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ACOUSTIC SESSION: FINJA REGER

  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Bei den Kulturschnack Acoustic Sessions waren bereits einige Bands zu Gast, die seit Jahren zusammen Musik machen und auf eine ganze Reihe an Releases zurückblicken können. Finja Reger ist eine Gegenbeispiel: Die 19-Jährige steht noch ganz am Anfang ihrer musikalischen Aktivitäten - und einen richtigen Plan gibt es sowieso nicht. Vielleicht hat gerade das dazu beigetragen, dass ihr Song „Wake Up Heaven“ enorme Ohrwurmqualitäten besitzt.




Es ist beinahe ein Reflex: Wenn man neue Künstler:innen hört. schaut man routinemäßig erstmal auf Spotify, Apple Music oder anderen Streaming-Diensten, welche Releases es bereits gibt. Wer dort den Namen Finja Reger eingibt, dürfte allerdings enttäuscht werden. Denn man findet: nichts. Es gibt aktuell leider keine Gelegenheit, tiefer in ihre Musik einzutauchen. Und doch bedeutet das keineswegs, dass da nichts wäre. Im Gegenteil: Finjas Leben ist voller Musik!


Alles begann mit dem Klavier ihrer Mutter, das sie mit fünf Jahren für sich entdeckte. „Ich wollte das auch spielen können, also habe ich Unterricht genommen“, beschreibt Finja den pragmatischen Entschluss von damals. Doch beim Üben allein blieb es nicht: Finja spielte Konzerte und nahm an Wettbewerben teil - bis ihr das Klavier irgendwann nicht mehr reichte. Mit dreizehn Jahren lernte die heutige Studentin der Sonderpädagogik, Elementarmathematik und Musik zusätzlich Saxophon, spielte sogar im Schulorchester. „Das hat viel Spaß gemacht, aber ich habe gespürt: Das ist immer noch nicht das Richtige.“ Das sollte sie jedoch bald darauf finden - und dabei half ein Zufall mit.



Szene des Auftritts der Musikerin Finja Reger bei den Kulturschnack Acoustic Sessions in Oldenburg
Großer Rahmen: Die Halle 10 des ehemaligen Fliegerhorstes Oldenburg war ein spektakulärer Rahmen für die Acoustic Sessions. (Bild: Kulturschnack)

In ihrer Heimat Vlotho bei Bad Oeynhausen betreut Finja ehrenamtlich kirchliche Jugendgruppen. Dabei spielt das gemeinsame Singen eine wichtige Rolle, es fehlte jedoch eine passende Begleitung. Finja zögerte nicht lange: „Ich habe mir einfach eine Gitarre gekauft und mir das Spielen selbst beigebracht“, erinnert sie sich - und lässt es so wirken, als sei es das Einfachste der Welt. Tatsächlich war Finja damit noch nicht ausgelastet: Parallel erfüllt sie sich einen lang gehegten Traum und nahm Gesangsunterricht. „Ich habe schon immer gerne gesungen und konnte nun endlich mit Hilfe daran arbeiten. So ist Gesang nun auch zu meinem Hauptfach im Musikstudium geworden.“ Und nicht zuletzt war damit auch der Grundstein für ihren Auftritt bei den Kulturschnack Acoustic Sessions gelegt.


Mit ihrem Song schafft Finja übrigens eine Verbindung zu ihrer eigenen Vita. Denn „Wake Up Heaven“ entstand ursprünglich, um ihn gemeinsam bei Jugendgottesdiensten zu singen. „Ich wollte einen Song schreiben, der näher an den Gedanken und Lebensrealitäten der Jugendlichen ist als die gängige Worship-Musik“, erklärt die Musikerin. Ein Vorhaben, das zweifellos gelungen ist. Und zwar so gut, dass der Song selbst diejenigen begeistert, die set Jahren kein Gotteshaus betreten haben.



Finja Reger: Liebe zur Musik


Wer Finja dabei zuhört, wie sie über Musik spricht, spürt sofort: Das ist wahre Leidenschaft.„Neben meinem Studium war Musik immer ein super Ausgleich, bis ich Musik dann auch zu meinem Studium gemacht habe“, schmunzelt die junge Musikerin und ergänzt:


“Das war eine der besten Entscheidungen, Nach wie vor mache ich jeden Tag Musik und liebe es immer noch.“ 

Ihr gefalle es, dass sich das Üben in der Musik spürbar auszahle und man schnell Fortschritte bemerke. Aber da ist noch mehr: „Musik hilft mir dabei, meine Gedanken zu sortieren und mal eine Auszeit vom Alltag zu nehmen“, beschreibt sie einen wichtigen Effekt. Zwischenzeitlich hatte Finja mal befürchtet, dass der Spaß an der Musik durch das Studium verloren gehen könnte. Doch das Gegenteil trat ein: Er wurde sogar noch größer. „Plötzlich habe ich auch wieder Spaß am klassischen Klavierspielen gefunden, obwohl ich nicht gedacht hätte, dass das in meinem Leben noch passieren würde“, lacht das Multitalent.



Auftritt der Pop-/Rock-Band Crossroads der Musikschule Bad Oeynhausen mit Finja Reger am Mikrofon
Kreuz und quer: Als Sängerin der Pop/Rock-Band Crossroads sammelte Finja Reger Bühnenerfahrung und erweiterte ihr erstaunliches musikalisches Portfolio. (Bild: privat)

Momentan schreibt Finja ihre Songs in erster Linie für sich selbst - auch wenn einige Idee derzeit in ihrer Notizen-App zu verstauben drohen, wie sie gesteht. Das Studium lässt manchmal eben nur wenig Freiraum für kreative Experimente. Als reine Solokünstlerin versteht sich Finja aber trotzdem nicht: „Ich habe bereits zwei Jahre lang in einer Pop/Rock-Band meiner Musikschule in der Heimat gesungen und wir sind auch mit einem selbstkomponiertem Song von mir bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten“, erzählt sie. Und für sie steht fest: Irgendwann möchte sie wieder in einer Band spielen, um weitere Songideen zu verwirklichen - oder einige existierende vor dem endgültigen Verstauben zu bewahren.



Das Musikstudium als Wachstumskurs


Es wäre allerdings nicht Finjas Art, auf dieses "Irgendwann“ einfach nur zu warten und sich bis dahin zu gedulden. „Im Rahmen meines Musikstudiums bin ich bereits in einem Musical-Ensemble und kann mir gut vorstellen, in den nächsten Jahren in verschiedenen Ensembles zu spielen und mich da einfach etwas auszuprobieren“, Das Studium böte viele Gelegenheiten, über sich hinauszuwachsen - und dieser Wunsch nach Weiterentwicklung scheint genau das zu sein, was Finja musikalisch auszeichnet. Sie orientiert sich nicht an Grenzen, sondern an Möglichkeiten; nicht am Bekannten, sondern am Unentdeckten. Mit dieser Haltung wird die 19-Jährige zweifellos ihren Weg gehen.



Szene des Auftritts der Musikerin Finja Reger bei den Kulturschnack Acoustic Sessions in Oldenburg
Im Rampenlicht: Bühnenerfahrung hat Finja zwar, bei den Acoustic Sessions wurde aber erstmals einer ihrer Songs unter professionellen Bedingungen aufgenommen. (Bild: Kulturschnack)

Der Haken: Vor lauter Ausprobieren, Experimentieren und „Übersichhinauswachsen“ ist Finja bisher nicht dazu gekommen, ihre Kompositionen auch aufzunehmen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Umso froher war sie über die Möglichkeit, einen Song bei den Kulturschnack Acoustic Sessions zu präsentieren. „Es war das erste Mal, dass ein Song von mir professionell aufgenommen wurde und ein selbstkomponiertes Stück eine größere Bühne erhält“, erzählt die junge Musikerin und ist begeistert von der Erfahrung. „Ich habe mich zu jeder Zeit gut aufgehoben gefühlt und wurde sogar vom Drehort wieder nach Hause gebracht, da meinem Fahrradreifen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgegangen ist.“


Für sie selbst gilt indes das genaue Gegenteil: Ihr Performance bei den Kulturschnack Acoustic Sessions war genau so, wie sie sein sollte - zwischen Einfühlsamkeit und Energie, vor allem aber mit einem starken Chorus, der allen Anwesenden noch lang in den Ohren nachhallen sollte.



Szene des Auftritts der Musikerin Finja Reger bei den Kulturschnack Acoustic Sessions in Oldenburg
Ganz cool: Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Finja erst 18 Jahre alt. Performt hat sie aber wie ein alter Hase. (Bild: Kulturschnack)

Songideen für Spotify


Da stellt sich unweigerlich die Frage: Was ist denn mit Spotify, Apple Music und all den anderen? Werden wir Finja Reger dort irgendwann finden? „Das ist eher ein langfristiges Ziel“, schmunzelt sie. Denkbar sei das für sie, wenn sie wieder in einer Band spiele und über mehr Wissen in der Musikproduktion verfüge. „Zurzeit liegt mein Fokus eher auf dem Erwerb weiterer musikalischer Kompetenzen und Auftritten in kleinerem Rahmen.“ Diese würde sie gerne nutzen, um ihre Songideen weiter ausbauen zu können, sodass sie irgendwann in einer größeren Besetzung auf die Bühne gebracht werden könnten.


Man muss Finja Reger nicht persönlich kennen, um zu ahnen: Genau das wird auch passieren. Wer von Kindesbeinen an immer wieder neue Instrumente für sich entdeckt, wer immer wieder neugierig darauf schaut, was die Musik sonst noch zu bieten hat und wer schließlich bei den Kulturschnack Acoustic Sessions so souverän performt, hat zweifellos eine große Zukunft vor sich. Zum Glück - denn der Akustik-Hit „Wake Up Heaven“ macht Lust auf mehr!

 
 
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