VORHANG AUF: TEIL 1 - THEATER LABORATORIUM

Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut.


Das Theater Laboratorium
Stimmungsvoll: Beim Theater Laboratorium ist jedes Detail perfekt arrangiert (Bild: Theater Laboratorium)

Es gab mal Zeiten, da hätte man Das Theater Laboratorium gar nicht eigens erwähnen müssen. Sämtliche Veranstaltungen wären eh längst ausverkauft gewesen. Dass es aktuelle nicht mehr (immer) so ist, hat aber nicht etwas was mit dem Programm zu tun. Das liegt vielmehr an der allgemeinen postpandemischen Zurückhaltung in Teilen des Publikums.


Das kann man negativ lesen, aber auch positiv! Denn auch wenn es für das erfolgsverwöhnte Figurentheater eine ungewohnte Situation ist, ergeben sich daraus auch Chancen für das Publikum. Denn seien wir ehrlich: So schön die lange Vorfreude auf besondere Events auch ist, etwas Spontanität bewahren wir uns doch ganz gern. Und tatsächlich ist nun eine Zeit, in der wir relativ zeitnah Karten fürs Laboratorium bekommen können. Wer weiß? Vielleicht trauern wir dieser zeit der Leichtigkeit bald schon wieder hinterher. Denn in der Folgezeit prangt im Ticketshop schon recht häufig das Wörtchen „ausverkauft“.


 

THEATER LABORATORIUM

START IN DIE NEUE SPIELZEIT

 

„DIE BREMER STADTMUSIKANTEN“


FREITAG, 2. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 18 UHR (KARTEN)


THEATER LABORATORIUM

KLEINE STRAßE 8

26121 OLDENBURG

 

Klassiker? Gehen immer!


Am Eröffnungswochenende greift das Team um Pavel Möller Lück und Barbara Schmitz-Lenders auf einen der größten Erfolge des Theaters zurück: Die Bremer Stadtmusikanten. Das Stück wurde bereits hunderte Mal gespielt und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und Nachfrage. Warum? Das weiß jeder, der es (einfach oder mehrfach) gesehen hat: Die Geschichte um die vier Tiere ist tiefgründig und hochkomisch zugleich, eine wunderbare Mischung aus Poesie und Polemik - deren Anteil sich ja Tagesform der Beteiligten verschieben.


Das ist ein Clou beim Laboratorium: Die Stück wachsen. Sie bleiben nicht stehen, schon gar nicht auf irgendeinem Podest, auf dem sie weihevoll bewundert werden können. Nein, sie stehen immer im Kontext zur Zeit, oft sogar zum Tagesgeschehen. Das hält sie jung, das hält sie spannend. Auch nach hunderten Aufführungen noch.


Größter Erfolg: Kein Stück wurde im Laboratorium öfter gespielt als "Die Bremer Stadtmusikanten". Kenner:innen wissen warum. (Bilder: Theater Laboratorium)



In den folgenden Wochen gibt es dann eine abwechslungsreiche Mischung aus weiteren Klassikern („Dieser Tag im Leben“, „Der Froschkönig“), neueren Stücken („Das Feld“) und Gastspielen (Lyrischer Piano-Jazz von Trioscence). Dass bei all dieser Abwechslung der angenehme Rahmen noch dazukommt - das wunderbare Ambiente des Cafés, der charmante Innenhof und mit etwas Glück auch der muntere Plausch mit Pavel Möller-Lück nach der Vorstellung - macht einen Besuch in der Kleinen Straße im beginnenden Herbst fast schon zu einem Pflichttermin.



Noch nicht alles


Aber all das ist - genau! - noch nicht alles. Denn seit rund fünf Jahren gibt es direkt neben dem Theater Laboratorium noch eine zweite Bühne: die Limonadenfabrik. Ursprünglich mal als Probebühne geplant, wurde sie schnell zu einer vollwertigen Spielstätte, die ihrer großen Schwester in kaum etwas nachsteht. Atmosphärisch weiß sie ebenfalls durch unzählige liebevolle Details zu begeistern und auch auf der Bühne gibt es eine Mischung aus Figurentheater und menschlichem Schauspiel.


Hier jedoch mit einer andere Konnotation: Denn die Limonadenfabrik ist der Ort, an dem sich junge Talente ausprobieren können. Sie setzen eigene Themen und Stoffe auf ihre eigene Art um. Alles ist zwar grundsätzlich angelehnt an das Erfolgsmodell Laboratorium; alles andere wäre ja auch unklug. Jedoch können und sollen die jungen Künstler:innen hier eigene Wege gehen und eine eigene Sprache entwickeln.


 

LIMONADENFABRIK

START IN DIE NEUE SPIELZEIT

 

„DIE KLEINE MEHRJUNGFRAU“


FREITAG, 2. SEPTEMBER 2022, 20 UHR (KARTEN) SAMSTAG, 3. SEPTEMBER, 18 UHR (KARTEN)


„DAS PLATTE KANINCHEN“


SONNTAG, 4. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT)


LIMONADENFABRIK

STEINWEG 20

26121 OLDENBURG


 

Neues wagen


Neugierig? Wunderbar! Denn jetzt ist eine gute Zeit, das kleine aber überaus feine Haus neben dem Laboratorium zu besuchen. Zwar sind auch hier in den kommenden Wochen bereits einiges Vorstellungen ausverkauft, für das Eröffnungswochenende sind aber noch Karten zu haben. Gezeigt wird „Die kleine Meerjungfrau“ nach dem Märchen von Hans-Christian Anderen. Wer nun traditionelle Kinderkost erwartet, dürfte überrascht sein. Zwar ist die Interpretation von Regisseur Markus Wulf und Schauspielerin Esther Vorwerk geeignet ab 13 Jahren. Aber wie beim Laboratorium verschwimmen auch hier die Zielgruppen. Auch - oder: vor allem? - Erwachsene haben eine helle Freude an der zeitgemäßen Aufbereitung der klassischen. Stoffs.


Hat man so noch nie gesehen: Die kleine Meerjungfrau (Bilder: Limonadenfabrik)


Ganz egal ob man mit den Klassikern auf Nummer Sicher gehen oder lieber etwas Neues entdecken will, ob man sich am Laboratorium gar nicht satt sehen kann oder ob man die Limonadenfabrik ins Herz geschlossen hat: Die Überschrift über dieses Wochenende lautet „Endlich“. In einer Welt voller Ungewissheiten tut es gut, die eine oder andere Konstante zu haben. Und einer der angenehmsten ist die durchweg herausragende Qualität aller Produktionen aus dem Doppelhaus Laboratorium/Limonadenfabrik. Am besten: Gleich für das Eröffnungswochenende Tickets kaufen. Dann kann man sich gleich wieder in Theaterform bringen. Und wie gesagt: wer weiß, wie lange das so ist? Das Wort „ausverkauft“ wird uns in Zukunft sicher noch häufiger begegnen.



Lest auch Teil 2 unserer Serie „Vorhang auf“.