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JUNGES THEATER: PROBIERT DAS AUS!

  • vor 7 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Theater ist das, was auf den Bühnen passiert? Grundsätzlich richtig, doch spannend ist auch der Blick auf den Weg dorthin. Denn bevor sich irgendwo der Vorhang hebt, müssen Menschen ihre Begeisterung fürs Rampenlicht entdeckt haben. Genau darum kümmert sich nun das Theater k der Kulturetage. Mit seiner neuen Jungen Sparte will es Nachwuchs an das Theater heranführen - nicht nur auf die Bühne, sondern auch dahinter.



Eine Theaterbühne, die bereit ist für eine Junge Sparte mit jungen Menschen in Oldenburg
Bühne frei: In der jungen Sparte des Theater k könnt ihr jetzt nicht nur ins Rampenlicht, sondern auch hinter die Kulissen! (Grafik: Kathrin Strohschnieder)

Theater? Für viele klingt das nach großen Bühnen, alten Texten, und einer gehörigen Portion Berührungsangst. Das Geschehen im Rampenlicht beobachten sie am liebsten aus dem gemütlichen Theatersessel in der anonymen Dunkelheit des großen Saals - falls sie nicht sowieso viel lieber daheim durch ihre Feeds scrollen.


Genau an dieser Stelle will das Theater k ansetzen. Die zur Kulturetage gehörende Bühne baut eine Junge Sparte auf und lädt junge Menschen dazu ein, herauszufinden, was Theater für sie eigentlich sein kann. Und dabei geht es nicht nur ums Schauspiel.



THEATER K


KRACH UND ACH! - OPEN CALL FÜR DIE JUNGE SPARTE


INFOTREFFEN:

MO 24. AUGUST 17 UHR

MI 26. AUGUST 17 UHR


26122 OLDENBURG




„Jede Institution möchte sich auf die eine oder andere Weise verjüngen, sagt Mathilda Kochan, Leiterin des Theater k. Sie sieht eine Notwendigkeit, frischen Wind in die eigenen Wände zu holen und sie ist neugierig darauf, was junge Menschen mitbringen. Denn während Theater als Hochkultur wahrgenommen werde, passiere in der Popkultur ebenfalls jede Menge Spannendes, das einen Vergleich nicht zu scheuen brauche. Warum also beides nicht stärker zusammendenken?



Mathilda Kochan, Leiterin des Theater k in Oldenburg, beim Interview zur jungen Sparte
Voller Ideen: Mathilda Kochan, die Leiterin des Theater k in Oldenburg. (Bild: Kulturschnack)

„Ich habe das Gefühl, dass in der Popkultur sich wahnsinnig viel tut, was man gleichwertig sehen könnte mit der sogenannten Hochkultur“, sagt Mathilda. Und genau deshalb möchte sie Berührungsängste abbauen:


„Theater ist letztlich eben auch nur ein Wort und es kann alles bedeuten.“


Theater ist mehr als Bühne


Das ist vielleicht der wichtigste Punkt beim Open Call: Wer sich angesprochen fühlt, muss nicht unbedingt davon träumen, selbst auf einer Bühne zu stehen. Die Junge Sparte soll ausdrücklich alle Bereiche des Theaters umfassen. „Wir möchten gerne, dass nicht nur Menschen zu uns kommen, die Rampenlicht stehen möchten“, erklärt Mathilda. Theater habe schließlich viele Gewerke – und hinter den oft etwas sperrig klingenden Begriffen stecken Tätigkeiten, mit denen viele junge Menschen ohnehin etwas anfangen können.



Die Bühne des Theater k in Oldenburg, Teil der Kulturetage
Mehr als Schauspiel: Zum Theater gehören nicht nur die Darstellenden, auch Kostüme, Maske und Bühnenbau sind wichtig - und verwandeln das Theater manchmal in eine Sporthalle. (Bild: Kulturschnack)


Maskenbild? Im Grunde Make-up. Kostümbild? Outfits zusammenstellen und sich darüber ausdrücken. Dazu kommen Bühnenbild, Raumgestaltung, Ton, Licht, Technik, Choreografie und vieles mehr. „Auch junge DJs, die irgendwie ihre Musik machen – es kann alles da hineinfließen“, sagt Mathilda.


Gesucht werden deshalb - neben den Schauspielenden - auch Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten und junge Leute, die sich für Innenarchitektur oder Mode interessieren, Räume gestalten oder bereits eigene Beats produzieren. Wer näht, zeichnet, designt oder einfach schon lange eigene Ideen ausprobiert, ist ebenfalls willkommen.


„Es geht alles. Es geht auch einfach nur mit dem Willen: Ich möchte das jetzt einmal ausprobieren.“


MATHILDA KOCHAN IM INTERVIEW

DAS NEUE K

Mathilda Kochan, Leiterin des Theater k in Oldenburg, inmitten der Publikumsplätze bei einem Shooting im Jahr 2025
Kreativgeist im natürlichen Habitat: Mathilda Kochan hat mit dem Theater k das ideale Umfeld gefunden, um ihre Ideen nach und nach umzusetzen. (Bild: Kulturschnack)

Das Theater k der Kulturetage wurde lange überstrahlt von der bedeutenden Konzertbühne im selben Haus. Doch es hat sich was getan in der Bahnhofstraße: Seit dem Führungswechsel zum Jahresanfang 2023 setzt das Theater k viele neue Akzente und entwickelt ein eigenes Profil. Verantwortlich dafür: Die neue Leiterin Mathilda Kochan. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was sich verändert hat - und was noch folgen soll. Zum Artikel geht es hier entlang.



Die eigenen Grenzen sprengen


Dass Theater Spaß machen kann, ist naheliegend. Aber für Mathilda steckt noch deutlich mehr darin. Sie hat selbst früher viele Theatergruppen unterrichtet und dabei immer wieder erlebt, wie Menschen über sich hinauswachsen.


„Was ich immer wieder erlebt habe, war ein ‘Aus-sich-herauskommen‘, ein ‘Über-sich-hinauswachsen'. Und das finde ich immer großartig. Das ist mit das Schönste, was einem passieren kann: das zu ermöglichen oder dazu zu motivieren, die eigenen Grenzen zu sprengen.“


Blick ins Foyer des Theater k in Oldenburg
Volles Programm: Im Foyer des Theater k bekommt man einen bunten Vorgeschmack auf die neue Spielzeit. (Bild: Kulturschnack)

Theater könne dabei helfen, Fähigkeiten zu entwickeln, die weit über die Bühne hinausreichen: Wie stehe ich vor anderen Menschen? Wie spreche ich? Wie laut kann ich werden? Wie setze ich meine Stimme ein? Und was passiert, wenn plötzlich alle Augen auf mich gerichtet sind?


„Ich glaube wirklich daran, dass Theater Menschen unglaublich pusht und entwickelt“, ist Mathilda überzeugt. „Man denkt vielleicht erst: Mein Gott, wie soll das gehen? Und dann kommt man eben aus sich heraus und entwickelt Fähigkeiten fürs Leben.“ Und das gelte nicht nur für Schauspieler:innen. Wer eine Choreografie entwickelt, Regie führt, Kostüme gestaltet oder das Bühnenbild baut, erlebt ebenfalls den Moment, in dem die eigene Idee plötzlich vor Publikum steht. „Man fühlt sich genauso auf die Probe gestellt“, sagt Mathilda. Und genau darin stecke Entwicklung.




Weiß, wovon sie spricht: Mathilda hat an verschiedenen Theatern bereits viel Erfahrung gesammelt. (Bilder: Kulturschnack)


Keine Vorkenntnisse, dafür jede Menge Offenheit


Was die Teilnehmenden erwartet, ist deshalb noch gar nicht komplett festgelegt - und genau das ist Teil des Konzepts. „Große Offenheit unsererseits“, verspricht Mathilda. Denn wer am Ende beim Open Call auftaucht, entscheidet mit darüber, wohin die Reise geht. „Wir sind wirklich offen für alles Mögliche“, sagt Mathilda. „Wir wollen miteinander diskutieren, welche Form das Projekt annehmen kann.“ Allein gelassen wird dabei niemand: Ein Team aus Menschen, die in unterschiedlichen Bereichen anleiten können, steht schon bereit. Je nachdem, welche Interessen und Fähigkeiten zusammenkommen, kann das Team mit weiteren Personen er


Die Junge Sparte soll dabei nicht als einmaliges Projekt für ein paar Monate gedacht sein. Vielmehr wünschen sich Mathilda und ihre Mitarbeiter:innen, dass sich die Beteiligten kontinuierlich einbringen und die Sparte selbst mitentwickeln können. Solche Gelegenheiten sind auch in einer Großstadt wie Oldenburg selten.



Collage aus bekannten Werken der „Sturm und Drang“-Phase der deutschen Literatur, die von der Jungen Sparte des Theater k in Oldenburg behandelt wird


Sturm und Drang – frisch zerfetzt


Inhaltlich soll die Junge Sparte zunächst unter einem großen Thema stehen: Sturm und Drang. Die Epoche passt schließlich ziemlich gut zu einer Jungen Sparte – irgendwo zwischen Aufbegehren, Selbstfindung, großen Gefühlen und dem Versuch, die eigene Welt zu verstehen.


Mathilda interessiert dabei besonders die Frage, was die alten Stoffe jungen Menschen heute noch erzählen können. „Deutsche Romantik liest man immer noch in den Schulen“, sagt sie und nennt mit GoethesDie Leiden des jungen Werther“ ein Beispiel, das so manchem aus dem Deutschunterricht bekannt vorkommen dürfte, das aber immer wieder auch in der Popkultur auftaucht. Gleichzeitig findet sie, dass diese Stoffe eine Auffrischung gebrauchen können. Denn einfach nur historische Texte nachzuspielen, ist nicht der Plan. „Zerfetzen, absolut“, sagt Mathilda auf die Frage, ob man die Stoffe auch einmal ordentlich durch den zeitlichen Fleischwolf drehen dürfe.


Mathilda Kochan, Leiterin des Theater k in Oldenburg, bei einer Probe mit Lotta Paulina Borries
Gute Zeit; Probenarbeit kann anstrengend sein, vor allem macht sie aber Spaß - wie hier bei „Fräulein Braun“. (Bild: Kulturschnack)

Es geht um die Metaebene: Warum lesen wir diese Texte heute überhaupt? Was steckt noch darin? Welche Perspektiven fehlen? Und was wirkt aus heutiger Sicht vielleicht sogar unangebracht? „Ich liebe diese Stücke irgendwo alle, aber ich sehe manches auch als problematisch an“, sagt Mathilda. Gerade darin liege aber eine spannende Möglichkeit: alte Stoffe ernst nehmen, ohne sie auf ein Podest zu stellen. Das Ergebnis könnte dann idealerweise beides sein: Man erkennt vielleicht noch einen „Werther“ oder andere bekannte Stoffe – und entdeckt gleichzeitig etwas völlig Neues darin.




Junge Sparte: Ausprobieren, einbringen, mitbestimmen


Ganz konkret soll es noch in diesem Jahr einen ersten öffentlichen Zwischenstand geben: eine offene Probe oder ein ähnliches Format, bei dem sichtbar wird, was sich bis dahin entwickelt hat. Für das kommende Frühjahr sind dann die ersten Vorstellungen geplant. Mathilda peilt dafür Ende April an – passend zum Sturm und Drang also mitten im Frühling. Bis dahin braucht es vor allem Menschen, die Lust haben, mitzumachen. Eine geplante Theaterkarriere ist dafür ausdrücklich keine Voraussetzung.


Blick aus dem Foyer des Theater k in Oldenburg auf die Fassade der Kulturetage
Kultur für alle: Das ist das Motto der Kulturetage - und letztlich auch ein Antrieb für die Junge Sparte des Theater k. (Bild: Kulturschnack)

Ebenso wenig muss man bereits jahrelange Bühnenerfahrung mitbringen. Ihr Aufruf ist entsprechend unkompliziert:


„Probiert das bitte einmal für euch aus.“

Und wer schon eigene Fähigkeiten mitbringt, darf sie selbstverständlich einbringen. Eigene Beats, selbst genähte Entwürfe, Designideen oder handwerkliches Know-how können direkt in die Arbeit einfließen. Im Kostümfundus des Theater k wartet außerdem Material darauf, neu interpretiert und per Upcycling weiterverwendet zu werden.


Die Junge Sparte soll also kein fertiges Konzept sein, in das junge Menschen nur noch hineinpassen müssen. Eher das Gegenteil: Sie sollen mitbestimmen, was daraus wird.

Oder, um es mit Mathildas Worten zu sagen: „Theater ist letztlich eben auch nur ein Wort und es kann alles bedeuten.“ Deshalb: Probiert das aus!

 
 
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