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KOLUMNE: POSTKARTE AUS DEM PRÄTERITUM

  • 3. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Seit Mitte 2020 schreibt Kulturschnacker Thorsten eine monatliche Kolumne für die wunderbare Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters. Digital findet ihr sie zum Nachblättern unter www.staatstheater.de. Oder: hier.


Key Visual für das Gegenüber-Projekt des Oldenburgischen Staatstheaters
Gesellschaftliches Engagement: Unter der Überschrift „Gegenüber“ veranstaltet das Oldenburgische Staatstheater im Mai und Juni die „Demokratie-Wochen“. (Bild: Stephan Walzl)

Kolumnen sind kleine Zeitreisen. Oft handeln sie von Dingen, die erst noch passieren werden. Oder sie greifen etwas auf, das für mich – während ich schreibe – noch in der Zukunft liegt, für Sie – während Sie lesen - aber bereits in der Vergangenheit. Das bedeutet für mich Denken im Futur II: Es wird etwas geschehen sein. Dieses Mal geht die Reise aber geradewegs in die Vergangenheit, nämlich zurück in die Osterferien. Wie viele andere war auch ich verreist – und das führt mich direkt zum Thema. Denn egal wohin es geht, ob nach Aarhus oder Groningen, nach Luang Prabang oder Kota Kinabalu, eines macht jede Reise möglich: Entdecken.


 

Besser als Geheimtipps

 

Das betrifft erstmal die Kultur im weiteren Sinne: Wie leben die Menschen? Was ist ihnen wichtig? Wie nutzen oder gestalten sie ihre Umgebung? All diese spannenden Fragen können genereller Natur sein – man kommt dabei aber auch schnell zur Kultur im engeren Sinne, also zu den verschiedenen Formen der Kunst.


Titelseite der Theaterzeitung des Oldenburgischen Staatstheaters vom Mai 2026 mit der Kulturschnack-Kolumne von Thorsten Lange
Front Page News: Thorstens Kolumne wurde auf der Titelseite der Theaterzeitung veröffentlicht.

Schließlich begegnen wir ihnen beinahe überall, etwa wenn wir in ein klassisches Museum gehen, ein Mural entdecken oder einer Straßenpoetin zuhören. Dabei geht es immer um Beobachtungen, Eindrücke und Gedanken, um Kreativität, Einfallsreichtum und Ausdruckskraft der Menschen. Also: Um sie selbst.


Mich beeindruckt das jedes Mal aufs Neue. Es ist faszinierend, Kunst in neuen Kontexten zu erleben – entstanden unter anderen Bedingungen, inspiriert von anderen Eindrücken. Was die Menschen schaffen, sagt oft viel mehr über sie aus als die kalten Fakten eines Wikipedia-Eintrags oder die vermeintlichen Geheimtipps irgendwelcher Travel Blogs. Ihre Werke, so beiläufig sie uns auch begegnen, bieten einen Zugang zu ihren Gedanken und Gefühlen. Und das ist es doch, was Kunst leisten kann: Eindrücke vermitteln, die man in Zahlen und Daten oder bloßen Beschreibungen nicht darstellen könnte.


Das Menschliche zwischen den Zeilen der Geschichtsbücher finden wir in den Kunstwerken - ganz egal wie alt oder jung, gefällig oder extravagant, berühmt oder unbekannt sie sind.


Das Unbekannte vor der Haustür

 

Spannend ist übrigens auch die Gegenperspektive: Wenn Menschen aus dem Ausland nach Oldenburg reisen, auf was stoßen sie? Ich würde sagen: Auf eine Stadt, in der die Kultur eine hohe Bedeutung besitzt. In der man ihr im Straßenraum, bei kleinen und großen Veranstaltungen und in einer ganzen Reihe hervorragender Kulturstätten begegnet. Wenn ich mir etwa vorstelle, dass Reisende vom Bahnhof aus das Computer-Museum entdecken, durch die MEMUR-Galerie streifen, sich vom Horst-Janssen-Museum überraschen lassen und abends vielleicht das Staatstheater oder ein Konzert im Polyester besuchen, dann erfüllt mich das mit einem guten Gefühl. Oldenburg kann sich sehen lassen, so viel steht fest. Und diese Erkenntnis ist nicht nur für jene wichtig, die aus der Fremde hierherkommen. Auch als Einheimische können wir die Oldenburger Szene entdecken. Denn Hand aufs Herz:


Wer war denn schon in jeder Kulturstätte unserer Stadt? Wer nimmt wirklich jede Ausstellung und jedes Theaterstück mit? Auch ich bin sehr weit davon entfernt. Man darf also gerne in die Ferne schweifen, doch man sollte sich immer wieder bewusst machen: Das Gute liegt auch nah.

 

Keine Frage: Ich erinnere mich gern an meine Reise zurück. Sie war prallgefüllt mit vielen intensiven Eindrücken und Erlebnissen und tatsächlich gab es kleine und große Kulturmomente, die mir lebhaft in Erinnerung geblieben sind. Eines stand aber von Anfang an fest: So aufregend ein Trip in andere Städte und Länder auch ist, so schön ist es doch, nach Oldenburg zurückzukehren. Frisch inspiriert, voller Tatendrang und mit Vorfreude auf eine starke Kulturszene, für die ich jederzeit gern in eine Zeitmaschine steige. Und mit der geht es für mich jetzt: zurück in die Zukunft.

 

 
 
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