WIE GEHT MUSEUM?
- vor 1 Tag
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 10 Stunden
Korridore, Vitrinen und Exponate: Der grundsätzliche Aufbau eines Museums ist stets ähnlich. Die Ausstellungen bieten jedoch immer wieder Neuerungen und Überraschungen, die in unseren Köpfen viel bewegen und lange nachhallen. Wie gelingt das? Die kurze Antwort lautet: Weil es Leute gibt, die sich damit auskennen. Und die werden u.a. in Oldenburg ausgebildet - im Studiengang Museum und Ausstellung an der Carl von Ossietzky Universität. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Klara von Lindern hat uns erzählt, worauf es ankommt.

Wenn Besucher:innen ein Museum betreten, ist alles bereits entschieden. Die Beleuchtung ist gesetzt, die Texte sind geschrieben, die Objekte stehen an ihrem Platz. Nichts wirkt zufällig. Alles scheint Ergebnis einer stillen Selbstverständlichkeit zu sein. Doch diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis eines langen, meist unsichtbaren Prozesses. Einer Arbeit, die sich selten zeigt – und gerade deshalb schwer zu greifen ist. „Was wir im Museum sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Dr. Klara von Lindern von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Expertin für Sammlungs- und Museumsgeschichte spricht ruhig, ohne Pathos. Eher wie jemand, der diesen Satz nicht erklären muss, weil er ihn seit Jahren in der Praxis bestätigt sieht. Was unter der Oberfläche liegt, ist das eigentliche Thema ihrer Arbeit.

Klara ist Mitarbeiterin am Institut für Materielle Kultur. Wer es betritt, spürt sofort: Hier ist etwas anders als auf anderen Fluren des Hochschulkomplexes. Das liegt nicht nur daran, dass es sich im Brückenbau oberhalb des Uhlhornswegs befindet und man beinah die Luft unter sich zu spüren glaubt. Vielmehr ist der Vibe ein ganz anderer als in den übrigen Fluren des Gebäudes A2 auf dem Campus Haarentor: bunt, kreativ, mit einer spürbaren „Hands-on“-Mentalität.
Zum Institut gehört der interdisziplinäre Master-Studiengang „Museum und Ausstellung“. Entstanden ist er aus einer Verschiebung heraus, die heute selbstverständlich klingt, die bei seiner Gründung vor etwa zwanzig Jahren aber neu war: der Blick auf Objekte als Träger von Geschichten, nicht nur als Anschauungsmaterial. Die sogenannten Material Culture Studies, eine Idee aus dem angloamerikanischen Raum, wurden in Oldenburg früh in die Lehre übersetzt – nicht als Theorieimport, sondern als Arbeitsweise.
Der Anspruch war, nicht nur über Museen zu sprechen, sondern in ihnen zu arbeiten. Wie erzählt man die Geschichte eines Exponats? Wie macht man seine Entstehung oder seine Bedeutung spürbar? Wie bettet man es in Kontexte ein, erzählt eine fesselnde „Story“ dazu? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, ob es Projekt gelingt oder nicht. Und hier lernen die Studierenden, sie zu finden. Wir haben mit Klara darüber gesprochen, was bei der Entwicklung einer Ausstellung wirklich zählt, warum der Praxisbezug im Studium eine so große Rolle spielt, welche neuen Trends und Entwicklungen es gibt und wie es um die Karrierechancen für die Absolvent:innen steht.

Begegnung mit dem Unsichtbaren
Wer heute durch ein Museum geht, sieht Resultate. Was kaum jemand sieht, ist der Prozess dorthin. Inventarisierung, Dokumentation, konservatorische Abwägungen, Konzeption, Abstimmung zwischen Abteilungen, externe Kooperationen, Finanzierung, Vermittlung. Es gibt einen sichtbaren und unsichtbaren Teil einer Ausstellung - letzterer ist der deutlich größere.
Der Studiengang Museum und Ausstellung in Oldenburg gilt als einer der ersten seiner Art in Deutschland. Wie ist er entstanden?
Der Studiengang wurde vor über 20 Jahren gegründet und war tatsächlich der erste mit diesem klaren Fokus auf die Verbindung von Theorie und Praxis im Museumsbereich. Entscheidend waren dabei vor allem die Personen, die ihn aufgebaut haben - wie die Professorin Karin Elwanger. Schon früh hat sie sich für einen stark praxisorientierten Zugang zur Museumsarbeit eingesetzt und sich mit materieller Kultur beschäftigt – zu einer Zeit, als dieser Ansatz in Deutschland noch kaum etabliert war. Die sogenannten Material Culture Studies stammen ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum und haben sich hierzulande erst in den 1990er- und 2000er-Jahren stärker durchgesetzt. In Oldenburg wurden sie vergleichsweise früh aufgegriffen und weiterentwickelt.

Was war die Idee hinter dieser starken Praxisorientierung?
Ein zentraler Gedanke ist, dass sich Museumsarbeit nicht allein durch Theorie lernen lässt. Viele Praktiker:innen in Museen sagen heute, dass sie aus dem Studium nur einen Teil dessen tatsächlich im Arbeitsalltag benötigen – vieles erschließt sich erst in der Praxis.
Genau dort setzt der Studiengang an. Er folgt dem Prinzip des „Learning by Doing“. Studierende sollen nicht nur wissen, wie Museen theoretisch funktionieren, sondern verstehen, wie sie tatsächlich arbeiten.
Dazu gehört vor allem der Umgang mit Objekten, das Kennenlernen von Arbeitsabläufen und das Verständnis dafür, dass Museen eigene Organisationslogiken besitzen. Das, was Besucherinnen und Besucher später sehen – die Ausstellung – ist nur ein kleiner, sichtbarer Teil einer sehr viel größeren Struktur.

Was bleibt für Besucherinnen und Besucher normalerweise unsichtbar?
Sehr viel. Der sichtbare Teil einer Ausstellung ist nur die Oberfläche dessen, was im Hintergrund passiert. In der Museumsforschung wird häufig zwischen exponierten und nicht sichtbaren Prozessen unterschieden – also zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was dafür notwendig ist. Dazu gehören Inventarisierung, Dokumentation, konservatorische Prozesse, konzeptionelle Arbeit, Abstimmungen im Team und viele organisatorische Schritte. All das bleibt im Museumsbesuch meist unsichtbar. Der Studiengang versucht genau diese Ebene zugänglich zu machen. Studierende sollen nicht nur Ausstellungen analysieren, sondern selbst durchlaufen, wie solche Prozesse entstehen.
Eine Region als Reallabor
In Oldenburg ist das Museum kein isolierter Ort, sondern Teil eines Netzwerks.
Zwischen Oldenburg, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven liegt eine Museumslandschaft, die dicht genug ist, um als Praxisfeld zu funktionieren – und vielfältig genug, um unterschiedliche Arbeitsformen zu ermöglichen. Studierende gehen früh hinein in reale Arbeitsprozesse, nicht als Beobachtende, sondern als Beteiligte.
Wie ist der Studiengang strukturell aufgebaut?
Der Studiengang ist im sogenannten Oldenburger Modell verankert und wird von drei Fächern gemeinsam getragen: Geschichte, Kunst und Materielle Kultur. Dadurch entsteht eine interdisziplinäre theoretische Basis. Die Studierenden beschäftigen sich beispielsweise mit historischen Quellen, kunstwissenschaftlichen Fragestellungen oder ethnologischen Perspektiven auf Objekte und Sammlungen. Diese Vielfalt bildet den theoretischen Rahmen.
Besonders charakteristisch ist jedoch der hohe Praxisanteil. Bereits im ersten Studienjahr verbringen die Studierenden regelmäßig Zeit in Kooperationsmuseen und arbeiten dort an konkreten Projekten mit – von Digitalisierung und Inventarisierung über Vermittlungsformate bis hin zur Entwicklung von Ausstellungstexten.
Objekt trifft Digitalität: Im Haus für Medienkunst verschmelzen kuratorische Traditionen und technische Möglichkeiten zum Museum der Gegenwart - wie hier bei einer Ausstellung von Tuan Andrew Nguyen. (Bilder: Kulturschnack)
Welche Rolle spielen die Museen in der Region dabei?
Eine sehr große. Der Studiengang ist eng mit Museen in der Region vernetzt, die seit vielen Jahren kontinuierlich mit der Universität zusammenarbeiten. Diese Kooperationen sind keine kurzfristigen Projekte, sondern langfristige Partnerschaften. Viele Museen sind seit der Gründung des Studiengangs beteiligt und entwickeln regelmäßig neue Projektideen gemeinsam mit den Studierenden. Diese enge Verzahnung ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Gleichzeitig zeigt sich hier auch ein nachhaltiger Effekt: Viele Absolvent:innen arbeiten später selbst in diesen Museen – sei es im Heimatmuseum, in regionalen Kulturinstitutionen oder in größeren Häusern der Umgebung.
So entsteht ein gegenseitiger Austausch: Die Museen bieten Praxiserfahrung, die Studierenden bringen neue Perspektiven und Impulse zurück in die Einrichtungen.
Ohne die enge Zusammenarbeit mit den Museen in der Region wäre dieser Studiengang nicht möglich. Die Museen öffnen ihre Türen, begleiten Projekte über viele Jahre und ermöglichen erst die praktische Ausbildung. Diese Kooperation ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein zentraler Bestandteil des Studiengangs.
Wie groß sind die Jahrgänge im Studiengang?
Der Studiengang ist bewusst klein gehalten. Pro Jahrgang werden maximal etwa zehn Studierende aufgenommen. Das ermöglicht eine sehr intensive Betreuung und enge Zusammenarbeit. Ein besonderes Element ist das gemeinsame Ausstellungsprojekt im weiteren Studienverlauf. Dabei entwickeln die Studierenden eigenständig eine vollständige Ausstellung – von der Themenwahl über Finanzierung und Vermittlungskonzepte bis hin zur Gestaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Diese Projektarbeit bildet einen zentralen Höhepunkt des Studiums, weil hier alle zuvor erlernten theoretischen und praktischen Elemente zusammengeführt werden.

Das Museum öffnet sich – oder verliert Anschluss
Museen sind heute stärker als früher gezwungen, sich selbst zu erklären.
Die Frage ist nicht mehr nur, was gezeigt wird, sondern wem es etwas sagt.
Stichworte wie Partizipation und Inklusion sind längst keine Zusatzprogramme mehr, sondern Teil der Grundstruktur geworden. Es ist ein Perspektivwechsel: weg von der Frage, wie viel Wissen vorausgesetzt werden kann – hin zu der Frage, wie viel Zugang geschaffen wird.
Museen sollen heutzutage attraktiv, zugänglich und vielleicht sogar massentauglich sein. Welche Rolle spielt dieses Thema im Studiengang?
Eine sehr zentrale. Ich würde allerdings den Begriff „Massentauglichkeit“ vermeiden und stattdessen von Inklusion und Partizipation sprechen. Das beschreibt genauer, worum es geht. Diese Themen sind fest in der Lehre verankert – sowohl theoretisch als auch praktisch. Ein Beispiel ist die Arbeit mit Leichter und Einfacher Sprache. Studierende lernen dabei, komplexe Inhalte so aufzubereiten, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen verständlich werden. Das ist kein „Herunterbrechen“, sondern eine bewusste Form der Vermittlung. Interessant ist dabei, dass diese Themen nicht nur von der Lehrseite gesetzt werden.
Viele Studierende bringen selbst ein starkes Interesse an Diversität, Zugänglichkeit und multiperspektivischem Arbeiten mit. Diese Fragen sind in der aktuellen Museumsarbeit insgesamt sehr präsent – sowohl in der Ausbildung als auch in den Museen selbst.
Woman on a Mission: Klara erzählt mitreißend von den Inhalten des Studiengangs, von den Möglichkeiten der Studierenden und von den neusten Entwicklungen in der Museumslandschaft. (Bilder: Kulturschnack)
Geht es dabei auch darum, Museen stärker zu öffnen und neue Zielgruppen zu erreichen?
Ja, aber nicht im Sinne einer einfachen „Vergrößerung des Publikums“. Es geht vielmehr darum, Museen als gesellschaftliche Räume ernst zu nehmen. Wenn Museen relevant bleiben wollen, können sie nicht darauf warten, dass Menschen von selbst kommen. Sie müssen aktiv auf unterschiedliche Gruppen zugehen und ihre Angebote entsprechend erweitern. Ein gutes Beispiel dafür sind sogenannte Stadtlabore oder temporäre Projekte im Stadtraum. Das Stadtmuseum Oldenburg hat etwa während einer Umbauphase bewusst Außenräume genutzt, um mit Menschen außerhalb des Museums in Kontakt zu treten.
Partizipation bedeutet deshalb auch, Schwellen abzubauen und neue Zugänge zu schaffen – räumlich, sprachlich und konzeptionell.
Wenn Ausstellungen riechen lernen
Digitalisierung hat das Museum verändert. Aber nicht so radikal, wie oft behauptet wird. Social Media, digitale Vermittlung, ergänzende Ebenen in Ausstellungen – all das gehört heute dazu. Doch in Oldenburg wird betont: digital ist nicht Ersatz, sondern Erweiterung. Das Museum verschwindet nicht im Digitalen. Es nutzt es.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in diesem Kontext?
Digitale Formate sind heute ein selbstverständlicher Bestandteil von Museumsarbeit. Dazu gehören Social Media ebenso wie digitale Vermittlungsformate oder ergänzende Ebenen in Ausstellungen. Wichtig ist jedoch, digitale Angebote nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung zu verstehen. Sie können helfen, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und neue Formen der Ansprache zu entwickeln. Gleichzeitig wird im Studiengang deutlich vermittelt, dass digitale Kommunikation immer Teil eines größeren kuratorischen Konzepts sein sollte – und nicht isoliert davon funktioniert.

Viele Museen setzen inzwischen auch auf immersive Ausstellungen. Wird dieser Trend im Studiengang aufgegriffen?
Ja, sehr intensiv. Das sogenannte immersive oder multisensorische Ausstellen ist tatsächlich ein klar erkennbarer Trend in der aktuellen internationalen Museumsarbeit. Dabei geht es nicht nur um digitale Technologien oder Virtual Reality, sondern allgemein darum, Ausstellungen stärker über alle Sinne erfahrbar zu machen – also Sehen, Hören, Tasten, teilweise auch Riechen oder Schmecken. Ein Beispiel aus der Lehre war ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Ein Gefühl, das bleibt“. Dort wurde die Geschichte eines Sportvereins aus der Perspektive der fünf Sinne erzählt. Die Studierenden haben etwa gefragt: Wie riecht eine Turnhalle? Wie klingt Vereinsleben jenseits von Applaus? Solche Ansätze zeigen, wie stark sich Ausstellungspraxis derzeit verändert. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Entwicklungen nicht nur von außen kommen, sondern auch von den Studierenden selbst aktiv mitgestaltet werden.
Welche grundlegende Rolle behalten Museen trotz dieser Veränderungen?
Trotz aller digitalen und partizipativen Entwicklungen bleibt eines zentral: das Objekt.
Ich bin überzeugt, dass die Objektbezogenheit das Fundament von Museen bleiben wird. Digitale Ebenen, Szenografie oder immersive Formate können das Erlebnis erweitern, aber sie ersetzen nicht die Wirkung des realen Objekts. Mit Objekten verbindet sich etwas, das oft als „Aura“ beschrieben wird. Dieser Begriff ist nicht statisch, sondern wird immer wieder neu diskutiert und interpretiert.
Aber die besondere Präsenz des Originals bleibt ein wesentlicher Bestandteil von Museumsarbeit. Auch der physische Raum des Museums wird weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Museen sind nicht nur Informationsräume, sondern Orte der Konzentration und der bewussten Wahrnehmung.
Materielle Kultur: Auf dem Flur des Instituts begegnet man vielen vermeintlichen Alltäglichkeiten in neune Rollen als Ausstellungsobjekte. (Bilder: Kulturschnack)
Ausstellungen: Drei Faktoren für den Erfolg
In einer Welt, die schneller wird, fragmentierter, lauter, gewinnt das Museum eine neue Rolle. Nicht als Ort der Beschleunigung, sondern der Verdichtung. Nicht als Gegenentwurf zur Gegenwart, sondern als Raum, in dem sie sich anders ordnet. Das Museum wird damit nicht moderner im technischen Sinn, sondern bewusster in seiner Funktion.
Du beschreibst Museen als Orte der Verdichtung. Können sie in einer zunehmend schnellen, digitalen Welt auch Gegenräume sein?
Ja, durchaus. Museen können gerade in einer Zeit permanenter Reizüberflutung Räume der Konzentration bieten. Das bedeutet nicht, dass sie sich digitalen Entwicklungen verschließen. Im Gegenteil: Digitale Formate gehören selbstverständlich dazu. Aber Museen haben die besondere Stärke, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Menschen auf Inhalte fokussieren können. Diese Kombination aus Offenheit und Konzentration macht Museen als Institution weiterhin relevant.
Was braucht es deiner Meinung nach für eine gelungene Ausstellung?
Im Kern sind es drei Dinge: ein gutes Thema, ein starkes Team und gute Objekte – oder eine Kombination daraus. Wenn ein starkes Team vorhanden ist, lassen sich viele Dinge entwickeln: Räume, Finanzierung, Vermittlungskonzepte und Gestaltung. Ebenso kann ein starkes Objektkonvolut Ausgangspunkt für ein gutes Thema sein. Entscheidend ist jedoch immer die Zusammenarbeit.
Eine Ausstellung ist kein individuelles Projekt, sondern entsteht im Team. Diese Realität spiegelt sich auch im Studium wider, insbesondere im gemeinsamen Ausstellungsprojekt. Dort lernen die Studierenden, dass kuratorische Arbeit immer kollaborativ ist.

Welche Bedeutung hat dieser Teamgedanke für die spätere Berufspraxis?
Eine sehr zentrale. Die Vorstellung des einzelnen „Superkurators“ oder der einzelnen „Superkuratorin“ entspricht längst nicht mehr der Realität. Museumsarbeit ist heute in hohem Maße Teamarbeit – von der Konzeption über die Vermittlung bis hin zur technischen Umsetzung. Genau deshalb spielt Kooperation im Studium eine so wichtige Rolle. Die Studierenden erleben das sowohl in den Praxiseinsätzen in Museen als auch in ihren eigenen Projekten.
Karriere im Museum: Der eigene Weg
Wer den Studiengang abschließt, hat keine klare Berufsbezeichnung. Und genau das ist Teil des Konzepts. Museen bestehen aus vielen Berufen: Vermittlung, Forschung, Verwaltung, Leitung, Kommunikation. Kuratorische Arbeit ist nur ein Teil davon. Gleichzeitig entstehen neue Felder – durch Digitalisierung, durch Forschung, durch neue Erwartungen an Museen selbst. Der Beruf ist in Bewegung. Und damit auch die Wege hinein.
Wie sehen die Berufsperspektiven nach dem Studium aus? Gibt es ausreichend Möglichkeiten im Museumsbereich?
Zunächst einmal ist wichtig zu sagen: Der Studiengang bildet nicht direkt fertige Kuratorinnen oder Kuratoren aus. Er bereitet grundsätzlich auf das Berufsfeld Museum vor – und dieses Feld ist sehr vielfältig. Museumsarbeit besteht nicht nur aus kuratorischen Tätigkeiten. Es gibt zahlreiche Bereiche wie Bildung und Vermittlung, Museumsmanagement, Verwaltung, Forschung, Wissenskommunikation oder Leitungsfunktionen. Je nach Interesse können Absolventinnen und Absolventen sehr unterschiedliche Wege einschlagen.
In vielen Fällen folgt nach dem Studium zunächst ein Volontariat. Das ist im Museumsbereich nach wie vor ein klassischer Einstieg und dient dazu, den Arbeitsalltag über einen längeren Zeitraum kennenzulernen.

Wie realistisch ist der Berufseinstieg in Museen?
Der Einstieg ist möglich, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört vor allem die Spezialisierung, die man im Laufe des Studiums entwickelt, aber auch die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Formate einzulassen. Hinzu kommt, dass der Museumsbereich stark von kulturpolitischen Rahmenbedingungen abhängig ist. In den kommenden Jahren wird es voraussichtlich einen Generationenwechsel geben, da viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Dadurch entstehen neue Stellen. Gleichzeitig entstehen durch digitale Entwicklungen und neue Aufgabenfelder – etwa in der Provenienzforschung oder im digitalen Kuratieren – zusätzliche Berufsbilder. Museen befinden sich insgesamt in einem Wandel, der neue Chancen eröffnet.
Kann man sagen, dass der Studiengang eher breit ausbildet und die Spezialisierung später erfolgt?
Ja, das trifft es gut. Der Studiengang ist bewusst nicht als reine Kurator:innen-Ausbildung konzipiert. Stattdessen vermittelt er Grundlagen, Arbeitsweisen und Einblicke in verschiedene Bereiche der Museumsarbeit. Die eigentliche Spezialisierung erfolgt dann im weiteren Berufsverlauf – je nachdem, welche Schwerpunkte man setzt und welche Erfahrungen man sammelt.

Museen und Ausstellungen: Impulse geben
Es wird dabei bleiben: Als Museums-Besucher:innen werden wir immer nur das scheinbar selbstverständliche Ergebnis all der Arbeiten sehen, die im Vorfeld stattfinden. Besonders faszinierend ist jedoch, diese unsichtbaren Prozesse vor der Eröffnung beim eigenen Rundgang mitzudenken - das Museum also nicht als Bühne zu verstehen, auf der Exponate präsentiert werden, sondern vielmehr als Arbeitsraum oder Labor, in dem die gesamte Anordnung entstanden ist. Das verleiht ihm etwas Lebendiges, das man bewusst wahrnehmen und zu dem man sich positionieren kann. Das Museum rückt noch näher an uns heran.
So mancher Gedanke, der in die Konzeption geflossen ist, könnte - zumindest im Nordwesten - seinen Ursprung im Brückenbau am Uhlhornsweg haben. Dort, wo der Studiengang „Museum und Ausstellung“ beheimatet ist und wo die Studierenden lernen, das Objekt als Ausgangspunkt von Geschichten zu verstehen und es in einen Kontext zu aktuellen Entwicklungen, Strömungen und Neuerungen zu setzen. Seit zwanzig Jahren gibt die Carl von Ossietzky Universität dadurch wichtige Impulse, die über die Alumni und ihre Tätigkeiten in der Museumslandschaft indirekt zu deren Weiterentwicklung beitragen. Das lässt die Ausstellungen noch etwas heller strahlen. Doch wir wissen: sie sind nur die Spitze des Eisbergs.






















