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EXPERIMENT FÜR ALLE

Theater ist etwas, das Profis formvollendet vorführen, während das Publikum andächtig lauscht? Oft genug, aber nicht immer! Auch Laien haben die Chance, auf den Oldenburger Bühnen zu stehen. Bereits bekannt sind die Kinder- und Erwachsenenclubs des Staatstheaters. Dort gibt es nun aber etwas Neues. Was das ist? Das haben wir die beiden Initiatorinnen Nora Hecker und Hanna Puka gefragt.


Kaum ein Unterschied: Ob in dieser Szene Laien oder Profis agieren, ist frühestens auf den zweiten Blick zu erkennen. (Bild: Stephan Walzl)

Es nieselt mal wieder in Oldenburg. Das üppig verglaste Foyer des Oldenburgischen Staatstheaters ist aber selbst an wolkenverhangenen Aprilnachmittagen ein heller Ort. Und er strahlt noch etwas mehr, wenn man dort mit Menschen spricht, die von ihrer Leidenschaft erzählen. Genau das tun an diesem Tag Nora Hecker und Hanna Puka. Die beiden Regisseurinnen wirken leicht erschöpft, aber bestens gelaunt - vielleicht ein Idealzustand vor einer großen Premiere. Und die wird in diesem Fall nur einige Tage später anstehen.


„Wir proben momentan täglich“, liefert Hanna sogleich eine Erklärung für etwaige Ermüdungserscheinungen - und zwar nach einem regulären Arbeitstag. „Um 18 Uhr geht es wieder los. Mit allen Nachbereitungen ist man damit bis 23 Uhr beschäftigt.“ Der heiße Cappuccino, der nun vor den beiden aus weißen Kantinentassen dampft, sei ihnen also herzlich gegönnt - zumal es einiges zu erzählen gibt, wie sich schnell herausstellt.


 

STADT:ENSEMBLE OLDENBURG


ROBINSON CRUSOE:

EIN PROJEKT ÜBER DAS (ÜBER)LEBEN


SONNTAG, 21. APRIL, 18.30 UHR (AUSVERKAUFT)

SAMSTAG, 27. APRIL, 20 UHR (KARTEN)

SONNTAG, 12. MAI, 15 UHR (KARTEN)

SAMSTAG, 18. MAI, 18 UHR (KARTEN)

DONNERSTAG, 23. MAI, 20 UHR (KARTEN)

MONTAG, 27. MAI, 20 UHR (KARTEN)

SONNTAG, 2. JUNI, 20 UHR (KARTEN)

SAMSTAG, 8. JUNI, 18 UHR (KARTEN)


OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER

KLEINES HAUS

26122 OLDENBURG


 

Anders als gewohnt


Nora und Hanna sind keine Unbekannten in der Oldenburger Theaterlandschaft. Seit der Spielzeit 22/23 leitet Nora das Niederdeutsche Schauspiel am Staatstheater. Schon etwas länger - nämlich seit 2018 - ist Hanna die künstlerische Leiterin der Theatervermittlung, also auch der erfolgreichen Kinder- und Erwachsenen-Clubs. In beiden Fällen arbeiten sie mit Laienschauspieler:innen zusammen. Und genau dieser Umstand hat sie auch zusammengeführt.


„Das Stadt:Ensemble ist eine Kooperation zwischen der Vermittlung und dem Niederdeutschen Schauspiel“, erklärt Nora. Dementsprechend werde zweisprachig gearbeitet: auf Hoch- und Plattdeutsch. „Man muss also kein Platt können, um dabei zu sein“, gibt die Regisseurin und Dramaturgin sogleich Entwarnung. Schließlich gilt dieses Prinzip auch für das Leitungs-Team selbst: Als Kinder des Ruhrgebiets bzw. des Niederrheins begegneten sie dem Niederdeutschen erst, als sie ihre Engagements in Oldenburg annahmen.


Where the Magic happens: Das Stadt:Ensemble wird im Kleinen Haus auftreten - mit 350 Plätzen die zweitgrößte Spielstätte des Staatstheaters. (Bild: Kulturschnack)

Vielleicht trug dieser Umstand dazu bei, dass Platt anders zu verwenden, als wir es bisher gewohnt sind. Wer mit volkstümlichen Schenkelklopfern rechnet, liegt jedenfalls falsch: „Wir benutzen die Sprache auf eine sehr poetische Weise“, beschreibt Hanna den Unterschied. Man verwende sie für Naturbeschreibungen und für die Darstellung von Gefühlswelten.


„Statt des bekannten spritzigen Rhythmus verwenden wir das Platt elegisch. Dadurch bekommt es plötzlich einen ganz anderen Klang.“


Expert:innen des Alltags


Ein Stadt:Ensemble also. Das klingt beinahe offiziell, als müsse man sich eine Beteiligung durch eine glanzvolle Bühnenkarriere erarbeiten, doch das Gegenteil ist der Fall: „Für das Stadt:Ensemble suchen wir ganz normale Menschen, die Lust auf Theater haben“, ordnet Nora ein. „Wir sprechen von 'Expertinnen des Alltags'. Wir wollen ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf die Bühne bringen.“ Das heißt also: Nicht nur setzt sich dieses Ensemble aus interessierten Bürger:innen zusammen, es widmet sich auch ihren Geschichten. Dabei gebe dabei aber keinen Wettbewerb um die spektakulärste Anekdote: „Es kann genauso wertvoll sein, wenn man eine klare Haltung zu einem Thema hat.“ Schließlich werde viel über die Inhalte diskutiert und alles fließe letztlich in das Stück ein.


AUSSER KONKURRENZ DIE BESONDERE QUALITÄT DES LAIENTHEATERS Der Begriff Laie wird häufig abwertend verstanden. Im Vergleich Profis müsste das Arbeitsergebnis von Laien immer minderwertig sein, lautet ein verbreitetes Vorurteil - schließlich verfügen sie über keine vergleichbare Ausbildung. Stimmt das?


Tolle Truppe: Die Mitglieder des Stadt:Ensembles Oldenburg in Vielfalt vereint. (Bild: Stephan Walzl)

Die Zusammenarbeit mit Schauspiel-Amateur:innen stellt andere Anforderungen als eine Inszenierung mit Profis. Nora Hecker und Hanna Puka verstehen diesen Aspekt aber nicht etwa als Nachteil: „Natürlich können Laien keine Performance abliefern, wie es professionelle Schauspieler können“, ordnet Nora ein. Dafür fehle einfach die jahrelange Ausbildung und die nötige Berufserfahrung. „Aber das ist auch nicht gefragt, weil andere Dinge zählen.“ Hanna stimmt zu: „Man wird von Laientheater anders berührt, weil man deutlich spürt, dass es direkt im Moment entsteht.“ Sie ist überzeugt, dass jeder Mensch etwas Künstlerisches in sich trägt. Aufgabe der Regie sei es, dem Spiel die nötige Professionalität zu geben, ohne ihm den ursprünglichen Reiz zu nehmen. „Bei Laienschaupieler:innen spürt man das Adrenalin“, schwärmt Hanna. Diese Begeisterung sei in vielen Fällen auch für das Publikum mitreißend. Es geht also nicht darum, die Mitglieder des Stadt:Ensembles mit den Meister:innen des Fachs zu vergleichen. Vielmehr entsteht hier etwas eigenes, das sich durch hohe Authentizität auszeichnet, das die Zuschauer:innen nah ran lässt an die Menschen und ihre Geschichten - und das den Theaterbesuch gerade deswegen lohnenswert macht.


Angesprochen sind letztlich alle Menschen im Einzugsgebiet des Staatstheaters: „Wir wollen mit dem Stadt:Ensemble auch neue Zielgruppen erreichen“, erläutert Hanna. Ins Theater käme traditionell nur ein kleiner Anteil der Bevölkerung, „vielleicht zehn Prozent“, schätzt sie. Obwohl das allein in Oldenburg über 17.000 Menschen wären, nimmt das Stadt:Ensemble die gesamte Gesellschaft in den Blick und dabei insbesondere jüngere Menschen: „Die können dem Theater vielleicht erstmal nichts abgewinnen. Über Themen, Stoffe, Fragen können wir aber durchaus mit ihnen in Kontakt kommen - und widmen uns dann ihren Lebensentwürfen, ihren Ideen, ihren Fantasien.“


Work in Progress


Der Ansatz des Stadt:Ensembles ist deshalb betont offen. So steht vorab zwar ein Stoff fest, der die Basis für die Handlung darstellt. Jedoch entsteht das konkrete Stück erst im Prozess. „Was es letztlich auf der Bühne zu sehen gibt, hängt davon ab, welche Geschichten unsere Schauspieler:innen mitbringen“, erklärt Nora. Ihre Erlebnisse haben großen Einfluss auf Endergebnis.


„Wir schreiben das Stück letztlich während des Proben-Prozesses.“

Zuvor galt es aber erst einmal die passenden Schauspieler:innen zu finden. Was gar nicht so einfach war, denn zum Auftaktworkshop im September 2023 kamen über hundert Interessierte. Ein ungeheurer Andrang, wenn man bedenkt, dass alle ihre Geschichten zum Thema „(Über)Leben“ erzählen wollten. Hinzu kamen weitere Fragen: Wir steht es um das Interesse an der Schauspielerei und dem jeweiligen Talent? Passen Geschlecht und Alter zur Handlung?


Herz(en) fürs Theater: Hanna Puka und Nora Hecker vom Stadt:Ensemble des Oldenburgischen Staatstheaters. (Bild: Kulturschnack)

„Wir hatten deutlich mehr Männer als Frauen beim Workshop“, erzählt Hanna. Das sei normalerweise eher andersherum, stehe hier aber vermutlich in Zusammenhang mit dem Zeitaufwand. „Insbesondere Frauen zwischen Mitte 30 und Mitte 40 waren kaum dabei - man ahnt warum.“ Intensives Theaterleben lässt sich manchmal eben nur schwer mit der Familie vereinen, wie die beiden Leiterinnen aus eigener Erfahrung wissen.


Ins Ensemble schafften es am Ende zwanzig Schauspieler:innen zwischen 17 und 70 Jahren. „Wir haben eine ganz tolle Truppe beisammen“, freut sich Hanna. Sie alle haben sich eingelassen auf - zusammengerechnet - acht Wochen Proben in ihrer Freizeit. Traf man sich anfangs noch einmal pro Woche, sieht man sich inzwischen täglich mehrere Stunden. Ein immenser zeitlicher Aufwand - der sich aber bezahlt macht, wie Matthias Krudewig bestätigt. Der 70-Jährige ist das älteste Mitglied des Ensembles und findet: „Das Spielen ist aufregend und herausfordernd. Mein Gehirn wurde dabei wacher.“ Zudem seien seine Ideen und Gedanken in die Entstehung des Stücks geflossen. „Das war sehr spannend!“



Gestrandet in der Gegenwart


In diesem Jahr bildet die weltberühmte Geschichte „Robinson Crusoe“ von Daniel Dafoe das Gerüst für das Stück des Stadt:Ensembles. Dabei geht es aber nicht etwa - wie schon angedeutet - um eine möglichst werkgetreue Aufführung des Klassikers, sondern um subjektive Erfahrungen. „Wie haben Geschichten über Einsamkeit und Entfremdung gesucht“, erklärt Hanna. Anlass dafür sei die zeitweise große Verunsicherung wegen des Kriegs in der Ukraine gewesen. „Wir haben uns gefragt: Was bedeutet es eigentlich, wenn wir plötzlich zurückgeworfen werden auf nichts? Ohne Strom, ohne Gas, ohne fließend Wasser?“ Und die Antwort habe an die berühmte Geschichte erinnert.


Dramatisch: Bei Bühnenbild und Beleuchtung werden keine Abstriche gemacht. (Bild: Stephan Walzl)

Die „Expertise des Alltags“ betraf in diesem Fall also sehr persönliche Geschichten - und die gab es auch reichlich. „Mitglieder unseres Ensembles haben Isolation erlebt. Andere sind einsam, weil die Frau gestorben ist oder weil sich sich fremd mit sich selbst fühlen“, berichtet Hanna.


All diese subjektiven Erfahrungen werden mit dem vorhandenen Stück verwebt, das sich auf diese Weise immer weiter entwickelt. „Das ist natürlich ein Experiment“, erklärt Nora mit einem vielsagenden Lächeln. Man kann einiges daraus lesen: Etwa, dass es sich um ein durchaus aufwändiges, anspruchsvolles Verfahren handelt. Aber auch, dass die Ergebnisse sich sehen lassen können. Und tatsächlich ergänzt Hanna den wunderbaren Satz:


„Vielleicht ist das dünnes Eis - aber darauf kann man prima gleiten!“

Bei der Inszenierung ergaben sich zudem neue inhaltliche Fragen. „Robinson Crusoe“ wurde Anfang des 18. Jahrhunderts veröffentlicht, seinerzeit gehörte Kolonialismus noch zur zentraleuropäischen Normalität. „Wir haben aber Menschen im Ensemble, deren Nationen davon betroffen waren. Da stellt sich die Frage: Wie geht man damit um?“, beschreibt Hanna eine besondere Herausforderung. Ein überaus spannendes Thema, dessen Behandlung wir bei den acht Aufführungen des Stadt:Ensembles erleben dürfen - mit dem speziellen Akzent, dass die Geschichten aus unserer Mitte stammen, von unseren Nachbar:innen, Vereinskamerad:innen oder Arbeitskolleg:innen.


KLASSIKER DER WELTLITERATUR ROBINSON CRUSOE IN OLDENBURG Nein, das norddeutsche Oldenburg war Daniel defoe völlig unbekannt und das Jahr 2024 hat er sich wahrcheinlich beim besten Willen nicht vorstellen können. Schließlich wurde der berühmte Schriftsteller 1660 in London geboren, fernab vom Hier und Jetzt. Dennoch hat seine Geschichte des gestrandeten Robinson auch heute noch eine hohe Relevanz.

Klassiker: „Robinson Crusoe“ erschien vor dreihundertundfünf Jahren. Das Lesen lohnt sich immer noch. (Bild: Wikipedia Commons)

Zwar hat sich vieles verändert, seit das Werk im Jahre 1719 erstmal gedruckt und gelesen wurde. Wir leben heute auf demselben Planteen, aber in einer anderen Welt als Defoe. Die Qualität des Buchs zeigt sich aber nicht zuletzt daran, dass sein Inhalt auch heute noch „relatable“ ist. Für eine Isolation müssen wir freilich nichgt mehr über den Atlantik segeln und Schiffbruch erleiden. In Digitalzeitalter reicht dafür im Grunde ein Internetanschluss aus, mit ihm wird die Wohnung zur Insel. Diese neuen Möglichkeiten werfen Fragen auf. Der Mensch war immer ein soziales Wesen, auf den Kontakt zu anderen angewiesen. Für Robinson war das klar, aber wie ist es für uns? Kommen wir auch ohne Kontakte aus? Sind wir uns selbst genug, solange wir genügend Essen und Entertainment ordern können? Oder fühlen wir uns nicht auch allein und einsam? Wie Schiffbrüchige des Alltags? Vielleicht merken wir beim Lesen von „Robinson Crusoe“ - oder besser: beim Besuch einer Vorstellung des Stadt:Ensembles - sehr schnell, dass Einsamkeit kein Einzelschicksal ist, sondern uns alle betreffen kann.


Oldenburger Robinsonade


Die Figur des Robinson Crusoe stammte aus dem nordenglischen York, nicht aus Eversten oder Etzhorn. Und die Handlung spielt in der Nähe des Orinoco im heutigen Venezuela, nicht an der Hunte. Dennoch rückt der Stoff ganz nah an uns heran. Die Kernelemente des historischen Stücks - das Fremdfühlen, die Einsamkeit, die Hilflosigkeit - lassen sich nämlich sehr wohl auch in unserer Mitte verorten. Nicht wenige von uns leben selbst auf einer Insel - oft autark, manchmal isoliert. Das heißt: Was Defoe vor dreihundert Jahren schrieb, lässt sich überraschend gut auf heutige Zusammenhänge übertragen.


„Diese Ausgangssituation ermöglicht eine besondere Identifikation“, erklärt Nora. Das könne zwar auch durch andere Stücke mit professionellen Schauspiel passieren, aber: „Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit viel größer ist, wenn persönliche, authentische Geschichten erzählt werden.“ Dadurch entstehe eine große Nähe zum Publikum - und diese Nähe sei die ideale Basis, um ins Gespräch zu kommen oder Gespräche anzustoßen.


Emotional: Die Geschichte des Robinson Crusoe und ihre Verortung in den Gegenwart lösen unterschiedliche Gefühle aus. (Bild: Stephan Walzl)

Diese Qualität soll das Stadt:Ensemble auch in Zukunft auszeichnen, verrät Hanna. „Wir können uns vorstellen, dass wir konkrete Themen aus Oldenburg behandelt“, erklärt die Regisseurin und Theaterpädagogin und nennt die Stadtentwicklung als ein Beispiel. „Wir wollen kein politisches Theater machen, aber es gibt definitiv genug Stoff, den man auf die Bühne bringen könnte.“ Nora ergänzt: „Politisch wird es zwar automatisch, wenn man Themen der Gegenwart verhandelt. Aber wir wollen es nicht bewusst anstoßen.“ Hört man die beiden über die Möglichkeiten der Bühne sprechen, kann man deren Zukunft kaum noch erwarten. Zunächst widmet sich die Vorfreude aber „Robinson Crusoe“ - bzw. der einzigartigen Oldenburger Variante der Geschichte vom (Über)Leben.



Gewohnter Wahnsinn


Die beiden Cappucinos halten erstaunlich lange, dafür dass Hanna und Nora einen kleinen Koffeinkick gut gebrauchen könnten. Dass die Tassen immer noch nicht leer sind, zeugt aber von der Begeisterung, mit der die beiden erzählen: Vor lauter Inspiration ist schlicht keine Zeit, sich dem heißen Getränk zu widmen. Überhaupt arbeitet das Duo kongenial zusammen. „Was die eine denkt, spricht die andere aus“, beschreibt Nora die Zusammenarbeit und Hanna ergänzt: „Anders wäre dieses Projekt auch gar nicht möglich. Wenn wir uns noch an vielen Details reiben würden, kämen wir gar nicht voran.“


Dennoch sind auch wenige Tage vor der Premiere noch etliche Details zu klären. Für die beiden erfahrenen Theaterfrauen ist dies aber Routine: „Wir sind diesen Wahnsinn gewohnt“, lacht Hanna. „Aber unsere Schauspieler:innen müssen die eine oder andere Frustration aushalten.“ Für sie sei es häufig überraschend, wie viele Anläufe und Umwege es für eine Szene brauche - und dass viele Ansätze auch wieder verworfen würden, manchmal bis zuletzt. Nora hingen macht das nicht nervös:


„Wir wissen: Es ist ein Experiment. Aber wir sind beide überzeugt: Es wird am Ende gelingen.“

Zu diesem Optimismus trägt auch eine Besonderheit bei, die in diesen Tagen zutrage kommt: Bei Amateuren entsteht bei den letzten Proben ein gigantischer Output“, weiß Hanna aus Erfahrung. „Bis zur Generalprobe bedeutet jeder Test einen Riesenschritt.“ Zwar seien Premieren auch für Profis etwas Besonderes, aber die bewegten sich eben auf Nuancen eines bestimmten Levels. „Bei Amateuren ist der Effekt aber gigantisch. Die legen nochmal fünfzig Prozent obendrauf.“


Einsam: Den Schauspieler:innen des Ensembles gelingen eindrückliche Darstellungen - nicht zuletzt, weil sie authentische Geschichten erzählen. (Bild: Stephan Walzl)

Zwei plus zwanzig


Dass im Herbst 2023 am Theater k der Kulturetage beinahe zeitgleich ein ähnliches Format startete, stört Nora und Hanna übrigens nicht: „Ich finde es schön und bereichernd, dass unsere Stadt diese verschiedenen Möglichkeiten bietet“, erklärt Hanna. Es gebe eben ein Interesse und Bedarf an solchen Formaten. „Die Stadt ist doch groß genug. Da kommen wir uns überhaupt nicht in die Quere“, findet auch Nora. Dass man das beim Theater k ganz ähnlich sieht, wie dessen Leiterin Mathilda Kochan bestätigte, vervollkommnet den positiven Eindruck. Gut für Oldenburg, dass es hier eine so kreative und kollegiale Szene gibt.


Zum Ende unseres Gesprächs sind die Cappuccinos schließlich doch geleert und tatsächlich bricht der Himmel etwas auf, einzelne Sonnenstrahlen finden ihren Weg hinunter zum Theaterwall. Das warme Licht passt zur gelösten Stimmung im Foyer. Zwar befinden sich Nora und Hanna inmitten eine hochintensiven Phase, die sie und ihre Schauspieler:innen sehr fordert - nicht nur zeitlich, sondern auch mental. Doch die Vorfreude auf die Premiere ist den beiden deutlich anzumerken. Kein Zweifel: Sie sind zwei leidenschaftliche Theatermacherinnen - die mit dem Stadt:Ensemble zwar kein leichtes Projekt initiiert haben, aber ein sehr lohnendes. Manchmal braucht es eben genau zwei Profis und zwanzig Laien, um starkes Theater zu erschaffen. Sicher: Das Stadt:Ensemble ist ein Experiment für alle Beteiligten - hinter den Kulissen, auf der Bühne, in den Theatersesseln. Jedoch eines, dass vollauf zu gelingen scheint.

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