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STAATSTHEATER 26/27: AM PULS DER ZEIT

  • vor 1 Tag
  • 11 Min. Lesezeit

Man kann den Ort verändern, die Sitzordnung variieren, an den Abläufen schrauben, aber: Eine Pressekonferenz bleibt, was sie ist - nämlich Frontalunterricht für Journalist:innen. Wenn jedoch das Oldenburgische Staatstheater zur Vorschau auf die neue Spielzeit einlädt, ist die ständige Wiederholung keineswegs störend, sondern eine sehr angenehme Routine. Denn was es hier zu hören gibt, macht unendlich neugierig.


Keine Langeweile: Die Abläufe der Pressekonferenz ändern sich immer ein wenig - und die Ausblicke machen stets unendlich neugierig. (Bild: Kulturschnack)
Keine Langeweile: Die Abläufe der Pressekonferenz ändern sich immer ein wenig - und die Ausblicke machen stets unendlich neugierig. (Bild: Kulturschnack)

Ein Theater mit sieben Sparten zu haben, ist in erster Linie eines: ein großes Privileg. Dieses enorm breite Spektrum bietet dem Oldenburgischen Staatstheater viele Möglichkeiten, nicht nur Musiktheater, Konzerte, Schauspiel und Ballett zu zeigen, sondern darüber hinaus auch neue Zielgruppen für das Theater zu begeistern - sei es durch experimentelle Formate, durch zeitgeistige Themenwahl oder durch ganz einfaches Mitmachen.


Einen Haken hat diese geballte Vielfalt allerdings. Will man in einer Pressekonferenz auch nur die wichtigsten Highlights der kommenden Spielzeit nennen, ist man damit mindestens eine Stunde beschäftigt. Viel Zeit in unserer schnelllebigen Gegenwart. Dennoch unternahm das Staatstheater bei seinem traditionellen Ausblick af die kommende Spielzeit den Versuch. Und wieder einmal zeigte sich: Besser als im Foyer des Hauses hätte man diese etwa sechzig Minuten gar nicht verbringen können.



Der Gast aus Salzburg


In diesem Jahr gab es etwas Neues, nämlich ein knackiges Interview-Format. „Alle sollten maximal fünf Minuten sprechen“ erklärt Pressesprecherin Ramona Itzeck - wohl wissend, dass es unter den neun Redner:innen einige gibt, die sich nur unter größten Mühen daran halten können - zu groß ist die Begeisterung über die eigenen Projekte. Mit dieser neuen Regel wurden ausufernde Schwärmereien erfolgreich verhindert - allerdings führte die zeitliche Verdichtung zu einem wahren Glanzlicht-Stakkato, das die Synapsen in Grenzbereiche brachte. Aber das ist natürlich nicht anderes als ein Luxusproblem.


Mit Spannung wurde der Auftritt von Leslie Suganandarajah erwartet: Der künftige Chefdirigent für Konzerte wurde live zur Pressekonferenz hinzugeschaltet, da er aktuell noch am Landestheater Salzburg als Musikdirektor beschäftigt ist. Auch wenn seine vorige Station mit Linz ebenfalls in Österreich liegt, dürfte der 43-Jährige im Norden keine Anpassungsschwierigkeiten haben: der in Colombuthurai auf Sri Lanka geborene Klavierexperte wuchs nämlich in Hannover auf. Eben dort beschloss er im Alter von 16 Jahren Dirigent zu werden - und kehrt nun nach neun Jahren in den Alpen nach Deutschland zurück.



Live aus Salzburg: Leslie Suganandarajah schilderte seine musikalischen Vorstellungen für die kommende Spielzeit - Generalintendant Georg Heckel hört konzentriert zu. (Bild: Kulturschnack)
Live aus Salzburg: Leslie Suganandarajah schilderte seine musikalischen Vorstellungen für die kommende Spielzeit - Generalintendant Georg Heckel hört konzentriert zu. (Bild: Kulturschnack)

„Es ist eine große Ehre für mich und ich freue mich sehr, dass die Berufung nach Oldenburg geklappt hat!“, bekennt der sympathische Wahlösterreicher auf dem Screen und weckt mit seinem kurzen Auftritt auch inhaltlich Vorfreude: Er will ein Augenmerk darauf legen, bisher wenig gespielte zeitgenössische Stücke insbesondere auch von Komponistinnen zur Aufführung zu bringen. Übrigens: Für das Musiktheater gibt es mit dem Italiener Vito Cristofaro einen eigenen Chefdirigenten, der bereits seit der Spielzeit 2014/15 am OIdenburgischen Staatstheater beschäftigt und somit besser bekannt ist.



Konzerte: Die große Vielfalt


Nach der Personalie ging es ans Eingemachte, sprich: den Ausblick auf die Spielzeit 2026/27. Den Anfang machte Stefan Schmidt, der als Orchesterdirektor inhaltlich direkt an Leslie Suganandarajah anknüpfen konnte. Er verriet, dass das Konzertprogramm in der kommenden Spielzeit neben neuen Akzenten auch auf bewährte Formate und bekannte Komponist:innen setze. Neben dem Barockkonzert wird erstmals auch das Akademiekonzert im Schloss stattfinden. Für Kinder und Familien wird das Konzertangebot fortgeführt – inklusive neuer Babykonzerte. „Für einen neuen, anderen Zugang zur Kultur“, betont Schmidt. Aber auch eine weniger frohe Botschaft gab es zu verkünden: Bei den philharmonischen Stücken wird es in den kommenden Jahren zu Einschränkungen kommen, da die Weser-Ems-Halle als Auftrittsort nicht zur Verfügung steht. Dennoch ist dem studierten Bratschisten anzumerken, dass er den Programm-Entwurf für die neue Spielzeit für gelungen hält und sich darauf freut, dem Publikum besondere Musikerlebnisse bieten zu können.




Grober Überblick: Was in der Spielzeit 2026/27 geboten wird, könnt ihr unserer kleinen Galerie entnehmen. Wer tiefer eintauchen will, sollte das Programmheft herunterladen.


Sparte 7: Zwischen Grönland und Syrien


Große Häuser braucht die Sparte 7 eher nicht. Im Gegenteil: sie geht dorthin, wo's vielleicht nicht weh tut, wo es Theater manchmal aber schwerer hat als in seinen historischen Gemäuern: Auf die Marktplätze, in Fußgängerzone - mittenrein ins gesellschaftliche Getümmel. Die Mission lautet: Demokatisierung des Theaters. Und das bedeutet letztlich, dass alle die Gelengenheit haben sollen, dabei zu sein und mitzumachen.


Vorfreude weckte Leiterin Gesine Geppert mit einem Ausblick auf die Fortsetzung des spannenden Sheroes-Formats, das in den letzten Jahren an verschiedenen Orten in Oldenburg stattfand, aber auch auf Tour ging. Ähnliches gilt auch für das Nachfolgeformat „Fair-Ground“, das ebenfalls auf einen Jahrmarkt-, Mitmach- und Spiel-Charakter setzt. „Wir legen den Fokus auf Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Gesine. Die ersten vier Termine sind noch in dieser Spielzeit zu erleben, den Nachschlag gibt es in der kommenden. Überaus spannend klang auch das Projekt „(M)ein Land“ von Theaterhasardeur Luskasz Lawicki. Inspiriert von den Annexionspläönen Donald Trumps setzt es sich künstlerisch-dokumentarisch mit den Auswirkungen von Klimawandel, geopolitischen Veränderungen und kolonialer Geschichte in Grönland auseinander. Geplant sind dafür - typisch Lukasz - sogar Recherchen vor Ort!



Sollte man gesehen haben: „Zwischen Hin und Her“ von und mit Malak Kadour. (Video:; Oldenburgisches Staatstheater)

Eine gute Nachricht ist zudem die Wiederaufnahme des Stücks „Zwischen Hin und Her: Meine Flucht aus Syrien“, das in dieser Spielzeit lediglich fünf Mal zu sehen war. Die Grundlage bildet die bewegende Lebensgeschichte der heute 18-jährigen Malak Kadour, die sie einst als schulische Hausaufgabe niederschrieb, die inzwischen aber als Buch erschien. Unter der Regie von Pia Epping wurde Malaks Flucht nun zu einem überaus bewegenden Drei-Personen-Theaterstück, das man keinesfalls verpassen sollte.



Junges Staatstheater: Sein oder bleiben


Man könnte denken; wenn Matthias Grön von den Plänen des Kinder- und Jugendtheaters berichtet, können Erwachsene abschalten. Überraschenderweise ist dem aber nicht so. Im Gegenteil: Auch wer die Kindheit schon eine Weile hinter sich gelassen hat, kann sich der Magie vieler Stücke für die Jüngeren kaum entziehen.


Kennt jeder: „Pünktchen und Anton“ werden in der Vorweihnachtszeit zu sehen sein. (Bild: Wikipedia Commons)
Kennt jeder: „Pünktchen und Anton“ werden in der Vorweihnachtszeit zu sehen sein. (Bild: Wikipedia Commons)

Dieses Prinzip findet in der kommenden Spielzeit seine Fortsetzung. Ob es das preisgekrönte Jugenddrama „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner ist, das von einer generations-übergreifenden Freundschaft erzählt, oder „Ohne Applaus ins Bett“, das junge Menschen begleitet, die sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen: Die junge Zielgruppe wird ernst genommen und auf eine gleichzeitig intensive, lehrreiche, aber auch zugängliche und attraktive Weise unterhalten. Gleichzeitig sind die Themensetzungen auch hier fest in der Gegenwart verankert und haben dadurch eine hohe Alltagsrelevanz.


Die Stückauswahl funktioniert sogar so gut, dass letztlich alle Altersgrenzen aufweichen und die Feststellung erlaubt ist, dass man nicht unbedingt jung sein muss, um diese Sparte des Staatstheaters zu genießen - jung bleiben reicht auch. Und so geht auch ein Raunen durch die Schar der Pressevertreter:innen, als verraten wird, dass es in der Vorweihnachtszeit Erich Kästners Klassiker „Pünktchen und Anton“ zu sehen gibt - da werden bei vielen Anwesenden Erinnerungen wach.



Theatervermittlung: Selbst eine Attraktion


Eng mit dem jungen Staatstheater verknüpft sind die Angebote der Theatervermittlung, Zwar gibt es dort auch Erwachsenenclubs und mit dem Stadt:Ensemble eine weitere Gruppe, die aus Volljährigen besteht. Aber die Jugendclubs darf man sicherlich als ein Eckpunkt der Vermittlungsarbeit bezeichnen.


Für das Publikum sind unabhängig vom Alter der Akteur:innen aber vor allem die Ergebnisse der Arbeit interessant - sprich: die entwickelten Theaterstücke. Und die sind inzwischen so zahlreich und hochklassig, dass Leiterin Hanna Puka gezwungenermaßen zu jenen gehört, die gerne deutlich länger als nur fünf Minuten sprechen würden. Aber auch das reichte aus, um viel Vorfreude zu wecken - etwa auf „Familienbande“, bei dem Mitglieder der Jugendclubs mit ihren eigenen Großeltern in Kontakt treten; auf „Schockzustand“, das sich mit Ängsten und ihren Auswirkungen auf uns beschäftigt; oder auf „Female Voices* Smash the Script“, einer reinen Frauenproduktion (vor und hinter den Kulissen) des Stadt:Ensembles.


Großes Theater: Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz zeigt das Stadt:Ensemble mit „Wohnen | Wahnen“, dass es sich hinter vielen professionellen Produktionen nicht zu verstecken braucht. (Bild: Stephan Walzl)
Großes Theater: Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz zeigt das Stadt:Ensemble mit „Wohnen | Wahnen“, dass es sich hinter vielen professionellen Produktionen nicht zu verstecken braucht. (Bild: Stephan Walzl)

Eine weitere gute Nachricht hatte Hanna noch im Gepäck: Vom 23. bis 26. Oktober 2026 wird das 35. Bundestreffen der Jugendclubs an Theatern im Kleinen Haus und in der Exhalle stattfinden. Das Festival zeigt die Bandbreite künstlerischer Arbeitsweisen von Jugendclubs und lädt dazu ein, neue Theaterformen kennenzulernen. Es fördert den Austausch zwischen Spieler:innen und Spielleitungen und unterstützt eine lustvolle, reflektierte und kompetente Auseinandersetzung junger Menschen mit Theater. Das lohnt sich auch fürs Publikum: Eine Fachjury wählt fünf bemerkenswerte Produktionen aus, die exemplarisch für die Vielfalt und Qualität der Jugend-Arbeit stehen - und die im Rahmen des Treffens zu sehen sein werden.



Schauspiel: Kernstück im Vollsortiment


Keine Frage: Das Schauspiel ist vielleicht das Kernstück im Vollsortiment des Oldenburgischen Staatstheaters. Im Gegensatz zur ebenfalls prestigeträchtigen Oper bietet es eine höhere Zugänglichkeit und bewegt das Publikum tief im Innersten. Das wird auch in der Spielzeit 2026/27 so sein, wenn Stücke wie Shakespeares Dauerbrenner „Viel Lärm um nichts“ und Bertold Brechts Religions- und Kapitalismuskritik „Der gute Mensch von Sezuan“ zu sehen sind. Während Shakespeare ein Stammgast auf der Bühne des Staatstheaters ist, will uns die letzte Brecht-Inszenierung nicht auf Anhieb einfallen - was die Spannung nur erhöht.



Ganz nah dran: Im Programmheft finden sich ausdrucksstarke Portraits von Mitgliedern des Ensembles, die jeweils kurz nach einer Vorstellung entstanden. (Bilder: Setphan Walzl)


Spannend wird sicher auch die Inszenierung von „Arendt. Denken in finsteren Zeiten“. Das Stück von Rhea Lehmann beleuchtet das Leben der Philosophin Hannah Arendt, deren Namen wir alle kennen, über deren genaue Geschichte viele von uns aber viel zu wenig wissen, obwohl sie überaus imponierend ist. Die deutsche Erstaufführung fand erst im Oktober 2025 am Thalia Theater in Hamburg statt, in Oldenburg übernimmt Ebru Tartici Borchers die Regie.


Philosopisch wird es auch bei „Und immer wieder die Zeit. Einstein’s Dreams“, das auf einem Buch des US-Autors und Astrophysikers Alan Lightman basiert. Das Stück hinterfragt auf faszinierende Weise unser Verständnis von Zeit: „Was wäre, wenn sie rückwärts läuft oder sie hört eines Tages einfach auf - und alle wüssten es. Was würde sich verändern?“ fragt Schauspieldirektorin Milena Paulovics. Das Stück sei sehr poetisch und sehr persönlich. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Rechte bekommen haben.“





Mit „Ein Stück Land“ wird die Beziehung zwischen Mensch und Natur thematisiert. „Es stammt von Miriam V. Lesch, die auch 'Wald' geschrieben hat, das in der letzten Spielzeit bei uns als Uraufführung zu sehen war“, erklärt Paulovics. Das Stück setze sich auf zugängliche Weise mit der Natur auseinander. „Das ist sehr philosopisch, wirklich ein ganz tolle Stück.“


Und als wären dies noch nicht genug Gründe, sich auf die kommende Spielzeit vorzufreuen, gibt es noch eine Zugabe. „Ein Wiedersehen gibt es auch mit der Autorin Suzie Miller“, erwähnt der Leitende Schauspieldramaturg Reinar Ortmann fast beiläufig. Dabei ist das eine tolle Nachricht! Von ihr stammte nämlich das sehr erfolgreiche „Prima Facie“ aus der Spielzeit 2024/25 - nun entführt uns „Inter alia“ erneut in die Welt der Justiz. Wird dieser Stoff ähnlich gut umgesetzt wie „Prima Facie“, gilt die Empfehlung; Nicht verpassen!



Musiktheater: Einmal alles, bitte!


In seinem Element: Georg Heckel gibt gern einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. (Bild: Kulturschnack)
In seinem Element: Georg Heckel gibt gern einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. (Bild: Kulturschnack)

Sie sind berühmt-berüchtigt: Die vielen verbalen Fußnoten, die Generalintendant Generalintendant Georg Heckel einstreut, wenn er über seine Lieblingsprojekte reden darf. Und obwohl es davon gleich mehrere gab, gelang ihm im Rahmen der Pressekonferenz das kleine Kunststück, sich auf das Nötigste zu beschränken. Das ist beinahe schade, denn seinen Ausführungen machten Lust auf mehr.


Mit „La forza del destino“ von Giuseppe Verdi wird die Geschichte zweier Liebender erzählt, deren Beziehung durch ein tragisches Ereignis in Zeiten des Krieges erschüttert wird. Das große Hollywood-Musical „The Sound of Music“ thematisiert neben einer Liebesgeschichte einen außergewöhnlichen familiären Zusammenhalt in Zeiten politischer Verfolgung. „Man kann es als Nachfolger von 'Cabaret' sehen“, ordnet Georg Heckel ein und weckt damit hohe Erwartungen. Doch er ist sicher: „Das wird sehr unterhaltsam, es gibt tolle Musikstücke - und das Alpenpanorama liefern wir gleich mit!“


Gleich zweimal kommen Variationen des Orpheus-Mythos auf die Bühne - interessanterweise in Form eines sehr alten und eines sehr neuen Stücks. Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ stammt aus dem Jahr 1762 und fragt, ob Loslassen die höchste Form der Liebe ist.


Für Überraschungen gut: Regisseurin und Slammerin Aileen Schneider. (Bild: Anne-Sophie Stolz)
Für Überraschungen gut: Regisseurin und Slammerin Aileen Schneider. (Bild: Anne-Sophie Stolz)

„Regisseurin Aileen Schneider wurde nicht nur mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet, sie war auch 2022 auch hessische Poetry Slam-Meisterin“ verrät Georg und deutet damit an, dass es durchaus Überraschungen geben könnte. Eine alternative Sicht auf den Orpheus-Mythos bietet die deutsche Erstaufführung von Manfred Trojahns „Eurydice – Die Liebenden, blind“ aus dem Jahr 2022, bei der Roland Schwab Regie führt. „Ich freue mich sehr auf dieses Orpheus-Paket“ bekennt der Generalintendant.


Außerdem kehrt Mozarts „Die Zauberflöte“ zurück auf den Spielplan, Beethovens epochale Freiheitsoper „Fidelio“ wird in einer halbszenischen Umsetzung zu sehen sein. Mit „Ein wenig Farbe“ von Rory Six kommt zudem ein zeitgenössisches Musical auf die Bühne, das sich sensibel mit den Herausforderungen einer Trans-Identität auseinandersetzt. Im Musiktheater gibt es also sowohl große Namen und echte Klassiker als auch innovative Akzente zu erleben - eine starke Mischung!



Niederdeutsche Bühne: Vom Alltag auf die Bühne


Auf andere - eher: alltäglichere - Themen setzte traditionell die Niederdeutsche Bühne. Sie ist ein Ort, an dem das „ganz normale Leben“ verhandelt wird - das aber mehr Denkanstöße zu bieten hat, als man jemals auf die Bühnen dieser Welt bringen könnte. Dazu gehören die ewig interessanten Begegnungen zwischen unterschiedlichen Generationen. In der Komödie „Wi sün de Ne’en / Wir sind Neuen“ werden sie in Form eines Aufeinandertreffens von einer Studierenden- und einer Rentner:innen-WG humorvoll erzählt. Viele werden den erfolgreichen Film aus dem Jahr 2014 kennen - auf Platt wird die Handlung aber sicher einen anderen Drive bekommen - beste Unterhaltung ist garantiert.


Eine überaus bekannte Polanski-Verfilmung mit Stars wie Christoph Waltz, Jodie Foster und Kate Winslet existiert auch von „De Gott vun’t Gemetzel / Der Gott des Gemetzels“. Dort sind auf herrliche Weise eskalierende Konflikte zwischen zwei Elternpaaren nach einem Streit ihrer Kinder zu sehen. Ohne auch nur einen adaptierten Dialog schon zu kennen, lässt sich erahnen, dass auch dieser Stoff auf Platt hervorragend funktionieren wird.



Immer beeindruckend: Die Ballettcompagnie des Oldenburgischen Staatstheaters zeigt eindrucksvoll, zu was menschliche Körper in der Lage sind . wie hier bei „An den Ufern des Sees“. (Bild: Stephan Walzl)
Immer beeindruckend: Die Ballettcompagnie des Oldenburgischen Staatstheaters zeigt eindrucksvoll, zu was menschliche Körper in der Lage sind . wie hier bei „An den Ufern des Sees“. (Bild: Stephan Walzl)


Ballett: Menschliche Emotionen


Die Ballettsparte startet im September mit der Uraufführung des dreiteiligen Abends »Echos der Leidenschaft«. Die Choreografien »Lullaby«, »Karuna« und »Carmen« thematisieren ein breites Spektrum menschlicher Emotionen.


Unter dem Titel »zart« entstehen drei weitere choreografische Uraufführungen, die das Zusammenspiel von Zartheit und Stärke sowie die Kraft von Gemeinschaft in den Fokus rücken. Das Besondere: Sie stammen von drei Choreographinnen, darunter Martina di Giulio aus der Ballettcompagnie des Staatstheaters. Im Dezember steht mit Tschaikowskys „Der Nussknacker“ ein klassischer Ballettabend für die ganze Familie auf dem Programm - „zum ersten Mal seit 30 Jahren“, betont Ballettdramaturgin Telse Hahmann. Chefchoreograph Antoine Jully übernimmt nicht nur die Regie, sondern auch das Bühnenbild. Begleitet wird der Klassiker vom Staatsorchester.


Und die Tanztage? Wird es in der kommenden Spielzeit natürlich ebenfalls geben. Doch in dieser Pressekonferenz sollten noch sie keine Rolle spielen. Aufgrund er Vielzahl an Informationen rund um dieses spektakuläre Tanzevent wird es dazu einen eigenen Termin geben - und dort werden wir für euch wieder dabei sein!



Staatstheater: Mitten im Leben


Als alle Anwesenden ihre Ausführungen beendet hatten und die traditionelle Fragerunde begann (eine Pressekonferenz bleibt, was sie ist), kam die Frage auf, ob man die kommende Spielzeit unter ein Leitmotiv stellen könne. „Es gibt keines, das wir bewusst gewählt hätten“ verrät Intendent Georg Heckel und lädt das Publikum ein, sich selbst ein Bild zu machen. Unabhängig davon glauben wir durchaus, etwas erkannt zu haben, das sich wie ein roter Faden durch eine Vielzahl der Produktionen zieht.


Gruppentherapie? Nein - eine wohltuende Wirkung kann man dem Ausblick auf die kommende Spielzeit des Staatstheaters aber dennoch attestieren. (Bild: Stephan Walzl)
Gruppentherapie? Nein - eine wohltuende Wirkung kann man dem Ausblick auf die kommende Spielzeit des Staatstheaters aber dennoch attestieren. (Bild: Stephan Walzl)

Das Staatstheater beweist einmal mehr, dass es sich voll am Puls der Zeit bewegt. Natürlich hat es einige Klassiker im Repertoire und es wird auch acht Wiederaufnahmen bereits bekannter Stücke geben, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Unterhaltung spielt also eine Rolle - und das ist auch vollkommen richtig so, schließlich ist unser Bedürfnis danach letztlich auch ein Spiegelbild unserer Zeit. Doch wo es inhaltliche Akzente zu setzen gibt, sind sie oft pointiert und ambitioniert. Ob es die Rolle der Frau ist, die Gefährdung der Demokratie oder philosophische Fragen zum (Zusammen-)Leben - mit der neuen Spielzeit agiert das Staatstheater dort, wo wir sind - mitten im Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen, Verführungen und Zumutungen. Und so begegnen uns die Themen, die uns oberflächlich oder unterschwellig beschäftigen, auf der Theaterbühne wieder - und bekommen dort die nötige Zuspitzung, um greifbar zu werden.


Sieben Sparten bedeuten zwar eine enorme Vielfalt, die sich kaum in eine Pressekonferenz pressen lässt und die man auch im Alltag manchmal nicht ganz überschauen kann. Trotzdem dürfen sich alle Oldenburger:innen darauf freuen, wenn sich im September dieses Jahres der Vorhang für die Spielzeit 2026/27 hebt - denn die Vielfalt ist ein Privileg. Genau das wird auch bei Pressekonferenzen wir dieser deutlich. Deshalb sind sie auf ihre Weise ebenfalls ein Glanzlicht - auch wenn sie am Ende doch bleiben, was sie sind.





 
 
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