungen beim Anfertigen ihre Arbeiten ebenfalls dem Zufall. Ob Farbe oder schwarz-weiß, Portrait oder Architektur, digital oder analog - die Laune des Würfels bestimmte das Vorgehen. Zudem sind Werke von sechs internationalen Fotokünstlerinnen und -künstlern zu sehen! "Ich habe lange recherchiert und Fotografinnen und Fotografen gesucht, die sich ebenfalls bewusst mit dem Thema Spiel in ihrer Arbeit auseinandergesetzt haben.", erzählt Hubl weiter. Tom Pope sei hierbei ein fantastisches Beispiel, der auch bei der Eröffnung der Ausstellung als Gast anwesend sein wird. Der Engländer lebe für das spielerische Element, kombiniere gerne mal Ausstellung mit Dart- oder Billardspiel und wisse oftmals nicht, was am Ende das genaue Ergebnis bei seinen Arbeiten werde. So ist bei den Fototagen seine Serie „The Play Offs“ zu sehen, bei der es sich um eine Reihe von Fotospielen mit vom Künstler erstellten Fotos handelt. Darüber hinaus finden sich am Hafen die fantastischen Arbeiten „Rebel Riders“ des Fotografen Muhammad Fadli , der die imposante Vespa Fan-Szene Indonesiens dokumentiert hat, oder die an Eadweard Muybridge angelehnten Arbeiten von Mia Cassels, Angel Chobanov und Lauree Stephens von der Kingston School of Art (ebenfalls England) mit dem Titel „Movements in time“ und die Serie „Lùdica“ der italienischen Fotokünstlerin Tina Cosmai , in deren Werken sich die Fantasie in täglichen Träumereien materialisiert, die uns zurück zu den Wurzeln unserer Kindheit und der gesamten Menschheit führt. DIE CARRERABAHN-TALKS IN VIER RUNDEN Neben der eigentlichen Ausstellung am Hafen, wird es an vier Terminen Vorträge von den involvierten Oldenburger Foto-Einrichtungen geben. Doch auch hier wurde selbstverständlich an das spielerische Element gedacht! Denn Veranstaltungsort ist MTS Records in der Ritterstraße, der neben unzähligen Plattencovern, die ebenfalls oftmals fotografisch entstanden sind, darüber hinaus mit einer 36 Meter langen Carrerabahn aufwartet, die im Anschluss an die Talks bespielt oder sogar schon währenddessen zum Inhalt der Veranstaltung wird. Denn bereits am 08. August kann man beispielsweise, solange man eine digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera samt Speicherkarte mitbringt, beim Wöltje Workshop zuerst im Foto-Studio und anschließend bei MTS Records in der Ritterstraße einen ersten Einstieg in die wichtigsten Begriffe der Fotografie erhalten. Am folgenden 09. August geht es dann direkt mit einer Vortrag von Carola Bührmann weiter, bei dem sie RUNDE 01 - Wöltje Workshop: „Das Spiel mit Licht“ – Einstieg in die Fotografie 08. August - 18:30 Uhr Treffpunkt: Wöltje, Achternstraße 34, 26122 Oldenburg RUNDE 02 - Vortrag: Die „Unberührbare". Ein Fotoprojekt von Carola Bührmann 09. August - 18:30 Uhr Treffpunkt: MTS Records, Ritterstraße 2, 26122 Oldenburg RUNDE 03 - Vortrag: Fotografie als Spiel 14. August - 18:30 Uhr Treffpunkt: MTS Records, Ritterstraße 2, 26122 Oldenburg RUNDE 04 - Vortrag Hans Beelen: Der „Homo Ludens” von Johan Huizinga 19. August - 18:30 Uhr Treffpunkt: MTS Records, Ritterstraße 2, 26122 Oldenburg Halten wir also fest: Die Fototage sind eine Einladung, Kultur auf eine ganz unmittelbare Weise zu genießen. Und wir können euch zum Abschluss versichern: diese Einladung könnt ihr besten Gewissens annehmen! Weitere Informationen zu den reframed - Fototagen Oldenburg sowie allen ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern findet ihr unter: https://www.fototage-oldenburg.de/
- ES IST POLYARTICA!
Sommer ist Festivalzeit! Für viele Oldenburger:innen gehören Trips nach Dangast, Cuxhaven oder Scheeßel zu den Fixpunkten des Jahres. Und Oldenburg selbst? Hat mit Kultursommer und Einfach Kultur immerhin einige Events, die dem Festivalgedanken nahekommen. Nun bekommt diese Reihe einen Zuwachs - und der ist definitiv anders als alle anderen. Ein Pluspunkt? Was macht ein Festival zu einem Festival? Zu Klärung dieser Frage gibt eine in Deutschland überraschenderweise keine DIN-Norm, ja nicht einmal eine Richtlinie. Einige Dinge gehören für die meisten aber fest dazu: Bekannte Acts, mehrere Bühnen, unzählige Stände, überfüllte Zeltplätze. Beim Polyartica Festival gibt es: Nichts von alledem. Und doch trägt es seinen Namen zurecht. Durchforstet man nämlich die gängigen Enzyklopädien, dann lässt sich die Definition eines Festivals auf einen einzigen Satz reduzieren, nämlich: „Eine kulturelle Großveranstaltung mit mehreren Künstler:innen“, Und genau das bekommt ihr auch bei Polyartica geboten - in einer Dichte und Vielfalt, die sich manch größeres Festival wünschen würde! POLYARTICA FESTIVAL MIT DEAF LIZARD, EINSTURZ, ATLLANTIC MANFRED, SONJA ORBIT, WLKO, HOUSEINFARKT / DJ LARK SAMSTAG, 3. AUGUST 2024 AB 15 UHR POLYESTER KLUB AM STAUGRABEN 26122 OLDENBURG Mehr Kunst geht nicht Polyartica also. Interessanter Name. Genau wie das Metropoly scheint es damit Bezug zur Location aufzunehmen. Aber: Da ist noch mehr: Denn „poly“ ist - wie wir Bildungsbürger:innen natürlich alle wissen - das griechische Wort für viel. Und „viel“ ist es tatsächlich, was die Gäste am 3. August im Polyester geboten bekommen. Nicht nur spielen drei Bands und legen vier DJs auf. Nein, es gibt auch eine ausgewachsene stil- und genreübergreifende Kunstausstellung von Skulptur bis Street Art. Zudem kann man Digitale Kunst in einer Virtual Gallery bestaunen. Und damit nicht genug: Auch Workshops gibt es, ebenso wie Mitmachaktionen für Kinder. Und wenn an dieser Stelle immer noch jemand sagt „Das reicht nicht“, sei dieser anspruchsvollen Person ein weiteres Highlight ans Herz gelegt: Die unseres Wissens erste BYO-Kunstausstellung Oldenburgs! BYO? Das steht für „Bring you own“ und bedeutet nichts anderes, als dass du dein eigenes Meisterwerk mitbringen und direkt an die Wand hängen darfst. Wer weiß? Vielleicht beginnt deine persönliche Kunstkarriere an einem Sommersamstag im Polyester Klub - bei einem Festival, das anders ist als alle anderen. Besonders ist an Polyartica aber nicht nur die ungeheure Vielfalt, sondern auch die Attitüde, mit der das Projekt einhergeht. Hier wird die Kunst nicht auf einen Sockel gestellt, der sich über den gemeinen Pöbel erhebt, sondern in die Mittel der Gemeinschaft, nahbar und zugänglich. Man glaubt beinahe, den Spaß zu spüren, den die beiden Macher Daniel und Manuel bei der Planung des Projekts hatten. Apropos: Mit denen haben wir über Polyartica gesprochen. Was sie gesagt haben? Das lest ihr hier! Wer das prall gefüllte Plakat von Polyartica sieht, ahnt sofort: Dahinter steckt niemand, der routiniert wöchentliche Veranstaltungen abspult. Wer seid ihr? Die Veranstaltung wurde von den beiden Oldenburger Künstlern Daniel Oppermann und Manuel Mahn alias Crypsybear ins Leben gerufen. Der Polyester Klub hat uns beiden direkt von Anfang an unterstützt und nach und nach konnten für die Veranstaltung weitere Unterstützer gewonnen werden. Daniel ist Künstler und Musiker in der Band Atlantic Manfred . Manuel / Crypsybear ist Künstler der bisher zwar international, aber ausschließlich digital ausgestellt hat. Gemeinsam erschaffen wir ein Art-Festival das Welten vereint, die auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen scheinen, aber gerade dass macht den Reiz aus. Es ist ein Festival für wirklich jeden. Unterschiedliche Welten zu vereinen ist ja ein mutiges Vorhaben. Warum macht ihr das? Und warum im Poly? Warum nicht? Zwar gibt es eine große Kulturszene in Oldenburg, aber eine Veranstaltung mit einem so vielfältigen Mix wie wir ihn mit Polyartica erreichen werden, gibt es bisher nicht in der Stadt. Der Veranstaltungsort / das Polyester hat seit vielen Jahren eine besondere Klubkultur und das Polygenos Haus ist ein einzigartiger Kulturraum. Das Poly bietet für den Mix aus Kunst, Mitmachaktionen, Bands und DJs einen idealen Raum für Begegnungen. Schwerpunkt Gitarre: Deaf Lizard, Einsturz und Atlantic Manfred sind drei sehr unterschiedliche Bands, haben aber durchaus Gemeinsamkeiten. (Bilder: Bands) Ihr habt eine enorme Genre- und Stilvielfalt: Graffiti, Pixel Art, Malerei, Skulptur, Polaroids, Digitalkunst, dazu Bands und DJs. Wird das nicht unübersichtlich? Oder bereichert sich Kunst gegenseitig? Wir haben festgestellt, dass jede Kunst und Musikform ihre individuellen Reize hat. Ausstellungs- und Konzertbesucher bleiben aber häufig unter sich, in ihrer "Szene". Diese Grenze wollen wir mit dem Polyartica Festival durchbrechen. Der vielfältige Stil-Mix führt zu ganz neuen Erlebnissen - und am Abend tanzen Punk Rocker:innen mit Volksmusiker:innen, unterhalten sich Graffiti-Künstler:innen mit Bildhauern:innen. Gegensätze ziehen sich an und die Kunst zu feiern verbindet die Menschen. Manche scannen die Festival Line-Ups vor allem nach bekannten Namen. Spoiler: Die Foo Fighters werden sie bei euch nicht finden. Wenn man keinen Namen kennt - warum soll man trotzdem kommen? Vermutlich sollte man gerade deshalb kommen. Das Festival bietet bewusst auch solchen Künstlern eine Bühne die noch entdeckt werden wollen. Experimentierfreudige, die offen für Neues sind, können auf dem Festival viel entdecken. Das Bekannte kennt man ja bereits. Bei euch geht's nicht um große Namen, es gibt keinen Headliner. Aber Hand aufs Herz: Was ist das heimliche Highlight des Programms? Es entstehen neue heimliche Liebschaften zu Kunstformen die man vorher nicht mal mit der Kneifzange angefasst hätte und nach dem Abend werden Babies zwischen Rockern und Bildhauern gezeugt ... ähm nein mal im Ernst ... Das Highlight wird es sein, wenn Vernissage und Konzert auf der selben Veranstaltung verschmelzen und man selber Kunst erschaffen, Kunst erleben, Shirts drucken, Polaroids machen und dazu abtanzen kann. Ganz ehrlich: Wie sind jetzt ziemlich angefixt. Deshalb die bange Frage: Ist das eine einmalige Sache? Oder dürfen wir uns auf ein jährliches Festival freuen? Wir werden zunächst beobachten ob das recht neue Format ankommt und den Festival-Besucher:innen Spaß macht. Wenn wir viel Zuspruch bekommen, dann würden wir das Art-Festival gern in 2025 mit neuen Künstler:innen und Programmpunkten fortsetzen. Substanz mit Fun-Faktor Man kann nicht anders: Wenn man sich mit Polyartica beschäftigt, dann macht das einfach Spaß. Und man ertappt sich beinahe bei dem urdeutschen Gedanken: Wenn etwas Spaß macht, kann das dann auch gut sein? Oder verlangt Qualität nicht nach einer weihevoller Ernsthaftigkeit und sorgfältig einstudierten Nachdenklichkeitsposen? Unsere Antwort: Klares Nein! Denn was wir bisher an Kunstwerken gesehen haben, ist extrem kreativ, innovativ und ironisch. Das sind keine unbeholfenen Gehversuche, die mit Humor die eigenen Unzulänglichkeiten kaschieren wollen. Hier sind Leute am Werk, die anspruchsvolle Kunst machen und trotzdem Fun haben. Oder gerade deswegen? Auf jeden Fall ist dieser Ansatz ansteckend und mitreißend. Und sowieso: Street Art, Live Acts, DJs, Workshops und mehr - für gerade Mal fünf Euro? Da kann's nur eine Reaktion geben: Nicht wie hin da, es ist Polyartica!
- IMMER ERSTE REIHE
Wer die Oldenburger Kulturszene in den letzten beiden Jahren auch nur mit halber Aufmerksamkeit verfolgt hat, dürfte die LOGE nicht übersehen haben. In einer Phase, die sich vor allem durch ihre Unmöglichkeiten ausgezeichnet hat, wurde sie zu einem Aktivposten, der die jeweiligen Umstände reflektierte und thematisierte. Wie das Kollektiv entstand, was es bewegt und was wir in Zukunft von ihm erwarten können, hört ihr in unserem Podcast - oder lest ihr hier in vier epischen Kapiteln. Die LOGE, das sind Mathilda Kochan , Regisseurin am Oldenburgischen Staatstheater und Clara Kaiser , freischaffende Szenographin. Sie haben – wenn wir das Klischee einmal bemühen wollen – die Not zur Tugend gemacht. Die vielen Veränderungen durch die Pandemie verursachten bei ihnen zwar Frustration, aber eben auch Inspiration. Sie interpretierten die widrigen Umstände in erster Linie als Möglichkeit. Wir erwischen die beiden inmitten der Proben zur Wiederaufnahme von Richard Wagners „ Ring des Nibelungen “, die momentan ihre gesamte Zeit in Anspruch nimmt. „Ich sitze schon ab halb neun morgens am Schreibtisch und bereite mich auf die Probe vor“, erzählt Mathilda. „Ich inszeniere die ganzen Szenen, das sind insgesamt sechzehn Stunden Musik“. Clara ist ebenfalls beteiligt, aber mit anderem Schwerpunkt: „Ich beschäftige mich mit vielen Dingen, die hinter den Kulissen passieren“, beschreibt sie ihren Part. „Bühnenbild, Kostümproben und so weiter. Bei einem so aufwändigen Projekt wie dem ‚Ring‘ gibt es unendlich viel zu besprechen und abzustimmen.“ Die Tagesabläufe werden bestimmt durch die Proben: Sie laufen von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. Dazwischen: Planungen, Organisation, Schnacks. Trotz allem scheint es so, als seien die beiden mit diesen komplexen Jobs noch nicht ganz ausgelastet und müssten sich noch auf anderem Weg austoben. Schließlich haben sie vor zwei Jahren das Projekt „ Die LOGE “ gestartet. Beim Staatstheater stehen Mathilda und Clara nicht selbst auf der Bühne, hier setzen sie eigene künstlerische Akzente und ihre eigenen Ideen um. Das tun sie mit großer Leidenschaft, viel Liebe zum Detail – und einer besonderen Spezialität, wie sie uns erzählt haben. KAPITEL 1 : KILLING LONELINESS Mit dem Thema Corona wird allgemein nicht viel Gutes assoziiert, für die LOGE war die Pandemie aber dennoch der Erweckungsmoment: Sie ist aus einer spontanen Regung während des allerersten Lockdowns im Frühjahr 2020 entstanden. „Damals stand der ‚Ring‘ schon in den Startlöchern – und am Tag vor dem Probebeginn kam der Lockdown“, erinnert sich Clara zurück. „Wir hatten zu dem Zeitpunkt extrem viel Energie und die musste irgendwo hin.“ Auch Frust war dabei, weil plötzlich alles verboten schien. Die beiden waren aber überzeugt: Theater muss doch möglich sein. War es auch, wie sich herausstellen sollte. „Es gab damals eine große Diskussion in den Medien, ob es sich überhaupt noch zu spielen lohnt, wenn wegen Corona-Beschränkungen nur zwanzig Leute im Publikum sitzen“, erinnert sich Mathilda. Ja? Nein? Auch aus Protest überspitzten Clara und Mathilda ihre Antwort und entwarfen in der Kurwickstraße einen winzigen „Theatersaal“ für nur eine Person. „Daher kommt auch der Name: wir hatten einen einzigen roten Stuhl in den kleinen Zuschauerraum gestellt.“ Eine Bühne, drei Performances: Killing Loneliness. (Bilder: Felix Wenzel) Es entstand also ein Theater aus dem nichts. Das benötigte neben einem Raum auch ein Ensemble - und das mitten in einer Pandemie. Wie plant man das? Wie geht man da vor? „Es passierte eigentlich alles zeitgleich“, erinnert sich Clara. „Mathilda war schon in Gesprächen mit Michael Hagemeister, der damals mit Raum auf Zeit an den Start ging. Wir waren seine ersten Klienten.“ Gleichzeitig haben die beiden ihre vielen Kontakte am Theater genutzt: „Wir haben viel rumtelefoniert, mit Darsteller:innen aller Sparten, und haben gefragt: Wer hat Bock?“, schildert Mathilda das Verfahren. „Die Resonanz war großartig, weil alle in derselben Situation waren und ratlos zuhause saßen.“ Das Format war nicht nur für das Publikum spannend, sondern auch für die Beteiligten. Jeder Akteur konnte sich ein Programm zwischen drei und sieben Minuten überlegen. Darüber hinaus gab es nur eine große Regel: „Wir wollten sicher sein, dass es unter allen Umständen möglich ist, zu öffnen“, erklärt Clara die Prämisse. Daher war der „Saal“ von der Bühne durch eine Scheibe getrennt. Dass jemand vom Kulturschnack schon mal in einer Peepshow war, ist nur ein Gerücht. Aber wenn es so gewesen wäre, hätte man sich vielleicht daran erinnert gefühlt. Der Vorteil: es konnte keine Situation geben, in der dieses Format untersagt worden wäre. Alleinsein war immer erlaubt. Wer die drei Projekte der LOGE besucht hat – oder auch nur über sie liest – erkennt als zentrales Thema die Vereinzelung des Publikums. Bei allen Projekten bleibt man mit seinen Empfindungen weitgehend allein, die Kulturerfahrung wird zum Selbstexperiment. „Ich habe schon während des Studiums an dem Thema gearbeitet“, blickt Clara zurück. „In meiner Bachelorarbeit habe ich das ausprobiert, damals aber noch mit zwei Personen.“ Danach lag das Thema zwar einige Jahre brach, unterschwellig war es aber immer präsent. Corona gab dann schließlich den entscheidenden Impuls. „Gemeinsam haben die Projekte auch die Wahrnehmungsveränderung“, berichtet Mathilda. „Mich interessiert, wie die Menschen, die skeptisch in eines unserer Projekte gehen, danach wieder rauskommen.“ Achtung, Spoiler: In der Regel hat sich etwas verändert. „Im Grunde ist es immer so, dass man alleine konfrontiert ist mit einer Situation, die man sonst teilt“, fasst Clara das Prinzip zusammen. „Dazu gehörten auch immer ein paar Unklarheiten und Unsicherheiten. Man hat sich nie ganz sicher gefühlt. Man wusste nie: was passiert hier? Muss ich mitmachen? Das ist vielleicht die größte Angst der Menschheit.“ Ein großartiges Experiment, das eine bewusste Selbsterfahrung ermöglicht, die sich sonst nicht bietet. Man bekommt die Gelegenheit, grundsätzliche Fragen zu stellen – über sich selbst und die eigene Rolle, das eigene Verhalten. Man hat die Möglichkeit, vermeintlich alltägliche Dinge anders zu senken und anders wahrzunehmen und die Frage zu stellen: Warum fühle ich so, warum agiere ich so? Das kann Kultur – und das kann der Alltag nicht. Dankbar sind die beiden in diesem Zusammenhang für die Förderung aus dem städtischen MachWerk Fonds. „Durch diese Finanzierung kann die Kunst unabhängig und frei sein und kann sogar konträr zu dem agieren, was sich gerade gut verkauft, wie Mathilda erklärt. Die Projekte der LOGE reißen ihre Besucher:innen aus dem Alltag und entkoppeln sie von dem, was draußen vor der Tür geschieht. So entsteht Raum für Gedanken und Gefühle, die wir normalerweise nicht zulassen: „Wir wünschen uns alle die große Freiheit, aber wir nehmen sie uns nicht“, resümierte Mathilda. In der Regel nicht mal die kleine. Doch dafür gibt es nun die LOGE. Auch für die beteiligten Künstler:innen war die Loge eine intime Erfahrung. Zwar gab es besagte Scheibe, sie sahen jedoch durchaus das Augenpaar des Gastes - ohne zu wissen, zu wem es gehört. Ein Unterschied zu den ansonsten großen, bisweilen anonymen Mengen in den Theaterhäusern. Insgesamt lockte dieses Format über tausend Personen in den kleinen Raum in der Kurwickstraße. Was in diesem Fall nicht nur gleichbedeutend ist mit tausend Aufführungen, sondern auch mit tausend verschiedenen Stücken: „Nie war etwas gleich. Alles wurde immer variiert“, erklärt Mathilda. „Das heißt: Keine zwei Personen haben dasselbe Stück gesehen, es konnte keinen Austausch über das Gesehene geben, nur über die Erfahrung.“ Das war sozusagen die Steigerung bzw. Spitze der Vereinzelung: Das Erlebnis geschah nicht nur allein, es war auch einmalig. Auf klassische Werbung hat die LOGE übrigens verzichtet, die Menschen wurden direkt vor dem Saal angesprochen. Keine leichte Aufgabe in der „Konsummaschine Innenstadt“. Doch die Idee setzte sich durch, viele kamen sogar mehrmals, um verschiedene Künstler:innen zu sehen - oder auch mehrfach dieselben, aber mit anderen Performances. „Viele waren dankbar und in gewisser Weise sogar transformiert, weil sie nach der ersten Überwindung die Kultur in der City als große Bereicherung wahrgenommen haben“, beschreibt Mathilda die Reaktionen des Publikums. Was das angeht, hat Clara sogar einen Traum: „Ob ich in der Stadt ein T-Shirt kaufe oder eine Kulturveranstaltung besuche, das sollte die gleiche kleine Hemmschwelle und die gleiche Selbstverständlichkeit haben. Beides sollte gleich einfach, ohne größere Vorbereitung möglich sein.“ So war es zumindest bei „Killing Loneliness“: Man musste nichts wissen und nichts mitbringen, sondern sich einfach nur drei Minuten darauf einlassen, anstatt auf seinen üblichen Pfaden zu bleiben. „Eine reine Kopfsache“, weiß Clara. Bei der spontanen Begegnung mit Kultur sollte es okay sein, kein Vorwissen zu haben und eventuell auch kein Verständnis für die Materie. Die Begegnung allein sei schon wertvoll, egal wie die Meinung am Ende ausfällt. Und dafür ist die Innenstadt – also der öffentliche Raum - ein idealer Ort, die LOGE gleich bei ihrer Premiere zeigte. KAPITEL 2 : FÜRCHTET EUCH NICHT! Auch das zweite Projekt der LOGE fand in der Fußgängerzone statt, genauer gesagt in der Baumgartenstraße . Dort war alles eine Nummer größer als bei „Killing Loneliness“, denn es handelte sich dieses Mal nicht um einen Miniatur-Theatersaal, sondern um eine begehbare Installation. „Dort gab es zwar auch einzelne Stationen mit Performances“, beschreibt Clara den Aufbau. „Die Leute konnten dieses Mal aber durch die Tür gehen und den Raum selbst erkunden.“ Was auch nötig war, um die Installation in ihrer gesamten Wirkung zu erfassen. Aber dazu gleich mehr. Zunächst stand das Duo hier vor einem ähnlichen Problem wie in der Kurwickstraße. Auch die Baumgartenstraße gehört nicht zu den 1A-Lagen, wie es Makler:innen formulieren würden. „Es ist eine Durchgangsstraße. Es kommen zwar Menschen vorbei, aber sie schauen kaum nach Links oder Rechts und wollen eigentlich nur schnell ans andere Ende des „Tunnels“, beschreibt Clara den Effekt. Die Aufgabe war auch hier, die Menschen aus ihren Spuren zu reißen und in die Ausstellung zu locken. Der Erfolg variierte. Diejenigen, die sich schließlich darauf eingelassen haben, hätten das aber nie bereut. Eigentlich seien alle geläutert herausgekommen, erinnert sich Mathilda zurück. Neun Bilder, eine Stimmungslage: Fürchtet euch nicht! (Bilder: Stephan Walzl) Kein Wunder: es war eine intensive Erfahrung. Das Gebäude gehört zu den ältesten der Stadt und überstand sogar den großen Brand von 1676. Im Gegensatz zum Degodehaus am Rathaus genießt es allerdings keinerlei Aufmerksamkeit. Im doppelten Sinne: weder kennen die Menschen dieses alte Haus, noch wird es besonders gepflegt. Im Gegenteil: Es wirkt, als könne es jederzeit über den Besucher:innen zusammenbrechen können, so schief sind die alten Wände inzwischen. Der Vorteil daran: Die Gemäuer wurden nicht zuletzt wegen ihrer Beschaffenheit zu elementaren Bestandteilen der Installation. So konnte die LOGE mit „Fürchtet euch nicht!“ Site Specific Art erschaffen – also Kunst, die in einem direkten, engen Bezug zur Umgebung steht, sie aufnimmt, integriert, thematisiert. „Das Konzept war eigentlich vor dem Raum da“, denkt Clara zurück. „Geplant war ursprünglich ein richtig trashiger Weihnachtsmarkt namens LAMETTA, als Reaktion darauf, dass keiner stattfinden konnte.“ An dieser Stelle wird wieder einmal klar: Die LOGE lässt sich so schnell nichts verbieten. Wenn es was nicht möglich erscheint, dann machen Clara und Mathilda es trotzdem – oder erst recht! Dennoch verschob sich das Projekt aus verschiedenen Gründen bis in den Juni. Kein guter Zeitpunkt für Weihnachtswahnsinn. Doch schon zuvor hatte sich das Programm immer weiter verändert, nachdem die LOGE das Gebäude entdeckt hatte. Der Trash-Gedanke blieb zwar irgendwo im Hinterkopf verankert, das Ergebnis sollte letztlich aber vollkommen anders aussehen. „Der Prozess ist etwas schwierig zu erklären“, gibt Mathilda zu. „Der Spaß-Faktor blieb, als hätten wir etwas ganz Banales gemacht. Inhaltlich wurde die Ausstellung aber meditativer, sakraler, philosophischer.“ Wer das Gebäude kennt, ahnt bereits, dass diese Veränderung damit zu tun hat. „Wir haben gewissermaßen mit der Atmosphäre des alten Hauses gespielt“, erklärt die Regisseurin. „Das ist ein uraltes Fachwerkhaus, es roch sehr modrig, im Keller gibt es sogar ein Gewölbe. Irgendwann haben wir etwas Kirchliches damit verbunden.“ Die Räume boten die Inspiration zu verschiedenen künstlerischen Experimenten, die allesamt das Sein, die Vergänglichkeit und den Tod zum Thema hatten: Ein Countertenor als Priester verkleidet, der sphärisch durch die Räume wandelt. Ein Meer aus gebrochenen Spiegeln im Kellergewölbe. Absurde, abstrakte Improvisationen eines alten Harmoniums. Ein entfremdet bemalter Beichtstuhl, in dem die Betrachter:innen selbst zu Beichtvätern (oder -müttern) wurden. Im Obergeschoss ein alter Sessel, der symbolisch für Abwesenheit, Verlust und Tod steht. „Das war schon heavy“, ist sich Mathilda bewusst. „Trotzdem hatten wir immer das Gefühl, dass die Begehung die Leute belebt.“ Und tatsächlich: Die LOGE hat mit „Fürchtet euch nicht!“ eine Welt für sich geschaffen, die ihre Besucher:innen bewegte. „Es gab kaum Leute, die nur kurz in der Ausstellung waren. Alle haben sich sehr intensiv damit beschäftigt“, erinnert sich Clara. „Viele haben sich richtig reinziehen lassen.“ Eine solche begehbare Installation irgendwo auf der Welt? Klasse! Aber in jenem betagten Gemäuer, umgeben vom Konsumtempel Innenstadt, mitten im Hochsommer? Genial, fantastisch, begeisternd. KAPITEL 3 : DIE TANZSTELLE Das dritte Projekt ließ danach nicht lange auf sich warten. An einem langen Wochenende im September realisierte die LOGE die „Tanzstelle“ in der Kaiserstraße. Dabei ist schon das Wortspiel im Titel genial: Denn bei diesem Projekt verwandelten Clara und Mathilda eine ehemalige Avia-Tankstelle , die längst aufgegeben wurde, in eine Diskothek für eine Person: Eingang durch die ehemalige Waschstraße, Abtanzen in den alten Verkaufsräumen. Dabei war alles stilecht mit viel Liebe zum Detail ausgestattet: Coole Beleuchtung, dicker Sound und – natürlich – gute DJs. „Es war strikt verboten, zu zweit zu tanzen“, erklärt Mathilda, um dann lachend zu ergänzen: „Höchstens nach 22 Uhr. Da sind dann irgendwann die Hemmschwellen gefallen.“ Hier gab es eine leichte Abwandlung der bisherigen Versuchsanordnung. Bei den ersten beiden Projekten ging es darum, ein Kulturereignis allein zu erleben, ohne sich direkt auszutauschen zu können. Bei der Tanzstelle hingegen wurde ein Ereignis, das sonst ein sehr kollektives Erlebnis ist und stark von der Gemeinschaft lebt, auf eine Person beschränkt und damit seines Wesenskerns beraubt. Beim Tanzen ist man zusammen, sieht sich an, berührt sich vielleicht, manche verlieben sich sogar. Hier ist das Alleinsein ein maximaler Kontrast zu unseren Gewohnheiten. Clara sieht zwar durchaus Parallelen zu „Killing Loneliness“, da man normalerweise auch im Theatersaal mit vielen anderen Personen zusammensitzt. Doch die Tanzstelle sollte den Gedanken noch auf die Spitze treiben. Stimmungsvoll: Nicht zuletzt die Beleuchtung machte aus dem Zweckbau einen Club. (Bilder: Die LOGE) Tatsächlich reagierten die Menschen höchst unterschiedlich auf diese Isolation. Manche feierten sich und die Gelegenheit nach Herzenslust ab und wollten die Einpersonendisco gar nicht wieder verlassen. Schließlich hatten die Clubs zu diesem Zeitpunkt seit Ewigkeiten geschlossen (und das sollte auch noch monatelang so leiben). Anderen wiederum fehlte der Kontakt zu Gleichgesinnten total. Sie konnten das Abtanzen allein nicht so genießen wie erhofft und waren vergleichsweise schnell wieder draußen. Aber Enttäuschung? War ihnen nicht anzusehen. Alle waren glücklich, bei diesem Experiment dabeizusein und zu erfahren, wie sich das anfühlt: endlich wieder tanzen zu können! Aber was treibt Clara und Mathilda an, dass sie all den Aufwand in Kauf nehmen, der in Projekten wie der Tanzstelle steckt? „Wir bekommen natürlich eine kleine Gage“, erklärt Mathilda. Der Beweggrund sei das aber nicht, wie sie schmunzelnd ergänzt: „Wir bezahlen uns nicht besonders gut. Es gibt im Prozess nämlich immer wieder weitere Ideen, die man unbedingt umsetzen will. Die Kosten dafür ziehen wir bei uns ab.“ Bei den beiden ist eine hohe intrinsische Motivation zu spüren, eine große Lust, Ideen wahr werden zu lassen. „Mir reicht es aus, dass ich das machen kann, ohne dass ich gleichzeitig noch was anderes machen muss“, erklärt Clara ihre Haltung dazu. Es geht also um Möglichkeiten statt Moneten. Dazu passt eine Definition für Künstler:innen, die besagt: das sind Menschen, die das machen müssen . Aus tiefster innerer Überzeugung. Mit Blick auf Clara und Mathilda muss man eindeutig sagen: Absolut zutreffend. KAPITEL 4 : GEPLANT SPONTAN Die bisherigen Projekte der LOGE waren experimentell, gewagt, provokant - und trotzdem (oder gerade deswegen) sehr erfolgreich. Ein großes Problem gab es aber immer und gibt es weiterhin: die Zeit. Die ersten Projekte fanden während der Corona-Lockdowns statt. Zwar gab es im Staatstheater damals durchaus einen gewissen Betrieb, die Freiräume waren aber größer als sonst. Dadurch entstanden Gelegenheiten, Projektideen zu ersinnen und zu entwickeln. Das sieht während der Probephase für den „Ring des Nibelungen“ deutlich anders aus. Der Normalbetrieb am Staatstheater ist natürlich ein Segen, doch er nimmt Freiräume für die LOGE. Doch zum Glück waren Clara und Mathilda vorausschauend: Rechtzeitig vor dem „Ring“ – Ende letzten Jahres – wurde ein neues Projekt für den Spätsommer entwickelt und die entsprechenden Förderanträge gestellt. Das heißt: wir dürfen uns auf das vierte Kapitel der LOGE freuen und auf einige bekannte Elemente: „Die Reduzierung auf eine Person, die Site Specific Art in einem Gebäude, die Wahrnehmungs-Veränderung bei den Zuschauer:innen – das sind die Geschichten, die uns interessieren. Das ist uns ganz klar geworden“, weiß Mathilda um die Stärken ihres Ansatzes. „Das wird wieder auftauchen.“ Es gibt eine konkrete Idee, die Suche nach Räumen wird in den kommenden Monaten aber weitergehen. „Es soll alles ganz spontan sein“, blickt Clara voraus. In der Baumgartenstraße gab es einen sehr langen Aufbau, jetzt soll das Gegenteil der Fall sein: „Wenn sich ein Leerstand anbietet, sollen die Projekte ad hoc entwickelt werden, als Reaktion auf die jeweilige Umgebung.“ Eine künstlerische Sackgasse befürchten die beiden dabei nicht. „Wir sehen das gar nicht so streng. Niemand sagt uns, dass wir das so machen müssen“, erklärt Clara. „Wir haben weiterhin alles Freiheiten und brechen das jetzt schon hier und da auf.“ Ein One-Trick-Pony ist die LOGE also keineswegs. „Uns interessiert das Thema Vereinzelung einfach“, ergänzt Mathilda. „Deshalb machen wir das, nicht weil es erwartet wird.“ Die beiden genießen - und nutzen - die Freiheiten, die man zum Beispiel im Staatstheater nicht haben kann: „Wir produzieren nichts im Vorfeld, wir arbeiten vor Ort. Wir schreiben keine fertigen Stücke, alles entsteht im Prozess.“ Diese Arbeitsweise kommt auch Clara entgegen. „Das Bühnenbild bei einer Oper muss eigentlich ein Jahr vor der Premiere fertig sein. Da hat alles einen großen Vorlauf“, vergleicht sie. „Eigentlich bin ich aber chaotisch und arbeiten gerne im Moment. Unsere Projekte mit der LOGE machen das möglich.“ Gut ist, dass es beides gibt: Das eher Formale der Institution und das Unkonventionelle des Projekts. Und wo wir schon beim Thema sind: Gut, dass es die LOGE gibt. Sie ist eine klare Bereicherung für Oldenburg – und vor allem: für die Oldenburger:innen. Es geht bei ihren Projekten nicht nur um Kulturgenuss, sondern auch um die Selbstreflexion und Horizonterweiterung. Dass sich beides derart gelungen kombinieren lässt, dass man also eine Form des Genusses hat, gleichzeitig aber sich selbst in den Kontexten neu einordnet und hinterfragt, das ist eine herausragende Qualität der LOGE. Zwar ist dieses Prinzip generell tief in der Kultur verankert. Die Projekte von Clara Kaiser und Mathilda Kochan treiben aber vieles auf die Spitze und machen die Erfahrung umso intensiver. Im Spätsommer geht es weiter. Seid unbedingt dabei – immer in der ersten Reihe! * Bilder, sowie nicht anders gekennzeichnet: Die LOGE Jeder Podcast-Gast darf bei uns einen Song zu unserer Playlist Die Mische beisteuern. Mathilda hat sich „Veridis Quo“ von Darf Punkt ausgesucht, Clara „So Says I“ von The Shins. Wie die Songs klingen? Hört ihr hier:
- SOMMERKULTUR #3: SOMMER KINO
Der Sommer gilt als Zeit der Erholung, die warme Jahreszeit wirft aber auch Fragen auf. Wohin verreist man nur? Wie lang, auf welche Art und warum nicht auch noch woanders hin? Die Möglichkeiten sind endlos, die damit verbundenen Unsicherheiten allerdings auch. Vielleicht bleibt man doch besser daheim. Zumal die Kultur uns den Sommer an der Hunte versüßt. Wie genau? Das verraten wir in dieser kleinen Serie. Wenn man absolut keine Ahnung davon hätte, wann in Niedersachsen die Sommerferien beginnen, man würde trotzdem unweigerlich Notiz davon nehmen. Ab dem ersten Ferientag leeren sich die Straßen zusehends, zeitweise sind sie sogar gähnend leer. Ganz Oldenburg scheint nur auf diesen Moment gewartet zu haben, um der Stadt eilig den Rücken zu kehren. Und tschüß!! Ganz Oldenburg? Nein, denn eine gar nicht so kleine Schar hält es durchaus auch im Juli und August an der Hunte aus. Und das nicht nur, weil wir hier von großen Hitzewellen meist verschont bleiben, sondern auch, weil Oldenburg im Sommer eben kein verschlafenes Nest ist, sondern ein lebendiger Ort - mit einem äußerst attraktiven Kulturprogramm. CINE K SOMMER KINO 31. JULI - 31. AUGUST 2024 VERSCHIEDENE STARTZEITEN: 20:30 - 21:45 UHR BAHNHOFSTRAßE 11 HINTERHOF 26122 OLDENBURG TICKETS Not zur Tugend Es war im Frühsommer 2020. Die Corona-Pandemie legte gerade weite Bereiche des Kulturbetriebs lahm, da reifte bei einigen findigen Kinobetreibern eine Idee: Die Wiederbelebung des Autokinos! Es war die ideale Lösung für die Zeit der Abstandsregeln: Jeder konnte in der sicheren Umgebung seines Autos einen Kinofilm gucken - und ein kleines Stück Alltag zurückerobern. In Oldenburg war das unter der Regie des Cine k auf dem Gelände der Weser-Ems-Hallen möglich - und funktionierte hervorragend, Autos waren im Jahr darauf zum Glück nicht mehr zwingend nötig, um ins Kino zu gehen. Den Charme der Outdoor-Veranstaltungen war aber sowohl den Macher:innen als auch den Filmenthusiast:innen noch gut in Erinnerung. Und so entschied sich das Cine k dazu, weiterhin Filme unter freiem Himmel zu zeigen - dieses Mal aber im eigenen Hinterhof, begleitet von kleineren Events. Dieser Ort ist im Anschluss an den Kultursommer mittlerweile zu einer Institution geworden, die Open Air-Screenings haben viele Fans gewonnen - und das nicht erst seit dem Barbenheimer-Phänomen im letzten Jahr. Warum ist das so? Was ist das Geniale daran? Darüber haben wir mit Juliane Taggeselle gesprochen, der Pressesprecherin des Cine k. Ihr Antworten zeigen: Dort sind Menschen mit Leidenschaft am Werk, für die Kino viel mehr ist als nur das Abspielen von Filmen. Aber: Lest selbst. Kino schirmt die Außenwelt normalerweise ja vollständig ab. Mit dem Sommer Kino macht ihr quasi das Gegenteil. Was ist das Schöne daran? Ich würde grundsätzlich sagen, das Kino immer den Zugang zu anderen Welten und Realitäten eröffnet, aber natürlich einen dunklen Raum braucht, damit sich die Bilder bestmöglich entfalten können. Beim Open Air Sommer Kino ist es ähnlich: wir warten den Einbruch der Dunkelheit ab und starten dann mit den Filmen. Allerdings ist es im Sommer natürlich viel schöner, draußen zu sitzen als drinnen im Kino. Die Sonne geht langsam unter, ein kühlendes Lüftchen kommt auf, der Scherenschnitt der den Kulturplatz umgebenenden Häuser und Bäume färbt sich langsam schwarz und die Sterne fangen an zu funkeln. Das ist einfach ein traumhaftes Setting, um sich in Filme hineinziehen zu lassen und laue Sommerabende zu genießen. Aber spannend, dass du zur Abschirmung fragst: aufgrund von Lautstärke, die Filme im Open Air-Setting verursachen, läuft der Filmton bei uns über Kopfhörer, um die Nachbarschaft nach 22 Uhr nicht zu stören. Publikumsstimmen haben gesagt, dass es eine schöne Kombination sei aus der sommerlichen Umgebung, die man wahrnimmt und einer Fokussierung auf den Film durch die Abkapselung der Kopfhörer. Ihr kuratiert jedes Jahr ein eigenes Programm für das Sommer Kino. Wählt man thematisch eigentlich andere Filme aus, als wenn man für drinnen plant? Prinzip: Feelgoodmovie statt Psychothriller? Beim Kuratieren unseres „Drinnen-Programms“ haben wir das Augenmerk auf aktuelle Filmstarts im Arthouse-Bereich. Hinzu kommen Kooperationen mit lokalen Gruppen wie hakOLnoa, Koloniale Kontinuitäten, Silberfilm oder der Fachschaft Philosophie. Wenn es um das Programm des Sommer Kinos geht, ist dieses schon noch größer und etwas umfassender angelegt. Wir sind finanziell auch auf die Einnahmen beim Ticketverkauf angewiesen, was natürlich auch das Programm in gewisser Weise beeinflusst. Aber wir versuchen unserer Linie treu zu bleiben und ein „entweder oder“ bzw. das eine statt des anderen zu vermeiden, sondern möglichst viele Genres und Stimmungen abzudecken und damit eine vielfältige Mischung an Filmen anzubieten. Damit bekommt neben viel guter Laune auch Stimmungen und Geschichten einen Platz, die ebenso Teil der Realität sind. Kann sich sehen lassen: Das diesjährige Programm überzeugt einmal mehr durch Abwechslung und Qualität. Zum Vergrößern der Kacheln einfach aufs Bild klicken. Was bedeutet das konkret? Auf was darf sich das Oldenburger Publikum einstellen? Oder besser gesagt: vorfreuen? Als Resümee des bisherigen Kinojahres gibt es dementsprechend bekannte Filmhits wie z.B. „ Poor Things “ und „ Anatomie eines Falls “, den Animationshit „ Alles steht Kopf 2 “ oder „ Love Lies Bleeding “ zu sehen, der sich gerade zum Kulthit der LGBTQI-Community entwickelt. Aber auch leisere Filmperlen, die nicht immer die große Öffentlichkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten, haben wir im Programm. Mit Neustarts wie „ Gagarine “ und „ Was will der Lama mit dem Gewehr “ und einer Vorpremiere von „ Gloria! “ beziehen wir auch aktuelle Filme mit ein. Im Sommer Kino fließt also eine bunte Mischung an Genres, an Produktionsländern (Deutschland, Frankreich, Irland, England, USA, Italien, Japan, Taiwan, Schweiz) und Realitäten und Stimmungen zusammen. Eine Balance zwischen Feelgood-Movies, Komödien, aber auch Dramen und nachdenklicheren Tönen, politischem Kino, Konzertfilmen, Animationsfilmen und Filmgeschichte. Und eben auch besondere Formate wie eine Open-Air-Version des „cine kwiz“ für alle Quizfans und eine Vertonung eines Filmklassikers „ Koyaanisqatsi “ mit Klangperformer Sven Strohschnieder alias Billion One, der die Soundebene des Films mit elektronischer Musik live neu interpretiert. Auch der Stummfilmlyriker Ralph Turnheim kreiert einen besonderen Abend, indem er drei Stummfilmen - darunter Buster Keatons Klassiker „ Sherlock Jr. “ der in diesem Jahr sein 100 jähriges Jubiläum feiert – mit viel Witz seine Stimme leiht. FÜNF GUTE GRÜNDE Oberflächlich betrachtet spricht eigentlich nicht viel dafür, Kinofilme unter freiem Himmel zu zeigen. Die Lichtverhältnisse sind nicht optimal, das Wetter kann umschlagen, der Ton muss irgendwie ans Ohr. Warum das Sommerkino trotzdem eine wunderbare Sache ist? Dafür nennen wir euch fünf gute Gründe. GRUND 1: DRAUßEN GUCKT MAN SONST NIE Normalerweise findet Kino in der intimen Atmosphäre eines Saals statt. Das ist gewissermaßen der Markenkern des Formats. Tatsächlich hat diese Nähe optisch und akustisch einige Vorteile. Und oft will man genau diese Perfektion. Genauso schön ist es aber, wenn Leinwände atmen können und der eigene Blick auch mal abschweifen kann. Wenn man die Abendluft auf der Haut spürt und erste Sterne am Himmel zu sehen sind. In diesem Momenten spürt man: Der Saal mag technisch der allerbeste Ort für einen Film sein - doch draußen gewinnt das Seherlebnis anderen Qualitäten, die ebenfalls absolut erlebenswert sind. GRUND 2: SELBER SUCHEN IST ERMÜDEND Wer kennt es nicht? Wenn man vorher nicht genau weiß, was man gucken möchte, wird das Scrollen durch die Streamingportale zu einem entnervenden Alptraum. Mitunter beschleicht einen das Gefühl, dass ein sadistischer Algorithmus die wahren Perlen absichtlich verbirgt. Das kann beim Sommerkino nicht passieren: Die Filmexpert:innen des Cine k haben für euch ausnahmslos hervorragende Filme mit einer enormen Bandbreite ausgewählt. Ihr müsst euch nur noch hinsetzen und zuschauen, Das schont die Nerven! GRUND 3: ENDLICH ZEIT FÜR ANDERES Viele Filmfans nehmen sich immer wieder vor, endlich mal echte Filmklassiker, ambitionierte Dokus oder internationale Indiehits anzuschauen - landen dann aber doch bei der neuesten Serie, die im Hero-Bereich der Streaming-App erbarmungslos beworben wird. Davon abgesehen stellt sich die Frage, welche Klassiker/Dokus/Indiehits überhaupt sehenswert und verfügbar sind. Die Antwort auf diese Fragen könnt ihr getrost in die Hände des Cine k legen. Wenn ihr in diesem Jahr z.B. „Sherlock Holmes“ oder „Surf on, Europe“ gesehen habt, dann wisst ihr warum. GRUND 4: GEMEINSAM IST ES SCHÖNER Klar: Zuhause im Jogger mit einer Schüssel Chips irgendwas zu streamen, ist auch schön und herrlich entspannt. Aber oft ist man dabei mehr mit dem Second Screen beschäftigt also mit dem Film - oder wir denken so viel über To-dos und Must-haves nach, dass wir die Handlung gar nicht mehr mitbekommen. Ein Film als bewusstes Erlebnis mit anderen macht etwas mit uns. Wir lassen uns mehr auf die Situation ein - und teilen die leisen und lauten Momente. Das hat, auch wenn es kitschig klingt, tatsächlich eine Art Magie. GRUND 5: DER RAHMEN SPIELT EINE ROLLE Gut: Ins Kino geht man in erster Linie, um einen Film zu sehen. Als Rahmenprogramm müssen das Anstehen am Popcornstand und die aktuellen Trailer ausreichen. Wer aber mal etwas anderes erlebt hat - beispielsweise einen Talk zum Film - kennt die Vorteile. Der zusätzlicher Kontext bietet echte Mehrwerte und lässt uns den Film noch intensiver und emotionaler erleben. Und sowieso: Zuhause mag es zwar am entspanntesten sein, aber genau wie Theater will auch Film ein wenig gefeiert werden. Das richtige Ambiente sorgt für eine ganz andere Atmosphäre - und macht einen guten Film noch besser! ABER: WAS IST MIT DEM WETTER? Jetzt haben wir fünf gute Gründe für den Filmgenuss unter freiem Himmel genannt - und draußen regnet es gerade in Strömen. Also doch lieber daheimbleiben? Nein, auf keinen Fall! Denn: Wenn das berühmte Oldenburger Schietwetter tatsächlich kein Erbarmen zeigen sollte, wandert der Film einfach nach drinnen. „Wenn tatsächlich Schietwetter anrollt, haben wir immer die Möglichkeit, in unseren beiden Kinosäalen zu spielen“, gibt Juliane Entwarnung. „Deswegen gibt es im Vorverkauf immer nur ein Kontingent an Tickets, das auch in unsere beiden Kinosäale passt und an der Abendkasse dann noch 30 Plätze, die bei gutem Wetter hinzukommen.“ Bei einer etwaigen Verlegung müsstet ihr zwar auf die fünf Argumente für das Open Air verzichten, habt technisch aber die optimale Lösung. Und außerdem sind wir guter Hoffnung: Nach dem ziemlich abwechslungsreichen Sommer spricht einfach alles für einen trockenen August! Du hast es eben schon angedeutet: Ihr zeigt normalerweise ja gerne Filme aus dem Arthouse-Bereich. Die sind künstlerisch hochwertig, haben einen gewissem Anspruch und/oder eine inhaltliche Relevanz. Muss man eine cineatische Vorbildung mitbringen? Nein, keine Sorge!. Es wird Filme geben, die mit namhaften Schauspieler:innen wie Kristen Stewart, Emma Stone, Willem Dafoe, Juliette Binoche und Sandra Hüller locken und die vom breiten Publikum gefeiert werden. Ihren festen Platz haben aber auch Erstlingswerke, experimentellere Formate, bewegende Themen und außergewöhnliche Erzählweisen. Ebenso zeigen wir fünf Filme auch in Originalsprache mit Untertiteln. Bekanntheit, Wertigkeit und Relevanz müssen sich ja auch nicht zwingendermaßen ausschließen. Gewohntes und Ungewohntes auf der Leinwand zu sehen kann beides gleich reizvoll sein. Wir trauen dem Oldenburger Publikum durchaus auch Freude an Neuem und Anderem zu. Es gibt tausende Filme, Ihr habt die Qual der Wahl. Fällt es schwer, sich auf die passenden Filme festzulegen? Auf jeden Fall ! Es gibt einfach so viele tolle Filme und so verschiedene Geschmäcker - und dann kommen natürlich auch immer noch spannende Neustarts dazu. Alle aus dem Team können Vorschläge machen und Wir starten mit einer langen Liste an Ideen. Die dampfen wir in langen Gesprächen und Abwägungen auf die 23 Sommer Kino-Abende ein. Dabei hilft aber auch, dass wir im Team unterschiedliche Interessen und Ideen mitbringen, um einem abwechslungsreichen Programm und einer Vielfalt möglichst nahe zu kommen, bei dem für alle Oldenburger:innen etwas dabei ist. Ihr habt auch immer ein Rahmenprogramm dabei. Ist das Beiwerk oder Bereicherung? Das ist in jedem Falle Bereicherung. Generell versuchen wir mit unserer Kinoarbeit auch immer den Raum für lokale Gruppen zu öffnen und Kooperationen zu starten, die aus der Stadtgesellschaft kommen. Also Themen und Aktionen aufzunehmen, die gerade Gruppen in Oldenburg bewegen. Dieses Jahr z.B. zeigen wir „Koyaanisqatsi“ in Kooperation mit dem „Markt der Zukunft“, der am selben Tag tagsüber auf dem Schlossplatz stattfindet und sich dem Austausch über die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen widmet. Abends schließt der Film dann thematisch mit faszinierenden Bildern, die die stille Schönheit der Natur dem pulsierenden Leben moderner Großstädte gegenüberstellt, an. Den Abschluss des Sommer Kinos bildet ein „Solifest für Hanau“, dessen Tagesprogramm von „United Against Racism Oldenburg“ erarbeitet wurde. Von Vorträgen, einer Lesung von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah aus "Eure Heimat ist unser Albtraum" bis Live-Musik spannt sich das Programm bis zum Film „Ellbogen“, der auf der Berlinale bereits euphorisch gefeiert wurde. DIE EVENTS MEHR ALS (SOMMER-) KINO Kino unter freiem Himmel ist eigentlich reizvoll genug, weitere Argumente bräuchte es gar nicht. Doch das Cine k wäre nicht das Cine k, wenn es sich nur auf Screenings beschränken würde. Als Kontext gibt es eine ganze Reihe an Veranstaltungen. Welche genau? Das verraten wir hier. SONNTAG, 11. AUGUST, 19 UHR CINE-KWIZ OPEN AIR EDITION Du fühlst dich im Popcornkino genauso wohl wie im Arthouse? Du kennst die geheimen Hobbys der Hollywoodstars und weißt ganz genau, welche Tricks und Kniffe die großen Regisseure verwenden? Und du möchtest dein Filmwissen unter Beweis stellen? Dann schnapp dir weitere (Film-) Quizfans und sei dab ei! Für alle, die sich noch nicht so gut auskennen, lohnt sich der Spaß ebenfalls - denn mit dem Kwiz bekommt man auf spielerische Art geballtes Kinowissen vermittelt. SONNTAG, 25. AUGUST, 21 UHR LIVE-VERTONUNG VON SVEN STROHSCHNIEDER U Die Soundebene des Filmklassikers KOYAANISQATSI - im Original mit Musik von Philip Glass - wird neu interpretiert von Sven Strohschnieder alias "Billion One" . Seine Live-Vertonung ist ein Mix aus abstrakten Beats, Poststep, SlowHouse und Ambient, die er mit Synthesizer, Controller und Drumpads erzeugt. Durch "Billion One"'s analogen und „Field Recording" Sound verleiht er seinen Audioperfomances einen natürlichen Klang, was sich auf ganz besondere Weise mit der Atmosphäre der Filmbilder verbindet. Stroh-Schneider spielte unter anderem bereits auf dem Dockville Festival in Hamburg, auf dem Pazz-Festival Oldenburg (u.a. mit Robot Koch) und dem EventDeduitse Ambassade in Groningen sowei bei der Breminale. SAMSTAG, 31, AUGUST, 15 UHR: SOLI-FEST FÜR HANAU Zum vierten Mal veranstalten United against Racism Oldenburg, das Cine k und das Medienbüro Oldenburg mit vielen weiteren Unterstützer*innen das SOLIFEST FÜR HANAU 2024. Mit Livemusik, einem Vortrag der Bildungsinitiative Ferhat Unvar aus Hanau, einer Lesung von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah, unterschiedlichsten Infoständen, gutem Essen und dem Kinofilm ELLBOGEN als Abschluss im Open Air-Kino sollen so viele Spenden wie möglich für die Bildungsinitiative und ihre wichtige Arbeit gesammelt werden.. Welchen Film darf man nicht verpassen? Alle natürlich – die Entscheidung fällt wirklich schwer ;) Meine persönlichen Favoriten sind: „ Morgen ist auch noch ein Tag “, weil ich ihn leider verpasst habe, als er im Kino lief. Auch wenn es darin u.a. um häusliche Gewalt gegenüber Frauen geht, schafft es die Regisseurin wohl, gekonnt zwischen Drama und Komödie zu springen und eine Geschichte weiblicher Solidarität zu erzählen, die Mut macht. „Love Lies Bleeding“ möchte ich natürlich auch sehr gerne sehen. Bei „Gagarine“ bin ich total gespannt darauf, wie die Geschichte erzählt wird. Die Filmbilder sahen so fantasivoll und ästhetisch aus und haben mir Lust auf mehr gemacht. Verabredet euch, kommt vorbei und verbringt einen stimmungsvollen Sommerabend mit uns auf dem Kulturplatz! Frischluft für den Kopf Die Corona-Epidemie war ohne jeden Zweifel eine äußerst bescheidene Zeit für uns alle. Dennoch gab es auch positive Entwicklungen - wie zum Beispiel den Erfindungsreichtum der Kulturszene. Einige Formate waren weit mehr als eine Reaktion auf die Situation, es waren ausgezeichnete Ideen, die unsere Stadt nun dauerhaft bereichern. Neben einigen anderen gehört auch das Sommer Kino des Cine k dazu. Hier hat sich ein Angebot entwickelt, das viele Filmfans nicht mehr missen möchten - und das mit seinem hevrorragenden Programm immer wieder neue Fans hinzugewinnt. Die Mischung aus alten Klassikern, Dokumentationen mit wichtigen Anliegen, anspruchsvollen Arthouse-Filmen und spektakulärsten Hollywood-Hits lässt keine Wünsche offen. Und deshalb heißt es auch in diesem Jahr: Sommer? Kino!
- OLDENBURG IM FOKUS
Im vergangenen Jahr gelang der Oldenburger Kunstschule ein kleiner Geniestreich. Mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung erfüllte sie sich einen lang gehegten Wunsch: ein Stipendium, das ambitionierten jungen Künstler:innen die Gelegenheit gibt, ein halbes Jahr intensiv zu arbeiten. Mit Gordon Endt ist nun der zweite Stipendiat in Oldenburg zu Gast und wirft einen künstlerischen Blick auf unsere Stadt. Berlin. Frankfurt. Braunschweig. Vilnius. Valencia: Wer die bisherigen Stationen im Lebenslauf von Gordon Endt liest, würde nicht zwangsläufig darauf kommen, dass sein Weg ihn direkt nach Oldenburg führen würde. Zu verdanken haben wir diesen Umstand auch nicht dem guten Ruf unserer Stadt, sondern einem seiner Kommilitonen an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Dessen Name? Jonas Meyburg . Da klingelt etwas? Kein Wunder: Jonas war der erste Stipendiat im Studio 10 der Oldenburger Kunstschule . Sein urbanes Klangprojekt „ infraaktif “ markierte den Auftakt für das ambitionierte Projekt, das vielversprechende junge Künstler:innen nach Oldenburg holt und sie einen kreativen Blick auf die Stadt werfen lässt. Während seines halbjährigen Aufenthalts in Oldenburg erhielt Jonas Besuch von Gordon. Bei ihm hinterließ die Stadt bleibenden Eindruck - und so gibt es nun ein längeres Wiedersehen. GORDON ENDT: CREATIVE COMMON CROWD CANVAS APRIL BIS NOVEMBER 2024 STUDIO 10 LANGE STRAßE 10 26122 OLDENBURG Kurzer Weg zur Kunst Man spürt es sofort, schon nach den ersten Sätzen unseres Gesprächs: Gordon Endt mag dem Klischee des genialen Künstlers optisch vielleicht nicht vollends entsprechen - doch er ist genau das. Wenn man ihn über seine Leidenschaft sprechen hört - über Motivation, Faszination, Interpretation - spürt man, wie sehr ihn die Kunst bewegt. Gordon stellt große Fragen nach Zusammenhängen, die Antworten sucht er jedoch im Kleinen, in der alltäglichen Normalität. Und dafür erscheint nichts geeigneter als: die Kunst. Das Talent des gebürtigen Freiburgers zeigte sich schon früh: „Es gibt die Anekdote, dass ich schon zeichnen konnte, bevor ich gesprochen habe“, erzählt Gordon schmunzelnd von seiner Kindheit. Er sei von seinen Eltern künstlerisch immer gefördert worden, Museumsbesuche gehörten zum Familienalltag - und hinterließen Eindruck: „Die Freiheit der Kunst hat mich immer fasziniert.“ Entsprechend früh reifte auch der Wunsch, beruflich in diese Richtung zu gehen. Besagte Freiheit ließ sich am schwäbischen Wohnort Schorndorf allerdings nicht vollends nachempfinden - und so ging es nach dem Abitur über die Metropolen Berlin und Frankfurt schließlich nach Braunschweig an die Hochschule für Bildende Kunst. Reifeprüfung in Spanien Im Gegensatz zu Jonas Meyburg, der sich vor allem für Sounds interessierte, sah Gordon seinen Schwerpunkt im Videobereich. Schon als Jugendlicher hatte er Stop-Motion-Filme gedreht, nun konnte er sein Wissen und Können vertiefen. Für seinen Master wechselte Gordon dann aber wieder in eine größere Stadt - und zwar ins spanische Valencia. Die Universitat Politècnica de València bot einen modern ausgestatteten Multimedia-Studiengang, der Gordons Interessen genau widerspiegelte. Ausgerechnet hier - in ungewohnter Umgebung, ohne tiefere Sprachkenntnisse - reifte der Entschluss, Kunst endgültig zum Beruf zu machen. „Man wollte dort natürlich seine ersten Ausstellungen realisieren und sichtbar werden“, erinnert sich Gordon heute zurück. Das verlangte viel Mut und Eigeninitiative, denn im Studium war es vorwiegend um die Kreation von Kunst gegangen, nicht aber um Präsentation und Kommunikation. „Ich musste erstmal lernen, über meine Werke zu reden.“ Doch das gelang - und Gordon war auf den Geschmack gekommen. Ausflug in den Alltag Als glückliche Fügung erwies sich daraufhin, dass der begabte Kunststudent seine Masterarbeit wieder in Deutschland schrieb. So war der Weg nicht allzu weit, als Kommilitone Jonas ihn nach Oldenburg einlud. Da Stadt und Stipendium keinen allzu schlechten Eindruck hinterließen, bewarb sich Gordon um die zweite Ausschreibung der Oldenburger Kunstschule - und war erfolgreich. „Es ist ein ganz besonderes Stipendium, schon wegen der Lage des Studio 10 in der Innenstadt“, findet der Künstler. Spannend sei zudem, dass es so offen ausgelegt ist: „Hier hast du nicht - wie bei anderen Stipendien - ein halbes Jahr Zeit und hängst dann fünf Bilder an die Wand. Hier findet wirklich ein Austausch statt. Man bekommt immer wieder kleine Feedbacks, die man einarbeiten kann.“ Generell kommt Gordon der partizipative Ansatz inmitten der City entgegen: „Ich bin immer schon gern aus dem Atelier rausgegangen, man bezeichnet das als Post-Studio-Praxis“, weiß der Multimedia-Experte. Das bedeute, dass man als Künstler:in das Studio verlasse, um die Kunst im Alltäglichen zu entdecken. „Das ist ein ganz spannender Ansatz. Schließlich kann man sich heutzutage gar nicht mehr abkapseln, weil alles miteinander verbunden ist.“ Die zentrale Lage des Studios sei für die Streifzüge durch die Normalität perfekt: „Man bekommt Kontakt zu Menschen, die mit Kunst sonst wahrscheinlich nur wenig Berührungspunkte häten.“ Und die lieferten das, was Gordon selbst am liebsten hat: neuen Input. Dass Oldenburg eine Nummer kleiner ist als Valencia oder Berlin? Sei kein Problem, versichert der Wandervogel. „In der Kunst ist es immer die Frage: Geht man in die Metropolen, wo Kunst gerade heiß ist und wo es eine florierende Szene gibt?“ Das hätten kleinere Städte nicht unbedingt immer. „Orte wie Oldenburg haben aber den Riesenvorteil, dass man hier viel mehr machen kann. Es gibt Freiräume, die es in großen Städten nicht gibt.“ Sowieso sei Oldenburg etwas Besonderes: „Es gibt hier tolle Institutionen wie das Edith-Russ-Haus oder das Horst-Janssen-Museum und ich habe das Gefühl, dass hier wirklich sehr viel passiert“, schildert Gordon seine Eindrücke. Zudem käme es gar nicht auf die Größe einer Stadt an, sondern „darauf, was die Leute draus machen.“ Und das scheint in Oldenburg einiges zu sein. KUNST-STIPENDIEN IN DER DAUER LIEGT DIE KRAFT Stipendien sind noch nicht überall üblich und auch in Oldenburg trifft man dieses Format nur vereinzelt an, etwa im Edith-Russ-Haus. Doch die Vorzüge sind vielfältig. Für die Stipendiaten eröffnen sich längerfristige künstlerische Freiräume, die finanziell abgesichert sind und ein neues (Inter-)Aktionsfeld in Oldenburg bieten. Für die beteiligten Institutionen ergeben sich neue Kontakte und Vernetzungen, inhaltliche und methodische Impulse von außen und spannende Projekte oder Arbeiten. Der Standort profitiert durch neue künstlerische Blicke auf Stadt und Szene sowie durch mehr Vielfalt bei Veranstaltungen und Programmen. Daneben profiliert sich Oldenburg als wertschätzender Standort für Kunst und Kultur – was ein wichtiger Schritt wäre, um sich überregional vom dominierenden Image der ewigen Gummistiefel- und Grünkohlhauptstadt zu lösen. Alle Beteiligten profitieren zudem von der Reibungshitze eines Stipendiums. Es erzeugt einen kreativen Austausch durch Kommunikation und Kollaboration zwischen Konsens und Kontroverse. Das Ergebnis ist mehr als die Summe der einzelnen Teile. Diese positiven Erfahrungen sorgen idealerweise nach dem Ende des Stipendiums für Bleibe-Perspektiven. Hauptdarstellerin: Oldenburg Aber was hat Gordon vor mit dieser Ausgangssituation? Wird er am Ende etwa doch fünf Bilder malen und an die Wand hängen? Nein, keine Sorge: Für solch einen konservativen Ansatz ist der junge Künstler viel zu neugierig und experimentierfreudig. Und so schwebt ihm nicht etwa ein statisches Ergebnis wie ein Bild vor. Stattdessen wird er einen Film über Oldenburg machen, der sich deutlich von üblichen Stadtportraits unterscheiden dürfte - und das fängt bereits beim Namen an: „ Creative Commons Crowd Canvas “. Gordon schmunzelt. Er ist sich bewusst, dass der Name zunächst sperrig klingt, hat aber eine Erklärung parat: „ Creative Commons sind im Grunde Kreativrechte, die verändert, benutzt und verbreitet werden können. Und Crowd Canvas ist eine gemeinsame Leinwand für eine Gruppe von Leuten.“ Damit will er ausgedrücken, dass es sich um einen Film handelt, der mit den Leuten über die Leute entsteht. „Es wird also durchaus eine Art Stadtportrait“, beschreibt Gordon sein Projekt. „Zum einen dadurch, dass die Leute mir ihre Geschichten erzählen. Zum anderen aber auch dadurch, dass sie selbst Gegenstand des Films werden.“ Und mit ihnen: die Stadt. Der Trailer für das Projekt gibt einen guten Vorgeschmack - aber keine konkrete Vorhersage. (Video: Gordon Endt) Kreativität trifft KI So offen wie das Stipendium ist letztlich auch Gordons Filmprojekt: „Ich wusste vorab selber noch nicht, wie das Drehbuch aussieht. Das hängt eben vom Input der Leute ab.“ Diese Situation sei für ihn sehr ungewohnt, denn eigentlich plane er Filme von A bis Z durch. „Hier ist es genau andersrum: Ich höre mir erstmal an, was es hier in der Stadt gibt, was interessant ist und was ich verwerten kann.“ Dazu spricht er mit den Passant:innen in der Fußgängerzone, er wendet sich aber auch gezielt an interessante Personen und sichtet Material, das ihm online zugeliefert wurde. Ein großer Unterschied zu anderen Filmproduktionen ist zudem, dass Gordon bei alledem allein agieren muss. Das aber sei in diesem Fall kein Problem, sondern gehöre vielmehr zur Versuchsanordnung: „Statt eines großen Teams nutze ich KI. Sie ist für mich einerseits Werkzeug, um das ganze gelieferte Material zu sichten, zu ordnen und zu verwerten. Sie ist aber andererseits auch ein Protagonist des Films.“ Ein Beispiel dafür: Man könne tausende Bilder von Oldenburg in die KI laden und sie dann beauftragen, daraus das Oldenburger Bild schlechthin zu kreieren. „Da weiß man gar nicht, was dabei herauskommt - und das deckt sich dann womöglich auch gar nicht mit den eigenen Eindrücken der Stadt“, gibt Gordon zu bedenken. Doch er lasse diese Ergebnisse in das Projekt einfließen. „Die KI entwickelt sich ja gerade rasend schnell weiter. Trotzdem verhält sie sich momentan manchmal wie ein kleines Kind, das noch lernt - und damit versuche ich zu spielen.“ Deswegen nehme er nicht jeden Fehler raus, sondenr macht ihn als Artefakt der neuen Technologie sichtbar. Allen Eltern kommt das bekannt vor: Schließlich ignoriert man die Fehler der eigenen Sprößlinge ja ebenfalls nicht, sondern versucht, etwas Positives daraus zu drehen. Der traditionellen Sichtweise, dass Mensch und Maschine getrennt voneinander zu betrachten seien, kann Gordon sowieso nicht viel abgewinnen: „Es sind keine zwei Pole, die sich konträr gegenüberstehen. Das Fantastische - das passiert in der Mitte, zwischen den beiden.“ Der Reiz des Neuen Generell versucht Gordon, alle Einflüsse aufzunehmen, er bringt aber auch eigene Vorstellungen mit in das Projekt. „Es gibt schon Themen, die ich auf jeden Fall drin haben möchte, etwa die Frage nach dem Klang der Stadt. Wie klingt Oldenburg? Das finde ich spannend“, gewährt er einen Einblick. Er müsse aber immer darauf schauen, dass es nicht zu viel werde: „Ich finde immer alles faszinierend. Ich lerne die Stadt ja im Eiltempo kennen! Deshalb muss man sich irgendwann auch Grenzen auferlegen.“ Einen Ort, an dem 175.000 Menschen zusammenleben, innerhalb kurzer Zeit verstehen zu wollen, ist zweifellos ein ambitioniertes Vorhaben. Ein Vorteil könnte dabei aber sein, wenn man Oldenburg bisher kaum kannte und der Stadt ohne Vorbelastung begegnet. „Ich mag es, Städte neu zu erkunden“, bekennt Gordon. „Und ich denke tatsächlich, dass der Blick von außen ein Vorteil ist, weil man sich Fragen stellt, die den Einheimischen gar nicht mehr in den Kopf kommen.“ So zum Beispiel die Frage, warum bestimmte Häuser in Oldenburg als Hundehütten bezeichnet werden. „Erst konnte es mir niemand beantworten, dann habe ich ganz viele unterschiedliche Antworten bekommen“, lacht der Künstler. Oldenburg wie nie zuvor Bei „Creative Commons Crowd Canvas“ kommen viele spannende Zutaten zusammen. Ein ambitionierter Künstler, die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz und der geballte Input vieler Oldenburger:innen. Erhalten wir dadurch etwa das ultimative Stadtportrait? Gordon glaubt das nicht: „Was mir die Leute an Material oder Geschichten geben, ist ja nicht objektiv, sondern erstmal nur ihr Blickwinkel und ihre Meinung.“ Der Film werde deshalb vielmehr ein Portrait dessen, was die Menschen über ihre Stadt denken . Dabei bilde die Bevölkerung eine Art kollektives Gewissen: „Wie die Leute sich benehmen, was sie über die Stadt denken oder wie sie miteinander interagieren - das macht ja im Endeffekt die Stadt aus und eben nicht architektonische oder infrastrukturelle Gegebenheiten, die sich quasi nicht verändern.“ Noch bis Ende November wird Gordon in Oldenburg aktiv sein. Wie der Film am Ende aussehen wird? Das weiß er selbst noch nicht. Alle Neugierigen können sich aber auf der Projektwebsite Zwischenstände ansehen. Und schon nach den ersten Schritten wird deutlich: Gängigen Erwartungen an ein Stadtprotrait wird das Werk nicht entsprechen. Aber das ist genau richtig so. Denn erstens ist der Film kein Marketingprodukt, sondern ein Kunstwerk. Und zweitens bewegt er sich vielleicht trotzdem viel dichter an der Wahrheit - im Sinne einer treffenden Darstellung - als jeder noch so rasante Drohnenflug über urbane Häuserlandschaften. Eines jedenfalls ist sicher: Er zeigt uns Oldenburg, wie wir es nie zuvor gesehen haben.
- ALLES IST MÖGLICH
Streetfotografie. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Was unterscheidet das Genre eigentlich von regulärer Fotografie und gibt es Akteure hier in Oldenburg, die diese Richtung in ihrer Arbeit verfolgen? Ja, definitiv, die gibt es und glücklicherweise konnten wir mit Dirk Marwede und Sören Bockhoop zwei von ihnen für diesen Artikel gewinnen, sind unsere Fragen losgeworden und haben für euch Antworten erhalten! Es ist einfach ein verlockender Gedanke bei der Streetfotografie: die eigene Kamera ist schnell geschnappt und raus geht es auf die Straße, rein in die Stadt und damit in das Leben, das sich in und auf ihr abspielt. Das nächste Motiv wartet schließlich nur darauf entdeckt zu werden! Aber ist es wirklich so einfach? Wie genau lässt sich das Genre beschreiben? "Eine einfache Definition wäre ‚das Besondere im Alltäglichen‘ festzuhalten. Dafür muss man seine Umgebung aufmerksam beobachten. Natürlich finden wir oft nicht dieselben Dinge ‚besonders‘, aber das macht gerade den Reiz der Streetfotografie aus. Etwas sehen, das einen anspricht, es in einem Ausschnitt festhalten, ein Gefühl, einen Gedanken oder eine Bedeutung damit in Verbindung bringen", beschreibt Dirk Marwede im Interview. Auch Sören Bockhoop findet: "Das Genre der „Street Photography“ ist für mich vor allem spontan und authentisch. Es geht wohl mehr als in jedem anderen Bereich der Fotografie darum, den Moment spontan festzuhalten. Die unvorhersehbaren, natürlichen Momente des (Stadt-)Lebens. Geschichten sollen erzählt werden und das ohne eine Inszenierung." Die Magie der Unvorhersehbarkeit Inszenierung. Dabei scheint es sich um einen entscheidenden Begriff zu handeln, wenn es um das Genre geht. Denn oftmals kann Fotografie auch bedeuten, eine Aufnahme ganz bewusst zu "inszenieren", das Motiv, das Geschehen unter Kontrolle zu haben um möglichst exakt das erdachte Endergebnis erzielen zu können - für manche Bereiche auch schlichtweg erforderlich. Die Streetfotografie hingegen gibt sich ganz dem Reiz der Unvorhersehbarkeit hin. "Man weiß nie, wem man begegnet oder welche Situation man erlebt", so Bockhoop. "Historisch wurden bei der klassischen Streetfotografie Menschen in bestimmten Alltagsszenen im öffentlichen Raum fotografiert, ursprünglich in schwarz-weiß", ergänzt Marwede. Aufgrund dieser dahinterliegenden, vermeintlichen Zufälligkeit sei diese Art Bilder entstehen zu lassen als Kunstform jedoch lange Zeit nicht Ernst genommen worden. Aber hinter all' den tollen Fotos, die man in Büchern oder online letztlich final sehe, verstecke sich eine riesige Menge gescheiterter Versuche einen Moment einzufangen, ergänzt er. UNSERE INTERVIEWPARTNER Dirk Marwede beschreibt sich selbst nicht zuerst als einen Fotografen, wie man vielleicht vermuten könnte, nein! Der Begriff, den er zuerst für sich und sein Schaffen wählt, ist der des Beobachters. Auf seiner Website VisualDaybook - A Poetic Journey kann man an zahlreichen dieser wunderbaren Beobachtungen teilhaben! Zudem gibt Marwede circa 1-2 mal im Jahr Workshops zum Thema Streetfotografie. Beispielsweise am 16. & 17.02.2024 im Rahmen der World-Press-Photo Ausstellung in Kooperation mit der Volkshochschule. Sören Bockhoop fand seinen Weg zur Fotografie über die Fotos selbst. Schon immer blätterte er gerne in den Fotoalbum, die er bei sich zu Hause fand. Irgendwann wuchs der Wunsch eben solche Alben auch mit den eigenen Bildern füllen zu können. 10 Jahre alt und ausgestattet mit einer "Point and Shoot"-Kodak Kamera mit 36 Bildern startete er in seine Welt der Fotografie, die man wunderbar auf dem Instagram Account @fotografie_ol oder auch auf seiner Website www.fotografie-ol.de bestaunen kann. Die Fotos entstehen dabei nicht zwangsläufig alleine. Denn "die Streetfotografie Community in Deutschland wächst und es gibt in den größeren deutschen Städten [...] Streetcollectives , die sich regelmäßig treffen und auch Ausstellungen organisieren", erzählt Dirk Marwede. Ein solches Gefühl der Gemeinsamkeit kann man auch über die sogenannten Streetwalks erfahren, bei denen sich eine Gruppe Gleichgesinnter beispielsweise eine gemeinsame Aufgabe stellt und diese versucht mit ihren Fotos jeweils umzusetzen. Eine tolle Möglichkeit sich auszutauschen, Techniken miteinander zu teilen und gerade für Beginner innerhalb des Metiers eine tolle Gelegenheit, sich sicherer beim Fotografieren "in freier Wildbahn" zu fühlen. Doch leider sind diese gemeinsamen Ausflüge für die letztliche Kunstform selbst meistens eher hinderlich als förderlich. "Wenn da fünf, sechs oder mehr Menschen mit ihren Kameras durch die Gegend laufen, dann verhält sich die Umwelt auch wieder ganz anders. Unauffällig ist es jedenfalls nicht", stellt Bockhoop in der Regel fest. Ein schmaler Grad Diese Unauffälligkeit ist zwar immens wichtig, führt aber direkt zu einem weiteren Problem. Denn ein grundlegendes Dilemma eint alle Fotografen des Genres zwangsläufig. Für den Wunsch, einen Moment fotografisch wirklich völlig unverfälscht einfangen zu können, ist es notwendig, dass man seine Fotos spontan aufzeichnet. Bedeutet, die Menschen, die innerhalb der Stadt abgelichtet werden, sollen im Idealfall überhaupt nicht wissen, dass sie im Moment des Geschehens fotografiert werden. Hierbei kommt dann das Recht am eigenen Bild, ein Persönlichkeitsrecht zum Tragen, das für jeden von uns gilt. Denn jede Person soll natürlich, völlig zu Recht, selbst darüber entscheiden dürfen, ob und wie das eigene Bildnis öffentlich gezeigt wird. Eine waschechte Zwickmühle, in der man sich da hinter der Kamera befindet. Die viel spannendere Frage dabei ist jedoch: Wie geht man damit letztlich in der Praxis um? "Die Streetfotografie ist inzwischen als Kunstform anerkannt, d.h. es ist wichtig, aus dem Gefühl herauszukommen, dass man etwas Verbotenes tut. Es geht nicht um die individuelle Person, sondern um eine Szene, um das, was der Fotograf in einem bestimmten Moment darin sieht. Bei der Veröffentlichung wird es rechtlich komplizierter. Es ist nicht auszuschließen, dass eine gegen seinen Willen fotografierte Person, gegen die Veröffentlichung seines Fotos vorgeht. Die Gerichte müssen dann Persönlichkeitsrechte gegen die Kunstfreiheit abwägen", erklärt Dirk Marwede. Für beide ist darüber hinaus eine offene und transparente Kommunikation absolut entscheidend. "Ich für meinen Teil spreche Personen, die ich abgelichtet habe, meist an, zeige ihnen das Bild und erzähle dann auch, was ich eigentlich mache und wofür ich meine Fotos verwende. [...] Es kommt nicht häufig vor, dass Personen mit ihren Fotos oder der Veröffentlichung nicht einverstanden sind", so Bockhoop Loslegen! Wen nun das Fotofieber so richtig gepackt hat oder wer schon länger mit dem Gedanken spielt, die Fotografie für sich persönlich auszuprobieren, für den haben beide selbstverständlich auch noch den ein oder anderen Tipp! Dirk Marwede empfiehlt beispielsweise den Verein Haus der Fotografie . "Der ist mit seiner Sprechstunde und den Open Space Treffen eine gute Anlaufstelle. Hier werden ganz unterschiedliche Themen zur Fotografie behandelt, Streetwalks und Ausstellungen organisiert, Bücher und Fotos besprochen." Sören Bockhoop hingegen ist es vor allem wichtig nochmal zu betonen einfach loszulegen und warnt zudem davor, sich schon im Vorfeld zu viele Gedanken zu machen oder Limitationen zu setzen: "[...] Es ist nicht wichtig, was man fotografiert. Ob man nun Street Fotografie betreibt, Tiere, Pflanzen, Landschaften fotografiert oder Portraits schießt; der Spaß und die Freude an der Fotografie sollten meiner Meinung nach im Vordergrund stehen. [...] Wenn man sich zu viel mit Rahmenbedingungen und eventuellen Abgrenzungen beschäftigt, kann das auch unnötig einschränken. Jeder sollte das tun, woran er Freude hat." ... und das sehen wir ganz genau so!
- SOMMERKULTUR #2: EINFACH KULTUR
Der Sommer gilt als Zeit der Erholung, die warme Jahreszeit wirft aber auch Fragen auf. Wohin verreist man nur? Wie lang, auf welche Art und warum nicht auch noch woanders hin? Die Möglichkeiten sind endlos, die damit verbundenen Unsicherheiten allerdings auch. Vielleicht bleibt man doch besser daheim. Zumal die Kultur uns den Sommer an der Hunte versüßt. Wie genau? Das verraten wir in dieser kleinen Serie. Wenn man absolut keine Ahnung davon hätte, wann in Niedersachsen die Sommerferien beginnen, man würde trotzdem unweigerlich Notiz davon nehmen. Ab dem ersten Ferientag leeren sich die Straßen zusehends, zeitweise sind sie sogar gähnend leer. Ganz Oldenburg scheint nur auf diesen Moment gewartet zu haben, um der Stadt eilig den Rücken zu kehren. Und tschüß!! Ganz Oldenburg? Nein, denn eine gar nicht so kleine Schar hält es durchaus auch im Juli und August an der Hunte aus. Und das nicht nur, weil wir hier von großen Hitzewellen meist verschont bleiben, sondern auch, weil Oldenburg im Sommer eben kein verschlafenes Nest ist, sondern ein lebendiger Ort - mit einem äußerst attraktiven Kulturprogramm. SOMMERKULTUR VOL. 2 EINFACH KULTUR 31. JULI BIS 10. AUGUST GLEISPARK BUNDESBAHNWEG 1 26122 OLDENBURG CORE HEILIGENGEISTSTRAßE 6-8 26122 OLDENBURG TICKETS Eine neue Tradition Erinnert ihr euch? Es ist nur vier Jahre her, da gab es in Oldenburg weder eine urbane Veranstaltungslocation zwischen Stadtstrand und Containerdorf, noch ein sommerliches Festivalformat voll am Puls des Zeitgeistes. Beides hat sich geändert: Seit 2020 ist Einfach Kultur fest etabliert (mehr dazu lest ihr hier ), seit 2022 ist der GleisPark aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Was das miteinander zu tun hat? Einiges. Denn nun verschmelzen Fstival und Ort erstmals vollständig zu einem großen Ganzen. Zwar haben bereits im letzten Jahr Einfach Kultur-Konzerte im GleisPark stattgefunden (was auch naheliegend ist, da die Teams hinter den beiden Projekten große Schnittmengen haben) das Festival hatte mit dem Ama und der umBAUbar aber zwei weitere Spielorte. Das hatte zwar seine Gründe , war für eine klare Profilierung aber nicht unbedingt hilfreich. Oder könntet ihr euch vorstellen, dass Watt en Schlick -Fest zum Teil in Schillig und Tossens stattfindet? Eben. Doch dieses Problem ist gelöst: Einfach Kultur zieht vollständig auf das Areal an den Gleisen. Ähnlich wie das Hintergrundstück an der Bahnhofstraße es in den ersten Jahren getan hat, wird die eindeutige Heimat Einfach Kultur stärken und aufwerten. Was es sonst noch zu berichten gibt? Das hat uns Jannik Kirchner vom Einfach Kultur-Team berichtet. Seine Antworten lest ihr hier! Einfach Kultur findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Wie fühlt es sich jetzt an? Immer noch jung und wild? Oder schon fest etabliert? Obwohl sich einige Bereiche und das Vorgehen bei der Planung mittlerweile etabliert haben und gewisse Routinen entstanden sind, fühlen sich die Vorbereitung und die Durchführung der Veranstaltung noch immer wild an. Und neue Menschen im Team sorgen dafür, dass es jung bleibt, auch wenn die Initiatoren mittlerweile fünf Jahre älter sind. Uns ist wichtig, dass es so bleibt. Wir wollen weiter daran arbeiten, popkulturelle Acts nach Oldenburg zu holen, die hier sonst selten zu sehen sind. Das volle Programm: Nicht weniger als vierundzwanzig Acts werden bei Einfach Kultur auftreten. Darüber hinaus gibt es noch ein attraktives Rahmenprogramm im GleisPark und Core. Ihr wollt Hörproben? Weiter unten findet ihr unsere Spotify-PLaylist! Nach den drei Spielorten vom letzten Jahr habt ihr nun mit dem GleisPark wieder einen festen Ort. Wie wichtig ist das fürs Festival? Durch die Reduzierung auf einen Ort für die Konzerte können wir uns mehr fokussieren und auch mit dem kleinen Team allen Künstler:innen gerecht werden. Zu dem bietet der Gleispark durch die große Fläche und die bestehende Infrastruktur gute Möglichkeiten für die Produktion und tolle Konzert Erlebnisse. Zudem kann der Gleispark mit der Gastronomie einen wichtigen Teil der Finanzierung übernehmen. Denkt ihr selbst manchmal noch: Was fürn geiler Ort! Oder habt ihr euch längst dran gewöhnt? Die Faszination und der Wille der ständigen Veränderungen ist definitiv noch gegeben. Aus einem „Was für ein schöner Ort“ ist mittlerweile große Dankbarkeit entstanden, dass wir hier so viel Zeit verbringen können. Da der Start nicht leicht war, freuen wir uns nach wie vor für jeden Dank und jedes Lob. Wir freuen uns sehr, dass es vielen Besucher:innen auch so geht, und freuen uns auf die gemeinsame Weiterentwicklung mit allen, die daran Interesse haben. VOM BRACHLAND ZUM PLACE-TO-BE ALLES ANDERE ALS ABSTELLGLEIS Viele Oldenburger:innen kennen den GleisPark als eine Mischung aus urbanem Biergarten, Stadtstrand mit Industriecharme und hipper Veranstaltungslocation. Im Frühjahr 2022 war er aber noch etwas ganz anderes. Zusammen mit einem der „Entdecker“ des Geländes, Claus Spitzer-Ewersmann, haben wir uns damals angeschaut , was heute der GleisPark ist. Zwei Erkenntnisse stachen heraus. Erstens: Das Potenzial des Areals war sofort erkennbar. Zweitens: Es wartete noch verdammt viel Arbeit auf die künftigen Nutzer:innen. Die ist jetzt aber längst erledigt, der GleisPark in der Oldenburger Veranstaltungslandschaft fest etabliert. Nun ist er also auch die feste Heimat von Einfach Kultur. Wer aber wissen will, wie es vorher war - und aussah, liest am besten nochmal unseren Artikel dazu. Beim Line-Up bleibt ihr euch treu: Viel Indie-Pop und HipHop für die GenZ - von Acts, die sich zwischen Newcomer und Star bewegen. Habt ihr inzwischen ein Gewicht in der Szene, das mehr möglich macht? Oder braucht man nach wie vor etwas Glück? Genau dieser Spagat beschreibt die Herausforderung von Einfach Kultur. Es gibt einige Acts, die sich ohne weiteres gut verkaufen. Dann wieder andere, bei denen der VVK wirklich schleppend läuft. Wir sind noch immer auf der Suche nach DEM Line Up für Oldenburg. Manchmal sind wir überrascht, welche Künstler:innen gut laufen und welche noch etwas mehr Werbung brauchen. Durch die Arbeit der letzten Jahre kann man schon sagen, dass wir keine Unbekannten mehr sind bei Agenturen, sich gute Zusammenarbeiten etabliert haben und wir mehr Möglichkeiten nutzen können. Unsere Unterstützer:innen sind dankenswerter Weise immer noch an unserer Seite und ermöglichen durch ihr Sponsoring auch Acts nach Oldenburg zu vertretbaren Ticketpreisen zu holen, die auf den ersten Blick etwas zu populär für den kleinen Gleispark sind. Selber hören: Auch die besten Beschreibungen können Musik nicht erklären. Deshalb gibt's hier unsere 40-Song-Playlist mit allen Acts von Einfach Kultur 2024. Wie würdet ihr die Bandauswahl selbst beschreiben? Was bietet ihr? Wir probieren ein Line-Up auf die Beine zu stellen, welches für eine junge oder jung gebliebene Zielgruppe spannend ist. Das ist manchmal gar nicht so einfach: Erstens, weil man Künstler:innen erstmal davon überzeugen muss, dass sich der Weg nach Oldenburg lohnt, Zweitens, weil große Festivals in der Region durch deren Gebietsschutz einige Wunsch-Bookings unmöglich machen. Und drittens, weil die finanzielle Limitation eine Rolle spielt. In diesem Jahr bieten wir mit Acts wie Nura echte Highlights, mit Frittenbude, Audio88&Yassin, Juse Ju, Maeckes Konzerte für Liebhaber:innen, mit Serpentin, Schorl3, Lara Hula, Futurebae uvm. richtig angesagte Newcomer:innen, mit Raum 27 oder Hi! Spencer eine tolle Ladung Indie-Rock. Grundsätzlich können die Menschen bei uns Konzerte mit Inhalt und toller Stimmung im besten Biergarten der Stadt erleben. Uns ist wichtig, dass die Künstler:innen mit ihrer Musik etwas bewegen, gesellschaftlich relevante Verhältnisse ansprechen und Mut machen. Ihr habt eine Kooperation mit dem Core, wo andere Formate wie Lesungen o.ä. laufen. Seid ihr mehr als ein Musikfestival? Eher ein kleiner Kultursommer? Neben der Kooperation mit dem Core wird es auch Yoga Angebote, einen Vintage Markt usw. geben. Wir probieren einfach Dinge aus, die wir für das kulturelle Angebot in der Stadt wichtig finden. Für uns steht die gemeinsame Zeit, der Austausch im Mittelpunkt. Wir wollen einen kleinen Beitrag leisten, damit Menschen nicht nur eine gute Zeit verbringen, sondern sich ggf. kennenlernen, annähern und niedrigschwellig miteinander auseinandersetzen können. Wir lieben diese Momente, die Einfach Kultur in den letzen Jahre geschaffen hat. Auswärtsspiel: Auch im Core finden einige Veranstaltungen statt, die sich zuvor bereits unabhängig von Einfach Kultur etabliert hatten . Habt ihr einen Geheimtipp, den vielleicht noch nicht so viele kennen, den man aber sehen muss? Ich kann nur empfehlen, sich die Musik vorher anzuhören und ein Konzert auszusuchen von Künstler:innen, die man noch nicht kennt. Das lohnt sich bei allen Acts und kann eine tolle Erfahrung sein. Ich persönlich würde das Konzert von Futurebae und Serpentin empfehlen. Ganz tolle Energie, wichtige Themen und jede Menge Tanzbares. Gekommen, um zu bleiben Was zu Corona-Zeiten einst als mehr oder weniger wildes Experiment begann, ist spätestens mit der fünften Auflage fest etabliert. Neben dem altbekannten Kultursommer ist Einfach Kultur ein zweiter Fixpunkt um Oldenburger Terminkalender geworden. Zwar ist das Konzept ein deutlich anderes: Das Prinzip „Umsonst & draußen“ ist hier eher die Ausnahme und auch die Zielgruppe ist enger gefasst. Als Konzert-/Festivalevent ist Einfach Kultur seinen Fans aber einfach etwas wert ist, weil es seine Nische sehr hochwertig besetzt. Das zeigt der Erfolg der letzten Jahre deutlich und wir wagen die Prognose: So ähnlich dürfte es weitergehen. Deswegen müssen wir uns auch gar nicht mehr an die Zeiten zurückerinnern, als es weder Einfach Kultur noch GleisPark gab. Denn beides ist gekommen, um zu bleiben.
- GRAFFITI IN XXL
In deutschen Großstädten ist Beton allgegenwärtig. Neben Gebäuden sind es vor allem Brücken, die im tristen Grau ganze Straßenzüge dominieren. Eine praktikable und akeptierte Methode, die Kolosse optisch zu entschärfen, gab es bisher nicht. Bis auf eine Ausnahme: Das Projekt „Brückenkunst“ verwandelt graue Flächen in bunte Graffitiwelten. Das Ergebnis: Eine urbane Freiluftgalerie - mit Dach! Eigentlich hat das Areal östlich des Westfalen- und nördlich des Niedersachsendamms alles, was ein städtischer Hotspot braucht: Exquisite Lage direkt am Küstenkanal, kurze Wege in die City. direkte Nähe zu Lazaruswiese und Buschhagenniederung. Dass es bisher trotzdem nicht zu den Geheimtipps für Tagestourist:innen gehört, hat allerdings einen guten Grund: Oberhalb ds Geländes verläuft nämlich die Bundesautobahn A28 - und taucht das ansonsten lauschige Plätzchen in ewigen Schatten und dauerndes Dröhnen. Ist es deswegen zu einem Unort geworden? Ja, durchaus! Ein Problem ist das allerdings nicht, denn auch wenn dieser Lost Place touristisch kaum zu verwerten ist, übt er auf heimische Subkulturen eine große Anziehungskraft aus. Warum? Weil er gerade durch seine vermeintlichen Nachteile viel Potenzial hat - wie das Projekt „Brückenkunst“ zeigt. Legal statt illegal Angefangen hat alles im Jahr 2016. Der Probierwerk e.V. um den Oldenburger Graffiti-Enthusiasten Renke Harms entwickelte zusammen mit dem Präventiosrat Oldenburg ein Papier, das sich der legalen Nutzung öffentlicher Betonwüsten widmete. Die Idee stieß bei der zuständigen Autobahn GmbH - für manche durchaus überraschend - auf offene Ohren. Dort schätzt man nämlich durchaus die höhere optische Qualität jener Kunstwerke, die in Rahmen einer offiziellen - also legelan - Aktion entstehen. Mit der Unterstützung einiger Verbände und Sponsoren sowie des städtischen Kulturbüros wurde es deshalb möglich, die Flächen unterhalb der Autobahn A28 zu nutzen. Das wurde 2017 mit dem ersten „Brückenkunst“-Festival gefeiert. Es zeigte sich zwar einerseits, dass Wände dieser Dimension gar nicht so einfach zu „bespielen“ sind - andererseits aber auch, dass es genug Aktive und Interessenten in Oldenburg gibt, um diese Idee dauerhaft anzubieten. Denn die Idee stand von Anfang an auf zwei Beinen: „Einerseits haben wir der Szene einen Ort gegeben, an dem sie sich austoben und präsentieren kann“, erklärt Renke. Andererseits gebe es aber auch die Möglchkeit, als Neuling über Workshops in die Materie Graffitti einzusteigen. Die Premiere war ein voller Erfolg und so kam es in den Jahren 2019 und 2024 zu weiteren Brückenkunst-Festivals, inzwischen unter der Regie des Instituts für Verknüpfung. Warum die lange Pause? Nicht etwa, weil das Interesse fehlte, sondern weil zwei Kleinigkeiten daziwschenkamen. Erstens: Die Corona-Pandemie. Zweitens: Das MEMUR Urban Art Festival, das im August 2022 die Straßenkunst ins Herz der Stadt und damit ins Rampenlicht holte. In das epochale Ereignis waren viele Instituts-Mitglieder involviert, so dass an ein weiteres „Brückenkunst“-Event nicht zu denken war. Nach einer angemessenen Verschnaufpause konnte es aber wieder weitergehen. Artists in action: Eindrücke vom bislang letzten Brückenkunst-Festival im Juni 2024. (Bilder: Kulturschnack) Die größte Leinwand der Stadt Wer das kleine Festival besucht, spürt zunächst erstmal eines: Entspannung. Obwohl sich aus den Boxen am Turntable dicke Beats über das Areal ausbreiten, ist die Stimmung - zumindest tagsüber - sehr gechillt. Das passt, denn obwohl Graffiti in der Öffentlichkeit eher den Ruf einer eiligen Kunst genießt, ist sie hier das genaue Gegenteil: langsam. Die beteiligten Künstler:innen aus dem norddeutschen Raum - meist mit Bezug zu Oldenbug - nehmen sich Zeit, um aufwändige Kunstwerke entstehen zu lassen. „Bei der dritten Auflage hatten wir einen Tag wie aus dem Bilderbuch“, ist Renke auch im Nachhinein begeistert von der positiven Stimmung. „Wir hatten ein generations-übergreifendes Publikum mit vielen guten Gesprächen und glücklichen Gesichtern. Bei den Workshops hatten selbst die Kleinsten schon jede Menge Spaß.“ Im Laufe des Tages seien beeindruckende Werke entstanden, die größtenteils noch eine Weile zu sehen sein werden. Bunte Betonwelten: Im laufe der Jahre sind unzählige Werke entstanden, die zusammen mit den vorhandenen Autobahnstrukturen eine surreale Atmosphäre erzeugen. (Bilder: Kulturschnack) Dieser Hinweis ist durchaus nötig. Zum Prinzip der „Brückenkunst“ gehört es, dass kein Werk für die Ewiggkeit fortbesteht. Im Gegenteil: Die Vergänglichkeit ist nicht zuletzt Teil des Reizes, denn die ständige Veränderung sorgt auch für jene städtische Dynamik, die wir uns wünschen. Wer sich die entstandenen Werke anschauen möchte, muss dies also nicht unbedingt heute noch tun - ewig Zeit lassen sollte man sich aber auch nicht. Was einmal übermalt ist, kehrt niemals zurück. Eigenwilliges Kunstwerk Neben den Werken ist aber auch der Ort selbst eine Attraktion. Täglich passieren ihn unzählige Auto- und Radfahrer:innen auf dem Niedersachsen- oder Westfalendamm, eines zweiten Blickes würdigen ihn aber die meisten nicht. Dabei lohnt sich das Abtauchen ins Halbdunkel durchaus. Denn neben den aufwändigen Pieces an den Wänden erzeugen auch die starken Kontraste der Umgebung eine besondere Stimmung. Zwischen Schnellstraßen und Brückenstrukturen, Schiffsanhängerparkplatz und Kleingartenverein, Yachthafen und Spazierwegen ist ein sehr spezielles Stück Oldenburg entstanden - das auf eigenwillige Weise selbst ein Kunstwerk ist und das mit der Brückenkunst eine ideale Nutzung gefunden hat. „Aus dem Unort ist ein buntes Atelier für Graffitikunst geworden“, bestätigt Renke den Eindruck. Viele unterschiedliche Menschen aus allen Ecken der Stadt und der Region kämen hier zusammen, um Graffitikunst zu feiern und zu bewundern. Das sorge auch für mehr Akzeptanz dieser Kunstform: „Die Bürgerinnen der Stadt können der Szene über die Schulter schauen und mit ihr ins Gespräch kommen. So werden Vorurteile und Klichees abgebaut und es entsteht ein Bewusstsein für diese eher 'nischige' Kultur.“ Auf dem Vormarsch Eine Frage drängt sich auf: Geht da nicht noch mehr? Brücken und Beton gibt es in Oldenburg schließlich mehr als genug. Könnte man sie nicht auch für ähnliche Projekte nutzen? „Wir hoffen auf eine Erweiterung der legalen Flächen unter den Autobahnen“, bestätigt Renke. Dafür sei man bereits in Gesprächen mit den Eigentümer:innen. Langfristig sei aber der Plan, die „Brückenkunst“ an die jüngere Szene weiterzugeben und so den Fortbestand zu sichern. Dazu würden auch die „Tore zu den Stadtteilen“ gehören, wie sie an der Autobahnabfahrt Marschweg für Eversten bereits Realität geworden sind. Dieses Projekt hat den Vorteil, breit in der Bevölkerung verankert zu sein, weil die die Bürger:innen an der Motivauswahl beteiligen konnte. Ob es ebenso cool ist wie die „Brückenkunst“-Werke, die sich lediglich 500 Meter weiter westlich befinden? Sollte jede:r selbst beurteilen. Doch so oder so: Urban Art ist in Oldenburg auf dem Vormarsch. Aus unserer Sicht: Ein klarer Gewinn! Der perfekte Unort Die Lehre aus alledem? Die Hotspots einer Stadt definieren sich ni cht über eine mehrheitsfähige Ästhteik, sondern über hre Möglichkeiten. Sind die vorhanden, dann kommen Menschen, die etwas mit ihnen anfangen können. Dann entsteht das städtische Rauschen, das wir alle so lieben und von dem es einfach nicht genug geben kann. Die Brückenkunst treibt dieses Prinzip auf die Spitze. Für manche könnte ein Ort gar nicht weniger reizvoll sein als jener Platz unterhalb der Autobahn mit seinem schroffem Charme und seiner bestenfalls funktionalen Nutzung. Aber genau diese Eigenschaften machen die Autobahninfrastruktur zu einem perfekten Ort für Graffiti und Szreetart. Sie bietet nämlich nicht nur Möglichkeiten, sie erlangt geradezu danach, sie auch nutzen. Renke Harms und sein Team haben den Ruf gehört und mit der „Brückenkunst“ eine wunderbare urbane Attraktion geschaffen, die spektakuläre Stadtansichten bietet. Und wer weiß? Vielleicht wird das Areal genau deswegen eines Tages doch ein Geheimtipp für Tagestourist:innen. So etwas ist ja schon passiert.
- SOMMERKULTUR #1: KULTURSOMMER
Der Sommer gilt als Zeit der Erholung, die warme Jahreszeit wirft aber auch Fragen auf. Wohin verreist man nur? Wie lang, auf welche Art und warum nicht auch noch woanders hin? Die Möglichkeiten sind endlos, die damit verbundenen Unsicherheiten allerdings auch. Vielleicht bleibt man doch besser daheim. Zumal die Kultur uns den Sommer an der Hunte versüßt. Wie genau? Das verraten wir in dieser kleinen Serie. Wenn man absolut keine Ahnung davon hätte, wann in Niedersachsen die Sommerferien beginnen, man würde trotzdem unweigerlich Notiz davon nehmen. Ab dem ersten Ferientag leeren sich die Straßen zusehends, zeitweise sind sie sogar gähnend leer. Ganz Oldenburg scheint nur auf diesen Moment gewartet zu haben, um der Stadt eilig den Rücken zu kehren. Und tschüß!! Ganz Oldenburg? Nein, denn eine gar nicht so kleine Schar hält es durchaus auch im Juli und August an der Hunte aus. Und das nicht nur, weil wir hier von großen Hitzewellen meist verschont bleiben, sondern auch, weil Oldenburg im Sommer eben kein verschlafenes Nest ist, sondern ein lebendiger Ort - mit einem äußerst attraktiven Kulturprogramm. SOMMERKULTUR VOL. 1 OLDENBURGER KULTURSOMMER 12. BIS 21. JULI 2024 DIVERSE SPIELORTE 26122 OLDENBURG Unverändert anziehend Das beste Beispiel für diese These ist der Oldenburger Kultursommer . Es ist gleichzeitig das älteste, denn das Festival findet bereits seit 1978 statt. In den zurückliegenden fast fünfzig Jahren hat sich natürlich einiges verändert. So wanderte die Regie vom städtischen Kulturbüro zur Kulturetage , die Dauer reduzierte sich von zwei Monaten auf weniger als zwei Wochen. Unverändert ist aber die große Anziehungskraft des Formats: Kultur draußen zu erleben, an besonderen Orten, in einem bunten Miteinander. Diese Erfahrung entfaltet für alle einen großen Reiz - bei Boomern und Generation X, bei Millennials und GenZ. Der zentrale Identifikationspunkt ist dabei der Schlossplatz. Wer über den KuSo spricht, denkt dabei oft an die stimmungsvollen Konzerte unter dem Abendhimmel, an gutgelaunte Künstler:innen aus aller Welt, an das allgegenwärtige Stimmengewirr. Kein Wunder, denn genau so stellt man sich ein sommerliches Kulturerlebnis vor: locker, niedrigschwellig und unverbindlich, aber trotzdem inspirierend, ansteckend, mitreißend. Zehn Monate für zwölf Tage Dass diese spezielle Mischung immer wieder so gut gelingt, ist aber weder Zufall noch Selbstverständlichkeit, wie im Gespräch mit Bettina Stiller schnell deutlich wird. „Nach dem KuSo ist vor dem KuSo“, erklärt die Pressesprecherin der Kulturetage, die bereits seit 1989 für die Realisierung des Kultursommers verantwortlich ist. „Die Planungen für die Konzerte - aber auch Ansätze für neue Formate - starten immer ab September des Vorjahres.“ Das bedeutet: die unberschwerten Abende auf dem Schlossplatz haben einen Vorlauf von etwa zehn Monaten. SOMMERKULTUR-SERIE IM ZEICHEN DER PALME Natürlich ist es in Oldenburg nicht anders als im Rest des Landes: Tendenziell nimmt das Rauschen in der Veranstaltungsszene im Sommer etwas ab. Manche Institutionen machen auch eine Sommerpause. Aber: Nicht alle! Mit dem Kultursommer gibt es aber bereits seit 1978 ein echtes Kulturhighlight, das die Wartezeit auf die nächste Saison deutlich erleichtert. In der jüngeren Vergangenheit kamen weitere Formate hinzu, die sich innerhalb kürzester Zeit etabliert haben und die dafür sorgen, dass der Sommer an der Hunte in kultureller Hinsicht keinen Vergleich zu scheuen braucht. Damit ihr nichts verpasst, stellen wir euch die Veranstaltungs-Highlights in unserer Sommerkultur-Serie vor. Wir sehen uns dann vor Ort - oder? Das merkt man dem Programm in positiver Weise an. Obwohl es ganz unterschiedliche Geschmäcker bedient und vor allem durch Vielfalt glänzt, wirkt es nie bunt zusammengewürfelt. Auch wenn Alternative Rocker wie Welshly Arms und Jazz-Künstlerinnen wie Dominique Fils-Aimé auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, zeichnet sie doch dieselbe Qualität aus: Sie können spezielle Stimmungen erzeugen, von denen man sich gern gefangen nehmen lässt. „Die Kulturetage hat ja einen Schwerpunkt bei Konzerten“, erklärt Bettina. „Unsere Programmverantwortlichen arbeiten das ganze Jahr mit unterschiedlichen Agenturen zusammen.“ Von dort kämen bereits viele gute Vorschläge für das KuSo-Programm. Impulse für passende Formationen kämen aber auch von außen und natürlich durch eigene Recherchen, Erlebnisse und Entdeckungen. Im Zeichen der Palme: Das Konzertprogramm des Kultursommer ist definitiv ein Höhepunkt der Sommerkultur in Oldenburg. Fortsetzung und Veränderung Als goldrichtig hat sich die Entscheidung erwiesen, gemeinsam mit dem Asta der Carl von Ossietzky Universität und dem Studentenwerk einen Band Contest durchzuführen und die Gewinnerbands als Supporting Acts beim Kultursommer auftreten zu lassen. Für die jungen Künstler:innen ist es eine tolle Gelegenheit, sich größerem Publikum zu präsentieren - das wiederum einen Einblick in die junge Szene bekommt. Ein klarer Fall von Win-Win! Kein Wunder, dass sich diese Veränderung innerhalb kürzester Zeit etabliert hat. In diesem Jahr gibt es jedoch eine weitere Besonderheit, nämlich eine Zusammenarbeit mit dem jungen Berliner Label Listen Records . „Aus deren Collective kommen mit LIN , Tiflis Transit und Joy Bogat drei j unge Acts, die den Konzertauftakt für die Headliner spielen“, erklärt Bettina. So bekommt man vor den internationalen Stars nationale Künstlerinnen zu sehen - die vielleicht die Stars von morgen sind. Exakt diese Nische ist das „Jagdrevier“ des Kultursommer Bookings. „ Wir müssen zugreifen, bevor ein:e Künstler:in einen großen Namen hat“, weiß Bettina. Das sei vor einigen Jahren bei Adam Green so gewesen, jüngst aber auch bei Isaak , der durch den Eurovision Song Contest plötzlich berühmt wurde. In beiden Fällen seien die Künstler gebucht worden bevor der ganz große Erfolg kam. „Das Budget des Kultursommers reicht für Top-Stars nicht aus, weil die Kosten für die ganze Infrastruktur des Festivals enorm gestiegen sind“, ordnet die Pressesprecherin ein und richtet den Blick in die Nachbarschaft. „Davon ist ja nicht nur Oldenburg betroffen. Die Veranstalter d er Breminale haben ja ein ähnliches Konzept und sind mit einer Finanzierungslücke von 120.000,- Euro in diesem Jahr an den Start gegangen.“ Mehr als nur Musik Äußerst beliebt sind aber nicht nur die Konzerte auf dem Schlossplatz, sondern auch die Theaterformate im Schlossgarten. Als Ausnahme von der „Umsonst & draußen“-Regel muss man hier zwar Tickets kaufen, das tut der Begeisterung aber keinen Abbruch: Die sechs (!) regulären Auftritte waren so schnell ausverkauft, dass man einen siebten Zusatztermin anbot. „Und der war innerhalb einer Stunde ebenfalls ausgebucht“, lacht Bettina. Schade für alle, die nicht dabei sein können - aber ein schöner Beweis dafür, dass die Kulturetage nach wie vor den Nerv des Publikums trifft. Dazu gehört natürlich auch das besondere Setting im Schlossgarten. „Der Ort selbst erzählt schon eine Geschichte. Er spielt für das Stück eine wichtige Rolle“, gewährt die Pressesprecherin einen Einblick. Deswegen seien die jeweilgen Spielorte nicht nur für die Gäste, sondern auch für das Team der Kulturetage stets aufs Neue spannend. Routine? Stellt sich gar nicht erst ein. „Bei der Ausstattung von Außenspielorten mit einer funktionierenden Infrastruktur haben wir zwar einen großen Erfahrungsschatz. Aber alles andere ist neu - und das genießen wir!“ Zu den neueren Elementen des Kultursommers gehört auch noch der Frei.zeit.gang . Der kleine Platz neben der Lambertikirche genießt einen gewissen Kultstatus, da dort vor einigen Jahren bereits nischige Formate ausprobiert wurden, die auf große Resonanz stießen. Der Verein Freizeitlärm e.V. setzt diese junge Tradition fort. Das Team hinter Events wie EAE bespielt vom 17. bis 20. Juli nachmittags bis abends die Bühne in dem schattigen Gang und sorgt nur einen Steinwurf vom Schlossplatz entfernt für kreative Akzente. Die gibt es aber auch dieses Jahr wieder auf dem Cäcilienplatz, der nach den Erfolgen der letzten Jahre einmal mehr fest in Kinderhand ist. Vom Graffiti-Workshop über „Bus-Stop-Stories“ bis zum Rudel-Trommeln können sich die Kids nach allen Regeln der Kunst bespaßen lassen. Und wem das zu jung und wild ist, wartet auf den 21. Juli: Dann nämlich findet der KuSo- Tag der Museen statt und man kann ab 10 Uhr morgens bei freiem Eintritt durch die Ausstellungskorridore flanieren. Genau das richtige bei heißer Hitze - aber auch bei kaltem Regen. Konstante Evolution Man kann es überall heraushören: Der Kultursommer ist ein höchst abwechslungsreiches und beliebtes Format, dem es gelingt, nicht wie ein Sommerferien-Füller zu wirken, sondern wie ein eigenständiges Format mit eigenen Qualitäten. Deswegen gibt es bei der Kulturetage einerseits zwar den Wunsch der Weiterentwicklung. „ Wir würden gerne mehr innovative Projekte im Kultursommer starten“, bestätigt Bettina. „Vor allem Projekte, die unsere Stadtgesellschaft nachhaltig - also auch nach dem Kultursommer - beschäftigen.“ Gleichzeitig ist man sich im Organisationsteam aber auch bewusst, dass allzu viel Veränderung ein Fehler sein könnte. Zu beliebt sind - neben den Konzerten und Theaterstücken - auch andere Traditionen wie d ie atmosphärischen Lesungen im Staublau und Küchengarten oder die lauen Kinonächte im Schlossinnenhof. Doch die Gratwanderung ist gelungen. Der diesjährige Kultursommer schafft einmal mehr die Balance zwischen Alt und Neu - und auch das ist weder Zufall noch Selbstverständlichkeit, wie Bettina verrät. „Es steckt einfach eine Menge Herzblut von unseren Mitarbeitenden in diesem Projekt. Hier gibt wirklich jede*r alles dafür, dass die Menschen eine Menge Spaß haben.“ Außerdem komme von den Gästen immer wieder die Rückmeldung, dass sie den KuSo liebten. „Da lohnt sich am Ende jede Mühe!“ Und die ist zweifellos zu spüren, wenn der Kultursommer ab dem 12. Juli die Sommerkultur in Oldenburg einläutet. Zwar werden weiterhin viele zunächst an die Konzerte denken, wenn vom Kultursommer die Rede ist. Schließlich ist der Schlossplatz der zentrale Identifikationspunkt. Doch eines ist klar: Dass Oldenburg im Sommer „ein lebendiger Ort mit äußerst attraktivem Kulturprogramm ist - das liegt auch am Kultursommer.











