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WAS IST LIEBE?

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie die Beziehung eines Paares aus einer Comic Serie wohl "abseits der Kamera" aussehen würde? Und könnt ihr euch noch an Olivia Öl, die Partnerin von Popeye dem Seemann (ja, der mit dem Spinat) erinnern? Im theater wrede+ könnt ihr nun erleben, wie Olivia ihre ungesunde Beziehung in Einzelteile zerlegt - und dabei bei sich selbst beginnt.


Plakat zum Stück Liebe eine argumentative Übung des theater wrede+ in Oldenburg
Was ist sie für dich? Plakat: theater wrede+

 

LIEBE - EINE ARGUMENTATIVE ÜBUNG


THEATER WREDE+ KLÄVEMANNSTR. 16 26122 OLDENBURG VORSTELLUNGSTERMINE FR. 08. MÄRZ 2024 - 20:00 UHR SA. 09. MÄRZ 2024 - 20:00 UHR FR. 05. APRIL 2024 - 20:00 UHR

SA. 06. APRIL 2024 - 20:00 UHR


TICKETS GIBT ES:

 

Das, was der Begriff Liebe bedeutet - auch wenn man das vielleicht nicht denken mag - ist alles andere als in Stein gemeißelt. Er ist genau das, was wir als Gesellschaft um ihn herum definieren und über die vergangenen Jahrzehnte und auch Jahrhunderte durchlief die Liebe einem steten Wandel durch die Epochen. Von den einst rigiden Strukturen traditioneller Heteronormativität hat sich die Definition von Liebe zu einem weitreichenden Panorama entwickelt, das die gesamte Bandbreite menschlicher Sexualität und gemeinsamer Beziehungen abdeckt. Diese Transformation spiegelt nicht nur eine wachsende Toleranz wider, sondern reflektiert auch die nuancierte und komplexe Dynamik unserer ständig im Wandel begriffenen Gesellschaft.


Gleichberechtigung - noch lange nicht erreicht. Bild: Shutterstock

Doch auch, wenn dies alles ganz wunderbar progressiv klingen mag, ist der Idealzustand einer völlig gleichberechtigten Stellung der Geschlechter und der diversen Modelle eines gemeinsamen Lebens bei weitem noch nicht erreicht. Benachteiligungen und Diskriminierungen finden auch heute noch vor aller Augen statt. So auch bei der Gleichstellung von Mann und Frau. Zwar konnten gerade in den vergangenen Jahrzehnten viele wichtige Schritte getan und Rechte erstritten und erkämpft werden, doch bleibt auch im Jahr 2024, kurz vor dem internationalen Frauentag am 08. März, festzuhalten, dass Frauen beispielsweise noch immer im Schnitt vier mal so viel unbezahlte Arbeit verrichten wie Männer. Die Probleme sind also vielleicht präsenter als früher und vielleicht auf einem guten Wege in einigen Bereichen, doch bei weitem noch nicht gelöst.


HINTER DEM COMIC


Bühnenbild und die beiden Darstellerinnen des Stückes Liebe eine argumentative Übung vom theater wrede+ aus Oldenburg
Gemeinsames Nachdenken. Foto: theater wrede+

So geht es laut Marga Koop, der Leiterin des theater wrede+, die das Stück "LIEBE / Eine argumentative Übung" nach Oldenburg holte, in der neuen Inszenierung auch vor allem um die Frage wie es gelingen kann, in einer Beziehung weiterhin Feministin zu bleiben. Denn Olivia, die zentrale Figur des Stückes, ist eine kluge, erfolgreiche Autorin – Popeye hingegen erfolgloser Filmemacher. Ein absoluter Gegensatz zu der damaligen, popkulturellen Erzählung des Comics, in dem der starke Popeye mit einer kräftigen Portion Spinat in den Armen die schwache, hilfsbedürftige Olivia rettet.


Nicht so in diesem Stück und dem Blick, der uns abseits der damaligen Comics gewährt wird und eine völlig neue Perspektive einnimmt. Nach außen steht Olivia hier für Feminismus, doch zu Hause bei ihrem narzisstischen Mann vergisst sie ihre Reden über Emanzipation und will ihn glücklich machen. In diesem Konflikt zwischen alten Beziehungsmustern und weiblicher Selbstbestimmtheit wird Olivia zur kritischen Beobachterin ihres eigenen Liebeslebens. Wie viel ist sie bereit, für ihre Partnerschaft aufzugeben? Wie gleichberechtigt sind unsere Partnerschaften? Wie politisch ist unser Privates?


Wie selten sonst schafft es das Stück hierbei weibliche Lust und Sexualität in den Fokus zu rücken und lässt einen gerade durch die großartige Idee, altbekannte Comicfiguren neu- beziehungsweise weiterzudenken, aufhorchen.


EIN THEMA FÜR ALLE


Doch entgegen der Erwartung, dass es bierernst auf der Bühne zugeht und sich der Zeigefinger viel auf andere richtet, ist es das große Kunststück der Textvorlage von Sivan Ben Yishai, dass diese Auseinandersetzung mit der eigenen Beziehungswelt auf sehr humorvolle sowie poetische Art und Weise von statten geht und dabei auf jegliche Opferdarstellungen verzichtet wird, erzählt das Team des Theaters. Stattdessen erwische man sich immer wieder dabei, wie man sich ohne großes Zögern quasi automatisch selbst im Gespielten erkennt und als Zuschauerin oder Zuschauer ganz von allein die eigenen Muster und Denkweisen im Miteinander einer Partnerschaft hinterfragt. Denn die menschliche Beziehung, das Empfinden von Liebe, ist etwas, das wir alle universell miteinander teilen und genau dieses Gefühl steht hier als verbindendes Element im Mittelpunkt zwischen Bühne und Publikum. Ein gemeinsames Nachdenken. Eine argumentative Übung halt.


Abbildung des Bühnenbildes und der Darstellerinnen des Stückes Liebe eine argumentative Übung vom theater wrede+ in Oldenburg
Ein Bewusstseinsstrom. Foto: theater wrede+

Ebenso besonders an eben dieser Übung ist, dass der ursprüngliche Text keine festgelegten, genau definierten Rollen besitzt. Stattdessen arbeitet er mit einer losen Abfolge von Spiegelstrichen, die nie genau klarmachen, wer was sagt und einen großen Raum zur Interpretation schaffen hinsichtlich der letztlichen Umsetzung auf der Bühne. Ist Olivia also überhaupt selbst auf der Bühne anwesend? Sind es ihre Gedanken, die einen Schlagabtausch miteinander führen?


Hier gelingt es dem theater wrede+ mit der gewählten Form zweier nicht näher definierter Frauen, gespielt von Marga Koop selbst und Brit Bartuschka, eine passende Antwort zu finden, die innerhalb der Kulisse durch Videoprojektionen ergänzt werden und so eine Dynamik zu schaffen, die die Leute an die Hand nimmt auf dieser angeregten Fahrt durch die Höhen und Tiefen eines wahrlichen Bewusstseinsstroms einer Frau, die mit ihren eigenen Erwartungshaltungen aber auch denen der Gesellschaft an sich selbst in Klausur geht.


Ein Bewusstseinsstrom, der nicht nur gut unterhält, sondern auch nachhaltig beschäftigt.

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