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- NICHTS WIE HIN (26)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- NICHTS WIE HIN (23)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- VIER TAGE CLUBKULTUR
In den letzten Wochen war Clubkultur ein großes Thema in Oldenburg. Beim „Metropoly Festival“ oder bei der „Club:Simulation 2“ wurde darauf geschaut und darüber nachgedacht, was in unseren Clubs mit uns passiert. Es gibt aber noch eine andere Deutungsmöglichkeit des Begriffs: In den Schauspielclubs (!) des Oldenburgischen Staatstheater können Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter professioneller Leitung ausloten, ob in ihnen der nächste Hollywoodstar steckt. Nun können wir die Ergebnisse sehen. Bei den Schauspieler:innen handelt es sich zwar um Laien, man darf ihnen jedoch getrost eine gewisse Ambition unterstellen. Das heißt: Wir sehen bei den Clubs nicht etwa unbeholfene Gehversuche (mitsamt gelegentlichem Stolpern), sondern beachtliche Ergebnisse der Zusammenarbeit mit den Profis vom Staatstheater. Und etwas kommt noch hinzu: Die Teilnehmer:innen der stark nachgefragten Clubs sind hoch motiviert. Es geht eben nicht darum, eine lästige Pflichtaufgabe zu erfüllen, sondern vielmehr um eine Herzensangelegenheit. Das spürt man. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER: PREMIEREN DER ERWACHSENENCLUBS „DU DARFST DEIN LEBEN ÄNDERN“ SAMSTAG, 13. MAI, 18 UHR (RESTKARTEN) SONNTAG, 14. MAI, 19.30 UHR (RESTKARTEN) MONTAG, 15. MAI, 19 UHR (KARTEN) DIENSTAG, 16 MAI, 21 UHR (KARTEN) „AM WELTENRAND“ SAMSTAG, 13. MAI, 20.30 UHR (AUSVERKAUFT) SONNTAG, 14. MAI, 17 UHR (KARTEN) MONTAG, 15. MAI, 21 UHR (KARTEN) DIENSTAG, 16. MAI, 19 UHR (KARTEN) EXHALLE JOHANNISTRAßE 6 26121 OLDENBURG Und ihr? Könnt es jetzt auch spüren! Die Erwachsenenclubs feiern nun nämlich zwei Premieren. Unter der Leitung der beiden Theatervermittlerinnen Hanna Puka und Pia Donkel sind in den Monaten seit Beginn der Spielzeit die Stücke „Du darfst dein Leben ändern“ und „Am Weltenrand“ einstudiert, geprobt, optimiert und perfektioniert worden. Die Ergebnisse? Unterscheiden sich natürlich vom Repertoire des regulären Ensembles. Wie könnte es auch anders sein? Aber sie sind trotzdem absolut sehenswert. Das liegt zum einen daran, dass die Stücke sich mit großen Themen unserer Zeit auseinandersetzen. Bereits beim „Richtfest“ konnten wir feststellen, dass der Aktualitätsbezug zwar kein unbedingtes Muss für ein gelungenes Stück ist, aber eine klare Bereicherung darstellen kann. Die Themen der beiden Premieren der Erwachsenenclubs - wie die Veränderbarkeit des persönlichen Lebens oder die grundsätzliche Kuriosität des Menschseins - sind zwar eher philosophischer Natur, doch sie betreffen uns alle. Und persönliche Betroffenheit hat Theaterbesuche schon immer besonders gemacht. Dass die Stück sehenswert sind, liegt zum anderen aber natürlich auch an den Protagonist:innen auf der Bühne. Mit viel Leidenschaft und Talent erreichen sie ein Niveau, das keineswegs meilenweit unterhalb der „Profis“ anzusiedeln ist. Ähnlich wie beim Jugendtheater entfaltet sich ein ganz eigener Reiz. Wobei es hier gar nicht um einen Vergleich geht. Viel wichtiger ist die Frage, ob die beiden Stücke in dieser Konstellation überzeugen - und das tun sie. Wer davon nicht überzeugt ist, sollte die Gelegenheit nutzen und sich ein eigenes Urteil bilden. Zu geringen Kosten von 5,- Euro pro Aufführung kann man nun gleich vier Tage ambitioniertes Laienschauspiel erleben; und meist lassen sich die beiden Stücke sogar wunderbar miteinander kombinieren. Das ist zwar eine andere Clubkultur als jene, die zuletzt im Mittelpunkt stand - aber eine, die sich ebenfalls sehen und erleben lassen kann.
- EIN FEST
Der Gang ins Theater ist selbst für die größten Routiniers immer wieder ein Abenteuer. Nicht nur, weil es stets Neues zu sehen gibt, sondern weil man darauf auch reagiert - und sich dabei selbst überrascht. Das ist beim „Richtfest“ nicht anders, das am 22. April im Oldenburgischen Staatstheater seine Premiere feierte - und das ihr nicht verpasst solltet. Denn es ist: ein Fest! Was ist das größte Smalltalk-Thema aller Zeiten? Zumindest für alle ab 30? Genau: die Frage, wie man wohnt - und wie man gerne wohnen würde. Wohnung oder Haus, Altbau oder Neubau, Raumaufteilung, Interior Design: Die Möglichkeiten sind endlos - und ebenso die Meinungen dazu. Gefühltermaßen ist die Präsenz des Themas in den letzten Jahren der kontinuierlichen Preissteigerungen sogar noch gewachsen und hat dabei vieles zugespitzt: Hoffnungen, Zweifel, Frustration. Beste Voraussetzungen also für eine theatralische Aufbereitung - und Zeit für ein Richtfest! Überraschenderweise ist der so zeitgemäße Stoff gar nicht brandaktuell. Das Auftragswerk für das Schauspielhaus Bochum aus der Feder von Lutz Hübner und Sarah Nemitz stammt bereits aus dem Jahr 2012. Doch es ist hervorragend gealtert, nämlich: gar nicht. Alles, was wir in den rund zwei Stunden im Kleinen Haus zu sehen bekommen, wirkt wir just erdacht, voll auf der Höhe der Zeit. Und genau das gilt auch für die Art der Inszenierung von Regisseurin Swaantje Lena Kleff. Aber der Reihe nach. OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER: RICHTFEST VON LUTZ HÜBNER UND SARAH NEMITZ SAMSTAG, 13.05., 20 UHR (KARTEN) DONNERSTAG, 25.05., 20 UHR (KARTEN) MITTWOCH, 31.05., 20 UHR (KARTEN) SONNTAG, 11.06., 20 UHR (KARTEN) SONNTAG, 18.06., 15 UHR (KARTEN) SAMSTAG, 08.07., 20 UHR (KARTEN) OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER KLEINES HAUS THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG Mount Everest des Wohnens Die Handlung des Stücks ist vergleichsweise schnell erzählt: Fünf recht unterschiedliche Parteien wollen unter der Leitung eines ambitionierten jungen Architekten gemeinsam ein Haus bauen. Ein Grundstück in der Goethestraße! Diese einmalige Gelegenheit muss man nutzen, da sind sich alle einig (und sie wäre auch in Oldenburg keine schlechte Option). Doch dafür werden letztlich mehr Zugeständnisse gemacht und mehr Unterscheide übersehen als die Gemeinschaft und die Individuen aushalten können. Dass die bunte Konstellation aus jungen Eltern, alleinstehenden Damen, biederen Best Agern mit aufmüpfiger Tochter, freischaffenden Musiker:innen und einem gleichgeschlechtlichen Paar aus dem gehobenen Bürgertum nicht konfliktlos ablaufen würde, ahnt man von Beginn an - auch wenn zunächst noch eine vermeintliche Harmonie alle Differenzen überdeckt. Man sonnt sich in der wohligen Progressivität der eigenen Entscheidung für diese Wohnform. Generations- und Sozialmilieu-übergreifend ein Haus zu bauen, ist wohl der Mount Everest des Wohnens: Technisch ist die Sache nicht allzu schwer, aber dennoch ist sie mit etlichen Gefahren verbunden, wenn man allzu naiv an sie herangeht. Und deswegen selten. Im Laufe des Stücks entdeckt die Wohngemeinschaft in spe, wie brüchig und flüchtig ihre notariell beglaubigte Zukunftsvision letztlich ist. Verschiedene Entwicklungen verändern die Statik der Gemeinschaft, das Miteinander gerät zunehmend aus den Fugen. und das einst herbeigesehnte Richtfest gleicht zunehmend einer Drohkulisse. Es reicht eben nicht zu wollen - man muss auch können. Optimismus contra Realismus Das Gerüst des Stücks setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Da ist zum einen der bissige Kommentar zum Zeitgeist. Dass viele Häuslebauer:innen sich in erster Linie von Optimismus leiten lassen als von Realismus und mehr faule Kompromisse eingehen als eine Ampelkoalition, ist in jedem Bekanntenkreis zu beobachten. Entlarvend ist dabei, dass Wohnträume heutzutage nicht mehr - wie früher - Träume bleiben dürfen, sondern sich in Stein und Zement manifestieren sollen. Koste es, was es wolle! Diese Überambition bringt - man ahnt es - nicht nur im realen Leben einige Komplikationen mit sich, sondern auch auf der Theaterbühne. Das „Richtfest“ ist aber natürlich auch ein Spiegel fürs Publikum. Und das gilt nicht nur für das Thema Wohnen, selbst wenn es der große Bezugspunkt ist. Entlarvend sind aber auch die Formen der Kommunikation zwischen den Akteuren, in denen sich viele Besucher:innen selbst erkennen dürften. Dazu gehören z.B. die Unfähigkeit die eigenem Wünsche zu artikulieren - oder sich ihrer bewusst zu werden. Aber auch die fehlende Aufmerksamkeit und Sensibilität, den jeweils anderen zu hören und zu verstehen. Der „Traum vom Haus“ wirkt wir ein Gravitationsfeld, das alle Gedanken magnetisch anzieht und verformt. Diese genauen Beobachtungen sind eine große Stärke des Stücks. Und dann ist da ja auch das Wohnen selbst. Zwar bekommt man im Laufe des Stücks keine guten Tipps, wie man angesichts der aktuellen Marktlage noch Schnäppchen in bester Lage findet. Schade! Es gibt jedoch viel Reibungsfläche, an denen man seinen eigenen Vorstellungen vom Wohnen überprüfen kann. Wäre so eine WG etwas für mich? Welche der so unterschiedlichen Parteien verstehe ich am besten? Und was bedeutet das eigentlich für mich? Was ist mir wichtig? Es ist immer wieder wunderbar inspirierend, auf diese Weise zu tieferen Gedanken provoziert zu werden - und das passiert hier im Minutentakt. Der innere Konflikt Wir haben eine Weile mit uns gerungen, ob wir das alles so positiv - oder sogar euphorisch - formulieren. Denn wenn man ins Theater geht und einfach nur Spaß hatte, fürchtet man ja stets, man hätte ein banales Stück gesehen, das nicht ernst zunehmen ist - oder nur die Hälfte verstanden. Das „Richtfest“ aber beweist das Gegenteil, nämlich dass sich Inhaltschwere und Leichtigkeit nicht gegenseitig ausschließen. Denn obwohl die Dialoge - auf verschiedenen Ebenen - messerscharf formuliert sind, bleibt genug Raum für ironische Übertreibungen. Das grenzt natürlich bisweilen an Klamauk, wie immer in solchen Fällen. Das Richtfest bleibt aber meist auf der richtigen Seite, selbst dann, wenn die WG-Bewohner:innen ins spe ihre Bedürfnisse ins Mikrofon singen (!). Dass es dieses Element geben würde, war uns im Vorfeld bekannt - und wir wären jede Wette eingegangen, dass es an dieser Stelle arg „cringt“. Aber nein: Die bewusst schnulzigen Songs funktionieren überraschend gut und sorgen selbst für viele Lacher. Keine Zweifel Und am Ende steht die Frage: Wenn ich mich so prächtig unterhalten habe wir hier, wenn ich laut gelacht habe und leise geaschmunzelt, wenn ich also aus dem Theater gehe mit dem Gefühl, einfach eine gute Zeit gehabt zu haben - kann das alles dann relevant gewesen sein? Substanziell? Intelligent? Unsere Antwort lautet: Ja, kann es. Noch nie haben sich diese Dinge gegenseitig ausgeschlossen, oft waren die Kombinationen aus Humor und Inhalt aber unstimmig. Nicht jedoch das „Richtfest“! Hier bilden Zeitgeist, Zuspitzungen und Witz eine mitreißende Mischung, die zwar bestens unterhält, aber dennoch Relevanz besitzt, Das ist Theater für Menschen, die es lieben - und für Menschen, die damit bisher nichts anfangen konnten. Dass dieser Spagat gelingt, ist bemerkenswert und spricht für die Umsetzung in Oldenburg. Nehmt auch also die Zeit und besucht die illustre Wohngemeinschaft im Kleinen Haus. Wir versprechen: Das wird ein Fest!
- LAUTER FEIERTAGE!?
Den Mai muss man lieben, denn so viele Feiertage wie in diesem Monat gibt es nicht einmal zu Weihnachten. Wir meinen an dieser Stelle allerdings nicht etwa den Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt oder Pfingsten - sondern die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. An sie kann man am 8. oder 9. Mai erinnern - aber auch am 10. Mai, wie nun das Projekt „Wider-Worte“ von Studierenden der Carl von Ossietzky Universität zeigt. Sie ist noch nicht lange her: Die letzte Diskussion darüber, was wir Deutschen feiern sollten und was nicht. Vor der Einführung des Reformationstags als Niedersächsischer Feiertag im Jahr 2018 befanden sich viele Vorschläge in der Lostrommel. Ob mit der protestantischen Erinnerung an das Jahr 1517 das richtige Datum gefunden wurde, darf man mit Blick auf die Zahl der Kirchenaustritte zumindest infrage stellen. Würde es im Mai nicht schon so viele Feiertage geben, hätte etwas anderes sehr viel näher gelegen. Man braucht nur ins benachbarte Ausland zu schauen: Dort werden der 5. Mai (Niederlande) oder der 8. Mai (Frankreich, Tschechien) als ein Tag der Befreiung gefeiert, übrigens auch in der DDR. In Russland fällt das Fest auf den 9. Mai, weil die Ratifizierung der bedingungslosen Kapitulation um 23.01 Uhr erfolgte und es wegen der zweistündigen Zeitverschiebung in Moskau schon nach Mitternacht war. So oder so ist diese Haltung richtig, denn eine Befreiung war dieser Tag tatsächlich. Nicht etwa von den Deutschen, sondern von den Nationalsozialisten - auch wenn diese beiden Gruppen damals weitgehend deckungsgleich waren. Wegen dieser Feinheit ist es Deutschland aber keineswegs unmöglich, dieses Ereignis ebenfalls zu feiern. Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat diese Lesart im Jahr 1985 sozusagen offiziell gemacht. Diese Ansage hätte es aber gar nicht gebraucht, denn wer halbwegs bei Verstand ist, würde das Ende des Zweiten Weltkriegs immer in diese Richtung interpretieren, nicht etwa als Niederlage. WIDER-WORTE: GEDENKEN AN DIE BÜCHERVERBRENNUNG EIN PROJEKT VON STUDIEREN DER CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT Mittwoch, 10. Mai, 14 Uhr Auftaktveranstaltung Aula der Universität, Uhlhornsweg 49-55 Mittwoch, 10. Mai, 18 Uhr Unikino Gegenlicht: „Nelly & Nadine“ Bühne 1, Uhlhornsweg 49-55 Donnerstag, 11. Mai, 12.30 Uhr Workshop Bücherbinden Universität Oldenburg, Gebäude V03, Raum 0-C001 Ammerländer Heerstraße 136 Donnerstag, 11. Mai, 20 Uhr Lichtenstein liest... Texte aus der Freiheitsbibliothek in Zusammenarbeit mit der Sparte 7 des Staatstheaters Buchhandlung Bültmann und Gerriets Lange Straße 57 Freitag, 12. Mai, 16 Uhr Workshop Bücherbinden Horst-Janssen-Museum, Atelier „Bildung und Vermittlung“ Am Stadtmuseum 4-8 Samstag, 13. Mai, 15 Uhr Kinderworkshop im Rahmen der Papierwerkstatt: Bücherbinden Horst-Janssen-Museum, Atelier „Bildung und Vermittlung“ Am Stadtmuseum 4-8 Montag, 15. Mai, 16 Uhr Workshop: Die ‚Wider-Worte‘ von Mark Zusaks „Bücherdiebin“ Eine philosophische Begegnung Karl-Jaspers-Haus Unter den Eichen 22 Es geht noch weiter Trotz allem sind weder der 8. noch der 9. Mai in Deutschland bzw. Niedersachsen Gedenktage geworden. Der Reformationstag war höchstwahrscheinlich konfliktfreier und aus Perspektive der Arbeitnehmer:innen gilt vielleicht das Prinzip: Hauptsache frei. Dennoch sollten wir diese Tage - unabhängig von ihrem Status - dazu nutzen, um uns a) an die unfassbare Grausamkeit dieser Zeit zu erinnern, aber b) auch darüber freuen, dass sie vorbei ist. Hier darf man ebenfalls bei unseren Nachbar:innen abgucken, denen eben jene Balance aus angemessener Schwere und befreiender Leichtigkeit meistens gut gelingt. Es gibt aber noch einen weiteren Tag, der für ein Gedenken infrage gekommen wäre - oder der sich besser gesagt geradezu aufdrängt: Nämlich der 10. Mai. Dieser Blick zurück würde allerdings nicht am Ende des Zweiten Weltkriegs ansetzen, sondern noch vor dessen Anfang bzw. an dessen Wurzel, nämlich am 10. Mai 1933. Damals verbrannten die Nationalsozialisten - u.a. auf dem Bebelplatz in Berlin - Bücher von „entarteten“, jüdischen oder politisch geächteten Autor:innen und setzten damit eine intellektuelle Bereinigung in Gang, die den Niedergang der gesellschaftlichen Offenheit immens beschleunigte. Wenn Presse, Literatur und Meinungsäußerung nicht mehr frei sind, fehlt den Menschen die Luft zum atmen, denken, fühlen. Schutzlos sind sie in solchen Fällen der nationalen Propaganda-Maschinerie ausgeliefert - auch in der Gegenwart, wie das Beispiel Russland aktuell zeigt. Diesen 10. Mai muss man daher als ein Fanal werten, das alles weitere erst möglich machte. Trauern? Feiern? Erinnern! Mit dem Projekt Wider-Worte - und den damit verbundenden Veranstaltungen - erinnern nun Studierende der Carl von Ossietzky Universität an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten vor neunzig Jahren. Nicht nur in Berlin, auch in 22 weiteren deutschen Städten wurden damals tausende Bücher verbrannt, darunter auch Schriften des Namensgebers der Universität. Mit ihrem ambitionierten Projekt will die Gruppe an das historische Ereignis und seine Folgen erinnern und darüber hinaus ein Zeichen für die Kultur der Schriftlichkeit setzen. Geradezu genial ist in diesem Zusammenhang das Angebot von Buchbinder-Kursen - gewissermaßen eine Selbstermächtigung für den Ernstfall, gleichzeitig aber auch eine Ode an das Buch. Die Bewahrung der Schriftlichkeit scheint tatsächlich wichtiger zu werden, denn mit dem fortschreitenden Rückzug der Tageszeitungen aus den privaten Haushalten - und damit bereits aus manchen Regionen - erodiert die gesellschaftliche Diskursqualität immer weiter. Das Internet kann bisher keine vergleichbaren Alternativen schaffen bzw. wirkt es bisweilen eher als Brandbeschleuniger (sic!), zumal dort die Unterscheidung zwischen wahr und falsch immer schwerer fällt. Der Kulturschnack schätzt Printprodukte sehr und unterstützt diesen Vorstoß ausdrücklich. Schließlich gilt nach wie vor, was Heine vor zweihundert Jahren aufschrieb, was aber vor neunzig Jahren sträflich in Vergessenheit geriet. „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine, 1823) Danken muss man an dieser Stelle Prof. Dr. Susanne Möbuß, Dozentin für Philosophie an der Universität, auf deren Anstoß das wichtige Projekt zurückgeht. Aber auch die vielen Kooperationspartner:innen - wie Unikino Gegenlicht, Bültmann und Gerriets, Horst-Janssen-Museum, Sparte 7 des Staatstheaters und das Karl-Jaspers-Haus - zeigen Gespür und Haltung. Nicht zuletzt waren es aber die Studierenden, die mit großem Engagement und guten Ideen aus einer guten Anregung eine attraktive Veranstaltungsreihe machten. Chapeau! Die nächste Diskussion Die große Bereite an Unterstützer:innen ist ein gutes Signal dafür, dass die Bedeutung von Schriftstücken eine große gesellschaftliche Einigkeit sowie eine entsprechende Sensibilisierung herrscht. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um Fehler der Geschichte nicht zu wiederholen. Eines fehlt aber noch: Eure Beteiligung. Zwar ist die Anmeldefrist für die Buchbinder-Kurse längst abgelaufen und viele es nicht einrichten können, die Veranstaltungstermine in ihre Tagesabläufe zu integrieren. Irgendwas ist ja immer. Aber das macht nichts - solange man dieses Angebot nutzt, um sich selbst den einen oder anderen klugen Gedanken zu machen. Begegnen, Sprechen, Erinnern - dafür bietet das Projekt Wider-Worte zwar den idealen Rahmen, der Dreiklang funktioniert aber auch auf privater Ebene. Wichtig ist, dass wir keinen dieser Termine je vergessen: Nicht den 8. Mai, nicht den 9. Mai und auch nicht den 10. Mai. Wenn sie offizielle Gedenktage wären, würde das sicher helfen, doch die Politik hat anders entschieden. Deshalb hoffen wir einfach auf bessere Ergebnisse bei der nächsten Diskussion darüber, was wir Deutschen feiern sollten und was nicht. Auch wenn es im Mai schon lauter Feiertage gibt.
- K(L)EINE UNTERSCHIEDE
Theaterspielen hat viele Vorteile. Einer davon: Es eröffnet die Möglichkeit, die Rollen zu tauschen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das ist nicht nur einen spannende Erkundung fremder Realitäten, sondern hilft auch dabei, die Standpunkte anderer Menschen zu verstehen. Diese wertvolle Erfahrung ermöglicht das Jugendtheater Rollentausch aus Kreyenbrück - seit mittlerweile 25 Jahren. Wir alle spielen Rollen. Und zwar nicht nur auf der Bühne, sondern auch im realen Leben, in unseren gewöhnlichen Alltagen. Denn wer kann von sich behaupten, immer ganz „man selbst“ zu sein? Das sind wir nur dort, wo wir uns sicher und wohl fühlen. Sonst? Sind wir und unser Verhalten beeinflusst von der Welt, die uns umgibt, von unserer Sicht auf sie und von den Außenwirkungen, die wir uns erhoffen. Tag für Tag sind wir also mit unserer eigenen Rolle beschäftigt, so dass man selten dazu kommt, sich intensiv in andere hineinzuversetzen. Es sei denn: man spielt Theater. Dort gehört es zu den grundsätzlichen Prinzipien, dass man ganz bewusst jemand anderes ist als man selbst. Der Rollentausch weckt Bewusstsein für die die Perspektiven von anderen - führt aber unweigerlich auch zur Reflexion der eigenen Sichtweise. Eine doppelter Gewinn! Aber das ist noch mehr, Und das spürt man besonders gut beim Jugendtheater Rollentausch, das nun sein Jubiläum feiert. 25 JAHRE JUGENDTHEATER ROLLENTAUSCH: „DER TAG, AN DEM RD FAST GERETTET WURDE“ PREMIERE DONNERSTAG, 11. MAI, 19.30 UHR THEATER WREDE+, KLÄVEMANNSTRAßE 16, 26122 OLDENBURG SAMSTAG, 10. JUNI, 14 UHR FESTIVAL DER BLAUEN KÜNSTE KLÄVEMANNSTRAßE 9, 26122 OLDENBURG MONTAG, 26. JUNI, 18 UHR JUGENDTHEATERTAGE EXERZIERHALLE, JOHANNISTRAßE 6, 26121 OLDENBURG >>>FLYER<<< >>> TICKETS <<< Jugendlich mit fünfundzwanzig Alles begann mit einer Bitte. Geäußert wurde sie Ende der Neunziger Jahre - vielleicht mit der Hoffnung auf eine positive Reaktion, aber sicher nicht mit der Erwartung, eine Veränderung anstoßen, die ein Vierteljahrhundert Bestand haben würde und die selbst nach dieser langen Zeit längst nicht auserzählt wäre. „Anlass für die Gründung war die erfolgreiche Arbeit des ersten Stadtteil-Jugendtheaters in Ohmstede“, erinnert sich Jörg Kowollik von Jugendkulturarbeit e.V., der das Jugendtheater zusammen mit Verena Schweicher leitet. „Mit Blick auf das von Dettmar Kramer gegründete Kurlandtheater kam die damalige Leiterin der Freizeitstätte Bümmerstede Anne Thein auf mich zu und wollte auch ‘so etwas' haben.“ Diese Bitte fiel bei Jörg auf fruchtbaren Boden: Ein Ferienworkshop mit dem Titel "Romeo liebt Julia und Julia hat keine Lust" wurde durchgeführt - mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten danach weitermachen wollten. Der Grundstein für das Theater war damit gelegt. Warum ließ sich Jörg sofort für diese Idee begeistern? „In die Stadtteile zu gehen war von jeher unsere Ausrichtung“, erzählt der Theaterpädagoge. „Wir wollten 'Theater für alle' anbieten und so auch Kinder und Jugendliche erreichen, die ansonsten mit den damals noch sehr zentrumsorientierten Kulturangeboten nicht in Kontakt kamen.“ Unter anderem deshalb kooperiert „Rollentausch“ auch mit der IGS Kreyenbrück und der Jugendfreizeitstätte Kreyenbrück. Und all das geschieht mit großem Erfolg: Im Laufe der Jahre haben nicht weniger als 150 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren kleine Theaterkarrieren beim „Rollentausch“ durchlaufen, längst gehört die Gruppe auch zum großen Netzwerk der Stadtteiltheatergruppen der Jugendkulturarbeit. Jugendtheater: Wie fühl sich das eigentlich an? Hier geben ehemalige Beteilige einen Einblick ins Theaterleben. (Video: Jugendkulturarbeit e.V.) Passgenaues Puzzlestück Das Theaterangebot in Kreyenbrück schient also einen Nerv getroffen zu haben. Doch wie ist der große Erfolg zu erklären? Das liegt nach Jörgs Einschätzung nicht zuletzt daran, dass Theater immer Teamwork ist: „Die Jugendlichen genießen es, sich in den Gruppenprozessen kreativ auszutauschen, ihre Ideen und Erfahrungen miteinander zu verhandeln und einer großen Öffentlichkeit vorzustellen.“ Dabei trage gerade die Gruppe und das gemeinsame Erleben - etwa der Bühnenabenteuer, der (internationalen) Ausflüge, der Straßenperformances - zu einer intensiven, positiven Erfahrung bei. „Herausragenden Erlebnisse sind immer die Theaterfahrten zum Theaterhof 'Kleine Welten' nach Wapeldorf“, erzählt Jörg. „Dort proben wir mehrere Tage intensiv und ohne WLAN. Diese Fahrten haben Legendenstatus und die Erlebnisse werden von Generation zu Generation weiter erzählt.“ Immer wieder entstünden sehr vertrauensvolle und starke Gruppenbindungen, die selbst das Ende der gemeinsamen Theaterzeit überdauern. Viele Ehemalige treffen sich auch heute noch, obwohl sie inzwischen längst andere Rollen haben - nämlich jene der Berufstätigen und Eltern. Und der einstige Leiter? Gerät der etwa in Vergessenheit? Jörg schmunzelt: „Nein, nicht ganz. Ich freue mich immer sehr, wenn ich hin und wieder zu besonderen Festen wie z.B. Hochzeiten eingeladen werde.“ Diese langfristigen Bindungen zeigen: Das Jugendtheater Rollentausch mehr als nur ein Zeitvertreib, sondern eine dauerhaft prägende Lebensphase. Mehr als ein Zeitvertreib Es ist aber nicht nur die gemeinsame Erfahrung, die das Theaterspielen so wertvoll macht - es sind auch die Inhalte, mit denen die Jugendlichen sich auf der Bühne auseinandersetzen. „Das Jugendtheater greift spannende gesellschaftliche Themen auf und bearbeitet diese aus der Perspektive von Jugendlichen“, beschreibt Jörg das Prinzip. Die Jugendlichen würden zwar nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie für Jugendliche spielen. Dadurch hätten sie eine ganz andere Intensität und einen sehr guten Zugang zu den Gleichaltrigen. „Diese theaterpädagogische Stadtteilarbeit ist enorm anschlussfähig und begeistert jährlich ca. 500 Jugendliche, zum Beispiel über die Schulvorführungen.“ Und da wäre ja noch etwas, nämlich der namensgebenden Rollentausch. Zwar gebe es hier und da durchaus mal Anlaufschwierigkeiten, wenn es darum gehe, in die Gedankenwelt einer andere Person einzutauchen und auf der Bühne jemand anderes zu sein als man selbst. Doch das lege sich schnell und eröffne den Jugendlichen faszinierende Möglichkeiten. Keine B-Lösung Nun könnte man denken: Gut, klingt nett, aber das ist ja nur Jugendtheater. Auch noch im Stadtteil. Was geht mich das an, was hab ich davon? Und diese Gedanken sind absolut legitim. Schließlich stimmt es, dass es Stücke von Schüler:innen gibt, deren Reiz sich eher über eine genetische Verbindung zu den Protagonist:innen erschließt. Nicht so aber beim Jugendtheater Rollentausch. Hier sind die Ergebnisse durchaus elaboriert - und sie haben einen großen Vorteil: Den Vibe und den Drive der Jugend. Wir haben früher schon mal erklärt, warum Jugendtheater keine B-Variante eines „echten“ Theaterstücks ist. Vielleicht können die jungen Schauspieler:innen tatsächlich nicht so viel Personality und Lebenserfahrung in ihre Rollen stecken. Point taken. Dafür aber werfen sie eine Spielfreude und Leidenschaft in die Waagschale, die man anderswo manchmal vermisst - und die in einem positiven Sinne ansteckend und mitreißend ist. Jugendtheater ist also definitiv eine andere Erfahrung als die Stücke von, mit und für Erwachsene - aber definitiv keine schlechtere! Achtung, Aliens! Das zeigt auch das neue Stück der Gruppe, das nun anlässlich des Jubiläums seine Premiere feiert. Bei „Der Tag, an dem RD fast gerettet wurde“ gibt es nämlich einen einen ganz besonderen Perspektiv-Wechsel: Aliens beobachten die Erde - und bemerken dabei Katastrophen und Kuriositäten. Das Theaterstück nimmt das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise. Das Jugendtheater und die Theater AG der IGS Kreyenbrück blicken in diesem Jahr durch die Sinnesorgane von Aliens und mit viel Humor auf den Planeten RD. Dabei stehen bedrohte Insektenarten und ein sehr dominantes parasitäres Wesen im Zentrum der Forschung und es zeigt sich, wie wichtig auch die kleinen Dinge im Leben sind. „Das ist lustig und macht nachdenklich zugleich“, findet Jörg - und weckt damit neugierige Vorfreude auf die Umsetzung. Hoffentlich: Nicht nur bei uns! Der eigene Rollentausch Wer sich noch nie eine Jugendtheaterstück angesehen hat, indem die eigenen Kinder (falls vorhanden) nicht mitgewirkt haben, hat jetzt die ideale Gelegenheit dazu, Die Jubiläumsinszenierung bietet nämlich die Gelegenheit zum eigenen Rollentausch: Vom desinteressierten Skeptiker zum neugierigen Enthusiasten. Das lohnt sich mehrfach, denn das Stück ist inhaltlich relevant und es eröffnet die - relativ seltene - Möglichkeit, auch die eigene Rolle im Alltag zu hinterfragen. Und nicht zuletzt werdet ihr feststellen: Im Vergleich zur großen Bühne, erwachsenen Ensembles und bekannten Schauspieler:innen gibt es: k(l)eine Unterschiede!
- KOLUMNE: VOM WEGGEHEN UND WIEDERKOMMEN
Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Spielzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier. Ab und zu habe ich einen Gedanken, der mich stets aufs Neue fasziniert. Und zwar stelle ich mir vor, ich wäre eine andere Person und würde mein Leben von außen betrachten, unwissend und unvoreingenommen. Was würde ich sehen? Wie würde ich all diese Dinge erleben, die für mein reales Ich Alltag und Routine sind, für diese außenstehende Person aber neuartig und ungewohnt? Eine spannende Frage, die immer wieder dabei hilft, die wunderbare Einzigartigkeit seines Lebens - und seine Dankbarkeit dafür - wiederzuentdecken. Jetzt hatte ich in doppelter Hinsicht die Gelegenheit, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Zum einen habe ich eine längere Reise genommen, die nicht – wie üblich – Wochen dauerte, sondern Monate. Um es auf das Nötigste zu reduzieren: Es war unfassbar, in einem wortwörtlichen Sinne. Mein Verstand war nicht in der Lage, vollends zu verarbeiten, was ich sehe und erlebe. Und diese Unfähigkeit fühlte sich – paradoxerweise – extrem gut an. Zurück aus der Diaspora Zum anderen gab es eine direkte Folge dieser Abwesenheit: Ich konnte nach meiner Rückkehr unwissend und unvoreingenommen wieder in die Kulturszene eintauchen. Genau wie diese Person, die ich mit immer wieder vorstelle, bin ich zurück nach Oldenburg gekommen, ohne in den vergangenen Monaten auch nur eine einzige Information oder Nachricht von hier bekommen zu haben. Das war „Total Detox“. Und so schwer es anfangs auch fiel, auf Oldenburg zu verzichten, so gut tat es irgendwann auch – und so spannend war dann die Rückkehr aus der Diaspora. Vielleicht das Schönste daran: Nachdem ich zunächst noch dachte, dass ja alles einigermaßen ruhig (gewesen) sei, wurde ich schnell eines Besseren belehrt: Was ich zwischenzeitlich verpasst habe und was in den kommenden Wochen noch ansteht, ist auf seine Weise unfassbar. Vielleicht nicht so episch wie mancher Ausblick auf gigantische Naturschauspiele – aber eben auch faszinierend. Nach Ostern begeisterten mich z.B. Ausstellungen wie jene von James Newitt im Edith-Ruß-Haus oder Bernhard Fuchs im Kunstverein, Theatererlebnisse wie „Richtfest“ im Kleinen Haus, aber auch das Klubfestival „Metropoly“. Und so ähnlich wird es auch weitergehen, z.B. mit dem „QRtiert“-Projekt, das der Technical Ballroom zusammen mit OFFIS realisiert. Hier können die Oldenburgerinnen und Oldenburger eigene Bilder einreichen und damit Teil einer Ausstellung werden, die von einer KI für jeden Gast persönlich kuratiert wird. Also: Augen offenhalten und mitmachen! Sydney? Oldenburg! Die Bandbreite dieser Aufzählung deutet es schon an: Die Oldenburger Kulturszene bietet unglaublich viel. Und ich kann ergänzen: Sie muss sich auch international nicht verstecken. Natürlich kann man neidisch auf die weltberühmte Oper in Sydney schauen, auf die vielfältige Musikszene Neuseelands oder die faszinierende Geschichte Kambodschas. Meine Erkenntnis ist aber, dass Oldenburg für seine Größe nicht nur viel, sondern auch viel Gutes zu bieten hat. Um das zu erkennen und genießen, muss man zum Glück nicht monatelang unterwegs sein. Das erschließt sich auch von allein. Es hilft aber immer, wenn man mit den neugierigen Augen eines Außenstehenden auf die Dinge schaut. Dann erkennt man den Reiz der Dinge oft viel besser, als wenn man den inneren Kunstkritiker bestimmen lässt. Und es hilft dabei, die wunderbare Einzigartigkeit seines Lebensmittelpunkts - und seine Dankbarkeit dafür - wiederzuentdecken.
- AN EINEM STRANG
Am 5. Mai ist der deutschlandweite Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Aber warum nur ein einzelner Tag, wenn das Thema so bedeutend und vielfältig ist, dass man auch mit Leichtigkeit mehr als eine ganze Woche daraus stricken könnte! Wie auch in den letzten Jahren, gestaltet bei uns deshalb ein breites Bündnis unterschiedlicher Initiativen die inzwischen 12. Oldenburger Inklusionswoche, die bereits morgen beginnt! OLDENBURGER INKLUSIONSWOCHE 03. MAI - 13. MAI 2023 DEMO DER VIELFALT SA., 06. MAI 2023 TREFFPUNKT: HAUPTBAHNHOF OLDENBURG ZUM VOLLSTÄNDIGEN VERANSTALTUNGSPROGRAMM: WWW.OL-INKLUSIV.DE Gestern erst war der 01. Mai, Feiertag und Tag der Arbeit. Der Arbeiterbewegung gewidmet, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA für die Einführung des 8 Stunden Tags mit Massenstreiks kämpfte, weil zuvor der 12 Stunden Tag völlig üblich war. Manchmal vergisst man es nur allzu leicht und wir sollten uns daran erinnern, dass Dinge wie ein Wochenende oder auch der 8-Stunden Tag das Ergebnis eines stetigen Einsatzes für bessere Arbeitsbedingungen sind. Und auch heute geht diese Debatte weiter, wenn beispielsweise die Einführung einer 4-Tage Woche immer wieder aufs Neue ins Spiel gebracht wird. Gute Arbeit - überall & für alle! Wie treffend also, dass sich auch das diesjährige Thema der Oldenburger Inklusionswoche rund um "Gute Arbeit" dreht und somit eigentlich nahtlos an den vergangenen Feiertag anschließt. Denn wie kaum etwas sonst, hat Arbeit natürlich eine riesige gesellschaftliche Bedeutung für uns alle in positiver Hinsicht. Da wären erstmal die offensichtlichsten Punkte: für einen großen Teil der Menschen ermöglicht sie, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man arbeitet und erhält im Gegenzug ein Gehalt. So weit so klar. Doch darüber hinaus erfüllt der Faktor Arbeit in zweiter Instanz natürlich noch ganz andere Gesichtspunkte, die über das reine "Geld verdienen" weit hinausgehen, wie die eigene Persönlichkeitsentwicklung, Identitätsbildung und sozialen Austausch zu fördern. Arbeit ermöglicht also gesellschaftliche Teilhabe und spielt eine wichtige Rolle in der Inklusionsdebatte. Deshalb fragt sich das Team des Aktionsbündnisses 05. Mai völlig zu Recht, wieso beim Begriff der Inklusion so gut wie ausschließlich nur über Schulen und den Bildungsbereich, nicht jedoch über den regulären Arbeitsmarkt gesprochen wird. "Für uns bedeutet Inklusion am Arbeitsplatz eine Bereicherung für die gesamte Gesellschaft, indem Vielfalt und Verständnis gefördert werden und auch Entschleunigung in der hektischen Arbeitswelt geschaffen wird." - Aktionsbündnis 05. Mai Denn bis heute herrschen große Barrieren für Menschen mit Einschränkungen beim Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt, weshalb es das Bündnis als seine Aufgabe ansieht, denjenigen eine Stimme zu geben, die gesellschaftlich nicht genug Gehör finden. Mit der Inklusionswoche soll auf eben diese strukturellen sowie systematischen Hindernisse hingewiesen werden mit der Forderung und dem Ziel, dass jeder Mensch entsprechend seiner Fähigkeiten einen gleichwertigen Beitrag leisten kann und seine Arbeit als gute Arbeit versteht. Die eigentliche Barriere, die herrsche nämlich meistens in den Köpfen der Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass es auch anders gehen könnte. Die Vielfalt leben Hinter dem Bündnis selbst versammeln sich auch in diesem Jahr zahlreiche Selbsthilfe- und Interessensvertretungen, Institutionen, Vereine, Arbeitskreise und Aktivistinnen und Aktivisten. Denn, so erzählen die beteiligten Akteure selbst, sei es gerade für die gesellschaftliche Gesamtentwicklung von entscheidender Bedeutung, seine Kräfte gemeinsam zu bündeln und nicht nur in den Schranken seiner eigenen Wirkungsbereiche zu denken. Vor allem könne man so die eigene Botschaft viel besser hinaus in die Stadt tragen. Apropos: "Hinaustragen" ist dabei genau das richtige Stichwort. Denn am kommenden Samstag, dem 06. Mai 2023 findet auch die "Demo der Vielfalt" statt, bei der gelebte Inklusion demonstriert aber natürlich, ist ja schließlich eine Demonstration, auch gefordert wird! Alle Oldenburgerinnen und Oldenburger sind eingeladen dabei mitzumachen und mitzuhelfen. Und die Kultur? Die ist selbstverständlich ebenso mit von der Partie und engagiert sich vor sowie während der Inklusionswoche mit Veranstaltungen und Programmpunkten:
- AUF ALLE SINNE
Bei Menschen außerhalb der Techno-Szene gab es bisher das Vorurteil, dass diese Musik vor allem eines tut: ballern. Im Club gibt's was auf die Ohren, so viel war immer klar. Das mag hier und da auch so sein (und nichts daran ist verkehrt), doch das ist eben längst nicht alles. Viele aktuelle Veranstaltungen aus diesem Bereich zeigen sich experimentierfreudig und vielfältig, kombinieren Musik mit Kunst und Kontext zur Clubkultur. Ein sehr gutes Beispiel dafür: „Club:Simulation 2“ - vom 4. bis 6. Mai im Metro Club. Tatsächlich sollte man seine Vorurteile über Techno - sofern vorhanden - größtenteils über Bord werfen, wenn man sich der „Club:Simulation 2“ annähern will. Das fängt bereits mit der Uhrzeit an: Die Eröffnung der dreitätigen Veranstaltung findet nämlich nicht etwa Sonntagmorgen um sieben statt, auch nicht Freitagnacht um drei, sondern - überraschend alltagskompatibel - am Donnerstag um 19 Uhr. Sagen wir mal so: Das entspricht nicht den Zeitplänen einer üblichen Techno-Party. Aber das ist nur konsequent, denn genau das ist die „Simulation“ ja auch nicht. Sie will viel mehr als nur Raum zum Tanzen und Feiern bieten. Und soweit sich das im Vorfeld sagen lässt, löst sie dieses Versprechen auch ein. Denn neben House- und Techno-Sounds vom DJ-Pult werden auch verschiedene Kunstwerke zu sehen sein und über die Clubkultur als solcher gesprochen. EXITOCIN KOLLEKTIV: CLUB:SIMULATION 2 KUNST - CLUBKULTUR - DJS DONNERSTAG, 4. MAI, 19 UHR FREITAG, 5. MAI, 19 UHR SAMSTAG, 6. MAI, 21 UHR METRO CLUB ACHTERNSTRASSE 18 26122 OLDENBURG Bindung und Ausbruch Verantwortlich zeichnet dafür das Exitocin Kollektiv. Noch nicht davon gehört? Keine Sorge, das liegt nicht an euch: „Exitocin existiert erst seit etwa anderthalb Jahren“, erklärt Stephan stellvertretend für die Gruppe. „Wir sind ein Zusammenschluss von sechs Personen, teilweise DJs, die aus Oldenburg, Bremen, Osnabrück und Münster kommen.“ Dass sie zusammenfanden, ist aber kein geographischer Zufall, sondern hat eine inhaltliche Ursache: „Uns liegt viel daran, dass der Club ein sicherer, fairer und bildender Ort ist.“ Und in diese gemeinsame Haltung passt das Format „Club:Simulation“ perfekt. Volles Programm: Wer sich am ersten Maiwochenende im Metro langweilt, möchte das wahrscheinlich auch. (Slides: Exitocin Kollektiv) Aber wieso eigentlich „Exitocin“? Das klingt einerseits nach einem verschreibungs-pflichtigen Medikament, andererseits nach einem Fluchtweg aus dem Alltag. „Nahe dran“, kommentiert Stephan, muss dann aber doch präzisieren: „Der Name leitet sich vom Bindungshormon Oxytocin ab.“ In der Kombination mit dem Wort Exit gehe es darum, aus Konventionen auszutreten und sich mit anderen Personen zu connecten. „Wir wollen aber auch nicht alles erklären. Besuchende der Club:Simulation können vielleicht am eigenen Leib spüren, was mit diesem Austreten und sich verbinden gemeint ist.“ Mehr als eine Clubnacht Und was erwartet euch? Man kann sich das in etwa vorstellen, wie eine Clubnacht plus X. „Die Musik ist weitestgehend im Bereich Techno und House angesiedelt“ beschreibt Stephan die akustische Dimension. „Wir haben wunderbare und talentierte DJs eingeladen, die für sich zu begeistern wissen.“ Ein idealer Einstieg in die Materie sei die Eröffnung am Donnerstag, bei der es auch einiges 80s Sounds zu hören gäbe - und die übrigens gratis ist. Dann hat man auch die Gelegenheit, sich mit Kunst und Kontext zu beschäftigen. Und die haben für das Exitocin Kollektiv eben eine besondere Relevanz: „Die Inhalte sind für jede Person interessant“, deutet Stephan eine gesamtgesellschaftliche Tragweite an. „Die Missstände, die wir aufzeigen, sind strukturelle Probleme, die auch außerhalb des Clubs gelten. Wir freuen uns über jede Person die kommt und für die Inhalte offen ist.“ Die ausgestellte Kunst ist also keineswegs nur Dekoration, sondern viel mehr: Denkanstoß und Diskussionsgrundlage. Aber warum dieser Ansatz? Was hat den Ausschlag gegeben? Die Antwort ist ebenso einfach wie einleuchtend: „Sich im Club-Kontext zu reflektieren ist genauso wichtig wie in anderen Teilen des Lebens. Wir versuchen, für ersteres Denkanstöße zu geben.“ Ernsthaftigkeit und Ekstase Nun würde das wenig nutzen, wenn der Funke nicht überspringt, sprich: Kunst und Konzept nicht überzeugen können. Doch diese Befürchtung lässt sich leicht zerstreuen: Die beteiligten Künstler:innen besitzen hohes Niveau, bieten neue Blickwinkel und regen zum Nachdenken an. Sie sind aber nicht etwa - wie man vermuten könnte - durch ein aufwändiges Bewerbungsverfahren entdeckt worden, sondern stammen allesamt aus dem Freund:innen- und Bekanntenkreis des Kollektivs. „Wir wollen damit eine vertraute Atmosphäre auf unseren Veranstaltungen schaffen“, erklärt Stephan den Ansatz. Kein Problem - wenn man so kreative und talentierte Menschen um sich hat. Shout out: Genau wie der Kulturschnack hat auch das Exitocin Kollektiv einen Podcast am Start. Der gibt gleichzeitig einen guten Überblick, was euch musikalisch erwartet. Glücksfall Corona Wunderbar ist zudem, dass sie sich auch alle vor Ort treffen können. Das war bei den ersten Ideen für das Konzept keineswegs sicher: Die Club:Simulation war zunächst nämlich auf die Pandemie zugeschnitten. „Wir wollten den Raum Club unter den Bedingungen der Corona-Restriktionen auf eine neue Weise zugänglich machen. Dabei sollte der Fokus auf Kunst und Reflexion liegen.“ Der Aspekt der Musik, aufgelegt durch DJs, sei erst mit der Zeit, aufgrund der fallenden Restriktionen zustandekommen. Zum Glück! Denn so lässt sich die Veranstaltung in diesen wunderbaren Sätzen zusammenfassen: „Die Club:Simulation ist Zusammenspiel aus drei Elementen: Musik, Kunst und Reflexion. Sie ist ein Ort der Ernsthaftigkeit, der Freude, der Ekstase und vor allem des Austausches.“ Ein Grund mehr, sich über das Ende der Pandemie zu freuen. Und auch wenn unser Alltag längst wieder alltäglich erscheint, sollte man das vielleicht sogar feiern. Zum Beispiel am 4., 5. und 6. Mai im Metro Club. Dort gibt es nicht nur etwas auf die Ohren, sondern auf alle Sinne!
- ES GEHT UM SEX
Die Älteren unter uns erinnern sich: Anfang der Neunziger konnte man dem Hit „Let's talk about sex“ von Salt-N-Pepa nicht entkommen. Akustisch war das eine Zumutung, inhaltlich allerdings nicht. Denn seltsamerweise sind Gespräche über Sex ja offenbar immer noch das komplizierteste Thema der Welt! Deshalb ist es gut, wenn jemand Klartext spricht - wie Mohamed Amjahid, der nun mit seinem aktuellen Buch beim Feministischen Referat der Carl von Ossietzky Universität zu Gast ist. Es ist ein alter Hut: Wer an Schwarzen Brettern - zum Beispiel in der Uni - ganz sicher Aufmerksamkeit bekommen möchte, schreibt einfach ganz dick SEX!! über sein Anliegen. Selbst wenn es danach um Balkongärtnern oder Rezepte geht, ist ein gewisses Interesse gesichert. Der Köder wirkt. Solche Methoden hat Mohamed Amjahid freilich nicht nötig. Den Trick könnte der 35-jährige Journalist aber trotzdem anwenden, denn in seinem aktuellen Buch geht es tatsächlich um Sex. Der Titel lautet entsprechend „Let's talk about sex, Habibi“ (Piper Verlag). Und diese fünf Worte sind weit mehr als eine popkulturelle Referenz an die Neunziger. Ihr Aufforderungscharakter impliziert nämlich, dass Sex kein Thema ist, das man hierzulande vollkommen unverklemmt bespricht. Außerdem geben sie einen Hinweis darauf, dass es in dem Buch nicht etwa um den abendländischen Hang zur Missionars-Stellung gehen wird, sondern dass ein anderer Kulturkreis im Mittelpunkt steht. LESUNG MOHAMED AMJAHID: LET'S TALK ABOUT SEX, HABIBI FREITAG, 19. MAI, 19 UHR CARL VON OSSIETZKY UNIVERSITÄT BIBLIOTHEKSSAAL UHLHORNSWEG 26129 OLDENBURG I. Grenzüberschreitung Es ist grundsätzlich positiv, wenn man den Blick über Grenzen wandern lässt (bzw. wenn man sie selbst überschreitetI) - und genauso sehr, wenn jemand aus anderen kulturellen Kontexten seine Eindrücke von uns schildert. Der Ausbruch aus der gewohnten Perpektive ist auf beiden Seiten der Grenze ein Gewinn. Das war bei den früheren Werken des gebürtigen Frankfurters mit marokkanischen Wurzeln nicht anders. Er betrachtete die zentraleuropäischen Gesetzmäßigkeiten und Gepflogenheiten aus dem Blickwinkel eines Menschen, der „anders“ ist. Die Titel „Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein“ (2017) und „Der weiße Fleck: Eine Anleitung zum antirassistischen Denken" (2021) deuten an, in welche Richtung es dabei geht. In seinem neuesten Werk beschäftigt sich Amjahid aber nicht mit der weißen Mehrheitsgesellschaft, ja nicht einmal mit Zentraleuropa. Der Fokus rückt nach Süden, denn dort hat der Autor überaus spannende Einblicke gewonnen. Für ZEIT, Spiegel, taz und SZ sei er viele Jahre als „rasender Reporter“ in den Maghreb-Staaten unterwegs gewesen, erzählt er, und habe dabei mit unzähligen Menschen gesprochen. Dabei ging es offensichtlich nicht nur um den arabischen Frühling und einen Subkontinent im politisch-gesellschaftlichen Umbruch, sondern eben auch um: Sex. II. Völkerverständigung Amjahid ist ein versierter, sensibler Gesprächspartner. Ihm gelingen unvoreingenommene, interessierte, klischeefreie Einblicke in eine andere Sexualkultur. Und noch mehr: Er schlägt die Brücke von erotischen Klischees aus tausendundeiner Nacht bis zur „Kölner Silvesternacht“ von 2015, als zahlreiche Übergriffe vorwiegend Menschen aus jenem Kulturkreis zugeordnet wurden, den Amjahid hier betrachtet. Seine Erzählungen sind also einerseits informativ, andererseits aber auch relevant. Diese Kombination macht das Buch unterhaltsam, lehrreich, lesenswert. Wenn man so will, ist dies eine körperliche Form der Völkerverständigung. Wie die damaligen Gespräche überhaupt auf das Thema Sex kamen? Was den jungen Journalisten daran interessierte? Ob er dabei als Deutscher wahrgenommen wurde? Oder ob ihm seine marokkanischen Wurzeln als eine Art genetische Zugangsberechtigung dienten? Das alles wird Mohamed Amjahid - hoffentlich - im Rahmen seiner Lesung berichten. Wirkt aus heutiger Sicht etwas silly, aber die Botschaft hat nach wie vor Substanz: Das offizielle Video zu „Let's talk about sex“ von Salt-N-Pepa. Doch selbst wenn er es nicht täte, wäre das Thema allein spannend genug für einen inspirierenden Abend - und das ausdrücklich nicht aus einer voyeuristischen Perspektive. Wer sich von der Lesung einen Lustgewinn erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Amjahids Buch beschränkt sich nämlich nicht nur auf Nacherzählungen und Schilderungen, sondern bietet auch gesellschaftlichen und kulturellen Kontext. Es entsteht ein ganzheitliches Bild. Unser Dank dafür geht an das FemRef der Universität, das dem vielfach preisgekrönten Amjahid hier in Oldenburg ein Podium bietet - und uns die Gelegenheit, seine Eindrücke nachzuempfinden. LUST AUF MEHR? FLINTA+ EDITION: LET'S TALK ABOUT SEX MIT DER AIDS-HILFE OLDENBURG MONTAG, 22. MAI 16:30 BIS 19:30 UHR „Jenseits von Heteronormativität und binären Vorstellungen, wollen wir mit Euch einen offenen Raum schaffen, in dem du dich entspannt über queeren Sex austauschen & informieren kannst. Wir wollen mit euch über die gesamte Bandbreite von FLINTA+ Körpern sprechen, über Anatomien, sexuelle Gesundheit und Konsens. Gern zeigen wir euch auch Safer Sex Möglichkeiten und was welche Risiken minimieren kann.“ ANMELDUNGEN: FEMREF@UOL.DE III. Annäherung Warum wir beim Thema Sex überhaupt nach Nordafrika blicken sollten und nicht in die eigenen Betten? Gute Frage, aber falsch gestellt. Es geht hier nämlich nicht um ein Entweder-Oder. Der Blick in die Maghreb-Staaten ist nah genug dran und weit genug weg, um sich dem vermutlich meistbeschwiegenen Thema der Gegenwart entspannt anzunähern - und diese Haltung dann ins nächste Gespräch darüber mitzunehmen, das in der nordwestdeutschen Tiefebene angesiedelt ist. Man kann einen silly Hip Hop Song schreiben und Millionen Platten verkaufen, um für das Thema Sex zu sensibilisieren. Man kann das Wort auch in dicken Lettern auf Schwarze Bretter schreiben, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Am besten ist jedoch, man spricht mit Menschen darüber, lässt sie direkt zu Wort kommen und erzählt anderen davon - so wie es Mohamed Amjahid tut. Das lohnt sich zu lesen und das lohnt sich live anzuhören. Schließlich geht es um: Sex.
- NICHTS WIE HIN (21)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- NICHTS WIE HIN (22)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:











