STAATSAKT #14: IL BARBIERE DI SIVIGLIA
- vor 24 Stunden
- 11 Min. Lesezeit
Das Oldenburgische Staatstheater ist das Flaggschiff der Oldenburger Kulturlandschaft. Sein Output allein würde unsere Stadt schon zu einer Theatermetropole machen. Um halbwegs den Überblick zu behalten, gibt es nun den Kulturschnack Staatsakt. Hier treffen wir uns mit den Akteur:innen und sprechen mit ihnen über Premieren, Projekte, Persönliches. Das ist Theater - im Rampenlicht und hinter den Kulissen!

Manche Menschen kennen Sevilla aus eigener Anschauung. Und wer mal in der andalusischen Metropole war, wird sicher immer gern daran zurückdenken, die Stadt könnte schließlich schöner kaum sein. Doch auch diejenigen, die Spanien noch nicht so genau erkundet haben können mir dem Namen Sevilla in der Regel etwas anfangen. Und das hat weniger mit den örtlichen Fußballclubs oder der Weltausstellung von 1992 zu tun, sondern vielmehr mit einer Oper.
Der Italiener Gioachino Rossini komponierte für die Karnevalssaison 1816 im römischen Teatro Argentino „Il Barbiere di Siviglia“ („Der Barbier von Sevilla“) - und sollte damit eines der erfolgreichsten Werke dieser Gattung schaffen. Einerseits war es sehr zugänglich, weil Rossini sich musikalisch von traditionellen Volksliedern inspirieren ließ, andererseits hat die Opera buffa eine positive, heitere Grundstimmung. Komik statt Drama also - und damit ein perfekter Einstieg in die Opernwelt. Welche doppelte Herausforderung eine Oper an das Ensemble stellt, was Gesang mit Fußball zu tun hat und warum eine Arie nichts fürs Radio ist? Das hat uns im KULTURSCHNACK STAATSAKT NR. 14 der armenische Bariton Aksel Daveyan verraten, den wir im Oldenburgischen Staatstheater als „Figaro“ erleben dürfen.
OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER
IL BARBIERE DI SIVIGLIA
KOMISCHE OPER VON GIOACHINO ROSSINI
MI 29.4. 19:30 UHR KARTEN
SA 16.5. 19:30 UHR KARTEN
SA 16.5. 19:30 UHR KARTEN
FR 22.5. 19:30 UHR KARTEN
FR 22.5. 19:30 UHR KARTEN
MO 25.5. 18:00 UHR KARTEN
MO 25.5. 18:00 UHR KARTEN
DI 16.6. 19:30 UHR KARTEN
DI 16.6. 19:30 UHR KARTEN
MI 1.7. 19:30 UHR KARTEN
MI 1.7. 19:30 UHR KARTEN
FR 3.7. 19:30 UHR KARTEN
FR 3.7. 19:30 UHR KARTEN
GROßES HAUS
26122 OLDENBURG
V I E R Z E H N T E R
S T A A T S A K T
E R S T E R A U F T R I T T
Ein kleiner, mit Mobiliar aus den 1970er Jahren ausgestatteter Aufenthaltsraum im Probengebäude eines Theaters. Trotz seiner offensichtlich untergeordneten Funktion und der geringen Dimensionen verfügt der Raum über raumhohe Fenster, die einen Blick auf historisches Mauerwerk und - jenseits einiger Bäume - auf die Frühlingssonne erlauben. Zwei Kulturredakteure besprechen Blickwinkel und Kamerapositionen, bis schließlich der geladene Opernsänger pünktlich zum Gespräch erscheint

THORSTEN Viele Menschen gehen nur selten in die Oper, und doch ist der Titel „Der Barbier von Sevilla“ weithin bekannt. Hast Du eine Erklärung, warum diese Oper so erfolgreich ist und die Menschen sie lieben?
AKSEL Es ist eine der berühmtesten Opern der Welt, und es ist eine Opera buffa, also eine komische Oper. Vielleicht ist das einer der Schlüssel zu ihrem Erfolg: Sie ist lustig, und die Leute mögen das. Es ist gewissermaßen „leichtere Kost“ als eine dramatische Oper und die Menschen schauen sich das gern an. Außerdem gibt es viele schöne musikalische Nummern und berühmte Stücke, die selbst Leute kennen, die nicht oft in die Oper gehen. Zum Beispiel Figaros Cavatina: „Ah, bravo Figaro, bravo, bravissimo…“ und so weiter. Rossini hat in dieser Oper bekannte Volksmelodien verwendet. Das bringt die Oper näher zu den Menschen denn Volksmusik entsteht aus ihren natürlichen Gefühlen heraus. Und wenn sie etwas hören, das für sie natürlich klingt, dann mögen sie es. Kurzum: Es ist wunderschöne Musik, es ist eine lustige Geschichte, es macht Freude, sie anzusehen.
THORSTEN Du hast gerade schon den Figaro erwähnt, den du verkörperst. Was gefällt Dir persönlich an Deiner Rolle?
AKSEL Nun, die Oper ist nach ihm benannt – „Il barbiere di Siviglia“. Es ist im Grunde die Geschichte über Figaro, der während dieser zwei Akte – also etwa drei Stunden – ständig Dinge in Gang setzt. Man kann Figaro als den Regisseur dieser Oper bezeichnen, denn alles, was wir sehen, die gesamte Handlung auf der Bühne, sind im Grunde seine Gedanken und Ideen. Graf Almaviva kommt zu Figaro, bittet ihn um Hilfe, und von da an beginnt alles. Und ja, er ist wirklich ein sehr kluger Typ, er denkt schneller als die anderen Figuren der Oper, er ist ihnen immer mindestens einen Schritt voraus. Er ist eine wirklich interessante Figur.
Manche würden Figaro vielleicht einen Problemlöser nennen, aber für mich ist er auch derjenige, der all diese Probleme überhaupt erst verursacht – und dann einen Weg findet, sie zu lösen, um den anderen zu zeigen, wie klug er ist.
Abwechslungsreich: Die Bilderstrecke zeigt, wie lustvoll, farbenfroh und dynamisch es bei „Il Barbiere di Siviglia“ zugeht (Bilder: Stephan Walzl)
THORSTEN Gibt es vielleicht Ähnlichkeiten zwischen Dir und der Figur?
AKSEL Oh Nein! (lacht) Ich glaube, ich bin im echten Leben eher eine ruhigere Persönlichkeit, aber ich spiele diese Figur sehr gern. Ich genieße es, diese Figur zum Leben zu erwecken, und ich genieße auch die Figaro-Cavatina. Das ist eines meiner Lieblingsstücke aus der Oper, das ich auf der Bühne aufführe. Ja, es macht Spaß, es zu spielen, und es macht Spaß, es zu singen. Ich genieße das. Aber ich denke nicht, dass ich im echten Leben wie Figaro bin.
THORSTEN Jetzt hast du zum zweiten Mal die „Cavatina“ erwähnt, deshalb muss ich einfach fragen: Kannst du die Passage einmal ansingen, damit wir uns vorstellen können, wie das klingt?
AKSEL Aber klar! (singt) A bravo Figaro, bravo, bravissimo, a bravo Figaro, bravo, bravissimo, fortunatissimo, fortunatissimo, fortunatissimo, per verità, lalalalalalalalala, a te fortuna, a te fortuna, a te fortuna non mancherà.
THORSTEN Großartig, vielen Dank! Wie Operngesang klingt, haben wir jetzt gehört. Aber du singst auf der Bühne ja nicht nur. Viele vergessen, dass du auch spielst. Wie wichtig ist das Schauspiel in der Oper?
AKSEL Ich würde sagen, in der modernen Oper ist das Schauspiel manchmal sogar wichtiger als der Gesang, aber ich würde beides nicht trennen. Wir werden Opernsänger genannt, aber wir sind auch Opernschauspieler. Schauspiel und Gesang sollten zusammengehören, sie sollten eine einzige Handlung sein und beides muss ganz natürlich zusammenkommen. Die Gesangslinie muss auch die Emotionen des Schauspiels transportieren.
Wir wissen, was wir singen, wir wissen, was unsere Zeilen bedeuten, also müssen wir zeigen, dass wir verstehen, was wir singen – und das geschieht durch das Schauspiel. Und ich denke, ja, das ist sehr wichtig: Schauspiel ist ebenfalls ein sehr wichtiger Bestandteil für eine gute Opernaufführung.
STARKES THEATERPROGRAMMDIE GROßE VIELFALTMit dem KULTURSCHNACK STAATSAKT starten wir ein regelmäßiges Interview-Format mit dem Oldenburgischen Staatstheater. Ihr fragt euch, warum wir das tun? Nun: Dafür gibt es genau 188 Gründe.
![]() Das ist nämlich die Zahl der Seiten des aktuellen Spielzeitheftes des Oldenburgischen Staatstheaters. Es ist prall gefüllt mit dem äußerst facetten- und variantenreichen Programm der insgesamt sieben Sparten. So gibt es in der kommenden Spielzeit 3 Uraufführungen und 31 Premieren, dazu 19 Wiederaufnahmen und unzählige weitere Attraktionen. Und selbst das ist noch nicht alles. Zwischen und außerhalb von Oper, Schauspiel oder Konzert finden viele weitere Projekte statt. Das Staatstheater schreibt weiter an seiner eigenen Geschichte - und damit auch jener der Stadt. Angesichts dieser Opulenz haben wir uns dazu entschieden, dem Staatstheater regelmäßig einen Besuch abzustatten. Gemeinsam suchen wir nach spannenden Gästen, Themen und Geschichten für den KULTURSCHNACK STAATSAKT. Was ihr davon habt? Einen spannenden Einblick in die Theaterwelt und mehr Informationen darüber, was die Menschen dort bewegt. |
THORSTEN Wir haben bereits erwähnt, dass „Der Barbier von Sevilla“ eine heitere Oper ist, eine komische Oper. Was bevorzugst du persönlich: leichte Geschichten mit Happy End oder große Tragödien?
AKSEL Ich spiele lieber komische Charaktere wie Figaro oder andere Rollen aus der Opera buffa. Für mich ist es schöner, diese humorvollen Figuren auf der Bühne zum Leben zu erwecken. Manchmal braucht man aber auch Tragödien, sonst wäre es vielleicht ein bisschen langweilig, wenn alles nur lustig ist. Ich denke, beides ist gleichermaßen wichtig.
THORSTEN Lass uns über das Singen sprechen. Wie würdest du den „Barbier von Sevilla“ einordnen? Ist das eine Herausforderung für dich oder fällt dir deine Rolle als Figaro eher leicht?
AKSEL Oh, dieser „Barbier von Sevilla“ am Oldenburgischen Staatstheater wird etwas ganz Besonderes sein. Es ist ein lange erwartetes Debüt für mich. Ich habe mein ganzes Leben darauf gewartet. Ich habe wirklich gehofft, diese Rolle eines Tages zu singen. Jetzt habe ich die Chance dazu.
Ich habe mich jahrelang darauf vorbereitet. Deshalb genieße ich die Proben und auch den gesamten Lern- und Einstudierungsprozess. Es war eine große Freude für mich, das Wirklichkeit werden zu lassen.
Fremde Sprache, vertrautes Thema: Aksel Daveyan konnte sich zwar nicht in seiner armenischen Muttersprache ausdrücken, wusste aber dennoch viele kluge Dinge zu sagen. (Bilder: Kulturschnack)
THORSTEN Oper wirkt immer sehr intensiv. Der Gesang klingt oft sehr leidenschaftlich. Wie ist das für dich als Sänger? Gehst du stimmlich immer an deine Grenzen? Oder ist es eher so, dass du singst, wie andere unter der Dusche singen?
AKSEL Das ist eine interessante Frage. Ein professioneller Opernsänger würde nicht zeigen, dass das seine absolute Grenze ist. Opern dauern normalerweise etwa drei Stunden oder länger. Wir müssen also von Anfang an darauf vorbereitet sein, dass wir bis zum Ende singen und auch am Ende der Oper die gleiche stimmliche Kraft zeigen können wie am Anfang.
Das ist eine sehr professionelle Angelegenheit. Es ist nicht wie Singen unter der Dusche. Wir müssen darauf vorbereitet und in der Lage sein, drei Stunden oder länger mit derselben Energie und derselben Kraft zu singen.
THORSTEN Das heißt: Du brauchst tatsächlich eine spezielle Technik, um Oper singen zu können?
AKSEL Ja, genau das studieren wir an Universitäten, Konservatorien und anderen Einrichtungen. Wir brauchen spezielle Techniken, die nicht bei allen Sängern gleich sind. Das ist sehr individuell. Es geht vor allem um harte Arbeit und darum, gut vorbereitet zu sein – auf die jeweilige Rolle und die konkrete Produktion. Wahrscheinlich bräuchte ich für eine umfassende Antwort auf diese Frage ungefähr ein Jahr. Das ist so, als würdest du einen Fußballspieler fragen, wie man Fußball spielt. Das kann man einfach nicht erklären. (lacht)
THORSTEN Experten loben nicht nur deinen Stimmumfang und deine technischen Fähigkeiten, sondern auch deine Verbindung zum Publikum. Denkst du während des Auftritts bewusst über dein Verhältnis zum Publikum nach? Bedeutet das, dass du nicht nur Sänger bist, sondern auch Entertainer?
AKSEL Das kommt darauf an. Bei Opernaufführungen gibt es in den meisten Inszenierungen die vierte Wand zwischen Bühne und Publikum. Wenn die Inszenierung nicht vorsieht, diese vierte Wand zu durchbrechen, dann bleiben wir eher in unserer eigenen Welt, innerhalb der Handlung. Aber bei einem Konzert oder wenn wir eine Arie direkt ans Publikum richten, dann ist es natürlich wichtig, einen guten Kontakt zu den Menschen im Publikum zu haben. Ich mag das, weil es wichtig ist, die Menschen zu erreichen. Zudem will ich meine Darbietung genau dorthin bringen, wo ich sie in meinem Kopf sehe.
THORSTEN Lass uns ein bisschen allgemeiner über die Oper sprechen. Wenn jemand zu dir sagt: „Ich mag Oper überhaupt nicht“, wie erklärst du ihm, was er verpasst?

AKSEL Ich glaube nicht, dass wir ihnen sagen müssen, dass sie etwas verpassen. Vielleicht sollten wir einfach sagen, dass es sehr schön ist und dass sie es ausprobieren können. Aber wenn sie nicht wollen, wird sie niemand dazu zwingen, Oper zu hören. Man muss ja auch zugeben: Es ist kein einfaches Hobby. Die Abende können lang sein und für manche vielleicht langweilig. Deshalb sollten sich die Leute am besten ein wenig auf ihren Opernbesuch vorbereiten, denn manchmal ist es eine sehr schwere Geschichte, schwere Musik – und es ist natürlich nicht für jeden.
THORSTEN Was gefällt dir denn persönlich daran? Warum liebst du Oper?
AKSEL Ich liebe die Emotionen, die eine Oper mir gibt, die mir die Musik gibt. Ich liebe die Gefühle, die ich beim Auftreten habe. Vielleicht ist meine Perspektive etwas anders, weil ich derjenige bin, der auf der Bühne steht.
Ich erlebe beim Performen viele unterschiedliche Emotionen, und ich hoffe, dass die Menschen im Publikum diese Emotionen ebenfalls spüren.
THORSTEN Du hast gerade gesagt, man müsse sich vielleicht auf einen Opernbesuch vorbereiten. Würdest du dir eigentlich ein vielfältigeres Publikum wünschen? Vielleicht ein bisschen jünger, wilder? Oder ist es gut so, dass das Publikum hauptsächlich aus Menschen besteht, die wirklich zu schätzen wissen, was auf der Bühne passiert?
AKSEL Ich würde es begrüßen, wenn die Leute es zumindest einmal ausprobieren. Wenn es ihnen nicht gefällt, ist das völlig in Ordnung. Aber vielleicht gefällt es ihnen nach dem ersten Versuch, und es wird zu einem Hobby für sie – und wir hätten eine:n neue Opernliebhaber:in. Aber ja, jeder sollte es wenigstens einmal versuchen, vielleicht auch mehr als nur einmal.
THORSTEN ...und „Der Barbier von Sevilla“ ist dafür ein guter Einstieg?
AKSEL Ja, wir haben auf der Bühne viel Spaß – deshalb bin ich sicher, dass auch das Publikum Spaß haben wird.

THORSTEN Für leidenschaftliche Opernfans bist du so etwas wie ein kommender Star. Alle anderen würden auf der Straße an dir vorbeilaufen. Was denkst du darüber? Bekommt die Oper die Aufmerksamkeit, die sie verdient - auch im Vergleich mit manchen Popstars, die kaum singen können, aber trotzdem berühmter sind?
AKSEL Nein, das stört mich nicht. Das ist mein Beruf. Ich bin Opernsänger. Ich schätze die Menschen, die zu unseren Aufführungen kommen. Nicht jeder kann Oper mögen, und ich kann niemandem vorwerfen, dass er sie nicht mag. Wir stehen nicht in Konkurrenz zu anderen Sängern – es ist einfach, wie es ist.
THORSTEN Was glaubst du: Könnte es eine Oper in die Charts schaffen, wenn man einen modernen Beat drunterlegt? Könnte sie dann im Radio laufen?
AKSEL Ich weiß es nicht. Die berühmten Opernstücke wurden vor zwei Jahrhunderten geschrieben. Es gibt keinen einfachen Weg, ihnen ein neues Leben zu geben. Sie sind eher wie ein Schatz, den die Menschen besuchen – wie in einem Museum. Die Leute gehen dorthin, um ihn zu sehen, seine Präsenz zu genießen.
Opern sind nichts Vorübergehendes, kein Song, der einfach auf Musikplattformen erscheint, ein Jahr lang der bekannteste ist und dann verschwindet, während der nächste kommt. So ist es einfach nicht.

THORSTEN Du hast bereits einige Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Wie wichtig sind sie für dich – sowohl für deine Karriere als auch persönlich?
AKSEL Sie sind sehr wichtig, denn Gesang, insbesondere klassischer Gesang und Operngesang, ist eine darstellende Kunst. Es ist sehr wichtig, gutes Feedback von Menschen zu bekommen, die schätzen, was wir tun. Alles passiert auf der Bühne, es geschieht für die Menschen, die es anschauen. Deshalb ist es für mich sowohl persönlich als auch für meine Karriere sehr wichtig.
Ich schätze positives Feedback vom Publikum sehr. Deshalb danke ich allen Menschen, die ins Staatstheater kommen, um klassische Musik und Opern hören. Vielen Dank dafür!
THORSTEN Du bist auch auf Instagram aktiv. Ich habe mich gefragt, ob die Anzahl der Follower hinsichtlich der Engagements für einen Opernsänger eine Rolle spielt?
AKSEL Das zeigt ein Stück weit, wie populär ein Sänger ist – sogar in der Opernwelt sind Sänger manchmal populär. Es ist nicht der wichtigste Teil unserer Karriere, aber es ist auch wichtig. Und ja, es ist einfach gut, viele Follower in den sozialen Medien zu haben.
THORSTEN Vielleicht bekommst du ja durch den Staatsakt einzige dazu! (beide lachen) Lass uns zum Ende noch kurz in die Zukunft blicken. Du bist in Armenien geboren, genauer gesagt in Jerewan, und bist über Zürich nach Oldenburg gekommen. Wohin führt deine Reise noch? Gibt es ein Opernhaus, an dem du unbedingt einmal singen möchtest, oder ist Oldenburg schon der beste Ort für dich?
AKSEL In meiner Vorstellung führt mich mein Weg auf internationale Bühnen. Für mich ist das Staatstheater in Oldenburg sehr wichtig, weil es der Anfang meiner professionellen Karriere ist – mein erstes Opernhaus, mein erstes Theater. Es ist mir sehr wichtig. Aber:
Ich versuche, auf internationale Bühnen zu kommen, überall dorthin, wo es mir möglich ist. Je weiter ich komme, desto glücklicher werde ich sein.

Il barbiere di Siviglia: Zum Glück keine Revolution
Nein, man muss nicht nach Sevilla oder Rom reisen, um „Il Barbiere di Siviglia“ in passender Atmosphäre mit einer starken Besetzung zu sehen. Dafür reicht eine kleine Radtour zum Theaterwall. Denn im Oldenburgischen Staatstheater ist der Klassiker in einer Fassung zu sehen, die vielleicht keine revolutionären Akzente setzt - die sich aber ganz bewusst entscheidet, genau das nicht zu tun. Denn eines ist sicher: Das ist beim Barbier von Sevilla gar nicht nötig.
Zu sehen ist stattdessen eine angenehm unaufgeregte Version der erfolgreichsten und beliebtesten Opern der Welt, vorgetragen von einem äußerst spielfreudigen Ensemble um „Figaro“ Aksel Daveyan, dessen Enthusiasmus sich ohne Reibungsverlust aufs Publikum überträgt. In beinahe jeder der insgesamt einhundertachtzig Minuten ist zu spüren, warum diese Opera buffa auch diejenigen kennen, die niemals in die Oper gehen: Sie bietet eine einzigartige Mischung aus mitreißender Musik und einer schönen Geschichte. Und das fühlt sich auf der Seele genauso gut an wie die warme Sonne Andalusiens.



























