FESTIVAL DER ILLUSTRATION
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Die Bildgenerierungsfähigkeiten künstlicher Intelligenzen bergen das Potenzial zu einer existenziellen Bedrohung für diverse kreative Berufsgruppen, wie beispielsweise Illustratorinnen und Illustratoren zu werden. Doch während massenhafter Einheits-KI-Slop zur zunehmenden Enshittification des Internets beiträgt, zeigen Veranstaltungen wie die inzwischen achte Auflage des Festivals der Illustration, welche Kraft vom menschlichen Strich noch immer ausgeht und hoffentlich auch immer ausgehen wird!

Wie omnipräsent die Thematik auch aktuell direkt vor unserer eigenen Haustüre ist, zeigte sich erst kürzlich am Auswahlverfahren für das Plakat zum fünfzigsten Jubiläumsstadtfest hier in Oldenburg. Ein offener Wettbewerb wurde ausgerufen, Beiträge durften eingereicht werden und am Ende entschied sich eine Jury für vier Plakatdesigns in der engeren Auswahl, über die in der Folge abgestimmt werden konnte. Doch zahlreiche Menschen sahen in einem der Beiträge eine eindeutige Produktion auf Basis künstlicher Bildgenerierung. Die Reaktionen fielen zum Teil eindeutig aus, obwohl der Einsatz der Technologie im Rahmen des Wettbewerbs nicht verboten war. Infolgedessen entstand eine lebhafte Debatte darüber, welche Technologien zu einem solchen Wettbewerb zugelassen sein sollten und welche Voraussetzungen hierfür in Zukunft auch strukturell erfüllt sein müssten.
Da trifft es sich, dass parallel zu besagtem Stadtfest im Raum auf Zeit an der Heiligengeiststraße 12 die volle Brandbreite der Illustration bis Anfang September ihre eigene Repräsentation findet. Erneut wird Oldenburg dabei zum Treffpunkt für all diejenigen, die Geschichten in Bildern mit Vollblut leben und lieben. Doch erwartet einen hierbei nicht nur eine bloße Ausstellung, sondern schon wie in der Vergangenheit ein durchdachtes und vor allem brandaktuelles Rahmenprogramm, das von Lesungen, Workshops und interaktiven Podiumsdiskussionen bis hin zu Konzertabenden und Filmvorführungen reicht. Sie alle machen eines deutlich: die Illustration als Kunstform ist sowohl Berufung und kulturelles Ausdrucksmittel als auch Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen.
FESTIVAL DER ILLUSTRATION
21. AUGUST BIS 6. SEPTEMBER 2026 RAUM AUF ZEIT HEILIGENGEISTSTRAßE 12 26121 OLDENBURG
HIER FINDET IHR DAS VOLLSTÄNDIGE PROGRAMM
Interessen vertreten
Denn das Festival macht im wahrsten Sinne sichtbar und erlebbar, wie gezeichnete Bilder sowohl Geschichten erzählen, als auch zum Nachdenken anregen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Dass sich dahinter keine leere Pressestatementsfloskel verbirgt, beweisen vor allem zwei elementare Veranstaltungen des Programms, die ihren Finger exakt in die Wunden der aktuellen Zeit legen. Für die Podiumsdiskussion „Strich oder Algorithmus - Illustration im Zeitalter von KI“ am 24. August beschäftigt man sich gemeinsam mit Frank Kühne, Programmleiter beim Carlsen Verlag und dem Cartoonist Kai Flemming mit der Frage, inwiefern die aktuelle Verlagsarbeit bereits von den Entwicklungen rund um KI geprägt ist und wie sich die Verlagswelt hierzu aktuell aber auch in Zukunft positioniert.

Denn zahlreiche Fragen liegen auf der Hand. Ist es womöglich nur eine Frage der Zeit, bis bestehende Bekenntnisse einer Branche zur menschengemachten Illustration dem Kostendruck oder der zunehmenden Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz anheim fällt? Was ginge abseits monetärer und existenzieller Aspekte auch in kultureller Hinsicht für uns als Menschen in einem solchen Fall verloren? Muss sich Illustration und künstliche Intelligenz zwangsläufig überhaupt ausschließen oder können beide Bereiche womöglich sogar voneinander profitieren durch die Nutzung als Werkzeug im Arbeitsalltag? Und natürlich die womöglich entscheidende aller Fragen: wie werden die missbrauchten Urheberrechte all' der Kreativschaffenden zukünftig und auch rückwirkend entschädigt, an deren Werken sich zu Trainingszwecken der KI bedient wird und wurde? Passenderweise ist es eben dieser Carlsen Verlag, der soeben eine Urheberrechtsklage gegen OpenAI eingereicht hat und hier einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen könnte.
Das Festival der Illustration zelebriert also ganz bewusst auch, aber eben nicht nur die eigene Kunstgattung. Das Kollektiv rund um den Verein Illustratoren Oldenburg e.V. tritt mit Veranstaltungen wie dieser in diesem Jahr auch bewusst als eine Art Interessenvertretung der individuellen Bedürfnisse der einzelnen Künstlerinnen und Künstler auf. Dabei ist es wichtig und bedeutsam, dass sie die Belange und Sorgen dieser hinein in eine Stadtgesellschaft wie Oldenburg kommunizieren. Denn abseits einer übergeordneten, uns alle betreffenden Debatte, ist es umso wichtiger, dass die Menschen der Stadt spüren, dass diejenigen, deren Existenz von diesen Entwicklungen bedroht wird auch in einer Stadt wie Oldenburg existieren und sie selbst oder ihre unmittelbaren Nachbarn sein könnten. Statt ein vermeintliches Schicksal über sich ergehen zu lassen, geht das Programm hinein in die kritische Auseinandersetzung und lädt dazu ein, sich an dieser Debatte zu beteiligen.
DIE VERANSTALTUNGEN & IHRE PLAKATEZu quasi jeder großen Veranstaltung innerhalb des Programms hat es sich das Team rund um das Festival nicht nehmen lassen, eigens Plakate zu entwickeln, die jedes Mal aufs Neue selbst zum eigenen Kunstwerk werden. Deshalb möchten wir euch diese auch hier nicht vorenthalten und stattdessen in einer kleinen Slideshow präsentieren: |
(Plakat 1,4,5,6: Ulli Bohmann, Plakat 3,7: Carsten Fuhrmann, Plakat 2: Ulli Bohmann & Carsten Fuhrmann)
Haltung zeigen
Für den zweiten, prägenden Termin des diesjährigen Festivals, gelang es den Künstler Lennart Gäbel für eine Podiumsdiskussion zu gewinnen. Vom renommierten TASCHEN Verlag wurde er in der Vergangenheit bereits als einer der 100 besten Illustratoren bezeichnet und seine Arbeiten zierten bereits die Titelseiten des Stern und Spiegels. Mit simpler, reduzierter Bildsprache wird seine Arbeit zum perfekten Exempel für solche Bilder, die mehr in der Lage sind zu erzählen als es 1000 Wörter je könnten. Es gelingt ihm dabei einen komplexen Sachverhalt auf seine absolute Kernessenz zu reduzieren, was die dahinterliegende Metapher und Botschaft jedoch durch den notwendigen Raum umso wirkungsvoller erscheinen lässt.
Nach einem kurzen ersten Input von Gäbel selbst, der einen Einblick in seine Arbeit gibt und seinen persönlichen Anspruch an politische Illustration aufzeigt, spricht er im Anschluss gemeinsam mit dem Oldenburger Kulturdezernenten Holger Denckmann und Norbert Egdorf, dem Projektleiter des Festivals, weiterführend über die Rolle und auch die Kraft, die Illustrationen, Karikaturen und Satire im Allgemeinen für unsere demokratische Gesellschaft spielen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach Meinungsfreiheit, Verantwortung, Haltung, öffentlicher Wirkung und dem Einfluss neuer Technologien auf die politische Bildsprache. Denn wieviel Kraft in einer einzigen Illustration liegen kann, zeigte sich schließlich auch immer wieder an den Reaktionen, die diese in manchen Menschen hervorriefen in der Vergangenheit und Künstlerinnen und Künstler zur Zielscheibe werden ließ.

Ein Anker in dieser Welt
Beide Schwerpunkte der diesjährigen Ausgabe des Festivals der Illustration schließen somit am Ende des Tages einen inhaltlichen Kreis. Denn die Verbindung beider Thematiken macht deutlich, warum uns allen der Faktor Mensch in einer Kunstform, gerade wie der der Illustration, nicht verloren gehen darf. Auch wenn eine künstliche Intelligenz in sekundenschnelle Ergebnisse in zunehmend höherer Qualität generieren kann und das durchaus eine beträchtliche Effizienzsteigerung bedeuten mag, wird ihr doch immer ein bedeutsames Kriterium fehlen.
Denn sie selbst wird (vorerst) kein wirklicher Teil der Gesellschaft sein können und somit kein Feingefühl dafür entwickeln können, was zwischen uns Menschen passiert und wie am Ende des Tages das entsteht, was wir unter Zeitgeist verstehen. Deshalb gilt, zumindest heute noch, dass irgendein Plakat zwar durch den Einsatz künstlicher Intelligenz schnell erstellt sein mag, doch um wirklich inhaltliche Schlagkraft entwickeln zu können, braucht es sowohl eine soziale als auch kulturelle Verankerung in der Welt, die uns umgibt - den Menschen.
Wieviel das Wert sein kann, werdet ihr spätestens bei einem guten Gespräch in der Ausstellung an der Heiligengeiststraße 12 mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern merken, die euch einen Einblick in ihr kreatives Schaffen geben und sich bereits auf euren Besuch freuen.









