VORHANG AUF: TEIL 4 - THEATER WREDE +

Endlich September! Okay, er bringt auch einige Nachteile mit sich, morgens ist es mitunter knackig kalt. Aber davon abgesehen gibt er einiges her: Wunderbares Herbstlicht, letzte Outdoor-Events - und den Start in die Theatersaison! Nach und nach nehmen alle Oldenburger Häuser ihr Programm wieder auf. Wer beginnt wann? Und mit was? Wir haben alles Wichtige für euch zusammengetragen - und daraus eine kleine Serie gebaut.


Das Theater Laboratorium
Eins für alle: In der Klävemannhalle sind neben dem theater wrede + auch das Blauschimmel Atelier und Ibis zuhause. (Bild: Mario Dirks)

Das theater wrede + ist nicht zu fassen. Allerdings in einem absolut positiven Sinne! Denn das kleine Haus in der Klävemannstraße mag von den Dimensionen her überschaubar sein, die Ideen und Ambitionen sind es aber nicht. Es gehört zu Überzeugung der Macher:innen um Winfred Wrede und Marga Koop, dass Theater Realitäten nicht nur abbilden darf, sondern sie hinterfragen oder sogar verändern sollte. Theater ist für das Duo also weit mehr als Unterhaltung.


Und genau das spürt man auch am Programm. Manchmal hat man fast den Eindruck, Oldenburg sei eigentlich zu klein für die Sphären, in denen bei wrede + gedacht wird. Jedenfalls hätten viele Ideen auch in den Metropolen dieser Welt ihren Platz gefunden, eben weil sie zeitgemäße, relevante Themen und Fragestellungen kreativ aufbereiten und so Reaktionen und Antworten vom Publikum provozieren.




Aber: Gemach! Wegen einer möglichen Abwanderung nach Bremen oder Berlin muss sich Oldenburg derzeit keine Sorgen machen. Denn das theater wrede + ist Initiator der bundesweiten flausen+ Netzwerks, dessen Hauptquartier ebenfalls in der Klävemannstraße beheimatet ist. Und dieses Netzwerk kümmert sich um experimentelles, mutiges und manchmal provokatives Theater. Hier gibt es also eine weitere Spielwiese für die großen Ideen - während es in Oldenburg auch eine Nummer kleiner geht. Und zwar: im wahrsten Sinne des Wortes.


 

THEATER WREDE +

START IN DIE NEUE SPIELZEIT

 


„MOND - EINE REISE DURCH DIE NACHT" FÜR KINDER VON 1 BIS 6 UND ERWACHSENE


SAMSTAG, 17. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT)

SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 11 UHR (KARTEN)

SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 14:30 UHR (KARTEN)

SONNTAG, 18. SEPTEMBER, 16 UHR (AUSVERKAUFT)

 

„REGEN RIECHEN“

FÜR KINDER VON 2 BIS 6 UND ERWACHSENE


SONNTAG, 2. OKTOBER, 16 UHR (KARTEN)

 

„SYNDITALK - SHOW STADT TALK“ GASTSPIEL: SYNDIKAT GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN


DONNERSTAG, 6. OKTOBER, 20 UHR (KARTEN)



THEATER WREDE +

KLÄVEMANNSTRAßE 16

26122 OLDENBURG

 

Theater von Anfang an


Nicht zu fassen ist das theater wrede + nämlich auch, weil es neben der progressiven Theaterarbeit ein zweites Standbein aufgebaut hat. Und zwar: Theater für die Kleinsten. Im Programm finden sich sowohl Stoffe für die Erstbegegnung mit der Bühne, sprich: für kleine Menschen, die ihren ersten Geburtstag gerade erst gefeiert haben. Aus Selbstversuchen wissen wir: Das funktioniert ganz wunderbar - und das ist auch für Erwachsene eine interessante Erfahrung.


Bei so einer Kulisse wäre man gerne wieder klein. „Mond“ ist aber auch für Erwachsene schön. (Bild: theater wrede +)

Danach lässt man Kinder und Eltern aber nicht allein. Auch für größere Racker bis sechs Jahre sind regelmäßig Stücke im Programm, die häufig alle Sinne ansprechen, also nicht nur eine szenische, sondern auch eine klangliche und emotionale Erfahrung sind. Eine roter Faden sind aber auch dort große philosophische Fragen - die aber je noch Blickwinkel und Lebenshorizont ganz unterschiedliche Zu- und Ausgänge bieten. Eine Kunst für sich!



Doppelt speziell


Und so spezialisiert sich das theater werde + doppelt: Sowohl beim experimentellen Theater, das uns als Zuschauer:innen herausfordert und bereichert. Das spiegelt sich übrigens auch bei den Gastspielen von jungen Theatergruppen aus ganz Deutschland wider, die sich vor allem aus den flausen-Kontexten ergeben. Sie bieten immer wieder neue Chancen, anderes und ungewohntes Theater zu entdecken, ohne dass man dafür durch die halbe Republik gondeln muss. Aus unserer Sicht ein echter Gewinn für Oldenburg, denn diese Vielfalt könnte man sonst nicht erreichen. Deshalb der klare Tipp von uns: Habt die Gastspiele auf den Schirm!


Das Syndikat Gefährliche Liebschaften
Sehen ganz harmlos aus, stecken aber voller Ideen: Das Syndikat Gefährliche Liebschaften (Bild: SDL)

So auch das erste in dieser Saison: „Show Stadt Talk“ des Syndikats Gefährliche Liebschaften aus Quakenbrück und Leipzig. Die Künstler:innen inszenieren bei dem interaktiven Show-und Talk-Format Begegnungen zwischen Publikum und Freier Theaterszene. Sie sprechen über Stadt, Land und Leute, feiern die Irritation mit Gästen aus Oldenburg und dem Freien Theater sowie einem musikalischen Act aus der Region.


„Mit syndiTALK wollen wir auch Publikum erreichen, das sich nicht zu den typischen Theatergänger:innen zählt und für sie einen Zugang schaffen, so Pressesprecherin Katharina Proske. Die Ideen für das neue Format entwickelten die Künstler:innen im Rahmen ihres #TakeHeart-Stipendiums am theater wrede +.Begegnungen mit Menschen und regionale Besonderheiten aus der Recherche sind ebenfalls Teil des Formats.


Auf die Größe kommt's nicht an


Aber auch die Kinder-Sparte profiliert sich immer klarer heraus, gewinnt zunehmend an Bedeutung und bildet zur Eröffnung der Spülzeit den Schwerpunkt. Hier werden frühzeitig nicht nur Hemmschwellen abgebaut, sondern Theater in allen Lebensphasen als eine selbstverständliche Freizeitgestaltung etabliert. Das ist für die kleinen Zuschauer:innen eine psoitive Entwicklung, aber auch für den Standort und die Gesellschaft insgesamt. Und wer weiß? Vielleicht stehen die kleinen Leute in zwanzig Jahren selbst auf der Bühne - und beglücken die Menschen in anderen Städten mit spannenden Gastspielen aus Oldenburg. Besser könnte sich ein Kreis gar nicht schließen.


Doch ganz egal, wie alt man ist oder sich fühlt: Das theater wrede + sollte man besser nicht aus den Augen verlieren. Sonst ist das Risiko groß, etwas ganz Besonderes zu verpassen. Und das wäre nicht zu fassen.



Lest auch Teil 5 unserer Serie „Vorhang auf“.