GÜNER YASEMIN BALCI: FÜR DIE DEMOKRATIE
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„Der Carl von Ossietzky Preis für Zeitgeschichte und Politik zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich im Geiste Ossietzkys für die Demokratie eingesetzt haben.“ So richtig dieser Satz auch ist, man sollte ihn vielleicht anders ausdrücken, um dem Preis gerechter zu werden. Er ist nämlich eine Auszeichnung für mutige, engagierte Menschen mit überaus spannenden Hintergründen und Geschichten - die das tun, wofür wir anderen zu träge sind. Allerhöchste Zeit, Danke zu sagen.

Berlin. Die Bundeshauptstadt. Dort - in dieser teils kruden Melange aus Hipster-Zentrale, Parallelgesellschaft und Regierungssitz - ist Güner Yasemin Balci aufgewachsen. Die Stadt hat sie ebenso geprägt wie die Geschichte ihrer Eltern - alevitische Türken, die in ihrer Heimat unterdrückt wurden und deshalb in den 1960er Jahren nach Deutschland flohen. Doch ganz vorbei mit der Unterdrückung ist es auch in der neuen Heimat nicht. Güner erfährt es in den 1980er Jahren am eigenen Leib, wie es ist, in Deutschland zu einer Minderheit zu gehören.
Die Erzählungen ihrer Eltern, das Aufwachsen unter schwierigen Bedingungen, die Erfahrungen als Kind und Jugendliche haben Güner zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein politischer Mensch im besten Sinne - eine Frau, die gesellschaftliche Zustände beobachtet und analysiert, die sich einmischt und dazu äußert und die dabei keinen Widerspruch fürchtet, sondern ihn als Teil des Diskurses begrüßt.
Wir haben anlässlich der Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises etwa eine Viertelstunde mit Güner Yasemin Balci sprechen können - und die hatte es in sich. Wie viel Wichtiges und Wissenswertes man in dieser kurze Zeitspanne sagen kann? Und wie man trotz eines leidenschaftlichen Kampfs für die Demokratie stets freundlich und zugänglich bleibt? Das erfahrt ihr hier.

Geschichten im Gepäck
Güner, du bist ein politischer Mensch. Du beobachtest die Gesellschaft, erkennst Dinge, äußerst dich dazu. Viele andere tun das aber nicht. Was treibt dich an?
Ich bin in einem Milieu aufgewachsen, in dem ich mich durchsetzen musste. Da war es sehr erforderlich, dass man irgendwann lernt, seine Haltung klar zu positionieren und auch standhaft zu bleiben. Ich glaube, so kann man das zusammenfassen. Und dann habe ich natürlich die Geschichte meiner Familie im Gepäck, die aus Dersim kommt. Das ist ja eine Region, in der alevitische Minderheiten entrechtet und vertrieben wurden. Das hat mich natürlich geprägt und mich immer auch zu Leuten geführt, die ähnliche Lebens-Erfahrungen oder ähnliche Geschichten im Gepäck haben. Und es kommt noch etwas hinzu: mIch bin bei einer Sinti-Familie in Berlin-Neukölln aufgewachsen, das wurde meine zweite Familie. Und die hatten die gesamte Geschichte des Faschismus im Gepäck. Ein Großteil der Familie wurde damals von den Nazis ermordet. So war für mich irgendwann klar:
Es gibt Unrecht. Man kann selbst davon betroffen sein oder andere. Und es gibt immer etwas, wofür man kämpfen muss. Und als Frau und Mädchen gibt es sowieso permanent etwas, wofür man kämpfen muss, leider.
Kurzbiographie Güner Yasemin BalciDer ungeschönte BlickGüner Yasemin Balcı ist Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin, Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln - und eine der profiliertesten Stimmen in Deutschland, wenn es um Integration, Demokratie, Frauenrechte und gesellschaftliche Konflikte geht. ![]() Geboren 1975 in Berlin als Tochter türkisch-kurdischer Eltern, wuchs sie in Berlin-Neukölln auf – einem Umfeld, das ihre Perspektive auf soziale Ungleichheit, patriarchale Strukturen und Migration nachhaltig prägte. Früh setzte sie sich mit Fragen von Herkunft, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander.
Bekannt wurde Balcı zunächst als Journalistin und Reporterin, unter anderem für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), wo sie über Jugendgewalt, Parallelgesellschaften, Extremismus und die Lebensrealität migrantischer Communities berichtete. Ihre Arbeit zeichnet sich durch eine direkte, ungeschönte Sprache und eine starke Nähe zu den Menschen aus, über die sie berichtet. Dabei scheut sie sich nicht, auch kontroverse Themen offen anzusprechen – etwa Clanstrukturen, Islamismus oder Frauenunterdrückung –, ohne dabei allzu einfache Antworten zu liefern.
Parallel zu ihrer journalistischen Arbeit veröffentlichte sie mehrere Bücher und realisierte Dokumentarfilme, die gesellschaftliche Missstände sichtbar machen und Debatten anstoßen sollen. Immer wieder betont sie die Bedeutung von Meinungsfreiheit, Demokratie und individueller Selbstbestimmung. Besonders engagiert setzt sie sich für die Rechte von Frauen und Mädchen ein und warnt vor ideologischer Verhärtung sowie demokratiefeindlichen Entwicklungen.
Für ihre publizistische Arbeit erhielt Güner Yasemin Balcı zahlreiche Auszeichnungen. Sie gilt als streitbare Intellektuelle, die den offenen Diskurs verteidigt und sich bewusst in gesellschaftliche Debatten einmischt. Ihre Haltung ist geprägt von dem Glauben, dass Demokratie von Widerspruch, Verantwortung und der Bereitschaft lebt, Haltung zu zeigen.
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Deine Motivation ist klar nachvollziehbar. Aber die Frage ist: braucht man dafür einen speziellen Background, wie du ihn hast? Oder könnte das auch jede:r andere?
Ja, ich glaube, es muss sogar jeder können. Und ich würde mir wünschen, dass Kinder dahin erzogen werden, dass sie sich verantwortlich fühlen für ihr soziales Umfeld. Jeder Mensch hat ja auch irgendwie einen angeborenen Gerechtigkeitssinn. Dass der stärker ausgeprägt wird bei Menschen, wäre sehr sinnvoll für ein gutes Miteinander und vor allem für unsere humanistischen Werte in dieser Gesellschaft. Das ist eine Tradition, die wir viel klarer hochhalten müssen. Eigentlich ist das eine Verpflichtung für alle Menschen in einer Demokratie, genau hinzugucken: Wo gibt es etwas, wo man sich einsetzen muss?
Die Leute sollten sich also lieber mehr Gedanken machen und an Diskussionen beteiligen statt nur ihr Essen zu knipsen oder Tanzeinlagen zu filmen?
Ich finde, das sollen die ja auch alles machen. Der Spaß darf nie zu kurz kommen. Aber ein bestimmtes politisches Bewusstsein, auch wenn man in einer Wohlstandsgesellschaft lebt, wo man sich eigentlich zurücklehnen könnte, weil die anderen genug tun – so ein kleiner Funke politisches Bewusstsein ist total gut für uns alle. Und er macht ja auch Freude, wenn man merkt, dass man sich für andere oder für Dinge einsetzen kann, die wertvoll sind.
Ich glaube auch nicht, dass jede:r super aktiv werden muss. Aber es reicht, wenn jemand weiß, dass es Momente gibt, in denen man gefordert ist und dann vielleicht auch mal handeln muss.
Blick in die Gesellschaft: Güner Yasemin Balcis Bücher waren ausnahmslos höchst erfolgreich - und stießen oft auch gesellschaftliche Diskurse an. (Bilder: Verlage)
Die Demokratielobbyistin
Du selbst drückst dich auf ganz unterschiedlichen Wegen aus. Du hast Bücher geschrieben, Filme gemacht, unzählige Interviews gegeben. Die Liste ist lang. Hast du das Gefühl, dass du mit all dem etwas bewirkst?
Ja, ich glaube schon. Wenn man ein bisschen unnachgiebig ist und über zwanzig Jahre hinweg immer wieder wie ein Mantra dieselben Dinge erklärt und erzählt, dann dringt das manchmal tatsächlich auch durch. Nicht überall und nicht in der Form, wie man sich das wünscht. Aber es passieren Dinge, wenn man unnachgiebig bleibt.
Und wenn du formulieren solltest, was du bewirken willst: Was wäre das? Hast du eine Agenda oder ein konkretes Ziel?
Ich sage immer, ich bin so etwas wie eine Demokratielobbyistin. Ich mache Lobbyarbeit für eine freie Gesellschaft, weil ich persönlich in keiner anderen leben möchte. Das ist vielleicht auch ein bisschen Egoismus. Ich weiß einfach: Diese Gesellschaft tut mir gut und den Menschen, die mir nahestehen. Ich möchte sie erhalten. Das ist mein Antrieb.
Hast du denn den Eindruck, dass die Menschen sich allgemein genug mit dem Thema Demokratie beschäftigen? Und würde es im Zweifel auch Engagement für sie geben? Oder ist das Thema im Alltag doch zu abstrakt?
In dem Moment, in dem die AfD Höchstwerte erreichte, ist das abstrakte Thema sehr konkret geworden. Die Bedrohung der Demokratie ist greifbar. Und ich sehe, dass es eine viel zu große Gruppe von Wählerinnen und Wählern gibt, die nicht verstanden haben, wie schlecht das für uns alle wäre, wenn sich die Welt in diese Richtung entwickelt und immer mehr extreme rechte Kräfte Macht gewinnen.
Aber ich sehe auf der anderen Seite auch etwas Positives: Ein sehr großer Teil unserer Mitbürger:innen in Deutschland – und es ist der Großteil der Menschen hier – sieht das genauso klar und hält zusammen.
Über Parteigrenzen hinweg halten viele Menschen zusammen gegen diese enorme Bedrohung unserer Demokratie durch die extreme Rechte. Das macht mir Hoffnung, das macht mich stolz auf meine Mitmenschen und stimmt mich froh. Ich bin hoffnungsfroh, dass es für uns noch in eine gute Richtung gehen wird.
Eindringlich und unterhaltsam: Güner Yasemin Balci weiß, wovon sie spricht - sie verliert sich aber nicht in Details, sondern erzählt stets nahbar und verständlich. (Bilder: Kulturschnack)
Keine Macht für Morddrohungen
Du neigst nicht zum Schwarz-Weiß-Denken. Ob es Israel ist oder der Islam – es gibt immer eine gewisse Grenze für deine grundsätzliche Unterstützung. Das ist eine schöne Abkehr vom Prinzip Vasallentreue. Müssen wir uns eigentlich viel mehr die Freiheit nehmen, diejenigen kritisch zu hinterfragen, die uns nahestehen und denen wir uns verbunden fühlen?
Ich glaube, man muss darauf achten, dass es nie ideologisch wird und man irgendwann verblendet ist und die Nuancen nicht mehr erkennt. Das ist wichtig. Und das gilt im Umgang mit Menschen, die einem nahestehen, aber auch im Umgang mit sich selbst.
Das Wunderbare ist ja: Wir werden hier zu einem freien Geist und zu kritischer Selbstreflexion erzogen. Das ist ein kostbares Gut, eine große Errungenschaft. Und wenn man sich das in schwierigen Situationen wieder klarmacht – auch mit Freunden und Bekannten. Der Nahost-Konflikt ist ein gutes Beispiel dafür, wo Freundschaften auseinandergegangen sind oder man neue Verbündete gefunden hat.
Es geht immer darum, wieder Halt zu finden und Haltung zu bewahren. Das ist eine große Herausforderung, gerade bei sehr konkreten und extremen Themen, bei denen die Emotionen schnell hochkochen.
Israel ist dafür ein gutes Beispiel. Israel ist ein Land, dessen Politik man in vieler Hinsicht scharf kritisieren darf, muss und kann. Gleichzeitig muss man aber auch anerkennen, dass man dabei fair bleiben und nicht ungerecht werden darf. Das ist immer eine große Herausforderung.
Du hast gerade ein gutes Stichwort genannt: Konflikt. Für manche deiner Aussagen bekommst du durchaus Gegenwind. Macht das eigentlich etwas mit dir? Kränkt dich das oder verunsichert es dich?
Ich finde das spannend. Ich nehme das nie persönlich. Das ist wichtig, das muss man mit sich selbst geklärt haben. Man muss verstehen, dass es um eine Sache geht und dass Menschen einen persönlich angreifen, weil die Sache sie aufregt.
Wenn es vernünftige Menschen sind, finde ich Kritik total spannend. Dann denke ich auch lange darüber nach. Oft entdecke ich Punkte, bei denen ich sage: Stimmt, eigentlich gar nicht so falsch gedacht, vielleicht sollte ich das nächste Mal anders darauf schauen.
Aber wenn das Menschen sind, die nur zerstörerisch sein wollen, wenig reflektiert sind und ideologisch total verblendet, dann prallt das komplett an mir ab. Dann denke ich mir: Gut so. Dass es euch kränkt, ist ja auch richtig, denn ihr seid nicht für Pluralismus – auch nicht für Meinungspluralismus.
In manchen Fällen weißt du ja bestimmt schon vorher, dass Kritik kommen wird, wenn du etwas sagst oder veröffentlichst. Trotzdem machst du den Mund auf und lässt dich davon nicht beirren. Woher nimmst du die Energie dafür?
Also ich sage dir ganz ehrlich: Das hat bei mir angefangen, als ich die ersten Morddrohungen bekommen habe. Das hat so eine Wut und so einen Kampfgeist in mir entfacht, das können sich meine Gegner gar nicht vorstellen. Ich habe sofort gedacht: Was soll das? Wir sind hier in Deutschland und ich verwende Worte, um Dinge einzuordnen, weil ich von meiner Meinungsfreiheit Gebrauch mache – und dann rufen Leute an und bedrohen mich und meine Familie.
Da habe ich gemerkt: Wenn Menschen im Iran oder im Gazastreifen für ihre Rechte auf die Straße gehen, gegen die Hamas oder gegen das Mullah-Regime, wenn Menschen an vielen Orten dieser Welt für Gerechtigkeit kämpfen und dabei sogar ihr Leben riskieren, dann müssen wir in Deutschland doch erst recht in dieser vergleichsweise bequemen und geschützten Situation Haltung zeigen. Wenn wir hier einknicken – was soll man dann von den anderen erwarten?
Für mich sind die vielen Menschen auf der Welt, die viel mehr opfern als ich, große Vorbilder. Im Vergleich dazu ist das, was ich investiere – Zeit, Wut, Ärger – eigentlich ein Spaziergang.

Wie ist die Debattenkultur hier in Deutschland denn überhaupt aufgestellt? Kann man noch Impulse für fruchtbare Auseinandersetzungen geben? Oder hast du das Gefühl, vieles ist inzwischen eher destruktiv?
Wir haben eigentlich eine sehr gute und feine Debattenkultur, wenn Menschen einander direkt begegnen. Wenn das in einem Rahmen passiert, der geschützt und gleichzeitig offen ist, dann funktioniert das oft hervorragend.
Menschen können sich streiten, auch auf hohem Niveau, aber es gibt Austausch und Reibung. Und am Ende gehen die meisten nicht völlig verbittert auseinander.
In den sozialen Medien sieht das natürlich komplett anders aus. Dort entgleiten Dinge schnell, werden missbraucht und manipuliert. Das ist eine ganz andere Debattenkultur. Trotzdem ist auch sie wichtig. Denn wenn man sich komplett zurückzieht und sagt: „Ich will das alles nicht mehr sehen, alles ist schlimm und diskriminierend“, dann entgeht einem auch etwas. Man erfährt dort viel über das menschliche Gemüt, darüber, wie sich Dinge entwickeln und wie Dynamiken entstehen. Man kann daraus sogar viel lernen, wenn man das beobachtet.
Gleichzeitig muss man Kinder stärken – trotz all der Einflüsse, die auf sie einprallen. Sie müssen lernen, ihren eigenen scharfsinnigen Geist zu bewahren, Dinge zu hinterfragen und sich Wissen anzueignen, auch unabhängig vom Internet. Ich glaube, wir müssen wieder stärker auf klassische Bildung und Erziehung schauen und darauf, wie wir Kinder empowern können, damit sie nicht in irgendwelche Parallelwelten abgleiten.

Carl von Ossietzky: Brandaktuell
Für dein Engagement wurde dir nun der Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg verliehen. Kannst du in Worte fassen, was diese Auszeichnung für dich bedeutet?
Das war schon total krass. Ich habe das am Telefon erfahren und mir liefen sofort die Tränen. Das hat mich sehr berührt. Da ist dieser Mensch, Carl von Ossietzky, der mit seinem Leben für das bezahlt hat, woran er geglaubt hat. Das tue ich ja nicht. Ich bewege mich in einem wirklich geschützten Rahmen. Aber solche Menschen waren für mich immer Vorbilder und werden es auch bleiben.
Deshalb hat mich diese Auszeichnung unglaublich gerührt. Sie gibt mir Kraft. Ich merke dadurch noch einmal: Ja, das ist gut so. Man muss weitermachen. Das setzt Zeichen. Und ich bin den Menschen dankbar, die an mich glauben und mir vertrauen.
Müsste dieser Preis nicht eigentlich viel bekannter sein? Gerade diese Verbindung von Zeitgeschichte und Politik ist doch so aktuell.
Ja, absolut. Ich habe gerade mit zwei Schülerinnen gesprochen, deren Eltern aus Syrien vor dem Krieg geflohen sind (eine von ihnen war Malak Kadour, deren Fluchtgeschichte am Staatstheater zu sehen ist, Anm. d. Red.) . Wenn man denen von Carl von Ossietzky erzählt, dann ist das für sie viel greifbarer als vielleicht für meine Kinder, die in einem friedlichen Deutschland groß geworden sind. Ich glaube, das Thema ist brandaktuell. Das, was er damals als Publizist, als Mensch und als politischer Mensch geleistet hat, hat heute genau dieselbe Bedeutung wie damals.
Und das ist eigentlich auch heftig: Wir leben in einer modernen, fortschrittlichen Welt, und trotzdem können sich viele Menschen weltweit noch immer nicht frei äußern oder werden als Minderheiten nicht akzeptiert. Vielleicht sind wir auch in der Pflicht, das stärker zu vermitteln – dass es eine direkte Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gibt.
Wichtige Auszeichnung der Stadt OldenburgDer Carl-von-Ossietzky-PreisNobelpreis, Sacharow-Preis, Karlspreis: Weltbekannte Auszeichnungen wie diese stehen für die Würdigung wichtiger Persönlichkeiten und setzen ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der damit verbundenen Themen. Sie erzielen aber auch enorme Werbeeffekte für Stockholm, Straßburg und Aachen - also jene Städte, in denen sie verliehen werden. Kein Wunder, dass diese Preise aus beinahe jeder Perspektive eine hohe Wertschätzung genießen. Und Oldenburg? Hier gibt es den Carl-von-Ossietzky-Preis. Aber was genau verleiht die Stadt da eigentlich? Worum geht es, was hat das mit Ossietzky zu tun - und was wiederum hat Ossietzky mit Oldenburg zu tun? Und was bringt das Ganze für die Stadt? Berechtigte Fragen, die wir hier beantwortet haben - in drei übersichtlichen Kapiteln.
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Letzte Frage: Wenn dieser Preis die Kraft hätte, ein Problem auf der Welt zu lösen – welches wäre das? Was würdest du dir wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass alle Frauen auf der Welt gleichberechtigt, unversehrt, gewaltfrei und selbstbestimmt leben können. Alle Frauen weltweit. Denn ich glaube fest daran: Wenn Frauen wirklich frei, gleichberechtigt und selbstbestimmt leben dürfen und selbst über ihr Schicksal entscheiden können, dann wird die Welt eine bessere sein. Davon bin ich hunderttausend Prozent überzeugt.
Dem können wir uns nur anschließen. Vielen Dank!
Güner Yasemin Balci: Imponierend
Zugegeben: Berlin ist weit weg und vollkommen anders als Oldenburg. Und dennoch hat das Engagement von Güner Yasemin Balci einen enormen Wert für den Rest der Republik. Auch wenn Güner biographischer Hintergrund ein besonderer ist, taugt sie dennoch als Vorbild für die gesamte Bevölkerung. Ob es ihre leidenschaftlichen Plädoyers für Freiheit und Demokratie sind, ihre klaren Positionen in öffentlichen Debatten, ihre unbeirrte Haltung auch bei Widerspruch: Es gibt einiges, das sich von dieser imponierenden Persönlichkeit abschauen ließe. Ob der Carl von Ossietzky Preis dazu beiträgt, dass genau dies passiert? Es wäre zu hoffen.

Nicht jeder muss super-aktivistisch werden - das sagt Güner selbst. Es schadet aber nicht, sich den Wert unserer Demokratie hin und wieder bewusst zu machen und eine innere Bereitschaft zu entwickeln, sie gegen Bedrohungen zu verteidigen. Das wird manchen, aber sicher nicht allen gelingen. Umso wichtiger ist es, dass Menschen wie Güner Yasemin Balci Zeichen setzen und mit ihrem Engagement daran erinnern, dass die Demokratie alle angeht - und dass ein „Like" nicht ausreicht, um sie zu erhalten. Damit tut sie tatsächlich das, wofür die meisten von uns zu träge sind. Und deswegen war es allerhöchste Zeit, dafür einmal Danke zu sagen!






















