WER MACHT, GEWINNT

Zum bereits fünften Mal schreibt die Stadt Oldenburg „MACH|WERK“ aus - den Fonds für innovative Kulturprojekte. Insgesamt 80.000,- Euro stehen für Experimente und Erprobungen zur Verfügung. Eine bemerkenswerte Summe für eine Stadt dieser Größe. Und ein klares Signal an die junge Szene: Wir vertrauen euch - macht einfach!


Eine Farbexplosion vor schwarzem Hintergrund
Es darf knallen, es darf strahlen: Bei MACH|WERK geht es um kulturelle Innovationen (Bild: Shutterstock)

Manchmal reichen einige Sätze, um den Spirit einer Idee klar zu um umreißen und für jeden schnell verständlich zu machen. Beim MACH|WERK-Fonds ist das ziemlich gut gelungen - nachzulesen auf den Plakaten, die in den kommenden Wochen in der Stadt hängen werden:


„Die Stadt ist dein Terrain, Probieren ist deine Methode, Neugier ist dein Antrieb? Perfekt! Denn MACH|WERK geht in die fünfte Runde. Auch in diesem Jahr stehen 80.000 Euro für Unbekanntes, Unverbrauchtes, Ungewohntes zur Verfügung. Klingt gut für dich? Dann her mit deiner Projektidee!“

So steht es dort und so wir es auch verstanden. Eins ist sofort klar: Hier geht es nicht um komplexe Anträge, centgenaue Kalkulationen und elaborierte Antragsprosa. Hier geht es um gute Ideen! Der Gedanke muss greifbar sein, er sollte begeistern, mitreißen und spürbar machen, warum Oldenburg genau dieses Projekt braucht. Je plastischer und spannender die Geschichte hinter dem Projekt erzählt ist, desto besser. Am Ende steht aber immer die Idee selbst. Ihrer Einzigartigkeit, Besonderheit, ihre Strahlkraft. Und so kam es in der Vergangenheit schon dazu, dass eilig gemailte Projektskizzen erfolgreich waren, penibelst durchkalkulierte Anträge aber nicht



Was ist innovativ?


Um es in Anlehnung an Andy Warhol zu sagen: Innovativ ist alles, solange man damit durchkommt. In der Tat war der Innovationsgrad der Anträge in den letzten Jahren sehr unterschiedlich. Von einzigartigen Premieren bis zum x-beliebigen Projekt war alles dabei. Man erhöht seine Chancen aber signifikant, wenn man sich bemüht, neue Ansätze zu finden. Das kann einerseits die Idee selbst betreffen, die idealerweise noch nie zuvor jemand hatte. So etwas ist aber selten. Infrage kommen deshalb auch veränderte Blickwinkel, ungewöhnliche Orte und Settings, neue visuelle Ansätze oder Variationen von Bekanntem wie Konzerten, Theaterstücken, Performances und so weiter. Wichtig ist, dass die Projekte nicht einfach nur "ein weiteres" sind, das sich in den Veranstaltungskalender einreiht, sondern dass es herausragt.


#LIFEHACK


Kleiner Tipp am Rande: Man muss das Rad nicht zwangsläufig neu erfinden. Gut abgeguckt ist halb selbst ausgedacht. Wer also beim Backpacken durch Turkmenistan oder beim Wochenendausflug nach Castrop-Rauxel eine geniale Projektidee sieht, kann sie auch nach Oldenburg importieren und auf unsere Stadt adaptieren.



Venture Capital für junge Kultur


Einige erfolgreiche und etablierte Akteure bzw. Formate haben ihr erste Anschubfinanzierung einst über MACH|WERK erhalten. Das intime filmische Stadtportrait "Wer ist Oldenburg?" des Vasudeva Vereins wurde u.a. durch die bisher höchste Förderung des Fonds ermöglicht. Das Hidden Art Project konnte seine erste Ausstellung im ehemaligen HEMA nur dank einer Innovations-Förderung umsetzen, ebenso die Open Air Ausstellung "Kunst statt Kommerz" im Jahr darauf. Die außerordentlich beliebte Stadtrundfahrt-Variation "Kulturelli" ist ebenfalls ein MACH|WERK. Und wenn im August das Urban Arts Festival MEMUR startet, hatte der Innovationsfonds ebenfalls die Hände im Spiel. Und das sind nur einige Beispiele für mittlerweile 28 geförderte Projekte in einem Gesamtvolumen von 207.000,- Euro.


Aber was ist das nun? Spielgeld für Spaßvögel? Oder Seed Money für Kultur-Startups?

Die Antwort ist klar: Letzteres. So ist es zumindest gedacht. Dass manchmal auch ersteres zu letzterem führt, ist dabei berücksichtigt. Sinn und Zweck soll aber sein, dass junge Menschen die Kultur dauerhaft als ihr Aktionsfeld entdecken. Dass sie spüren, dass Support von Seiten der Stadt kommt., Und dass sie ermutigt werden, nach dem ersten Projekt auch ein zweites und drittes zu machen. Denn reden wir nicht drumherum: in der Oldenburger Kulturszene steht ein Generationswechsel an. Viele Aktivposten steuern auf das Rentenalter zu. Deshalb brauchen wir Young Spirit, um unsere Szene aktiv und attraktiv zu erhalten.



2018


Im Premierenjahr standen 40.000,- Euro zur Verfügung, fünf Projekte kamen zum Zug. Am auffälligsten dabei: Das Filmprojekt "Wer ist Oldenburg" des Vereins Vasudeva aus dem kreativ:LABOR. Zusammen mit einer erheblichen Bundesförderung ermöglichte der MACH|WERK-Zuschuss ein Portrait über unsere Heimatstadt, wie man es bisher nicht gesehen hatte: persönlich, authentisch, nah.


2019


Im Folgejahr konnten insgesamt sieben Projekte eine Förderung erreichen. Hier war ebenfalls ein Filmprojekt - „Mutter Erde“ des jungen Regisseurs Tobias Böttjer - ein Highlight. Besonders in Erinnerung geblieben ist auch die Premiere des Hidden Art Projects: Die Pop-up Galleries im ehemaligen Hema. Sie stellten die inoffizielle Premiere von Zwischenzeitnutzung in Oldenburg dar - und zeigte deren Potenzial. Mehr über das Hidden Art Kollektiv erfährst du hier.


2020


Sieben Projekte wurde auch bei der dritten Auflage ausgewählt. Auch in diesem Jahr realisierte ein Kollektiv sein erstes Projekt und wirkt seither dauerhaft in der Stadt: Die Loge um Clara Kaiser und Mathilda Kochan war mit "Killing Loneliness" erfolgreich und demonstrierte, dass eine Pandemie auch kreativ machen kann. Wie sehr, könnt ihr hier nachlesen oder hier nachhören. Wunderschön war auch das Projekt „Lichtung“ des Permanent Aktiv Kollektivs - eine Lichtinstallation, die gleichzeitig eine Bühne war.


2021


Das Jahr 2021 markierte einen Wendepunkt: Das Finanzvolumen von MACH|WERK wurde auf 80.000,- Euro verdoppelt. Eine strakes Signal der Politik. Kein Wunder, dass mit neun Projekten so viele erfolgreich waren wie nie zuvor. Welche von ihnen die größte Strahlkraft entwickeln, lässt sich jetzt aber noch nicht sagen: Bisher würde erst ein Projekt vollständig durchgeführt. Die jungen Künstlerinnen haben noch Zeit bis Oktober. Da kommt also noch was - und das wird auch Thema im Kulturschnack sein.



Maximales Return on Invest


Mach|Werk wird eine wichtige Rolle dabei spielen. Schließlich richtet es sich ganz bewusst an eine junge Zielgruppe und ermöglicht ihr Spielräume und Testfelder. Wenn man ganz konkret werden möchte, dann lassen sich drei wesentliche Vorteile an diesem Format identifizieren.


  1. DIE AKTEURE HABEN ETWAS DAVON Sie erhalten ohne große Hürden finanzielle Unterstützung durch die Stadt Oldenburg. Das Geld ermöglichst ausdrücklich auch Experimente und Wagnisse. Das heißt: Die jungen Künstler:innen können erste Ideen verwirklichen, ohne finanzielle Unsicherheit zu haben. Das gibt ihnen hoffentlich den Mut und die Möglichkeiten, sie so umzusetzen, wie sie gedacht sind - ohne sie durch viele Kompromisse zu verwässern.

  2. DIE BEVÖLKERUNG HAT ETWAS DAVON Unsere etablierte Kulturszene hat eine enorme Bedeutung für die Stadt. Und sie ist selbst auch innovativ. Trotzdem braucht ein Standort immer wieder neue Impulse, um dauerhaft lebendig zu bleiben. Sie sind auch für das Publikum attraktiv, da es spürbar mehr viel Vielfalt bekommt und zudem auch ganz neue Formate erlebt. Ein großstädtisches Kulturangebot muss nicht nur gut sein, um zu überzeugen - es muss sich auch ständig weiter entwickeln. Dann bleiben die Besucher:innen neugierig.

  3. DIE STADT HAT ETWAS DAVON Jede Stadt muss sich fragen: Was wollen wir sein? Es gibt da verschiedene Standpunkte, aber einer hat sich noch nie als falsch erwiesen: Ein Ort, der jungen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Vielmehr ist das in der heutigen Zeit das Kriterium schlechthin, um sich zukunftsorientiert zu positionieren. Und das betrifft nicht nur Karrieren, das betrifft auch Kunst und Kultur. Und die ganz besonders. Denn im Gegensatz zu manchen Office Jobs hat bei Entfaltungsmöglichkeiten für Kulturschaffende auch die Allgemeinheit etwas davon, wenn sie vorhanden sind. Ein Format wie MACH|WERK ist in diesem Kontext ein starkes Signal.


Es ist also sehr eindeutig: MACH|WERK kostet zwar Geld. Genauer gesagt: 80.000 Euro pro Jahr. Aber diese Summe ist außerordenrtlich gut investiert, weil sie sowohl auf die Gegenwart als auch auf die Zukunft Oldenburgs einzahlt. Wenn wir uns im Jahr 2030 oder 2040 über eine weiterhin starke Kulturszene freuen - dann können wir das wahrscheinlich auch dank des Innovationsfonds tun.



Das nächste Einhorn?


Nun ist also die Ausschreibungsphase für die fünfte MACH|WERK-Auflage gestartet. Insgesamt etwa zehn Wochen, vom 22. Juni bis zum 31. August ist jetzt Zeit, um geniale neue Ideen oder clevere Variationen von Bekanntem zu kreieren. Das kann allein im stillen Kämmerlein passieren, das kann aber auch gemeinsam mit anderen in einem Netzwerk geschehen.


Wichtig ist, dass die Akteure das richtige Mindset behalten. Und das führt uns direkt zurück zum Eingangszitat. Denn es geht schlicht und einfach darum, die eigene Neugier in ein Experimentieren und Ausprobieren zu verwandeln - und das in der Stadt umzusetzen bzw. auszuleben. Insofern wäre eine MACH|WERK-Förderung zwar kein Spielgeld, Oldenburg darf man aber sehr wohl als die ganz persönliche Spielwiese für die Projekte verstehen. Denn jeder weiß: im Spiel sind die Grenzen deutlich weiter gesteckt als bei allen anderen Aktivitäten.


Also los: Raus mit euren Projektideen. Oldenburg braucht eure Mach|Werke. Und wer macht, gewinnt!


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