VORHANG AUF: TEIL 2 - OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER

Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut.


Das Oldenburgische Staatstheater am Abend
Endlich wieder: Die Beleuchtung mag in diesem Winter weniger spektakulär sein, beim Programm gibt es aber keine Abstriche (Bild: Stephan Walzl)

Erinnern wir uns mal kurz zurück: Früher - in präpandemischen Zeiten - gab es im Sommer mal eine Phase, da war in Oldenburg nichts los. Mit dem Kultursommer flammte eine Zeit lang das Kulturleben wieder auf, aber drumherum legte sich ein dicker Mantel aus Stille. Damals sehnte man das Ende der „kulturlosen“ Zeit förmlich herbei.


Und heute? Ist vieles anders. Dass die Sommer das Gegenteil von Leere bieten, nämlich eine Fülle von Veranstaltungen und längst zu einer zweiten Hochsaison geworden sind, hat sich längst rumgesprochen. Auch wir haben dazu beigetragen. Und das ist natürlich wunderbar! Aber was macht das eigentlich mit unserer Sehnsucht nach Kultur? Sind wir noch hungrig? Oder schon übersättigt?


 

OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER

ZUM START IN DIE NEUE SPIELZEIT

 

ERÖFFNUNGSGALA

SAMSTAG, 3. SEPTEMBER 2022, 19.30 UHR (KARTEN) SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 11.30 UHR (KARTEN)


OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER THEATERWALL 28

26122 OLDENBURG

 

ÜBERSICHT DER ERSTEN PREMIEREN: HIER

ÜBERSICHT ALLER PREMIEREN UND WIEDERAUFNAHMEN ZUM DOWNLOAD (PDF) : HIER

 

Volle Fahrt voraus


Ein idealer Moment, das herauszufinden, ist der Start des Oldenburgischen Staatstheaters in die neue Spielzeit. Zwar hat auch das kulturelle Flaggschiff auf den Trend zu sommerlichen Outdoor-Veranstaltungen reagiert und mit der Theater-Insel eine entsprechendes Angebot gemacht. Außerdem sind Akteure aus den Ensembles in vielen Aktivitäten involviert. Doch erlaubt sich das Haus weiterhin eine Spielpause im Sommer. Ist das noch zeitgemäß?


Die Antwort lässt sich mit einem Wort geben: Ja! Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens agieren viele Mitglieder der Ensembles während der Spielzeiten am Limit, erst Recht in Zeiten, in denen man Wagners kompletten „Ring“ aufführt. Zweitens sorgt die temporäre Verknappung des Angebots für eine spürbare Lust an der Wiederentdeckung des Theaters. Da funktioniert die Kultur nicht wesentlich anders als der Gasmarkt. Und drittens bietet das Theater auf diese Weise eine sommerliche Spielfläche für andere Akteure, die sie inzwischen gut zu nutzen wissen. Am Ende gewinnen alle: Theater, Szene, Publikum.



Wieder auf Kurs?


Diese Spielzeit-Eröffnung ist die erste seit 2019, die unter weitgehend normalen Umständen stattfindet. Das heißt: Corona ist nicht mehr das alles dominierende Thema. Zwar gibt es in Deutschland weiterhin viele mahnende Zeigefinger, die zur Vorsicht aufrufen; und das ist vollkommen in Ordnung. International ist der Trend aber klar: Die meisten Länder wollen lernen, mit dem Virus zu leben. Das hat die allseits bekannte Vor- und Nachteile. Letztlich überwiegt aus kultureller Sicht aber eine neues Gefühl der Leichtigkeit, das sicher nicht die Unschuld von 2019 hat, sich aber deutlich zuversichtlicher als die letzten beiden Jahre.


Es wird spannend zu sehen sein, wie sich das Publikum verhält. Ist es hungrig nach Kultur und bereit, gewisse Restrisiken in Kauf zu nahmen? Werden wir die alten Verkaufszahlen wiedersehen? Oder wird es nur langsam, Schritt für Schritt, zurück zu allen Niveaus gehen? Die Lage war bis zur Sommerpause nicht gut, wie wir in unserem großen Report dokumentiert haben, doch der theatertypische Optimismus ist (wieder) allgegenwärtig. Hoffen wir, dass er gerechtfertigt ist und dass sich das Publikum anstecken lässt.


Wettervorhersage: Beifallsstürme


Dementsprechend gibt es in der Ankündigung der Eröffnungsgala auch ein Adjektiv, das die Stimmung setzt: „fröhlich“ soll sie sein. Und das dürfte eine Versprechen sein, das voll und ganz eingelöst wird. Die Gala wird in zweieinhalb Stunden nämlich „Best Of“ mit „Behind the Scenes" verbinden. Die Ensembles der Oper und des Schauspiel werden abwechslungsreiche Ausschnitte aus Premieren und Wiederaufnahmen der neuen Spielzeit präsentieren, dazwischen werden neue Mitglieder vorgestellt und allerlei Hintergrund- und Begleitinformationen gegeben. Und wahrscheinlich werden viele Besucher:innen im Laufe des Abends den gleichen Gedanken haben wie wir bei der Ankündigung des Programms: Lauter Blockbuster.


Das Konzept ist für eine Eröffnungsgala ideal, denn es holt das Publikum einerseits bei seinen veränderten Sehgewohnheiten aus der Welt des Streaming ab (siehe: Trailer) . Andererseits bietet es eine Gelegenheit, die Qualitäten des neuen Materials mit allen Sinnen erfahrbar zu machen und damit deutlich zu zeigen, welche Bedeutung das Theater für uns Menschen als fühlende Wesen hat. So viel Pathos sei an dieser Stelle mal erlaubt. Nicht zuletzt ist einfach glaubwürdig, was auf der Website des Staatstheaters formuliert wurde: „Voller Vorfreude“ lautet nämlich die Überschrift für die Ankündigung der Eröffnungs-Gala. Und diese Beobachtung gilt vermutlich für beide Seiten: Das Ensemble - und das Publikum. Zieht uns die Bugwelle des Flaggschiffs nun also mit in eine gute Zeit? Sicher ist nichts, doch zu hoffen wär's.



Mann über Bord


Moderiert wird die Gala übrigens wie gewohnt und gekonnt vom Intendanten Christian Firmbach - das allerdings zum letzten Mal. Während er Sommerpause wurde bekannt, dass er Oldenburg 2023 nach neun Jahren wieder verlassen wird. Sein Ziel ist das Badische Staatstheater in Karlsruhe.

Zweifellos: ein schwerer Schlag für die Huntestadt. Schließlich war Firmbach nicht nur ein mutiger, engagierter Theatermacher, der das Haus permanent weiterentwickelte - er blickte stets auch über den Tellerrand hinaus und hatte spannende Gedanken zu vielen städtischen und gesellschaftlichen Themen. Hier geht Oldenburg ein echter Aktivposten verloren, der zudem sein Kerngeschäft auch bzw. gerade zu Corona-Zeiten nie vernachlässigte. Das wird nachhallen.


Auf diese, von Firmbach und seinem starken Team konzipierte Spielzeit, sollte der Wechsel aber noch keine größeren Auswirkungen haben. Und wenn, dann wären sie nicht negativ, Oldenburg darf sich nämlich auf sehr viel hochwertiges, unterhaltsames, spannendes und inspirierendes Programm freuen. Genießen wir also die verbleibende gemeinsame Zeit, auch wenn sie von nun an ein Verfallsdatum besitzt.



Frischer Wind aus Nordwest


Alle Vorzeichen beiseite ist der Auftakt der neuen Spielzeit des Oldenburgischen Staatstheaters aber vor allem eines: Eine Zelebration der Musik- und Theaterkultur. Und zwar nicht nur auf das Haus beschränkt, sondern des Theaters im Allgemeinen.


Oldenburg darf sich glücklich schätzen, verschiedene Häuser mit attraktiven Programmen zu beherbergen. Schließlich ist jede Vorstellung einzigartig und vergänglich - ganz im Gegensatz zu Streaming. Dennoch ragt das Staatstheater hinaus. Wegen der Dimensionen - aber auch wegen dem, was es daraus macht. Sicher kostet es viel Geld, aber das tut vieles andere auch, ohne das es emotionale Gegenwerte erzeugt. Davon hat das Staatstheater auch in dieser Spielzeit viele zu bieten, wie unser Vorbericht samt Trailershow zeigt.


Viel besser als jeder Bericht kann aber ein Theater selbst für sich begeistern. Nutzt das aus und schaut euch die Gala an. Lasst euch inspirieren, lasst euch triggern. Und dann nehmt diesen kulturellen Spirit mit euren Alltag. Besucht die Theater, schaut euch die Stücke an. Jedes einzelne erweitert unseren gedanklichen Horizont. Und das ist gut für uns. Denn auch wenn Oldenburg eine schöne Stadt ist, darf an ihren Mauern nicht Schluss sein.



Lest auch Teil 3 unserer Serie „Vorhang auf“.