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- NICHTS WIE HIN (30)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- NICHTS WIE HIN (31)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- EIN TEIL VON MIR
Ein Gegenstand, der kann sich aufladen und dafür benötigt er überhaupt keinen Akku oder dergleichen. Denn hier ist nicht die Rede von Strom, sondern von Erinnerungen und Emotionen, die wir diesen über die Zeit hinweg zuschreiben. Für diejenigen, die diesen Gegenstand besitzen, diese großen Gefühle damit verbinden, steigt dabei der Wert der Objekte immens. Dank eines Kooperationsprojektes des Vasudeva e.V., der Berufsbildenden Schulen 3 und dem Landesmuseum Natur & Mensch, kann man dieser sogenannten materiellen Identität nun auf den Grund gehen! MATERIELLE IDENTITÄT ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT BIST - BIS 24. AUGUST 2023 - LANDESMUSEUM NATUR & MENSCH DAMM 38-46 26135 OLDENBURG Die Dinge, die wir besitzen, die uns etwas bedeuten und die über die Jahre hinweg zu einem Teil unserer Identität werden, diese Gegenstände sind dazu in der Lage, eine Geschichte über uns selbst zu erzählen. Sie zeichnen ein Bild unserer Persönlichkeit, darüber was uns wichtig ist im Leben und darüber, was wir bereits erlebt haben. Für jeden von uns können diese Gegenstände ganz individueller Natur sein: ein Ball, eine Kette oder nur ein einzelnes Stück Papier. Für Außenstehende mag es sich "nur" um den Gegenstand als solchen handeln, die Eigentümer dieser Gegenstände würden viele davon mit großer Sicherheit als "unbezahlbar" bezeichnen. Und welche Zeit in unser aller Leben ist oftmals eine der prägendsten? Die Jugend! Hier zeichnen wir das Bild von uns selbst, das wir gerne sein möchten, das sich zwar im Laufe des weiteren Lebens immer weiter ausprägt und abwandelt, aber doch ein wichtiges Fundament für unsere Persönlichkeit bildet. Wahrscheinlich kennen viele von uns noch zahlreiche Geschichten aus unseren Jugendtagen, die wir bis heute erzählen, schlichtweg weil sie uns immer noch viel bedeuten! Reflexion Aber wann hinterfragen wir diesen Umstand eigentlich? Im regulären Alltag neigt man wahrscheinlich eher nicht dazu. Doch 12 Jugendliche haben genau das in einem Kooperationsprojekt des Vasudeva e.V., der Berufsbildenden Schulen 3 und Landesmuseums Natur & Mensch als sechsteilige Workshop-Reihe getan und so eine Ausstellung konzipiert, die uns unter dem Titel „Materielle Identität - Ich sehe was, was du nicht bist“ Zutritt zu ihrer individuellen Gedankenwelt gewährt. Angeleitet durch Künstler:innen des Vasudeva e.V. erstellten die Jugendlichen künstlerische Fotografien ihrer mitgebrachten Gegenstände und Symbole. Eine Auswahl dieser ist nun in der Ausstellung vor Ort zu sehen. Viele weitere Fotografien sowie erläuternde Texte und Audioaufnahmen können darüber hinaus auch via QR-Code mit dem eigenen Smartphone abgerufen werden. Tiefgreifende Einblicke "Ziel war es, gemeinsam mit den Teilnehmenden ihre Perspektiven und Werte in Bezug auf materielle Güter zu reflektieren und sich mit Vorurteilen und der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Mit ihren Geschichten hinter den Gegenständen haben mich die Jugendlichen sehr beeindruckt. Ich bewundere ihre Stärke und besondere Sichtweise auf die Welt.", erzählt Gisela Ngomo vom Vasudeva e.V. als verantwortliche Projektkoordinatorin. Die Teilnehmenden bleiben dabei völlig anonym, denn sowohl die Fotos der Gegenstände als auch die zusätzlichen Erläuterungen lassen keinen direkten Rückschluss auf die jeweiligen Jugendlichen zu. Für Ngomo ist dies ein ganz bewusstes Mittel, um die Beteiligten zu schützen. Denn man merkt sofort, wie privat und vor allem tiefgehend die Einblicke sind, die die Jugendlichen hier allen Betrachter:innen in ihr Leben gewähren und wieviel doch ein einzelner Gegenstand oder eine Auswahl mehrerer über einen Menschen verraten kann. Der richtige Ort Und wo wäre eine solche Ausstellung besser aufgehoben als in dem Oldenburger Museum, das sogar schon in seinem Titel den Menschen selbst, mit dem sich hier auseinandergesetzt wird, mitführt. So erzählt Jenin Elena Abbas, die die Zusammenarbeit auf Seiten des Museums initiiert hat: "Es sind wirklich eindrucksvolle Ergebnisse entstanden! Als Mehrspartenmuseum beschäftigen wir uns seit jeher mit den Themen Mensch und Identität. Hier setzen wir einen Schwerpunkt auf unsere Gegenwart und freuen uns über mehr Perspektivenvielfalt hier im Natur und Mensch." Diese Vielfalt könnt ihr am besten direkt selbst für euch entdecken und euren nächsten Besuch im Landesmuseum Natur & Mensch planen, das auch über die Ausstellung hinaus einiges zu bieten hat! Wir haben nach unserem Besuch direkt darüber nachgedacht, welche Gegenstände wir der Welt gezeigt hätten, um uns zu beschreiben. Welche würdet ihr für euch wählen? PS: im Anschluss, am 26. August, wird die Ausstellung dann übrigens auf dem Solifest für Hanau in der Kulturetage zu sehen sein!
- IN DER NACHSPIELZEIT
Aus, die Saison ist aus! Zum Glück sagen manche, denn die letzten Spieltage der 1. und 3. Fußball-Bundesliga der Herren hinterließen für viele Menschen aus dem Nordwesten einen bitteren Beigeschmack. Die Meisterschaft des FC Bayern und der Abstieg des VfB Oldenburg waren zwei echte Downer. Und jetzt, in der fußballfreien Zeit? Hilft nur eins: Ab auf die Gegengerade! Für alle, die es bisher nicht in ein Fußballstadion geschafft haben: Die sogenannte Gegengerade befindet sich gegenüber der Haupttribüne, daher der Name. Sie ist eine B-Lage innerhalb der Arena: Auf ihr sitzen oder stehen nicht Sponsoren und lokale Prominenz, sondern: die Fans. Das macht sie zu einem Ort großer Leidenschaft und Emotion. Die Tribüne ist ein Spiegelbild der Aufs und Abs im Leben, komprimiert auf neunzig Minuten plus Nachspielzeit. Was man dort soll, wenn der Ball gar nicht mehr rollt? Etwa dem Platzwart bei der Rasenpflege zuschauen (was übrigens interessanter ist, als man zunächst denkt)? Nein, es gibt einen besseren Grund: Die Gegengerade gibt es nämlich nicht nur im weiten Rund des Marschwegstadions, es gibt sie auch im Oldenburger Kulturkalender: Seit 2021 organisiert Werkstattfilm e.V. ein FußballFilmFestival mit diesem Namen - und hat damit überregionale Aufmerksamkeit erzielt. So etwas passiert nicht von allein. WERKSTATTFILM E.V. GEGENGERADE FUSSBALLFILMFESTIVAL 31. MAI - 4. JUNI 2023 KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG KINOLADEN WALLSTRAßE 22 26122 OLDENBURG UND WEITERE ORTE Überraschend vielfältig Wir geben zu: Als wir zum ersten Mal von der Idee hörten, dass sich ein Filmfestival allein mit Fußball beschäftigen sollte, waren wir nichts ganz sicher, ob dieses Format dauerhaft tragen würde. Wie viele erfolgreiche Fußballfilme kennt man denn? In den 80ern gab es mal einen Streifen mit Sylvestern Stallone, vor zwanzig Jahren dann „Kick it like Beckham“ und eine keimfreie Nacherzählung des Wunders von Bern. Aber sonst? Kommt spontan nicht viel in den Sinn. Bis man einen beliebigen Streamingdienst öffnet und sieht: Fußballfilme und -serien sind überall! Herausragend dabei ist natürlich das Apple TV-Format "Ted Lasso", das selbst viele Fußballverweigerer:innen lieben. Extrem präsent sind aber auch Vereins-Dokumentationen, die ausführliche Blicke hinter die Kulissen bieten. Da ist jeder Spitzenclub dabei, aber auch in Deutschland eher unbekannte Vereine. Ausführliche Spielerportraits runden das Angebot ab. Sagen wir mal so: es gibt ein gewisses Potenzial. Aber was genau bietet „Gegengerade“? Darüber haben wir mit Jan Krieger gesprochen. Der umtriebige Enthusiast vereint beinahe alle Kompetenzen auf sich, die man braucht, um ein Fußball-/Film-/Festival erfolgreich organisieren zu können. Er ist nämlich nicht nur für Werkstattfilm aktiv, sondern auch für den Verein „VfB für alle“. In der Corona-Phase hat er sogar ein Buchprojekt („Apfelmus zur Apokalypse“) initiiert, in das Teile des Kulturschnacks involviert gewesen sein sollen. Kurzum: Jan ist genau der richtige Ansprechpartner für alle Fragen, die man zur Gegengerade haben könnte. Hier lest ihr seine Antworten. Jan, ihr feiert schon die dritte Auflage des Festivals. trotzdem wird es Menschen geben, die euch noch nicht kennen. Wie würdest du die „Gegengerade“ Festival in wenigen Worten beschreiben? Bei dem Festival handelt es sich um ein Fußballkulturfestival, welches von Werkstattfilm e.V. und VfB für Alle e.V. in Kooperation mit dem städtischen Fanprojekt veranstaltet wird und aufzeigen soll, dass Fußball mehr ist als Konsum und Kommerz. Es findet bereits zum dritten Mal statt und setzt sich mit den unterschiedlichen Menschen im Sozialraum Stadion und mit gesellschaftspolitischen Fragen rund um den Fußball auseinander und schafft zudem interessante Begegnungen. Warum ist Oldenburg genau der richtige Standort dafür? Das „Gegengerade“ Festival ist ein ganz besonderes Festival, da es in dieser Form nicht nur in Oldenburg, sondern auch in Niedersachsen einmalig ist. Einen guten Nährboden für das Festival bilden die Fans des VfB Oldenburg, die sich seit vielen Jahren sozialpolitisch engagieren, was in Fanszenen nicht immer selbstverständlich ist. Muss man Fußballfan sein, um Spaß daran zu haben? Oder stimmt es, dass Fußball mehr ist als nur Sport? Das Festival lebt davon, dass es nicht nur von Fußballfans besucht wird, sondern auch von vielen anderen Menschen, die sich zuvor noch nicht viel mit Fußball auseinander gesetzt haben. Es verbindet die unterschiedlichsten Menschen, die beim Festival miteinander ins Gespräch kommen und lädt dazu ein, sich über aktuelle gesellschaftspolitische Themen im Zusammenhang mit Fußball auszutauschen. Durch die besonderen Begegnungen konnte in der Vergangenheit schon das eine oder andere Vorurteil über Fußballfans widerlegt und sogar Menschen dafür begeistert werden, sich auch mal ein Fußballspiel anzuschauen. Wir freuen uns über alle, die vorbei kommen möchten. Gib es überhaupt genug Fußballfilme für ein jährliches Festival? Der Fußballfilm als solcher ist tatsächlich noch eine Nische. In den letzten Jahren sind aber vermehrt Filme und auch ein paar internationale Fußballfilmfestivals entstanden, von denen wir uns auch haben inspirieren lassen. Nicht zuletzt konnten wir in den letzten Jahren auch ein Netzwerk aufbauen, auf das wir bezüglich unserer Programmgestaltung jederzeit zurückgreifen können. Insofern müssen wir uns was zukünftige Filme betrifft keine Sorgen machen. Gibt es auch ein Rahmenprogramm? Das Festival wird am Mittwoch, den 31. Mai um 19:00 Uhr im PFL durch die Bürgermeisterin Nicole Piechotta eröffnet. Anschließend zeigen wir die Premiere des Films „Another Way“ über den englischen Verein Forest Green Rovers, der von sich selbst behauptet, der erste klimaneutrale Verein der Welt zu sein. Das Programm an den folgenden vier Tagen beinhaltet Filme, Vorträge, Workshops, eine Ausstellung, eine Podiumsdiskussion, ein Fußballspiel sowie eine Party. Besondere Festivalhighlights sind der Film „Frontline Hooligans“ über antfaschistische ukrainische Hooligans, die sich jetzt im Krieg gegen Putin befinden. Im Film„Freedom fields“ geht es um das Leben von drei Frauenfußball-Spielerinnen in Lybien und ihre Erfahrungen mit dem IS. Festivalhighlight: „Freedom Fields“ wirft einen Blick auf die schwierige Sitiuation von Frauen in Libyen. (Still: Scottish Documentary Institute) Eine Ausstellung vom Fanprojekt Köln beschäftigt sich mit Fluchturasachen in Zusammenhang mit Fußball. Alina Schwermer stellt mit „Futopia“ ihre Utopie von einem besseren und nachhaltigen Fußball vor. Anne Hahn und Frank Willmann berichten über die Rolle von Fußballfans und Ultras in der Zeit des Jugoslawien Kriegs. Mit Roter Stern Leipzig gastiert ein Verein, der seit vielen Jahren für sein gesellschaftspolitisches Engagement bekannt ist. Auch die aktuelle Debatte um einen möglichen Stadionbau in Oldenburg werden unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes, Nachhaltigkeit, Inklusion und Soziale Gerechtigkeit im Rahmen einer Podiumsdiskussion aufgegriffen. Vielleicht wird es auch noch eine Überraschungsveranstaltung geben. Das gesamte Programm des Festivals kann auf der Webseite sowie auf den Social Media Kanälen angesehen werden. Nun ist euer Heimatverein VfB Oldenburg kurz vor Festivalstart aus der 3. Bundesliga abgestiegen. Schadet euch das? Oder kann „Gegengerade“ darüber hinwegtrösten? Wir bedauern den Abstieg des VfB Oldenburg. Die Saison hat aufgezeigt, was für ein Potential der Fußball in Oldenburg hat. Es gab sehr viel Publikumszulauf in der vergangenen Saison und wir erhoffen uns, dadurch vielleicht auch noch bei unserem Festival das eine oder andere neue Gesicht begrüßen zu können. Schaden wird der Abstieg dem Festival als solches aber definitiv nicht. Das Publikum besteht ja nicht nur aus VfB Fans, sondern wie bereits beschrieben auch aus Menschen, die keinen direkten Fußballbezug haben. Zudem haben wir in den letzten Jahren ein Netzwerk über die bundesdeutschen Grenzen hinweg aufbauen können, welches von Jahr zu Jahr größer wird. Dementsprechend haben wir aus diesem Netzwerk auch Gäste zu Besuch. Zudem haben wir unsere Stammgäste, die seit dem ersten Anlauf dabei sind. Allen gilt ebenso unser Dank wie unseren Sponsor*innen. Ohne euch gäbe es das Festival nicht! Schluss ist, wenn der Schiri pfeift Die Erkenntnis aus dem allerersten Satz bleibt richtig: die Saison ist aus und vorbei. Und tatsächlich verlief das Ende für viele nicht so wie gewünscht. Aber trotzdem - bzw. gerade deswegen - lohnt es sich, weiter am Ball zu bleiben. Das „Gegengerade“-Festival besetzt eine Nische, die bisher (zu) wenig Beachtung gefunden hat - die letztlich aber für ganz große Erzählungen taugt. Das betrifft nicht nur die wachsende Zahl und Qualität an Produktionen im Fußballkontext. Das betrifft auch die vielen direkten Verknüpfungen mit den großen Themen der Zeitgeschichte und Gesellschaft. Wieder einmal zeigt sich: Bei Fußball geht es nicht um Leben und Tod, sondern um sehr viel mehr. Auch - oder gerade - in der Nachspielzeit.
- NICHTS WIE HIN (29)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- IM KLEINEN GANZ GROSS
Eine Kabinettschau im Prinzenpalais? Da bleibt der Puls des Gelegenheits-Kulturfans zunächst noch ganz ruhig. Schließlich steht dieses Format für kleine Ausstellungen in lediglich zwei Räumen. Warum das aktuelle Kulturhäppchen dennoch sehenswert ist? Zum einen, weil es um das historische Oldenburg geht - und zum anderen, weil die Schau die Dimensionen der Räumlichkeit mühelos sprengt. In den Museumslandschaften - egal an welchem Ort - gibt es eine goldene Regel: Ausstellungen, die sich mit alten Ansichten des jeweiligen Standorts beschäftigen, gehen immer! Es gibt ein romantisches Verhältnis der Bevölkerung zur Geschichte ihrer jeweiligen Heimat - die meist einen Hauch positiver dargestellt oder erinnert wird als sie tatsächlich war. Aber das gehört zu einer Romanze ja dazu. Nun ist im Oldenburger Prinzenpalais (das übrigens zum Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gehört) eine Kabinettschau mit alten Aufnahmen aus Oldenburg zu sehen, die allesamt von Franz Titzenthaler stammen. Mit seiner „Photographisch-artistischen Anstalt" fertige er im 19. Jahrhundert in erster Linie Stadtansichten für den freien Verkauf an. Ab 1890 wurde er jedoch als „großherzoglich-oldenburgischer Hof-Photograph“ ausgezeichnet, In Folge dessen gelangen ihm einige bemerkenswerte Innenaufnahmen aus hoheitlichen Gemächern, die sonst unmöglich gewesen wären. LANDESMUSEUM FÜR KUNST UND KULTURGESCHICHTE ZWISCHEN ERINNERUNG UND INSZENIERUNG OLDENBURG IN HISTORISCHEN AUFNAHMEN 14. MÄRZ BIS 9. JULI 2023 DIENSTAG - SONNTAG 10 - 18 UHR PRINZENPALAIS DAMM 1 26122 OLDENBURG Nah ran an die Details Wer die Ausstellung betritt, könnt zunächst ernüchtert sein. Nicht nur beschränkt sie sich auf lediglich zwei Räume, die ausgestellten Fotografien sind zudem nur kleinformatig zu sehen. Man muss nah ran, um Details zu erkennen - was in diesem Teil des Prinzenpalais immerhin kein größeres Problem ist, weil normalerweise nicht ständig andere Gäste durchs Bild laufen. Anders ausgedrückt: Man hat die Räume häufig ganz für sich allein. Spannend sind bei der näheren Betrachtung die erwähnten Innenaufnahmen, die mit ungeahnter Opulenz überraschen - gerade weil man die aktuell eher kärgliche Einrichtung des Prinzenpalais parallel vor Augen hat. Die Bilder lassen die Betrachter:innen nachempfinden, warum das Prinzenpalais seinen Namen trägt - nämlich weil es tatsächlich für zwei russische Prinzen gedacht war. Bei Alexander und Peter handelte es sich um die verwaisten Enkel des legendären Oldenburger Herzogs Peter Friedrich Ludwig. Von 1826 bis 1829 wohnten sie in dem markanten klassizistischen Gebäude, bevor Peter nach dem Tod des Großvaters und des Bruders wieder zurück nach St. Petersburg ging. Unwiederbringlich verloren Der besondere Clou der Ausstellung sind jedoch die Außenaufnahmen. Zum einen geben sie einen guten Einblick in die Oldenburger Geschichte, auch wenn sich bei manchem Anblick etwas Wehmut mischt, das ein ästhetisch gelungenes Stadtbild unwiederbringlich verloren ist. Wer diese Art des Masochismus nicht scheut, dem seien weitere Gelegenheiten empfohlen, zum Bespiel diese: Längst vergriffen, in einigen Antiquariaten aber noch verfügbar: Der erste Band von Oldenburg in alten Ansichten“ gehört eigentlich in jede Hausbibliothek. (Bilder: Kulturschnack) All das soll nicht etwa reaktionär klingen. Veränderung ist grundsätzlich erstmal spannend, Disruptionen oft sogar dringend nötig. Insofern ist es durchaus zu begrüßen, dass Oldenburg im Jahre 2023 nicht mehr als aussieht wie 1893. Jedoch stellt sich immer die Frage, wie sensibel man mit dem eigenen historischen Erbe umgeht. Ist man in der Lage zu erkennen, was erhaltenswert ist - und was man korrigieren sollte? Diese Betrachtung ist eine eigene Kunstform, die manche Orte intuitiv beherrschen und andere eben nicht. Wie Oldenburg sich in dieser Beurteilung schlägt? Das einzuschätzen überlassen wir dem Auge des Betrachters. Eine eigene Meinung haben wir aber auch. Was einst gewesen ist Genau dieses Prinzips - den Vergleich des Heute mit dem Früher - bedient sich auch die Kabinettschau im Prinzenpalais. Wie das, bei einem derart begrenzten Platzangebot? Ganz einfach: Mit einer digitalen Erweiterung! Genauer gesagt mit der App „DigiWalk", die es ihren Nutzer:innen ermöglicht, Stadtspaziergänge zu hinterlegen, die anderen nachlaufen können. In diesem Fall führt der Weg - natürlich - zu jenen Orten, die Titzenthaler einst ablichtete. Unwillkürlich zieht man den Vergleich: Zwischen dem, was einst gewesen ist (und wie es sich vermutlich angefühlt hat) - und dem, was nun ist (und wie es wirkt und klingt). Alles hat zwar seine Vor- und Nachteile und gewiss möchte niemand zu den Zeiten eines patriarchalischen Absolutismus zurückkehren. Dennoch beschleicht uns das Gefühl, dass früher zwar ganz sicher nicht alles besser, aber eben auch nicht alles schlechter gewesen ist. Letzteres gilt zumindest für das Stadtbild Oldenburgs. Den Rahmen sprengen Im Jahr 2023 sind digitale Erweiterungen für analoge Ausstellungen nichts völlig Neues mehr. Auch Stadtspaziergänge auf vorgezeichneten Routen kennt man schon. Dennoch zeigt sich hier einmal mehr, wie gut diese Ansätze funktionieren können, wenn sie durchdacht sind oder schlicht zum Thema passen. Im Falle von „Zwischen Erinnerung uns Inszenierung" funktioniert die Erweiterung jedenfalls hervorragend. Der vorgezeichnete Weg führt uns zwar nicht zu unbekannten Orten - doch was wir sehen, sehen wir mit anderen Augen. Die Ausstellung sprengt also in doppeltem Sinne ihren Rahmen: sowohl den räumlichen, als auch den zeitlichen. Titzenthalers Bilder berühren uns dadurch mehr und gewinnen noch an Relevanz für die Gegenwart. Und trotz des möglicherweise ernüchternden ersten Eindrucks wird die Ausstellung dadurch: im Kleinen ganz groß.
- NICHTS WIE HIN (28)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- HEAVY META / SHADOWLAND
Nein, hier geht es nicht um die vermeintliche Musikrichtung, bei der sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen hat, sondern um die neue und aktuelle Duo-Ausstellung des Oldenburger Kunstvereins, bei der die eigenständigen Werke einer Künstlerin und eines Künstlers eine Verbindung miteinander eingehen, die ihre langjährige Zusammenarbeit repräsentiert. HEAVY META / SHADOWLAND NOCH BIS 30. JULI OLDENBURGER KUNSTVEREIN DAMM 2A 26135 OLDENBURG ÖFFNUNGSZEITEN: DI. - FR.: 14:00 - 18:00 UHR SA., SO. & FEIERTAGE: 11:00 - 18:00 UHR Wobei man sagen muss, dass sich beim Betreten der Ausstellung auch der Begriff des "Heavy Metal" durchaus rechtfertigen ließe, wenn man direkt zu Beginn von einer Leinwand der ganz besonderen Art in Empfang genommen wird: zwei riesige, schwere Containertüren zieren eine der Wände der Halle und strecken einem ihr eingefrästes, mangahaftes und verzerrtes Grinsen entgegen. Abseits ganz praktischer Fragen, wie soeine massive Konstruktion scheinbar ganz spielerisch, wie ein handelsüblicher Rahmen, an der Wand halten kann, sorgt die Ausstellung mit einem solchen Objekt natürlich direkt zu Beginn für einen ersten WOW-Moment. Zwischen der klassischen Leinwand finden sich immer wieder skulpturale Momente und sagen wir mal so: es wird auch nicht die einzige Containertür bei eurem Besuch bleiben. Werk an Werk Im weiteren Verlauf erhält man unweigerlich, wenn man durch die Ausstellung schlendert, ein wenig das Gefühl hier nicht nur etwas über die einzelnen, beteiligten Personen, also die Künstlerin Jagoda Bednarsky und den Künstler Felix Kultau, zu lernen, sondern auch etwas über eine künstlerische Beziehung der beiden zueinander, die bereits eine langjährige Partnerschaft verbindet. Denn die eigenständigen Werke der beiden existieren in dieser Ausstellung in einem prominent zur Schau gestellten Miteinander. Hier gibt es keine klare Trennung der Werke voneinander, sondern alles verschmilzt auf einer Art Metaebene, bei der die inhaltlichen Schatten des einen im Werk des anderen innewohnen. Auch die Hängung der Werke, also die Platzierung an den Wänden, unterstreicht die Nähe der Beiden, wenn unerwartet zwei Werke, die eigentlich völlig unterschiedliche Ansätze verfolgen, dicht an dicht, direkt nebeneinander platziert werden. Greifbar Ob bewusst geplant oder nur tolles Nebenprodukt ihrer Arbeit: beim Besuch von Heavy Meta/Shadowland geben uns die beiden Hauptakteure zudem versteckt und unterschwellig das mit an die Hand, was wir alle benötigen, um uns auf etwas völlig Neues noch deutlich besser einlassen zu können: nämlich Anknüpfungspunkte. Beide schaffen das auf ihre ganz eigene Art und Weise. Jagoda Bednarsky überrascht beispielsweise mit einem ihrer Werke, das glatt der relativ frischen App BeReal oder einem Facetime Call (diesen Begriff trägt das Werk sogar im Titel) entspringen könnte. Ein Hahn, ganz dicht und groß, rechts unten in der Ecke ein Portrait der Künstlerin selbst in klein. Es ist ein Anblick, egal ob er der Realität entspringt oder nicht, der einen Bezugspunkt zum Alltag einer Großzahl von uns schafft und so unmittelbar für den "Ach, das kenn ich!"-Moment sorgt, der den Besucherinnen und Besuchern einen Zugang zu allem was folgt eröffnet. Das Gegebene wird also in ihren Gemälden auseinandergenommen und neu und offen wieder zusammengefügt. Die Skulpturen von Felix Kultau hingegen schaffen diese Momente des Zugangs vor allem durch die Gegenstände, die er für seine Kunstwerke aufgreift. Sie sind materielle wie auch emotionale und nostalgische Collagen. Seien es Spindtüren, die an Schulzeiten und/oder amerikanische Highschool-Filme erinnern, Installationen, Lampen oder eben die bereits erwähnten Containertüren - Kultaus Werke wecken Erinnerungen und machen Bezüge zu popkulturellen Phänomenen sichtbar, die wir wiedererkennen und ein Sprungbrett in seine künstlerische Gedankenwelt sind. Immer wieder spielen seine Arbeiten dabei mit dem Bewusstsein über die eigene Objekthaftigkeit und dem damit verbundenen Warenfetisch und verweisen dabei auf die Schattenseiten unseres Wohlstandes in einer bequemen, mediengemachten Welt. Lasst euch also von den beiden künstlerisch an die Hand nehmen und schaut vorbei für eine Runde Heavy Meta und einen Spaziergang durch das Schattenland, das noch bis Ende Juli im Oldenburger Kunstverein existiert. Weitere Informationen gibt es unter: www.oldenburger-kunstverein.de
- VORSTELLUNGS-GESPRÄCH: BLOHERFEL.DE
Du lebst in Bloherfelde oder arbeitest dort als Künstlerin oder Künstler? Dann aufgepasst! Denn Regisseur Michael Uhl und Bühnenbildnerin Britta Langanke möchten mit ihrem Projekt Bloherfel.de eine Kulturplattform für das urbane Dorf schaffen. Wie das genau aussieht und wie ihr Teil davon werden könnt, das lest ihr hier - beim Vorstellungsgespräch! EURE KONTAKTMÖGLICHKEITEN: POST@BLOHERFEL.DE / MAIL @BLOHERFEL.DE / INSTAGRAM Hi Britta, Hi Michael! Was genau verbirgt sich hinter dem Projekt Bloherfel.de? Mit Bloherfel.de möchten wir innerhalb des Oldenburger Stadtteils Bloherfelde, in dem wir beide als freischaffende Künstler leben, eine Kulturplattform für das urbane Dorf etablieren. Der Gedanke dahinter ist, dass man kulturell den eigenen Stadtteil bespielt und das nicht nur alleine als Aufgabe der Künste begreift, sondern als Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger, die hier leben. Es ist eine Einladung, kulturell mitzugestalten. Woher kam der Impuls damit zu starten? Das war bereits im Jahr 2020 und da enstand damals "Der Schatz von Bloherfel.de", ein aus zwei Hörspielen bestehendes Theaterprojekt, mit dem sich auf interaktive Weise der Stadtteil erkunden lässt. Denn Bloherfelde ist weitläufig und sehr divers geprägt. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat hier das ganz eigene Bloherfelde, die eigenen Wege, Kontakte, Netzwerke, Erfahrungen, Lieblingsorte. Wir haben uns gefragt: was, wenn man den eigenen Stadtteil durch die Erfahrungen und Geschichten des Anderen erleben würde? Der Schatz hat sich dann im Zuge der Umsetzung im wahrsten Sinne als ein Schatz erwiesen und sorgte für ein gemeinsames Miteinander zwischen allen Beteiligten. Deshalb stellten wir uns in einem breiten Bündnis, angeführt vom Bürgerverein Bloherfelde, die Frage, wie man diese Erfahrung und das einzelne Projekt verstetigen und zu etwas Dauerhaftem, einem Kollektiv, werden lassen könnte. Wie genau möchtet ihr diesen Plan umsetzen und Realität werden lassen? Diese Plattform soll auf zwei Säulen basieren, die sich vielleicht eines Tages, so hoffen wir, sogar gegenseitig bereichern könnten: Das Bürger:innen-Ensemble: Wir wollen mit allen Interessierten den Stadtteil zur Bühne werden lassen. Wer also Freude am Theaterspielen hat beziehungsweise Lust hat, es einmal selbst zu versuchen, der kann liebend gerne mal bei unserem offenen Workshop vorbeikommen! Das Künstler:innen-Netzwerk: Mit der zweiten Säule möchten wir uns an Künstlerinnen und Künstler richten, die in Bloherfelde leben oder arbeiten. Wir wollen zusammen ein Netzwerk knüpfen, um den Stadtteil gemeinsam kulturell zu bespielen. Denn oft ist man ja auch sehr in seiner eigenen Blase und stattdessen suchen wir für unser Netzwerk Künstlerinnen und Künstler, mit denen wir uns zusammentun können! Müssen die Leute beim Ensemble Vorkenntnisse oder die Künstlerinnen und Künstler aus bestimmten Genres kommen? Nein, absolut nicht! Wir suchen ganz bewusst nach Künstler:innen aller Disziplinen und wollen dann nach Überschneidungen und gemeinsamen Ideen suchen! Das Angebot an die Bürger:innen richtet sich an alle interessierten Menschen, die Lust am Theaterspielen haben. Wir denken das Projekt sehr inklusiv und möchten, dass es von den unterschiedlichen Fähigkeiten und Geschichten der Menschen lebt. Wer interessiert ist oder Lust hat, es auszuprobieren, kann bei unserem offenen Theater-Workshop völlig ungezwungen reinschnuppern und das für sich erproben Da möchten wir ganz bewusst ein völlig geschützter Raum sein. Hier gibt es auch keine Erwartungen und auch wenn Leute sich das Ganze nur ein einzelnes Mal anschauen möchten, ist das ebenso in Ordnung. Auch was den Einstieg in eine bestehende Gruppe angeht, braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen. Auch in einem Sportverein, wenn ich mich dazu entschließe Badminton spielen zu wollen, schaue ich ja einfach mal vorbei und werde nicht weggeschickt weil bereits eine Gruppe besteht. Bei uns geht es, um in dieser Metapher zu bleiben, ganz gezielt um Breitensport, nicht Leistungssport. Schön gesagt! Danke für eure Zeit & das Gespräch.
- SOUND AND THE CITY
Wie klingt eigentlich eine Stadt? Und was wäre das Ergebnis, würde man ihre Geräusche in Klangkunst verwandeln? Spannende Fragen, die bisher kaum beantwortet wurden. Doch das wird sich ändern. Denn seit dem 1. März arbeitet der 27-jährige Bildhauer Jonas Meyburg, erster Stipendiat der Oldenburger Kunstschule, an diesem Thema. Wie Skulpturen und Soundkulissen zusammenpassen? Und was Oldenburg davon hat? Lest ihr in unserem Portrait! Das Image einer Stadt definiert sich in erster Linie über das Visuelle. Jeder kennt die berühmten Bilder touristischer Highlights: Die Oper in Sydney, die Christus-Statue von Rio de Janeiro, der Lappan in Oldenburg. Sie alle sind Meilensteine des Stadtmarketings. Klar: Bilder lassen sich am einfachsten zu kommunizieren - und jeder kann sofort einen Bezug dazu aufbauen. Aber ist die Stadt tatsächlich nur mit den Augen zu erfassen? Oder gehört dazu nicht mehr? Gerüche? Gefühle? Und: Geräusche? Eine Stadt ist die Summe ihrer Teile und es ist gut, wenn man sich bewusst macht, dass es dabei um mehr geht als nur das, was man in Hochglanzprospekten oder im Insta Feed sieht. Bilder sind schön und gut, aber auch bekannt und abgenutzt, Vielleicht sollten wir Städte einfach mal anders wahrnehmen, um neue Eindrücke zu gewinnen - und mit ihnen auch neue Erkenntnisse? Genau diese Frage hat sich auch die Oldenburger Kunstschule gestellt und gibt nun - mit der Vergabe eines Stipendiums - ganz eigene, überaus spannende Antworten. OLDENBURGER KUNSTSCHULE STUDIO 10 WERKSTATT UND ATELIER DES STIPENDIATEN JONAS MEYBURG 1. MÄRZ BIS 31. OKTOBER DIENSTAGS UND MITTWOCHS 11 BIS 17 UHR WEITERE VERANSTALTUNGEN IN VORBEREITUNG LANGE STRAßE 10 26122 OLDENBURG Außen schwarz, innen bunt Wir treffen Jonas draußen vor seinem Atelier am Lefferseck, überaus praktisch gelegen zwischen Späti und Bankzentrale. Er trägt schwarze Cargohosen, schwarzes Shirt, schwarze Cap. Hat man sich so einen Stipendiaten einer Kunstschule vorgestellt? Oder doch eher einen kunterbunten Vogel erwartet? So oder so sollte man sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen. Schließlich gibt es optisch extravagante Zeitgenossen, die letztlich aber auch nicht anders sind als alle anderen. Dem gegenüber stehen die Menschen, die es nicht darauf anlegen, äußerlich aufzufallen - in deren Köpfen es dafür umso bunter zugeht. Und zu diesen gehört auch Jonas. Er ist der erste Stipendiat der Oldenburger Kunstschule. Die entsprechende Ausschreibung sah vor, dass die Funktion und Entwicklung der Innenstadt künstlerisch in den Blick genommen wird. Eine zentrale Rolle sollten dabei auch partizipative Ansätze spielen, d.h. die Bevölkerung sollte idealerweise in die Entwicklung eingebunden werden. Das Stipendium läuft ein halbes Jahr, gestartet ist Jonas allerdings schon am 1. März. Das hat den Nachteil, dass wir schon ein paar Wochen verpasst haben - aber den Vorteil, dass er schon ein wenig angekommen ist und schon das eine oder andere zu erzählen hat. Kannte er Oldenburg eigentlich vorher? „Nicht wirklich“, gibt er zu. Einmal sei er für einen Filmdreh in der Stadt gewesen; sogar direkt gegenüber seines jetzigen Ateliers. „Viel mehr habe ich aber nicht gesehen.“ Also auch keine Vorstellung von der Kultur? „Nein, dafür blieb damals leider keine Zeit. In Erinnerung geblieben ist mir aber, wie schön Oldenburg ist.“ - und es klingt nicht so, als wolle er damit nur einen guten Eindruck machen. Ein positiver Vibe, aber noch viel zu entdecken - das sind beste Voraussetzungen für eine produktive Zeit an der Hunte. Es kommt nicht auf die Größe an Geboren ist der 27-jährige Künstler in Duisburg, seine letzte Station war jedoch Braunschweig, wo der an der Hochschule für Bildende Künste Bildhauerei studierte. Oldenburg ist also gewissermaßen eine weitere „Verkleinerung“ der Lebensumgebung. Was hat ihn an der recht konkreten Ausschreibung der Oldenburger Kunstschule gereizt - wo doch die Stadt selbst nicht das entscheidende Argument gewesen sein kann? „Der öffentliche Raum ist ein Thema für mich", stellt Jonas fest. Das sei schon während des Studiums so gewesen und es habe unter den Kommilitonen:innen lebhafte Diskussionen dazu gegeben. Er ist eben ein Treff-, Bezugs- und Kristallisationspunkt des zwischenmenschlichen Zusammenlebens, ein Brennglas für Konflikte und Potenziale. Deshalb verlangt er nach besonderer Beachtung und Gestaltung - und nach ständiger Weiterentwicklung. Auch das Element der Partizipation empfindet er als positiv; „Meine Herangehensweise ist zwar von Projekt zu Projekt unterschiedlich, und bei einigen arbeite ich ganz allein“, gibt er einen Einblick in seine Arbeit. „Ich habe aber früh festgestellt, dass es meist fruchtbarer ist, wenn man mit anderen zusammenarbeitet.“ Wenn verschiedene Personen an einem Werk beteiligt seien, dann ergebe sich dabei oft mehr als die Summe der einzelnen Teile. Und dieser Effekt ist umso wertvoller, wenn man sich einem Thema annähert, das man selbst noch nicht kennt, für das es aber etwa 174.000 Fachleute gibt - nämlich die Oldenburger:innen. Grundprinzip Offenheit Doch wie sieht das alles konkret aus? Wie nähert man sich einer Innenstadt - dieser unruhigen Mischung verschiedenster Nutzungen, diesem vibrierenden Treffpunkt tausender Menschen - künstlerisch an? Wie kann man sie „greifen“ und „darstellen“? Wir begeben uns auf Spurensuche und begleiten Jonas durch sein „Studio 10“. Dabei fällt eines sofort auf: Der junge Künstler lässt sich nicht auf Genre, Methode oder Werkstoff festlegen - auch wenn er Bildhauerei studierte. Auf seiner großen Werkbank liegen allerlei Werkzeuge, Materialien, manches wirkt wie zufällig liegen gelassen, hat aber doch einen Sinne und Zweck. Dazwischen: Einige minimalistische plastische Entwürfe, die an Produktdesign erinnern. Was erwartet uns hier nur? Jonas muss schmunzeln. „Ich möchte noch nicht zu viel verraten“, sagt er schließlich. „Ich will offen sein für das, was an Einflüssen reinkommt. Das Werk entsteht im Prozess.“ Zu viele Vorgaben würden einer möglich freien Arbeit sowieso eher entgegenstehen, findet der Stipendiat. „Ich find es schön, wenn man in der Kunst eine Erfahrung macht und sich anhand dieser Erfahrung selbst etwas erklären kann.“ Der Klang der Stadt Wir dürfen also nicht mit einer überlebensgroßen Statue rechnen, die irgendwann monolithisch in der Innenstadt herumstehen wird, so viel steht fest. Doch womit dann? Ausgerechnet im hintersten Winkel des ehemaligen Ladenlokals offenbart sich endlich ein konkreter Hinweis, in welche Richtung es gehen könnte. Dort nämlich steht ein kleines Tonstudio, verschiedene Instrumente sind aufgereiht - und natürlich befindet sich dort auch der obligatorische Computer für Aufnahme und Postproduktion. Das liegt eine Frage nahe: Wird etwa Klangkunst eine Rolle spielen? „Ja, auf jeden Fall“, betont Jonas. Das Thema Klang beschäftigt ihn schon seit geraumer Zeit. Bevor er begann, sich als Jugendlicher - „mit 15 oder 16“ - ernsthaft der Kunst zu widmen, hatte er schon lange mit Sounds getüftelt. An die Hochschule führte ihn letztlich zwar ein anderer Ansatz, das Studium an der HBK ermöglicht es seinen Studierenden aber, interdisziplinär zu denken und zu arbeiten. So konnte Jonas neben der Bildhauerei auch Experimente in der Klangkunst durchführen. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um Musik, sondern um intermediale Kunstformen, in denen Klänge mit anderen Künsten und Medien zu einem Kunstwerk verschmelzen. Das können zum Beispiel Klangskulpturen, Klanginstallationen, Musikperformances oder medienkünstlerische Arbeiten mit Hörspiel, Feature, Video oder Computernetzen sein. Ihr fragt euch, wie das klingen könnte? Wir uns auch. Doch vorerst müssen wir uns noch gedulden. Jonas sieht Vorteile im Vergleich zur klassischen Bildhauerei. Die sei gerade im öffentlichen Raum zwar sehr präsent, in der Regel aber passiv. Das sei beim Klangkunstwerken anders: „Es gibt da viele Konzepte, zum Teil aus den Sechzigern, die sehr zum Erkunden einladen.“ Daran wolle er sich bis zu einem gewissen Grad orientieren, gleichzeitig aber etwas Neues schaffen. Und dabei kommen auch seine Handfertigkeiten ins Spiel - denn zur Klangkunst gehören die Tonquellen und Abspielmöglichkeiten. Und die kreiert Jonas in seiner Werkstatt selbst, wie einige Prototypen erahnen lassen. Work in progress Es wäre aber zu simpel, wenn der junge Stipendiat einfach irgendetwas komponieren würde. Das ist nicht der Fall, denn die Komposition - sofern man bei Klängen davon sprechen kann - übernimmt die Stadt selbst. Jonas wird verschiedenste Quellen für seine Arbeit nutzen, denen er in den kommenden Wochen über Orte, Daten oder Personen begegnet. „Ich beschäftigte mich viel mit Energie, die transformiert wird“, gibt er einen Hinweis darauf, was ihn besonders interessiert. „Früher in der Bildhauerei habe ich viel mit Materialien gearbeitet, die sich verändern oder die von anderen Kräften - wie der Schwerkraft - verformt werden.“ So habe er zum Beispiel mit Karamell gearbeitet, was sich bei einer Luftfeuchtigkeit von über 60 Prozent einfach auflöst. In Oldenburg interessiere ihn zum Beispiel die energetische Infrastruktur, sprich: Kabel, Rohre, Anlagen, Netze. Diese Dinge sind im Alltag meist unsichtbar sind, verbinden uns aber dennoch miteinander. Ein Beispiel für eine andere Datenquelle ist der Klimaschutzplan der Stadt Oldenburg: Die Zahlen und Skalen aus dem Papier könnten zu Sounds verarbeitet werden. „An die Stelle kalter, abstrakter Werte rücken Sound-Landschaften“, erklärt Jonas. Wie das geht? Wir haben keinen Schimmer, sind aber sehr entspannt auf das Ergebnis. Denn diese andere Form der Auseinandersetzung mit der Stadt, die Einnahme veränderter Blickwinkel und die Verwendung kreativer Methoden ermöglicht ganz neue Wahrnehmungen. Und nicht zuletzt darum geht es bei diesem Stipendium. Zusammen weniger allein Und was ist mit den ausgewiesenen Oldenburg-Fachleuten, also den Bürger:innen? Wie können die mitmachen? Ganz einfach: Während der oben genannten Öffnungszeiten können sie Jonas in seinem Studio besuchen und sich mit ihm austauschen. Wir versprechen: das lohnt sich, denn Jonas hat auf eine angenehm zurückhaltende Art viel zu sagen. Ob oder wie diese Gespräche Einfluss auf die künstlerische Arbeit haben? Ihr ahnt es: Steht nicht fest. Darüber hinaus wird es auch Veranstaltungen wie Open Air Konzerte geben, behaltet das Studio 10 also lieber im Blick! Daneben führt Jonas bereits seit einiger Zeit Interviews mit fachlichen Expert:innen oder Passant:innen. Eine Idee, was daraus wird, hat er während des Gesprächs in der Regel noch nicht. Vielmehr handele es sich bei den Interviews um Recherche und Stoffsammlung. Er selbst habe dabei eine redaktionelle Funktion, die alle eingehenden Stoffe sortiert, ein- und zuordnet. Später können aus den Materialien sowohl Komponenten für eine Klangcollage ergeben, aber auch eine Aufhängergeschichte, die einen roten Faden bilde. Jonas gefällt diese Art der Arbeit: „Die Öffnung nach außen und der Blick darauf, was an Einflüssen reinkommt - das ist ein schöner Prozess.“ Der Stipendiat weiß, wovon er spricht: Als Tutor und Gruppenleiter an der Universität hat Jonas viel Erfahrung gesammelt, was kollaborative Arbeit angeht. So eröffnen sich also Chancen für die Bevölkerung, Teil eines spannenden Kunstprojekts zu werden, das es - so viel lässt sich schon sagen - in dieser Form noch nicht gegeben hat. Sofern die Besucher:innen einwilligen, könnten ihre Aussagen Teil des Kunstwerks sein, das am Ende entsteht. Wie nie zuvor Als wir langsam zurück zum Ausgang gehen und durch die Fenster bereits die Lange Straße sehen, wird noch einmal deutlich: Jonas Meyburg mag rein äußerlich kein bunter Vogel sein, er entspricht keinem gängigen Künstler-Klischee. In seinem Inneren tummeln sich aber unzählige kluge Einfälle, Ansätze und Ideen. Dazu passt der betont offene Ansatz für dieses Projekt. Zwar gibt es hier und da Vorstellungen und Festlegungen. Die genauen Inhalte sind anfangs aber ebenso offen wie das Verfahren oder die Methoden - denn schließlich hängt alles von seinem Untersuchungsobjekt Oldenburg ab. All das wirkt aber nicht etwa unvorbereitet, sondern vielmehr so, als sei es der richtige Ansatz für eine möglichst unvoreingenommene Betrachtung der Stadt und ihres Sounds. Aber hat Jonas nicht vielleicht doch Wünsche, was sich idealerweise am Ende ergeben soll? „Doch, durchaus“, antwortet er „Ich könnte mir vorstellen, dass es am Ende kleine Boxen mit Soundmodulen gibt, mit denen man durch die Stadt geht und die jeweiligen Klänge reagieren auf die Räume, auf die Umgebung, auf den Plan der Stadt.“ Visuelle und akustische Eindrücke würden miteinander verzahnt und durch die eigene Bewegung hat man Einfluss auf diese Orchestrierung. Wir hätten nichts dagegen, wenn es genau so kommt, denn dieses Vorstellung klingt ziemlich cool. Etwas anderes steht dagegen bereits fest: Wenn Jonas Mitte Oktober die Ergebnisse seiner Arbeit präsentiert wird, dann erhalten wir damit einen Blick auf unsere Stadt, wir es ihn nie von zuvor gab. Allein das wäre eine enorme Bereicherung, denn so etwas ist selten nach etwa tausend Jahren Stadtgeschichte. Und wer weiß? Vielleicht stoßen diese neuen Wahrnehmungen weitere Prozesse an oder schaffen neue Akzente für Oldenburgs Image - weil wir die Dinge plötzlich anders oder plötzlich andere Dinge sehen. Es ist der Sound der Stadt - tanzen wir dazu!
- ENDLICH WEISSER RAUCH
Zehn Monate sind vergangen, seitdem Christian Firmbach, Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters, seinen Wechsel nach Karlsruhe zur Spielzeit 24/25 verkündet hat. Obwohl eine gewisse Findungsphase nicht ungewöhnlich ist, wuchs in den letzten Wochen die Unruhe im Haus: Wer würde die Nachfolge antreten? Nun wurde das Geheimnis endlich gelüftet. Es ist früh am Nachmittag an diesem 1. Juni, als die drei Protagonisten des kurzfristig anberaumten Pressetermins im Staatstheater mit forschem Schritt die Treppe zum Hauptfoyer emporkommen. Wissenschafts- und Kulturminister Falko Mohrs, Verwaltungsvorsitzender Jürgen Krogmann und der zukünftige Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters, Georg Heckel. Würde man die Stimmungslage des Trios beschreiben wollen, würde man vermutlich bei Begriffen wie Zufriedenheit, Zuversicht und vielleicht sogar Stolz landen. Kein Zweifel: Der Oldenburger Öffentlichkeit wird hier jemand präsentiert, für den sich die Gremien mit voller Überzeugung entschieden haben - und der seinerseits mit Optimismus und Vorfreude an die Hunte kommt. Es gäbe schlechtere Voraussetzungen für einen Wechsel wie diesen. Lob von allen Seiten Mohrs beteuert, dass die Besetzung für sein Ministerium ein ganz wichtiges Thema gewesen sei. „Die oder der Neue sollte zum Staatstheater und zu Oldenburg passen“, beschreibt er das Anforderungsprofil. „Er soll in die Stadt hineinwirken und den erfolgreichen Weg der letzten Jahre weitergehen.“ In Georg Heckel glaubt man die passende Lösung gefunden zu haben. Der ausgebildete Sänger habe ein starkes künstlerisches Profil und als Intendant des Landestheaters Detmold Leitsungerfahrung in verschiedenen Sparten gesammelt. „Im gesamten Auswahlverfahren mit vielen tollen Bewerber:innen hatten wir immer das Gefühl: Das ist der Richtige Intendant für Oldenburg!“ Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann findet diesen Tag der Entscheidung und Verkündung sogar als Glücksfall: „Es ist wahrhaft eine große Aufgabe, Christian Firmbach nahtlos ersetzen zu wollen“, ordnet er den Moment ein. “Ich habe das vorher auch nicht for möglich gehalten. Aber so langsam glaube ich daran.“ Es herrsche große Einmütigkeit in den beteiligten Gremien, das allein sei bereits ein starkes Signal. „Natürlich gibt es einen gewissen Trennungschmerz“, ergänzt Krogmann mit Blick auf die Personalie Firmbach, "aber die wird durch Georg Heckel gelindert.“ Theater als Teamwork Der Vielgepriesene fasst sich bei seiner Replik auf die Lorbeeren ebenso kurz wie seine Vorredner. Nicht etwa, weil ihm die Worte fehlten. Er möchte sich zu diesem Zeitpunkt noch ungern in die Karten schauen lassen, wie er mit einem Schmunzeln verrät. Ein kluger Schachzug, das Haus uns seine Mitarbeiter:innen erst besser kennenzulernen, statt allzu ambitioniert vorzupreschen. So oder so trifft der ausgebildete Bariton die richtigen Töne: „Es ist schön, dass ich hier sein darf“, gibt er nicht ganz überraschend zu Protokoll, wirkt dabei aber glaubhaft glücklich über die Entwicklung. „Als die Entscheidung immer näher rückte, war es am Ende ein Bauchgefühl, das mir sagt: Bin ich da richtig oder bin ich da nicht richtig?“ Schließlich hätten sich aber sogar Kopf und Bauch zusammengeschlossen und eindeutig gesagt: Hier bist du richtig! „Das Staatstheater ist ein großartig geführtes Haus. Mein Dank dafür geht nicht nur an Christian Firmbach, sondern auch an das ganze Team“ erklärt Heckel. Ein Theater brauche zwar einen Kopf, aber der allein reiche nicht aus. Gemeinsam - in Teamarbeit - erzeuge man die Erfolge und die Strahlkraft, die so ein Haus einfach brauche. Für den künftigen Intendanten heißt das: „Theater muss in die Stadt hineinwirken, es muss Emotionen erzeugen, gute Gedanken senden, zum Denken und zur Lust auf Zukunft auffordern!" In Detmold sei er durchaus glücklich, gibt Georg Heckel zu. „Oldenburg hat aber eine größere künstlerische Schlagkraft. Es gibt zwar einige Parallelen, aber Oldenburg ist einfach eine andere Nummer.“ Der 55-jährige bringt seine Familie „als Kraftzentrum“ mit nach Oldenburg, das er als „wunderschön“ bezeichnet. Nach dem Beben Einen Wechsel der Intendanz an einem großen Theater gleicht einem mittelschweren Erdbeben: Nichts bleibt, wie es bisher war. Das heißt nicht, dass alles bewusst verändert wird. Da aber der Intendant die Koordinaten setzt, hat seine Person Einfluss auf alle weiteren Zusammenhänge. Somit betrifft ein Wechsel alles und jeden. In Anbetracht dessen kann man es als wohltuend empfinden, dass die Stimmung so gelöst ist wie eingangs beschrieben. Zumal sich dieser Eindruck im spontanen Smalltalk mit den künftigen Mitarbeiter:innen verfestigt: Hier hat jemand Lust auf das Staatstheater und auf Oldenburg. Das gibt Georg Heckel freilich keinen Freibrief. Christian Firmbach hinterlässt in mancher Hinsicht große Fußstapfen. Insbesondere die bei ihm selbstverständlich wirkende Integration des Staatstheaters in die städtischen Kontexte wird ein Handlungsstrang sein, der weiterzählt werden will. Spannend wird zudem die Akzentuierung der Sparten sein. Entwickelte sich unter Firmbach die Ballettcompagnie zu herausragender Bedeutung, könnte ebendies unter Bariton Heckel mit der Oper passieren. Was das wiederum für den Tanz bedeutet? Man wird sehen. Gut ist, dass nun endlich weißer Rauch aufgestiegen ist und somit feststeht, wer dem erfolgreichen und beliebten Christian Firmbach folgt. Die Unruhe am Staatstheater kann sich also langsam legen. Der erste Auftritt von Georg Heckel ließ zwar noch keine größeren Rückschlüsse auf die inhaltliche Ausrichtung zu, rein menschlich darf man ihn aber als gelungen und vielversprechend bezeichnen.
- NICHTS WIE HIN (27)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:











