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HEAVY META / SHADOWLAND

Nein, hier geht es nicht um die vermeintliche Musikrichtung, bei der sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen hat, sondern um die neue und aktuelle Duo-Ausstellung des Oldenburger Kunstvereins, bei der die eigenständigen Werke einer Künstlerin und eines Künstlers eine Verbindung miteinander eingehen, die ihre langjährige Zusammenarbeit repräsentiert.


Das Plakat zur neuen Ausstellung Heavy Meta Shadowland des Oldenburger Kunstvereins
Hier entdeckt man zwei künstlerische Welten, die miteinander verschmelzen. Grafik: Oldenburger Kunstverein
 

HEAVY META / SHADOWLAND

NOCH BIS 30. JULI OLDENBURGER KUNSTVEREIN DAMM 2A 26135 OLDENBURG ÖFFNUNGSZEITEN: DI. - FR.: 14:00 - 18:00 UHR SA., SO. & FEIERTAGE: 11:00 - 18:00 UHR

 
Nahaufnahme eines Werkes von Felix Kultau im Oldenburger Kunstverein
Say "Cheese" Werk: The Future Smiled Bright - Felix Kultau; GIF: Kulturschnack

Wobei man sagen muss, dass sich beim Betreten der Ausstellung auch der Begriff des "Heavy Metal" durchaus rechtfertigen ließe, wenn man direkt zu Beginn von einer Leinwand der ganz besonderen Art in Empfang genommen wird: zwei riesige, schwere Containertüren zieren eine der Wände der Halle und strecken einem ihr eingefrästes, mangahaftes und verzerrtes Grinsen entgegen. Abseits ganz praktischer Fragen, wie soeine massive Konstruktion scheinbar ganz spielerisch, wie ein handelsüblicher Rahmen, an der Wand halten kann, sorgt die Ausstellung mit einem solchen Objekt natürlich direkt zu Beginn für einen ersten WOW-Moment. Zwischen der klassischen Leinwand finden sich immer wieder skulpturale Momente und sagen wir mal so: es wird auch nicht die einzige Containertür bei eurem Besuch bleiben.


Werk an Werk

Zwei Werke der Künstlerin Jagoda Bednarsky und des Künstlers Felix Kultau nebeneinander im Oldenburger Kunstverein
Ein gemeinsames Miteinander, Werk an Werk. Werk: Jagoda Bednarsky - Shadowland Omega & Felix Kultau - Anxiety Oil Locker; Foto: Kultuschnack

Im weiteren Verlauf erhält man unweigerlich, wenn man durch die Ausstellung schlendert, ein wenig das Gefühl hier nicht nur etwas über die einzelnen, beteiligten Personen, also die Künstlerin Jagoda Bednarsky und den Künstler Felix Kultau, zu lernen, sondern auch etwas über eine künstlerische Beziehung der beiden zueinander, die bereits eine langjährige Partnerschaft verbindet. Denn die eigenständigen Werke der beiden existieren in dieser Ausstellung in einem prominent zur Schau gestellten Miteinander. Hier gibt es keine klare Trennung der Werke voneinander, sondern alles verschmilzt auf einer Art Metaebene, bei der die inhaltlichen Schatten des einen im Werk des anderen innewohnen. Auch die Hängung der Werke, also die Platzierung an den Wänden, unterstreicht die Nähe der Beiden, wenn unerwartet zwei Werke, die eigentlich völlig unterschiedliche Ansätze verfolgen, dicht an dicht, direkt nebeneinander platziert werden.

ÜBER DAS KÜNSTLER-DUO


Potrait und Pressefoto der Künstlerin Jagoda Bednarsky und dem Künstler Felix Kultau
Vielleicht ein Portrait aus dem Schattenland? Foto: Jan_Welchering

Jagoda Bednarsky (geb. 1988) absolvierte ihr Studium der freien Kunst an der Kunsthochschule in Kassel und der HfBK Städelschule in Frankfurt am Main. Felix Kultau (geb. 1984) studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Kunstakademie Düsseldorf und an der Städelschule, die er 2015 als Meisterschüler von Monika Baer absolvierte. Beide leben und arbeiten in Berlin. Jüngst erhielten sie jeweils ein Stipendium der Pollock-Krasner-Foundation

Greifbar


Foto aus der Ausstellung Heavy Meta Shadowland im Oldenburger Kunstverein
Bildkonzepte, die einen an die Hand nehmen und Bezüge herstellen. Werk: Gockel (Facetime) - Jagoda Bednarsky; Foto: Kulturschnack

Ob bewusst geplant oder nur tolles Nebenprodukt ihrer Arbeit: beim Besuch von Heavy Meta/Shadowland geben uns die beiden Hauptakteure zudem versteckt und unterschwellig das mit an die Hand, was wir alle benötigen, um uns auf etwas völlig Neues noch deutlich besser einlassen zu können: nämlich Anknüpfungspunkte. Beide schaffen das auf ihre ganz eigene Art und Weise. Jagoda Bednarsky überrascht beispielsweise mit einem ihrer Werke, das glatt der relativ frischen App BeReal oder einem Facetime Call (diesen Begriff trägt das Werk sogar im Titel) entspringen könnte. Ein Hahn, ganz dicht und groß, rechts unten in der Ecke ein Portrait der Künstlerin selbst in klein. Es ist ein Anblick, egal ob er der Realität entspringt oder nicht, der einen Bezugspunkt zum Alltag einer Großzahl von uns schafft und so unmittelbar für den "Ach, das kenn ich!"-Moment sorgt, der den Besucherinnen und Besuchern einen Zugang zu allem was folgt eröffnet. Das Gegebene wird also in ihren Gemälden auseinandergenommen und neu und offen wieder zusammengefügt.


Eine Nahaufnahme des Werkes Tears Locker vom Künstler Felix Kultau im Oldenburger Kunstverein
Eine Spindtür, der man tief in die Augen blicken kann. Werk: Tears Locker - Felix Kultau GIF: Kulturschnack

Die Skulpturen von Felix Kultau hingegen schaffen diese Momente des Zugangs vor allem durch die Gegenstände, die er für seine Kunstwerke aufgreift. Sie sind materielle wie auch emotionale und nostalgische Collagen. Seien es Spindtüren, die an Schulzeiten und/oder amerikanische Highschool-Filme erinnern, Installationen, Lampen oder eben die bereits erwähnten Containertüren - Kultaus Werke wecken Erinnerungen und machen Bezüge zu popkulturellen Phänomenen sichtbar, die wir wiedererkennen und ein Sprungbrett in seine künstlerische Gedankenwelt sind. Immer wieder spielen seine Arbeiten dabei mit dem Bewusstsein über die eigene Objekthaftigkeit und dem damit verbundenen Warenfetisch und verweisen dabei auf die Schattenseiten unseres Wohlstandes in einer bequemen, mediengemachten Welt.


Lasst euch also von den beiden künstlerisch an die Hand nehmen und schaut vorbei für eine Runde Heavy Meta und einen Spaziergang durch das Schattenland, das noch bis Ende Juli im Oldenburger Kunstverein existiert.


Weitere Informationen gibt es unter: www.oldenburger-kunstverein.de

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