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KUNST AUF REZEPT: AUCH IN OLDENBURG?

  • Thorsten Lange
  • vor 6 Stunden
  • 9 Min. Lesezeit

Kunst und Kultur stehen in erster Linie für Genuss. Für etwas, dass Freude macht und inspiriert. Und obwohl diese Wirkungen erwiesenermaßen positiv für Herz und Kopf sind, wurden die Künste bisher nicht als Medizin anerkannt. Das hat sich nun aber ein Stück weit geändert - denn in Bremen wurde in den letzten drei Jahren etwas getestet, was es in Deutschland zuvor nicht gab: Kunst auf Rezept. Wäre das auch was für Oldenburg?


Ein Oldenburger Arzt verordnet Kunst auf Rezept statt eines Antidepressivums
Wunsch oder Realität? Kunst und Kultur wurden in Bremen testweise ärztlich verordnet. Die Ergebnisse waren positiv. Kommt die Kunst auf Rezept auch nach Oldenburg? (Bild: Canva KI / Kulturschnack)

Zugegeben: Es war kein Paukenschlag, der durch die nationale Presse hallte. Im Gegenteil, viele nahmen kaum Notiz von einer Meldung der Bremer Behörde für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Und doch hätte es genau andersherum sein sollen. Denn was dort im zum Jahresanfang 2023 verkündet wurde, hat das Potenzial, einiges zu verändern. Und zur Abwechslung mal: zum Guten.


Was war passiert? Als Teil des EU-Interreg-Projektes „Arts on Prescription in the Baltic Sea Region“ hatte die Bremer Behörde etwas umgesetzt, das bisher vor allem als „Social Prescribing“ aus Großbritannien bekannt war: Die erwiesenermaßen positiven Wirkungen kultureller Angebote auf unseren Geist anzuerkennen und im Rahmen jenes Projektes sogar ärztlich zu verordnen. Kultur als Medizin, Kunst auf Rezept? Das klingt auch für die Akteur:innen aus diesem Bereich wie eine Utopie, predigen sie doch schon lange die vielfältigen Wirkungen ihrer Angebote, werden dabei aber häufig nicht gehört.


Nach drei Jahren ist das Projekt nun planmäßig ausgelaufen. Wie sind die Eindrücke und Ergebnisse? Wir haben bei unseren Nachbarn in Bremen nachgefragt - und auch die Oldenburger Szene zu Wort kommen lassen.



Gemeinsames Malen beim 10. Oldenburger Zeichenfestival als Symbol für die Gruppenerfahrung bei „Kunst auf Rezept“
Mehr als nur ein Moment? Gemeinsame Kulturerlebnisse - wie hier beim 10. Oldenburger Zeichenfestival - können uns nachhaltig positive beeinflussen. (Bild: Izabela Mittwollen)


Kunst auf Rezept: Bremen geht voran


Für Lea Schunk, Pressesprecherin der Bremer Behörde für Gesundheit, war die Entscheidung klar: Die Teilnahme am EU-Interreg-Projekt „Arts on Prescription in the Baltic Sea Region“ bot „die Chance zur Realisierung eines innovativen und niedrigschwelligen Ansatzes, der die psychische Gesundheit stärkt, präventiv wirken kann und einen gesundheitsfördernden Effekt hat.“

Portrait von Lea Schunk, Pressesprecherin der Bremer Behörde für Gesundheit
Lea Schunk, stv. Pressesprecherin der Bremer Behörde. (Bild: BfGFV)

Gemeinsam mit dem Senator für Kultur und der Bremer Volkshochschule entwickelte das Ressort ein Modell, das Kunst und Gesundheit strukturell miteinander verbindet – ein bislang seltenes Zusammenspiel.


Vor dem Hintergrund steigender Belastungen durch Depressionen, Stress und Angstzustände setzt Bremen stärker auf Prävention und alternative Unterstützungsformen. „Kunst auf Rezept ist ein solches neues Angebot, bei dem der Präventionsgedanke im Vordergrund steht“, erklärt Schunk. Der Ansatz sei international anerkannt: durch gemeinschaftliche Beschäftigung mit Kunst und Kultur können Menschen Stabilität, Anregung und neue soziale Kontakte finden. Das Angebot sei bewusst niedrigschwellig gestaltet und richte sich an alle, die psychisch belastet sind – unabhängig davon, ob bereits eine Diagnose vorliegt. „Kunst auf Rezept versteht sich als diagnosefreier Raum“, betont Schunk.


Innovativer Ansatz im Praxistest

Arts on Prescription in the Baltic Sea Region


Eine Karte des Ostseeraums, die Teilnehmerstädte am EU-Interreg-Projekt „Arts on prescription“ zeigt
Halb Europa: Am EU-Interreg-Projekt nahmen 13 Partnerorganisationen aus 7 Ländern des Ostseeraums teil. (Grafik: EU Interreg Baltic Sea Region)

Das EU-Interreg-Projekt „Arts on Prescription in the Baltic Sea Region“ entwickelt und testet ein gemeinsames Modell, bei dem Ärztinnen und Ärzte Menschen mit psychischen Belastungen gezielt zu kulturellen und künstlerischen Aktivitäten überweisen können. In mehreren Ländern rund um die Ostsee werden hierfür lokale Pilotprogramme aufgebaut, wissenschaftlich begleitet und miteinander verglichen. Ziel ist es, wirksame, niedrigschwellige Angebote zur Stärkung der psychischen Gesundheit zu schaffen und Erkenntnisse für eine langfristige Verankerung im Gesundheits- und Kulturbereich zu gewinnen.


Eine Besonderheit des Bremer Modells liegt im inklusiven Charakter: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen reguläre Kurse der Bremer Volkshochschule, statt in speziell geschaffene Sondergruppen eingeteilt zu werden. Dieser offene Rahmen schafft direkte Anschlussmöglichkeiten über die Kursdauer hinaus. „Dieses Modell ist in besonderem Maße teilhabeorientiert und niedrigschwellig“, betont Schunk und ergänzt:


„Die strukturelle Verknüpfung von Kultur und Gesundheit birgt ein enormes Potenzial als innovativer und kosteneffizienter Weg zur Verbesserung der psychischen Gesundheit“.


Ein Atelier der Werkschule Oldenburg, die „Kunst auf Rezept“ in Oldenburg unterstützen würde.
Gemeinschaftserfahrung: In Kursgruppen kann man nicht nur zusammen arbeiten, sondern sich auch darüber austauschen. (Bild: Werkschule)

Kunst auf Rezept: Ein Erfolgsmodell


Die vorläufige Bilanz - zum Zeitpunkt unseres Gesprächs lief noch das fünfte Semester - fällt ausgesprochen positiv aus. Bereits in den ersten drei Pilotphasen war die Nachfrage deutlich höher als das Angebot: Rund 75 Personen konnten teilnehmen, knapp 200 Anfragen gingen ein. Die Rückmeldungen seien „sehr positiv“, berichtet Schunk. „Viele der Teilnehmenden haben anfangs große Hemmungen gehabt, sich auf neue Gruppen und unbekannte Situationen einzulassen. Das ärztliche Rezept hat dabei oft als entscheidender Motivationsimpuls gewirkt.“ Besonders wichtig sei für viele die begleitende Austauschgruppe gewesen: Dort konnten sie sich im geschützten Rahmen mit anderen „Personen auf Rezept“ austauschen, bevor sie in die offenen Kunstkurse gingen.


„Im Nachhinein haben viele Teilnehmende stolz berichtet, dass sie durch Kombination aus Schutzraum und kreativem Miteinander einen sicheren Einstieg gefunden haben.“

Auch in der Ärzteschaft finde das Programm wachsende Unterstützung. „Die Resonanz war insbesondere aus dem psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereich sehr groß“, so Schunk. Nach und nach seien auch Hausärztinnen, Hausärzte und weitere Fachpraxen hinzugekommen; inzwischen beteiligen sich rund 90 Einrichtungen.

Insgesamt zeige das Projekt, dass die Verbindung von kultureller Teilhabe und Gesundheitsförderung kein Nischenansatz, sondern ein vielversprechender Baustein der Prävention sein kann – und in Bremen bereits viele Menschen erreicht.



Besuchende einer Ausstellung, die positive Erfahrungen machen, wie man sie sich auch von „Kunst auf Rezept“ verspricht.
In aller Ruhe: Die intensive Begegnung mit Kunstwerken tut uns gut - wie hier im Augusteum. (Bild: Kulturschnack)

Kunst auf Rezept: Was machen die Nachbarn?


Zur Erinnerung: Bei „Arts on presciption“ handelte es sich um ein Pilotprojekt. Das heißt: es ging um Erfahrungen und Erkenntnisgewinne, um in Zukunft auf Basis dieser Daten handeln zu können. Ähnlich ist es aktuell auch in Österreich, genauer gesagt im Vorarlberg, wo es das „Museum auf Rezept“ gibt. Ärzt:innen können dort aus einem Kontingent von 1.000 Freikarten Besuche verschreiben, jedoch ohne dass diese Erfahrung wie in Bremen an Gruppen und Kurse gekoppelt ist.


Weiter sind dagegen Frankreich, Belgien und die Schweiz, wo die Kunst auf Rezept ebenso wie in England schon länger praktiziert wird und den experimentellen Charakter weitgehend abgelegt hat. Dr. Catherine Hanak, leitende Psychiaterin an der Uniklinik Brugmann in Brüssel stellt in der Wochenzeitung „Le Nouvel Obs“ fest:


„Wenn wir etwas Angenehmes tun, reagiert unser Gehirn wie bei einem kleinen Feuerwerk: Dopamin wird freigesetzt, und wir fühlen uns sofort wohl. Das passiert beim Sport, bei einem Spaziergang im Wald – und genauso, wenn uns ein Kunstwerk berührt.“


Screenshot der Dokumentation „Kunst als Medizin“ des ORF2
Kunst als Medizin? Eine aktuelle Dokumentation des ORF2 geht dieser Frage nach- Klickt auf das Bild oder hier, um zum Stream zu gelangen. (Bild: ORF2/Good Media Solutions)

Dazu passen Zahlen, die in England für das Jahr 2023 von der Culture Health & Wellbeing Alliance“, einem landesweites Netzwerk kreativer Gesundheitsinitiativen, erhoben wurden: 37 Prozent weniger Hausarztbesuche, 27 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen. Diese Daten decken sich mit Erkenntnissen,. die auch in Deutschland bereits gewonnen wurden. Im Rahmen des Projekts „Einnerungs_reich“ empfahl die Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Karen Voigt von der Allgemeinen Medizinischen Fakultät der TU Dresden, Museumsbesuche in die Regelversorgung aufzunehmen:


Eine Jahreskarte fürs Museum ist insbesondere mit Blick auf die Linderung depressiver Symptome bei Menschen mit Demenz offenbar jedoch deutlich wirksamer als Medikamente. Diese sind teuer, helfen aber laut aktuellen Studien Betroffenen nicht, ihre Lebensqualität zu verbessern.“


Kunst auf Rezept: Zieht Oldenburg nach?


Man könnte also durchaus von einer Bewegung sprechen, die sich langsam aber sicher durchsetzt. Und Oldenburg? Wie sieht es hier aus? Was sagt die Szene? Ist die „Kunst auf Rezept“ ein Heilmittel oder Hokuspokus? Die Antworten auf diese Frage fallen zwar eindeutig, aber durchaus differenziert aus.


Vom Potenzial überzeugt ist Georg Heckel, Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters: Im Theater erleben wir immer wieder, wie tief Kunst und Kultur berühren – sie schenken neue Perspektiven, verbinden und geben Kraft.“ Projekte wie Kunst auf Rezept machten diese Wirkung sichtbar und beschreiten neue Wege. „Für mich ist das ein unorthodoxer Impuls, der uns daran erinnert, welchen unverzichtbaren Wert Kultur für unser gemeinsames Leben hat.“



Ein Kind beobachtet eine Orchesteraufführung im Oldenburgischen Staatstheater
Faszination Kunst und Kultur: Schon von Kleinauf entfachen Musik, Theater und Museen eine eigene Magie. (Bild: Kulturschnack)

Ähnlich sieht es Dr. Jutta Moster-Hoos, Leiterin des Horst-Janssen-Museums: „Kunsttherapie gibt es ja schon lange, und die positiven Effekte sind zahlreich belegt. Spannend finde ich, dass auch die Betrachtung oder Rezeption heilsam sein kann.“ Es seien sehr analoge, sehr unmittelbare Momente, die man im Museum mit sich und der Kunst haben könne.


„Das scheint mit wunderbar zu Entschleunigung und Achtsamkeit zu passen, was wir jetzt alle brauchen und mit Sicherheit hilft es gegen den „Handy-Nacken“.

Jürgen Boese, Kulturreferent des Studierendenwerks, sieht noch einen anderen Aspekt. Die Idee, Kultur als gesundheitsfördernden Multiplikator zu nutzen, passe gut zum Anspruch an eine bürger:innen nahe, inklusive Stadtentwicklung. „Kulturelle Angebote gezielt über die Krankenkasse oder Hausärztinnen/Hausärzte zu nutzen, macht Gesundheitsvorsorge greifbarer und weniger stigmatisierend.“ Noch wichtiger als das Konsumieren sei aber das Selbermachen, weil es die Erfahrung intensiviere. „Ich zitiere dazu einfach mal Brecht: Wenn man zum Kunstgenuss kommen will, genügt es ja nie, lediglich das Resultat einer künstlerischen Produktion bequem und billig konsumieren zu wollen, es ist nötig, sich an der Produktion selbst zu beteiligen, selbst in einem gewissen Umfang produktiv zu sein, einen gewissen Aufwand an Phantasie zu betreiben, seine eigene Erfahrung der des Künstlers zuzugesellen oder entgegenzuhalten.“



The Peyton's in der Markthalle Hamburg als Beispielbild für ein Konzerterlebnis, das auch Teil von „Kunst auf Rezept“ werden könnte.
Intensive Erfahrung: Konzerte sind bisher nicht von der „Kunst auf Rezept“ abgedeckt. Aber wer weiß, wohin die Reise geht? (Bild: Kulturschnack)

Von den positiven Wirkungen soziokultureller Kunst ist auch Dieter Hinrichs überzeugt, der gemeinsam mit Frauke Allwardt das theater hof/19 leitet. „Die Auseinandersetzung mit der Kunst erlaubt Momente der Kontemplation. Diejenigen, die dafür offen sind, nehmen auch etwas davon mit.“ Das sei in der Psychatrie schon seit den 1970er Jahren bekannt. „Ernsthafte Versuche, die 'Kunst auf Rezept' einzuführen sind daher zu begrüßen und positiv zu bewerten.“ Aus Dieters Sicht seien mehr präventive Angebote wünschenswert, allzu großer Optimismus sei aber nicht angebracht: „Ich bleibe vorerst skeptisch, ob sich die Kunst auf Rezept als Kassenleistung durchsetzt.“


Deliane Rohlfs von der Oldenburger Kunstschule freut sich, dass „Kunst und Kultur nun auch aus diesem Blickwinkel ein verstärktes Interesse gewidmet wird.“ Die positiven Wirkungen könne sie bestätigen, doch man müssen weiterdenken. „Für mich stellt sich die Frage, wie es denn um einen allgemein einfacheren Zugang zu Kunst und Kultur bestellt ist?“ 


Hin und hergerissen ist auch Thomas Schulz, Geschäftsführer der Kulturagentur mitunskannman.reden. „Natürlich ist es sinnvoll, wenn Ärzt:innen ihre Patient:innen dazu ermuntern, bestimmten Aktivitäten nachzugehen. Klassischerweise betrifft das meist den Sport, es könnten aber genauso gut kulturelle Aktivitäten sein.“ Wichtig seien aber - gerade bei psychischen Problemen - Gesellschaft. Gespräche und Aktivitäten mit anderen Menschen. Zudem sieht Thomas die Gefahr, dass ein solches Projekt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein könnte.


„Wirklich helfen würde eine Strategie, wie man Menschen frühzeitig an Kunst und Kultur ranführt. Damit schon im Kindesalter Hemmschwellen abgebaut werden und das Ganze vielleicht auch vorbeugend wirkt.“

Aus seiner Sicht sollten Kinder und Jugendliche grundsätzlich freien Eintritt in öffentlichen Kultur- und Sporteinrichtungen haben. „Was wir brauchen ist eine Strategie, wie wir frühzeitig Körper und Seele festigen.“



Teilnehmende am Oldenburger Zeichenfestival während einer Museumsführung
Kunst erleben: Das geht allein, aber vielleicht noch besser in der Gruppe - wie hier beim 10. Oldenburger Zeichenfestival. (Bild: Izabela Mittwollen)

Kunst auf Rezept: Das Know-how vor Ort


Das würde man in der Werkschule vermutlich ähnlich sehen, wäre da nicht der Fokus auf erwachsenes Publikum. Durch ihre Zusammenarbeit mit der Karl-Jaspers-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sammelt sie seit vielen Jahren Erfahrungen in diesem Bereich.


Geschäftsführerin Nicola Heppner betont: „Wir sehen Kunst als Werkzeug vielfältiger Wirksamkeit und Möglichkeiten und schaffen bewusst den nötigen Raum für unser Klientel.“ Die Kunst diene als Ausdruck der Innenwelt und fördere dadurch die emotionale Stabilität und Resilienz. Aber das ist nicht alles: „Das Schaffen in einem kreativem Rahmen mit Materialien wie Farben, Holz und Ton birgt großes Potenzial zur Entwicklung der Kreativität, welche erwiesenermaßen zur Genesung aller Art beiträgt.“



Vielfältige Erfahrungen: Die Werkschule arbeitet schon seit langer zeit mit der Karls-Jaspers-Klinik zusammen. In Zuge dessen entstand auch dieser Film.

Die Werkschule öffne also nicht nur den Nährboden für heilsames Tun, sondern biete den Teilnehmenden durch die Gruppe und Kontinuität zudem einen Rahmen, in welchem sie ihren Ausdruck und weiter Gemeinschaft finden. „Dadurch erleben wir, wie besonders in fortlaufenden Kursen dies als fester Bestandteil eines wertvollen Ausgleichs zur Alltags- und Stressbewältigung dient.“ Der Umgang mit dem Material, der kreative Schaffensprozess, der gegenseitige Austausch und damit einhergehende Inspiration bis hin zum fertigen Stück, beschere vielen Menschen wohltuende Zufriedenheit und Stabilität, welche sie oft über Jahre bis sogar Jahrzehnte an Kursen teilhaben lässt.


„Daher sind wir überzeugt, dass Kunst zur allgemeinen Gesundheit und Stabilität nachhaltig beiträgt, wenn nicht sogar einen hohen Anteil haben kann und erachten den Ansatz 'Kunst auf Rezept' als äußerst sinnvoll.“


Kursteilnehmende an der Werkschule Oldenburg
Volle Konzentration: Künstlerisches Arbeiten entführt uns aus unserem Alltag - in dem oft die Ursachen für psychische Belastungen zu finden sind. (Bild: Werkschule)


Kunst auf Rezept: Zu schön, um wahr zu sein?


Die Sachlage ist eindeutig, die Stimmung positiv: Eigentlich spricht wenig gegen die Einführung von „Kunst auf Rezept“. Bereits seit 2014 profitieren zehntausende Brit:innen von diesem Ansatz und verursachen dabei weniger Kosten als herkömmliche Therapien. In den Folgejahren setzte sich die Idee in immer mehr Ländern durch, zum Teil in direkter Nachbarschaft zur Bundesrepublik. Was bisher jedoch noch fehlte, war eine groß angelegte Studie, die alle Erfordernisse für eine erfolgreiche Integration des Ansatz in eine nationales Gesundheitssystem darstellt. Nicht zuletzt darauf zielte das EU-Interreg-Projekt ab. Dessen Ergebnisse dürften jedoch noch eine Weile auf sich warten lassen.


Wann die Verschreibung von Kunst und Kultur in Deutschland flächendeckend eingeführt wird, steht deshalb noch in den Sternen. Obwohl auch hierzulande Erkenntnisse vorliegen, gibt es bisher noch keine Anzeichen, dass dies in naher Zukunft der Fall sein könnte. Beruhigend ist jedoch zu wissen, dass in Bremen bereits der Beweis erbracht wurde, dass Kunst auf Rezept im norddeutschen Raum erfolgreich umgesetzt werden kann - und dass die Oldenburger Kulturszene mit Aufgeschlossenheit, Unterstützung und der nötigen Kompetenz bereit stünde, sollte es eines Tages so weit sein.


Das Laienärzteteam des Kulturschnack verschreibt deshalb an dieser Stelle dreimal am Tag eine kleine Dosis vorsichtigen Optimismus. Denn eines steht fest: Dies ist eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt.

 
 
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